Siegerland

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Siegerland
Basisdaten Siegerland
BundeslÀnder: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirke: Arnsberg, NRW
Höchster Punkt: 677,7 m ĂŒ. NN (Riemen)
Niedrigster Punkt: etwa 215 m ĂŒ. NN, Siegtal bei Niederschelden
Kraftfahrzeugkennzeichen: SI
Gliederung: Altkreis Siegen
Karte

Locator map Siegerland in Germany.svg

Das Siegerland ist ein Landschaftsteil in der Region SĂŒdwestfalen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Das historische Siegerland umfasst den Altkreis Siegen des heutigen Kreises Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen. Der so genannte Oberkreis des Landkreises Altenkirchen, der zu Rheinland-Pfalz gehört, ist zwar wirtschaftlich eng mit dem Siegerland verbunden, kulturell fÀllt die Abgrenzung zwischen Siegerland und dem Westerwald aber schwer. Geografisch gehört er zum Naturraum Siegerland.

Geologisch gehört das Siegerland zum rechtsrheinischen Teil des Rheinischen Schiefergebirges dessen wichtigstes Zentrum die Großstadt Siegen ist. Sowohl Regions- als auch Stadtname gehen auf die Sieg zurĂŒck, ein Nebenfluss des Rheins, der im Rothaargebirge entspringt.

Das Siegerland ist, genau wie das Sauerland, sehr waldreich. Die Berge im Norden des Siegerlandes und im sĂŒdlichen Burbach sind insgesamt höher als die der restlichen Region. Landschaftlich ist das Gebiet jedoch identisch. Meist kleine BĂ€che ziehen sich durch die TĂ€ler, umrandet von Wiesen und Feldern. LaubwĂ€lder sind meist als Hauberg anzutreffen, NadelwĂ€lder haben eine wirtschaftliche Bedeutung in der Holzindustrie.

Die SiegerlĂ€nder haben fĂŒr viele Punkte ihrer Heimat ihre eigenen Bezeichnungen. Der Freie Grund zum Beispiel zieht sich von Burbach bis Neunkirchen, bzw. in die andere Richtung bis Wilden. Durch dieses Tal fließt die Heller. Das sogenannte Hellertal zieht sich allerdings flussauf- und -abwĂ€rts ĂŒber den Freien Grund hinaus. Andere Gebiete sind z. B.:

Die angrenzenden Regionen sind der Westerwald im SĂŒden, das Sauerland im Norden sowie das Wittgensteiner Land im Nordosten und das Wildenburger und das Bergische Land im Westen.

Berge

Das Kern-Siegerland hat die Form einer kreisförmig begrenzten Quellmulde, deren höchste Erhebungen an den RÀndern liegen.

Den Osten nimmt das Rothaargebirge ein, wo in Riemen, Oberster Henn und Jagdberg gleich 3 Berge ĂŒber 670 m erreichen, von denen indes zwei auf der Außengrenze liegen und der dritte den AuslĂ€ufer eines auswĂ€rtigen, noch höheren Gipfels darstellt.

Im SĂŒden wird der Westerwald berĂŒhrt bei Höhen von ebenfalls ĂŒber 600 m. wĂ€hrend die nordwestlich angrenzenden Landschaften zwar insgesamt höher als das Siegerland sind, dieses jedoch in Gipfellagen nur knapp ĂŒberragen.

Das Siegerland wird von den folgenden Bergen eingerahmt:[1]
(Berge auf der Grenze zu Nachbarregionen sind mit einem Stern gekennzeichnet)

Westumrahmung
(von Norden nach SĂŒden, d.h. im Gegenuhrzeigersinn)

Im Hellerbergland liegen außerdem, deutlich innerhalb des historischen Siegerlandes, auf Burbacher Gemarkung, die Erhebungen Die Höh (598 m ĂŒ. NN) und Die Burg (594,5 m ĂŒ. NN).

Ostumrahmung
(von Norden nach SĂŒden, d.h. im Uhrzeigersinn)

  • Rothaargebirge (östliche Umrahmung)
    • Wolfshorn* (642 m ĂŒ. NN, nördlich knapp außerhalb Kreuztals in Kirchhundem
    • Hoher Wald* (655,4 m ĂŒ. NN, Grenze zu Kirchhundem)
    • Riemen* (677,7 m ĂŒ. NN), an der Grenze Hilchenbachs zu Kirchhundem und nah der zu ErndtebrĂŒck (Dreiherrenstein)
    • Giller (653,5 m ĂŒ. NN, Aussichtsturm, an der Grenze Hilchenbachs zu Netphen)
    • Oberste Henn* (674,2 m ĂŒ. NN) mit dem sĂŒdlich vorgelagerten Ederkopf* (648,8 m ĂŒ. NN, Ederquelle) - Ostgrenze Netphens zu ErndtebrĂŒck
    • Aukopf (644,9 m ĂŒ. NN)
    • JĂ€gerhain (648,8 m ĂŒ. NN, Siegquelle) - Ostgrenze Netphens zu Bad Laasphe
    • Stiegelburg (637,7 m ĂŒ. NN) mit dem nordöstlich vorgelagerten Lahnkopf (624 m ĂŒ. NN) - Lahnquelle, Osten Netphens
    • Jagdberg (674,3 m ĂŒ. NN) - SĂŒdwest-AuslĂ€ufer des noch höheren, jedoch auf Laaspher Gemarkung liegenden Kompass (694,1 m ĂŒ. NN) im SĂŒdosten Netphens, nah dem „DreilĂ€ndereck“ mit Wittgenstein (Laasphe) und Hessen (Dietzhölztal)
    • Dillkopf* (605,9 m ĂŒ. NN) - Dillquelle; SĂŒdostgrenze Netphens zu Haiger
    • Tiefenrother Höhe* (551 m ĂŒ. NN) - Ostgrenze Wilnsdorfs zu Haiger
    • Kalteiche (579,3 m ĂŒ. NN) - SĂŒden Wilnsdorfs
    • Donnerhain* (560,5 m ĂŒ. NN) - Hellerquelle; Ostgrenze Burbachs zu Haiger
  • Hoher Westerwald
    • Auf dem Kreuz (586,3 m ĂŒ. NN) - SĂŒdosten Burbachs
    • Lipper Höhe (613 m ĂŒ. NN) - SĂŒden Burbachs

Weitere Berge im Siegerland sind der Kindelsberg (617,9 m ĂŒ. NN, Aussichtsturm), ein SĂŒdauslĂ€ufer des Hohen Waldes (Rothaar) bei Kreuztal, der dem Giller nordwestlich vorgelagerten Ginsburg (SiegerlĂ€nder Rothaar-Vorhöhen, 588 m ĂŒ. NN, Burgruine) und die Eisernhardt (482 m ĂŒ. NN) im SĂŒden Siegens.

GewÀsser

Talsperren

Die Obernautalsperre bei Netphen-Brauersdorf

Die Obernautalsperre ist die grĂ¶ĂŸere der beiden Talsperren des Wasserverbandes Siegen-Wittgenstein. Sie liegt östlich von Netphen und grenzt an den Netphener Stadtteil Brauersdorf. Die Talsperre wurde von 1967 bis 1972 gebaut und dient der Trinkwasserversorgung von Siegen und Umgebung sowie dem Hochwasserschutz. Sie hat ein Volumen von 14,8 Mio. mÂł. Die gestauten BĂ€che sind die Obernau und der Nauholzbach. Wenige Kilometer unterhalb der Talsperre mĂŒndet die Obernau in die Sieg. Die Orte Obernau und Nauholz sowie ein Teil des Dorfes Brauersdorf mussten dem Stausee weichen bzw. wurden durch das aufgestaute Wasser ĂŒberflutet.

Die kleinere Talsperre ist die Breitenbachtalsperre bei Hilchenbach. Sie dient ebenfalls zur Trinkwasserversorgung und zum Hochwasserschutz. Sie wurde zwischen 1953 und 1956 gebaut und fasst 7,8 Mio. mÂł Wasser.

FlĂŒsse

Die Siegquelle bei Walpersdorf

Das Siegerland besteht in der Hauptsache aus dem Einzugsgebiet des Oberlaufes der Sieg, deren wichtigsten NebenflĂŒsse hier die Heller, die Ferndorf nebst Littfe, die Asdorf (im Siegerland Weibe genannt) und die Weiß sind.

Unweit der Siegquelle entspringen auch die gĂ€nzlich außerhalb verlaufenden FlĂŒsse Eder (nördlich) und Lahn (sĂŒdlich), noch weiter sĂŒdlich deren Nebenfluss Dill, an deren Einzugsgebiet das Siegerland ĂŒber den Haigerbach einen kleinen Anteil hat.

StÀdte und Gemeinden

Die Region um die Stadt Siegen zÀhlt zu den Ballungsgebieten der Bundesrepublik Deutschland. Zum Verdichtungsraum des historischen Siegerland gehören die StÀdte Hilchenbach, Netphen, Kreuztal, Freudenberg, Siegen, sowie die Gemeinden Wilnsdorf, Burbach und Neunkirchen. In diesem Gebiet leben zusammengenommen ca. 240.000 Einwohner.

Geschichte

Wirtschaftsgeschichte

Bergbau

Der lĂ€ngste Stollen im SiegerlĂ€nder Erzrevier mit ĂŒber 7.500 Metern
Siegen – Auszug aus der Topographia Hassiae (1655)
→ Hauptartikel: Bergbau im Siegerland

Das Siegerland, welches am 13. November 1351 erstmals nachweisbar unter dieser Bezeichnung (als "Sygernlant") gefĂŒhrt wurde[2], war lange von der Gewinnung von Eisenerz und dessen Weiterverarbeitung geprĂ€gt. Die ersten Spuren des Bergbaus stammen aus der Zeit der Kelten, Zeuge davon ist ein Ofen in Wilnsdorf-Obersdorf aus der La-TĂšne-Zeit um 500 v. Chr. Mit der Zeit hat sich auch hier der Bergbau verĂ€ndert. Ab etwa dem 10. Jahrhundert wurde mit dem Stollenbau begonnen, der Schachtbau folgte erst im 15. Jahrhundert. Die Ă€lteste Urkundlich erwĂ€hnte SiegerlĂ€nder Grube war Ratzenscheid in Wilnsdorf im Jahr 1298. Von 1489 bis 1865 gab es verschiedenste Bergordnungen im SiegerlĂ€nder Erzrevier. Ab den 1850er Jahren wurden Dampfmaschinen eingesetzt, die zur Schachtförderung in grĂ¶ĂŸeren Teufen notwendig waren. Ab den 1860ern wurden die Pferdetransporte durch Eisenbahnen ersetzt. Mit der Schließung der Gruben Georg in Willroth und FĂŒsseberg in Biersdorf bei Daaden endeten am 31. MĂ€rz 1965 ĂŒber 2000 Jahre Erzbergbau im Siegerland. Heute ist außer vereinzelten, verschlossenen StolleneingĂ€ngen und Schlackehalden in den WĂ€ldern nicht mehr viel zu sehen. Es gibt nur ein paar Ausnahmen, z. B. die Reste der Peterszeche im Buchhellertal zwischen Burbach und Lippe, die bereits 1907 geschlossen wurde. Der Bergbau ist trotzdem heute noch zu spĂŒren, meist in Form von TagesbrĂŒchen, die z. B. 2003 auf dem Steimel in Neunkirchen und 2004 am Rosterberg in Siegen aufgetreten sind.

Das SiegerlĂ€nder Erzrevier reicht von Hilchenbach bis Neuwied in den Landschaften von Siegerland, Westerwald und teils auch dem sĂŒdlichen Sauerland. Hier wurden schĂ€tzungsweise knapp 175 Mio. Tonnen Eisenerz in fast 5000 Gruben abgebaut. Die meisten und die tiefsten waren im Gebiet um Siegen. Neben Eisenerz gehörten Blei, Kupfer und Zink nicht selten dazu, im Gegensatz zu z. B. Silber, das nur in wenigen Gruben gefördert wurde. Die tiefste Grube war Eisenzecher Zug in Eiserfeld von 1495 bis 1960 mit einer Gesamtteufe von 1343,33 Metern. Die Stahlerzeugung und -verarbeitung war und ist noch immer ein wesentlicher Bestandteil der heimischen Industrie. Der Bergbau war mit zehntausenden ArbeitsplĂ€tzen Arbeitgeber Nummer Eins.

Eisen- und Stahlerzeugung

Das in den Bergwerken geförderte Eisenerz wurde oft im selben Ort zu Stahl und Eisen verarbeitet. Nach dem Abbau wurde es mit Hilfe von Pferdefuhrwerken und spĂ€ter mit Kleinbahnen zu den Aufbereitungsanlagen in der NĂ€he der Gruben gefahren. Dort wurden die Erze gebrochen und gemahlen. Die Stahlerzeugung fand in Hochöfen in den sogenannten „HĂŒtten“ statt. In den meisten Orten im Siegerland gab es mindestens eine HĂŒtte. Im Jahr 1415 gab es 25 EisenhĂŒtten im Siegerland, 1444 waren es 35 HĂŒtten (davon acht HammerhĂŒtten [HH]), 1463 40 (12 HH) und 1505 44 (16 HH) HĂŒttenwerke. Im Jahr 1555 erließ der Landesherr die Verordnung, dass keine neuen HĂŒtten mehr gebaut werden sollten. Die bestehenden wurden jedoch ausgebaut. Ein Großteil der HĂŒtten wurde zunĂ€chst der van der Zypen & Wissener EisenhĂŒtte AG Köln-Deutz angegliedert und 1924 mit in die Vereinigte Stahlwerke (VSt) ĂŒbernommen sowie am 19. Mai 1934[3] im Zuge der Neugliederung der VSt als HĂŒttenwerke Siegerland AG unter ihrem langjĂ€hrigen Leiter Karl Grosse neu aufgestellt und schließlich ab 1994 mit der Hoesch Stahl AG verschmolzen. Durch die vielen HĂŒtten bekam das Tal Siegen-Geisweid-Kreuztal den Namen „HĂŒttental“.

Die grĂ¶ĂŸten und bedeutendsten HĂŒtten waren:

In Eisen- und, in vielen FĂ€llen, Walzengießereien wurde das Eisen gegossen

  • Eisengießerei BuschhĂŒtten ab dem 15. Jahrhundert
  • Walzengießerei Irle in Deuz 1847-heute
  • Walzengießerei in -dreherei Peipers in Siegen 1882–1927; 1916: Angliederung HainerhĂŒtte
  • Walzengießerei Gontermann in Kaan-Marienborn bis 1927
    • ab 1927 Gontermann & Peipers

Nach dem Gießen wurden die WerkstĂŒcke umgeformt. Dies geschah auf drei verschiedene Methoden.

  • In Hammerwerken wurden Schmiedeeisen als Halbzeuge hergestellt, anfangs mit Wasser-, spĂ€ter mit Dampfkraft. Unter StahlhĂ€mmern wurde Eisen zu Stahl verarbeitet.
  • In Walzwerken wurden Bleche und dĂŒnnes Material gewalzt, zum Beispiel in:
    • Walzwerk Steinseifer in Eiserfeld, 1865–1925
    • Eichener Walzwerk in Eichen ab 1883. Dort wurde im Oktober 1910 eine BeschĂ€ftigtenanzahl von 450 und somit 150 mehr als noch drei Jahre zuvor vermerkt[4]; 1917 zu CharlottenhĂŒtte (Niederschelden)
  • In jedem Ort waren Schmieden zu finden. Der Schmied war der angesehenste Beruf im alten Siegerland. Zahlreiche Richtungen gab es, die alles aus Eisen oder Stahl herstellten, was gebraucht wurde.

Bergbau, VerhĂŒttung & Eisenerzeugung waren bis Mitte der 1960er Jahre Industrieschwerpunkt Nummer Eins. Die vielen Gruben im Gebiet rund um Siegen, dem „SiegerlĂ€nder Erzrevier“ waren ein wichtiger Wirtschaftszweig. Tausende ArbeitsplĂ€tze und oftmals durch das Erz reich gewordene Orte und Gemeinden mussten nach dem Ende des Abbaus durch andere ersetzt werden.

Eisenbahn im Siegerland

In den 1850er Jahren hatte Preußen Interesse daran, die Erzvorkommen im Siegerland mit den RuhrhĂŒtten sowie der Rhein-Main-Region mit einer Eisenbahnstrecke zu verbinden. Die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft erhielt die Konzession zum Bau der Strecke Köln-Gießen. 1859 wurde mit dem Bau begonnen. An der Grenze zum heutigen Lahn-Dill-Kreis stieß man jedoch auf eine Schwierigkeit, da das noch eigenstĂ€ndige Herzogtum Nassau seine Berechtigung zum Bau durch seit Hoheitsgebiet geben musste. Diese Erlaubnis erteilte Nassau im Jahr 1860. Von Betzdorf gab es eine Abzweigung ĂŒber das Siegtal nach Siegen. Diese Strecke wurde am 28. Dezember 1860 erstmals befahren und am 10. Januar 1861 offiziell eröffnet. Bereits am 5. August 1861 wurde eine weitere Verbindung nach Siegen eingeweiht. Die Ruhr-Sieg-Strecke fĂŒhrte ĂŒber das Tal der Littfe nach Ernsdorf (Kreuztal) und weiter nach Siegen. Die Fertigstellung der Bahnen ließ die heimische Industrie rasant wachsen und die Förderung der Gruben sprunghaft ansteigen. Die neuen Verkehrswege ermöglichten einen gĂŒnstigeren Versand von Erzen und einen billigeren Bezug von Koks fĂŒr die Hochöfen der HĂŒtten.

Einfahrt der ersten Bahn im Salchendorfer Bahnhof

Nach dem rasanten Anstieg der Erzförderung wurden Rufe nach engeren Verbindungen laut, da die ErzvorrĂ€te bisher teils noch per Pferdewagen zu den Bahnhöfen gebracht wurden. Mit der Eisern-Siegener Eisenbahn (ESE) wurde 1880 die erste von spĂ€ter vier Kleinbahnen eröffnet, die die Staatsbahn mit den nicht zentralen Orten verbunden. Die Bahn wurde hauptsĂ€chlich zum Anschluss der HĂŒtten und Gruben im Siegener SĂŒden, in Eiserfeld und Eisern gebaut, fĂŒhrte aber ab 1901 in entgegengesetzter Richtung auch bis Kaan-Marienborn. Alle grĂ¶ĂŸeren Gruben waren entweder direkt oder durch eine Schmalspurbahn angeschlossen. Die umfangreichste fĂŒhrte von Eiserfeld ins Kesselborntal zur Grube Eisenzecher Zug. In den 1890er Jahren wurden im Freien Grund ebenfalls Planungen zum Bau einer Bahn zur Verbindung der Gruben gemacht. UrsprĂŒnglich sollte diese Bahn bis nach Wilgersdorf fĂŒhren. Dieser Plan wurde jedoch aufgrund GelĂ€ndeschwierigkeiten verworfen. Die Freien Grunder Eisenbahn wurde 1907 eröffnet, fĂŒhrte bis nach Unterwilden und wurde fĂŒr GĂŒter- und Personenverkehr ausgelegt. Angeschlossen wurden wie bei der ESE alle grĂ¶ĂŸeren Gruben, entweder mit einer eigenen Anschlussbahn oder, wie bei Pfannenberger Einigkeit, direkt. Zahlreiche Anschlussbahnen wie im Kunstertal bei StruthĂŒtten (1864), nach Gosenbach zur Grube Storch & Schöneberg (1871) oder zu den MĂŒsener Gruben (1884) entstanden nach dem Bau von Bahn und Kleinbahnen und lösten somit die alten Seil- oder Pferdebahnen ab. 1888 schuf die Rothaarbahn eine direkte Verbindung von Kreuztal ĂŒber Hilchenbach nach ErndtebrĂŒck, die 1911 bis nach Berleburg erweitert wurde. Dort wurde ein Anschluss an die Obere Edertalbahn geschaffen. 1906 wurde die Kleinbahn Weidenau-Deuz eröffnet, die das Oberste Siegtal mit Siegen verbinden sollte. Die Bahn wurde fĂŒr Personen- und GĂŒterverkehr gebaut und verband neben den Ortschaften bis Werthenbach auch die Industrie in Dreis-Tiefenbach und Deuz.

Zur Zeit des Bahnbaus 1861 war eine direkte Verbindung von Siegen nach Dillenburg noch nicht möglich, dies stellte ein großes betriebliches Problem dar. Diese Verbindung folgte erst 1915 durch den Bau des Niederdielfener und des Rudersdorfer Viadukts sowie des Rudersdorfer Tunnels. Damit war auch eine direkte Verbindung nach Dillenburg geschaffen und somit 30 km Fahrtstrecke von Siegen nach Dillenburg eingespart. 1904 wurde die Siegener Kreisbahn gegrĂŒndet. 1908 erhielt sie die Erlaubnis zur GĂŒterbeförderung. Ab den 1920er Jahren wurden bei den Bahnen zahlreiche Modernisierungen durchgefĂŒhrt. Eine kurze BlĂŒtezeit des Bahnverkehrs begann.

Im zweiten Weltkrieg wurden die Bahnstrecken grĂ¶ĂŸtenteils zerstört oder beschĂ€digt. Nach dem Krieg und dem Wiederaufbau der Strecken ging es bergab mit den Kleinbahnen. 1947 ĂŒbernahm die Kreisbahn die BetriebsfĂŒhrung der ESE, die 1953 komplett aufgelöst wurde. Die Strecken wurden nochmals modernisiert und elektrifiziert, doch bereits gegen Ende der 1950er zeichnete die langsame Einstellung des GĂŒterverkehrs, auch bedingt durch das Sterben des Bergbaus und die abnehmenden Personenzahlen ein dĂŒsteres Bild. Bis 1979 wurden die Strecken grĂ¶ĂŸtenteils stillgelegt. Auch bei der Freien Grunder Eisenbahn (FGE) wurde 1950 der Personen-, 1963 der GĂŒterverkehr auf dem grĂ¶ĂŸten StĂŒck der Strecke zwischen Salchendorf und Unterwilden eingestellt. Nachdem die Gruben stillgelegt wurden und der Personenbetrieb sich nicht mehr lohnte, ging die FGE 1970 komplett an die Kreisbahn ĂŒber. Bei der Kleinbahn Weidenau-Deuz entwickelte sich der GĂŒterverkehr auch gegen Ende der 1960er noch positiv, nachdem 1968 der Personenverkehr eingestellt wurde. Auf der Rothaarbahn werden neben GĂŒtern auch heute noch Personen befördert. Heute hĂ€lt die 2005 in „Kreisbahn Siegen-Wittgenstein“ umbenannte Siegener Kreisbahn fast alle Gleisstrecken und bedient noch diverse Firmen. Bei der FGE sind dies die SchĂ€fer-Unternehmen in Salchendorf, bei der Kleinbahn Weidenau-Deuz wird die Strecke noch bis Dreis-Tiefenbach genutzt. Die ESE ist fast vollstĂ€ndig abgebaut.

Politische Geschichte

Nachdem Heinrich der Reiche 1250 verstorben war, teilten seine Söhne sein Land unter sich auf. Otto I. erhielt die Lande rechts der Lahn und damit auch das Siegerland. Seine drei Söhne teilten nach Ottos Tod (1290) und anfĂ€nglichem Regieren 1301 ihr Land in die StĂ€mme Nassau-Hadamar, Nassau-Dillenburg und Nassau-Siegen. Damit entstand erstmals die Grenze zwischen Wilnsdorf und dem benachbarten Haiger ĂŒber die Kalteiche. Nachdem die BrĂŒder von Heinrich III. gestorben waren, vereinigte er die nassauischen Lande wieder. Diese Vereinigung hielt bis 1606. Die fĂŒnf Söhne von Johann VI. teilten das Land in die fĂŒnf Linien Diez, Hadamar, Beilstein, Dillenburg und Siegen auf. Diese „Kleinstaaterei“ fand zehn Jahre spĂ€ter mit der Dreiteilung des Siegerlandes ihren Höhepunkt. Johann der Mittlere von Nassau-Siegen wollte der fortwĂ€hrenden Teilung der LĂ€ndereien ein Ende setzen und fĂŒhrte 1607 das Erbrecht des Erstgeborenen ein. Sein Ă€ltester Sohn starb allerdings 1617 und sein zweitĂ€ltester Sohn, Johann der JĂŒngere, war seit 1613 katholisch. Er erhielt die ErbansprĂŒche mit der Bedingung, an der Religion des Landes nichts zu Ă€ndern. Im Jahr 1621 hob Johann der Mittlere das Alleinrecht des Erstgeborenen auf und teilte sein Land in drei selbststĂ€ndige Grafschaften.[5]

Seit der Einnahme des Landes durch Preußen gehörte der zum FĂŒrstentum Nassau-Siegen gehörende Kern des Siegerlandes zunĂ€chst zum Regierungsbezirk Koblenz der Provinz Großherzogtum Niederrhein und ab 1817 zum Regierungsbezirk Arnsberg der Provinz Westfalen. Der Kreis Siegen entstand und wurde in die BĂŒrgermeistereien Burbach, Eiserfeld, Ferndorf, Freudenberg, Keppel, Netphen, Neunkirchen, Niederdresselndorf, Weidenau und Wilnsdorf unterteilt. Siegen und Hilchenbach blieben bis zum Schluss amtsfreie StĂ€dte. 1844 erfolgte die Umbenennung in „Ämter“. Nach der Auflösung des Königreichs Preußen 1866 und der Entstehung des Deutschen Reichs blieb der Kreis in der Provinz Westfalen, dies Ă€nderte sich 1946 mit dessen Auflösung und der Bildung Nordrhein-Westfalens. 1966 wurden die Ämter Eiserfeld und Weidenau aufgelöst und mit Gemeinden aus umliegenden Ämtern die drei StĂ€dte Eiserfeld, Siegen und HĂŒttental gebildet, die seit 1974 gemeinsam die Stadt Siegen bilden. 1969 folgte die Auflösung aller Ämter und die Neubildung von sieben StĂ€dten und Gemeinden.

Kulturell und sprachlich orientiert sich das Siegerland an den hessischen und WesterwĂ€lder Nachbarn. WestfĂ€lische EinflĂŒsse in Architektur sind nur an der Grenze zum Sauerland zu finden, das sich historisch, religiös sowie sprachlich streng vom Siegerland abgrenzt.

Wirtschaft & Infrastruktur

SSI SchĂ€fer ist eines der grĂ¶ĂŸten Unternehmen im Siegerland, hier in Neunkirchen

Industrie und Unternehmen

Das Siegerland ist der Standort vieler traditionsreicher Firmen, meist tÀtig in der Stahlindustrie, denn hier liegen die AnfÀnge.

Eisen- und Stahlindustrie

Bergbau, VerhĂŒttung und Eisenerzeugung legten bis Mitte der 1960er Jahre einen Grundstein in der heimischen Industrie. Nach dem Ende des Bergbaus 1965 war das Sterben der HĂŒttenwerke vorprogrammiert. Neue ArbeitsplĂ€tze mussten geschaffen werden. Durch das Know-How der SiegerlĂ€nder im Bereich der Stahl- und Blechverarbeitung ist dieser Wirtschaftszweig gewachsen. Firmen wie Walzen Irle, SMS Demag / Siemag, die SchĂ€fer Gruppe (SchĂ€fer Werke, SSI SchĂ€fer, EMW und SSI SchĂ€fer Shop), ThyssenKrupp (Eichen / Ferndorf) und Deutsche Edelstahlwerke GmbH (Geisweid) sind dort tĂ€tig und schaffen tausende ArbeitsplĂ€tze.

Brauereien

Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich Brauereien. Bekannte Marken wie Krombacher (aus Kreuztal-Krombach) oder Eichener (aus Kreuztal-Eichen), sowie Irle, Erzquell und Ilsen-BrÀu (aus Kreuztal-Littfeld) kommen aus dem Siegerland.

Weitere bedeutende Unternehmen und Institutionen

Verkehr

Die B 54 fĂŒhrt von SĂŒden nach Norden durch das komplette Siegerland. Dabei durchquert die Straße die Gemeinden und StĂ€dte Burbach, Wilnsdorf, Siegen und Kreuztal. An mehreren Stellen hat sie Anschluss an die A 45, die HTS und im SĂŒden an den Siegerlandflughafen. Ebenfalls quer durch das Siegerland fĂŒhrt die B 62. Sie verlĂ€uft erst aus sĂŒdwestlicher Richtung kommend aus Rheinalnd-Pfalz ĂŒber Mudersbach nach Siegen, dann weiter in östlicher Richtung ĂŒber Netphen ins Wittgensteiner Land.

Autobahn 45

Die SiegtalbrĂŒcke ist eine der höchsten BrĂŒcken im Verlauf der A45

Die Planung der Bundesautobahn 45 (Sauerlandlinie) begann 1957. Anfangs war noch nicht sicher, ob sie ĂŒberhaupt eine Autobahn werden sollte, denn auch ein Ausbau als Kraftfahrstraße wurde diskutiert. NĂ€here Untersuchungen zeigten dann aber, dass der Ausbau nur als Autobahn sinnvoll sei. Ein „Abfallprodukt“ dieser Planungen ist die HĂŒttentalstraße, die Siegener Stadtautobahn im HĂŒttental. Ab 1963 wurde zwischen Dortmund und Westhofen gebaut und bis 1972 war die Autobahn bis Gießen fertiggestellt. Das TeilstĂŒck im Siegerland wurde 1967 eröffnet. Die AnschlĂŒsse an die Autobahn im Gebiet sind:

Im Gebiet hat die A 45 insgesamt sieben TalbrĂŒcken und eine HangbrĂŒcke. Eine unter ihnen ist die SiegtalbrĂŒcke ĂŒber Eiserfeld mit 1.050 m LĂ€nge. Mit einer Höhe von fast 96 Metern ist sie die höchste BrĂŒcke im Verlauf der A 45 und eine der höchsten AutobahnbrĂŒcken in Deutschland. Zwischen den AnschlĂŒssen Freudenberg und Siegen befindet sich die RaststĂ€tte „Siegerland West“ und auf der Gegenseite die RaststĂ€tte „Siegerland Ost“.

HĂŒttentalstraße

→ Hauptartikel: HĂŒttentalstraße

Die HĂŒttentalstraße („HTS“) ist die Siegener Stadtautobahn. Sie wurde ab 1978 gebaut und ist seitdem stĂ€ndig erweitert worden. Von der Anschlussstelle „Siegen-Dreisbach-Europaplatz“ fĂŒhrt sie durch nahezu das komplette Siegener Zentrum (Stadtmitte, SieghĂŒtte, Weidenau, Geisweid) nach Kreuztal. Seit Juni 2006 ist sie bis Krombach, und seit November desselben Jahres bis zum Autobahnkreuz „Olpe-SĂŒd“ (A 45/A 4) mit direktem Übergang auf die A 4 befahrbar. Im Verlauf gibt es zehn Abfahrten, einen Tunnel und vier Verzweigungen. Der Ziegenbergtunnel hat eine LĂ€nge von 330 m und wurde von 1994 bis 1998 gebaut. Viele AnschlĂŒsse zu verschiedenen Bundesstraßen und an beiden Enden zur Autobahn 45 entlasten das Verkehrsnetz in der Siegener Innenstadt. Seit April 2010 wird die HTS in sĂŒdlicher Richtung ĂŒber Niederschelden bis nach NiederschelderhĂŒtte in Rheinland-Pfalz weiter gebaut. Der Siegener Stadtteil Eiserfeld wird dabei mit einem Abzweig in und aus Richtung Siegen angebunden.

Siegerlandflughafen

Der Siegerlandflughafen liegt geografisch im Westerwald, politisch im Kreis Siegen-Wittgenstein
→ Hauptartikel: Siegerlandflughafen

Der Siegerlandflughafen ist ein zwischen LĂŒtzeln und Lippe im sĂŒdlichen Gebiet der Gemeinde Burbach gelegener Verkehrsflughafen. Seit den 1930er Jahren gab es dort einen Landeplatz. 1967 wurde er als Verkehrsflughafen eröffnet und ist seitdem der einzige Flughafen der Region. Der Flughafen liegt auf 599 m Höhe und ist damit einer der am höchsten gelegenen VerkehrsflughĂ€fen in Deutschland. Über die B 54 ist der Siegerlandflughafen an die A 45 angeschlossen.

Öffentlicher Nahverkehr

Der öffentliche Nahverkehr wird durch Bus und Bahn getragen. Die VWS und der Busverkehr Ruhr-Sieg (BRS) stellen dabei den Busverkehr im Kreis Siegen-Wittgenstein sowie teilweise auch im Kreis Altenkirchen; darĂŒber hinaus betreibt die Firma Martin Becker noch eine Stadtbuslinie in Betzdorf. Bedingt durch die Landesgrenze gibt es im Siegerland zwei VerkehrsverbĂŒnde fĂŒr den ÖPNV. Im Kreis Siegen-Wittgenstein ist dies die Verkehrsgemeinschaft Westfalen-SĂŒd (VGWS), im Kreis Altenkirchen der Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM). Bei grenzĂŒberschreitenden Fahrten gilt der VGWS-Tarif.

Der GĂŒterbahnverkehr wird von der Deutschen Bahn und der Siegener Kreisbahn betrieben. Regionale Betriebe wie die Hellertalbahn von Betzdorf bis Dillenburg, die Daadetalbahn von Betzdorf nach Daaden oder die Rothaarbahn von Kreuztal nach Bad Berleburg schaffen schienengebundene Personenverkehrs-Verbindungen auf „Dorfebene“.

Wasserversorgung

Die Wasserversorgung im Siegerland wird ĂŒber den Wasserverband Siegen-Wittgenstein (WVS) gewĂ€hrleistet. Dieser hĂ€lt zur Verteilung des Trinkwassers ein 306 Kilometer langes Transportleitungsnetz bereit. Der Durchmesser der Rohrleitungen variiert zwischen 100 und 800 mm. Im grob zwischen Freudenberg im Westen und Bad Berleburg im Osten sowie Hilchenbach im Norden und Burbach im SĂŒden skizzierten Gebiet dienen, unterstĂŒtzt von 27 Pumpwerken, 24 HochbehĂ€lter mit einem Gesamtfassungsvermögen von 54.000 mÂł der Aufrechterhaltung der Wasserverteilung in der Region. Einer dieser HochbehĂ€lter ist beispielsweise der "BĂŒrbacher Kopf" in Siegen. Zu den Pumpwerken zĂ€hlt das Grundwasserwerk "PĂŒtzhorn" an der Eiserfelder Straße. Letzteres wurde in den Jahren 1939 und 1940 erbaut und verursachte Baukosten von 250.000 Reichsmark.[7] Zum Wasserversorgungssystem zĂ€hlen ebenso die beiden Talsperren Obernautalsperre und Breitenbachtalsperre wie auch die in Dreis-Tiefenbach befindliche Aufbereitungssanlage.[8]

Bildung

Siegen verfĂŒgt ĂŒber drei Berufskollegs, eins fĂŒr Technik, eins fĂŒr Wirtschaft & Verwaltung und eins fĂŒr Allgemeingewerbe, Hauswirtschaft und SozialpĂ€dagogik. Alle drei haben ihren Standort am unteren Fischbacher Berg. Fast jede Gemeinde oder Stadt im Siegerland verfĂŒgt ĂŒber mindestens eine eigene Real-, Hauptschule oder Gymnasium. Da es viele kleine Orte gibt, sind die Grundschulen im Laufe der Zeit in den Orten geschlossen und diese Schulen in die Gemeindehauptorte oder in die nĂ€chstgrĂ¶ĂŸeren Orte verlagert worden. Mehrere BĂŒchereien und Volkshochschulen gibt es.

UniversitÀt Siegen

Siegener Uni am Haardter Berg
→ Hauptartikel: UniversitĂ€t Siegen

Die UniversitĂ€t Siegen besteht seit 1972 auf dem Haardter Berg. Die AnfĂ€nge hatte die Hochschule in der 1853 gegrĂŒndeten Wiesenbauschule (ab 1962 Staatliche Ingenieurschule fĂŒr Bauwesen) und der 1964 gegrĂŒndeten PĂ€dagogischen Hochschule Siegerland. Am 1. August 1971 wurden die Fachschulen Staatliche Ingenieurschule fĂŒr Bauwesen, Staatliche Ingenieurschule fĂŒr Maschinenwesen Siegen, Staatliche Höhere Wirtschaftsfachschule Siegen, Staatliche Ingenieurschule fĂŒr Maschinenwesen Gummersbach und die Höhere Fachschule fĂŒr SozialpĂ€dagogik im Aufbau Siegen in der „Fachhochschule Siegen-Gummersbach“ zusammengefasst. Am 1. August 1972 wurde die Gesamthochschule Siegen gegrĂŒndet, seit 2003 trĂ€gt sie den Namen „UniversitĂ€t Siegen“.

Sie weist aktuell 13.070 Studenten auf und hat knapp 1.400 Mitarbeiter. Sie wird öffentlich getragen und erreicht in Umfragen immer wieder gute PlÀtze. Im landesweiten Ranking des Magazins Der Spiegel des Jahres 1989 belegte die Uni Siegen Platz 1, zehn Jahre spÀter, 1999 belegte sie erneut den ersten Platz.

Kultur

Traditionen

Hauberg

Hauberg wird noch in den meisten Dörfern betrieben, allerdings nicht mehr traditionell

Charakteristisch fĂŒr diese Gegend sind zudem die Hauberge, in denen das Holz fĂŒr die Herstellung von Holzkohle geschlagen wird. Die SiegerlĂ€nder hatten dafĂŒr bestimmte Techniken und Werkzeuge wie das Knipp (im Hausgebrauch wird hier ein kleines Messer auch „Knippchen“ genannt) und der Lohlöffel. Der Hauberg wird von der Haubergsgenossenschaft verwaltet und jedes Jahr neu zugeordnet. Ein Hauberg wird dabei in viele gleich große StĂŒcke unterteilt. Jeder angemeldete Nutzer erhĂ€lt dabei jedes Jahr ein anderes StĂŒck Wald. Oft verwendet werden dafĂŒr Buchen, Birken oder Eichen. Der Nutzer eines Haubergs hat die Aufgaben, nur markierte BĂ€ume zu fĂ€llen und den Wald von GebĂŒsch und GestrĂŒpp zu befreien. Holz und geschnittene Äste eines Baumes werden sauber aufgehĂ€uft und gestapelt. Im Siegerland hat das wirtschaftliche „Nachpflanzen“ eines Waldes durch den Hauberg seinen Ursprung.

Kohlenmeiler

Ein Kohlenmeiler in der NĂ€he von Walpersdorf

Heute wird das in den Haubergen gewonnene Holz grĂ¶ĂŸtenteils zum Heizen in Heizungen und Öfen oder Kaminen und zum Grillen verwendet. FrĂŒher wurde das Holz fĂŒr die VerhĂŒttung des Eisenerzes benötigt und zur Herstellung von Holzkohle. Dies geschah in Kohlenmeilern. Ein Kohlenmeiler wird vom Köhler aufgebaut. Zuerst wird ein senkrechter Schacht aus versetzt aufeinander liegenden HolzstĂŒcken errichtet. Darum werden ca. 1 Meter lange Holzscheite gestapelt. DarĂŒber kommt eine Schicht trockenes Heu oder Stroh. Zum Schluss wird darĂŒber Erde aufgeschichtet und verdichtet. Der Köhler entzĂŒndet den Meiler ĂŒber den Schacht. Seine Aufgabe ist nun, die folgenden Tage oder Wochen den Meiler zu „bewachen“. Er darf weder abbrennen noch erlöschen. Nach der vollstĂ€ndigen „GĂ€rung“ ist aus Holz Holzkohle geworden. Diesen Vorgang kann man heute noch in Walpersdorf bei Netphen beobachten.

Landwirtschaft

Schon frĂŒh kamen die „Duffeln“ (Kartoffeln) ins Siegerland. 1715 wurden die ersten grĂ¶ĂŸeren Ernten eingeholt. Allgemein war die Landwirtschaft fĂŒr die SiegerlĂ€nder ein wichtiger Baustein im Leben. Auf Wiesen stand das Vieh, Getreide wurde fĂŒr Brot gebraucht und Kartoffeln fĂŒr die „Riewekooche“. Das Vieh gab Milch und Fleisch, Pferde waren Transportmittel und Arbeitstiere auf den Äckern, in Gruben und im Hauberg.

Feste und Veranstaltungen

Auf dem Schlossplatz des Unteren Schlosses wurde die WM 2006 gefeiert

Der Johannimarkt ist ein Jahrmarkt in Siegen. Er findet alljĂ€hrlich seit dem 17. Jahrhundert in Siegen statt. Veranstaltet wird der Markt alljĂ€hrlich im Juni. Seit dem Bau der Siegerlandhalle wird es auf deren AußengelĂ€nde abgehalten.

Bei Siegtal Pur wird jedes Jahr ein ĂŒber 120 km langes StĂŒck des Siegtals von der Quelle der Sieg in Netphen-Walpersdorf bis Siegburg am Autofreien Tag gesperrt. 2006 lockte die Veranstaltung ĂŒber 100.000 Besucher zum Laufen und Radfahren an.

Seit 1991 findet an Pfingsten jeden Jahres auf dem Giller KulturPur statt. Das Musik- und Theaterfestival lockt tausende Besucher auf den Berg bei Hilchenbach.

Seit 1990 findet Juni und Juli das Siegener Sommerfestival statt. Schauspiel, Kabarett, Theater, Musik und Kino mit heimischen und bekannten KĂŒnstlern stehen im Programm. Im Jahr 2006 fand statt des traditionellen Sommerfestivals das Siegener WM-Festival statt. Das Siegener Open-Air-Kino gibt es regelmĂ€ĂŸig im Sommer jeden Jahres. Bekannte und unbekannte Filme werden im Freien auf großer Leinwand gezeigt. Ein Höhepunkt dabei ist die Veranstaltung „Siegen ist filmreif“. Gezeigt wird dann ein Film oder Kurzfilm eines „Einheimischen“.

Am Tag des offenen Denkmals werden zahlreiche BaudenkmĂ€ler und historische GebĂ€ude im Gebiet fĂŒr Besucher geöffnet, um ihnen altes Wohnen, Handwerk und einen Teil Geschichte zu zeigen.

In den zahlreichen Dörfern des Siegerlandes haben sich bis heute viele alte BrauchtĂŒmer erhalten vom "Pingstelömmel-Treiben" (Verwandt der PfingstlĂŒmmel oder Laubmann BrĂ€uchen), den Maikindern und Maibaum, den Sternsingern und den in einigen Ortschaften ĂŒblichen "BĂ€renumzĂŒgen".

Kunst, Musik und Theater

Peter Paul Rubens

Peter Paul Rubens

Peter Paul Rubens wurde 1577 in Siegen geboren und war ein bedeutender Maler. Besonders in der flÀmischen Malerei hatte er in fast allen Richtungen Einfluss. Viele seiner Bilder sind im Oberen Schloss in Siegen ausgestellt.

1955 grĂŒndete sich ein Komitee, das seit 1957 alle fĂŒnf Jahre in der „Rubensstadt“ Siegen der Rubenspreis zu Ehren des Malers verleiht.

GebrĂŒder Busch

Der in ErndtebrĂŒck geborene Wilhelm Busch war Musikinstrumentenbauer und hatte fĂŒnf Söhne, die alle außer Willi Busch in Richtung Musik studierten und in Deutschland und im Ausland große Bedeutung und Bekanntheit gewannen.

SĂŒdwestfĂ€lische FreilichtbĂŒhne Freudenberg

In der SĂŒdwestfĂ€lischen FreilichtbĂŒhne Freudenberg werden vor einer Wald- und Felsenkulisse jĂ€hrlich zwei neue Inszenierungen fĂŒr Kinder und Erwachsene aufgefĂŒhrt. Die ZuschauertribĂŒne ist ĂŒberdacht. JĂ€hrlich besuchen etwa 50.000 Besucher die FreilichtbĂŒhne. Besonders Schulklassen aus der gesamten Region fahren jedes Jahr zu den AuffĂŒhrungen.

Siegerlandhalle

Die Siegerlandhalle ist eine Mehrzweckhalle mit mehreren SĂ€len in Siegen. FĂŒr verschiedene AnlĂ€sse wird sie geöffnet. Dazu zĂ€hlen z. B. Ausstellungen, Konzerte und Auftritte oder VerkaufsmĂ€rkte. Bis August 2007 wurde sie aufwĂ€ndig renoviert und vergrĂ¶ĂŸert. Den ersten Auftritt nach der Renovierung hatte die SĂ€ngerin Nena.

Apollo-Theater

Das ehemalige Apollo-Kino und jetzige Apollo-Theater in Siegen

Nachdem in Siegen ein Cinestar-Kino gebaut wurde, wurde das alte Apollo-Kino geschlossen. Von 2005 bis 2007 wurde das aus den 1930er Jahren stammende GebĂ€ude zum Apollo-Theater umgebaut. Es ersetzt die baufĂ€llige und technisch unzureichende „BĂŒhne der Stadt Siegen“ mit ca. 820 PlĂ€tzen.

Chöre, SÀngerkreise und Philharmonie

Fast jeder Ort hat eigene Gesangvereine. Diese haben oft eine lange Tradition. Viele gibt es bereits ĂŒber 100 Jahre, Kirchenchöre gibt es einige, Bands dagegen sind eher im Jugendbereich zu finden.

Sprache und Literatur

SiegerlÀnder Platt

Das SiegerlĂ€nder Platt („SejerlĂ€nnr Pladd“) ist der SiegerlĂ€nder Dialekt. Er liegt als ein östlicher AuslĂ€ufer des MoselfrĂ€nkischen an der Grenze zum Hessischen, zum Ripuarischen des Rheinlands und an der wichtigsten und Ă€ltesten Sprachgrenze im deutschsprachigen Raum, der Scheidelinie zwischen den hoch- und den niederdeutschen Dialekten (Benrather Linie), wie sie nördlich des „Kölschen Hecks“ – der Grenze zum Sauerland – gesprochen werden. Durch das Siegerland verlĂ€uft ferner die Isoglosse "das-dat".

Eine der vielen Eigenheiten des „SejerlĂ€nnr Pladds“ ist die amerikanisch anmutende Aussprache des „R“. Die Aussprache war ursprĂŒnglich von Ort zu Ort leicht unterschiedlich. Heute gibt es immer weniger SiegerlĂ€nder, die den Dialekt beherrschen. RegelmĂ€ĂŸig gibt es fĂŒr SchĂŒler Lesewettbewerbe, bei denen sie ihr „PladdschwĂ€dse“ unter Beweis stellen können.

„Hennr Rennrod rĂ€chds römm on da dr Rhing roff“ („Hinter Rennerod rechts rum und dann den Rhein rauf“ – wie man von Siegen nach Koblenz kommt 
)

Auch gibt es KĂŒnstler, die ihre Musik auf Platt machen, z. B. Henner & Frieder (benannt nach den beiden Statuen auf der Siegplatte in Siegen). Oftmals schreiben sie auch ĂŒber das Siegerland. „Sinnlos im Weltraum“ ist eine Parodie auf Star Trek auf SiegerlĂ€nder Platt. Inzwischen ist aus dem Material auch ĂŒberregional „Kult“ geworden, was auch daran liegt, dass sich die Folgen mittlerweile ĂŒber das Internet rasch verbreiten.

Dilldappen

Dilldappen sind SiegerlĂ€nder Fabeltiere, leben in Höhlen im Hauberg in Familien zusammen, sprechen alle SejerlĂ€nnr Pladd, lieben Riewekooche ĂŒber alles und klauen dafĂŒr dem Bauern die Kartoffeln vom Feld. Der Dilldappe sieht aus wie ein aufrecht gehender Nashornhamster mit Irokesenhaarschnitt.

Seit 1982 veröffentlicht der Siegener Autor Matthias Kringe jedes Jahr einen Dilldappen-Kalender mit Comics in SiegerlĂ€nder Platt. Dabei stehen auf der letzten Seite die Übersetzungen ins Hochdeutsch.

Medien

WDR

In Siegen gibt es ein Regionalstudio des Westdeutschen Rundfunks fĂŒr die Produktion des sĂŒdwestfĂ€lischen Teil der Reihe „Lokalzeit“, die Lokalnachrichten Aktuelle Stunde oder fĂŒr die Ausstrahlung anderer regionaler Sendungen bzw. Programme.

Radio Siegen

Neben dem WDR Studio gibt es in Siegen ein NRW-Lokalradio. Radio Siegen sendet mit eigenem Studio am Obergraben das Radio-NRW-Programm und eigene, lokale BeitrÀge.

Siegener Zeitung

Siegener Zeitung

Die Siegener Zeitung ist die auflagenstĂ€rkste Tageszeitung im Kreis Siegen-Wittgenstein, sie erscheint mit eigenen Ausgaben auch im Kreis Olpe und im Kreis Altenkirchen. Der Lokalteil ist dabei fĂŒr jeden Kreis unterschiedlich. FĂŒr den Kreis Siegen-Wittgenstein werden zwei Ausgaben erstellt: „Siegerland“ und „Wittgenstein“.

Die „SZ“ erscheint seit 1823 und hat im Jahr 1998 zum 175. JubilĂ€um eine Sonderausgabe „175 Jahre Zeitdokumentation“ mit Berichten ĂŒber die Geschichte der Zeitung, zu historischen Ereignissen oder heimischer Geschichte herausgebracht.

WestfÀlische Rundschau / Westfalenpost

In der Lokalredaktion der WestfĂ€lischen Rundschau (am Siegener Hauptbahnhof) wird der Lokalteil fĂŒr den Altkreis Siegen sowie der Lokalsport fĂŒr den gesamten Kreis Siegen-Wittgenstein produziert. Die Westfalenpost (WP) hat Ende Mai 2009 den letzten eigenen Lokalteil fĂŒr das Siegerland produziert, seitdem wird der Lokalteil von der WR erstellt. Der in der Siegener WR-Redaktion produzierte Lokalsportteil erscheint in WR und WP in Siegerland und Wittgenstein. Beide Zeitungen gehören zur WAZ-Mediengruppe mit Sitz in Essen.

Einheimische KĂŒche

Die KĂŒche des Siegerlandes war und ist geprĂ€gt von Kartoffeln (Duffeln) und einer enormen Vielfalt von Brotsorten. So ist die markanteste siegerlĂ€ndische SpezialitĂ€t auch eine Symbiose aus beidem. Der Riewekooche ist ein Kartoffelbrot, welches mit dem vor allem im Rheinland bekannten Reibekuchen oder Kartoffelpuffer verwandt ist.

Das Siegerland ist Heimat der derzeit umsatzstĂ€rksten deutschen Brauerei Krombacher. Die Sorte Pils wird auch von zahlreichen anderen, grĂ¶ĂŸtenteils privaten Brauereien im Siegerland hergestellt. Die grĂ¶ĂŸten neben Krombacher sind die inzwischen zur Krombacher-Gruppe gehörende Eichener, Erzquell und Irle.

Das SiegerlĂ€nder KrĂŒstchen besteht aus einer Scheibe Roggenbrot oder Toastbrot, darauf ein Schnitzel mit mindestens einem Spiegelei ĂŒberbacken.

Im Backes wurde frĂŒher in jedem Dorf Brot gebacken. Ein Schanzenbrot ist ein Sauerteigbrot aus Roggenmehl. Zum Anheizen des Ofens werden sogenannte „Schanzen“ genommen, zusammengebĂŒndelte Birken-, Eichen- oder Haselnussreiser, ein „Abfallprodukt“ aus den Haubergen.

Ein Krebelcher ist ein QuarkgebĂ€ck und die einheimische Variante des Krapfens, dessen Teig je nach Ortschaft mit der Zugabe von gestampften Kartoffeln verfeinert wird. Seinen Namen hat das GebĂ€ck von seiner sehr unregelmĂ€ĂŸigen Form, die sich durch das Tropfen des Teigs in heißes Fett ergibt.

Kulinarische SpezialitÀten

Sport

Der Stadtsportverband Siegen umfasst 160 Sportvereine in denen insgesamt rund 37.000 Mitglieder tĂ€tig sind. Außerdem hat jeder grĂ¶ĂŸere Ort (ca. 100+ Einwohner) mindestens einen eigenen Sportverein. Das bedeutet, dass es mindestens 350 Sportvereine im Siegerland gibt. Neben der klassischen Sportart Fußball werden zahlreiche andere AktivitĂ€ten wie Flugsport, Leichtathletik, Tanzen oder Schwimmen in Turnhallen, Bolz-, Fußball- und SportplĂ€tzen angeboten.

Bekanntester Verein sind die Sportfreunde Siegen, die sich seit langer Zeit in der dritthöchsten Spielklasse hielten. Nach einer Saison in der zweiten Bundesliga befindet sich der Fußballclub nach zwei weiteren Spielzeiten in der Regionalliga SĂŒd aktuell in der NRW-Liga (5. Liga). Dorthin stieg der Verein nach verpasster Qualifikation zur 3. Liga und anschließender Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ab. Der Verein kann sich hier nach wie vor ĂŒber einen hohen Zuschauerzuspruch freuen. Einen nationalen Bekanntheitsgrad erreichten die Fußball-Damen des TSV Siegen (spĂ€ter ebenfalls Sportfreunde Siegen), die insgesamt sechs deutsche Meistertitel und fĂŒnf Pokalsiege holten.

SehenswĂŒrdigkeiten

Der „alte Flecken“ in Freudenberg ist ein historischer Stadtkern mit einer langen Geschichte
Das 1754 in Neunkirchen erbaute Amtshaus steht seit 1974 im Freilichtmuseum Hagen
Der Pfannenbergturm am Pfannenbergkopf zwischen Eiserfeld und Salchendorf
Im Oberen Schloss in Siegen befindet sich das „Siegerlandmuseum“
Die verfallene Ruine der Ginsburg wurde restauriert und kann besucht werden
Die Nikolaikirche in Siegen mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem „Krönchen“
Das Museum fĂŒr Gegenwartskunst in der Oberstadt
„Monte Schlacko“, ortsbildprĂ€gende Schlackenhalde in Siegen-Geisweid

Natur

Im SĂŒden des Siegerlandes in den Gebieten der Gemeinde Neunkirchen (SI) und Herdorf (AK) befinden sich die vor rund Sieben Millionen Jahren durch vulkanische AktivitĂ€t entstanden Berge Hohenseelbachskopf und Malscheid. Die Basaltkuppeln auf der Malscheid (511 m ĂŒ. NN) war bis Anfang des 20. Jahrhunderts kilometerweit sichtbar. Zwischen 1900 und 1925 wurde der Basalt abgebaut, im Krater der Malscheid entwickelte sich ein See, der „Silbersee“. Auf dem Gipfel des 530 m hohen Hohenseelbachskopf sind die Basaltkuppeln grĂ¶ĂŸtenteils noch vorhanden und schauen bis zu 40 m aus der Erde.

Seit 1963 besteht der Naturpark Rothaargebirge, ein 1.355 Quadratkilometer (nicht nur im Siegerland) großer Naturpark. Der Rothaarsteig ist ein Wanderweg im Park, der sich auf dem Gebiet der Ortschaften Burbach, Wilnsdorf, Netphen und Hilchenbach durch das Siegerland zieht. Bei Netphen entspringen die FlĂŒsse Sieg, Lahn und Eder. Die Siegquelle bei Netphen-Walpersdorf ist ein beliebtes Ausflugsziel.

(Historische) Bauwerke

Der Alte Flecken ist ein historischer Stadtkern in Freudenberg mit alten FachwerkhĂ€usern. 1666 brannte er vollstĂ€ndig ab, wurde aber auf den alten Grundmauern wieder aufgebaut. Der Stadtkern zeigt die alte Handwerkskunst des Fachwerks und gibt einen Eindruck von Leben in frĂŒherer Zeit. Ebenfalls als Fachwerk erbaut ist das alte Amtshaus von Neunkirchen, das seit 1974 im WestfĂ€lischen Freilichtmuseum Hagen zu finden ist. Es wurde 1754 unter „Zwangsarbeit“ errichtet, da Graf Heuper von Hachenburg es von der gesamten Bevölkerung Neunkirchens aufgebaut haben wollte. Trotz erbittertem Widerstand verloren die Neunkirchener.

AussichtstĂŒrme & Talsperren

Der Pfannenbergturm auf dem 499 m hohen Pfannenberg bei Salchendorf ist ein 20 Meter hoher Aussichtsturm, der seit 1993 unter Denkmalschutz steht. Er diente ursprĂŒnglich als Förderturm in der Grube Pfannenberger Einigkeit ein paar Kilometer von Turm entfernt und wurde nach dem Schließen eines Schachtes 1932 abgebrochen und zwei Jahre spĂ€ter auf dem Pfannenberg wieder aufgebaut. Der Kindelsbergturm bei Kreuztal wurde von 1905 bis 1907 auf dem Kindelsberg errichtet, ist 22 Meter hoch und steht unter Denkmalschutz. An klaren Tagen kann man von Turm aus bis Bonn sehen. Einen dritten Aussichtsturm gibt es am Gilberg. Dieser wurde bereits 1888 errichtet.

Um die Obernautalsperre bei Netphen befindet sich ein 9,6 km langer Weg zum Wandern und Radfahren. Da die Talsperre der Trinkwasserversorgung dient, sind keine FreizeitaktivitĂ€ten im Wasser möglich. Die Breitenbachtalsperre bei Hilchenbach bietet einen 5,3 km langen Radweg um die Talsperre herum.

Schlösser & Burgen

Das Obere Schloss in Siegen auf dem Siegberg wurde 1259 erstmals urkundlich erwÀhnt und war im Mittelalter die Stammburg des Hauses Nassau. Seit 1905 befindet sich im Oberem Schloss das Siegerlandmuseum.

Das Untere Schloss in Siegen entstand Ende des 17. Jahrhunderts in seiner heutigen Bauform. Die evangelische Linie des Hauses Nassau-Siegen residierte dort. Zu dem Schloss gehört auch der „Dicke Turm“ mit Glockenspiel. 1959 richtete die Stadt Siegen dort eine GedenkstĂ€tte fĂŒr die Opfer des Krieges ein. In dem Schloss befindet sich auch die Gruft des evangelischen Teils des Nassauischen FĂŒrstenhauses. Heute dient das Schloss als Landesbehördenhaus, in dem der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, das Staatliche Umweltamt Siegen, das Amt fĂŒr Arbeitsschutz und die Justizvollzugsanstalt Attendorn – Zweiganstalt Siegen ansĂ€ssig sind.

Bei Kreuztal steht das Schloss Junkernhees, ein ursprĂŒnglich im Jahre 1523 von dem Herr von und zu der Hees, Ritter Adam erbautes Wasserschloss. Das Schloss ist heute denkmalgeschĂŒtzt und dient als Hotel und der Rittersaal des GebĂ€udes als Restaurant. In unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden finden im Schloss auch Kunstausstellungen statt.

Die Ruine der Ginsburg bei Hilchenbach steht auf dem Schlossberg (580 m ĂŒber NN). Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und diente dem Haus Nassau als Grenzfestung. Die Burg verfiel, bis sie 1961 gesichert und teilweise restauriert wurde.

Die erste Höhen-Wasserburg war die Burg Hainchen im Netphener Ortsteil Hainchen von 1290. 1864 wurden die letzten TĂŒrme der verfallenen Burg abgerissen, erst in den 1970er Jahren, seitdem die Burg in der TrĂ€gerschaft des SiegerlĂ€nder Burgenvereins ist, wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Mittlerweile dient die Burg zur Erholung fĂŒr behinderte und pflegebedĂŒrftige Ă€ltere Menschen.

Kirchen & Wallfahrt

Die Nikolaikirche am Marktplatz in der Oberstadt in Siegen ist bekannt durch ihren rot-weißen Turm mit dem goldenen „Krönchen“ auf der Spitze, dem Wahrzeichen der Stadt Siegen. Weitere Kirchen sind Marienkirche, von Jesuiten zwischen 1702 und 1729 erbaut, die Martinikirche, sie stammt aus dem 11. Jahrhundert, und die Sankt Michael Kirche.

Die WallfahrtstĂ€tte Eremitage liegt zwischen Obersdorf (Wilnsdorf) und Siegen. Sie besteht aus der Gnadenkapelle, einem Fachwerkanbau, der „Eremitenklause“ und einem Neubau von 1966. Der Wallfahrtsort besteht seit 1684. 1953 grĂŒndete sich dort ein Kloster, das bis 1966 im Fachwerkhaus unterkam und dann in den Neubau umzog. Nicht weit davon entfernt liegt die historische Pfarrkirche Rödgen von 1328, die als Doppelkirche aus einem evangelischen und einem katholischen Teil besteht.

Museen

Im Technikmuseum Freudenberg kann man technische Errungenschaften „bewundern“. Eine Dampfmaschine, eine mechanische Werkstatt und zahlreiche alte Fahrzeuge, darunter Traktoren und MotorrĂ€der zeigen die Technik von vergangener Zeit. Das MuseumsgebĂ€ude, eine alte Fachwerkhalle wurde im Sommer 1997 abgebaut und in Einzelteile zerlegt. Von 1998 bis 2002 wurde das GebĂ€ude neu aufgebaut und das Museum eingerichtet. Es besteht aus einer aufwendigen Fachwerk-Holzkonstruktion. Im Juni 2002 wurde das Museum im Rahmen eines Oldtimer-Treffens eröffnet.

Im Siegerlandmuseum im Oberen Schloss in Siegen findet man seit 1905 neben Zeugnissen aus der Region, darunter einem (kĂŒnstlich angelegten) Schaubergwerk, auch zahlreiche GemĂ€lde. Den Schwerpunkt bilden dabei Arbeiten von Peter Paul Rubens, der in Siegen geboren wurde. Das Dachgeschoss ist der Wohnkultur des 19. Jahrhunderts gewidmet. Eine KĂŒche aus dem Siegerland, eine Schlafstube und zahlreiche Möbel vermitteln einen Eindruck vom (vergangenen) Leben in der Region.

Das Museum fĂŒr Gegenwartskunst Siegen, das in der NĂ€he des Unteren Schlosses in der Oberstadt liegt, stellt seit der Eröffnung im Jahr 2001 einflussreiche Werke der Gegenwartskunst von der Malerei ĂŒber die Fotografie und Videoarbeiten bis hin zu raum- und zeitbezogenen Installationen aus. Neben den jĂ€hrlichen drei bis vier Wechselausstellungen werden Arbeiten aus eigenem Besitz sowie die Sammlung Lambrecht-Schadeberg gezeigt. Die private Sammlung prĂ€sentiert das ganze Jahr ĂŒber eine konzentrierte Auswahl aller elf RubenspreistrĂ€ger der Stadt Siegen, darunter Francis Bacon, Lucian Freud, Maria Lassnig, Sigmar Polke, Emil Schumacher oder Cy Twombly.

Seit 1996 besteht in den RĂ€umen eines 1941 errichteten Luftschutzbunkers am Obergraben in Siegen das Aktive Museum SĂŒdwestfalen, das sich als Dokumentations- und Lernort fĂŒr regionale Zeitgeschichte versteht. Es beherbergt auf 200 mÂČ eine Dauerausstellung, in deren Mittelpunkt die Geschichte der regionalen jĂŒdischen Minderheit und weiterer Verfolgtengruppen steht, und es veranstaltet regelmĂ€ĂŸig Sonderausstellungen zu unterschiedlichen zeit- und kulturgeschichtlichen Themen. Das Aktive Museum ist zugleich GedenkstĂ€tte an die Opfer des Nationalsozialismus in der Region Siegerland-Wittgenstein.

Das kleinste Beatles-Museum der Welt befindet sich in Geisweid. Es wird von Harold KrĂ€mer betrieben und ist nur 27 mÂČ groß. Die Sammlung umfasst mehr als 17.000 TontrĂ€ger, Souvenirs, Filmplakate, Autogramme und etliches mehr.

KulturdenkmÀler

Der Reinhold Forster Erbstollen in Eiserfeld ist ein Schaubergwerk, das regelmĂ€ĂŸig fĂŒr Besucher öffnet. Auf eine LĂ€nge von 470 m wird dem Besucher die Welt des Bergbaus nĂ€hergebracht. Durch den 1805 angelegten Stollen wurde ein Zugang zu einem großen Stollennetzwerk geöffnet.

Der „Monte Schlacko“ ist ein Schlackeberg mitten im Siegener Stadtgebiet. Er ist durch die AufschĂŒttung der Schlacke aus den Öfen der EisenverhĂŒttung im Tal, dem „HĂŒttental“ entstanden und ist nun zu einer Art Wahrzeichen geworden. Auf der Spitze befindet sich eine alte Stahlkonstruktion. An Silvester ist der Berg ein beliebter Ort, da man von dort aus einen guten Blick ĂŒber weite Teile Siegens hat.

Die Köhlerei zur Herstellung von Holzkohle hat im Siegerland aufgrund der EisenverhĂŒttung eine lange Tradition. In Walpersdorf bei Netphen befinden sich die einzigen noch betriebenen Kohlenmeiler im Siegerland. Aus Eichen, Birken und Buchen wird hier Holzkohle hergestellt. Diese wird im Ort verkauft.

Der historische GrenzĂŒbergang "Holzklauer Schlag" befindet sich am "Kölschen Heck", der ehemaligen Grenze zwischen dem damaligen FĂŒrstentum Nassau-Oranien und dem "WestfĂ€lischen Herzogtum Kur-Köln" (bis kurz nach 1800). Diese Grenze (heute Grenze zwischen den Kreisen Siegen und Olpe)ist Grenze in dreifacher Hinsicht: 1.) Ehemalige Landesgrenze, 2.) Religionsgrenze (Katholisch auf der westfĂ€lischen Seite und Evangelisch-reformiert auf der nassauischen Seite) und 3.) Sprachgrenze (Hier identisch mit der Benrather Linie / Grenze zwischen nieder- und mitteldeutschem Sprachraum). WĂ€hrend in Oberholzklau (Siegerland) "SejerlĂ€nner Platt", eine moselfrĂ€nkische Mundart des mitteldeutschen Sprachraum gesprochen wird, sprechen die Menschen im Nachbardorf HĂŒnsborn, nördlich der Grenze, eine westfĂ€lische Mundart des niederdeutschen Sprachraumes. Durch den Heimat-und Verschönerungsverein Oberholzklau wurde mit Hilfe HĂŒnsborner Heimatfreunde der ehemalige GrenzĂŒbergang wieder sichtbar gemacht. Es steht wieder ein Schlagbaum in den nassau-oranischen Landesfarben (blau/orange)dort, und in unmittelbarer NĂ€he wurde einer von 6 Hohlwegen mit etwa 60 cm tiefen "Gleisen" freigelegt. Am GrenzĂŒbergang befindet sich noch der Grenzstein von 1690, mit der Inschrift "Nassaw" auf der einen, und "Collen" auf der anderen Seite. Auch von der einstigen Grenzbefestigung und den Sicherungsanlagen ist noch einiges zu sehen.

Literatur

  • Dr. Trutzhart Irle: Das alte Siegerland, Gronenberg Verlag Gummersbach, 1978. ISBN 3-88265-021-4
  • Winfried Ranke/Gottfried Korff: Hauberg und Eisen - Landwirtschaft und Industrie im Siegerland um 1900, Verlag Schirmer/Mosel, MĂŒnchen 1980. ISBN 3-921375-26-6
  • Jakob Heinzerling, Hermann Reuter: SiegerlĂ€nder Wörterbuch, Siegen 1932–1938.
  • Dieter Höltge: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland. Band 5: Bergisches und Siegerland, EK-Verlag Freiburg 1996. ISBN 3-88255-333-2
  • Oskar Reichmann: Der Wortschatz der SiegerlĂ€nder Landwirtschaft und Haubergswirtschaft, a. Textteil. b. Karten u. Bildteil. Marburg 1966 (Elwert)
  • Hans Rudi Vitt (Bearbeitung): SiegerlĂ€nder Bibliographie. Stadt Siegen, Forschungsstelle Siegerland (Hrsg.), Siegen 1972.
  • JĂŒrgen H. Schawacht (Bearbeitung): SiegerlĂ€nder Bibliographie (Teil 2), Stadtdirektor der Stadt Siegen, Forschungsstelle Siegerland (Hrsg.), Siegen 1984

Siehe auch

 Portal:Siegerland und Wittgenstein – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Siegerland und Wittgenstein

Einzelnachweise

  1. ↑ Kartendienste des BfN
  2. ↑ "ZurĂŒckgeblĂ€ttert...", Siegener Zeitung vom 4. Dezember 2010
  3. ↑ SiegerlĂ€nder Heimatkalender 1990, S.14, 65. Ausgabe, Hrsg. SiegerlĂ€nder Heimat- und Geschichtsverein e.V., Verlag fĂŒr Heimatliteratur
  4. ↑ SiegerlĂ€nder Heimatkalender 1990, S.24, 65. Ausgabe, Hrsg. SiegerlĂ€nder Heimat- und Geschichtsverein e.V., Verlag fĂŒr Heimatliteratur
  5. ↑ Franz Dango: Wilnsdorf - Geschichte und Landschaft, Verlag VorlĂ€nder, Siegen 1955
  6. ↑ Offizielle InternetprĂ€senz BGH Edelstahl
  7. ↑ "Wasserversorgung in der Stadt Siegen", SiegerlĂ€nder Heimatkalender 1991, S.57ff, 66. Ausgabe, Hrsg. SiegerlĂ€nder Heimat- und Geschichtsverein e.V., Verlag fĂŒr Heimatliteratur
  8. ↑ Informationen auf der InternetprĂ€senz des Wasserverbandes Siegen-Wittgenstein

Weblinks

 Commons: Siegerland â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Siegerland â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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