Russlandfeldzug 1812

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Russlandfeldzug 1812

Napoleons Russlandfeldzug beziehungsweise der Krieg zwischen Frankreich und Russland im Jahre 1812 wird von russischer Seite als „VaterlĂ€ndischer Krieg“ (russisch ОтДчДстĐČĐ”ĐœĐœĐ°Ń ĐČĐŸĐčĐœĐ°, Otečestvennaja vojna) bezeichnet. Er gilt als Teil des Sechsten Koalitionskrieges. Von Napoleon wurde der Krieg 1812 auch als „Zweiter Polnischer Krieg“ bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Politische Vorgeschichte

Durch den Frieden von Tilsit wurden NapolĂ©on und der russische Zar Alexander I. im Juli 1807 VerbĂŒndete. UrsprĂŒnglich wollte NapolĂ©on eine noch engere Verbindung mit Russland und beabsichtigte Katharina Pawlowna, eine Schwester des Zaren, zu heiraten, doch die heiratete 1809 den Prinzen Georg von Oldenburg. Anna, ihre jĂŒngere Schwester, die NapolĂ©on als Alternative vorgeschlagen hatte, war erst fĂŒnfzehn Jahre alt, weshalb man ihn auf einen spĂ€teren Zeitpunkt vertröstete. Diese Nachricht erreichte NapolĂ©on erst, als er sich schon fĂŒr Marie-Louise von Habsburg, eine Tochter des österreichischen Kaisers, entschieden hatte. Da es zur damaligen Zeit nicht unĂŒblich war, FĂŒnfzehnjĂ€hrige zu verheiraten, sah NapolĂ©on das als ZurĂŒckweisung an. TatsĂ€chlich mochte die Mutter des Zaren NapolĂ©on nicht und wollte keine ihrer Töchter mit ihm verheiraten.

Im Jahre 1809 war es zum Krieg zwischen Frankreich und Österreich gekommen. Gleichzeitig kam es zu AufstĂ€nden in Tirol, in Preußen und im Königreich Westphalen. Russland war mit Frankreich verbĂŒndet und griff in den Österreichischen Feldzug gegen das Herzogtum Warschau ein. Aber die russische Armee fĂŒhrte nur einen Scheinfeldzug, in dem es zu keinem Kampf mit den Österreichern kam. Auch zu Preußen, mit dem Russland bis 1807 verbĂŒndet war, bestanden weiter gute Kontakte. Zwischen Alexander I. und der preußischen Königin gab es eine enge freundschaftliche Verbindung. Zum Missfallen NapolĂ©ons empfing der Zar das preußische Königspaar im Januar 1808 fĂŒr einen mehrwöchigen Freundschaftsbesuch in Sankt Petersburg.

NapolĂ©on lockerte im Jahr 1810 die Kontinentalsperre gegen Großbritannien fĂŒr französische Schiffe. Französische Kaufleute durften unter Auflagen wieder Handel mit Großbritannien betreiben. Dagegen verlangte er im Oktober vom Zaren, dass selbst neutrale Schiffe, die russische HĂ€fen anlaufen, beschlagnahmt werden sollen, sofern sie Waren englischen Ursprungs an Bord hatten. Im August hatte Alexander I. erfahren, dass drei französische Divisionen aus SĂŒddeutschland in die NĂ€he der russischen Grenze verlegt werden sollten. In Warschau waren fĂŒr die polnischen Brigaden 50.000 neue Gewehre eingetroffen. Am Ende des Jahres annektierte Frankreich das Herzogtum Oldenburg und griff damit den Schwager des Zaren an. Alexander I. beteiligte sich nun nicht mehr an der Kontinentalsperre, die auch zu einer wirtschaftlichen Belastung geworden war. Russland durfte keine Rohstoffe wie Holz, Flachs oder Pech nach Großbritannien exportieren. Textilien, Kaffee, Tee, Tabak oder Zucker durften aus Großbritannien nicht importiert werden. Auch die Steuereinnahmen aus diesen GeschĂ€ften fehlten in der Staatskasse, dafĂŒr machten Schmuggler Riesengewinne. Unternehmen, die vom Import oder Export abhĂ€ngig waren, hatten bankrott gemacht. Der Wert des Papierrubels war drastisch gesunken. Aufgrund der negativen Handelsbilanz verbot der Zar am 31. Dezember den Import von LuxusgĂŒtern. Davon war besonders Frankreich betroffen, das große Mengen Seide, Wein und ParfĂŒm nach Russland exportierte. Andere Waren wurden mit so hohen Zöllen belegt, dass sie kaum noch importiert wurden. Das galt nur fĂŒr Waren, die auf dem Landweg nach Russland kamen. Importe, die auf dem Seeweg erfolgten, waren zollfrei. Davon profitierten EnglĂ€nder und die neutralen Staaten, deren Schiffe zu einem großen Teil englische Waren beförderten. Russland hielt große Teile des ehemaligen Königreichs Polen besetzt. Diese Gebiete waren traditionell wichtige Holzlieferanten fĂŒr den Bau britischer Kriegs- und Handelsschiffe. Da Russland auch das waldreiche Finnland besetzt hatte, war es der grĂ¶ĂŸte Holzlieferant Europas und fĂŒr den britischen Schiffbau lebenswichtig.

Im Jahr 1811 begannen Frankreich und Russland mit den Vorbereitungen fĂŒr einen Krieg. Bereits im Februar wurden fĂŒnf zusĂ€tzliche russische Divisionen an die Grenze zu Polen verlegt, außerdem wurden die Truppen an der Grenze mit 180 Kanonen verstĂ€rkt. Die RĂŒstungsfabriken in Tula und Alexandrowsk erhielten die Anweisung selbst an hohen Feiertagen zu arbeiten. Der Zar rechnete mit einer Invasion und trug sich sogar mit dem Gedanken, dieser durch einen Angriffskrieg zuvorzukommen. DafĂŒr brauchte er die UnterstĂŒtzung Polens, Preußens und Österreichs. Am 12. Februar schrieb er an Adam Czartoryski und machte ihm den Vorschlag, ein Königreich Polen auszurufen. Im Gegenzug sollten die wichtigsten Politiker und MilitĂ€rs des Herzogtums Warschau ihm schriftlich garantieren, dass sie ihn unterstĂŒtzen. Ende Februar schrieb er an den preußischen König und den österreichischen Kaiser, dabei weihte er sie teilweise in seine PlĂ€ne ein.[1] NapolĂ©on erfuhr davon und versetzte seine Armee in Alarmbereitschaft. Beide Seiten versicherten mehrfach, dass sie keinen Krieg wollten. Der russische MilitĂ€rattachĂ© Tschernyschow reiste mehrmals zu Verhandlungen von Sankt Petersburg nach Paris. Bereits im April schrieb er aus Paris, dass, nach seiner Ansicht, der Krieg fĂŒr NapolĂ©on beschlossene Sache sei. Anderslautende Äußerungen hĂ€tten nur den Zweck Zeit zu gewinnen. FĂŒrst Alexander Kurakin, der russische Gesandte in Paris, musste sich am 15. August, auf einem Empfang zum Geburtstag NapolĂ©ons, von diesem einen lautstarken Vortrag anhören, in dem der behauptete, dass Russland einen Krieg planen wĂŒrde. Am 17. Oktober unterzeichnete Scharnhorst in Sankt Petersburg einen BĂŒndnisvertrag zwischen Preußen und Russland, der allerdings bedeutungslos blieb, da er nur fĂŒr den Fall eines französischen Angriffs auf Preußen galt. In diesem Fall sollte sich die preußische Armee auf russisches Territorium zurĂŒckziehen, um sich dort mit der russischen Armee zu vereinen.

Im November forderte NapolĂ©on topographische Karten ĂŒber Russland aus der kaiserlichen Bibliothek an, wobei ihn besonders Litauen interessierte. Im Dezember informierte er seine VerbĂŒndeten, dass sie sich auf einen Krieg vorbereiten sollten. Ende 1811 wurde in Paris ein Drucker verhaftet, der russische Banknoten herstellte. Er tat das angeblich im Auftrag des französischen Polizeiministers und wurde wieder freigelassen. SĂ©gur, ein enger Vertrauter NapolĂ©ons, bestĂ€tigte die Festnahme.[2] Nach seiner Darstellung sah NapolĂ©on das Falschgeld nur mit deutlichem Widerwillen und der grĂ¶ĂŸte Teil des Geldes wurde auf dem RĂŒckzug in Wilna, auf Anweisung NapolĂ©ons, verbrannt. Was mit dem restlichen Teil passierte, verschwieg SĂ©gur. Im Auftrag des preußischen Königs reiste Scharnhorst nach Wien, um dort SondierungsgesprĂ€che zu fĂŒhren. Am 26. Dezember lehnte der österreichische Kanzler Metternich ein BĂŒndnis ab.

Im Februar 1812 besetzten französische Truppen Schwedisch-Vorpommern und die damals schwedische Insel RĂŒgen. Ein Mitarbeiter des Pariser Kriegsministeriums, der regelmĂ€ĂŸig Informationen an Tschernyschow verkauft hatte, wurde im gleichen Monat festgenommen.[3] Auch NapolĂ©on hatte seine Spione. Auf diesem Weg gelangte er in den Besitz russischer Druckplatten fĂŒr Landkarten. Im MĂ€rz berichtete die Vossische Zeitung in Berlin ĂŒber den Aufmarsch französischer Truppen in Deutschland. John Quincy Adams, amerikanischer Gesandter in Sankt Petersburg und spĂ€ter PrĂ€sident der USA, notierte zur gleichen Zeit den Abmarsch russischer Truppen aus Sankt Petersburg in sein Tagebuch. Schweden schloss am 5. April ein BĂŒndnis mit Russland, in dem es auf das von Russland besetzte Finnland verzichtete. Im Gegenzug sollte es nach einem Sieg gegen NapolĂ©on Norwegen erhalten, das zu DĂ€nemark gehörte. Alexander I. verlangte am 8. April den RĂŒckzug aller französischen Truppen als Vorbedingung fĂŒr weitere Verhandlungen. Dieses Schreiben wurde am 30. April in Paris ĂŒbergeben. Bereits am 18. April hatte NapolĂ©on England einen Friedensvorschlag gemacht, der abgelehnt wurde, da das Angebot vorsah, dass NapolĂ©ons Bruder Joseph König von Spanien bleiben sollte. Am 21. April verließ Alexander Sankt Petersburg und reiste nach Wilna, um das Kommando ĂŒber die Armee zu ĂŒbernehmen. In ganz Litauen hatte man bereits vorher eine Nachrichtensperre verhĂ€ngt. Die in Wilna lebende GrĂ€fin Tiesenhausen schrieb: „Wir wussten nicht einmal, dass die Franzosen durch Deutschland marschierten...“ Am 9. Mai verließ NapolĂ©on Paris. Louis de Narbonne ĂŒberreichte Alexander am 18. Mai ein Schreiben NapolĂ©ons, in dem der seine Friedensbereitschaft bestĂ€tigte. Im Gegenzug verlangte er, dass sich Russland wieder an der Kontinentalsperre beteiligen sollte. Narbonne berichtete Alexander auch ĂŒber die StĂ€rke der Grande ArmĂ©e, wobei er das auf ausdrĂŒcklichen Befehl NapolĂ©ons tat. Alexander ließ sich nicht beeindrucken. Als Narbonne sechs Tage spĂ€ter ein Antwortschreiben an NapolĂ©on ĂŒbergab, erklĂ€rte der: „So sind also alle VermittlungsvorschlĂ€ge am Ende angelangt! Der Geist, der im russischen Lager herrscht, treibt uns in den Krieg. 
 Es ist keine Zeit mit fruchtlosen Verhandlungen zu vergeuden....“ .[4] Mit dem Frieden von Bukarest beendete Russland am 28. Mai den Krieg mit dem Osmanischen Reich, wodurch weitere Truppen fĂŒr einen Krieg gegen NapolĂ©on frei wurden. Nach den VertrĂ€gen mit Schweden und dem Osmanischen Reich marschierten 90.000 russische Soldaten als VerstĂ€rkung in Richtung der russisch-polnischen Grenze. Kurakin hatte mehrfach seine PĂ€sse fĂŒr eine Abreise gefordert. Aus Sicht NapolĂ©ons war das ein Abbruch der diplomatischen Beziehungen, was er Jahre spĂ€ter als russische KriegserklĂ€rung darstellte. Kurakin erhielt seine PĂ€sse am 12. Juni und reiste aus Paris ab. Am 22. Juni verfasste NapolĂ©on in Wilkowiszki einen Tagesbefehl, in dem er den 2. Polnischen Krieg verkĂŒndete.[5] Am nĂ€chsten Tag ritt NapolĂ©on, getarnt mit den Mantel eines polnischen Ulanen, an den Njemen. Er wurde von Armand de Caulaincourt begleitet, der berichtete, dass das Pferd NapolĂ©ons vor einem aufspringenden Hasen scheute und der Kaiser vom Pferd fiel. Der Krieg begann mit einem schlechten Vorzeichen, so Caulaincourt.

Logistik

In frĂŒheren Kriegen hatte sich die französische Armee fast ausschließlich aus dem durchzogenen Land versorgt. In der Regel hatten französische Revolutionstruppen ebenso wie spĂ€ter Napoleons Truppen keinen militĂ€risch organisierten Tross wie andere Armeen und waren deshalb schneller und beweglicher. FĂŒr den Krieg gegen Russland hatte Kaiser NapolĂ©on eine umfangreichere Logistik als bisher geplant und in Preußen und Polen wurden viele LagerhĂ€user mit VorrĂ€ten gefĂŒllt. Auf den FlĂŒssen in Preußen und Polen wurde eine große Zahl von LastkĂ€hnen eingesetzt, die den Nachschub auf dem Wasserweg ĂŒbernahmen. Der Zeitpunkt fĂŒr den Einmarsch war ebenfalls unter logistischen Aspekten festgelegt worden. NapolĂ©on ging davon aus, dass die Armee sich zu dieser Jahreszeit auch mit russischem Getreide versorgen konnte und fĂŒr Pferde und Rinder sollte ausreichend Futter vorhanden sein. Die medizinische Versorgung war fĂŒr die damalige Zeit vorbildlich. Die französische Armee war eine der ersten, die ĂŒber SanitĂ€tsfuhrwerke verfĂŒgte. Der Arzt Dominique Jean Larrey, der die mobilen Lazarette eingefĂŒhrt hatte, begleitete die Armee in Russland als Leiter des medizinischen Korps.

Trotz dieses Anspruchs war der Tross, der der Großen Armee folgte, sehr umfangreich. Alleine NapolĂ©ons persönlicher Tross bestand aus achtzehn Versorgungswagen, einem Garderobewagen, zwei Butlern, drei Köchen, sechs Dienern und acht Pferdeknechten. Er selbst fuhr in einer sechsspĂ€nnigen Kutsche, weitere 52 Kutschen wurden allein fĂŒr seinen Stab benötigt sowie eine enorme Zahl von Fuhrwerken nur fĂŒr dessen Versorgung. Zum Bau von BrĂŒcken fĂŒhrte man auf mehreren Wagen Pontons mit sowie Fuhrwerke mit Material und Werkzeug fĂŒr Pionierarbeiten. Feldschmieden und eine mobile Druckerei gehörten zum Tross. Die Artillerie hatte nur mit ihren Lafetten fĂŒr die Kanonen und den dazugehörigen Munitionswagen mehr als 3.000 Fuhrwerke. Schneider, Schuster und andere Handwerker begleiteten die Armee. Mehr als 50 Kassenwagen mit Geld fĂŒr den Sold der Soldaten und andere Ausgaben begleiteten die Truppen. Jeder Stab der einzelnen Korps hatte einen riesigen Fuhrpark, darunter viele Fuhrwerke fĂŒr den persönlichen Komfort der höheren Offiziere. HĂ€ufig wurden dadurch die Fuhrwerke behindert, die fĂŒr die Versorgung der Armee wichtig waren. Der Arzt Heinrich von Roos berichtete, dass, als er Wilna erreichte, seine SanitĂ€tsfahrzeuge noch nicht einmal den Njemen (Memel) ĂŒberquert hatten.

Über den bei den VerbĂ€nden schon vorhandenen Fuhrpark hinaus hatte Kaiser NapolĂ©on zusĂ€tzlich 26 Equipagen Bataillons mit ĂŒber 6000 Wagen bereitstellen lassen. Hinter der Armee sollten Herden mit Schlachtvieh folgen, das aber, ohne Pausen vorwĂ€rtsgetrieben, rasch abmagerte und zum betrĂ€chtlichen Teil am Straßenrand verendete. DarĂŒber hinaus war ein Teil der 26 Equipagen Bataillons mit Ochsen bespannt, die fĂŒr den spĂ€teren Verzehr vorgesehen waren; diese Tiere verendeten, wegen der mangelhaften Versorgung, aber schon nach kurzer Zeit. Die Fuhrwerke der 26 Equipagen Bataillons, die zusammen eine TransportkapazitĂ€t von kaum 8000 Tonnen besaßen, reichten fĂŒr die Versorgung der rund 600.000 Mann der Grande ArmĂ©e (die Besatzungstruppen in Preußen und Polen sowie die zahlreichen MilitĂ€rbeamten, die der Armee folgten, mussten schließlich ebenfalls ernĂ€hrt werden) nicht im entferntesten aus. Daher requirierten die französischen Einheiten – genau wie schon die „Revolutionstruppen“ vor ihnen – in Preußen, Polen und Litauen unzĂ€hlige Pferdefuhrwerke. Nach einem offiziellen Bericht der Regierung in Königsberg wurden im Jahr 1812 von der französischen Armee alleine in der preußischen Provinz Ostpreußen 1629 Fuhrwerke und 7546 Pferde förmlich requiriert.[6] DarĂŒber hinaus nahmen die durchziehenden Truppen der Grande ArmĂ©e aus der Provinz noch weitere 26579 Wagen und 79161 Pferde gewaltsam mit. Aus den anderen preußischen Provinzen und dem Großherzogtum Warschau wurden Ă€hnliche Zahlen gemeldet. Der Marquis de Chambray bezeichnete diese zahllosen Privatfuhrwerke, die ohne Ordnung die Truppen begleiteten, als „eine wahre Plage“, da sie andauernd die Straßen blockierten und dadurch die marschierenden VerbĂ€nde auseinanderrissen.[7] Die von der Armee zum Mitkommen gezwungenen Pferde und Menschen mussten sich, da sie nicht zur Armee gehörten, selbst versorgen. Diese wurden fĂŒr kurze Zeit rĂŒcksichtslos ausgebeutet, so dass viele von ihnen dabei elend zugrunde gingen und nicht mehr nach Hause zurĂŒckkehrten.[8] Die Große Armee verteilte sich Ende August auf eine FlĂ€che von rund 350.000 Quadratkilometern. Von den gut gefĂŒllten großen Magazinen in Danzig hatten die Fuhrkolonnen nur bis Smolensk ĂŒber 900 Kilometer zurĂŒckzulegen. FĂŒr diesen Weg benötigte ein Transportbataillon (hin und zurĂŒck) mehr als 80 Tage. Daher waren im Januar und Februar 1813 noch viele der französischen Magazine in Preußen, in Polen oder in Litauen mit Lebensmitteln, Kleidung, Medikamenten und sonstigem Bedarf gefĂŒllt, als sie von russischen und preußischen Truppen erobert wurden, wĂ€hrend gleichzeitig viele französische Soldaten verhungerten. Alleine in Wilna erbeuteten die russischen Truppen 4 Millionen Portionen Brot und Zwieback, 3,6 Millionen Portionen Fleisch und 9 Millionen Portionen Branntwein, Wein und Bier sowie etliche tausend Tonnen Bekleidung und sonstigen MilitĂ€rbedarf. In Minsk erbeuteten sie, trotz der Versuche, sie bei der Besetzung der Stadt noch zu verbrennen, 2 Millionen Portionen Brot und Zwieback.[9] Der Anspruch der Grande ArmĂ©e „schneller und beweglicher“ zu sein als andere Heere, fĂŒhrte dazu, dass der militĂ€risch völlig unorganisierte Tross von Anfang an den Kampfeinheiten nicht folgen konnte, so dass der Hunger bei vielen Einheiten schon einsetzte, noch ehe der Njemen (die Memel) ĂŒberschritten oder Grodno erreicht war. Daher waren von Anfang an viele Soldaten auf der Suche nach Ess- und Trinkbarem. Dabei verließen sie nicht selten ihre Einheit, um auch in entfernter gelegenen Dörfern nach Nahrung zu suchen (wie zahlreiche TagebĂŒcher und Briefe von Soldaten belegen). Nicht zuletzt deshalb verlor die Grande ArmĂ©e schon in den ersten sechs Wochen rund 50.000 Deserteure.

Bei den Einheiten gab es zwar Fuhrwagen fĂŒr Lebensmittel, aber keine Wagen fĂŒr das Futter der rund 150.000 Pferde. Die Tiere, die jeden Tag schwer zu arbeiten und dadurch auch einen erhöhten Energiebedarf hatten, waren weitgehend auf das GrĂŒnfutter angewiesen, das sie in der Nacht grasen konnten. Daher blieben bereits auf dem Weg nach Wilna etwa 10.000 Pferde liegen. Bis zur Schlacht von Smolensk gingen schon mehrere zehntausend Pferde ein.[10] Trotz der unterwegs laufend zwangsweise erfolgten Requirierung von Pferden musste auf dem RĂŒckzug von Moskau ein großer Teil der französischen Kavallerie zu Fuß gehen, um Wagen und GeschĂŒtze zu bespannen. Trotzdem mussten auf dem RĂŒckzug nach kurzer Zeit zahlreiche Munitionswagen und Kanonen wegen fehlender Zugtiere verbrannt oder stehen gelassen werden. Das gleiche gilt fĂŒr die provisorischen Transportwagen fĂŒr Kranke und Verwundete.

Die Logistik der „Großen Armee“ von 1812 war somit höchstens fĂŒr einen ganz kurzen Feldzug ausgelegt. Das „revolutionĂ€re“, auf Requirierung beruhende System war angesichts des dĂŒnn besiedelten Landes schon in Polen und Litauen ungenĂŒgend, es versagte endgĂŒltig, als die Armee am Dniepr (kurz vor Smolensk) die Grenze nach („Alt-“) Russland ĂŒberschritt und ab dort fast nur noch verlassene Dörfer und große WĂ€lder vorfand. Da die Grande ArmĂ©e auch keine Zelte fĂŒr die Soldaten mit sich fĂŒhrte, mussten diese selbst bei Schneetreiben und klirrendem Frost im Freien biwakieren. Der weitgehende Verzicht der „Revolutionsarmee“ auf einen militĂ€risch organisierten Tross rĂ€chte sich in Russland. Die „grande armĂ©e“ verlor dadurch wesentlich mehr Menschen durch Hunger, Krankheit und Desertion als durch Feindeinwirkung.

Die Armeen

Die Grande Armée

( → Hauptartikel Grande ArmĂ©e )

Zusammensetzung und Truppen der VerbĂŒndeten

Die Grande ArmĂ©e bestand beim Feldzug gegen Russland nicht einmal zur HĂ€lfte aus Franzosen. Selbst diese waren nach heutigem VerstĂ€ndnis zu einem erheblichen Teil Italiener, Deutsche, NiederlĂ€nder, Belgier oder Kroaten, denn Frankreich hatte weite Teile Italiens, die Niederlande, die deutschen Gebiete westlich des Rheins einschließlich des spĂ€teren Belgien und große Teile Norddeutschlands bis LĂŒbeck sowie dalmatinische Gebiete annektiert. Außerdem dienten in der französischen Armee seit 1796 freiwillig die aus Polen bestehende Weichsellegion und andere einzelne polnische VerbĂ€nde, eine irische und eine portugiesische Legion und eine nordafrikanische Reitertruppe sowie mehrere 1807 in Spanien zwangsrekrutierte Regimenter.

Schweizer Grenadiere der Grande Armee

Die Staaten des Rheinbundes brachten ihre gesamten StreitkrĂ€fte mit rund 120.000 Soldaten fĂŒr den Feldzug gegen Russland auf, darunter das Königreich Bayern mehr als 30.000 Mann, das Königreich Westphalen mehr als 27.000 Mann, hinzu kamen 20.000 Sachsen. Diese Staaten hatten eigene Korps, die von französischen Generalen kommandiert wurden, wĂ€hrend die Kontingente der kleineren Rheinbundmitglieder in die französische Armee integriert waren.

WestphÀlische Truppen 1812

Die Polen im Herzogtum Warschau sahen im Russlandfeldzug die Gelegenheit einer Wiederherstellung Polens durch RĂŒckeroberung der von Russland annektierten Gebiete. Das Herzogtum stellte nach Frankreich und dem Rheinbund in einem nationalen Kraftakt mit ĂŒber 70.000 Mann den drittgrĂ¶ĂŸten Anteil an der Grande ArmĂ©e. In den ersten Kriegswochen errichtete NapolĂ©on weitere polnische und litauische VerbĂ€nde in den eroberten Gebieten. Zusammen mit den in der französischen Armee und den seit Anfang 1813 in den neu formierten VerbĂ€nden des Herzogtums Dienenden haben im Sechsten Koalitionskrieg rund 100.000 Polen fĂŒr NapolĂ©on gekĂ€mpft. Auch Truppen der napoleonischen Satellitenstaaten Königreich Italien und der Schweiz kamen in Russland fĂŒr NapolĂ©on zum Einsatz.

Österreich und Preußen mussten sich unter politischem Druck verpflichten, Hilfskorps fĂŒr NapolĂ©on zu stellen. Österreich hatte sich verpflichtet, ein Armeekorps von 30.000 Mann[11] zu stellen, etwa ein FĂŒnftel seiner StreitkrĂ€fte, und Preußen musste mit 20.000 Mann beinahe die HĂ€lfte seiner mobilen StreitkrĂ€fte aufbieten.[12] Im Unterschied zum österreichischen Korps, dessen Kommandeur, FĂŒrst Schwarzenberg, NapolĂ©on direkt unterstellt war, wurde das preußische Kontingent als Division in das Korps der französischen Marschalls MacDonald eingegliedert (10. Armeekorps). Der Kampfwert dieser beiden Korps, die einige Jahre zuvor gegen Frankreich gekĂ€mpft hatten, war nicht sehr groß. Es fehlte die Motivation, um fĂŒr NapolĂ©on gegen einen ehemaligen VerbĂŒndeten zu kĂ€mpfen. Nachdem sich Preußen zur Gestellung eines Hilfskorps verpflichtet hatte, schrieb der preußische König an den russischen Zaren: „Beklagen Sie mich, aber verdammen sie mich nicht. Vielleicht kommt bald die Zeit, wo wir in engem Bunde vereint handeln werden.“[13] Der russische Gesandte in Wien, Graf Stakelberg, berichtete nach Sankt Petersburg, dass der Einsatz des österreichischen Korps sich auf das Notwendige beschrĂ€nken wĂŒrde.[14]

Leichte polnische Lanzenreiter

NapolĂ©on fĂŒhrte gleichzeitig Krieg in Spanien, wo 250.000 Soldaten auf französischer Seite kĂ€mpften. Nachdem dort ein Regiment aus Nassau zum Feind ĂŒbergelaufen war, betrachtete er manche Truppen des Rheinbundes mit Misstrauen. In Braunschweig war es Anfang 1812 zu Auseinandersetzungen zwischen französischen und westphĂ€lischen Soldaten gekommen, bei denen mehrere Franzosen getötet oder verwundet wurden. Die Situation eskalierte und es gab regelrechte Straßenschlachten. Zwei westphĂ€lische Soldaten wurden verurteilt und erschossen. Ein BĂŒrger der Stadt wurde enthauptet. Mit dem eigentlichen Vorfall hatte er nichts zu tun, allerdings hatte er zuvor einen französischen Offizier getötet. Statt wie vorgesehen in WolfenbĂŒttel, wurde er demonstrativ in Braunschweig geköpft.[15] NapolĂ©ons Misstrauen war nicht unberechtigt. Sachsen, Bayern und Preußen mussten Kavallerie an die Hauptarmee abgeben, wodurch die Korps, in denen sich ihre HauptstreitkrĂ€fte befanden, geschwĂ€cht wurden. Nicht nur militĂ€risch, sondern auch logistisch, da die Kavallerie beim Requirieren von Nahrung einen wesentlich grĂ¶ĂŸeren Aktionsradius hatte. Die Kavallerie aller Korps, einschließlich der Garde, hatte etwa 95.000 Pferde. Dazu kamen Zugpferde fĂŒr die Artillerie und den Tross. Beim Einmarsch in Russland verfĂŒgte die Armee ĂŒber insgesamt fast 200.000 Pferde. Die QualitĂ€t der französischen Kavalleriepferde war hĂ€ufig schlechter als die der russischen. WĂ€hrend der französischen Revolution war der Adel enteignet worden, die ZuchtgestĂŒte hatte man aufgelöst und in den folgenden Kriegen wurden viele Pferde getötet.

Zur StĂ€rke der französischen „Grande Armee“

Seit der mehrfachen Veröffentlichung von Bestandslisten der Grande Armee, der Briefe und Depeschen von Kaiser Napoleons und des französischen Hauptquartiers ist die Gliederung und StĂ€rke der Grande Armee von 1812 weitgehend geklĂ€rt[16]. Da die StĂ€rke der Einheiten, wie den wöchentlichen Bestandslisten des Großen Hauptquartiers[17] gut zu entnehmen ist, sich durch AbgĂ€nge und Neuankömmlinge praktisch tagtĂ€glich verĂ€nderten, werden hier in der kurzen Zusammenstellung die Zahlen gerundet angegeben.[18] Nach den Bestandslisten war die Feldarmee, mit der Kaiser Napoleon am 24. Juni 1812 die russische Grenze ĂŒberschritt, etwas mehr als 420.000 Mann stark. Sie bestand aus dem Großen Hauptquartier, dem 1. bis 8. und dem 10. Armeekorps, der Kavalleriereserve (mit etwas ĂŒber 40.000 Reitern) mit dem 1. bis 4. Kavalleriekorps und der Kaiserlichen Garde (in der StĂ€rke eines Armeekorps). Zusammen mit dem österreichischen Hilfskorps von 30.000 Mann und den dazugehörigen „großen Parks“, den großen Armee-Fuhrparks der Artillerie, des Trains (dem Nachschubwesen) und der Genie-Truppen, d.h. der Pioniere, mit all den dazugehörigen UnterstĂŒtzungstruppen ĂŒber 22.000 Mann, umfaßte die Armee der ersten Linie etwa 475.000 Mann[19] und fast 200.000 Pferde.

Hinter dieser Armee folgten weitere UnterstĂŒtzungs- und Nachschubtruppen, zu denen auch ein Belagerungspark (vorgesehen fĂŒr Riga) und weitere BrĂŒckentrains gehörten. Außerdem zĂ€hlten zu diesen Truppen die Intendanturen, die Feldjustiz, die FeldpostĂ€mter, die Gendarmerie und diverse Handwerkerkompanien sowie die in Litauen neu angeworbene Truppen (in erster Linie Deserteure der russischen Armee). Zusammen zĂ€hlten diese Truppen etwa 35.000 bis 40.000 Mann. Dahinter folgten im Verlauf der nĂ€chsten Wochen die Truppen der zweiten und dritten Linie: das 9. und das 11. Armeekorps, diese waren – zusammen mit gleichzeitig nachrĂŒckenden Ersatztruppen aus der Heimat – etwa 95.000 bis 100.000 Mann stark. Ihre Hauptaufgabe war es die langen Nachschubwege fĂŒr die vorderen Truppen zu sichern und neue Magazine in den besetzten Gebieten anzulegen und diese gegen mögliche Angriffe zu schĂŒtzen. Dies ergibt zusammen eine Armee von insgesamt mehr als 610.000 Mann. In dieser Zahl sind die ĂŒbrigen rĂŒckwĂ€rtigen Truppen und die Festungsbesatzungen in Norddeutschland, Preußen, Danzig und in Warschau (ca. 70.000 Mann) nicht mit enthalten. Davon abweichende Zahlen, die sich in der Literatur finden, erklĂ€ren sich meist daraus, dass in manchen Kurzdarstellungen des Feldzuges die umfangreichen Hilfs- und Versorgungstruppen ganz oder teilweise mit Stillschweigen ĂŒbergangen werden oder ohne weitere Zahlenangaben in einem Nebensatz bloß angedeutet werden.

Bis Mitte Dezember 1812 gelangten etliche Einheiten des nachrĂŒckenden 11. Armeekorps „nur“ bis Ostpreußen bzw. bis ins Herzogtum Warschau.[20] Da diese Truppen die russische Grenze nicht ĂŒberschritten haben, werden auch sie in manchen Darstellungen des Feldzuges nicht mitgezĂ€hlt. Abgesehen davon, dass diese Truppen unbestritten dennoch Teil der „Grande ArmĂ©e“ waren, ĂŒbernahmen sie im Dezember 1812 die Deckung der ĂŒber die Beresina zurĂŒckgekommenen Soldaten und sicherten damit gemeinsam mit den ebenfalls zurĂŒckgebliebenen Besatzungen der Festungen in Preußen und Warschau die Reste der geschlagenes Heeres gegen die nachdrĂ€ngende russische Armee und ermöglichten diesen dadurch, sich wieder zu sammeln und notdĂŒrftig zu reorganisieren. Alleine schon dadurch, dass sie ab Mitte Dezember 1812 den Vormarsch der russischen Armee zeitweilig aufhielten,[21] was sie anschließend in den Strudel des Untergangs mit hinein zog, wurden auch sie zu Teilnehmern des russischen Feldzuges.[22]

Die russische Armee

Die StĂ€rke der russischen Armee sollte eigentlich 600.000 Mann betragen, dafĂŒr bezahlte der Zar. TatsĂ€chlich waren aber zu Beginn des Krieges nur etwa 420.000 Mann vorhanden. Das war nicht ungewöhnlich fĂŒr die damalige Zeit, im Jahr 1806 hatte Preußen auf dem Papier 250.000 Soldaten und bekam anfangs nur 120.000 zusammen. Aufgrund der GrĂ¶ĂŸe des russischen Reiches verteilten sich die 420.000 Soldaten ĂŒber ein weites Gebiet. In vielen Belangen war die Armee noch hinter anderen Armeen zurĂŒck, deshalb nahm man gern auslĂ€ndische Offiziere. Deutsche, österreichische, schwedische und sogar französische Offiziere dienten in der russischen Armee. Als Alexander I. forderte, NapolĂ©on solle die Polen in seiner Garde entlassen, konterte der, der Zar solle erst die vielen Franzosen in seiner Armee entlassen. Als einziger ernsthafter Gegner NapolĂ©ons war Russland ein Sammelbecken fĂŒr viele seiner Gegner. General Langeron, ein Franzose, kĂ€mpfte bereits seit Jahren in der russischen Armee. Der hohe Anteil auslĂ€ndischer Offiziere wurde nicht von allen gern gesehen, auch weil sie hĂ€ufig besser bezahlt und mit einem höheren Dienstgrad eingestellt wurden.

Die einfachen Soldaten waren Russen und MĂ€nner aus den von Russland besetzten Gebieten. Im Hinblick auf die VerstĂ€ndigung war die russische Armee deshalb im Vorteil gegenĂŒber der Grande ArmĂ©e, in der viele verschiedene Sprachen gesprochen wurden und es sogar zu Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen NationalitĂ€ten kam. In der Hoffnung auf ÜberlĂ€ufer wurde die Russisch-Deutsche Legion gebildet. 10.000 Exemplare eines Aufrufes, sich der Legion anzuschließen, wurden nach Deutschland und in die deutschen Truppen geschleust. Das brachte nicht den gewĂŒnschten Erfolg. Da Preußen von Frankreich besetzt war, sah man die Preußen als einen der moralisch schwĂ€chsten Punkte in der Grande ArmĂ©e an. Deshalb versuchten ehemalige preußische Offiziere, die nun in russischen Diensten standen, die Soldaten direkt an der Front zum Überlaufen zu bewegen, der Oberstleutnant Tiedemann wurde dabei erschossen. Bereits im Juli 1812 stießen 30 hollĂ€ndische Garde-Ulanen zur Legion. SpĂ€ter folgten 50 preußische Infanteristen und 40 Husaren, die im Raum Riga in Gefangenschaft geraten waren. Am 22. August, nach dem Gefecht bei Dahlenkirchen, lief ein preußisches JĂ€gerbataillon fast geschlossen ĂŒber. Insgesamt war die Legion 1812 aber bedeutungslos und kam erst 1813 zum Einsatz.

Mit zwei Dingen wird die russische Armee hĂ€ufig in Verbindung gebracht, die geplante RĂŒckzugsstrategie und die Taktik der verbrannten Erde. Es gab weder das eine noch das andere. Der RĂŒckzug wurde aus der Not geboren, nach Carl von Clausewitz „hat der Krieg sich so gemacht“. Es gab zwar entsprechende Überlegungen und VorschlĂ€ge, aber Clausewitz bestritt, dass es in dieser Form geplant war. Die russische Armee war zu Beginn des Krieges ĂŒber eine breite Front verteilt und zu schwach gegen die Grande ArmĂ©e. Was die Taktik der verbrannten Erde betrifft, gibt es bis Smolensk keine Berichte ĂŒber grĂ¶ĂŸere BrĂ€nde und Smolensk geriet hauptsĂ€chlich durch die Schlacht selbst in Brand. Wilna, Minsk und Witebsk fielen den Franzosen weitgehend unversehrt in die HĂ€nde, wie auch viele andere Orte. Die russische Armee hat allerdings eigene VorrĂ€te, die sie nicht mitnehmen konnte, verbrannt. Es wurden aber nicht die VorrĂ€te der Zivilbevölkerung verbrannt oder deren HĂ€user. Das geschah erst, nachdem NapolĂ©on Smolensk verlassen hatte, und hier lĂ€sst sich nicht ausschließen, dass einige BrĂ€nde durch die französische Armee verursacht wurden. Es existieren Berichte, dass Soldaten HĂ€user plĂŒnderten, die ja in dem Fall noch unversehrt gewesen sein mĂŒssen. Die Berichte ĂŒber verbrannte Dörfer stammen hĂ€ufig von Soldaten der französischen Nachhut, die die Russen dafĂŒr verantwortlich gemacht haben. Noch kurz vor Moskau fiel die Stadt Moshaisk nahezu unzerstört in die HĂ€nde der französischen Armee, die dort ihr Lazarett und eine Garnison einrichtete. Verwundete russische Soldaten, die sich in den HĂ€usern befanden, warf man auf die Straße.

Der Feldzug

Der Einmarsch der Grande Armée

Napoleon bei Borodino. GemÀlde des russischen Malers Wassili Wereschtschagin, 19. Jahrhundert

In der Nacht zum 24. Juni 1812 befahl Kaiser NapolĂ©on bei Kowno (litauischer Name Kaunas) den Bau von drei SchiffsbrĂŒcken und den Übergang seiner Grande ArmĂ©e ĂŒber den Njemen (Memel). Er ĂŒberschritt damit zugleich die Grenze und eröffnete den Angriff auf Russland.[23] In den nĂ€chsten Tagen bis zum 30. Juni[24] folgte dann ein Heer von insgesamt etwa 475000 Mann (einschließlich des österreichischen Hilfskorps und der „Großen Parks“; vgl. dazu oben „zur StĂ€rke der Grande ArmĂ©e“). Der Kaiser erwartete einen schnellen Sieg, sein strategisches Ziel war es, die russischen HauptstreitkrĂ€fte zu einer Schlacht zu stellen und möglichst frĂŒh vernichtend zu schlagen, deshalb folgten seine Truppen den russischen StreitkrĂ€ften in EilmĂ€rschen. Das hatte katastrophale Folgen.

Unmittelbar nach dem Einmarsch begannen tagelange Gewitterregen, die das Land in Sumpf und Morast verwandelten. Beim Versuch, die angeschwollene Wilia zu ĂŒberqueren, ertranken die meisten Soldaten eines polnischen Kavallerieschwadrons. Die Armee entfernte sich immer mehr von ihren Versorgungsfuhrwerken, die im Schlamm stecken blieben. Der sĂ€chsische General Ferdinand von Funck berichtete, dass man auf mehr als 1200 Bauernwagen Brot fĂŒr vier bis fĂŒnf Tage nachschleppte. Trotzdem hungerten die Soldaten, weil das Brot sie nicht erreichte. Jeder Soldat hatte eine Notration Zwieback dabei, aber es war streng verboten, sie anzugreifen. Das dĂŒnn besiedelte Land konnte die große Masse der Armee nicht ernĂ€hren, zudem hatte sich bereits die russische Armee aus dem Land versorgt. Durch unsauberes Wasser, das man aus FlĂŒssen und SĂŒmpfen schöpfte, erkrankten viele Soldaten an der Ruhr. Der Branntwein, mit dem man ĂŒblicherweise das Wasser genießbar machte, war ausgegangen. Ferdinand von Funck schrieb dazu: „Die Ruhr wĂŒtete förmlich unter den Regimentern und wenn wir unterwegs halt machten, musste allemal nach dem Winde die Seite bestimmt werden, nach der die Leute zur Befriedigung natĂŒrlicher BedĂŒrfnisse antreten sollten, weil fast in wenigen Minuten die Luft verpestet war.“ Tausende Soldaten starben in den ersten Wochen an Krankheiten oder EntkrĂ€ftung, viele desertierten und einige Soldaten begingen in ihrer Verzweiflung Selbstmord. Deserteure, die man wieder einfing, wurden meist erschossen. Andere zogen in kleinen oder grĂ¶ĂŸeren Banden durch das Land und terrorisierten die Bevölkerung. Auch die Verluste an Pferden waren enorm, bereits in den ersten Tagen starben mehr als 20.000. Die Futtersituation fĂŒr die gewaltige Menge Pferde war dramatisch. Man verfĂŒtterte das Stroh von den DĂ€chern der HĂ€user, falls diese noch nicht abgebrannt waren. Heu und Hafer gab es nur selten, unreifes Getreide fĂŒhrte zu Krankheiten und der stĂ€ndige Vormarsch bot keine ausreichenden Ruhepausen fĂŒr die Pferde.

Durch Briefe der Soldaten waren diese VerhĂ€ltnisse sehr schnell auch in Deutschland bekannt, was zu Beunruhigungen fĂŒhrte. Bereits am 2. August verbot König Friedrich von WĂŒrttemberg deshalb, dass seine Soldaten, die in Russland waren, schlechte Nachrichten in der Heimat verbreiten: „Allerhöchstdieselben wollen daher jede fernere schriftliche Äußerung dieser Art auf das Ernstlichste verboten haben mit dem ernsten AnfĂŒgen, dass wenn dergleichen wieder statthaben sollte, die Urheber mit den empfindlichsten Strafen belegt werden sollen“.

Zar Alexander I. befand sich bereits seit Ende April bei der russischen Armee und hatte das Kommando. MilitĂ€risch hatte er wenig Erfahrung und vertraute auf seine Berater, wie z. B. auf den preußischen General Phull. Die 1. russische Westarmee unter Barclay de Tolly war den Franzosen zahlenmĂ€ĂŸig weit unterlegen, sie bestand aus etwa 118.000 Mann. Ihr stand eine mehr als dreifache Übermacht gegenĂŒber. Mehr als 150 km sĂŒdlich befand sich die 2. Westarmee unter Bagration mit 35.000 Mann. Die Reservearmee von Alexander Tormassow mit 30–35.000 Mann[25] befand sich noch weiter sĂŒdlich und konnte in den Kampf gegen NapolĂ©ons Hauptarmee vorerst nicht eingreifen. Östlich von ihr waren die riesigen PripjetsĂŒmpfe, die einen RĂŒckzug in diese Richtung unmöglich machten. Ihr stand nur das österreichische Hilfskorps im Raum Brest-Litowsk gegenĂŒber. NapolĂ©on verstĂ€rkte es mit dem 7. Korps, das aus sĂ€chsischen Truppen bestand. Die Armee von Tschitschagow, die aus dem Krieg gegen das Osmanische Reich zurĂŒckkehrte, war noch weit entfernt, ebenso VerstĂ€rkungen aus Finnland unter General Steinheil. Barclay de Tolly und Bagration mussten sich zurĂŒckziehen. Bei Deweltowo kam es am 28. Juni zum ersten Gefecht zwischen russischen und französischen Truppen. WĂ€hrend eines schweren Gewitters zog NapolĂ©on am Nachmittag desselben Tages in Wilna ein. Eine Woche spĂ€ter, am 5. Juli, gab es an der DĂŒna das erste Artillerieduell, drei Tage danach besetzte Marschall Davout Minsk.

General von Phull ging der RĂŒckzug nicht schnell genug, mehrfach schickte er den Oberstleutnant Clausewitz zu Barclay de Tolly, um ihn zu einem schnelleren RĂŒckzug zu bewegen.[26] Er befĂŒrchtete, dass NapolĂ©on vor der russischen Armee in Drissa sein wĂŒrde. Dort hatte Russland bereits Monate vorher mit dem Ausbau von Stellungen begonnen und die Armee wollte sich, nach dem Plan von Phull, zur Schlacht stellen. Bagration sollte gleichzeitig im RĂŒcken der Armee NapolĂ©ons die Offensive ergreifen. Als die Armee in Drissa ankam, erwies sich das vorbereitete GelĂ€nde als ungeeignet. Es befand sich direkt an der DĂŒna, die an dieser Stelle nicht sehr tief war. Teile der französischen Armee hĂ€tten der russischen Armee nach einer Umgehung in den RĂŒcken fallen können. BrĂŒcken waren nicht vorhanden, weshalb man bei einem RĂŒckzug die Kanonen hĂ€tte zurĂŒcklassen mĂŒssen. Eine Niederlage hĂ€tte die Vernichtung der Armee zur Folge gehabt und damit die Niederlage Russlands. Am 10. Juli geriet die Vorhut des 4. französischen Kavalleriekorps Latour-Maubourg, unter dem polnischen General Rosnietzky, bei Mir in einen Hinterhalt und wurde von Kosaken unter General Platow geschlagen. Am 14. Juli verließ die russische Armee Drissa. Am gleichen Tag kam es bei Romanowo erneut zu einem Gefecht zwischen Kosaken und polnischer Kavallerie unter Rosnietzky.

Nach den RegenfĂ€llen der ersten Tage hatte eine Hitzewelle eingesetzt, die beiden Seiten zu schaffen machte. Clausewitz berichtete, dass er nie in seinem Leben so unter Durst gelitten habe. Auf der französischen Seite war die Versorgungslage weiter katastrophal, Staub und Hitze machten den Soldaten zusĂ€tzlich zu schaffen. Die Verluste der Armee erhöhten sich, bereits in den ersten zwei Wochen hatte sie 135.000 Mann verloren, ohne dass es zu grĂ¶ĂŸeren Kampfhandlungen gekommen war.[27] Tausende Pferdekadaver lagen entlang der Marschwege. Auch die medizinische Versorgung funktionierte nicht, weil die SanitĂ€tsfuhrwerke zurĂŒckblieben. Es fehlte an Essig, den man zum Desinfizieren benutzte, sowie an Medikamenten und Verbandsmaterial. Wie Larrey berichtete, verwendete man Hemden, spĂ€ter Papier, Leinwand oder Heu, um die Verwundeten zu verbinden. FĂŒr die Medikamente gab es keinen Ersatz, ebenso nicht fĂŒr den Essig.

Barclay de Tolly ĂŒbernimmt das Kommando

Barclay de Tolly

Nachdem die Armee am 18. Juli in Polozk angekommen war, ĂŒbergab der Zar das Kommando an Barclay de Tolly und reiste ĂŒber Moskau nach Sankt Petersburg. In einem Manifest vom selben Tag rief der Zar den russischen Adel auf, Soldaten zu stellen und erklĂ€rte, dass ein Oberbefehlshaber fĂŒr die Armee spĂ€ter ernannt werden sollte. Barclay de Tolly ließ 25.000 Mann unter General Wittgenstein in Polozk zurĂŒck, um den Weg nach Sankt Petersburg zu sichern, das 2. und 6. Korps der Armee NapolĂ©ons marschierten in Richtung Polozk. Barclay de Tolly zog mit seiner Armee weiter nach Witebsk, wo er sich mit der 2. Westarmee vereinigen wollte. NapolĂ©on versuchte die Vereinigung der beiden Armeen zu verhindern. Am 23. Juli wurde Bagration bei Mogiljow von Marschall Davout geschlagen, dadurch war ein Marsch in Richtung Norden nach Witebsk nicht mehr möglich. Bagration musste sich nun in Richtung Smolensk bewegen. Barclay de Tolly hatte inzwischen Witebsk erreicht und schickte das Korps von General Ostermann zur Sicherung nach Ostrowno. Nach dreitĂ€gigen KĂ€mpfen wurde Ostermann am 27. Juli geschlagen. Am gleichen Tag gab es einen russischen Erfolg, mehr als 2.100 Sachsen unter General Klengel kapitulierten in Kobryn vor Einheiten der Armee Tormassows.[28]

Um die beiden Armeen doch noch zu vereinigen, musste Barclay de Tolly sich ebenfalls in Richtung Smolensk bewegen und verließ Witebsk. NapolĂ©on erreichte Witebsk am 28. Juli und stoppte den Vormarsch seiner Armee. Er kĂŒndigte an, dass er hier den Winter verbringen wollte und der Krieg im folgenden Jahr fortgesetzt werden sollte. Aufgrund der katastrophalen Versorgungslage war das nur schwer möglich. Die russischen Vorratslager waren zerstört, die eigenen Vorratslager in Preußen und Polen waren weit entfernt. Vom neu angelegten Depot in Wilna bis nach Witebsk betrug die Entfernung mehr als 300 Kilometer. NapolĂ©on hatte seine Versorgungslinie ĂŒberdehnt. Bei den schlechten StraßenverhĂ€ltnissen war eine ausreichende Versorgung im Winter und der folgenden Schneeschmelze nicht gewĂ€hrleistet. Ihm blieben zwei Alternativen: RĂŒckzug der gesamten Armee auf eine realistische Verpflegungslinie oder Weitermarsch in fruchtbarere Gebiete zwischen Smolensk und Moskau, aus denen man sich versorgen konnte.

Davout und Bagration zogen indessen auf parallelen Routen in Richtung Smolensk. Wittgenstein schlug am 31. Juli französische Truppen in der NĂ€he von Kljastizy. Bei der anschließenden Verfolgung wurde am Tag darauf der russische General Kulnew tödlich verwundet. Barclay de Tolly erreichte Smolensk am 2. August, Bagration zwei Tage spĂ€ter. Wenige Tage danach begannen die KĂ€mpfe um Polozk zwischen dem Korps von Wittgenstein und den beiden französischen Korps.

Im Hinblick auf Bagration hatte der Zar keine klaren VerhĂ€ltnisse geschaffen. Bagration war der dienstĂ€ltere General und wurde Barclay de Tolly nicht ausdrĂŒcklich unterstellt. Da der auch Kriegsminister war, ĂŒbernahm er das Kommando. Bagration war mit der KriegsfĂŒhrung von Barclay de Tolly nicht einverstanden, er wurde dabei besonders von General Jermolow, Chef des Generalstabes von Barclay de Tolly, unterstĂŒtzt. In mehreren Briefen an Jermolow und General Araktschejew hatte sich Bagration bereits seit Wochen ĂŒber die RĂŒckzugstaktik Barclay de Tollys beschwert. FĂŒr viele Russen war er als LivlĂ€nder ein Deutscher. TatsĂ€chlich sprach er lieber deutsch und nur schlecht russisch, deshalb umgab er sich gern mit deutschen Offizieren. Als er Clausewitz ohne RĂŒcksprache mit Jermolow in den Generalstab berief, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Jermolow und Oberst Wolzogen, der das vermittelt hatte. Davor hatte Barclay de Tolly bereits, unter Ă€hnlichen UmstĂ€nden, Leopold von LĂŒtzow eingestellt. Auch Eugen von WĂŒrttemberg und der russische Oberst Toll unterstĂŒtzten Bagration und wollten, dass der den Oberbefehl ĂŒbernahm. General Bennigsen hatte wohl selbst Ambitionen auf den Oberbefehl und setzte sich ebenfalls fĂŒr eine Ablösung Barclay de Tollys ein. Diese Intrigen und die Furcht des russischen Adels um seine BesitztĂŒmer fĂŒhrten zur Ernennung Kutusows zum Oberbefehlshaber.

Am 7. August rĂŒckten die beiden russischen Armeen von Smolensk in Richtung Rudnia vor. Am folgenden Tag kam es bei Inkowo zu einem Gefecht zwischen Kavallerieeinheiten von General Sebastiani und Kosaken unter Platow, Sebastiani zog sich zurĂŒck. Der russischen Armee fielen Unterlagen Sebastianis in die HĂ€nde. Wolzogen, der diese auswertete, fand ein Schreiben in dem Marschall Murat Sebastiani vor einem Angriff gewarnt hatte. Nach Wolzogen lautete der Text sinngemĂ€ĂŸ: „Soeben erfahre ich, dass die Russen eine gewaltsame Rekognoszierung in der Richtung auf Rudnia vornehmen wollen; seien Sie auf Ihrer Hut und ziehen Sie sich bis auf die Infanterie, die Ihnen zur UnterstĂŒtzung angewiesen ist, zurĂŒck
“. Auch Barclay de Tolly bestĂ€tigte, dass der russische Plan verraten worden war. Neben anderen geriet Woldemar von Löwenstern, im Stab von Barclay de Tolly, unter Verdacht. Er schrieb in seinen „DenkwĂŒrdigkeiten eines LivlĂ€nders“, dass er als Kurier nach Moskau geschickt wurde und ahnungslos ein Schreiben ĂŒberbrachte, mit dem Befehl ihn festzusetzen. Drei weitere Offiziere polnischer Herkunft sowie der FĂŒrst Lubomirsky hatten das gleiche Schicksal erlitten. Oberstleutnant Graf de Lezair, gebĂŒrtiger Franzose und Adjutant von Bagration, kam kurz darauf in Moskau an und ĂŒberbrachte nichts ahnend seinen eigenen Haftbefehl. Löwenstern wurde bald darauf freigelassen, Lezair erst 1815. Wie Wolzogen spĂ€ter schrieb, war Lubomirsky, ein Adjutant des Zaren, der Schuldige. Er hatte in Smolensk zufĂ€llig die Unterhaltung einiger Generale mitgehört und in einem Brief seine Mutter gewarnt, die sich auf ihrem Schloss in Ljadui im vorgesehenen Kampfgebiet befand. In diesem Schloss hatte Murat sein Hauptquartier, was Lubomirsky natĂŒrlich nicht wusste. Nach der Niederlage von Inkowo setzte NapolĂ©on seine Truppen wieder in Bewegung und verließ Witebsk. Seine Armee sammelte sich im Raum Smolensk, Barclay de Tolly und Bagration mussten sich zurĂŒckziehen. Die russische Nachhut unter General Newerowski wurde am 15. August bei Krasnoi in ein Gefecht mit dem 3. Korps der französischen Armee verwickelt, bei dem sie erhebliche Verluste erlitt und 9 Kanonen verlor. Es war NapolĂ©ons 43. Geburtstag und am Abend wurden ihm die erbeuteten Kanonen prĂ€sentiert.

Die Festungsanlagen von Smolensk waren in schlechtem Zustand und auf Dauer nicht zu halten. Barclay de Tolly wollte deshalb nur mit einem Teil seiner Truppen die Stadt verteidigen, wĂ€hrend sich die Armee von Bagration in Richtung Osten auf Dorogobusch zurĂŒckziehen sollte. Der Rest der 1. Westarmee sollte die Flankensicherung ĂŒbernehmen. Die Verteidigung der Stadt sollte nur den RĂŒckzug der beiden Armeen sichern. Am 17. August kam es zur Schlacht um Smolensk. NapolĂ©ons Hauptarmee hatte vor der Schlacht nur noch 175.000 Mann. Insgesamt hatte er bereits mehr als ein Drittel seiner Armee verloren, hauptsĂ€chlich durch Krankheiten, EntkrĂ€ftung und Desertion. Auch die russische Armee hatte auf dem Weg nach Smolensk Verluste durch Desertion erlitten, ĂŒberwiegend waren es Soldaten aus den von Russland besetzten polnischen Gebieten. Hinzu kamen Verluste durch Krankheiten, von denen auch die russische Armee nicht verschont wurde. Nach zweitĂ€gigem Gefecht zog sich die russische Armee aus Smolensk zurĂŒck, auch Wittgenstein musste sich in Polozk zurĂŒckziehen. Der Kommandeur der Bayern, General Deroy wurde bei den KĂ€mpfen um Polozk tödlich verwundet, ebenso General Justus Siebein. Marschall Oudinot wurde verwundet, wie auch die bayerischen Generale Karl von Vincenti und Clemens von Raglovich.

Auf dem RĂŒckzug gelang es Barclay de Tolly am 19. August bei Walutino französische Truppen zurĂŒckzuwerfen. Das Korps von General Junot griff nicht in die KĂ€mpfe ein und verhinderte damit einen möglichen französischen Sieg. Der französische General Gudin wurde tödlich verwundet und der russische General Tutschkow[29] geriet schwer verwundet in Gefangenschaft.

Kutusow wird Oberbefehlshaber

Nach der Schlacht von Smolensk löste der 67jĂ€hrige Kutusow Barclay de Tolly ab, dem spĂ€ter die Zerstörung von Smolensk vorgeworfen wurde. TatsĂ€chlich war die Stadt auch durch Artilleriebeschuss in Brand geraten und Soldaten beider Seiten hatten wĂ€hrend der KĂ€mpfe BrĂ€nde gelegt, um ihren RĂŒckzug zu sichern oder den Vorstoß des Gegners zu verhindern. Barclay de Tolly hatte den Befehl zur Verbrennung der LagerhĂ€user gegeben. Da die Stadt zu einem großen Teil aus HolzhĂ€usern bestand, hatten diese BrĂ€nde verheerende Folgen. Am 20. August ernannte der Zar Kutusow zum Oberbefehlshaber. Die Entscheidung fĂŒr Kutusow war bereits drei Tage vorher getroffen worden, ein vom Zaren einberufenes Gremium aus sechs Generalen hatte diesen Vorschlag unterbreitet. Der Zar hatte die Ernennung Kutusows verzögert, weil er ihn nicht mochte.[30] Als gebĂŒrtiger Russe und erfahrener General hatte Kutusow die UnterstĂŒtzung der russischen Bevölkerung und des Adels.

Barclay de Tolly hatte mit seinen Truppen am 29. August Zarewo Saimistsche erreicht und dort mit dem Ausbau von Stellungen fĂŒr eine Schlacht begonnen. Am selben Tag stieß Kutusow zur Armee und befahl den Ausbau der Stellungen zu beschleunigen. Am Nachmittag des nĂ€chsten Tages gab er den Befehl zum RĂŒckzug. Am 31. August erreichte die Armee Gschatsk (heute Gagarin) und begann erneut mit dem Ausbau von Verschanzungen. Diesmal gefiel General Bennigsen, inzwischen Generalstabschef von Kutusow, die Stellung nicht und erneut befahl Kutusow den RĂŒckzug. Nach Ansicht von Barclay de Tolly wurden die beiden Stellungen nur deshalb nicht fĂŒr eine Schlacht gewĂ€hlt, weil er sie ausgesucht hatte. Dadurch wĂ€re im Falle eines Sieges Kutusows Erfolg geschmĂ€lert worden. Zum weiteren Verlauf schrieb er an den Zaren: „Die beiden Armeen zogen sich wie die Kinder Israel in der Arabischen WĂŒste, ohne Regel noch Ordnung von Ort zu Ort, bis endlich das Schicksal sie zur Position von Borodino fĂŒhrte“.[31]

Die russische Kirche hatte inzwischen zum Widerstand gegen den „Antichristen“ NapolĂ©on aufgerufen. Er werde die Kirchen entweihen, Frauen und Kinder entfĂŒhren und selbst die Leibeigenen wĂŒrden unter NapolĂ©on ein schlechteres Leben fĂŒhren als unter dem russischen Adel, erklĂ€rten die Priester. Das russische Volk war streng glĂ€ubig und der Aufruf verfehlte nicht seine Wirkung, der Widerstand der Zivilbevölkerung verstĂ€rkte sich. Bereits vorher hatten manche Bauern gegen PlĂŒnderungen gekĂ€mpft, aber da ging es um den eigenen Besitz und den Schutz der Familien, nun ging es auch um den Glauben und das Vaterland. Entsprechend formulierte Kutusow seinen Tagesbefehl vor der Schlacht von Borodino: „Im Vertrauen auf Gott werden wir entweder siegen oder sterben. NapolĂ©on ist sein Feind. Er wird seine Kirchen entheiligen. Denkt an eure Frauen und Kinder, die auf euren Schutz zĂ€hlen. Denkt an euren Kaiser, der mit euch ist. Bevor morgen die Sonne untergegangen ist, werdet ihr mit dem Blut des Feindes das Zeugnis eures Glaubens und eurer Vaterlandsliebe auf dieses Feld geschrieben haben“.[32]

Am 7. September kam es zur Schlacht von Borodino. Die Verluste der Grande ArmĂ©e betrugen weniger als 30.000 Mann. Die russische Armee verlor mehr als 50.000 Soldaten. Die Schlacht wurde auf russischer Seite von Bagration und Barclay de Tolly geleitet, die beide an der Spitze ihrer Truppen in die KĂ€mpfe eingriffen. Bagration erhielt einen Schuss in den Unterschenkel und starb siebzehn Tage spĂ€ter. Kutusow hatte sein Hauptquartier bei Gorki, von dort konnte er den Kampf kaum verfolgen. Als er von der Niederlage erfuhr, bekam er einen Wutanfall und wollte es nicht glauben. Danach verkĂŒndete er einen russischen Sieg und noch heute wird vielfach behauptet, dass es mindestens ein Unentschieden war. Die Fakten sprechen dagegen. Kutusow musste sich zurĂŒckziehen und erreichte Moskau mit nur noch etwa 70.000 einsatzfĂ€higen Soldaten von vorher 128.000. NapolĂ©on erreichte Moskau mit etwa 100.000 Soldaten von vorher weniger als 130.000. Im Vergleich zur ursprĂŒnglichen StĂ€rke hatte er zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits mehr als zwei Drittel seiner Hauptarmee verloren, hinzu kam der hohe Verlust an Pferden, der spĂ€ter dramatische Auswirkungen haben sollte. In der Schlacht von Borodino wurde ein großer Teil von NapolĂ©ons noch verbliebener Kavallerie vernichtet. Aus Mangel an Pferden wurden Kavallerieeinheiten zu Fuß gebildet.

In der Schlacht erlitten WĂŒrttemberger, Sachsen, Bayern und Westphalen hohe Verluste. Allein die westphĂ€lischen Verluste betrugen etwa 3.000 Mann, die westphĂ€lischen Generale Tharreau, Damas und von Lepel wurden getötet, die Generale Hammerstein und von Borstel verwundet. Verwundet wurden auch die wĂŒrttembergischen Generale von Breuning, von Scheeler und der bayerische General Dommanget.

Die Besetzung von Moskau

Moskau 1812

Da Kutusow einen Sieg bei Borodino verkĂŒndet hatte, sah man in Moskau anfangs keinen Grund, die Stadt zu verlassen. Die Entscheidung, die Stadt zu rĂ€umen, wurde erst am Nachmittag des 13. September getroffen. Als Marschall Murat am 14. September in Moskau einrĂŒcken wollte, war die Stadt noch nicht vollstĂ€ndig gerĂ€umt, viele BĂŒrger Moskaus und Soldaten der russischen Armee befanden sich noch in der Stadt. Nach Verhandlungen erklĂ€rte sich Murat bereit, einige Stunden zu warten. Am Nachmittag marschierte er in Moskau ein. Die russische Armee musste fast 10.000 verwundete oder kranke Soldaten zurĂŒcklassen. Mehrere tausend russische NachzĂŒgler wurden gefangen genommen, einige davon hatten sich lieber an der PlĂŒnderung Moskaus beteiligt und dabei den Anschluss an die Armee verloren. Moskauer Kaufleute hatten sie zur PlĂŒnderung aufgefordert, weil sie nicht wollten, dass ihre Waren in französische HĂ€nde fielen. Heinrich von Brandt, Offizier in der Weichsellegion, berichtete, dass man beim Einmarsch ganze WagenzĂŒge mit Mehl, GrĂŒtze, Fleisch und Schnaps vorfand. Am gleichen Tag wurde in Sankt Petersburg der Sieg von Borodino verkĂŒndet. Tagelang wurde der Sieg gefeiert, Kutusow wurde zum Marschall und FĂŒrst ernannt.

Am Abend des 14. September kam es in Moskau zu den ersten BrĂ€nden, die möglicherweise, durch den sorglosen Umgang mit Feuer, von betrunkenen französischen Soldaten verursacht wurden. Diese BrĂ€nde hatte man am nĂ€chsten Morgen weitgehend unter Kontrolle. In der folgenden Nacht brachen an vielen Stellen Moskaus neue BrĂ€nde aus. Ein Sturm am 16. September fĂŒhrte dazu, dass sich das Feuer schnell ausbreitete. 75 % der Stadt, die zu zwei Dritteln aus HolzhĂ€usern bestand, wurden vernichtet. Viele Menschen starben in den Flammen, darunter auch verwundete oder kranke russische Soldaten. Mit dem Brand begannen die PlĂŒnderungen der französischen Armee, die offiziell verboten worden waren. Nach dem Motto, bevor es verbrennt, können wir es ja fĂŒr uns retten, wurde alles, was einen Wert hatte und sich bewegen ließ, aus den HĂ€usern geholt. In einem Brief an den Zaren machte NapolĂ©on am 20. September den Gouverneur von Moskau, Graf Rostoptschin, fĂŒr die BrĂ€nde verantwortlich. Nach seiner Darstellung waren 400 Brandstifter auf frischer Tat ertappt worden. Sie hatten Rostoptschin als ihren Auftraggeber genannt und wurden erschossen.[33] Die Feuerspritzen der Stadt waren auf Anweisung Rostoptschins aus der Stadt entfernt oder zerstört worden. Nach dem Brand zĂ€hlte man 11.959 Tote sowie 12.456 Pferdekadaver. Von 9.158 HĂ€usern waren 6.532 zerstört. Von den 290 Kirchen waren 127 zerstört.

John Quincy Adams schrieb, dass die ersten GerĂŒchte, dass Moskau besetzt sei, am 21. September in Sankt Petersburg kursierten. Er erwĂ€hnte aber auch, dass es andere GerĂŒchte gab: Die französische Armee wĂ€re geschlagen worden und NapolĂ©on tödlich verwundet. Von offizieller Seite wurde geschwiegen. Erst am 27. September gab man bekannt, dass Moskau evakuiert werden mĂŒsse. Nach Adams stellt man es als ein Ereignis von unwichtiger Bedeutung dar, das fĂŒr den Ausgang des Krieges ohne Belang sei.

Trotz des Brandes hatte die Armee in Moskau immer noch UnterkĂŒnfte und Lebensmittel. Es entstand ein Basar, auf dem Soldaten die Beute ihrer PlĂŒnderungen verkauften. NapolĂ©on selbst residierte im Kreml, der unversehrt geblieben war. Der grĂ¶ĂŸte Teil der Armee war, weniger komfortabel, außerhalb der Stadt untergebracht. NapolĂ©on wartete vergeblich darauf, dass ihm der Zar Verhandlungen anbot. Mehrmals sandte er UnterhĂ€ndler zu Kutusow, um Verhandlungen anzubieten. Der Zar war nicht zu Verhandlungen bereit und verbot Kutusow am 4. Oktober, weitere GesprĂ€che zu fĂŒhren. Alexander I. war verĂ€rgert, er hatte Kutusow bereits im August, vor dessen Abreise zur Armee, in Kenntnis gesetzt, dass alle GesprĂ€che und Unterhandlungen mit dem Feind, die zum Frieden fĂŒhren könnten, zu vermeiden seien. Sein Schreiben war nun eine deutliche Zurechtweisung an Kutusow: „Jetzt muss ich nach dem, was geschehen ist, mit derselben Entschiedenheit wiederholen, dass ich diesen von mir angenommenen Grundsatz von Ihnen in seiner grĂ¶ĂŸten Ausdehnung und in der strengsten und unbeugsamsten Weise beobachtet zu sehen wĂŒnsche.“ Bis auf einige Vorpostengefechten herrschte bis zu diesem Verbot eine Art stillschweigender Waffenstillstand, da NapolĂ©on anfangs auf Verhandlungsangebote wartete und, als diese ausblieben, selbst Verhandlungen anbot. Die russische Armee konnte das ausnutzen und fĂŒhrte VerstĂ€rkungen heran. Zweimal hatte NapolĂ©on den General Lauriston als UnterhĂ€ndler zu Kutusow geschickt. Als Lauriston am 13. Oktober ohne Ergebnis zurĂŒckkehrte, beschloss NapolĂ©on den RĂŒckzug.

Inzwischen hatte sich auch Großbritannien am Krieg beteiligt, wenn auch nur mit erheblichen Geldmitteln und Waffenlieferungen an Russland. Als einziger Soldat nahm anfangs nur der britische General Sir Robert Wilson am Feldzug teil. SpĂ€ter folgte als sein Adjutant Captain Dawson Damer. In Sankt Petersburg gab es durchaus Forderungen nach Frieden, sogar von der Mutter des Zaren und seinem Bruder, dem GroßfĂŒrsten Konstantin. Der Freiherr vom Stein, ein Berater des Zaren, schrieb, dass viele in der Umgebung des Zaren Frieden wollten, unter anderem auch General Araktschejew. Auf der anderen Seite gab es viele Adelige, die einen Friedensschluss nicht unterstĂŒtzt hĂ€tten.

NapolĂ©ons RĂŒckzug

Carte figurative des pertes successives en hommes de l'ArmĂ©e Française dans la campagne de Russie 1812-1813, eine im Jahr 1861 veröffentlichte Grafik zu den Verlusten der Napoleonischen Armee von 1812/13 von C.F. Minard. Die Temperaturangaben sind in RĂ©aumur (−30° RĂ©aumur = −37,5° Celsius)
Napoleon auf dem RĂŒckzug von Moskau (HistoriengemĂ€lde)
Napoleons Soldaten beim Verzehr von Pferdefleisch

Anfang Oktober verließ Barclay de Tolly nach weiteren Intrigen gegen ihn die Armee; das Kommando ĂŒber die 1. Westarmee ĂŒbernahm Tormassow. Am 17. Oktober griff Wittgenstein, der VerstĂ€rkungen aus Finnland erhalten hatte, bei Kljastizy die französischen Truppen an und einen Tag spĂ€ter Polozk. Der russische Plan sah vor, dass Wittgenstein die Franzosen im Norden zurĂŒckschlagen sollte, um sich spĂ€ter mit der russischen SĂŒdarmee unter Tschitschagow zu vereinigen. Damit wĂ€re fĂŒr NapolĂ©ons Hauptarmee der RĂŒckzugsweg versperrt. Das 2. und 6. Korps der Grande ArmĂ©e mussten sich aus Polozk zurĂŒckziehen. Am 18. Oktober wurde Murat in der Schlacht bei Tarutino von russischen Truppen geschlagen, einen Tag spĂ€ter verließ NapolĂ©on Moskau. Trotz des Mangels an Pferden wurde eine große Zahl von Fuhrwerken dazu verwendet, das Beutegut aus Moskau abzutransportieren. Vor allem hohe Offiziere hatten sich mit GemĂ€lden, Wein, Pelzen und anderen wertvollen GegenstĂ€nden aus den PalĂ€sten in Moskau versorgt (NapolĂ©on hatte sogar das Kreuz auf dem Glockenturm Iwans des Großen abmontieren lassen, um es mit nach Paris zu nehmen). Viele Verwundete und Kranke mussten hingegen zu Fuß gehen, eine große Zahl ließ man einfach in Moskau zurĂŒck. Viele Einwohner, darunter auch Franzosen, folgten der Armee, weil sie Angst vor Repressalien bei der RĂŒckkehr der Russen hatten. Moskau war eine europĂ€ische Metropole, in der viele AuslĂ€nder lebten und in der es sogar ein französisches Theater gab.

Ein französischer Offizier beschrieb den Abzug: „Hinter einer miserablen Artillerie und einer noch miserableren Kavallerie zog sich eine ungeordnete, bizarre Menschenmenge entlang, die an seit langem vergessene Bilder erinnerte – die fĂŒrchterlichen Horden von Mongolen, die Hab und Gut sowie BeutestĂŒcke mit sich getragen hatten. Es bewegte sich ein großer Tross von Kutschen und Wagen; da zogen lange Kolonnen, die mit so genannten TrophĂ€en beladen waren; weiter marschierten bĂ€rtige russische MĂ€nner, schwer atmend unter dem Gewicht des gesammelten Raubgutes; dort trieben andere Gefangene zusammen mit den Soldaten ganze Herden von abgemagerten KĂŒhen und Schafen; dort fuhren auf den Wagen, mit allen möglichen SchĂ€tzen beladen, Tausende von Frauen, verletzte Soldaten, Offiziersburschen, Dienern und allerlei Gesindel.“

Als Nachhut blieb die Junge Garde unter Marschall Mortier bis zum 23. Oktober in der Stadt. Kosaken drangen in die Stadt ein, der russische General Wintzingerode geriet in Gefangenschaft. Da dieser in Hessen geboren wurde, war er fĂŒr NapolĂ©on Angehöriger eines Rheinbundstaates und somit ein VerrĂ€ter, weshalb er seine Hinrichtung forderte. Wochen spĂ€ter konnte Wintzingerode von Kosaken befreit werden. Beim Abzug der Jungen Garde wurden Teile des Kremls in Brand gesteckt oder gesprengt. Man hatte dort große Mengen Waffen, Munition und Pulver gefunden. Ein starker Regen verhinderte eine grĂ¶ĂŸere Katastrophe, der Kreml blieb weitgehend erhalten.

Als Moskau wieder von den Russen besetzt wurde, kam es zu Massakern an NachzĂŒglern, verwundeten oder kranken französischen Soldaten durch Kosaken, Einwohner Moskaus und bewaffnete Bauern. In ihren Augen waren die Franzosen fĂŒr den Brand verantwortlich und außerdem waren sie Gehilfen des Teufels (die russische Kirche hatte NapolĂ©on zum Antichristen und damit zum Teufel erklĂ€rt). Auch Kollaborateure oder Menschen, die man dafĂŒr hielt, wurden getötet. Rache spielte ebenfalls eine Rolle, da es zuvor durch französische Soldaten zu Ausschreitungen und GrĂ€ueltaten gekommen war.

Der RĂŒckzug ĂŒber die Beresina

Die französische Armee bewegte sich, nachdem sie Moskau verlassen hatte, in Richtung SĂŒdwesten. General Dochturow verteidigte am 24. Oktober Malojaroslawez gegen das Korps von EugĂšne de Beauharnais, musste sich aber am Nachmittag zurĂŒckziehen. Im Verlauf des Tages hatte die Stadt mehrfach den Besitzer gewechselt. Kutusow vermied eine Entscheidungsschlacht und befahl den RĂŒckzug in Richtung Kaluga. Auf eine Verfolgung Kutusows wollte sich NapolĂ©on nicht einlassen und zog sich am 26. Oktober zurĂŒck. Sein RĂŒckmarsch erfolgte nun auf der geplĂŒnderten Route nach Smolensk, auf der es weder fĂŒr Menschen noch fĂŒr Pferde ausreichend Nahrung gab.

Auch General Bennigsen hatte inzwischen die Armee verlassen, nachdem es Intrigen gegen ihn und Differenzen mit Kutusow gab. Damit wurde dieser einen lĂ€stigen Konkurrenten los. Bennigsen war allerdings nicht ganz unschuldig, in Briefen an den Zaren hatte er Kutusow schlecht gemacht. Unter anderem versuchte er ihn damit anzuschwĂ€rzen, dass eine Frau als Mann verkleidet im Stab von Kutusow Dienst tun wĂŒrde. Hierbei handelte es sich wahrscheinlich um Nadeschda Andrejewna Durowa, die in ihrer Autobiographie bestĂ€tigte, dass sie kurze Zeit im Stab von Kutusow war. Ihre Anwesenheit in der Armee war dem Zaren allerdings bekannt und insofern hatte sich Bennigsen damit selbst ins Abseits gestellt.

Der zögerliche und zaghafte Kutusow war kein ebenbĂŒrtiger Gegner fĂŒr NapolĂ©on. Am 3. November kam es zur Schlacht bei Wjasma. Russische Truppen unter General Miloradowitsch standen anfangs einer Übermacht der Franzosen gegenĂŒber. Im Laufe des Vormittags stieß die Division von Eugen von WĂŒrttemberg dazu. Kutusow, am Morgen mit dem Großteil der Armee nur wenige Kilometer vom Schlachtfeld entfernt, griff nicht ein. Seine Truppen lagerten bei Binkowo. Erst am Nachmittag schickte er 3.000 Mann Kavallerie zur UnterstĂŒtzung.[34] Sie erreichten den Kampfplatz erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit.

NapolĂ©on erreichte Smolensk am 9. November, konnte dort seine Truppen sammeln, und verließ die Stadt erst fĂŒnf Tage spĂ€ter. FĂŒr den RĂŒckmarsch hatte NapolĂ©on den Weg ĂŒber Minsk vorgesehen. Der war kĂŒrzer, und in der von Franzosen besetzten Stadt lagerten eine Million Tagesrationen fĂŒr seine Soldaten. Auch in Krasnoi konnte Kutusow trotz starker Überlegenheit NapolĂ©on nicht aufhalten. SpĂ€ter ließ er es zu, dass sich die beiden französischen Korps aus Polozk mit der Hauptarmee NapolĂ©ons vereinigen konnten, wodurch der Übergang ĂŒber die Beresina erst möglich wurde. Mit drei russischen Armeen gelang es Kutusow nicht, den Übergang von 28.000 Soldaten der Grande ArmĂ©e ĂŒber die Beresina zu verhindern, obwohl sich an beiden Ufern russische Truppen befanden. Die teilweise getrennt operierenden Armeen von Tschitschagow und Wittgenstein, mit jeweils etwa 30.000 Mann, waren nicht stark genug gegen nur noch 50.000 schlecht versorgte Soldaten der Grande ArmĂ©e. Tschitschagow, der vorher Minsk genommen und damit NapolĂ©ons Plan zunichte gemacht hatte, ließ sich durch einen vorgetĂ€uschten Übergang an anderer Stelle ablenken. Wittgenstein konnte die NachzĂŒgler auf dem Ostufer der Beresina gefangen nehmen und zeichnete sich dadurch aus, dass eine französische Division unter General Partouneaux vor seinen Truppen kapitulieren musste. Sie hatte den Anschluss an ihre Armee verloren. Kutusow selbst war mit mehr als 50.000 Mann weit zurĂŒckgeblieben und an der Schlacht an der Beresina nicht beteiligt. Damit wurde eine politische Lösung nach einer Kapitulation oder Gefangennahme NapolĂ©ons verpasst. Tschitschagow wurde fĂŒr sein angebliches Versagen in den Ruhestand versetzt. Bei Kutusow beschrĂ€nkte sich der Zar auf VorwĂŒrfe, weil NapolĂ©on entkommen konnte.[35] Am 21. Dezember kam der Zar in Wilna an und ĂŒbernahm wieder das Kommando ĂŒber die Armee. „Der alte Kerl soll zufrieden sein. Das kalte Wetter hat ihm einen großen Dienst erwiesen“, Ă€ußerte er ĂŒber Kutusow.[36] Ob NapolĂ©on sich wirklich gefangen gegeben hĂ€tte, ist fraglich. Larrey hatte ihn mit einer Giftkapsel versorgt, die er im April 1814, nach seiner Abdankung, auch einnahm. Das Gift hatte dann aber seine tödliche Wirkung verloren und verursachte nur heftige Magenschmerzen.

Das WintermÀrchen

HĂ€ufig wird der Winter fĂŒr die Niederlage NapolĂ©ons verantwortlich gemacht, aber die russischen Soldaten kĂ€mpften unter den gleichen Wetterbedingungen. Die SchneefĂ€lle begannen am 6. November. Eine Analyse der bei Martinien fĂŒr diesen Monat genannten französischen Offiziersverluste ergibt, dass fast 90% zeitlich und geographisch auf Kampfhandlungen entfallen. FĂŒr einige Tage wurde es etwas wĂ€rmer, weshalb die Beresina nicht zugefroren war.

Die niedrigsten Temperaturen erreichte der Winter erst nach dem Übergang, vorher wurde NapolĂ©ons Armee immer wieder in KĂ€mpfe verwickelt. Sie verfĂŒgte ĂŒber zu wenig Pferde und musste viele ihrer Fuhrwerke verbrennen, Kanonen wurden unbrauchbar gemacht und zurĂŒckgelassen. Sogar die mitgefĂŒhrten Pontons zum BrĂŒckenbau wurden, wenige Tage bevor man die Beresina erreichte, verbrannt.

TatsĂ€chlich war NapolĂ©on auf einen Winterkrieg nicht vorbereitet, es fehlte an warmer Bekleidung und die Pferde waren fĂŒr diese Temperaturen falsch beschlagen. Das fĂŒhrte hĂ€ufig zu UnfĂ€llen mit den Fuhrwerken. Lediglich die polnische und die preußische Kavallerie hatten ihre Pferde scharf beschlagen und waren damit auf die Winterbedingungen eingestellt.

Bei der ArriĂšrgarde kam es beim RĂŒckzug nach Wilna zu starken Verlusten durch die RĂŒckzugsgefechte, den Ausfall der Verpflegung und am 6. Dezember 1812 durch die extreme KĂ€lte von „einigen 20 Grad“. Die KĂ€lte war am 7. Dezember „auf das höchste“ gestiegen. Durch sie wurden in der Nacht vom 6. auf den 7. Dezember viele Menschen im Biwak von Oszmiana getötet. Die Reste der Truppen waren als ArriĂšregarde kaum mehr zu gebrauchen und trafen am Abend des 8. Dezember vor den Toren von Wilna ein. [37]

Ein großes Problem waren die katastrophalen hygienischen VerhĂ€ltnisse. Die meisten Soldaten hatten LĂ€use, von denen Krankheiten wie Typhus oder Wolhynisches Fieber ĂŒbertragen wurden. Brach jemand erschöpft zusammen, nahm man ihm seine Kleidung ab und eignete sich damit auch die LĂ€use an. Bereits im Sommer waren in Russland Epidemien ausgebrochen, die von den marschierenden Truppen und der fliehenden Bevölkerung im Land verbreitet wurden. Die Armeen schleppten diese Krankheiten spĂ€ter auch nach Polen und Deutschland. Tausende Soldaten und Hunderttausende Zivilisten beider Seiten starben an Krankheiten. Eine VolkszĂ€hlung in Russland ergab 1816 einen BevölkerungsrĂŒckgang von einer Million Menschen.[38]

Das Ende des Feldzuges

In Frankreich war es Ende Oktober zu einem Putschversuch unter General Malet gekommen. Malet hatte verkĂŒndet, dass NapolĂ©on tot sei. NapolĂ©on verließ die Armee am 5. Dezember 1812, obwohl er bereits Anfang November in Smolensk vom Putschversuch erfahren hatte, und reiste nach Paris. Eine frĂŒhere Abreise war zu riskant, da er sich noch in russisch kontrolliertem Gebiet befand. Das Kommando ĂŒbergab er an Murat. Wichtiger als der Putschversuch von Malet war die Tatsache, dass NapolĂ©on eine neue Armee aufbauen musste.

Wilna

Besonders große Verluste erlitten die napoleonischen Truppen auf dem RĂŒckzug nach Wilna, wo vom 7. bis 9. Dezember 1812 Soldaten im Freien, unversorgt bei bis zu -39 Grad Celsius erfroren und die NachzĂŒgler durch verfolgende Kosaken getötet wurden. Unter ZurĂŒcklassung der Kranken, Verwundeten und Erschöpften verließ die französische Armee am 10. Dezember Wilna. Beim EinrĂŒcken der Kosaken kam es zu einem Massaker, an dem sich auch die Zivilbevölkerung beteiligte. [39]

Der wĂŒrttembergische Leutnant Karl Kurz schrieb ĂŒber das Schicksal der in Wilna zurĂŒck gebliebenen Soldaten: “SĂ€le und Zimmer 
 lagen voll toter und Sterbender, die in der Hungerwut ihre toten Kameraden benagten. 
 Unbeschreiblich war das Elend der armen Gefangenen in den Tagen des 11.–15. Dezember, in welchen durch die Waffen des Feindes, durch Misshandlungen aller Art, durch KĂ€lte und Hunger mehr als 1.000 Offiziere und 12.000 Gemeine aller Nationen zugrunde gingen.“[40] Das Massaker endete erst, als die regulĂ€re russische Armee eintraf, die Kosaken zĂ€hlten nicht zur regulĂ€ren Armee.

Auflösungserscheinungen

Am 14. Dezember ĂŒberschritten Reste der Grande ArmĂ©e den zugefrorenen Njemen und erreichten Polen. Murat schrieb an NapolĂ©on: „An einsatzfĂ€higen Soldaten melde ich dem Kaiser 4.300 Franzosen und 850 Hilfstruppen“. SpĂ€ter folgte eine Handvoll NachzĂŒgler. Das 10. Korps, in dem das preußische Hilfskorps war, befand sich noch in Russland und marschierte in Richtung Preußen. Die Division Grandjean des Korps erreichte Preußen mit 6.000 Mann, ĂŒberwiegend Polen, Bayern und Westphalen. Das preußische Korps hatte noch 15.000 Soldaten von vorher 20.000 Mann. Durch die Konvention von Tauroggen am 30. Dezember wurde es neutral und griff nicht mehr in die Kampfhandlungen ein. Das österreichische Korps stellte am 5. Januar die Kampfhandlungen ein. Es bestand ursprĂŒnglich aus 33.000 Mann und zĂ€hlte am Ende des Feldzugs noch 20.000 Mann, hinzu kamen Reste des 7. Korps. 100.000 Soldaten der Armee NapolĂ©ons waren in Gefangenschaft geraten, viele davon starben an ihren Verwundungen, Krankheiten oder erfroren auf dem Marsch in die Gefangenschaft, wer zurĂŒckblieb wurde meist getötet. Das gleiche Schicksal erlitten auch die russischen Soldaten, die in französische Gefangenschaft geraten waren. Die ĂŒberlebenden Gefangenen wurden von Russland bis zum Jahr 1814 freigelassen. Sobald sich ihr Heimatland dem Kampf gegen NapolĂ©on angeschlossen hatte, ließ man sie frei. Nach Holzhausen kehrten von den deutschen Gefangenen 2.000 bis 3.000 zurĂŒck.[41] Einige blieben in Russland, wie der wĂŒrttembergische Regimentsarzt Heinrich von Roos. Er geriet an der Beresina in Gefangenschaft und praktizierte spĂ€ter in Sankt Petersburg.

In den Listen des hannoverschen Leutnants Heinrich Meyer finden sich Namen weiterer Soldaten, die in Russland geblieben sind. Meyer wurde von der preußischen Regierung nach Russland geschickt, um das Schicksal vermisster Soldaten zu klĂ€ren. Es ging in erster Linie um Soldaten aus den Gebieten, die nach dem Krieg an Preußen fielen. Der Hintergrund war mehr bĂŒrokratischer Natur. Es ging um Erbschaften, WiederverheiratungswĂŒnsche von Frauen vermisster Soldaten und Ă€hnliches. In Zusammenarbeit mit russischen Stellen konnte Meyer das Schicksal von etwa 6.000 Soldaten ermitteln, die meisten waren gestorben. Nicht wenige waren in die russische Armee eingetreten. Damit ist offensichtlich nicht die Russisch-Deutsche Legion gemeint, da Meyer das in seinen Aufzeichnungen unterscheidet. Deutsche Soldaten, die in die russische Armee eintraten, hatten nach dem Krieg Anspruch auf ein StĂŒck Land in Russland.

Die Grande ArmĂ©e wurde von mehreren Zehntausend Zivilisten begleitet, darunter Handwerker, Verwaltungsbeamte und Schreiber. Wer es sich leisten konnte, hatte Diener oder Köche dabei und es war nicht selten, dass Ehefrauen und Kinder die Armee begleiteten. GlĂŒcksritter und Kriminelle folgten der Armee, um sich am Krieg zu bereichern. Auch von diesen sind die meisten umgekommen. Im FrĂŒhjahr 1813 wurden entlang des RĂŒckzugweges der Grande ArmĂ©e mehr als 240.000 Tote verbrannt oder in MassengrĂ€bern beigesetzt, darunter auch die Toten von Borodino, die man nach der Schlacht liegengelassen hatte. 130.000 Pferdekadaver wurden verbrannt oder verscharrt.

Verluste

Bis Dezember 1812 soll es zwar 81.000 RĂŒckkehrer gegeben haben,[42] doch kaum 1.500 Franzosen waren noch kampffĂ€hig

Die Höhe der Verluste lĂ€sst sich nicht eindeutig feststellen, da es viele widersprĂŒchliche Zahlen gibt. FĂŒr westliche Historiker war der Krieg Mitte Dezember mit dem Überschreiten des Njemen beendet. In Russland hat der VaterlĂ€ndische Krieg einen anderen Zeitrahmen und wurde erst spĂ€ter beendet. Dadurch weichen TruppenstĂ€rken, Verlustzahlen, Zahl der Gefangenen und Überlebenden voneinander ab. Truppen, die erst 1813 in die KĂ€mpfe eingegriffen haben, aber nie in Russland selbst waren, werden mitgerechnet. Andererseits wurden als RĂŒckkehrer oftmals nur jene Einheiten berĂŒcksichtigt, die noch tatsĂ€chlich waffentragend und kampffĂ€hig waren. Clausewitz schrieb unmittelbar nach dem Krieg, dass von 610.000 Soldaten der Grande Armee nur 23.000 das westliche Ufer der Weichsel erreichten. Dem sowjetischen Historiker Jewgeni Wiktorowitsch Tarle zufolge kehrten etwa 30.000 Mann wieder ĂŒber den Njemen zurĂŒck.[43] Heinz Helmert und HansjĂŒrgen Usczeck, ostdeutsche Historiker des MilitĂ€rverlags der DDR, gingen spĂ€ter von insgesamt 81.000 RĂŒckkehrern und Versprengten aus, die sich bis Dezember 1812 wieder ĂŒber die Grenze schleppten.[42]

Viele Unterlagen sind wĂ€hrend des Krieges oder spĂ€ter verloren gegangen, weshalb das Ausmaß der Verluste nur an einigen Beispielen dargestellt werden soll. Von 9.000 Schweizern traten nach dem Übergang ĂŒber die Beresina noch 300 Mann zum Appell an, davon ein großer Teil verwundet. Danach folgten die tiefsten Temperaturen des Winters von 1812, nur ein Teil dieser Soldaten hat ĂŒberlebt. Meyers Konversationslexikon bezifferte hingegen Ende des 19. Jahrhunderts die Verluste des 16.000 Mann starken Schweizer Hilfscorps auf 6.000 Mann.[44] Vallotton schrieb, dass insgesamt nur 300 Schweizer von 12.000 den Feldzug ĂŒberlebt haben.[45] SpĂ€tere Forschungen haben dagegen ergeben, dass deutlich weniger Soldaten aus der Schweiz in Russland waren. In der heutigen Literatur wird die StĂ€rke des Hilfscorps zum Teil nur mit 7.000 Mann angegeben.[46]

Von 30.000 Mann des bayerischen VI. Korps traten am 13. Dezember noch 68 kampffĂ€hige Soldaten an.[47] Von mehr als 27.000 Westphalen kehrten nur 800 zurĂŒck. Von 15.800 WĂŒrttembergern waren nach dem RĂŒckzug noch 387 Mann vorhanden. Die badische Division, anfangs etwa 7.000 Mann bestand am 30. Dezember noch aus 40 kampffĂ€higen und 100 kranken Soldaten. Die sĂ€chsische Kavalleriebrigade Thielmann wurde bei Borodino fast vollstĂ€ndig vernichtet, 55 Mann kehrten zurĂŒck.[48] Von 2.000 Mecklenburgern kehrten 59 zurĂŒck. Lediglich die beiden Hilfskorps aus Österreich und Preußen, die nie weit in russisches Gebiet eingedrungen sind und deshalb kĂŒrzere Versorgungs- und RĂŒckzugwege hatten, weisen niedrigere Verlustzahlen auf.

Nach dem RĂŒckzug erhielten die Bayern bis zum 29. Dezember VerstĂ€rkungen von 4.200 Mann.[49] Diese Truppen marschierten erst im Oktober aus Bayern ab und sind ein Beispiel fĂŒr die unterschiedliche Auslegungsmöglichkeit der Zahlen im VerhĂ€ltnis zum VaterlĂ€ndischen Krieg.

Am 26. Juni 1813 hatte der österreichische Kanzler Metternich eine Unterredung mit NapolĂ©on, die er protokollierte. Unter anderem schrieb er: "Napoleon fasste sich, und mit ruhigem Ton sagte er mir folgende Worte ...: Die Franzosen können sich nicht ĂŒber mich beklagen; um sie zu schonen, habe ich die Polen und die Deutschen geopfert. Ich habe in dem Feldzug von Moskau 300.000 Mann verloren; es waren nicht einmal 30.000 Franzosen darunter. Sie vergessen, Sire, rief ich aus, dass Sie zu einem Deutschen sprechen."

Die Zahl der Gefangenen in den westlichen russischen Gouvernements betrug nach Angaben des russischen Kriegsministeriums am 28. Februar 1813 11.754 Mann, darunter 4.508 Franzosen, 1.845 Polen, 1.834 Spanier, 1.805 Deutsche,[50] 659 Italiener, 617 Österreicher und 218 Schweizer.[51] TarlĂ© hingegen ging von bis zu 100.000 Franzosen aus, die sich Ende 1812 in russischer Gefangenschaft befanden.[43] Hinzu kommen Soldaten, die in die Russisch-Deutsche Legion eingetreten waren, deren StĂ€rke nach Clausewitz im Dezember 1812 etwa 4.000 Mann betrug und im folgenden Mai 5.000 Mann stark gewesen sein soll. Als Chef des Generalquartiermeisterstabes der Legion war er ĂŒber deren StĂ€rke informiert. Der erste StĂ€rkerapport der Legion vom 10. Dezember 1812 verzeichnet dagegen nur 1.667 Mann und zwei Pferde. Die Abweichungen zwischen StĂ€rkerapport und den Zahlen von Clausewitz erklĂ€ren sich durch den hohen Krankheitsstand, verursacht durch Epidemien. Laut Helmert/Usczeck betrug die Legion Anfang 1813 an Offizieren und Mannschaften hingegen 8.800 Mann.[42] Freiherr vom Stein hatte die StĂ€rke mit 8.773 Mann beziffert, wobei unklar ist, woher er diese Zahl hatte, da die Legion erst im November 1814 eine StĂ€rke von ĂŒber 8.500 Mann erreichte.[52] Sie bestand nicht nur aus Deutschen; HollĂ€nder haben sich angeblich in Scharen freiwillig gemeldet und Italiener gaben sich als Deutsche aus, um aufgenommen zu werden. Anders als oft in der Gefangenschaft bedeutete der Dienst in der Legion regelmĂ€ĂŸige Versorgung, Bekleidung und vernĂŒnftige UnterkĂŒnfte. Im Vergleich zum Kontingent, das Spanien stellte, ist die Zahl der Gefangenen sehr hoch. Die meisten von ihnen gehörten zur Division Durutte, die erst im November eingesetzt wurde. Es waren hauptsĂ€chlich Kriegsgefangene, die mehr oder weniger freiwillig zum Einsatz kamen. Viele Soldaten desertierten, weshalb die Division den Spitznamen „Deroute“ erhielt.

Zu den russischen Verlusten gibt es wenige Quellen, sie betrugen etwa 210.000 Mann.[53] General Wilson berichtete, dass die Armee Kutusows in den vier Wochen bevor sie Wilna erreichte, die HÀlfte ihrer Soldaten verloren hat. Von 10.000 Rekruten, die man als VerstÀrkung nach Wilna schickte, erreichten nur 1.500 Soldaten die Stadt, viele davon krank.

Das Schicksal der Gefangenen

Auf beiden Seiten haben wenige Gefangene ĂŒberlebt. Russische Soldaten, die in französische Gefangenschaft gerieten, bekamen kaum etwas zu essen, besonders auf dem RĂŒckzug, da die Wachmannschaften selbst nicht genug zum Leben hatten. Hin und wieder warf man den Gefangenen Teile von Pferdekadavern hin. Wer aufgrund der UnterernĂ€hrung und der Strapazen geschwĂ€cht zurĂŒckblieb, wurde erschossen oder erschlagen. Jakob Walter, ein wĂŒrttembergischer Soldat, schrieb dazu: „So sah ich alle 50 bis 100 Schritt wieder einen Erschossenen, dem der Kopf noch rauchte. 
 Die wenigsten der Gefangenen wurden vor dem Hungertod gerettet.“ Der wĂŒrttembergische Offizier Ernst von Baumbach schrieb ĂŒber die russischen Gefangenen: „Nicht selten fand man, dass der Hunger die Überlebenden zu dem fĂŒrchterlichen Entschluss getrieben hatte, ihre gestorbenen Kameraden anzunagen.“ Mit Ausnahme der Offiziere wurden verwundete Russen in der Regel nicht versorgt, denn man war bereits mit der Versorgung der eigenen Verwundeten hoffnungslos ĂŒberfordert. Sie wurden ausgenommen – begehrt waren gefĂŒllte Brotbeutel, Alkohol, Geld und Wertsachen – und einfach liegen gelassen. In den meisten FĂ€llen war das ihr Todesurteil. Nach Baumbach fand man noch elf Tage nach der Schlacht von Borodino lebende russische Verwundete, die in ihrer Not die toten Pferde angenagt hatten.

Französische Soldaten, die in russische Gefangenschaft gerieten, waren nicht besser dran. Viele wurden von Kosaken geplĂŒndert, hĂ€ufig einschließlich ihrer Kleidung, Schuhe oder Stiefel und mussten bei eisiger KĂ€lte barfuss und fast nackt marschieren. Nur wenige haben das ĂŒberlebt, wer liegen blieb wurde getötet. Kosaken haben Gefangene an russische Bauern verkauft, die sie dann zu Tode folterten. Der Zar sah sich gezwungen, eine Belohnung fĂŒr jeden Gefangenen auszusetzen, der lebend abgeliefert wurde. Die Kosaken werden bei fast allen Zeitzeugen negativ dargestellt. Sie wurden meist zur AufklĂ€rung und fĂŒr ĂŒberraschende ÜberfĂ€lle eingesetzt. Bernardi rechnete sie in der Schlacht von Borodino, dort waren immerhin 7.000 Kosaken, in der ArmeestĂ€rke nicht mit, weil sie in seinen Augen keinen Wert hatten. Von der regulĂ€ren russischen Armee wurden die Gefangenen, den UmstĂ€nden entsprechend, meist ordentlich behandelt. Löwenstern schrieb, dass, als seine Soldaten ein Biwak errichteten, um zu ĂŒbernachten, französische NachzĂŒgler, die die Feuer sahen, sich zu ihnen gesellten, um sich zu wĂ€rmen. Russen und Franzosen saßen gemeinsam am Feuer und am nĂ€chsten Morgen zogen die russischen Soldaten weiter, Gefangene hĂ€tten sie nur behindert. Löwenstern berichtete aber auch von einem Massaker durch die Zivilbevölkerung. Als er mit seinen Soldaten in einen Ort kam und die Einwohner ihre russischen Uniformen erkannten, fielen sie ĂŒber unbewaffnete französische NachzĂŒgler her. Löwensterns Schilderung dazu: „Nach einer Weile kam mein Wirth zurĂŒck, das blutige Messer in den HĂ€nden und sich rĂŒhmend es zwanzig Franzosen ins Herz gestoßen zu haben. 
 [Er] sagte mir dann: So oft habe ich zu Gott gefleht, mich mein Messer gegen die Unchristen brauchen zu lassen, die unser Land entweihen und unsere Kirchen besudeln: endlich ist mein Gebet erhört worden“. Der Krieg war auch zum Religionskrieg geworden.

Es gibt eine Reihe von Berichten ĂŒber Folterungen und Morde an französischen Gefangenen durch die russische Zivilbevölkerung. Gefangene wurden mit Stroh umwickelt und angezĂŒndet, lebendig begraben und Schlimmeres. Das ist nicht typisch russisch, in Spanien ist das gleiche passiert. NapolĂ©on wurde auch dort zum Antichristen erklĂ€rt und fĂŒr diesen Krieg gibt es ebenfalls etliche Berichte ĂŒber Folterungen und die Ermordung von Gefangenen durch die spanische Zivilbevölkerung. Die meisten Soldaten der Grande ArmĂ©e, die in Russland in Gefangenschaft gerieten, starben an Krankheiten. Einfache Soldaten, hĂ€ufig unterernĂ€hrt, zum Teil verwundet und ohne ausreichende medizinische Versorgung, hatten bei einer Krankheit nur geringe Überlebenschancen. Der bayerische Feldwebel Josef Schraefel ĂŒberlebte die Gefangenschaft, obwohl auch er krank wurde. Er berichtete, dass man die Toten wĂ€hrend des Winters im Wald stapelte.[54] Seine Frau Walburga, die die Armee als Marketenderin begleitet hatte und auch nach seiner Gefangennahme bei ihm blieb, starb in Russland.

Nachwirkungen

Nach der Niederlage der Grande ArmĂ©e in Russland begannen die Befreiungskriege. Sie fĂŒhrten zum Ende des Imperiums, das NapolĂ©on geschaffen hatte. Preußen schloss sich als erstes deutsches Land Russland an, spĂ€ter folgte Österreich. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig wechselten die letzten deutschen VerbĂŒndeten NapolĂ©ons die Seiten. In der Schlacht von Waterloo wurde er endgĂŒltig geschlagen. Das polnische Herzogtum Warschau wurde zwischen Russland und Preußen geteilt. Litauen und andere frĂŒher polnische Gebiete blieben russisch, ebenso Finnland. Norwegen wurde ein Teil von Schweden. Der Wiener Kongress schuf 1815 ein Kongresspolen unter russischer Herrschaft, mit einer liberalen Verfassung. Russland, Österreich und Preußen sicherten die Nachkriegsordnung durch die GrĂŒndung der Heiligen Allianz ab. Der polnisch-russische Gegensatz verschĂ€rfte sich weiter und fĂŒhrte 1830 zu einem Aufstand, der von Russland niedergeschlagen wurde. Die Verfassung wurde aufgehoben, Polen wurde eine russische Provinz.

Kulturelle Hinterlassenschaften

In der Folgezeit entstanden zahlreiche Literaturwerke, die dem VaterlÀndischen Krieg gewidmet sind, darunter Leo Tolstois Krieg und Frieden.

In der russischen Sprache hinterließ der Krieg das Wort Scharomyga (ĐšĐ°Ń€ĐŸĐŒŃ‹ĐłĐ°), was soviel wie Bettler, Landstreicher, Schmarotzer bedeutet. Dies rĂŒhrte von den zahlreichen französischen Deserteuren her, die der Krieg hinterließ. Sie streiften durch das Land umher und sprachen die Bauern mit "Cher ami" an, um sie nach etwas Essbarem zu bitten.

Die Orte der Schlachten wurden bei der Ansiedlung deutscher Auswanderer ab 1814 in Bessarabien berĂŒcksichtigt. Das FĂŒrsorgekomitee als russische Ansiedlungsbehörde vergab diese Namen fĂŒr bessarabiendeutsche Ansiedlungen, wie Arzys, Beresina, Borodino, Leipzig, Malojaroslawez, Paris, Krasna (Krasny), Tarutino.

In Kreuznach, das 1812 zu den französischen DĂ©partements de Rhin-et-Moselle und du Mont-Tonnerre gehört hatte, bildete sich 1837 in preußischer Zeit eine „Gesellschaft der Kreuznacher Veteranen Napoleons“, der 61 ehemalige Soldaten der Armee Napoleons beitraten. 1842 wurde auf dem Kreuznacher Friedhof (heute: „Hauptfriedhof Mannheimer Straße“) ein noch heute existierendes Ehrenmal „fĂŒr die unter Napoleons Fahnen gedienten“ Kreuznacher errichtet. Ein Ă€hnliches Denkmal, der „Napoleonstein“ von 1841, steht z. B. auch noch auf dem Friedhof in Oppenheim; in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts wurden in 19 rheinhessischen Gemeinden solche Gedenksteine aufgestellt[55]. Erhalten sind „Napoleonsteine“ auch in ZweibrĂŒcken (1837), Koblenz (1843), Ingelheim-Großwinternheim (1844), Ober-Olm (1842), Eimsheim (1852) oder Mainz-Gonsenheim (1839). Der Obelisk am Karolinenplatz in MĂŒnchen wurde 1833 vom bayerischen König Ludwig I. zum Gedenken an die im Russlandfeldzug gefallenen Bayern errichtet.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Carl von Clausewitz: Der russische Feldzug von 1812, Magnus Verlag, Essen – ISBN 3-88400-162-0
  • Carl von Clausewitz: SĂ€mtliche hinterlassenen Werke ĂŒber Krieg und KriegfĂŒhrung, Band 3, Mundus Verlag 1999 (zuerst: Berlin 1832 Band 7 und 8)
  • Siegfried Fiedler: Grundriß der MilitĂ€r- und Kriegsgeschichte, Zweiter Band, Schild-Verlag, MĂŒnchen 1976
  • Förster Fleck: ErzĂ€hlung von seinen Schicksalen auf dem Zuge Napoleons nach Russland und von seiner Gefangenschaft 1812 – 1814 Von ihm selbst geschrieben (Zeitzeugenbericht)
  • Valentin Gitermann: Geschichte Russlands, Zweiter Band, AthenĂ€um-Verlag, Frankfurt am Main 1987 – ISBN 3-610-08461-8 (Nachdruck der Erstausgabe von 1945)
  • Eckart Kleßmann: Napoleons Rußlandfeldzug in Augenzeugenberichten, Deutscher Taschenbuch Verlag, MĂŒnchen 1972 – ISBN 3-423-00822-9
  • Dominic Lieven, Russland gegen Napoleon. Die Schlacht um Europa, ĂŒbersetzt von Helmut Ettinger , MĂŒnchen 2011 - ISBN 3570100502
  • Peter Leuschner: Nur wenige kamen zurĂŒck, Ludwig Verlag, Pfaffenhofen 1980 – ISBN 3-7787-3143-2
  • Anka Muhlstein: "Der Brand von Moskau. Napoleon in Russland". Insel Taschenbuch 3468, Frankfurt am Main und Leipzig 2008, ISBN 978-3-458-35168-9.
  • Nigel Nicolson: Napoleon in Rußland, Benziger Verlag, ZĂŒrich, Köln 1987 – ISBN 3-545-34060-0
  • Alan Palmer: Alexander I. Gegenspieler Napoleons, Bechtle Verlag, Esslingen 1982 – ISBN 3-7628-0408-7
  • Alan Palmer: Napoleon in Russland. Frankfurt, 1967
  • Jacques Presser: Napoleon Das Leben und die Legende, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1977 – ISBN 3-421-01804-9
  • Friedrich von (Fedor Ivanowich) Smitt: Zur nĂ€heren AufklĂ€rung ĂŒber den Krieg von 1812, C. F. Winter’ sche Verlagshandlung, Leipzig und Heidelberg 1861
  • Friedrich Steger: Der Feldzug von 1812. Phaidon Verlag, 1985 (bearbeiteter Nachdruck der Erstausgabe von 1845)
  • Henry Valloton: Alexander der Erste, Christian Wegner Verlag, Hamburg 1967
  • Adalbert Wahl: Geschichte des EuropĂ€ischen Staatensystems", R. Oldenbourg Verlag, MĂŒnchen 1967 (UnverĂ€nderter reprografischer Nachdruck der Ausgabe MĂŒnchen und Berlin 1912 – Sonderausgabe fĂŒr Mitglieder der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt)
  • Friedrich Wilhelm von Weymarn: Barclay de Tolly und der vaterlĂ€ndische Krieg 1812, Franz Kluge Verlag, Reval 1914

Weblinks

Anmerkungen

  1. ↑ Palmer, Alexander I., Seite 180
  2. ↑ Phillipe Paul SĂ©gur: „Geschichte Napoleons und der großen Armee im Jahre 1812“, Heinrich Hoff, Mannheim 1835, Seite 40
  3. ↑ Palmer, Alexander I., Seite 175 und Gitermann, Seite 348
  4. ↑ Palmer, Alexander I., Seite 203
  5. ↑ Soldaten! Der zweite polnische Krieg hat begonnen! Der erste wurde in Friedland und Tilsit beendet. In Tilsit schwor Russland ewiges BĂŒndnis mit Frankreich und Krieg gegen Großbritannien. Heute bricht es seine SchwĂŒre. Es verweigert jede ErklĂ€rung seines befremdeten Verhaltens, bis die französischen Adler ĂŒber den Rhein zurĂŒckgegangen und unsere VerbĂŒndeten seiner WillkĂŒr preisgegeben sind. Russland wird vom VerhĂ€ngnis fortgerissen, sein Schicksal muss in ErfĂŒllung gehen. Glaubt es uns denn entartet? WĂ€ren wir denn nicht mehr die Soldaten von Austerlitz? Es stellt uns zwischen Entehrung und Krieg. Die Wahl kann nicht zweifelhaft sein. Marschieren wir also. Gehen wir ĂŒber den Njemen und tragen den Krieg auf russischen Boden. Der zweite polnische Krieg wird wie der erste ruhmvoll fĂŒr die französischen Waffen sein; aber der Friede den wir schließen werden, wird seine Garantie in sich tragen, und dem unheilvollen Einfluss, den Russland seit fĂŒnfzig Jahren auf die Angelegenheiten Europas ausgeĂŒbt hat, ein Ende bereiten (Kleßmann, Seite 59-60).
  6. ↑ Requirierungsbefehl des Herzogs von Tarent (Marschall Macdonald) an den Regierungsbezirk Preußisch-Litauen in Tilsit vom 7. Juli 1812, abgedruckt in Seidlitz, Tagebuch des königl. preuß. Armeekorps im Feldzug 1812, Bd. I (1823), 175, die anderen Angaben in der Fußnote
  7. ↑ Chambray, Histoire de l’expĂ©dition de Russie, Bd. I (1823), 30
  8. ↑ Lossau, Charakteristik der Kriege Napoleons, Bd. III (1847), 235ff
  9. ↑ Lossau, Charakteristik der Kriege Napoleons, Bd. III (1847), 16
  10. ↑ Foord, Napoleon’s Russian Campaign of 1812 (1915), 20ff und 59ff
  11. ↑ Das Armeekorps umfasste beim Ausmarsch 30900 Mann. Mit den nachrĂŒckenden Ersatzeinheiten kamen bis Dezember 1812 insgesamt mehr als 34000 Mann zum Einsatz. Diese Zahl wird daher oft - aber nicht ganz richtig - als StĂ€rke des österreichischen Armeekorps angegeben (Welden, Der Feldzug der Österreicher gegen Russland im Jahre 1812, 1870, 2 u. 5 ff).
  12. ↑ Großer Generalstab, Kriegsgeschichtliche Abteilung II (Hrsg.): Das Preußische Heer im Jahre 1812 (= Das Preußische Heer der Befreiungskriege, Band 1), Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1912, zum mobilen Korps S. 390-432, zur StĂ€rke der zurĂŒckgebliebenen Truppen S. 563-672
  13. ↑ Smitt, Seite 217
  14. ↑ Smitt, Seite 236
  15. ↑ Leopold von Hohenhausen: Biographie des Generals von Ochs, Verlag J. H. Hampe, Kassel 1827, Seite 210
  16. ↑ Chambray, Histoire de L’ExpĂ©dition de Russie, 1823 (zwei BĂ€nde); Kaiser Napoleon III. (Hrg.) Correspondance de NapolĂ©on I. (32 BĂ€nde ab 1852) ergĂ€nzt durch weitere, spezielle Editionen durch die historische Abteilung des französischen Generalstabs (Section Historique de L’Etat-major de l’ArmĂ©e), insbesondere das monumentale Werk von G. Fabry, „Campagne de Russie (1812)“; fĂŒnf BĂ€nde 1900 – 1903 (plus Supplement-BĂ€nde mit den Depeschen von und an Major-General). Außerdem G. Blonde, La Grande ArmĂ©e (1979), Nafziger, Napoleon's Invasion of Russia,(1988, Appendix II und Appendix III: orders of Battle 1810–1812); Riehn, 1812. Napoleon’s Russian Campaign (1991)
  17. ↑ die wöchentlichen Bestandslisten im Großen Hauptquartier beruhten auf den regelmĂ€ĂŸigen ZĂ€hlappellen bei den Einheiten
  18. ↑ exakte Zahlen gelten immer nur fĂŒr ganz bestimmte, jeweils genau anzugebende Einheiten an einem ganz bestimmten Stichtag
  19. ↑ Helmert und Uszeck, EuropĂ€ische Befreiungskriege, 1975, 158, geben 457.000 Mann an, da sie das österreichische Korps (nicht ganz richtig) mit 34.000 Mann angeben. Sie erwĂ€hnen allerdings die drei „Großen Parks“ nicht. Damit kommen auch sie auf etwa 475.000 Mann
  20. ↑ die Gliederung und Verteilung des 11. Armeekorps sowie der nachrĂŒckenden Ersatzformationen war Anfang Dezember 1812 sehr komplex. Die Truppen waren oft als einzelne Bataillone weit zerstreut, so dass ihre Aufstellung hier nicht in wenigen Zeilen dargestellt werden kann.
  21. ↑ Die 34. Division (Morand, spĂ€ter Loison) stand damals zum Schutz der Ostsee-KĂŒste z.T. noch in Pommern, sie ĂŒbernahm jedoch spĂ€ter die Nachhut fĂŒr die an die Oder zurĂŒckgehenden Reste der Hauptarmee (Riehn, 1812. Napoleons Russian Campaign, 1991, 439ff und 482ff)
  22. ↑ Caemmerer, Die Befreiungskriege 1813–1815, 1907, 6f; Friedrich, Die Befreiungskriege 1813–1815, 1913, Bd. 1, 78ff
  23. ↑ Chambray, Histoire de L’ExpĂ©dition de Russie, 1823, Tome 1, 172ff; („ein Augenzeuge“) Das Buch vom Jahr 1812, 1844, Bd. 2, 19ff; G. Fabry, Campagne de Russie (1812), 1900, Tome 1, 1ff (Befehle des Kaisers an die einzelnen Korpskommandeure vom 24. Juni 1812); Riehn, 1812. Napoleon’s Russian Campaign, 1991, 160ff.
  24. ↑ Die rechte Armeegruppe (5., 7. und 8. Armeekorps) unter König JerĂŽme ĂŒberschritt erst ab 28. Juni bei Grodno die Grenze.
  25. ↑ Zahlen nach Tarle: 1812, Berlin 1951, Seite 82 f. – Clausewitz gibt die GesamtstĂ€rke der drei russischen Armeen mit 180.000 Mann an. Die 1. Westarmee, bei der er sich befand, hatte nach ihm nur 90.000 Mann sowie einige Kosaken. Bei Drissa kamen 10.000 Mann VerstĂ€rkung hinzu.
  26. ↑ Clausewitz, Der russische Feldzug von 1812, Seite 31
  27. ↑ Presser, Seite 435
  28. ↑ Militair Conversations Lexikon, 4. Band, Leipzig 1834, Seite 310
  29. ↑ In der russischen Armee gab es mehrere Generale mit diesem Namen. Zwei Tutschkow fielen in der Schlacht von Borodino
  30. ↑ Palmer, Alexander I., Seite 218-219
  31. ↑ Bericht von Barclay de Tolly an Alexander I. bei Smitt, Seite 511 bis 513
  32. ↑ Nicolson, Seite 107
  33. ↑ Kleßmann, Seite 224
  34. ↑ General Sir Robert Wilson, Narrative of Events during the Invasion of Russia, John Murray, London 1860, Seite 242 ff.
  35. ↑ Palmer, Alexander I., Seite 230
  36. ↑ Palmer, Alexander I., Seite 233
  37. ↑ Philipp Röder von Diersburg (Hrsg.): DenkwĂŒrdigkeiten des Generals der Infanterie Markgraf Wilhelm von Baden aus den FeldzĂŒgen 1809 bis 1815. Nach dessen hinterlassenen eigenhĂ€ndigen Aufzeichnungen. Mit Noten und Beilagen. A. Bielefeld's Hofbuchhandlung, Karlsruhe 1864. S. 72-84.
  38. ↑ Presser, Seite 457
  39. ↑ Christian Schmidt-HĂ€uer: Requiem fĂŒr eine europĂ€ische Armee. In: Die Zeit vom 9. September 2004. Webseite aufgerufen am 28. Februar 2011.
  40. ↑ Kleßmann, Seite 376
  41. ↑ Presser, Seite 456
  42. ↑ a b c Helmert/Usczeck: EuropĂ€ische Befreiungskriege 1808 bis 1814/15, Seite 185. MilitĂ€rverlag der DDR, Berlin 1986
  43. ↑ a b TarlĂ©: Napoleon, Seite 399. RĂŒtten & Loening, Berlin 1963
  44. ↑ Meyers Konversationslexikon, Vierte Auflage, 1885-1892, Seite 761: Schweiz (Geschichte 1798–1831)
  45. ↑ Vallotton, Seite 186
  46. ↑ Kleßmann, Seite 29
  47. ↑ Leuschner, Seite 155
  48. ↑ Fiedler, Seite 225 ff.
  49. ↑ Leuschner, Seite 156
  50. ↑ darunter 986 Preußen, 310 Bayern, 215 Westphalen, 114 Sachsen und 55 WĂŒrttemberger. Dazu kommen weitere Deutsche aus den von Frankreich besetzten Gebieten, die zur damaligen Zeit als Franzosen galten.
  51. ↑ Gabriele Venzky: Die Russisch-Deutsche Legion in den Jahren 1811-1815, Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1966, Seite 77
  52. ↑ Gabriele Venzky: "Die Russisch-Deutsche Legion in den Jahren 1811-1815", Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1966, Seite 74
  53. ↑ Kleßmann, Seite 389
  54. ↑ Die Erlebnisse von Schraefel, in einem Tagebuch aufgezeichnet, waren Grundlage fĂŒr ein 1980 erschienenes Buch von Peter Leuschner, in dem der Leidensweg der Bayerischen Armee geschildert wird.
  55. ↑ Vgl. Felix Hahn: Die Napoleonsteine in Rheinhessen, 1998.

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