SelbstÀndige Evangelisch-Lutherische Kirche

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SelbstÀndige Evangelisch-Lutherische Kirche
SelbstÀndige Evangelisch-Lutherische Kirche
SELK-Signet.jpg
Basisdaten
Leitender
Geistlicher:
Bischof
Hans-Jörg Voigt
Mitgliedschaft: Internationaler Lutherischer Rat,
EuropÀische Lutherische Konferenz,
Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
Sprengel: 4
Kirchenbezirke: 11
Gemeinden: 200 in 127 Pfarrbezirken
Gemeindeglieder: 34.542 (Stand: 2010)[1]
Anschrift: Schopenhauerstraße 7
30625 Hannover
Internetauftritt: www.selk.de

Die SelbstÀndige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) ist eine lutherische Kirche altkonfessioneller PrÀgung, die sich selbst als lutherische Bekenntniskirche bezeichnet und von ihrem SelbstverstÀndnis sich als Teil der Einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche versteht. Sie ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Sitz in Hannover. Kirchengemeinden der SELK finden sich in ganz Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die kirchengeschichtliche Entstehung und Entwicklung freier und staatsunabhĂ€ngiger evangelisch-lutherischer Kirchen bis zur heutigen SelbstĂ€ndigen Evangelisch-Lutherischen Kirche sind Ă€ußerst komplex.[2]

Die Ă€lteste und grĂ¶ĂŸte VorgĂ€ngerkirche war die Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche, welche auf Grund der Auseinandersetzungen um die staatlich angeordnete Union von lutherischer und reformierter Kirche in Preußen im Jahr 1830 entstand. Bis 1972 (fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland) bzw. bis 1991 (fĂŒr die Deutsche Demokratische Republik) blieb diese lutherische Kirche selbstĂ€ndig. 1972 (West) bzw. 1991 (Ost) trat sie der SELK bei.

In der Auseinandersetzung mit Rationalismus und anderen theologischen Richtungen des 19. Jahrhunderts entstanden auch in anderen Teilen Deutschlands selbstÀndige evangelisch-lutherische Kirchen:

Die vier letztgenannten lutherischen Bekenntniskirchen schlossen sich 1945 zur (alten) SelbstĂ€ndigen Evangelisch-Lutherischen Kirche zusammen. Im Jahr 1950 schloss sich die Renitente Kirche ungeĂ€nderter Augsburgischer Konfession in Hessen als fĂŒnfte Kirche der (alten) SELK an.

Die (alte) SelbstĂ€ndige Evangelisch-Lutherische Kirche war föderativ strukturiert. Die Leitung hatte ein 5-köpfiges Superintendentenkollegium unter Vorsitz des Kirchensuperintendenten. Dieses Amt hatten unter anderem Lic. Werner Srocka (Hermannsburg, Landkreis Celle) und Horst BrĂŒgmann (Wriedel, Landkreis Uelzen) inne.

Die (alte) SELK schloss sich 1972 mit zwei weiteren lutherischen Kirchen altkonfessioneller PrÀgung, nÀmlich

  • der Evangelisch-lutherischen (altlutherischen) Kirche (auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland) und
  • der Evangelisch-Lutherischen Freikirche (ebenfalls auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland) zur heutigen SelbstĂ€ndigen Evangelisch-Lutherischen Kirche zusammen.[3]

Dieser Kirche schlossen sich 1976 die Evangelisch-Lutherische Bekenntniskirche in der Diaspora und 1991 die Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche auf dem Gebiet der DDR als weitere Kirchen an. Damit erreichte sie das heutige Verbreitungsgebiet ihrer Gemeinden. Sie umfasst jedoch nicht alle selbstĂ€ndigen, also keiner Landeskirche angehörenden, lutherischen Gemeinden in Deutschland. So existiert weiterhin die Evangelisch-Lutherische Kirche in Baden, die sich seit 1983 wieder in Kirchengemeinschaft mit der SELK befindet, und die Evangelisch-Lutherische Freikirche. Zu dieser besteht keine Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft. Die Evangelisch-Lutherische Freikirche hat diese 1989 aufgekĂŒndigt.

Lehre

Die SELK definiert ihre Lehre anhand der Bibel und der Lutherischen Bekenntnisschriften. Diese Haltung war bereits fĂŒr die GrĂŒndung der VorgĂ€ngerkirchen entscheidend, beispielsweise aus der Ablehnung der staatlich angeordneten und teilweise gewaltsam durchgesetzten Union von lutherischer und reformierter Kirche in Preußen. Heute ĂŒbt die SELK ZurĂŒckhaltung bzw. verhĂ€lt sich ablehnend gegenĂŒber bestimmten Tendenzen im Luthertum wie z. B. liberalen, feministischen oder politischen Deutungsmodellen der Bibel oder der Bekenntnisschriften. Damit steht die SELK fĂŒr eine konservative Traditionslinie lutherischer Theologie, wie sie in den lutherischen Landeskirchen in Deutschland vereinzelt innerhalb eines weiten Auslegungsspektrums vertreten wird.

Die lutherischen Bekenntnisschriften

Die Lutherrose: ein Symbol der Evangelisch-Lutherischen Kirchen

Die lutherischen Bekenntnisschriften gelten fĂŒr die SELK als einzig gĂŒltige und verbindliche Auslegung der Bibel. Darum bindet sich die SELK an die Lutherischen Bekenntnisschriften, weil sie den Aussagen der Bibel entsprechen; diese quia-Bindung ist in der Konkordienformel in der Einleitung „Vom summarischen Begriff“ grundgelegt.[4] Somit ist die SELK eine konkordienlutherische Kirche. Dennoch sind die lutherischen Bekenntnisschriften von der Bibel zu ĂŒberprĂŒfen (norma normata), auch wenn diese normative Anwendung wiederum von einer streng angewandten lutherischen Auslegungstradition geprĂ€gt ist.[5] Im Unterschied dazu binden sich die Lutherischen Landeskirchen in der VELKD an die Lutherischen Bekenntnisschriften, insofern (quatinus-Bindung) sie mit der Bibel ĂŒbereinstimmen. Diese andere Interpretation ermöglicht es, ein weitaus grĂ¶ĂŸeres und liberaleres Auslegungsspektrum zu vertreten und innerhalb einer Kirche auch gegensĂ€tzliche Positionen zuzulassen.

Im Bekenntnisstand der SELK befinden sich folgende lutherische Bekenntnisschriften:

  • Die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse (auch ökumenische Bekenntnisse genannt)
  1. Das NicÀnische Glaubensbekenntnis (325/381)
  2. Das apostolische Glaubensbekenntnis (ca. 200)
  3. Das athanasianische Glaubensbekenntnis (ca. 250)

Diese lutherischen Bekenntnisschriften sind im Konkordienbuch von 1580 zusammengefasst.[6]

Die vier lutherischen soli

Die vier soli der lutherischen Reformation finden in der Lehre der SelbstÀndigen Evangelisch-Lutherischen Kirche ihre Entsprechung:

  • Die Heilige Schrift, Altes und Neues Testament, ist das unfehlbare Wort Gottes, nach welchem alle Lehre und Lehrer zu beurteilen sind (sola scriptura). Die Bibel ist darum norma normans (Sie normiert jegliche Norm).
  • In Lehre und Praxis ist Jesus Christus allein der Mittelpunkt dieser Kirche (solus Christus).
  • Die Rechtfertigung des SĂŒnders allein aus Gnade (sola gratia) kommt in der biblischen VerkĂŒndigung von Gesetz und Evangelium und der einsetzungsgemĂ€ĂŸen Spendung der Sakramente zum Ausdruck.
  • Die Rechtfertigung wird allein durch den Glauben (sola fide) ergriffen.

Sakramente

Die Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche kennen im engeren Sinne drei Sakramente: Taufe, Abendmahl und Beichte:

„Vere igitur sunt sacramenta baptismus, coena Domini, absolutio quae est sacramentum poenitentiae.“

„Wahrhaft jedoch sind Sakramente die Taufe, das Mahl des Herrn, die Absolution, d.h. das Bußsakrament.“

– Evangelisch-Lutherische Bekenntnisschriften: 292,4 (ApolCA XIII)

Die Kriterien, was als Sakrament gelten kann, werden beschrieben als „Riten, die das Mandat Gottes haben und denen eine Verheißung der Gnade beigegeben ist.“[7]

Ausgehend von der Apologie der Confession Augustana, wendet sich die SELK gegen ein VerstĂ€ndnis, das die Sakramente lediglich auf zwei - nĂ€mlich Taufe und Abendmahl - beschrĂ€nken möchte. Das Augustinuszitat, "Kommt das Wort zum Element, so wird daraus ein Sakrament.", werde in den BSLK nur an einigen Stellen zitiert. Jedoch nicht als „lutherische“ Sakramentsdefinition, sondern immer nur in Abwehr eines fĂŒr falsch gehaltenen quasi-magischen SakramentsverstĂ€ndnisses, bei dem die Wirksamkeit der Sakramente an anderen Kriterien als am Wort festgemacht wird, wie beispielsweise im Großen Katechismus ĂŒber das Abendmahl.[8] Luther nutzte die augustinische Formel dort nur, um festzustellen, dass die sakramentale Wirkung nicht aus einer persönlich dem Priester innewohnenden Weihegewalt fliesse, sondern ausschließlich aus der Kraft des Wortes Gottes.[9] Gleichfalls im Großen Katechismus spricht Luther ausdrĂŒcklich von der Buße bzw. Beichte als drittem Sakrament.[10] Auch in ApolCA XIII wird Augustinus kurz erwĂ€hnt,[11] aber auch hier nur, um das Wort als eigentliche Kraft der Sakramente zu unterstreichen (verbum visibile / „sichtbares Wort“). Das vere igitur sunt kennzeichnet das, was Sakramente sind. Die drei genannten werden dann in unterschiedlichen Abstufungen von denjenigen Handlungen unterschieden, die man ggf. auch Sakrament nennen könnte.

Die Ordination (Priesterweihe) nimmt einen Sonderstatus zwischen den Sakramenten und den weiteren kirchlichen Handlungen ein, die den Bekenntnissen zufolge unter bestimmten Voraussetzungen „auch als Sakrament bezeichnet“ werden könnten. Wenn man, so die BSLK[12] das „Sakrament des Ordens wollt nennen ein Sakrament von dem Predigtamt und Evangelio, so hĂ€tte es kein Beschwerung, die Ordination ein Sakrament zu nennen.“[13]

Die Ordination wird in der SELK sakramental verstanden. Sie versteht das geistliche Amt im lutherischen Sinne als von Gott gestiftetes Amt der EvangeliumsverkĂŒndigung und Sakramentsverwaltung und nicht (dagegen richtet sich die Apologie) als sacerdotales Opferpriestertum im römisch-katholischen Sinne. Die SakramentalitĂ€t der Ordination gewĂ€hrleistet die ObjektivitĂ€t des Hirtenamtes (im anti-donatistischen Sinn; Donatismus) und entspricht dem Grundsatz, dass das Heil den Menschen extra nos („von außerhalb“, „außerhalb unserer selbst“) zukommt.

Ferner kann in Bezug auf die Apologie des Augsburgischen Bekenntnisses auch die Eheschließung/Trauung sakramental verstanden werden (Apologie der Confessio Augustana, Artikel 13). Nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift ließen sich auch die Konfirmation sowie die Krankensalbung als apostolisch bezeugte sakramentale Handlungen rechtfertigen, durch welche die göttliche und heilsame Gnade wirksam vermittelt wird (Jak 5,14 ff. LUT, Apg 8,16 ff. LUT).

Die heilige Taufe

Die Taufe wird auf den Namen des Dreieinigen Gottes, Vater, Sohn und Heiliger Geist, mit Wasser vollzogen. FĂŒr die SELK ist die Heilige Taufe ein Sakrament, da sie von Christus angeordnet wurde (vgl. MatthĂ€us 28). Nach lutherischer Überzeugung tilgt sie die Erbschuld. So wirkt sie Vergebung der SĂŒnden, erlöst von den UnheilsmĂ€chten Tod und Teufel. Durch die Taufe wird der TĂ€ufling sowohl theologisch als auch kirchenrechtlich Glied der Kirche. Die SELK ĂŒbt die Kindertaufe, Erwachsenentaufen sind nur möglich, wenn der TĂ€ufling nicht als SĂ€ugling getauft wurde, wobei vor dem Empfang der Taufe ein Taufunterricht stattfindet, der in der Regel die 10 Gebote, das apostolische Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, Taufe, Abendmahl und Beichte umfasst. Eine Wiedertaufe wird als Verneinung der Wirksamkeit des Taufsakramentes strikt abgelehnt.

Die SelbstÀndige Evangelisch-Lutherische Kirche hat durch ihren Bischof am 29. April 2007 im Magdeburger Dom mit zehn anderen Kirchen (u. a. die römisch-katholische Kirche, die Evangelische Kirche in Deutschland und orthodoxe Kirchen) die Magdeburger ErklÀrung unterzeichnet, indem die Taufe der Signatarkirchen gegenseitig anerkannt wird.

Das heilige Abendmahl

Kommunion in der SELK

Das heilige Abendmahl wird in der SELK hĂ€ufig gefeiert, in einigen ihrer Gemeinden sonntĂ€glich. Die SELK bekennt sich zum lutherischen VerstĂ€ndnis der RealprĂ€senz, der wirklichen Gegenwart von Christi Leib in, mit und unter dem Brot und Christi Blut in, mit und unter dem Wein. Die Verwendung von Traubensaft oder anderen Elementen als Brot und Wein wird als stiftungswidrig abgelehnt. In der Konsekration ĂŒber den Elementen werden Brot und Leib Christi, Wein und Blut Christi zu einer sakramentalen Einheit verbunden. Bei der Kommunion empfangen die Glaubenden Leib und Blut Christi zum Heil, diejenigen, die den Abendmahlsworten nach 1 Kor 11,29ff LUT nicht glauben, zum Unheil. Die SELK praktiziert einen geschlossenen Abendmahlstisch, nach dem nur Glieder der SELK und von Kirchen, mit denen Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft besteht, zum Empfang des Sakramentes zugelassen werden.[14]

Ein symbolisches AbendmahlsverstÀndnis wird abgelehnt. Aus diesem Grund hat die SELK die Leuenberger Konkordie nicht unterzeichnet und lehnt auch in Folge dessen Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft mit Gliedkirchen der EKD ab.

Auch Glieder anderer Kirchen mit einem Ă€hnlichen AbendmahlsverstĂ€ndnis, mit denen aber aufgrund anderer theologischer Lehrunterschiede keine Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft besteht, sind außer in seelsorgerlichen EinzelfĂ€llen, nicht zum Sakramentsempfang zugelassen.

Die heilige Beichte

Von der Lehre ausgehend, dass jeder Mensch ein SĂŒnder und daher unbedingt auf die Gnade und Vergebung Gottes angewiesen sei, und aufgrund der großen Bedeutung der Rechtfertigung in der lutherischen Theologie hat die Beichte einen hohen Stellenwert in der SELK. Einzel- oder auch Privatbeichte vor einem Pfarrer ist in der kirchlichen Ordnung vorgesehen, aber nicht vorgeschrieben. Im Normalfall findet die Beichte daher in gemeinsamer Form im Rahmen eines Gottesdienstes statt.

In der Regel wird die Beichte nach lutherischem VerstĂ€ndnis vor jedem Abendmahlsgottesdienst gefeiert. Sie umfasst in der sogenannten „Allgemeinen Beichte“ SĂŒndenbekenntnis und Absolution unter Handauflegung durch den Pfarrer. Ebenso gibt es die Privatbeichte vor dem Pfarrer. Die Beichte wird verstanden als Zuspruch und Zueignung der Rechtfertigung des SĂŒnders. In einigen Gemeinden gibt es vor dem Sakramentsgottesdienst einen gesonderten Beichtgottesdienst mit Beichtansprache.

Der zentrale Stellenwert der Rechtfertigung des SĂŒnders zeigt sich im liturgischen Ablauf: GrundsĂ€tzlich werden die Stiftungsworte Jesu (Johannes 20) verlesen, das Beichtgebet entweder gemeinsam oder fĂŒr die Gemeinde vom Pfarrer gesprochen, und die Beichtfragen gestellt: „Bekennst du deine SĂŒnden, bereust du deine SĂŒnden, glaubst du, dass die Vergebung, die ich dir zuspreche, Gottes Vergebung ist?“ Auf alle drei Fragen, die der Pfarrer an die Gemeinde richtet, antwortet der, der die Lossprechung empfangen möchte, mit „Ja“. Hierauf verweist der Pfarrer auf seine in der Ordination von Christus ĂŒbertragenen Vollmacht: „In Kraft des Befehls, den der Herr seiner Kirche gegeben hat, verkĂŒndige ich als berufener Diener Gottes, euch die Gnade Gottes. Tretet herzu und empfangt Gottes Vergebung.“ Die Beichtenden treten zum Altar und knien nieder. Der Pfarrer legt jedem Einzelnen die Hand auf und spricht: „Dir sind deine SĂŒnden vergeben.“ Zum Schluss spricht er zu allen, die am Altar knien: „Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Gehet hin im Frieden des Herrn.“ Die Beichte schließt mit einem Dankgebet und einem Segensvotum. Entweder wird der Beichtgottesdienst mit einer Liedstrophe beendet oder die Lutherische Messe fĂ€hrt mit dem Introitus fort. Der Ablauf der Einzel- oder Privatbeichte Ă€hnelt dem der allgemeinen Beichte. In der SelbstĂ€ndigen Evangelisch-Lutherischen Kirche darf nur ein ordinierter Pfarrer die Beichte abnehmen.[15]

AmtsverstÀndnis und Ordination

Evangelisch-Lutherische Kirche zur Heiligen Dreieinigkeit in Hamburg

Die SELK vertritt eine Ableitung des Amtes aus den spezifischen Aufgaben aus bzw. unter dem Apostolat, also als GegenĂŒber der Gemeinde (in persona Christi), die sich in der öffentlichen WortverkĂŒndigung und Sakramentsspendung zeigen.[16]

Die SELK kennt zwar kein Weihesakrament im römisch-katholischen Sinne, gebraucht aber den Begriff der Weihe fĂŒr die gottesdienstliche Ordnung, Segnung und Sendung zu WortverkĂŒndigung und Sakramentsspendung (Ordination). Vielmehr ist auf Grund der Apologie der Confessio Augustana Artikel 13 die SELK in der Lage, von einem Weihesakrament zu sprechen, wenn darunter verstanden wird, Gottes Wort zu verkĂŒndigen und die Sakramente zu spenden. Ein Opferpriestertum (sacerdotes), wie in der römischen Kirche, wurde und wird abgelehnt, weil Christi Opfer am Kreuz nicht der Wiederholung bedĂŒrfe.

„Durch das Sakrament des Ordens oder Priesterschaft verstehen die Widersacher nicht das Predigtamt und das Amt, die Sakramente zu reichen und auszuteilen, sondern verstehen [es] von Priestern, die zu opfern geordnet seien â€Š Wo man aber das Sakrament des Ordens wollt nennen ein Sakrament von dem Predigtamt und Evangelio, so hĂ€tte es keine Beschwerung, die Ordination ein Sakrament zu nennen. Denn das Predigtamt hat Gott eingesetzt und geboten, und hat herrliche Zusage Gottes. Wenn man das Sakrament des Ordens (Geistliche Amt) also verstehen wollt, so möcht man auch das Auflegen der HĂ€nde ein Sakrament nennen. Denn die Kirche hat Gottes Befehl, daß sie soll Predigter und Diakonos bestellen.“

– Apologie der Confessio Augustana, 13, S. 293–294)

Entsprechend ist der Begriff der Weihe in der SELK gebrĂ€uchlich. Der Pfarrer handelt „anstatt und auf Befehl Jesu Christi“ in der AusĂŒbung seines öffentlichen Predigtdienstes und der Spendung der Sakramente; aus diesem VerstĂ€ndnis heraus hat der Pfarrer die alleinige Erlaubnis, die Sakramente zu spenden, und den besonderen Auftrag, das Evangelium öffentlich zu verkĂŒnden, dabei kirchliche Lehre und Bekenntnis zu bewahren sowie vom Bekenntnis abweichende Lehre zu unterbinden. Letzteres bezieht sich vor allem auf die Aufsichts- und Visitationspflicht der vorgesetzten Geistlichen gegenĂŒber Pfarrern und Gemeinden ihres Amtsbereiches. Im Unterschied zu Nichtordinierten ist das öffentliche „Predigtamt“ nach dem Augsburgischen Bekenntnis, Artikel 5 (Predigt und Sakramentsverwaltung) nur den Geistlichen in der Ordination ĂŒbertragen.

Allerdings dĂŒrfen Vikare und Pfarrdiakone unter inhaltlicher Aufsicht eines Pfarrers Gottesdienste leiten und predigen, die Einsetzung des Abendmahles und das Abnehmen der Beichte ist ihnen nicht gestattet.[17] DarĂŒber hinaus können zugerĂŒstete Lektoren Gottesdienste leiten, in denen Lesepredigten vorgetragen, aber keine Sakramente gefeiert werden.

Diese hohe Bedeutung des geistlichen Amtes spiegelt sich auch im agendarischen Ablauf der heiligen Ordination wider: Die Erlaubnis zur Ordination in der SelbstĂ€ndigen Evangelisch-Lutherischen Kirche SELK wird in einer gemeinsamen Sitzung der Kirchenleitung und des Kollegiums der Superintendenten nur durch die jeweils ordinierten Mitglieder erteilt. Die Ordination selbst erfolgt durch einen Geistlichen im kirchenleitenden Amt (Superintendent, Propst oder Bischof). Es assistieren mindestens zwei weitere Geistliche. Der Ordinationskandidat wird der Gemeinde vorgestellt. Es folgen Schriftlesung aus dem Neuen Testament, die das heilige Amt begrĂŒnden bzw. hierauf Bezug nehmen. Im Anschluss hieran fragt der Ordinator, ob der zu Ordinierende bereit ist „sein Amt in Treue zur Bibel und den Lutherischen Bekenntnisschriften zu fĂŒhren und das Wort Gottes lauter und rein zu predigen, und die Sakramente gemĂ€ĂŸ der Einsetzung Christi zu spenden, das Beichtgeheimnis zu wahren und ein gottgefĂ€lliges Leben mit seinem Haus zu fĂŒhren.“ Hierauf antwortet der zu Ordinierende mit Ja unter Verwendung der Bitte um Gottes Beistand. Dann leistet er vor der Gemeinde das AmtsgelĂŒbde, in dem er vor dem Angesicht Gottes gelobt, „bei der reinen Lehre der Heiligen Schrift und der Lutherischen Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche“ festgelegt ist, treu zu verbleiben. Gegen diese darf weder heimlich noch öffentlich etwas unternommen werden. Falls doch von Schrift und Bekenntnis abgewichen wird, ist unverzĂŒglich der Superintendent, Propst oder Bischof zu informieren und sein Rat und seine Weisung abzuwarten. Nach dem AmtsgelĂŒbde wird unter Handauflegung das Vaterunser und das Ordinationsgebet gesprochen. Der Ordinant kniet nieder und wird unter Handauflegung des Ordinators und der beiden Assistenten zum geistlichen Amt mit folgenden Worten geweiht:

„Nach dem von dir abgelegten OrdinationsgelĂŒbde ĂŒberantworte ich dir als berufener und verordneter Diener unseres Herrn Jesus Christus dir hiermit das heilige Amt des Wortes und der Sakramente und weihe dich zu einem Diener der Einen, heiligen, christlichen Kirche, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“[18]

Als Zeichen des ordinierten Amtes wird die Stola dem Ordinanten ĂŒbergelegt. Der Ordinationssegen wird dem gerade Ordinierten vom Ordinator erteilt. Der neu Geweihte hĂ€lt seinen ersten Abendmahlsgottesdienst direkt im Anschluss.

Die SELK ordiniert keine Frauen zum Pfarramt. Dieses Thema wird kirchenintern diskutiert. GegenwĂ€rtig bemĂŒht sich eine Privatinitiative fĂŒr Frauenordination in der SELK um Änderung.[19] Die Kirchenleitung hat ein Pro- und Kontrapapier zu dieser Problematik herausgegeben.[20] Wiederholt hat der fĂŒr Lehrfragen zustĂ€ndige Allgemeine Pfarrkonvent die EinfĂŒhrung der Frauenordination abgelehnt, zuletzt auf dem 11. Allgemeinen Pfarrkonvent vom 11. bis 15. Mai 2009 in Berlin-Spandau.

Dienste in der SELK

Als Diakonin können Frauen in der SELK tĂ€tig sein, ebenso wie als Pastoralreferentinnen. Diese werden jedoch nicht ordiniert, sondern eingesegnet. Auch die Aufgaben unterscheiden sich gegenĂŒber denen eines Pfarrers. Es gibt ferner die Ämter des Pfarrdiakons und des Pastors im Ehrenamt. [21]

Der lutherische Gottesdienst

Evangelisch-Lutherische Kirchenagende

Der wöchentliche Hauptgottesdienst wird in der Regel am Sonntagvormittag gefeiert. Er richtet sich im Normalfall nach der Ordnung der Evangelisch-Lutherischen Kirchenagende mit leichten regionalen Abweichungen von diesem Grundmuster.[22]

Gottesdienste in der SELK sind betont liturgisch, die zentralen Teile sind Beichte, Predigt und Abendmahlsfeier.[23] Die liturgischen GewÀnder gehören in der SELK zu den Mitteldingen (Adiaphora) und können von jeder Gemeinde im Rahmen der kirchlichen Ordnungen der SELK selbst geregelt werden.

In den Gottesdiensten der SELK wird folgende Literatur verwandt:

Verwaltung der SELK

Die SELK ist in ihren Ordnungen und der Verwaltung ihrer Angelegenheiten selbstÀndig. Bekenntnisstand und Aufgaben finden sich in der Grundordnung.[24]

Die SelbstĂ€ndige Evangelisch-Lutherische Kirche ist Körperschaft öffentlichen Rechts. Diese Rechtsform gilt auch fĂŒr Kirchenbezirke und fĂŒr die ĂŒberwiegende Zahl der Gemeinden. Einige wenige Gemeinden haben einen vereinsrechtlichen Status.

Kirchmitglied wird, wer in einer ihrer Gemeinden getauft wird, in eine Kirchengemeinde aufgenommen wird oder von einer lutherischen Kirchengemeinde dieser Kirche in eine andere ĂŒberwiesen wird. Die Mitgliedschaft endet mit Austritt durch eine schriftliche ErklĂ€rung beim Pfarramt, Ausschluss durch den Kirchenvorstand oder Übertritt in eine andere Kirche.

Allgemeine Struktur

An der Spitze der SELK steht der Bischof, der von der Synode auf Vorschlag des Allgemeinen Pfarrkonvents gewÀhlt wird. Der Sitz der Kirchenleitung befindet sich in Hannover.

Organisatorisch ist die SELK in vier Sprengel aufgeteilt mit je einem Propst. Jeder Sprengel ist in Kirchenbezirke aufgeteilt, dem je ein Superintendent vorsteht.

Kirchenleitung

Die Kirchenleitung besteht aus dem Bischof, den vier Pröpsten, dem geschĂ€ftsfĂŒhrenden Kirchenrat und den LaienkirchenrĂ€ten.

Den Vorsitz hat der Bischof. Zwischen den Kirchensynoden fĂŒhrt die Kirchenleitung die GeschĂ€fte. Ihr obliegt es die Kirchensynode vorzubereiten, erstattet ihr Bericht und gibt Rechenschaft ĂŒber ihre TĂ€tigkeit. Sie wirkt bei Berufungen ins Pfarramt mit.

Bischof

Bischof Hans-Jörg Voigt

Der Bischof ist Pfarrer der SELK, der hauptamtlich diese Leitungsfunktion ausĂŒbt. Er ist Berater und Seelsorger der Gesamtkirche, hat zusammen mit der Kirchenleitung die Lehraufsicht, ĂŒbernimmt den Vorsitz bei Sitzungen des Superintendentenkollegium und der Kirchenleitung. Gemeinsam mit den Pröpsten und Superintendenten genehmigt er Ordinationen, wirkt bei der Abordnung von Missionaren und bei der Einsegnung von Diakonen und Diakonissen mit. Er fĂŒhrt Pröpste ins Amt ein, visitiert die Pröpste und ihre Gemeinden. Er vertritt die Kirche in der Öffentlichkeit und steht im Kontakt mit anderen Kirchen.

Der Bischof wird aus zwei VorschlĂ€gen des Allgemeinen Pfarrkonvents von der Kirchensynode gewĂ€hlt. Der NeugewĂ€hlte wird durch seinen AmtsvorgĂ€nger oder den amtsĂ€ltesten Propst eingefĂŒhrt. Die Amtszeit ist nicht begrenzt, außer dass die Kirchensynode eine Begrenzung der Amtszeit festgelegt hat. Einer der Pröpste ist Stellvertreter des Bischofs, derzeit Propst Klaus-Peter Czwikla.

Bischöfe seit 1972:

KirchenrÀte

Der geschĂ€ftsfĂŒhrende Kirchenrat, wird von der Kirchenleitung und dem Superintendentenkollegium berufen und von der Kirchensynode bestĂ€tigt. Er fĂŒhrt die GeschĂ€fte der laufenden Verwaltung und leitet das KirchenbĂŒro. Der derzeitige geschĂ€ftsfĂŒhrende Kirchenrat ist Pfarrer Michael SchĂ€tzel.

Die LaienkirchenrĂ€te werden von den Kirchenbezirkssynoden der Kirchensynode zur Wahl vorgeschlagen und von dieser fĂŒr eine Legislaturperiode gewĂ€hlt. Dieses Ehrenamt steht sowohl MĂ€nnern als auch Frauen offen. LaienkirchenrĂ€te haben Sitz und Stimme in der Kirchenleitung, wirken aber nicht bei der Genehmigung zur Ordination mit.

Kollegium der Superintendenten

Das Kollegium der Superintendenten besteht aus allen Superintendenten, den Pröpsten und dem Bischof, den Vorsitz hat der Bischof oder sein Stellvertreter. Die LaienkirchenrÀte nehmen teil.

Aufgaben:

  • Stellungnahme zu Fragen von Lehre und Leben, die gesamtkirchliche Auswirkungen haben
  • Vorbereitung des Allgemeinen Pfarrkonventes
  • Bestimmung von Mitglieder berufener AusschĂŒsse, theologische PrĂŒfungen und Kolloquien

Gemeinsame Aufgaben der Kirchenleitung und des Superintendentenkollegiums:

  • Vorlage fĂŒr kirchliche Ordnungen im Vorfeld einer Kirchensynode
  • Aufnahme von anderen Gemeinden in die SELK (z. B. aus lutherischen Landeskirchen oder anderen lutherischen Freikirchen)
  • Genehmigung einer Ordination, Erteilung der Qualifikation fĂŒr ein Pfarramt
  • Entscheidung ĂŒber Eignung und Zulassung als Pfarrdiakon (unterscheide: Diakon).
  • Entscheidung ĂŒber Eignung und Zulassung als Pastoralreferentin
  • Verabschiedung des Stellen- und Haushaltsplans
  • Wahl der Beisitzer fĂŒr Schlichtungs- und Berufungsstelle

Allgemeiner Pfarrkonvent

Der Allgemeine Pfarrkonvent tritt alle vier Jahre zusammen. Alle ordinierten Geistlichen im aktiven Dienst sind Mitglieder mit Sitz und Stimme. Emeriti, Vikare und Pfarrer a. D. haben beratende Stimme. Zu den Aufgaben des Allgemeinen Pfarrkonvents gehört es ĂŒber Zustand, Weg und Aufgaben der Kirche zu beraten. Ebenso befasst sich dieses Organ mit Fragen der Lehre, des Gottesdienstes und der kirchlichen Praxis. BeschlĂŒsse, die hierĂŒber gefasst werden, bedĂŒrfen der BestĂ€tigung durch die Kirchensynode. Weiter schlĂ€gt er der Kirchsynode vor Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft mit anderen Kirchen festzustellen. Es obliegt ihm auch Kandidaten fĂŒr die Bischofswahl zu benennen und der Kirchensynode vorzuschlagen.

Kirchensynode

Evangelisch-Lutherische Kirche des guten Hirten, Guben

Die Kirchensynode wird von der Kirchenleitung einberufen und tritt mindestens alle vier Jahre zusammen, zusĂ€tzlich, wenn die Kirchenleitung, Supintendentenkollegium oder 20 Gemeinden dies beantragen. Sie besteht aus Pfarrern und Laienvertretern, die von den Bezirkssynoden fĂŒr eine Synodentagung gewĂ€hlt werden. Die Kirchensynode ist mit jeder Einberufung neu zusammengesetzt.

Sie hat folgende Rechte und Aufgaben:

  • Wahl des Bischofs und der KirchenrĂ€te
  • Haushaltsrecht fĂŒr die Gesamtkirche
  • Entscheidung ĂŒber kirchliche Ordnungen
  • Entscheidung ĂŒber eine Neuordnung von Kirchenbezirken und Sprengeln
  • Entscheidung ĂŒber VorschlĂ€ge des Allgemeinen Pfarrkonventes zu Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft mit anderen Kirchen
  • Entscheidung ĂŒber die Aufnahme anderer Kirchen in die SELK, BestĂ€tigung der Aufnahme einzelner Gemeinden
  • Entgegennahme und Erörterung des Berichts der Kirchenleitung
  • Stellungnahme zu Fragen von Lehre, Gottesdienst und Leben der Kirche (vgl. Allgemeiner Pfarrkonvent)
  • Beratung ĂŒber gesamtkirchliche Werke

Einzelne Gemeinden können zeitlich befristet Widerspruch gegen Entscheidungen der Kirchensynode einlegen. Der Bekenntnisstand kann durch Beschluss der Kirchensynode nicht geĂ€ndert werden, entsprechende BeschlĂŒsse wĂ€ren ungĂŒltig.

Sprengel

Mehrere Kirchenbezirke bilden einen Sprengel. Organe des Sprengels sind der Propst und der Sprengelpfarrkonvent. Es gibt vier Sprengel, die sich wie folgt zusammensetzen:

Propst

Evangelisch-Lutherische Große Kreuzkirche Hermannsburg

Die Pröpste der SELK haben fĂŒr ihren Sprengel das regionalbischöfliche Amt inne: Der jeweilige Propst fĂŒhrt die Superintendenten in ihr Amt ein. Er wacht ĂŒber die bekenntnisgemĂ€ĂŸe VerkĂŒndigung des Wortes Gottes sowie die Spendung der Sakramente und hĂ€lt Visitationen ab. Er berĂ€t sich mit den Superintendenten und gehört zur Kirchenleitung der SELK. Er soll an Kirchenbezirkskonventen und Synoden teilnehmen, Anregungen und theologische Fortbildung der Pfarrer geben. Er soll fĂŒr die Pflege der Kontakte zu anderen Sprengeln der Kirche sorgen.

Der Propst wird geheim gewÀhlt auf Vorschlag des Sprengelpfarrkonvents durch die Kirchenbezirkssynoden. Die Kirchenleitung kann VorschlÀge unterbreiten.

Ein Propst wird durch den Bischof gottesdienstlich in sein Amt eingesetzt. Die Pröpste können als Zeichen ihres bischöflichen Amtes ein Amtskreuz tragen. Die Amtszeit eines Propstes ist nicht befristet, es sei denn, dass die Kirchenbezirkssynoden eine Amtszeitbegrenzung festgelegt haben. Ein Propst kann von seinem Amt zurĂŒcktreten. Er muss zurĂŒcktreten, wenn Kirchenleitung und Superintendentenkollegium zur Auffassung kommen, dass seine AmtsfĂŒhrung der Kirche nicht mehr dienlich ist.

Der Propst ernennt in Einvernehmen mit den Superintendenten einen Stellvertreter, der auch das Superintendentenamt innehaben muss. Dieser hat die Vakanzvertretung bis zur Wahl eines neuen Propstes.

Sprengelpfarrkonvent

Der Sprengelpfarrkonvent besteht aus allen Pfarrern des Sprengels; er soll die Gemeinschaft unter den Pfarrern stĂ€rken und Fragen von allgemeinem und kirchlichem Interesse behandeln. Er nominiert einen Propst und schlĂ€gt Kandidaten fĂŒr die Sprengelversammlung, die aus Vertretern der Kirchenbezirken besteht, vor. Der Sprengelpfarrkonvent fasst theologische BeschlĂŒsse.

Kirchenbezirke

Organe der Kirchenbezirke sind Superintendent, Bezirkspfarrkonvent, Bezirkssynode und Bezirksbeirat.

  • Der Superintendent fĂŒhrt in seinem Kirchenbezirk Pfarrer in ihr Amt ein, wacht ĂŒber bekenntnisgemĂ€ĂŸe Lehre und Spendung der Sakramente, ist Visitator, Berater und Seelsorger der Pfarrer. Er hat das Ordinationsrecht.
  • Der Bezirkspfarrkonvent tritt in der Regel jĂ€hrlich zusammen, Mitglieder sind alle Pfarrer des Kirchenbezirkes. Ziele sind Einigkeit in Lehre und Handeln, Pflege eines brĂŒderlichen Miteinanders, sowie wissenschaftliche und praktische Fortbildung der Geistlichen.
  • Die Bezirkssynode tagt in der Regel jĂ€hrlich. Sie besteht aus allen Pfarrern des Kirchenbezirkes und mindestens einem Laienvertreter jeder Kirchengemeinde. Sie fasst BeschlĂŒsse im Rahmen der ZustĂ€ndigkeit und wĂ€hlt die Mitglieder des Bezirksbeirates sowie die Delegierten der Kirchensynode. Die Laienmitglieder der Bezirkssynode sind in der Regel nur fĂŒr eine Synodentagung und nicht fĂŒr eine bestimmte Legislaturperiode gewĂ€hlt. Die Synode ist also mit jeder neuen Einberufung auf Laienseite neu zusammengesetzt.
  • Der Bezirksbeirat unterstĂŒtzt den Superintendenten und ĂŒbernimmt Aufgaben der Leitung im Kirchenbezirk.

Gemeinden und Pfarrbezirke

Johannes-Kirche Rödinghausen-Schwenningdorf

Ausgehend von dem SelbstverstĂ€ndnis, dass jede Kirchengemeinde Kirche Jesu Christi an ihrem Ort sei, verwalten die einzelnen Gemeinden im Rahmen der kirchlichen Ordnungen ihre Angelegenheiten selbst. Jede Gemeinde bildet allein oder mit mehreren einen Pfarrbezirk mit mindestens einer Pfarrstelle. Sie sind angehalten, nach ihren jeweiligen Möglichkeiten zur ErfĂŒllung der gemeinschaftlichen Aufgaben in der Gesamtkirche und im Kirchenbezirk beizutragen.

Zahl der Kirchenmitglieder der SELK

jeweils am 31. Dezember:

  • 2006 – 36.011
  • 2007 – 35.639
  • 2008 – 35.265
  • 2009 – 34.899
  • 2010 – 34.542

Kirchliche Werke

Diakonie

Das Diakonische Werk der SELK ist Mitglied im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland und unterhĂ€lt unterschiedliche diakonische Einrichtungen. Darunter ist u. a. das Krankenhaus NaĂ«mi-Wilke-Stift in Guben, das Kinder- und Jugendheim Sperlingshof und einige Senioreneinrichtungen, z.B. das Alten- und Pflegeheim Gertrudenstift in Baunatal-Großenritte.

Lutherische Kirchenmission, Pfarrhaus und St. Johannis-Kirche in Bleckmar

Mission

Die SELK ist TrĂ€gerin der Lutherischen Kirchenmission (Bleckmarer Mission). Dieses Missionswerk wurde 1892 von der damaligen Hannoverschen Evangelisch-Lutherischen Freikirche gegrĂŒndet. Seit 1897 besteht das Missionshaus in Bleckmar. Der derzeitige Leiter ist Missionsdirektor Roger Zieger. Die Lutherische Kirchenmission unterhĂ€lt Missionsprojekte in Deutschland (Berlin-Marzahn, Cottbus-Döbbrick und Leipzig), dem sĂŒdlichen Afrika (Botsuana und SĂŒdafrika) und Brasilien. Es gibt auch AktivitĂ€ten in ostasiatischen und anderen europĂ€ischen LĂ€ndern. Derzeit werden noch weitere Projekte eruiert.

Ausbildung

Die in Oberursel (Taunus) beheimatete Lutherische Theologische Hochschule ist ebenfalls in der TrÀgerschaft der SELK. Hier findet ein Teil der Ausbildung des theologischen Nachwuchses dieser Kirche statt. Diese AusbildungsstÀtte ist eine staatlich anerkannte wissenschaftliche Hochschule. Ihre Professoren sind auch Pfarrer ihrer Kirche.

FĂŒr die Ausbildung der Vikare und Pastoralreferentinnen unterhĂ€lt die SELK ein Praktisch Theologisches Seminar (PTS). Dort erfahren Vikare, Pastoralreferentinnen und Pfarrvikare eine Praxis begleitende weitergehende Ausbildung neben der eigentlichen Ausbildung in den Gemeinden.

Weitere kirchliche Werke

FĂŒr die verschiedene Bereichen des kirchlichen Lebens unterhĂ€lt die SELK weitere Werke und Institutionen (Jugendwerk, Amt fĂŒr Kirchenmusik, Bausteinsammlung zur UnterstĂŒtzung kirchlicher Bauprojekte, Amt fĂŒr die Kindergottesdienstarbeit, Kommission fĂŒr kirchlichen Unterricht, Amt fĂŒr Gemeindedienst, Liturgische Kommission, Beauftragter fĂŒr Weltanschauungsfragen, Referent fĂŒr Seniorenarbeit u. a.).

Viele dieser Aufgaben geschehen ehren- oder nebenamtlich. Hauptamtliche Mitarbeiter wie z. B. Kirchenmusiker sind in der Regel nur ĂŒberregional tĂ€tig und nicht einzelnen Gemeinden zugeordnet, ihre Hauptaufgabe besteht in der Anleitung und UnterstĂŒtzung ehrenamtlicher Mitarbeiter vor Ort.

Kirchliche Außenbeziehungen

Kirchengemeinschaft

Radevormwald, Evangelisch-Lutherische Martini-Kirche

Volle Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft unterhÀlt die SELK zu solchen lutherischen Bekenntniskirchen, mit denen Einheit in Lehre und Leben, faktisch und juristisch (de facto et de jure) besteht.[25] So hat sie beispielsweise volle Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft mit

Partnerschaftliche Beziehungen zu anderen lutherischen Kirchen

Seit einigen Jahren bestehen partnerschaftliche Beziehungen zu Kirchen in Osteuropa, die vertraglich vereinbart sind, aber unterhalb der Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft liegen, z. B.:

Mitgliedschaft in lutherischen Organisationen

Die SELK ist Mitglied der EuropÀischen Lutherischen Konferenz und des Internationalen Lutherischen Rates.

Ökumene

Die SELK arbeitet auf Bundesebene als Vollmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland mit. Ebenso sind zahlreiche Kirchengemeinden Mitglieder lokaler Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen. Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft zwischen der SELK und den Gliedkirchen der EKD besteht nicht, da beispielsweise in der Frage des AbendmahlsverstĂ€ndnisses keine LehrĂŒbereinstimmung festgestellt wurde. Darum ist die SELK weder Mitglied der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche (VELKD) noch des Lutherischen Weltbundes (LWB) oder der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Dennoch arbeitet sie in AusschĂŒssen der VELKD, im Martin-Luther-Bund, im Diakonischen Werk der EKD und in der Deutschen Bibelgesellschaft mit.[26]

Bedeutende Persönlichkeiten der SELK und ihrer VorgÀngerkirchen

Theologen:

Personen des öffentlichen Lebens:

Siehe auch

Literatur

  • Amt fĂŒr Gemeindedienst: Mit Freude Gottesdienst feiern. Eine Hilfe zum VerstĂ€ndnis des lutherischen Hauptgottesdienstes
  • Lieselotte Clemens: Die Auswanderung der pommerschen Altlutheraner in die USA. Ablauf und Motivation; Eutin 19902; ISBN 3-923457-12-X
  • Die Bekenntnisschriften der evangelisch–lutherischen Kirche; Göttingen 1930, 199812 (wissenschaftliche Ausgabe, latein/deutsch)
  • Kirchenleitung der SELK: Ordnungen fĂŒr die SelbstĂ€ndige Evangelisch-Lutherische Kirche
  • Werner KlĂ€n (Hg.): Lutherische IdentitĂ€t in kirchlicher Verbindlichkeit. ErwĂ€gungen zum Weg Lutherischer Kirchen in Europa nach der Milleniumswende; Oberurseler Hefte ErgĂ€nzungsbĂ€nde Band 4; Göttingen 2007; ISBN 978-3-7675-7092-4
  • Werner KlĂ€n, Gilberto da Silva: Quellen zur Geschichte selbstĂ€ndiger evangelisch-lutherischer Kirchen in Deutschland. Dokumente aus dem Bereich konkordienlutherischer Kirchen, Göttingen 2010: ISBN 978-3-7675-7138-9
  • Manfred Roensch, Werner KlĂ€n: Quellen zur Entstehung und Entwicklung selbstĂ€ndiger evangelisch-lutherischer Kirchen in Deutschland; Frankfurt/Main 1987; ISBN 3-8204-8990-8
  • Jobst Schöne: Die SelbstĂ€ndige Evangelisch-Lutherische Kirche. Eine Informationsschrift; Berlin 1995
  • SelbstĂ€ndige Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland. Ein Leitfaden durch die Gemeinden; Groß Oesingen 2000; ISBN 3-86147-206-6
  • Konrad Uecker: Auf festem Glaubensgrund
  • Michael Voigt: Offene TĂŒren. Zusammenschluss der SELK und der Evangelisch-Lutherischen (altlutherischen) Kirche am 1. Advent 1991

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ SELK Statistik der SELK fĂŒr 2010, S.7.
  2. ↑ Werner KlĂ€n: Geschichte der SELK
  3. ↑ SELK: Bericht 1. Kirchensynode ĂŒber den Zusammenschluss zur SELK 1972
  4. ↑ Manfred Weingarten: Bekenntnisbildung und Bekenntnisbindung
  5. ↑ Jobst Schöne: Die Irrlehre des Fundamentalismus im Gegensatz zum lutherischen SchriftverstĂ€ndnis
  6. ↑ Manfred Roensch: Die theologische Bedeutung der Konkordienformel vor ihrem geschichtlichen Hintergrund
  7. ↑ BSLK 292,3 (ApolCA XIII): „Ritus, qui habent mandatum Dei et quibus addita est promissio gratiae.“
  8. ↑ BSLK 709,10–11.
  9. ↑ Siehe auch BSLK 710,15.
  10. ↑ BSLK 705/706,74
  11. ↑ BSLK 293,5 (ApolCA XIII)
  12. ↑ BSLK 293,9–10 (ApolCA XIII)
  13. ↑ BSLK 293,9–10 (ApolCA XIII)
  14. ↑ Hartmut GĂŒnther: Das Zeugnis vom Heiligen Abendmahl
  15. ↑ Gerhard Rost: Taufe, Buße und Glaube in der Heiligen Schrift und bei Martin Luther
  16. ↑ SELK: Amt, Ämter, Dienste
  17. ↑ SELK: Das Amt der Kirche
  18. ↑ Aus: Agende der Evangelisch-Lutherischen Kirche Altpreußens 1935
  19. ↑ Initiative fĂŒr die Frauenordination in der SelbstĂ€ndigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK)
  20. ↑ SELK: Pro- und Kontrapapier Frauenordination
  21. ↑ SELK: Konvent der Diakoninnen und Diakone
  22. ↑ Ralph Bente: VernĂŒnftiger Gottesdienst
  23. ↑ SELK-Gemeinde Berlin-Wilmersdorf: Video Abendmahlsfeier in der SELK mit Bischof Voigt (wmv)
  24. ↑ SELK: Grundordnung der Kirche
  25. ↑ Diethardt Roth: Kirchengemeinschaft Stellungnahme
  26. ↑ SELK: Handreichung: Ökumenische Verantwortung

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