Richard Wagner

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Richard Wagner
Richard Wagner (PortrÀt von CÀsar Willich), um 1862
Richard Wagner um 1868

Wilhelm Richard Wagner (* 22. Mai 1813 in Leipzig; † 13. Februar 1883 in Venedig im Palazzo Vendramin-Calergi) war ein deutscher Komponist, Dramatiker, Philosoph, Dichter, Schriftsteller, Theaterregisseur und Dirigent. Mit seinen Musikdramen gilt er als einer der bedeutendsten Erneuerer der europĂ€ischen Musik im 19. Jahrhundert. Er verĂ€nderte die AusdrucksfĂ€higkeit romantischer Musik und die theoretischen und praktischen Grundlagen der Oper, indem er dramatische Handlungen als Gesamtkunstwerk gestaltete und dazu Text, Musik und Regieanweisungen schrieb. Als erster Komponist grĂŒndete er Festspiele in dem von ihm geplanten Bayreuther Festspielhaus. Seine Neuerungen in der Harmonik beeinflussten die Entwicklung der Musik bis in die Moderne. Mit seinem Pamphlet Das Judenthum in der Musik gehört er geistesgeschichtlich zu den VorkĂ€mpfern des Antisemitismus.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugendzeit (1813–1832)

Richard Wagners Geburtshaus um 1885 (existiert nicht mehr)
Wagners Stiefvater Ludwig Geyer

Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig (im Gasthof Zum roten und weißen Löwen) als neuntes Kind des Polizeiaktuarius Carl Friedrich Wagner (1770–1813) und der BĂ€ckerstochter Johanna Rosine Wagner, geb. PĂ€tz (1778–1848), geboren und am 16. August auf den Namen Wilhelm Richard Wagner in der Thomaskirche getauft.[1] Sechs Monate nach seiner Geburt, am 23. November 1813, starb der Vater an Typhus. Am 28. August 1814 heiratete Wagners Mutter den Schauspieler und Dichter Ludwig Geyer (1778–1821), der sich der Familie nach dem Tod des Vaters angenommen hatte und den Carl Friedrich Wagner sehr geschĂ€tzt hatte. Spekulationen, wonach Geyer der leibliche Vater Richard Wagners gewesen sei, sind heute klar widerlegt. Nirgendwo in Wagners schriftlichen und mĂŒndlichen Äußerungen gibt es Belege dafĂŒr, dass Richard selbst an seiner Abstammung von Carl Friedrich Wilhelm Wagner gezweifelt hĂ€tte.[2] In ihrem Tagebuch notierte Richard Wagners zweite Ehefrau Cosima am 26. Dezember 1878: „Dann sagt Richard, (Sohn) Fidi, dem er seine Kappe immer zur Aufbewahrung zugeworfen, habe prachtvoll ausgesehen, seinem Vater Geyer Ă€hnlich gesehen. Ich: 'Vater Geyer ist gewiß dein Vater gewesen.' Richard: 'Das glaube ich nicht.' 'Woher dann die Ähnlichkeit? 'Richard: 'Meine Mutter hat ihn damals geliebt, Wahlverwandtschaften.' “ Da der Bruder Albert, Carl Friedrich Wilhelm Wagners Ă€ltester Sohn, eine geradezu frappierende Ähnlichkeit mit Richard aufweist, wie Fotografien eindeutig belegen, sind Spekulationen ĂŒber eine eventuelle Vaterschaft Geyers ĂŒberflĂŒssig[3]. Noch 1814 siedelte die Familie nach Dresden ĂŒber. Am 26. Februar 1815 wurde Richards Halbschwester CĂ€cilie geboren. Seine Ă€lteren Geschwister hießen Albert, Gustav, Rosalie, Julius, Luise, Klara, Theresia und Ottilie. Im Jahr 1817 wurde Richard - noch unter dem Namen Richard Geyer - eingeschult. Zwei Jahre spĂ€ter erkrankte der Stiefvater Ludwig Geyer und starb am 30. September 1821 in Dresden. Richard kam daraufhin bei mehreren Verwandten „in Pflege“. So kam er im Oktober 1821 zum Bruder seines Stiefvaters Karl nach Eisleben, wo auch schon sein Bruder Julius aufgenommen worden war, und lebte dort fĂŒr ein Jahr unter dem Namen „Richard Geyer“.[4] Ab dem 2. Dezember 1822 besuchte er die Kreuzschule in Dresden. 1826 ĂŒbersiedelte die Familie nach Prag, weil Richards Schwester Rosalie dort ein Engagement erhielt. Richard blieb weiter in Dresden und war bei der Familie Dr. Böhme untergebracht; er besuchte aber seine Familie mehrmals in Prag. Ab Weihnachten 1827 war er wieder mit seiner zurĂŒckgekehrten Familie in Leipzig. Hier besuchte er von 1828 bis 1830, jetzt unter dem Namen Richard Wagner, die Nikolaischule sowie die Thomasschule zu Leipzig. Der vaterlose Knabe fand in dieser Zeit ein Vorbild in seinem Onkel Adolph Wagner, einem Philologen, der sich als Übersetzer der Werke Sophokles’ einen Namen gemacht hatte und mit Goethe korrespondierte. Richard las in dessen umfangreicher Bibliothek Shakespeare und die Romantiker, z. B. E. T. A. Hoffmann und schrieb schon als SchĂŒler sein erstes Drama: die Tragödie Leubald, ein großes Trauerspiel in fĂŒnf Akten im Stile Shakespeares.

Die Jugendzeit Wagners war insgesamt dadurch geprĂ€gt, dass er als jĂŒngstes Kind einer KĂŒnstlerfamilie praktisch vaterlos und ohne „Zucht und Ordnung“ aufwuchs. Er war als Kind Ă€ußerst wild („der Kosak“) und hat unter einer gewissen Verwahrlosung gelitten, was seinen Charakter insofern prĂ€gen sollte, als er durch Erziehung auch „nicht gebeugt“ wurde und sich so die UnbekĂŒmmertheit und Neugier erhielt.

Sturm und Drang (1832–1835)

Mit 16 Jahren erlebte Wagner in Leipzig erstmals Beethovens Oper Fidelio mit Wilhelmine Schröder-Devrient in der Titelrolle. Von nun an stand fĂŒr ihn fest, dass er Musiker werden wollte. Er verfasste bald erste Sonaten, ein Streichquartett sowie den unvollendet gebliebenen Opernversuch Die Hochzeit. Ab 1831 studierte er an der UniversitĂ€t Leipzig Musik, außerdem nahm er Kompositionsunterricht beim Thomaskantor Christian Theodor Weinlig, dem er auch sein erstes Werk (Klaviersonate in B-Dur) widmete. Dieses erste Werk erschien bereits ein Jahr spĂ€ter gedruckt durch den Verlag Breitkopf & HĂ€rtel. Davon und auch von dem Erfolg der ersten AuffĂŒhrung seiner KonzertouvertĂŒre in d-Moll im Jahr 1832 in Leipzig angespornt, komponierte Wagner weitere KonzertstĂŒcke, u. a. die C-dur-Sinfonie, die noch im selben Jahr im Prager Konservatorium uraufgefĂŒhrt wurde.

Angeregt durch die SpĂ€tromantik, insbesondere von E. T. A. Hoffmann und einem Stoff aus Ritterzeit und Ritterwesen hatte er den Plan zu seiner ersten Oper unter dem Titel Die Hochzeit verfasst. Er dichtete den Text und begann mit der Komposition der ersten Nummern dieses „NachtstĂŒcks von schwĂ€rzester Farbe“ (R. W.), dessen ĂŒbertriebene Schauerromantik bei seiner Schwester Rosalie jedoch wenig ankam. Daraufhin vernichtete Wagner den Textentwurf, von der Partitur blieben Teile erhalten (WWV 31).

Wagner war beim Corps Saxonia Leipzig aktiv, allerdings nicht lange. Wagner selbst schreibt, dass er freiwillig das Corps verlassen habe: vor allem aus EnttĂ€uschung ĂŒber die apolitische Haltung der Leipziger Landsmannschafter (= Corpsstudenten) zum Aufstand der Polen. Die „schmerzliche Trauer“ Wagners ĂŒber die polnische Niederlage bei Ostrolenka hĂ€tten die Landsmannschafter nicht geteilt.[5]

1833 wurde Wagner durch den Schriftsteller und Publizisten Heinrich Laube von den Ideen des Jungen Deutschland, einer revolutionĂ€r orientierten literarischen Bewegung des VormĂ€rz, beeindruckt. Gleichzeitig begann er mit der Komposition der Oper Die Feen, nachdem er sein erstes Engagement als Chordirektor des WĂŒrzburger Theaters erhalten hatte. In Laubes Zeitung fĂŒr die elegante Welt erschien bald darauf sein Aufsatz Die Deutsche Oper. Als musikalischer Leiter der Sommersaison in Bad LauchstĂ€dt und des Theaters in Magdeburg lernte er die Schauspielerin Minna Planer kennen und verliebte sich leidenschaftlich in sie. Wagners erste selbststĂ€ndige musikalische Einstudierung war nach seiner Aussage die Musik zu Johann Nestroys Posse Lumpazivagabundus (1833) von Adolf MĂŒller senior.

Minna Planer

Reifejahre (1835–1842)

1835 arbeitete Wagner an der Oper Das Liebesverbot und leitete die zweite Magdeburger Spielzeit. Am 29. MĂ€rz 1836 fand unter desolaten Bedingungen die UrauffĂŒhrung der Oper Das Liebesverbot oder Die Novize von Palermo in Magdeburg statt. Über Berlin reiste Wagner nach Königsberg. Am 24. November heiratete er dort Minna Planer, die dort als Schauspielerin engagiert war, in der AltroßgĂ€rtner Kirche. Am 1. April 1837 wurde er Musikdirektor in Königsberg. Der Theaterbetrieb brach allerdings kurz darauf wegen Bankrotts der Direktion zusammen. Wagner war es nach dem Brauch der „Fahrenden“ gewohnt, ĂŒber seine VerhĂ€ltnisse zu leben und ansĂ€ssige BĂŒrger um Darlehen zu bitten, die er nicht zurĂŒckzahlen konnte. Im Juni 1837 gelang es ihm, eine Kapellmeisterstelle in Riga zu erlangen, wo er sich zunĂ€chst vor seinen deutschen GlĂ€ubigern in Sicherheit bringen konnte. Im Juli verließ ihn seine Frau Minna mit einem Kaufmann namens Dietrich, sie kehrte im Oktober aber reumĂŒtig wieder zu ihm nach Riga zurĂŒck. Hier entstand der Text und der Beginn der Partitur seiner ersten Erfolgsoper: Rienzi. Wagner lernte hier auch Wilhelm Hauffs MĂ€rchen vom Gespensterschiff mit dem HollĂ€nder-Stoff kennen. Mit dem Theaterdirektor Karl von Holtei plante er ein Singspiel unter dem Titel Die glĂŒckliche BĂ€renfamilie, sperrte sich aber bald gegen den Theaterbetrieb. Es war eine Zeit, in der die Geschichte der WanderbĂŒhnen zu Ende ging, die zunehmend durch Stadttheater mit festem Personal ersetzt wurden.

Bereits 1839 verlor Wagner seine Stellung in Riga wieder. Aus Furcht vor seinen GlĂ€ubigern ĂŒberschritt er heimlich mit seiner Frau die russisch-ostpreußische Grenze und fuhr auf dem kleinen Segelschiff Thetis zusammen mit Minna nach London. Die stĂŒrmisch verlaufende, mehrfach in norwegischen HĂ€fen unterbrochene und schließlich ĂŒber vier Wochen dauernde Seefahrt, bei der das Schiff beinahe kenterte, brachte Inspirationen fĂŒr den Fliegenden HollĂ€nder. Nach kurzem Aufenthalt in London reiste das Paar ĂŒber Boulogne-sur-Mer, wo Wagner den fĂŒhrenden Pariser Opernkomponisten Giacomo Meyerbeer persönlich kennenlernte, weiter nach Paris.

Gedenktafel in der Rue Jacob 14 im 6. Pariser Arrondissement

Wagner verbrachte mit Minna die Jahre 1840 und 1841 unter Ă€rmlichen wirtschaftlichen Bedingungen in Paris: Er vollendete dort Rienzi (1840) und schrieb und komponierte den Fliegenden HollĂ€nder (1841). Meyerbeer erkannte seine Begabung und förderte ihn, doch war er von Wagners „Pumpgenie“ (Thomas Mann) weniger begeistert. In Paris befanden sich die fĂŒhrenden Theater der Welt. Lehrreich nahm Wagner Anregungen der Grand opĂ©ra oder des Melodrams auf. Um sich und seine Frau ernĂ€hren zu können, verfasste er Artikel fĂŒr diverse Journale und erledigte musikalische Lohnarbeiten. Er lernte Heinrich Heine und Franz Liszt kennen. Aus Geldnot musste er sogar den Prosaentwurf zum Fliegenden HollĂ€nder unter dem Titel Le vaisseau fantĂŽme fĂŒr 500 Francs an die Pariser Oper verkaufen, die den Kompositionsauftrag an ihren Hauskomponisten Pierre-Louis Dietsch vergab – was Wagner indes nicht davon abhielt, seine Idee selbst auszufĂŒhren und in Musik zu setzen.

Richard Wagner 1842 in Paris, Zeichnung von Ernst B.Kietz

In Paris setzte er sich mehr und mehr mit den politischen VorgĂ€ngen in Frankreich auseinander. WĂ€hrend ihn in jungen Jahren die GrĂ€uel der Französischen Revolution „mit aufrichtigem Abscheu gegen ihre Helden“ erfĂŒllt hatten, wie er in Mein Leben schrieb, reagierte er ganz anders, als Lafayette die liberale Opposition in Paris anfĂŒhrte. „Die geschichtliche Welt begann fĂŒr mich von diesem Tage an; und natĂŒrlich nahm ich volle Partei fĂŒr die Revolution, die sich mir nun unter der Form eines mutigen und siegreichen Volkskampfes, frei von allen den Flecken der schrecklichen AuswĂŒchse der ersten französischen Revolution darstellte.“[6]

In diese Zeit fiel auch die BeschĂ€ftigung mit Ludwig Feuerbachs religionskritischer Philosophie und den Theorien des französischen FrĂŒhsozialisten und frĂŒhen Theoretikers des modernen Anarchismus Pierre-Joseph Proudhon. Vor allem die Formulierung Proudhons zur Frage: „Was ist Eigentum?“ sollte Wagner zeitlebens beschĂ€ftigen: „Solange Eigentum Privilegien birgt, solange bedeutet privilegiertes – also erpresserisches – Eigentum Diebstahl.“ Diese Einstellung wurde vor allem in seinem Nibelungendrama ein roter Faden.

Dresdner Jahre (1842–1849)

Das alte Dresdner Hoftheater zur Zeit Richard Wagners

Im FrĂŒhjahr 1842 erhielt Wagner von der Dresdner Hofoper die Nachricht, dass man seine neue Oper Rienzi auffĂŒhren wolle. Nachdem es ihm in Paris nicht gelungen war, kĂŒnstlerische PlĂ€ne voranzubringen und dort Erfolg zu haben, verließ er im April 1842 Paris und siedelte sich in Dresden an. Den Juni verbrachte er in Teplitz-Schönau, wo er schon 1834 und 1836 gewesen war. Auf dem Schreckenstein entstand der erste TannhĂ€user-Entwurf. Die UrauffĂŒhrung des Rienzi fand am 20. Oktober in Dresden statt. Sie war ein großer Erfolg und bedeutete den kĂŒnstlerischen Durchbruch des jungen Wagner. Etwa zur gleichen Zeit wurde Franz Liszt Hofkapellmeister in Weimar.

1843 wurde Wagner zum Königlich-SĂ€chsischen Kapellmeister an der Dresdner Hofoper ernannt und konnte dort auch am 2. Januar seine Oper Der fliegende HollĂ€nder zur UrauffĂŒhrung bringen. Wenig spĂ€ter ĂŒbernahm er auch zusĂ€tzlich die Leitung der Dresdner Liedertafel, in deren Auftrag er das monumentale Chorwerk Das Liebesmahl der Apostel komponierte; die UrauffĂŒhrung am 6. Juli 1843 in der Frauenkirche im Rahmen des Zweiten Allgemeinen Dresdner MĂ€nnergesangsfestes war durch und durch ein Erfolg. Wagner distanzierte sich aber in der Folge davon, weitere oratorische Werke zu komponieren, und fĂŒhrte das Werk zu Lebzeiten nicht mehr auf. Kurz darauf ĂŒberredete er seinen Freund Ferdinand Hiller, die Leitung der Dresdner Liedertafel zu ĂŒbernehmen.

Es entstand eine Freundschaft mit Anton Pusinelli und August Röckel, mit dem er vor allem GesprĂ€che ĂŒber Politik fĂŒhrte. 1844 arbeitete Wagner weiter an der Oper TannhĂ€user und der SĂ€ngerkrieg auf Wartburg. Im Juli 1845 hielt sich Wagner in Marienbad auf und entwarf dort in einer ersten Inhaltsskizze die Handlung zu den Meistersingern und beschĂ€ftigte sich intensiv mit den deutschen Sagen, vor allem dem Nibelungen- und dem Gral-Mythos. Er begann mit der Konzeption seiner Oper Lohengrin. In Dresden leitete er am 19. Oktober die UrauffĂŒhrung seines TannhĂ€user. 1846 dirigierte Wagner Beethovens 9. Symphonie – wobei er u. a. den jungen Hans von BĂŒlow tief beeindruckte – und begann im Sommer, wĂ€hrend eines dreimonatigen Urlaubs in Graupa nahe Dresden, mit der Komposition des Lohengrin. Am 9. Januar 1848 verstarb Wagners Mutter in Leipzig. Im FrĂŒhjahr 1848 besuchte Franz Liszt Wagner erstmals in Dresden, wenig spĂ€ter kam es zu einem Gegenbesuch bei Liszt in Weimar, womit eine lange Freundschaft begann.

Um sich Anregungen fĂŒr eine Theaterreform zu holen, reiste Wagner im Sommer 1848 nach Wien. Anschließend schloss er sich in Dresden den republikanischen Reformbestrebungen in Sachsen an und lernte dabei auch den russischen Anarchisten Michail Bakunin kennen. Wagner bemĂŒhte sich um eine Theaterreform am Hoftheater und entwickelte seine Idealvorstellungen ĂŒber den Stellenwert der Kunst in der Gesellschaft. Er veröffentlichte einige BeitrĂ€ge in den VolksblĂ€ttern seines Freundes August Röckel, u. a. die Schrift: Die Revolution. Zur gleichen Zeit entstand seine Abhandlung Die Wibelungen Weltgeschichte aus der Sage, eine Vorstufe zu seinem Hauptwerk Der Ring des Nibelungen, dessen Konzeption mit dem Siegfried gleichzeitig entstand, ebenso wie die Konzeption eines Musikdramas Jesus von Nazareth, wobei er Jesus vor allem als SozialrevolutionĂ€r sah.

ZĂŒrcher Jahre (1849–1858)

Wagners Steckbrief von 1849
Mathilde Wesendonck, 1860, nach einem Portrait von C. Dorner
Richard und Cosima Wagner
Der junge König Ludwig II. von Bayern
Gedenktafel zum MĂŒnchen-Aufenthalt Wagners

Im FrĂŒhjahr 1849 beteiligte sich Wagner aktiv am Dresdner Maiaufstand. Er wurde, nach Niederschlagung der Volksunruhen, wie auch seine Freunde Gottfried Semper und August Röckel von der Polizei steckbrieflich gesucht und sah sich gezwungen zu fliehen. Im Freundes- und Mitarbeiterkreis spielte Wagner seine Beteiligung am Dresdner Aufstand herunter. Sein spĂ€terer Mitarbeiter Hermann Zumpe (tĂ€tig in Bayreuth von 1873 bis 1875) zitiert die folgende Beschreibung von Wagners Rolle: „Aus seinem (Wagners) Munde bei einem Gartenfest in Wahnfried: Semper auf dem Balkon in einer Rede begriffen, Wagner erschrocken unter dem Volk, springt hinauf, um Semper vom Balkon zu reissen - da erblickt man ihn und - : Mit gefangen etc.“

Seine Flucht fĂŒhrte ihn mit falschem Pass zunĂ€chst in die Schweiz und nach einem kurzem Aufenthalt in Paris ins dauerhafte Exil nach ZĂŒrich. Dort entstanden in den Folgejahren die ZĂŒrcher Kunstschriften, unter anderen Die Kunst und die Revolution, Das Kunstwerk der Zukunft und seine große musiktheoretische Schrift Oper und Drama.

In einem regen Briefaustausch mit seinen Freunden Franz Liszt, August Röckel und Theodor Uhlig entwickelte und erklĂ€rte er seine zukĂŒnftigen kĂŒnstlerischen Ambitionen. Mit seinem neuen Opernentwurf Wieland der Schmied versuchte Wagner in Paris erneut sein GlĂŒck, allerdings vergeblich. Er lernte die junge Jessie Laussot kennen, die in unglĂŒcklicher Ehe gebunden war, und folgte ihr nach Bordeaux, in der Absicht sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und mit ihr nach Griechenland zu fliehen. Nach einigen Wochen beendete er die AffĂ€re und kehrte zu seiner Frau nach ZĂŒrich zurĂŒck. Am 28. August 1850 wurde in Abwesenheit Wagners durch Franz Liszt in Weimar Lohengrin uraufgefĂŒhrt.

Wagner lernte 1852 Otto und Mathilde Wesendonck kennen und begann (nach einer Kur in der Wasserheilanstalt Albisbrunn) mit der Dichtung zum Ring des Nibelungen. Er lernte Georg Herwegh kennen, einen Weggenossen von Karl Marx, der ein reger Diskussionspartner und Wanderfreund wurde. Wagner unternahm ausgedehnte Bergtouren, unter anderem eine mehrwöchige Fußwanderung nach Italien. In der Einsamkeit der Hochgebirgslandschaften und erhabenen Gletscher sah er die idealen Szenenbilder fĂŒr seinen Ring. Am 16. Februar 1853 las Wagner erstmals öffentlich seine komplette Ring-Dichtung an vier Abenden im Hotel Baur au Lac in ZĂŒrich.

Im Mai 1853 gab Wagner enthusiastisch aufgenommene Konzerte mit Ausschnitten aus eigenen Werken in ZĂŒrich. Im Juli besuchte ihn Liszt; bei dieser Gelegenheit kam es zum Bruderschaftstrunk mit Liszt und Herwegh. Wagner reiste im September erneut nach Italien, wo ihm in einem Hotel in La Spezia im Halbschlaf die Ur-Idee zum musikalischen Beginn des Ring des Nibelungen kam, und konzipierte das Rheingold-Vorspiel. Am 10. Oktober war Wagner bei Liszt in Paris und sah zum ersten Mal dessen Tochter Cosima, die zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt war. Er begann mit der Rheingold-Komposition, die er innerhalb von drei Monaten bis Januar 1854 abschloss.

1854 las Richard Wagner auf Empfehlung von Herwegh Schopenhauers Hauptwerk, Die Welt als Wille und Vorstellung. Im gleichen Jahr begann er mit der Konzeption von Tristan und Isolde. 1855 gab Wagner mehrere Konzerte in London. 1856 richtete er ein Gnadengesuch an den sĂ€chsischen König. Zwischenzeitlich lebte er auf dem „GrĂŒnen HĂŒgel“ neben der Villa Wesendonck in ZĂŒrich, arbeitete an Siegfried und spĂ€ter an Tristan und Isolde und vertonte - als musikalische Studien zum Tristan - fĂŒnf Gedichte von Mathilde Wesendonck (Wesendonck-Lieder). Am 18. August 1857 wurden Hans von BĂŒlow und Cosima in Berlin getraut und unternahmen ihre Hochzeitsreise zu Wagner nach ZĂŒrich. 1858 spitzte sich Wagners AffĂ€re mit Mathilde Wesendonck zu: Nachdem Minna die schwĂ€rmerische Freundschaft ihres Mannes zur verheirateten Mathilde Wesendonck aufgedeckt und einen Eklat provoziert hatte, trennte sich Wagner von seiner Frau. Er reiste nach Venedig, wo er den zweiten Akt des Tristan komponierte. Seine Frau ĂŒbersiedelte nach Dresden.

Wanderjahre (1858–1866)

Im FrĂŒhjahr 1859 musste Wagner aus politischen GrĂŒnden das damals unter österreichischer Verwaltung stehende Venedig verlassen. Er begab sich nach Luzern und vollendete im Hotel Schweizer Hof den Tristan. Danach ging er wieder nach Paris, wohin Minna ihm nachfolgte. In FĂŒrstin Pauline von Metternich und Marie von Kalergis (spĂ€ter FĂŒrstin Muchanoff) fand er neue MĂ€zene, die ihm Konzerte in Paris und BrĂŒssel ermöglichten. Im August 1860 konnte Wagner nach einer Teilamnestie durch den sĂ€chsischen König wieder deutschen Boden betreten.

1861 studierte Wagner an der OpĂ©ra Garnier in Paris eine neu verfasste französische Fassung seines TannhĂ€user ein, fĂŒr die er die erste Szene neu komponiert und ein Ballett eingefĂŒgt hatte. Trotzdem entsprach das Ergebnis nicht den vorgefassten Erwartungen einiger Pariser Publikums-Clubs, so dass es zum TannhĂ€user-Skandal kam. Auch hatte der Dirigent der AuffĂŒhrung Pierre-Louis Dietsch nach Wagners Meinung die Produktion sabotiert. Nach der dritten durch Zwischenrufe gestörten AuffĂŒhrung zog Wagner sein Werk zurĂŒck. Er verließ Paris und hielt sich in Karlsruhe, Venedig und Wien auf, kehrte dann einige Wochen wieder nach Paris zurĂŒck, um im Auftrag des Musikverlegers Franz Schott aus Mainz mit seiner neuen Arbeit Die Meistersinger von NĂŒrnberg zu beginnen. Anfang 1862 siedelte er nach Biebrich, um die Musik zu den Meistersingern zu komponieren.

Ein neues Zusammentreffen mit Minna Anfang 1862 in Biebrich fĂŒhrte zur endgĂŒltigen Trennung des Ehepaars. Im gleichen Jahr erließ der König von Sachsen eine vollstĂ€ndige Amnestie, worauf Wagners Freund und Gönner Wendelin Weißheimer ihm erstmals wieder ein Konzert in Leipzig, seiner Heimatstadt, ermöglichte. In Weimar sah Wagner Franz Liszt wieder. Im Juli traf er sich mit den BĂŒlows, danach blieb er in Wien und wohnte einige Monate in Penzing, um die geplante UrauffĂŒhrung seines Tristan zu begleiten, zu der es aber wegen zahlreicher Schwierigkeiten nicht kam. Im Wiener Musikverein gab er im Beisein der Kaiserin Elisabeth einige umjubelte Konzerte, erstmals mit Ausschnitten aus seinem Ring. 1863 gab Wagner Konzerte in Sankt Petersburg, Moskau, Budapest, Prag und Karlsruhe, die kĂŒnstlerisch erfolgreich waren, jedoch nicht die erwarteten Einnahmen brachten. Am 28. November bekannten sich Wagner und Cosima in Berlin gegenseitig ihre Liebe. Im FrĂŒhjahr 1864 flĂŒchtete Wagner vor Steuerfahndung und GlĂ€ubigern aus Wien und besuchte Eliza Wille in Mariafeld bei ZĂŒrich.

Als letzte Rettung aus grĂ¶ĂŸter finanzieller Not und persönlicher Verzweiflung wurde Wagner am 4. Mai 1864 von König Ludwig II. in MĂŒnchen empfangen, der wenige Wochen zuvor im Alter von 18 Jahren die Regentschaft vom verstorbenen Vater Maximilian ĂŒbernommen hatte. Wagner war nicht nur der Lieblingskomponist des Königs, sondern wurde auch sein „vĂ€terlicher“ Freund und Berater. Der König blieb bis zum Tode Wagners dessen MĂ€zen. In dieser exponierten Stellung nahm Wagner Einfluss auf politische Entscheidungen des jungen Königs und verfasste verschiedene politische Schriften. Im Juni und Juli des gleichen Jahres weilte Cosima bei Wagner im Haus Pellet am Starnberger See, wo sie ihre Liebesbeziehung besiegelten. Der König stellte ihm ein Haus in MĂŒnchen, in der Brienner Straße, als Wohnsitz zur VerfĂŒgung. Am 10. April 1865 wurde Isolde, das erste gemeinsame Kind von Cosima von BĂŒlow und Richard Wagner in MĂŒnchen geboren. Am 10. Juni fand die UrauffĂŒhrung von Tristan und Isolde in MĂŒnchen statt. Am 17. Juli begann Wagner seine Autobiographie Mein Leben zu diktieren. Wegen heftiger Proteste der Bevölkerung und der Regierung, die Wagner und Ludwig II. Verschwendungssucht vorhielten, verließ Wagner Bayern in Richtung Schweiz. Er mietete vorĂŒbergehend ein Landhaus bei Genf, begann sich dort einzurichten und die Komposition des ersten Akts der Meistersinger fortzusetzen. Auf der Suche nach einem dauerhaften Wohnsitz reiste er nach Toulon, Lyon und Marseille.

Asyl in Tribschen (1866–1872)

Inzwischen war seine Frau Minna am 25. Januar 1866 in Dresden gestorben. Ende MĂ€rz mietete Wagner das bei Luzern gelegene Landhaus Tribschen und zog am 15. April dort ein. Die unterbrochene Kompositionsarbeit an den Meistersingern wurde wieder aufgenommen.

Wagners Haus in Tribschen

Am 22. Mai erhielt er ĂŒberraschenden Besuch von König Ludwig. Dieser wollte als König abdanken und bei Richard Wagner bleiben, der den jungen König jedoch ĂŒberzeugen konnte, nach MĂŒnchen zurĂŒckzukehren.[7] Wenige Monate spĂ€ter zog Cosima mit ihren beiden BĂŒlow-Kindern (Daniela und Blandine) und der Wagner-Tochter Isolde bei ihm ein. Eva (Eva Maria), Cosimas und Wagners zweites Kind, wurde dort am 17. Februar 1867 geboren. Die UrauffĂŒhrung der Meistersinger fand am 21. Juni 1868 in MĂŒnchen statt. Am 8. November kam es in Leipzig zur ersten Begegnung mit Nietzsche. Ab dem 16. November lebte Cosima fĂŒr immer bei Wagner und begann am 1. Januar 1869 ihr Tagebuch zu schreiben. Friedrich Nietzsche, seit kurzem Professor in Basel, kam nun regelmĂ€ĂŸig (insgesamt 23 Mal) als Gast nach Tribschen und war auch zugegen, als am 6. Juni 1869 Siegfried, Cosimas und Richards drittes Kind, geboren wurde. Am 22. September fand auf Veranlassung König Ludwigs, jedoch gegen den Willen Wagners, in MĂŒnchen die UrauffĂŒhrung des Rheingold statt. Auch die UrauffĂŒhrung der WalkĂŒre erfolgte ohne Wagners Zustimmung, der den Ring nur vollstĂ€ndig auffĂŒhren wollte, am 26. Juni 1870 in MĂŒnchen.

Am 18. Juli 1870 wurde die Ehe Cosimas und Hans von BĂŒlows geschieden, am 25. August wurden Cosima und Richard Wagner in der protestantischen Kirche von Luzern getraut. Am 25. Dezember 1870 fand die UrauffĂŒhrung des Siegfried-Idylls, als Geburtstagsgeschenk fĂŒr Cosima auf der Treppe in Wagners Haus in Tribschen statt. 1871 wĂ€hlte Wagner Bayreuth als Festspielort und kĂŒndigte erstmals Festspiele zur AuffĂŒhrung des Ring des Nibelungen an. Im April reiste Wagner mit Cosima ĂŒber Bayreuth nach Berlin, wo sie von Otto von Bismarck empfangen wurden. Eine finanzielle UnterstĂŒtzung der geplanten Festspiele durch das Deutsche Kaiserreich konnte Wagner nicht erreichen. Zur Finanzierung der Festspiele wurden ab 1872 Wagnervereine gegrĂŒndet und Patronatsscheine verkauft; eine wesentliche Rolle spielte hier Marie GrĂ€fin Schleinitz, die Wagner 1863 kennengelernt hatte und ihn zeitlebens enthusiastisch förderte. Im FrĂŒhjahr ĂŒbersiedelte Wagner mit seiner Familie von Tribschen nach Bayreuth und konnte dort am 22. Mai den Grundstein fĂŒr sein Festspielhaus legen.

Villa Wahnfried in Bayreuth
Das Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth
Richard Wagner in Bayreuth, Haus Wahnfried. Am Klavier Franz Liszt.

Die Bayreuther Jahre (1872–1882)

1872 verließ Wagner mit Cosima und den Kindern Tribschen um nach Bayreuth zu ziehen, zunĂ€chst ins Hotel Fantaisie neben dem gleichnamigen Schloss in Eckersdorf, ca. 7 km von Bayreuth, dann in eine Stadtwohnung. 1873 war Wagner viel auf Konzertreisen, um Geld fĂŒr seine Festspiel-Stiftung einzuspielen. Bruckner und Nietzsche waren zu Besuch in Bayreuth. Am 2. August 1873 war das Richtfest des Festspielhauses. In diesem Jahr hatte Friedrich Nietzsche seine ersten schweren KrankheitsanfĂ€lle. Auch Wagner wurde von den vielfĂ€ltigen Belastungen seiner Arbeit zunehmend angegriffen und hatte in den letzten zehn Lebensjahren unter regelmĂ€ĂŸigen HerzanfĂ€llen zu leiden.

Im Dezember 1873 wurde ihm der Königliche Maximiliansorden fĂŒr Kunst und Wissenschaft verliehen, der ihm bereits 1864 zugedacht war, den er damals aber aus politisch-persönlichen Überlegungen nicht angenommen hatte.

Am 28. April 1874 bezogen Cosima und Richard Wagner das Haus Wahnfried. Die Partitur des Ring des Nibelungen wurde am 21. November 1874 beendet und König Ludwig gewidmet, der - nach lĂ€ngerem Zögern - mit einer zusĂ€tzlichen finanziellen UnterstĂŒtzung das Festspielunternehmen rettete, als Wagners eigene Mittel und eingehende Spenden zu versiegen drohten.

Das Festspielhaus war 1875 so weit fertiggestellt, dass bereits mit den Proben begonnen werden konnte. Im Bayreuther Festspielhaus hatte Wagner ein „unsichtbares Orchester“ anlegen lassen, indem der Orchestergraben mit einer Abdeckung zum Publikum hin abgeschirmt wurde („mystischer Abgrund“), so dass die Konzentration der Zuschauer einzig auf die dramatische Handlung und die akustische Wahrnehmung der Musik gerichtet werden konnte, ohne dass deren Tonerzeugung sichtbar wurde. Wie sich zeigte, war durch diese Einrichtung aber auch eine besondere KlangqualitĂ€t erreicht worden. Die einzigartige Akustik des Hauses beruht auch darauf, dass der Raum ein Holzbau ist und der Zuschauerraum keine Logen an den Seiten hat. Die Sitze sind ungepolstert, so dass weniger Schall geschluckt wird. Die Idee zu dieser Anlage des Festspielhauses geht zurĂŒck auf das Theater in Riga, wo Wagner in einer Art Scheune dirigieren musste, die durch eine Bretterwand unterteilt war, von deren Akustik er jedoch begeistert war.

In Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. begannen am 13. August 1876 die ersten Bayreuther Festspiele mit der vollstĂ€ndigen AuffĂŒhrung des Ring des Nibelungen. Im September reiste Wagner nach Italien und hatte eine letzte Begegnung mit Nietzsche in Sorrent. In den Jahren 1877 bis 1879 arbeitete Wagner in seinem Haus Wahnfried am Parsifal. WĂ€hrend eines London-Aufenthalts wurde er durch Königin Victoria von Großbritannien empfangen. Am 31. Dezember 1879 verreiste Wagner erneut nach Italien und hielt sich im Folgejahr ĂŒberwiegend in Neapel, Ravello, Siena und Venedig auf. Dort entstanden auch seine so genannten „Regenerationsschriften“ (Religion und Kunst), die in den von Hans von Wolzogen herausgegebenen „Bayreuther BlĂ€ttern“ veröffentlicht wurden.

Im November 1881 reiste der gesundheitlich angeschlagene Wagner wegen des gĂŒnstigeren Klimas mit seiner Familie nach Sizilien und vollendete am 13. Januar 1882 in Palermo den Parsifal, der im selben Jahr bei den zweiten Bayreuther Festspielen am 26. Juli uraufgefĂŒhrt wurde. Zuvor gab es in MĂŒnchen eine PrivatauffĂŒhrung des Parsifal-Vorspieles fĂŒr König Ludwig; es war deren letzte Begegnung.

Tod in Venedig 1883

Richard Wagner am Vorabend seines Todes (Zeichnung von Paul von Joukowsky)

Am 16. September 1882 reiste Wagner mit seiner Familie abermals nach Venedig, wo er auch mehrere Wochen mit Franz Liszt zusammen war. Am 25. Dezember gab er (als Geburtstagsgeschenk fĂŒr Cosima) letztmalig ein gemeinsames Konzert im Teatro La Fenice; er dirigierte seine Jugend-Symphonie in C-Dur.

Am 13. Februar 1883 hielt er sich in dem von ihm und seiner Familie bewohnten SeitenflĂŒgel des Palazzo Vendramin-Calerghi auf. Um die Mittagszeit, gegen 15 Uhr, wartete die Familie bei Tisch auf Wagner, der trotz HerzkrĂ€mpfen in seinem Arbeitszimmer an einem Aufsatz Über das Weibliche im Menschlichen schrieb. Das HausmĂ€dchen fand ihn zusammengesunken an seinem Schreibtisch ĂŒber den Worten „Gleichwohl geht der Prozeß der Emanzipation des Weibes nur unter ekstatischen Zuckungen vor sich. Liebe - Tragik“. Er sagte noch: „Meine Frau und der Doktor“, bevor er in Bewusstlosigkeit fiel und gegen 15.30 Uhr in Cosimas Armen starb.

Der Bildhauer Augusto Benvenuti nahm am 14. Februar die Totenmaske ab, am 16. Februar wurde Wagners einbalsamierter Leichnam, begleitet von seiner Familie und einigen Freunden, in zwei Sonderwagen, die dem Zug aus Venedig angehĂ€ngt waren, ĂŒber MĂŒnchen nach Bayreuth ĂŒberfĂŒhrt. Nach Ankunft am Sonntag, dem 18. Februar, in Bayreuth wurde der Sarg unter den KlĂ€ngen des Trauermarsches aus GötterdĂ€mmerung unter Anteilnahme der Bayreuther Bevölkerung vom Bahnhof zur Villa Wahnfried geleitet und in der vorbereiteten Gruft im Garten beigesetzt.

Wirkung von Werk und Persönlichkeit

Intention Wagners

Wagner wollte die aus seiner Sicht „dekadenten“ Theater reformieren und mit Hilfe seiner Kunst zu einer besseren Volks-Erziehung beitragen und somit die Welt verbessern. Bereits in jungen Jahren war er von der Idee beherrscht, Musik und Drama zu verknĂŒpfen (Das Kunstwerk der Zukunft, Oper und Drama) und in Anlehnung an die Tradition der griechischen Tragödien eine neue Kunstrichtung zu begrĂŒnden. In seinen Schriften hat er immer wieder beschrieben, wie mit Hilfe von Musik dramatische Handlungen zu „Botschaften“ werden können und die Musik (das weiblich „gebĂ€rende Element“) der Dichtung (der mĂ€nnlich „zeugende Samen“) zusĂ€tzliche Ausdruckskraft verleiht.

„Die Wissenschaft hat uns den Organismus der Sprache aufgedeckt; aber was sie uns zeigte, war ein abgestorbener Organismus, den nur die höchste Dichternot wieder zu beleben vermag, und zwar dadurch, dass sie die Wunden, die das anatomische Seziermesser schnitt, dem Leibe der Sprache wieder schließt, und ihm den Atem einhaucht, der ihn zur Selbstbewegung beseele. Dieser Atem aber ist: – die Musik!“

– Richard Wagner: Oper und Drama

Seine Konzeption vertrat er mit Vehemenz und arbeitete zielstrebig darauf hin, seine Kunst-Idealvorstellung - in Form von Festspielen an einem Ort der Muße - zu verwirklichen. In König Ludwig II. fand er einen Gleichgesinnten, so dass beide ihre Kunst-Ideale (Festspielhaus, Musikschule, Kunsterziehung) in MĂŒnchen realisieren wollten. Dies Vorhaben scheiterte jedoch und konnte durch beide erst spĂ€ter in Bayreuth verwirklicht werden. Dort entwickelte sich Wagners Festspielkonzept vor allem mit seinem BĂŒhnenweihfestspiel Parsifal zu einem „Religionsersatz“ durch die Kunst (Religion und Kunst).

Musik

Wagners Werke sind ein Höhepunkt der romantischen Musik und beeinflussten viele Zeitgenossen und spÀtere Komponisten erheblich. Vor allem der Tristan brachte die Musiksprache des 19. Jahrhunderts weit voran und gilt vielen als Ausgangspunkt der Modernen Musik.

Der so genannte Tristan-Akkord (Musiktheorie)

Das betrifft vor allem die Harmonik. WĂ€hrend in der Epoche der Klassik bis zum Tode Beethovens die Melodik der vorrangige Bereich der Erfindungskraft war und als persönliche Sprache der Komponisten betrachtet wurde, tritt mit Wagner und Liszt die Harmonik in den Vordergrund. Mit dem Tristan, dessen erster Akt 1857 komponiert wurde, fĂŒhrte Wagner sie weit ĂŒber den Stand, auf dem Brahms noch 1892 in seinen spĂ€ten KlavierstĂŒcken op. 117 bis 119 verblieb.[8] Sie ist das Gebiet, auf dem seine Phantasie sich entfaltet, einen charakteristischen Personalstil entwickelt und durch die jeweilige dramatische Situation des Geschehens in Grenzen gehalten wird, sich also nicht im Unendlichen verliert. Wagners Einfluss auf die Musikgeschichte erhellt schon daraus, dass ĂŒber hundert Jahre nach der Komposition des Werkes die komplexen harmonischen VerlĂ€ufe des „Tristan-Akkords“ analysiert und unterschiedlich interpretiert wurden und von der Krise der modernen Harmonielehre die Rede war.[9] Dieser Bewertung wird gelegentlich entgegengehalten, dass andere Komponisten vor Wagner bedeutende harmonische Neuerungen in die Musik eingefĂŒhrt haben. Dies gilt etwa fĂŒr FrĂ©dĂ©ric Chopin, dessen gewagte Chromatik bzw. Harmonik – etwa in einigen PrĂ©ludes und Nocturnes – seine Zeitgenossen ĂŒberraschte.

Tristan und Isolde – Vorspiel

Es kann bei Wagners Einfluss, dem sich viele zu entziehen versuchten, zudem nicht von einer kontinuierlichen, gleichförmigen Entwicklung gesprochen werden. Komponisten wie etwa Pjotr Iljitsch Tschaikowski und AntonĂ­n Dvoƙák bewegten sich noch in „traditionellen“ harmonischen Bahnen, wĂ€hrend vor allem Richard Strauss und Gustav Mahler die wagnersche Tonsprache ĂŒbernahmen.

Gattungsgeschichtlich liegt Wagners Bedeutung in der Weiterentwicklung der sog. Nummernoper zum Musikdrama. WĂ€hrend etwa Webers FreischĂŒtz eine Abfolge einzelner Nummern (Arien, Duette, Chöre etc.) darstellt, die durch gesprochene Rezitative miteinander verbunden werden, herrscht bei Wagner – vor allem in seinen reifen Werken – die sog. „unendliche Melodie“. Das Orchester beginnt am Anfang eines Aktes zu spielen und hört am Aktende auf. Gesprochen wird nicht. Es gibt keine Arien mehr, sondern – gesungene – ErzĂ€hlungen bzw. Monologe, Dialoge etc. Sie stehen aber nicht isoliert neben- bzw. nacheinander, sondern werden untereinander durch die Orchestermusik verwoben. Dabei bedient sich Wagner der Leitmotivtechnik, d. h. einer bestimmten Person, einem Gegenstand oder einem GefĂŒhl (Liebe, Sehnsucht, Wut) wird ein bestimmtes musikalisches Motiv zugeordnet, das immer dann zu hören ist, wenn die Person, der Gegenstand oder das GefĂŒhl auftauchen. Wagner wollte „Gedachtes“ und „GefĂŒhltes“ musikalisch ausdrĂŒcken und bewirkte mit einer solchen „absichtsvollen Musik“ eine bis dahin nicht gekannte „psychologische Wirkung“ beim Zuhörer. Mit der Leitmotivtechnik im Ring des Nibelungen und bei Tristan und Isolde ist ihm dies eindrucksvoll gelungen. In einem Fall soll Wagners Musik Emotionen ausgelöst haben, die zum Tode fĂŒhrten; so beim Herztod des Dirigenten Josef Keilberth im 2. Akt Tristan in MĂŒnchen.

Schattenriss von W. Bithorn
Portrait Wagners von Pierre-Auguste Renoir, 1882

Wagner als Dirigent

Wagner prĂ€gte nachhaltig den Dirigierstil. Er dirigierte auswendig und unterstrich die EmotionalitĂ€t der Musik durch Mimik und Gestik, was bis dahin nicht ĂŒblich war. Von großer Wirkung war die AuffĂŒhrung der 9. Symphonie von Beethoven, die er am Palmsonntag 1846 in Dresden nach vielen Proben dirigierte. Zum besseren VerstĂ€ndnis der Musik hatte Wagner fĂŒr dieses Konzert ein Programm mit Stellen aus Goethes Faust drucken lassen. Wie in Dresden waren es auch spĂ€ter in ZĂŒrich oder London Wagners Interpretationen beethovenscher Symphonien, die ihn als Experten fĂŒr dessen Dirigate auswiesen. Der Bildhauer Gustav Adolph Kietz, jĂŒngerer Bruder des PortrĂ€tmalers und Wagner-Freundes Ernst Benedikt Kietz, berichtet in seinen Erinnerungen:

„Das Haupt erhoben, den Oberkörper unbewegt, die linke Hand an der Seite ruhend, in der rechten den Taktstock, nicht mit dem Arm, sondern mit dem Handgelenk dirigierend – so steht Wagner in der AuffĂŒhrung vor dem Orchester. Seine Leidenschaftlichkeit scheint nach außen gebĂ€ndigt, sie entlĂ€dt sich aber im Mienenspiel und vor allem im Blick des Auges, das er als das wichtigste Mittel der WillensĂŒbertragung bezeichnet. Indem er auswendig dirigierte – was ihm Kritiker als Koketterie auslegten – behĂ€lt er die Musiker im Auge, und ein jeder fĂŒhlt sich von ihm angesprochen. VorĂŒbergehend setzt er mit dem Taktschlagen aus, um einer melodischen Linie das ‚Sprechende‘ zu verleihen. Aber dann versteht er es, die Musiker mit seinem Stab zu bannen und zum zartesten Pianissimo, zu AusbrĂŒchen der Verzweiflung, der Begeisterung mitzureißen.“

Wagner als Persönlichkeit

Wagner war schon frĂŒh davon ĂŒberzeugt, ein Genie zu sein. „In fĂŒnfzig Jahren werde ich der Beherrscher der musikalischen Welt sein“, prophezeite er. Er war mit einem Körpermaß von 1,66 Meter nicht groß, hatte aber eine starke Ausstrahlung, wie selbst einer seiner grĂ¶ĂŸten Kritiker, der Wiener Rezensent Eduard Hanslick konstatieren musste:

„Er sprach unglaublich viel und schnell, in monoton singendem sĂ€chsischem Dialekt; er sprach in einem fort und immer von sich selbst, von seinen Werken, seinen Reformen, seinen PlĂ€nen. Er war der personifizierte Egoismus, rastlos tĂ€tig fĂŒr sich selbst, teilnahmslos, rĂŒcksichtslos gegen andere. Dabei ĂŒbte er doch den unbegreiflichen Zauber, sich Freunde zu machen und sie festzuhalten. Die hypnotisierende Gewalt, welche Wagner nicht bloß durch seine Musik ausĂŒbte, sondern auch durch seine Persönlichkeit, reicht hin, ihn zu einer der bedeutendsten Erscheinungen, zu einem PhĂ€nomen von Energie und Begabung zu stempeln.“

– Eduard Hanslick: Aus meinem Leben. Berlin 1911

Wagner hatte „sein Herz auf der Zunge“ und gewann viele Freunde, die sich fĂŒr ihn und seine Kunst einsetzten, z. B. Franz Liszt, Otto von Wesendonck, Julie Ritter u. a. Er konnte charmant sein und beanspruchte fĂŒr sich und seine Kunst, von der „Gesellschaft“ unterstĂŒtzt zu werden (es gab damals noch keine Tantiemen fĂŒr WiederauffĂŒhrungen von Kunstwerken). Seine finanziellen Probleme sah er als „lĂ€cherliche Schulden“, denen man in der Zukunft eine erheblich grĂ¶ĂŸere „Aktiva“ gegenĂŒberstellen könne. Erst durch König Ludwig II. konnte dieser „Anspruch“ erfĂŒllt werden, wobei Wagner es immer als PrioritĂ€t ansah, seine Festspielidee verwirklichen zu können.

Cosima Wagner verstand es, ihr Idol und ihren spĂ€teren Ehemann „ins rechte Licht“ zu setzen, beispielsweise durch den „Hausbiographen“ Carl Friedrich Glasenapp, der noch zu Wagners Lebzeiten eine mehrbĂ€ndige Biographie zu schreiben begann. Seine Autobiographie diktierte Wagner seiner Frau Cosima und schenkte den ersten Privatdruck seinem „Freund“ König Ludwig II. Erst im Jahre 1911 wurde die Autobiographie veröffentlicht. Wagner wurde von verschiedenen Malern portrĂ€tiert, u. a. von Franz von Lenbach und Pierre-Auguste Renoir (1882).

Rezeption

Wie kaum ein anderer KĂŒnstler hat Wagner polarisiert, und bis in die Gegenwart beschĂ€ftigen sich Interpreten unterschiedlicher Disziplinen mit seinem vielschichtigen Werk. Neben Komponisten, die Wagner ablehnten, wie Brahms und Tschaikowski, gab es Kritiker wie Nietzsche – und spĂ€ter Adorno –, die nicht nur auf die Gefahren des „sinnbetörenden Rausches“ hinwiesen, sondern sich mit den Wirkungen Wagners auf die Musik der Zukunft, ja der gesamten Kultur auseinandersetzten.

Friedrich Nietzsche, 1882

Friedrich Nietzsche

ZunĂ€chst hatte Friedrich Nietzsche Wagner in seiner frĂŒhen Schrift Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik noch als Erneuerer deutscher Kultur gefeiert und ihm in seinen UnzeitgemĂ€ĂŸen Betrachtungen einen eigenen Essay Richard Wagner in Bayreuth gewidmet. Nachdem er sich in Menschliches, Allzumenschliches (1878–1880) von seinem frĂŒheren Abgott schrittweise gelöst hatte, publizierte er spĂ€ter etliche kritische, ja hĂ€mische Schriften, in denen er Wagner, vor allem nach dessen Parsifal, zudem der Dekadenz, des „undeutschen“ Wesens und der Sinnbenebelung bezichtigte und ĂŒber das geistige Niveau der sog. Wagnerianer in Bayreuth spottete.

Nietzsches Kritik an Wagner ist vielschichtig, und obwohl sie sich vor allem am SpĂ€twerk, dem Parsifal entzĂŒndete, bezog er sie nun auch auf frĂŒhere Werke und den Ring, den er in den UnzeitgemĂ€ĂŸen Betrachtungen noch gefeiert hatte. Als ehemaliger „SchĂŒler“ Schopenhauers (Schopenhauer als Erzieher), der sich spĂ€ter gegen den Pessimismus seines Lehrers stellte, analysierte Nietzsche dessen Einfluss auf Wagner. Habe Wagner als revolutionĂ€rer Denker zunĂ€chst in VertrĂ€gen, Gesetzen, Institutionen das Übel der Welt erblickt – das Vertragsmotiv im Ring –, Ă€nderte sich spĂ€ter sein Weltbild, und das christliche Motiv der Erlösung trat in den Mittelpunkt. Viele Figuren Wagners sollten fortan „erlöst“ werden. Wagners „Schiff“ sei nach der „GötterdĂ€mmerung der alten Moral“ lange Zeit „lustig auf dieser Bahn“ (des Optimismus) gelaufen, bis es auf das „Riff“ der schopenhauerschen Philosophie gefahren sei.[10] Er habe dann den Ring ins Schopenhauersche ĂŒbersetzt: Alles auf der Welt laufe schief, und alles gehe zugrunde. So sei nur das Nichts, die Auslöschung, die „GötterdĂ€mmerung“ die Erlösung – und dieses Nichts werde von Wagner nun unaufhörlich gefeiert. In den anderen kurzen SpĂ€tschriften wie Nietzsche contra Wagner und Teilen von Ecce homo wiederholte er seine Angriffe und VorwĂŒrfe der dĂ©cadence.

„Denn der Parsifal ist ein Werk der TĂŒcke, der Rachsucht, der heimlichen Giftmischerei gegen die Voraussetzungen des Lebens, ein schlechtes Werk. – Die Predigt der Keuschheit bleibt eine Aufreizung zur Widernatur: Ich verachte jedermann, der den Parsifal nicht als Attentat auf die Sinnlichkeit empfindet.“

– Friedrich Nietzsche: Nietzsche contra Wagner, Wagner als Apostel der Keuschheit, 3

Bei aller Kritik an Wagner gab Nietzsche halb ironisch zu, dass man schon aus psychologischen GrĂŒnden auf Wagner nicht verzichten könne. Zwar sei Georges Bizets helle, sĂŒdliche und diesseitige Welt der schweren und schwĂŒlen AtmosphĂ€re Wagners vorzuziehen, doch kein Psychologe könne auf Wagner verzichten.

Kurz vor seinem Zusammenbruch im Januar 1889 zog Nietzsche in seinen SpÀtwerken Ecce homo, Götzen-DÀmmerung und Der Fall Wagner eine brennglasartige Bilanz seines Denkens. In seinem letzten Werk, Nietzsche contra Wagner, das er zu Weihnachten 1888 veröffentlichte, setzte er sich schonungslos mit Wagner, den Deutschen und deren décadence auseinander.

Franz Liszt

Das VerhĂ€ltnis zwischen Franz Liszt und Wagner war nicht ohne Spannungen. Mit „Altersweisheit“ fanden sie wieder zueinander. Nach Wagners plötzlichem Tod schrieb Liszt an Olga von Meyendorff:

„Die Zeitungen sind voll von Notizen ĂŒber den Tod des großen Dichterkomponisten [
], des unĂŒbertrefflichen Gestalters eines Ideals, das vor ihm in der Gesamt-Kunst, Dichtung, Musik und Theaterdarstellung, nicht verwirklicht wurde [
] Wagner nur als eine berĂŒhmte oder ausgezeichnete Persönlichkeit anzusehen scheint mir eine, wenn auch noch so wenig, törichte TĂ€uschung zu sein. Die VerĂ€stelungen seines Geistes kommen aus tiefsten Wurzeln hervor. In Ihm ĂŒberwiegt das Übermenschliche.“

Thomas Mann

Thomas Mann, 1937, Foto von Carl van Vechten

Thomas Mann beschÀftigte sich in Essays, VortrÀgen und seinem epischen Werk immer wieder mit Wagner. Einerseits konnte er sich dem Klangrausch seiner Musik nicht entziehen, andererseits analysierte er in vielen Abhandlungen und Briefen immer wieder die SchwÀchen Wagners:

„Wagner, das Pumpgenie, der luxusbedĂŒrftige RevolutionĂ€r, der namenlos unbescheidene, nur von sich erfĂŒllte, ewig monologisierende, rodomontierende, die Welt ĂŒber alles belehrende Propagandist und Schauspieler seiner selbst 
“

„Die Passion fĂŒr Wagners zaubervolles Werk begleitet mein Leben, seit ich seiner zuerst gewahr wurde und es mir zu erobern, es mit Erkenntnis zu durchdringen begann. Was ich ihm als Genießender und Lernender verdanke, kann ich nie vergessen, nie die Stunden tiefen, einsamen GlĂŒckes inmitten der Theatermenge, Stunden voll von Schauern und Wonnen der Nerven und des Intellektes, von Einblicken in rĂŒhrende und große Bedeutsamkeiten, wie eben nur diese Kunst sie gewĂ€hrt. Meine Neugier nach ihr ist nie ermĂŒdet; ich bin nicht satt geworden, sie zu belauschen, zu bewundern, zu ĂŒberwachen – nicht ohne Misstrauen, ich gebe es zu.“

– Thomas Mann: Leiden und GrĂ¶ĂŸe Richard Wagners

In seinem spĂ€ter als Essay erschienenen Vortrag Leiden und GrĂ¶ĂŸe Richard Wagners, den er 1933 zum fĂŒnfzigsten Todestag Wagners in MĂŒnchen hielt, analysierte er das wagnersche Lebenswerk und setzte sich derart kritisch mit der Persönlichkeit und der Musik Wagners auseinander, dass es zu einem inszenierten Protest gegen den Schriftsteller kam. Dieser „Protest der Richard-Wagner-Stadt MĂŒnchen“, der am 16./17. April 1933 in den MĂŒnchener Neuesten Nachrichten erschien und u. a. von Hans Knappertsbusch, Richard Strauss und Hans Pfitzner unterzeichnet war, befestigte Thomas Manns in dem Entschluss, nicht nach Deutschland zurĂŒckzukehren. Die Verfasser warfen Thomas Mann vor, von den Idealen der Betrachtungen eines Unpolitischen abgerĂŒckt zu sein und mit „Àsthetisierendem Snobismus“ das „tiefste deutsche GefĂŒhl“[11] zu beleidigen und den „großen deutschen Meister“[12] zu verunglimpfen.

Thomas Mann sagte im Vortrag Richard Wagner und der Ring des Nibelungen 1938 in der Aula der UniversitĂ€t ZĂŒrich:

„Der ungeheure; man kann sagen planetarische Erfolg, den die bĂŒrgerliche Welt, die internationale Bourgeoisie dieser Kunst dank gewisser sinnlicher, nervöser und intellektueller Reize, die sie bot, bereitete, ist ein tragikomisches Paradox und darf nicht vergessen machen, daß sie einem ganz anderen Publikum zugedacht ist und sozialsittlich weit hinauszielt ĂŒber alle kapitalistisch-bĂŒrgerliche Ordnung in eine von Machtwahn und Geldherrschaft befreite, auf Gerechtigkeit und Liebe gegrĂŒndete, brĂŒderliche Menschenwelt.“

Theodor W. Adorno

Theodor W. Adorno, der Sozialphilosoph und Musiktheoretiker der Zweiten Wiener Schule beschĂ€ftigte sich u. a. in seinem Buch Versuch ĂŒber Wagner mit dem Werk des Komponisten.

„Seine Musik gebĂ€rdet sich, als ob ihr keine Stunde schlĂŒge, wĂ€hrend sie bloß die Stunden ihrer Dauer verleugnet, indem sie sie zurĂŒckfĂŒhrt in den Anfang. Die Dynamik der permanenten Regression hat dem Wagnerschen Werk ein RĂ€tselhaftes verliehen, und heute noch bleibt dem Hörer, im Unterschied zu fast jeder anderen Musik, trotz aller Vertrautheit das Unauflösliche des blinden Flecks zurĂŒck. Wagner verweigert dem Gehör, das ihn begleitet, die feste Bestimmung und lĂ€sst es im Zweifel, ob der Formsinn eines jeden Augenblicks richtig aufgefasst sei.“

Marcel Prawy

Marcel Prawy, der Wiener Dramaturg, Theater- und Musikkritiker resĂŒmiert in seiner Wagner-Hommage:

„Man muss diesem Leben VerstĂ€ndnis entgegenbringen, einem Leben, das nur einem Ziel gedient hat: dem Theater seiner Vision. Wagners Leben und Werk sind das phantastische MĂ€rchen der Tausend-und-zweiten Nacht [
] er wurde am 22. Mai 1813 geboren [
] und ist niemals gestorben.“

– Marcel Prawy: „Nun sei bedankt“. Mein Richard-Wagner-Buch. MĂŒnchen 1982, ISBN 3-442-10191-3.

Wagner und der Antisemitismus

Antisemitismus im Umfeld Wagners

Houston Stewart Chamberlain 1895
Felix Mendelssohn Bartholdy mit 30 Jahren. Aquarell von James Warren Childe (Ausschnitt), 1839

Die Bewertung von Richard Wagners Antisemitismus ist bis heute von verschiedenen Perspektiven und Interpretationen seines Wirkens und seiner Werke geprĂ€gt, die in nicht unwesentlichem Maße seine eigene Ambivalenz im VerhĂ€ltnis zum Judentum, Religion im Allgemeinen und der politischen Landschaft seiner Zeit widerspiegelt. Wagners Äußerungen griffen jene antisemitischen Stereotypen und Reflexe auf, die er in Deutschland und Europa des 19. Jahrhunderts bereits vorfand (siehe Antijudaismus in der Neuzeit) und deren Ursprung sich bis zu Martin Luther zurĂŒckverfolgen lĂ€sst, der seinen Antijudaismus in mehreren Schriften zum Ausdruck brachte, u. a. Von den JĂŒden und iren LĂŒgen (1543). Antisemitismus gehörte in Wagners Umfeld zum „guten Ton“, vor allem wĂ€hrend der Zeit mit Cosima, die eine extreme antisemitische Einstellung hatte. Wagner gab antisemitische Stereotype jedoch nicht nur wieder, sondern entwickelte sie mit Schriften wie Das Judenthum in der Musik auch weiter.

Wagner hatte großen Einfluss auf den englischen Schriftsteller Houston Stewart Chamberlain, Verfasser der Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts, einem Werk, dessen schwĂ€rmerischer Germanenkult von antisemitischem und rassistischem Gedankengut durchzogen ist. 1908 heiratete er Wagners zweite Tochter Eva. Chamberlain gilt als einer der ideologischen Wegbereiter des nationalsozialistischen Antisemitismus. Er versuchte mit seinen Schriften, auch Wagners Werke im Sinne des Nationalsozialismus umzudeuten.

Wagners Antisemitismus

Wagners Weltbild, in dem sich kĂŒnstlerische und politisch-agitatorische Ambitionen vermischten, war geprĂ€gt von einer pauschalen Sehnsucht nach Aufbruch, Umsturz und Revolution, nach einer meist nicht nĂ€her definierten neuen Kunst und Gesellschaft durch Untergang des Bestehenden (siehe: Die Kunst und die Revolution). Seine Motivation war eine sich stets wandelnde Mischung aus humanistisch-aufklĂ€rerischer Revolution gegen Aristokratie, romantischer Aspekte wie der RĂŒckkehr zur Natur und der Ablehnung der Industrialisierung, sowie nationalistischer Phantasien von der totalen Einheit einer Rasse oder eines Volkes.

Ressentiments gegen deutsche Juden waren fĂŒr Wagner ein willkommenes Ventil fĂŒr seinen ausgeprĂ€gten Minderwertigkeitskomplex, wie einige Biographen meinen, beispielsweise der Tiefenpsychologe Josef Rattner, der in einem „Psychogramm“ Wagners Antisemitismus wie folgt erklĂ€rt:

„Wer so hartnĂ€ckig um eine Ideologie des Hasses kreist, bedarf ihrer und kann anscheinend ohne sie nicht leben. Daher muss das antisemitische und rassistische Element in Wagners Persönlichkeit in einem grĂ¶ĂŸeren Zusammenhang gesehen werden.“

– Josef Rattner: Richard Wagner im Lichte der Tiefenpsychologie. Berlin 1984

Rattner fĂŒhrt weiter aus, dass Wagners Antisemitismus – auch der von Cosima Wagner – eine Beihilfe zur Integration in die „vornehme Welt“ gewesen sei. Mit dem dauernden Sichaufreizen am Judentum „vollzog das Ehepaar Wagner ein Ritual“. Sie hĂ€tten sich dabei gegenseitig ihr „Wohlgeborensein“, ihre „Deutschheit“ und zumindest ihre „rassische Aristokratie“ versichert. Zwei ehrgeizige, auf Perfektionismus bedachte Charaktere hĂ€tten sich im Antisemitismus zur wechselseitigen und absoluten SelbstbestĂ€tigung vereinigt.

Seine von Freunden und Bekannten hĂ€ufig beschriebene Ruhmsucht, sein Hang zu Luxus, Verschwendung und Blendwerk waren ausgerechnet die Eigenschaften, die er hĂ€ufig den Juden vorwarf. Wagner gehörte wie seine Geschwister zum Theatermilieu, das sich damals vom fahrenden Volk zu emanzipieren und bĂŒrgerliche Anerkennung zu erwerben versuchte. Die jĂŒdische Emanzipation im Zuge der Gewerbefreiheit und der Auflösung der Berufsverbote und ZĂŒnfte wurde von anderen Unterprivilegierten als bedrohliche Konkurrenz gesehen.

Blieben finanzieller Erfolg und Anerkennung aus, so wĂ€hnte Wagner sich nicht selten als Opfer angeblicher jĂŒdischer Gegnerschaft. Die missgĂŒnstige GeringschĂ€tzung und Diffamierung von jĂŒdischen Komponisten wie Giacomo Meyerbeer und Felix Mendelssohn Bartholdy versuchte er mit Schriften wie Das Judentum in der Musik und dem darauf aufbauenden Brief an GrĂ€fin Muchanow in eine allgemeinere Theorie zu bringen; wie Kritiker anfĂŒhren, um diese persönliche Motivation zu ĂŒberdecken. In diesem Zusammenhang wird auch der musikalische Einfluss Mendelssohns auf Wagner diskutiert. So waren einige FrĂŒhwerke Wagners, wie etwa die Columbus-OuvertĂŒre, teilweise von Kompositionen Mendelssohns angeregt worden. Trotz persönlicher Vorbehalte rĂŒhmte Wagner Mendelssohns Musik; dessen Hebriden-OuvertĂŒre bezeichnete er 1879 in den Bayreuther BlĂ€ttern als „eines der schönsten Musikwerke, die wir besitzen“.

Wagners Einsatz fĂŒr den Tierschutz am Ende seines Lebens hatte auch antisemitische AnklĂ€nge. Angelehnt an Schopenhauer hielt er SchĂ€chtung und Vivisektion fĂŒr zwei Seiten einer Medaille und Ausdruck einer „JĂŒdischen Medizin“.[13] Wagner unterstĂŒtzte unter anderem in einem offenen Brief[14] Anliegen der Tierschutzbewegung im Kaiserreich. Wagner betonte, die Menschheit könne durch Verzicht auf Fleischgenuss zu einem höheren moralischen Dasein gelangen, wurde selbst aber nicht Vegetarier.

Wagners Schriften und Äußerungen ĂŒber und gegen Juden umfassen ein weites Spektrum. Dieses reicht von niedersten, affektiven Tiraden ĂŒber die angesprochenen Theorien bis hin zu fast versöhnlichen Tönen und – wie einige Historiker und Musikkritiker meinen – zu einer Identifizierung mit der Außenseiterrolle der Juden als jemand, der sich selbst oft als Außenseiter empfand.

Wagner pflegte Freundschaften zu jĂŒdischen Landsleuten wie seinem Helfer Carl Tausig, Joseph Rubinstein, Angelo Neumann und der berĂŒhmten SĂ€ngerin Lilli Lehmann. Bemerkenswert ist, dass er am Ende seines Lebens die Parsifal-UrauffĂŒhrung Hermann Levi anvertraute, der ebenfalls zu seinem jĂŒdischen Freundeskreis zĂ€hlte und Sohn eines Rabbiners war. Ob das ein Widerspruch zu seinen antisemitischen Äußerungen ist und inwieweit diese dadurch relativiert werden, ist Gegenstand der Debatte. Der Musikkritiker Joachim Kaiser hat verschiedentlich darauf hingewiesen, dass sich antisemitische Äußerungen in dem, was Wagner wirklich wichtig war, nĂ€mlich seinen musikdramatischen Werken, nicht nachweisen lassen, wenngleich – etwa von Saul FriedlĂ€nder und Theodor W. Adorno – die Auffassung vertreten wurde, einige Figuren wie Mime und Alberich aus dem Ring zeigten ZĂŒge von Judenkarikaturen.

Ein Kongress mit dem Ziel einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des Themas Wagner und die Juden fand erstmalig im Festspielsommer 1998 in Bayreuth unter Beteiligung von Wissenschaftlern aus Deutschland, Israel und den USA statt, die BeitrĂ€ge und z. T. sehr kontroversen Diskussionen wurden unter der Herausgeberschaft von Dieter Borchmeyer u. a. publiziert.[15]

Wagner und Hitler

Die tradierte Wagner-Rezeption beschwichtigt, Wagners journalistischer Antisemitismus wĂ€re eine Randnotiz geblieben, hĂ€tte ihn nicht das nationalsozialistische Regime unter Adolf Hitler vereinnahmt. Es hatte ihn zum deutschen Komponisten par excellence stilisiert und in seinem Niedergang Wagners Musiktheater fĂŒr einen mortalen Endzeit-Kult missbraucht.

WĂ€hrend seiner Wiener Zeit ging Hitler regelmĂ€ĂŸig in die Oper und beschĂ€ftigte sich intensiv mit Wagner. Als Vorbild eigener Lebensvisionen war Wagner fĂŒr ihn ein vergöttertes Idol.[16] Wie Joachim Fest beschreibt, machte die eingebildete Nachfolge die „VerfĂŒhrung durch den romantischen Geniebegriff deutlich“, welcher in Wagner seine ErfĂŒllung und Entgleisung gefunden habe. Die eskapistischen TrĂ€ume des scheiternden, im MĂ€nnerheim lebenden KĂŒnstlers Hitler entzĂŒndeten sich am Genie Wagners. Hitler erklĂ€rte spĂ€ter, mit Ausnahme Wagners keine VorlĂ€ufer gehabt zu haben und bezeichnete Wagner als „grĂ¶ĂŸte Prophetengestalt, die das deutsche Volk besessen“ habe.[17]

Original-Broschur 1869

In seiner BroschĂŒre Das Judenthum in der Musik (1869) schreibt Richard Wagner ohne notwendigen Bezug auf die musiktheoretische Polemik vom „natĂŒrlichen Widerwillen gegen jĂŒdisches Wesen“ und: „Der Jude ist nach dem gegenwĂ€rtigen Stande der Dinge dieser Welt wirklich bereits mehr als emanzipiert: er herrscht, und wird solange herrschen, als das Geld die Macht bleibt, vor welcher alles unser Thun und Treiben seine Kraft verliert“. An die Juden gerichtet schließt er mit den Worten: „Aber bedenkt, dass nur Eines eure Erlösung von dem auf euch lastenden Fluche sein kann: die Erlösung Ahasvers, - der U n t e r g a n g !“ (so gesperrt im Original).

Richard Wagner hatte diesen Text bereits 1850 in der Neuen Zeitschrift fĂŒr Musik unter dem Pseudonym „K. Freigedank“ publiziert. 1869 tritt er damit wieder an die Öffentlichkeit, diesmal unter eigenem Namen und mit einem Anhang (S. 31–57), der den ursprĂŒnglichen Aufsatz an Judenhass und Demagogie ĂŒbertrifft. In ihm heißt es gegen Ende in tĂŒckischer Resignation, doch gleichwohl appellativ: „Ob der Verfall unserer Cultur durch eine gewaltsame Auswerfung des zersetzenden fremden Elementes aufgehalten werden könne, vermag ich nicht zu beurtheilen, weil hierzu KrĂ€fte gehören mĂŒssten, deren Vorhandensein mir unbekannt ist.“ Es ist unwahrscheinlich, dass Hitler diese Schrift nicht gekannt hat. Jedenfalls hat sich der gescheiterte KĂŒnstler Hitler, dem MassenerschĂŒtterer und Großmeister des Musiktheaters verfallen,[18] zum Vollstrecker seines Propheten gemacht.[19]

Das auf die Juden gemĂŒnzte Begriffspaar „DĂ€mon“ und „Verfall“ taucht zuerst bei Wagner auf.[20] Es wird von Alfred Rosenberg in einer antisemitischen Schrift von 1923 aufgegriffen: „Als eines der Vorzeichen dieses kommenden Kampfes [
] steht die Erkenntnis des Wesens des DĂ€mons unseres heutigen Verfalls [
]“[21] und taucht sinngemĂ€ĂŸ bei Hitler wieder auf. Der DĂ€mon wird zum „Polypen“, einem hĂ€ufigen Karikatur-Motiv gegen Juden. Verfall gerĂ€t zu „Umstrickung“: „Werden unser Volk [
] das Opfer dieser blut- und geldgierigen jĂŒdischen Völkertyrannen, so sinkt die ganze Erde in die Umstrickung dieses Polypen [
]“[22]

Hitlers Lieblingsopern waren Rienzi, der letzte der Tribunen, GötterdÀmmerung und Parsifal.

Hitler lernte im Jahre 1923 Cosima und Winifred Wagner in Bayreuth kennen und nahm spĂ€ter als „FĂŒhrer“ per VerfĂŒgung Einfluss auf die Festspiele hinsichtlich des Programms und der Regie, z. B. bei Parsifal. Als ehemaliger Postkartenmaler Ideen zum BĂŒhnenbild eines der höchstrangigen Musikfestivals in Deutschland beizusteuern, verschaffte Hitler persönliche Genugtuung und das GefĂŒhl der Anerkennung beim deutschen BĂŒrgertum.

Das Thema Wagner und Hitler wird seit Jahrzehnten publizistisch behandelt, beispielsweise von Hartmut Zelinsky und Joachim Köhler. Köhler versucht in seinem Buch Wagners Hitler, den Einfluss der wagnerschen Gedankenwelt auf Hitler und dessen Handeln nachzuweisen. Auch Thomas Mann beschĂ€ftigte sich immer wieder mit der Thematik: „Es ist viel Hitler in Wagner.“[23]

In Israel ist Wagner immer noch heftig umstritten. Die öffentliche AuffĂŒhrung von Wagners Werken ist praktisch nicht möglich. So fĂŒhrte die von Daniel Barenboim dirigierte AuffĂŒhrung des Vorspiels zu Tristan und Isolde im Juli 2001 zu einem Eklat,[24] einer Kritik des Wiesenthal-Zentrums und des damaligen Jerusalemer BĂŒrgermeisters Ehud Olmert. Andere Wagner-AuffĂŒhrungen waren bereits vorher durch Proteste von Holocaust-Überlebenden verhindert worden. Am 14. November 2010 wurde die erste Wagner-Gesellschaft in Israel gegrĂŒndet.[25] In der Wagner-Festspielstadt Bayreuth spielte das Israel Chamber Orchestra im Juli 2011 das Siegfried-Idyll. Der Tabu-Bruch, dass ein israelisches Orchester seine Musik spielt, bewirkte geteilte Reaktionen.[26]

Siehe auch

Werke

Die Köpfe Richard Wagners am Dalí-Brunnen im Garten des Castell Pubol
Wagners Grab in Bayreuth: „Die Welt hat zu wissen, wer hier liegt“ R.W.

Musikdramatische Werke

Nur die folgenden zehn Werke wĂ€hlte Wagner fĂŒr AuffĂŒhrungen im Festspielhaus auf dem GrĂŒnen HĂŒgel in Bayreuth aus:

  • Der Fliegende HollĂ€nder WWV 63 (1840–1841, UA: 2. Januar 1843 Königlich SĂ€chsisches Hoftheater Dresden. Überarbeitet 1852 (ZĂŒrich) und 1864 (MĂŒnchen))
  • TannhĂ€user und der SĂ€ngerkrieg auf Wartburg WWV 70 (1842–1845, UA: 19. Oktober 1845 Königlich SĂ€chsisches Hoftheater Dresden. Überarbeitet 1847, 1860 (Erstdruck der Partitur, sog. „Dresdener Fassung“), 1861 (Paris, in frz. Sprache), 1875 (Wien, sog. „Pariser Fassung“))
  • Lohengrin WWV 75 (1845–1848, UA: 28. August 1850, Großherzogliches Hoftheater Weimar.)
  • Der Ring des Nibelungen (betont: Nibelungen) WWV 86, mit vier Teilen:
    • Vorabend: Das Rheingold (1851–1854, UA: 22. September 1869 Königliches Hof- und Nationaltheater MĂŒnchen)
    • Erster Tag: Die WalkĂŒre (betont: WalkĂŒre) (1851–1856, UA: 26. Juni 1870 Königliches Hof- und Nationaltheater MĂŒnchen)
    • Zweiter Tag: Siegfried (1851–1871, UA: 16. August 1876 Festspielhaus Bayreuth)
    • Dritter Tag: GötterdĂ€mmerung (1848–1874, UA: 17. August 1876 Festspielhaus Bayreuth)
  • Tristan und Isolde WWV 90 (1856–1859, UA: 10. Juni 1865 Königliches Hof- und Nationaltheater MĂŒnchen)
  • Die Meistersinger von NĂŒrnberg WWV 96 (1845–1867, UA: 21. Juni 1868 Königliches Hof- und Nationaltheater MĂŒnchen)
  • Parsifal WWV 111 (1865–1882, UA: 26. Juli 1882 Festspielhaus Bayreuth) – „BĂŒhnenweihfestspiel“

Sonstige Musikwerke

  • Symphonie C-Dur
  • Symphonie E-Dur (unvollendet, es existieren nur 2 SĂ€tze)
  • Das Liebesmahl der Apostel, eine biblische Szene fĂŒr MĂ€nnerstimmen und großes Orchester (1843)
  • Fantasie fĂŒr Klavier in fis-Moll (1831)
  • 3 Klaviersonaten
    • Klaviersonate in B-Dur (1831)
    • Klaviersonate in A-Dur (1832)
    • Klaviersonate in As-Dur (1853)
  • ZĂŒricher Vielliebchen-Walzer fĂŒr Klavier in Es-Dur (1854)
  • Wesendonck-Lieder
  • Siegfried-Idyll fĂŒr kleines Orchester (1870)
  • König Enzio-OuvertĂŒre (1832)
  • Columbus-OuvertĂŒre (1835)
  • Polonia, C-Dur (1836)
  • Rule Britannica, D-Dur (1837)
  • Eine Faust-OuvertĂŒre, d-Moll (1844)
  • Huldigungsmarsch fĂŒr Ludwig II. von Bayern, Es-Dur (1864)
  • Kaisermarsch, B-Dur (1871)
  • Großer Festmarsch, G-Dur (1876)
  • Ankunft bei den schwarzen SchwĂ€nen – Albumblatt in As-Dur fĂŒr Klavier (1861)
  • Albumblatt fĂŒr Frau Betty Schott fĂŒr Klavier (1875)

Insgesamt sind nach dem Wagner-Werkverzeichnis (WWV) einschließlich aller Gelegenheitskompositionen und WidmungsblĂ€tter, jedoch ohne die Schriften Wagners, 113 Werke verzeichnet.

Schriften

Wagner hat neben den InhaltsentwĂŒrfen, Textfassungen und Analysen seiner Musikdramen zahlreiche musiktheoretische, philosophische, politische und belletristische Schriften verfasst und sie mit seinen Musikdramen ab 1871 in seiner Sammlung SĂ€mtliche Schriften und Dichtungen herausgegeben, die – einschließlich der Autobiografie Mein Leben – 16 BĂ€nde umfasst. Wagner war schriftstellerisch produktiver als die meisten anderen Komponisten. Zudem hat er tausende Briefe geschrieben. Die meisten seiner Schriften sind stilistisch verunglĂŒckt und zeichnen sich nicht durch stringente GedankenfĂŒhrung aus. Neben trocken deduzierendem Stil und Kanzleiprosa finden sich hymnische Episoden und Gedankenblitze[27]. Gregor-Dellin urteilt in seiner Wagner-Biographie, die Schriften seien mit „Reisszwecken gespickt, ein unverdaulicher Brei, Kanzeleiprosa“, und Ludwig Reiners griff fĂŒr Beispiele schlechter Prosa immer wieder auf Texte Wagners zurĂŒck. FĂŒr den ebenso kritischen wie begeisterten Verehrer Thomas Mann enthalten die Schriften „sehr Wahres und Falsches ineinander geschlungen“ und „höchste Sachkunde neben peinlicher Mitrederei“. Man könne aus Wagners Schriften nicht viel ĂŒber den Verfasser lernen. „Wagners siegreiches Werk beweist nicht seine Theorie, sondern nur sich selbst.“

Wie auch immer man die Schriften beurteilt, so können sie doch als NÀhrboden betrachtet werden, aus dem seine musikdramatischen Werke hervorgegangen sind. Zugleich machen sie deren geistigen Hintergrund verstÀndlich.

Titelblatt des Erstdruckes

Als seine wichtigsten Schriften gelten:

  • Eine Pilgerfahrt zu Beethoven (1840)
  • Zu Beethovens Neunter Symphonie (1846)
  • Der Nibelungen-Mythos als Entwurf zu einem Drama (1848)
  • Die Wibelungen. Weltgeschichte aus der Sage (1849)
  • Die Revolution (1849) – die erste von mehreren Kunst-Revolutions-Schriften
  • Der Mensch und die bestehende Gesellschaft (1849)
  • Die Kunst und die Revolution (1849)
  • Das Kunstwerk der Zukunft (1850)
  • Kunst und Klima (1850)
  • Das Judenthum in der Musik (1850, erheblich erweitert 1869)
  • Oper und Drama (1851) – ein Essay ĂŒber die Theorie der Oper
  • Eine Mitteilung an meine Freunde (1851) Vorstufe zu Wagners Autobiographie
  • Über Staat und Religion (1864) Eine theoretische Abhandlung fĂŒr König Ludwig II.
  • Deutsche Kunst und Deutsche Politik (1868)
  • Über das Dirigieren (1869)
  • Beethoven (1870)
  • Das BĂŒhnenfestspielhaus zu Bayreuth (1873)
  • Was ist deutsch? (1878) und: Wollen wir hoffen? (1879)
  • Religion und Kunst (1880) plus Nachtrag: Was nĂŒtzt diese Erkenntnis?
  • Das BĂŒhnenweihfestspiel in Bayreuth (1882)

Wagners Autobiografie Mein Leben, die zu seinen Lebzeiten nur im Privatdruck in etwa 25 Exemplaren fĂŒr enge Freunde erschien, gilt als kulturhistorisches Dokument des 19. Jahrhunderts, ebenso wie die Tagebuchaufzeichnungen Cosima Wagners, die sie von 1869 bis zum Tod ihres Gatten fĂŒhrte. Darin ist viel Privates, „NebensĂ€chliches“ mitgeteilt, aber auch zahlreiche AussprĂŒche und GesprĂ€che Wagners bis hin zu seinen TrĂ€umen.

Literatur

Über Richard Wagner

  • Francis Hueffer: Richard Wagner and the music of the future : history and aesthetics, Cambridge, NY [u.a.] : Cambridge University Press, 2009, Facsim. of ed. published: London : Chapman and Hall, 1874, ISBN 978-1-108-00474-9
  • Carl Friedrich Glasenapp: Das Leben Richard Wagners. Sechs BĂ€nde. Leipzig 1876–1911
  • Briefe Richard Wagners an eine Putzmacherin (1864-68). Kommentiert von Daniel Spitzer (1877)
  • Wendelin Weißheimer: Erlebnisse mit Richard Wagner, Franz Liszt und vielen anderen Zeitgenossen. 3. Auflage, Stuttgart 1898
  • Ferdinand Pfohl: Richard Wagner, Sein Leben und Schaffen. Ullstein Berlin-Wien 1911
  • Jacques Hartog: Richard Wagner. Meulenhoff Leipzig 1913
  • Paul Bekker: Wagner: das Leben im Werke. Deutsche Verlags-Anstalt 1924
  • Ludwig Marcuse: Das denkwĂŒrdige Leben des Richard Wagner. Szczesny MĂŒnchen 1963
  • Hans GĂĄl: "Richard Wagner. Versuch einer WĂŒrdigung", Frankfurt a.M.: Fischer, 1963. und "Drei Meister - drei Welten. Brahms, Wagner, Verdi", Fischer Frankfurt a.M. 1975
  • Joachim Köhler: Wagners Hitler. Der Prophet und sein Vollstrecker. Blessing MĂŒnchen 1977, ISBN 3-89667-016-6
  • Cosima Wagner: Die TagebĂŒcher. Piper MĂŒnchen 1977, ISBN 3-492-02199-9
  • Heinz-Klaus Metzger, Rainer Riehn (Hrsg.): Richard Wagner. Wie antisemitisch darf ein KĂŒnstler sein? Reihe Musik-Konzepte. Heft 5. Edition Text und Kritik, MĂŒnchen 1978, ISBN 3-921402-67-0
  • Martin Gregor-Dellin: Richard Wagner – Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert. Piper MĂŒnchen 1980, ISBN 3-492-02527-7
  • Hans-Joachim Bauer: Reclams MusikfĂŒhrer Richard Wagner. Reclam, Stuttgart 1992, ISBN 3-15-010374-6
  • Karl Richter: Richard Wagner. Visionen. Arun Vilsbiburg 1993, ISBN 3-927940-05-4
  • Dieter David Scholz: Ein deutsches MißverstĂ€ndnis. Richard Wagner zwischen Barrikade und Walhalla. Parthas Berlin 1997, ISBN 3-932529-13-8
  • Werner Breig, Martin DĂŒrrer, Andreas Mielke: Wagner-Briefe-Verzeichnis. (WBV). Breitkopf & HĂ€rtel, Wiesbaden 1998, ISBN 3-7651-0330-6
  • Hannu Salmi: Imagined Germany. Richard Wagner’s National Utopia. German Life and Civilization, Vol. 29. Lang New York 1999
  • Joachim Köhler: Der letzte der Titanen. Richard Wagners Leben und Werk. Claassen, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-546-00273-3
  • Eckehard Kiem, Ludwig Holtmeier (Hrsg.): Richard Wagner und seine Zeit. Laaber 2003, ISBN 3-921518-95-4
  • Oswald Georg Bauer: Richard Wagner in WĂŒrzburg : der Beginn einer theatralischen Sendung." Petersberg, Imhof, 2004 ISBN 3-937251-78-2
  • Udo Bermbach: Der Wahn des Gesamtkunstwerks. Richard Wagners politisch-Ă€sthetische Utopie, Stuttgart/Weimar 2004
  • Martin Geck: Richard Wagner. Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-499-50661-0
  • Brigitte Hamann: Die Familie Wagner. Rowohlt Reinbek 2005, ISBN 3-499-50658-0
  • Hannu Salmi: Wagner and Wagnerism in Nineteenth-Century Sweden, Finland, and the Baltic Provinces: Reception, Enthusiasm, Cult. Eastman Studies in Music. University of Rochester Press, Rochester NY 2005
  • Friedrich von Hausegger: Richard Wagner – Aus dem Geiste der Musik geboren. Hörbuch. BOD, Norderstedt 2006, ISBN 3-8341-0174-5
  • Constantin Grun: Arnold Schönberg und Richard Wagner. 2 BĂ€nde. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, Band 1: ISBN 3-89971-266-8, Band 2: ISBN 3-89971-267-6
  • Elsa Binder: Malwida von Meysenbug und Friedrich Nietzsche. Die Entwicklung ihrer Freundschaft mit besonderer BerĂŒcksichtigung ihres VerhĂ€ltnisses zur Stellung der Frau. Fischer, Schutterwald/Baden 2007, ISBN 978-3-928640-77-0. (Malwida von Meysenbug war eine enge Freundin Wagners und erlebte seinen Bruch mit Nietzsche]
  • Walter Hansen: Richard Wagner. Sein Leben in Bildern. dtv MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-423-34457-9
  • Alexander Schmidt: Braune BrĂŒder im Geiste? Volk und Rasse bei Wagner und Hitler – Ein kritischer Schrift-Vergleich. Tectum Marburg 2007, ISBN 978-3-8288-9252-1
  • Sven Friedrich: Der Klassik(ver)fĂŒhrer: Sonderband Richard Wagner. Auricula Berlin 2007, ISBN 978-3-936196-08-5
  • Stefan Lorenz Sorgner, H. James Birx, Nikolaus Knoepffler (Hrsg.): Wagner und Nietzsche: Kultur – Werk – Wirkung. Ein Handbuch. Rowohlt Reinbek 2008, ISBN 978-3-499-55691-3
  • Richard-Wagner-Verband-Leipzig e.V. (Hrsg.): Leipziger BeitrĂ€ge zur Wagner-Forschung 2. Internationales Kolloquium 1983 in Leipzig. Richard Wagner – Leben, Werk und Interpretation. Sax-Verlag Markkleeberg 2010, ISBN 978-3-86729-046-3
  • Jeongwon Joe/Sander L. Gilman (Hrsg.): Wagner & Cinema, Indiana University Press, Bloomington 2010 ISBN 978-0-253-22163-6
  • Peter Wapnewski: Richard Wagner - die Szene und ihr Meister, Berlin-Verlag Berlin, 2010, ISBN 978-3-8270-0414-7
  • RĂŒdiger Jacobs: Revolutionsidee und Staatskritik in Richard Wagners Schriften: Perspektiven metapolitischen Denkens, Königshausen & Neumann 2010, ISBN 978-3826042805
  • Oliver Hilmes: Cosimas Kinder. Triumph und Tragödie der Wagner-Dynastie. Siedler Verlag, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-88680-899-1.
  • Oliver Hilmes: Herrin des HĂŒgels. Das Leben der Cosima Wagner. Siedler Verlag, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-88680-836-6.
  • Wolfgang Hofer (Hrsg.): Hans Mayer. Richard Wagner. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1998.

Über Wagners Werke

  • David Boakye-Ansah: Musikdramatische Konstruktionen von Religion in Richard Wagners Ring-Tetralogie. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8300-4895-4.
  • Dieter Borchmeyer, Ami Maayani, Susanne Vill (Hrsg.): Richard Wagner und die Juden, J.B. ’Metzler, Stuttgart, Weimar 2000, ISBN 3-476-01754-0
  • Lothar Bornscheuer: Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen. Ein Meisterwerk des Anarchismus. (PDF-Datei) Rezeption des Nibelungenstoffs, GoethezeitPortal.de, 2005
  • Udo Bermbach: BlĂŒhendes Leid. Politik und Gesellschaft in Richard Wagners Musikdramen, Stuttgart/Weimar 2003
  • John Deathridge, Martin Geck, Egon Voss (Hrsg.): Wagner Werkverzeichnis (WWV), Schott, Mainz 1986 ISBN 3-7957-2201-2
  • Jens Malte Fischer: Richard Wagners ‚Das Judentum in der Musik‘, Eine kritische Dokumentation als Beitrag zur Geschichte des europĂ€ischen Antisemitismus. Insel, Frankfurt/Main 2000, ISBN 3-458-34317-2
  • Sven Friedrich: Richard Wagner, Deutung und Wirkung, WĂŒrzburg 2004, ISBN 3-8260-2851-1
  • Sven Friedrich: Der Klassik(ver)fĂŒhrer: Sonderband Wagners Ring-Motive, Auricula, Berlin 2004, ISBN 3-936196-02-8
  • Sven Friedrich (Hrsg): Richard Wagner; Werke, Schriften und Briefe, Digitale Bibliothek, Berlin 2004.
  • Markus Kiesel (Hrsg.), Das Richard Wagner Festspielhaus Bayreuth, nettpress Köln 2007, ISBN 978-3-00-020809-6
  • Richard Klein (Hrsg.), Narben des Gesamtkunstwerks. Wagners Ring des Nibelungen, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-7705-3565-0
  • Josef Lehmkuhl: „Kennst du genau den RING?“ Eine Reise zu Richard Wagners Der Ring des Nibelungen, WĂŒrzburg 2006, ISBN 3-8260-3347-7
  • Josef Lehmkuhl: Gott und Gral Eine Exkursion mit Parsifal und Richard Wagner, WĂŒrzburg 2007, ISBN 3-8260-3690-5
  • Josef Lehmkuhl: Der Kunst-Messias; Richard Wagners VermĂ€chtnis in seinen Schriften, WĂŒrzburg 2009, ISBN 978-3-8260-4113-6.
  • Rolf Stemmle: Richard Wagners BĂŒhnenwerke erzĂ€hlt: 1. HollĂ€nder – TannhĂ€user – Lohengrin, WĂŒrzburg 2007, ISBN 978-3-8260-3686-6; 2. Der Ring des Nibelungen, ISBN 978-3-8260-3134-2, WĂŒrzburg 2005; 3. Tristan – Meistersinger – Parsifal, WĂŒrzburg 2006, ISBN 978-3-8260-3372-8; 4. Feen, Liebesverbot, Rienzi, ISBN 978-3-8260-4080-1
  • Marc A. Weiner: Antisemitische Fantasien. Die Musikdramen Richard Wagners, Henschel, Berlin 2000, ISBN 3-89487-358-2 (Übers. von Henning Thies), Originaltitel: Richard Wagner and the Anti-Semitic Imagination, University of Nebraska Press, Lincoln/London 1995, ISBN 0-8032-4775-3
  • Peter Ackermann: Richard Wagners "Ring des Nibelungen" und die Dialektik der AufklĂ€rung. Tutzing1981, ISBN 978-3-7952-0310-8.
  • Udo Bermbach: Richard Wagner in Deutschland. Rezeption - VerfĂ€lschungen, Stuttgart/Weimar 2011

Über Wagner-AuffĂŒhrungen

  • Adolphe Appia: La mise en scĂšne du Drame Wagnerien. Paris 1895
  • Adolphe Appia: Die Musik und die Inszenierung. 1899
  • Adolphe Appia: Über das Bayreuther Festspielhaus. 1902. In: Herbert Barth (Hrsg.): Der FestspielhĂŒgel. Richard Wagners Werk in Bayreuth 1876–1976. MĂŒnchen 1976, S. 99–103
  • Rolf Badenhausen, Harald Zielske (Hrsg.): BĂŒhnenformen BĂŒhnenrĂ€ume BĂŒhnendekorationen. BeitrĂ€ge zur Entwicklung des Spielorts. Berlin 1974.
  • Herbert Barth (Hrsg.): Der FestspielhĂŒgel. Richard Wagners Werk in Bayreuth 1876–1976. MĂŒnchen 1976.
  • Detta und Michael Petzet: Die Richard Wagner-BĂŒhne Ludwig II. MĂŒnchen 1970.
  • GĂŒnther Schöne: Das BĂŒhnenbild im 19. Jahrhundert. In: Katalog des Theatermuseums MĂŒnchen. MĂŒnchen 1959, S. 5–20.
  • Siegmund Skraup: 1924–1944. Die Sprache Bayreuths und die Sprache der Zeit. In: Theater unserer Zeit, Band 2: Der Fall Bayreuth. Basel/Stuttgart 1962.
  • Dietrich Steinbeck: Richard Wagners TannhĂ€user-Szenarium. Das Vorbild der ErstauffĂŒhrungen und der DekorationsplĂ€ne. Berlin 1968 = Schriften der Gesellschaft fĂŒr Theatergeschichte, Band 64, S. 6–12.
  • Dietrich Steinbeck: Inszenierungsformen des „TannhĂ€user“ (1845–1904). Regensburg 1964 = ForschungsbeitrĂ€ge zur Musikwissenschaft (Hrsg. v. Gustav-Bosse-Verlag), Band XIV, S. 70–73, 103–107, 111–112.
  • Richard Wagner: Schriften und Dichtungen. Neun BĂ€nde, Leipzig 1872. Band 3: Das Kunstwerk der Zukunft (S. 147–148, 152–153). Band 5: Über die AuffĂŒhrung des „TannhĂ€user“, S. 164–165. Bemerkungen zur AuffĂŒhrung der Oper „Der Fliegende HollĂ€nder“. S. 207–208.
  • Wieland Wagner (Hrsg.): Richard Wagner und das Neue Bayreuth. MĂŒnchen 1962
  • Curt von Westernhagen: Das BĂŒhnenbild. Vision – Vorschrift – Verwirklichung. In: Richard Wagner und das Neue Bayreuth. Hrsg. v. Wieland Wagner, MĂŒnchen 1962, S. 183–206.

Weblinks

 Commons: Richard Wagner â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikisource: Richard Wagner â€“ Quellen und Volltexte
 Wikiquote: Richard Wagner â€“ Zitate
Literatur ĂŒber Richard Wagner in der Bibliographie des Musikschrifttums
Noten und Hörbeispiele

Einzelnachweise

  1. ↑ Kirchliches Archiv Leipzig (KAL): Taufbuch Thomas 1811-1817, S. 156
  2. ↑ Dieter David Scholz, Ein deutsches MissverstĂ€ndnis. Richard Wagner zwischen Barrikade und Walhalla", Parthas Verlag 1997, S. 22
  3. ↑ siehe die Fotografie von Albert Wagner in Dieter David Scholz, "Ein deutsches MissverstĂ€ndnis. Richard Wagner zwischen Barrikade und Walhalla", Parthas Verlag 1997, S. 12
  4. ↑ Burkhard Zemlin: StadtfĂŒhrer Lutherstadt Eisleben. Bindlach 1996, ISBN 3-8112-0833-0 und Autobiografie Mein Leben
  5. ↑ Horst Grimm, Leo Besser-Walzel: Die Corporationen. Frankfurt am Main, 1986; Richard Wagner, Gregor-Dellin (Hrsg.): Mein Leben. MĂŒnchen 1983, S. 51 ff. Dazu auch Huss: Richard Wagner als Corpsstudent. In: Studenten-Kurier 4/2006, S. 16, mit Klarstellung von Weiß: Richard Wagners mißglĂŒckte Contrahagen. In: Studenten-Kurier 1/2007, S. 3, 4
  6. ↑ zit. nach Martin Gregor-Dellin: Richard Wagner. Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert. Ein KĂŒnstler erwacht im VormĂ€rz.
  7. ↑ Briefwechsel König Ludwig und Richard Wagner.
  8. ↑ Diether de la Motte: Harmonielehre. BĂ€renreiter, Kassel 1985, S. 212.
  9. ↑ Martin Vogel: Der Tristan-Akkord und die Krise der modernen Harmonielehre. DĂŒsseldorf 1962
  10. ↑ Friedrich Nietzsche: Der Fall Wagner. Abschnitt 4
  11. ↑ zit. nach Thomas Mann: Achtung Europa`. Band 4, Hrsg. Hermann Kurzke, Frankfurt am Main, 1995 S. 342
  12. ↑ Klaus Schröter: Thomas Mann im Urteil seiner Zeit. Abgerufen am 26. November 2008.
  13. ↑ A. Arluke, B. Sax: Understanding Nazi Animal Protection and the Holocaust. Anthrozoös, 1992 H. 5, S. 6-31.
  14. ↑ Offenes Schreiben an Herrn Ernst von Weber Verfasser der Schrift Die Folterkammern der Wissenschaft, 1879, R. Wagner, Gesammelte Werke, Leipzig 1888
  15. ↑ Kongress Richard Wagner und die Juden, Kurzfassungen der BeitrĂ€ge
  16. ↑ Joachim Fest: Hitler. Eine Biographie. Ullstein, Berlin Neuausgabe 2002, Lizenzausgabe des Spiegel-Verlags, Hamburg 2007, S. 94
  17. ↑ zit. nach Joachim Fest: Hitler. Eine Biographie S. 96.
  18. ↑ So hat Thomas Mann Richard Wagner bezeichnet.
  19. ↑ Joachim Köhler: Wagners Hitler. Der Prophet und sein Vollstrecker. K. Blessing, MĂŒnchen 1997.
  20. ↑ Erkenne dich selbst 1881
  21. ↑ Die Protokolle der Weisen von Zion und die jĂŒdische Weltpolitik. Böpple, MĂŒnchen 1923, Ausgabe 1933 auf S. 133
  22. ↑ Mein Kampf. 721. Aufl. 1942, S. 703
  23. ↑ Hans Rudolf Vaget: Im Schatten Wagners; Thomas Mann ĂŒber R.Wagner, Texte und Zeugnisse.
  24. ↑ http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,144085,00.html
  25. ↑ Erste Wagner-Gesellschaft in Israel gegrĂŒndet, derStandard.at, 17. November 2010
  26. ↑ Geteiltes Echo in Israel auf Wagner-Konzert, naumburger-tageblatt.de, faz.net
  27. ↑ Kindlers Neues Literaturlexikon, Richard Wagner, Das Kunstwerk der Zukunft, MĂŒnchen 1992

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  • Richard Wagner — Amor El que ama cumple con su deber. Tiempo Es la mĂĄs estĂ©ril y peligrosa utopĂ­a querer vivir del pasado 
   Diccionario de citas

  • Richard Wagner — n. (1813 1883) 19th century German composer 
   English contemporary dictionary

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