Siebenb√ľrgen

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Siebenb√ľrgen
Karte Rum√§niens mit Siebenb√ľrgen. Die Regionen Banat, Cri»ôana und Maramure»ô werden gelegentlich zu Transilvania hinzugez√§hlt
Das Gro√üf√ľrstentum Siebenb√ľrgen im Jahre 1857
Eine orthodoxe Stra√üenkapelle in Siebenb√ľrgen
Aktuelle administrative Einteilung Rumäniens

Siebenb√ľrgen oder Transsilvanien, rum√§nisch Ardeal oder Transilvania nach lateinisch Transsilvania (etwa: ‚ÄěGebiet jenseits der W√§lder‚Äú), ungarisch Erd√©ly, ist ein historisches und geografisches Gebiet im s√ľdlichen Karpatenraum mit einer wechselvollen Geschichte. Heute liegt Siebenb√ľrgen im Zentrum Rum√§niens.

Inhaltsverzeichnis

Benennungen

Siebenb√ľrgen ist unter folgenden Bezeichnungen bekannt:

  • Die rum√§nische Bezeichnung ist Ardeal oder Transilvania.
  • Die ungarische Bezeichnung ist Erd√©ly (ung. erdŇĎ-elve ‚Äöjenseits der W√§lder‚Äė).
  • Die lateinische Benennung ist Transsilvania abgeleitet von trans silvana ‚ÄöLand jenseits der W√§lder‚Äė
  • Die auf dieser Grundlage eingedeutschte Bezeichnung Transsilvanien bzw. Transsylvanien war in mittelalterlichen Dokumenten gebr√§uchlich.

Die Herkunft des deutschen Namens Siebenb√ľrgen ist nicht abschlie√üend gekl√§rt. Vermutungen gehen dahin, ihn auf die sieben von deutschen Siedlern (den Siebenb√ľrger Sachsen) gegr√ľndeten St√§dte zur√ľckzuf√ľhren (Kronstadt, Sch√§√üburg, Mediasch, Hermannstadt, M√ľhlbach, Bistritz und Klausenburg). Die damit verbundenen St√ľhle (ung. sz√©k, Einheiten der eigenen Gerichtsbarkeit ‚Äď jeder Stuhl besa√ü einen K√∂nigsrichter, der alleine dem ungarischen K√∂nig unterstellt war) sind m√∂glicherweise Teil der Namensgebung. Der Name ist zun√§chst in deutschen Quellen aus dem 13. Jhd. als Septum urbium, Terra septem castrorum und √§hnlichen Varianten verzeichnet. In deutscher Niederschrift hei√üt es Ende des 13. Jhd. erstmals Siebenbuergen und bezeichnete damals nur den Bereich der Sieben St√ľhle als administrative Einheiten oder Gebietsk√∂rperschaften der Hermannst√§dter Provinz. Erst sp√§ter hat sich der Begriff r√§umlich erweitert und umfasste schlie√ülich denselben Raum wie Ardeal und Erd√©ly.

Lage

Siebenb√ľrgen bildet geografisch das Zentrum und den Nordwesten Rum√§niens. Von den s√ľdlicheren (Walachei) und √∂stlicheren (Moldau und Bukowina) Landesteilen wird Siebenb√ľrgen durch die Ostkarpaten und die Transsilvanischen Alpen (S√ľdkarpaten) getrennt, die zusammen den s√ľdlichen Karpatenbogen bilden. Nach Westen hin scheidet ein Teil der Westrum√§nischen Karpaten, das Apuseni-Gebirge, Siebenb√ľrgen vom Kreischgebiet ab.

Auch andere Teile des heutigen Rum√§nien, die bis 1918/1920 zu Ungarn geh√∂rten (das Kreischgebiet, die Region Sathmar, der s√ľdliche Teil des ehemaligen Komitats Maramuresch sowie der rum√§nische Teil des Banats), werden manchmal f√§lschlicherweise zu Siebenb√ľrgen hinzugerechnet. Damit wird es oft etwas gr√∂√üer als das historische Gebiet dargestellt.

Die Fl√§chengr√∂√üe Siebenb√ľrgens betr√§gt etwa 57.000 km¬≤. Nach heutigen Verwaltungseinheiten umfassen alle Gebiete, die bis 1918 zu Ungarn geh√∂rten, etwa 100.293 km¬≤. Siebenb√ľrgen ist in die folgenden rum√§nischen Kreise unterteilt:

Geschichte

Antike bis Völkerwanderungszeit

Die römische Provinz Dacia

Das Gebiet, auf dem das heutige Siebenb√ľrgen liegt, war in der Antike das politische Zentrum des Dakischen K√∂nigreichs. Im Jahr 106 wurde dieses vom R√∂mischen Reich unter Trajan erobert und als Provinz Dacia dem R√∂mischen Reich einverleibt. Die Hauptstadt war Ulpia Traiana Sarmizagetusa. Nach dem R√ľckzug der R√∂mer 271 war die Region bis zum 11. Jahrhundert Durchzugs- und auch Siedlungsgebiet verschiedener Ethnien und Stammesverb√§nde. Nacheinander erschienen hier Goten, Hunnen, Gepiden, Awaren, Bulgaren, Slawen und andere. Ein bekanntes Beispiel f√ľr die Arch√§ologie der V√∂lkerwanderungszeit sind die gepidischen Gr√§ber aus Apahida.

Landnahme der Magyaren

Die Geschichte w√§hrend des Fr√ľhmittelalters bis ca. 900 ist in Siebenb√ľrgen wie fast √ľberall in Europa durch einen Mangel an schriftlichen Quellen und relativ wenige arch√§ologische Funde gekennzeichnet. Ab etwa 895 besiedelten die Ungarn im Zuge ihrer Landnahme das Karpatenbecken und damit auch das Gebiet des heutigen Siebenb√ľrgens (siehe auch: Geschichte Ungarns). Die politische Macht im Karpatenraum fiel den Ungarn im Vergleich zu anderen Landnahmen der V√∂lkerwanderungszeit recht widerstandslos zu, da die dort angetroffenen Bev√∂lkerungsgruppen nur einige schwache Herrschaftsgebilde formten. Vermutlich im Jahre 927 wurden auch die Gebiete s√ľdlich des Mieresch von den Ungarn unter der Leitung von Bog√°t (Stammesverbund Gyula) erobert.

Zur Sicherung der Grenzgebiete wurden Hilfsv√∂lker in diesen angesiedelt. Die wichtigste Gruppe waren die Szekler (Sz√©kely, sz√©k = Stuhl). Ebenso wurden sog. ‚ÄěVerhauzonen‚Äú angelegt. Dieser 10 bis 40 km breite Grenzstreifen wurde absichtlich w√ľst gelassen und war mit dichtem Gestr√ľpp bewachsen, um feindlichen Reiterheeren den Zugang zu versperren oder zu erschweren. Die Schwachstellen wurden zus√§tzlich mit Erdburgen, die Durchg√§nge durch Tore gesichert.

Die bis zu ihrer Staatsgr√ľndung im Jahre 1001 noch in Stammesverb√§nden lebenden Ungarn praktizierten nicht immer eine einheitliche Politik. Der von den √Ārp√°den gef√ľhrte Teil der Ungarn orientierte sich nach der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 gen Westen, andere ‚Äď so zum Beispiel die Gyula im Gebiete √∂stlich der Thei√ü (auch in Siebenb√ľrgen) ‚Äď eher in Richtung Byzanz.

Ansiedlung von deutschen Siedlern

‚Üí Hauptartikel: Siebenb√ľrger Sachsen

Schwarze Kirche in Kronstadt

Unter K√∂nig G√©za II. (1141‚Äď1162) verlegte man die Grenze weiter nach Osten, vom Mieresch an den Alt; das Grenzland wurde nutzbar. Die Szekler wurden ins heutige Szeklerland, im Osten Siebenb√ľrgens, umgesiedelt. Ab etwa 1147 begann die Besiedelung mit Siedlern, die haupts√§chlich aus dem Mittelrhein- und Moselgebiet, Flandern und der Wallonie stammten. Diese waren aus dem Tross des zweiten Kreuzzuges abgeworben worden, der Ungarn auf dem Weg in das Heilige Land passiert hatte. Die ersten 13 Orte wurden in der Hermannst√§dter Gegend gegr√ľndet. Die Siedler sollten die Gebiete bev√∂lkern, die Grenzen gegen Einf√§lle aus dem Osten f√ľr Ungarn und Europa sichern und die Wirtschaft beleben.

Im Verlaufe des 12. und 13. Jahrhunderts verst√§rkte sich die Siedlungst√§tigkeit durch Binnenkolonisation und wohl auch durch weitere Zuz√ľge aus dem Maas-Mosel-Raum, Flandern und dem Gebiet der damaligen Erzbist√ľmer K√∂ln, Trier und L√ľttich. In Binnenkolonisation wurden das N√∂snerland in Nordsiebenb√ľrgen, das Gebiet der Zwei St√ľhle und das Burzenland erschlossen.

Die Bezeichnung ‚ÄěSachsen‚Äú (Siebenb√ľrger Sachsen) entstammt vermutlich dem Lateinischen Stereotyp jener Zeit Saxones f√ľr westliche (√ľberwiegend deutsche) Siedler. Sie √ľbernahmen diese rechtliche Eigenbezeichnung danach selber.

Die deutschen Bauern und Handwerker genossen mehrheitlich die Privilegien einer Rechtsvergabe des ungarischen K√∂nigs Andreas II. von 1224 (Goldener Freibrief, lat. Andreanum, ung. Aranybulla). Dieser ist das weitreichendste und am besten ausgearbeitete Statut, welches deutschen Siedlern in Osteuropa je gew√§hrt wurde. Die Sonderrechte galten auf dem sog. K√∂nigsboden, welchen sie besiedelt hatten und wurden ihnen in den folgenden Jahrhunderten immer wieder urkundlich best√§tigt und erweitert. Die Siedler gr√ľndeten die bis heute wichtigsten St√§dte Siebenb√ľrgens: Hermannstadt, Kronstadt, Klausenburg, M√ľhlbach, Sch√§√üburg, Mediasch und Bistritz sowie viele D√∂rfer und Marktflecken in drei geschlossenen, aber nicht zusammenh√§ngenden Gebieten, insgesamt ca. 270 Ortschaften.

Eine zweite gr√∂√üere Welle deutschsprachiger Einwanderung setzte erst zu Zeiten der Gegenreformation ein, da zu dieser Zeit in Siebenb√ľrgen Glaubensfreiheit galt. Durch die sogenannte Transmigration kamen unter anderem Landler und Durlacher ins Land und wurden auf dem K√∂nigsboden angesiedelt. Zwischen 1621/22 und 1767 siedelten sich auch gr√∂√üere Gruppen der aus der radikal-reformatorischen T√§uferbewegung kommenden Hutterer in Siebenb√ľrgen an. Ein Zentrum der hutterischen Bewegung in Siebenb√ľrgen bildete dabei die Region um Unterwintz [1]. All diese Zuwanderer blieben jedoch weitgehend als kulturell eigenst√§ndige Gruppen bestehen und vermischten sich anfangs kaum mit den ans√§ssigen Siebenb√ľrger Sachsen und Ungarn.

Deutscher Orden

Zwischen 1211 und 1225 war auch der Deutsche Ritterorden gegenwärtig, den der ungarische König Andreas II. zum Schutz vor den Kumanen im Burzenland ins Land gerufen hatte. Der Orden besiedelte sein Gebiet mit deutschen Siedlern. Als die Ritter, von Papst und Hochmeister bestärkt, versuchten, einen eigenen Staat zu errichten, wurden sie vertrieben und das Burzenland dem Königsboden angeschlossen.

Staatsform und Nationen

Die Region Siebenb√ľrgen entwickelte sich als Teil des mittelalterlichen K√∂nigreichs Ungarn. Der Adel mit seinen sieben Komitaten bildete eine St√§ndeversammlung unter der Leitung eines Wojwoden (Vajda). Die beiden anderen Gro√üregionen des Landes waren der K√∂nigsboden (‚ÄěSieben St√ľhle‚Äú: Broos, M√ľhlbach, Reu√ümarkt, Leschkirch, Hermannstadt, Schenk, Sch√§√üburg, Reps; sp√§ter auch die Zwei St√ľhle Mediasch und Schelk und die Distrikte N√∂snerland, Burzenland) sowie die sieben Szeklerst√ľhle.

Die Bewohner des Königsbodens waren mehrheitlich die aus den deutschen Ländern gerufenen Bauern, Handwerker, Händler sowie auch einige Adlige, die jedoch nie eine tragende Rolle spielten und schließlich im Volk aufgingen.

Die Siebenb√ľrger Sachsen auf dem K√∂nigsboden genossen de facto eine fast absolute Unabh√§ngigkeit, so hatten sie eine eigene Gerichtsbarkeit (Der Sachsen in Sybenb√ľrgen STATUTA oder Eygenlandrecht) sowie eine eigene politische Vertretung, Nationsuniversit√§t genannt.

Generell gab es im mittelalterlichen Siebenb√ľrgen nur Vertretungen der einzelnen Nationen, die St√§nde. Diese repr√§sentierten die Interessen der ungarischen Adligen, der Siebenb√ľrger Sachsen, der Szekler und zun√§chst auch der Rum√§nen (Universitas Valachorum). 1437 wurde jedoch im Rahmen der T√ľrkenabwehr die Unio Trium Nationum ausgerufen, welche die Allianz und alleinige politische Berechtigung der St√§nde der ungarischen Adligen, der Sachsen und der Szekler bekr√§ftigte und die Rum√§nen somit ausschloss.

Die Vertreter der drei anerkannten Nationen trafen sich auf Landtagen, die fast ausnahmslos in den deutschen St√§dten stattfanden, und verhandelten dort √ľber das gemeinsame Vorgehen. Die meisten Landtage fanden in Mediasch statt, da es im Zentrum Siebenb√ľrgens liegt und sich von der westlichsten, √∂stlichsten und n√∂rdlichsten Ecke des K√∂nigsbodens etwa gleich weit entfernt befindet.

Die Rum√§nen wurden dagegen vom politischen und sozialen Leben ausgeschlossen: Nach 1437 hatten sie keine Vertretung bzw. Mitspracherecht mehr. Verfassungsrechtlich galten sie bis ins 19. Jahrhundert lediglich als geduldet und wurden gezielt ausgegrenzt, z. B. durften sie sich in den deutschen St√§dten weder niederlassen noch dort H√§user erwerben (wiewohl das auch allen anderen Nationalit√§ten au√üer den Sachsen eigentlich verboten war) noch den dortigen Z√ľnften beitreten. So hei√üt es beispielsweise in einer alten Zunftordnung aus Sch√§√üburg: ‚Äěeyn gesell soll seyn ehrbar, fromm vnd von teutscher art‚Äú. Wer nicht teutsch war, dem blieb im mittelalterlichen Sybenbuergen jeglicher Zugang zum Handel und Wandel der aufstrebenden Sachsenst√§dte verwehrt, welche damals die einzigen urbanen Zentren bildeten.

16.‚Äď17. Jahrhundert

Siebenb√ľrgen auf der Honteruskarte von 1532

Als das ungarische Heer am 29. August 1526 in der Schlacht von Moh√°cs von S√ľleyman I. vernichtend geschlagen wurde, begann eine fast 200-j√§hrige Phase st√§ndiger Bedrohung f√ľr das Land. Durch das t√ľrkische Vordringen in Ungarn (1526‚Äď1686) wurde besonders Zentralungarn verw√ľstet. Mehr als hunderttausend Gefangene wurden dabei ins Osmanische Reich verschleppt.

Ungarn zerbrach schlie√ülich in drei Teile. Der gr√∂√üte Teil Ungarns kam unter t√ľrkische Herrschaft, wobei die noch nicht eroberten Gebiete entweder unter habsburgische Herrschaft gerieten (darunter der Westen Oberungarns oder K√∂nigliches Ungarn) oder von Ungarn getrennt und als untert√§niges F√ľrstentum Siebenb√ľrgen (ung.: Erd√©lyi Fejedelems√©g)] unter die Oberhoheit des Osmanischen Reiches gestellt wurden.

S√ľleyman I. schloss bereits 1528 mit Johann Z√°polya einen Friedensvertrag, in dem er auf die Schw√§chung des Habsburger Reiches durch das sp√§tere F√ľrstentum Siebenb√ľrgen setzte. Bis Ende des 17. Jahrhunderts blieb Siebenb√ľrgen ein Vasallenstaat der Hohen Pforte. Dies bedeutete innerpolitisch zwar Freiheit, au√üenpolitisch jedoch t√ľrkische Kontrolle, Billigung des durch die St√§nde (ungarisch rend, Plural rendek) gew√§hlten F√ľrsten durch die Hohe Pforte sowie j√§hrliche Tributleistungen. Jedoch kam es genau wie vorher zu osmanischen √úbergriffen und Pl√ľnderungsz√ľgen in das Gebiet der Sieben St√ľhle und auch dar√ľber hinaus, bei denen sich die T√ľrken als sog. Renner und Brenner bet√§tigten und f√ľr Verw√ľstung, Mord und Menschenraub sorgten. Trotz der t√ľrkischen Oberhoheit blieb Siebenb√ľrgen weiterhin ein christliches Land, in dem nie auch nur eine einzige Moschee errichtet wurde.

Das historische Wappen von Siebenb√ľrgen (1659).

Das 17. Jahrhundert war f√ľr Siebenb√ľrgen als soziales und wirtschaftliches Gebilde eine Zeit gro√üer Umw√§lzungen und st√§ndiger Bedrohung von au√üen und innen. Die ungarischen Magnaten in Siebenb√ľrgen verlegten sich auf die Strategie, sich je nach Situation an die eine oder andere Gro√ümacht anzulehnen und dabei zu versuchen, ihre eigene Unabh√§ngigkeit zu bewahren. Die B√°thory-Familie z. B., die nach dem Tod Johann Sigismund Z√°polyas 1571 an die Macht kam, stellte die F√ľrsten von Siebenb√ľrgen unter osmanischer und kurzzeitig habsburgischer Oberherrschaft bis 1602. Aufgrund der prek√§ren politischen Konstellation unterschieden sich die politisch-milit√§rischen Interessen der siebenb√ľrgischen F√ľrsten von denen des K√∂niglichen Ungarns in dieser Zeit fundamental. Die F√ľrsten G√°bor Bethlen und Georg I. R√°k√≥czi f√ľhrten zum Teil sogar regelrechte Feldz√ľge gegen die habsburgischen K√∂nige auf dem ungarischen Thron.

Die F√ľrsten ‚Äď allen voran Gabriel B√°thory ‚Äď und die T√ľrkeneinf√§lle qu√§lten das Volk ohne Unterlass. Kriegsz√ľge, Pl√ľnderungen und innere Unruhen verw√ľsteten das Land. Seuchen, Hungersn√∂te und die t√ľrkischen Beutez√ľge, bei denen jedes Mal tausende Gefangene gemacht wurden, dezimierten die Bev√∂lkerung. Horrende Steuern, Tribute an die T√ľrken, Einquartierung und Versorgung der durchziehenden Heere drangsalierten die Bewohner zus√§tzlich. Dazu waren die Nationen (siehe Nationsuniversit√§t) zerstritten, der Regierungsapparat versank in Korruption und so wurde das F√ľrstentum zum Spielball der M√§chtigen.

1610 rief F√ľrst B√°thory den Landtag in Hermannstadt ein. Er zog mit einem Heer vor der festen Stadt auf und gelangte durch eine List in den Besitz der Schl√ľssel f√ľr die Stadttore. Daraufhin klagte er die B√ľrger des Landesverrats an, erpresste ein hohes L√∂segeld, lie√ü die Hauptstadt pl√ľndern, die Waffen der B√ľrger auf dem Gro√üen Ring einsammeln und jagte die Bewohner aus der Stadt. Von Hermannstadt aus begann er einen Raub- und Verw√ľstungszug durch den K√∂nigsboden, der schlie√ülich erst mit seiner Ermordung endete.

Nach dem Sieg √ľber die Osmanen bei der zweiten Wiener T√ľrkenbelagerung von 1683 versuchte Siebenb√ľrgen vergeblich, sich des wachsenden Einflusses √Ėsterreichs zu erwehren. Die habsburgische Herrschaft etablierte sich in Etappen: 1686 und 1687 war der vom Osmanischen Reich 1661 eingesetzte F√ľrst Michael I. Apafi auf Grund des Vordringens der √∂sterreichischen Truppen gezwungen, sich mit Habsburg zu arrangieren und in Vertr√§gen mit Kaiser Leopold I. die Oberhoheit des Kaisers in seiner Eigenschaft als K√∂nig von Ungarn anzuerkennen; 1688 wurde die Vereinbarung vom Siebenb√ľrgischen Landtag best√§tigt. 1690 starb Apafi. Am 4. Dezember 1691 wurde das Leopoldinische Diplom erlassen, der Grundvertrag des Landes mit dem Haus √Ėsterreich. 1697 entsagte der unter Leopolds I. Vormundschaft seit 1692 als F√ľrst amtierende 21-j√§hrige Sohn Apafis, Michael II. Apafi, dem F√ľrstentum gegen eine Entsch√§digung. 1699 wurde die Zugeh√∂rigkeit Siebenb√ľrgens zu √Ėsterreich vom Osmanischen Reich im Frieden von Karlowitz anerkannt[2].

18. Jahrhundert

Komitate, Distrikte und St√ľhle im Gro√üf√ľrstentum Siebenb√ľrgen um 1770
Das Gro√üf√ľrstentum Siebenb√ľrgen in der Josephinischen Landaufnahme 1769-1773.

Mit dem Frieden von Sathmar wurde 1711 die √∂sterreichische Kontrolle √ľber ganz Ungarn und Siebenb√ľrgen endg√ľltig hergestellt. Siebenb√ľrgen, das vom K√∂nigreich Ungarn eigenst√§ndig blieb, wurde nun unter der Aufsicht des Wiener Hofes von so genannten Gubernatoren verwaltet. Die Proklamation des Gro√üf√ľrstentums Siebenb√ľrgen 1765 und die Umwandlung in ein √∂sterreichisches Kronland waren Formalakte. Maria Theresia und ihr seit 1765 mitregierender Sohn Joseph II. waren bestrebt, ihr Herrschaftsgebiet einheitlich zu verwalten, und richteten dazu eine Regierung in Wien ein, die sich √ľber bis dahin geltend gemachte Sonderregelungen einzelner Kronl√§nder hinwegsetzte.

Ab 1733 wurde die Volksgruppe der sogenannten Siebenb√ľrger Landler in S√ľdsiebenb√ľrgen angesiedelt. Sie wurde unter Karl VI. und Maria Theresia nach Siebenb√ľrgen zwangsdeportiert. Da in den √∂sterreichischen Erblanden der evangelische Glaube verboten war, einzelne √ľberzeugte Protestantengruppen (Kryptoprotestanten) aus dem landesf√ľrstlichen Salzkammergut, dem Land ob der Enns (dem 'Landl'), der Steiermark und K√§rnten aber dennoch nicht davon lassen wollten, verbannte man sie in den √∂stlichsten Winkel des Habsburgerreiches. In einem Schreiben der Siebenb√ľrgischen Hofkanzlei hei√üt es dazu: ‚ÄěIhro Kayserliche Majest√§t [gemeint ist Maria Theresia] haben zu Absonderung dieser Leute das F√ľrstentum Siebenb√ľrgen aus der Ursach bestimmt, weil selbiges zur Abschneidung der Korrespondenz am weitesten entlegen an der Population Mangel leidet...‚Äú. In Siebenb√ľrgen, welches damals noch an der Milit√§rgrenze zum Osmanischen Reich lag, gab es mit den Siebenb√ľrger Sachsen ohnehin seit altersher Protestanten und es galt allgemeine Toleranz. Dar√ľber hinaus gab es auf K√∂nigsboden in den siebenb√ľrgisch-s√§chsischen D√∂rfern auch viele verwaiste Hofstellen. Unter der besch√∂nigenden Bezeichnung Transmigration wurden die Landler in mehreren Sch√ľben zwischen 1734 und 1776 in Ulmer Schachteln √ľber die Donau nach Siebenb√ľrgen verbracht.

In dem durch die T√ľrkenkriege verheerten und entv√∂lkerten Unterwald sowie der Hermannst√§dter Gegend durften sich die sog. ‚ÄěExulanten‚Äú in mehreren D√∂rfern inmitten der schon seit Jahrhunderten hier lebenden Siebenb√ľrger Sachsen niederlassen. Nur in den drei D√∂rfern Neppendorf, Gro√üau und Gro√üpold konnten sie sich jedoch auf Dauer als eigene Gruppierung erhalten.

Siehe Hauptartikel Siebenb√ľrger Landler

Die Rum√§nen stellten inzwischen die Mehrheit der Bev√∂lkerung Siebenb√ľrgens. Politische Rechte besa√üen sie nicht. Insbesondere diejenigen unter ihnen, die als Leibeigene unter der Herrschaft ungarischer Adliger auf Komitatsboden lebten, befanden sich zudem in sehr schwierigen wirtschaftlichen Verh√§ltnissen. Die Spannungen entluden sich 1784 in einem gro√üen Bauernaufstand unter Horea. 1791 baten die Rum√§nen Leopold II. auf dem Landtag zu Klausenburg im Supplex Libellius Valachorum zum wiederholten Male um Aufnahme als vierte staatstragende "Natio‚Äú Siebenb√ľrgens und weiterreichende politische Anerkennung. Diese Forderungen wurden ihnen jedoch von den drei anderen Nationen im Landtag versagt.

19. Jahrhundert

Das Gro√üf√ľrstentum Siebenb√ľrgen im Jahr 1862

Im Rahmen der Revolution 1848 gegen die Habsburger Herrschaft proklamierten die ungarischen Aufst√§ndischen unter anderem die Wiedervereinigung Siebenb√ľrgens mit Ungarn, die Abschaffung der Leibeigenschaft und vieles mehr (vgl. Ungarische Revolution 1848/1849 und Rum√§nische Revolution von 1848). √Ėsterreich konnte das ungarische Streben nach Selbstst√§ndigkeit jedoch mit russischem Beistand 1849 niederschlagen. Die folgenden f√ľnf Jahre (1849‚Äď1854) stand Siebenb√ľrgen unter √∂sterreichischer Milit√§rverwaltung[3]

Rumänen (Walachen) in Ungarn. Volkszählung 1890

1866 entschied sich der magyarisch dominierte Landtag (zum Nachteil der anderen Nationalit√§ten) f√ľr die Union mit Ungarn, die (in Hinblick auf die Ausgleichsverhandlungen des Wiener Hofes mit Ungarn) mit k√∂niglichem Reskript vom Januar 1867 vollzogen wurde; damit war der autonome Status Siebenb√ľrgens, der mehr als 700 Jahre bestanden hatte, aufgehoben. Mit diesem Akt wurden die Selbstverwaltung der Siebenb√ľrger Sachsen, die Nationsuniversit√§t und die damit verbundenen alten Rechte abgeschafft, der K√∂nigsboden wurde aufgehoben. Gleiches galt f√ľr die besonderen Rechte der Szekler.

Im Februar und M√§rz 1867 kam es zum Ausgleich und damit zur Etablierung der Doppelmonarchie √Ėsterreich-Ungarn. Siebenb√ľrgen wurde als Bestandteil der ungarischen Reichsh√§lfte best√§tigt.

Im nun innenpolitisch selbstst√§ndigen Ungarn war das ungarische Staatsvolk jedoch eine (wenn auch gro√üe) Minderheit, so dass die k√∂nigliche Regierung in Budapest das Zerbrechen der staatlichen Integrit√§t bef√ľrchtete. Daher wurde nach dem Ausgleich eine rigide Magyarisierungspolitik begonnen, welche zu dauernden Konflikten mit den nichtungarischen Teilen der Bev√∂lkerung f√ľhrte. Die Siebenb√ľrger Sachsen waren jedoch in der Lage, sich durch ihre konfessionellen Schulen sowie eine Vielzahl von Vereinen und Stiftungen ‚Äď besonders die Stiftung Nationsuniversit√§t ‚Äď diesen Zw√§ngen weitestgehend zu entziehen. Andere Volksgruppen wie die Sathmarer Schwaben waren in dieser Hinsicht weit weniger erfolgreich. Die Rum√§nen leisteten aufgrund ihrer gro√üen Anzahl und der N√§he zum K√∂nigreich Rum√§nien gegen die Magyarisierung Widerstand und sahen sich von den regierenden Ungarn systematisch und auf vielen Ebenen benachteiligt. Die Anerkennung anderer Sprachen au√üer der Ungarischen als Bildungs- und Amtssprachen war vielen hier von besonderer Bedeutung.

20. Jahrhundert

Historische Regionen Rumäniens (1926)
Nordsiebenb√ľrgen, zwischenzeitlich an Ungarn zur√ľckgegeben

1909 begann in SńÉrmńÉ»ôel (heute Kreis Mure»ô) die Erdgasf√∂rderung in Siebenb√ľrgen. In den Jahren danach wurden weitere Gasfelder um Mediasch herum angebohrt und 1914 die erste Erdgasleitung in Europa in Betrieb genommen. Zwecks effizienter Prospektion und F√∂rderung des Methangases in Siebenb√ľrgen wurde 1915 ein Abkommen zwischen dem Finanzministerium Ungarns und der Deutschen Bank unterzeichnet, aufgrund dessen dann die Ungarische Methangas-Gesellschaft gegr√ľndet wurde. Die Erdgasvorkommen f√ľhrten zur rasanten Industrieentwicklung von Mediasch und Kleinkopisch, in deren Umgebung sich die meisten Erdgas-Sonden befanden. Das Methangas wurde als Rohstoff in der Glasherstellung und der chemischen Industrie eingesetzt, es diente aber auch zur Beleuchtung und dem Betrieb von Maschinen.[4]

Nach der Niederlage √Ėsterreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg wurde Siebenb√ľrgen 1918 dem mit der Triple Entente verb√ľndeten Rum√§nien zugesprochen. Am 1. Dezember 1918 versammelten sich etwa 100.000 Rum√§nen in Alba Iulia (Karlsburg) und proklamierten die Vereinigung aller Rum√§nen aus Siebenb√ľrgen, dem Banat, dem Kreischgebiet und der Maramuresch mit dem rum√§nischen Altreich, was de facto den Beitritt zu Rum√§nien bedeutete. Einige dieser Regionen wurden zu √ľber 90 Prozent von Ungarn bewohnt (z. B. Szeklerland, Partium mit Gro√üwardein, die Region Sathmar), andere mehrheitlich von Siebenb√ľrger Sachsen (hier z. B. Hermannst√§dter Gegend, Weinland um Mediasch, Burzenland, N√∂snerland).

Die Siebenb√ľrger Sachsen begr√ľ√üten in der Mediascher Anschlusserkl√§rung im Februar 1919 die in Alba Iulia gefassten Beschl√ľsse, in denen den Siebenb√ľrger Sachsen umfangreiche Minderheitenrechte zugesichert wurden, und den Anschluss an Rum√§nien. Auf dem Sachsentag in Sch√§√üburg wurden die Erwartungen an den neuen rum√§nischen Einheitsstaat formuliert, der diese jedoch weitgehend entt√§uschte.

Die √úbernahme Siebenb√ľrgens durch Rum√§nien wurde 1920 im Vertrag von Trianon festgeschrieben. Die rum√§nische Verwaltung agierte nun √ľberall im Lande nach der Logik eines zentral geleiteten Nationalstaates, ebenso wie zuvor der ungarische Staat. Das auf Partikularismus basierende Selbstverst√§ndnis der vielen Siebenb√ľrgischen Ethnien (Rum√§nen, Szekler, Siebenb√ľrger Sachsen, Armenier, Juden) wurde dadurch stark beeintr√§chtigt. Zwar wurden den Minderheiten theoretisch weitergehende Rechte einger√§umt als w√§hrend der ungarischen Herrschaft, diese fanden in der Praxis jedoch nicht immer Anwendung. Der rum√§nische Staat leitete √∂konomische Ma√ünahmen wie zum Beispiel die Agrarreform 1921 ein, von der der wirtschaftlich besser gestellte ungarische Adel gravierend betroffen war, in einem geringeren Ausma√ü auch die Szekler und Siebenb√ľrger Sachsen (siehe auch Zerschlagung der Nationsuniversit√§t).

Die Volksgruppen, die jahrhundertelang politisch, wirtschaftlich und kulturell dominiert hatten, sahen sich nun zugunsten der rum√§nischen Mehrheitsbev√∂lkerung mit dem Verlust ihrer historischen Vormachtstellung konfrontiert. Die Ma√ünahmen (u. a. Enteignungen, Konfiszierungen, Entlassungen, Diskriminierung und das Aufl√∂sen von bzw. Herausdr√§ngen aus Institutionen) durch den rum√§nischen Staat und √úbergriffe gegen die ungarische Bev√∂lkerungsgruppe zielten auf eine totale Kontrolle √ľber Siebenb√ľrgen. Die Betroffenen nahmen diese Politik als Affront, Unrecht und Marginalisierungs- bzw. Assimilierungsversuch wahr.

Die Situation veranlasste nicht wenige Magyaren, in den neuen, kleineren ungarischen Staat auszuwandern. Gleichzeitig fand in der Zwischenkriegszeit eine gezielte Ansiedlung ethnischer Rum√§nen aus dem Altreich (Regat) in Siebenb√ľrgen statt. Diese Politik wurde nach dem Zweiten Weltkrieg massiv fortgesetzt und f√ľhrte in fast allen Kreisen Siebenb√ľrgens zur Umkehrung der alten Mehrheitsverh√§ltnisse in vormals mehrheitlich ungarisch oder deutsch bev√∂lkerten Regionen zu Gunsten ethnischer Rum√§nen. Ausnahmen bilden bis heute die Szeklerkreise Harghita und Covasna, in denen die ethnischen Ungarn noch √ľber 3/4 der Bev√∂lkerung stellen.

Goldmedaille zu 20 LEI Anschlu√ü Nordsiebenb√ľrgens an Rum√§nien 1944

W√§hrend des Zweiten Weltkrieges wurde 1940 im so genannten Zweiten Wiener Schiedsspruch unter der Regie des Dritten Reiches ein sichelf√∂rmiger Abschnitt l√§ngs der Nord- und Nordostgrenze Siebenb√ľrgens, in dem etwa gleich viele Ungarn und Rum√§nen lebten, an Ungarn √ľbertragen. Das √ľberwiegend von Rum√§nen und Siebenb√ľrger Sachsen bewohnte s√ľdliche Siebenb√ľrgen verblieb bei Rum√§nien. Anl√§sslich der Teilung fanden auch Bev√∂lkerungsbewegungen statt. Ende 1944 kam das abgetretene Territorium ‚Äď nach dem Seitenwechsel Rum√§niens zur Sowjetunion ‚Äď wieder unter rum√§nische Kontrolle. Die meisten Siebenb√ľrger Sachsen aus Nord-Siebenb√ľrgen fl√ľchteten nach dem Kollabieren der deutschen Front nach √Ėsterreich oder Deutschland. Es kam von Kriegsende 1945 an in ganz Siebenb√ľrgen zu √úbergriffen gegen die deutsche und die ungarische Bev√∂lkerung, die mehrere Jahre anhielten.

Die im Vertrag von Paris 1947 festgelegten Grenzen waren hinsichtlich Siebenb√ľrgens und Nordwest-Rum√§niens identisch mit denen von 1920.

Wappen

Blasonierung des Wappens:

Der Schild geteilt durch einen schmalen roten Querbalken, oben in Blau ein wachsender schwarzer Adler mit goldenen Schnabel und roter Zunge, begleitet von einer goldenen Sonne und silbernen Mond, unten in Gold sieben T√ľrme (4:3) gestellt. Auf dem Wappenschild der Gro√üf√ľrstenhut.

Die Bestandteile dieses Wappens bilden zugleich die Siegel und Wappen der drei st√§ndischen Nationen Siebenb√ľrgens, n√§mlich die Magyaren, die Szekler und die Siebenb√ľrger Sachsen.

Das Wappen von Siebenb√ľrgen besteht aus einem Schild, welches durch einen roten, horizontalen Balken in zwei gleich gro√üe Felder unterteilt ist. Im oberen Feld befindet sich ein schwarzer Adler auf blauem Hintergrund. Er repr√§sentiert die Magyaren (Ungarische Nation). Links und rechts des Adlers befinden sich ein wei√üer Mond und eine gelbe Sonne, welche die Szekler (Szekler Nation) symbolisieren. Im unteren Feld des Schildes befinden sich sieben rote Burgen auf gelbem Hintergrund, welche die Siebenb√ľrger Sachsen repr√§sentieren (S√§chsische Nation).

Auffallend bei diesem Wappen ist, dass es nicht f√ľr alle Ethnien Siebenb√ľrgens ein Symbol enth√§lt. Als Beispiel waren die Rum√§nen Siebenb√ľrgens trotz ihrer nicht vernachl√§ssigbaren Anzahl im rechtlichen Sinne keine st√§ndische Nation und hatten also nicht das Recht, einen Siegel zu besitzen. Die Rum√§nen und die verschiedenen ethnischen Minderheiten Siebenb√ľrgens (u.a. Armenier, Juden, Roma) besa√üen zu der Zeit keine politischen Rechte.

Bevölkerung

Volksgruppen

Um 1930 hatte Siebenb√ľrgen, im engeren Sinne, ca. 2,7 Millionen Einwohner. Davon waren 56,4 Prozent Rum√§nen, 23 Prozent Ungarn und 9,4 Prozent Deutsche (‚ÄěSiebenb√ľrger Sachsen‚Äú). Als weitere Minderheiten sind noch Armenier, Juden und Roma erw√§hnenswert. Die ersten beiden Gruppen sind jedoch heutzutage beinahe v√∂llig verschwunden.

Bei der Volksz√§hlung 2002 hatte Siebenb√ľrgen eine Einwohnerzahl von 7.221.733, davon 74,69 Prozent Rum√§nen, 19,60 Prozent Magyaren, 3,39 Prozent Roma und 0,73 Prozent Deutsche (ca. 60.000).

Von den etwa 60.000 Deutschen in Rum√§nien stellen die Siebenb√ľrger Sachsen heute nur noch ca. 14.000. Ihre Auswanderung ist zwar inzwischen verebbt, jedoch ist die verbliebene deutsche Bev√∂lkerung so stark √ľberaltert, dass sie durch hohe Sterbe√ľbersch√ľsse immer weiter ihrem Ende entgegenschrumpft.

Anteil der Ungarn im heutigen Rumänien.
Cluj / Klausenburg / Kolozsvár ist die Stadt mit der zahlenmäßig zweithöchsten magyarischen Minderheit in Rumänien.
Jahr Total Rumänen Ungarn Deutsche
1869 4.224.436 59,0 % 24,9 % 11,9 %
1880 4.032.851 57,0 % 25,9 % 12,5 %
1890 4.429.564 56,0 % 27,1 % 12,5 %
1900 4.840.722 55,2 % 29,4 % 11,9 %
1910 5.262.495 53,8 % 31,6 % 10,7 %
1919 5.259.918 57,1 % 26,5 % 9,8 %
1920 5.208.345 57,3 % 25,5 % 10,6 %
1930 5.114.214 58,3 % 26,7 % 9,7 %
1941 5.548.363 55,9 % 29,5 % 9,0 %
1948 5.761.127 65,1 % 25,7 % 5,8 %
1956 6.232.312 65,5 % 25,9 % 6,0 %
1966 6.736.046 68,0 % 24,2 % 5,6 %
1977 7.500.229 69,4 % 22,6 % 4,6 %
1992 7.723.313 75,3 % 21,0 % 1,2 %
2002 7.221.733 74,7 % 19,6 % 0,7 %

[5]

Religion

Diese vier Glaubensrichtungen sind haupts√§chlich in Siebenb√ľrgen vertreten:

Die meisten Angeh√∂rigen der protestantischen und der katholischen Kirchen sind deutscher bzw. ungarischer Abstammung. Es existieren zudem einige kleine j√ľdische Gemeinden. Stark vertreten sind zudem diverse Freikirchen, wie die Pfingstbewegung, die Baptisten, die Adventisten und die Zeugen Jehovas, die von den anderen Gruppen pauschal als Bekehrte (rum.: pocai»õii) bezeichnet werden und durch Unterst√ľtzung aus Deutschland und den USA seit dem Ende des Kommunismus starken Zuwachs verzeichnen. Die radikal-reformatorischen Hutterer sind nicht mehr in Siebenb√ľrgen vertreten.

Die wichtigsten Wallfahrtsorte in Siebenb√ľrgen sind »ėumuleu Ciuc (ung. Cs√≠ksomly√≥, Franziskanerkloster), Nicula (Basilianerkloster, seit 1948 von der rum√§nisch-orthodoxen Kirche benutzt) und das Kloster S√ĘmbńÉta de Sus (rum√§nisch-orthodox).

Persönlichkeiten

darunter der kulturell bedeutendste:

Schriftsteller

Weitere Persönlichkeiten

(nach Geburtsjahr gereiht)

K√ľche

Ein Grundnahrungsmittel der siebenb√ľrgischen K√ľche ist der Mais, der vor allem in den l√§ndlichen Gebieten als aus Maismehl gekochter Brei (Palukes, Polenta, MńÉmńÉligńÉ) zu vielen Gelegenheiten und allen Tageszeiten gegessen wird, teilweise mit Milch, als Auflauf mit Schafsk√§se oder als Beilage zu Fleisch, Kraut oder Gulasch.

Ein weiteres wichtiges, nicht zu vernachl√§ssigendes Nahrungsmittel ist die Kartoffel, die vornehmlich als Pellkartoffel, gekocht als Sterz, gebraten als Bratkartoffeln oder Kartoffelp√ľree bereitet wird. Auch typisch f√ľr die siebenb√ľrgische K√ľche ist ein dunkles, schweres Graubrot, welches lange geknetet werden muss, daf√ľr aber √§u√üerst s√§ttigend ist und manchmal zus√§tzlich mit Kartoffeln angereichert wird. Es wird in gro√üen, schweren Laiben gebacken (ab zwei Kilogramm, traditionell meist noch gr√∂√üer) und h√§ufig als Schmalzbrot mit Salz, Pfeffer und (Fr√ľhlings-)Zwiebeln gegessen.

Origin√§r unterscheiden sich die K√ľchen der drei alten Volksgruppen erheblich, haben sich √ľber die Zeit aber in Teilen angeglichen. Kennzeichnend f√ľr die rum√§nisch-siebenb√ľrgische K√ľche sind beispielsweise saure Suppen (CiorbńÉ), f√ľr die Ungarn scharfe W√ľrzen mit Paprika und K√ľmmel und f√ľr die Siebenb√ľrger Sachsen Fleischsuppen mit Fruchteinlage (Pflaumensuppe, Weinbeerensuppe, Rhabarbersuppe etc.) oder Mehlspeisen.

Flora und Fauna

Siebenb√ľrgern weist eine sehr gro√üe Biologische Vielfalt auf. Speziell die Kulturlandschaften auf denen traditionelle kleinskalige Landwirtschaft betrieben wird, geh√∂ren zu den artenreichsten Gebieten in Europa. Besonders die extensiv genutzten Weiden und Heumaden sind reich an Insekten und Amphibien, sowie an typischen Wiesenv√∂geln.

Die Landschaftsvielfalt Siebenb√ľrgens ist europaweit einzigartig: hier gibt es ein Zusammenspiel von extensiv bewirtschafteten Fl√§chen, "intakten" D√∂rfern und traditioneller Landwirtschaft, wie es in anderen Teilen Europas im 19. Jahrhundert existierte. Neben den reichen Blumenwiesen kommen auch W√∂lfe und B√§ren in den relativ niedrigen Regionen Siebenb√ľrgens vor.[6]

Orte

Einige gr√∂√üere St√§dte in Siebenb√ľrgen:

Weitere Orte siehe Kategorie:Ort in Siebenb√ľrgen

Siehe auch

Literatur

Quellen
  • Andr√°s M√≥csi, B√©la K√∂peczi: Erd√©ly t√∂rt√©nete I‚ÄďIII. Akad√©miai Kiad√≥, Budapest 1986.
  • L. Binder, C. & E. G√∂llner, K. G√ľndisch: Geschichte der Deutschen auf dem Gebiete Rum√§niens. Erster Band 12. Jahrhundert bis 1848, Kriterion Verlag, Bukarest 1979.
  • Ernst Wagner: Geschichte der Siebenb√ľrger Sachsen. Wort und Welt Verlag, Thaur bei Innsbruck 1990.
  • Lekturama-Enzyklop√§die: Europa II. Die L√§nder der Welt und ihre Kulturen, S. 393‚Äď416, Vallardi Edizioni, Mailand 1980.
  • Arne Franke: Das wehrhafte Sachsenland ‚Äď Kirchenburgen im s√ľdlichen Siebenb√ľrgen, Deutsches Kulturforum √Ėstliches Europa, Potsdam 2007 (online).
Allgemein
  • Harald Roth: Kleine Geschichte Siebenb√ľrgens, B√∂hlau, K√∂ln [u.a.] 1996 (1. Aufl.), 2003 (2. Aufl.), 2007 (3. Aufl.), ISBN 978-3-412-13502-7 (3. Aufl.).
  • Konrad G√ľndisch: Siebenb√ľrgen und die Siebenb√ľrger Sachsen, Langen M√ľller, M√ľnchen 1998 (1. Aufl.), 2005 (2. Aufl.), ISBN 3-7844-2685-9 (2. Aufl.).
  • Meinolf Arens: Transsilvanien ‚Äď Siebenb√ľrgen, Marmarosch und Kreischgebiet. In: Thede Kahl, Michael Metzeltin, Mihai-RńÉzvan Ungureanu (Hg.): Rum√§nien. Raum und Bev√∂lkerung ‚Äď Geschichte und Geschichtsbilder ‚Äď Kultur ‚Äď Gesellschaft und Politik heute ‚Äď Wirtschaft ‚Äď Recht ‚Äď Historische Regionen, Wien, S. 881‚Äď902, ISBN 3-8258-0069-5.
  • Josef Haltrich: S√§chsische Volksm√§rchen aus Siebenb√ľrgen. Bukarest 1973. (Bedeutung f√ľr Volkskunde und Sprache)
  • J√°nos Michaelis: Oesterreichische Vaterlandskunde mit besonderer R√ľcksicht auf das Kronland Siebenb√ľrgen. Filtsch, Hermannstadt 1858 (Digitalisat).
  • Fabian T√∂rner, Andreas Heldmann: Dissertatio historica de origine septem castrensium Transilvaniae Germanorum. Werner, Uppsala 1726 (Digitalisat).
  • Elem√©r Bak√≥, William S√≥lyom-Fekete: Hungarians in Rumania and Transylvania; a bibliographical list of publications in Hungarian and West European languages. Compiled from the holdings of the Library of Congress, 1969.
  • G√°bor Barta: Die Geburt des F√ľrstentums Siebenb√ľrgen (Ungarische Geschichte), 2. Auflage, Budapest 1984.
  • Cristina Fenean: Constituirea principatului autonom al Transilvaniei. Bucurenti, 1997.

In die Literatur fand Transsilvanien Eingang durch Bram Stokers Vampirroman Dracula. Die Handlung dieser Erz√§hlung ist teilweise in dieser Region angesiedelt und basiert auf √úberlieferungen, die sich um den F√ľrsten Vlad »öepe»ô drehen sollen, tats√§chlich mit diesem aber wenig gemeinsam haben.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Robert Friedmann: Transylvania In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online (englisch)
  2. ‚ÜĎ Meyers Konversations-Lexikon, 5. Auflage, 15. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1897, S. 996
  3. ‚ÜĎ Landes-Regierungsblatt f√ľr das Gro√üf√ľrstentum Siebenb√ľrgen 1850‚Äď1859 in Ungarisch, Deutsch und Rum√§nisch
  4. ‚ÜĎ ADZ.ro vom 24. April 2009, abgerufen am 25. April 2009
  5. ‚ÜĎ √Ārp√°d Varga E., Hungarians in Transylvania between 1870 and 1995, Original title: Erd√©ly magyar n√©pess√©ge 1870‚Äď1995 k√∂z√∂tt, Magyar Kisebbs√©g 3‚Äď4, 1998 (New series IV), pp. 331‚Äď407. Translation by Tam√°s S√°lyi, Teleki L√°szl√≥ Foundation, Budapest, 1999
  6. ‚ÜĎ Biodiversity conservation and community development in Transylvania

Weblinks

 Wikisource: Siebenb√ľrgen ‚Äď Quellen und Volltexte
 Commons: Siebenb√ľrgen ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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