Regel


Regel

Das Wort Regel hat drei Gruppen von Bedeutungen:

  1. eine Richtlinie, Norm oder Vorschrift (freiwillig oder verpflichtend)
  2. eine geistes- oder naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeit
  3. das gewöhnlich Eintretende – im Sinne von voraussehbar, periodisch, regelmäßig.

Eine Sammlung von Regeln wird auch als Regelwerk oder Reglement bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Definition lt. Duden

Das Wort taucht als lateinisches Lehnwort regula, regile um das 9. Jahrhundert im Althochdeutschen auf (aus lat. regula = Maßstab, Richtschnur) und formte sich im Mittelhochdeutschen zu regel, regele.

Eine Regel ist eine aus bestimmten Regelmäßigkeiten abgeleitete, aus Erfahrungen und Erkenntnissen gewonnene, in Übereinkunft festgelegte, für einen bestimmten Bereich als verbindlich geltende Richtlinie [1].

Drei Gruppen von Regeln

Im Einzelnen versteht man unter „Regel“ (geordnet nach o. a. Gruppen):

Im Sinne einer Richtlinie

  • eine Vorschrift für das soziale Verhalten (Verhaltensnorm), zum Beispiel Verkehrsregeln, Benimm- oder Spielregeln
  • eine Richtschnur für das eigene Verhalten (Maxime)
  • die Ordensregel, das „Grundgesetz“ in einer klösterlichen Gemeinschaft
  • eine Übereinkunft, an die man sich nach allgemeiner Auffassung halten sollte (Konvention, Standard)
  • in der Linguistik eine Anweisung bzw. verallgemeinerte Beschreibung der Bildung komplexer sprachlicher Einheiten wie Wort und Satz (Grammatik)
  • in der Stilistik eine Anweisung bzw. Beschreibung zur Einhaltung eines erwünschten Stils.

Im Sinne einer Gesetzmäßigkeit

Im Sinne der Regelmäßigkeit oder Voraussehbarkeit

Regeln im Sinne eines sich wiederholenden Vorganges

In dieser Bedeutung wird der Terminus „Regel“ verwendet, um einen Vorgang (vorwiegend handelt es sich dabei um objektiv reale Vorgänge) zu bezeichnen, der sich unter gleichen oder ähnlichen Bedingungen immer oder wenigstens in der Mehrzahl der Fälle wiederholt. In dieser Bedeutung ist der Terminus "Broky " den Termini Gesetzmäßigkeit und Regelmäßigkeit nahe verwandt. Er wird in dieser Weise verwendet, um anzudeuten, dass der betreffende Vorgang einer statistischen Gesetzmäßigkeit unterliegt – also sich nicht immer oder nicht immer in gleicher Weise wiederholt – oder dass es nicht klar ist, ob diese Wiederholung zufällig oder gesetzmäßig ist.[2]

Methodische Regeln

Methodische Regeln beruhen auf Gesetzesaussagen, sind jedoch selbst keine Aussagen. Während die Aussage designativen Charakter besitzt (siehe Designator), hat die Regel Aufforderungscharakter, einen präskriptiven Charakter (siehe Preskriptor). Die methodische Regel ist eine Anweisung oder Anleitung zum ideellen oder physischen Handeln. Eine Schlussregel bestimmt zum Beispiel diejenige Operation, durch die man von einem wahren Ausdruck zu einem anderen wahren Ausdruck übergeht. So ist etwa die Abtrennungsregel eine Anweisung, die beinhaltet, dass man aus einer Aussage p und einer Aussage  p \rightarrow q die Aussage q gewinnen kann. Regeln über die Umformung logischer, mathematischer unter anderem Ausdrücke gehören zur Metasprache des betreffenden Gebietes. Sie unterscheiden sich schon dadurch von den Gesetzesaussagen dieses Gebietes. [2]

Unter den methodischen Regeln gibt es solche, die das Handeln desjenigen, der sie anwendet, eindeutig festlegen – vorausgesetzt, man will das durch die Anwendung das anstrebbare Resultat erreichen. Sie werden auch als algorithmische Regeln oder einfach Befehle bezeichnet. Andere stellen eher eine Anleitung als eine Anweisung zum Handeln dar. Dieses kommt vor allem dadurch zum Ausdruck, dass sie lediglich die Grenzen abstecken, innerhalb deren das zum gesteckten Ziel führende Handeln erlaubt bzw. möglich ist, ohne einen sicheren Weg zum Ziel anzugeben. [2]

Regeln der Aussagenlogik

Die Regeln der Aussagenlogik beispielsweise in Form der Abtrennungsregel oder Einsetzungsregel sind eine Anleitung zur Umformung von aussagenlogischen Ausdrücken, aber sie erlauben noch kein schematisches bzw. automatisches Ableiten von Aussagen aus den Axiomen. Sie geben eine Anleitung und stellen fest, welche Umformungen erlaubt sind und welche nicht. Wird etwa ein logischer Beweis vorgelegt, dann ist es mit Hilfe dieser Regeln möglich, nachzuprüfen, ob der Beweis korrekt ist. [2]

Den methodischen Regeln gemeinsam ist jedoch, dass sie auf Gesetzesaussagen und damit letztlich auf objektiv realen gesetzmäßigen Zusammenhängen beruhen. Dadurch wird sichergestellt, dass die von ihnen geforderten Operationen, falls die notwendigen Voraussetzungen gegeben sind, notwendigerweise zum Ziel führen. Da Sätze, die Regeln beschreiben, oft das Wort „sollen“ enthalten, wird manchmal irrtümlicherweise angenommen, es handele sich hier um „Sollsätze“. Beispiel: „Wenn ein logischer Beweis ausgeführt wird, sollen die Schlussregeln angewendet werden“. Dieser Aufforderung enthält kein „Sollen“ im Sinne der Logik der Imperative. Dass man einen Beweis führen soll, wird in der Logik nicht verlangt und verlangen auch nicht die logischen Regeln. [2]

Soziologie und Ethik

Aus soziologischer Sicht spricht man häufig von der Reproduktion von Regeln oder Normen, die dadurch dass sie befolgt werden immer weiterleben. Aus dieser Sichtweise gehören Regeln eng mit Menschen zusammen, die diese befolgen.

Wer sich an Regeln hält, muss sich nicht rechtfertigen (oder bleibt im Rennen). Dies ist relevant bei jeglicher Art von Wettbewerb und Beurteilung fachgerechten Vorgehens. Die Frage ist nur, wo Regeln herkommen bzw. wer sie erlässt (und ob sie anerkannt werden). Diese Frage untersucht Jean Piaget am Beispiel des Murmelspiels (siehe: „Das moralische Urteil beim Kinde“, erstes Kapitel). Er beobachtet Kinder beim Spielen und lässt sich von ihnen nicht nur die Regeln erklären, sondern auch woher sie kommen und ob sie sich verändern lassen. Die Geltung und Befolgung der Regeln führt Piaget auf das Problem der Achtung vor der Gruppe und die Achtung vor sich selbst zurück. Dieser Gedanke passt zu der nüchternen Feststellung Niklas Luhmanns, für den moralische Kommunikation darin besteht, dass man seinem Gegenüber die Bedingungen mitteilt, von denen man die Zuteilung von Achtung abhängig macht.

In der Ethik ist noch der Sonderfall von Gesetzen bekannt, die als gültig dargestellt werden, ohne dass sie jemand aufstellen müsste. Das allgemeine Sittengesetz ist nach Kant beispielsweise a priori gültig für alle vernünftigen Wesen.

Linguistik

Ein wesentlicher Teil der Arbeit in der Linguistik besteht darin, die Regeln zu entwickeln, nach denen sprachlich komplexe Gebilde wie Wörter, Sätze und Texte aufgebaut sind: Wortbildungsregeln, syntaktische Regeln, phonotaktische Regeln... Grammatiken können so als Regelsysteme der Sprachen verstanden werden. Sie beruhen immer auf Konventionen der Sprachgemeinschaft. Anders als Regeln beruhen Sprachgesetze nicht auf Konventionen; damit können Sprachgesetze auch nicht durch Konvention geändert werden, wie das bei Regeln (vgl. Rechtschreibregeln) der Fall ist.

Seit Noam Chomsky wird mit dem Konzept der Regel folgendes Problem markiert. Sein Verständnis setzt die Figur des kompetenten Sprechers voraus, das Mitglied einer Sprachgemeinschaft ist. Diese Gemeinschaft verfügt über einen hinreichend großen Wortschatz und die Regeln (besser: Anweisungen) zur Bildung sinnvoller Sätze. Das Merkwürdige an der Sprache ist nun, dass sich mit einem endlichen Wortschatz (zwischen 2.000 und 10.000 Wörtern) und einer endlichen Anzahl von grammatischen Vorschriften zur Satzbildung unendlich viele verschiedene Sätze bilden lassen. Chomskys „generative Transformationsgrammatik“ ist nun der Versuch, zu erklären, wie es möglich ist, dass man als „kompetenter Sprecher“ in der Lage ist, völlig unbekannte Sätze daraufhin zu beurteilen, ob sie sinnvoll sind oder nicht, wobei Chomsky zurückhaltender von „Wohlgeformtheit“ spricht.

Das bedeutet, dass wir einen Satz nicht unbedingt (sofort) verstehen müssen und ihn dennoch als wohlgeformt beurteilen können. Ein Sonderfall dieses Problems ist die Frage, wie es möglich ist, dass ein das Sprechen lernendes Kleinkind aus den (wenigen) von den Eltern gehörten Sätzen das implizite (Regel-)Wissen entnimmt, das es ihm ermöglicht, völlig neue Sätze zu erfinden, die den Kriterien der „Wohlgeformtheit“ entsprechen. Zur Erklärung ist die Annahme basaler universeller Regeln notwendig, und die Aufgabe der Linguistik ist es, diese zu beschreiben. Wer den Unterschied zwischen Natur und Kultur darin sieht, dass letztere vom Handeln des Menschen abhängt und verändert werden kann, wird seine Schwierigkeiten mit der Einsicht haben, dass diese Basisregeln zur Erzeugung wohlgeformter Sätze ihren „Anwendern“ (den kompetenten Sprechern) weder bewusst sein müssen noch von ihnen verändert werden können – selbst wenn die Linguistik jemals in der Lage sein sollte, sie in einer Sprache zu beschreiben, die für alle verständlich ist. Die Annahme der Existenz solcher universeller Regeln führt zum Begriff der Kompetenz, der ebenfalls auf Chomsky zurückgeht (Kompetenz/Performanz).

Beispiele

Zitat

Die beste Bestätigung eines Gedankens ist es, wenn er zum Verständnis nicht nur der Regel, sondern auch der Ausnahme beiträgt.José Ortega y Gasset (Aufbau und Zerfall Spaniens)

Literatur

  1. Duden: Deutsches Universalwörterbuch, 5. überarbeitete Auflage, Dudenverlag, Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim, 2003, Stichwort Regel, ISBN 3-411-05505-7
  2. a b c d e f Georg Klaus / Manfred Buhr, Philosophisches Wörterbuch, Stichwort „Regel“, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig, 11. Auflage, Leipzig 1975, ISBN 3-920303-36-9, S. 1034f.
 Wikiquote: Regel – Zitate
Wiktionary Wiktionary: Regel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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