Schwabstedt

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schwabstedt
Schwabstedt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schwabstedt hervorgehoben
54.3958333333339.187222222222212
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Nordsee-Treene
Höhe: 12 m ü. NN
Fläche: 19,64 km²
Einwohner:

1.328 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 68 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25876
Vorwahl: 04884
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 116
Adresse der Amtsverwaltung: Schulweg 19
25866 Mildstedt
Webpräsenz: www.amt-nordsee-treene.de
Bürgermeister: Hans-Hermann Salzwedel (CDU)
Lage der Gemeinde Schwabstedt im Kreis Nordfriesland
Karte

Schwabstedt (dänisch: Svavsted, friesisch: Swåbstääist) ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein.

Inhaltsverzeichnis

Geografie und Verkehr

Schwabstedt ist ein Luftkurort und liegt etwa zwölf Kilometer südöstlich von Husum und sechs Kilometer nordöstlich von Friedrichstadt am Unterlauf der Treene. Etwa fünf Kilometer südlich verläuft die Bundesstraße 202 von St. Peter-Ording über Friedrichstadt nach Rendsburg.

Neben dem Ort Schwabstedt gehören auch die Ortschaften Hollbüllhuus, Lehmsiek und Schwabstedter Westerkoog zum Gemeinde. Lehmsiek liegt auf einer Anhöhe zwischen Schwabstedt und Winnert und grenzt an den Lehmsieker Wald und an das 631 Hektar große Naturschutzgebiet Wildes Moor bei Schwabstedt. Dort stand um die vorletzte Jahrhundertwende ein kleiner Vergnügungspavillon, das Lusthaus.

Geschichte

Die frühesten Spuren menschlicher Aktivität auf dem Gemeindegebiet sind mehr als 6000 Jahre alt. Es handelt sich hierbei um ein Kernbeil des Mesolithikums (ca. 10.000-4300 v.&nsbp;Chr.). Ein Messer aus Hirschgeweih soll sogar mehr als 10.000 Jahre alt sein.

Aus der Jungsteinzeit (ca. 4300-2300 v. Chr.), als die Menschen von Ackerbau und Viehhaltung lebten, haben sich ein Dolmen und zahlreiche Steinbeile, Meißel, Dolche und andere Geräte aus Flint erhalten. Bei Erdarbeiten wurden 1950 Reste einer vorzeitlichen Schmiede gefunden. Außerdem können mehrere Grabhügel in diese Epoche datiert werden, in denen sich Grabkammern aus Stein erhalten haben. Andere Hügel stammen dagegen aus der frühen Bronzezeit (ca. 2300-1700/1600 v. Chr.), wie entsprechende Grabbeigaben (Bronzemesser und Dolche) nahelegen. Der größte der vorgeschichtlichen Hügel ist der "Glockenberg" (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Hügel beim Kirchspielsort Hude), auf dem heute der Glockenturm der Schwabstedter St. Jacobi-Kirche steht. Im Dorf hält sich die Sage, dass dort ein Kriegerfürst mit seinem Pferd begraben wurde. Da der Hügel bisher nicht geöffnet wurde, steht aber nicht fest, ob es tatsächlich ein Grabhügel oder ein vorchristlicher Kultplatz war.
Dafür, dass in den Jahrhunderten um Christi Geburt Siedlungen in Schwabstedt bestanden, sprechen unter anderem Gefäßreste, die der eisenzeitlichen Jastorf-Kultur zugerechnet werden können. In einem Brunnen aus Heideplaggen wurden außerdem römische Glasscherben des 3. und 4. Jahrhunderts nach Christus gefunden.

Schwabstedt um 1895

Vielleicht existierte schon zu Wikingerzeit (ca. 800-1100 n. Chr.) in Schwabstedt ein Handelsplatz. Damals verlief ein wichtiger Handelsweg von der Nordsee über Eider und Treene nach Hollingstedt, von dort über Land bis Haithabu und auf der Schlei weiter in die Ostsee. Der bekannte Seeräuber Klaus Störtebeker soll hier einen Unterschlupf gehabt und eine riesige goldene Kette vergraben haben.

Wahrscheinlich bildete die Treene bei Schwabstedt (südjütisch: Svåbste) noch bis ins 12. Jahrhundert eine Sprachgrenze zwischen dem Dänischen und Niederdeutschen, ehe sich diese weiter nach Norden auf die Höhe Husum-Schleswig verschob.

1268 musste der Schleswiger Bischof seine Burg Gottorf an der Schlei an die Herzöge von Schleswig abtreten und erhielt im Gegenzug den herzöglichen Anteil der Südergoesharde. Mit diesem "Andel" war wahrscheinlich die Gegend um Schwabstedt gemeint, das seitdem bischöfliche Residenz war. 1318 wird der befestigte Bischofssitz erstmals mit dem Namen "Schwabstedt" bezeichnet. Die Bischöfe bauten das Schloss und auch den dabei liegenden Ort aus. Mittelalterliche Siegel deuten darauf hin, dass Schwabstedt sogar Stadtrechte besaß. Eine entsprechende Urkunde ist aber nicht überliefert.

Nach der Reformation im 16. Jahrhundert wurde aus dem bischöflichen Besitzungen das landesherrliche Amt Schwabstedt, dessen Amtmann im Schwabstedter Schloss residierte. 1702 wurde das Amt allerdings mit dem Amt Husum zusammengelegt, das als Folge des Nordischen Krieges 1720 an den Dänischen Gesamtstaat fiel. Das mittlerweile verfallene Schloss wurde kurze Zeit später abgerissen. Mit einem Teil der Ziegelsteine wurde die Straße nach Seeth gepflastert. Ein weiterer Teil wurde am südlichen Ende der Westerstraße an dem Gebäude verbaut, in dem sich zuletzt die Filiale der Bundespost befand. Die früher sichtbaren Steine sind heute hinter einer Verkleidung verschwunden.

Das Dorf machte zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Reisende einen offenbar wenig einladenden Eindruck. So schrieb I. A. Petersen in seinen Wanderungen&hellip (siehe Literaturverzeichnis) „… sein zerrüttetes und nunmehr Rache übendes Steinpflaster veranlaßt die Variationen in unserer Fortbewegung. Uns glücklich schätzend, daß wir nicht zu Wagen anlangen, da sonst höchst wahrscheinlich die Equipage dem Rademacher und dem Schmiede, wir einem Chirurgen in die Hände gefallen, schließen wir, daß dergleichen Leute wohl Schwabstedts Vorstand ausmachen…“" Die Kirche befand sich nach seinen Eindrücken in einem schlechten Zustand: „… Jene hat eine flache, blau gemalte Bretterdecke, von welcher ein Kronleuchter herabhängt, auf den das Sprüchwort ‚Es ist nicht Alles Gold, was glänzt‘ nicht paßt; wir halten ihn für messingen, doch kann er gern aus Glas sein, denn Schmutz und Staub hüllen ihn ein…“

Nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen wurde aus dem Gebiet des Kirchspiels Schwabstedt eine Kirchspielslandgemeinde gebildet. Sie umfasste die acht Dorfschaften Fresendelf, Hollbüllhuus, Hude, Ramstedt, Schwabstedt, Schwabstedter Westerkoog, Süderhöft und Wisch. Nach Auflösung der Gutsbezirke wurde ein Teil des Forstgutsbezirks Gottorf (Lehmsiek) in die Dorfschaft Schwabstedt eingegliedert. 1934 wurden die Kirchspielslandgemeinden aufgelöst und die Dorfschaften bildeten eigenständige Landgemeinden. Das Gebiet der Kirchspielslandgemeinde bildet auch heute noch die Kirchengemeinde Schwabstedt.

Die Gemeinde Schwabstedter Westerkoog wurde 1975, die Gemeinde Hollbüllhuus 1976 eingemeindet.

Politik

Von den 14 Sitzen in der Gemeindevertretung hat die CDU seit der Kommunalwahl 2008 sieben Sitze, die SPD drei und die FDP und die Wählergemeinschaft WGS haben je zwei Sitze.

Wappen

Blasonierung: „Über blauen Wellen, die mit drei goldenen Seeblättern in der Stellung 2 : 1 belegt sind, in Gold zwischen zwei auf roten Dückdalben befindlichen, abgewendeten roten Schlüsseln, in deren Bart ein Kreuz bzw. eine brennende Kerze eingeschnitten ist, ein roter Turm mit offenem Tor, Zinnenplattform und zwei kreisrunden Fenstern.“[2]

Die Gemeinde führt ihr historisches Siegel im Wappen, dessen Inhalt auf die mittelalterliche Geschichte des Ortes bezogen ist. Die Burg erinnert an den Sitz der Schleswiger Bischöfe seit 1268. Die zu beiden Seiten der Burg befindlichen Schlüssel sind die Attribute des heiligen Petrus, des Schutzpatrons des Schleswiger Bistums. Auf die geistlichen Wurzeln bezieht sich wohl auch die besondere Gestaltung der Schlüsselbärte als Kerze und Kreuz. Bei den „Dückdalben“ dürfte es sich eher um Teile einer Zinnenmauer als Zeichen der städtischen Rechtsstellung handeln. Die Seerosen im heutigen Gemeindewappen wurden dem überkommenen Siegelbild bei der Genehmigung 1963 hinzugefügt, um den Unterschied zum älteren Amtswappen mit demselben Bildinhalt deutlich zu machen.

Wirtschaft

Neben Landwirtschaft, Dienstleistung, Bauunternehmen spielt Tourismus (Luftkurort) eine wichtige Rolle.

Sehenswürdigkeiten

St. Jakobi

In der Liste der Kulturdenkmale in Schwabstedt stehen die in der Denkmalliste des Landes Schlewig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Die Schwabstedter St.-Jakobi-Kirche ist eine um 1160 erbaute romanische Feldsteinkirche mit einem gotischen Vorhaus. Zum Interieur gehört ein aus der 1807 abgebrochenen ersten Husumer Marienkirche für 96 Mark gekaufter[3] dreiteiliger spätgotischer Schreinaltar von 1505, den Theodor Storm in seiner Novelle Aquis submersus beschreibt,[4] eine Spätrenaissance-Taufe (um 1605), eine Kanzel, die um 1606 vom Schleswiger Bischof Herzog Ulrich, einem Bruder von König Christian IV. von Dänemark, gestiftet wurde, ein Triumphkreuz und ein spätgotisches Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert. Nördlich der Kirche steht, vermutlich auf einem alten Hügelgrab, ein Glockenturm, der 1777 renoviert wurde.

Weiterhin sind sehenswert: Haus J. Carstens (1789); zwei Granit-Grenzsteine mit Wappen von 1619/1624 (Schwabstedter Wappenzeichen). Der Heimatforscher Dr. med. Hans Meyer gründete in den 1960er Jahren ein kleines Museum, das sich im Treenehaus befindet und heute von seinem Sohn geleitet wird.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Literatur

  • Theodor Meyer: Schwabstedt - einst und jetzt. Ein Führer für Einheimische und Fremde. 1912, Selbstverlag
  • Hans Meyer: Schwabstedt - 5000 Jahre Schwabstedter Geschichte. 1. Auflage 1968; 2. Auflage 1986; 3. Auflage 1999, ISBN 3-924964-19-X
  • I. A. Petersen: Wanderungen durch die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg 1839-1847 (S. 257-270)

Weblinks

 Commons: Schwabstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Statistikamt Nord: Bevölkerung in Schleswig-Holstein am 31. Dezember 2010 nach Kreisen, Ämtern, amtsfreien Gemeinden und Städten (PDF-Datei; 500 kB) (Hilfe dazu)
  2. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  3. Meyer, Hans: Schwabstedt 5000 Jahre Schwabstedter Geschichte, Schwabstedt 1968
  4. Kirchenführer (abgerufen 30. Mai 2010)

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