Rosenkriege


Rosenkriege

Rosenkriege (Wars of the Roses) ist der Name für die mit Unterbrechungen von 1455 bis 1485 geführten Kämpfe zweier hochadeliger Familien um die englische Thronherrschaft.

Der Name bezeichnet eine Reihe von Kampfhandlungen zwischen den beiden rivalisierenden englischen Adelshäusern York und Lancaster, die zwei verschiedene Zweige des Hauses Plantagenet darstellten und die beide ihre Stammlinie auf König Edward III. zurückführen konnten. Die Wappen dieser Familien enthielten Rosen (eine rote Rose für Lancaster, eine weiße Rose für York), sodass sich für diesen Konflikt später der Name Rosenkrieg etablierte. Allerdings lässt sich in den zeitgenössischen Quellen die Identifizierung der Rosen mit den jeweiligen Häusern nur bedingt nachweisen.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Vereinfachte Zeit- und Verwandtschaftstafel der englischen Monarchen seit Wilhelm dem Eroberer, farbcodiert nach Dynastien.

Die Ursachen für den Konflikt waren zum einen der dynastische Zwist zwischen York und Lancaster, zum anderen die strukturelle Schwäche und politischen Fehlschläge und Misserfolge des regierenden Hauses Lancaster, vor allem in Bezug auf die Niederlagen in Frankreich (siehe Hundertjähriger Krieg). Der dynastische Konflikt begann mit der Entmachtung des Königs Richard II. durch seinen Cousin Heinrich Bolingbroke im Jahr 1399. Heinrich war der Sohn von John von Gent, Herzog von Lancaster, dem dritten Sohn des verstorbenen Königs Edward III. Indem er als Heinrich IV. den Thron bestieg, überging er die Ansprüche Edmund Mortimers, des Grafen von March, eines Urenkels von König Edwards zweitem Sohn Lionel von Antwerpen, Herzog von Clarence. Edmund Mortimer, der 1399 erst acht Jahre alt gewesen war, akzeptierte die Lancaster-Könige. Als er jedoch 1425 kinderlos starb, gingen die Thronansprüche des Hauses March auf seinen Neffen Richard, den 3. Herzog von York, über. Zudem zeigte der inzwischen regierende Lancaster-König Heinrich VI. Zeichen von Geistesschwäche. Ihm wurde von mehreren Adelsfamilien, allen voran dem Hause York, vorgeworfen, er umgäbe sich mit schlechten Ratgebern und übe eine schwache Regierung aus – was in Teilen durchaus der Wahrheit entsprach. Richards größter Konkurrent war Edmund Beaufort, Herzog von Somerset, der zusammen mit Heinrichs Frau Margaret die tatsächliche Regierungsgewalt ausübte. Dabei ging es auch um Geld. Solange Somersets Partei die Hofpartei blieb, drohte Richard der finanzielle Ruin. Denn der König war bei beiden verschuldet. Er konnte letztendlich den einen nur dann bezahlen, indem er den anderen ausnutzte. Richard von York befand sich in einer äußerst prekären Lage. Somerset musste beseitigt werden.

Problematisch ist die Bewertung dieser Vorgeschichte aufgrund der Tatsache, dass sie vom Geschichtsbild des letztendlich siegreichen Hauses Tudor geprägt ist. Da die Tudors den Thron faktisch usurpierten, benötigten sie eine Rechtfertigung und fanden diese in einer negativen Kennzeichnung des Hauses York.

Kriegsverlauf

Ausbruch des Krieges und erste Kriegsjahre

Richard Plantagenet, 3. Herzog von York, machte sich nach den Niederlagen der englischen Streitkräfte in Frankreich zum Wortführer der Opposition. Neben seinen Thronansprüchen war er auch einer der reichsten Männer Englands. Außerdem genoss er die Unterstützung des einflussreichen Richard Neville, 16. Earl of Warwick, (der „Königsmacher“), eines Neffen seiner Frau Cecily.

Das Jahr 1453 war geprägt von mehreren entscheidenden Ereignissen: der Niederlage und dem Tod des englischen Heerführers John Talbot bei Castillon in Südfrankreich (17. Juli), dem vermutlich hierdurch ausgelösten Nervenzusammenbruch Heinrichs VI. im August, der Geburt des Thronfolgers Edward of Westminster (13. Oktober) und der Gefangensetzung Somersets im November. Als Folge der anhaltenden Geisteskrankheit des Königs wurde Richard von York im März 1454 zum Lordprotektor bestellt.

Dies veranlasste die Lancastrische Partei, die sich um die Königin Margarete von Anjou sammelte, zum Handeln. York wurde 1455 zur Aufgabe seines Amtes gezwungen und zog sich auf seine Ländereien im Norden zurück. Für den 21. Mai 1455 wurde ein Großer Rat (Great Council) in Leicester in Mittelengland einberufen. York sammelte inzwischen Truppen, mit denen er auf London marschierte und seine Gegner am 22. Mai bei St Albans nördlich von London angriff. Die Erste Schlacht von St Albans endete mit einem vollständigen Sieg Yorks, der zahlreiche seiner Gegner beseitigen konnte, darunter Somerset und den Earl of Northumberland, den König in seine Gewalt brachte und seine früheren Ämter wieder übernahm. Die Jahre bis 1459 waren von politischen Machtkämpfen zwischen Richard of York, nunmehr Lord Lieutenant of Ireland, und Königin Margarete gekennzeichnet.

1459 brachen die Feindseligkeiten zwischen den Parteien erneut aus. Auf einen Sieg der Yorkisten bei Blore Heath im September folgte die Niederlage von Ludlow, nach der sich ihre Armee faktisch auflöste und ihre Anführer in Calais beziehungsweise Irland Zuflucht suchten. Im folgenden Jahr gelang Yorks Neffen Richard Neville, 16. Earl of Warwick die erneute Gefangennahme des Königs in der Schlacht von Northampton (10. Juli), dabei starben wiederum zahlreiche lancastrische Anführer. Im Act of Accord (25. Oktober) ließ sich Richard of York seine Anwärterschaft auf den Thron als Nachfolger König Heinrichs bestätigen. Er fiel jedoch, wie auch sein Schwager Richard Neville, 5. Earl of Salisbury, am 30. Dezember in der Schlacht von Wakefield gegen den Sohn und Erben des Herzogs von Somerset, Henry Beaufort. Hierauf übernahm sein Sohn Eduard die Führung des Hauses York. Am 29. März 1461 besiegte Eduard mit Hilfe Warwicks die Armee der Königin, geführt von Somerset, in der Schlacht von Towton. Mit dieser Schlacht – einer der blutigsten Englands, von den etwa 80.000 Soldaten kamen 20.000 bis 30.000 ums Leben –, die mit der Flucht Heinrichs VI. und seiner Frau nach Schottland endete, fand die erste Phase der Rosenkriege ihren Abschluss und es begann die Königsherrschaft des Hauses York.

Wechselnde Koalitionen

In den folgenden Jahren kam es zu einer Entfremdung zwischen Eduard und seinem wichtigsten Verbündeten, seinem Cousin Richard Neville, dem Earl of Warwick. Grund waren Eigensinnigkeiten des Königs, der einer von Richard arrangierten Heirat und einem damit verbundenen Bündnis mit Frankreich nicht zustimmen wollte. Es kam 1469 endgültig zum Bruch und Richard Neville, der „Königsmacher“, schlug sich auf die Seite des Hauses Lancaster, welches auch Unterstützung aus Frankreich erhielt.

1470 musste Eduard in die Niederlande fliehen, doch konnte er auf dem Festland Truppen sammeln und 1471 in der Schlacht von Barnet die Lancastrianer schlagen. Richard Neville fiel in dieser Schlacht, ebenso wie der Sohn Heinrichs VI., Edward of Westminster, in der darauffolgenden Schlacht von Tewkesbury. Kurz darauf wurde Heinrich VI. umgebracht, womit die direkte Linie des Hauses Lancaster ausgelöscht war.

Das Ende des Hauses York

1483 starb Eduard IV. Seine Nachfolge trat schließlich sein Bruder Richard, der Herzog von Gloucester, als Richard III. an, nachdem seine beiden Neffen und Söhne Eduards, Eduard V. und Richard, von ihm in den Tower gebracht worden waren, wo sie anschließend spurlos verschwanden. Siehe hierzu auch Die Prinzen im Tower. Den Widerstand gegen Richard, der allerdings von den Geschichtsschreibern der Tudorzeit stark verunglimpft wurde, nutzte Heinrich Tudor aus, um seine Ansprüche, die aus seiner Verwandtschaft mit dem Hause Lancaster resultierten, auf den Thron durchzusetzen.

1485 landete Heinrich in Wales und besiegte in der Schlacht von Bosworth Field Richard, der dort fiel. Heinrich trat als Erbe der Lancasters die Nachfolge an und heiratete die älteste Tochter Eduards IV. und die Schwester der Prinzen im Tower, Elisabeth aus dem Hause York. Dies gilt allgemein als Ende der erbittert geführten Rosenkriege und als Beginn einer Friedensepoche. Heinrich hatte sich jedoch auch danach gegen Prätendenten zu behaupten, besonders im Jahre 1487 gegen Lambert Simnel, der in Irland, einer Hochburg des Hauses York, als der angebliche Sohn des George Plantagenet, 1. Herzog von Clarence, und damit als Neffe von Eduard IV. und Richard III. auftrat. Mit einem Söldnerheer setzte er nach England über und gewann auch die Unterstützung des Earl of Lincoln, den Richard III. zum Thronfolger bestimmt hatte. Heinrich schlug dessen Heer am 16. Juni in der Schlacht von Stoke, nördlich von Nottingham. Simnel geriet in Gefangenschaft und Lincoln fiel. Mit dessen Tod endete das Haus York und auch die Rosenkriege. Auch danach traten hin und wieder „falsche Prinzen“ auf, die jedoch die Herrschaft Heinrichs nicht mehr ernsthaft gefährden konnten.

Siehe auch

Literatur

  • Christine Carpenter: The Wars of the Roses. Cambridge 1997.
  • Keith Dockray: Henry VI, Margaret of Anjou and the Wars of the Roses: a source book. Stroud 2000, ISBN 0-7509-2163-3.
  • Charles Ross: The Wars Of The Roses. New York 1994.
  • Jürgen Sarnowsky: England im Mittelalter. Darmstadt 2002, ISBN 3-534-14719-7.
  • Hagen Seehase, Axel Oprotkowitz: Die Rosenkriege. Das mörderische Ende des Hauses Plantagenet. Wald-Michelbach 2002, ISBN 3-935616-08-2 (populärwissenschaftlich).
  • Alison Weir: Wars of the Roses. New York 1995 (populärwissenschaftlich).

Weblinks

 Commons: Rosenkriege – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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