Sedimente und Sedimentgesteine

ÔĽŅ
Sedimente und Sedimentgesteine
Schichten alpinen Muschelkalks in der Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen
Sandstein im Killesbergpark, Stuttgart
Sedimentation im Flyschkomplex der Niederen Beskiden auf polnischer Seite / deutliche Wechsellagerung von Sandsteinen, Tonschiefern und Tonsteinen
Marine Sedimente in Utah

Sedimente und Sedimentgesteine, auch Ablagerungsgesteine oder Schichtgesteine, entstehen durch Sedimentation, also die Ablagerung von Material an Land und im Meer (terrestrische und marine Sedimente). Davon unterschieden werden die Eruptivgesteine, die sich zwar auch an der Erdoberfl√§che bilden, aber aus der raschen Abk√ľhlung einer Gesteinsschmelze hervorgehen.

Sedimente und Sedimentgesteine unterteilt man in die Hauptgruppen Klastische Sedimente (Klastika, Tr√ľmmergesteine), Chemische Sedimente, Biogene Sedimente (Organogene Sedimente) und Residualgesteine:

Der Vorgang der Sedimentation findet auf dem Land (terrestrisch), in Fließgewässern (fluviatil) oder in Seen (limnisch) und Meeren (marin) statt.

Zur Unterscheidung werden unverfestigte Sedimente Lockersediment genannt, während verfestigte Sedimente Sedimentgesteine genannt werden.

Inhaltsverzeichnis

Bildung von Sedimentgesteinen aus unverfestigten Sedimenten

Sedimentgesteine gehen durch Diagenese (Lithifizierung, Lithogenese) aus unverfestigten Sedimenten (Lockersedimente) hervor. Bei der Diagenese kommt es durch den erh√∂hten Umschlie√üungsdruck infolge der weiteren √úberlagerung mit Sediment bei fortschreitender Sedimentation zur Entw√§sserung und Kompression einer Sedimentlage, zur Druckl√∂sung im Kontakt von Mineralk√∂rnern und zur F√§llung eines Zements, was zur Umwandlung des sediment√§ren Lockergesteins in ein Festgestein f√ľhrt. Ein Sonderfall der Diagenese ist die Inkohlung, bei der sich unter Wirkung von Druck und Temperatur leichtfl√ľchtige organische Komponenten eines Gesteins abscheiden, gegebenenfalls entweichen oder dass sie sich in schwerfl√ľchtige, zum Gro√üteil aromatische Kohlenwasserstoffe umwandeln.

Grundlegende Eigenschaften

Charakteristisch f√ľr Sedimente ist die auf Materialwechsel zur√ľckgehende Schichtung. Eine Schicht bildete dabei f√ľr zumindest kurze Zeit die Erdoberfl√§che. Weiter sind Sedimentgesteine die einzigen Gesteine, die Fossilien enthalten k√∂nnen. Die Einwirkung von hohem Druck und/oder hoher Temperatur war bei Sedimentgesteinen w√§hrend der gesamten Dauer ihrer Existenz nicht gegeben.

Die sedimentbildenden Prozesse werden durch die Wirkungen der Erdatmosph√§re, der Hydrosph√§re und der Biosph√§re auf die Oberfl√§che des festen Erdk√∂rpers beeinflusst. Das Sediment wird dabei von den Bedingungen gepr√§gt, unter denen es entstanden ist. Alle Umweltbedingungen, die zur Bildung eines Sedimentes beitragen, werden unter dem Begriff Milieu zusammengefasst, die daraus resultierenden Eigenschaften bezeichnet man als Fazies eines Gesteins. Milieu und Fazies sind charakteristisch f√ľr verschiedene Sedimentationsr√§ume.

Einteilung

Nach dem Bildungssystem

Die Geologie klassifiziert den Vorgang der Sedimentation nach der Entstehung der Sedimente, der entsprechende Zweig der Wissenschaft wird Sedimentologie genannt.

Sie unterscheidet Sedimente nach ihrer Entstehung als

Nach den Korngrößen

Die Sedimente werden wie die Korngr√∂√üen einfach als Ton, Schluff (oder Silt), Sand oder Kies bezeichnet. Lockergesteine mit einem √ľberwiegenden Anteil an groben Korngr√∂√üen, wie Kies, Steine, Bl√∂cke nennt man bei abgerundeten Partikeln Ger√∂ll und bei kantigem Material Schutt.

Je nach der Korngröße unterscheidet man folgende klastische Festgesteine:

  • Konglomerat oder Brekzie bei Korngr√∂√üen gr√∂√üer als 2 mm. Konglomerate bestehen aus abgerundeten, Brekzien aus kantigen Gesteinstr√ľmmern.
  • Sandstein besteht √ľberwiegend aus Quarzk√∂rnern der Korngr√∂√üe 0,063 bis 2 mm.
  • Schluffstein (oder Siltstein) besteht aus K√∂rnern, die zwischen 0,002 und 0,063 mm gro√ü sind.
  • Tonstein enth√§lt √ľberwiegend Partikel, die kleiner als 0,002 mm (2 ¬Ķm) sind.

Fr√ľher verwendete man f√ľr die Klassifizierung auch die Begriffe Psephite f√ľr gro√üe Korngr√∂√üen, Psammite f√ľr mittlere und Pelite f√ľr kleine Korngr√∂√üen. Der letzte Begriff wird heute noch verwendet. Ebenfalls auf die Korngr√∂√üe bezogen sind die Begriffe Lutit (kleiner als 0,063 mm), Arenit (zwischen 0,063 und 2 mm) und Rudit (gr√∂√üer als 2 mm), die vor allem bei der Klassifizierung von klastischen Kalksteinen verwendet werden.

Nach dem Entstehungsprozess

Klastische Sedimentgesteine

Als Klastika (gr. klast√≥ - (ab)gebrochen, von kl√£n - (ab)brechen) oder klastische Sedimentite bezeichnet man Sedimentgesteine, deren Material aus der mechanischen Zerst√∂rung anderer Gesteine stammt. Eine weitere Bezeichnung ist Tr√ľmmergestein. Klastische Sedimente werden anhand des Korngr√∂√üenspektrums charakterisiert, anhand des Materials, aus dem sie bestehen, und anhand ihrer Genese.

Material und Bindemittel:

  • Enth√§lt ein Sandstein bedeutende Mengen anderer Minerale als Quarz (vor allem Feldspat), spricht man von einer Arkose, bei einem breiten Spektrum an Mineralien und anderen Gesteinsbruchst√ľcken sowie einer aus Glimmer und Tonmineralen bestehenden Matrix von einer Grauwacke.
  • Siliziklastika bestehen √ľberwiegend aus Silikatmineralen wie Quarz oder Feldspat.
  • Ein klastisches Sedimentgestein aus unterschiedlichen Mineralen und mit breitem Korngr√∂√üenspektrum, die von einem Tr√ľbestrom abgelagert wurden, wird Turbidit genannt.

Die Körner und Mineralkomponenten, aus denen die klastischen Sedimentgesteine bestehen, sind mit Hilfe von chemischem oder mineralischem Zement verkittet. Hierbei kann es sich um Tonmineralien, kalkige Bindemittel (CaCO3), kieselige Bindemittel (SiO2) und ferritische Bindemittel (FeO(OH)) handeln.

Chemische Sedimentgesteine

Chemische Sedimentite bzw. chemische Sedimentgesteine entstehen durch die F√§llung gel√∂ster Stoffe aus √ľbers√§ttigten L√∂sungen. H√§ufig werden dabei die Evaporite (Karbonate wie Kalkstein, Sulfate, Halogenide und andere Salze) gebildet, die m√§chtige Gesteinspakete umfassen und Formationen bilden k√∂nnen, wie der Zechstein in Nord- und S√ľddeutschland.

Biogene Sedimentgesteine

In diesem Sedimentkern aus dem S√ľdatlantik wechseln sich dunkle und helle Bereiche ab, hervorgerufen durch unterschiedliche Gehalte an Planktonschalen. Die Wechsel spiegeln die Klimazyklen des Quart√§r wider.

Biogene Sedimentite, auch organogene Sedimentite bzw. biogene Sedimentgesteine werden durch Aktivitäten von lebenden Organismen wie auch aus Resten von toten Organismen gebildet. Hierzu gehören die aktive Ausscheidung mineralischer Substanzen, die sich zu mächtigen Sedimentpaketen anhäufen können, wie Riffkalke oder Mud Mounds. Reste abgestorbener Organismen können auch größere Sedimentkörper bilden, Torf oder Kohle, die durch die Anhäufung von abgestorbenen Pflanzenresten entstehen, oder Bone beds.

R√ľckstandsgesteine

R√ľckstandsgesteine, auch Residualgesteine, entstehen aus den R√ľckst√§nden chemisch aufbereiteter Gesteine am Ort der Gesteinszerst√∂rung (Verwitterung) wie Laterit (aus fast allen Gesteinen), Bauxit (aus Karbonatgestein ‚Üí Kalkbauxit oder Silikatgestein ‚Üí Silikatbauxit) und Kaolin (aus Granit, Rhyolith, Arkose) oder Wegf√ľhrung von leichtl√∂slichen Gesteinskomponenten.

Bedeutung von Sedimentgesteinen

Viele Sedimentgesteine werden wirtschaftlich genutzt (z. B. Kalkstein in der Bauindustrie). In Sedimenten k√∂nnen Erd√∂l und Erdgas entstehen (Erd√∂lmuttergestein), die dann in ein Erd√∂lspeichergestein ausgepresst werden k√∂nnen. Stein- und Braunkohle sind ebenfalls Sedimentgesteine von gro√üer wirtschaftlicher Bedeutung.

Sedimentgesteine (insbesondere Kalkstein und Dolomit) k√∂nnen gro√üe Mengen an Karbonat enthalten, f√ľr dessen Bildung Kohlendioxid gebraucht wird. Im Vergleich zu den Atmosph√§ren etwa von Venus oder Mars, wo diese Sedimente nicht oder kaum vorkommen, ist der Anteil von Kohlendioxid in der Erdatmosph√§re deshalb extrem gering.

Das Studium der Sedimentgesteine ermöglicht unter anderem durch die in ihnen enthaltenen Strukturen, Mineralien und Fossilien die Rekonstruktion von Lebensräumen, die vor geologischen Zeiten bestanden haben.

Siehe auch

Literatur

  • W. Maresch, O. Medenbach: Steinbachs Naturf√ľhrer Gesteine. Mosaik Verlag, M√ľnchen 1996, ISBN 3-576-10699-5.
  • H. F√ľchtbauer: Sedimente und Sedimentgesteine. 4. neubearbeite Auflage. Schweizerbart‚Äôsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1988, 1141 S., ISBN 3-510-65138-3

Weblinks

 Commons: Sedimentgestein ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Sediment ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Sedimente ‚ÄĒ Schichten alpinen Muschelkalks in der Partnachklamm bei Garmisch Partenkirchen Sandstein ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Sedimentgesteine ‚ÄĒ Schichten alpinen Muschelkalks in der Partnachklamm bei Garmisch Partenkirchen Sandstein ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Sedimentgesteine ‚ÄĒ SedimeŐ£ntgesteine, ¬† SedimentiŐ£te, SedimeŐ£nte, Absatzgesteine, durch Ablagerung (Sedimentation) oder biologischem Wachstum gebildete (Sedimente, Lockergesteine) und durch Diagenese verfestigte Gesteine. Den Hauptmineralbestand der… ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Sediment und Sedimentgestein ‚ÄĒ Schichten alpinen Muschelkalks in der Partnachklamm bei Garmisch Partenkirchen Sandstein ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Vorland im Osten und S√ľdosten ‚ÄĒ Alpenvorland bei Kempten im Allg√§u Als Alpenvorland bezeichnet man das Hochland rund um die Alpen. N√∂rdliches Alpenvorland zwischen Donau und den Nordalpen √Ėstliches und s√ľd√∂stliches Alpenvorland zwischen dem Ostrand der Ostalpen und dem… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Kohlendioxid-Abscheidung und -Lagerung ‚ÄĒ Unter CO2 Sequestrierung versteht man die Deponierung von Kohlenstoffdioxid (CO2), das in Kraftwerken erzeugt wird, die mit fossilen Rohstoffen wie Kohle, Gas oder √Ėl betrieben werden. Die Sequestrierung ist Teil der Kohlendioxid Abscheidung und… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Liste lateinischer Lehn- und Fremdw√∂rter im Deutschen ‚ÄĒ Die Liste lateinischer Lehn und Fremdw√∂rter im Deutschen ist eine Liste mit deutschen Begriffen, die ihren Ursprung im Latein haben. Im Alltagsbereich finden sich deutsche W√∂rter mit lateinischen Wurzeln √ľberwiegend bei den Begriffen, die vom… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Ablagerungsgestein ‚ÄĒ Schichten alpinen Muschelkalks in der Partnachklamm bei Garmisch Partenkirchen Sandstein im Killesbergpark ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Ablagerungsgesteine ‚ÄĒ Schichten alpinen Muschelkalks in der Partnachklamm bei Garmisch Partenkirchen Sandstein im Killesbergpark ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Chemisches Sediment ‚ÄĒ Schichten alpinen Muschelkalks in der Partnachklamm bei Garmisch Partenkirchen Sandstein im Killesbergpark ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.