SCHUM-Städte

Darstellung eines Juden aus Worms (16. Jahrhundert). Der für Juden vorgeschriebene gelbe Ring auf der Kleidung zeichnet ihn als Juden aus, der Geldbeutel in der einen Hand als im Geldgeschäft tätig und der Bund Knoblauch in der anderen Hand als aus einer der sog. Schum-Städte stammend.[1]


Als SCHUM, oder SchUM (hebräisch ‏שו״ם‎) werden in jüdischen Quellen die drei Rheinstädte Speyer, Worms und Mainz bezeichnet, die im Mittelalter bedeutende, miteinander kooperierende jüdische Gemeinden aufwiesen. Das Wort SchUM ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben ihrer mittelalterlichen, auf das Latein zurückgehenden hebräischen Namen: Schin (Sch) für Schpira, Waw (U) für Warmaisa und Mem (M) für Magenza.[2]

Die SchUM-Städte vertraten eine gemeinsame Richtlinie bei der Auslegung der Religionsgesetze, die als Takkanot Schum (תקנות שו״ם‎) bekannt sind. Mit diesen Erlassen und den Talmudschulen, die unter den Juden in ganz Europa hohes Ansehen genossen, erlangten die SchUM-Städte Anfang des 13. Jahrhunderts eine führende Rolle im aschkenasischen Judentum.[3]

Symbol für die drei Gemeinden ist die Knoblauchknolle, schum (שום) im biblischen Hebräisch.[4]

Auf Initiative der Stadt Worms wollen die drei Städte mit ihren jüdischen Denkmälern gemeinsam als SCHUM-Städte in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen werden und im Herbst 2012 bei der Konferenz der Kultusminister die Aufnahme in die deutsche Vorschlagsliste beantragen.[5]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Fritz Reuter: Warmaisa. 1000 Jahre Juden in Worms. BoD – Books on Demand, 2009, S. 68f., abgerufen am 21. Oktober 2011.
  2. Gerd Mentgen: Gelobt und gepriesen vor allen Gemeinden des Reichs. Die Juden in den SCHUM-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz. In: DAMALS 12. 2004, S. 36–41, abgerufen am 21. Oktober 2011.
  3. Alexander Shapiro und B. Mordechai Ansbacher: Shum. In: Encyclopaedia Judaica, Band 18. Macmillan Reference USA, Detroit. 2007, S. 532f., abgerufen am 21. Oktober 2011.
  4. Jehuda Feliks: Garlic. In: Encyclopaedia Judaica, Band 7. Macmillan Reference USA, Detroit. 2007, S. 390, abgerufen am 21. Oktober 2011.
  5. Welterbeantrag SCHUM-Städte. Worms.de, abgerufen am 21. Oktober 2011.

Weblinks


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