Reinhard Heydrich

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Reinhard Heydrich
Reinhard Heydrich (1940)

Reinhard Tristan Eugen Heydrich (* 7. MĂ€rz 1904 in Halle (Saale); † 4. Juni 1942 in Prag) war ein deutscher SS-ObergruppenfĂŒhrer und General der Polizei, der wĂ€hrend der Diktatur des Nationalsozialismus als Leiter des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) und Stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und MĂ€hren[1] fĂŒr zahlreiche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich war. 1941 wurde er von Hermann Göring mit der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“ beauftragt und war ab diesem Zeitpunkt der eigentliche Organisator des Holocausts. So leitete er am 20. Januar 1942 in Berlin die Wannsee-Konferenz. Heydrich wurde am 27. Mai 1942 bei einem Attentat in Prag verletzt und starb acht Tage spĂ€ter an Gasbrand. Daraufhin folgten Racheakte der Nationalsozialisten wie die Zerstörung von Lidice und LeĆŸĂĄky.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugend

Heydrichs Mutter Elisabeth Krantz stammte aus einer wohlhabenden Familie und war die Tochter des Leiters des Königlichen Konservatoriums von Dresden. Sein Vater, Bruno Heydrich, kam aus Ă€rmlichen VerhĂ€ltnissen, brachte es aber nach einer durch ein Stipendium finanzierten Ausbildung in Komposition und Gesang am Königlichen Konservatorium in Dresden zu einem anerkannten Komponisten und OpernsĂ€nger.[2] Seine „Erfolge als Tenor waren durchaus betrĂ€chtlich“, so dass er auch Gelegenheit erhielt, im Sommer 1890 AuszĂŒge aus den Opern Lohengrin, Parsifal, die Meistersinger und Rienzi vor Richard Wagners Witwe Cosima Wagner vorzutragen, ohne jedoch den großen Karrieredurchbruch zu schaffen. Obwohl Bruno Heydrichs Opern im Stil von Richard Wagner in Köln und Leipzig aufgefĂŒhrt wurden und seine erste Oper „Amen“ bei der Premiere 1895 in Köln „begeisterte Zustimmung bei den Kritikern“ fand, konnte er sich mit seinen nachfolgenden Opern nicht durchsetzen.[3]

1899 grĂŒndete Bruno Heydrich in Halle an der Saale eine Musikschule fĂŒr Kinder der Mittelklasse, die bereits 1901 zu einem Konservatorium ausgebaut wurde, das 1904 elf Lehrer, vier HilfskrĂ€fte und eine SekretĂ€rin fest angestellt hatte, so dass sich Familie Heydrich nicht nur zwei DienstmĂ€dchen und einen Butler leisten konnte, sondern sehr schnell „Zugang zu den gehobenen Kreisen der Stadt“ erhielt und unter anderem zum BĂŒrgermeister und Herausgeber der Lokalzeitung freundschaftliche Kontakte pflegte.[4] GerĂŒchten, er sei jĂŒdischer Herkunft (siehe unten), trat Bruno Heydrich 1916 mit einer erfolgreichen Verleumdungsklage entgegen, da er fĂŒrchtete, sie könnten im politischen Klima der von Antisemitismus geprĂ€gten Wilhelminischen Ära „geschĂ€ftsschĂ€digend“ wirken.[5]

Reinhard Heydrich wurde frĂŒh durch einen extremen Nationalismus geprĂ€gt, der in der Familie vorherrschte. Die Niederlage des Deutschen Reiches und die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. wurde von seiner Familie als Katastrophe empfunden. Wie auch viele weitere SchĂŒler seines Realgymnasiums schloss Reinhard Heydrich sich 1919 einer „freiwilligen Einwohnerwehr“ des Freikorps von Georg Maercker an.[6] 1920 wurde er Mitglied der Jugendgruppe der halleschen Ortsgruppe des 1918 gegrĂŒndeten antisemitischen Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, der nach der Ermordung von Außenminister Rathenau 1922 verboten wurde.[7]

Marine

Am 30. MĂ€rz 1922 trat er als Seekadett in die Reichsmarine ein; 1926 wurde er zum Nachrichtendienst der Marine versetzt und 1928 zum Oberleutnant zur See ernannt.[8]

WĂ€hrend seiner Marinezeit betrieb Heydrich intensiv Sport, vor allem in den Disziplinen Moderner FĂŒnfkampf, Fechten und Reiten.

Im Dezember 1930 lernte er auf einem Ball seine spĂ€tere Ehefrau, die 19-jĂ€hrige Lina Mathilde von Osten (1911–1985), kennen, die aus einer politisch weit rechts stehenden Familie kam. Ihr Bruder Hans von Osten gehörte seit 1928 der SA an, Lina selbst war schon, als sie Reinhard Heydrich kennenlernte, â€žĂŒberzeugte Nationalsozialistin und glĂŒhende Antisemitin“.[9] Am 26. Dezember 1931 fand in Großenbrode die Hochzeit statt. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:

  • Klaus Heydrich (* 17. Juni 1933; † 24. Oktober 1943 durch Verkehrsunfall[10])
  • Heider Heydrich (* 28. Dezember 1934)
  • Silke Heydrich (* 9. April 1939)
  • Marte Heydrich (* 23. Juli 1942)

Heydrich hatte allerdings in der Zeit der Verlobung mit Lina von Osten eine Beziehung zu einer anderen Frau, der Tochter des Marinewerftdirektors von Kiel. Die Beziehung beendete er, indem er ihr die aus einem Lokalblatt ausgeschnittene Verlobungsanzeige mit Lina von Osten zuschickte.

Nach dem Kodex der Marine hatte Heydrich sich unehrenhaft verhalten. Die Angelegenheit wurde vor einem „Ehrenrat“ verhandelt. Heydrichs arrogantes Auftreten vor dem Rat fĂŒhrte mit dazu, dass er im April 1931 von Admiral Erich Raeder wegen „ehrwidrigen Verhaltens“ aus der Marine entlassen wurde.

„Dennoch bleibt merkwĂŒrdig, daß niemals die IdentitĂ€t der jungen Dame von der „Kolo Rendsburg“ oder die ihres Vaters herausgekommen sind [
]. Vergleiche des Autors zwischen den Namenslisten der SchĂŒlerinnen der Kolonialen Frauenschule und der militĂ€rischen wie politischen FĂŒhrung der Reichsmarine im Zeitraum 1929 bis 1931 ergaben keine Übereinstimmung. Bemerkenswert ist auch, daß Heydrich selbst auf dem Höhepunkt seiner Macht im Dritten Reich, wie Kleikamp 1950 hervorhob, „niemals etwas gegen die Mitglieder des Ehrenrats unternommen hat“.“

– Mario Dederichs: Heydrich – Das Gesicht des Bösen, S. 52

Aufstieg in der SS und Verfolgungsmaßnahmen Heydrichs 1933 bis 1939

Im Juni 1931 trat Heydrich in die NSDAP (Mitglied Nr. 544.916) und die SS (SS Nr. 10.120) ein. Sein frĂŒhes Eintrittsdatum trug dazu bei, dass er spĂ€ter das Goldene Parteiabzeichen erhielt.[11] In den frĂŒhen dreißiger Jahren baute Heinrich Himmler die „Schutzstaffel des FĂŒhrers“, die SS, systematisch auf. Um die TĂ€tigkeiten der Organisation besser zu koordinieren und vor allem politische Gegner zu ĂŒberwachen und auszuschalten, benötigte die wachsende SS einen effizienten Nachrichtendienst. Über einen verwandten Jugendfreund, den MĂŒnchner SA-FĂŒhrer und SA-BrigadefĂŒhrer „Oberbayern“ Karl von Eberstein (dessen Mutter war Heydrichs Patentante), wurde Heydrich im August 1931 Himmler vorgestellt. Heydrich skizzierte ihm kurz seine Vorstellungen vom Aufbau eines Nachrichtendienstes. Himmler war beeindruckt und beauftragte ihn mit dem Aufbau der Organisation, die den Namen „Sicherheitsdienst“ (SD) erhielt. Allerdings rĂ€umte Himmler spĂ€ter intern ein, dass die Heranziehung Heydrichs ursprĂŒnglich auf einem „Irrtum“ basierte: Das, was heute als Fernmeldetruppe bezeichnet wird, wurde seit 1917 als Nachrichtentruppe bezeichnet, und Heydrich war als „technischer Nachrichtenoffizier“ tatsĂ€chlich zum Funkoffizier ausgebildet worden. Mit nachrichtendienstlicher TĂ€tigkeit im Sinne von geheimdienstlicher AktivitĂ€t hatte er jedoch nichts zu tun gehabt.[12] Gleichwohl wusste jener offenbar Himmler zu ĂŒberzeugen.

Der SD sammelte akribisch Material ĂŒber jeden im Reich, das zu gegebener Zeit gegen ihn verwendet werden konnte. Gegner wurden durch Intrigen oder gezielte Kampagnen ausgeschaltet. Dabei nahm man es mit der Wahrheit nicht allzu genau. Ein beliebtes Mittel war, dem Gegner „homosexuelle Neigungen“ nachzusagen. Heydrich wurde fĂŒr die kommende FĂŒhrung des Dritten Reiches schnell unentbehrlich und stieg rasch in der Hierarchie der SS auf. Am 1. Dezember 1931 wurde er zum HauptsturmfĂŒhrer der SS, im Juli 1932 zum StandartenfĂŒhrer ernannt. Zu Beginn seiner Karriere als höherer SS-Offizier Ă€nderte Reinhardt Heydrich seinen Vornamen in „Reinhard“.

Als Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, bedeutete dies fĂŒr die SA und SS einen legalen Zugang zur Macht. Heydrich wurde noch im selben Jahr stellvertretender Chef der bayerischen Polizei. Das ErmĂ€chtigungsgesetz ermöglichte die Zerschlagung der Opposition. Die StaatsbĂŒrokratie wurde systematisch aufgerollt und von linientreuen AnhĂ€ngern des Regimes ĂŒbernommen.

Das erste prominente Opfer von Heydrichs Verfolgungsaktionen 1933 in Bayern war der LiteraturnobelpreistrĂ€ger Thomas Mann. Als Mann nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler beschloss, seinen Auslandsaufenthalt um einige Monate zu verlĂ€ngern, bis sich die Lage stabilisiert habe, ordnete Heydrich im April 1933 die Durchsuchung von Manns Haus in MĂŒnchen an und ließ dessen Bankkonto und privaten SachgĂŒter beschlagnahmen.[13] Am 12. April 1933 forderte Heydrich, Mann sofort nach dessen RĂŒckkehr in „Schutzhaft“ zu nehmen und schrieb an Reichstatthalter von Epp:

„Diese undeutsche, der nationalen Bewegung feindliche, marxistische und judenfreundliche Einstellung gab Veranlassung gegen Thomas Mann Schutzhaft zu erlassen, die aber durch die Abwesenheit dessen nicht vollzogen werden kann. “[14]

Das nach außen hin straff organisierte Dritte Reich wies im Innern allerdings eine Struktur rivalisierender Machtgruppierungen auf, wie NSDAP, SA, SS, Wehrmacht sowie verschiedene geheimdienstliche und polizeiliche Organisationen.

Die Sturmabteilung unter Ernst Röhm wurde nach der MachtĂŒbernahme zunehmend unzufriedener. Sie hatte Hitler ihrer Auffassung nach an die Macht gebracht, spielte jetzt jedoch nur noch eine untergeordnete Rolle. Ein Teil der SA forderte nach der ersten nationalen Revolution nun eine zweite, sozialistische Revolution. Hitler, dem die SA unbequem wurde, suchte nach Möglichkeiten, diese auszuschalten. Heydrichs SD leistete hier ganze Arbeit und sammelte fingierte Beweise fĂŒr einen unmittelbar bevorstehenden Putsch. Hitlers prĂ€ventive Vorbeugung eines vermeintlich bevorstehenden Röhm-Putsches bestand darin, dass er die SA-FĂŒhrungsriege exekutieren ließ. FĂŒr seine Dienste bei der Entmachtung der SA wurde Heydrich am 30. Juni 1934 zum SS-GruppenfĂŒhrer ernannt.

Reinhard Heydrich 1934

Der Wehrmacht war die SS als zweite bewaffnete Organisation im Reich ein Dorn im Auge. Die SS wiederum stĂ€rkte ihre Position gegenĂŒber der Wehrmacht, indem sie den damaligen Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Werner von Fritsch, und den Reichskriegsminister Werner von Blomberg durch gezielte Intrigen aus dem Weg rĂ€umte.

RivalitĂ€t herrschte auch zwischen Heydrichs SD und dem Geheimdienst des Heeres, der Abwehr unter seinem ehemaligen Gönner Admiral Wilhelm Canaris. Die beiden Chefs unterhielten anfangs nach außen hin ein freundschaftliches VerhĂ€ltnis und trafen sich jeden Morgen zum gemeinsamen Ausritt. Hinter den Kulissen versuchte jedoch jeder den anderen auszuschalten – Heydrich ließ Canaris' DienstrĂ€ume verwanzen, Canaris ließ nach Belegen fĂŒr Heydrichs angebliche jĂŒdische Abstammung suchen.

1936 wurde Himmler Chef der deutschen Polizei, Heydrich Chef der Sicherheitspolizei (Sipo). Die Sicherheitspolizei, die sich aus der politischen Polizei und der Kriminalpolizei zusammensetzte, wurde straff durchorganisiert, mit zuverlĂ€ssigen Nationalsozialisten durchsetzt und zentral gefĂŒhrt. In ihr hatte Heydrich ein willfĂ€hriges Instrument, um vermeintliche Staatsfeinde, aber auch persönliche Widersacher und Rivalen gnadenlos zu verfolgen. Er schuf ein Netz einer fast lĂŒckenlosen polizeilichen Überwachung, legte umfangreiche Akten an und beauftragte sogar Wissenschaftler mit Studien ĂŒber die AktivitĂ€ten möglicher Staatsfeinde wie Juden, Kommunisten, Liberale und religiöse Gruppen. Schon am 28. Mai 1936 forderte Heydrich in einen geheimen Befehl an die Staatspolizeidienststellen, dass „die Anwendung verschĂ€rfter Vernehmungsmethoden auf keinen Fall aktenkundig gemacht werden“ dĂŒrfe. Die Vernehmungsakten gefolterter Beschuldigter seien vom Leiter der jeweiligen Staatspolizeistelle persönlich unter Verschluss aufzubewahren.[15]

Noch wÀhrend der Reichspogromnacht sandte er am 10. November 1938 ein dringendes Fernschreiben an die StaPo mit verschiedenen Anweisungen. Beispielsweise seien

„[
] in allen Bezirken so viele Juden – insbesondere wohlhabende – festzunehmen, als in den vorhandenen HaftrĂ€umen untergebracht werden können“

– Fernschreiben von Reinhard Heydrich[16]

1939 wurden SD und Sicherheitspolizei (Kriminalpolizei und Geheime Staatspolizei) dem neu geschaffenen Reichssicherheitshauptamt (RSHA) unterstellt, mit Heydrich an der Spitze. So war ein riesiger Polizeiapparat entstanden, der ĂŒberall Informationen sammeln und liefern konnte – ein Instrument zur AusĂŒbung absoluter Herrschaft. Heydrich arbeitete weiter an der Vervollkommnung dieses Apparates, der seine ganze Macht bei der AusfĂŒhrung des Befehls zur Vernichtung des Judentums zeigen sollte.

Am 1. September 1939 erfolgte der Angriff auf Polen, der durch angebliche Übergriffe polnischer Truppen gerechtfertigt wurde. Heydrich ließ hierzu einige GrenzzwischenfĂ€lle inszenieren. So wurde von SS-MĂ€nnern, die polnische FreischĂ€rler darstellen sollten, ein Überfall auf den Sender Gleiwitz inszeniert. Der internationalen Presse wurden gefallene Polen vorgefĂŒhrt. In Wirklichkeit handelte es sich um zuvor umgebrachte Gefangene des KZ Sachsenhausen. Den rasch vorrĂŒckenden Truppen der Wehrmacht folgten sogenannte SS-Einsatzgruppen, die rĂŒcksichtslos gegen die Zivilbevölkerung – insbesondere die „Intelligenz“ und Juden – vorgingen. Als Unternehmen Barbarossa begann am 22. Juni 1941 der Angriff auf die Sowjetunion. Auch hier richteten die Einsatzgruppen der SS unvorstellbare Massaker an. Es wird geschĂ€tzt, dass in Osteuropa etwa 1 Million Menschen ermordet wurden.

Kriegseinsatz bei der Luftwaffe

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges nahm Heydrich als Reserveoffizier der Luftwaffe zunĂ€chst als BordschĂŒtze in Bombern am Polenfeldzug, spĂ€ter als Jagdflieger ĂŒber Norwegen, Norddeutschland und Holland teil. Er flog eine Messerschmitt Bf 109E-7. Sein Aufenthalt in den JagdverbĂ€nden endete immer schnell durch UnfĂ€lle, da er nur wenige TrainingsflĂŒge absolviert und nie die nötige ProfessionalitĂ€t als Flieger erlangt hatte.

Heydrich missachtete den ausdrĂŒcklichen Befehl des ReichsfĂŒhrers-SS Himmler zum Verbot von KampfeinsĂ€tzen, meldete sich am Flugplatz Bălți im SĂŒdabschnitt der Ostfront in der Uniform eines Luftwaffenmajors und wurde der II. Gruppe des Jagdgeschwaders 77 zugeteilt, in der er schon frĂŒher geflogen war. Sein Flugzeug wurde am Nachmittag des 22. Juli ĂŒber Jampol von einem sowjetischen Flakgeschoss getroffen, und der Motor fiel aus. Heydrich war gezwungen, zwischen den Frontlinien notzulanden. Er floh in Richtung der deutschen Stellungen und hatte GlĂŒck, bald auf deutsche Soldaten zu treffen.

Die Anzahl der FeindflĂŒge Heydrichs ist nicht bekannt; dokumentiert ist nur, dass er abgeschossen wurde. Er erhielt nach seiner RĂŒckkehr in Berlin das Eiserne Kreuz 1. Klasse und die Frontflugspange in Silber, die ĂŒblicherweise erst nach 60 erfolgreichen FeindflĂŒgen verliehen wurde. Nach diesem Abenteuer verboten ihm Himmler und nun auch Hitler endgĂŒltig jeden weiteren Kampfeinsatz, denn Heydrich hĂ€tte bei weiteren KampfeinsĂ€tzen in sowjetische Gefangenschaft geraten können, deren Folgen aus der Sicht der NS-FĂŒhrung fĂŒr das Dritte Reich unabsehbar gewesen wĂ€ren.

Heydrich versuchte, mit dem Fliegen seinem eigenen Ideal nahe zu kommen, nicht nur „SchreibtischtĂ€ter“ oder „Asphaltsoldat“ zu sein, sondern auch als KĂ€mpfer an der Front zu bestehen.

Die „Endlösung der Judenfrage“

Auftrag Görings an Heydrich

In der Ideologie der Nationalsozialisten galten Juden als Feindbild schlechthin. Sie wurden als „Untermenschen“ dargestellt und in der NS-Propaganda mitunter mit Ratten (so im Film „Der ewige Jude“) und anderem Ungeziefer verglichen.

Schon vor dem Krieg sammelte Heydrich alle Informationen ĂŒber jĂŒdische Einrichtungen und ließ sie ĂŒberwachen. ZunĂ€chst sollten die Juden durch ein System von Enteignung und Deportation aus dem Reich gedrĂ€ngt werden. 1938 sandte Heydrich Adolf Eichmann nach Wien, um dort die Zentralstelle fĂŒr jĂŒdische Auswanderung einzurichten, sie wurde zum Vorbild fĂŒr die im Januar 1939 eingerichtete Reichszentrale fĂŒr jĂŒdische Auswanderung in Berlin. Damit erhielt Heydrichs SD eine SchlĂŒsselrolle bei der Judenverfolgung.[17]

Nach der Eroberung Polens gab Heydrich den Befehl, Ghettos fĂŒr die Juden einzurichten und dort sogenannte JudenrĂ€te zu bilden. So wurden die JĂŒdischen Gemeinden gezwungen, mit den Nationalsozialisten zusammenzuarbeiten und an ihrem eigenen Untergang mitzuwirken. Mit Eichmanns Hilfe organisierte Heydrich Deportationen von Juden aus dem ganzen Reichsgebiet sowie aus Österreich und Teilen Polens in diese neu errichteten Ghettos. In einer Anweisung vom 22. September 1939 unterschied Heydrich zwischen einem „geheimen Endziel“, dessen Verfolgung langfristig erfolgen mĂŒsse, und den Mitteln und Wegen dorthin. Ghettos waren fĂŒr ihn nur Zwischenstationen. Als Endziel war zu diesem Zeitpunkt eine Deportation aller Juden aus den eingegliederten Gebieten in ein Territorium an der östlichen Grenze Polens angedacht.[18]

Durch die Eroberung Osteuropas fielen Millionen von Juden und anderen Menschen, die als „Angehörige minderwertiger Rassen“ herabgesetzt wurden, in deutsche Hand. Wann der Entschluss zur Ermordung aller Juden gefasst wurde, ist strittig; die meisten Historiker datieren ihn zwischen September und Dezember 1941. Die systematische Ermordung der Juden begann in stufenweise radikalisierten Schritten durch die Einsatzgruppen . Schon acht Tage nach Beginn des Unternehmens Barbarossa unternahm Heydrich am 30. Juni 1941 seine erste Inspektionsreise und forderte umgehend in seinem Einsatzbefehl, der Einsatzgruppe B sollte es doch „bei geschicktem Vorgehen nicht schwer fallen, mit der militĂ€rischen Entwicklung Schritt zu halten“.[19] Prompt meldete wenige Tage spĂ€ter Einsatzgruppenchef Arthur Nebe, in den ersten Tagen seien zwar in Grodno und Lidna „nur 96 Juden exekutiert worden“, er habe aber „Befehl gegeben, dass hier erheblich zu intensivieren sei“.[20] Heydrichs Inspektionsreisen trugen zu einem massiven Anstieg der Massenmorde an jĂŒdischen Zivilisten in den besetzten sowjetischen Gebieten bei, so dass schon wenige Wochen nach Kriegsbeginn dazu ĂŒbergegangen wurde, Frauen und Kinder bei Massenerschießungen umzubringen, wobei das Einsatzkommando 9 unter der Leitung Alfred Filberts das erste war, „das von Ende Juli an systematisch jĂŒdische Frauen und Kinder in Weißrussland umbrachte, offenbar auf ausdrĂŒcklichen Befehl Heydrichs“.[21]

Am 31. Juli 1941 wurde Heydrich von Hermann Göring beauftragt, alle erforderlichen Vorbereitungen fĂŒr eine „Gesamtlösung der Judenfrage“ zu treffen, seien sie finanzieller, organisatorischer oder verwaltungstechnischer Natur. Heydrich erkannte schnell, dass zu diesem Zweck eine zentrale Koordinierung aller beteiligten Stellen erforderlich war. So berief er zum 20. Januar 1942 die sogenannte Wannsee-Konferenz ein, um Mittel und Wege zur „Endlösung der europĂ€ischen Judenfrage“ zu erörtern. Heydrich konkretisierte, was mit den deportierten Juden geschehen sollte:

„Unter entsprechender Leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfĂ€higen Juden straßenbauend in diese Gebiete gefĂŒhrt, wobei zweifellos ein Großteil durch natĂŒrliche Verminderung ausfallen wird. Der allfĂ€llig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem unzweifelhaft um den widerstandsfĂ€higsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden mĂŒssen, da dieser, eine natĂŒrliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jĂŒdischen Aufbaues anzusprechen ist. “[22]

Zwar sprach er nicht explizit von den nicht „arbeitsfĂ€higen“ Frauen und Kindern, doch ist klar, dass er sie zu den „Keimzelle[n] eines neuen jĂŒdischen Aufbaus“ rechnete, die ebenfalls einer „Sonderbehandlung“ zugefĂŒhrt werden sollten – in der Sprache der TĂ€ter war dies die Tarnbezeichnung fĂŒr Tötung.[23] Dabei gingen die Massenmorde von Heydrichs SS-Einsatzgruppen weiter. WĂ€hrend des FrĂŒhjahrs und Sommers 1942 erschossen sie in der Ukraine und in Weißrussland mindestens 360.000 Juden.[24]

Stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und MÀhren

Heydrich (links) mit Frank (rechts) im Prager Schloss (1941)

Nachdem nach der im MĂŒnchner Abkommen von 1938 erzwungenen Abtretung des Sudetenlandes im darauffolgenden Jahr 1939 auch die restliche Tschechoslowakei von deutschen Truppen besetzt worden war, etablierten die Deutschen sofort eine neue Regierung. Ein „Reichsprotektor“ fĂŒr Böhmen und MĂ€hren wurde eingesetzt, der in Prag residierte. Mit diesem Amt wurde Konstantin von Neurath betraut, der abgesetzte deutsche Außenminister. Neurath nahm seine Aufgabe nach Auffassung von Heydrich und dem SS-FunktionĂ€r Karl Frank nicht mit der nötigen HĂ€rte wahr – beide hatten Ambitionen auf Neuraths Posten. Heydrich sammelte Belege ĂŒber Neuraths angebliche UnzuverlĂ€ssigkeit, was dazu fĂŒhrte, dass dieser auf unbestimmte Zeit „beurlaubt“ wurde – offiziell wurde mitgeteilt, er habe den „FĂŒhrer“ aus gesundheitlichen GrĂŒnden um seine Abdankung gebeten.

Heydrich wurde zum stellvertretenden Reichsprotektor ernannt, blieb aber gleichzeitig Chef des RSHA. Am 27. September 1941 traf er in Prag ein. In seiner Antrittsrede am 2. Oktober 1941 vor Mitarbeitern der deutschen Protektoratsverwaltung auf der Prager Burg Ă€ußerte er sich in drastischer Weise ĂŒber die Behandlung der tschechischen Bevölkerung, solange man diese wegen ihrer Wirtschaftsleistung fĂŒr die deutsche Kriegswirtschaft benötige:

„Ich brauche also Ruhe im Raum, damit der Arbeiter, der tschechische Arbeiter, fĂŒr die deutsche Kriegsleistung hier vollgĂŒltig seine Arbeitskraft einsetzt [
]. Dazu gehört, dass man den tschechischen Arbeitern natĂŒrlich das an Fressen geben muss – wenn ich es so deutlich sagen darf, dass er seine Arbeit erfĂŒllen kann. In dieser Richtung ist [...] eine Besprechung beim FĂŒhrer gewesen unter Zuziehung von StaatssekretĂ€r Backe, und wir werden voraussichtlich, ich bitte dies alles fĂŒr sich zu behalten bevor es herauskommt, weil es propagandistisch entsprechend aufgemacht werden muss, [...] zu einer Erhöhung der Fettrationen bei den tschechischen Arbeitern kommen, die etwa um 400 g herum liegt, das ist eine Summe, die sich sehen lassen kann.“[25]

Diese wirtschaftspolitische Ausbeutung erfolgte in Abstimmung mit ErnĂ€hrungsstaatssekretĂ€r Herbert Backe, „einer der wenigen engen persönlichen Freunde Heydrichs“.[26] Da insbesondere die Aufrechterhaltung der tschechischen RĂŒstungsindustrie fĂŒr die KriegfĂŒhrung des Deutsches Reiches von großer Bedeutung war, sollten die tschechischen Arbeiter im Unterschied zu den „minderwertigen Rassen Europas“, die keine kriegswichtige Arbeit fĂŒr Deutschland leisteten, ausreichend ernĂ€hrt werden.[27] Nach dem Krieg könne man dann mit den Tschechen abrechnen. Heydrich fĂŒhrte unverzĂŒglich drakonische Maßnahmen gegen die Bevölkerung ein. Bis Ende November 1941 wurden 6000 Menschen verhaftet und offiziell 404 Todesurteile vollstreckt. 1299 dieser alleine in diesen ersten zwei Monaten der Amtszeit Heydrichs Inhaftierten wurden im Winter in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert; von ihnen ĂŒberlebten nur 52 den Krieg.[28] Dies brachte ihm bei der Prager Bevölkerung den Spitznamen 'Der Henker von Prag' ein. Er entschied, dass in Theresienstadt (TerezĂ­n) ein Konzentrationslager fĂŒr die jĂŒdische Bevölkerung Böhmens und MĂ€hrens errichtet wurde.

Das Landgut Jungfern Breschan bei Prag, das zuvor dem jĂŒdischen Zuckerfabrikanten Ferdinand Bloch-Bauer abgenommen worden war, diente der Familie Heydrich als Herrschaftssitz. Es umfasste zwei Schlösser, eine FlĂ€che von 125 Hektar Wald und eine ausgedehnte GĂ€rtnerei. Lina Heydrich ließ fortan HĂ€ftlinge aus dem KZ Theresienstadt rekrutieren, um sie als Arbeiter auf dem Landsitz einzusetzen, auf dem zu diesem Zweck ein Außenlager errichtet wurde.

Attentat

Nach dem Einmarsch deutscher Wehrmachtstruppen war ein Teil der tschechischen Regierung nach England geflohen. In London etablierte der ehemalige PrĂ€sident Edvard BeneĆĄ eine Exilregierung, die um ihr Ansehen zu festigen, Sabotageakte in der besetzten Heimat durchfĂŒhren ließ. Hierzu wurden von den Briten tschechische und slowakische Soldaten ausgebildet, die nachts mit Fallschirmen ĂŒber dem besetzten Gebiet absprangen. Die Agenten sollten zum tschechischen Untergrund Kontakt aufnehmen und Aktionen wie Sprengungen von Fabrikanlagen und Aufstellung von Funkpeilanlagen zur Orientierung fĂŒr alliierte Bomber durchfĂŒhren. Da aber das Überwachungssystem und der Druck der Deutschen auf die tschechische Bevölkerung unterschĂ€tzt wurden, blieben die Aktionen meist erfolglos.[29]

Ende 1941 reifte der Plan, eine aufsehenerregende Aktion durchzufĂŒhren – ein Attentat auf den verhassten Reichsprotektor, der auch als Chef des Reichssicherheitshauptamtes im Visier des britischen Geheimdienstes stand. Mit harter UnterdrĂŒckung war es ihm zunĂ€chst gelungen, den tschechischen Widerstand erheblich zu schwĂ€chen. Die Aktion erhielt den Decknamen „Anthropoid“. Unter strengster Geheimhaltung wurde ein enger Kreis von Soldaten hierfĂŒr ausgebildet. Am frĂŒhen Morgen des 29. Dezember 1941 wurden Jozef Gabčík und Jan KubiĆĄ von einem britischen Halifax-Bomber östlich von Pilsen mit Fallschirmen abgesetzt. Den beiden gelang es, sich nach Prag durchzuschlagen, zum dortigen Untergrund Kontakt aufzunehmen und fĂŒr die nĂ€chsten Monate unterzutauchen. Hier erfuhren sie Einzelheiten ĂŒber Heydrichs Gewohnheiten und seinen Tagesablauf. So ließ er sich jeden Tag ohne Begleitkommando, meist im offenen Wagen, nach Prag fahren.[30]

In den Wochen vor dem Anschlag war der tschechische Widerstand erstarkt.[31] Heydrich, der seit September 1941 beschönigende Berichte an Martin Bormann geschickt hatte, um „seine ‚Leistungen’ im Protektorat ins rechte Licht zu rĂŒcken“, rĂ€umte in einem Schreiben an Bormann am 19. Mai 1942 erstmals ein, dass sich die Lage im Protektorat verschlechtert habe und sagte auf einer Pressekonferenz in Prag am 26. Mai 1942, einen Tag vor dem Überfall:

„Ich spĂŒre und sehe, daß die auslĂ€ndische Propaganda und die defaitistische und deutschfeindliche FlĂŒsterpropaganda im Raum wieder erheblich am Zunehmen ist. [...] Auch die kleinen Sabotageakte, die weniger Schaden tun als einen oppositionellen Geist demonstrieren sollen, haben zugenommen. “[32]

FĂŒr den Anschlag wĂ€hlten die AttentĂ€ter eine enge, abschĂŒssige Haarnadelkurve in der Prager Vorstadt Libeƈ aus. In der NĂ€he gab es keine Polizeistation. Die Kurve konnte nur mit niedriger Geschwindigkeit durchfahren werden. Am Morgen des 27. Mai 1942 postierten sich Gabčík und KubiĆĄ in der NĂ€he der Kurve. In Aktentaschen hatten sie eine zusammenlegbare Sten-Gun-Maschinenpistole sowie eine aus speziellem Sprengstoff gefertigte Handgranate mit hoher Explosivkraft. Ein weiterer Agent, Josef Valčík, nahm eine Position oberhalb ein, um Heydrichs Kommen mit einem Taschenspiegel zu signalisieren. Heydrich verspĂ€tete sich an diesem Morgen.

Der beim Attentat beschÀdigte Wagen Heydrichs

Als Heydrichs Wagen schließlich verspĂ€tet eintraf , musste der Fahrer vor der Kurve den Mercedes 320 stark abbremsen. Gabčík hob seine Maschinenpistole und drĂŒckte auf kĂŒrzeste Entfernung ab. Die Waffe hatte jedoch Ladehemmung, so dass sich kein Schuss löste. Heydrich, im Glauben, es nur mit einem EinzeltĂ€ter zu tun zu haben, traf eine fĂŒr ihn verhĂ€ngnisvolle Fehlentscheidung: Er befahl dem Fahrer anzuhalten, und zog gegen Gabčík seine Dienstpistole. KubiĆĄ trat nun aus der Deckung und warf seine Handgranate. Diese prallte am rechten Hinterrad ab und explodierte neben dem Fahrzeug. Heydrich sprang aus dem Wagen und versuchte, auf die AttentĂ€ter zu schießen. Sein Fahrer Klein „durch die Explosion desorientiert torkelte auf KubiĆĄ zu“, und „Heydrich brach plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammen, so dass auch Gabčík aus seinem Schussfeld entkommen konnte“.[33] Erst nach einiger Zeit wurde er von tschechischen Polizisten gefunden und in einem Lastwagen ins nahe Krankenhaus Na Bulovce (an der Bulovka) gefahren.

Tschechische Ärzte untersuchten Heydrich. Eine Röntgenaufnahme zeigte eine zertrĂŒmmerte Rippe, einen Zwerchfellriss und Splitter in der Milz, wĂ€hrend seine Nieren unverletzt geblieben waren.

Himmler sandte seinen Leibarzt und Jugendfreund Gebhardt nach Prag, um die Operation durchzufĂŒhren. Gebhardts Flugzeug landete mit VerspĂ€tung. Inzwischen hatten die Prager deutschen Ärzte Prof. Hollbaum und Dick die Operation durchgefĂŒhrt. ZunĂ€chst schien sich Heydrichs Zustand zu verbessern, doch am 3. Juni trat eine plötzliche Verschlechterung mit hohem Fieber und Sepsis aufgrund einer BauchfellentzĂŒndung ein, die wahrscheinlich durch nichterkannte Partikel der Polsterung des Wagens, die in die Bauchhöhle gelangt waren, verursacht wurde. WĂ€re Penicillin eingesetzt worden, das nicht zur VerfĂŒgung stand, „hĂ€tte Heydrich wohl ĂŒberlebt“.[34] Er glitt ins Koma und starb am 4. Juni 1942 um 4:30 Uhr an Gasbrand.

Sonderpostwertzeichen der Reichspostverwaltung „Böhmen und MĂ€hren“ zum Jahrestag des Todes[35]

Heydrichs Leiche wurde die nĂ€chsten zwei Tage im Hradschin aufgebahrt[36] und anschließend nach Berlin ĂŒberfĂŒhrt. Am 9. Juni fand in Berlin die seit dem StaatsbegrĂ€bnis von ReichsprĂ€sident Paul von Hindenburg grĂ¶ĂŸte Totenfeier des Dritten Reiches statt[37], an der alle NS-GrĂ¶ĂŸen teilnahmen. Heydrichs Leichnam wurde auf dem Berliner Invalidenfriedhof beigesetzt. Die Grabrede hielt Himmler, der ihn als „Blutzeuge[n], gefallen fĂŒr die Erhaltung und Sicherung des Reiches“ pries. [38] Zum Jahrestag gab es 1943 erneut eine Gedenkfeier, und am Ort des Attentats wurde eine BĂŒste nach Heydrichs Totenmaske aufgestellt, vor der sich vorĂŒbergehende Passanten verbeugen mussten. Zum Todestag wurde eine Gedenkbriefmarke ausgegeben, Heydrich „zum mythisch verklĂ€rten ‚MĂ€rtyrer’ im nationalsozialistischen Pantheon der gefallenen Helden“ erhoben und ein „neue[r] Höhepunkt des nationalsozialistischen Totenkults“ inszeniert.[39]

Himmler ĂŒbernahm zunĂ€chst selbst die FĂŒhrung des Reichssicherheitshauptamtes, bis er Ernst Kaltenbrunner am 30. Januar 1943 als neuen Chef des RSHA in sein Amt einfĂŒhrte. Zum Nachfolger Heydrichs als Stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und MĂ€hren bestimmte er den Chef der Ordnungspolizei Kurt Daluege.

Unmittelbar nach dem Attentat wurde der Gestapo-Beamte und Referatsleiter (Referat II g − Attentate, illegaler Waffenbesitz und Sabotage) bei der Staatspolizeileitstelle Prag Heinz Pannwitz mit der Leitung einer Sonderkommission zur AufklĂ€rung des Heydrich-Attentats betraut. Pannwitz war Autor des amtlichen Abschlussberichtes zum Heydrich-Attentat und verfasste in der zweiten HĂ€lfte der 1950er Jahre zwei Niederschriften zum Attentat.[40]

Vergeltung

Gedenkplatte an der Cyril-und-Methodius-Kirche in Prag zur Erinnerung an den letzten Kampf der AttentÀter Heydrichs

Das Attentat auf Heydrich traf die NS-FĂŒhrung anscheinend ins Mark. Die Suche nach den Angreifern verlief zunĂ€chst hektisch und schlecht organisiert. Mit Hilfe des spĂ€ter hierfĂŒr heiliggesprochenen Bischofs Matěj PavlĂ­k versteckten sich die AttentĂ€ter in der Krypta der Kirche St. Cyrill und Method in Prag. In der Folgezeit ĂŒbten die deutschen Besatzer vor allem durch Geiselnahme erheblichen Druck auf die tschechische Bevölkerung aus. In der Folge wurde zuerst das Dorf Lidice und wenige Tage spĂ€ter auch LeĆŸĂĄky dem Erdboden gleichgemacht. Alle 172 mĂ€nnlichen Bewohner Lidices ĂŒber 15 Jahre wurden erschossen (9./10. Juni 1942), die Frauen in Konzentrationslager, deportiert, wĂ€hrend sich die Kinder einer „rassischen Musterung“ zu unterziehen hatten.[41] Neun der Kinder wurden als „germanisierbar“ eingestuft und zu deutschen Pflegeeltern geschafft, „die ĂŒbrigen brachte man um“. [42]

Als Rechtfertigung fĂŒr die Ermordung der Menschen nannte man wider besseres Wissen angebliche Beweise fĂŒr einen Zusammenhang zwischen Lidice und den AttentĂ€tern, denn eine solche Vermutung hatte sich schon vor der Vernichtung Lidices „als falsch erwiesen“.[43] Zu den Opfern von Lidice und Lezaky kommen 3188 im Sommer 1942 zum Tode verurteilten Tschechen, „davon 477 aus dem einzigen Grund, dass sie das Attentat auf Heydrich ‚gutgeheißen’ hatten“.[44]

Das Versteck in der Prager Kirche wurde schließlich auf indirektem Wege durch den Hinweis des Fallschirmagenten Karel Čurda gefunden, der am 16. Juni 1941, „um sein Leben zu retten und seine Familie zu schĂŒtzen“, der Gestapo den Namen der Familie Moravec in Prag nannte, wo die beiden AttentĂ€ter zeitweilig untergekommen waren. Der noch minderjĂ€hrige Sohn der Familie Vlastimil brach nach einem brutalen Verhör, „als ihm die Ermittler den abgeschnittenen Kopf seiner Mutter mit einem in FlĂŒssigkeit gefĂŒllten GlasbehĂ€lter zeigten und drohten, den Kopf des Vaters dazuzulegen“, zusammen und teilte seinen Peinigern das Versteck in der Kirche St. Cyrill und Method mit.[45]

Nach mehrstĂŒndigem Kampf mit SS-Einheiten unter der Leitung von Karl von Fischer-Treuenfeld erschossen sich die AttentĂ€ter in der aussichtslosen Lage. Bischof Gorozad, der die Verantwortung fĂŒr die Ereignisse in der Kirche auf sich genommen hatte, Pater Petrek, der in der Kirche angetroffen worden war und zwei weitere orthodoxe Priester, die den AttentĂ€tern Zuflucht gewĂ€hrt hatten, wurden von den Besatzern hingerichtet.[46]

Persönlichkeit und Rezeption

FĂŒr viele seiner Zeitgenossen verkörperte er den Inbegriff des „Ariers“ – blond, schlank und großgewachsen. Dagegen gibt es von seiner auffallend hohen Stimme, die ihm den Spottnamen „Ziege“ einbrachte, trotz der hohen Positionen, die er einnahm, nur wenige Tonbandaufzeichnungen. Dazu war er ein sportlicher Mann und ein fĂ€higer Sportfechter, der an nationalen und internationalen Turnieren teilnahm.[47] Wenn es nach seinem Vater gegangen wĂ€re, hĂ€tte er Musiker werden sollen. Heydrich lernte schon frĂŒh Geige und Klavier, und die Violine beherrschte er virtuos.[48] In der Öffentlichkeit prĂ€sentierte er sich, besonders in seiner Prager Zeit, als fĂŒrsorglicher Familienvater.

Heydrich galt als intelligenter Machtmensch und leistete fĂŒr seinen Vorgesetzten Himmler – dessen rechte Hand er wurde – wichtige Arbeiten bei der Integration der Politischen Polizei in den Apparat der NSDAP. Einige Historiker vertreten die These, der im Grunde kleinbĂŒrgerliche Himmler mit seinem weltfremden Hang zum Mystizismus hĂ€tte ohne den scharfsinnig planenden und entschlossen handelnden Heydrich im von Intrigen bestimmten internen Machtkampf der verschiedenen Gruppen in der NSDAP nicht bestehen können. „HHHH – Himmlers Hirn heißt Heydrich“ soll der ehemalige preußische Innenminister und spĂ€tere Reichsmarschall Hermann Göring ĂŒber seine Konkurrenten gewitzelt haben, die ihm StĂŒck fĂŒr StĂŒck die Hoheit ĂŒber Polizei und Sicherheitsdienste streitig machten.[49] Himmlers Biograph, der Historiker Peter Longerich, verwendet diese angebliche, durch keine belastbare Quelle belegte Äußerung Görings, die auch der französische Schriftsteller Laurent Binet 2010 zum Titel seines Romans ĂŒber das Leben Heydrichs machte,[50] allerdings nicht, ebenso wenig Heydrichs Biograph Gerwarth.[51] Longerich betont:

„Himmler war sich der LoyalitĂ€t Heydrichs stets sicher gewesen, auch wenn durch den Auftrag Hitlers an Heydrich, die ‚Endlösung’ vorzubereiten, eine zweite Befehlslinie neben der allgemeinen ZustĂ€ndigkeit Himmlers fĂŒr die BekĂ€mpfung aller Reichsfeinde etabliert worden war. Diese konkurrierenden BefehlsverhĂ€ltnisse scheinen jedoch nicht zu einer gravierenden RivalitĂ€t zwischen Himmler und Heydrich gefĂŒhrt zu haben. Im Gegenteil: Himmler sah sich durch die Ermordung seines Mitstreiters zunĂ€chst und vor allem in seiner eigenen Macht getroffen.“[52]

Heydrich, der den politischen Katholizismus neben den Juden fĂŒr den Hauptfeind des Nationalsozialismus hielt, spielte sogar mit dem Gedanken, die katholische Kirche zu unterwandern, indem man junge Nationalsozialisten in die Priesterseminare einschleuse. Daneben galten ihm auch die Freimaurer als sehr gefĂ€hrliche Gegner, die, falls sie im Ringen mit dem Nationalsozialismus die Oberhand gewĂ€nnen, „Orgien der Grausamkeit“ feiern wĂŒrden, verglichen mit denen „die Strenge Adolf Hitlers sehr maßvoll erscheinen“ werde. In der Berliner Prinz-Albrecht-Straße hatte er ein „Museum“ der Freimaurer eingerichtet, in dem in einem fensterlosen, schwarz ausgekleideten Saal allerlei KultgegenstĂ€nde der Freimaurer von einem violetten Licht beleuchtet wurden.[53]

Wenn er sich ablenken wollte, verabredete Heydrich sich mit engsten Mitarbeitern wie dem jungen SD-Auslandschef Walter Schellenberg zu nĂ€chtlichen StreifzĂŒgen durch Berliner Bars und Bordelle. Es konnte passieren, dass er bei diesen nĂ€chtlichen StreifzĂŒgen zuweilen als blasser Abglanz des Mannes endete, vor dem alle Angst hatten. In einer Kneipe lachten ihn einmal GĂ€ste, die ihn nicht kannten, sogar aus, als er schrie: „Ich bin der Chef der Gestapo! Ich bin Heydrich! Ich kann euch alle ins Konzentrationslager schicken!“[54] Derartige Darstellungen, nach denen Heydrich tatsĂ€chlich nĂ€chtliche StreifzĂŒge durch die Berliner Bars und Bordelle unternommen habe, basierten aber, so der Historiker Robert Gerwarth, auf Behauptungen Schellenbergs nach dem Krieg und GerĂŒchten.[55]

Gerwarths Biographie 2011 zufolge war Heydrich als junger Offizier ein noch eher wenig politischer EinzelgĂ€nger, und als er sich nach seiner Entlassung aus der Offizierslaufbahn 1931 „auf Druck seiner Verlobten“ um eine „zweite Karriere in Uniform“ bei der „damals noch winzigen SS“ in MĂŒnchen bemĂŒhte, noch kein ideologisch gefestigter Nationalsozialist.[56] Doch unter dem Einfluss seiner Ehefrau Lina, schon mit 19 Jahren eine ĂŒberzeugte Nationalsozialistin, ĂŒbernahm er sehr schnell die ideologischen PrĂ€missen seines politischen Mentors Himmler, entwickelte sich zu „eine[m] der radikalsten Verfechter der nationalsozialistischen Weltanschauung und ihrer Verwirklichung durch rigide und immer ausgedehntere Verfolgungsmaßnahmen“, zum „selbstbewusst auftretenden und ideologisch gefestigten Leiter des RSHA und zum Organisator des Holocaust“.[57] Dabei sah der außergewöhnlich „‚begabte’ Organisator des Terrors“, Heydrich, sich selbst in erster Linie als „Tatmensch“, weniger als „VisionĂ€r“ wie Hitler und Himmler.[58]

Angebliche jĂŒdische Abstammung

Heydrich wurde von seiner Jugend an bis ins Erwachsenenalter mit GerĂŒchten ĂŒber seine jĂŒdische Abstammung vĂ€terlicherseits (angeblicher jĂŒdischer Großvater) konfrontiert. Dies gipfelte in einer Untersuchung, 1932 angeordnet von Gregor Strasser und angestiftet von Rudolf Jordan, dem Gauleiter von Halle-Merseburg. Der Verdacht war in erster Linie auf dem Umstand begrĂŒndet, dass der Vater, Bruno Heydrich, in „Riemanns MusikenzyklopĂ€die von 1916“ beschrieben wurde, als „Heydrich, Bruno, wirklicher Name SĂŒĂŸâ€œ – SĂŒĂŸ war ein gĂ€ngiger jĂŒdischer Name. Diese Formulierung stammte von Bruno Heydrichs ehemaligem SchĂŒler Martin Frey, der mit dem Herausgeber der EnzyklopĂ€die verwandt war und „sich auf diese Weise fĂŒr seinen Ausschluss aus dem Konservatorium rĂ€chen wollte“. Heydrich strengte einen Prozess wegen „Verleumdung“ gegen die Herausgeber an, den er gewann.[59]

Die Untersuchung erbrachte allerdings, dass Heydrichs Großvater frĂŒh verstorben war und die Großmutter in zweiter Ehe einen Mann namens SĂŒĂŸ geheiratet hatte, somit Heydrich keinesfalls „jĂŒdisches Blut“ in sich habe. Heydrichs Personalakte (einschließlich der Ahnentafel) wurde von Martin Bormann gefĂŒhrt und ist erhalten geblieben. Die Ahnentafel verzeichnet allerdings nur eine Generation der mĂŒtterlichen Linie; Name, Herkunft und Geburtsort der Großmutter fehlen, wĂ€hrend dies eine Anforderung an die Ahnentafel selbst jedes einfachen SS-Mannes war.

Selbst Robert Kempner war bis in die 1950er Jahre davon ĂŒberzeugt, der Leiter der Dienststelle des SachverstĂ€ndigen fĂŒr Rasseforschung beim Reichsinnenministerium, Achim Gercke, habe 1932 ein GefĂ€lligkeitsgutachten geliefert. 1966 verfolgte Shlomo Aronson die Ahnentafel Heydrichs mĂŒtterlicherseits bis 1688, vĂ€terlicherseits bis 1738 zurĂŒck und lieferte damit den Beweis, dass alle GerĂŒchte um die jĂŒdische Abstammung falsch sind.[60]

Witwenrente fĂŒr Lina Heydrich bis 1985

Nachdem die Bundesrepublik Deutschland der Witwe Lina Heydrich zunĂ€chst wegen der Verbrechen ihres Mannes das Anrecht auf eine Witwenrente abgesprochen hatte, prozessierte diese 1956 bis 1959 erfolgreich. Trotz „der fĂŒhrende[n] Rolle ihres verstorbenen Mannes bei der Judenvernichtung [...] erging ein Gerichtsbeschluss, der ihr die Rente einer Generalswitwe zubilligte, deren Mann im Kampf gefallen war“, die sie bis zu ihrem Tod 1985 erhielt.[61]

Die gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Rente fĂŒhrten 1958 unter der Kanzlerschaft Konrad Adenauers zu einer Kabinettserörterung und einer Großen Anfrage der SPD im Bundestag.[62]

„Als wollte sie den Staatsanwalt und die deutschen Medien verhöhnen, die das Urteil des Gerichts empört kritisiert hatten“, so der Historiker Robert Gerwarth, „wĂ€hlte Lina Heydrich als Titel fĂŒr ihre 1976 publizierten Memoiren ‚Leben mit einem Kriegsverbrecher’“.[63] Die Witwe betrieb nun auf der Ostseeinsel Fehmarn die Pension „Imbria Parva“, die hĂ€ufig „ehemalige SS-Kameraden ihres Mannes zu Wiedersehensfeiern“ beherbergte, die dort „Erinnerungen an ‚bessere Zeiten’ austauschten“.[64]

Filme, kĂŒnstlerische Aufarbeitung

Charakterstudie von Heydrich aus der Serie Assassination of Reinhard Heydrich (2000–2005, reinszenierte Fotografie des KĂŒnstlers Stefan Krikl)
  • Fritz Lang (Regie): Hangmen Also Die, deutsch: Auch Henker sterben, Spielfilm, USA 1943 (dt. Fassung: 131 Min.): Buch: John Wexley (nach einer Vorlage von Lang und Brecht). Die Filmmusik von Hanns Eisler erhielt den Oscar. Das Attentat lieferte die Drehbuch-Vorlage. Lang entfernte sich beim Drehen immer mehr von Brechts Passagen im Drehbuch. Die Konflikte endeten damit, dass Brecht sich von diesem Film distanzierte. Lang war spĂ€ter der Ansicht, der Film sei sein wichtigstes Werk gegen den Nationalsozialismus.
  • Douglas Sirk (Regie): Hitler's Madman, USA 1943, 84 Min., mit John Carradine als Heydrich.
  • Canaris, D 1954, Regie: Alfred Weidenmann mit Martin Held als Heydrich (Bundesfilmpreis, Filmband in Gold).
  • AtentĂĄt, ČSSR 1964, Regie von Jiƙí Sequens mit Siegfried Loyda als Heydrich.
  • Das Attentat lieferte den Plot zum Film „Operation Daybreak[65]“ (deutsch „Das Sonderkommando“) von 1976.
  • Die Wannseekonferenz, Deutschland 1984, mit Dietrich Mattausch als Heydrich
  • Conspiracy, Vereinigtes Königreich 2000, mit Kenneth Branagh als Heydrich (deutsch „Die Wannseekonferenz“ in 2001).

Der aus Prag stammende und in den USA lebende expressionistische KĂŒnstler Stefan Krikl befasste sich im Rahmen seines fotografischen Langzeitprojektes Postcards from the Front bzw. Achtung, Kamera, Aktion!, bei dem er reinszenierte „Schnappschussfotos“ von Miniaturszenarien vom Zweiten Weltkrieg und vom Holocaust erstellt, auch mit dem Attentat auf Heydrich und den Racheakten der Nationalsozialisten. Er schuf unter anderem von 2000–2005 die Serie Assassination of Reinhard Heydrich (deutsch Ermordung von Reinhard Heydrich). Hierbei „verwendete“ Krikl fĂŒr Heydrichs Person eine Charakterstudie eines „SS-FĂŒhrer-Typus“; eine von ihm gestaltete Miniaturfigur, die er in verschiedenen Szenarien unterschiedlich einsetzte.

Literatur

  • Shlomo Aronson: Reinhard Heydrich und die FrĂŒhgeschichte von Gestapo und SD. DVA, Stuttgart 1971, wieder 1984 ISBN 3421015694
  • Alan Burgess: Sieben Mann im Morgengrauen. Das Attentat auf Heydrich. Goldmann, MĂŒnchen
  • Jaroslav Cvancara: Heydrich. Prag 2004, ISBN 80-86010-87-2. (Großformatiger Bildband in tschechischer Sprache)
  • Mario R. Dederichs: Heydrich. Das Gesicht des Bösen. Piper, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-492-04543-X
  • GĂŒnther Deschner: Reinhard Heydrich. Statthalter der totalen Macht. Ullstein, Frankfurt 1987 (zuerst 1986). ISBN 3-548-27559-1
  • GĂŒnther Deschner: Reinhard Heydrich. Biographie eines Reichsprotektors. Universitas, TĂŒbingen, 2008
  • Karin Flachowsky: Neue Quellen zur Abstammung Reinhard Heydrichs, in: VfZ 48 (2000), S. 319–327
  • TĂŽviyyā Friedman Hg.: Reinhard Heydrich und die Endlösung der Judenfrage. Dokumentensammlung. Haifa 1997 (online siehe Weblinks)
  • Hellmut G. Haasis: Tod in Prag. Das Attentat auf Reinhard Heydrich. Rowohlt, Reinbek 2002. ISBN 3-498-02965-7
  • Lina Heydrich: Leben mit einem Kriegsverbrecher. Mit Kommentaren von Werner Maser, Verlag W. Ludwig, Pfaffenhofen 1976, ISBN 3-7787-1025-7
  • Miroslav Ivanov: Das Attentat auf Heydrich Aus dem Tschech. Weltbild-Verlag, Augsburg 2000 (zuerst BechtermĂŒnz-Verlag 1993) ISBN 3828903932[66]
  • Miroslav KĂĄrnĂœ, Jaroslava MilotovĂĄ, Margita KarnĂĄ Hgg.: Deutsche Politik im „Protektorat Böhmen und MĂ€hren“ unter Reinhard Heydrich 1941–1942. Eine Dokumentation Metropol, Berlin 1997 ISBN 3926893443
  • Callum MacDonald: Heydrich, Anatomie eines Attentats. List, 1990. ISBN 3-47178-183-8, [67]
  • Andreas Wiedemann: Die Reinhard-Heydrich-Stiftung in Prag 1942–1945. Hannah-Arendt-Institut, Dresden 2000.
  • Michael Wildt: Generation des Unbedingten. Das FĂŒhrungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. Hamburger Edition, 2002, ISBN 3930908751.
  • Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie.[68] Siedler, MĂŒnchen 2011, ISBN 978-3-88680-894-6.

Weblinks

 Commons: Reinhard Heydrich â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 2000, S. 640, ISBN 3-421-05132-1; es heißt dort in (nicht: von) Böhmen und MĂ€hren; siehe auch Institut fĂŒr Zeitgeschichte (IfZ): Bestand Heydrich Reinhard und Lina, in: IfZ-Archiv, Signatur ED 450, dort S. 2 (abgefragt am 12. Oktober 2011)
  2. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich: Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 34 f.
  3. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 36 f.
  4. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich: Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 38 f.
  5. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 45 f.
  6. ↑ . Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 48.
  7. ↑ Uwe Lohalm: Völkischer Radikalismus : Die Geschichte des Deutschvölkischen Schutz- und Trutz-Bundes. 1919–1923. Leibniz-Verlag, Hamburg 1970, S. 444. ISBN 3-87473-000-X; Robert Gerwarth, Heydrich, S. 50, hĂ€lt es fĂŒr möglich, dass Heydrich diese Mitgliedschaft nach 1933 erfunden hat, um „seine frĂŒhe Zugehörigkeit zur politischen Rechten zu ‚beweisen’“.
  8. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 52-59
  9. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 61.
  10. ↑ einestages.spiegel.de
  11. ↑ Shlomo Aronson: Reinhard Heydrich und die FrĂŒhgeschichte von Gestapo und SD. DVA, Stuttgart 1971
  12. ↑ Michael Wildt: Generation des Unbedingten, Hamburg 2002, S.241.
  13. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich: Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 93.
  14. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 94.
  15. ↑ Michael Eggestein und Lothar Schirmer: Verwaltung im Nationalsozialismus. Verlag fĂŒr Ausbildung und Studium in der Elefanten Press, Berlin 1987, S. 115 ff.
  16. ↑ Reichspogromnacht („Reichskristallnacht“)
  17. ↑ Peter Longerich: Politik der Vernichtung. MĂŒnchen 1998, ISBN 3-492-03755-0. S. 223
  18. ↑ so bei Peter Longerich: Politik der Vernichtung. MĂŒnchen 1998, ISBN 3-492-03755-0. S. 253
  19. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 236 f..
  20. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich: Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 237.
  21. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 245.
  22. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich: Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 262.
  23. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich: Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 262 f.
  24. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich: Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 317.
  25. ↑ Prager Antrittsrede Rede Heydrichs vom 2. Oktober 1941; siehe auch Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 278 f. u. S. 291.
  26. ↑ .Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 233 f.
  27. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 289 f.
  28. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 278.
  29. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 18 ff.
  30. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 22 ff.
  31. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 327 ff.
  32. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 327.
  33. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 27 f.; vgl. Stanislav F. Berton (Hrsg.): Das Attentat auf Reinhard Heydrich vom 27. Mai 1942. Ein Bericht des Kriminalrats Heinz Pannwitz, in: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte Jg. 33, Heft 4 (1985), S. 668-706 PDF
  34. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich: Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 30 f.
  35. ↑ Michel-Spezial Katalog Deutschland 2007, Schwaneberger Verlag, 2007, ISBN 3-87858-137-8, S. 796.
  36. ↑ The Reinhard Heydrich (Death Mask) Commemorative Postal Stamp
  37. ↑ Volker Ackermann: Nationale Totenfeiern in Deutschland, Stuttgart 1990, S. 192.
  38. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 338.
  39. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 338 f.
  40. ↑ Stanislav F. Berton (Hrsg.): Das Attentat auf Reinhard Heydrich vom 27. Mai 1942. Ein Bericht des Kriminalrats Heinz Pannwitz, in: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte Jg. 33, Heft 4 (1985), S. 670 f. PDF
  41. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 340.
  42. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 340.
  43. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 340.
  44. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 345.
  45. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 343.
  46. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 343.
  47. ↑ Vgl. Mario E. Dederichs: Heydrich. Das Gesicht des Bösen. MĂŒnchen 2005, S. 170-173.
  48. ↑ Vgl. Mario E. Dederichs: Heydrich. Das Gesicht des Bösen. MĂŒnchen 2005, S. 32.
  49. ↑ Guido Knopp: Die SS. Eine Warnung der Geschichte. Goldmann, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-442-15252-6, S. 146.
  50. ↑ Laurent Binet: HHhH. Hitlers Hirn heißt Heydrich. Rowohlt, Berlin 2011 (Erstausgabe Paris 2010), ISBN 978-2-253-15734-2
  51. ↑ Peter Longerich: Heinrich Himmler Biographie. Pantheon, MĂŒnchen 2010 (zuerst Siedler, MĂŒnchen 2008), ISBN 978-3-570-55122-6; Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011.
  52. ↑ Peter Longerich: Heinrich Himmler Biographie. Pantheon, MĂŒnchen 2010, S. 589.
  53. ↑ Carl Jacob Burckhardt: Meine Danziger Mission 1937–1939. dtv, MĂŒnchen 1962, S. 53 ff. Zit. n. Mario R. Dederichs: Heydrich. Das Gesicht des Bösen. MĂŒnchen 2005, S. 97.
  54. ↑ Shlomo Aronson: Reinhard Heydrich und die FrĂŒhgeschichte von Gestapo und SD. DVA, Stuttgart 1971, S. 254. Zit. n. Mario E. Dederichs: Heydrich. Das Gesicht des Bösen. MĂŒnchen 2005, S. 100.
  55. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 345.
  56. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 13 u. S. 352.
  57. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 12 f. u. S. 352.
  58. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 352.
  59. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 45.
  60. ↑ vergl. Diana Schulle: Das Reichssippenamt (Diss.), Berlin 2001, ISBN 3-89722-672-3, S. 43-45
  61. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 350.
  62. ↑ Siehe Bundesarchiv: [1], [2], [3], [4]
  63. ↑ „Abstoßend ist vor allem seine antrainierte KĂ€lte.“ Interview mit Robert Gerwath. In: einestages vom 21. September 2011.
  64. ↑ Robert Gerwarth: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, MĂŒnchen 2011, S. 350.
  65. ↑ Operation Daybreak in der englischen Wikipedia
  66. ↑ Aus Schwarzer Faden Nr. 75: 1961 begann Ivanov, verbotenerweise die alten UnterstĂŒtzer der 1942 untergetauchten tschechischen FallschirmjĂ€ger zu besuchen. Unter konspirativen Vorsichtsmaßnahmen löste er ihre gelĂ€hmten Zungen. Was er erfuhr, musste er tarnen. Bei der Veröffentlichung ließ er Namen, Orte, Adressen, nĂ€here UmstĂ€nde der da geheimnisvoll Redenden weg. Die Staatssicherheit las ja immer mit, sofern sie lesen konnte. Das Werk tarnte er nach ZusammenstĂ¶ĂŸen mit der Parteizensur durch ein Klassikerzitat des Langweilers Gottwald. Ivanovs Buch kam 1965 heraus. Leider bekam der Autor vom Leben nicht mehr die Chance, nach 1990 die VerschlĂŒsselung der Personen und mancher Sachverhalte in einer revidierten Fassung aufzulösen. So liegt heute eine rĂ€tselhafte Zeugensammlung vor, die man erst nach monatelanger Rekonstruktion des verloren gegangenen SchlĂŒssels versteht.
  67. ↑ Er wertete vor allem die FunksprĂŒche der tschechischen WiderstandskĂ€mpfer mit ihrem Exilgeheimdienst in London aus.
  68. ↑ „Abstoßend ist vor allem seine antrainierte KĂ€lte.“ Interview mit Robert Gerwath. In: einestages vom 21. September 2011


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