Reichswehr

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Reichswehr
Flag of Germany (3-2 aspect ratio).svg Reichswehr
Flagge der Reichswehr (1921–1933)
FĂŒhrung
Oberbefehlshaber: Der ReichsprÀsident
Zuletzt: Paul von Hindenburg bzw. Adolf Hitler
Verteidigungsminister: Reichswehrminister
Zuletzt: Werner von Blomberg
MilitÀrischer Befehlshaber: Der Reichswehrminister
Sitz des Hauptquartiers: WĂŒnsdorf
MilitÀrische StÀrke
Aktive Soldaten: 115.000
Wehrpflicht: Keine
Wehrtauglichkeitsalter: Vollendetes 17. Lebensjahr
Haushalt
MilitÀrbudget:
Anteil am Bruttonationaleinkommen:
Geschichte
GrĂŒndung: 19. Januar 1919 als „Friedensheer“
Ablösung: 16. MÀrz 1935 (Wehrmacht),
1. Juni 1935 (Kriegsmarine)

Reichswehr war von 1921 bis 1935, wĂ€hrend der Weimarer Republik und der ersten Jahre des Dritten Reichs, der offizielle Name der deutschen StreitkrĂ€fte, die in jener Zeit als Berufsarmee organisiert waren. Aufgrund der Bedingungen des Versailler Vertrages von 1919 unterlagen Umfang und Bewaffnung der Reichswehr starken BeschrĂ€nkungen. Nach der von Adolf Hitler 1935 verkĂŒndeten „Wiedererlangung der Wehrhoheit“ (WiedereinfĂŒhrung der Wehrpflicht u. Ă€.) ging die Reichswehr in der neuen Wehrmacht auf.

Inhaltsverzeichnis

Struktur der Reichswehr

RĂŒstungsbeschrĂ€nkung durch Versailler Vertrag

Die SiegermĂ€chte des Ersten Weltkrieges beschrĂ€nkten 1919 mit den Artikeln 159 bis 213 des Versailler Vertrags den Umfang und die Bewaffnung der StreitkrĂ€fte des Deutschen Reiches, um eine eventuelle zukĂŒnftige Aggression zu unterbinden. Deren PersonalstĂ€rke war limitiert auf ein Berufsheer von 100.000 Mann zuzĂŒglich einer 15.000 Mann starken Marine. Die Einrichtung eines Generalstabes blieb untersagt. Schwere Waffen wie Artillerie oberhalb des Kalibers 105 mm (MarinegeschĂŒtze oberhalb 205 mm), Panzerfahrzeuge, U-Boote und Großkampfschiffe waren verboten, ebenso jegliche Art von LuftstreitkrĂ€ften. Die Bestimmungen wurden bis 1927 von der Interalliierten MilitĂ€r-Kontrollkommission ĂŒberwacht.

Die RĂŒstungsbeschrĂ€nkungen umging die ReichswehrfĂŒhrung durch eine Reihe geheimer und illegaler Maßnahmen: Dazu zĂ€hlten der heimliche Aufbau einer sogenannten Schwarzen Reichswehr, unerlaubte Waffentests mit Artillerie, Flugzeugen und Panzern in der Sowjetunion (siehe: Vertrag von Rapallo), die Einrichtung einer FĂŒhrergehilfenschulung, welche bestimmt war, die verbotene Generalstabsausbildung zu kompensieren sowie die Aufrechterhaltung des Generalstabes im neu geschaffenen Truppenamt. Andere Hilfsmittel waren der Einsatz von z. B. Panzerattrappen fĂŒr Übungszwecke.

Die Reichswehr sah sich im eigenen SelbstverstĂ€ndnis als „Kaderarmee“ oder „FĂŒhrerarmee“, das bedeutet, dass jeder Soldat so ausgebildet wurde, dass er die Eignung fĂŒr höhere Verantwortungsstufen erlangte, was wiederum Grundvoraussetzung fĂŒr den schnellen Aufwuchs des Heeres nach der VerkĂŒndung der Wehrhoheit durch das NS-Regime im Jahre 1935 werden sollte.

Entstehung und Untergliederung

Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands von CompiĂšgne am 11. November 1918 hatte die Reichsregierung der zĂŒgigen RĂ€umung der besetzten Gebiete zugestimmt. Bereits am 12. November begann der RĂŒckzug an der Westfront, bis zum 17. Januar 1919 waren auch die linksrheinischen Gebiete frei von deutschem MilitĂ€r. Nun galt es, diese immer noch mehrere Millionen Soldaten zĂ€hlenden VerbĂ€nde der „Alten Armee“ schrittweise abzurĂŒsten. Dies geschah in den zuvor bestimmten Demobilmachungsorten, ĂŒblicherweise die Heimatgarnisonen.

Der Rat der Volksbeauftragten und die Oberste Heeresleitung beabsichtigten, nach der Demobilisierung noch bestehende Truppenteile in ein Friedensheer zu ĂŒberfĂŒhren. Am 19. Januar 1919 erließ die Reichsregierung die „VorlĂ€ufigen Bestimmungen ĂŒber die Bekleidung des Friedensheeres“ im Armeeverordnungsblatt 1919, Nr. 85. Die am 6. Februar 1919 in Weimar zusammengetretene Nationalversammlung beschloss aber am 6. MĂ€rz 1919 das „Gesetz ĂŒber die Bildung einer vorlĂ€ufigen Reichswehr“ [1], dessen § 1 ermĂ€chtigte den ReichsprĂ€sidenten,

„das bestehende Heer aufzulösen und eine vorlĂ€ufige Reichswehr zu bilden, die bis zur Schaffung der neuen reichsgesetzlich zu ordnenden Wehrmacht die Reichsgrenzen schĂŒtzt, den Anordnungen der Reichsregierung Geltung verschafft und die Ruhe und Ordnung im Innern aufrechterhĂ€lt.“

Die StĂ€rke sollte 400.000 Mann betragen. Das „Gesetz ĂŒber die Bildung einer vorlĂ€ufigen Reichsmarine“ vom 16. April 1919 ermĂ€chtigte ihn,

„die bestehenden Formationen der bisherigen Kriegsmarine aufzulösen und eine vorlĂ€ufige Reichsmarine zu bilden, die bis zur Schaffung der neuen, reichsgesetzlich zu ordnenden Wehrmacht die deutschen KĂŒsten sichert, durch MinenrĂ€umen, AusĂŒbung der Seepolizei und sonstige UnterstĂŒtzung der Handelsschiffahrt sicheren Seeverkehr ermöglicht, die ungestörte AusĂŒbung der Fischerei gewĂ€hrleistet, im Verein mit der Reichswehr den Anordnungen der Reichsregierung Geltung verschafft und Ruhe und Ordnung aufrechterhĂ€lt.“

Die StÀrke sollte 20.000 Mann betragen.

Zum 1. Oktober 1919 wurden die StreitkrĂ€fte in das 200.000 Mann starke „Übergangsheer“ transformiert. Gleichzeitig entfielen die bisherigen VerbĂ€nde und Dienststellen der alten Armee. Zum 1. Januar 1921 wurde die Reichswehr formiert, wobei das Wehrgesetz vom 23. MĂ€rz 1921 die nĂ€heren Einzelheiten regelte.

Kommandostruktur des Reichsheeres

Die Reichswehr war gegliedert in Reichsheer („100.000-Mann-Heer“) und Reichsmarine. Das Reichsheer bestand aus sieben Infanterie- und drei Kavalleriedivisionen, wobei alle VerbĂ€nde neu durchnummeriert waren. Es gab zwei Gruppenkommandos, eines in Berlin und eines in Kassel. Die Marine war in ein Kommando fĂŒr die Nordsee und eines fĂŒr die Ostsee aufgeteilt. FĂŒr die Unteroffiziere und Mannschaften betrug die Dienstzeit zwölf Jahre, fĂŒr Offiziere 25 Jahre; sie wurden auf die Weimarer Verfassung vereidigt.

Das Wehrgesetz beendete die MilitĂ€rhoheit der LĂ€nder, beließ aber Sachsen, WĂŒrttemberg, Baden und Bayern eine beschrĂ€nkte SelbststĂ€ndigkeit. Der Freistaat Bayern stellte eine Besonderheit dar, insofern der Wehrkreis VII das gesamte Landesgebiet, mit Ausnahme der Rheinpfalz, umfasste und in der hier stationierten 7. (bayerischen) Division nur Bayern dienten. Dieser Verband genoss als „Bayerische Reichswehr“ bis 1924 gewisse Autonomierechte gegenĂŒber der Reichsregierung.

Befehlshaber der Reichswehr

Gustav Noske (rechts) mit Walther von LĂŒttwitz (1920)

Laut Weimarer Verfassung war der ReichsprÀsident der Oberbefehlshaber der Reichswehr, der im Frieden durch den Reichswehrminister als Inhaber der Befehlsgewalt vertreten wurde. Die militÀrischen Spitzen waren der Chef der Heeresleitung und der Chef der Marineleitung.

In der Weimarer Republik amtierten zwei ReichsprÀsidenten: Friedrich Ebert bis 1925, ihm folgte Paul von Hindenburg.

Erster Reichswehrminister war Gustav Noske, der nach dem Kapp-Putsch 1920 von Otto Geßler abgelöst wurde. 1928 ĂŒbernahm Wilhelm Groener das Amt, dessen Stellvertreter Kurt von Schleicher ihn 1932 ablöste. Von Schleicher amtierte auch wĂ€hrend seiner zweimonatigen Kanzlerschaft kommissarisch weiter. Vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler ernannte Hindenburg eigenmĂ€chtig – nicht wie es in der Verfassung vorgeschrieben war, auf Vorschlag des Kanzlers – Werner von Blomberg zum Reichswehrminister. Er sollte dabei helfen, die Nationalsozialisten zu „zĂ€hmen“, unterstĂŒtzte diese aber spĂ€ter z. B. durch die Vereidigung der Reichswehr auf Hitler. Allerdings hat von Blomberg im weiteren Verlauf der Geschichte deutlich und offen gegen Hitlers PlĂ€ne eines Angriffskriegs opponiert und wurde 1938 im Rahmen der Blomberg-Fritsch-Krise seiner Ämter enthoben.

Chef der Heeresleitung war anfangs Walther Reinhardt. Nach dem Kapp-Putsch ĂŒbernahm Hans von Seeckt diesen Posten. Er hatte 1923 sowohl die KPD als auch die NSDAP verbieten lassen. 1926 folgte Wilhelm Heye. Heye wurde 1930 von Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord abgelöst, der bis 1934 amtierte.

Soziale Zusammensetzung

Bei dem beschrĂ€nkten Umfang der Armee war eine sorgfĂ€ltige Auswahl des Personals möglich. Erfahrene FĂŒhrungskrĂ€fte kamen aus der „Alten Armee“ des Kaiserreichs. Der Adelsanteil lag 1925 bei 24 % nach 30 % im letzten Friedensjahr 1913 und folgte damit dem langfristigen Trend der Reduzierung des Anteils adliger Offiziere. Große Teile des Offizierskorps vertraten ein konservatives, monarchistisches Weltbild und lehnten die Weimarer Republik ab. Insbesondere innerhalb des ehemaligen Adels stand man aber auch dem Nationalsozialismus nicht völlig unkritisch gegenĂŒber (siehe Adel und Nationalsozialismus).

Einer Demokratisierung der Truppe stemmten sich ReichswehrfĂŒhrung und Offizierskorps erfolgreich entgegen. Bevorzugt wurden Rekruten aus den vornehmlich konservativ geprĂ€gten lĂ€ndlichen Gegenden Deutschlands. Der ReichswehrfĂŒhrung galten sie im Vergleich zu den jungen MĂ€nnern stĂ€dtischer Herkunft nicht nur als körperlich ĂŒberlegen, sondern auch als robust gegenĂŒber den „Versuchungen“ der Sozialdemokratie.

Das VerhÀltnis der Reichswehr zur Weimarer Republik

Die Krisenjahre 1919–1923

Groener 1917 mit seiner Frau

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg stellte die bisherige Oberste Heeresleitung (OHL) Wilhelm Groener dem Rat der Volksbeauftragten unter Friedrich Ebert die Dienste der Armee zur VerfĂŒgung (siehe: Ebert-Groener-Pakt).

Zusammenwirken mit rechten Freikorps gegen „rote Reichsfeinde“

Die Reichswehr sicherte damit der neuen Regierung das Überleben. In den krisengeschĂŒttelten frĂŒhen 1920er Jahren wurde die Armee vor allem im Kampf gegen aufstĂ€ndische linke KrĂ€fte eingesetzt, wie etwa beim Spartakusaufstand 1919.

Den 1923 aufgelösten Freikorps ĂŒberließ die Reichswehr ĂŒberall dort die „Landesverteidigung“, wo ihr der Versailler Vertrag die HĂ€nde band oder die eigene PersonalstĂ€rke nicht ausreichte (Grenzkampf gegen polnische und litauische FreischĂ€rler, Einsatz gegen die „Rote Ruhrarmee“ im entmilitarisierten Rheinland). Mit nationalistischen Freikorps kooperierte sie, als sie im Oktober und November 1923 anlĂ€sslich der sogenannten „Reichsexekutionen“ gegen linke Regierungen in ThĂŒringen und Sachsen vorging.

Zu den politisch rechts stehenden, republikfeindlichen WehrverbĂ€nden (Stahlhelm, KyffhĂ€userbund) pflegte die ReichswehrgeneralitĂ€t enge Kontakte, obwohl sie sich offiziell als „unpolitisch“ bezeichnete. 1919 warb die MĂŒnchener Reichswehrverwaltung Adolf Hitler an, um Veranstaltungen politischer Parteien und Zirkel zu bespitzeln. Gleichzeitig wurde Hitler zu Schulungen fĂŒr Propaganda-Redner geschickt.

PassivitÀt beim Kapp-Putsch

Im MĂ€rz 1920 wurde die Reichswehr von der politischen FĂŒhrung nicht gegen den Kapp-Putsch eingesetzt. Der Chef des Truppenamtes – dem getarnten Generalstab der Reichswehr – Hans von Seeckt hatte sich vorher mit der angeblichen Formulierung Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr dagegen ausgesprochen. Seeckt besaß allerdings auch keine Kommandogewalt. Der Chef der Heeresleitung und damit oberste MilitĂ€r Walther Reinhardt war fĂŒr den Einsatz der treuen ReichswehrverbĂ€nde. Der kommunistische MĂ€rzaufstand, der wĂ€hrend des Kapp-Putsches im Ruhrgebiet und Sachsen begann, wurde dagegen rĂŒcksichtslos niedergeschlagen; Teilnehmer des Kapp-Putsches waren beteiligt. Als Folge des Putsches wurde der bisherige Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) durch Otto Geßler (DDP) ersetzt.

Heimliche RĂŒstungskooperation mit der Sowjetunion

Seit 1921 versuchte die FĂŒhrung der Reichswehr im Geheimen in Zusammenarbeit mit der Roten Armee entgegen dem Versailler Vertrag die Reichswehr zu erweitern, neue Waffensysteme einzufĂŒhren und eine Luftwaffe aufzubauen. Deutschland unterstĂŒtzte die Entwicklung moderner Technologien und konnte eigene Soldaten in der Sowjetunion ausbilden lassen.

Im Februar 1923 reiste der neue Chef des Truppenamtes, Generalmajor Otto Hasse, zu Geheimverhandlungen nach Moskau. Deutschland unterstĂŒtzte den Aufbau der sowjetischen Industrie, Kommandeure der Roten Armee erhielten eine Generalstabsausbildung in Deutschland. DafĂŒr erhielt die Reichswehr die Möglichkeit, Artilleriemunition aus der Sowjetunion zu beziehen, Flieger- und Panzerspezialisten auf sowjetischem Boden auszubilden und dort chemische Kampfstoffe herstellen zu lassen. In der russischen Stadt Lipezk wurde eine geheime Fliegerschule und ErprobungsstĂ€tte der Reichswehr gegrĂŒndet und etwa 120 MilitĂ€rpiloten, 100 Luftbeobachter und zahlreiches Bodenpersonal als Stamm fĂŒr eine zukĂŒnftige deutsche Fliegerwaffe ausgebildet. Bei Kasan wurden Panzerfachleute ausgebildet, allerdings erst ab 1930 und nur ungefĂ€hr dreißig. In Tomka (bei Saratow) wurden Kampfstoffe erprobt und entwickelt.

Seeckts KanzlerplĂ€ne und Sympathie fĂŒr von Kahrs bayerische Rechtsdiktatur

von Seeckt bei einer ReichswehrĂŒbung

Die Ruhrbesetzung 1923 zeigte auch die SchwĂ€che der Reichswehr. Als Reaktion auf einen Versuch in Bayern, eine Rechtsdiktatur zu errichten, ĂŒbertrug Ebert im November die vollziehende Gewalt auf Reichswehrminister Geßler. Damit lag die Gewalt in der RealitĂ€t bei Seeckt, dem Chef der Heeresleitung, der eine Reichsexekution gegen die Regierung unter Gustav Ritter von Kahr verhinderte. Beteiligt war auch Otto von Lossow, der bayerische Wehrkreiskommandeur. Er wurde von Geßler seines Amtes enthoben. Wie Seeckt in einem Brief, den er nicht abschickte, schrieb, sympathisierte er mit der Regierung in MĂŒnchen und betrachtete die Weimarer Verfassung nicht als noli me tangere (dt.: „rĂŒhr mich nicht an!“). Sie widerspreche seinem politischen Denken. Weiterhin fĂŒhrte er in dem Brief aus, dass er auf Grund des fehlenden Vertrauens der Reichswehr zur Regierung von Gustav Stresemann einen BĂŒrgerkrieg voraussĂ€he, der nur durch einen Umschwung der Regierung verhindert werden könne. Er Ă€ußerte die Überzeugung, dass sich eine Regierung ohne UnterstĂŒtzung der Reichswehr nicht lange wĂŒrde halten können. Den Hitlerputsch vom 8./9. November 1923 unterstĂŒtzte er jedoch nicht.

Als Seeckt am 3. November seine Bereitschaft zur Kanzlerschaft andeutete und Ebert dies mit Hinweis auf außenpolitische GrĂŒnde und seine Unentbehrlichkeit als Chef der Heeresleitung ablehnte, akzeptierte Seeckt die Ablehnung. Er wollte von einem Putsch, wie ihn einige hohe Offiziere gefordert hatten, nichts mehr wissen. Im Februar 1924 gab Seeckt die diktatorischen Vollmachten, die er von Ebert erhalten hatte, wieder ab.

„Unpolitischer“ WaffentrĂ€ger oder demokratieferner „Staat im Staate“

Gruppenmanöver der 5. und 7. Division in Bayern, WĂŒrttemberg und Baden 1926. Zweiter von rechts der damalige Hauptmann Alfred Jodl, links daneben sein Bruder Ferdinand Jodl
Soldaten der Reichswehr wÀhrend eines Manövers, 1930
Soldaten wÀhrend des Reichswehrherbstmanövers im Kreis Frankfurt an der Oder, 1930
Kurt von Schleicher 1932

1925 wurde mit dem Vertrag von Locarno eine gewaltsame Änderung der Westgrenzen ausgeschlossen, und 1926 trat Deutschland dem Völkerbund bei. Die Position der Reichswehr kann gut durch GesprĂ€che zwischen Ebert und Seeckt dargestellt werden. Auf die Frage, wo die Reichswehr stehe, antwortete Seeckt: Die Reichswehr steht hinter mir. Auf die Frage, ob die Reichswehr zuverlĂ€ssig sei antwortete er: Ob sie zuverlĂ€ssig ist, weiß ich nicht, aber mir gehorcht sie.

Nach der Wahl Paul von Hindenburgs zum ReichsprĂ€sidenten (1925) wurde er als Sieger von Tannenberg statt Seeckt zur Identifikationsfigur der Soldaten. Am 8. Oktober wurde Seeckt wegen der Teilnahme eines Sohnes des frĂŒheren Kaisers an einem Manöver entlassen, allerdings gab es wahrscheinlich auch andere GrĂŒnde, wie die Kritik an der undemokratischen FĂŒhrung der Reichswehr.

Nach dem Kapp-Putsch hatte sich die Reichswehr unter Seeckt und Geßler offiziell „unpolitisch“ verhalten. Angehörige der Reichswehr hatten kein Wahlrecht und waren damit losgelöst vom gesellschaftspolitischen Werdegang. Die Autonomie bei der Auswahl des Personals, ihr Wertekodex und die Ansicht, dem Staat und nicht der Staatsform zu dienen, machten die Armee zum schwer kontrollierbaren „Staat im Staate“.

Ein Beispiel fĂŒr die steigende Kritik war nach der Entlassung Seeckts der Vorschlag von ReichstagsprĂ€sident Paul Löbe, die Anstellung von Rekruten nur noch von deren körperlicher Tauglichkeit abhĂ€ngig zu machen. Er wollte damit erreichen, dass die Zusammensetzung der Reichswehr dem Gesamtbild der Gesellschaft nĂ€herkĂ€me. Die Reichswehr war, zumal im Offizierskorps, stark nationalkonservativ-protestantisch geprĂ€gt, die Mannschaften kamen zum großen Teil aus Agrar- und Handwerksberufen. Nicht von ungefĂ€hr fand denn etwa in diesen Kreisen die republikfeindliche Dolchstoßlegende zahlreiche AnhĂ€nger. Abgesehen davon war der Dienst im Heer fĂŒr andere Gruppen der Gesellschaft ohnehin weniger attraktiv. Die praktizierte Personalauswahl entsprach aber genau den Vorstellungen der ReichswehrfĂŒhrung („erwĂŒnschte Kreise“).

Deshalb erntete Löbe heftigen Widerspruch aus konservativen Kreisen. Sie waren der Meinung, eine Öffnung wĂŒrde das Niveau der Reichswehr senken. Das Eindringen sozialdemokratischer und anderer unerwĂŒnschter „Elemente“ und Gedanken in die Armee war schon in der alten Armee nach Möglichkeit eingeschrĂ€nkt worden – z. B. durch weit ĂŒberproportionale Heranziehung lĂ€ndlicher Rekruten in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. WĂ€hrend in der Reichswehr der Krieg weiterhin als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele gesehen wurde, war die Politik mit dem Vertrag von Locarno und dem Dawes-Plan eher auf die Erhaltung des Friedens und der VölkerverstĂ€ndigung ausgerichtet. Seeckt und seine Offiziere waren gegen den Beitritt zum Völkerbund und sahen durch den Pazifismus der Linken auch ihre Existenz bedroht.

Nachfolger Seeckts wurde Wilhelm Heye, allerdings gewann vor allem der damalige Abteilungsleiter im Reichswehrministerium Kurt von Schleicher an Macht. Unter seiner FĂŒhrung griff die Reichswehr stĂ€rker in die Politik ein, um ihre Ziele zu erreichen, und die Republik und die Reichswehr rĂŒckten nĂ€her zusammen. Die Reichswehr akzeptierte die Demokratie als Staatsform und Groener sah sie als wichtigen Teil des Volkes und Machtinstrument der Deutschen Republik.

Im Dezember 1926 legte der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann im Reichstag die Machenschaften offen und stĂŒrzte damit die Regierung unter Wilhelm Marx. 1931 wurde der Journalist Carl von Ossietzky wegen eines Berichts ĂŒber die schon bekannte Zusammenarbeit wegen Landesverrats verurteilt.

1927 wurde die Interalliierte MilitĂ€rkontrollkommission, die bis dahin die AbrĂŒstung ĂŒberwacht hatte, abgezogen.

Der Beschluss zum Bau des kampfkrĂ€ftigen Panzerschiffs A, das den Bestimmungen des Versailler Vertrags entsprach, eine Prestigefrage, brachte 1928 Hermann MĂŒller und seiner Koalition Probleme. FĂŒr die ReichswehrfĂŒhrung war die Entscheidung zum Bau eine politische Grundsatzentscheidung. 1929 enthielt der Haushalt schon die erste Rate fĂŒr das Panzerschiff B.

Der Gewinner der AnnÀherung zwischen Republik und Reichswehr war vor allem die Reichswehr. Sie erreichte eine Erhöhung des Wehretats. Eine Kritik am Wehretat wurde als Angriff auf die Reichswehr und damit den Staat betrachtet.

Das Ende der Weimarer Republik

Durch die PrĂ€sidialkabinette ab 1930 wurde die Macht der Reichswehr wieder grĂ¶ĂŸer, da nun der frĂŒhere Chef der OHL, Hindenburg, an der Macht war. Heinrich BrĂŒning wurde als ehemaliger Soldat von der Reichswehr akzeptiert und verschonte diese vor seinen unbeliebten Sparmaßnahmen. Franz von Papen und General Kurt von Schleicher erwogen, die Reichswehr zur Abschaffung der Demokratie einzusetzen. Außerdem war eines der Hauptziele eine im Interesse der Reichswehr liegende Revision des Versailler Vertrages.

Als 1930 drei Offiziere (Leutnant Richard Scheringer, Leutnant Hanns Ludin und Oberleutnant Hans Friedrich Wendt) wegen nationalsozialistischer BetÀtigung in der Reichswehr vor Gericht standen kam es zum LegalitÀtseid Hitlers.

Bei der Bildung der Harzburger Front 1931 waren auch hochrangige Mitglieder der Reichswehr anwesend.

1932 verbot Groener, der inzwischen auch Innenminister geworden war, die SA. Er verlor damit das Vertrauen der Reichswehr und musste zurĂŒcktreten.

Am 13. September 1932 wurde auf Initiative der GenerĂ€le Wilhelm Groener und Kurt von Schleicher das Reichskuratorium fĂŒr JugendertĂŒchtigung zur Wehrerziehung der deutschen Jugend gegrĂŒndet.

Beim Preußenschlag wurde die vollziehende Gewalt in Berlin und Preußen vorĂŒbergehend an die Reichswehr ĂŒbertragen.

Die Reichswehr unter Hitler

Vereidigung von Reichswehr-Soldaten auf Hitler (August 1934)

Nach der MachtĂŒbernahme im Reich benötigte Adolf Hitler die Armee fĂŒr seine Außenpolitik und entschied sich, der erfahrenen und leistungsfĂ€higen Reichswehr gegenĂŒber der Parteitruppe SA den Vorzug zu geben. Er stellte bereits am 3. Februar 1933 den GenerĂ€len sein Regierungsprogramm vor und versprach ihnen, dass die Reichswehr der alleinige WaffentrĂ€ger Deutschlands bleibe (Liebmann-Aufzeichnung). Die Reichswehr hoffte einerseits auf verstĂ€rkte BemĂŒhungen zur Revision des Versailler Vertrags und den Aufbau eines starken MilitĂ€rs und einer straffen StaatsfĂŒhrung. Man befĂŒrchtete aber auch, dass die Reichswehr von der 3 Millionen Mitglieder zĂ€hlenden SA verdrĂ€ngt werden könnte. Die Reichswehr unterstĂŒtzte Hitler bei der Entmachtung der SA im Sommer 1934, als das GerĂŒcht verbreitet worden war, Röhm hĂ€tte PutschplĂ€ne, ein „Röhm-Putsch“ stĂŒnde bevor, den es zu vereiteln gelte. Zwei GenerĂ€le der Reichswehr (Kurt von Schleicher und Ferdinand von Bredow) wurden von der SS getötet. Das Offizierkorps nahm diese Morde widerspruchslos in Kauf.

Am Todestag des ReichsprĂ€sidenten Paul von Hindenburg, dem 2. August 1934, ließ der Reichswehrminister Werner von Blomberg die Reichswehr auf die Person Hitlers vereidigen.

Am 16. MĂ€rz 1935 fĂŒhrte Hitler mit einem Bruch des Versailler Vertrags die Wehrpflicht in Deutschland ein und benannte im selben Gesetz die Reichswehr in „Wehrmacht“ um. Etwas spĂ€ter am 1. Juni 1935 wurde die Reichsmarine in Kriegsmarine umbenannt.

Siehe auch

Literatur

  • Rainer Wohlfeil, Hans Dollinger: Die deutsche Reichswehr: Bilder, Dokumente, Texte; zur Geschichte des Hunderttausend-Mann-Heeres 1919–1933. Bernard und Graefe, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-7637-5109-2.
  • Adolf Reinicke: Das Reichsheer 1921–1934. Ziele, Methoden der Ausbildung und Erziehung sowie der Dienstgestaltung. OsnabrĂŒck 1986.
  • Heiner Möllers: „Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr!“ Legenden um den Kapp-LĂŒttwitz-Putsch vom MĂ€rz 1920. In: MilitĂ€rgeschichte. Heft 3, 2001. Herausgegeben vom MilitĂ€rgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr, ISSN 0940-4163.
  • Heinfried Voß: „Das neue Haus der Reichswehr“: MilitĂ€rische Sozialisation im politischen und militĂ€rischen Übergang; der Aufbau der vorlĂ€ufigen Reichswehr 1919–1920 und ihre politische Funktion in der Republik, dargestellt an ihren badischen Truppenteilen. Scripta-Mercaturae-Verlag, St. Katharinen 1992, ISBN 3-922661-99-8.
  • Christian Saehrendt: Der Stellungskrieg der DenkmĂ€ler. KriegerdenkmĂ€ler im Berlin der Zwischenkriegszeit. In: Michael Schneider, Dieter Dowe: Politik- und Gesellschaftsgeschichte der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 2004.

Weblinks

 Commons: Reichswehr â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Rechtsakte der Weimarer Republik

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   Die deutsche Rechtschreibung

  • Reichswehr — /ruyks vair/; Ger. /rdduykhs vayrdd /, n. the 100,000 man army Germany was permitted to maintain under the Versailles Treaty after World War I: the limit was secretly exceeded. [ < G, equiv. to Reich realm, empire (see REICH) + s gen. ending + 
   Useful english dictionary

  • Reichswehr noire — La Reichswehr noire est une armĂ©e clandestine crĂ©Ă©e en octobre 1923 en Allemagne par un commandant de rĂ©serve nommĂ© Bruno Ernst Buchrucker qui fomente un coup d’État pour renverser la RĂ©publique de Weimar[1]. L occupation de la Ruhr entraĂźne des… 
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