SiebenjÀhriger Krieg

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SiebenjÀhriger Krieg

Im SiebenjĂ€hrigen Krieg (1756–1763), auch Dritter Schlesischer Krieg genannt, kĂ€mpften mit Preußen und Großbritannien/Kurhannover einerseits sowie Österreich, Frankreich und Russland andererseits alle europĂ€ischen GroßmĂ€chte ihrer Zeit. An den Auseinandersetzungen waren weitere (mittlere und kleine) Staaten beteiligt. Der Krieg wurde in Mitteleuropa, Portugal, Nordamerika, Indien, der Karibik sowie auf den Weltmeeren ausgefochten. FĂŒr Großbritannien und Frankreich ging es hierbei auch um die Herrschaft in Nordamerika und Indien.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Friedrich II. von Preußen; PortrĂ€t von Johann Georg Ziesenis kurz nach dem Krieg, 1763

Am 18. Oktober 1748 hatte der Frieden von Aachen den Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) beendet, ohne dabei das Konfliktpotenzial zwischen den GroßmĂ€chten zu beseitigen. Daraufhin bestimmten folgende Ziele die außenpolitischen Handlungen der verschiedenen Staaten:

  • Preußen hatte unter Friedrich II. die österreichische Provinz Schlesien erobert und versuchte nun, diese mittels eines BĂŒndnissystems gegen eine mögliche RĂŒckeroberung zu behaupten.
  • Österreich unter Maria Theresia verfolgte tatsĂ€chlich das Ziel der RĂŒckeroberung Schlesiens. Um den Erfolg zu gewĂ€hrleisten, versuchte der Kanzler Wenzel Anton Graf Kaunitz (1711–1794) zunĂ€chst, den preußischen König Friedrich II. (1712–1786) außenpolitisch zu isolieren.
  • Russland war unter der Herrschaft der Zarin Elisabeth (1709–1762) an einer Expansion nach Westen interessiert, wobei ihr Augenmerk auf Semgallen und das Herzogtum Kurland gerichtet war. Diese standen allerdings unter polnischer Oberhoheit. Elisabeth wollte Polen dafĂŒr mit Ostpreußen entschĂ€digen. So kam ihr der Krieg gegen Preußen, fĂŒr den Österreich VerbĂŒndete suchte, gerade recht.
  • Großbritannien sah in Frankreich seinen Hauptkonkurrenten und versuchte, diesen vor allem in den Kolonien zu schwĂ€chen. Da Georg II. in Personalunion auch KurfĂŒrst von Hannover war, musste er zugleich versuchen, diese Herrschaft gegen einen möglichen französischen Angriff zu sichern.
  • Frankreich unter Ludwig XV. sah seinerseits in Großbritannien seinen Hauptgegner, wĂŒnschte jedoch einen Krieg noch hinauszuzögern, um sich besser vorbereiten zu können.
Maria Theresia von Österreich, ca. 1759; PortrĂ€t von Martin van Meytens (1695–1770)

Im Jahre 1754 spitzte sich der britisch-französische Konflikt in Nordamerika zu, als es im Ohiotal zu ernsten Gefechten kam (→ siehe: SiebenjĂ€hriger Krieg in Nordamerika). Die britische Regierung entsandte im Januar 1755 ein grĂ¶ĂŸeres Truppenkontingent unter General Edward Braddock (1695–1755) in die amerikanischen Kolonien, woraufhin im MĂ€rz auch eine französische Flotte auslief. Im Sommer des Jahres kam es zu einigen Schlachten in Nordamerika (→ Siehe: Schlacht am Monongahela) und auf See; im August begann man in Großbritannien mit der Beschlagnahmung französischer Handelsschiffe.

Da der Krieg nunmehr unausweichlich schien, suchten sowohl die französische als auch die britische Regierung VerbĂŒndete in Europa. Frankreich wĂŒnschte einen gesamteuropĂ€ischen Krieg zu vermeiden, um sich vollkommen auf Großbritannien konzentrieren zu können. Es bestand bereits ein DefensivbĂŒndnis mit Preußen, aber im August 1755 begann man auch Verhandlungen mit Österreich, um es aus dem beginnenden Krieg herauszuhalten. Dies kam den diplomatischen BemĂŒhungen des Grafen Kaunitz sehr entgegen, dessen Ziel es war, Frankreich aus dessen BĂŒndnis mit Preußen zu lösen. Großbritannien schloss seinerseits am 30. September einen Subsidienvertrag mit Russland, um im Bedarfsfall russische Truppen zum Schutze Hannovers zu benutzen. Gleichzeitig verhandelte es jedoch auch mit Preußen. Am 16. Januar 1756 schlossen Preußen und Großbritannien die Konvention von Westminster, in welcher beide garantierten, Norddeutschland vor fremden Truppen zu schĂŒtzen. Aus der Sicht Friedrichs II. stellte dieses Abkommen keinen Affront gegen Frankreich dar, weil er noch immer glaubte, dass Frankreichs Hauptgegner Österreich sei. Gleichzeitig meinte er, so dafĂŒr gesorgt zu haben, dass die russischen Truppen nicht gegen ihn handeln könnten, ohne ihre VertrĂ€ge mit Großbritannien zu verletzen. FĂŒr Georg II. bedeutete der Vertrag mit Preußen den Schutz seiner Stammlande.

Ludwig XV. von Frankreich; PortrÀt von Maurice Quentin de La Tour, 1748

Am Hofe Ludwig XV. von Frankreich sah man in dem britisch-preußischen Zusammengehen ein Problem, denn damit war den französischen Truppen die Besetzung Hannovers versperrt. Das KurfĂŒrstentum brauchte man jedoch als Faustpfand in einem Krieg gegen Großbritannien. Unter diesem Eindruck kam es am 1. Mai 1756 zum Abschluss des Vertrages von Versailles, einem Defensiv-BĂŒndnis zwischen Österreich und Frankreich, welches auch als „Umkehrung der Allianzen“ bezeichnet wird. Frankreich wĂŒrde nun Preußen in einem Krieg gegen Österreich nicht mehr beistehen. Gleichzeitig hatten österreichische Diplomaten bereits im MĂ€rz/April des Jahres Verbindungen zum russischen Hof geknĂŒpft und dort die Bereitschaft fĂŒr ein gemeinsames österreichisch-russisches Vorgehen gegen Preußen festgestellt. Somit war es der österreichischen Diplomatie gelungen, Friedrich II. von Preußen weitgehend zu isolieren. In einem fĂŒr das Jahr 1757 geplanten Krieg zur Wiedergewinnung Schlesiens brauchte sich Österreich auf keinem anderen Kriegsschauplatz zu engagieren, konnte aber mit dem Beistand Russlands und vielleicht auch Sachsens rechnen.

In den folgenden Wochen eskalierte der Konflikt. Schon im April 1756 hatte ein französischer Verband die britische Insel Menorca eingenommen und Truppen auf Korsika stationiert. Daraufhin erfolgte am 17. Mai 1756 die offizielle KriegserklĂ€rung Großbritanniens an Frankreich, welche der französische Hof am 9. Juni mit einer eigenen KriegserklĂ€rung beantwortete.

Die Kriegsparteien

BĂŒndnis A (Vertrag von Versailles und Erweiterungen)

Territorium von bis
„Kaiserliche“ bzw. Habsburgermonarchie: Vertrag von Versailles (1756) 1756 1763
Königreich Frankreich: Vertrag von Versailles (1756) 1756 1763
KurfĂŒrstentum Sachsen 1756 1763
Russisches Kaiserreich 1757 1761
Heiliges Römisches Reich: Reichsexekution durch „Reichsarmee“ 1757 1763
Königreich Schweden 1757 1763
Königreich Spanien („Bourbonischer Hausvertrag“ mit Frankreich) 1761 1763
Herzogtum Parma („Bourbonischer Hausvertrag“ mit Frankreich) 1761 1763
Königreich Neapel & Königreich Sizilien („Bourbonischer Hausvertrag“ mit Frankreich) 1761 1763

BĂŒndnis B (Konvention von Westminster und Erweiterungen)

Territorium von bis
Königreich Preußen (Konvention von Westminster) 1756 1763
Königreich Großbritannien & KurfĂŒrstentum Braunschweig-LĂŒneburg („Kurhannover“) (Konvention von Westminster) 1756 1763
Königreich Portugal 1756 1763
FĂŒrstentum Braunschweig-WolfenbĂŒttel 1756 1763
Landgrafschaft Hessen-Kassel 1756 1763
Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg 1756 1763
Grafschaft Schaumburg-Lippe (BĂŒckeburg) 1756 1763
Russisches Kaiserreich 1761 1761

Verlauf

Europa zur Zeit des SiebenjÀhrigen Krieges

Im Juni 1756 erhielt Friedrich II. durch seine Spione an den europĂ€ischen Höfen Kenntnis von der AnnĂ€herung zwischen Frankreich und Russland sowie von russischen Truppenbewegungen. Außerdem bekam er Abschriften der Pariser und Petersburger VertrĂ€ge, die die Allianz zwischen Österreich, Russland, Frankreich und Sachsen dokumentierten. Daraufhin befahl Friedrich die Mobilisierung seiner Regimenter in Ostpreußen und Schlesien, um dem drohenden Angriff von mehreren Seiten durch einen Einmarsch in Sachsen zuvorzukommen. Die Besetzung Sachsens hatte fĂŒr Preußen einen militĂ€rischen und einen wirtschaftlichen Hintergrund (siehe Ephraimiten). MilitĂ€risch gesehen versuchte Friedrich mit dem Erzgebirge und der SĂ€chsischen Schweiz einen natĂŒrlichen Grenzwall zur österreichischen Provinz Böhmen zu gewinnen. Außerdem konnte Friedrich durch die Besetzung die benötigten Kriegsmaterialien, wie Kanonen, Munition usw. die Elbe von Magdeburg hinauf transportieren. Wirtschaftlich sollte das wohlhabende Sachsen die Kriegskassen des preußischen Königs fĂŒllen. Nach der zĂŒgigen Besetzung Sachsens wollte Friedrich in Böhmen einrĂŒcken. Dort sollte die Einnahme Prags die dauerhafte Unterbringung der preußischen StreitkrĂ€fte auf gegnerischem Territorium ermöglichen und Maria Theresia zu Friedensverhandlungen zwingen. Bei einem solchen Erfolg wĂ€re dann nicht mehr zu erwarten, dass Russland im folgenden Jahr Preußen allein angreifen wĂŒrde.

1756

MilitÀrische Operationen in Europa im Jahre 1756
Sachsen / Böhmen

Am 29. August 1756 ĂŒberschritt die preußische Armee ohne vorherige KriegserklĂ€rung die Grenze Sachsens. Die sĂ€chsische Armee unter der FĂŒhrung von Graf Rutowski wurde ĂŒberrascht und sammelte sich in einem Lager bei Pirna, wo die preußische Armee sie am 10. September einschloss. Am 9. September besetzte die preußische Armee bereits kampflos Dresden. Rutowski weigerte sich jedoch zu kapitulieren, weil er damit rechnete, dass ihn die österreichische Armee bald entsetzen wĂŒrde. Als diese unter dem Kommando des Feldmarschall Browne tatsĂ€chlich Ende September nahte, zog Friedrich II. ihr mit einer HĂ€lfte seiner Armee entgegen (die andere belagerte weiterhin das sĂ€chsische Heerlager). Am 1. Oktober 1756 kam es zur Schlacht bei Lobositz in Böhmen. Die Schlacht endete mit einem preußischen Sieg, wodurch die Österreicher die eingeschlossenen Sachsen nicht mehr erreichen konnten. Daraufhin mussten die sĂ€chsischen Truppen am 16. Oktober 1756 kapitulieren. Sie wurden zunĂ€chst in preußische Dienste gepresst, desertierten jedoch grĂ¶ĂŸtenteils im folgenden FrĂŒhjahr. Somit war nur die Besetzung Sachsens erreicht worden, wĂ€hrend das Konzept eines entscheidenden Schlages gegen Österreich gescheitert war.

Nordamerika
Carte Guerre de 7 ans Amérique du nord.PNG

Der britisch-französische Gegensatz in den nordamerikanischen Kolonien hatte bereits im Vorjahr zu grĂ¶ĂŸeren Kampfhandlungen gefĂŒhrt (→ siehe Hauptartikel: Franzosen- und Indianerkrieg). Im Jahre 1756 ergriffen die Franzosen unter Marquis de Montcalm die Offensive. Am 15. August 1756 eroberten sie das wichtige britische Fort Oswego und brachten somit das ganze Gebiet um den Ontariosee unter Kontrolle. Die regulĂ€ren VerbĂ€nde stellten die Besatzung der französischen Forts, so dass fĂŒr weitere offensive Operationen nur die Milizen und Indianer zur VerfĂŒgung standen. Deshalb beschrĂ€nkte sich das weitere französische Vorgehen auf den Kleinkrieg, wĂ€hrend die Briten ihre Truppen sammelten, ohne jedoch selbst offensiv zu werden.

1757

MilitÀrische Operationen in Europa im Jahre 1757

Die Situation stellte sich fĂŒr Friedrich II. zu Beginn des Jahres 1757 ungĂŒnstig dar. Am 17. Januar wurde der Reichskrieg gegen Preußen erklĂ€rt, da dieses durch den Angriff auf Sachsen Landfriedensbruch begangen habe. Die Reichstruppen wĂŒrden also als weiterer Gegner Preußens auf den Plan treten. Nur Tage spĂ€ter, am 22. Januar, unterzeichneten Russland und Österreich einen Allianzvertrag, dem am 1. Mai ein französisch-österreichisches OffensivbĂŒndnis folgte. ZusĂ€tzlich zum schon lang erwarteten Angriff der Russen und dem Krieg gegen Österreich wĂŒrden also auch Truppen Frankreichs, als Garantiemacht des WestfĂ€lischen Friedens, in Deutschland einrĂŒcken, um gegen Preußen vorzugehen und gleichzeitig Hannover als Faustpfand im Krieg gegen Großbritannien zu gewinnen. Die Briten befanden sich in Nordamerika und Indien unter Druck und konnten kaum wirksam fĂŒr den Schutz Hannovers sorgen. Aus diesem Grund stellten die mit Preußen und Großbritannien verbĂŒndeten deutschen FĂŒrstentĂŒmer eine Armee auf, die sogenannte Observationsarmee, die gegen die französischen StreitkrĂ€fte operieren sollte.

Böhmen / Schlesien
August Querfurt: Schlacht bei Kolin (Heeresgeschichtliches Museum Wien)

Friedrich II. nahm sein strategisches Konzept des Vorjahres noch einmal auf, zunĂ€chst Prag einzunehmen und so einen entscheidenden Schlag gegen Österreich zu fĂŒhren. Im April rĂŒckten die preußischen Truppen von mehreren Seiten in Böhmen ein, wo es am 6. Mai zur Schlacht bei Prag kam. Zwar siegten die Preußen, doch ein Großteil der österreichischen Armee rettete sich in die Festung. WĂ€hrend Friedrich nun mit der Belagerung derselben begann, zog von SĂŒden her ein österreichisches Entsatzheer unter Feldmarschall Graf Daun heran. Friedrich II. stellte sich diesem mit der HĂ€lfte seiner Truppen (die andere belagerte Prag) in der Schlacht von Kolin am 18. Juni entgegen, wurde dabei jedoch schwer geschlagen. Als Folge dieser Niederlage mussten die Preußen ganz Böhmen rĂ€umen und nach Sachsen zurĂŒckweichen. In den folgenden Monaten manövrierten die gegnerischen Heere ergebnislos um einander, bis Friedrich II. durch den Anmarsch der Reichsarmee in ThĂŒringen gezwungen war, mit einem großen Teil seiner Truppen dorthin zu eilen. Die nunmehr ĂŒberlegenen Österreicher griffen die preußischen Truppen unter dem Herzog von Braunschweig-Bevern am 7. September in der Schlacht von Moys an und zwangen diese zum RĂŒckzug. Nach einer weiteren Schlacht von Breslau am 22. November sowie der Einnahme der Festungen Schweidnitz und Breslau befand sich Ende November der grĂ¶ĂŸte Teil Schlesiens wieder unter österreichischer Kontrolle. In diesem Zeitraum gelang es dem österreichischen General Andreas Hadik von Futak auch mit einer Abteilung Husaren, fĂŒr einen Tag (16. Oktober) Berlin zu besetzen, bevor er sich wieder zurĂŒckzog. Anfang Dezember traf jedoch die preußische Hauptarmee unter Friedrich II. wieder in Schlesien ein. Er griff die österreichische Armee in der Schlacht von Leuthen am 5. Dezember an und schlug sie entscheidend. Diese zog sich nach Böhmen zurĂŒck, wĂ€hrend die Preußen bis zum April 1758 die schlesischen Festungen zurĂŒckeroberten. Damit war die Ausgangssituation vom Beginn des Jahres weitgehend wieder hergestellt.

Mitteldeutschland
Französisches Truppenlager am 24. und 25. Juli 1757 an der Weser, unmittelbar vor der Schlacht bei Hastenbeck. Kupferstich „Nr. 24“ von Jakobus van der Schley

Im Juni griffen auch die Franzosen an. Sie entsandten eine Armee nach Norddeutschland, welche die preußischen LĂ€nder am Rhein besetzte und anschließend gegen Hannover vorging. Am 26. Juli 1757 schlugen die französischen Truppen unter FĂŒhrung des Marschalls d'EstrĂ©es die aus Kontingenten der deutschen Kleinstaaten bestehende Observationsarmee unter dem Herzog von Cumberland in der Schlacht bei Hastenbeck. Die Observationsarmee zog sich an die Nordsee zurĂŒck, wo sie sich in der Konvention von Kloster Zeven fĂŒr neutral erklĂ€rte. Somit stand im SpĂ€tsommer fĂŒr die Franzosen der Weg nach Berlin offen. Da sie aber kein Interesse daran hatten, Preußen gegenĂŒber Österreich zu sehr zu schwĂ€chen, begnĂŒgten sie sich mit der Besetzung der mit Preußen verbĂŒndeten FĂŒrstentĂŒmer. Marschall d'EstrĂ©es wurde nach einigen Intrigen in Versailles durch den Herzog von Richelieu ersetzt.

Gleichzeitig begann im August auch die Reichsexekutionsarmee mit ihren Operationen in ThĂŒringen gegen das sĂ€chsische Gebiet. Die Armee bestand aus einem französischen Korps unter dem Prinzen von Soubise und den Reichstruppen unter dem Herzog von Sachsen-Hildburghausen, der auch den Oberbefehl fĂŒhrte. Gegen diese Armee rĂŒckte Friedrich II. von Schlesien her an und schlug sie am 5. November 1757 vernichtend in der Schlacht bei Roßbach. Die Reichsarmee trat in den folgenden Jahren nicht mehr als eigenstĂ€ndiger Verband in Erscheinung. Friedrich II. setzte sich mit der preußischen Hauptarmee wieder nach Schlesien in Bewegung, um dort dem österreichischen Vordringen zu begegnen (→ siehe oben).

Ostpreußen

Zur Verteidigung Ostpreußens hatte Friedrich II. den erfahrenen Generalfeldmarschall Johann von Lehwaldt mit 30.000 Mann vorgesehen. Am 1. Juli griff eine ca. 100.000 Mann starke russische Armee unter General Stepan Fjodorowitsch Apraxin an. Sie nahm nach kurzer Belagerung die Festung Memel am 5. Juli ein. Das nĂ€chste Etappenziel war Königsberg. Dabei stellte sich das preußische Korps des Generalfeldmarschalls Lehwaldt dem russischen Vormarsch entgegen. In der Schlacht bei Groß-JĂ€gersdorf wurde es am 30. August geschlagen. Trotzdem war die russische Versorgungslage ohne den Hafen von Königsberg so schlecht, dass Apraxin sich wieder aus Ostpreußen zurĂŒckzog. Nur in Memel verblieb eine Besatzung.

OstseekĂŒste

Am 12. September griffen auch die Schweden von Stralsund aus Preußen an. Sie eroberten die schwach verteidigten Orte Pasewalk, UeckermĂŒnde und SwinemĂŒnde. Daraufhin beorderte Friedrich II. das Korps des Generalfeldmarschalls Lehwaldt aus Ostpreußen heran (die Russen hatten sich bereits zurĂŒckgezogen), um gegen die Schweden zu operieren. Lehwaldt eroberte bis zum Jahresende Wollin, Anklam und Demmin, wĂ€hrend sich die Schweden zurĂŒckzogen und nur Stralsund besetzt hielten.

Nordamerika

Marquis de Montcalm setzte seine Strategie fort, die wichtigsten britischen Forts zu zerstören, um so einer britischen Offensive von diesen Forts aus vorzubeugen. Ziel des Angriffs war Fort William Henry am Lake George. Die Briten kapitulierten nach einigen Tagen Belagerung am 9. August gegen freien Abzug. Die indianischen VerbĂŒndeten der Franzosen hielten sich nicht an die Vereinbarungen und ĂŒberfielen die britischen Truppen, was als Fort William Henry-Massaker bekannt wurde. Die Briten sammelten unterdessen Truppen auf der Kap-Breton-Insel fĂŒr einen Angriff auf die Festung Louisbourg, der jedoch verschoben wurde.

1758

Anfang des Jahres waren russische Truppen unter Graf von Fermor erneut in Ostpreußen und Pommern eingedrungen und versuchten anschließend, sich mit den Österreichern zu vereinigen. Dies konnte Friedrich in der Schlacht bei Zorndorf verhindern. Die Russen zogen sich bis Jahresende hinter die Weichsel zurĂŒck, hielten aber Ostpreußen. Unter Ausnutzung der Abwesenheit des preußischen Hauptkontingents gelang es österreichischen Truppen, fast ganz Schlesien zu besetzen.

Außerdem drangen im SpĂ€tsommer österreichische Truppen unter Graf Daun in SĂŒdsachsen ein, schlugen die Preußen in der Schlacht von Hochkirch und versuchten Dresden zu nehmen, was aber nicht gelang. Ende November zogen sie sich nach Böhmen zurĂŒck. Im Gegenzug drang eine preußische Armee in MĂ€hren bis OlmĂŒtz vor und belagerte die Stadt. Durch die seit dem Österreichischen Erbfolgekrieg verstĂ€rkten Mauern konnte dieses Mal die Festung OlmĂŒtz, anders als im Jahr 1741, von den österreichischen Truppen erfolgreich verteidigt werden.

Großbritannien sagte Preußen in einer Vereinbarung vom 11. April 1758 finanzielle Mittel von 4,5 Millionen Talern sowie die Aufstellung eines neuen Heeres in Kurhannover zu.[1] Herzog Ferdinand von Braunschweig-WolfenbĂŒttel konnte die Franzosen in der Schlacht von Rheinberg und in der Schlacht bei Krefeld schlagen und kontrollierte zum Jahresende das gesamte rechtsrheinische Gebiet.

In Nordamerika besiegten die Franzosen am 18. Juli ein zahlenmĂ€ĂŸig weit ĂŒberlegenes Heer der Briten in der Schlacht von Ticonderoga 1758.

„Affaire de Meer“: In der Schlacht bei Rees Mehr (heute Hamminkeln-Mehrhoog) am 5. August 1758 schlugen die Preußen unter General v. Imhoff die Franzosen. Das Bataillon Stolzenberg traf die Franzosen in der Flanke. Heute noch erinnert an der Stelle ein Obelisk an diese Schlacht mit der Inschrift: „Deutschlands tapferen Kriegern, welche hier unter General v. Imhoff am 5. August 1758 die Franzosen schlugen. Errichtet am 5. August 1858 durch die Bewohner von Haffen und Mehr“. Hierdurch kam es zum siegreichen Ausgang der Schlacht bei Mehr, bei der 3.000 Preußen fast 10.000 Franzosen schlugen. Das französische Heer floh zurĂŒck in die von ihm besetzte Stadt Wesel.

1759

Durch den hohen Blutzoll der vorherigen Kriegsjahre war Preußen zu offensiven Aktionen nicht mehr in der Lage, vielmehr hatte es nun mit Angriffen auf das preußische Kernland zu kĂ€mpfen. Erneut versuchten die Russen unter Saltykow und Österreicher unter Leopold Joseph Graf Daun eine Vereinigung ihrer Truppen zu erreichen, um Friedrich gemeinsam zu schlagen. Diese Vereinigung gelang diesmal bei dem Ort Kunersdorf (östlich von Frankfurt (Oder)), nachdem die Russen aus Ostpreußen – ein preußischer Verband, der sich ihnen entgegengeworfen hatte, war am 23. Juli in der Schlacht bei Kay geschlagen worden – und die Österreicher ĂŒber Schlesien angerĂŒckt waren. Friedrich erlitt bei einem Angriff auf das Lager der nunmehr VerbĂŒndeten in der Schlacht von Kunersdorf (12. August) eine katastrophale Niederlage, das preußische Heer löste sich zwischenzeitlich auf.

Die Russen, Österreicher und Franzosen nutzten jedoch wegen wachsender WidersprĂŒche innerhalb des BĂŒndnisses nicht die Gunst der Stunde, um nach Berlin vorzurĂŒcken. Friedrich bezeichnete diesen Umstand, der dem preußischen Staat die Existenz rettete, in einem Brief an seinen Bruder Heinrich als das „Mirakel des Hauses Brandenburg“. Die Russen zogen sich im Herbst in ihre Ausgangsstellung zurĂŒck und die Österreicher rĂŒckten auf den sĂ€chsischen Kriegsschauplatz ab. Dort hatte im Sommer die Reichsarmee unter Ausnutzung der Abwesenheit preußischer Truppen fast ganz Sachsen inklusive Dresden besetzt. Nach Vereinigung der Reichsarmee mit den Österreichern kam es hier am 20. November zu einem Zusammentreffen mit einem preußischen Kontingent im Gefecht von Maxen, das zum Einschluss der preußischen Truppen fĂŒhrte. Der preußische General von Finck kapitulierte daraufhin einen Tag spĂ€ter und wurde mit rund 14.000 Mann gefangen genommen.

Auf dem westdeutschen Kriegsschauplatz blieb bis zum Jahresende der Status quo weitgehend erhalten, einen Vorstoß des Herzogs von Braunschweig zum Rhein wehrten die Franzosen in der Schlacht bei Bergen ab (13. April). Der darauf folgende Vorstoß des französischen Hauptkontingents nach Hannover wurde von den preußischen VerbĂŒndeten in der Schlacht bei Minden (1. August) abgewiesen.

Am 12. Oktober 1759 wurde in BĂŒtow in Hinterpommern ein vorlĂ€ufiges Abkommen ĂŒber den Austausch russischer und preußischer Kriegsgefangener unterzeichnet.[2]

1760

Am 20. Februar 1760 traf das preußische 4. KĂŒrassier-Regiment auf österreichische Truppen bei Koßdorf

Auch 1760 war Preußen angesichts der eigenen SchwĂ€che vorrangig darauf bedacht, seine eigenen sowie die eroberten Gebiete zu halten. Die 1759 sehr erfolgreichen alliierten Truppen im Westen mussten die Preußen bis Anfang Februar mit 10.000 Mann gegen die Reichsarmee unterstĂŒtzen, dies schwĂ€chte Herzog Ferdinand gegen Frankreich.

Österreich wollte zunĂ€chst Schlesien wiedergewinnen, zusammen mit den Russen die preußischen KrĂ€fte vernichten. Dementsprechend fielen österreichische Truppen unter von Laudon in Schlesien ein, eroberten wichtige Festungen und schlugen ein preußisches Korps bei Landeshut vernichtend. Gleichzeitig versuchte Friedrich vergeblich, mit starken KrĂ€ften Dresden zurĂŒckzugewinnen, was zu erheblichen Zerstörungen in der Innenstadt fĂŒhrte.

Der französische Sieg am 28. April gegen die Briten in Quebec in der Schlacht bei Sainte-Foy Àndert nichts mehr an der absehbaren französischen Gesamtniederlage in Kanada.

In Westdeutschland standen die Alliierten nur noch im östlichen Westfalen mit sehr reduzierten KrĂ€ften in Winterquartieren. Die Franzosen lagen am Niederrhein und im sĂŒdlichen Hessen. Erst im Juni vereinigten sich die französischen Korps in Hessen-Kassel. Dem alliierten Erfolg bei Korbach stand ein französischer Verlust bei Emsdorf gegenĂŒber. Trotz des Sieges der alliierten Truppen im paderbornischen Warburg konnten sich die Franzosen in Hessen-Kassel behaupten.

Als österreichische Entsatztruppen unter Daun Dresden entgegenstrebten und Friedrich von den Entwicklungen in Schlesien alarmiert wurde, zog er dorthin ab und Daun folgte ihm. Beiden österreichischen Armeen, die am 15. August von Friedrich angegriffen wurden, gelang eine Vereinigung bei Liegnitz. Den preußischen Truppen gelang ein Sieg und damit die Verbindung zu Truppen unter Prinz Heinrich, der dadurch die russischen KrĂ€fte auf Distanz halten konnte.

Diese Erfolge wurden schnell relativiert, denn den Gegnern Preußens gelang gleichzeitig die Besetzung Sachsens durch die Reichsarmee und die kurzzeitige Besetzung und starke PlĂŒnderung Berlins durch die Russen unter Tottleben und Tschernyschew und Österreicher unter Lacy. Friedrich gelang am 3. November in der Schlacht bei Torgau noch einmal ein Befreiungsschlag, indem er die ihm folgenden österreichischen KrĂ€fte unter Daun besiegte und nach Sachsen zurĂŒckdrĂ€ngte. Trotzdem war die Lage Preußens katastrophal, unter anderem waren Ostpreußen, Sachsen und Schlesien in der Hand des Gegners.

Schwedische Truppen setzten sich gleichzeitig im preußischen Teil Pommerns (ein Teil Vorpommerns war seit dem DreißigjĂ€hrigen Krieg schwedisch) fest. Im Herbst wurden alliierte Truppen bei der Schlacht bei Kloster Kampen von den Franzosen am Rhein geschlagen.

1761

Erneut war Schlesien Kriegsschauplatz. Gegen die anrĂŒckenden und sich vereinigenden Österreicher (unter Laudon) und Russen bezog Friedrich der Große ein verschanztes Lager in der NĂ€he von Bunzelwitz. Das preußische Heer stand mit 50.000 Soldaten gegen 132.000 Soldaten der verbĂŒndeten Österreicher und Russen. Das Lager von Bunzelwitz konnte den ganzen Sommer gegen die mit Versorgungsschwierigkeiten kĂ€mpfenden VerbĂŒndeten gehalten werden. Die Russen zogen im September zermĂŒrbt ab, aber auch die Preußen, so dass die wichtige Festung Schweidnitz zusammen mit Oberschlesien in die HĂ€nde der Österreicher fiel.

In Hinterpommern eroberten die Russen Kolberg, aber in Vorpommern gelang es den Preußen, sich gegen die Schweden zu behaupten. Auf dem westdeutschen Kriegsschauplatz passierte wenig, was insbesondere an der schwindenden Kraft des französischen Staates lag.

So hatte Preußen auch in diesem Jahr GlĂŒck, dass die Alliierten zu keinem entscheidenden Schlag in der Lage waren. Dennoch war die Lage Preußens weiterhin kritisch. Hinzu kam noch, dass die britische Regierung nach dem Sturz von William Pitt, 1. Earl of Chatham im Dezember die Subsidienzahlungen einstellte.

1762

Entlastung erlangte Friedrich schließlich durch ein Ereignis, das oft fĂ€lschlicherweise mit seinem damals schon zwei Jahre alten Wort vom „Mirakel des Hauses Brandenburg“ in Zusammenhang gebracht wird: Die Zarin Elisabeth starb am 5. Januar, und ihr Neffe Peter III. trat daraufhin die Nachfolge an.

Übersichtskarte zur Geschichte des Feldzugs des Herzogs Ferdinand von Braunschweig-LĂŒneburg in dem Jahre 1762., Westphalen, Berlin 1872

Nachdem er den preußischen Hohen Orden vom Schwarzen Adler verliehen bekam, schloss Peter III., ein Bewunderer Friedrichs, am 5. Mai in St. Petersburg einen Friedens- und BĂŒndnisvertrag mit Preußen (und stellte diesem ein Kontingent zur VerfĂŒgung) (Frieden von Sankt Petersburg), dem sich Schweden am 22. Mai (Frieden von Hamburg) anschloss. Nach Peters Ermordung löste Katharina die Große das BĂŒndnis auf, beließ es aber beim Frieden. Durch die frei werdenden KrĂ€fte erstarkt, versuchte Friedrich die Österreicher aus Schlesien und Sachsen zu verdrĂ€ngen. Es gelang ihm, Daun bei Burkersdorf zu schlagen und Schweidnitz zu besetzen. Bei Freiberg kam es schließlich zur letzten Schlacht zwischen Österreich und Preußen. Die Preußen unter Prinz Heinrich siegten, womit ihnen auch die RĂŒckgewinnung Sachsens gelang.

Im Sommer stießen französische Truppen letztmals nach Nordhessen vor, die jedoch am 24. Juni in der „Schlacht bei Wilhelmsthal“ (heute zur Gemeinde Calden gehörend) und am 23. Juli in der „Schlacht bei Lutterberg“ mit KriegsschauplĂ€tzen dies- und jenseits der Fulda bei Lutterberg (heute zu Staufenberg in Niedersachsen zĂ€hlender Gemeindeteil) und nahe Knickhagen (heutiger Gemeindeteil des hessischen Fuldatal) am Fulda-Zufluss Osterbach verlustreich besiegt wurden.

Auf der Iberischen Halbinsel scheiterte eine spanische Invasion Portugals (Guerra FantĂĄstica). Im Mai waren Spanier von Galicien aus in Nordportugal eingefallen und hatten Braganca besetzt, von Zamora aus vorstoßende Truppen eroberten im August die portugiesische Grenzstadt Almeida. Im Gegenzug besetzten die durch ein britisches Kontingent unter Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe verstĂ€rkten Portugiesen die spanische Grenzstadt Valencia de Alcantara. In Übersee fielen nach der Belagerung von Havanna und der Einnahme von Manila zwei strategische spanische SchlĂŒsselstellungen an die Briten. Nach weiteren kleineren, zumeist erfolglosen Angriffen beider Seiten wurde Ende November 1762 ein Waffenstillstand zwischen Spaniern, Portugiesen und Briten vereinbart.

Der Krieg in den Kolonien

Unter Robert Clive eroberten die Briten die französischen Besitzungen in Indien. In Nordamerika begannen die Feindseligkeiten bereits 1754 (→ Franzosen- und Indianerkrieg). Nach anfĂ€nglichen RĂŒckschlĂ€gen (französischer Sieg in der Schlacht am Monongahela 1755) eroberten die Briten erst das Ohiogebiet, stießen dann zu den Großen Seen vor und begannen schließlich die Invasion Kanadas. Durch die Vernichtung der französischen Flotte in zwei Seeschlachten wurde QuĂ©bec von Europa abgeschnitten. Die Briten eroberten daraufhin 1759 QuĂ©bec und 1760 Montreal.

Die FriedensvertrÀge von 1763

Großbritannien und Portugal schlossen am 10. Februar den Frieden von Paris mit Frankreich und Spanien.

Am 15. Februar 1763 wurde der Frieden von Hubertusburg zwischen Preußen und seinen Gegnern geschlossen. Der Status quo ante bellum wurde wiederhergestellt.

Auswirkungen

Politische Folgen

„Das bettelnde Soldatenweib“; Kupferstich von Daniel Chodowiecki , 1764

Preußen hatte sich durch den Krieg als fĂŒnfte Großmacht im europĂ€ischen MĂ€chtekonzert etabliert. Der mit den Schlesischen Kriegen begonnene Gegensatz zu Österreich blieb, von der Phase der gemeinsamen Gegnerschaft zu NapolĂ©on abgesehen, bis zum Krieg von 1866 fĂŒr die deutsche Politik grundlegend (Deutscher Dualismus) und mĂŒndete bald darauf in den Bayerischen Erbfolgekrieg.

Frankreich, das durch den Krieg schwer verschuldet war, misslang der Erwerb der Österreichischen Niederlande (heute Belgien), die von Österreich als Kompensation fĂŒr die Hilfe bei der Wiedergewinnung Schlesiens zugesagt waren. Die Friedensbestimmungen brachten ferner den Verlust des grĂ¶ĂŸten Teils des ersten französischen Kolonialreiches mit sich. So mussten alle Besitzungen in Nordamerika und in Indien an die Briten abgetreten werden. Der sich daraus speisende französische Revanchismus war mit ein Grund fĂŒr die UnterstĂŒtzung der rebellierenden Kolonien im Amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg. Nicht zuletzt aber war die seit dem SiebenjĂ€hrigen Krieg nicht mehr wirklich zu bewĂ€ltigende Staatsverschuldung in Frankreich auch eine der Ursachen fĂŒr den Ausbruch der Französischen Revolution.

Großbritannien war seit dem Krieg verstĂ€rkt in die europĂ€ische Kontinentalpolitik involviert. In Nordamerika wurden die neu erworbenen Gebiete zwischen Allegheny Mountains und Ohio beziehungsweise Mississippi zum Schutz der dort lebenden und im Krieg mit Großbritannien verbĂŒndeten Indianer nicht zur Besiedlung freigegeben. Das und die neuen Steuern, durch welche die Siedler in den Kolonien an den Kosten des Krieges beteiligt werden sollten, fĂŒhrte zu Konflikten mit der Kolonialmacht, die schließlich im Amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg gipfelten.

Wirtschaftliche Folgen

FĂŒr die Bevölkerung der beteiligten Staaten in den Kriegsgebieten hatte der Krieg zum Teil katastrophale Auswirkungen. Der Verlust an Soldaten war immens – so verlor allein Preußen 180.000 Mann. Auch die Zivilbevölkerung wurde dezimiert, insbesondere in den am stĂ€rksten betroffenen Gebieten wie Sachsen oder Pommern. Sachsen hatte als von Preußen besetztes Gebiet auch sehr stark unter PlĂŒnderungen, Zwangsrekrutierungen und Kontributionszahlungen zu leiden.

Rezeption

Kulturell

1763 begann Lessing mit dem Schreiben des Lustspiels Minna von Barnhelm oder das SoldatenglĂŒck, das 1767 erschien und aufgefĂŒhrt wurde. Das StĂŒck spielt in der Zeit unmittelbar nach dem Krieg und behandelt das Schicksal eines Soldaten. Thackeray liefert mit seinem Roman Die Memoiren des Junkers Barry Lyndon (ab 1844) die Vorlage fĂŒr Stanley Kubricks Verfilmung. Stanley Kubricks preisgekrönter Film Barry Lyndon (1975) spielt in den Wirren des SiebenjĂ€hrigen Krieges. Er beleuchtet die gesellschaftliche Struktur Großbritanniens wĂ€hrend der Zeit der Mobilmachung und des Kriegs.

Der KĂŒnstler Adolph Menzel ĂŒberlieferte Ansichten der sterblichen Überreste von gefallenen Offizieren des Krieges. Seine LeichenportrĂ€ts, die 1873 anlĂ€sslich der Öffnung der Grabgewölbe unter der Garnisonkirche in Berlin entstanden, zeigen unter anderem den mumifizierten Leichnam von Feldmarschall James Keith.

Die in der Zeit des Nationalsozialismus zu Propagandazwecken gedrehten Spielfilme Fridericus – Der alte Fritz (1937) und Der große König (1942), beide mit Otto GebĂŒhr in der Rolle des Friedrich II., verherrlichen den Preußenkönig und schildern den SiebenjĂ€hrigen Krieg aus preußischer Sicht.

Literatur

deutsch
  • Wolfgang Burgdorf: „Reichsnationalismus“ gegen „Territorialnationalismus“. Phasen der Intensivierung des nationalen Bewusstseins in Deutschland seit dem SiebenjĂ€hrigen Krieg, in: Dieter Langewiesche und Georg Schmidt (Hgg.): Föderative Nation. Deutschlandkonzepte von der Reformation bis zum Ersten Weltkrieg, MĂŒnchen 2000, S. 157-189.
  • Johannes Burkhardt: Abschied vom Religionskrieg. Der SiebenjĂ€hrige Krieg und die pĂ€pstliche Diplomatie, TĂŒbingen 1985.
  • Johannes Burkhardt: Vom Debakel zum Mirakel. Zur friedensgeschichtlichen Einordnung des SiebenjĂ€hrigen Krieges, in: Menschen und Strukturen in der Geschichte Alteuropas. Festschrift fĂŒr Johannes Kunisch. Hg. v. Helmut Neuhaus und Barbara Stollberg-Rilinger. Berlin 2002, S. 299-318. ISBN 3-428-10219-3
  • Horst Carl: Okkupation und Regionalismus. Die preussischen Westprovinzen im SiebenjĂ€hrigen Krieg, Mainz 1993.
  • Horst Carl: Art. SiebenjĂ€hriger Krieg, in: EnzyklopĂ€die der Neuzeit 11, Stuttgart 2010, Sp. 1150-1156.
  • Sven Externbrink: Friedrich der Große, Maria Theresia und das Alte Reich. Deutschlandbild und Diplomatie im SiebenjĂ€hrigen Krieg, Akademie Verlag. Berlin 2006, ISBN 978-3-05-004222-0 (Rezension)
  • Sven Externbrink (Hrsg.): Der SiebenjĂ€hrige Krieg (1756–1763): Ein europĂ€ischer Weltkrieg im Zeitalter der AufklĂ€rung. Akademie Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-05-004310-4
  • Antje Fuchs: Der SiebenjĂ€hrige Krieg als virtueller Religionskrieg an Beispielen aus Preußen, Österreich, Kurhannover und Großbritannien, in: Franz Brendle und Anton Schindling (Hgg.): Religionskriege im Alten Reich und in Alteuropa, MĂŒnster 2006, S.313-343.
  • Marian FĂŒssel: Der SiebenjĂ€hrige Krieg. Ein Weltkrieg im 18. Jahrhundert. C.H. Beck, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-406-60695-3. (Rezension)
  • Eberhard Kessel (Autor), Thomas Lindner (Herausgeber) : Das Ende des SiebenjĂ€hrigen Krieges 1760-1763, 2 BĂ€nde: Torgau und Bunzelwitz. Schweidnitz und Freiberg, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2007, ISBN 978-3-506-75706-7
  • Johannes Kunisch: Das Mirakel des Hauses Brandenburg. Studien zum VerhĂ€ltnis von Kabinettspolitik und KriegsfĂŒhrung im Zeitalter des SiebenjĂ€hrigen Krieges, MĂŒnchen/Wien 1978.
  • Georg Ortenburg (Hrsg.), Siegfried Fiedler: Kriegswesen und KriegfĂŒhrung im Zeitalter der Kabinettskriege. Bernhard & Graefe Verlag, Augsburg 1986, ISBN 3-7637-5478-4
  • Manfred Schort: Politik und Propaganda. Der SiebenjĂ€hrige Krieg in den zeitgenössischen Flugschriften, Frankfurt a. M. [u.a.] 2006.
englisch
  • Fred Anderson: Crucible of War: The Seven Years’ War and the Fate of Empire in British North America, 1754-1766. Knopf, New York 2000. ISBN 0375406425
  • Julian Corbett: England in the Seven Years’ War: A Study in Combined Strategy. 2 BĂ€nde. Longmans, Green & Co., London 1907. (Digitalisate: Band I; Band II; Reprint: Cambridge University Press, 2010. ISBN 9781108023580)
  • Jonathan Dull: The French Navy and the Seven Years’ War. University of Nebraska Press, Lincoln und London 2005. ISBN 0803217315
  • Lee Kennett: The French Armies in the Seven Years’ Wars. A Study in military organization and administration, Durham, N.C. 1967.
  • Richard Middleton: The Bells of Victory: The Pitt-Newcastle Ministry and Conduct of the Seven Years' War 1757-1762. Cambridge University Press, 1985. ISBN 0521265460
  • James Riley: The Seven Years’ War and the Old Regime in France: The Economic and Financial Toll. Princeton University Press, 1986. ISBN 0691054886
  • Matt Schumann und Karl W. Schweizer: The Seven Years War: A Transatlantic History. Routledge, New York u. a. 2008. ISBN 041539418X
  • David Syrett: Shipping and Military Power in the Seven Years War: The Sails of Victory. University of Exeter Press, 2008. ISBN 0859897869
französisch

Weblinks

 Commons: SiebenjĂ€hriger Krieg â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: SiebenjĂ€hriger Krieg â€“ Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ↑ SiebenjĂ€hriger Krieg. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 14, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, ‎ S. 945.
  2. ↑ BeitrĂ€ge zur neueren Staats- und Kriegsgeschichte. Danzig 1760, Nr. 91-94, S. 161-168.

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Synonyme:

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