Schloss Versailles

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Schloss Versailles

Das franz√∂sische Schloss Versailles (fr. Ch√Ęteau de Versailles) liegt in Versailles, einem Vorort von Paris. Gebaut als Jagdschloss f√ľr K√∂nig Ludwig XIII. durch Philibert Le Roy wurde es ab 1661 unter Ludwig XIV. durch Louis Le Vau, Fran√ßois d‚ÄôOrbay, Jules Hardouin-Mansart und Robert de Cotte in mehreren Abschnitten w√§hrend der Friedenszeiten zwischen den Reunionskriegen um- und ausgebaut. Die Innenausstattung schuf Charles Lebrun, die ber√ľhmten Gartenanlagen stammen von Andr√© Le N√ītre. Der barocke Palast war von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zum Ausbruch der Franz√∂sischen Revolution die Residenz des franz√∂sischen K√∂nigshauses. Das Schloss war in dieser Zeit fast durchgehend von einem mehrere tausend Personen umfassenden Hofstaat bewohnt und wurde zum kulturellen und politischen Mittelpunkt Frankreichs.

Versailles ist einer der gr√∂√üten Pal√§ste Europas und gilt als einer der H√∂hepunkte europ√§ischer Schlossbaukunst.[1] Der Palast, dessen gr√∂√üte Ausdehnung mehr als einen halben Kilometer betr√§gt, war im 17. und 18. Jahrhundert das Vorbild zahlreicher weiterer Schl√∂sser. Seit 1979 ist das Schloss Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, es steht zusammen mit den umfangreichen Gartenanlagen und den Parkschl√∂ssern f√ľr Besucher offen. W√§hrend der Mittelbau mit den Staatss√§len des 17. und 18. Jahrhunderts das urspr√ľngliche Schloss repr√§sentiert, beherbergen die gro√üen Seitenfl√ľgel das im 19. Jahrhundert eingerichtete Museum der Geschichte Frankreichs.

Schloss Versailles, das Corps de Logis. Hinter den Bogenfenstern des mittleren Stockwerks verbirgt sich der Spiegelsaal
Blick √ľber das Wasserparterre zur Gartenfassade des Schlosses. In der Mitte das Corps de Logis, links der Nordfl√ľgel und das Dach der Kapelle, rechts der S√ľdfl√ľgel
Blick √ľber das S√ľdparterre zum Corps de Logis

Inhaltsverzeichnis

Das Schlossgebäude

Das Bauwerk

Der Ursprung: Ein kleines Jagdschloss

Versailles wurde 1038 das erste Mal erw√§hnt,[2] der Name verbirgt noch immer den urspr√ľnglichen Wortstamm des Ortes ‚Äď versare bedeutete umgraben, umwenden ‚Äď und weist auf das kleine Bauerndorf und seine √Ącker hin, die einst hier lagen.[3] Im Dorf Versailles befanden sich im 17. Jahrhundert ein verfallenes kleines Schloss und eine M√ľhle, die L√§ndereien und das Anwesen geh√∂rten zum gr√∂√üten Teil der ans√§ssigen Familie Gondi, ein kleinerer Teil befand sich in k√∂niglichem Besitz. Ludwig XIII., der das wildreiche Gebiet der Galie h√§ufig bei Jagdausfl√ľgen aufsuchte, n√§chtigte gelegentlich im mittelalterlichen Versailler Schloss und sogar in der M√ľhle.

Das Schloss um 1668, Blick auf die stadtwärts gerichtete Seite mit dem Marmorhof kurz vor dem Bau der Ummantelung

1623 lie√ü sich der K√∂nig anstelle der M√ľhle ein kleines Jagdhaus errichten, in dem er 1624 das erste Mal √ľbernachtete.[4] Dieser gelegentlich als Kartenschloss verspottete Ansitz war so klein, dass er nicht einmal R√§umlichkeiten f√ľr die K√∂nigin enthielt.[5] Fran√ßois de Bassompierre bezeichnete das Jagdhaus als ‚Äěein armseliges Schloss, bei dem nicht mal ein einfacher Edelmann Neid empfindet‚Äú.[6] Nachdem der K√∂nig L√§ndereien der Gondi in Versailles hinzu erwarb, lie√ü er das Geb√§ude von 1631 bis 1634 durch Philibert Le Roy zu einem dreifl√ľgeligen Jagdschloss erweitern. Das verfallene alte Schloss wurde sp√§ter abgetragen.[7] Das von einem Graben umgebene, aus Backstein erbaute und mit Sandsteinelementen gegliederte neue Versailler Schloss wurde im Stil des fr√ľhen franz√∂sischen Barock errichtet. Dieses Jagdschloss bildet bis heute den Kern der Anlage, es umschlie√üt den Marmorhof, den letzten und kleinsten der drei Ehrenh√∂fe, die der Stadtseite des Palastes vorgelagert sind. Nach dem Tode Ludwig XIII. ging das Geb√§ude als Teil des Erbes an seinen Sohn und Nachfolger Ludwig XIV. √ľber. Der junge K√∂nig residierte nach seiner Regierungs√ľbernahme 1661 regelm√§√üig in Versailles, das ihm zun√§chst vor allem als Lustschloss und Sommersitz diente und in dem er gro√üe Hoffeste ausrichten lie√ü.[8]

Den entscheidenden Impuls zum Ausbau des Palastes lieferte wohl der Finanzminister Nicolas Fouquet. Dieser lie√ü sich mit Vaux-le-Vicomte ein aufsehenerregendes Schloss erbauen, das nicht nur die Kunst des h√∂fischen Barock in Frankreich nachhaltig pr√§gen sollte, sondern auch den Zorn des K√∂nigs erregte. Ludwig XIV. vermutete, dass Fouquet die Pracht zu einem gro√üen Teil mit Griffen in die Staatskasse finanzierte. Er warf seinem Minister Untreue vor und lie√ü ihn verhaften. Das in Vaux geschaffene Gesamtkunstwerk aus Bauarchitektur und Gartenkunst best√§tigte den K√∂nig in seinem Vorhaben, sich eine zeitgem√§√üe Residenz errichten zu lassen.[8] Er zog Fouquets Architekten und K√ľnstler zu Rate und beauftragte sie schlie√ülich mit dem Ausbau des kleinen Schlosses seines Vaters.[1]

Die Gartenfassade des Corps de Logis mit der Ummantelung. Anstelle der Spiegelgalerie befindet sich hier noch eine Terrasse, die Fenster haben noch keine bogenf√∂rmigen Abschl√ľsse, der Nord- und der S√ľdfl√ľgel fehlen noch g√§nzlich. Gem√§lde von 1675

Ausbau zum Residenzschloss

Entgegen dem Ratschlag des Finanzministers Colberts, der aus Kosten- und Prestigegr√ľnden einen Neubau empfahl, weigerte sich Ludwig XIV. f√ľr die Versailler Residenz das alte Jagdschloss aufzugeben und so wurde das den sp√§teren Marmorhof umschlie√üende Geb√§ude im Laufe der Zeit umbaut und in mehreren Abschnitten in den Neubau integriert.[9][10] Der K√∂nig schrieb in seinen Memoiren sogar, selbst wenn das alte Schloss h√§tte abgerissen werden m√ľssen, so h√§tte er es ganz genauso wieder errichten lassen, wie es war.[11] Nach anf√§nglichen kleineren Umbauten ab 1661 bildete der Aachener Frieden von 1668 den Auftakt zu einer ersten Erweiterung des Schlosses. Der U-f√∂rmige Mittelbau Ludwigs XIII., Kern des heutigen Corps de Logis, erhielt von 1668 bis 1671 durch Le Vau die envelopp√©. Dabei handelte es sich um eine bauliche, sogenannte Ummantelung des alten Schlosses durch zwei neue, √§u√üere Trakte. Die s√ľdlichen Fl√ľgel der Ummantelung nahmen die Paradezimmer der K√∂nigin auf, die n√∂rdlichen jene des K√∂nigs. Dieser Bau besa√ü anstelle der sp√§teren Spiegelgalerie noch eine gro√üe Terrasse √ľber den gartenseitigen Arkaden des Erdgeschosses.

1677 verk√ľndete der K√∂nig, Versailles zum k√ľnftigen Regierungssitz zu bestimmen. Der damit verbundene Ausbau des Palastes begann im Zuge des Friedens von Nimwegen, der Umzug des Hofstaats erfolgte ab dem 5. Mai 1682.[12] Von 1678 bis 1684 wurde die Terrasse des Corps de Logis samt den ihr benachbarten Salons durch Jules Hardouin-Mansart √ľber- und umgebaut und die Spiegelgalerie, sowie die Salons des Krieges und des Friedens installiert. Die urspr√ľnglich waagerechten Fensterabschl√ľsse des ersten Stockwerkes wurden durch Rundbogenfenster ersetzt, welche mit den Spiegeln der gro√üen Galerie korrespondierten. Mit diesen Bauma√ünahmen erhielt die Gartenfassade des Hauptgeb√§udes ihre heutige Gestalt.

Die verschiedenen Bauphasen des Schlosses mit Lageplan der größten Räume

Um Platz f√ľr den Hofstaat zu schaffen, wurden gleichzeitig mit den Erweiterungen am Corps de Logis 1678 die Arbeiten am S√ľdfl√ľgel und ab 1685 die am Nordfl√ľgel begonnen. Mansart pl√§dierte zudem daf√ľr, das Schloss um ein weiteres Stockwerk zu erh√∂hen um so mehr Wohnraum zu erhalten, was der K√∂nig jedoch aus unbekannten Gr√ľnden ablehnte.[13] Beide Fl√ľgelbauten bestehen aus jeweils zwei parallel zueinander errichteten langen Geb√§uderiegeln, je einer auf der Garten- und einer auf der Stadtseite. Diese sind durch Querbauten mehrfach miteinander verbunden und beinhalten so eine Anzahl kleinerer Lichth√∂fe. Der S√ľdfl√ľgel war 1684 weitgehend fertig gestellt, der sp√§ter begonnene Nordfl√ľgel f√ľnf Jahre darauf. Die Arbeiten an dessen stadtseitig gelegenem Trakt wurden wegen der Kosten des Pf√§lzischen Erbfolgekrieges jedoch eingestellt und der Bau erst im 19. Jahrhundert vollendet. F√ľr den Bau des Nordfl√ľgels musste die Thetis-Grotte, ein mit Statuen geschm√ľcktes Brunnenhaus von 1664, abgerissen werden.[14] Die darin ausgestellten Skulpturen befinden sich heute zum Teil im sogenannten Boskett des Apollo-Bades im Park des Schlosses. Auf dem Standort der Thetis-Grotte erhebt sich der Bau der 1710 durch Robert de Cotte fertiggestellten Schlosskapelle, deren Zugang durch den Nordfl√ľgel erfolgt.

Die Fl√ľgel des Versailler Schlosses und seiner Nebengeb√§ude gruppieren sich um drei in einer Achse gelegene Hofpl√§tze, welche zusammen eine weitgehend zusammenh√§ngende Fl√§che bilden und vom Zentrum des Schlosses in Richtung der Stadt f√ľhren. Den Ausgangspunkt bildet der kleine Marmorhof (Cour de Marbre) des umbauten Jagdschlosses, auf diesen folgt der von den Verl√§ngerungstrakten des Corps de Logis umgebene K√∂nigshof (Cour Royale) und schlie√ülich der gro√üe Platz des Ministerhofs (Cour des Ministres) mit den freistehenden Ministerfl√ľgeln. Da Versailles nicht nur k√∂nigliche Residenz, sondern auch Regierungssitz war, wurde mit diesen Geb√§uden Platz f√ľr die Hofbeamten geschaffen. Den H√∂fen stadtseitig geben√ľber stehen der gro√üe und der kleine Marstall, umfangreiche Geb√§ude f√ľr die Pferde und den Fuhrpark der k√∂niglichen Familie. √Ėstlich, vom S√ľdfl√ľgel des Schlosses und dem s√ľdlichen Ministertrakt begrenzt, befindet sich au√üerdem das vierfl√ľgelige Grand Commun, ein solit√§r stehender Wirtschaftsbau von 1682, der die Schlossk√ľchen und Bedienstetenwohnungen f√ľr √ľber 1.000 Hofangestellte enthielt.

Nach dem Umzugs des Hofes 1682 arbeiteten zeitweise √ľber 22.000 Menschen an und in Versailles,[15] nach den Angaben eines Zeitgenossen erreichte die Zahl der Arbeiter im Jahr 1685 sogar 36.000.[16] Zum Ende des 18. Jahrhunderts war Versailles in seinen heutigen Dimensionen weitgehend fertiggestellt; die Gartenfassade ist 570 Meter breit.

Stilistische Einordnung

Gesamtansicht der Gartenfassaden, von links nach rechts der Nordfl√ľgel, das Corps de Logis und der S√ľdfl√ľgel
Die Fassaden des Marmorhofs dienten als stilistisches Vorbild f√ľr die Stadtseite des Palastes

Das √Ąu√üere des Schlosses ist in zwei verschiedenen Stilformen gehalten, welche zudem durch die unterschiedliche Addition der einzelnen Bauk√∂rper einen kontr√§ren Eindruck vermitteln. Die Stadtfassaden bestehen aus zahlreichen Einzelgeb√§uden, so dass sich dem Betrachter erst beim n√§heren hinsehen erschlie√üt, dass sie alle gemeinsam ein gro√ües, zusammenh√§ngendes Geb√§ude bilden. Die Fassaden des Schlosses folgen hier dem √§lteren Stil des urspr√ľnglichen Jagdschlosses rund um den Marmorhof und entsprechen noch dem fr√ľhen franz√∂sischen Barock. Sie sind aus rotem Ziegelstein errichtet, der mit Sandsteinelementen gegliedert ist, die Bauk√∂rper tragen sichtbare Mansardd√§cher.

Detailansicht der im Stil des klassizistischen Barocks gestalteten Gartenfassade

Die Gartenfassaden des Schlosses sind im Stil des f√ľr Frankreich typischen klassizistischen Barocks gestaltet und gehen damit auf die Vorgabe von Le Vaus Ummantelung zur√ľck. Horizontale Linien dominieren das Bauwerk und nur risalitartig hervorspringende Portale lockern die strengen Sandsteinfassaden auf. Die abschlie√üende Balustrade des Obergeschosses ist mit steinernen Vasen und Troph√§endarstellungen dekoriert und verbirgt hinter sich flache D√§cher. Die Gartenfassade fasst die Geb√§udeteile zu einem gro√üen Block zusammen, dessen Breitenwirkung durch die horizontale Gliederung noch gesteigert wird.

Die verschiedenen Baustile des Schlosses, die majest√§tisch-monotone Garten- und die kleinteiligeren Stadtfassaden riefen nicht nur Bewunderung, sondern auch Kritik hervor. Versailles steht im v√∂lligen Kontrast zu den anderen Barockschl√∂ssern Frankreichs, die zumeist nicht nur kleiner, sondern wie Vaux-le-Vicomte oder Maisons-Laffitte auch im Pavillonsystem errichtet wurden. In der Kunstgeschichte werden insbesondere die Gartenfassaden zwar h√§ufig als √ľberw√§ltigend in ihrer Wirkung, aber auch als eint√∂nig beschrieben,[17] Colbert nannte das Schloss einen ‚ÄěMann mit gro√üen Armen und einem dicken Kopf.‚Äú Der Herzog Saint-Simon bezeichnete den Kontrast der Baustile als ‚Äěsch√∂nes und h√§√üliches, das zusammengen√§ht wurde‚Äú[18] und √ľber das hinter der Attika verborgene Flachdach schrieb er ‚Äěman glaubt einen abgebrannten Palast zu sehen, dem das obere Stockwerk und das Dach fehlen.‚Äú[19] Die Kapelle wurde als Riesenkatafalk verspottet[20] und Voltaire bezeichnete sie als einen ‚Äěerstaunlichen Firlefanz‚Äú.[21]

Blick durch die H√∂fe auf die stadtseitigen Fassaden. Links der Dufourfl√ľgel, in der Mitte die Geb√§ude um den Marmorhof, rechts der Gabrielfl√ľgel, am Bildrand die Kapelle

Zur Zeit Ludwigs XV. wurde eine als grand dessin bezeichnete Neugestaltung der Stadtseite im Stil des Klassizismus erwogen.[20] Die alten Fassaden dort sollten, den Gartenfassaden √§hnlich, mit Haustein √ľberbaut werden. Auch war √ľber dem Hauptgeb√§ude eine Kuppel geplant.[22] Die Leitung dieses Projekts √ľbernahm Ange-Jacques Gabriel. Letztlich erfolgte aus finanziellen Gr√ľnden jedoch ab 1771 nur der Umbau eines zu dieser Zeit bauf√§lligen, stadtw√§rts gerichteten Trakts, der seit jener Zeit Gabrielfl√ľgel genannt wird. Der Pavillon des gegen√ľberliegenden Geb√§udes, des Dufourfl√ľgels, wurde erst um 1820 angepasst und die Symmetrie der Hoffassade knapp ein halbes Jahrhundert nach Beginn der Umbauarbeiten halbwegs wieder hergestellt. Die parallel gegen√ľberstehenden Geb√§udeteile tragen noch heute verschiedene Fassadenstile. 1780 durch √Čtienne-Louis Boull√©e vorgelegte Pl√§ne zu einer vollst√§ndigen Neugestaltung des Schlosses im Sinne der Revolutionsarchitektur wurden nicht realisiert.[23]

Das Innere des Schlosses


Das Corps de Logis mit dem integrierten alten Schloss enthielt die Wohnr√§ume des K√∂nigs im Norden und jene der K√∂nigin im S√ľden, au√üerdem die Appartements der k√∂niglichen Kinder, der M√§tressen, sowie die offiziellen Staatss√§le. Die gro√üen Seitenfl√ľgel und die Nebengeb√§ude des Schlosses waren f√ľr die Aufnahme des Hofstaats vorgesehen. Der gartenseitige Trakt des S√ľdfl√ľgels wurde auch als Prinzenfl√ľgel bezeichnet, da er die Wohnr√§ume der Prinzen von Gebl√ľt enthielt.[24] Der stadtseitige Trakt des S√ľdfl√ľgels, sowie der gartenseitige Nordfl√ľgel dienten den Courtiers, also den √ľbrigen H√∂flingen, als Wohnraum. Je nach Stand und Rang erhielten die Schlossbewohner zum Teil mehrere Zimmer gro√üe Appartements mit Wohn- und Arbeitszimmern, Ankleider√§umen und K√ľchen zur Verf√ľgung gestellt oder lediglich kleine, zum Teil nicht einmal beheizbare Kammern, die nur kurzen Aufenthalten dienen konnten.[25] 1789 beinhaltete das Schloss 288 Wohnungen, 1.252 heizbare R√§ume und 600 R√§ume ohne Kamin. Die k√∂nigliche Familie bewohnte weitere 152 Zimmer.[26]

Grundriss des 1. Obergeschosses des Corps de Logis seit dem 19. Jahrhundert. Die wichtigsten Räume sind der Spiegelsaal (1), das königliche Schlafzimmer (2.), der Kriegsaal (3.), der Friedenssaal (4.), das Schlafzimmer der Königin (5.), der Ochsenaugensaal (6.), der Herkulessalon (7.) und die Schlosskapelle (8.)

Im Laufe der Jahrhunderte wurden im Inneren des Schlosses immer wieder √Ąnderungen und Umbauten vorgenommen. Liselotte von der Pfalz berichtete in einem ihrer Briefe √ľber das Schloss: ‚ÄěEs gibt keinen Teil, der nicht zehnmal ver√§ndert worden ist.‚Äú[14] Es sind nicht nur die S√§le und Salons dem sich ver√§ndernden Zeitgeschmack entsprechend neu dekoriert worden (die Wandbespannungen in vielen R√§umen waren mobil und wurden zum Sommer und Winter mit unterschiedlichen Stoffen und Motiven behangen[27]), sondern ganze Appartements wurden ver√§ndert, T√ľren versetzt und Zimmer neu angeordnet. So etwa ‚Äěwanderte‚Äú das Schlafzimmer Ludwigs XIV., das urspr√ľnglich spiegelverkehrt dem der K√∂nigin gegen√ľber lag, nach dem Tod Maria Theresias s√ľdw√§rts, bis es hinter der Spiegelgalerie im Zentrum des Schlosses und nach Osten zur aufgehenden Sonne ausgerichtet seinen Platz fand.[28] Die einst ber√ľhmte Gesandtentreppe wurde durch eine neue Raumflucht f√ľr Ludwig XV. ersetzt, und den Umbauarbeiten zum Museum und der Installation der gro√üen Ausstellungsr√§ume im 19. Jahrhundert sind schlie√ülich die Appartements im Nord- und S√ľdfl√ľgel zum Opfer gefallen.

Die Innenräume

Von den urspr√ľnglich √ľber 200 Appartements des Schlosses sind in der Gegenwart nur noch die R√§umlichkeiten im Corps de Logis erhalten, bzw. rekonstruiert. Es handelt sich vorwiegend um die Prunkgem√§cher des K√∂nigs und der K√∂nigin, deren jeweilige Privatkabinette sowie um einige weitere Appartements verschiedener Familienmitglieder. Von den Wohnungen des Hofstaats in den gro√üen Seitenfl√ľgeln existiert heute keine mehr.

Die Staatss√§le des Ancien R√©gimes entstammen noch dem schweren Stil des Louis-quatorze und wurden ‚Äď abgesehen von der M√∂blierung ‚Äď von den Nachfolgern des Sonnenk√∂nigs kaum ver√§ndert. Unter Ludwig XV. und seiner Familie fand ein begrenzter Einzug von Privatsph√§re statt, die in den intimeren Appartements ihren Ausdruck im Stil des Louis-quinze fand. Letzte bedeutende Ver√§nderungen fanden unter Ludwig XVI. und seiner Frau Marie Antoinette statt, die ihre R√§ume zum Teil im Stil des Louis-seize umgestaltet lie√üen. Die urspr√ľnglich reiche Ausstattung des Schlosses umfasste neben den wandfesten Dekorationen und dem Deckenschmuck mehrere tausend M√∂belst√ľcke, Leuchter, L√ľster und andere Gegenst√§nde des Kunsthandwerks. Die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammenden Einzelteile gingen unter anderem auf die Werkst√§tten von Andr√©-Charles Boulle, Georges Jacob und Johann Heinrich Riesener zur√ľck. Das Mobiliar ging in der Zeit der Revolution zum Teil durch Pl√ľnderung, vor allem aber durch eine gro√üe Versteigerung zwischen 1793 und 1794 verloren; damals wurden √ľber 17.000 St√ľcke in den Verkaufskatalogen angeboten.[29] Im 19. Jahrhundert, nach der Umgestaltung des Schlosses in das Museum, konnten Teile der einstigen Ausstattung zur√ľck erworben werden. Das fehlende Mobiliar wurde durch neue Arbeiten im Stil des Empire, unter anderem von Fran√ßois Jacob-Desmalter, erg√§nzt.[30]

Zu den bedeutenden R√§umen des Schlosses z√§hlen unter anderem der als Vorzimmer des K√∂nigs dienende und nach zwei gro√üen, runden Fenstern benannte Ochsenaugensaal (Salon Oeil de boeuf), der Herkulessalon, der die fr√ľhere Kapelle abl√∂ste oder das Schlafzimmer der K√∂nigin im S√ľdtrakt des Corps de Logis. Die wichtigsten R√§ume innerhalb des Hofalltags bildeten jedoch der Spiegelsaal und das angrenzende Schlafzimmer des K√∂nigs, sowie die Schlosskapelle und, als ihr profanes Gegenst√ľck, die als letztes Geb√§ude unter dem Ancien R√©gime errichtete Hofoper.

Die Spiegelgalerie und das königliche Schlafzimmer

Die Spiegelgalerie, Blick in Richtung des Friedenssaals

Der Mittelbau des Schlosses wird im ersten Geschoss auf seiner gesamten Breite von der Raumflucht der fast 75 Meter langen und mehr als 10 Meter breiten Versailler Spiegelgalerie (Galerie des Glaces, auch Galerie de Louis XIV., Spiegelsaal) und von den benachbarten Salons des Krieges und des Friedens eingenommen. Die Salons waren einst die √úberg√§nge zu den k√∂niglichen Wohnr√§umen, wobei der Kriegssaal dem K√∂nig und der Friedenssaal der K√∂nigin gewidmet war. Der Spiegelsaal verband die Appartements des K√∂nigspaares und macht mit seinen 30 stuckgefassten, den K√∂nig verherrlichenden Deckengem√§lden, den insgesamt 357 Spiegelfl√§chen und marmornen Pilastern einen √ľberw√§ltigenden Eindruck. Die siebzehn gro√üen Spiegel entsprechen in Gr√∂√üe und Gestaltung den gegen√ľberstehenden Bogenfenstern der Gartenfassade. Sie holen optisch den Park ins Innere des Raums und reflektieren sowohl das einfallende Licht tags√ľber als auch den Kerzenschein am Abend. Die gesamte L√§nge des Saals wird von einem Gew√∂lbe √ľberspannt, das sich in dem in der Fassade sichtbaren Attikageschoss befindet.

Das Bett des Königs im zentralen Schlafzimmer des Schlosses

Die Spiegelgalerie wurde zwar auch als Festsaal genutzt, doch diente sie haupts√§chlich als eine Art √ľberdachte Promenade, in der man sich aufhielt, um seine Gegenwart bei Hofe zu zeigen, und wo man hoffte, dem K√∂nig aufzufallen.[31] Da es nicht gestattet war, den K√∂nig direkt anzusprechen, musste man auf seine Zuneigung oder die F√ľrsprache einer h√∂hergestellten Person hoffen. Die Ausma√üe des Spiegelsaals waren durchaus beabsichtigt so gro√ü bemessen, dass der Herrscher unliebsame Bittsteller im weiten Vor√ľbergehen ignorieren oder anderen durch ein Gespr√§ch seine Zuneigung erweisen konnte.[32]

In der Mitte des Saals liegen die √úberg√§nge zum mittleren Schlafzimmer. Einst befand sich dort ein Salon, der die Verbindung zwischen den Gem√§chern des K√∂nigs und der K√∂nigin bildete. Mit dem Tode Maria Theresias war diese Aufteilung der Raumfluchten bedeutungslos geworden, und so wurden dort erst ein Ankleidezimmer und 1701 dann das Prunkschlafzimmer Ludwigs XIV. eingerichtet. Dies ist der Ort der ber√ľhmten Zeremonien des Lever und des Coucher, des Aufstehens und Schlafengehens des K√∂nigs, der hier, im Mittelpunkt des Schlosses, gleichsam dem Mittelpunkt seines Reiches, n√§chtigte. In diesem Zimmer starb Ludwig XIV. am 1. September 1715.[33]

Die Schlosskapelle und das Opernhaus

Die Schlosskapelle, Blick von der Empore in den Kirchenraum

Bevor der Palast die heutige Versailler Schlosskapelle am Nordfl√ľgel erhielt, war der Kirchensaal in wechselnden R√§umen untergebracht, unter anderem auch im sp√§teren Herkulessalon. Jules Hardouin-Mansart plante urspr√ľnglich eine kuppel√ľberw√∂lbte Kapelle in der Mitte des Nordfl√ľgels, diese Pl√§ne wurden aber wieder fallen gelassen.[34] Die finanziellen Mittel f√ľr ein eigenes Kirchengeb√§ude innerhalb des Schlosskomplexes standen erst nach dem Frieden von Rijswijk zur Verf√ľgung. Mansart begann mit dem Bau 1699, konnte ihn aber durch seinen Tod 1708 nicht vollenden, den Auftrag √ľbernahm Robert de Cotte. Die dem Heiligen Ludwig geweihte Kapelle ist zweist√∂ckig und 25 Meter hoch. Die obere Etage war dem K√∂nig und der k√∂niglichen Familie vorbehalten, auf der unteren Ebene sa√ü der Hof. In ihrer Form schafft sie eine Verbindung von der mittelalterlichen Gotik zum barocken Gotteshaus. Drei Fresken verschiedener Maler stellen die Themen Gottvater, Sohn und Heiliger Geist dar. Die Orgel der Kirche wurde 1711 von Robert Clicquot erbaut und wurde 1995 unter Verwendung von 2 % Originalmaterial rekonstruiert. In der Kapelle fand unter anderem die Trauung Ludwigs XVI. und Marie Antoinettes statt.

Das Schloss verf√ľgte zur Zeit des Sonnenk√∂nigs noch √ľber keinen festen Theatersaal. Schau- und Singspiele wurden je nach Umfang in verschiedenen R√§umen aufgef√ľhrt, f√ľr Schauspieler und Musiker konnten mobile Trib√ľnen aufgebaut werden. Das heutige Opernhaus am √§u√üersten Ende des Nordfl√ľgels geh√∂rt zu den letzten gro√üen Bauma√ünahmen des Ancien R√©gime, es wurde anl√§sslich der Hochzeit Marie Antoinettes mit dem sp√§teren Ludwig XVI. errichtet. Der Opernsaal diente sowohl f√ľr Bankette, Singspiele als auch Theaterauff√ľhrungen. Das aus Gr√ľnden der Akustik vollkommen aus Holz gebaute Theater f√ľr 712 Zuschauer wurde von Ange-Jacques Gabriel 1769 bis 1770 im Nordfl√ľgel eingerichtet. Die B√ľhnentiefe und -h√∂he betr√§gt 21 Meter, bei einer Portalbreite von etwa sieben Metern. Die k√∂nigliche Loge ist im unteren Rang versteckt und nicht durch einen Balkon hervorgehoben, um Ludwig XV. zu erm√∂glichen, ungesehen zu kommen und zu gehen. Dies ist ein Hinweis auf das privatere Zeremoniell unter den Nachfolgern des Sonnenk√∂nigs.

‚ÄěLudwig XIV. als r√∂mischer Imperator, zu seinen F√ľ√üen seine Feinde‚Äú, Relief im Salon des Krieges

Symbolik und Kosten

Neben der offensichtlichen Zurschaustellung von Luxus und Reichtum diente das Schloss auch einer subtileren Darstellung des Ruhms und der Macht des K√∂nigstums. Die unter Ludwig XIV. angelegten Staatsr√§ume und S√§le verherrlichen den Sonnenk√∂nig. Die Dekoration des Stucks und die Themen der Gem√§lde sind auf seine wirtschaftlichen und politischen Erfolge abgestimmt und k√ľnden von seinen Feldz√ľgen und Siegen.[35][36] Eine gro√üe Rolle nahmen au√üerdem die r√∂mische und die griechische Mythologie ein, mit deren Motiven die oberen Gesellschaftsschichten des 17. und 18. Jahrhunderts wohlvertraut waren. Die Mythologie wurde als Gleichnis eingesetzt und Ludwig XIV. wiederholt als Gott Apollon dargestellt, was der Hofgesellschaft zahlreiche Interpretationen erm√∂glichte.[37] Die Darstellung als antiker Gott der Sonne und des Lichts verlieh Ludwig XIV. zudem die Aura eines mystischen, h√∂chsten Wesens, ohne zugleich mit der Kirche in Widerspruch zu geraten ‚Äď denn den Rang des K√∂nigs mit dem christlichen Gott gleichzusetzen, war auch im absolutistischen, aber immer noch katholisch gepr√§gten Frankreich unm√∂glich und w√§re einem Sakrileg gleichgekommen. Der Vergleich mit Apollon dagegen bekr√§ftigte seinen Ruf als Sonnenk√∂nig.

Obwohl der franz√∂sische Haushaltsplan immense Ausgaben f√ľr das Schloss vorsah, war das Geld in Versailles immer knapp und die Bauphasen konnten nur in den Friedenszeiten zwischen den Reunionskriegen voran getrieben werden. Nachdem der Pf√§lzische Erbfolgekrieg ausbrach, musste Ludwig XIV. 1689 sogar das ber√ľhmte Silbermobiliar der Spiegelgalerie verkaufen und einschmelzen, um somit die Kriegsausgaben zu bestreiten.[38] Viele geplante Bauvorhaben, wie der oben beschriebene Umbau der Stadtfassaden, konnten aus Kostengr√ľnden nicht in Angriff genommen werden. Fast alle Auftr√§ge wurden ausgeschrieben, Voranschl√§ge unbedingt eingehalten und die Armee in Friedenszeiten zu Bauarbeiten herangezogen.[39] Der Sonnenk√∂nig selbst sagte ‚Äěam liebsten wird mir immer alles sein, was m√∂glichst sch√∂n ist und wenig kostet‚Äú.[15] Was den meisten Betrachtern als unglaublicher Luxus erschien, war in Wirklichkeit so kosteng√ľnstig wie nur m√∂glich gebaut, was zur Folge hatte, dass die Kamine oft nicht zogen, die Fenster nicht richtig schlossen und das Leben dort im Winter sehr unkomfortabel war.

Bereits zwischen 1661 und 1663 waren mehr als 1.500.000 Livres f√ľr das Schloss ausgegeben worden. Der erste Bau Ludwigs XIII. hatte insgesamt gerade einmal 300.000 Livres verbraucht, wovon 213.000 auf das Schloss verwendet und weitere 82.000 f√ľr die G√§rten ben√∂tigt wurden. Im Zeitraum von 1664 bis 1688 wurde j√§hrlich eine durchschnittliche Million Livres in Versailles verbaut. Der franz√∂sische Staatshaushalt verf√ľgte in den 1680er Jahren √ľber ein Budget von etwa 110 Millionen Livres, wovon Ludwig nach dem Frieden von Nimwegen 15 Millionen f√ľr seine Baut√§tigkeiten genehmigt bekam.[39] Bis zum Tode des Sonnenk√∂nigs sollen 300 Millionen Livres in die Versailler Schl√∂sser, den Park, die Ausstattung und den Unterhalt geflossen sein.[40] F√ľnfzig bis sechzig Millionen allein f√ľr das Mobiliar und zwei Millionen f√ľr den Bau des Eure-Kanals. Bescheiden nimmt sich dagegen die Leibpension f√ľr die bei Unf√§llen verstorbenen Arbeiter aus, deren Familien im Schnitt 40 bis 100 Livres als Hinterbliebenenrente erhielten.[39]

Der Außenbereich

Die Gartenanlagen

Gesamtplan von Schloss und Park, Delagrive, 1746. Das Schloss befindet sich im rechten Bilddrittel, oberhalb des kreuzförmigen Kanals liegt die Domäne von Trianon

Die Gartenanlagen gehen auf den von Jacques Boyceau de la Barauderie f√ľr Ludwig XIII. geschaffenen Petit Parc zur√ľck. Sie wurden in ihrer heutigen Ausdehnung weitgehend in drei Abschnitten von 1662 bis 1667, 1668 bis 1677 und 1678 bis 1689 durch Andr√© Le N√ītre geschaffen. Der Schlosspark gliedert sich in drei f√ľr alle Barockg√§rten typische Bereiche: Die dem Schloss nahen Parterres, die anschlie√üenden Boskette und den fernen Jagdwald. Der Bereich der Parterres, der Boskette und des gro√üen Kanals wird noch heute als Petit Parc bezeichnet, der urspr√ľnglich mehrere tausend Hektar gro√üe Waldbereich als Grand Parc. Die aus dem Vorbild von Vaux-le-Vicomte √ľbernommene Hauptachse gliedert die Gartenanlagen und f√ľhrt von der Stadt durch das Schloss, durch den Garten und den gro√üen Kanal bis in die weite Ferne. Der Park wurde durch mehr als 75.000 gestutzte B√§ume und B√§umchen verziert,[37] von denen zahlreiche aus den Baumschulen Vaux-le-Vicomtes stammten und zu Fouquets konfisziertem Verm√∂gen geh√∂rten.[41] Bezeichnenderweise blieb der Park in seiner barocken Struktur bis zum Ende des Ancien R√©gime in weiten Teilen unver√§ndert. Die im 18. Jahrhundert von englischen Vorbildern beeinflusste Umgestaltung vieler europ√§ischer Schlossparks tangierte die Versailler G√§rten nur im kleinen Ma√üstab im sogenannten Boskett der K√∂nigin, im Boskett des Apollo-Bades und im privateren Bereich der Trianon-Schl√∂sser. Zur Zeit Ludwigs XVI. wurden Teile des Parks umgestaltet und eine Aufforstung der Boskette vorgenommen. Daf√ľr wurden weite Bereiche gerodet und neu bepflanzt, eine √§hnliche Neubepflanzung wurde in den 1990er Jahren vorgenommen.

Den √úbergang vom Schloss- zum Gartenbereich bilden die Parterres, die durch ihre niedrige Bepflanzung den Blick auf das Geb√§ude gew√§hren und durch ihre ornamentale Gestaltung die Motive der Baudekoration wiederholen.[42] Vor dem Nord- und dem S√ľdfl√ľgel des Schlosses befinden sich pr√§chtige Broderieparterres, das Parterre du Nord und das Parterre du Midi, die mit ornamentalen Blumenpflanzungen, zahlreichen Prunkvasen und Statuen dekoriert sind. Dem Corps de Logis sind zwei gro√üe Wasserbecken vorgelagert, die als Parterre d‚ÄôEau bezeichnet werden. In den f√ľnfzehn Bosketten wiederholen sich die S√§le des Schlossinneren im Freien.[42] Hier sind mit g√§rtnerischen Mitteln Salons zwischen Hecken und B√§umen eingerichtet, die man ebenfalls mit Skulpturen, Springbrunnen und kunstvoll beschnittenen Pflanzen ausstaffierte. Zu den bekanntesten Gartenarchitekturen Frankreichs geh√∂rt dort die von Mansart entworfene kreisrunde, mit dutzenden Springbrunnen verzierte Kolonnade, seinerzeit ber√ľhmt war auch das gro√üe Labyrinth von Versailles.

Ludwig XIV. im Garten des Schlosses Versailles, Blick vom Apollo-Brunnen zum Gro√üen Kanal

Das Zentrum des Petit Parcs bildet der aus mehreren Treppenstufen gebildete Brunnen der Latona, von dort f√ľhrt die K√∂nigliche Allee mit dem so genannten Gr√ľnen Teppich in Richtung des Apollo-Brunnens, aus welchem der Sonnengott emporsteigt und sich symbolisch in Richtung des K√∂nigs erhebt. Hinter diesem Bassin beginnt der kreuzf√∂rmige Grand Canal, der den Park optisch in die Ferne verl√§ngert und zugleich das sumpfige Gel√§nde entw√§ssert. Zur Zeit des Ancien R√©gime wurde die Wasserfl√§che mit venezianischen Gondeln samt italienischer Gondolieri befahren, f√ľr die eigens ein kleines Wohnareal namens Petit Venise, Klein Venedig, geschaffen wurde.[43] Sogar der Nachbau eines Kriegsschiffes lag dort vor Anker.[43] Am S√ľdarm des Kanals befand sich eine gro√üe Menagerie, Ludwig XIV. hielt dort von 1668 bis 1681 unter anderem einen afrikanischen Elefanten, der ein diplomatisches Geschenk aus Portugal war.

Der Latonabrunnen. Latona kann mit Anna von √Ėsterreich interpretiert werden, deren Sohn Ludwig dann Apollon entspricht. Die Bedrohung der Latona durch die lykischen Bauern und deren anschlie√üende Bestrafung ist ein Symbol der politischen Unruhen w√§hrend der Kindheit Ludwigs. Im Hintergrund die K√∂nigliche Allee mit dem Gr√ľnen Teppich und in der Ferne der Gro√üe Kanal

Wie das Schloss, so diente auch der Park der Verherrlichung des Sonnenk√∂nigs und ist voll von offenen und versteckten Anspielungen auf ihn. In den Brunnen und Skulpturengruppen wird die griechische Mythologie als Gleichnis auf die Regierung Ludwigs dargestellt. Die G√§rten steigen, durch mehrere Terrassen gegliedert, zum Schloss an, so dass man sich nicht nur symbolisch hoch zum K√∂nig begab. Sternf√∂rmige Wegkreuzungen entwickeln sich an verschiedenen Punkten des Parks, doch alle Hauptwege f√ľhren zu der dominierenden Mittelachse. Diese f√ľhrt vom Gro√üen Kanal zum Schloss und dar√ľber hinaus durch die Stadt, ein Symbol f√ľr die Wege, die beim K√∂nig zusammen treffen. Das Parterre d‚ÄôEau ist mit Skulpturen geschm√ľckt, die Frankreichs gro√üe Fl√ľsse versinnbildlichen und somit Zeichen von der Gr√∂√üe des Landes geben.

Ludwig XIV. selbst verfasste den ersten F√ľhrer zu seinem Park, in dem er einen Rundweg empfahl, die Bedeutung der Statuen und Brunnen erl√§uterte und auf Besonderheiten in den Anpflanzungen hinwies:

‚ÄěWir steigen zum Apollobrunnen hinab und machen hier einen kleinen Halt, um die Figuren und Vasen der K√∂niglichen Allee, des Latonabrunnens und des Schlosses zu bewundern. Von hier aus erblicken wir den Gro√üen Kanal. Wer die Menagerie und das Trianon am gleichen Tag besichtigen will, sollte dies zuerst tun und sich erst dann den √ľbrigen Brunnen widmen.‚Äú

‚Äď Ludwig XIV., Rundgang durch die G√§rten von Versailles[44]

Die Wasserversorgung

F√ľr die Bew√§sserung der Parks musste ein System von Aqu√§dukten und Wasserleitungen entwickelt werden. In der N√§he von Marly-le-Roi wurde unter dem Einsatz Tausender Arbeitskr√§fte die Maschine von Marly errichtet. Dabei handelte es sich um eine gro√üe Pumpvorrichtung, welche die ben√∂tigten Wassermassen zum Schloss transportierte. Die den Park versorgenden Rohrsysteme hatten eine L√§nge von √ľber 160 Kilometern. Trotzdem war eine ausreichende Bew√§sserung der Brunnen und Bassins mit den damaligen technischen M√∂glichkeiten nicht gegeben, und die Font√§nen konnten nicht alle gleichzeitig betrieben werden. F√ľr die Spazierg√§nge des K√∂nigs wurden immer die Wasserspiele in Betrieb gesetzt, an denen er sich gerade aufhielt. Zum Ende der Regierungszeit des Sonnenk√∂nigs floss das Wasser h√∂chstens zwei Stunden durchgehend.[45] Zu den Glanzzeiten des Schlosses waren mehr als 1.400 verschiedene Font√§nen im Einsatz.

Die Orangerie und das Orangerieparterre, dar√ľber der S√ľdfl√ľgel des Schlosses

Die Orangerie und der Gem√ľsegarten

Unterhalb des S√ľdfl√ľgels steht die von Mansart erbaute Orangerie, die einen kleineren Vorg√§ngerbau von Le Vau abl√∂ste. Das m√§chtige Geb√§ude ist in den Hang integriert ‚Äď links und rechts f√ľhren die Treppen der Hundert Stufen herab ‚Äď und tr√§gt einen Teil des gro√üen Parterres vor dem S√ľdfl√ľgel des Schlosses. Die mittlere Galerie ist 155 Meter lang. Die Orangerie mit ihren riesigen Bogenfenstern ist vollst√§ndig aus Haustein errichtet und gilt als ein hervorragendes Beispiel franz√∂sischer Steinmetzkunst. Vor dem Bau liegt ein weiteres Parterre, das im Sommer mit hunderten Orangenb√§umchen geschm√ľckt wird, die den Winter innerhalb des Gew√§chshauses verbringen. Jenseits dieses Gartenbereichs befindet sich ein gro√ües Wasserbecken, das als Schweizer See bezeichnet wird. Es erhielt diesen Namen, da es durch die im Schloss stationierte Schweizergarde ausgehoben wurde.

√Ėstlich des Schweizer Sees befindet sich der ab 1678 angelegte Potager du Roi, der Gem√ľsegarten des K√∂nigs. Dieser Nutzgarten, an dem die Touristenstr√∂me meist vorbeiziehen, wurde von Jean-Baptiste de la Quintinie angelegt und ist trotz seiner profanen Nutzung ebenfalls k√ľnstlerisch gestaltet und erinnert an die franz√∂sischen G√§rten der Renaissance. Hier wurden f√ľr den Hof Erdbeeren, Feigen, Trauben und viele weitere Obst- und Gem√ľsesorten gezogen. Quintinie experimentierte im Gem√ľsegarten mit neuen Anbaumethoden; wie zum Beispiel beheizten Gew√§chsh√§usern oder zur Sonne ausgerichtete, schr√§g angelegte Beete. Der Gem√ľsegarten wird auch heute noch bewirtschaftet. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf historische Pflanzen gelegt, die schon zur Zeit der Bourbonen kultiviert wurden. Der Garten bringt j√§hrlich eine Ernte von bis zu 80 Tonnen Obst und Gem√ľse hervor.[46]

Die Gartenfassade des Großen Trianon
Hofansicht des kleinen Trianonschlosses

Die Trianonschlösser und der Weiler

Im Park von Versailles befinden sich mehrere Lustschlösser: das Grand Trianon, das Petit Trianon, sowie das Hameau de la Reine, (deutsch: das Dorf der Königin).

Das weitl√§ufige Gartenschloss Grand Trianon stammt noch aus der Zeit Ludwigs XIV. Es war urspr√ľnglich dem K√∂nig und seiner Familie vorbehalten, doch im Laufe der Jahre wurde es auch dem weiteren Hofstaat zug√§nglich gemacht. Das benachbarte Petit Trianon ist ein Werk, das Ludwig XV. f√ľr seine M√§tresse Madame de Pompadour erbauen lie√ü. Diese starb jedoch vor der Vollendung des kleinen, klassizistischen Schl√∂sschens. Nachdem sein Nachfolger Ludwig XVI. es Marie Antoinette geschenkt hatte, wurde es durch sie prunkvoll ausgestattet und ein neuer Gartenbereich angelegt, in dem auch ein kleines Theater seinen Platz fand. Die K√∂nigin lie√ü sich hier zudem, einer damaligen Mode folgend, ein k√ľnstliches Dorf, den so genannten Weiler der K√∂nigin mit augenscheinlich windschiefen H√§usern errichten, die aber in Wirklichkeit prunkvolle Dekoration f√ľr die Sch√§ferspiele der Herrscherin waren.

All diese Geb√§ude wurden eine halbe Fu√üstunde entfernt vom Hauptschloss errichtet, um den K√∂nigen Entspannung und Erholung abseits des √ľberf√ľllten Palastes zu bieten. Versailles war zudem in ein ganzes Netzwerk von kleineren Schl√∂ssern eingebunden. Noch im Ort selbst befand sich das Schloss von Clagny, welches Madame Montespan gewidmet war (und bereits 1769 der Spitzhacke zum Opfer fiel), und nur eine halbe Wegstunde zu Pferde entfernt befand sich das Schloss von Marly, das mit seinen G√§rten und Wasserspielen zu den ber√ľhmtesten Lustschl√∂ssern des ausgehenden 17. Jahrhunderts geh√∂rte. Ebenfalls in Reichweite lagen die k√∂niglichen Residenzen Saint-Germain-en-Laye und Saint-Cloud.

Die Stadt

Vor dem Schloss entwickelte sich allm√§hlich die Stadt Versailles, welche urspr√ľnglich ein unbedeutender Marktflecken war. Die Stadtrechte erhielt der Ort, der v√∂llig vom Schloss abh√§ngig war, erst 1787. Die Ansiedlung wurde gro√üfl√§chig auf das Schloss ausgerichtet und in den Gesamtplan integriert. Lange Alleen f√ľhren noch heute durch die geometrisch angelegten Stadtviertel und treffen unmittelbar vor dem Schloss zusammen. Ludwig XIV. unterst√ľtzte Bauvorhaben nach besten Kr√§ften und schuf damit das sp√§ter h√§ufig nachgeahmte Paradebeispiel einer barocken Residenzstadt. Der mehr als 15.000 Personen[15] umfassende Hofstaat unterhielt die gesamte Wirtschaft des Ortes: K√∂che, B√§cker, Schneider, Tischler und Zimmerer siedelten sich an, und die gro√üe Anzahl der Bediensteten lebte in der Stadt. W√§hrend dieser Zeit stieg die Bev√∂lkerung Versailles‚Äô auf mehr als 100.000 Personen, sank aber rasch, als der sp√§tere K√∂nig Ludwig XVI. 1789 gezwungenerma√üen nach Paris √ľbersiedelte.

Geschichtlicher √úberblick

17. und 18. Jahrhundert: Das Ancien Régime

Die Residenz des Sonnenkönigs und seiner Nachfolger

Das Schloss zum Ende der Regierungszeit Ludwigs XIV., Blick √ľber die H√∂fe zum Corps de Logis. Gem√§lde von Pierre-Denis Martin

Frankreich war im 17. Jahrhundert der m√§chtigste Staat Europas und unter dem Wirken des Sonnenk√∂nigs zum kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Zentrum des Kontinents geworden. Das Schloss des K√∂nigs war ein Ausdruck der Leistungsf√§higkeit Frankreichs und ein Symbol seiner Gr√∂√üe und St√§rke. Die geordnete Natur der Parkanlagen war ein Spiegelbild der Ordnung, die Ludwig XIV. dem Land brachte.

Nachdem er als Kind die Gefahr der Fronde in Paris am eigenen Leib erleben musste, konnte sich der K√∂nig nie f√ľr die franz√∂sische Hauptstadt begeistern, er liebte dagegen das kleine Jagdschloss seines Vaters. Dort konnte er einen angemessen repr√§sentativen und weitl√§ufigen neuen Palast erbauen, der zudem so im engen Paris undenkbar gewesen w√§re. Der Entschluss, den Hof 1682 aus dem Louvre und dem Tuilerienpalast hierher zu verlegen, sollte Frankreichs Geschichte f√ľr viele Jahre pr√§gen. Hier vollendete Ludwig XIV. den Regierungsstil, den man sp√§ter als Absolutismus bezeichnete. Der K√∂nig wollte weitere Aufst√§nde wie die Fronde verhindern, er schnitt die Aristokratie von ihrer alten Aufgabe der Provinzverwaltung ab und setzte Beamte daf√ľr ein, die Mitglieder des Adels wurden dagegen an den Hof geholt.[47] Eine m√∂gliche Opposition aus der Ferne gegen ihn, wie sie zum Beispiel seinem Vater widerfuhr, wurde somit erschwert. Die Angeh√∂rigen des Adels wurden politisch entmachtet und im Gegenzug mit kostbaren Geschenken und prunkvollen Festen entsch√§digt.[47] Der einst m√§chtige Hochadel Frankreichs verlie√ü bereitwillig seine Schl√∂sser in den Provinzen, nur wenige konnten es sich leisten, dauerhaft eigene Hofgesellschaften zu unterhalten. Um auf der H√∂he der Zeit zu sein und den neuesten Moden der Hofgesellschaft folgen zu k√∂nnen, verschuldeten sich die Aristokraten oder erhielten willk√ľrliche Renten vom K√∂nig.[47]

Eine Wohnung in Versailles zugewiesen zu bekommen, war ein bedeutendes Privileg, das zudem die Illusion vermittelte, im Zentrum der Macht an der Regierung beteiligt zu sein. Wer zu den Logeants, den im Schloss Wohnenden geh√∂rte, stand im Rang √ľber den Galopins, den Kutschierenden, die Abends zur√ľck in ihre Stadtwohnungen nach Paris mussten.[25] Innerhalb des Hoflebens √ľbernahm die Etikette eine bedeutende Rolle, im Prinzip unbedeutende Hof√§mter standen symbolisch f√ľr politischen Einfluss.[48] Lediglich bei Hofe konnte man Posten, Titel und √Ąmter erhalten, und wer sich vom Sonnenk√∂nig entfernte, lief Gefahr, Vorrechte und Rang zu verlieren.[49][50] Aus diesem Grund hielt sich die Aristokratie so gut wie st√§ndig um ihren K√∂nig auf und versuchte, ihm zu gefallen.[51] Das sorgte daf√ľr, dass zeitweise mehrere Tausend Menschen zugleich das Schloss bewohnten.[52]

F√ľr die franz√∂sische Gesellschaft bedeutete der Wandel des Zweiten Standes vom Land- zum Hofadel[53] auf Dauer eine schwere Belastung. Von ihren alten Pflichten und Aufgaben weitgehend entbunden, fristete die Aristokratie bald ein dekadentes Dasein. W√§hrend der Dritte Stand die Steuerlast und die Arbeit zu tragen hatte, konnte ‚Äď beziehungsweise musste ‚Äď sich der Adel dem M√ľ√üiggang hingeben. Dieser Umstand sollte √ľber hundert Jahre sp√§ter einer der Ausl√∂ser der Franz√∂sischen Revolution werden.

Nach dem Tode Ludwigs XIV. 1715 und der Regentschaft Philipp II. im Namen von Ludwig XV., der zu dieser Zeit noch ein Kind war, verlie√ü der Hof den riesigen Palast und begab sich vor√ľbergehend nach Saint-Cloud[54] und ins Palais Royal. Unter den Nachfolgern des Sonnenk√∂nigs verlor Versailles seine umfassende zentralistische Bedeutung und die Gesellschaft traf sich nun zunehmend auch wieder in den Landschl√∂ssern des Adels oder den Pariser H√ītels.[55] Dennoch residierten auch Ludwig XV. und Ludwig XVI. in Versailles, so dass das Schloss ab 1682 nur mit kurzen Unterbrechungen fast st√§ndig von der K√∂nigsfamilie bewohnt war. Obwohl √∂fter Ausfl√ľge in die vielen weiteren Schl√∂sser rund um Paris unternommen wurden, blieb Versailles immer Regierungssitz und Mittelpunkt des h√∂fischen Frankreichs.

Leben im Schloss

Höflinge vor der Schlosskapelle, Zeichnung von Jacques Rigaud, 1730

Am Ende des Ancien R√©gime umfasste der Hofstaat rund 10.000 Personen, von denen bis zu 5.000 direkt im Schloss lebten.[52][56] Die eigentlichen H√∂flinge machten davon rund 1.000 Personen aus, hinzu kamen Kammerfrauen, K√∂che, Leibwachen und andere Bedienstete. Der Palast war eine Stadt unter einem gro√üen Dach, mit Wohnungen, Arbeitsr√§umen und Vergn√ľgungsst√§tten. Auf den G√§ngen und H√∂fen lie√üen sich H√§ndler nieder.[57] Das Schloss war fast st√§ndig √ľberbelegt,[56][58] und die Aristokratie, so sie nicht zur k√∂niglichen Familie geh√∂rte, war zum Teil verarmt und hauste sogar in den engen Dachkammern der oberen Geschosse oder im benachbarten Grand Commun.[58][59] Victor Hugo bezeichnete das Schloss sp√§ter als eine einzige H√∂flingskaserne.[40] Der Palast war nicht allein dem Adel vorbehalten: Zugang hatte auch das gew√∂hnliche Volk, die Neugierigen wurden von den Bewohnern als Voyeux bezeichnet.[60] Je h√∂her der Rang des Besuchers war, desto weiter durfte er in das Innere des Schlosses gelangen.[36] Der englische Reisende Arthur Young berichtete in seiner Schrift Reise durch Frankreich in den Jahren 1787, 1788, 1789 und 1792 √ľber Versailles: ‚ÄěEs war h√∂chst belustigend, wenn Strolche in den √§rmlichsten Lumpen unbeobachtet durch den Palast [‚Ķ] spazierten.‚Äú[61] Der freie Zugang zum Schloss bedeutete jedoch nicht zugleich Kontakt mit den hier lebenden Personen. Wer als Bittsteller kam oder auf ein Amt hoffte, musste offiziell bei Hofe vorgestellt werden, wozu man √ľblicherweise die F√ľrsprache eines bereits etablierten H√∂flings ben√∂tigte. Als etabliert galt, wer √ľber eines der zahlreichen k√§uflichen Hof√§mter verf√ľgte, die, je nach Bedeutung des Amts, vom K√∂nig oder dem Haushofmeister vergeben wurden.[62]

Trotz der prunkvollen Ausstattung war Versailles ein unkomfortables Schloss.[58] Die en filade gereihten, zugigen und hohen R√§ume lie√üen sich schlecht heizen, und Madame de Maintenon beklagte, ‚Äěman ertr√§gt lieber die Zugluft durch die T√ľren [‚Ķ], man muss in Symmetrie zugrunde gehen‚Äú.[63] Im strengen Winter 1709 platzten sogar Lik√∂rflaschen durch die K√§lte.[64] Die gro√üe Spiegelgalerie besa√ü keine Kamine, und auch das zentrale Schlafzimmer Ludwigs XIV. war so kalt, dass Ludwig XV. ein privates Schlafzimmer im Nordtrakt des Corps des Logis einrichten lie√ü, das er nach der Zeremonie des Coucher zum Schlafen aufsuchte und morgens rechtzeitig zum Lever wieder verlie√ü.[65] Es gab, wie damals in ganz Europa √ľblich, im Schloss weder flie√üendes Wasser noch fest installierte Toiletten. Man verrichtete die Notdurft in Leibst√ľhle und Nachtt√∂pfe, deren Inhalte von der Dienerschaft in bis zu 29 Sickergruben in der Umgebung des Schlosses ausgeleert wurden.[66] Ludwig XVI. lie√ü sich Frankreichs erstes Wasserklosett mit Toilettensp√ľlung einbauen. Das Schloss hatte wiederholt mit Ratten- und M√§useplagen zu k√§mpfen[67] und einmal j√§hrlich begab sich der Hof nach Fontainbleau, damit der Versailler Palast in dieser Zeit von Grund auf gereinigt werden konnte.[68] Der K√∂rperpflege wurde im 17. Jahrhundert zwar noch kein √ľberm√§√üiger Stellenwert zugeschrieben,[69] doch bereits Ludwig XIV. lie√ü sich im Untergeschoss des Corps de Logis mehrere Zimmer umfassende Badegem√§cher einrichten.[14] Im Laufe des 18. Jahrhunderts fanden sich auch zunehmend Bader√§ume in den Appartements der k√∂niglichen Familienmitglieder, w√§hrend sich die √ľbrigen Schlossbewohner weiterhin mit feuchten T√ľchern und Waschsch√ľsseln behelfen mussten.[70]

Die Versorgung des Hofstaats mit Nahrungsmitteln und Getr√§nken besch√§ftigte eine Anzahl von mehreren hundert Angestellten.[71] Die Mitglieder der k√∂niglichen Familie und H√∂flinge von hohem Rang wurden als commensaux, als Tischgenossen des K√∂nigs betrachtet und aus seiner K√ľche versorgt.[72] Verschiedene H√∂flinge hatten die Verpflichtung, offene Tafeln zur Verkostung weiterer Schlossbewohner zu halten,[73] andere Hofangestellte erhielten f√ľr ihre bouche eine finanzielle Entsch√§digung, mussten sich um die Versorgung allerdings selbst k√ľmmern. Die Mahlzeiten stammten zum Teil aus den Wirtsh√§usern in der Umgebung des Schlosses,[74] zum Teil aus selbst organisierten K√ľchen, von denen sich im Laufe der Zeit immer mehr in den H√∂fen und unter den D√§chern des Schlosses einfanden.[75]

Marie Antoinette mit ihren Kindern, im Hintergrund ist die Spiegelgalerie zu erkennen. Gemälde von Mme. Le Brun

Das Leben bei Hof bedeutete Verzicht auf Privatsph√§re. Die K√∂nigsfamilie nahm selbst gew√∂hnliche Mahlzeiten vor Publikum ein[28] und auch die Niederk√ľnfte der K√∂niginnen waren innerhalb der Hofgesellschaft traditionell √∂ffentliche Ereignisse ‚Äď so sehr, dass Marie Antoinette w√§hrend der Geburt ihres ersten Kindes in Lebensgefahr geriet, als sich zu viele Menschen in ihrem Schlafzimmer aufhielten. Schon unter den Vorg√§ngern des Sonnenk√∂nigs gab es strenge Riten zur Verherrlichung der franz√∂sischen Herrscher, doch um das Schloss Versailles und Ludwig XIV. wurde eine beispiellose Abfolge von Zeremonien entwickelt.[76][77] Die Etikette regelte und beschrieb jeden Vorgang, von gro√üen Festlichkeiten und Empf√§ngen bis hin zu so allt√§glichen Dingen wie dem Mittagsmahl.[36] Auch f√ľr den Fall von Krankheit und Tod gab es vorgeschriebene Regeln, und als Ludwig XV. 1774 im Trianon an den Pocken erkrankte, wurde er eilig ins Versailler Schloss gebracht, um dort unter den Augen des Hofs zu sterben. Die Bedeutung dieses Systems kann heute nicht mehr ann√§hernd nachvollzogen werden. Dem K√∂nig widerfuhr eine nahezu g√∂ttliche Verehrung und entr√ľckte diesen, durchaus beabsichtigt, vom Volk und unterstrich seine √ľbergeordnete Stellung.[77] Dem K√∂nig zu dienen bedeutete, Frankreich zu dienen. Ihm beim Aufstehen, beim Lever behilflich zu sein, ihm einfach nur das Wasser oder das Hemd zu reichen, galt als allergr√∂√üte Ehre, die √ľber Aufstieg und Fall bei Hofe entscheiden konnte.[48][77] Ob man in der Gegenwart des K√∂nigs stehen, sitzen oder sprechen durfte und selbst durch welche T√ľr man sein Schlafzimmer betrat,[28][78] war ein f√ľr alle Anwesenden sichtbares Zeichen des eigenen Rangs.[79] Ludwig XIV. schrieb in seinen Memoiren ‚ÄěIm √ľbrigen ist es eine der hervorragendsten Wirkungen unserer Macht, einer Sache, die an sich keinen Wert hat, einen unbezahlbaren Preis zuzuordnen.‚Äú[80]

Die Etikette galt nicht nur im Umgang mit dem K√∂nig, sondern auch f√ľr jeden Herzog, jeden Prinzen, jeden H√∂fling. Das Protokoll regelte den Umgang miteinander und wies jedem Mitglied des Hofs einen f√ľr alle sichtbaren Platz innerhalb dieser Gesellschaft zu.[79] Das uralte System der h√∂fischen Etikette wurde auch unter den Nachfolgern des Sonnenk√∂nigs kaum ver√§ndert. Ein Beispiel f√ľr das streng geregelte Hofzeremoniell ist folgende Anekdote, die durch Madame Campan, die Kammerfrau der K√∂nigin √ľberliefert wurde und die Marie Antoinettes Alltag im Schloss beschrieb:

‚ÄěDas Lever der K√∂nigin vollzog sich analog dem Lever des K√∂nigs. Die Hofdame vom Dienst hatte das Recht, der K√∂nigin beim Ankleiden das Hemd zu reichen. Die Palastdame zog ihr den Unterrock und das Kleid an. Kam aber zuf√§llig eine Prinzessin der k√∂niglichen Familie dazu, so stand dieser das Recht zu, der K√∂nigin das Hemd √ľberzuwerfen. Einmal also war die K√∂nigin gerade von ihren Damen ganz ausgekleidet worden. Ihre Kammerfrau hielt das Hemd und hatte es soeben der Hofdame pr√§sentiert, als die Herzogin von Orl√©ans eintrat. Die Hofdame gab das Hemd der Kammerfrau zur√ľck, die es gerade der Herzogin √ľbergeben wollte, als die rangh√∂here Gr√§fin von Provence dazukam. Nun wanderte das Hemd wieder zu der Kammerfrau zur√ľck, und erst aus den H√§nden der Gr√§fin von Provence empfing es endlich die K√∂nigin. Sie hatte die ganze Zeit nackt, wie Gott sie geschaffen hat, dabeistehen und zusehen m√ľssen, wie die Damen sich mit ihrem Hemd √ľberkomplimentierten.‚Äú

‚Äď Madame Campan[81]

Hoffeste und andere Ereignisse

Ein Schauspiel im Marmorhof des Schlosses. Zeichnung von Jean Lepautre, 1676

Der weitgehend aufgabenlose Hofadel sollte unterhalten werden, und zum Programm von Versailles geh√∂rten zu diesem Zweck pr√§chtige B√§lle, Feste und Turniere. Der K√∂nig selbst veranstaltete regelm√§√üig Spieleabende in seinen Appartements.[82] Neben den st√§ndigen Banketten, Maskenb√§llen und Opernauff√ľhrungen gab es verschiedene mehrt√§gige Feste, die durch ihren Prunk und die Anzahl der geladenen G√§ste den Ruhm des K√∂nigs steigern sollten.

Besonders zwei Feste haben den Ruf Versailles‚Äô nachhaltig gepr√§gt: vom 7. bis 14. Mai 1664 wurde als erstes gro√ües Fest ‚ÄěDie Vergn√ľgen der verzauberten Insel‚Äú in den soeben erweiterten Parkanlagen von K√∂nig Ludwig XIV. mit rund 600 G√§sten gefeiert.[83] Das Motto des Festes, die Sage von Alcina und der Zauberinsel, war ein √ľberaus beliebtes Thema des Barocks. Es war ein Fest, zu dem Jean-Baptiste Lully eigens neue Opern komponierte und Moli√®re Theaterst√ľcke schrieb und das aufgrund seines enormen Aufwandes neidvolle Blicke von allen europ√§ischen H√∂fen auf sich zog. 1668 wurden anl√§sslich des Aachener Friedens ‚ÄěDie gro√üen Vergn√ľgungen des K√∂nigs‚Äú veranstaltet. Dieses Fest diente nicht nur den Feierlichkeiten anl√§sslich des Sieges des K√∂nigs, sondern war auch ein Geschenk an seine M√§tresse Madame Montespan. Im Rahmen der Veranstaltungen wurde ein Ballett mit mehr als 1.200 beteiligten Schauspielern, T√§nzern und Statisten aufgef√ľhrt. Die Musik stammte erneut vom Hofkomponisten Lully, das Libretto vom Hofdichter Moli√®re. Weitere bedeutende Feste fanden unter anderem mit den Hochzeiten des Dauphins am 23. Februar 1745 und am 9. Februar 1747 statt, ebenso anl√§sslich der Hochzeit des sp√§teren K√∂nigs Ludwigs XVI. mit Marie Antoinette im Mai 1770.

Ludwig XIV. empf√§ngt den Dogen von Genua im Spiegelsaal, Gem√§lde von 1685

Das Schloss von Versailles war nicht nur als St√§tte des Vergn√ľgens erdacht, sondern stand als politischer Mittelpunkt Frankreichs mehrfach im Mittelpunkt der Landesgeschichte. Bereits zur Zeit Ludwigs XIII. fand mit dem Tag der Geprellten 1630 ein Ereignis statt, das langfristigen Einfluss auf die franz√∂sische Politik haben sollte. Unter Ludwig XIV. wandelte sich der einstige Jagdsitz zur eigentlichen Hauptstadt des Reiches. Botschafter aus vielen europ√§ischen L√§ndern und sogar Delegationen aus Siam, Persien sowie Indianer aus den Franz√∂sischen Kolonien in Amerika wurden empfangen. Von der Bedeutung des Schlosses zeugen auch die verschiedenen Vertr√§ge von Versailles. 1757 ver√ľbte Robert Fran√ßois Damiens auf der sogenannten K√∂nigstreppe ein Attentat auf Ludwig XV. Zu den friedvolleren Begebenheiten z√§hlen das Gastspiel des jungen Mozart von 1763 und am 19. September 1783 der Start einer mit einem Hammel, einem Hahn und einer Ente beladene Montgolfi√®re vor den Augen des K√∂nigspaars.

Die französische Revolution

Am 5. Mai 1789 traten in der Grande Salle des Menus Plaisirs die Generalst√§nde zusammen. Damit begann die konstitutionelle Phase der Franz√∂sischen Revolution. Der K√∂nig, dem nach der Verfassung die Einberufung und Entlassung der Generalst√§nde zustand, lie√ü den Sitzungssaal aus politischen Gr√ľnden schlie√üen. Die Abgeordneten des Dritten Standes, die sich mittlerweile zur Nationalversammlung erkl√§rt hatten, zogen sich darauf in das au√üerhalb des Schlossgel√§ndes liegende Ballhaus zur√ľck. Dort leisteten sie am 20. Juni den Ballhausschwur ‚Äě‚Ķ sich niemals zu trennen, bis der Staat eine Verfassung hat ‚Ķ‚Äú

Ludwig XVI. und Marie Antoinette bewohnten das Schloss samt ihrer Familie und dem Hofstaat bis zum 5. Oktober 1789. An diesem Tag st√ľrmten die Poissarden das Schloss und zwangen den K√∂nig und seine Familie tags darauf, Versailles f√ľr immer zu verlassen und nach Paris in den Tuilerien-Palast zu ziehen. Das Schloss wurde von den Revolution√§ren in den folgenden Jahren zum Teil gepl√ľndert und stand weitgehend leer.

Projekt von Gabriel Thouin f√ľr einen Landschaftsgarten am Versailler Schlosspark

Das 19. Jahrhundert

Nach der Revolution

Nach der Revolution konnte das Schloss nur notd√ľrftig erhalten werden. Napol√©on erwog, den Palast wieder als Residenz herzurichten, doch wurden die Pl√§ne nie umgesetzt und der Kaiser der Franzosen begn√ľgte sich damit, das Grand Trianon f√ľr Wohnzwecke umzugestalten. Seit der Regierung Ludwig Philipps dagegen wurden die R√§ume des Schlosses wiederhergestellt, sowie ein historisches Nationalmuseum eingerichtet und mit B√ľsten, Portr√§ts, Schlachtenbildern und anderen Kunstwerken von vorwiegend historischem Wert ausgeschm√ľckt (darunter Meisterwerke von Horace Vernet, Eug√®ne Delacroix, Ary Scheffer, Adolphe Yvon, James Pradier).[84] In dieser Epoche wurden gro√üe Ver√§nderungen im Nord- und S√ľdfl√ľgel vorgenommen, Museumsr√§ume in den ehemaligen Appartements eingerichtet und der gro√üe Schlachtensaal und die sogenannten Kreuzfahrer- und die Afrikas√§le installiert. In diesen historistischen Museumsr√§umen wurden die franz√∂sische und die europ√§ische Geschichte thematisiert.

Der Gartenarchitekt Gabriel Thouin pr√§sentierte 1820 in seinem Werk Plans raisonn√©s de toutes le esp√®ces de jardins einen Vorschlag zur teilweisen Umgestaltung und Einbettung des (im Kernbereich geometrisch belassenen) Schlossparks in einen noch gr√∂√üeren Landschaftsgarten, der jedoch nicht umgesetzt wurde. Der deutsche Gartenarchitekt Peter Joseph Lenn√© wurde bei seinen Entw√ľrfen durch den Plan Thouins beeinflusst.

Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts

Proklamation des Deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal des Schlosses Versailles am 18. Januar 1871, Gemälde von Anton von Werner.

Das Schloss hatte eine gro√üe Bedeutung in der deutsch-franz√∂sischen Geschichte. Vom 5. Oktober 1870 bis 13. M√§rz 1871 war Versailles Sitz des gro√üen Hauptquartiers der deutschen Armeen. Nach dem deutschen Sieg √ľber Frankreich im Deutsch-Franz√∂sischen Krieg von 1870/1871 wurde am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses K√∂nig Wilhelm I. von Preu√üen zum deutschen Kaiser Wilhelm I. proklamiert. Dieser Ort sei von Wilhelm I. bewusst ausgew√§hlt worden, da zahlreiche Deckengem√§lde aus der Zeit des Absolutismus von Annexionen deutscher L√§ndereien unter Ludwig XIV. zeugten, also als symbolische Wiedervereinigung deutscher L√§nder unter Kaiser Wilhelm I. Die besiegten Franzosen hingegen sahen darin jedoch nur eine Dem√ľtigung ihres K√∂nigtums. Die Friedenspr√§liminarien wurden am 26. Februar 1871 in Versailles unterzeichnet. Am 10. M√§rz 1871 verlegte die Nationalversammlung den Regierungssitz von Bordeaux nach Versailles; erst 1879 wurde er wieder nach Paris verlegt.

Seit der Dritten Republik trat der Kongress des Parlaments in Versailles zusammen. F√ľr diesen Zweck wurde ein Kongresssaal in den mittleren Lichthof des S√ľdfl√ľgels eingebaut. Von 1879 bis 1953 wurden hier die Pr√§sidenten der Republik gemeinsam von Abgeordneten und Senatoren gew√§hlt. Auch heute tritt der Kongress bei Verfassungs√§nderungen zur Unterstreichung deren Bedeutsamkeit hier zusammen, das Schloss selbst dient oft als Ort von Staatsempf√§ngen.

Das 20. Jahrhundert und die Gegenwart

Vom Versailler Vertrag zur Nachkriegszeit

Die Unterzeichnung des Vertrags von Versailles am 28. Juni 1919, Gemälde von William Orpen

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Waffenstillstandsvertrag, den das unterlegene deutsche Kaiserreich unterschreiben musste, im Versailler Schloss verhandelt; die Franzosen w√§hlten den Ort als Revanche f√ľr die Kaiserproklamation von 1871. Im Grand Trianon wurde der Vertrag von Trianon ausgehandelt. Die Bedingungen des Versailler Vertrages, die Deutschland eine Alleinschuld am Krieg anlasteten, werden als eine der Ursachen f√ľr den politischen Aufstieg der Nationalsozialisten betrachtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Versailles und sein Schloss eine St√§tte der deutsch-franz√∂sischen Auss√∂hnung. Davon zeugten auch die Feierlichkeiten anl√§sslich der 40. Wiederkehr der Unterzeichnung des √Člys√©e-Vertrages vom 22. Januar 1963 (2003) in der Schlachtengalerie.

Am 26. Juni 1978 ver√ľbten bretonische Separatisten einen Sprengstoffanschlag auf das Schloss, das ihrer Meinung nach als Symbol f√ľr den franz√∂sischen Zentralismus stand. Nach 2:00 Uhr nachts explodierte ein Sprengsatz, der die Einrichtung in drei S√§len vollst√§ndig zerst√∂rte und in sieben anderen schwere Verw√ľstungen anrichtete. Der entstandene Sachschaden wurde auf f√ľnf Millionen Francs gesch√§tzt.[85] 1979 erfolgte die Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. 1982 diente das Schloss als Kulisse f√ľr den Weltwirtschaftsgipfel der G7.

Das Schloss heute

Das Schloss mit seinen Gartenanlagen, Museen und Parkschl√∂ssern ist f√ľr Besucher ge√∂ffnet und zugleich das meistbesuchte Schloss Frankreichs, es z√§hlt damit zu den gr√∂√üten Touristenmagneten des Landes. Rund um den Palast, seine Pflege und Verwaltung sind um die 800 Personen besch√§ftigt.[86] Versailles samt seiner Museen wird von einer staatlichen Betreibergesellschaft gef√ľhrt. Von 2002 bis 2007 war die sp√§tere franz√∂sische Kulturministerin Christine Albanel Gesch√§ftsf√ľhrerin des √Čtablissement public de Versailles, ihre Amtszeit stand in der Kritik, da Albanel keine kunstwissenschaftliche Erfahrung besa√ü und ihr zeitweise ein Ausverkauf des franz√∂sischen Nationaldenkmals vorgeworfen wurde.[87] Gegenw√§rtiger Gesch√§ftsf√ľhrer ist Jean-Jacques Aillagon.

F√ľr die Besichtigung der verschiedenen Museen, der Sonderausstellungen und der Gartenanlagen wird ein Eintrittsgeld verlangt. Aufgrund der weltweiten Bekanntheit von Versailles geh√∂rt das Schloss f√ľr viele Frankreich- und Paristouristen zum Pflichtprogramm, j√§hrlich werden durchschnittlich drei Millionen Besucher gez√§hlt.[88] G√§ste m√ľssen unter Umst√§nden mit langen Warteschlangen an den Kassen, besonders im Sommer und an den Wochenenden, rechnen.

In der Schlossanlage und den G√§rten finden gegenw√§rtig umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt, die voraussichtlich bis 2017 andauern werden. F√ľr das Projekt stellte die Regierung unter Jacques Chirac 2003 rund 390 Millionen Euro zur Verf√ľgung.[89] In einem ersten Abschnitt wurde der restaurierte Spiegelsaal im Juni 2007 fertiggestellt und der √Ėffentlichkeit √ľbergeben.[90]

Personen

Das Schloss Versailles war der Geburtsort folgender Persönlichkeiten:

Außerdem starben hier unter anderem:

Versailles als Vorbild

Viele Schl√∂sser und Residenzen des 17. und 18. Jahrhunderts hatten das Schloss, den Park und die Stadt Versailles als Vorbild. Dabei wurde oft ‚Äď aber nicht immer ‚Äď die Architektur, besonders aber die Lebensart der franz√∂sischen K√∂nige und das Konzentrieren des Hofstaats an einem Ort zu imitieren versucht. Vielerorts wurde das Vorbild in neuer Formensprache interpretiert und neue gro√üe Kunstwerke geschaffen. Beispiele sind unter anderem:

Eine Besonderheit stellt das Neue Schloss Herrenchiemsee dar. Es kopiert weitgehend exakt die Mittelpartie der Gartenfront von Versailles, mit der Gesandtentreppe, des Grand Appartements und der Spiegelgalerie im Inneren. Herrenchiemsee wurde nicht als absolutistische Residenz geplant, sondern im 19. Jahrhundert durch Ludwig II. von Bayern als Hommage an sein Vorbild Ludwig XIV. errichtet. Im Gegensatz zu den oben genannten Beispielen sollte dieses Schloss nicht als politischer Mittelpunkt eines K√∂nigreiches, sondern als privates Refugium dienen.

Literatur

  • Peter Burke: Ludwig XIV. Die Inszenierung des Sonnenk√∂nigs. Wagenbach, Berlin 2005, ISBN 3-8031-2412-3.
  • Philippe de Courcillon, Marquis de Dangeau: Journal d‚Äôun courtisan √† la cour du Roi Soleil, tome 1: 1684-1685. Neuauflage Pal√©o Editions. Clermont-Ferrand 2002
  • Dirk van der Cruysse: Madame sein ist ein ellendes Handwerck. Eine deutsche Prinzessin am Hof des Sonnenk√∂nigs. Piper, M√ľnchen 2003, ISBN 3-492-22141-6.
  • Thomas H√∂pel: Das Modell Versailles, in: Europ√§ische Geschichte Online, hrsg. vom Institut f√ľr Europ√§ische Geschichte (Mainz), 2011, Zugriff am: 3.11.2011.
  • Katharina Krause: Die Maisons de plaisance. Landh√§user in der √éle-de-France (1660‚Äď1730). Deutscher Kunstverlag, M√ľnchen 1996, ISBN 3-422-06175-4. (zugl. Habilitation, Universit√§t Freiburg/B. 1996; hier werden die Herleitung von Versailles aus der √§lteren Bauaufgabe des Landschlosses ‚Äď Villa, Jagdschloss ‚Äď und die grunds√§tzlichen Neuerungen, die dann mit der st√§ndigen Verlegung der Residenz verbunden waren, deutlich.)
  • Katharina Krause: Wie beschreibt man Architektur? Das Fr√§ulein von Scudery spaziert durch Versailles. Verlag Rombach, Freiburg/B. 2002, ISBN 3-7930-9322-0.
  • Pierre-Andr√© Lablaude: Die G√§rten von Versailles. Werner, Worms 1995, ISBN 3-88462-117-3.
  • Nicolas Milovanovic: Les grands appartements de Versailles sous Louis XIV. Catalogue des d√©cors peints. R√©union des Mus√©es Nationaux, Paris 2005, ISBN 2-7118-4963-5.
  • Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, ISBN 3-89508-424-7
  • William Ritchey Newton: Hinter den Fassaden von Versailles, aus dem Franz√∂sischen von Lis K√ľnzli. Propyl√§en, Berlin 2010, ISBN 978-3-549-07362-9
  • Guy Walton: Louis XIV's Versailles. Viking Books, London 1986, ISBN 0-670-80194-1.
  • Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Verlag Stiebner, 2001, ISBN 3-8307-0172-1.

Weblinks

 Commons: Schloss Versailles ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ a b Rolf Tomann (Hrsg.): Die Kunst des Barock. K√∂nemann, Seite 133.
  2. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 24
  3. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 22
  4. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 8
  5. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 86
  6. ‚ÜĎ Simone Hoog, Daniel Meyer: Versailles ‚Äď Der gro√üe Kunstf√ľhrer. Edition Art Lys, 1995, S. 9
  7. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 25
  8. ‚ÜĎ a b Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 45.
  9. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 88
  10. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 92
  11. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 93
  12. ‚ÜĎ Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 50.
  13. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 98
  14. ‚ÜĎ a b c Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 165.
  15. ‚ÜĎ a b c Bernd-R√ľdiger Schwesig: Ludwig XIV.. Rowohlt Verlag, 2005, S. 76
  16. ‚ÜĎ Vgl. Philippe de Courcillon, Marquis de Dangeau: Journal d‚Äôun courtisan √† la cour du Roi Soleil"
  17. ‚ÜĎ Nikolaus Pevsner, Hugh Honour, John Fleming: Lexikon der Weltarchitektur. Prestel, 1992, ISBN 3-7913-2095-5, Seite 265.
  18. ‚ÜĎ chateauversailles.fr Baugeschichte des Schlosses
  19. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 94
  20. ‚ÜĎ a b Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 60.
  21. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 107
  22. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles S. 84, 85.
  23. ‚ÜĎ Rolf Tomann (Hrsg.) Klassizismus und Romantik. K√∂nemann 2000, S. 84 f.
  24. ‚ÜĎ Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 53.
  25. ‚ÜĎ a b Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 54.
  26. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles S. 68.
  27. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 230
  28. ‚ÜĎ a b c Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 138.
  29. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 283
  30. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 284
  31. ‚ÜĎ Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 93.
  32. ‚ÜĎ Hermann Boekhoff (Hrsg.): Pal√§ste, Schl√∂sser, Residenzen ‚Äď Zentren europ√§ischer Geschichte. Karl M√ľller Verlag Erlangen, 1993. S. 95 f.
  33. ‚ÜĎ Daniel Meyer: Versailles ‚Äď Wegweiser Edition Art Lys, 1995, S. 45
  34. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. S. 101
  35. ‚ÜĎ Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 105.
  36. ‚ÜĎ a b c Rolf Tomann (Hrsg.): Die Kunst des Barock. K√∂nemann, Seite 138.
  37. ‚ÜĎ a b Bernd-R√ľdiger Schwesig: Ludwig XIV. S. 77
  38. ‚ÜĎ Daniel Meyer: Versailles ‚Äď Wegweiser. S. 28
  39. ‚ÜĎ a b c Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles S. 60, 61
  40. ‚ÜĎ a b Hermann Boekhoff (Hrsg.) Pal√§ste, Schl√∂sser, Residenzen ‚Äď Zentren europ√§ischer Geschichte S. 92 f.
  41. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 151
  42. ‚ÜĎ a b Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 202.
  43. ‚ÜĎ a b Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 220.
  44. ‚ÜĎ Simone Hoog, Daniel Meyer: Versailles ‚Äď Der gro√üe Kunstf√ľhrer. S. 126
  45. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 32, 33
  46. ‚ÜĎ WDR Servicezeit vom 27. Juni 2005
  47. ‚ÜĎ a b c Bernd-R√ľdiger Schwesig: Ludwig XIV. Rowohlt Verlag, 2005, S. 81
  48. ‚ÜĎ a b Norbert Elias: Die h√∂fische Gesellschaft. Suhrkamp, 2002, S. 146
  49. ‚ÜĎ Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 126.
  50. ‚ÜĎ Bernd-R√ľdiger Schwesig: Ludwig XIV. Rowohlt Verlag, 2005, S. 80
  51. ‚ÜĎ Norbert Elias: Die h√∂fische Gesellschaft. Suhrkamp 2002, S. 1135
  52. ‚ÜĎ a b Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 68
  53. ‚ÜĎ Norbert Elias: Die h√∂fische Gesellschaft. Suhrkamp 2002, S. 137
  54. ‚ÜĎ Hermann Boekhoff (Hrsg.) Pal√§ste, Schl√∂sser, Residenzen ‚Äď Zentren europ√§ischer Geschichte S. 100 f.
  55. ‚ÜĎ Norbert Elias: Die h√∂fische Gesellschaft. Suhrkamp, 2002, S. 136
  56. ‚ÜĎ a b Norbert Elias: Die h√∂fische Gesellschaft. Suhrkamp, 2002, S. 139
  57. ‚ÜĎ Vincent Cronin Ludwig XVI. und Marie Antoinette. List Verlag, 2005. S. 17
  58. ‚ÜĎ a b c Bernd-R√ľdiger Schwesig: Ludwig XIV. Rowohlt Verlag, 2005, S. 83
  59. ‚ÜĎ William Ritchey Newton: Hinter den Fassaden von Versailles. Propyl√§en 2008, S. 15
  60. ‚ÜĎ Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 141. Verlag Stiebner, 2001. ISBN 3-8307-0172-1
  61. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 71
  62. ‚ÜĎ Chateau Versailles: The courtiers Homepage des Schlosses (englisch)
  63. ‚ÜĎ Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 105. Verlag Stiebner, 2001. ISBN 3-8307-0172-1
  64. ‚ÜĎ Dirk Van der Cruysee: Madame sein ist ein ellendes Handwerck. Lieselotte von der Pfalz ‚Äď eine deutsche Prinzessin am Hof des Sonnenk√∂nigs. Piper, 1995. S. 496
  65. ‚ÜĎ Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 145.
  66. ‚ÜĎ William Ritchey Newton: Hinter den Fassaden von Versailles. Propyl√§en 2008, S. 91
  67. ‚ÜĎ William Ritchey Newton: Hinter den Fassaden von Versailles. Propyl√§en 2008, S. 178‚Äď182
  68. ‚ÜĎ William Ritchey Newton: Hinter den Fassaden von Versailles. Propyl√§en 2008, S. 163
  69. ‚ÜĎ William Ritchey Newton: Hinter den Fassaden von Versailles. Propyl√§en 2008, S. 77
  70. ‚ÜĎ William Ritchey Newton: Hinter den Fassaden von Versailles. Propyl√§en 2008, S. 81, 82
  71. ‚ÜĎ William Ritchey Newton: Hinter den Fassaden von Versailles. Propyl√§en 2008, S. 46
  72. ‚ÜĎ William Ritchey Newton: Hinter den Fassaden von Versailles. Propyl√§en 2008, S. 40
  73. ‚ÜĎ William Ritchey Newton: Hinter den Fassaden von Versailles. Propyl√§en 2008, S. 55
  74. ‚ÜĎ William Ritchey Newton: Hinter den Fassaden von Versailles. Propyl√§en 2008, S. 48
  75. ‚ÜĎ William Ritchey Newton: Hinter den Fassaden von Versailles. Propyl√§en 2008, S. 54
  76. ‚ÜĎ Norbert Elias: Die h√∂fische Gesellschaft. Suhrkamp, 2002, S. 153
  77. ‚ÜĎ a b c Bernd-R√ľdiger Schwesig: Ludwig XIV. Rowohlt Verlag, 2005, S. 82
  78. ‚ÜĎ Norbert Elias: Die h√∂fische Gesellschaft. Suhrkamp, 2002, S. 142
  79. ‚ÜĎ a b Norbert Elias: Die h√∂fische Gesellschaft. Suhrkamp, 2002, S. 147
  80. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles. K√∂nemann, K√∂ln 1996, S. 64
  81. ‚ÜĎ Norbert Elias: Die h√∂fische Gesellschaft. Suhrkamp, 2002, S. 148 f.
  82. ‚ÜĎ Jean M. P√©rouse de Montclos, Robert Polidori: Versailles S. 71 ff.
  83. ‚ÜĎ Bernd-R√ľdiger Schwesig: Ludwig XIV. S. 44
  84. ‚ÜĎ Nicholas d‚ÄôArchimbaud: Versailles. Seite 252.
  85. ‚ÜĎ Eine neuere Terrorwelle? In: Die Zeit, Nr. 27/1978
  86. ‚ÜĎ Homepage des Schlosses, √úbersicht der Mitarbeiter
  87. ‚ÜĎ Artikel auf Welt.de vom 22. August 2007, abgerufen am 1. Dezember 2010
  88. ‚ÜĎ Artikel in: Hamburger Abendblatt, 23. Dezember 2003
  89. ‚ÜĎ Artikel auf abendblatt.de vom 23. Dezember 2003, abgerufen am 1. Dezember 2003
  90. ‚ÜĎ Meldung der FAZ, 25. Juni 2007

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