Reichspost

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Reichspost
Postgebiete im Deutschen Reich nach 1871
Logo der Deutschen Reichspost um 1925

Dieser Artikel ĂŒber die staatliche Deutsche Reichspost deckt die Zeit seit der GrĂŒndung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 bis zum Jahre 1919 ab. Wegen des umfangreichen Themas werden die Zeit der Weimarer Republik und des „Dritten Reiches“ in einem gesonderten Artikel Deutsche Postgeschichte 1919-1945 behandelt, der den Zeitraum von 1919 bis 1945 abdeckt.

Die Reichspost ging durch Umbenennung am 12. Mai 1871 aus der Norddeutschen Post hervor. Ihr ZustĂ€ndigkeitsbereich entsprach zunĂ€chst dem des frĂŒheren Norddeutschen Postbezirks, erweitert um das annektierte Elsass-Lothringen. Einen Sonderstatus hatten zunĂ€chst noch die LĂ€nder Baden, Bayern und WĂŒrttemberg, die eigene Verwaltungen besaßen und die Tarife fĂŒr Ortssendungen in ihren Bereichen selbstĂ€ndig regelten. Ab 1. Januar 1872 verzichtete Baden zugunsten der Reichspost auf eine eigene Postverwaltung. Zum selben Datum erschienen auch die ersten Briefmarken mit der Aufschrift „Deutsche Reichspost“. Zum 1. April 1902 gab auch WĂŒrttemberg seine eigene Postverwaltung auf, wenngleich eine eigene wĂŒrttembergische Behördenpost noch bis 1920 bestand.

Inhaltsverzeichnis

Deutsche Reichspost

Posthausschild Reichspost um 1900

Leiter der Reichspost

Die Zeit von 1871 bis 1875

Flagge der Postschiffe (1871–1892): Die deutsche Kriegsflagge mit einem goldfarbenen Posthorn in der inneren, unteren Ecke
Gösch der Postschiffe (1871–1892): Bis 1892 fuhren Postschiffe mit eigenem Gösch. Im weißen Streifen ein goldfarbenes Posthorn

Die Norddeutsche Bundespost war mit dem Gesetz betr., die Verfassung des Deutschen Reiches vom 16. April 1871 seit dem 4. Mai 1871 in der Reichspost aufgegangen. Die Postwertzeichen des Norddeutschen Bundes waren bis zur Herausgabe von Freimarken der Reichspost am 1. Januar 1872 weiterhin gĂŒltig. Im Norden und in Elsaß-Lothringen war der Taler zu 30 Groschen und im SĂŒden der Gulden mit 60 Kreuzern gĂŒltige WĂ€hrung. Seit dem 1. Januar 1875 gab es im Gebiet der Reichspost die Mark zu 100 Pfennig als einheitliche WĂ€hrung.

Die Reichsverfassung erklĂ€rte die Post zu einer einheitlichen Staats-Verkehrsanstalt. Elsaß-Lothringen war am 12. September 1870 annektiert und bereits ab Oktober 1870 von der Bundes-Postverwaltung geleitet worden. Das Postwesen im Großherzogtum Baden ging auf das Reich ĂŒber. Bayern und WĂŒrttemberg, obwohl zur Reichspost gehörig, behielten ihre eigene Post- und Telegraphenverwaltung und damit auch einige interne Ortstarife.

  • Schon kurz nach der Einrichtung der Deutschen Reichspost wurde durch das Amtsblatt 3 vom 23. Mai 1871 die Klasseneinteilung geĂ€ndert. Eine Unterteilung in PostĂ€mter I. und II. Klasse wurde aufgehoben. Aus den Postexpeditionen I. Klasse wurden Postverwaltungen. Die Postexpeditionen II. Klasse wurden entweder in Postexpeditionen oder in die neue Form der Postagentur umgewandelt. Postagenturen hatten zwar den Postbenutzern gegenĂŒber die gleichen Aufgaben und Befugnisse wie andere Postanstalten, waren aber in der Betriebs- und KassenfĂŒhrung wesentlich einfacher gestaltet. FĂŒr den Betriebsverband und die Rechnungslegung sowie in Personalangelegenheiten waren die Postagenturen einem benachbarten Abrechnungs-Postamt zugewiesen. Seit dem 20. August 1871 sind sĂ€mtliche Postanstalten „Kaiserlich“.

Auf Grund des § 50 des Gesetzes ĂŒber das Postwesen des Deutschen Reiches vom 28. Oktober 1871 wurde ein neues Reglement erlassen. Es löste das Postreglement der Norddeutschen Bundespost ab, behielt aber viele Bestimmungen bei.

Tarifwesen

Im „Gesetz ĂŒber das Posttaxwesen im Gebiet des Deutschen Reiches“ waren u. a. das Porto fĂŒr Briefe, das Paketporto, das Porto fĂŒr Wertsendungen und die Provision fĂŒr Zeitungen ab dem 1. Januar 1872 enthalten.

Die Reform der Maße und Gewichte erforderte eine neue Postordnung, die am 8. Dezember 1871 erschien. In ihr waren folgende neue Bestimmungen getroffen worden:

  • Das Maximalgewicht eines Briefes war auf 15 g, einer Drucksache auf 500 g und einer Warenprobe auf 250 g festgesetzt. Das Höchstgewicht eines Paketes betrug 100 Pfund.
  • Bei BĂŒchersendungen konnte eine Widmung handschriftlich eingetragen werden.
  • Pakete ohne Wertangabe konnten unter Einschreiben abgesandt werden.

Zu einer weiteren PortoermĂ€ĂŸigung kam es am 1. Juli 1872 durch die Erhöhung der Gewichtsstufen bei Drucksachen und Warenproben von 40 g auf 50 g sowie der Halbierung des Portos der Correspondenzkarten von 1 Silbergroschen (Sgr.) auf Âœ Sgr. (1 Kreuzer (Kr.)). Die Formulare zu Postkarten wurden von der Post zu ÂŒ Sgr. (1 Kr.) abgegeben. Die Postkarte mit RĂŒckantwort kostet naturgemĂ€ĂŸ die doppelte GebĂŒhr, also 1 Sgr. (4 Kr.), die Formulare 1 Sgr. (2 Kr.)

20 Pf-Sondermarke der Bundespost Berlin (1957) mit einem Postillon der Reichspost
Bekleidung eines Reichspostbediensteten in Lamu/Kenia um 1890

Die EinfĂŒhrung von Postkarten mit eingedrucktem Wertzeichen erfolgte am 1. Januar 1873. Diese Ganzsachen wurden ohne Aufschlag zum Nennwert verkauft. FĂŒr Postkarten mit bezahlter Antwort galten die alten Bedingungen weiter, diese Formulare wurden weiterhin mit einer Briefmarke beklebt. Ein Eindruck von Wertmarken auf privaten Briefcouverts, StreifbĂ€ndern und Postkarten durch die Staatsdruckerei Berlin wurde gestattet. Neben der postmĂ€ĂŸigen GebĂŒhr wurde jede durch den Stempel darzustellende Wertstufe mit je 17Âœ Sgr. fĂŒr je 1.000 StĂŒck oder fĂŒr jedes angefangene Tausend berechnet. Der Kunde musste nicht lange warten, bis am 1. Oktober 1873 Postkarten mit bezahlter RĂŒckantwort eingefĂŒhrt wurden. Gleichzeitig kamen „Post-Paketadressen“ (Paketkarten) die zum Preise von 3 Pfennig (Pfg.) fĂŒr 5 StĂŒck an den Schalter. Die Verwendung wurde vorerst noch dringend empfohlen.

FĂŒr den am 15. Oktober 1871 eingefĂŒhrten Postmandatsdienst (spĂ€ter Postauftrag zur Geldeinziehung) Ă€nderte sich am 1. Januar 1874 die GebĂŒhr fĂŒr die Einziehung von Geldern durch Postmandat von 5 Silbergroschen auf 3 Sgr. (11 Kr.). Hinzu kam, wie bisher, die PostanweisungsgebĂŒhr fĂŒr die RĂŒcksendung des Geldes. Bei Nichteinlösung war die RĂŒcksendung des Briefes kostenfrei.

Noch immer war das Paketporto aus dem Jahre 1867 gĂŒltig. Man war bei der GrĂŒndung des Deutschen Reiches einfach nicht dazu gekommen, hier Änderungen vorzunehmen. Es kam zum 1. Januar 1874 der folgende Pakettarif zur Anwendung: Pakete bis 5 kg im Nahbereich (10 Meilen) 2Âœ Sgr, darĂŒber hinaus 5 Sgr. Pakete ĂŒber 5 kg, die ersten 5 kg wie oben, danach fĂŒr jedes weitere kg bis 10 Meilen (I Zone) Âœ Sgr, bis 20 Meilen (II. Zone) 1 Sgr, bis 50 Meilen (III. Zone) 2 Sgr, bis 100 Meilen (IV. Zone) 3 Sgr, bis 150 Meilen (V. Zone) 4 Sgr, ĂŒber 150 Meilen (VI. Zone) 5 Sgr. Sperrige GĂŒter kosteten höchstens 50 Prozent mehr. FĂŒr unfrankierte Pakete bis 5 kg und unfrankierte Wertbriefe wurde ein Zuschlag von 1 Sgr. gefordert, ein Verfahren, wie es bei Briefen und Karten schon ĂŒblich war. Kein Zuschlag wurde bei Dienstbriefen erhoben.

Gleichzeitig, zum 1. Januar 1874, wurde dem Wertbriefporto zu Leibe gerĂŒckt. Bei weiten Strecken und bei grĂ¶ĂŸeren Summen kam ein recht hohes Porto und eine hohe VersicherungsgebĂŒhr zustande. Die grĂ¶ĂŸere Expansion der Firmen machte dies immer mehr fĂŒhlbar. FĂŒr Wertsendungen kamen folgende Tarife zur Anwendung:

  • Porto fĂŒr Briefe, ohne Unterschied des Gewichts, fĂŒr Entfernungen bis 10 Meilen = 2 Sgr., darĂŒber hinaus = 4 Sgr.. Bei Paketen kam das ĂŒbliche Paketporto zur Berechnung. Bei Nichtfrankierung kam der Zuschlag von 1 Sgr. hinzu.
  • VersicherungsgebĂŒhr ohne Unterschied der Entfernung und zu jeder Höhe der Wertangabe Âœ  Sgr. fĂŒr 100 Taler oder ein Teil davon, mindestens jedoch 1 Sgr..

Wie immer, wenn sich die WertgebĂŒhr Ă€nderte, mussten die Porti fĂŒr den Vorschussbrief auch neu geregelt werden. Durch VerfĂŒgung des General-Postamts vom 11. Dezember 1873 wurde das Porto dem der Wertbriefe gleichgestellt.

Erstmals wurde die Versandform des Bahnhofsbriefes durch VerfĂŒgung vom 27. Mai 1874 geschaffen. Bei dieser Versandform erhielt der EmpfĂ€nger das Recht, seine Bahnhofsbriefe am Bahnhof unmittelbar nach Ankunft des Eisenbahnzuges in Empfang zu nehmen. FĂŒr diese Möglichkeit kam eine monatliche GebĂŒhr von 4 Talern zur Berechnung. Das Porto fĂŒr den gewöhnlichen Brief kam tĂ€glich hinzu.

Die nĂ€chste weitgreifende Änderung des Tarifwesens brachte die EinfĂŒhrung der MarkwĂ€hrung zum 1. Januar 1876.

Die neue Postordnung zeichnete sich dadurch aus, dass Fremdworte wie „Recommandieren“ durch „Einschreiben“, „Expressboten“ durch „Eilbote“, „Postmandat“ in „Postauftrag“, „poste restante“ durch „postlagernd“ , usw. ersetzt wurde.

Änderungen 1876 bis 1879

Grundlagen

Am 1. Januar 1875 wird bei der Reichs-Postverwaltung die Markrechnung eingefĂŒhrt: An diesem Tage werden daher, an Stelle der bisherigen, im Allgemeinen neue, in der ReichsmarkwĂ€hrung lautende Postwertzeichen (Freimarken, Franko-Kuverts, Postkarten, gestempelte StreifbĂ€nder) und Formulare zu Postanweisungen treten. Die Bestimmungen ĂŒber die Einzelheiten bleibt vorbehalten. Um jedoch das Publikum in Stand zu setzen, bei Anschaffung von VorrĂ€ten auf die bevorstehende Änderung bei Zeiten RĂŒcksicht zu nehmen, wird schon jetzt bekannt gegeben, daß sĂ€mtliche Postwertzeichen (Freimarken u.s.w.) in der GuldenwĂ€hrung, ferner diejenigen zu ÂŒ und ⅓ Groschen der TalerwĂ€hrung am 1. Januar 1875 ihre GĂŒltigkeit zur Frankierung verlieren, und durch die neuen ersetzt werden, dass dagegen die VorrĂ€te an Postwertzeichen zu Âœ, 1, 2, 2Âœ und 5 Silbergroschen auch nach dem 1. Januar 1875 noch verwendet werden dĂŒrfen, bis der vorhandenen Vorrat der Postanstalten aufgebraucht sein wird, worĂŒber seiner Zeit weitere Benachrichtigung ergehen wird.

Berlin W., den 19. August 1874 Kaiserliches General-Postamt

Bei Berechnung des Paketportotarif fĂŒr Sendungen nach und aus Österreich-Ungarn und an Porto bzw. an VersicherungsgebĂŒhr fĂŒr Briefe mit Wertangabe und fĂŒr Pakete nach und aus Österreich sind vom 1. Januar 1875 ab seitens derjenigen Postanstalt, bei welchen die TalerwĂ€hrung besteht, die BetrĂ€ge in die ReichsmarkwĂ€hrung umzuwandeln mit der Maßgabe, daß die auf ÂŒ und Ÿ Sgr auslaufenden BetrĂ€ge auf eine durch 5 teilbare Pfennigsumme nach oben abzurunden sind. Mit dem 1. Juli 1875 wird in WĂŒrttemberg die ReichsmarkwĂ€hrung eingefĂŒhrt. Die Freimarken und die gestempelten Postanweisungskarten zu 7 bzw. 14 Kreuzer (gleich 20 bzw. 40 Pf) werden aufgebraucht. Die anderen Postwertzeichen der SĂŒddeutschen WĂ€hrung, deren Wertbetrag sich ohne Bruchpfennige in die MarkwĂ€hrung nicht ĂŒbertragen lĂ€sst, werden außer Kurs gesetzt und an deren Stelle Wertzeichen der MarkwĂ€hrung eingefĂŒhrt, welche den diesseitigen entsprechen.

Alte und neue Stempelformen
  • „Die ReichswĂ€hrung tritt im gesamten Reichsgebiet am 1. Januar 1876 in Kraft“, dies verkĂŒndet der Deutsche Kaiser, Wilhelm, König von Preußen im Namen des Deutschen Reiches am 22. September 1875.
    • Ein Taler oder 1Ÿ Gulden gleich 3 Mark gleich 300 Pfennigen, mithin 10 Groschen oder 35 Kreuzer gleich 1 Mark gleich 100 Pfennigen, mithin 1 Groschen oder 3Âœ Kreuzer gleich 10 Pfennigen.

Organisation

  • Aus „EisenbahnpostĂ€mter“ wurden am 5. Januar 1875 „BahnpostĂ€mter“, aus „Eisenbahn-PostbĂŒros“ - „Bahnposten“.
  • Mit dem 1. Januar 1876 kam die Verwaltung des Post- und Telegraphenwesens, vom Ressort des Reichskanzlers unter Leitung des General-Postmeisters. Er war damit Chef einer obersten Reichsbehörde. Aus den „Post- und Telegraphen-Direktionen“ wurden „Ober-Postdirektionen“. Ihnen unterstellt waren die PostĂ€mter, TelegraphenĂ€mter und Postagenturen.
  • Die PostĂ€mter wurden am 8. Januar 1876 wieder in drei Klassen eingeteilt. Dem Postamt I. Klasse stand der Postdirektor vor, der ehemaligen Postverwaltung, jetzt Postamt II. Klasse, ihr stand der Postmeister vor. Die PostĂ€mter III. Klasse, geleitet von einem Postverwalter, waren vorher Postexpeditionen. Bei den Postagenturen gab es keine VerĂ€nderung. In gleicher Form wurden die TelegraphenĂ€mter eingeteilt, soweit sie in grĂ¶ĂŸeren Orten bestehen blieben. Sind mehrere PostĂ€mter an einem Ort, erfolgt eine Unterscheidung durch arabische Ziffern.

Tarifwesen

Die WĂ€hrungsĂ€nderungen hatte auf das Tarifwesen natĂŒrlich großen Einfluss, alle Tarife waren in die ReichsmarkwĂ€hrung umzustellen. Die neue Postordnung vom 18. Dezember 1874 trug dieser Umstellung Rechnung. In ihr wurde aber nicht nur die EinfĂŒhrung der ReichsmarkwĂ€hrung vollzogen.

BriefgebĂŒhren 1875

Die neue Postordnung trat am 1. Januar 1875 in Kraft. Die bisherigen Bestimmungen enthalten im Wesentlichen folgende Änderungen: (nur die wichtigsten)

  • Das Meistgewicht einer Drucksache ist auf 1 kg ausgedehnt,
  • Drucksachen dĂŒrfen auch in offene BriefumschlĂ€ge gelegt, zur Beförderung gegen die ermĂ€ĂŸigte Taxe eingeliefert werden,
  • die Versendung offener Karten als Drucksachen gegen die ermĂ€ĂŸigte Taxe war nur in der Form von Postkarten und BĂŒcherzetteln zulĂ€ssig,
  • zu einer Paketbegleitadresse dĂŒrfen nicht mehr als fĂŒnf Pakete gehören (bis 1876),
  • fĂŒr Postanweisungen ist der Meistbetrag auf 300 Mark erhöht worden,
  • PostvorschĂŒsse dĂŒrfen auf Einschreibsendungen jeder Art entnommen werden;
  • der fĂŒr die Einziehung von Geldern durch Postauftrag (Postmandat) zulĂ€ssige Meistbetrag ist auf 600 Mark festgesetzt. AuftrĂ€ge ĂŒber höhere BetrĂ€ge werden als unbestellbar behandelt;
  • die Bezeichnung: „poste restante“ lautete kĂŒnftig „postlagernd“; „rekommandiert“: „einschreiben!“; „per express“: „durch Eilboten!“; „Postmandat“: „Postauftrag“.

Die TarifĂ€nderungen sind in den nebenstehenden Tabellen aufgefĂŒhrt.

Weitere Änderungen

Vom 1. Januar 1876 an durften nur noch drei Pakete zu einer Begleitadresse gehören.

PaketgebĂŒhren

Weitere, umfangreiche Änderungen, im Wesentlichen redaktioneller Art, wurden am 13. April 1877 verordnet:

  • bei Postvorschußbriefen, ist eine GewichtsbeschrĂ€nkung auf 250 g neu eingefĂŒhrt worden.
  • neu eingefĂŒhrt wurden „PostauftrĂ€ge zur Einholung von Wechselaccepten“. Neben der GebĂŒhr fĂŒr den Postauftrag (30 Pf) wird eine VorzeigegebĂŒhr von 10 Pf. und das Porto fĂŒr den Einschreibbrief mit dem zurĂŒckgehenden Wechsel von 30 Pf, zusammen also 70 Pf in voraus erhoben.
  • Die Staatsdruckerei ĂŒbernimmt es Briefbogen, StreifbĂ€nder, BriefumschlĂ€ge und Postkarten mit den entsprechenden Postwertzeichen zu bedrucken. Privatganzsachen.
weitere Paketposttarife

Vom 1. Oktober 1878 an wird statt „Postvorschuss“ die Bezeichnung „Nachnahme“ eingefĂŒhrt. Zur gleich Zeit werden fĂŒr den Verkehr mit dem Weltpostverein Postkarten mit Frankostempel (10 Pf) eingefĂŒhrt. Andere als die von der Reichs-Postverwaltung ausgegebenen und unmittelbar mit dem Frankostempel versehene Postkarten waren im internationalen Verkehr zur Postbeförderung nicht zugelassen. In nicht PostvereinslĂ€nder mussten 10 Pfennig zugeklebt werden.

Am 1. Dezember 1876 wurde in Berlin das Rohrpostnetz fĂŒr den öffentlichen Verkehr freigegeben. Die Telegramme, Briefe und Postkarten mussten in die zylindrischen BehĂ€lter eingelegt werden können. Daher durften sie eine LĂ€nge von 12Âœ, eine Breite von 8 cm und ein Gewicht von 10 g nicht ĂŒberschreiten. Entsprechende gestempelte BriefumschlĂ€ge und Postkarten auf hellrotem Papier wurden bereitgehalten, eine Verpflichtung zur Verwendung dieser Ganzsachen bestand nicht.

Anfangs war der Verkehr nur innerhalb des Berliner Rohrpostnetzes vorgesehen. Das Porto betrug, incl. der Eilbestellung fĂŒr Briefe - 30 Pf und fĂŒr Postkarten - 25 Pf. — Mit dem 1. Januar 1877 wurden die Sendungen auch ĂŒber das Rohrpostnetz hinaus nach außerhalb Berlins weiterbefördert. Neben der RohrpostgebĂŒhr war das ĂŒbliche Porto zu zahlen: fĂŒr Briefe (bis 10 g) 30 + 10 = 40 Pf, fĂŒr Postkarten 25 + 5 = 30 Pf. Nach Verlassen des Netzes waren die Sendungen wie gewöhnliche zu behandeln. Eilbriefe waren am Bestimmungsort durch Eilboten zu bestellen. Den Eilbriefzettel hatte nicht das Aufgabepostamt, sondern die Bahnpost beizufĂŒgen. — Ab MĂ€rz 1877 konnten Sendungen von außerhalb Berlins zur Beförderung in das Rohrpostnetz aufgegeben werden, wenn sie den Bestimmungen fĂŒr Rohrpostsendungen entsprachen. Sie waren mit dem Vermerk „Rohrpost“ zu versehen. Auch in diesen FĂ€llen war neben der RohrpostgebĂŒhr das ĂŒbliche Porto zu zahlen. Es war damit auch möglich Sendungen von außerhalb Berlins, innerhalb des Berliner Rohrpostnetzes (z.B. von einem Bahnpostamt zum anderen) befördern zu lassen, um dann weiter ĂŒber Berlin hinaus weitergeleitet zu werden. — Versuchsweise wurden am 12. April 1877 Rohrpostkarten zu 50 Pf eingefĂŒhrt.

Änderungen 1879 bis 1892

Vorbemerkung

Diese neue Postordnung war notwendig geworden um die fĂŒr den inneren Deutschen Postverkehr bestehenden Vorschriften mit den bezĂŒglichen Bestimmungen des am 1. April 1879 in Kraft tretenden Pariser Weltpostvertrages in Einklang zu bringen.

Die gebrÀuchlichsten Stempel aus der Zeit

Organisation

Der General-Postmeister erhielt zum 23. Februar 1880 die Amtsbezeichnung StaatssekretÀr, sein General-Postamt die Bezeichnung Reichs-Postamt. (Reichsgesetzblatt S.25).

1881 kam es, bei der Umgestaltung des Landpostdienstes zur Einrichtung von Posthilfsstellen. Die Posthilfsstellen besorgten die Abgabe von Postwertzeichen und FormblĂ€ttern sowie die Annahme von gewöhnlichen Briefen und Paketen. Bis 1888 wurden vom Posthalter keine Briefe zugestellt. Die Entgegennahme von Anweisungen, Einschreib- und Wertsendungen war Vertrauenssache des Absenders zum Inhaber der Posthilfsstelle. Die Sendung wurde erst im Postamt zur Postsendung. Der Inhaber der Posthilfsstelle besorgte seinen Dienst als unbesoldetes Ehrenamt, lediglich die ZustellgebĂŒhren blieben ihm. Zwischen 1881 und 1887 wurden insgesamt 7.560 Posthilfsstellen auf dem „platten Lande“ eingerichtet, 1913 waren es schon 25.683.

In Bayern wurden „Postablagen“ zum 1. November 1898 in Postagenturen oder in Posthilfsstellen umgewandelt. Die Posthilfsstellen erhielten einen amtlichen Gummistempel.

Tarifwesen

Briefsendungen zwischen 1879 und 1892

Folgende wesentliche Bestimmungen waren mit der neuen Postordnung eingefĂŒhrt oder abgeĂ€ndert worden:

  • FĂŒr unzureichend frankierte Drucksachen oder Warenproben wurde dem EmpfĂ€nger fortan nur der doppelte Betrag des fehlenden Portoanteils in Ansatz gebracht.
  • Der Meistbetrag fĂŒr die Übermittlung von Geldern durch Postanweisungen wurde auf 400 Mark erhöht.
Fortsetzung der Tarifzusammenstellung

Zur AusfĂŒhrung der neuen Postordnung wurde folgendes bestimmt, dass:

  • Die Verwendung der aus gestempelten BriefumschlĂ€gen, Postkarten und StreifbĂ€nder ausgeschnittenen Frankostempeln zur Frankierung von Postsendungen war nicht zulĂ€ssig.
Fortsetzung der Tarifzusammenstellung

Zum 1. Oktober des gleichen Jahres (1879) wurden die „Briefe mit BehĂ€ndigungsschein“ in „Briefe mit Zustellungsurkunde“ umbenannt und die Vorschriften dafĂŒr geĂ€ndert. Es wurde nicht mehr zwischen staatlichen oder privaten Absendern unterschieden, ZustellgebĂŒhr 20 Pf.

  • FĂŒr die Verzollung der Pakete vom Ausland wurde eine GebĂŒhr von 20 Pf erhoben. Bei Paketen ohne Wertangabe bis 3 kg war die VerzollungsgebĂŒhr im Bestellgeld enthalten. Durch VerfĂŒgung vom 5. Juni 1886 wurde, nach Maßgabe der Pariser Übereinkunft und des Lissaboner Zusatzabkommen, angeordnet, dass fĂŒr alle durch die Post verzollten Pakete bis zum Gewicht von 5 kg neben der VerzollungsgebĂŒhr von 20 Pf eine besondere BestellgebĂŒhr nicht erhoben werden durfte.

Am 1. Januar 1882 wurden „PostauftrĂ€ge zu BĂŒchersendungen“ als neue Sendungsart zugelassen: Den BĂŒchersendungen (Sendungen mit BĂŒchern, Musikalien, Zeitschriften, Landkarten und Bildern), mit einem Gewicht von mehr als 250 g, durfte, gegen Zahlung einer GebĂŒhr von 10 Pfennigen ein Postauftrag zur Einziehung der die Sendung betreffenden Rechnung beigefĂŒgt werden. Solche Sendungen durften eingeschrieben werden.

Fortsetzung der Tarifzusammenstellung

Zum 1. Januar 1883 wurde zur einheitlichen Bezeichnung der Einschreibsendungen im Weltpostverkehr in den Aufgabezetteln und in den besonderen Stempeln der Buchstaben „R“ in lateinischer Schrift verabredet.

Eine VerfĂŒgung vom 24. MĂ€rz 1883 befasste sich mit der Beförderung von Postkarten zwischen dem Reichs-Postgebiet, Bayern und WĂŒrttemberg. Vom 1. April ab sollten Postkarten, welche mit Wertzeichen der Reichspostverwaltung, der Königlich Bayerischen oder der Königlich WĂŒrttembergischen Postverwaltung versehen waren und im Bezirk einer anderen deutschen Postverwaltung als derjenigen, welcher das Wertzeichen angehört, aufgeliefert wurden, gegen Erhebung von 5 Pfennig Porto und 5 Pfennig ZuschlaggebĂŒhr - zusammen 10 Pfennig - befördert werden. Sind jedoch dergleichen Postkarten nach demjenigen Gebiet bestimmt, welchem das Wertzeichen angehört, so war am Bestimmungsort von dem EmpfĂ€nger nur der nach Abzug des Wertes der Marke usw. verbleibende Betrag einzuziehen. Beispielsweise war eine in Berlin aufgelieferte, mit einem WĂŒrttembergischen Postwertzeichen von 5 Pfennig versehene Postkarte, wenn sie nach Stuttgart gerichtet war, mit 5 Pfennig, wenn sie nach MĂŒnchen oder Köln gerichtet war, mit 10 Pfennig Zuschlag zu belegen.

Fortsetzung der Tarifzusammenstellung

Am 12. MĂ€rz 1883 wurde eine umfangreiche Änderung der Postordnung verordnet. das wichtigste in KĂŒrze:

  • Post-Paketadressen konnten zu schriftlichen Mitteilungen benutzt werden,
  • Pakete mit dem Vermerk „dringend“ waren möglich, GebĂŒhr 1 RM,
  • handschriftliche Widmungen waren bei Drucksachen zugelassen,
  • fĂŒr telegraphische Postanweisung hatte der Absender die PostanweisungsgebĂŒhr und die GebĂŒhr fĂŒr das Telegramm zu zahlen. Außerdem a) 25 Pf fĂŒr die Besorgung des Telegramms, wenn sich die Telegrafenanstalt nicht im PostgebĂ€ude befindet (bis 1. April 1886), b) Porto und EinschreibgebĂŒhr, sofern am Aufgabeort eine dem öffentlichen Verkehr dienende Telegrafenanstalt nicht vorhanden ist, c) Porto und EinschreibgebĂŒhr, falls die telegraphische Postanweisung nach einem mit einer Telegraphenanstalt nicht versehenen Postort gerichtet ist, d) das Eilbestellgeld, falls die Sendung nicht mit dem Vermerk „postlagernd“ versehen ist. Die GebĂŒhren zu a + b sind im voraus zu entrichten.
  • PostauftrĂ€ge zu BĂŒcherpostsendungen wurden in die Postordnung aufgenommen,
  • die Vorschriften zur Eilbotenbestellung wurden in die Postordnung aufgenommen. Werden mehrere Briefsendungen etc. im Ort bestellt, so ist nur der Bestellgang mit 25 Pf, nicht jede Sendung zu zahlen.
  • FĂŒr die von LandbrieftrĂ€gern auf ihren Bestellfahrten eingesammelten portopflichtigen Einschreibsendungen, sowie fĂŒr Pakete bis 2Âœ kg einschl., Postanweisungen und Wertbriefe zur Weitersendung an eine andere Postanstalt kam eine NebengebĂŒhr von 5 Pf zur Erhebung. FĂŒr schwerere Pakete wird die LandbestellgebĂŒhr gerechnet, sie ist im voraus zu entrichten, [ab dem 1. August 1888 fĂŒr schwerere Pakete - GebĂŒhr 20 Pf]
  • FĂŒr die von Paketbestellern auf ihren Bestellfahrten eingesammelten gewöhnlichen Pakete kommt eine NebengebĂŒhr in Höhe des ĂŒblichen Bestellgeldes zur Erhebung, sie ist im voraus zu entrichten, [1. Juni 1889 zu 10 Pf]
  • die Einlieferung von Einschreibsendungen außerhalb der Dienststunden war bei einigen Postanstalten gegen eine EinlieferungsgebĂŒhr von 20 Pf möglich. Die GebĂŒhr war im voraus zu entrichten,
  • fĂŒr eine Unbestellbarkeits-Meldung, wenn z.B. ein Paket nicht zugestellt werden konnte, und der zu erteilenden Antwort hatte der Absender die Portokosten mit 20 Pf zu entrichten. Er konnte dann entscheiden was mit der Sendung zu geschehen hatte.

Die Postordnung wurde zum 1. April 1886 erneut geÀndert:

  • bei „dringenden“ Paketen war eine Einschreibung oder eine Wertangabe nicht zulĂ€ssig. FĂŒr sperrige und dringende Pakete war nur noch das Porto wie fĂŒr dringende Pakete zu zahlen.
  • die Bezeichnung „Postkarten“ durfte bei der Verwendung als Drucksachenkarte nicht verwendet werden, offene Karten waren weiterhin zugelassen.
  • bei telegraphischen Postanweisungen wurde die GebĂŒhr von 25 Pf fĂŒr die Beförderung von der Telegraphen- zur Postanstalt nicht mehr erhoben,
  • Postnachnahmen sind bis 400 Mark zulĂ€ssig, (vorher 150 Mark),
  • bei PostauftrĂ€gen haftete die Post wie fĂŒr einen eingeschriebenen Brief,
  • Pakete die außerhalb der Schalterstunden angenommen werden mussten als dringend bezeichnet sein. Es kam also die GebĂŒhr fĂŒr dringende Pakete und die besondere EinlieferungsgebĂŒhr (20 Pf) zu Anrechnung.
  • fĂŒr die ZurĂŒckziehung von Postsendungen und AbĂ€nderung von Aufschriften durch den Absender war zu zahlen: wenn die Übermittlung des Verlangens brieflich erfolgt, die Taxe fĂŒr einen einfachen Einschreibbrief, fĂŒr die Übermittlung auf telegraphischem Wege, die Taxe des Telegramms nach dem gewöhnlichen Tarif,

Am 1. Januar 1889 trat eine weitere Änderungen der Postordnung in Kraft:

  • fĂŒr Eilboten-Sendungen an EmpfĂ€nger im Landbestellbezirk wurden fĂŒr Briefsendungen, 60 Pf, fĂŒr Pakete 90 Pf verlangt.

Zum 1. Juni 1889 wurde die Postordnung erneut geÀndert:

  • Postanweisungen zu PostauftrĂ€gen sind bis 800 Mark zulĂ€ssig, die GebĂŒhr fĂŒr Postanweisungen ĂŒber 400 Mark ist wie fĂŒr zwei Postanweisungen bis 400 Mark zu berechnen.
  • Bahnhofsbriefe werden Gegenstand der Postordnung, sie dĂŒrfen maximal 250 g wiegen, das Aussehen ist vorgeschrieben (roter Rand etc) und neben dem ĂŒblichen Briefporto ist eine monatliche GebĂŒhr von 12 RM zu zahlen.
  • fĂŒr die von Paketzustellern auf ihren Bestellfahrten eingesammelten gewöhnlichen Paketen wurde eine NebengebĂŒhr von 10 Pf erhoben (bisher Zustellgeld)

Ein Jahr spĂ€ter, zum 1. Juni 1890 kommt es wider zur Änderung der Postordnung:

  • Postnachnahmen sind bis 400 Mark zugelassen, die GebĂŒhr betrĂ€gt: a) das Porto fĂŒr Briefe und Pakete ohne Nachnahme (bei Wertangabe oder Einschreibung die entsprechende NebengebĂŒhr), b) eine VorzeigegebĂŒhr von 10 Pf und die GebĂŒhr fĂŒr die Übermittlung des eingezogenen Betrags an den Absender.

Zum 1. Juli 1890 Ă€ndert sich die Postordnung erneut: fĂŒr Pakete und Wertbriefe wird im Falle der Nach- oder RĂŒcksendung das Porto und die VersicherungsgebĂŒhr vom Bestimmungsort zu Bestimmungsort zugeschlagen; der Portozuschlag von 10 Pf [unfrankiert] wird jedoch nicht erhoben. FĂŒr andere Sendungen findet ein neuer Ansatz nicht statt. Einschreib-, Postanweisungs- und PostauftragsgebĂŒhren, sowie die GebĂŒhr von 1 Mark fĂŒr dringende Pakete und die VorzeigegebĂŒhr fĂŒr Nachnahmen werden nicht noch einmal angesetzt.

Die letzte Änderung der Postordnung vom 1. Januar 1892 befasst sich mit den Eilboten, Die GebĂŒhr fĂŒr die ausnahmsweise durch Eilboten zu bestellende Pakete ĂŒber 5 kg sind mindestens 30 Pf (vorher 40 Pf) zu zahlen.

Änderungen 1892 bis 1900

Reichspostflagge von 1892 bis 1918

Tarifwesen

zwischen dem 1. Juli 1892 bis zum 31. MĂ€rz 1900

In der neuen Postordnung waren im Wesentlichen folgende Bestimmungen getroffen worden. - Postnachnahmen waren fortan auf Briefe, Drucksachen und Warenproben bis zum Gewicht von 250 g, sowie bei Postkarten und Paketen zulĂ€ssig. - FĂŒr PostauftrĂ€ge zur Einziehung von Wechselaccepten wurde kĂŒnftig weder eine VorzeigegebĂŒhr, noch, im Falle der vergeblichen Vorzeigung, Porto fĂŒr die RĂŒcksendung des Postauftrags erhoben. - Das Verlangen der Beschaffung eines RĂŒckscheins war nicht nur bei Einschreibsendungen, sondern auch bei Paketen ohne Wertangabe und bei Sendungen mit Wertangabe gegen Entrichtung einer GebĂŒhr von 20 Pf zulĂ€ssig. Sendungen gegen RĂŒckschein mĂŒssen vom Absender frankiert werden. [galt nicht fĂŒr Postanweisungen]. - Am 1. Juni 1896 wurde die Sendungsart „PostauftrĂ€ge zu BĂŒcherpostsendungen“ aufgehoben.

Eine umfangreiche Änderung der Postordnung trat zum 1. Januar 1899 in Kraft: - Das Meistgewicht einer Warenprobe wurde von 250 auf 350 g erhöht. - Auf der Außenseite von Briefen, Postkarten, Drucksachen und Warenproben waren, unter Bedingungen, Abbildungen zulĂ€ssig. - Das Höchstgewicht fĂŒr Mischsendungen, also zusammengepackte Drucksachen mit Warenproben wurde von 250 auf 350 g erhöht. - Der Meistbetrag fĂŒr Postanweisungen und Postnachnahmen wurde von 400 auf 800 Mark erhöht. - Pakete welche außerhalb der Schalterstunden eingeliefert werden, mĂŒssen nicht mehr als „dringend“ bezeichnet sein. - FĂŒr jedes Paket ist eine besondere EinlieferungsgebĂŒhr von 20 Pf im Voraus zu entrichten. - Der Absender kann gegen eine im Voraus zu entrichtende GebĂŒhr von 20 Pf einen RĂŒckschein auch spĂ€ter als bei der Einlieferung der Sendung verlangen.

Soweit die wenigen Änderungen der Postordnung vor der großen Neugestaltung zum 1. April 1900.

Änderungen 1900 bis 1917

Tarifwesen

zwischen dem 1. April 1900 bis zum 30. September 1917

PostgebĂŒhren zwischen 1900 und 1919

Die Postordnung vom 20. MĂ€rz 1900, in Kraft getreten am 1. April 1900, brachte eine wesentliche Neugestaltung. Neben der Umgruppierung der einzelnen Paragraphen waren folgende Wesentliche Änderungen zu nennen: - Bei Postkarten waren Bilderschmuck und Aufklebung auf der RĂŒckseite insoweit zugelassen, als dadurch die Eigenschaft des Versendungsgegenstandes als offene Postkarte nicht beeintrĂ€chtigt wurde und die aufgeklebten Zettel etc. der ganzen FlĂ€che nach befestigt waren. - Drucksachen in Form offener Karten waren bis zur ungefĂ€hren GrĂ¶ĂŸe der Formulare zu Postpaketadressen zugelassen. - Als neue Versendungsart wurden GeschĂ€ftspapiere unter den schon bekannten Bedingungen, in den inneren deutschen Verkehr eingefĂŒhrt. (1875 im Weltpostvereinsverkehr eingefĂŒhrt). - Das Gewicht der Mischsendungen (Drucksachen, Warenproben und nun auch GeschĂ€ftspapiere) wurde von 350 g auf 1 kg erhöht. - Bei Briefen mit Wertangabe mussten die UmschlĂ€ge aus einem StĂŒck hergestellt sein und durften nicht farbige RĂ€nder haben, man hĂ€tte sie mit Bahnhofsbriefen verwechseln können. - Die GebĂŒhr fĂŒr Bahnhofsbriefe betrug 4 Mark die Woche, wenn die Beförderung fĂŒr kĂŒrzere Fristen als einen Monat erfolgen sollte. - Bei Briefen mit Zustellungsurkunde konnte der Absender sich kĂŒnftig auch in privaten Angelegenheiten der vereinfachten Zustellung bedienen. - FĂŒr Briefe, Postkarten, Drucksachen, GeschĂ€ftspapiere und Warenproben im Orts- und Nachbarortsverkehr wurden ermĂ€ĂŸigte GebĂŒhren festgesetzt, bereits zum 1. Juli 1906 auf Briefe beschrĂ€nkt. - Eine Unbestellbarkeitsmeldung war kĂŒnftig auch dann zu erlassen, wenn ein Brief mit Wertangabe oder eine Postanweisung deshalb unanbringlich war, weil der EmpfĂ€nger wegen unzureichender Adresse nicht sicher erkennbar ist, sofern der Absender sich auf der Sendung genannt hat.

Zum 1. August 1903 trat eine eigene Rohrpostordnung in Kraft, dies fand durch einen eigenen neuen § Niederschlag in der Postordnung.

Weitere fĂŒr uns wichtige Änderung der Postordnung waren zum 1. Juli 1906 erschienen. Die besondere GebĂŒhr im Orts- und Nachbarortsverkehr wurde auf Briefe beschrĂ€nkt. Sie galt somit nicht mehr fĂŒr Postkarten, Drucksachen, GeschĂ€ftspapiere, Warenproben und zusammengepackte Sendungen (Mischsendungen). Das Porto fĂŒr Briefe blieb unverĂ€ndert bei frankiert 5 Pf, unfrankiert 10 Pf.. Bei unzureichend frankierten Briefen wurde die GebĂŒhr fĂŒr unfrankierte Briefe abzĂŒglich des Betrags der verwendeten Postwertzeichen berechnet. Vom 10. Oktober 1907 durfte auch die linke Seite der Vorderseite einer Postkarten beschrieben werden. - Seit dem 12. Dezember 1908 wurde eine Postausweiskarte (u.A. zur Abholung postlagernder Sendungen) zum Preise von 50 Pf ausgestellt.

Zum 1. Oktober 1908 wurde der „§ 18a Postprotest“ eingefĂŒgt. Es waren zu erheben: a) fĂŒr den Postauftragsbrief - 30 Pfg.. b) FĂŒr die Erhebung des Postprotestes, bei Wechseln bis 500 RM einschl. 1.- RM, bei Wechseln ĂŒber 500 RM 1,50 RM c) fĂŒr die RĂŒcksendung des protestierten Wechsels nebst Protesturkunde 30 Pfg., im Orts- und Nachbarortsverkehr 25 Pfg..

PostscheckgebĂŒhren

Durch Gesetz vom 30. MĂ€rz 1900 war der Reichskanzler ermĂ€chtigt worden, „den Postscheckverkehr einzufĂŒhren“. Weiter hieß es im Gesetz, betreffend die Feststellung des Reichshaushalts-Etats fĂŒr das Rechnungsjahr 1900: „Das Postscheckwesen ist spĂ€testens bis zum 1. April 1905 auf dem Wege der Gesetzgebung zu regeln.“ Der Postscheckverkehr wurde tatsĂ€chlich am 1. Januar 1909 eingefĂŒhrt (RGBl. S.587). Wegen der Zinslosigkeit der Einlagen war man vom Erfolg dieser Einrichtung keineswegs ĂŒberzeugt. Es wurden neun PostscheckĂ€mter im Reichspostgebiet, drei in Bayern und eines in WĂŒrttemberg eingerichtet. Folgender Tarif kam zur Anwendung a) bei Bareinzahlung mittels Zahlkarte fĂŒr je 500 RM oder einen Teil davon 5 Pf, b) fĂŒr jede BarrĂŒckzahlung durch die Kasse des Postscheckamts oder durch Vermittlung einer Postanstalt eine feste GebĂŒhr von 5 Pf, außerdem 1/10 vom Tausend des auszuzahlenden Betrags (SteigerungsgebĂŒhr) c) fĂŒr jede Übertragung von einem Konto auf ein anderes Postscheckkonto 3 Pf. Die Zahlung der GebĂŒhr unter a ist der ZahlungsempfĂ€nger, zur Zahlung der GebĂŒhr unter b und c der Kontoinhaber verpflichtet, von dessen Konto die Auszahlung erfolgt. Bei mehr als 600 Buchungen jĂ€hrlich kam, fĂŒr jede weitere Buchung, eine ZuschlaggebĂŒhr von 7 Pfg. hinzu. Seit dem 1. April 1910 konnten Einzahlungen auf ein Postscheckkonto auch „durch Überweisung von Postanweisungen und von BetrĂ€gen, die durch Postauftrag oder Nachnahme eingezogen sind“ erfolgen. In Folge konnten seit dem 1. Juni 1910 Übermittlung eingezogener BetrĂ€ge bei PostauftrĂ€gen und Nachnahmesendungen auf ein Postscheckkonto erfolgen. Ebenfalls zum 1. Juni 1910 wurden Postlagerkarten gegen eine GebĂŒhr von 25 Pf ausgegeben. Einen Monat spĂ€ter, seit dem 1. Juli 1910 konnten Einlieferungsscheine fĂŒr gewöhnliche Pakete gegen eine GebĂŒhr von 10 Pf verlangt werden. Mit der „Änderung der Postordnung“ zum 1. Januar 1913 wurden Blindenschriftsendungen, bisher als Drucksache zugelassen eingefĂŒhrt: Das Meistgewicht einer Blindenschriftsendung betrug 3 kg.. Die GebĂŒhr betrug bis 50 g - 3 Pfg., ĂŒber 50 bis 100 g - 5 Pfg., ĂŒber 100 bis 1 kg - 10 Pfg., ĂŒber 1 bis 2 kg - 20 Pfg. und ĂŒber 2 bis 3 kg - 30 Pfg.. Seit dem 1. Januar 1914 wurde das Höchstgewicht fĂŒr Warenproben von 350 auf 500 g erhöht.

Das Postscheckgesetz vom 26. MĂ€rz 1914 Ă€nderte die GebĂŒhren: a) fĂŒr eine Einzahlung mittels Zahlkarte, bei BetrĂ€gen bis 25 RM - 5 Pfg., bei BetrĂ€gen von mehr als 25 RM - 10 Pfg., b) fĂŒr jede Auszahlung eine feste GebĂŒhr von 5 Pfg., und außerdem eine SteigerungsgebĂŒhr von 1/10 vom Tausend des ausgezahlten Betrags, und c) fĂŒr jede Überweisung von einem Postscheckkonto auf ein anderes 3 Pf., letztere zum 1. April 1918 gebĂŒhrenfrei. (Die nĂ€chste Änderung des Postscheckgesetzes erfolgte zum 1. April 1921)

Am 1. Mai 1914 wurde als neuer § 21a der Postkreditbrief in die Postordnung aufgenommen. Es wurden erhoben a) fĂŒr die mit Zahlkarte zu leistende Bareinzahlung oder fĂŒr die Überweisung von einem Postscheckkonto die tarifmĂ€ĂŸige GebĂŒhr nach der Postscheckordnung, b) FĂŒr die Ausfertigung des Postkreditbriefes - 50 Pfg., und c) fĂŒr jede RĂŒckzahlung eine feste GebĂŒhr von 5 Pfg. und eine SteigerungsgebĂŒhr von 5 Pfg, fĂŒr je 100 RM oder Teile davon.

Tarife der Feldpost

Ab August 1914 werden die Vorschriften fĂŒr PostprotestauftrĂ€gen aus Elsaß-Lothringen und einigen Kreisen in Ost- oder Westpreußen (z.B. verlĂ€ngerte Fristen fĂŒr die erneute Vorzeigung) hĂ€ufig geĂ€ndert, der Krieg hat begonnen. Am 1. August 1916 wurde, zur Finanzierung des Krieges, eine Reichsabgabe zu Post- und TelegraphengebĂŒhren erhoben. Aus diesem Grund war wieder die Postordnung zu Ă€ndern. So unterlagen Pakete mit Zeitungen oder Zeitschriften nicht der Reichsabgabe, sie mussten daher besonders gekennzeichnet sein. FĂŒr unfrankierte Briefe im Orts- und Nachbarortsverkehr waren nicht mehr 10 Pfg. (ein solcher Brief kostet nun 5 Pf + 2 1/2 Pf Reichsabgabe), sondern als NachgebĂŒhr das Doppelte der GebĂŒhr oder des Fehlbetrags unter Abrundung auf eine durch 5 teilbare Pfennigsumme zu zahlen. Zu guter Letzt werden zum 1. September 1917 noch die GebĂŒhren fĂŒr die von der Post angebotenen Formulare geĂ€ndert. Die neue Postordnung wurde zum 1. Oktober 1917 gĂŒltig.

Weblinks

 Commons: Reichspost â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Post â€“ Quellen und Volltexte

Siehe auch

Literatur

Als Quellen wurden im Wesentlichen das Reichs-Gesetzblatt und das Amtsblatt des Reichs-Postamts herangezogen, abgeglichen und durch GebĂŒhren-Übersichten aus dieser Zeit ĂŒberprĂŒft. Die Änderungs-ZeitrĂ€ume ergaben sich aus der GĂŒltigkeitsdauer der Postordnungen.

  • PostamtsblĂ€tter der entsprechenden Jahre
  • Geschichte der Deutschen Post. Band 4, 1945 bis 1978, Steinmetz/Elias Bonn 1979.
  • Handwörterbuch des Postwesens. Berlin 1927.
  • Handwörterbuch des Postwesens. Frankfurt (Main), 1953, mit Nachtrag zur 2. Auflage, 1956.
  • Werner Steven: PostgebĂŒhren NDP bis 1945. Artikelserie in der DBZ, 1982
  • Werner Steven: Auslandstarife fĂŒr die Brief- und Paketpost, 1875–1900. Braunschweig, 1986
  • Rainer E. LĂŒtgens: PostgebĂŒhrenkatalog 1923 bis 1945. Langenhagen und Hamburg 1986
  • Werner Steven: Verfassung des Deutschen Reiches vom 28. Oktober 1871, Gesetz ĂŒber das Postwesen und das Posttaxwesen im Gebiet des Deutschen Reiches, Postreglement zu dem Gesetz, archiv Philatelistische Schriftenreihe - Heft 5, Braunschweig 1994
  • Werner Steven: Gesetz betreffend die AbĂ€nderung des Gesetzes ĂŒber das Post-Taxwesen vom 3. November 1874, Allerhöchste Verordnung betreffend die EinfĂŒhrung der ReichswĂ€hrung, Gesetz betreffend die AbĂ€nderung des § 4 des Gesetzes ĂŒber das Postwesen des deutschen Reiches (Eisenbahn-Post-Gesetz), Postreglement, Rohrpost in Berlin, archiv Philatelistische Schriftenreihe - Heft 6, Braunschweig 1997
  • Werner Steven: Postreglement zu dem Gesetz ĂŒber das Postwesen vom 8. MĂ€rz 1879, VerĂ€nderung der Postordnung vom 1. April 1879 – 30. Juni 1892, GebĂŒhrenĂŒbersicht Briefsendungen 1879 – 1892, archiv Philatelistische Schriftenreihe - Heft 7, Braunschweig 1998
  • Werner Steven: Postreglement vom 11. Juni 1892 zu dem Gesetz ĂŒber das Postwesen, VerĂ€nderungen der Postordnung vom 1. Juli 1892 bis 31. MĂ€rz 1900, GebĂŒhrenĂŒbersicht 1892 – 1900, archiv Philatelistische Schriftenreihe - Heft 8, Braunschweig 1998
  • Werner Steven: Postordnung fĂŒr das Deutsche Reich vom 20. MĂ€rz 1900, Rohrpostordnung fĂŒr Berlin vom 6. August 1903 und 3. Januar 1909, Die VerĂ€nderungen der Postordnung vom 1. MĂ€rz 1900 bis 31. Oktober 1917, GebĂŒhrenĂŒbersicht, FeldpostgebĂŒhren, archiv Philatelistische Schriftenreihe - Heft 9, Braunschweig 1998

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