Römerstraße

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Römerstraße
Straßennetz, ca. 125 n. Chr.
Miliarium Aureum, Ausgangspunkt aller Römerstraßen
Römerstraße Via Appia in Rom
R√∂merstra√üen auf der Tabula Peutingeriana (Ausschnitt) - von oben nach unten Balkank√ľste, Adria, Spitze des italienischen Stiefels und Sizilien sowie die Mittelmeerk√ľste Afrikas
Römischer Meilenstein aus dem Jahre 201, gefunden bei Sankt Margarethen im Lungau

Die R√∂merstra√üen sind Stra√üen, die in der Zeit des R√∂mischen Reiches erbaut und betrieben wurden. Sie ziehen sich bis heute √ľber tausende Kilometer kreuz und quer durch Europa. Ihr gen√§herter Verlauf samt den wichtigsten Verkehrsknoten wurde in der historischen Tabula Peutingeriana kartiert.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

R√∂merstra√üen waren in Mitteleuropa ein Novum. Sie waren dank ihres stra√üentechnischen Aufbaus im Gegensatz zu den Naturwegen germanischen und keltischen Ursprungs (siehe Altstra√üe) nicht nur weitgehend unabh√§ngig von der Feuchte des Bodens passierbar, sondern bahnten sich wenn immer m√∂glich geradlinig, bei nur m√§√üigen Steigungen, ihren Weg durch Ebenen und mit Kunstbauten wie St√ľtzmauern und Br√ľcken durchs Gebirge. Die Befestigung erfolgte durch einen genauen Schichtaufbau der Stra√üen, welcher sich allenfalls durch die regionale Verf√ľgbarkeit bestimmter Baumaterialien unterschied.

Hierbei können vier Typen unterschieden werden:

  • Die via publica (‚ÄěStaatsstra√üe‚Äú): hier trat als Planer und Bauherr die Verwaltung Roms auf und lie√ü diese auf Kosten der Staatskasse errichten. Gebaut wurden solche Stra√üen durch Soldaten, Zwangsarbeiter und Strafgefangene, deren Skelettfunde Zeugnis f√ľr die M√ľhen um den Bau solcher Stra√üen geben.
  • Die via militaris (‚ÄěHeerstra√üe‚Äú) war durch strategische und logistische Gesichtspunkte gekennzeichnet. Auch bei ihr war der Staat Rom Planer, Bauherr und Tr√§ger.
  • Die via vicinalis (‚ÄěProvinzstra√üe‚Äú) wurde, wie bereits der Name besagt, durch die Provinzen gebaut und unterhalten.
  • Die via privata (‚ÄěPrivatstra√üe‚Äú) spielte gerade in der provinzialr√∂mischen Geschichte eine gro√üe Rolle, so stellt sie doch die Verbindung zwischen den Gutsh√∂fen und den Zivilsiedlungen dar.

F√ľr eine R√∂merstra√üe waren zun√§chst gegebenenfalls Rodung und immer Aushub bis √ľber einen Meter in die Tiefe n√∂tig, um den Grund zu sichern. Danach wurden mit groben Steinen, dann mit Kies und darauf mit Sand immer feiner werdende Schichten aufgebracht, bis die Fahrbahndecke mit Pflastersteinen auf eine feste Breite ausgelegt wurde. Randsteine formten Rinnen in die Konstruktion.

Ein solches Kopfsteinpflaster war f√ľr den Marsch, das Reiten und auch den Verkehr mit Ochsenkarren bestens geeignet. Im Laufe der Zeit stellten sich nat√ľrlich gewisse Abnutzungen der Decke ein, jedoch existieren auch heute noch zahlreiche Beispiele ausgesprochen gut erhaltener R√∂merstra√üen. Meist sind diese Fragmente aber nicht mehr in den √∂ffentlichen Stra√üenverkehr eingebunden, was sich wohl am ehesten aus der f√ľr heutigen Verkehr und Begegnungsverkehr zu geringen Breite begr√ľndet. Etliche heutige Stra√üen sind auf den Fundamenten von R√∂merstra√üen errichtet, wobei die urspr√ľnglichen Fundamente und die Fahrbahndecke nat√ľrlich verbreitert wurden und in der Regel durch eine Asphaltdecke √ľber einer Trennschicht die R√∂merstra√üe heute weitgehend unsichtbar ist. So folgt die A15 n√∂rdlich von Lincoln (GB) noch immer genau der 34 Kilometer lang schnurgerade verlaufenden r√∂mischen Stra√üe, nur mit einer einzigen Ausbuchtung bei Scampton versehen; dort wurde um 1955 die Piste der Luftwaffenbasis verl√§ngert, was nach rund 1900 Jahren die erste √Ąnderung des Verlaufs n√∂tig machte.

Eingef√ľhrt wurde die Technik der Steinpflasterung f√ľr Fernstra√üen vor allem unter Gaius Iulius Caesar, als er Proconsul in Gallien war. Pflasterung f√ľr innerst√§dtische Stra√üen ist f√ľr die St√§dte am Mittelmeer schon lange vor der Zeitenwende praktiziert worden. Die milit√§rische Bedeutung der Steinpflasterung ist nicht zu untersch√§tzen. Mit R√∂merstra√üen war es erstmals m√∂glich, schnell und in gro√üer Zahl Truppen von einem Ort zum anderen zu verschieben, um die Herrschaft zu behalten und neue Territorien zu erobern. Begleitend wurden von den R√∂mern auch Kastelle errichtet. F√ľr diese Aufgabe wurden u. a. die beherrschten Menschen zu Frondiensten herangezogen; ebenso wurden Arbeitssklaven eingesetzt. In rauerem Klima war (und ist) ein frostsicherer Unterbau eine Voraussetzung f√ľr wetterfeste Stra√üen.

Römer an Limes und Bernsteinstraße

Um eine möglichst kurze römische Fernstraße von Mainz nach Augsburg militärisch zu sichern, wurde der Obergermanisch-Raetische Limes erbaut.

Die als Bernsteinstra√üe bekannten uralten Handelswege des begehrten Bernsteins bis zum Mittelmeer f√ľhrten von der deutschen und russischen Ostseek√ľste durch Polen und √Ėsterreich (Marchfeld in Nieder√∂sterreich) zur Adria nach Aquil√§a, ein westlicher Zweig von Hamburg nach Marseille. Die winterfeste Verbindung zwischen Carnuntum an der Donau (ca. 40 km √∂stlich von Wien) und Aquilea in Italien wird r√∂mische Bernsteinstra√üe genannt.

An Verkehrsknoten ‚Äď z. B. an der Reichsgrenze des Limes an der Donau ‚Äď entstanden schon fr√ľh Marktorte. In Nieder√∂sterreich entstanden aus milit√§rischen Gr√ľnden (h√§ufige Konflikte mit den Germanen) besonders hochwertige R√∂merstra√üen. Dort, etwa 50 km √∂stlich Vindobonas (des heutigen Wien), lag mit Carnuntum, der Hauptstadt der Provinz (Ober-)Pannonien, die gr√∂√üte r√∂mische Stadt am Limes.

Siehe auch

Literatur

  • Friedrich Carl Ferdinand von M√ľffling: √úber die R√∂merstrassen am rechten Ufer des Nieder-Rheins : von dem Winterlager Vetera ausgehend, zur Veste Aliso, √ľber die pontes longi zu den Marsen und zu der niedern Weser. Mittler, Berlin 1834 (Digitalisierte Ausgabe der Universit√§ts- und Landesbibliothek D√ľsseldorf)
  • Raymond Chevallier: Les voies romaines. Colin, Paris 1972.
  • Hans Bauer: Die r√∂mischen Fernstra√üen zwischen Iller und Salzach nach dem Itinerarium Antonini und der Tabula Peutingeriana. Neue Forschungsergebnisse zu den Routenf√ľhrungen. Herbert Utz Verlag, M√ľnchen 2007, ISBN 3-8316-0740-0.
  • Arnold Esch: R√∂mische Stra√üen in ihrer Landschaft: das Nachleben antiker Stra√üen um Rom. Mit Hinweisen zur Begehung im Gel√§nde. Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-2023-X.
  • Werner Heinz: Reisewege der Antike. Unterwegs im R√∂mischen Reich. Stuttgart, Theiss 2003, ISBN 3-8062-1670-3. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-16853-4.
  • Margot Klee: Lebensadern des Imperiums. Stra√üen im R√∂mischen Weltreich. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2307-1. (Rezension)
  • Thomas Pek√°ry: Untersuchungen zu den r√∂mischen Reichsstra√üen. Habelt, Bonn 1968 (Antiquitas, Reihe 1, Abhandlungen zur alten Geschichte, 17).
  • Michael Rathmann: Untersuchungen zu den Reichsstra√üen in den westlichen Provinzen des Imperium Romanum. Zabern, Mainz 2003 (Beihefte der Bonner Jahrb√ľcher, 55), ISBN 3-8053-3043-X.
  • Josef Stern: R√∂merr√§der in R√§tien und Noricum. Unterwegs auf r√∂mischen Pfaden. Wien 2003 (R√∂misches √Ėsterreich 15, 2002).

Weblinks

 Commons: R√∂merstra√üe ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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