Schiersteiner Brücke

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Bundesautobahn 643 number.svg Schiersteiner Brücke
 Schiersteiner Brücke
Die Schiersteiner Brücke vom Raiffeisenwarenzentrallager Wiesbaden aus gesehen. Im Hintergrund die Rettbergsaue und dahinter Mainz
Nutzung Autobahnbrücke
Überführt Bundesautobahn 643
Querung von Rhein, Rettbergsaue
Ort MainzWiesbaden
Unterhalten durch Hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung
Konstruktion Balkenbrücke
Gesamtlänge 1282 m
Breite 26 m
Längste Stützweite 205 m
Fahrzeuge pro Tag 80.000 Kfz/Tag
Baubeginn 1959
Fertigstellung 1962
Lage
Schiersteiner Brücke (Hessen)
Schiersteiner Brücke

Die Schiersteiner Brücke ist eine 1.282 Meter lange, insgesamt vierspurige Autobahnbrücke der A 643. Zusammen mit der Theodor-Heuss-Brücke und der Weisenauer Brücke (A 60) ist sie eine der drei Straßenbrücken über den Rhein bei Wiesbaden und Mainz.

Die Brücke zwischen Wiesbaden-Schierstein und Mainz-Mombach besteht aus sechs Teilbrücken – davon hundert Meter aus Spannbeton – und wurde von 1959 bis 1962 erbaut.

Sie verfügt über einen kombinierten Rad- und Fußweg auf beiden Seiten der Fahrspuren. Rheinaufwärts befindet sich eine Treppe zur Rettbergsaue.

Inhaltsverzeichnis

Brückenverlauf

Schiersteiner Brücke von Hessen nach Rheinland-Pfalz
Verkehrsbeeinflussungsanlage an der AS Mombach

Die Schiersteiner Brücke beginnt kurz nach der Autobahnanschlussstelle Wiesbaden-Äppelallee auf der hessischen Seite und führt über den Rhein. Um Höhenunterschiede zu vermeiden, wurde die Brücke auf der rheinland-pfälzischen Seite über die Anschlussstelle Mainz-Mombach hinaus als knapp einen Kilometer lange Hochstraße Lenneberg verlängert. Es entstand ein Brückenbauwerk mit 31 Feldern, das das Mombacher Oberfeld überspannt und die Rheinbrücke mit der Hochterrasse am Lenneberg (Mainz-Gonsenheim, nähe Naturschutzgebiet Mainzer Sand) verbindet. Dies hat zur Folge, dass die Anschlussstelle Mombach zu einer der wenigen gehört, die auf einer Brücke liegen.

Die Brücke wurde ursprünglich für eine über sie führende Bundesstraße gebaut, sodass es an der besagten Anschlussstelle nur sehr kurze Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen gibt. Dafür wurden aber mehrere Beleuchtungsanlagen angebracht, um die Anschlussstelle auszuleuchten. Aus Kostengründen bleiben diese heute allerdings dunkel. Ebenfalls an der AS Mombach befinden sich zwei Verkehrsbeeinflussungsanlagen, diese sind aber ebenfalls (ungefähr seit Ende der 1980er Jahre) außer Betrieb.

Des Weiteren verfügt die Brücke zwischen den AS Gonsenheim und Mombach über keinen Standstreifen. Dies führt auch bei kleinen Verkehrsunfällen oder Autopannen unweigerlich sofort zum Stau, da rund 80.000 Fahrzeuge täglich über die Brücke rollen. Sie ist die letzte Brücke oberhalb des Mittelrheins bis zur 85 Kilometer entfernten rheinabwärts gelegenen Südbrücke in Koblenz.

Zwei Wendeltreppen ermöglichen den Zugang von Fußgängern und Radfahrern auf der linken und rechten Seite der Brücke, direkt über dem Sommerdamm des Rheines. Der Zugang zur Rettbergsaue ist nur vom östlich geführten Weg aus möglich.

Technische Daten

Blick über die Rettbergsau Richtung Mainz …
… und Richtung Wiesbaden

Die Straßenüberführung besteht aus sechs einzelnen Brücken. Das erste Bauwerk, anschließend an die selbst als Brückenbauwerk ausgeführte Anschlussstelle Mainz-Mombach, ist die Flutbrücke Mombach, eine zweifeldrige Verbundbrücke mit einer Länge von 46,4 m + 52,2 m = 98,6 m. Das nächste Bauwerk ist die kleine Strombrücke, eine gevoutete Stahlbrücke mit drei Feldern und 70 m + 170 m + 70 m = 310 m Länge. Es folgt über einer Rheininsel die dreifeldrige Flutbrücke Rettbergsau, eine Verbundbrücke mit konstanter Konstruktionshöhe, die 3 x 70 m = 210 m lang ist. Das vierte Bauwerk ist die große Strombrücke über dem rechten Rheinarm, eine dreifeldrige gevoutete Stahlbrücke mit 85 m + 205 m + 85 m = 375 m Länge. Die anschließende Flutbrücke Schierstein ist wiederum eine Verbundbrücke mit konstanter Konstruktionshöhe und (70 m + 60 m + 55 m =) 185 m Länge. Nach einem 4,39 m breiten Trennpfeiler folgt abschließend eine Spannbetonbrücke mit 3x32,88 m = 98,64 m Länge.

Zuständigkeit

Da der größte Teil der Brücke in Hessen liegt und der kleinere in Rheinland-Pfalz, kümmert sich aufgrund vor Jahren getroffener Absprache zwischen den beiden Ländern allein die hessische Landesverwaltung um die Unterhaltung der Schiersteiner Brücke. Die Aufgabe fällt in den Verantwortungsbereich des Hessischen Landesamts für Straßen- und Verkehrswesen (HLSV) in Wiesbaden. Die rheinland-pfälzische Landesverwaltung wird dagegen an der Weisenauer Brücke alleinverantwortlich aktiv. Dies wird auch durch die jeweilige Namensgebung der Brücken deutlich. Schierstein gehört zu Wiesbaden (Hessen), Weisenau zu Mainz (Rheinland-Pfalz).

Sanierung

Hinweisschild: Sie fahren oben, wir bauen unten. Deshalb 60 km/h.
Die Säule in der Mittelleitplanke überwacht die Einhaltung der Geschwindigkeit

Von 1997 bis 2000 erfolgte für 21 Millionen Euro eine Instandsetzung der Konstruktion aus Stahl, Stahlverbund und Spannbeton. Auch der Fahrbahnbelag der Brücke wurde dabei zwischen Mombach und Schierstein, nebst den auf beiden Seiten vorhandenen Zweirad- und Fußgängerweg komplett erneuert. Seit 2006 gilt sie als nicht mehr sanierungsfähig und kann nach einem Gutachten nur noch bis zum Jahr 2015 genutzt werden. Dies hat zur Folge, dass die Brücke vierteljährlich auf eventuelle Schäden überprüft werden muss. Normalerweise werden in Deutschland Brückenbauwerke alle drei Jahre einer einfachen Überprüfung und alle sechs Jahre einer Hauptüberprüfung unterzogen. Ein Neubau der Schiersteiner Brücke ist in Planung.

Aufgrund des schlechten Bauzustandes wurde das vorher bestehende Tempolimit von 100 km/h im Spätsommer 2006 auf 80 km/h gesenkt. Seit Frühjahr 2007 wurde es weiter auf 60 km/h, zwischen den Anschlussstellen Mombach und Äppelallee, heruntergesetzt. Seit dem 21. August 2007 gibt es darüber hinaus auf der Wiesbadener Seite Richtung Mainz ein großes Hinweisschild: Sie fahren oben, wir bauen unten. Deshalb 60 km/h, da von der Fahrbahn aus keine Baustelle erkennbar ist. Am 7. März 2008 wurde nun auch das gleiche Schild auch auf Mainzer Seite kurz vor der Hochstraße Lenneberg aufgestellt. Seit dem 19. September 2008 wird die Geschwindigkeit durch einen festinstallierten Blitzer auf der Wiesbadener Seite in Richtung Mainz kontrolliert. Auf der Gegenseite ist keine feste Anlage geplant, jedoch stehen hier nach wie vor häufig mobile Radarstationen.[1][2].

Darüber hinaus wurde vom zuständigen Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen eine Internetpräsenz mit aktuellen Informationen eingerichtet. Seit diesem Zeitpunkt herrscht nun auf der kompletten Brückenlänge, also auch auf der Hochstraße Lenneberg eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h.

Geplanter Neubau

Wahrscheinlich wird die neue Brücke zwischen dem Gebäude (links) und der jetzigen Brücke (rechts) gebaut.

Nach derzeitigem Planungsstand soll die neue dreispurige Brücke rheinabwärts parallel zur bestehenden Brücke erbaut werden, sodass die beiden Anschlussstellen Äppelallee und Gonsenheim jeweils den Ausgangspunkt hierfür bilden sollen. Die AS Mombach wird ebenfalls angeschlossen. Erst nach der Fertigstellung der „neuen Schiersteiner Brücke“ soll die alte Brücke abgerissen werden – bis auf die Stützpfeiler, diese sollen dann eine weitere dreispurige Autobahnbrücke tragen.

Das Naturschutzgebiet Mombacher Rheinufer wird durch die möglichen Baumaßnahmen betroffen. Die dort liegenden Wiesen dienen u. a. den Weißstörchen in der Region als wichtige Nahrungsbiotope, weshalb dort mit größter Rücksicht vorgegangen werden muss.

Für den Brückenneubau wurde ein Realisierungswettbewerb durchgeführt. Mit dem ersten Platz wurde im Dezember 2007 ein Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft aus dem Ingenieurbüro Grontmij BGS und dem Architekturbüro Ferdinand Heide ausgezeichnet. Dieser sieht für den neuen 1285 m langen Brückenzug Balkenbrücken mit teilweise gevouteten Hohlkastenquerschnitten vor[3].

Laut Planung soll die erste Brückenhälfte (kompletter Neubau rheinabwärts) bis 2015, die zweite Brückenhälfte (alte Brücke) bis 2018 fertig gestellt sein[4]. Meldungen aus dem Mai 2011 deuten jedoch auf eine Gefährdung dieses Zeitplans hin.[5]

Grenzstein

Rheinland-Pfalz
Hessen

Auf der Brücke befindet sich ein Grenzstein, mit den Wappen von Rheinland-Pfalz und Hessen, der 1961 von Raimund Eser hergestellt wurde. Gestiftet wurde dieser vom Wilhelm Dyckerhoff Institut, Wiesbaden.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Schiersteiner Brücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

In den Nachrichten:

Einzelnachweise

  1. Fester Blitzer auf Bröckel-Brücke – Gerät auf A643 zwischen Wiesbaden und Mainz installiert Allgemeine Zeitung vom 20. September 2008
  2. Fester Blitzer auf der Brücke Wiesbadener Kurier vom 20. September 2008
  3. Beschreibung des Siegerentwurfes
  4. Terminplanung
  5. Meldungen zur A 643. eAutobahn.de. Abgerufen am 11. September 2011.

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