Russische Revolution


Russische Revolution
Die rote Fahne als Zeichen der kommunistischen Revolution

Als Russische Revolution (russisch Русская революция/ Transkription Russkaja rewoljuzija) bezeichnet man generell zwei Höhepunkte in der russischen Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

Russische Revolutionen 1905 bis 1922

Russische Revolution 1905

Die Russische Revolution 1905 umfasste eine Reihe von Auseinandersetzungen und heftigen regierungsfeindlichen Protesten gegen den russischen Zaren Nikolaus II.

Folgen der Revolution:

  • Russland bekam auf Grundlage des Oktobermanifestes Nikolaus' II. eine Verfassung, die eine Volksvertretung (Staatsduma) vorsah.
  • In der Verfassung wird die dominante Stellung des Zaren betont, in der Folgezeit bemüht Nikolaus II. sich, die gemachten Zugeständnisse wieder zurückzunehmen. 1907 wird das Wahlrecht zugunsten eines Zensuswahlrechts geändert, was große Teile der Bauern und Arbeiter von politischer Repräsentanz ausschließt, auch wenn dies einen Verfassungsbruch darstellt. Max Weber prägte hierfür den Begriff "Scheinkonstitutionalismus".
  • Reformen für Agrarwirtschaft (Stolypinsche Reformen) sollten es den Bauern ermöglichen, selbst zu wirtschaften und rationale Anbaumethoden einzuführen. Ziel war die Schaffung eines bäuerlichen Mittelstandes.

Februarrevolution 1917

Hauptartikel: Februarrevolution 1917

Bei Kriegsbeginn 1914 stand die Mehrheit der russischen Bauern hinter der Zarenregierung. Der für Russland ungünstige Kriegsverlauf und die schlechte Versorgung der Zivilbevölkerung führten jedoch bald zu einem Stimmungsumschwung. Die Protestbereitschaft wuchs, zumal Zar Nikolaus II., der seit August 1915 den militärischen Oberbefehl führte, geforderte Reformen ablehnte und stattdessen die polizeiliche Überwachung der Bevölkerung ausweitete.

Die Proteststimmung verschärfte sich zu Beginn des Jahres 1917 spürbar, als Preissteigerungen und eine weitere Verschlechterung der Lebensmittelversorgung die Bevölkerung in Petrograd zu Streiks und Demonstrationen trieben. Die vom Zar mit der Unterdrückung der Aufstände betrauten russischen Soldaten weigerten sich nicht nur - anders als 1905 - auf die Demonstrierenden zu schießen, sondern liefen teilweise zu ihnen über.

In der Februarrevolution von 1917 beendeten Arbeiteraufstände die etwa 300 Jahre andauernde russische Zarenherrschaft. Der Zar musste am 2. Märzjul./ 15. März 1917greg. abdanken. Die Duma setzte eine Provisorische Regierung zunächst unter Ministerpräsident Lwow und dann unter Kerenski ein. Es bildete sich eine doppelte Vertretung des Volkes durch die Duma als Parlament und durch die Petrograder Sowjets als Arbeiter- und Soldatenräte mit Sozialrevolutionären und Kommunisten. Unter der Losung Alle Macht den Sowjets führten diese die Revolution weiter und verhinderten die Bildung einer bürgerlichen parlamentarischen Demokratie.

Die Kerenski-Offensive war gegen die Mittelmächte gerichtet, scheiterte jedoch im Juli 1917 nach knapp drei Wochen.

März–Oktober 1917

Die durch den Rücktritt entstandene neue Machtsituation überraschte die bürgerlichen Parteien. Zunächst bildete man eine provisorische Regierung aus einem Duma-Komitee, welche die Amtsgeschäfte übernahm und als eine erste Amtshandlung die Verkündung von Grundrechten vollzog. Aus der Revolutionsbewegung entstand parallel dazu ein Arbeiterrat, der Petrograder Sowjet, der aus Menschewiki, Bolschewiki und Sozialrevolutionären bestand. Beide Organe kooperierten und konkurrierten im Folgenden miteinander, ohne wirklich die volle Macht zu übernehmen. Erst die umjubelte Rückkehr Lenins nach Russland am 3. April 1917 änderte die Situation grundlegend. Sein politisches Programm umfasste neben der sofortigen Beendigung des Krieges v.a. keinerlei weitere Unterstützung der provisorischen bürgerlichen Regierung, da er diese für kapitalistisch und unfähig hielt. Besonders die Beendigung des Krieges wurde zum Streitthema der Verantwortlichen. Nach mehreren Umbildungen der provisorischen Regierung hatten einzelne Menschewiki und Sozialrevolutionäre Kabinettsposten erhalten, welche die Regierungslinie, den Krieg fortzuführen, jedoch nicht beeinflussten. Militärische Niederlagen und weitere Verschlimmerungen der Versorgungslage sorgten für einen rapiden Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Regierung. Daher konnten die Bolschewiki seit September 1917 klare Mehrheiten in den Sowjets von Moskau und Petrograd für sich verzeichnen.

Hauptartikel: Oktoberrevolution

Damit waren für Lenin, der seine Anhänger bereits seit seiner Rückkehr auf einen bewaffneten Aufstand vorbereitete, endlich günstige Bedingungen für eine Revolution gegeben. In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober (7. bis 8. November) 1917 nahmen bewaffnete Bolschewiki die wichtigsten Einrichtungen der Hauptstadt Petrograd ein, setzten unter Trotzkis Führung die Regierung ab und riefen die Machtübernahme der Sowjets aus, wobei sie auf relativ geringen Widerstand stießen.

Russischer Bürgerkrieg 1917–1921

Der Russische Bürgerkrieg von 1917–1921 kostete über 8 Millionen Menschen das Leben. Die Bolschewiki gingen als Sieger aus der Auseinandersetzung hervor und gründeten 1922 die Sowjetunion. Der Krieg umfasste (mindestens) vier Auseinandersetzungen:

  1. Innerer Kampf um die bolschewistische Räteherrschaft.
  2. Kampf gegen die deutsche Armee, die den Krieg gegen Russland fortsetzen wollte.
  3. Äußerer Kampf in Gestalt der Intervention von 14 Staaten, darunter Deutschland, die USA, Japan, England und Frankreich.[1]
  4. Unabhängigkeitskriege der größeren Minderheiten.

Einzelnachweise

  1. Geschichte in Übersichten, S. 330

Weblinks

 Commons: Russian Revolution of 1917 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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