Russischer B√ľrgerkrieg

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Russischer B√ľrgerkrieg

Der Russische B√ľrgerkrieg (russisch –ď—Ä–į–∂–ī–į–Ĺ—Ā–ļ–į—Ź –≤–ĺ–Ļ–Ĺ–į –≤ –†–ĺ—Ā—Ā–ł–ł/Graschdanskaja woina w Rossii) zwischen den kommunistischen Bolschewiki (den ‚ÄěRoten‚Äú beziehungsweise der von Leo Trotzki gegr√ľndeten Roten Armee) einerseits und einer heterogenen Gruppe aus Konservativen, Demokraten, gem√§√üigten Sozialisten, Nationalisten und der Wei√üen Armee andererseits dauerte von 1917/18 bis 1920. Der genaue Zeitpunkt seines Beginns ist unter Historikern umstritten; er wird entweder auf die Oktoberrevolution im November 1917 oder aber auf das Fr√ľhjahr 1918 gelegt.

Der Krieg wurde erbittert und brutal besonders auch gegen die Zivilbev√∂lkerung gef√ľhrt; insgesamt acht Millionen Menschen verloren ihr Leben. Das Eingreifen der Entente und der Mittelm√§chte in den Konflikt trug ma√ügeblich zu seiner L√§nge und Heftigkeit bei. Sowjetrussland als Nachfolgestaat des Russischen Reichs erreichte durch ihn die Herrschaft √ľber einen Gro√üteil der Fl√§che des Russischen Reichs. Neben dem schon zuvor unabh√§ngigen Polen (1917/18), das auch weite Teile der heutigen Ukraine und Wei√ürussland umfasste, erlangten auch die Baltischen Staaten, Finnland und Tannu-Tuwa die Unabh√§ngigkeit. Der Konflikt endete in Europa mit dem Sieg der Roten Armee √ľber die letzten wei√üen Truppen auf der Krim im November 1920, im Kaukasus mit der Einnahme von Batumi 1921, in Asien mit der Einnahme von Wladiwostok 1922. Am Ende diesen Jahres kam es zur Gr√ľndung der Sowjetunion.

Inhaltsverzeichnis

Zeitliche Eingrenzung

Die zeitliche Eingrenzung des B√ľrgerkrieges ist in der westlichen wie in der russischen Geschichtsschreibung umstritten. Eine Lehrmeinung setzt den Beginn des B√ľrgerkriegs auf den Mai 1918, als sich die Tschechoslowakische Legion gegen die Rote Armee erhob, die andere auf die Oktoberrevolution im November 1917. Die erste Position stellt besonders die Auswirkungen ausl√§ndischer Einfl√ľsse auf den B√ľrgerkrieg heraus. Da sie die vorherigen Erhebungen gegen die neu entstandene Sowjetmacht vernachl√§ssigt, folgt der Artikel in seiner Darstellung der zweiten Meinung, um einen vollst√§ndigen √úberblick zu geben. Die Probleme der Eingrenzung der Kriegsdauer liegen im chaotischen Verlauf des Krieges begr√ľndet. Beide Seiten handelten meist ohne ausgearbeitete Strategie, sondern f√ľhrten ihre Kampagnen als Reaktionen auf kurzfristige Entwicklungen. Kompliziert wurde der Verlauf der Kampfhandlungen auch durch ausl√§ndische Interventionen und den Polnisch-Sowjetischen Krieg.[1]

Revolutionsjahr 1917

‚Üí Hauptartikel: Februarrevolution 1917 und Oktoberrevolution

Im Winter 1916/1917 wurde die Versorgung der Bev√∂lkerung russischer St√§dte mit Brennstoffen und Nahrungsmitteln immer schlechter, eine Hungersnot zeichnete sich ab. Von der Hauptstadt Petrograd ausgehend kam es landesweit zu Streiks und Demonstrationen. Der Versuch des Zaren Nikolaus II., die Bewegung gewaltsam zu zerschlagen, schlug fehl, weil Garnisonssoldaten gr√∂√ütenteils die Aufst√§ndischen unterst√ľtzten und auch gegen die zaristische Polizei vorgingen. Die zaristische Regierung trat geschlossen zur√ľck, der Zar wurde zur Abdankung gezwungen. Eine Doppelregierung aus der b√ľrgerlichen provisorischen Regierung unter Alexander Kerenski einerseits und den basisdemokratischen Arbeitersowjets andererseits kam an die Macht.

Die Bolschewiki versuchten bereits im Juli 1917 ohne Erfolg die in Lenins Aprilthesen propagierte sozialistische Revolution in die Tat umzusetzen. Die Bolschewiki konnten allerdings durch ihre Forderungen nach der Beendigung des Krieges gegen Deutschland und der Enteignung der Gro√ügrundbesitzer in den R√§ten mehr und mehr an Einfluss gewinnen und forderten alle Macht im Staate auf diese zu √ľbertragen. Der Putschversuch des Generals Kornilow im August 1917 spielte ihnen durch die Angst vor einer neuen Autokratie noch mehr in die H√§nde. Mit der Oktoberrevolution st√ľrzten die Bolschewiki am 7. November (25. Oktober nach julianischem Kalender) die aus der Februarrevolution hervorgegangene Regierung unter Kerenski. Bereits drei Tage sp√§ter am 10. November (28. Oktober nach julianischem Kalender), versuchten sowohl Offizierssch√ľler in Petrograd als auch eine von au√üen kommende improvisierte Kosakeneinheit unter Ataman Krasnow die Revolution niederzuschlagen. Diese Versuche scheiterten an der Mobilisierung der bewaffneten Arbeiter und Matrosen der Stadt, die beide Angriffe zur√ľckschlugen.

Nachdem die Kommunisten in der Hauptstadt ihre Macht gesichert hatten, ergab sich f√ľr die F√ľhrer der Partei ein durchaus positives Bild. Die Partei der Bolschewiki hatte gegen√ľber den anderen politischen Organisationen als Kaderpartei wichtige strukturelle Vorteile. Die Industriest√§dte Zentral- und S√ľdrusslands sowie des Baltikums verf√ľgten √ľber gut organisierte Parteiapparate, die das R√ľckgrat der Machtausweitung der Bolschewiki bilden sollten. Als Man√∂vriermasse dienten hierbei bewaffnete Verb√§nde aus Arbeitern, Matrosen und r√ľckkehrenden Frontsoldaten. So konnte die Parteif√ľhrung bis zum Jahresbeginn 1918 das russische Kernland unter ihre Kontrolle bringen. Nach dieser Konsolidierung erfolgte der endg√ľltige Schlag der Bolschewiki gegen den Parlamentarismus. In der Nacht vom 5. zum 6. Januar 1918 wurde die von Sozialrevolution√§ren beherrschte Russische konstituierende Versammlung in Petrograd durch Rotgardisten aufgel√∂st.

1918 ‚Äď Festigung der Sowjetmacht

Nachdem die Roten ihre Macht im Kerngebiet des ehemaligen Zarenreiches politisch und milit√§risch gefestigt hatten, begannen sie, diese Macht auch an der Peripherie zu sichern. Hierbei ergaben sich bereits erste Widerst√§nde gegen den Umsturz, die die Konfliktlinien des B√ľrgerkriegs vorzeichneten. Sie verliefen entlang sozialen, regionalen und nationalen Grenzen innerhalb des Vielv√∂lkerstaats. Diese Periode des B√ľrgerkrieges wird als ‚ÄěEisenbahnkrieg‚Äú bezeichnet, da sich die milit√§rischen Aktionen der Roten vor allem auf Verschiebung von improvisierten, revolution√§ren Verb√§nden √ľber das auf Petrograd und Moskau zentrierte Eisenbahnnetz an die verschiedenen Krisenherde st√ľtzten. Sie verlief f√ľr die Roten ausgesprochen erfolgreich und dauerte bis zum Eingreifen der Mittelm√§chte im Februar 1918 an.

Widerstand der Kosaken

Die Kosaken waren unter dem Zaren eine staatstragende Minderheit. Ethnisch gesehen russisch, stellten sie eine spezielle soziale Schicht im Reich dar. Sie wurden in den Grenzregionen des Romanowstaates als Wehrbauern angesiedelt und stellten als Kavallerietruppen eine milit√§rische Elite des Landes. Im Gegenzug f√ľr ihre Leistungen erhielten sie das Privileg der weitgehenden Selbstverwaltung und Landbesitz, den sie zum Teil selbst bearbeiteten oder an nichtkosakische Bauern verpachteten. Aufgrund ihrer gefestigten inneren Sozialstruktur, ihres monarchistischen Ethos und auch ihrer Sonderrechte, die sie durch die Bolschewiki in Gefahr sahen, waren diese Bauernsoldaten f√ľr den Marxismus wenig empf√§nglich und der gewaltsamen Machtergreifung der Partei Lenins feindlich gesinnt.

Noch im Jahr 1917 versuchte der Ataman der Kosakenregion Orenburg in Sibirien, Dutow, den bewaffneten Widerstand gegen die Kommunisten zu organisieren. Er scheiterte allerdings an der Kriegsm√ľdigkeit der aus dem Weltkrieg heimkehrenden Wehrbauern. So konnte er keine schlagkr√§ftige Truppe aufbauen. Orenburg wurde am 31. Januar 1918 von Rotgardisten erobert.

Gef√§hrlicher f√ľr den sowjetischen Staat war die Erhebung der Kosaken im Dongebiet. Hier versuchte der Ex-General und Ataman Kaledin, eine Streitmacht zur Restauration des Reiches aufzustellen. Er versuchte auch, durch eine ‚ÄěVereinigte Regierung der Region‚Äú die nichtkosakische Bev√∂lkerung f√ľr sein Vorhaben zu mobilisieren. Allerdings scheiterte er wie der Anf√ľhrer der Orenburger Kosaken an der Kriegsm√ľdigkeit der Frontheimkehrer. Au√üerdem gelang es ihm nicht, die sonstige Bev√∂lkerung der Region f√ľr seine Sache zu gewinnen. Die nichtkosakischen Bauern erhofften sich von der Sowjetmacht die Aufl√∂sung der Privilegien der Kosaken und somit Landgewinn f√ľr ihre H√∂fe. Die Reaktion der Roten lie√ü nicht auf sich warten, denn das Dongebiet blockierte die Eisenbahnen in den Kaukasus und der dortige Aufruhr konnte eine Bedrohung f√ľr das wichtige Industriegebiet des Donezbeckens bedeuten. Bereits im November 1917 wurde der Volkskommissar des Kriegsministeriums, Antonow-Owsejenko, beauftragt, Gegenma√ünahmen zu ergreifen. Durch das Heranbringen von Arbeitern aus Petrograd, die Rekrutierung von Frontheimkehrern aus der Kaukasusfront und die Mobilisierung von Arbeitern aus dem Donezbecken gelang es ihm √ľber den Winter, eine schlagkr√§ftige rote Streitmacht in Stellung zu bringen. Die schwachen Kosakentruppen waren dieser nicht gewachsen; mit der Eroberung der Hauptstadt der Donregion Nowotscherkassk am 25. Februar 1918 war die Revolte beendet. Kaledin beging wegen seines Versagens und der mangelnden Unterst√ľtzung der Kosaken Selbstmord.

Bemerkenswert f√ľr den weiteren Verlauf des Krieges war die Bildung der Freiwilligenarmee unter den Gener√§len Kornilow und Alexejew, ersterer hatte durch seinen gescheiterten Milit√§rputsch im Juli 1917 entscheidend den Bolschewiki in die H√§nde gespielt. Dieser Verband verf√ľgte zwar zur Zeit der Donkampagne nur √ľber 4.000 Soldaten, doch sollte er die Keimzelle der sp√§teren Wei√üen Armee in S√ľdrussland werden. Zun√§chst setzte sich die Truppe nach der Niederlage in die Steppe s√ľdlich des Dongebietes ab. Dort fand ihr Oberbefehlshaber durch einen Artillerietreffer am 10. April den Tod. Sein Nachfolger Denikin sollte die Geschicke der konservativen Kr√§fte in S√ľdrussland f√ľr das weitere Jahr bestimmen.

Nachdem der Aufstand am Don gescheitert war, wurde nun auch die letzte Kosakenregion am Kuban von den Roten unterworfen. Dort hatten sich die √∂rtlichen Kosaken ohne einen popul√§ren Anf√ľhrer von au√üen gegen die Sowjetmacht gewandt. Am 13. M√§rz wurde ihre Hauptstadt Jekaterinodar von roten Verb√§nden erobert, und somit war auch die Gegenrevolte am Kuban vorerst gescheitert.

Erhebungen nationaler Minderheiten

Ukraine

Die Ukrainer stellten die gr√∂√üte nationale Minderheit im Zarenreich und lebten auch in einem ‚Äěgeschlossenen‚Äú Territorium. Schon ab dem 19. Jahrhundert hatte sich ein ukrainischer Wunsch nach nationaler Unabh√§ngigkeit herausgebildet. Mit der Schw√§che der Zentralmacht verfestigte sich dieser Anspruch 1917 in einer eigenen parlamentarischen Regierung, der Ukrajinska Narodna Respublika. Diese wurde zwar von ukrainischen Sozialrevolution√§ren und Marxisten dominiert, behielt aber trotzdem den Wunsch nach nationaler Eigenst√§ndigkeit.

Die Regierung Lenins wollte allerdings eine nationale Unabh√§ngigkeit der Ukraine im Zeichen des Parlamentarismus nicht dulden, insbesondere da Russland von ukrainischer Nahrungs- und Rohmaterialproduktion abh√§ngig war. Der Versuch einer politischen L√∂sung des Problems konstituierte sich am 4. Dezember 1917. In Kiew wurde auf Befehl aus Petrograd ein ‚ÄěAllukrainischer Sowjetkongress‚Äú gebildet, der als Gegenregierung zur Rada fungieren sollte. Am gleichen Tag stellten die Bolschewiki dem ukrainischen Parlament das Ultimatum, den Sowjetkongress anzuerkennen. Andernfalls wurde mit Anwendung milit√§rischer Gewalt gedroht.

Ein Versuch, die parlamentarischen Strukturen wie in Russland zu beseitigen, scheiterte an mangelnder Unterst√ľtzung der Bev√∂lkerung. Lenins Partei war in der Ukraine eher unpopul√§r, nur 11 % der Bev√∂lkerung des Landes hatte bei den Wahlen zur Nationalversammlung 1917 f√ľr sie gestimmt. Dies f√ľhrte dazu, dass sich die roten Parlamentarier noch am selben Tag aus Kiew nach Charkow zur√ľckziehen mussten. Unter der dortigen, mehrheitlich russischen Bev√∂lkerung fanden sie gr√∂√üeren Anklang.

Somit wurde der ehemalige zaristische Offizier und Sozialrevolution√§r Michail Murawjow von Lenin beauftragt, die Angelegenheit milit√§risch zu bereinigen. Die Rada verf√ľgte zwar √ľber die Unterst√ľtzung der st√§dtischen Intelligenzija, aber sie schaffte es nicht, leistungsf√§hige milit√§rische Strukturen aufzubauen. Die Gegenwehr der improvisierten ukrainischen Einheiten brach schnell zusammen und schon am 26. Januar 1918 wurde Kiew von Rotgardisten erobert.

Finnland

Wei√üe B√ľrgermiliz, sogenanntes ‚ÄěSchutzkorps‚Äú in Finnland
‚Üí Hauptartikel: Finnischer B√ľrgerkrieg

Finnland hatte sich unter zaristischer Herrschaft eine weitgehende politische Selbstbestimmung bewahrt. Ein eigenes Parlament verwaltete das Land und war das politische Zentrum der Nation, auch im Zarenreich. Ebenso waren die Finnen von der allgemeinen Wehrpflicht im Romanowstaat entbunden. Doch auch in Finnland gewannen die Bolschewiki Einfluss auf die Arbeiterbewegung. Eine Verfassungskrise, Lebensmittelknappheit und hergebrachte soziale Spannungen f√ľhrten zusammen mit diesem Einfluss zum revolution√§ren Umsturzversuch am 27. Januar 1918. Dieser gelang in S√ľdfinnland, w√§hrend der Norden von den ‚Äěwei√üen‚Äú Regierungstruppen behauptet wurde. Es kam zum B√ľrgerkrieg zwischen den ‚ÄěRoten‚Äú und den ‚ÄěWei√üen‚Äú. W√§hrend die Gegner zahlenm√§√üig in etwa gleich stark waren, konnten sich die Wei√üen im Verlaufe des Krieges durch bessere Ausbildung der Truppen und vor allem durch die Heimkehr von in Deutschland ausgebildeten J√§gern einen Vorsprung in der Qualit√§t der Kampfverb√§nde verschaffen. Lenin, der die finnische Unabh√§ngigkeit im Januar anerkannt hatte, war durch den Friedensvertrag von Brest-Litowsk an gro√ü angelegter Hilfe f√ľr die Roten gehindert. Bis zum 5. Mai 1918 konnten die Wei√üen unter der F√ľhrung von General Mannerheim den roten Widerstand brechen und den Aufstand niederschlagen. Das b√ľrgerliche System blieb damit erhalten, und Finnland wurde in der Folge eine demokratische Republik.

Bessarabien

Einen weiteren R√ľckschlag f√ľr die Bolschewiki stellte die Abspaltung der 1,5 Millionen Rum√§nen in Bessarabien dar. Schon im Januar 1918 bildete sich hier eine Gegenregierung, und die Moldauische Demokratische Republik wurde ausgerufen. Eilig herangebrachte Rotgardisten aus Odessa wurden mit Hilfe von Truppen aus dem rum√§nischen Gesamtstaat zur√ľckgeschlagen. Im April 1918 erfolgte die Wiedervereinigung der Minderheit mit ihrem Heimatland. Die Regierung in Petrograd begn√ľgte sich damit, den rum√§nischen Botschafter als Geisel zu nehmen und die Petrograder Goldreserve des Landes zu beschlagnahmen. Sie unternahm keine weitere Anstrengung, das verlorene Gebiet zur√ľckzuerobern.

1918 ‚Äď Intervention der Mittelm√§chte

Operation Faustschlag

Die Administration der Bolschewiki war bez√ľglich des weiteren Vorgehens gegen√ľber den Mittelm√§chten gespalten. Nur ein kleiner Teil der Partei, allerdings inklusive Lenins, sprach sich f√ľr einen Frieden um jeden Preis aus. Die Mehrheit der Kommunisten hielt es f√ľr unannehmbar, weite Teile des Landes an die ‚ÄěImperialisten‚Äú abzutreten. Die Konsequenz war die durch Leo Trotzki aufgestellte Formel, dass man mit dem Deutschen Kaiserreich und √Ėsterreich-Ungarn weder Krieg noch Frieden anstrebe. Dies verlautbarte Trotzki auch bei den Waffenstillstandsverhandlungen und verlie√ü diese im Eklat.

Die OHL unter Erich Ludendorff zog daraufhin eine Fortsetzung des Krieges in Betracht, um die kommunistische Regierung in Petrograd zum Friedensschluss zu zwingen. Die Operation Faustschlag sah ein Vorr√ľcken der deutschen und k.u.k.-Truppen auf der gesamten Breite der Ostfront vor. Am 18. Februar 1918 begann diese Operation und es zeigte sich rasch, dass der Widerstand der irregul√§ren Einheiten aus revolution√§ren Arbeitern und Bauern wirkungslos war. Bereits drei Tage sp√§ter fiel Minsk, am 24. Februar Schitomir und am 3. M√§rz schlie√ülich die ukrainische Hauptstadt Kiew. Einen Tag darauf willigte die Delegation unter Leitung Trotzkis in den Friedensvertrag von Brest-Litowsk ein. Lenin war es gelungen, die Partei angesichts der milit√§rischen Niederlage von seinem Standpunkt zu √ľberzeugen. Dieser Vertrag brachte den Deutschen die Kontrolle √ľber die Ukraine, die Krim und Teile Wei√ürusslands und S√ľdrusslands ein. Der Vormarsch der Mittelm√§chte ging allerdings auch nach Vertragsabschluss weiter.

Politische Wirkung der Besatzung

Folgen des Waffenstillstands von Brest-Litowsk

Das Vorgehen der Mittelm√§chte hatte die Wirkung eines Katalysators auf die politischen Spannungen zwischen den B√ľrgerkriegsparteien. Die Macht der Bolschewiki wurde √ľberall dort gebrochen, wo deutsche Soldaten einmarschierten. Die Besetzung gab den Fraktionen, die gerade w√§hrend der Konsolidierungsphase der Roten an den Rand gedr√§ngt worden waren, neues Potential. So kam es beim deutschen Vormarsch auf der Krim zu einer Erhebung der muslimischen Krimtataren. Diese gipfelte in der Ermordung des Rates der Volkskommissare der √∂rtlichen Sowjetrepublik.

In der Ukraine lebte der Nationalismus mit dem Einmarsch der Deutschen wieder auf. Die vorr√ľckenden deutschen Truppen hatten schon bei der Eroberung Schitomirs Unterst√ľtzung durch ukrainische Eisenbahnarbeiter bekommen. So kehrte auch kurz nach der Eroberung Kiews die Rada wieder in die Hauptstadt zur√ľck. Ihr parlamentarisches Wirken w√§hrte nur kurz. Sie wurde am 29. April 1918 gest√ľrzt, da den deutschen Besatzern ein marxistisch dominiertes Parlament gef√§hrlich erschien. Die Macht erhielt der konservative Nationalistenf√ľhrer Pawlo Skoropadskyj, der fortan unter dem Titel Hetman als Diktator des Landes fungierte. Allerdings konnte er seine Herrschaft nur bis zur deutschen Niederlage im Weltkrieg aufrechterhalten. Danach √ľbernahm wieder die Rada die Macht in der Ukraine, nur um sie zwei Monate nach dem deutschen Abzug nach der Novemberrevolution wieder an die Sowjetmacht zu verlieren.

Im Baltikum hatte die deutsche Besetzung weitgehendere Folgen. In Estland war die Popularit√§t der Bolschewiki sehr gering und den Revolution√§ren misslang unter der deutschen Besatzung der Aufbau einer politischen Organisation, die dies h√§tte √§ndern k√∂nnen. Ebenso konnten die Konservativen die Bauernschaft durch die Enteignung deutschst√§mmiger Gutsbesitzer auf ihre Seite ziehen. Infolgedessen bildete sich eine nationalistische Regierung unter der F√ľhrung der estnischen Sozialdemokraten, die sich auch milit√§risch im Folgejahr gegen die Roten behaupten konnte. Lenin versuchte, Litauen noch durch die Bildung einer lokalen Sowjetrepublik an die √úberreste des russischen Reiches zu binden. Dieser Versuch scheiterte an einer Milit√§rintervention Polens und am Widerstand der b√ľrgerlichen Kr√§fte des Landes. In Lettland erwies sich die Situation als komplexer. Dort herrschte ein labiles Gleichgewicht zwischen nationalistischen und kommunistischen Gruppen. Im Januar 1919 versuchte die Parteif√ľhrung, dies durch den Einmarsch der Roten Armee zu ihren Gunsten ausschlagen zu lassen. Die nationalistischen Kr√§fte gewannen jedoch nach anf√§nglichen Niederlagen die Oberhand. Dies war durch den Br√ľckenschlag zwischen den nationalen Politikern und den hiesigen Deutsch-Balten m√∂glich geworden. Bis zum Mai 1919 hatten die deutsch-lettischen Freikorps unter dem Kommando des ehemaligen deutschen Generals von der Goltz die Hauptstadt Riga unter ihre Kontrolle gebracht und somit den letzten sowjetischen Einfluss aus dem Baltikum verdr√§ngt.

Militärische Bedeutung

In der F√ľhrung der Bolschewiki gab es zwei Lehrmeinungen, wie die Rote Armee aufgebaut werden sollte. Die Position der marxistischen Ideologie, unter anderem vertreten durch Stalin oder den ersten Oberkommandierenden Krylenko, verlangte nach einer ‚Äěrevolution√§ren Armee‚Äú. Diese sollte eher die Form einer Miliz erhalten, ohne milit√§rische R√§nge auskommen und nur durch von den Soldaten gew√§hlte Offiziere gef√ľhrt werden. So war auch der Aufbau der roten Truppen seit der Revolution erfolgt. Die deutsche Offensive zeigte eindeutig das Scheitern dieser Politik. Die improvisierten Einheiten unter dem roten Stern erwiesen sich als unf√§hig, Gel√§nde selbst gegen schwache deutsche Landwehrtruppen zu behaupten. Krylenko wurde als Oberbefehlshaber abgesetzt und Trotzki beauftragt, nach seinen Pr√§missen die Rote Armee aufzubauen. Er sah daf√ľr den Aufbau einer regul√§ren Armee vor, die zwar ideologisch indoktriniert, aber trotzdem nach den Ma√ügaben des Gehorsams und der Disziplin aufgebaut werden m√ľsse. Das anvisierte Ziel war die Aufstellung einer Armee von 700.000 Soldaten bis Ende 1918. W√§hrenddessen sollten die verbliebenen irregul√§ren Verb√§nde als ‚ÄěVorh√§nge‚Äú vor den deutschen Truppen wenigstens einen symbolischen Schutz vor einer m√∂glichen weiteren deutschen Intervention bieten.

1918 ‚Äď Konsolidierung der antibolschewistischen Kr√§fte

Aufstand der Sozialrevolutionäre

Gebiet unter sowjetischer Kontrolle bis Ende 1918 und Erhebungen gegen die Zentralmacht

Die junge Sowjetmacht hatte zwar die Eisenbahnfeldz√ľge f√ľr sich entschieden, doch durch die Invasion der Deutschen war ihre Macht zu Jahresende ebenso unsicher und fragil wie nach der Revolution. Als bestimmender Faktor, der die Reihe der antibolschewistischen Erhebungen des Jahres 1918 einleitete, fungierte wiederum ein externes Element. Die Tschechoslowakische Legion, noch unter dem Zaren vor allem aus k.u.k.-Kriegsgefangenen aufgestellt, erwies sich als erste ernste milit√§rische Bedrohung der kommunistischen Herrschaft. Sie sollten in Abstimmung mit der Entente √ľber den russischen Pazifikhafen Wladiwostok wieder nach Europa zur√ľckgef√ľhrt werden. Das Korps, insgesamt rund 40.000 Soldaten, war aufgrund der Widrigkeiten des Transports entlang der Transsibirischen Eisenbahn √ľber weite Distanzen verteilt. Am 14. Mai kam es zu einem Zusammensto√ü zwischen tschechischen Soldaten und ungarischen Kriegsgefangenen in Tscheljabinsk, bei dem es Tote gab. In seiner Funktion als Kriegskommissar gab Trotzki daraufhin den Befehl, die fremden Truppen zu entwaffnen. Die Tschechoslowaken, die durch die Appeasementpolitik der Bolschewiki gegen√ľber den Mittelm√§chten immer misstrauischer wurden, verweigerten die russische Order. Daraufhin gab Trotzki ‚Äď an radikale Politikformen mittlerweile gew√∂hnt ‚Äď den Schie√übefehl auf jeden bewaffneten Angeh√∂rigen der Legion. Dies erwies sich allerdings als Fehleinsch√§tzung, denn die wenigen Roten im Gebiet der Wolga und in Sibirien waren den regul√§r ausgebildeten Tschechen keineswegs gewachsen.

Infolgedessen gelang es einer anderen politischen Gruppe, die Tschechen f√ľr sich zu instrumentalisieren. Die Sozialrevolution√§re des Gebiets Samara konnten durchziehende Teile der ausl√§ndischen Truppe f√ľr eine Rebellion gegen die Bolschewiki gewinnen. So wurde im Juni 1918 in Samara das ‚ÄěKomitee der Mitglieder der konstituierenden Verhandlung‚Äú (KOMUTSCH) gegr√ľndet. Damit versuchten die Sozialrevolution√§re, an den durch die Bolschewiki unterdr√ľckten demokratischen Prozess der russischen Konstituante anzukn√ľpfen, in der sie selbst die Mehrheit gestellt hatten.

Mit Hilfe der Tschechen gelang es ihnen, die Kontrolle √ľber die Gebiete Samara und Ufa zu gewinnen und teilweise auf benachbarte Oblasti auszudehnen. Aus diesem Gebiet versuchte die sozialistische Gegenregierung eine ‚ÄěVolksarmee‚Äú von 30.000 Mann zu rekrutieren. Da nur ca. 10.000 Freiwillige zur Verf√ľgung standen, wurden Soldaten zwangsweise ausgehoben. Dies machte die Sozialrevolution√§re unpopul√§r, vor allem da die Bolschewiki bisher nur auf Freiwillige zur√ľckgegriffen hatten, und minderte die Kampfmoral der Truppen erheblich. Des Weiteren vermochte das Komitee es nicht, seine anf√§ngliche Popularit√§t unter den Bauern in politisches Kapital umzum√ľnzen. Andere Schichten standen ihr nicht zur Verf√ľgung. Die marxistischen Menschewiki verwahrten sich aus doktrin√§ren Gr√ľnden einer Rebellion gegen die Sowjetmacht. Die Arbeiter konnten aufgrund der Propaganda der Petrograder Regierung der Arbeiter und Bauern nicht gewonnen werden. Die Schicht der st√§dtischen Gebildeten und des B√ľrgertums war den sozialistischen Tendenzen des KOMUTSCH abgeneigt. So konnte man angesichts der politischen und milit√§rischen Schw√§che nur auf die Reaktion der roten Zentralregierung warten. Trotzki zog w√§hrend des Sommers m√∂glichst viele Soldaten aus den ‚ÄěVorh√§ngen‚Äú gegen√ľber den Mittelm√§chten ab. Bis zum Oktober 1918 verf√ľgte die rote Armeegruppe Ost unter Tuchatschewski √ľber mehr als 100.000 Mann. Dieser rote General wollte allerdings nicht bis zur vollen St√§rke warten und schlug bereits im September los. Nachdem der Versuch der Volksarmee unter Kappel misslungen war, die Bahnlinie nach Moskau zu unterbrechen, waren die Streitkr√§fte der KOMUTSCH weitgehend demoralisiert. Noch im September gelang den Roten die Eroberung von Kasan und Simbirsk und am 7. Oktober fiel schlie√ülich Samara. Die tschechoslowakischen Einheiten waren durch die Ereignisse auch soweit entmutigt worden, dass sie sich kampflos nach Osten zur√ľckzogen. Der √∂rtliche Kommandant der Legion, Svec, beging dar√ľber hinaus nach dem Fall der Hauptstadt der Bewegung Selbstmord.

Erneute Erhebung im Don-Gebiet

Nur einen Monat, nachdem die Bolschewiki das R√ľckgrat der Kosakenrevolte gebrochen hatten, erhoben sich die ehemaligen Wehrbauern des Zaren erneut. Am 6. Mai wurde die Hauptstadt des Kosakenstammlandes am Don, Nowotscherkassk von den Wei√üen erobert und die noch schwache rote Administration √ľberrumpelt. Grund hierf√ľr war die Erbitterung unter den Kosaken und auch der nichtkosakischen Bev√∂lkerung, die ein Monat Herrschaft der Roten hervorgerufen hatte. Einerseits sorgte die Zwangsrequirierungspolitik von Nahrungsmitteln der Zentralregierung in Petrograd f√ľr einen Konflikt mit der Obrigkeit. Andererseits wirkten sich die drakonischen Methoden der roten Einheiten auf die Volksmeinung aus. Diese befolgten den Leitsatz Trotzkis, wonach Terror Mittel der √úberzeugung sei, nahmen Geiseln und erschossen sie.

Als ma√ügebliches Element erwies sich allerdings wiederum ein externer Faktor. Durch den Einmarsch deutscher Soldaten in die umliegenden Gebiete wurde die Sowjetmacht aus den Orten zur√ľckgedr√§ngt, an denen sich die Invasoren befanden. Die Rebellion der Kosaken erhielt auch in der Anfangsphase Sch√ľtzenhilfe von ihren einstigen Feinden. Deutsche Truppen blockierten die Eisenbahnen ins Don-Gebiet und verlangsamten so die Heranbringung roter Truppen. Ebenso wurden erbeutete russische Waffen an die Aufst√§ndischen weitergegeben. So konnte sich die Aufst√§ndischenarmee unter der F√ľhrung des Generals Krasnow bereits im Juni auf 40.000 Bewaffnete st√ľtzen.

Diese Vorteile m√ľnzte Ataman Krasnow auch in milit√§rische Aktionen um. Im August 1918 begann General Mamontow eine Kavallerieattacke gegen Zarizyn. Dies war der erste massierte Einsatz von Kavallerie im B√ľrgerkrieg und er sollte die Rote Armee veranlassen, selbst auch berittene Truppen aufzustellen. Nachdem sich Mamontow zeitweise zur√ľckziehen musste, gipfelte ein weiteres Vorr√ľcken der Wei√üen in einer Belagerung der Stadt. Die Schlacht um die Stadt dauerte bis Oktober an und wurde aufgrund der Verteidigungsanstrengungen in der kommunistischen Propaganda zum Roten Verdun verkl√§rt. Als sich Mamontow endg√ľltig zur√ľckzog verf√ľgte er nur noch √ľber einen Bruchteil seiner Soldaten, denn die Mehrheit der Kosaken hatte sich ausgiebigen Pl√ľnderungen hingegeben und desertierte mit ihrer Beute in ihre Heimatregionen. Die Rolle Josef Stalins in diesem Kampf wurde w√§hrend seiner Zeit als sowjetischer Staatschef stark glorifiziert. Zu Jahresende hatte die Armee der Donkosaken zwar nur geringe Teile au√üerhalb ihres Stammlandes halten k√∂nnen, doch keimte im Kubangebiet noch ein weiterer milit√§rischer Kern des Widerstands gegen die Sowjetmacht.

Als zweitgr√∂√üte Kosakenpopulation erhob sich 1918 auch die Kubanregion gegen die neuen Herrscher des ehemaligen Reiches. Die Blockade des s√ľdlichen Kubangebiets durch die Deutschen gab auch hierbei den entscheidenden Ausschlag. Somit war der Kuban und die Nordkaukasische Sowjetrepublik von Nachschub und Verst√§rkungen aus dem sowjetischen Zentralrussland abgeschnitten. Diesen Schwachpunkt versuchte der Kommandeur der Freiwilligenarmee Denikin zu nutzen. Allerdings standen den 9.000 wei√üen Freiwilligen zwischen 80.000 und 100.000 Soldaten der Bolschewiki entgegen. Die Truppen Denikins wurden von Berufsoffizieren gef√ľhrt, und fast alle Soldaten hatten im Weltkrieg gedient. Die noch ohne milit√§risches Training irregul√§r aufgestellten kommunistischen Truppen wurden von einem fr√ľheren Unteroffizier gef√ľhrt und hatten der Professionalit√§t ihrer Gegner wenig entgegenzusetzen. Am Ende der im Mai begonnenen Kampagne eroberten die Wei√ügardisten die Hauptstadt der kurzlebigen Sowjetrepublik Jekaterinodar am 18. August 1918.

Weiße Bewegung in Sibirien

Truppen der Tschechoslowakischen Legion in Wladiwostok

Sibirien bot schon ohne die Anwesenheit antibolschewistischer Kr√§fte einen eher schwachen Boden f√ľr die revolution√§re Ideologie Lenins. Der Gegensatz zwischen Gro√ügrundbesitzern und Pachtbauern war schw√§cher, da es weit weniger gro√üe Anwesen als in anderen Teilen Russlands gab. Ebenso stand eine gr√∂√üere Arbeiterschaft nicht zur Verf√ľgung, die f√ľr die Sache des Kommunismus h√§tte radikalisiert werden k√∂nnen. Gemessen an den Wahlen zur konstituierenden Versammlung waren die Sozialrevolution√§re die dominante politische Partei, w√§hrend in den St√§dten eher konservative Elemente R√ľckhalt besa√üen. Mit der Wendung der Tschechoslowakischen Legion gegen die Sowjetmacht wurde die d√ľnne Patina der Parteiherrschaft √ľber Sibirien vollends hinweggewischt. Das nichtrussische Korps brachte mit der Transsibirischen Eisenbahn die einzige Transportachse innerhalb des riesigen Landes unter seine Kontrolle. Nach einw√∂chiger Belagerung eroberten die Tschechoslowaken am 25. Juni 1918 Jekaterinburg, das √∂rtliche Verwaltungszentrum der Bolschewiki. Die vom sowjetischen Zentralrussland abgeschnittenen roten Truppen zogen sich daraufhin so weit wie m√∂glich nach Westen zur√ľck. Zwei Tage sp√§ter konstituierte sich in Omsk eine ‚ÄěProvisorische Regierung Sibiriens‚Äú unter Pjotr Wassiljewitsch Wologodski, die aus Regionalisten und Sozialrevolution√§ren bestand.

Neben den zivilen Intellektuellen der St√§dte und ausl√§ndischen Kr√§ften ruhte die antikommunistische Bewegung aber noch auf zwei weiteren S√§ulen. Einerseits lehnten die Kosaken Sibiriens, die ebenfalls in Omsk ihr Zentrum besa√üen, die Revolution ab. Andererseits befanden sich in Sibirien mehr als 8.000 entlassene Offiziere der ehemaligen Zarenarmee. Als Anh√§nger eines ungeteilten russischen Nationalstaats lehnten sie aber sowohl die Sezessionsbestrebungen der Regionalisten als auch die Ideen der sozialen Umw√§lzungen der Sozialrevolution√§re ab. Die Provisorische Regierung schaffte es den Sommer √ľber nicht, einen Apparat aufzubauen, der die gewaltige Fl√§che Sibiriens administrativ durchdrang, noch konnte sie die politischen Gegens√§tze zu den Konservativen √ľberbr√ľcken. Angesichts der Schw√§che der Regierung und aus Opposition gegen ihre politischen Positionen f√ľhrten die konservativen Milit√§rs am 17. November 1918 einen Putsch durch, der zwar unblutig ablief, aber die parlamentarische Phase des Widerstands gegen die Bolschewiki endg√ľltig beendete. An die Stelle der Provisorischen Regierung trat Admiral Koltschak, der auf ein Direktorium von Zivilisten eine Milit√§rdiktatur gr√ľndete. Er sollte sich als nomineller F√ľhrer der wei√üen Bewegung hervorheben und das folgende Kriegsjahr weitgehend pr√§gen. Sein Programm hat er selbst wie folgt zusammengefasst:

‚ÄěIn den au√üerordentlich schwierigen Bedingungen des B√ľrgerkriegs nehme ich das Kreuz dieser Macht auf mich und erkl√§re: Ich werde weder den Weg der Reaktion gehen, noch den fatalen Weg der Parteipolitik. Ich setze als mein Hauptziel den Aufbau einer effizienten Armee, den Sieg √ľber die Bolschewiki und das Wiederherstellen von Recht und Ordnung. So dass das Volk f√ľr sich selbst ohne Unterdr√ľckung die Art ihrer Regierung entscheiden kann unter Erkennung der Ideale der Freiheit, die √ľberall in der Welt verlautbart werden.‚Äú[2]

Diese Ablehnung des Anbietens einer politischen Vision, durch die Ablehnung der Parteipolitik, sollte sich sp√§ter als einer der Gr√ľnde des Scheiterns der Milit√§rregierung erweisen, doch √ľber den Winter 1918 kamen die Operationen auf beiden Seiten einstweilig zum Stillstand. Rote wie Wei√üe bereiteten sich auf das kommende Jahr vor.

Intervention der Entente-Mächte

Die Entscheidung Lenins, durch die Annahme des Diktatfriedens von Brest-Litowsk ein bedingungsloses Appeasement gegen√ľber den Mittelm√§chten durchzuf√ľhren, f√ľhrte erfolgreich zur Abwendung der milit√§rischen Bedrohung, die die deutschen und k.u.k.-Truppen f√ľr die junge Sowjetmacht darstellten. Allerdings wurde durch diese Politik das Verh√§ltnis zu den Entente-Staaten sehr belastet. Zur Sicherung ihrer Interessen in Russland und um einer weiteren deutsch-sowjetischen Ann√§herung entgegenzuwirken, wurden noch w√§hrend des Weltkriegs Truppen nach Russland entsandt.

Da die europ√§ischen H√§fen Russlands an der Ostsee f√ľr die Alliierten noch nicht erreichbar waren, landete das erste britische Kontingent aus 600 Soldaten im Juni 1918 in Murmansk am Arktischen Ozean. Dieser Hafen, fernab vom russischen Kernland, wurde zwar von den Engl√§ndern besetzt, weitere Aktionen wurden allerdings nicht durchgef√ľhrt.

Gefangene Bolschewiki in Archangelsk

Ein weiteres Landungsunternehmen fand im August 1918 in Archangelsk statt. Hier landeten zuerst 600 britische und franz√∂sische Soldaten. Sie wurden durch ein US-Kontingent von 5.000 Mann der Polar Bear Expedition verst√§rkt. Anlass war die Sicherung der dortigen Waffendepots, die weder in die H√§nde der Deutschen noch der Bolschewiki fallen sollten. Ebenso betonten amerikanische Politiker die Verpflichtung, der Tschechoslowakischen Legion zu Hilfe zu eilen, was allerdings aufgrund der enormen Distanz zwischen Archangelsk und den Tschechoslowaken in Sibirien eher den Charakter eines Vorwandes hatte. Die Expeditionstruppe konnte mehrere hundert Kilometer in das Landesinnere vorsto√üen. Vereinzelte K√§mpfe zwischen den Alliierten und roten Truppen zogen sich durch das ganze folgende Jahr, ohne dass eine strategisch bedeutsame Entscheidung herbeigef√ľhrt werden konnte. Im Juli 1919 verlie√üen die verbliebenen ausl√§ndischen Einheiten Nordrussland in Richtung Heimat. In den Ententel√§ndern stand die durch den Ersten Weltkrieg ohnehin kriegsm√ľde √∂ffentliche Meinung der Intervention immer ablehnender gegen√ľber.

Im Dezember 1918 landete ein franz√∂sisch-griechisches Kontingent von 1.000 Mann in Odessa. Unterst√ľtzt wurde es von einem franz√∂sischen Flottenverband. Als sich das Kriegsgeschehen n√§herte, zog sich die franz√∂sische Flotte nach einer Meuterei (bei der die rote Fahne gehisst wurde) im April 1919 zur√ľck.[3] Die letzten Ententetruppen verlie√üen Odessa am 7. April 1919.

US-Truppen in Wladiwostok 1918
Toter Soldat der Roten Armee in Archangelsk

Am l√§ngsten w√§hrte die ausl√§ndische Pr√§senz im gr√∂√üten Pazifikhafen des ehemaligen Zarenreiches. Schon im April des Jahres 1918 waren einzelne japanische und britische Verb√§nde in Wladiwostok an Land gegangen. Ihnen folgte auch hier ein amerikanisches Expeditionskorps aus 8.000 Soldaten. Wladiwostok sollte als Nachschublinie f√ľr die sibirischen Truppen Koltschaks dienen. Dieser war aufgrund seiner antideutschen Haltung von der Entente als legitimes Staatsoberhaupt Russlands anerkannt worden. Bis zum Niedergang der wei√üen Bewegung 1920 blieben die alliierten Soldaten in Sibirien. Die Kommunisten gr√ľndeten 1920 in Tschita die Fern√∂stliche Republik. Als Gegengewicht gegen diese gr√ľndeten die 70.000 Mann starken japanischen Interventen[4] 1921 die K√ľstenrepublik. Im Kampf zwischen beiden Staaten setzten sich schlie√ülich die Roten durch. Sie erreichten Wladiwostok allerdings erst im Dezember 1922, nach der Integration der Fern√∂stlichen Republik in die Sowjetunion.

Auch wenn die Bedeutung der Interventionstruppen von sowjetischen Historikern oft herausgestellt wurde, so war ihr milit√§rischer Einfluss auf die Vorg√§nge des B√ľrgerkrieges marginal. Die deutsche Besetzung bis zum Kollaps des Kaiserreichs im November 1918 erwies sich als weitaus gr√∂√üere Bedrohung f√ľr den Sowjetstaat als die in der Peripherie stationierten kleinen Kontingente der ehemaligen B√ľndnispartner. Weitaus wichtiger f√ľr das B√ľrgerkriegsgeschehen waren alliierte Lieferungen und Hilfsleistungen an die wei√üen Truppen in Sibirien und in S√ľdrussland. So schrieb Winston Churchill in einem Memorandum vom 15. September 1919, das im Jahr 1919 England 100 Millionen Pfund und Frankreich zwischen 30 und 40 Millionen Pfund f√ľr die wei√üen Truppen in Russland ausgegeben h√§tten.[5]

1919 ‚Äď Die Niederlage Koltschaks

Militärischer Verlauf

In Sibirien und dem Ural hatte sich unter Admiral Koltschak als nominell h√∂chstes Organ der wei√üen Bewegung eine Milit√§rdiktatur herauskristallisiert. √úber den Winter 1918/19 hatte sie ihre Herrschaft festigen k√∂nnen, da die sowjetische Regierung, nun mit Sitz in Moskau, sich au√üenpolitischen Zielen zuwandte. Die kommunistische F√ľhrung erwartete die Weltrevolution. Diese Erwartung wurde durch die Novemberrevolution in Deutschland noch verst√§rkt. So verfasste im Mai 1919 die Komintern Aufrufe, die den proletarischen Aufstand in Europa propagierten. Ein weiterer Faktor f√ľr die Passivit√§t der Bolschewiki gegen√ľber der Bewegung Koltschaks war die Verkennung der Lage durch die F√ľhrer der Roten Armee. Trotzki schilderte zu Jahresbeginn 1919 die Lage an den B√ľrgerkriegsfronten als beruhigt und f√ľr die Kommunisten vorteilhaft.

In diesem Klima erwies sich die am 4. M√§rz 1919 begonnene Offensive der Wei√üen Armee Koltschaks als √ľberraschender Schlag gegen die Sowjetmacht. Die Operation zielte auf Ufa, den zentralen Eisenbahnknotenpunkt im Ural ab. Durchgef√ľhrt wurde sie von zwei Armeen. Die Westliche Armee unter General M. W. Khanzin stie√ü direkt in Richtung Ufa vor. Die Sibirische Armee unter dem tschechischen General Gajda befand sich 200 km n√∂rdlich und sollte von Perm aus vorsto√üen. Der Sibirischen Armee gelang zwar ein Vorsto√ü √ľber fast 300 Kilometer ins rote Gebiet. Dies war jedoch strategisch zweitrangig, da sich in dem vor ihr liegenden Gebiet keine wichtigen St√§dte oder Transportknotenpunkte befanden. Das Vordringen der Westlichen Armee erwies sich als Schock f√ľr die rote Milit√§rf√ľhrung. Der Westlichen Armee gelang es am 28. April 1919, Ufa zu erobern und somit den zentralen Eisenbahnzugang zum Ural f√ľr die Roten zu sperren. Die Rote 5. Armee, die Ufa verteidigte, verlor dabei zwei Drittel ihrer Ausgangsst√§rke von 30.000 Soldaten. Die Eroberung der Stadt erwies sich allerdings als Pyrrhussieg. Nun hielt die Armee Khanzins einen 150 Kilometer tiefen und knapp 300 Kilometer langen Gebietsvorsprung in der Roten Front, dadurch wurden ihre Flanken exponiert. Die n√∂rdliche Armee Gajdas war zu weit entfernt, um der Armee Khanzins Hilfe leisten zu k√∂nnen. Am 28. April begannen die Rote 1. Armee von S√ľden und die Rote 2. Armee von Norden einen Gegenangriff an den Flanken. Ende M√§rz hatte die, nun wieder verst√§rkte, Rote 5. Armee unter dem Kommando von Tuchatschewski Ufa zur√ľckerobert und die wei√üen Truppen standen wieder an ihren Ausgangsstellungen.

Nun hatte auch die politische F√ľhrung der Bolschewiki die Wichtigkeit der √∂stlichen B√ľrgerkriegsfront erkannt. Lenin proklamierte am 29. Mai 1919 folgende These: ‚ÄěWenn wir vor dem Winter nicht den Ural einnehmen, so wird die Niederlage der Revolution unvermeidlich sein.‚Äú[6] Die bis zur Ufa-Offensive Koltschaks materiell vernachl√§ssigte √Ėstliche Armeegruppe der Roten wurde nun personell rasch aufgestockt. Zu Jahresbeginn umfasste sie 84.000 Mann, bis Mitte Mai hatte sich ihre St√§rke auf 360.000 Mann vervierfacht. Die Gesamtzahl der k√§mpfenden Truppe Koltschaks belief sich zu Beginn seiner Operation auf etwa 100.000 Bewaffnete. Dementsprechend erfolgreich zeigte sich die Sommeroffensive der Roten Truppen. Am 1. Juli wurde Perm zur√ľckerobert, die Sibirische Armee der Wei√üen trat daraufhin einen ungeordneten R√ľckzug nach Osten an. Zwei Wochen sp√§ter fiel mit Jekaterinburg das wichtigste Industriezentrum des Urals an die Roten. Am 24. Juli wurde Tscheljabinsk von der Roten 5. Armee erobert. Damit waren Koltschaks Einheiten aus dem Uralgebirge verdr√§ngt worden.

Der Verlust dieser Verteidigungslinie erwies sich als Desaster f√ľr die antibolschewistische Bewegung des Admirals. Seine dritte Gro√üformation, die S√ľdliche Armee unter Below, die im Raum Orenburg stand, wurde dadurch von Sibirien abgeschnitten und musste mangels Nachschub am 14. September 1919 kapitulieren. (‚ÜíAktjubinsker Operation)[7] Doch auch den beiden anderen Armeen erging es nicht besser. Nach den verlustreichen Schlachten im Ural konnte der rote Vormarsch nicht mehr aufgehalten werden. Bis zum Oktober war die rote Armeegruppe auf 200 Kilometer an Koltschaks Regierungssitz Omsk heranger√ľckt. Die Stadt fiel am 14. November kampflos an die Truppen der Bolschewiki.

Milit√§rische Gr√ľnde f√ľr das Scheitern

Koltschak vermochte es nicht, die Qualit√§t seiner Armee auf ein den Roten √ľberlegenes Niveau zu heben. Er bem√§ngelte selbst die geringe Verbindung zwischen Mannschaften und Offizieren. Zwar verf√ľgte er mit 17.000 Offizieren √ľber eine beachtliche Anzahl an milit√§rischem F√ľhrungspersonal, es waren aber nur 1.000 Offiziere durch eine regul√§re Kaderausbildung gegangen. Die Mehrheit seiner Truppenf√ľhrer bestand aus im Weltkrieg in Unteroffiziersr√§nge bef√∂rderten Wehrdienstleistenden. Auch die Mannschaften selbst stellten ein Problem dar. W√§hrend die Bolschewiki auch aus dem Reservoir der Weltkriegsveteranen sch√∂pften und somit bereits ausgebildete Soldaten mit Gefechtserfahrung hatten, war Koltschak gegen√ľber dieser Bev√∂lkerungsgruppe sehr reserviert. Die wei√üe Administration zog fast ausschlie√ülich die Jahrg√§nge heran, die nicht im Weltkrieg gedient hatten, da Koltschak die Durchdringung der Veteranen mit revolution√§rer Propaganda, noch aus der Zeit des Krieges, f√ľrchtete. Die Ausbildung der Eingezogenen war mangelhaft und verlief zu langsam. Als Omsk an die Roten fiel, befanden sich in der Stadt ann√§herend 30.000 junge Wehrpflichtige, die nie ein milit√§risches Training erhalten hatten.

Zudem verf√ľgten die Sowjets mit Zentralrussland als Basis √ľber ein gr√∂√üeres Bev√∂lkerungsreservoir als die Wei√üen mit dem d√ľnn besiedelten Sibirien. So hatte die Rote Armee bereits zum Jahreswechsel 1918/19 eine St√§rke von fast 800.000 Soldaten. Dies √ľbertraf die Gesamtst√§rke aller wei√üen Armeen in Russland bei weitem. Die zahlenm√§√üige Unterlegenheit f√ľhrte dazu, dass die wei√üen Truppen ohne Ruhepause an der Front standen, w√§hrend die Rote Armee ihre Truppen aus der Kampflinie ziehen konnte, um sie in der Etappe zu regenerieren. Dies erkl√§rt den Zusammenbruch der wei√üen Kampfmoral nach dem Scheitern der Verteidigung des Urals.

Ein weiteres Problem der wei√üen Truppen war die Versorgung der Truppen mit Munition und Nahrungsmitteln. Weder der Ural noch Sibirien verf√ľgten im Jahre 1919 √ľber eine intakte Kriegsindustrie und der gr√∂√üte Teil der ehemals zaristischen Waffen- und Munitionsreserven befand sich im nun sowjetischen Zentralrussland. Die wei√üen Truppen mussten daher auf die Hilfe der Entente, allen voran Gro√übritanniens zur√ľckgreifen, die √ľber den sibirischen Hafen Wladiwostok eintraf. Zwar wurden bis Jahresende auch gro√üe Mengen an Material bereitgestellt, darunter eine Million Gewehre, 15.000 Maschinengewehre und 700 Gesch√ľtze. Doch der Transport durch ganz Sibirien √ľber mehrere tausend Kilometer erwies sich als gewaltiger Nachteil. Zur Zeit der Ufa-Offensive und der K√§mpfe im Ural hatte der Gro√üteil der ausl√§ndischen Hilfe die Truppe noch nicht erreicht. Als sie dann verf√ľgbar war, befanden sich die Wei√ügardisten bereits auf dem R√ľckzug. Gro√üe Teile des gelieferten Nachschubs fielen auch der Korruption des Regimes zum Opfer und wurden unterschlagen und an Zivilisten verkauft. Dieses Problem wurde auf dem Nahrungssektor noch versch√§rft, da die wei√üe Armee f√ľr viele Zivilisten sorgte, die als Familienangeh√∂rige von Soldaten und Offizieren Rationen in Anspruch nahmen. So hatten zu Jahresbeginn bei einer Kampfst√§rke von 100.000 Mann mehr als 800.000 Personen Anspruch auf Versorgung durch die Armee. Die Ressourcen daf√ľr wurden auf Kosten der √∂rtlichen Bev√∂lkerung requiriert, was die Popularit√§t der Wei√üen in der Bev√∂lkerung entscheidend minderte.

Politische Gr√ľnde f√ľr das Scheitern

Koltschaks politisches Programm zeichnete sich w√§hrend seines ganzes Wirkens durch Unbestimmtheit aus. Einerseits lehnte er zwar die Wiedererrichtung der Monarchie ab, allerdings gab er auch keine politische Vision f√ľr die Zukunft Russlands vor. Er betrachtete eine Milit√§rdiktatur als optimale L√∂sung f√ľr den √úbergangszustand des B√ľrgerkriegs. Dadurch schreckte er die Schicht der st√§dtischen Gebildeten ab, die ein Wiedererstehen der russischen Autokratie f√ľrchtete. Die linken Intellektuellen hatte er schon durch seinen Putsch gegen die Provisorische Regierung Sibiriens 1918 weitgehend gegen seine Bewegung aufgebracht. Gegen√ľber den Arbeitern blieb sein Programm vollkommen gleichg√ľltig, was der kommunistischen Propaganda nur noch mehr Vorschub leistete. Auch die Bauernschaft, der gr√∂√üte Teil der russischen Bev√∂lkerung, konnte er nicht f√ľr sich gewinnen. In den Wirren der Revolution hatte auf dem Land eine ‚Äěschwarze Umverteilung‚Äú stattgefunden. Die Bauern hatten sich gewaltsam das Land der Gutsbesitzer angeeignet. Dies war durch Dekrete der Bolschewiki und der Sozialrevolution√§re im nachhinein legalisiert worden. Koltschak nahm zu dieser Frage keine Stellung und oft f√ľhrte der Einmarsch seiner Truppen zu einer Wiedererlangung des Gro√ügrundbesitzes durch die Adligen. Durch die Beschlagnahmung von Nahrungsmitteln verspielte die Wei√üe Armee noch den letzten Kredit, den sie im Bauernstand besessen hatte. Diese politische Selbstisolierung machte einerseits selbst die Truppen f√ľr die rote Propaganda empf√§nglich, was sich in einer hohen Zahl von Desertionen zeigte. Andererseits verhinderte es, dass die wei√üe Propagandaarbeit die antibolschewistische Sache zu einer Massenbewegung machen konnte.

Noch gr√∂√üer waren die Folgen der politischen Isolation f√ľr die Administration Koltschaks selbst. Er regierte mit Hilfe eines ‚ÄěRates des Obersten Herrschers‚Äú in Omsk, der sich vorwiegend aus Armeeoffzieren und ehemaligen Politikern der Konstitutionellen Demokraten (‚ÄěKadetten‚Äú) zusammensetzte. Diese liberale Partei war ma√ügeblich an der Februarrevolution beteiligt gewesen und hatte die Regierung Kerenski unterst√ľtzt. Da die Durchdringung des Landes mit einem Verwaltungsapparat an mangelnder Unterst√ľtzung der Bev√∂lkerung scheiterte, blieb diese Regierung allerdings macht- und einflusslos. Der wei√üe General Alexei Budberg fasste die Situation des Rates wie folgt zusammen : ‚ÄěDas Regime war nur eine H√ľlse ohne Inhalt. Die Ministerien k√∂nnen mit riesigen, eindrucksvollen Windm√ľhlen verglichen werden. Sie drehen gesch√§ftig ihre Segel, aber ohne M√ľhlsteine und mit einer gr√∂√ütenteils kaputten oder fehlenden Maschinerie.‚Äú[8]

1919 ‚Äď Die wei√üe Bewegung im europ√§ischen Russland

Offensive Denikins

Weitester Vorstoß Denikins und Positionen Koltschaks 1919

Die Situation der wei√üen Bewegung in S√ľdrussland war Anfang 1919 ambivalent. Abgeschnitten von ihrem nominellen Oberhaupt Koltschak verfolgten die s√ľdlichen Einheiten der Wei√üen eine vollkommen eigene milit√§rische Strategie. Die Freiwilligenarmee hatte im Kaukasus einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Die unter dem Kommando des Kosakenf√ľhrers Pjotr Krasnow stehende Don-Armee stand jedoch n√∂rdlich von Rostow in einem Abnutzungskampf mit der roten S√ľdlichen Armeegruppe unter General Wladimir Gittis. Die 100.000 Rotarmisten waren den 38.000 Mann der Don-Armee kr√§ftem√§√üig weit √ľberlegen. Den Mangel an Ausbildung und Disziplin versuchte die rote Milit√§rf√ľhrung durch Aktionen der Tscheka und der Milit√§rtribunale auszugleichen. So wurden allein in einer Armee w√§hrend der K√§mpfe 2.000 Todesurteile ausgesprochen, von denen 150 vollstreckt wurden. Bis zum Februar 1919 war die Kosakenarmee infolge der √úberlegenheit ihrer Gegner auf 15.000 Bewaffnete zusammengeschmolzen. Damit war Krasnows politisches Schicksal besiegelt. Auf Druck der eigenen Leute trat er am 15. Februar von allen Posten zur√ľck. Er wurde durch Bogajewski ersetzt, einen Kosakenf√ľhrer, der sich durch enge Beziehungen zu Anton Denikin hervortat. Der neue Chef der Don-Armee erkannte den milit√§rischen wie politischen Oberbefehl des wei√üen Generals √ľber die Kosaken auch an. Der Abtritt Krasnows war auch au√üenpolitisch von Vorteil f√ľr Denikin. Krasnow hatte vor dem Ende des Weltkriegs versucht, seiner Bewegung materielle Hilfe aus dem Deutschen Reich zu verschaffen und hatte sogar versucht, diplomatische Beziehungen zu Wilhelm II. aufzunehmen. Dies hatte ihn in den Augen Gro√übritanniens desavouiert und somit Denikins Position noch mehr gest√§rkt.

Als nun unumstrittener Anf√ľhrer der Wei√üen in der Don-Region fasste Anton Denikin sowohl die Kosaken wie auch seine eigenen Soldaten in den Streitkr√§ften S√ľdrusslands zusammen und wies die Freiwilligenarmee an, der bedr√§ngten Don-Armee Hilfe zu leisten. Die siegreiche Formation wurde daraufhin aus dem Kaukasus per Eisenbahn in das Donezkbecken verlegt und deckte nun die westliche Flanke der angeschlagenen Don-Armee. Das Kr√§fteverh√§ltnis zwischen Roten und Wei√üen hatte sich allerdings nochmals versch√§rft. Beide wei√üe Armeen verf√ľgten √ľber etwa 50.000 Soldaten. Die kommunistische S√ľdliche Armeegruppe war bis Anfang M√§rz auf √ľber 200.000 Mann gebracht worden. Bis zum Mai war die Freiwilligenarmee unter dem General Wladimir Mai-Majewski auch durch die Roten in die Defensive gedr√§ngt worden. Dieser antikommunistische General vermochte aber die zahlenm√§√üige Unterlegenheit durch die Zuhilfenahme des dichten Eisenbahnnetzes des Donez-Industriegebiets auszugleichen. Seine Truppen pendelten zwischen gut vorbereiteten Verteidigungsstellungen und schlugen die roten Angriffe bis zum Mai zur√ľck. Im Juni ging die Freiwilligenarmee zum Gegenangriff √ľber und konnte sich gegen die geschw√§chte 2. Ukrainische Armee und die 13. Armee der Bolschewiki durchsetzen. Die beiden Armeen wurden in einen ungeordneten R√ľckzug getrieben und schon Ende Juni besetzten die wei√üen Truppen das Zentrum des russischen Teils der Ukraine, Charkow.

Im Osten der Freiwilligenarmee wurde die angeschlagene Don-Armee mit Truppen Denikins verst√§rkt. Das Kommando √ľbernahm der wei√üe General Pjotr Wrangel, der schon in der Kaukasuskampagne siegreich eine Kavalleriedivision befehligt hatte. Wrangel gelang es, seine Truppen gegen√ľber den Angriffen der 10. Armee der Roten unter Jegorow zu konsolidieren. Im Mai 1919 griff er durch geschickten Einsatz seiner Kavallerie die gegnerische Armee √ľberraschend an ihren Flanken an. Dadurch wurden die Bolschewiki in die Defensive gedr√§ngt und auch hier l√∂ste sich der Zusammenhalt der roten Truppen auf. Wrangel verst√§rkte die Offensive und eroberte am 30. Juni 1919 das ‚ÄěRote Verdun‚Äú Zarizyn. Mit dem Vormarsch der Don-Armee, die wenige Monate zuvor vor einer milit√§rischen Katastrophe gestanden hatte, hatten die Kommunisten vollkommen die Initiative an ihrer S√ľdfront verloren und Denikin bereitete sich auf gr√∂√üere Unternehmungen vor.

Der Zusammenbruch der roten S√ľdfront war, vor allem nach den Kr√§fteverh√§ltnissen zu urteilen, au√üergew√∂hnlich. Er kam auch f√ľr das sowjetische Oberkommando unter Trotzki √ľberraschend. Ein Faktor f√ľr die Niederlage war, dass alle drei Armeen der Roten vor unsicherem Hinterland k√§mpften. Im R√ľcken der 2. Ukrainischen Armee und der 13. Armee sorgte der Anarchistenf√ľhrer Nestor Machno f√ľr Unsicherheit. Er war im Jahr 1918 mit der Zentralregierung Lenins verb√ľndet und sollte f√ľr sie einen Puffer zur Ukraine schaffen, doch er hatte sich zum Jahreswechsel gegen seine einstigen Verb√ľndeten erhoben. Die 8. Armee ging auf dem Gebiet des Territoriums der Donkosaken vor. Noch Anfang M√§rz waren diese durch die Abnutzungsschlacht demoralisiert und kriegsm√ľde, was es Krasnow schwer machte, neue Reserven zu mobilisieren. Doch mit dem Einmarsch der Roten Armee erhoben sie sich erneut. Das Zentralkomitee der kommunistischen Partei hatte noch im Februar, als nominell h√∂chstes Parteiorgan verlangt dass gegen die Kosaken mit aller H√§rte durchgegriffen werden solle. Ebenso oktroyierte die Regierung ein ‚ÄěEntkosakisierungsprogramm‚Äú, hierbei sollte die nichtkosakische Bev√∂lkerung der Region zur politischen Macht gelangen und die ehemaligen Wehrbauern als eigenst√§ndige Schicht ausgel√∂scht werden. Unter anderem verbot man das traditionelle Kosakengewand und setzte √∂rtliche Komitees ein, die diese Politik √ľberwachen sollten. Dies gipfelte in Terror und Schauprozessen gegen√ľber wirklichen und vermuteten Gegnern des Regimes. Anstatt die Kosaken also ins politische System zu integrieren, gab man ihnen zahlreiche Gr√ľnde, sich erneut gegen die Sowjetmacht zu wenden.

Doch auch die Rote Armee selbst war nur bedingt einsatzf√§hig. Die Reformen Trotzkis steckten noch in den Anf√§ngen. Der Oberkommandeur der Roten Armee richtete ein System ein, das auf ehemalige Offiziere der Zarenarmee zur√ľckgriff, die von Politkommissaren √ľberwacht wurden. Ihre Loyalit√§t wurde auch durch die von Trotzki angeordnete Sippenhaft im Falle des √úberlaufens gesichert. Bis zum Ende des B√ľrgerkriegs wuchs ihre Zahl in den Reihen der Roten Armee auf rund 75.000 an. Dieses System war Mitte 1919 noch nicht eingespielt. Man war nicht in der Lage, die b√§uerlichen Rekruten, die nunmehr eingezogen wurden, an die Roten Streitkr√§fte zu binden. Dies √§u√üerte sich unter anderem in einer hohen Rate von Desertionen. Ebenso gab es trotz der Zwangsrekrutierung ehemaliger Truppenf√ľhrer des Weltkriegs einen gro√üen Mangel an ausgebildetem Personal und die Rote Armee griff oft weiterhin auf Unteroffiziere der radikalisierten Soldatenmassen von damals zur√ľck, was sich in gro√üen organisatorischen Problemen √§u√üerte. Die F√ľhrung der Roten Armee reagierte auf die mindere Kampfkraft ihrer Truppen gegen√ľber den Wei√üen mit Terror. Im August 1919 schuf Trotzki spezielle Sperrabteilungen, die hinter der Front Deserteure jagen sollten. Ebenso sind F√§lle √ľberliefert bei denen Reserveeinheiten befohlen wurde auf ihre zur√ľckweichenden Kameraden zu schie√üen. Nach Aussage des ehemaligigen Oberkommandeurs der Roten Armee Jukums VńĀcietis waren diese Ma√ünahmen eher kontraproduktiv : ‚ÄěDie Disziplin, basierend auf strengen Bestrafungen die in unserer Roten Armee durchgesetzt wurde und wird hat nur zu Furcht und zur mechanischen Ausf√ľhrung von Befehlen ohne Inspiration und Pflichtbewusstsein gef√ľhrt.‚Äú[9]

Judenitsch-Offensive

Bau von Barrikaden in Petrograd während der weißen Offensive 1919

W√§hrend Denikins Truppen gro√üe Teile der Roten Armee im S√ľden banden, erwuchs dem kommunistischen Regime an der nordwestlichen Grenze des ehemaligen Reichs eine neue Gefahr. Unter der Protektion der deutschen Besatzer hatten sich im russisch-estnischen Grenzgebiet bereits 1918 wei√üe Milit√§reinheiten formiert. Mit der Revolution in Deutschland √ľbernahmen die Roten wieder das Territorium und die Wei√üen zogen sich nach Estland zur√ľck. In diesem Staat, der seine neugewonnene Eigenstaatlichkeit durch den Kommunismus bedroht sah, ‚Äě√ľberwinterte‚Äú die wei√üe Nordwest-Armee. Im Mai 1919 √ľberschritt sie mit 6.000 Soldaten unter General Judenitsch die Grenze. Ihr gelang es binnen weniger Wochen, ein 18.000 km¬≤ gro√ües Territorium um die Stadt Pskow zu besetzen. Ende September erneuerte die wei√üe Armee ihre Offensive in Sto√ürichtung Petrograd. Bis zum 21. Oktober 1919 waren Judenitschs Soldaten bis auf 30 Kilometer an die ehemalige Hauptstadt Russlands heranger√ľckt.

Angesichts der Bedrohung und der √∂konomischen und propagandistischen Bedeutung der Stadt zogen die Sowjets Truppen aus der Front gegen Denikin ab. Kurz nachdem Leo Trotzki den Befehl √ľber die Verteidigung der Stadt √ľbernommen hatte, waren die beiden Roten Armeen im Raum Petrograd auf √ľber 70.000 Soldaten angewachsen. Die Nordwest-Armee war zwar mittlerweile auf rund 15.000 Mann verst√§rkt worden, doch waren ihre Ressourcen beschr√§nkt. Der Hauptteil der personellen Verst√§rkungen bestand aus desertierten Rotarmisten, war wenig motiviert und wenig zuverl√§ssig. Da Judenitsch, wie seine damaligen wei√üen Kampfgenossen, kein politisches Programm vorstellte, blieb auch die Unterst√ľtzung der Bev√∂lkerung der eroberten Gebiete gering. Die materielle Lage war noch hoffnungsloser. Die Nachschubsituation war schlecht, da zu den estnischen Versorgungsbasen der Wei√üen kaum leistungsf√§hige Eisenbahnverbindungen bestanden. Generell war die Armee schlecht bewaffnet, so hatte sie den 581 Gesch√ľtzen der Roten nur 44 St√ľck entgegenzusetzen. Bereits im November standen die Wei√ügardisten wieder an der estnischen Grenze. Die Regierung des baltischen Landes erlaubte ihnen die rettende Einreise, entwaffnete und internierte die Russen jedoch bereits Tage nach ihrer Ankunft. Somit hatte die sowjetische Regierung Reserven f√ľr den Kampf gegen Denikin zur Verf√ľgung, und Estland schloss im Dezember 1919 als erster Nachbarstaat Russlands einen Waffenstillstand mit den Bolschewiki.

Niederlage Denikins

Nach den √ľberraschenden Gewinnen des Fr√ľhsommers 1919 setzte Denikin im Juli die Strategie seiner Verb√§nde fest. Er plante seine drei Hauptgruppen, die Kaukasus-Armee unter Wrangel im Osten, die Don-Armee unter Sidorin im Zentrum und die Kiewer Armee Dragomirows in der Ostukraine in einer keilf√∂rmigen Bewegung auf die Hauptstadt Moskau marschieren zu lassen. Der Hauptsto√ü sollte im Zentrum erfolgen, hier sollte die Freiwilligenarmee unter Wladimir Mai-Majewski die Speerspitze des Angriffs bilden.

Diesem Eliteverband der Wei√üen gelangen auch im Herbst greifbare Erfolge. Am 20. September eroberten sie Kursk, die beiden √∂rtlichen Roten Divisionen l√∂sten sich fast vollst√§ndig auf. Am 14. Oktober marschierte die Freiwilligenarmee in Orjol ein und befand sich nun 400 km s√ľdlich von Moskau. Auch Dragomirows Truppen gelang mit der Eroberung von Tschernigow ein Erfolg, der die Ukraine noch weiter dem Einfluss der Sowjets entzog. Mit dem Verlust von Orjol machte sich zeitweilig Panik im Roten Oberkommando breit, doch es gelang ihm schlie√ülich wiederum, offensiv zu werden. Bereits im September hatte das Oberkommando der Roten Armee begonnen, eine ‚ÄěSchockgruppe‚Äú aus loyalen Kosaken, Kavallerie und der Lettischen Sch√ľtzendivision zu bilden. Diese Einheit schaffte es, Orjol sechs Tage, nachdem es an die Wei√üen gefallen war, wieder einzunehmen. Damit w√§re ein fragiles Patt erreicht gewesen, h√§tte nicht eine Befehlsverweigerung auf Seiten der Kommunisten die Lage entschieden. Der rote General Budjonny stand mit der 1. Rote Reiterarmee √∂stlich des Keils, den die Wei√üen bildeten. Seinen Befehlen nach sollte er √∂stlich gegen die Kaukasus-Armee Wrangels vorgehen, doch er entschied sich westlich gegen Sidorins Truppen anzugreifen. Am 24. Oktober nahmen seine Reitertruppen Woronesch ein. Durch den Verlust dieses Eisenbahnknotenpunkts war die ‚ÄěFreiwilligenarmee‚Äú als Speerspitze der Wei√üen vom Nachschub abgeschnitten und trat den R√ľckzug an. Denikin hatte die Initiative verloren, und seine Offensive war somit gescheitert. Er konnte den R√ľckzug seiner Armee, deren Moral zusammengebrochen war, nachdem Moskau unerreichbar wurde, auch nicht mehr stoppen. Am 13. Dezember 1919 eroberten rote Truppen Kiew, und bis Anfang Januar verlor Denikin das Territorium des Don-Gebiets. Rostow, die Hauptstadt des Kosakenterritoriums, fiel am 7. Januar 1920. Seine letzten Truppen zogen sich fluchtartig in das Kubangebiet zur√ľck. 37.000 Mann wurden auf englischen Schiffen von Noworossijsk auf die Krim evakuiert. 60.000 blieben zur√ľck und gingen in Gefangenschaft. Denikin selbst wurde ebenfalls evakuiert, doch angesichts seiner Niederlage hatte er jede Legitim√§t als Anf√ľhrer der wei√üen Bewegung verloren. Er verlie√ü Russland im April 1920 und starb 1947 im amerikanischen Exil. Denikins Offensive war der Punkt des B√ľrgerkrieges, an dem die Rote Zentralmacht am meisten gef√§hrdet war. Mit seiner Niederlage war allerdings die letzte M√∂glichkeit der Wei√üen Armee, den Widerstand gegen die Bolschewiki in das russische Kernland zu tragen, vertan.

Die Gr√ľnde f√ľr das Scheitern der Wei√üen Offensive lagen sowohl im milit√§rischen wie auch im politischen Bereich. Denikins Truppen k√§mpften an einer fast 1.000 Kilometer langen Front zu jeder Zeit gegen zahlenm√§√üig √ľberlegene Kr√§fte. Er hatte h√∂chstens 99.000 Soldaten zur Verf√ľgung. Demgegen√ľber standen 150.000 Rotarmisten an der Front und √ľber 677.000 Mann als Reserven. Als Oberbefehlshaber war er sich dieser Faktoren sicher bewusst, seine Planung st√ľtzte sich auf die Annahme, breite Unterst√ľtzung aus der Bev√∂lkerung zu bekommen. Denikin hoffte mit seinem Vormarsch einen Aufstand gegen die kommunistische Herrschaft auszul√∂sen. So schlecht die Situation im sowjetischen Territorium auch war, Denikin konnte die Bev√∂lkerung nicht auf seine Seite ziehen. Ein Faktor, der die wei√üe Bewegung aus der Sicht der Bauern desavouierte, war die Versorgungspraxis der Armee. Denikin hatte nicht die Ressourcen und Logistik, seine Soldaten √ľber Hunderte von Kilometern aus seinen Nachschubbasen am s√ľdlichen Don zu versorgen. Als Reaktion darauf erlaubte er den Truppen die ‚ÄěSelbstversorgung‚Äú ‚Äď also Zwangsrequirierung ‚Äď von Nahrungsmitteln und anderen G√ľtern. Dies artete zu regelrechten Pl√ľnderungen aus. Wrangel beschwerte sich in einem Brief bei Denikin, worin nun noch der Unterschied zwischen den Wei√üen und den Bolschewiki liege, die seit 1918 im gro√üen Stil und unter Strafandrohung zur Versorgung der St√§dte Nahrung konfiszierten. Der Feldgeistliche Georgij Schawelskij √§u√üerte sich folgenderma√üen √ľber die √úbergriffe der ‚ÄěFreiwilligenarmee‚Äú: ‚ÄěRaub, Spekulation, Frechheit und Schamlosigkeit zersetzen den Geist der Armee. Eine r√§uberische Armee ist keine Armee, sie ist eine Bande.‚Äú[10] Infolgedessen hatte Denikin ab Januar 1920 noch mit den ‚ÄěGr√ľnen‚Äú zu k√§mpfen. Dies waren kleine Einheiten aus Bauern und Deserteuren, die das Hinterland der bereits in Aufl√∂sung befindlichen wei√üen Armee unsicher machten.

Generell machte Denikin denselben Fehler wie sein nominell √ľbergeordneter Befehlshaber Koltschak. Er stie√ü weder Reformen an, noch stellte er ein detailliertes politisches Programm auf. Im Gegensatz zu den Bolschewiki formulierte er nicht einmal eine Vision, die seine Bewegung auf eine breite emotionale Basis h√§tte stellen k√∂nnen. Er versuchte, die von ihm kontrollierten Gebiete ‚Äď auf dem H√∂hepunkt des Vormarsches umfassten sie 42 Millionen Menschen ‚Äď mit einer Milit√§rdiktatur als ‚Äě√úbergangsl√∂sung‚Äú zu regieren. Doch selbst dieser bescheidene Anspruch schlug fehl. Durch Pl√ľnderungen, den Mangel an politischem Programm und der diktatorischen Regierungsstruktur entfremdeten die wei√üen Gener√§le die gebildete Schicht der St√§dte von ihrer Bewegung. Infolgedessen waren sie selbst personell nicht in der Lage, einen tragf√§higen Verwaltungsapparat aufzubauen, da ihnen die Intelligenzija die Zusammenarbeit verweigerte. Die Administration der Antikommunisten blieb auch in S√ľdrussland ineffizient und ohne breite Unterst√ľtzung. Dadurch verst√§rkten sich nat√ľrlich die Versorgungsprobleme der Truppen an der Front noch mehr und die Pl√ľnderungen nahmen weiter √ľberhand.

Folgen f√ľr Transkaukasien

Die Region Transkaukasien war durch die Wei√üen Truppen in S√ľdrussland dem Einfluss der sowjetischen Regierung entzogen, da die Rebellen die Verkehrsverbindungen gr√∂√ütenteils blockieren konnten. 1918 erkl√§rten sich die Armenier, Aserbaidschaner und Georgier vom Rumpfstaat unabh√§ngig. Sie gingen zun√§chst als Transkaukasische Demokratisch-F√∂derative Republik eine kurzlebige F√∂deration ein, die allerdings bald an internen Streitigkeiten zerbrach. Im Mai 1918 wurden die drei Staaten Demokratische Republik Armenien, Demokratische Republik Aserbaidschan und Demokratische Republik Georgien unabh√§ngig. In Georgien bestand die Regierung aus Menschewiki, Armenien und Aserbaidschan wurden von nationalistischen Parteien regiert. Den Bolschewiki gelang es nur im Mai 1918, im aserbaidschanischen √Ėlzentrum Baku Fu√ü zu fassen. Die kommunistischen Politiker wurden aber im Juli von Angeh√∂rigen der russischen Minderheit erschossen und die Souver√§nit√§t des Staates wieder hergestellt. Die Toten von Baku wurden im Folgenden als die ‚Äě26 Kommissare‚Äú in der sowjetischen Propaganda verkl√§rt. Die drei jungen Staaten konnten ihre Differenzen nicht √ľberwinden und verwickelten sich in Streitigkeiten. Armenien und Aserbaidschan lieferten sich sogar einen Grenzkrieg. Der Einfluss der T√ľrkei, die ebenfalls Gebietsstreitigkeiten mit Armenien hatte, machte die Situation noch komplizierter. Eine Allianz mit der wei√üen Bewegung kam f√ľr die transkaukasischen Staaten auch nicht in Frage, da diese Russland in seinen alten Grenzen wiederherstellen wollten. Alle drei Republiken wurden aber vom westlichen Ausland anerkannt. Zu einer substantiellen Einmischung der Entente-M√§chte f√ľhrte dies allerdings nicht. Die Briten unterhielten eine kleine Garnison im √∂lreichen Aserbaidschan, zogen diese aber vor dem Einmarsch der roten Truppen ab. Die Eroberung durch die Rote Armee erfolgte kurz nachdem die Verkehrswege nach der Niederlage Denikins freigeworden waren. Am 28. April 1920 eroberten die Roten Baku und riefen die Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik aus. Im September 1920 marschierten t√ľrkische Truppen in Armenien ein. Die ins Chaos gest√ľrzte Regierung bat die Bolschewiki um Hilfe und im November wurde die Armenische SSR ausgerufen. Auf den gr√∂√üten Widerstand stie√ü die Sowjetisierung in Georgien. Die sowjetische Regierung hatte 1920 einen Nichteinmischungspakt mit dem Land vereinbart. Im Februar 1921 marschierte allerdings die Rote Armee in Georgien ein. Nach einer wochenlangen Schlacht um die Hauptstadt Tiflis wurde auch in diesem Land eine Sowjetrepublik errichtet. Die sowjetische Nationalit√§tenpolitik versprach den V√∂lkern des Transkaukasus weitgehende kulturelle Eigenst√§ndigkeit, allerdings zum Preis des Verlusts der politischen Selbstst√§ndigkeit. In den zwanziger Jahren kam es in allen drei L√§ndern zu Aufst√§nden gegen√ľber der sowjetischen Herrschaft, die nur durch die Rote Armee unterdr√ľckt werden konnten.

1920 ‚Äď Die Wei√üe Armee auf der Krim

Nach der Niederlage am Don und in Sibirien erwies sich die Halbinsel Krim als letzte Basis der wei√üen Bewegung. Dort formte General Wrangel aus dem Kern der aus Noworossijsk evakuierten Truppen die Russische Armee mit 37.000 Soldaten. Der Polnisch-Sowjetische Krieg verschaffte Wrangel in der strategisch g√ľnstigen Lage der Halbinsel Zeit, seine Verb√§nde bis April 1920 neu zu formieren. Bereits im Juni starteten seine Streitkr√§fte die erste Offensive mit einem Ausbruch aus der Landenge von Perekop nach Norden. Die √∂rtliche sowjetische Verteidigung brach zusammen und Ende Juni wurde ein rotes Kavalleriekorps, das zum Gegenangriff angetreten war, eingekreist und fast vollst√§ndig aufgerieben. Als die Rote 13. Armee endlich reagierte, waren Wrangels Truppen bereits bis an den Dnjepr heranger√ľckt. Beim Gegenangriff der Bolschewiki gelang es den Rotarmisten zwar, einen Br√ľckenkopf n√∂rdlich von Perekop zu halten und somit die Verbindung der vorsto√üenden Wei√üen zur Krim einzuengen, dies hinderte Wrangels Truppen jedoch nicht, im Laufe des Sommers Mariupol und Alexandrowsk an den Ufern des Asowschen Meeres einzunehmen. Wrangel war sich aber sehr wohl bewusst, dass diese begrenzten Erfolge in der Peripherie des Reiches nur zweifelhaften Wert hatten. Seine im Herbst gestartete Offensive in die Kubanregion schlug fehl. Der Versuch, zu den ehemals wei√üen Kosakengebieten durchzubrechen, war damit gescheitert. Mit der √úberquerung des Dnjepr in Richtung Westen durch die ehemalige Freiwilligenarmee (jetzt das I. Korps der neuen Russischen Armee) unter Kutepow versuchte Wrangel im Oktober die Initiative zu behalten. Nach einer Woche mussten sich seine Soldaten aber wieder √∂stlich √ľber den Fluss zur√ľckziehen.

Am 12. Oktober 1920 schloss Polen mit dem Sowjetstaat einen Waffenstillstand, der nun Truppen zum Kampf gegen Wrangel freimachte. Unter Michail Frunse wurde eine neue S√ľdliche Armeegruppe aufgestellt. Bis Ende Oktober konnten die Roten sechs Armeen mit 133.000 Mann zusammenziehen. Diese zahlenm√§√üige √úberlegenheit von vier zu eins konnte Frunse ausnutzen. Die Hauptlast der K√§mpfe trugen die ukrainischen Partisanen von Nestor Machno, die vorher gegen Wei√üe wie Rote gek√§mpft hatten. Frunse trieb die Wei√üen Truppen von seinen Stellungen am westlichen Ufer des Dnjepr immer weiter auf die Krim zur√ľck. Dabei verloren die Wei√üen mit mehr als 20.000 Soldaten den Gro√üteil ihrer Armee. General Wrangel hatte allerdings die Aussichtslosigkeit der Lage erkannt und eine Evakuierung vorbereitet. Bis zum 16. November wurden 146.000 Menschen, mehrheitlich Zivilisten, mit Hilfe der Schiffe der ehemals zaristischen Schwarzmeerflotte vor den heranr√ľckenden Roten Richtung T√ľrkei in Sicherheit gebracht. Viele Sympathisanten und ehemalige Soldaten der Wei√üen Armee konnten allerdings nicht mehr ins Ausland gelangen. Nach der Macht√ľbernahme der Bolschewiki folgte eine Hinrichtungswelle. Sch√§tzungsweise fielen mehrere Zehntausend Menschen dieser zum Opfer. Trotzki lie√ü nach dem Sieg auch die verbliebenen Partisanen Machnos verhaften und erschie√üen, soweit man ihrer habhaft werden konnte.

Evakuierung weißer Truppen ins Ausland 1920

Bemerkenswert an Wrangels kurzer Aktivit√§t als F√ľhrer der wei√üen Bewegung war seine Flexibilit√§t. W√§hrend seine Vorg√§nger Koltschak und Denikin an ihrer politischen Apathie scheiterten, f√ľhrte Wrangel auf der Krim eine Bodenreform durch. Er enteignete die Gro√ügrundbesitzer unter Gew√§hrung von Entsch√§digungen. Ebenso strebte er B√ľndnisse mit allen politischen Parteien an, er versuchte sogar den Anarchisten Nestor Machno f√ľr einen antikommunistischen Feldzug zu gewinnen. Wrangel hielt zwar an der Milit√§rdiktatur fest, doch versuchte er, auch die st√§dtische Intelligenzija in sein System einzubinden. Seine Zugest√§ndnisse sorgten f√ľr ein sicheres Hinterland seiner Front, ein Vorteil, den kein wei√üer General vor ihm genossen hatte. Wrangel fasste seinen Strategiewechsel √∂ffentlich wie folgt zusammen: ‚ÄěNicht mit einem Triumphmarsch von der Krim nach Moskau kann Ru√üland befreit werden, sondern nur durch die Schaffung einer Regierung ‚Äď auf einem wie kleinen St√ľckchen russischen Bodens auch immer ‚Äď mit solchen Lebensbedingungen, da√ü das russische Volk, das jetzt unter dem roten Joch √§chzt, unweigerlich seiner Anziehungskraft nachgeben wird‚Äú.[11]

Wrangels Position wurde noch durch die Krimtataren, die ein Viertel der √∂rtlichen Bev√∂lkerung stellten, gest√§rkt. Als Muslime standen sie mehrheitlich dem atheistischen System der Bolschewiki distanziert bis feindlich gegen√ľber. Wrangels Kr√§fte waren aber bereits zu gering, um sich milit√§risch gegen die Rote Armee zu behaupten. Einen generellen Aufstand zugunsten der wei√üen Bewegung konnte sein politisches Programm auch nicht entfalten. Es stellte diejenigen zufrieden, die unter wei√üer Herrschaft lebten. Doch seine Ma√ünahmen, vor allem in der Landfrage, waren effektiv schon Jahre zuvor von den Kommunisten √ľberholt worden.

Wrangels politischer Spielraum wurde noch durch die Briten eingeschr√§nkt. Nach der Niederlage Denikins war die britische Regierung √ľberzeugt, dass die Roten den B√ľrgerkrieg f√ľr sich entscheiden w√ľrden. Sie entzogen daraufhin der Wei√üen Armee ihre Unterst√ľtzung, rieten Wrangel von einer Offensive ab und versuchten schon w√§hrend des B√ľrgerkriegs, diplomatische Beziehungen zu den neuen Herren im Kreml aufzunehmen.

Innenpolitik der Bolschewiki

‚Üí Hauptartikel: Kriegskommunismus

Die Innenpolitik der kommunistischen F√ľhrung w√§hrend des B√ľrgerkriegs wurde im Nachhinein von der offiziellen Parteilinie als Kriegskommunismus bezeichnet. Lenin selbst verwendete den Begriff erst 1921 im Zuge der NEP. Der allgemeine Kurs der Politik des jungen Sowjetstaates wurde schon vor der akuten Phase des B√ľrgerkriegs eingeschlagen. Das Grundproblem der russischen Wirtschaft war der Zusammenbruch der Nahrungsmittelverteilung innerhalb des Landes. Das Handelssystem selbst war zusammengebrochen und es standen zu wenig industrielle G√ľter bereit, um die Bauern zum Verkauf ihrer √úbersch√ľsse zu motivieren. Bereits im Mai 1918 verk√ľndete die Regierung die Einf√ľhrung einer ‚ÄěNahrungsdiktatur‚Äú. Diese radikale Politik umfasste das vollkommene Verbot des Privathandels im Agrarbereich und ein System festgeschriebener Preise. Das Hauptwerkzeug der Politik bestand allerdings in der oft gewaltsamen Zwangseinziehung b√§uerlicher Erzeugnisse ohne Gegenleistung. Durch dieses System konnten in den ersten beiden B√ľrgerkriegsjahren pro Jahr maximal ein Drittel der Vorkriegsmenge an Getreide in die St√§dte verbracht werden. Die Ma√ünahme hatte eine Mangelsituation auf dem Land wie im urbanen Bereich zur Folge. Als einziger Ausgleichsmechanismus in diesem Missverh√§ltnis erwies sich der Schwarzmarkt, der quantitiv wohl mehr Transfer zwischen Stadt und Land zu Wege brachte als die offiziellen Bem√ľhungen der Regierung. Nach zwei Jahren der Beschlagnahmungen ohne Gegenleistung reduzierten auch viele Bauern ihre Anbaufl√§chen. Dieses Problem wurde im November 1920 in gleicher Weise angegangen, man richtete einfach Parteikommitees ein, welche die Bauern zu einer maximalen Aussaat und damit zur √úberschussproduktion zwingen sollten. Diese Methoden stie√üen von Anfang an auf Widerstand seitens der Bauern. Insgesamt wurden von 1918 bis einschlie√ülich 1920 rund 15.000 Mitglieder der Beschaffungsbrigaden durch revoltierende Bauern umgebracht. Nach dem Krieg folgte dieser Politik des Zwanges eine katastrophale Hungersnot. Diese Hungersnot war so gravierend, dass es in einigen Regionen Russlands sogar zu Kannibalismus kam.

Auch auf kulturellem Sektor wandte die Sowjetregierung zunehmend Zwang an. Bereits im Februar 1919 hatte die F√ľhrung durch die Schaffung von Bildungseinrichtungen nur f√ľr Arbeiter und Bauern den Versuch gestartet, sich eine loyale Elite heranzuziehen, welche die b√ľrgerliche Bildungselite verdr√§ngen sollte. Des Weiteren wurden ab Dezember 1919 f√ľr alle Analphabeten verpflichtende Kurse im Schreiben und Lesen eingef√ľhrt. Noch im selben Monat wurde der erste Angriff auf die Orthodoxe Kirche gef√ľhrt. Agitation gegen den Klerus geh√∂rte schon vor der Revolution zum Programm der Bolschewiki. Nach der Machtergreifung kam es auch zu √úbergriffen gegen kirchliches Eigentum und Priester. Der erste Versuch, das Christentum in Russland mittels administrativer Ma√ünahmen zur√ľckzudr√§ngen war das Verbot, religi√∂se Gemeinschaften durch Spenden zu finanzieren. Sie wurden damit von ihrer prim√§ren Geldquelle abgeschnitten. Weitere Eskalationsschritte dieser Politik fanden jedoch erst nach dem B√ľrgerkrieg statt.

Dieselbe Gangart betrieben die Bolschewiki in der Industrie. Per Dekret wurden im Juni 1918 s√§mtliche gr√∂√üeren Betriebe verstaatlicht. Zun√§chst wurden Fabriken unter die Aufsicht gew√§hlter Arbeiter gestellt. Dieses Vorgehen erwies sich oft als ineffizient und wurde vor Jahresbeginn 1919 gr√∂√ütenteils aufgegeben. Die staatlichen Zwangsma√ünahmen konnten den Niedergang der Industrie nicht aufhalten. 1920 wurde der Druck noch verst√§rkt, als selbst Kleinstunternehmen verstaatlicht wurden und eine allgemeine Militarisierung der Arbeit verlautbart wurde. Dies brachte die Einschr√§nkung grundlegendster Freiheiten der Bev√∂lkerung mit sich. Es herrschte staatlicher Arbeitszwang. Vers√§umnisse in Aus√ľbung des Berufes konnten nach dem Kriegsrecht abgeurteilt werden. Die Radikalit√§t ihrer Aktionen erwies sich als politischer Gewinn f√ľr die Bolschewiki, da sie mit der Enteignung der alten Elite das Wohlwollen der weniger wohlhabenden Gesellschaftsschichten fanden. √Ėkonomisch jedoch brachten die Ma√ünahmen keine Erfolge, sondern verst√§rkten die Krise. Nach dem Sieg der Roten im B√ľrgerkrieg war die russische Wirtschaft auf einen Bruchteil der Vorkriegsleistung zusammengeschrumpft. Das durch die Enteignungen erzielte politische Kapital wurde im Laufe des Krieges durch die B√ľrokratisierung der Partei und des Staats wieder verspielt. 1921 war die Staatsb√ľrokratie bereits auf das Zehnfache des Personalstands der zaristischen Verwaltung von 1917 angewachsen. S√§mtliche Streikresolutionen w√§hrend des Krieges klagen √∂rtliche Parteimitglieder, die fast alle Verwaltungsstellen innehatten, an, sich auf Kosten der Arbeiter zu bereichern.

Russ. Produktionsziffern
in Mio. Tonnen, Quelle: [12]
1913 1921 Prozentual
Kohle 29,0 8,9 ‚ąí64 %
Stahl 4,3 0,2 ‚ąí95 %
Eisenbahnfracht 132,4 39,4 ‚ąí70 %
Getreide 80,1 37,6 ‚ąí53 %

Auf politischem Gebiet zeichnete sich eine radikale Entwicklung sogar noch fr√ľher ab. Der Geheimdienst Tscheka wurde bereits im Dezember 1917 gegr√ľndet. Unter ihrem Gr√ľnder Felix Dserschinski erhielt die Tscheka weitgehende Befugnisse, auch das Recht, Menschen ohne Gerichtsverfahren hinzurichten. Der Massenterror wurde als legitimes Mittel der Politik verbr√§mt und auch angewandt. Er betraf allerdings nicht nur politische Gegner, sondern diente auch der L√∂sung √∂konomischer Probleme. Im Februar 1919, als das Transportsystem des Staates weitgehend darniederlag, wurden Bauern als Geiseln genommen. Ihre Erschie√üung wurde angedroht, falls die verbliebenen Dorfgenossen nicht die Eisenbahnstrecken vom Schnee r√§umen w√ľrden. Das System expandierte rasch und nach offiziellen Zahlen befanden sich 1919 in Russland 4.100 Konzentrationslager und weitere 7.500 Arbeitslager.[13] Zwar wurde die Todesstrafe im Januar 1920 formal abgeschafft, was aber von der Geheimpolizei weitgehend ignoriert wurde.

Lage der Bevölkerung

Oktoberrevolution und B√ľrgerkrieg l√∂sten eine Migrationsbewegung aus. Angeh√∂rige der ehemaligen Oberschicht des Reiches flohen aus den st√§dtischen Zentren des durch die Revolution√§re kontrollierten Zentralrusslands an die Peripherie. Unter der Herrschaft der Deutschen, nationaler Minderheiten oder der Wei√üen Armee versuchten sie sich dem Zugriff von Enteignungen und politischer Verfolgung durch die neuen Machthaber zu entziehen. Die verbliebenen Angeh√∂rigen der ehemaligen Oberschicht waren Ziel staatlicher Zwangsma√ünahmen, Enteignungen griffen ihre wirtschaftliche Basis an und das Regime der Bolschewiki benutzte die Lebensmittelzuteilungen gezielt, um weiteren Druck auf sie auszu√ľben. Doch nicht nur Adlige und das Besitzb√ľrgertum trafen diese Ma√ünahmen. Ebenso wurde der st√§dtischen Intelligenzija die √∂konomische Basis durch Entlassung und mangelhafte Zuteilung entzogen. Ausgenommen waren Intellektuelle, wie etwa Maxim Gorki, die als der Ideologie der Partei konform galten.

Die Situation der arbeitenden Bev√∂lkerung gestaltete sich kaum einfacher. Das Zwangssystem der Lebensmittelbeschlagnahmung gen√ľgte nicht, um die St√§dte zu versorgen. Als Folge davon versuchten t√§glich tausende Arbeiter als sogenannte ‚ÄěSackleute‚Äú auf dem Lande durch Schwarzhandel ihren Bedarf zu decken. Dadurch blieben 1918 je nach Industriezweig pro Tag zwischen 30 % und 80 % der Belegschaften ihren Arbeitspl√§tzen fern. Die Arbeiter versuchten den Tauschhandel durch Diebst√§hle und Demontagen aus den eigenen Fabriken zu decken, was die Wirtschaft noch weiter sch√§digte. Um dieses System f√ľr ihre Leute zu nutzen, gingen viele lokale Parteimitglieder und Arbeitervertreter dazu √ľber, diesen Tauschhandel in ‚ÄěKooperativen‚Äú zu institutionalisieren und somit wenigstens eine minimale Produktion aufrechtzuerhalten. Dieser Versuch wurde allerdings bereits im Mai durch Lenin ausgehebelt, der jeden Privathandel und auch die kooperativen Tauschabkommen zwischen einzelnen Fabriken und D√∂rfern verbot. Zur Durchsetzung dieser Entscheidung ging die Regierung dazu √ľber, durch Sperrkommandos milit√§rische Gewalt einzusetzen. Da sie allerdings √ľber die allein legale Methode der zentralisierten Requirierung die Bed√ľrfnisse der St√§dte nicht befriedigen konnte, hielt das Ph√§nomen w√§hrend des gesamten B√ľrgerkriegs an. In den von den Wei√üen kontrollierten Gebieten war dieses Problem weniger akut, da hier das private Handelssystem von staatlicher Seite nicht unterbunden wurde. Doch besonders in k√ľrzlich eroberten St√§dten trafen Terror und Erschie√üungen Sympathisanten und verd√§chtigte Sympathisanten der roten Zentralregierung.

Die l√§ndlichen Regionen litten noch mehr unter dem B√ľrgerkrieg. Sowohl die Wei√üen wie auch die Roten deckten ihren Nahrungsmittelbedarf durch zwangsm√§√üige Einziehung. Auf Seiten der wei√üen Armeen artete dies, vor allem in den Reihen der ‚ÄěFreiwilligenarmee‚Äú, zu regelrechten Pl√ľnderungsexzessen aus. Die sowjetische F√ľhrung hingegen unterhielt bis zu 76.000 Bewaffnete in sogenannten ‚ÄěBeschaffungstribunalen‚Äú. Diese Ad-hoc-Einheiten zogen durch das Land und pressten nach willk√ľrlichen Quoten Getreide von den Bauern. Geiselnahmen und Geiselmorde unter der Dorfbev√∂lkerung waren bei Nichterf√ľllung der Forderungen eine g√§ngige Praxis. Besonders dr√ľckend war die Situation f√ľr die Landbev√∂lkerung in den umk√§mpften Gebieten S√ľdrusslands und des Urals. Oft wurden D√∂rfer mehrmals von den jeweiligen Fronten √ľberrollt und waren damit den Repressionen beider Seiten in versch√§rftem Ma√üe ausgesetzt. Je weiter die Versorgungskrise der St√§dte sich verschlimmerte, desto mehr Druck lastete auf der Bauernschaft. Im Sommer 1918 leitete Lenin den Klassenkampf auf dem Dorf ein: ‚ÄěDiese Blutegel haben sich mit dem Blut der Werkt√§tigen vollgesaugt und wurden umso reicher, je mehr der Arbeiter in den St√§dten und Fabriken gehungert hat. [‚Ķ] Schonungsloser Krieg diesen Kulaken! Tod den Kulaken!‚Äú.[14] Die Ideologie der Kommunisten versuchte die Dorfgemeinschaften in eine Klasse der wohlhabenderen Bauern, die sogenannten Kulaken, und eine Mehrheit aus armen Bauern zu spalten. Den Kulaken sollte durch Enteignung, Freiheitsentzug und Erschie√üungen ihre angeblich beherrschende Stellung im d√∂rflichen Leben entzogen werden. Dieser Bestrebung wurde 1919 mit der von oben verordneten Gr√ľndung √∂rtlicher ‚ÄěKomitees der Dorfarmut‚Äú mit Unterst√ľtzung der Tscheka Nachdruck verliehen. 1919 wurde die Aktion abgebrochen, da sich dadurch die Nahrungssituation noch weiter verschlimmerte. Die Propaganda der Roten konzentrierte sich von nun auf den ‚ÄěMittelbauer‚Äú und versuchte, die Dorfgemeinschaft als Ganzes anzusprechen.

Kriegsopfer

Nach den Sch√§den und Verlusten des Ersten Weltkriegs erwies sich der B√ľrgerkrieg f√ľr Russland als noch gr√∂√üere Katastrophe. Insgesamt starben rund 770.000 Soldaten beider Seiten im Gefecht. Nach heutigen Sch√§tzungen entfielen 80 % dieser Verluste auf die Rote Armee. Weitere rund 700.000 Kombattanten verloren w√§hrend ihres Dienstes durch Seuchen ihr Leben. Die Zahl der get√∂teten Zivilisten durch den Terror beider Seiten ist nicht ann√§hernd festgestellt. Die Zahl der Exekutionen durch die ‚ÄěRoten‚Äú wird in der westlichen Literatur auf zwischen 50.000 und 200.000 beziffert. Wie viele Menschen infolge staatlicher Repressionen ohne Todesurteil ihr Leben verloren, ist vollkommen unbekannt.

Der Terror seitens der Wei√üen ist ebenfalls ungen√ľgend dokumentiert. Heutige Sch√§tzungen gehen von 20.000 bis 100.000 Morden an Sympathisanten der Gegenseite aus. Hinzu kommen noch 50.000 bis 100.000 Opfer j√ľdischer Herkunft, die bei antisemitischen Pogromen umgebracht wurden. Die Juden waren unter der Zarenherrschaft von der Beamtenlaufbahn ausgeschlossen. Beim Neuaufbau der Verwaltung unter den Bolschewiki bildeten sie somit ein Reservoir an meist gebildeten Fachkr√§ften, die nicht im Dienst des vorherigen Regimes gestanden hatten. Dieser Einstrom von j√ľdischen B√ľrgern in die √∂ffentlichen √Ąmter wurde in der wei√üen Propaganda durch antisemitische Parolen ausgenutzt. Insbesondere in der Ukraine h√§uften sich w√§hrend des B√ľrgerkriegs Pogrome und √úbergriffe gegen die j√ľdische Minderheit. Ma√ügeblich beteiligt waren dabei die wei√üen Truppen und die ukrainischen Nationalisten unter Petljura. Bis auf einige Ausnahmen blieben solche rassistische √úbergriffe durch die Rote Armee eine Seltenheit. Milit√§risch waren die Pogrome von untergeordneter Bedeutung, allerdings vertieften sie die Spaltung zwischen den st√§dtischen Gebildeten und der wei√üen Bewegung. Ebenso wurde deren Ansehen im Ausland dadurch mehr und mehr besch√§digt. Nach Angaben des Historikers Simon Dubnow fanden w√§hrend des B√ľrgerkriegs in dieser Zeit in der Ukraine √ľber 1000 Pogrome statt, mit einer Opferzahl √ľber 60.000 Toten und einer vielfachen Anzahl an Verwundeten, wobei 530 j√ľdische Gemeinden angegriffen wurden.

Der Zusammenbruch des Wirtschaftssystems und das Chaos des Krieges forderten Millionen Opfer unter der Zivilbev√∂lkerung durch Hunger und die Ausbreitung von Seuchen. Anhand von Bev√∂lkerungsz√§hlungen, die bis 1923 durchgef√ľhrt wurden, l√§sst sich feststellen, dass im Russland des Jahres 1920 neun bis zehn Millionen Menschen weniger lebten, als im selben Gebiet zum Ende des Weltkrieges. Nach der Ber√ľcksichtigung der Emigration von ca. zwei Millionen Menschen und der Hungersnot von 1921 f√ľhrt dies zu einer Zahl von rund acht Millionen zivilen Opfern. Dies entspricht dem Vierfachen der Verluste des Zarenreichs im Ersten Weltkrieg. Nach Krieg und Hungersn√∂ten lebten auf sowjetischem Territorium rund sieben Million Waisenkinder auf der Stra√üe. Diese hielten sich durch Betteln und Kriminalit√§t √ľber Wasser. Nach einer sowjetischen Erhebung von 1920 gingen 88% der weiblichen Stra√üenkinder der Prostitution nach. F√ľr die Jungen ist keine Erhebung verf√ľgbar, aber auch unter ihnen sind F√§lle von Prostitution berichtet. Nur ein kleiner Teil der Kinder konnte in Waisenh√§usern untergebracht werden. Ein anderer Teil wurde als Kinderarbeiter besch√§ftigt und somit wenigstens von der Stra√üe weggebracht. √Ąltere Kinder wurden mitunter auch in Einheiten der Roten Armee aufgenommen.

Weitergehende politische Folgen

Durch den Sieg der Roten im B√ľrgerkrieg √§nderten auch die ausl√§ndischen M√§chte ihre Haltung zu Sowjetrussland. Gro√übritannien ging schon 1920 dazu √ľber, Handelsbeziehungen mit dem sowjetischen Regime aufzubauen. Frankreich verlegte sich von seiner kurzlebigen Politik der Intervention auf die Formel der Bildung eines cordon-sanitaire um den kommunistischen Staat. Diese Eind√§mmungspolitik wurde selbst w√§hrend der internationalen Hochspannung des Polnisch-Sowjetischen Krieges nur halbherzig betrieben. Ansonsten blieb das kommunistische Russland weitgehend isoliert und konnte erst durch den Vertrag von Rapallo 1922 wieder einen bedeutenden Partner finden. Allerdings war dieser Partner Deutschland damals selbst ein Au√üenseiter auf dem internationalen Parkett.

Gewichtiger waren die politischen Folgen innerhalb des Sowjetstaates. Der B√ľrgerkrieg wurde zu einem Gr√ľndungsmythos der totalit√§ren Diktatur. So war seine Darstellung den jeweiligen Machtverh√§ltnissen unterworfen. Generell wurden in der orthodoxen Geschichtsschreibung der Sowjetunion die ausl√§ndischen Interventionen als Hauptfaktoren gesehen. Die inner-russischen Bruchlinien des Krieges, die die Wei√üen Armeen hervorbrachten wurden in der marxistischen Ideologie aufgrund ihres angeblichen Klassencharakters mit den ausl√§ndischen M√§chten gleichgesetzt. W√§hrend des Stalinismus wurde die Geschichte des B√ľrgerkrieges so interpretiert, dass die Rolle Stalins zu Ungunsten seines politischen Rivalen Trotzki hervorgehoben wurde. Der Nationalismus der Kriegsgegner der Wei√üen Armeen verst√§rkte noch den Drang der Bolschewiki jede Form des Patriotismus in Russland zu unterdr√ľcken. Dieser Begriff wurde erst mit dem Zweiten Weltkrieg, dem Gro√üen Vaterl√§ndischen Krieg (russ. –í–Ķ–Ľ–ł–ļ–į—Ź –ě—ā–Ķ—á–Ķ—Ā—ā–≤–Ķ–Ĺ–Ĺ–į—Ź –≤–ĺ–Ļ–Ĺ–į), in das Arsenal der Staatsideologie aufgenommen.

Andere Kriegsparteien

Neben den beiden oben genannten B√ľrgerkriegsparteien der Wei√üen und der Roten gab es noch eine dritte Gruppe, die sogenannten ‚ÄěGr√ľnen‚Äú. Bei ihnen handelte es sich meist um Bauern, die sich den Beschlagnahmungen ihrer Ernten und des Saatguts durch die (rote) Versorgungsarmee widersetzten oder desertierten, sich ins Umland zur√ľckzogen und von dort aus einen Partisanenkrieg gegen die Rote Armee f√ľhrten. In der Ukraine k√§mpfte au√üerdem eine bis zu 30.000 Mann starke anarchistische Partisanenarmee, ein Arm der nach ihrem Anf√ľhrer Nestor Machno benannten Machnotschina oder auch Machno-Bewegung. Die Machnotschina k√§mpfte zun√§chst gemeinsam mit den Kommunisten gegen die wei√üe Armee, wurde sp√§ter jedoch von den Bolschewiki bek√§mpft und brutal niedergeschlagen.

Erst nach Ende des B√ľrgerkrieges 1920 konnte die bolschewistische Regierung den umfassenden Widerstand unter der Landbev√∂lkerung durch Erschie√üungen und Verbringung von Geiseln in Lager brechen: ‚ÄěEnde Juni 1921 befanden sich √ľber 50.000 Bauern in den Konzentrationslagern von Tambov. Am Ende setzte die Rote Armee Flugzeuge und Gasbomben gegen die aufst√§ndischen Bauern ein, um sie in den S√ľmpfen, in die sie gefl√ľchtet waren, ‚Äöauszur√§uchern‚Äė.‚Äú[15]

K√ľnstlerische Verarbeitungen

Die Ereignisse des B√ľrgerkrieges schlugen sich in zahlreichen k√ľnstlerischen Arbeiten wieder. Isaak Babel gab in seinem Werk Die Reiterarmee vor allem das Geschehen des polnisch-sowjetischen Krieges von 1920 in ungesch√∂nter Form wieder, doch wurde sein Werk als exemplarisches Beispiel f√ľr die sowjetische Literatur jener Tage in den 1930er Jahren von der Sowjetregierung zensiert und geriet in Vergessenheit. Alja Rachmanowa ver√∂ffentlichte 1931 in √Ėsterreich ihr Tagebuch aus der Zeit des B√ľrgerkrieges, das die Leiden der Bev√∂lkerung und das W√ľten der Tscheka im Bereich ihrer Heimatstadt Kasli schildert ("Studenten, Liebe, Tscheka und Tod"). Internationales Aufsehen erregten die Werke von Michail Scholochow Der stille Don und Boris Pasternak Doktor Schiwago. Beide Werke wurden mit dem Literaturnobelpreis gew√ľrdigt.

Filmisch umgesetzt wurde der B√ľrgerkrieg in dem noch heute in Russland popul√§ren sowjetischen Werk Tschapajew. Im Westen erreichte die Verfilmung von Pasternaks Doktor Schiwago ein gro√ües Publikum.

Filme

  • Tommi (R.: Jakow Protasanow, UdSSR 1931, mit A. Schutajew, Michail Kedrow, Wassili Kowrigin).
  • Tschapajew (Film) (R.: Georgi Wassiljew/Sergei Wassiljew, UdSSR 1934, mit Boris Babochkin, Leonid Kmit, Warwara Mjasnikowa).
  • Der britische Agent (British Agent, R.: Michael Curtiz, USA 1934, mit Leslie Howard, Kay Francis).
  • Henker, Frauen und Soldaten (R.: Johannes Meyer, D 1935, mit Hans Albers, Charlotte Susa, Jack Trevor).
  • Menschen ohne Vaterland (R.: Herbert Maisch, D 1937, mit Willy Fritsch, M√°ria Tasn√°di Fekete, Willy Birgel, Grethe Weiser).
  • Die Dreizehn (Trinadzat, R.: Michail Romm, UdSSR 1937) mit Iwan Kusnezow, Andrei Dolinin, Iwan Nowosselzew.
  • Die Verteidigung von Wolotschajewsk (Wolotschajewskije dni, R.: Georgi Wassiljew/Sergei Wassilew, UdSSR 1937) mit Warwara Mjasnikowa, Nikolai Dorochin, Lew Swerdlin.
  • Lenin im Oktober (Lenin w oktjabre, R.: Michail Romm, UdSSR 1939, mit Boris Schtschukin, Nikolai Ochlopkow).
  • Lenin im Jahr 1918 (Lenin w 1918 godu, R.: Michail Romm, UdSSR 1939) mit Boris Schtschukin, Nikolai Ochlopkow.
  • Schtschors (R.: Aleksandr Dowschenko, UdSSR 1939, mit Jewgeni Samojlow, Iwan Skuratow).
  • Die Verteidigung von Zarizyn (Oborona Zarizyna, (R.: Georgi Wassiljew, UdSSR 1942, mit Michail Gelowani, Nikolai Bogoljubow.
  • Das unvergessliche Jahr 1919 (Nesabywajemy god 1919, R.: Micheil Tschiaureli, UdSSR 1951, mit Pawel Molchanow, Micheil Gelowani).
  • Der stille Don (Tichi Don, R.: Sergei Gerassimow, UdSSR 1957, mit Pjotr Glebow, Elina Bystrizkaja, Sinaida Kirijenko).
  • Helden der Tscheka (Sotrudnik Tschek, R.: Boris Woltschok, UdSSR 1963, mit Walentina Maljawina, Wladimir Kenigson, Oleg Jefremow).
  • Doktor Schiwago (1965) (Doctor Zhivago, R.: David Lean, USA 1965, mit Omar Sharif, Julie Christie, Alec Guinness, Klaus Kinski, Geraldine Chaplin).
  • Wei√üe Sonne der W√ľste (Beloje solnze pustyni, R.: Wladimir Motyl, UdSSR 1967, mit Anatoli Kusnezow, Spartak Mischulin, Kakhi Kavsadze).
  • B√ľrgerkrieg in Ru√üland (5 Teile, R.: Wolfgang Schleif, TV-BRD 1967, mit Nikolai Rytkow, Friedrich G. Beckhaus, Friedrich Sch√ľtter. Teil I: Revolutionsjahr 1917, Teil II: Der Kampf um die Macht, Teil III: Die Konterrevolution, Teil IV: Das Ende in Sibirien, Teil V: Die verratene Revolution).
  • Hochzeit in Malinowka (Swadba w Malinowke, R.: Andrei Tutyschkin, UdSSR 1967, mit Wladimir Samojlow, Ljudmila Alfimowa, Walentina Lysenko)
  • Die Kommissarin (R.: Alexander Askoldow, UDSSR 1967 / 1988).
  • Kotschubej (R.: Juri Oserow, UdSSR 1958, mit Jefim Kopeljan, Nikolai Rybnikow, Pawel Usownitschenko).
  • Der rote Reiter (R.: Walter Beck, DDR 1970, mit Burkhard Mann, Gerhard Lau, Klaus P√∂nitz).
  • Unterwegs zu Lenin (R.: G√ľnter Reisch, Co-R.: Lucia Ochrimenko, DDR/UdSSR 1970, mit Gottfried Richter, Michail Uljanow, Helmut Habel).
  • Die Flucht (Beg, R.: Aleksandr Alow/Wladimir Naumow, UdSSR 1970, mit Ljudmila Saweljewa, Aleksei Batalow, Michail Uljanow).
  • Fremd unter seinesgleichen (Swoj sredi chuschich, chuschoj sredi swoich, R.: Nikita Michalkow, UdSSR 1974, mit Juri Bogatyrjow, Nikita Michalkow).
  • Der Fangschu√ü (R.: Volker Schl√∂ndorff, BRD/F 1976, mit Margarethe von Trotta, Matthias Habich, R√ľdiger Kirschstein).
  • Bolschaja-malaja woina (Der gro√üe kleine Krieg, auch unter dem Titel Banda Machno [Die Machno-Bande], R.: Vasile Pescaru, UdSSR 1980, mit Wiktor Saitow, Gennadi Sajfulin, Jewgeni Lasarow)
  • Die erste Reiterarmee (Perwaja konnaja, R.: Wladimir Ljubomudrow, UdSSR 1984, mit Wadim Spiridonow, Jewgeni Scharikow).
  • Admiral (Admiral, R.: Andrei Krawtschuk, RU 2008, mit Konstantin Chabenskij, Elisawjeta Bojarskaja, Sergei Besrukow).

Siehe auch

Literatur

  • In der Datenbank RussGUS werden nachgewiesen:
zum B√ľrgerkrieg √ľber 40 Publikationen (dort Suche ‚Äď Formularsuche ‚Äď Sachnotation: 12.3.4.2.2.2)
zur Intervention √ľber 20 Publikationen (dort Suche ‚Äď Formularsuche ‚Äď Sachnotation: 12.3.4.2.3.2)
  • Orlando Figes: Die Trag√∂die eines Volkes. Berlin-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-8270-0243-5
  • Manfred Hildermeier: Russische Revolution. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2004, ISBN 3-596-15352-2
  • Nikolaus Katzer: Die Wei√üe Bewegung in Ru√üland. B√∂hlau Verlag, K√∂ln 1999, ISBN 3-412-11698-X
  • Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Birlinn Limited, Edinburgh 2005, ISBN 1-84341-024-9
  • Richard Pipes: Russia under the Bolshevik Regime. Random House, New York 1994, ISBN 0-394-50242-6
  • Autorenkollektiv: –í–ĺ–Ķ–Ĺ–Ĺ—č–Ļ —ć–Ĺ—Ü–ł–ļ–Ľ–ĺ–Ņ–Ķ–ī–ł—á–Ķ—Ā–ļ–ł–Ļ —Ā–Ľ–ĺ–≤–į—Ä—Ć (–í–≠–°) (Milit√§rwissenschaftliches W√∂rterbuch); –í–ĺ–Ķ–Ĺ–ł–∑–ī–į—ā (Milit√§rwissenschaftlicher Verlag der UdSSR); –úoskau 1986

Weblinks

 Commons: Russischer B√ľrgerkrieg ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Birlinn, Edinburgh 2005; ISBN 1-84158-064-3; S. 3.
  2. ‚ÜĎ √úbersetzung eines Zitats Koltschaks aus Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh 2005, S. 109‚Äď110. Originaltext: ‚ÄěTaking up the cross of this power in the exceptionally difficult conditions of civil war and the complete breakdown of state life I declare: I will not go either on the road of reaction or on the fatal road of party politics. I set as my chief aim the creation of an effecient army, victory over the Bolsheviks, and the establishment of law and order, so that the people can choose for itself, without obstruction, the form of government which it desires and realize the great ideals of liberty which are now proclaimed all over the world.‚Äú
  3. ‚ÜĎ Jakob Moneta: Die Kolonialpolitik der franz√∂sischen KP. Hannover 1968, S. 294
  4. ‚ÜĎ Reinhard Z√∂llner: Geschichte Japans. Von 1800 bis zur Gegenwart. Paderborn 2006, S. 340
  5. ‚ÜĎ Winston Churchill: The World Crisis. The Aftermath. London 1929, Band 4, S. 256; Online unter [1]
  6. ‚ÜĎ √úbersetzung eines Zitats Lenins aus Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh 2005, S. 148 : Originaltext: ‚ÄěIf before winter we do not take the Urals, I consider that the defeat of the revolution will be inevitable.‚Äú
  7. ‚ÜĎ Milit√§rwissenschaftliches W√∂rterbuch, S.24
  8. ‚ÜĎ √úbersetzung eines Zitats Budbergs aus Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh, 2005; S. 136. Originaltext: ‚ÄěThe regime was only form without content; the ministries can be compared with huge and imposing windmills, busily turining their sails, but with no millstones inside and with much of their machinery broken or missing‚Äú.
  9. ‚ÜĎ Zitat VńĀcietis nach Richard Pipes: Russia under the Bolshevik Regime, New York, 1993, S. 62 ; Originaltext in englischer Sprache: ‚ÄěThe discipline which has been and continues to be enforced in our Red Army, based on severe punishments, has led only to fear and the mechanical execution of orders, without any inspiration and sense of duty.‚Äú
  10. ‚ÜĎ Zitat Schawelskijs aus Nikolaus Katzer: Die Wei√üe Bewegung in Ru√üland. K√∂ln 1992, S. 286.
  11. ‚ÜĎ Zitat Wrangels aus Orlando Figes: Die Trag√∂die eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924; Berlin, 1998; S. 757
  12. ‚ÜĎ Originaltabelle findet sich in Evan Mawdsley: The Russian Civil War. Edinburgh 2005, S. 288. Dieser zitiert selbst nach Alex Nove: An Economic History of the USSR. London 1969.
  13. ‚ÜĎ nach George Legett: The Cheka. Lenins Political Police. Oxford 1981, S. 181.
  14. ‚ÜĎ Nach Orlando Figes: Die Trag√∂die eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924. Berlin 1998, S. 654.; Englische √úbersetzung der Rede
  15. ‚ÜĎ J√∂rg Baberowski: Der Rote Terror. Deutsche Verlagsanstalt 2003; hier: Lizenzausgabe der Bundeszentrale f√ľr Politische Bildung, Bonn 2007, S. 50‚Äď51
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