René I. (Anjou)

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René I. (Anjou)

RenĂ© I. d’Anjou (Renatus von Anjou), genannt RenĂ© von Sizilien, RenĂ© von Neapel, RenĂ© der Gute, vor allem aber Le bon Roi RenĂ© (* 16. Januar 1409 im ChĂąteau d’ Angers; † 10. Juli 1480 in Aix-en-Provence) war unter anderem:

König René nimmt die Huldigung eines seiner Vasallen entgegen. Miniatur aus dem Stundenbuch des Königs (l'aveu rendu à René), um 1469.

Inhaltsverzeichnis

Leben

RenĂ© von Anjou war der zweite Sohn von Herzog Ludwig II. von Anjou und Jolanthe von AragĂłn. Seine Großeltern mĂŒtterlicherseits waren König Johann I. von AragĂłn und Violante von Bar. Seine Schwester war Maria von Anjou, die 1422 den französischen König Karl VII. heiratete. Der Historiker Desmond Seward bezeichnet ihn als „einen der spektakulĂ€rsten königlichen Verlierer des 15. Jahrhunderts außerhalb Englands“[1]

Guise

Nach dem Tod seines Vaters am 29. April 1417 erhielt er die Herrschaft Guise, die durch seinen zukĂŒnftigen Schwager, den Dauphin und spĂ€teren König Karl VII. im gleichen Jahr zur Grafschaft erhoben wurde. Da die Herzöge von Anjou im BĂŒrgerkrieg der Armagnacs und Bourguignons ParteigĂ€nger des Dauphins waren, wurde sein Besitz vom Herzog von Bedford, dem englischen Regenten Frankreichs, bei der Eroberung Nordfrankreichs durch die EnglĂ€nder beschlagnahmt. Bedford sprach die Grafschaft Guise Johann II. von Luxemburg, Graf von Ligny, zu, der 1425 die Burg Guise eroberte.

Bar

Kardinal Ludwig von Bar, der Bruder von RenĂ©s Großmutter Violante von Bar, ging Ende der 1410er Jahre daran, die Erbfolge im Herzogtum Bar aktiv zu steuern, als klar war, dass – nachdem sein Vater, Herzog Robert I, die Nachkommen seines Ă€ltesten Sohne von der Erbfolge ausgeschlossen hatte – nach dem Tod seines Bruders Herzog Eduard III. in der Schlacht von Azincourt und seiner eigenen Nachfolge als Kleriker im Herzogtum Bar keine unproblematische Nachfolge eintreten wĂŒrde. Im Jahr 1419 vermittelte er einen Ehevertrag zwischen RenĂ© von Anjou, seinem Großneffen als Enkel seiner Schwester Jolande von Bar, und Isabella (* wohl 1400), der Erbtochter des Herzogs Karl II. von Lothringen, der den Nebeneffekt hatte, dass Bar und Lothringen vereinigt und die jahrhundertealten Differenzen zwischen den HerzogtĂŒmern beendet wĂŒrden. Am 13. August 1419 verzichtete Ludwig im Vertrag von Saint-Mihiel auf sein Herzogtum zugunsten RenĂ©s. Am 24. Oktober 1420 heirateten dann RenĂ©, jetzt Herzog von Bar, und Isabella in der Kathedrale von Nancy.

Nachkommen

Renés und Isabellas Kinder waren:

Statue König Renés auf dem Cours Mirabeau in Aix-en-Provence

Lothringen (I)

Mit dem Tod Karls II. von Lothringen am 25. Januar 1431 wurde Isabella Herzogin von Lothringen, RenĂ© Herzog von Lothringen aus dem Recht seiner Frau. Diese Nachfolgeregelung war von Graf Anton von VaudĂ©mont, dem Neffen Karls II. und nĂ€chsten mĂ€nnlichen Verwandten, bereits zu Karls Lebzeiten angefochten worden, weswegen Karl ihn 1425 enterbt hatte. Karls Angriffe auf Antoines Besitz liefen jedoch in Leere, da Antoine sich mit Philipp dem Guten, Herzog von Burgund, einen mĂ€chtigen VerbĂŒndeten gesucht hatte. Nach dem Eintreten des Erbfalls nahm Antoine den Kampf um das Herzogtum wieder auf, und am 2. Juli 1431 gelang es ihm in der Schlacht von BulgnĂ©ville, RenĂ© gefangen zu nehmen.

RenĂ© und Antoine einigten sich am 10. Oktober 1432 darauf, Philipp den Guten als Schiedsrichter anzurufen, doch brachte dessen Vermittlung lediglich eine Übereinkunft zustande (BrĂŒssel 13. Februar 1433), die unter anderem einen Ehevertrag zwischen Kindern der Kontrahenten, Jolande von Lothringen (* 1429) und Friedrich II. von VaudĂ©mont (* 1417), vorsah. RenĂ© bekam vorlĂ€ufige Haftverschonung bis zum 27. Februar 1434, und der Ehevertrag wurde am 1. Juli 1433 geschlossen. Die Hochzeit fand dann statt, als Jolande 16 Jahre alt wurde, also etwa im Februar 1445. Im Jahr zuvor heiratete RenĂ©s Erbe Johann Marie de Bourbon, Tochter von Herzog Karl I. und Nichte Philipps, was ebenfalls zum Waffenstillstand zwischen Burgund und Lothringen beitrug.

Kaiser Sigismund lud nun RenĂ© und Antoine vor ein Schiedsgericht in Basel (1434), auf dem er zugunsten RenĂ©s entschied und ihn mit Lothringen belehnte. Antoine wandte sich daraufhin erneut an Philipp den Guten, der wiederum RenĂ© befahl, sich in Gefangenschaft zu begeben, was dieser dann auch tat. Allerdings waren die Haftbedingungen so ertrĂ€glich, dass RenĂ© in dieser Zeit an den Verhandlungen zum Vertrag von Arras (1435) zwischen Philipp III. und Karl VII. teilnehmen konnte. Die burgundische Haft wurde erst 1437 aufgrund einer Lösegeldzahlung aufgehoben, die RenĂ© schon alleine deswegen aufbringen wollte, weil er in der Zwischenzeit seine Anwesenheit in SĂŒdeuropa erforderlich geworden war.

Anjou, Provence, Forqualquier

Am 12. November 1434 starb sein Bruder Ludwig III. und hinterließ ihm das Herzogtum Anjou sowie die Grafschaften Provence und Forcalquier – neben Bar das einzige Erbe, das ihm zufiel, ohne Probleme zu bereiten.

Neapel (I)

Königin Johanna II. von Neapel hatte im Jahr 1423 Ludwig III. von Anjou adoptiert und damit als Nachfolger designiert. Nach Ludwigs Tod ĂŒbertrug sie dessen AnsprĂŒche (zu denen auch die Titel eines Königs von Jerusalem, Sizilien etc. gehörten) auf den gefangenen RenĂ©, und starb selbst kurz darauf, am 2. Februar 1435. An RenĂ©s Stelle machte sich Isabella auf den Weg, unterstĂŒtzt von Filippo Maria Visconti, Herzog von Mailand, und einer genuesischen Flotte, das Erbe anzutreten, wobei klar war, dass sie sich dabei gegen Alfons V. von AragĂłn durchsetzen musste, der aufgrund einer frĂŒheren (von Johanna wieder gelösten) Adoption ebenfalls AnsprĂŒche auf die Krone Neapels erhob. Alfons unterlag am 5. August 1435 in der Seeschlacht von Ponza den Genuesern, so dass Isabella am 18. Oktober in Neapel einziehen konnte. RenĂ© selbst konnte nach seiner Lösegeldzahlung erst am 19. Mai 1438 nach Neapel kommen. Viscontis Seitenwechsel sowie wachsender militĂ€rischer und politischer Druck seitens Aragons fĂŒhrten dann dazu, dass RenĂ© Ende 1442 Alfons V. das Königreich ĂŒberlassen musste. Weitere GrĂŒnde waren die Tatsache, dass Alfons bereits mit Sizilien ĂŒber eine hervorragende Machtbasis verfĂŒgte, und RenĂ© nach der Lösegeldzahlung nicht mehr ĂŒber die finanziellen Mittel verfĂŒgte, um sich durchzusetzen. RenĂ© kehrte nach seiner Niederlage nach Frankreich zurĂŒck, ließ sich in der Provence nieder und ĂŒbergab die Verwaltung Lothringens seinem Ă€ltesten Sohn Johann, den er als zukĂŒnftigen Erben Neapels zum Titularherzog von Kalabrien gemacht hatte.

Aragon (I)

Am 14. Dezember 1443 war seine Mutter, Yolande von Aragon gestorben, Tochter des Königs Johann I., die ihm ihre AnsprĂŒche auf AragĂłn hinterließ. Nach Johanns Tod 1396 war die Krone auf dessen jĂŒngeren Bruder Martin I. ĂŒbergegangen, danach durch Beschluss der Cortes 1412 auf dessen Neffen, Ferdinand von Kastilien. Yolande hatte bereits damals ohne Erfolg den Thron fĂŒr sich reklamiert. Auch hier war Alfons V. RenĂ©s aktueller Widersacher.

England und Frankreich

RenĂ© und sein Bruder Karl von Maine waren in der Endphase des HundertjĂ€hrigen Kriegs die OberhĂ€upter der „Angevinischen Partei“. 1444 schlossen sie einen Waffenstillstand mit England, durch den die Familie das Herzogtum Maine zurĂŒckerhielt, und der durch die Hochzeit zwischen RenĂ©s Tochter Margarete und dem englischen König Heinrich VI. am 23. April 1445 in Nancy konsolidiert wurde – der RenĂ© aber nicht daran hinderte, nach dem Wiederaufflammen der KĂ€mpfe an der Seite Karls VII. zu stehen, und ihn bei der Eroberung der Normandie (Einzug in Rouen im November 1449) und in der Schlacht bei Formigny (15. April 1450) zu unterstĂŒtzen.

Lothringen (II)

Am 28. Februar 1453 starb Isabella und Renés Sohn Johann wurde Herzog von Lothringen. Im Jahr darauf, am 10. November 1454 heiratete René in zweiter Ehe Jeanne de Laval, Tochter von Guy XIV., Graf von Laval, und Isabelle de Bretagne. Diese Ehe blieb kinderlos.

Neapel (II)

Nicolas Froment (1475): Der "Brennende Busch": RenĂ© d‘Anjou und Jeanne de Laval auf einem Triptychon in der Kathedrale von Aix

Am 26. Juni 1458 starb Alfons V. von AragĂłn, woraufhin RenĂ© seine AnsprĂŒche auf Neapel wieder aufnahm – zumal der Erbe, Ferdinand oder Ferrante den Makel der Unehelichkeit mit sich fĂŒhrte. Er schickte seinen Sohn Johann nach SĂŒditalien, wo dieser aber ebenfalls erfolglos blieb. Nach der Niederlage bei Troia in Apulien im Jahr 1462 musste dieses Kapitel dann endgĂŒltig geschlossen werden.

Aragon (II)

Als sich die StĂ€dte Kataloniens in den 1460er Jahren gegen Alfons V. indirekten Nachfolger Johann II. erhoben und RenĂ© die Krone AragĂłns anboten, schickte er 1466 seinen Sohn Johann nach Barcelona, wo er seine bzw. RenĂ©s AnsprĂŒche ohne großen Erfolg geltend zu machen versuchte und vier Jahre spĂ€ter starb, woraufhin RenĂ© seine AnsprĂŒche zwar nicht fallen ließ, aber Katalonien 1472 vor Johann II. kapitulieren musste.

Kultur

Neben seinen militĂ€rischen AktivitĂ€ten widmete er sich der Entwicklung seines Besitzes Anjou, Lothringen und Provence, vor allem der StĂ€dte Angers, Aix-en-Provence, Avignon und Tarascon. Auf ihn gehen das Schloss Ponts-de-CĂ© und das Landhaus ChanzĂ© im Anjou zurĂŒck.

In Aix und Angers unterhielt er einen literarischen und wissenschaftlichen Zirkel, er widmete sich der Wiederbelebung der altprovençalischen Poesie, indem er die Dichterwerke der Troubadoure sammelte und selbst zu dichten versuchte: TraitĂ© de la forme et devis comme on fait les tournois, 1451–1452 ; Le Livre du cƓur d’amour Ă©pris, 1457 (herausgegeben 1825). Er war der MĂ€zen des Malers Nicolas Froment, bestellte das Werk Le MystĂšre des Actes des ApĂŽtres bei Simon GrĂ©ban, einem Kanoniker aus Le Mans, und dessen Bruder Arnoul GrĂ©ban, einen französischen Schriftsteller. Auch versuchte er sich selbst als Maler, wobei viele GemĂ€lde im Stil der altniederlĂ€ndischen Malerei, ihm alleine deswegen zugeschrieben werden, weil sie sein Wappen tragen, tatsĂ€chlich aber wohl nur in seinem Auftrag entstanden sind. Er beschĂ€ftigte BarthĂ©lemy d’Eyck sowohl als Maler wie auch als Kammerdiener. Die beiden berĂŒhmtesten RenĂ© zugeschriebenen Werke sind der „Brennende Busch“, ein Triptychon in der Kathedrale von Aix-en-Provence, das ihn mit seiner zweiten Ehefrau zeigt (tatsĂ€chlich eine Arbeit von Nicolas Froment), und ein illuminiertes Stundenbuch (heute BibliothĂšque nationale de France).

Erbe

RenĂ© I. starb in Aix am 10. Juli 1480. Seine sterblichen Überreste wurden heimlich und des nachts von den Angevinern aus der Provence entwendet und schließlich in der Kathedrale von Angers bestattet.

Die Provence, Forcalquier und Anjou fielen als vĂ€terliches Erbe an seinen Neffen Karl von Maine, nach dessen Tod 1481 Anjou als erledigte Apanage in die Domaine royal zurĂŒckkehrte, Provence und Forcalquier durch Testament an König Ludwig XI. von Frankreich – der schon zu RenĂ© Lebzeiten Druck ausgeĂŒbt hatte, um diese Gebiete in seinen Besitz zu bringen. Lothringen befand sich seit 1473 im Besitz seiner Tochter Yolande und deren Sohn RenĂ© II., der auch Enkel seines frĂŒheren Widersachers Anton von VaudĂ©mont war. Bar kam nun hinzu, ebenso die AnsprĂŒche auf Neapel, Sizilien und Jerusalem – letzteres ging ĂŒber diese Linie auf das Haus Habsburg-Lothringen ĂŒber, das den Titel bis 1918 fĂŒhrte.

Wappengalerie

Siehe auch

Literatur

  • Wilhelm Wiegand: RenĂ© d’Anjou. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 207–209.
  • Jules de Glouvet: Histoires du Vieux Temps, Calmann LĂ©vy (Hg.). Librairie Nouvelle. Paris. 1889.
  • Henry Bogdan: La Lorraine des Ducs, sept siĂšcles d’histoire, 2005
  • Detlev Schwennicke: EuropĂ€ische Stammtafeln Band 2 (1984) Tafel 26

Weblinks

 Commons: RenĂ© I. (Anjou) â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. ↑ "one of the most spectacular royal losers in fifteenth century Europe- outside of England" in: The Wars of the Roses. New York: Penguin. 1995. 51.
VorgÀnger Amt Nachfolger
Ludwig II. von Anjou Graf von Guise
1417–1425
Johann II. von Ligny
Ludwig Herzog von Bar
Markgraf von Pont-Ă -Mousson

1419–1480
Jolande
Karl II. Herzog von Lothringen
mit Isabella

1431–1453
Johann II.
Ludwig III. von Anjou Herzog von Anjou
Graf von Provence
Graf von Forcalquier
Titularkönig Neapel und Jerusalem

1434–1480
Karl IV.
(Karl V. von Maine)
Johanna II. König von Neapel
1435–1442
Alfons V. von AragĂłn

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