Romantik (Literatur)

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Romantik (Literatur)

Romantik bezeichnet eine kulturgeschichtliche Epoche, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein dauerte und sich insbesondere auf den Gebieten der bildenden Kunst (1790–1840), der Literatur (1795–1848) und der Musik (Kernphase 1820–1850, siehe auch Musik der Romantik) Ă€ußerte.

Im heutigen, allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Romantik mit dem Adjektiv romantisch die Eigenschaft einer Sache oder eines Ereignisses, Menschen mit Liebe und Sehnsucht zu erfĂŒllen, so etwa in den Wortverbindungen „romantische Liebe“, „romantische Musik“ oder „ein romantischer Brief“.

In der Philosophie wird Romantik oder Romantizismus als (phantastische) Rebellion gegen die VergÀnglichkeit bezeichnet [1].

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Der Begriff kommt etymologisch ursprĂŒnglich von „in lingua romana“, in romanischer Sprache, also von Schriften, die in der Volkssprache der romanischen LĂ€nder verfasst waren. Diese bildeten einen Gegensatz zu den zuvor ĂŒblichen, „in lingua latina“ (Latein) geschriebenen Texten. Aus „lingua romana“ entstand dann der Ausdruck „Roman“, der aus dem Französischen stammt und fĂŒr den Begriff romantisch prĂ€gend wurde.

Romantik bedeutet in diesem Sinne Abwendung von der Antike und von klassischen Vorbildern. Das heißt, die mit dem Terminus Romantiker bezeichneten Autoren erschließen sich Themen aus ihrer eigenen Kultur und Geschichte und wenden sich ab von klassischen Formen, was aus der nachtrĂ€glichen und historischen Perspektive die Vorliebe fĂŒr eine fragmentarische Schreibweise in der Romantik erklĂ€rt. Die Hinwendung zur eigenen Kultur bedeutete zugleich eine stĂ€rkere Hinwendung zur Sagen- und Mythenwelt des Mittelalters.

Die Vertreter der an der Antike orientierten Klassik fĂŒhlten sich durch die Zeitschriften der Romantiker z. T. massiv angegriffen und bezeichneten dann das Romantische als phantastisch oder auch als krankhaft – letzteres allerdings vor allem im Hinblick auf die französische Romantik.

Generell sind „Klassik“ und „Romantik“ als nachtrĂ€gliche Zuordnungen zu verstehen; die Vertreter dieser Epochen haben entsprechende Bezeichnungen selber nicht benutzt.[2]

Hintergrund

Die Grundthemen der Romantik sind GefĂŒhl, Leidenschaft, IndividualitĂ€t und individuelles Erleben sowie Seele, vor allem die gequĂ€lte Seele. Romantik entstand als Reaktion auf das Monopol der vernunftgerichteten Philosophie der AufklĂ€rung und auf die Strenge des durch die Antike inspirierten Klassizismus. Im Vordergrund stehen Empfindungen wie Sehnsucht, Mysterium und Geheimnis. Dem in die Zukunft gerichteten Rationalismus und Optimismus der AufklĂ€rung wird ein RĂŒckgriff auf das Individuelle und Numinose gegenĂŒber gestellt. Diese Charakteristika sind bezeichnend fĂŒr die romantische Kunst und fĂŒr die entsprechende Lebenseinstellung.

Der Romantiker verortet einen Bruch, der die Welt gespalten habe in die Welt der Vernunft, der „Zahlen und Figuren“ (Novalis), und die Welt des GefĂŒhls und des Wunderbaren. Treibende Kraft der deutschen Romantik ist eine ins Unendliche gerichtete Sehnsucht nach Heilung der Welt, nach der ZusammenfĂŒhrung von GegensĂ€tzen zu einem harmonischen Ganzen. Symbolische Orte und Manifestationen dieser Sehnsucht sind nebelverhangene WaldtĂ€ler, mittelalterliche Kloster-Ruinen, alte Mythen und MĂ€rchen, die Natur etc. Zentrales Symbol fĂŒr diese Sehnsucht und deren Ziel ist die Blaue Blume, die wie kein anderes Motiv die romantische Suche nach innerer Einheit, Heilung und Unendlichkeit verkörpert.

„Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.“

– Ricarda Huch[3]

Im Gegensatz zur selbst gesetzten Aufgabe der Dichter der Weimarer Klassik sowie von Sturm und Drang und AufklĂ€rung, nĂ€mlich der Erziehung des Volkes durch Literatur, sahen die Dichter der Romantik ihre Aufgabe in der Heilung des Risses, der durch die Welt und damit durch die Individuen geht. Eine Möglichkeit dazu bot ihnen zufolge die Kunst, mystisch ĂŒberhöht im Begriff des „Dichterpriesters“, denn „die Welt hebt an zu singen / Triffst Du nur das Zauberwort“ (Eichendorff).

Die Romantiker suchten die verloren gegangene Welt in Werken aus der „Kindheit der Menschen“, also in MĂ€rchen und Sagen, in Volksliedern und im Mystizismus des Mittelalters und seiner als ideal verklĂ€rten stĂ€ndischen, auf Treue gegrĂŒndeten Ordnung. Auch in exotischen LĂ€ndern wurden AnstĂ¶ĂŸe gesucht. Das „Wahre“ wurde nicht im Intellektuellen gesehen, sondern in dem als natĂŒrlich und wahrhaftig angesehenen Verhalten des einfachen Volkes. In die Musik der Romantik flossen unter anderem auch VolkstĂ€nze ein, etwa bei Franz Schubert. Die BrĂŒder Grimm sammelten die Sagen und MĂ€rchen der mĂŒndlichen VolksĂŒberlieferung. Allerdings wurden auch Gefahren in dieser „anderen Welt“ gesehen. Die Nachtseite der Romantik, geprĂ€gt von Teufelspakten, Wahnsinn, Gespenstern, Schuld und Tod, findet sich besonders ausgeprĂ€gt bei E. T. A. Hoffmann.

Zur massenhaften Ausbreitung der Romantik kam es zu Zeiten der Napoleonischen Kriege Ende des 18. Jahrhunderts, nach einer Ära relativer Ruhe, in der viele Konflikte auf diplomatischem Wege geregelt worden waren. Als plötzlich der europĂ€ische Kontinent mit FeldzĂŒgen Napoleons ĂŒberzogen wurde und Helden gesucht waren – wie etwa Napoleon in Frankreich, Admiral Nelson in England und General Kutusow in Russland –, entfachten romantische WĂŒnsche die Phantasie. Ein zweiter wichtiger Faktor war die gestiegene Bildung der BĂŒrger, die den Boden fĂŒr Kunst und Literatur bereitete. Wirtschaftlicher Aufschwung und der damit verbundene höhere Wohlstand ermöglichten es den BĂŒrgern, mehr BĂŒcher, Musikinstrumente oder Theater- und Konzertkarten zu kaufen.

Als Reaktion auf diese Entwicklung und Emanzipation verschloss sich die Aristokratie gegenĂŒber den neuen gesellschaftlichen Tendenzen und Formen. So findet man im 19. Jahrhundert kaum noch Adelige unter den Schriftstellern und Philosophen, einer DomĂ€ne der Aristokraten im 18. Jahrhundert.

Im politischen und kulturgeschichtlichen Sinn wird Romantik teilweise bis heute als Gegenströmung zur AufklĂ€rung und zum Rationalismus begriffen und steht damit auch fĂŒr einen aktuellen Konflikt.

Eine neue Sicht auf die Romantik ermöglichte Arno Schmidt, programmatisch konzentriert zu lesen etwa in seinem Dialog ĂŒber Ludwig Tieck: â€čFUNFZEHNâ€ș. Vom Wunderkind der Sinnlosigkeit aus dem Jahr 1959.[4]

Historische UrsprĂŒnge

Johann Wolfgang von Goethe
1828, gemalt von Joseph Karl Stieler

Durch die Industrialisierung fanden große gesellschaftliche UmbrĂŒche statt, die neue Maschinenwelt fĂŒhrte zu VerstĂ€dterung und Landflucht, ein unterstelltes vormaliges Idyll war fĂŒr die Romantiker in Auflösung begriffen. Nach dem Scheitern der Revolution in den Jahren 1848 und 1849 blieben in Deutschland das konstitutionelle System, die StĂ€ndegesellschaft sowie die institutionelle Macht der Kirche bestehen. Der erforderliche Wandel konnte nicht unmittelbar in oder mit der Gesellschaft stattfinden. Dies war fĂŒr die Romantiker, auch auf dem Hintergrund ihrer eher individualistischen Grundeinstellung, ein Anlass, um in Melancholie und in phantastische, unwirkliche und idyllische Welten zu fliehen sowie sich durch Flucht aus der Wirklichkeit aus dem gesellschaftlichen Leben weitgehend zurĂŒckzuziehen.

Die Romantik kann zudem auf zwei seinerzeit populĂ€re literarische Richtungen zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Es handelt sich einerseits um den englischen gotischen Roman in der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts – die EnglĂ€nder lasen seinerzeit leidenschaftlich gerne Schauerromane. Andererseits handelt es sich um die deutsche Sturm-und-Drang-Bewegung, die Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine ganze Reihe von Literaten und Lesern beeinflusste. WĂ€hrend der gotische Roman eher oberflĂ€chlich geschrieben war, waren die Werke der Sturm-und-Drang-Bewegung, vertreten u. a. durch Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller, auf einem hohen literarischen Niveau. Die gotischen Romane regten die Phantasie an (Motive waren oft Gespenster, Ritter, verwunschene und halbzerfallene Burgen), wĂ€hrend der Sturm und Drang die GefĂŒhle der Leser ansprach. So diente der Held Goethes in Die Leiden des jungen Werthers vielen Jugendlichen am Ende des 18. Jahrhunderts als Vorbild, sich entsprechend zu kleiden oder gar wie Werther Selbstmord zu verĂŒben.

Stilmittel und Kennzeichen

Psyche

Das Unbewusste der menschlichen Psyche wird in der Literatur ausgelebt und kommt zum Vorschein.

Offene Formen

Weder Form noch Inhalt sind festgelegt. So werden Lieder, ErzÀhlungen, MÀrchen und Gedichte ineinander vermischt. Poesie, Wissenschaft und Philosophie werden miteinander verbunden.

Progressive Universalpoesie

Friedrich Schlegel prĂ€gte als Literaturtheoretiker und -kritiker in der Romantik den Begriff der „progressiven Universalpoesie“ (AthenĂ€umsfragment 116). In der Literatur sollten nun nicht mehr wie in der Klassik bestimmte Schemata fĂŒr die Erschaffung eines literarischen Werkes vorgegeben sein, sondern man betrachtete den KĂŒnstler als frei schaffendes Genie. Die Regelpoetik und die Forderungen der drei aristotelischen Einheiten von Raum, Zeit und Handlung verloren an Bedeutung, vielmehr wurde der Roman zum subjektiven Spielfeld des Autors. Ziel war es – nach Schlegel – Philosophie, Prosa, Poesie, GenialitĂ€t und Kritik miteinander verbindend darzustellen. Aus diesen neuen Konstellationen ergab sich ein fragmentarischer Charakter mit unfertigen HandlungsstrĂ€ngen. Schlegel wollte damit den Werdensprozess der Dichtung betonen und meinte, dass der unvollendete Zustand einer Dichtung der WillkĂŒr und Freiheit des Dichters folge.

Romantische Ironie

Der Autor steht ĂŒber seinem Werk. Er kann herbeigefĂŒhrte Stimmungen, Bilder oder Geschichten abrupt zerstören und ĂŒbermenschlich verĂ€ndern.

Ein Spezialfall romantischer Ironie sind Selbstreferenzen auf das Werk. Wenn z. B. in TheaterstĂŒcken der Held in eine ausweglose Situation gerĂ€t, aber sich sicher ist zu ĂŒberleben mit der BegrĂŒndung „Man stirbt doch nicht mitten im dritten Akt“, ist dies ein Fall von romantischer Ironie.

Gegenstand der romantischen Sehnsucht ist das Absolute, ein Zustand aufgehobener Entfremdung, den Rousseau zuvor als „Naturzustand“ (Ă©tat naturel) beschrieben hatte und dem ein unreflektiertes ‚naives‘ WeltverstĂ€ndnis und WeltverhĂ€ltnis entspricht. Dieser Zustand aber ist dem modernen Menschen unerreichbar geworden und kann auch durch die Kunst, die auf Reflexion beruht, nicht adĂ€quat dargestellt werden. Jeder Versuch ihn darzustellen, greift notwendigerweise zu kurz. Das romantische Kunstwerk, das seine eigene Kritik enthalten soll, kann dieser Einsicht nur gerecht werden, indem es sich selbst ironisch hintertreibt und seine eigene Falschheit (Scheinhaftigkeit) zur Schau stellt. D. h. sein zentraler Darstellungsgegenstand ist eine Sehnsucht, deren Ziel unbekannt ist, und jeder Versuch, dieses Ziel anschaulich zu machen, ist zum Scheitern verurteilt. Dieses Paradoxon muss die Kunst, will sie ihrer Aufgabe gerecht werden, aushalten.

Tradition und Mittelalter

In der Romantik entstehen erstmals Sammlungen so genannter Volkspoesie. Bekannteste Beispiele sind Grimms MĂ€rchen und die Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn. Doch bereits unmittelbar nach Erscheinen wurde die literarische Bearbeitung (Schönung) durch die Autoren kritisiert, die damit ihre Rolle als Chronisten weit hinter sich ließen. Diese Tatsache rĂŒckt die gesammelten Texte nĂ€her an die KunstmĂ€rchen und Lyrik ihrer Zeitgenossen als eigentlich beabsichtigt.

Das Mittelalter gilt als Ideal und wird verherrlicht. Kunst und Architektur dieser Epoche wird geschĂ€tzt, gepflegt und gesammelt. Übel und MissstĂ€nde dieser Zeit bleiben unbeachtet.

Abschnitte der Romantik

Man unterscheidet zwischen FrĂŒhromantik (ca. 1795–1804), Hochromantik (ca. 1804–1815) und SpĂ€tromantik (ca. 1815–1848). In der Hochromantik unterscheidet man zwischen dem Heidelberger Kreis und dem Berliner Kreis.

Allerdings verliefen diese Phasen nicht in allen Kultursparten synchron; die SpÀtromantik in der Malerei reicht bis Ende des 19. Jahrhunderts, in der Musik zieht sie sich sogar bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts hin (Gustav Mahler, Richard Strauss).

Beeinflusst durch die Romantik ist die Jugendbewegung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand. In neuerer Zeit finden sich einzelne Charakteristika auch in der Dark-Wave- oder Gothic-Subkultur sowie im Black- und Dark Metal (beispielsweise in den Texten der Bands Dornenreich und Nocte Obducta).

Motive der Romantik

SchauplĂ€tze in der Romantik sind hĂ€ufig Friedhöfe, Ruinen (Schauerromantik bzw. Schwarze Romantik) oder alte Burgen, dunkle WĂ€lder, ein Berginneres oder Höhlen und Naturlandschaften. Das Dargestellte ist entweder naturmagischen Charakters, ĂŒbernatĂŒrlich, oder mĂ€rchenhaft.

Vertreter der Romantik

Novalis
FĂŒr alle weltweiten Vertreter der romantischen Bewegung, siehe Liste der Romantiker.
Philosophie

Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling als Schöpfer des Deutschen Idealismus als metaphysischer Wegbereiter der Romantik, Gotthilf Heinrich von Schubert

Musik

Felix Mendelssohn Bartholdy, Hector Berlioz, Johannes Brahms, Max Bruch, Hugo Wolf, FrĂ©dĂ©ric Chopin, Edvard Grieg, Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt, Modest Mussorgski, Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Strauss, Hans Pfitzner, Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Richard Wagner, Carl Maria von Weber, Gustav Mahler, Anton Bruckner, NiccolĂČ Paganini, AntonĂ­n Dvoƙák, Albert Lortzing

Literatur

Friedrich Hölderlin als BegrĂŒnder der romantischen Dichtung im deutschen Sprachraum, Ernst Moritz Arndt, Bettina von Arnim, Achim von Arnim, August Ferdinand Bernhardi, Clemens Brentano, Adelbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff, Friedrich de la Motte FouquĂ©, Erik Gustaf Geijer, Joseph Görres, Jakob Grimm, Wilhelm Grimm, Karoline von GĂŒnderrode, Wilhelm Hauff, Heinrich Heine, E. T. A. Hoffmann, Isidorus Orientalis, Heinrich von Kleist, Ernst August Friedrich Klingemann, Otakar LevĂœ, Karel Hynek MĂĄcha, Sophie Mereau, Adam von MĂŒller, Wilhelm MĂŒller, Novalis, Jean Paul, Max von Schenkendorf, Friedrich Schleiermacher, August Wilhelm Schlegel, Friedrich Schlegel, Ernst Schulze, August Ć enoa, Ludwig Tieck, Ludwig Uhland, Rahel Varnhagen, Dorothea Veit, Wilhelm Heinrich Wackenroder, Zacharias Werner, Karl Friedrich Gottlob Wetzel, Adam Mickiewicz, Juliusz Slowacki, Zygmunt KrasiƄski, Cyprian Kamil Norwid, Aleksander PuĆĄkin, Michail Lermontov, Vladimir Odoevskij, Nikolaj Gogol.

Bildende Kunst

Maler: William Blake, Louis Boulanger, EugĂšne Delacroix, Caspar David Friedrich, Johann Heinrich FĂŒssli, Josef MĂĄnes, Piotr MichaƂowski, Philipp Otto Runge, Joseph Mallord William Turner, Walter Schliephacke, ;
Auch Karl Friedrich Schinkel lieferte eine Reihe von Landschaftszeichnungen und Malereien sowie ArchitekturentwĂŒrfen, die sichtlich von der Romantik inspiriert waren. Durch Maler wie Adrian Ludwig Richter, Moritz von Schwind und Julius Schnorr von Carolsfeld geht die Romantik nahtlos in die SpĂ€tromantik ĂŒber.

Bildhauer: Louis-Ernest Barrias, Antoine-Louis Barye, Jean-Baptiste Carpeaux, Auguste Clésinger, Honoré Daumier, François Rude

Rechtswissenschaft

Friedrich Carl von Savigny als MitbegrĂŒnder der Historischen Rechtsschule

Religion

John Henry Newman als MitbegrĂŒnder der Oxford-Bewegung

Schachspiel

Pjotr Arsenjewitsch Romanowski (Romantismus in der Schachkunst)

Klassik und Romantik im Vergleich

Klassik

Streben nach Vollendung, Ruhe, fester Ordnung, Klarheit, Maß und Harmonie

Romantik

Drang nach Unendlichkeit, Leidenschaftlich-Bewegtem, Dunklem, maß- und regellosem Sprengenwollen aller Grenzen

Klassik

Streben nach ObjektivitĂ€t, Typisierung, Gesetz, Vernunft, Gleichgewicht, nach gĂŒltiger und geschlossener Form; genaue Unterscheidung zwischen Lyrik, Epik und Dramatik; fordert Entsagung, SelbstbeschrĂ€nkung, sittliche WillensstĂ€rke; lehnt Phantastisches, Verworrenes, Unklares ab; bemĂŒht sich um Harmonie zwischen GefĂŒhl und Verstand; verlangt genaue Grenzensetzung – Es ist genug, das Erforschbare zu erforschen, das Unerforschliche aber auf sich beruhen zu lassen.

Romantik

Zerbricht die klassischen Grenzen; will Herrschaft der frei schöpferischen Phantasie, die wichtiger ist als „edle“ Form und hochgeistiger Inhalt; will Grenzen sprengen: Grenzen des Verstandes, Grenzen zwischen Wissenschaft und Poesie und zwischen den einzelnen Dichtungsgattungen – Streben nach einer „Universalpoesie“, die gleichzeitig Wissenschaft, Religion und Dichtung und lyrisch, episch, dramatisch und musikalisch ist; will Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit niederreißen; will die ganze Welt „romantisieren“ und fordert völlige SubjektivitĂ€t, Individualisierung, Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit und eine weltoffene, ewig unfertige Dichtungsform; Vorliebe fĂŒr das Traumhafte, Wunderbare, Unbewusste, Übersinnliche.

Die Romantik wurde zur europĂ€ischen Geistesbewegung und erfasste, von Deutschland ausgehend, alle LĂ€nder Europas. Sie beeinflusste Philosophie, Dichtung, KĂŒnste, Religion, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Frank Lisson in Homo Absolutus. Nach den Kulturen, Schnellroda, 2008, S. 355
  2. ↑ Dieter Borchmeyer: Zur Typologie des Klassischen und Romantischen. In: Walter Hinderer (Hg.): Goethe und das Zeitalter der Romantik. WĂŒrzburg 2002 (Stiftung fĂŒr Romantikforschung; 21), S. 19-29, hier S. 19 f.
  3. ↑ Über die Romantik – Die blaue Blume, das Sinnbild der Romantik
  4. ↑ Werke. Bargfelder Ausgabe. Werkgruppe II, Band 2, S. 285–333. ZĂŒrich: Haffmans 1990

Literatur

  • (fr) Roger Ayrault, La genĂšse du romantisme allemand Tomes 1. et 2.: Situation spirituelle de l'Allemagne dans la deuxiĂšme moitiĂ© du XVIIIe siĂšcle, Paris, Aubier - Editions Montaigne, 1961.
  • (fr) Roger Ayrault, La genĂšse du romantisme allemand Tome 3 : 1797-1804 (I) Baader; Brentano; HĂŒlsen; Novalis; Ritter; Schelling; Steffens; les Schlegel: Auguste Wilhelm, Caroline, DorothĂ©e, Friedrich; Schleiermacher; Tieck; Wackenroder, Paris, Aubier - Editions Montaigne, 1969.
  • (fr) Roger Ayrault, La genĂšse du romantisme allemand Tome 4: 1797-1804 (II) Baader; Brentano; HĂŒlsen; Novalis; Ritter; Schelling; Steffens; les Schlegel: Auguste Wilhelm, Caroline, DorothĂ©e, Friedrich; Schleiermacher; Tieck; Wackenroder, Paris, Aubier - Editions Montaigne,1976.
  • Christian Baier: Romantiker. Edition Splitter, Wien 2006. ISBN 3-901190-99-6
  • Marianne Bernhard (Hg.): Deutsche Romantik. Handzeichnungen. Herrsching: Pawlak, o. J. [Band 1: Carl Blechen (1798–1840) bis Friedrich Olivier (1791–1859); Band 2: Friedrich Overbeck (1789–1869) bis Christian Xeller (1784–1872)]
  • Karl Heinz Bohrer: Die Kritik der Romantik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
  • Ders.: Der romantische Brief. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
  • Manfred Frank: EinfĂŒhrung in die frĂŒhromantische Ästhetik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
  • Ders.: Kaltes Herz. Unendliche Fahrt. Neue Mythologie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
  • Peter Hacks: Zur Romantik, Hamburg: Konkret Literatur Verlag 2001
  • Gerda Heinrich: Geschichtsphilosophische Positionen der deutschen FrĂŒhromantik. Kronberg/Ts.: Scriptor 1977
  • Isaiah Berlin: Die Wurzeln der Romantik (1965)
  • Isaiah Berlin: Revolution der Romantik lettre international 34, Herbst 1996, S76-83
  • Eckart Kleßmann: Die deutsche Romantik. Köln: DuMont 1979
  • Detlef Kremer: Romantik, Stuttgart: Metzler 2003
  • Eberhard Roters: Jenseits von Arkadien. Die romantische Landschaft. Köln: DuMont 1995
  • RĂŒdiger Safranski: Romantik. Eine deutsche AffĂ€re. Hanser, MĂŒnchen 2007. ISBN 3-446-20944-1.
  • RĂŒdiger Safranski (Hrsg.): Romantik – was sonst bei dem Sauwetter? Texte der Romantik. Hanser, MĂŒnchen 2007. ISBN 978-3-446-20886-5.
  • Helmut Schanze (Hrsg.): Romantik-Handbuch. Stuttgart: Kröner 1994
  • Carl Schmitt: Politische Romantik, Berlin: Duncker & Humblot 1919, 1925, 1968
  • Hans Steffen (Hrsg.): Die deutsche Romantik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1989
  • Silvio Vietta (Hrsg.): Die literarische FrĂŒhromantik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1983
  • Winfried Wehle/K. Maurer): Romantik – Aufbruch in die Moderne. Romanistisches Kolloquium V, MĂŒnchen 1991
  • Benno von Wiese: Romantik. FĂŒr die Gegenwart ausgewĂ€hlte Texte. Verlag Carl Ueberreuter, Wien-Heidelberg ISBN 3-8000-3007-1
  • Theodore Ziolkowski: Das Amt der Poeten. Die deutsche Romantik und ihre Institutionen. MĂŒnchen: dtv 1994

Weblinks


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