Robert Gascoyne-Cecil, 3. Marquess of Salisbury


Robert Gascoyne-Cecil, 3. Marquess of Salisbury
Lord Robert Cecil

Robert Arthur Talbot Gascoyne-Cecil, 3. Marquess of Salisbury (* 3. Februar 1830 in Hatfield, Hertfordshire; † 22. August 1903 ebenda), auch bekannt als Lord Robert Cecil (vor 1865) und Viscount Cranborne (1865–1868), war ein britischer Staatsmann und Premierminister.

Leben und Wirken

Cecil war der zweite Sohn des 2. Marquess of Salisbury. Nach einer unglücklichen Kindheit mit Schulausbildung am Eton College und dem Studium am Christ Church College, Universität Oxford, wurde er 1853 als konservativer Abgeordneter ins britische Parlament, das Unterhaus, gewählt.

1857 heiratete Cecil Georgina Alderson. Sein Vater versuchte die Heirat seines Sohnes zu verhindern, da die Braut nach seiner Auffassung aufgrund ihres geringeren gesellschaftlichen Rangs "unstandesgemäß" war. Das Eheleben selbst verlief dennoch glücklich und brachte fünf Söhne, darunter den Politiker Hugh Cecil, und zwei Töchter hervor. 1866 trat Cecil, der nun den Höflichkeitstitel Viscount Cranborne führte (wegen des Todes seines älteren Bruders), als Indienminister in die dritte Regierung von Lord Derby ein. Aber schon sieben Monate später schied er wegen der Ablehnung der von ihm als zu demokratisch bewerteten Reform Bill wieder aus dem Kabinett aus.

1868 wurde er als Nachfolger seines verstorbenen Vaters Marquess of Salisbury und somit Mitglied des Oberhauses. 1870 erfolgte die Ernennung zum Kanzler der Universität Oxford.

1874 kehrte er als Indienminister in die Regierung von Benjamin Disraeli zurück. Salisbury entwickelte allmählich ein gutes Verhältnis zu Disraeli, den er anfangs nicht mochte und dem er ursprünglich misstraute, zumindest teilweise wegen Disrealis jüdischer Herkunft. Auf der von Großbritannien einberufenen Konferenz von Konstantinopel (Dezember 1876 bis Januar 1877), auf der unter anderem die Zukunft des Balkan diskutiert wurde, leitete Salisbury die britische Delegation. Dort gelang es ihm, das Osmanische Reich vorerst zu erhalten, die russischen Expansionsbestrebungen auf dem Balkan und in Kleinasien zu bremsen und Zypern für Großbritannien zu gewinnen. 1878 folgte Salisbury Lord Derby (Sohn des früheren Premierministers) als Außenminister nach. Für seine Verdienste beim Berliner Kongress erhielt er den Hosenbandorden.

Nach Disraelis Tod 1881 begann eine turbulente Zeit für die Konservativen. Salisbury wurde Vorsitzender der Konservativen im Oberhaus und kämpfte mit dem konservativen Vorsitzenden des Unterhauses, Sir Stafford Northcote, um die Vorherrschaft. Salisbury ging schließlich als Sieger hervor und wurde von 1885 bis 1886 Premierminister einer Minderheitsregierung. Die Spaltung der Liberalen über die Frage der irischen Selbstregierung bescherte ihm allerdings 1886 eine parlamentarische Mehrheit, und mit einer Unterbrechung (1892–1895) bildete er von 1886 bis 1902 die Regierung. Ab 1895 war er Lord Warden of the Cinque Ports.

Salisbury war während des Großteils seiner Amtszeiten als Premierminister auch sein eigener Außenminister. Er verfolgte eine Politik der splendid isolation und des Imperialismus, speziell in Afrika, wo die Faschoda-Krise und der Burenkrieg in seine Amtszeit fielen. Vor allem in Ost- und Südafrika dehnte er das britische Kolonialreich aus. Innenpolitisch lehnte er die Selbstverwaltung Irlands ab, wurde sonst aber kaum aktiv.

Am 11. Juli 1902 trat Salisbury aus gesundheitlichen Gründen zurück. Sein Neffe, Arthur James Balfour, wurde sein Nachfolger. Salisbury war das letzte Mitglied des Oberhauses, das Premierminister war (mit der befristeten Ausnahme von Alec Douglas-Home, der kurz nach seiner Ernennung zum Premierminister seine Earlswürde ablegte).

Salisbury befasste sich privat intensiv mit Theologie und Philosophie sowie mit chemischen Experimenten.

Der dritte Marquess von Salisbury fand es schwierig, die Gesichter seiner Mitmenschen zu erkennen, sogar seiner Verwandten, wenn er sie unter unerwarteten Umständen traf. Einmal, als er während einer offiziellen Hofzeremonie hinter dem Thron stand, sah er einen jungen Mann, der ihm zulächelte. "Wer ist mein junger Freund?", flüsterte er seinem Nachbarn zu. "Eurer ältester Sohn", antwortete der Nachbar. Offensichtlich war er von einer Form der Prosopagnosie betroffen.

Literatur


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