BMW R 51/3

BMW R 51/3
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Die BMW R 51/3 ist ein Zweizylinder-Motorrad des Herstellers BMW mit 500 ccm Hubraum Boxermotor und 18 kW und die erste wesentliche BMW-Motorrad-Neuentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg, die auf die BMW R 51 (1938 - 1940) folgte.

Inhaltsverzeichnis

Vorgängerversion

Der Vorgänger der R 51/3 war das Modell BMW R 51/2 mit im wesentlichen gleichem Fahrwerk, Teleskopgabel und Geradweg-Hinterradfederung. Sie war das Kernmodell einer schnellen Tourenmaschine für den ambitionierten Motorradfahrer. Zusammen mit der R 51/3 erschien 1951 das hubraumstärkere Schwestermodell R 67 mit zunächst 26 PS aus 600 ccm. Die spätere BMW R 67/2 mit ebenfalls 600 ccm hatte dann 28 PS / 21 kW.

Konstruktionsmerkmale

Der Rahmen ist aus Stahlrohr geschweißt mit seitlich angebrachten Kugelköpfen für den Seitenwagen-Betrieb. Der S 350, besser noch der TR 500 von Steib ist ein passender Seitenwagen, wozu das Motorrad eine spezielle Zahnradübersetzung des Kardanantriebes erfordert.

Schutzbleche, Tank und Felgen sind aus Stahlblech. Der Motorblock ist wie das Getriebe und das Kardangetriebe-Gehäuse aus Aluminiumguss. Wie bei den Vormodellen BMW R 51/2 und BMW R 51 sind zur Lagerung des Motors im Rahmen zwei Steckachsen mit Gummibuchsen verbaut. Die Auspufftöpfe sind mit Schellen direkt an Motorachse und Rahmen befestigt. Es sind die zeittypischen "Fischschwanz"-Auspufftöpfe, die den besonderen Charme des Modelles ausmachen.

Motor

Der Motor der R 51/3 ist gegenüber dem leistungsgleichen Vorgänger der R 51/2 eine komplette Neuentwicklung mit nur noch einer zahnradgetriebenen Nockenwelle über der Kurbelwelle; der Vorgänger-Motor BMW R 51/2 hatte zwei Nockenwellen, über Kette angetrieben.

Der Motorblock ist wie das Getriebe und das Kardangetriebe-Gehäuse aus Aluminiumguss. Der Motor ist wie bei den Vorgängermodellen BMW R 51 und BMW R 51/2 ein längslaufender Zweizylinder-Boxer-Viertakt-Motor mit außen, über den Zylindern in verchromten Stahlrohren geführte Stößelstangen (OHV-Motor). Diese Stößelstangen betätigen die Kipphebel im Zylinderkopf, die ihrerseits die hängenden Ventile betätigen. Die Kipphebel sind wie die beiden Pleuellager in Bronzebuchsen gelagert; die Kurbelwelle läuft in Kugellagern. Die Nockenwelle wird über einen Zahnradsatz von der Kurbelwelle im Ölbad laufend angetrieben. Die Ölpumpe befindet sich hinter dem vorderen Gehäusedeckel und ist eine einfache Zahnradpumpe, die von den Stirnrädern durch Untersetzung angetrieben wird.

Getriebe

Auf dem hinteren Kurbelwellenstumpf sitzt die schwere Schwungscheibe (mit im Schauloch einsehbarer Zündeinstellmarkierung), die die Einscheibentrockenkupplung aufnimmt. Die Kupplung wird mit Axiallager über eine Druckstange betätigt, die durch die hohle Getriebehauptwelle verläuft. Dieses Modell hat den klassisch geschwungenen verchromten Kickstarter-Hebel. Am Getriebe befindet sich auf der rechten Seite des Motorrades zusätzlich noch ein Handschalthebel.

Zündung und Lichtmaschine

Auf dem vorderen Kurbelwellenstumpf sitzt hinter dem Aluminiumguss-Deckel die spritzwasserdicht gekapselte Gleichstrom-Lichtmaschine mit Laderegler. Die Zündanlage ist keine Batteriezündung, sondern ein Magnetzünder mit Fliehkraftverstellung, von der Nockenwelle angetrieben. Das Motorrad kann demnach auch mit leerer Batterie (bzw. ohne) noch fahren, da der Zündstrom unabhängig erzeugt wird. Der Bleiakku ist ungekapselt auf einem Halter unter dem Sattel befestigt.

Vergaser, Luftfilter

Die Vergaser sind 22er Bing-Schwimmerkammervergaser mit konischer Nadel im Rundschieber. Das Nass-Luftfilterelement sitzt auf dem Getriebegehäuse, ein Stahlnetz, an dem der Staub sich beim Ansaugen der Luft festsetzt, und das zu Wartungszwecken ausgewaschen und mit Öl benetzt wird.

Antrieb

Der Antriebsstrang hat am Getriebeausgang ein elastisches Drehmoment-Übertragungselement, eine textilverstärkte Gummi-Vierlochscheibe (Hardyscheibe). Sie ist am Zweifingerflansch des Getriebes aufgeschoben und überträgt das Drehmoment der Getriebeausgangswelle auf die Zweifingeraufnahme der Kardanwelle. Die Hardyscheibe hat wegen der hohen Fliehkräfte der rotierenden Gummischeibe umfangsseitig einen verchromten Stahlring.

Die Kardanwelle zum Hinterrad ist hochglanzverchromt und freilaufend. Das am Winkelgetriebe befestigte Kreuzgelenk der Kardanwelle ist gegen Staub mit einer verchromten Schraubkappe abgedeckt. Gegen diese Schraubkappe läuft ein mit der Welle rotierender Dichtungsgummi, der Schmutz aus dem Kardangelenk fernhält.

Die Kardanwelle ist mit einem Kardangelenk versehen und am Winkelgetriebe mittels Verzahnung befestigt. Das Umlenkgetriebe ist ein Kegelgetriebe mit Hypoidverzahnung und 90° Umlenkung. Die Hypoidzahnräder des Umlenkgetriebes laufen in einem speziellen Schwergetriebeöl für hohe Flankenpressungen (Hypoidöl).

Räder

Die R 51/3 ist ab 1954 mit breiten Aluminium-Vollbremsnaben ausgerüstet. Gegenüber den Stahl-Halbnabenbremsen ("Dosendeckelbremse") brachte diese Änderung der Vollnabenbremsen eine erhebliche Verbesserung der Verzögerungswerte.

Technische Daten

R 51/3 R 67/2
Bauart Zweizylinder-Boxer mit Kardan
Motor Viertakt OHV
Bauzeit 1953–1955
Bohrung 68 mm 72 mm
Hub 68 mm 73 mm
Hubraum 494 cm³ 594 cm³
Leistung 18 kW / 24 PS 20 kW / 28 PS
Vmax 140 km/h 150 km/h
Leergewicht 190 kg
Gesamtgewicht --- kg
Tankinhalt - ltr
  • Reifen 3,50 x 19 Zoll
  • Bremstrommeldurchmesser 200 mm
  • Bremsbauart vorn Duplex
  • Bremsbauart hinten Simplex
  • größte Breite 790 mm
  • größte Länge 2150 mm
  • Sattelhöhe 725 mm
  • Bodenfreiheit 103 mm
  • Radstand 1400 mm
  • zulässiges Gesamtgewicht solo 355 kg
  • zulässiges Gesamtgewicht Gespann 600 kg
  • Reifenluftdruck vorn solo / mit Sozius 1,5 atü
  • Reifenluftdruck vorn mit Gespann und Sozius / drei Personen 1,9 atü
  • Reifenluftdruck hinten solo /& mit Sozius / Gespann +2 Pers. / 3 Pers. 1,8 / 1,9 / 1,9 / 1,9-2,6 atü
  • Seitenwagenrad 1,8 atü
  • Motoröl (Sommer) SAE 40 / 2 ltr.
  • Motoröl (Winter) SAE 20 / 2 ltr.
  • Getriebe SAE 40 / 0,8 ltr.
  • Hinterachsgetriebe SAE 90 / 0,13 ltr.
  • Telegabelöl SAE 20 / pro Holm 160 cm³
  • Lichtmaschine 90 W / 6 V
  • Zylinder-Schleifmaße 68,5 / 69 mm
  • Kolbenlaufspiel 0,05 - 0,07 mm
  • Verschleißgrenze Laufspiel 0,19 mm
  • Kolbenring-Stoßspiel im Zyl. 0,4 mm
  • Kolbenring-Höhenspiel im 1. Ring 0,04 mm
  • Kolbenring-Höhenspiel im 2. und 3. Ring 0,03 mm
  • Kolbenring-Höhenspiel Ölabstreifring 0,02 mm
  • Ventilschaftdurchmesser / Toleranz 7 mm -0,05/+0,065 mm
  • Ventilteller-Durchmesser Einlass/Auslass 34/32 mm
  • max. Schlag am Ventilteller 0,03 mm
  • Ventilsitzwinkel 45°
  • Korrekturwinkel außen 15°
  • Ventilsitzbreite 2 mm
  • Ventilschaft-Laufspiel in Führung 0,05 - 0,085 mm
  • Verschleißgrenze Ventilschaft-Laufspiel 0,18 mm
  • Presssitz Ventiführung im Zylinderkopf 0,03 - 0,05 mm
  • Presssitz Ventilsitz im Zylinderkopf 0,125 - 0,175 mm
  • Ventilfeder-Einbaulänge außen/innen 34,5/30,5 mm
  • Länge entspannt außen/innen 46/42 mm
  • Drahtstärke außen/innen 3,5/2,8 mm
  • Äußerer Windungsdurchmesser außen/innen 32,7/23,8 mm
  • Kipphebel-Axialspiel 0,01 - 0,02 mm
  • Kurbelwellen-Hubzapfendurchmesser 32 / -0,016 mm
  • Hubzapfen-Verschleißgrenze -0,03 mm
  • Durchmesserspiel der Kurbelwellen-Rollenlager-Rollen im Käfig 0,05-0,15 mm
  • Axialspiel der Pleuellagerrollen 0,10-0,20 mm
  • Rollenmaße Durchm/Länge 7 mm x 10 mm
  • Aufmaß-Rollen von/bis in Stufen von 0,01 mm: 7,01-7,06
  • Käfigbreite 15 mm
  • Axialspiel der Pleuel 0,07 - 0,1 mm
  • Laufspiel Kolbenbolzen/Pleuelbuchse 0,01-0,02 mm
  • Laufspiel Stößel in Führungen 0,02-0,04 mm
  • Zahnflankenspiel Steuerräder 0,01-0,02 mm
  • Zahnflankenspiel Ölpumpenräder 0,03-0,05 mm
  • Axialspiel Ölpumenbräder 0,01-0,04 mm
  • Max. Schlag am Lichtmaschinen-Kollektor 0,06 mm
  • Max. Schlag am Magnetläuferzapfen 0,03 mm
  • Max. Schlag an Kurbelwellenenden 0,02 mm
  • Max. Abweichung von 180° des Hubzapfen am Pleuel 0,2 mm
  • Anzugsmoment Zylinderkopf 30-35 Nm
  • Anzugsmoment Fliehkraftregler 20 Nm
  • Axialspiel Unterbrechernocken 0,2-0,6 mm
  • Axialspiel Getriebewellen 0,2 mm
  • Drahtstärke Hinterradfeder solo 7,5 mm
  • Drahtstärke Hinterradfeder Gespann 8 mm
  • Federlänge entspannt solo 145 mm
  • Federlänge entspannt Gespann 141,5 mm
  • Zahnflankenspiel Ritzel/Tellerrad 0,15-0,22 mm
  • Grundeinstellmaß Hinterachsgetriebe-Gehäuse 77 +- 0,1 mm
  • Fertigungsabweichung der Kegelräder +- 0,30 mm
  • Flansch Getriebe bis Flansch Kardanwelle 31 +- 1 mm
  • Lenkungslagerkugeln Anzahl/Durchmesser 2x 24 / 5,5 mm
  • Max. Schlag Gabelrohre 0,2 mm
  • Unterkante untere Gabelbrücke bis Oberkante Gabelrohr 192 mm
  • Laufspiel oberer Gabelbuchse 0,08-0,11 mm
  • Laufspiel untere Gabelbuchse 0,04-0,08 mm
  • Gabelfeder Drahtstärke solo 5,5 mm
  • Gabelfeder Drahtstärke Gespann 6,5 mm
  • Federlänge entspannt, solo 227,5 mm
  • Federlänge entspannt, Gespann 204 mm
  • Max. Schlag der Bremstrommel 0,1 mm
  • Seitenspiel der Radlager in der Nabe 0,1 mm
  • Drahtstärke vordere Bresrückholfeder 2,5 mm
  • Drahtstärke hintere Bremsrückholfeder 2,2 mm

Siehe auch

Liste der BMW-Motorräder


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