Schwangerschaft

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Schwangerschaft
Hochschwangere Frau
Entwicklungsstadien des Kindes während der Schwangerschaft
Eine Frau im achten Monat der Schwangerschaft
Anatomisches Modell der Schwangerschaft im neunten Monat

Die Schwangerschaft (medizinisch Gestation oder Gravidit√§t, von lateinisch gravitas, ‚ÄěSchwere‚Äú) bezeichnet den Zeitraum, in dem eine befruchtete Eizelle im K√∂rper einer werdenden Mutter zu einem Kind heranreift. Die Schwangerschaft dauert von der Befruchtung bis zur Geburt durchschnittlich 267 Tage. Das heranreifende Kind wird √ľblicherweise bis zur Ausbildung der inneren Organe ab der neunten Schwangerschaftswoche als Embryo, danach als Fetus (auch: F√∂tus) bezeichnet.

Von Schwangerschaft spricht man nur beim Menschen; bei anderen Säugetieren wird der entsprechende Zustand Trächtigkeit genannt.

Inhaltsverzeichnis

Wortherkunft und -gebrauch

Das Wort ‚Äěschwanger‚Äú (mittelhochdeutsch swanger) kommt vom althochdeutschen swangar (von westgermanisch swangra-), welches seit dem 8. Jahrhundert nach Christus nachweisbar ist und ‚Äěschwerf√§llig‚Äú oder ‚Äěschwer‚Äú bedeutet.[1] Abgeleitet davon ist das ‚ÄěSchw√§ngern‚Äú durch einen Mann. Das Wort wird auch in √ľbertragenem Sinn gebraucht (z. B.: mit gro√üen Pl√§nen schwanger gehen).

In der Medizin werden Ereignisse, die w√§hrend der Schwangerschaft eintreten, als pr√§natal bezeichnet; Ereignisse w√§hrend der Geburt als perinatal und nach der Geburt als postnatal (alle Ausdr√ľcke aus dem Lateinischen und Griechischen).

Bei anderen lebendgebärenden Säugetieren (Eutheria) spricht man von Trächtigkeit.

Redensartlich gibt es zahlreiche Umschreibungen f√ľr Schwangerschaft, wie etwa ein Kind unter dem Herzen tragen (gehobene Sprache), ein Kind erwarten (standardsprachlich), einen Braten in der R√∂hre haben (derb) oder sehr verbreitet auch in anderen Umst√§nden sein.

Feststellung der Schwangerschaft

Positiver Schwangerschaftstest

Der Beginn der Schwangerschaft kann auf verschiedene Art und Weise festgestellt werden. In der Abgrenzung zu Scheinschwangerschaften unterscheidet man zwischen unsicheren, wahrscheinlichen und sicheren Schwangerschaftszeichen. Das Ausbleiben der Monatsblutung, morgendliches Erbrechen und √úbelkeit sind unsichere Schwangerschaftszeichen. Ein Schwangerschaftstest √ľber die Messung der Konzentration des ‚ÄěSchwangerschaftshormons‚Äú (hCG-Hormon) im Blut oder im Urin gilt als wahrscheinliches, jedoch nicht sicheres Schwangerschaftszeichen. Als sicher gilt der Nachweis eines F√∂tus, beispielsweise durch Sonografie, das H√∂ren von Herzt√∂nen oder F√ľhlen von Kindsbewegungen.

F√ľhrt man die erste Ultraschalluntersuchung vor oder am Anfang der f√ľnften Schwangerschaftswoche durch, kann trotz bestehender Schwangerschaft eine embryonale Anlage, insbesondere in der N√§he der Eileiter, zuweilen noch nicht dargestellt werden. Dies wird umgangssprachlich auch als Eckenhocker bezeichnet.

Berechnung des Geburtstermins

Die Schwangerschaft dauert von der Befruchtung bis zur Geburt durchschnittlich 267 Tage. √úblicherweise wird die Dauer der Schwangerschaft jedoch ab dem ersten Tag der letzten Menstruation gerechnet, da dies f√ľr viele Frauen die einzig bekannte Bezugsgr√∂√üe darstellt. Die Berechnung erfolgt mit der Naegele-Regel, in die au√üerdem die Dauer des Menstruations-Zyklus einflie√üt. Die Befruchtung findet nach dieser Rechenweise in der zweiten Schwangerschaftswoche (SSW) statt.

Die ab dem ersten Tag der letzten Menstruation gerechnete Schwangerschaft dauert durchschnittlich etwa 280 Tage oder 40 Wochen. Traditionell wird die Dauer der Schwangerschaft mit neun Monaten angegeben. Mediziner nehmen zur Vereinfachung jedoch Monate zu jeweils vier Wochen an (sogenannte Mondmonate, die ein bis zwei Tage k√ľrzer als astronomische oder kalendarische Mondmonate sind, siehe Lunation); die Schwangerschaft dauert demnach zehn Mondmonate statt neun Kalendermonate. In Industriel√§ndern wird, besonders in einem fr√ľhen Stadium der Schwangerschaft, der tats√§chliche Fortschritt der Schwangerschaft anhand von Ultraschalluntersuchungen verifiziert.

Exakt zum berechneten Termin kommen jedoch nur vier Prozent der Kinder zur Welt, innerhalb von einer Woche um den errechneten Geburtstermin herum 26 Prozent und innerhalb von drei Wochen um den errechneten Geburtstermin 66 Prozent. Eine Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche wird als Fr√ľhgeburt bezeichnet.

Schwangerschaftsverlauf

Der Schwangerschaftsverlauf wird eingeteilt in drei Abschnitte zu drei Monaten (medizinisch Trimenon oder Trimester), beziehungsweise je 13 Schwangerschaftswochen. Die Bezeichnung Trimenon wurde von Ernst Moro eingef√ľhrt.

Das Alter der Schwangerschaft vom Tag der Empfängnis wird mit post conceptionem, p.c. bezeichnet. Da der Empfängnistermin (Syn. Konzeptionstermin) selten genau festgelegt werden kann, wird in der Medizin vom ersten Tag der letzten Menstruation an, post menstruationem (p.m.), gerechnet. Das Alter des Embryo/Fötus beträgt effektiv also etwa zwei Wochen weniger als die Schwangerschaftswoche (SSW). In der Folge wird, ohne weiteren Hinweis, die Schwangerschaftsdauer in SSW (p.m.) angegeben.

Erstes Trimenon

Im ersten Trimenon entwickelt sich der Embryo besonders rasch. F√ľr die Schwangere geht der Beginn der Schwangerschaft mit sehr gro√üen hormonellen Umstellungen einher, was bei etwa 50 bis 90 % der Betroffenen zu teilweise sehr stark ausgepr√§gter √úbelkeit, bei 25 bis 50 % auch zu Erbrechen, f√ľhrt, die sich aber im weiteren Verlauf der Schwangerschaft meist wieder legt.[2][3] Ab der dritten Woche kann die Empfindlichkeit der Brust zunehmen, meist einhergehend mit einem Spannungsgef√ľhl. Da die meisten Spontanaborte (Abg√§nge) bis zur zw√∂lften SSW vorkommen, wird bis zu diesem Zeitpunkt oft auf eine Bekanntgabe der Schwangerschaft verzichtet.

Erster Monat

Schwangerschaftswoche 1‚Äď4: Befruchtung und Einnistung

Die meist beim Geschlechtsverkehr beziehungsweise der Insemination in die Vagina gelangten Spermien wandern durch die Geb√§rmutter (Uterus) bis in die Ampulle des Eileiters. Dort treffen sie auf die nach der Ovulation (Eisprung) vom Fimbrientrichter aufgenommene Eizelle. Nach dem Eindringen (Impr√§gnation) kommt es zur zweiten Reifeteilung mit Verlust eines Polk√∂rperchens. Die beiden Chromosomens√§tze von Eizelle und Spermium verschmelzen miteinander (Konjugation) und bilden nun eine entwicklungsf√§hige Zelle (Zygote), die innerhalb von drei Tagen unter hormoneller Steuerung in die Geb√§rmutter wandert. In dieser Zeit erfolgen die Zellteilungen √ľber die Morula zur Keimblase oder Blastozyste. 24 Stunden nach der Befruchtung beginnt aus den Zellen der fr√ľhen Form der Plazenta (Mutterkuchen) ‚Äď dem so genannten Synzytiotrophoblast ‚Äď die Produktion des Hormons hCG. Dieses stimuliert im Gelbk√∂rper im Eierstock die Aussch√ľttung eines weiteren Hormons, Progesteron, welches den Eierst√∂cken signalisiert, dass f√ľr die n√§chste Zeit keine Eispr√ľnge notwendig sind ‚Äď die Menstruation bleibt aus. Gleichzeitig haben diese Hormone f√ľr die Auflockerung der Geb√§rmutterschleimhaut gesorgt, um die Einnistung der Blastozyste zu erleichtern. Die Einnistung in der Geb√§rmutterwand beginnt circa am f√ľnften Tag nach der Befruchtung und ist nach 14 Tagen abgeschlossen. Bis dahin ist die Zwillingsbildung m√∂glich. Die Blastozyste teilt sich nun in ihre √§u√üere Schicht, den Trophoblast, woraus sich die Plazenta entwickelt, und den Embryoblast, aus welchem der Embryo entsteht. Das die beiden Teile verbindende Gewebe wird zur Nabelschnur.

Zweiter Monat

Schwangerschaftswoche 5‚Äď8: Anlage der gr√∂√üeren Organe

Der K√∂rper der Schwangeren stellt sich nun auf die Schwangerschaft ein. Dies ist sehr h√§ufig mit Beschwerden wie morgendlicher √úbelkeit, Brechreiz und Schwangerschaftserbrechen verbunden, die durch das Schwangerschaftshormon hCG ausgel√∂st werden. Dar√ľber hinaus kommen oft starke M√ľdigkeit, Hei√ühungerattacken und Stimmungsschwankungen vor. Das erste Fruchtwasser beginnt sich zu bilden. Das Dehnen der Mutterb√§nder f√ľhrt manchmal zu einem Ziehen in der Leistengegend.

Beim Embryo beginnt sich in der sechsten Woche allm√§hlich die Wirbels√§ule zu bilden.[4] Kopf und Rumpf beginnen Form anzunehmen. Das Neuralrohr, aus dem Gehirn und R√ľckenmark entstehen, schlie√üt sich. In der siebten Woche sind kleine Knospen zu erkennen, aus denen sich sp√§ter die Gliedma√üen entwickeln. In der achten Woche beginnen sich Finger und Gesichtsz√ľge auszubilden.[5] Allm√§hlich werden alle Organe und Organsysteme angelegt. Etwa ab der f√ľnften Woche p.c. (siebte SSW) kann die Herzaktivit√§t im Ultraschall nachgewiesen werden. Der Embryo misst jetzt ca. 4 bis 8 mm (Scheitel-Stei√ü-L√§nge). In der achten SSW misst er 9 bis 15 mm[6][7], sein Herz schl√§gt 140 bis 150 mal in der Minute.

Dritter Monat

Schwangerschaftswoche 9‚Äď12: Weitere Ausdifferenzierung

Die Blutmenge im m√ľtterlichen Kreislauf erh√∂ht sich von ca. 5 auf 6,5 l, um die Versorgung des F√∂tus zu gew√§hrleisten. Aufgrund der gr√∂√üeren Blutmenge schl√§gt das Herz schneller, was die k√∂rperliche Leistungsf√§higkeit herabsetzt. Als Folge der hormonellen Gef√§√üerweiterungen k√∂nnen Besenreiser oder Krampfadern auftreten. Gelegentlich kommt es auch zu einer verstopften Nase, Nasenbluten oder Zahnfleischbluten. √Ėstrogene bewirken eine vermehrte Fl√ľssigkeitseinlagerung im Gewebe. Das Hormon Progesteron f√ľhrt zu einer Entspannung der Muskulatur. Da davon auch die Schlie√ü-Muskulatur betroffen ist, ist oft ein erh√∂hter Harndrang zu bemerken. Dies wird verst√§rkt durch den erh√∂hten Stoffwechsel zwischen der Schwangeren und dem werdenden Kind, auch durch die stetige Erneuerung des Fruchtwassers.

Ende der neunten Woche sind erste Ans√§tze f√ľr die Ausbildung von Zehen und Nase zu erkennen, in der zehnten Woche auch der Ohrmuscheln. Die Netzhaut pigmentiert sich. Das Augenpaar steht weit auseinander; die Augen sind zun√§chst offen, die Augenlider beginnen sich zu bilden. Erste Bewegungen sind m√∂glich. Ende der zehnten SSW sind alle Organanlagen vorhanden. Die Knospen f√ľr die 20 Milchz√§hne werden ausgebildet. Der Embryo ist am Ende dieser Phase (Ende zw√∂lfte Schwangerschaftswoche) 5 bis 6 cm gro√ü und wiegt etwa 14 g. Die Embryonalperiode wird nun von der Fetogenese abgel√∂st.[7][8]

Zweites Trimenon

Im zweiten Schwangerschaftsabschnitt verschwinden meist die anf√§nglichen Komplikationen wie √úbelkeit. Deshalb, und weil das Risiko einer Fehlgeburt jetzt deutlich abgenommen hat, empfinden viele Frauen diese Zeit als sehr angenehm. Hatten manche im 1. Trimenon noch mit Wechselb√§dern der Gef√ľhle zu k√§mpfen, ist dieses Trimenon meist gekennzeichnet von Ausgeglichenheit und Zufriedenheit. Aus diesen Gr√ľnden wird das zweite Trimenon von Hebammen als idealer Zeitraum f√ľr Reisen angesehen.[9] Die ersten Bewegungen des F√∂tus werden jetzt sp√ľrbar.

Vierter Monat

Linea nigra
Schwangerschaftswoche 13‚Äď16: Kindsbewegungen

Die stabilere Phase der Schwangerschaft beginnt jetzt. Die Hormonproduktion aus dem Eierstock wird nicht mehr ben√∂tigt, da die Plazenta so weit ausgereift ist, dass sie die schwangerschaftserhaltenden Hormone selbst bilden kann. Deshalb ist die hCG-Konzentration ab der zw√∂lften SSW weniger hoch, eine eventuell vorhandene morgendliche √úbelkeit bessert sich jetzt in der Regel. Die Gewichtszunahme betr√§gt nach Faustregel ca. 1 bis 1,5 kg pro Monat, beziehungsweise ca. 250 g pro Woche. R√∂tliche oder br√§unliche Schwangerschaftsstreifen k√∂nnen aufgrund der Dehnung des Bindegewebes auftreten. H√§ufig tritt eine dunkle Linie (Linea nigra) auf, die zwischen Bauchnabel und Schambein verl√§uft. Diese hormonbedingte Farbver√§nderung bildet sich in der Regel nach der Schwangerschaft zur√ľck. Die vermehrten Wassereinlagerungen k√∂nnen zur Schwellung von Armen und Beinen, beziehungsweise H√§nden und F√ľ√üen f√ľhren.

Beim F√∂tus setzt im vierten Monat ein rasches Wachstum ein, die Organe bilden sich weiter aus. Die Augenlider schlie√üen sich und √∂ffnen sich erst in drei Monaten wieder. Spontane Bewegungen von Kopf, Armen und Beinen setzen ein. Die Schluckmuskulatur entwickelt sich. Die Lunge und das Verdauungssystem entwickeln sich weiter, indem der F√∂tus durch Zusammenziehen und Ausdehnen des Zwerchfells Fruchtwasser ‚Äěein- und ausatmet‚Äú, respektive ‚Äětrinkt‚Äú, er hat Schluckauf. Speicheldr√ľsen, Magen, Nieren und Darm arbeiten bereits. Das geschluckte Fruchtwasser wird als Urin wieder ins Fruchtwasser abgegeben, welches alle zehn bis zw√∂lf Stunden durch Neuproduktion ausgetauscht wird. √úber die Plazenta erh√§lt es N√§hrstoffe und Antik√∂rper, gleichzeitig werden Abfallstoffe ausgeschieden. Das sogenannte Woll- oder Lanugohaar bildet sich. Es bildet sich bis zur Geburt wieder nahezu zur√ľck. Gegen Ende dieses Schwangerschaftsmonats entwickeln sich die Genitalien. Das Geschlecht kann bei g√ľnstiger Lage des Ungeborenen per Ultraschall festgestellt werden. Der F√∂tus ist in der 16. SSW ca. 10 cm gro√ü und wiegt bis zu 100 g. Sein Kopfdurchmesser ist ca. 35 mm.

F√ľnfter Monat

Schwangerschaftswoche 17‚Äď20: Kindsbewegungen meist sp√ľrbar

Die Geb√§rmutter ist jetzt etwa so gro√ü wie eine Honigmelone und fast in Nabelh√∂he. Ab der 18. bis 20. SSW sind f√ľr die Schwangere gew√∂hnlich die ersten Kindsbewegungen als feines, leichtes Kribbeln zu sp√ľren. Ein relativ beschwerdefreier Schwangerschaftsabschnitt beginnt. In diesem Zeitraum k√∂nnen jedoch eventuell Ver√§nderungen der Sehsch√§rfe, R√ľckenschmerzen und Kr√§mpfe in den Beinen auftreten.

Der Fötus misst am Ende des Monats 14 bis 16 cm und wiegt zwischen 150 und 300 g.

Sechster Monat

Schwangerschaftswoche 21‚Äď24: Kind beginnt auf √§u√üere Reize zu reagieren

Gegen Ende des Monats erreicht die Geb√§rmutter Nabelh√∂he. Die Br√ľste vergr√∂√üern sich unter dem Einfluss der Hormone hCG, √Ėstrogen und Progesteron. Eventuell Sodbrennen durch platz- und hormonbedingtes √Ėffnen des Schlie√ümuskels zum Magen.

Beim F√∂tus beginnt sich das Unterhautfettgewebe zu vermehren. Die Haut selbst wird von einer sch√ľtzenden Fettschicht (Vernix caseosa, auch K√§seschmiere) √ľberzogen. Diese erm√∂glicht sp√§ter ein leichteres Gleiten im Geburtskanal. Die Haut ist noch r√∂tlich durchschimmernd, Finger- und Fu√ün√§gel sind fast vollst√§ndig entwickelt. Die Haare beginnen zu wachsen und die Verkn√∂cherung des Skeletts schreitet voran. Ein rasches Wachstum des Gehirns setzt ein. Gegen Ende des Monats reagiert das werdende Kind auf akustische und optische Reize von au√üen (Stimmen, Schall, Licht). Ob zu diesem Zeitpunkt bereits Schmerzwahrnehmungen m√∂glich sind, ist umstritten. Eine Analyse der vorhandenen Forschungsergebnisse kam zum Schluss, dass Schmerzempfindungen vor dem dritten Trimenon unwahrscheinlich sind.[10] Am Ende des sechsten Monats ist der F√∂tus ca. 26 cm gro√ü (vom Scheitel bis zur Sohle)[11] und wiegt 500 g.

Drittes Trimenon

Im letzten Schwangerschaftsabschnitt reift der F√∂tus vollst√§ndig heran und der K√∂rper der werdenden Mutter bereitet sich auf die Geburt vor. F√ľr die Frau kann dieser Abschnitt haupts√§chlich wegen des zus√§tzlichen Gewichts wieder unangenehmer sein, vor allem im Sommer. Durch eine intensivmedizinische Behandlung ist ein √úberleben des Kindes bei einer Fr√ľhgeburt in diesem Zeitraum schon m√∂glich.

Siebter Monat

Schwangere Frau in der 26. Woche
Schwangerschaftswoche 25‚Äď28: √Ėffnen der Augenlider

Bei der Schwangeren k√∂nnen die Wassereinlagerungen in Armen und Beinen aufgrund des hohen Austauschbedarfes an frischem Fruchtwasser zunehmen. Der sich ausbreitende Uterus dr√ľckt auf die Verdauungsorgane und die Lunge, die Folge sind Kurzatmigkeit und die Gefahr von H√§morrhoiden. Das zunehmende Gewicht kann im letzten Trimenon R√ľcken- und Fu√üschmerzen verursachen. Der Ausfluss aus den Br√ľsten (Kolostrum) kann einsetzen.

Gegen Ende des Monats √∂ffnen sich die Augenlider des F√∂tus wieder. Er misst jetzt etwa 35 cm und wiegt etwa 1000 g. Ab ca. der 23. SSW hat das Kind bei einer Fr√ľhgeburt eine winzige Chance, au√üerhalb der Geb√§rmutter unter hohem intensivmedizinischem Aufwand zu √ľberleben. Die √úberlebenschancen in der 25. SSW betragen ca. 32 bis 43 %, in der 28. SSW 79 %. Je fr√ľher das Kind geboren wird, desto gr√∂√üer sind die Risiken bleibender gesundheitlicher Sch√§den. Vor Ende der 25. Woche liegt dieses Risiko bei 50 %.[12]

Achter Monat

Schwangerschaftswoche 29‚Äď32: Erste √úbungswehen

Jetzt können erste schmerzlose Kontraktionen (auch Senkwehen, Vorwehen, Übungswehen oder Vorbereitungswehen) auftreten. Der Bauch verhärtet sich durch rhythmisches Zusammenziehen der Gebärmutter. Eventuell werden jetzt auch Schließmuskel- und Blasenschwäche deutlich, was gegebenenfalls durch Training des Schließmuskels gelindert werden kann. Die größer werdende Gebärmutter verdrängt weiter die anderen im Bauchraum befindlichen Organe. Durch den gestörten pH-Wert der Vaginalschleimhaut können vermehrt Pilzinfektionen oder bakterielle Infektionen auftreten.[13]

Bis auf die Lunge sind alle Organe des werdenden Kindes fast vollst√§ndig entwickelt. Am Ende des Monats misst es rund 40 cm und wiegt 1700 bis 2000 g.

Neunter Monat

Fötus in Schädellage
Schwangerschaftswoche 33‚Äď36: Senkung des Kindes

Die Schwangere hat im Durchschnitt 10‚Äď12 kg zugenommen. Gegen Ende der 36. SSW tritt der Kopf des Kindes in das kleine Becken ein, die Geb√§rmutter senkt sich etwas nach unten. Die Atmung f√§llt der Schwangeren so wieder leichter. Oft treten jetzt Schlafst√∂rungen auf.

Ab der 35. SSW ist die Lungenreifung abgeschlossen. Die meisten ungeborenen Kinder (92 bis 93 %) liegen nun in der richtigen Geburtslage mit dem Kopf nach unten.[14] Bis zur 37. SSW kann sich das Kind noch von einer Stei√ülage in die Sch√§dellage drehen. Bewegungen sind dem Kind aber nur noch eingeschr√§nkt m√∂glich. Gegen Ende des Monats ist es ca. 45 cm gro√ü und wiegt etwa 2800 g.

Zehnter Monat

Schwangerschaftswoche 37‚Äď40: Geburt steht bevor

Die durchschnittliche Gewichtszunahme der werdenden Mutter im Verlauf der Schwangerschaft betr√§gt ca. 10‚Äď15 kg. Das Gewicht stagniert bei vielen Schwangeren kurz vor der Geburt, kann sogar leicht abnehmen. Es k√∂nnen h√§ufiger Vorwehen eintreten.

In den letzten Wochen nimmt das Kind vor allem an Gewicht zu. √úber die Plazenta nimmt es Antik√∂rper aus dem Blutkreislauf der Mutter auf. Das Baby misst bei der Geburt ca. 48 cm bis 54 cm und wiegt 2800 g bis 4000 g. Der Durchmesser des Kopfes liegt zwischen 95 mm und 105 mm.

Geburt

‚Üí Hauptartikel: Geburt

Die Schwangerschaft endet in der Regel mit der Niederkunft der Mutter (der Geburt des Kindes). Sie kann sich durch folgende Symptome ank√ľndigen:

  • durch das Einsetzen der Er√∂ffnungswehen (Dauer ca. 30 bis 60 Sekunden, alle zehn Minuten √ľber einen Zeitraum von ein bis zwei Stunden)
  • durch einen eventuell leicht blutigen Ausfluss in Folge des sich l√∂senden Schleimpfropfes vom Muttermund (einige Tage vor der Geburt)
  • den Blasensprung (das Platzen der Fruchtblase)
  • Durchfall oder Erbrechen

Nach der Geburt beginnt die Schwangerschaftsr√ľckbildung, also die Regeneration von Bauchdecke, Geb√§rmutter, Beckenbodenmuskulatur, Vaginalkanal, Vagina und Hormonhaushalt. Die R√ľckbildungsdauer ist individuell verschieden, dauert aber ungef√§hr so lange wie die Schwangerschaft.

Vorgeburtliche Untersuchungen und Behandlungen

‚Üí Hauptartikel: Schwangerschaftsvorsorge

In Deutschland hat jede werdende Mutter einen Anspruch auf Betreuung durch eine Hebamme oder einen Arzt w√§hrend der Schwangerschaft, bei der Geburt und einige Wochen nach der Geburt. Empfohlen sind, bei komplikationsloser Schwangerschaft, zun√§chst Besuche in einem Abstand von vier Wochen nach Bekanntwerden der Schwangerschaft, ab der 32. Schwangerschaftswoche in einem Abstand von zwei Wochen und bei √úberschreitung des Geburtstermins schlie√ülich alle zwei Tage. Alle Befunde werden in den Mutterpass (oder Mutter-Kind-Pass in √Ėsterreich) eingetragen.

Ultraschalluntersuchungen

‚Üí Hauptartikel: Sonografie

Die Sonografie, umgangssprachlich Ultraschall, ist ein bildgebendes Verfahren, das die medizinische Praxis der vorgeburtlichen Untersuchungen in den letzten Jahrzehnten tiefgreifend ver√§ndert hat. Sie erm√∂glicht unter anderem eine √úberwachung der fetalen Entwicklung, die Feststellung von Mehrlingsschwangerschaften und des Geschlechts. Zwar werden Ultraschalluntersuchungen generell als unbedenklich f√ľr das ungeborene Kind angesehen, doch zeichnen sich trotzdem zwei gesellschaftliche Tendenzen ab: einerseits die Produktion zwei- und dreidimensionaler Aufnahmen f√ľr das Familienalbum, andererseits die Beschr√§nkung auf die medizinisch notwendige Anzahl an Ultraschalluntersuchungen (ca. eine Untersuchung pro Trimester).

Pränataldiagnostik

→ Hauptartikel: Pränataldiagnostik

Das Ziel der Pr√§nataldiagnostik ist es, Erkrankungen der werdenden Mutter und Krankheiten oder Behinderungen (z. B. Down-Syndrom / Trisomie 21) beim heranwachsenden Kind bereits fr√ľhzeitig festzustellen beziehungsweise eine individuelle Wahrscheinlichkeit zu errechnen. Eine positive Diagnose impliziert oft einen Schwangerschaftsabbruch aus medizinischer Indikation, da eine Behandlung im Mutterleib (Therapie in utero) nur in wenigen F√§llen m√∂glich ist. Daher sind viele Untersuchungen umstritten. Ethisch fragw√ľrdig ist unter anderem, wie ein ungeborenes Leben als lebenswert oder unlebenswert beurteilt werden kann, zumal sichere Aussagen zur nachgeburtlichen Entwicklung des Kindes nur in vergleichsweise wenigen F√§llen m√∂glich sind. Insbesondere die nicht-invasiven Methoden der Pr√§nataldiagnostik wie beispielsweise die Nackentransparenz-Messung, das Erst-Trimester-Screening oder der Triple-Test k√∂nnen die Eltern oft stark psychisch belasten, da sie nie ein sicheres Ergebnis, sondern lediglich Wahrscheinlichkeiten anhand statistischer Durchschnittswerte angeben, indem sie z. B. das Alter der Mutter, den Zustand des Embryos usw. ber√ľcksichtigen.

Risikoschwangerschaft

Siehe auch: Risikogeburt

Wesentliches Ziel der √§rztlichen Betreuung ist die Erkennung von m√∂glichen oder bereits vorhandenen Risiken f√ľr Schwangere und ihr Kind. Im Jahre 1990 wurden in Deutschland 34 % aller Schwangerschaften als Risikoschwangerschaft klassifiziert. Die Bayerische Arbeitsgemeinschaft zur Qualit√§tskontrolle spricht f√ľr das Jahr 2002 von 65 Prozent und in Niedersachsen von etwa 73 Prozent.

Tats√§chlich kommen jedoch 95 Prozent der in Deutschland geborenen Kinder gesund zur Welt. Die hohe Anzahl von so genannten ‚ÄěRisikoschwangerschaften‚Äú l√§sst sich unter anderem dadurch erkl√§ren, dass viele Paare heutzutage Kinder erst recht sp√§t einplanen. Risikoschwangere erhalten als Konsequenz durch die Krankenkassen √ľber die Standardleistungen hinaus weitere √§rztliche Leistungen wie h√§ufigere Kontrollen, √úberweisungen an entsprechende Spezialisten, den Einsatz weiterer diagnostischer Mittel wie zum Beispiel Fruchtwasseruntersuchung, Hormonanalysen oder gegebenenfalls die Einweisung in ein Geburtshilfliches Zentrum mit intensivmedizinischer Betreuung.

Folgende Faktoren f√ľhren unter anderem zur Einstufung einer Risikoschwangerschaft:

Komplikationen und Probleme

W√§hrend einer Schwangerschaft kann es bei der Mutter zu St√∂rungen beziehungsweise Beeintr√§chtigungen kommen, die nur w√§hrend der Schwangerschaft auftreten (medizinisch Gestosen). F√ľr andere Erkrankungen wie zum Beispiel die Sinusthrombose stellt die Schwangerschaftssituation ein erh√∂htes Risiko dar. Manche chronische Erkrankungen machen sich w√§hrend der Schwangerschaft weniger bemerkbar: so kann die Schubh√§ufigkeit bei Schwangeren mit Multipler Sklerose oder Rheumatoider Arthritis w√§hrend der Schwangerschaft reduziert sein.[15]

Jedes Jahr sterben weltweit ca. 600.000 Frauen und M√§dchen an Komplikationen w√§hrend der Schwangerschaft oder Geburt, davon 99 % in Entwicklungsl√§ndern.[16] In Afrika s√ľdlich der Sahara stirbt eine von 16 Frauen an den Folgen einer Schwangerschaft oder Geburt, da die Mehrzahl der Geburten auch bei Komplikationen ohne medizinische Betreuung stattfindet.[17] In Industriel√§ndern betr√§gt das Risiko 1:2800.

Schwangerschaftsspezifische Erkrankungen

‚Üí Hauptartikel: Gestose

Nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens wird die Gestose unterteilt in Fr√ľh- (Erstes Trimenon) und Sp√§tgestose (Drittes Trimenon). Hauptvertreter sind √ľberm√§√üiges Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum) und schwangerschaftsinduzierter Bluthochdruck (Schwangerschaftshypertonie). Bluthochdruck kann ein Zeichen einer beginnenden Pr√§eklampsie sein, daher wird er in der Schwangerschaftsvorsorge regelm√§√üig gemessen. Weitere Symptome sind Wassereinlagerungen (√Ėdeme) und Eiwei√üausscheidung im Urin. Die Eklampsie ist die schwerste Form einer Gestose, Symptome sind Kr√§mpfe und / oder Bewusstlosigkeit.[18] Die Patientinnen hatten meist zuvor eine Pr√§eklampsie.

Psychische Erkrankungen in der Schwangerschaft

Eine gro√ü angelegte englische Studie berichtet √ľber die H√§ufung von Depressionen in der Schwangerschaft (siehe auch Schwangerschaftsdepressionen), circa 10 Prozent aller Frauen sind hiervon betroffen. Die Symptome k√∂nnen extrem unterschiedlich sein. Hauptsymptom ist eine herabgesetzte Stimmung, wobei dies nicht Trauer im engeren Sinn sein muss, sondern von den betroffenen Patienten auch oft mit Begriffen wie ‚Äěinnere Leere‚Äú, ‚ÄěVerzweiflung‚Äú und ‚ÄěGleichg√ľltigkeit‚Äú beschrieben wird. Psychosomatische k√∂rperliche Beschwerden sind h√§ufig. Es dominieren negative Zukunftaussichten und das Gef√ľhl der Hoffnungslosigkeit. Das Selbstwertgef√ľhl ist niedrig. Die depressive Symptomatik in der Schwangerschaft wird oft von schwangerschaftstypischen ‚ÄěThemen‚Äú beeinflusst. Dies k√∂nnen etwa Bef√ľrchtungen in Bezug auf die Mutterrolle oder die Gesundheit des Kindes sein.[19] Das erstmalige Auftreten einer psychotischen St√∂rung in der Schwangerschaft ist selten. H√§ufiger verschlimmern sich bestehende psychotische Erkrankungen. Dies liegt zum einen an der besonderen biologischen und seelischen Situation der Schwangeren, zum anderen kann es durch eine Reduzierung oder ein Absetzen antipsychotischer Medikamente verursacht sein.[20] Zwangsst√∂rungen k√∂nnen sich in der Schwangerschaft verschlimmern. Bei der Panikst√∂rung ist dies ebenfalls der Fall. Bei einigen Patientinnen, die vorher nur leichte Symptome hatten kann es w√§hrend der Zeit der Schwangerschaft zu einer massiven H√§ufung von Panikattacken kommen.[21]

Suchtmittel und Medikamente

Baby mit typischen Gesichtsmerkmalen des Fetalen Alkoholsyndroms (kleine Augen, glattes Philtrum, schmale Oberlippe), ausgelöst durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft
Psychotrope Substanzen

Alkoholkonsum und Rauchen sind sch√§dlich f√ľr das ungeborene Kind.[22] Rauchende M√ľtter haben das doppelte Risiko einer Fehlgeburt und ein deutlich erh√∂htes Risiko einer Fr√ľh- und Totgeburt.[23] Das Risiko, dass das Kind eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivit√§tsst√∂rung (ADHS) aufweist, liegt bei M√ľttern, die w√§hrend der Schwangerschaft rauchen, bei 16,5 Prozent (sonst 4,6 Prozent).[24] Rauchen w√§hrend der Schwangerschaft erh√∂ht ferner das Risiko f√ľr ein sp√§teres kindliches Asthma und bewirkt ein deutlich niedrigeres Geburtsgewicht.[25][26][27] Alkoholkonsum w√§hrend der Schwangerschaft kann zum f√∂talen Alkoholsyndrom f√ľhren.

Der Konsum von Kokain kann zu Fehlbildungen beim Kind und durch die gef√§√üverengende Wirkung zu Durchblutungsst√∂rungen in unterschiedlichen Organen und zu Schwangerschaftskomplikationen, wie vorzeitiger Plazentaabl√∂sung und Fr√ľhgeburt f√ľhren.[28]

Wird eine Heroin-abh√§ngige Frau schwanger, ist die Aufnahme in ein Substitutionsprogramm angezeigt, da die regelhaft vorkommenden Schwankungen zwischen S√§ttigung/√úberdosierung und Entzug eine Gefahr f√ľr die Schwangerschaft darstellen.[28] Der Nutzen einer Substitutionstherapie f√ľr Mutter und Kind √ľbersteigt die Gefahren eines (m√∂glichen) Entzugssyndroms des Neugeborenen bei weitem. Ein langfristiger Schaden f√ľr Kinder stabil substituierter M√ľtter wurde bislang nicht nachgewiesen. Eine Naltrexon-Belastung (die Verabreichung eines Opioid-Gegenspielers) soll in der Schwangerschaft nicht durchgef√ľhrt werden, da es dadurch zu Fehlgeburten und vorzeitigem Wehenbeginn kommen kann. Die vor- und nachgeburtliche Betreuung sollen der betreuende Gyn√§kologe und ein in Abh√§ngigkeitsfragen geschulter Spezialist in Zusammenarbeit durchf√ľhren.[29]

Medikamente

Fast alle Medikamente, auch nicht apothekenpflichtige, k√∂nnen auch auf das werdende Kind besondere Auswirkungen haben. Daher wird die Einnahme in der Regel mit dem behandelnden Arzt abgesprochen. Umfassende √úbersichten zur Arzneimittelanwendung w√§hrend Schwangerschaft und Stillzeit liegen vor.[30] Bestimmte Medikamente wie beispielsweise Thalidomid (Contergan¬ģ), haben teratogene Wirkung, das hei√üt, ihre Einnahme kann zu Fehlbildungen f√ľhren. Arzneimittel (auch rezeptfreie und pflanzliche) sollen w√§hrend der Schwangerschaft nur nach R√ľcksprache mit dem Arzt oder Apotheker eingenommen werden.

Infektionen während der Schwangerschaft

Infektionen k√∂nnen zu Fehlgeburten f√ľhren und auf das ungeborene bzw. w√§hrend der Geburt auf das neugeborene Kind √ľbertragen werden und schwere Erkrankungen, bleibende Sch√§den und den Tod zur Folge haben. Da es bisher f√ľr wenige Infektionskrankheiten Impfungen gibt, sollte der Impfschutz der zuk√ľnftigen Mutter schon bei Kinderwunsch w√§hrend der Familienplanung √ľberpr√ľft und ggf. erg√§nzt werden. Zum Beispiel k√∂nnen die in der Folge genannten Erreger in der Schwangerschaft gef√§hrlich werden.

Bakterien:

Protozoen:

Viren:

  • Hepatitis B (Hepatitis-B-Virus, HBV)
  • Hepatitis E (Hepatitis-E-Virus, HEV)
  • Herpes simplex (Herpes-simplex-Virus, HSV): Herpes neonatorum
  • Humanes Immundefizienz-Virus (HIV): Das HI-Virus wird nicht zwangsl√§ufig von einer infizierten Schwangeren auf das ungeborene Kind √ľbertragen. Die Wahrscheinlichkeit einer √úbertragung w√§hrend der Geburt ist jedoch hoch, wenn keine geeigneten medizinischen Schutzma√ünahmen ergriffen werden. Das Risiko einer Infektion eines Kindes durch eine HIV-infizierte Mutter w√§hrend der Schwangerschaft oder w√§hrend der Geburt wird ohne Behandlung auf etwa 15 bis 30 Prozent gesch√§tzt. Bei bekannter HIV-Infektion der Mutter kann das Risiko einer √úbertragung auf das Kind durch die Gabe antiretroviraler Medikamente und die Geburt durch Kaiserschnitt auf weniger als 5 Prozent vermindert werden.[33][34] Die notwendigen Ma√ünahmen zur Vorbeugung der Mutter-Kind-√úbertragung von HIV k√∂nnen nur dann erfolgreich eingesetzt werden, wenn die HIV-Infektion der Mutter bekannt ist. Daher empfiehlt die AWMF jeder Schwangeren ein HIV-Antik√∂rpertest anzubieten. Dessen Durchf√ľhrung ist an die ausdr√ľckliche Zustimmung der werdenden Mutter gebunden.[35]

Impfungen

F√§llige Impfungen mit Totimpfstoffen k√∂nnen den werdenden M√ľttern nach aktuellen Empfehlungen des in Deutschland daf√ľr zust√§ndigen Robert-Koch-Instituts im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft bedenkenlos verabreicht werden; im ersten Drittel sollten dagegen nur dringend durchzuf√ľhrende Totstoff-Impfungen vorgenommen werden. Vor einer Schwangerschaft erfolgte Totstoff-Impfungen sind kein Grund zum Aufschub einer Schwangerschaft. Kontraindiziert sind Impfungen mit Lebendimpfstoffen (wie gegen Masern, Mumps und R√∂teln) ab drei Monaten vor einer und w√§hrend der gesamten Schwangerschaft. In der anschlie√üenden Stillzeit sind Impfungen generell ohne Beschr√§nkungen m√∂glich.[36]

Allogene immunologische Komplikationen

Hat die Schwangere bestimmte Merkmale auf ihren Blutzellen nicht, die aber vom Vater auf das Kind im Mutterleib vererbt wurden, kann die Mutter diese Merkmale als fremd erkennen. Dann bildet die Mutter Antikörper gegen diese. Die Antikörper können in das Kind eindringen und dort die Merkmal-tragenden Blutzellen zerstören. Man spricht bei den Erythrozyten (roten Blutkörperchen) von Rhesus-Inkompatibilität, bei den Thrombozyten (Blutplättchen) von fetaler oder (nach der Geburt) neonataler Alloimmun-Thrombozytopenie und bei den neutrophilen Granulozyten (weiße Blutkörperchen) von fetaler bzw. neonataler Alloimmun-Neutropenie (FAIN bzw. NAIN).

Fehlgeburten

‚Üí Hauptartikel: Fehlgeburt

In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft ist das Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden, relativ gro√ü. Sch√§tzungsweise ein Viertel aller Schwangerschaften enden in den ersten zw√∂lf Wochen (Fr√ľhabort). Es wird davon ausgegangen, dass bis zu 50 % der sich in der Geb√§rmutter einnistenden Eizellen als Fr√ľhabort enden. Diese Fehlgeburt wird als versp√§tete Monatsblutung angesehen und bleibt meist unbemerkt.[37] Eine bewusst wahrgenommene Fehlgeburt kann ein stark traumatisches Erlebnis f√ľr eine Frau sein. Um eventuellen Entt√§uschungen und dem sozialen Druck zu begegnen, ist es verbreitet, bis zum Ende der zw√∂lften Schwangerschaftswoche mit der offiziellen Verk√ľndigung der Schwangerschaft zu warten.

Schwangerschaftsabbruch aus medizinischen Gr√ľnden

‚Üí Hauptartikel: Schwangerschaftsabbruch

Im Gegensatz zu Fr√ľh- und Fehlgeburten wird bei einer Abtreibung die Schwangerschaft willentlich abgebrochen. Als medizinische Gr√ľnde werden eine gesundheitliche Gef√§hrdung der Schwangeren oder eine ihr psychisch nicht zumutbare schwere Behinderung des F√∂tus angesehen. Abtreibungen aus medizinischen Gr√ľnden sind allerdings recht selten. In Deutschland wurden im Jahr 2007 insgesamt 116 871 Schwangerschaften abgebrochen, d. h. 17 pro 100 Geburten.[38] Von diesen Abbr√ľchen waren nur 3072 (2,6 %) medizinisch indiziert.[39] Wobei in der Mehrzahl der F√§lle die psychische Belastung durch die Geburt eines schwer behinderten Kindes die begr√ľndende Gef√§hrdung der Gesundheit der Frau darstellte.

Sonstige Beeinträchtigungen

Vor, während oder nach einer Schwangerschaft kann es zu weiteren Beeinträchtigungen kommen. Siehe hierzu:

Etwa 35 bis 50 Prozent aller Schwangeren bekommen während ihrer Schwangerschaft eine Gingivitis.[40][41]

Ernährung

Gesunde und ausgewogene Ern√§hrung ist wichtig f√ľr die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Da viele Frauen w√§hrend der Schwangerschaft zu Obstipation neigen, ist noch mehr als sonst auf eine ballaststoffreiche Mischkost zu achten. Diese sollte au√üerdem hochwertige Proteine enthalten (etwa 15 %), ausreichend Kohlenhydrate (55 %, m√∂glichst keine schnell resorbierbaren, wegen herabgesetzter Glukosetoleranz) und Fette mit √ľberwiegend unges√§ttigten Fetts√§uren (30 %). Der durchschnittliche Energiebedarf einer Schwangeren betr√§gt ungef√§hr 2000 bis 2200 kcal/d, nach dem vierten Monat liegt er bei 2200 bis 2500 kcal/d. Vegetarier und Veganer sollten besonders auf eine ausreichende Vitamin B12-Zufuhr achten und dies eventuell √§rztlich kontrollieren lassen.[42] W√§hrend der Schwangerschaft sollten Frauen auf Rohmilchprodukte, auch auf Weichk√§se aus Rohmilch wegen der Infektionsgefahr, vor allem durch Listerien, weitestgehend verzichten. Andererseits f√ľhrt √úbergewicht der Mutter h√§ufig zu gesundheitlichen Problemen, Geburtsst√∂rungen und Entwicklungsst√∂rungen des Kindes (‚Üí Perinatale √úbergewichtspr√§vention).

Dar√ľber hinaus gibt es einige spezielle Bed√ľrfnisse w√§hrend der Schwangerschaft:

Folsäure

Fols√§ure (auch Vitamin B9 genannt) wird besonders zu Beginn der Schwangerschaft ben√∂tigt, um einem Neuralrohrdefekt vorzubeugen. Das Risiko einer schweren Missbildung kann minimiert werden durch Einnahme von Fols√§ure als Nahrungserg√§nzungsmittel.[43] Fols√§ure ist enthalten in Vollkornprodukten, gr√ľnem Blattgem√ľse, Spinat, Brokkoli, Karotten, Spargel, Rosenkohl, Tomaten, Eigelb, N√ľssen und Leber. Wobei auf Leber w√§hrend der Schwangerschaft verzichtet werden soll, weil die die hohe Konzentration von Vitamin A toxisch wirken k√∂nnte und die M√∂glichkeit einer √úbertragung von in der Leber gespeicherten Schadstoffen besteht. In mehreren L√§ndern, darunter den USA, wird Fols√§ure k√ľnstlich Mehl und Backwaren zugesetzt. Die N√ľtzlichkeit ist umstritten.

Calcium, Eisen und Vitamin D

Calcium und Eisen werden vom schnell wachsenden F√∂tus in einem besonders hohen Ma√üe ben√∂tigt. Calcium ist in besonders hohen Konzentrationen in Hartk√§se und anderen Milchprodukten enthalten; Eisen ist besonders reichhaltig in Fleisch, H√ľlsenfr√ľchten und Vollkornbrot enthalten. Leber enth√§lt zwar viel Eisen, jedoch ist der Vitamin-A-Gehalt so hoch, dass er das Kind sch√§digen kann.[44] Bei drohendem Eisenmangel (An√§mie) k√∂nnen auch Eisenpr√§parate eingenommen werden. Da Calcium nur bei Vorhandensein von Vitamin D aufgenommen wird, und dieses durch Sonnenlicht gebildet wird, sollte auf einen ausreichenden Aufenthalt im Freien geachtet werden. Auch fettes Fischfleisch (beispielsweise Lachs) ist eine Quelle von Vitamin D. Die Supplementation von Vitamin D in der Schwangerschaft kann unzureichend sein. Defizite fanden Lisa Bodnar und Kollegen in einer Studie bei 80 % der Afroamerikanerinnen und knapp der H√§lfte der wei√üen US-amerikanischen Frauen und dies obwohl neun von zehn der insgesamt 400 Schwangeren eine Vitamin-Supplementation betrieben.[45]

Fluor

Fluorid wird nicht nur als wichtig f√ľr die H√§rtung des Zahnschmelzes, sondern auch f√ľr das Knochenwachstum angesehen. Lebensmittel mit reichlichem Fluoridgehalt sind Seefische, schwarzer Tee und viele Mineralw√§sser (solche mit einem Fluoridgehalt von mehr als 1,5 mg je Liter m√ľssen mit dem Warnhinweis ‚Äěfluoridhaltig‚Äú versehen werden). In vielen Regionen kann die als ‚Äět√§glicher Bedarf‚Äú bezeichnete Menge von ca. 1 Milligramm Fluor (als Fluorid) nicht durch die Ern√§hrung gedeckt werden. Im Handel ist deshalb fluoridiertes Speisesalz und fluoridierte Zahnpasta erh√§ltlich. In manchen L√§ndern wird dem Trinkwasser Fluorid beigef√ľgt, was zu besseren Z√§hnen f√ľhren soll.

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fetts√§uren k√∂nnen vom K√∂rper nicht selbst gebildet werden. Aus der Omega-3-Fetts√§ure Eicosapentaens√§ure werden hormon√§hnliche Substanzen gebildet, die Einfluss auf die Dauer der Schwangerschaft haben, w√§hrend eine andere Omega-3-Fetts√§ure, Docosahexaens√§ure, f√ľr Aufbau und Funktion von Hirn und Auge (z. B. Bildung von Neuronal-Membranen) wichtig ist. Besonders Seefische wie Lachs, Sardelle, Sardine, Makrele oder Thunfisch liefern die beiden langkettigen Omega-3-Fetts√§uren Eicosapentaen- und Docosahexaens√§ure. Langlebige Raubfische wie Thun- oder Schwertfisch weisen jedoch h√§ufig einen relativ hohen Quecksilberanteil auf, so dass sie f√ľr Schwangere wenig geeignet sind.[46] Roher Fisch sollte vermieden werden.[47] In Lein-, Hanf-, Walnuss- und Raps√∂l ist die pflanzliche Omega-3-Fetts√§ure alpha-Linolens√§ure enthalten, die bei unseren Ern√§hrungsgewohnheiten nur unzureichend zu Eicosapentaen- und zu Docosahexaens√§ure verwandelt wird.[48]

In der Plazenta sitzt ein Protein, das die Versorgung des heranwachsenden Kindes vor allem mit Docosahexaens√§ure sicherstellt ‚Äď auf Kosten der Mutter.[49] Ist die Versorgung der Mutter mit Omega-3-Fetts√§uren besonders gut, dann treten weniger Fr√ľhgeburtsbestrebungen auf, die Schwangerschaft wird etwas l√§nger (plus 1,6 bis 2,6 Tage), und es treten weniger Wochenbettdepressionen auf.[50] Beim Kind entwickeln sich die Funktionen von Auge und Hirn besser (z. B. um vier Punkte h√∂herer Intelligenzquotient beim Vierj√§hrigen).[50] Deshalb wurden von den wesentlichen Fachgesellschaften neue Empfehlungen f√ľr Schwangere erarbeitet.[50] W√§hrend der Schwangerschaft sollten mindestens 200 mg DHA / Tag eingenommen werden, wobei darauf hingewiesen wurde, dass bis 2,7 g / Tag Omega-3-Fetts√§uren in wissenschaftlichen Studien ohne bedeutende Nebenwirkungen vertragen wurden. Fr√ľh in der Schwangerschaft sollten M√§ngel in der Ern√§hrung erkannt werden.[50] Hierzu eignet sich der Omega-3-Index (Gehalt an Omega-3-Fetts√§uren im Langzeitspeicher, den roten Blutk√∂rperchen).

Iod

Iodmangel in der Schwangerschaft kann Ursache f√ľr eine Kropfbildung beim Ungeborenen sein, aber auch Ausl√∂ser f√ľr mangelhaftes Wachstum, eine St√∂rung der Gehirnentwicklung oder Fehl- und Totgeburten sein. Die Deutsche Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung empfiehlt regelm√§√üig Milch und Milchprodukte zu essen sowie ausschlie√ülich iodiertes Speisesalz zu verwenden. H√§ufig ist eine zus√§tzliche Einnahme von Iodidtabletten notwendig.[51]

Vorbereitung auf die Geburt

Geburtsvorbereitungskurse

‚Üí Hauptartikel: Geburtsvorbereitung

Zur Vorbereitung auf die Geburt k√∂nnen Schwangere zusammen mit dem Partner einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen, der als regelm√§√üiger w√∂chentlicher Termin oder als Wochenendkurs von Hebammenpraxen, Geburts- und Krankenh√§usern angeboten wird. Inhalte dieser Kurse sind unter anderem Aufstellen eines Geburtsplans (Wahl des Geburtsorts, Geburtspositionen), nat√ľrliche Schmerzverarbeitung, k√ľnstliche Schmerzmittel und An√§sthesietechniken, Beckenbodentraining, Entspannungs√ľbungen, psychologische und soziale Aspekte der Familiengr√ľndung, Stillen und S√§uglingspflege. Eine Unterst√ľtzung zur Geburtsvorbereitung ist die Haptonomie.

Geburtsort

Bis 1950 war es in Deutschland selbstverst√§ndlich, zu Hause zu geb√§ren. Seitdem waren die Hausgeburten stetig r√ľckl√§ufig und heute werden 97 % der Kinder in Krankenh√§usern geboren, insbesondere bei Risikoschwangerschaften.[52] Daneben gibt es die Alternativen einer Geburt im Geburtshaus. In Entwicklungsl√§ndern wird aufgrund der allgemein schlechten medizinischen Versorgung nur eine von zwei Geburten von einem Arzt oder einer Hebamme betreut (siehe M√ľttersterblichkeit).

Vorgeburtliche Kontaktaufnahme

Ab ca. der 18. Schwangerschaftswoche sind Bewegungen des F√∂tus f√ľr die Schwangere sp√ľrbar. Fr√ľhestens ab der 23. Woche l√§sst sich der Herzschlag mit einem Stethoskop h√∂ren. Andere Personen k√∂nnen ab dem sechsten Monat Bewegungen des Ungeborenen durch die Bauchdecke sp√ľren. Durch moderne medizinische Methoden (beispielsweise Sonografie) l√§sst sich nachweisen, dass der F√∂tus bereits im Mutterleib weit entwickelte Sinne besitzt und seine Au√üenwelt wahrnehmen kann (Stimme der Mutter, Musik, Bewegung).

Gesellschaftliche Aspekte

Allgemeines

In den meisten Kulturkreisen besitzt die schwangere Frau einen besonderen gesellschaftlichen Status, und es wird ihr eine besondere (schonende) Behandlung zuteil. Gleichzeitig werden Erwartungen an sie gerichtet, die gro√üen psychischen Druck auf sie aus√ľben k√∂nnen, beispielsweise S√∂hne als Stammhalter zu geb√§ren (siehe Indien, China). In vielen traditionellen Gesellschaften muss einer Schwangerschaft eine Ehe vorausgehen, anderenfalls hat dies die soziale √Ąchtung der werdenden Mutter und des unehelichen Kindes zur Folge.

Dem Bild einer Schwangeren wird oft als Fruchtbarkeitssymbol mystische Bedeutung zugemessen. Ein Hinweis auf einen Fruchtbarkeitskult in Mitteleuropa in pr√§historischer Zeit ist die Venus von Willendorf, 25.000 v. Chr. mit ihren √ľberzeichneten weiblichen Geschlechtsmerkmalen (gro√üe Br√ľste, √ľppiger Bauch, prominenter Venush√ľgel).

Insgesamt begleiten zahlreiche, (zumeist von der Volkskunde und Ethnologie untersuchte) Bräuche die Schwangerschaft, etwa mit volksmedizinischem oder religiösem Hintergrund. Ein moderner Brauch ist die Babyparty.

Auch in der Familiensoziologie ist die Schwangerschaft ein bedeutsames Thema, denn das kommende Kind wird in mannigfachen sozialen Rollen (z. B. als k√ľnftiger Erbe oder Sozialhilfeempf√§nger) schon vorab sozial platziert werden m√ľssen (dies beschleunigt z. B. Hochzeiten), und das Verh√§ltnis der Eltern zueinander und in ihrem sozialen Umfeld (etwa in der Ehe) wird gleichfalls vorab ge√§ndert (auff√§llig in Erbmonarchien).

K√ľnstlerische Behandlung

In den Bildenden K√ľnsten besteht infolge der Bedeutung der Muttergottes im Christentum eine lange Tradition von Darstellungen der Schwangeren.

In der Literatur ist auf zahlreiche Behandlungen hinzuweisen, vor allem auch im Zusammenhang einer unehelichen Schwangerschaft ‚Äď ein klassisches Beispiel ist die ‚ÄěGretchentrag√∂die‚Äú in Goethes Faust.

Demografie

Das Durchschnittsalter der Erstgebärenden steigt in ganz Europa kontinuierlich an. In Westdeutschland lag es 1975 bei 24,8 Jahren, in Ostdeutschland bei 21,8 Jahren. Im Jahr 2000 betrug das durchschnittliche Alter westdeutscher Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes 29 Jahre, in Ostdeutschland 28,4 Jahre. Gleichzeitig besteht ein Geburtendefizit in den meisten westlichen Industrieländern (siehe Demografie).[53]

Gewollte und ungewollte Schwangerschaften

Reproduktionsmedizin

Die Reproduktionsmedizin bietet heute ungewollt kinderlosen Paaren eine Reihe von m√∂glichen Ma√ünahmen: Fertilit√§tsbehandlung, k√ľnstliche Befruchtung (Retortenbaby), Leihmutterschaft.

Schwangerschaftsabbruch aus sozialen Gr√ľnden

‚Üí Hauptartikel: Schwangerschaftsabbruch

Ein Versagen der Verh√ľtung, ungen√ľgende Empf√§ngnisverh√ľtung, schlechte Familienplanung oder auch Straftaten (Vergewaltigung) k√∂nnen zu ungewollten Schwangerschaften f√ľhren. Derzeit stellen die sozialen Gr√ľnde in Deutschland die Hauptmotive f√ľr Abtreibungen. Von den 110.694 Schwangerschaftsabbr√ľchen im Jahr 2009 waren nur 2,9 % medizinisch oder kriminologisch (bei Vorliegen dringender Gr√ľnde f√ľr die Annahme, dass die Schwangerschaft auf einem Sexualdelikt beruht[54]) indiziert.[39]

Vor einigen Jahrzehnten noch kriminalisiert, ist in den meisten westeurop√§ischen Staaten ein Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft inzwischen straffrei. Sehr streng ist die Handhabung in Irland, Nordirland, Malta und Polen. In Deutschland kann ein Schwangerschaftsabbruch innerhalb der vollendeten ersten 14 Wochen, gerechnet ab der letzten Monatsblutung (12 Wochen ab Befruchtung) stattfinden, sofern ihm eine Schwangerschaftskonfliktberatung vorausgegangen ist. Bei bestehender medizinischer Notwendigkeit (ernsthafte Gefahr f√ľr die Gesundheit der Mutter) ist ein Schwangerschaftsabbruch theoretisch bis zur Geburt m√∂glich (s. o.).[55]

Siehe auch

Gesetzliche Schutzmaßnahmen der Schwangerschaft

An eine Schwangerschaft sind in den meisten europ√§ischen L√§ndern verschiedene gesetzliche Regelungen zum Schutz von Mutter und Kind gekoppelt, z. B. K√ľndigungsschutz. Bestimmte T√§tigkeiten wie das Heben schwerer Lasten oder Nachtarbeit d√ľrfen nicht mehr ausgef√ľhrt werden. In Deutschland beginnt der Mutterschaftsurlaub (Mutterschutz) sechs Wochen vor dem mutma√ülichen Entbindungstermin und erstreckt sich bis acht Wochen nach der Geburt, bei Fr√ľhgeburten und Mehrlingsgeburten bis zw√∂lf Wochen danach.

Absicherung in der Schwangerschaft und Erziehungszeit in Deutschland
Vereinfachte Darstellung
Zeitraum/ -punkt Vor der Schwanger- schaft Beginn der Schwanger- schaft Mitteilung an den Arbeit- geber restliche Zeit der Schwanger- schaft 6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin Tag der Geburt 8 Wochen nach der Geburt bis 12 Monate
nach der Geburt
bis max. zum 3. Lebensjahr Wieder- einstieg in die Arbeit Kinder- erziehung Nach der Kinder- erziehung
Arbeitsentgelt und andere finanzielle Leistungen: Nettogehalt x ‚ā¨ / Monat
BGB § 611
Mutterschaftsgeld: 13 ‚ā¨ / Tag
MuSchG ¬ß¬ß 13‚Äď14
Nettogehalt x ‚ā¨ / Monat
BGB ¬ß 611
Anspruch auf Entgeltfortzahlung, MuSchG ¬ß 11 Nettogehalt x ‚ā¨ / Monat abzg. Mutterschaftsgeld
MuSchG ¬ß¬ß 13‚Äď14
Elterngeld
minimal 300 ‚ā¨, max. 1800 ‚ā¨
BEEG ¬ß¬ß 1‚Äď6
Kindergeld 184 ‚ā¨ / Monat, bzw. Kinderfreibetrag, EStG ¬ß¬ß 31‚Äď32, 62‚Äď78
Recht auf unbezahlte Freistellung: Elternzeit, BEEG ¬ß¬ß 15‚Äď16
Recht auf Teilzeitarbeit: TzBfG ¬ß 8 BEEG ¬ß¬ß 15‚Äď16 TzBfG ¬ß 8
Besch√§ftigungsverbot: ggf. Besch√§ftigungsverbot gem√§√ü MuSchG ¬ß 3 Abs. 1, ¬ß 4, ¬ß 8 Abs. 1, 3 oder 5 Mutterschutz, MuSchG ¬ß¬ß 3‚Äď8
optional gesetzlich vorgeschrieben
K√ľndigungsschutz: MuSchG ¬ß¬ß 9‚Äď10 BEEG ¬ß¬ß 18‚Äď19
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!

Sonstiges

Die j√ľngste Person, die ein gesundes Kind zur Welt brachte, war die Peruanerin Lina Medina (siehe auch: Mutterschaft Minderj√§hriger). Der Beginn der Schwangerschaft erfolgte im Alter von vier Jahren, bei der Geburt ihres Sohnes war sie f√ľnfeinhalb Jahre alt. Der weltweite Altersrekord bei einer Entbindung wird derzeit von einer Spanierin aus Barcelona gehalten, die 2006 nach einer k√ľnstlichen Befruchtung im Alter von 67 Jahren Zwillinge zur Welt brachte.[56] Die j√ľngste Mutter von sieben Kindern d√ľrfte ein 16-j√§hriges M√§dchen aus Argentinien sein, die 2007 zum zweiten Mal Drillinge, wieder drei M√§dchen bekommen hat.[57] Nachdem sie mit 14 Jahren als erstes Kind einen Sohn bekommen hatte, brachte sie 2006 Drillinge zur Welt. Vor der Geburt ihres Sohnes hatte sie nach eigener Aussage bereits ein Kind durch eine Fehlgeburt verloren.[58]

Aus dem Urin schwangerer Frauen wurde in den 1930er Jahren in der Sowjetunion ‚ÄöGravidan‚Äė gewonnen, das angeblich Gl√ľcksgef√ľhle hervorrufen soll.

Literatur

  • Barbara Duden, J√ľrgen Schlumbohm, Patrice Veit (Hrsg.): Geschichte des Ungeborenen: Zur Erfahrungs- und Wissenschaftsgeschichte der Schwangerschaft, 17.‚Äď20. Jahrhunderts. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, G√∂ttingen 2002, ISBN 3-525-35182-8.
  • Lennart Nilsson: Ein Kind entsteht. Bilddokumentation √ľber die Entwicklung des Lebens im Mutterleib. Fotos: Lennart Nilsson. Text: Lars Hamberger. √úbersetzung: Angelika Kutsch. Mosaik, M√ľnchen 1995, ISBN 3-576-04918-5.
  • Werner Rath, Klaus Friese: Erkrankungen in der Schwangerschaft. Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 3-13-136271-5.
  • Schaefer, Spielmann, Vetter: Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit. Urban & Fischer, 2006, ISBN 3-437-21332-6.
  • Stiefel, Geist: Hebammenkunde. Hippokrates, 2005, ISBN 3-8304-5311-6.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Schwangerschaft ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen
 Commons: Schwangerschaft ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Kluge: Etymologisches W√∂rterbuch der deutschen Sprache 24. Auflage
  2. ‚ÜĎ S. M√ľller-Lissner, C. Benkwitz: Schwangerschaftsbedingte Funktionsst√∂rungen. In: G. Adler: Klinische Gastroenterologie und Stoffwechsel. Springer Verlag, 2000, ISBN 3540650598, S. 1005
  3. ‚ÜĎ Franz Kainer: Facharzt Geburtsmedizin. Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2005, ISBN 3437237500, S. 399
  4. ‚ÜĎ Musculoskeletal System. (engl.)
  5. ‚ÜĎ External appearance of the embryo and fetus. (engl.)
  6. ‚ÜĎ The Visible Embryo.
  7. ‚ÜĎ a b Hadlock F.P. et al: Fetal Crow-Rump Lenght: Reevaluation of Relation to Menstrual Age (5-18 weeks) with High-Resolution Real-Time US. In: Radiology. 1992; 182, S. 501‚Äď505.
  8. ‚ÜĎ A Four Chambered Heart. ff
  9. ‚ÜĎ Reisen in der Schwangerschaft. Auf: schwangerschaft.at
  10. ‚ÜĎ Susan J. Lee, Henry J. Peter Ralston, Eleanor A. Drey, John Colin Partridge, Mark A. Rosen: Fetal Pain: A Systematic Multidisciplinary Review of the Evidence. In: Journal of the American Medical Association. 294 (8) (2005), S. 947‚Äď954.
  11. ‚ÜĎ Ab dem sechsten Monat wird die Gr√∂√üe des F√∂tus in der Regel nicht mehr vom Scheitel bis zum Stei√ü, sondern bis zur Fusssohle angegeben.
  12. ‚ÜĎ K Riley et al.: Survival and neurodevelopmental morbidity at 1 year of age following extremely preterm delivery over a 20-year period: a single centre cohort study. In: Acta P√¶diatrica. 2008; 97(2), S. 159‚Äď165.
  13. ‚ÜĎ Bundeszentrale f√ľr gesundheitliche Aufkl√§rung: Pilzinfektionen, Scheidenpilz.
  14. ‚ÜĎ Peter B√∂hi: Lageanomalien inkl. Beckenendlage.
  15. ‚ÜĎ Kaaja & Greer: Manifestations of chronic disease during pregnancy. In: JAMA. 2005;294, S. 2751‚Äď2757. PMID 16333011 (√úbersichtsarbeit)
  16. ‚ÜĎ Unicef M√ľttersterblichkeitsrate
  17. ‚ÜĎ Deutsche Stiftung Weltbev√∂lkerung: Jede Minute stirbt eine Frau an Komplikationen bei der Schwangerschaft oder Geburt.
  18. ‚ÜĎ Bundeszentrale f√ľr gesundheitliche Aufkl√§rung: EPH-Gestose, Pr√§eklampsie, Schwangerschaftsvergiftung.
  19. ‚ÜĎ Werner Rath, Klaus Friese: Erkrankungen in der Schwangerschaft. Thieme, 2005, S. 347.
  20. ‚ÜĎ Werner Rath, Klaus Friese: Erkrankungen in der Schwangerschaft. Thieme, 2005, S. 351.
  21. ‚ÜĎ Anke Rohde, Almut Dorn: Gyn√§kologische Psychosomatik und Gyn√§kopsychiatrie ‚Äď Das Lehrbuch. Schattauer, 2007, S. 151‚Äď152.
  22. ‚ÜĎ Berufsverband der Frauen√§rzte: Im Mutterleib der Droge Alkohol schutzlos ausgeliefert. 13. Februar 2006.
  23. ‚ÜĎ Bundeszentrale f√ľr gesundheitliche Aufkl√§rung: Genussmittel, Drogen, Medikamente in der Schwangerschaft.
  24. ‚ÜĎ bw-suchtweb.de Zentralinstitut f√ľr Seelische Gesundheit.
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  27. ‚ÜĎ JAAKKOLA, Am J Public Health. 2004 Jan;94(1):136-40
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  30. ‚ÜĎ J√ľrgen Kleinebrecht (Begr.), Klaus Friese: Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit : ein Leitfaden f√ľr √Ąrzte und Apotheker; mit 37 Tabellen. 7. √ľberarb. Aufl. Wiss. Verl.-Ges., Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8047-2524-9.
  31. ‚ÜĎ Peter B√∂hi: Infektionskrankheiten w√§hrend der Schwangerschaft.
  32. ‚ÜĎ Deutsche Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung: Infektionen mit Toxoplasmen k√∂nnen Ungeborenem schaden. 19. Mai 1998.
  33. ‚ÜĎ Wunder, Evison: Antiretrovirale Therapie und Schwangerschaft. In: Ther Umsch. 2005;62(1), S. 37‚Äď42. PMID 15702705 (deutschsprachige √úbersichtsarbeit)
  34. ‚ÜĎ Bundeszentrale f√ľr gesundheitliche Aufkl√§rung: HIV in der Schwangerschaft.
  35. ‚ÜĎ Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Deutsch-√Ėsterreichische Empfehlungen zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen.
  36. ‚ÜĎ Robert-Koch-Institut: Kann in der Schwangerschaft geimpft werden? Sind Impfungen in der Stillzeit m√∂glich? Stand: 21. September 2005.
  37. ‚ÜĎ Thomas W. Sadler: Medizinische Embryologie. Die normale menschliche Entwicklung und ihre Fehlbildungen. 10. Auflage. Thieme, 2003, S. 39.
  38. ‚ÜĎ Statistisches Bundesamt: Schwangerschaftsabbr√ľche in Deutschland, Quote je 1.000 Geburten.
  39. ‚ÜĎ a b Statistisches Bundesamt: Schwangerschaftsabbr√ľche in Deutschland 2001‚Äď2007.
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  41. ‚ÜĎ M. Grosskopf: Der ‚ÄěSchwangerschaftstumor‚Äú der Gingiva. Dissertation. Johann Wolfgang Goethe-Universit√§t, Frankfurt am Main 2005, S. 24.
  42. ‚ÜĎ Vegetarier-Bund Deutschlands e. V.: Vegetarische Ern√§hrung in der Schwangerschaft und Stillzeit.
  43. ‚ÜĎ Deutsche Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung: Fols√§ure und Schwangerschaft.
  44. ‚ÜĎ Sch√§dlichkeit von Leber unmittelbar vor/w√§hrend Schwangerschaft. Auf: was-wir-essen.de
  45. ‚ÜĎ Lisa M. Bodnar et al: In: Journal of Nutrition. 137 (2007), S. 447‚Äď452.
  46. ‚ÜĎ Martin Kotynek: Warnung vor Quecksilber im Speisefisch. In: S√ľddeutsche Zeitung. 8. M√§rz 2007.
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  50. ‚ÜĎ a b c d B. Koletzko, E. Lien, C. Agostoni, H. B√∂hles, C. Campoy, I. Cetin, T. Decsi, JW. Dudenhausen, C. Dupont, S. Forsyth, I. Hoesli, W. Holzgreve, A. Lapillonne, G. Putet, NJ. Secher, M. Symonds, H. Szajewska, P. Willatts, R. Uauy: The roles of long-chain polyunsaturated fatty acids in pregnancy, lactation and infancy: review of current knowledge and consensus recommendations. In: J Perinat Med. 2008;36(1), S. 5‚Äď14.
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  54. ‚ÜĎ Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Definition der kriminologischen Indikation, abgerufen am 4. Oktober 2010
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  58. ‚ÜĎ Zum zweiten Mal Drillinge ‚Äď mit sechzehn!. Auf: saz-aktuell.com 11. Februar 2008.

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