Simon Petrus

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Simon Petrus
Der Heilige Petrus, Enkaustik-Ikone aus dem 6. Jahrhundert, Katharinenkloster (Sinai)

Simon Petrus (* in GalilĂ€a, Datum unbekannt; † möglicherweise um 67 in Rom) war nach dem Neuen Testament (NT) einer der ersten Juden, die Jesus von Nazaret in seine Nachfolge berief. Er wird dort als Sprecher der JĂŒnger bzw. Apostel, erster Bekenner, aber auch Verleugner Jesu Christi, erster mĂ€nnlicher Augenzeuge des Auferstandenen und als ein Leiter der Jerusalemer Urgemeinde dargestellt.

Hinzu kommen Notizen von KirchenvĂ€tern, wonach er erster Bischof von Antiochia sowie GrĂŒnder und Haupt der Gemeinde von Rom gewesen und dort als MĂ€rtyrer hingerichtet worden sein soll.

Simons HistorizitĂ€t wird aufgrund ĂŒbereinstimmender Angaben in den frĂŒhesten Textbestandteilen der Evangelien und archĂ€ologischer Funde angenommen. Das NT ĂŒberliefert jedoch nur wenige als zuverlĂ€ssig geltende biografische Details zu ihm. SpĂ€tere Notizen werden vielfach als legendarisch angesehen.

In den altorientalischen, orthodoxen, alt- und römisch-katholischen sowie in den anglikanischen Kirchen wird Petrus als Heiliger und erster Bischof von Rom verehrt. Die römisch-katholische Kirche fĂŒhrt den Primatsanspruch des Papsttums ĂŒber die Gesamtkirche auf die Annahme zurĂŒck, Christus habe Petrus und dieser den Bischöfen von Rom einen Vorrang als Leiter, Lehrer und Richter aller Christen gegeben.

Inhaltsverzeichnis

Die Quellenproblematik

Die Frage nach dem historischen Petrus wird durch die Quellenlage erschwert. Die frĂŒhen Quellen bieten erstens nur ĂŒberaus spĂ€rliche Informationen, stehen zweitens im Verdacht, als fiktionale Konstrukte oder "intentionale Geschichte" im Sinne des Althistorikers Hans-Joachim Gehrke angesehen werden zu mĂŒssen. Neutestamentliche Hinweise finden sich in den Evangelien, den Paulusbriefen, den weiteren Apostelbriefen und der Apostelgeschichte. Von den frĂŒhen KirchenvĂ€tern sind vor allem der Erste Clemensbrief, IrenĂ€us von Lyon, Tertullian und Eusebius von Caesarea von Bedeutung. Des Weiteren existieren einige Apostelakten, deren historischer Wert jedoch weitgehend abgelehnt wird. DarĂŒber hinaus existieren archĂ€ologische Zeugnisse fĂŒr die frĂŒhe Petrusverehrung und möglicherweise fĂŒr das Petrusgrab in Rom. Entsprechend umstritten sind in der Forschung sĂ€mtliche Aussagen ĂŒber den historischen Petrus, insbesondere ĂŒber seine mögliche Rolle in Rom und sein angebliches Martyrium ebendort (siehe unten den Abschnitt "Petrus in Rom?"), vor allem aber die Aussagen, auf die sich der pĂ€pstliche Primatanspruch stĂŒtzt (siehe unten den Abschnitt "Entwicklung des Petrusprimats").

Simon Petrus im Neuen Testament

Name

Alle Evangelien nennen als Namen Simon; Jesus redet ihn bis auf eine Ausnahme (Lk 22,34 EU) immer so an. Apg 15,14 EU und 2 Petr 1,1 EU nennen ihn Symeon: Dies war eine GrĂ€zisierung von Simeon, wie im Tanach einer der Söhne Jakobs und StammvĂ€ter der Zwölf StĂ€mme Israels hieß.

Paulus von Tarsus dagegen nannte ihn stets Kephas. Dieses Wort grĂ€zisiert das hebrĂ€ische Ś›Ś™Ś€Ś (kefa), das kein Eigenname war und nur einmal im AramĂ€ischen als Eigenname belegt ist. Gal 2,7f ĂŒbersetzt es einmal ins Griechische (Ï€Î”Ï„ÏÎżÏ‚ - petros). Das Wort bedeutet in beiden Sprachen gewöhnlich „Stein“, griechisch auch „Fels“ im Sinne von Naturstein oder behauener Steinblock.[1]

Diesen Ausdruck soll Jesus Simon als Beinamen verliehen haben; wo und wann, ĂŒberliefern die Evangelien unterschiedlich. Einige Exegeten nehmen an, dass Simon den Beinamen erst als Apostel der Urgemeinde erhielt und dies nachtrĂ€glich als Gabe Jesu autorisiert wurde (vgl. Joh 1,42).[2] Andere gehen von einem historischen Beinamen im ersten JĂŒngerkreis aus, da Kephas in einigen der Ă€ltesten NT-Schriften als ursprĂŒnglicher Name (Gal 2,9 EU) oder Beiname (Mk 3,16 EU; Mt 4,18; 10,2) vorkommt. Vermutet wird, dass Jesus Simon auf AramĂ€isch im Sinn von selten auffindbarem „Edelstein“ so bezeichnete, um seine besondere Rolle als WortfĂŒhrer der Erstberufenen hervorzuheben. Die Sinnverschiebung zu „Fels“ als Fundament der Kirche sei eine nachösterliche Umdeutung.[3]

Ähnlich wie Jesus Christus wurde auch Simon Petrus spĂ€testens mit der lateinischen BibelĂŒbersetzung Vulgata (um 385) zum Eigennamen.

Herkunft und Berufung

Simon stammte wie Jesus aus GalilĂ€a und war an seiner Sprache als GalilĂ€er erkennbar (Mk 14,70 par.). Er gehörte zu den ersten JĂŒngern, die Jesus in seine Nachfolge berief. Fast alle Überlieferungen berichten ĂŒber die Zeit seit dieser Berufung, nur wenige ĂŒber seine Herkunft.

Sein Vater wird namentlich erwĂ€hnt: In Mt 16,17 EU spricht Jesus Simon als barjona, also auf AramĂ€isch als „Sohn des Jona“ an. Nach Joh 1,42 EU hieß sein Vater Johannes. Das könnte die griechische Version des aramĂ€ischen Namens sein oder den „geistlichen Vater“ Johannes den TĂ€ufer meinen. Als Adjektiv bedeutet barjona auch „impulsiv“ oder „unbeherrscht“. Darin sehen einige Exegeten einen Hinweis auf eine mögliche frĂŒhere Zugehörigkeit Simons zu den Zeloten, da im spĂ€teren Talmud jĂŒdische FreiheitskĂ€mpfer als barjonim (Plural) bezeichnet wurden.

Simon hatte einen Bruder namens Andreas, der wohl der JĂŒngere war, da alle Apostellisten ihn nach ihm nennen. Sie waren Fischer am See Genezareth. Nach Mk 1,16 traf Jesus sie am Seeufer beim Auswerfen ihrer Fischernetze und forderte sie auf, ihm nachzufolgen. Daraufhin hĂ€tten sie die Netze verlassen und seien ihm gefolgt. Bei der Berufung der ĂŒbrigen Zehn habe Jesus Simon dann den Beinamen „Petrus“ gegeben (Mk 3,16 EU).

Simon war verheiratet; den Namen seiner Frau erfĂ€hrt man nicht. Er wohnte zusammen mit ihr, ihrer Mutter und seinem Bruder Andreas in einem eigenen Haus in Kafarnaum (Mk 1,21.29f.; Lk 4,38; Mt 8,14). Auf dessen Überresten könnten Urchristen eine ihrer ersten PilgerstĂ€tten errichtet haben. Dies vermuten einige ArchĂ€ologen, da unter einer byzantinischen achteckigen Kirche aus dem 5. Jahrhundert Mauerreste aus dem 1. Jahrhundert ausgegraben wurden. Der einzige klare Hinweis auf ein Petrushaus, das frĂŒh als Hauskirche genutzt worden sein könnte, sind allerdings Kalkinschriften, die Jesus mit Hoheitstiteln sowie Petrus nennen und Spuren kultischer ZusammenkĂŒnfte zeigen.[4] Sie stammen frĂŒhestens aus dem 3. Jahrhundert.[5]

Nach Mk 1,31 heilte Jesus Simons Schwiegermutter, worauf diese den JĂŒngern diente. Obwohl Jesus Simon wie die ĂŒbrigen JĂŒnger aufforderte, alles zu verlassen (Mk 10,28f), traf Paulus ihn und andere Apostel um das Jahr 39 in Jerusalem mit ihren Ehefrauen an (1 Kor 9,5). Da Jesus nichts gegen Ehe bzw. Ehestand Ă€ußerte und außerdem die Ehescheidung verbot (Mt 5,32), kann Simons Frau wie andere Frauen aus GalilĂ€a (Mk 15,41; Lk 8,2) mit ihm umhergezogen sein.

Nach Lk 5,1–11 wurde Simon zum „Menschenfischer“ berufen, nachdem Jesus seine Antrittspredigt in der Synagoge von Kafarnaum gehalten und seine Schwiegermutter geheilt hatte. Die Berufung folgt einem unerwartet großen Fischfang, nach dem Simon bekennt: „Herr, gehe von mir fort! Ich bin ein sĂŒndiger Mensch.“ Hier nennt Lukas ihn erstmals Petrus, dann auch bei der Auswahl der Zwölf (Lk 6,14). Er erklĂ€rt den Beinamen ebenso wenig wie Markus. Nach Apg 10,14.28 beachtete Simon jĂŒdische Speisevorschriften und verkehrte nicht mit Nichtjuden.

Auch nach Mt 4,18 wird Simon ab seiner Berufung beilĂ€ufig „Petrus“ genannt. MatthĂ€us stellt den Beinamen erst heraus, nachdem Simon Jesus als den Messias bekannt hatte und dieser ihm daraufhin zusagte, er werde seine ecclesia auf „diesen Felsen“ bauen (Mt 16,16ff).

Nach Joh 1,44 kamen Petrus und sein Bruder aus Bethsaida. Ob hier der Geburts- oder nur ein frĂŒherer Wohnort gemeint ist, bleibt offen. Andreas soll als JĂŒnger Johannes des TĂ€ufers Jesus zuerst getroffen, ihn als Messias erkannt und dann seinen Bruder Simon zu ihm gefĂŒhrt haben. Jesus habe diesem sofort, als er ihn sah, den Beinamen „Kephas“ verliehen (Joh 1,35-42).

Nach allen Evangelien war Simon Petrus im JĂŒngerkreis eine FĂŒhrungsfigur. Er steht in allen Apostellisten im NT an erster Stelle; auch dort, wo er mit Jakobus dem Älteren und Johannes zusammen genannt wird. Er gehörte demnach zu den drei Aposteln, die Jesus besonders nahestanden. Sie galten nach Mk 9,2–13 (VerklĂ€rung Christi) als die einzigen der Zwölf, denen Gott die Göttlichkeit und kĂŒnftige Auferstehung seines Sohnes bereits vor dessen Tod offenbarte. Sie begleiteten Jesus zudem in seinen letzten Stunden im Garten Getsemani (Mk 14,33).

Christusbekenner

Nach Mk 8,29ff EU beantwortet Petrus Jesu Frage an seine JĂŒnger, fĂŒr wen sie ihn halten, mit dem Glaubensbekenntnis: Du bist der Messias! Dieser Titel erscheint hier das erste und einzige Mal im Munde eines der JĂŒnger, gefolgt vom Schweigegebot Jesu an sie alle, diesen Glauben an ihn nicht öffentlich zu verbreiten (v. 30). Petrus spricht hier also stellvertretend fĂŒr alle Erstberufenen.

Doch gleich darauf, nachdem Jesus den JĂŒngern erstmals seinen vorherbestimmten Leidensweg ankĂŒndigte, „nahm Petrus ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren“ (V. 32). Er habe also versucht, Jesus von diesem Weg ans Kreuz abzubringen. Daraufhin habe Jesus ihn schroff zurechtgewiesen (V. 33):

„Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“

„Satan“ bedeutet im HebrĂ€ischen „Gegner“ oder „Widersacher“. Petrus wird hier mit dem Versucher Jesu in der WĂŒste verglichen, der den Sohn Gottes ebenfalls von seinem Leidensweg abhalten wollte (Mt 4,1–11); er wird auch an anderen Stellen des NT in die NĂ€he des Satans gerĂŒckt (Lk 22,31).

In der matthÀischen Variante (Mt 16,16) antwortet Simon:

„Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Damit wiederholt er hier das Bekenntnis aller JĂŒnger zur Gottessohnschaft Jesu, das diese nach Jesu Stillung des Sturms ablegen (Mt 14,33). Wie bei Markus folgt auch hier kein weiteres Christusbekenntnis der JĂŒnger, sondern spĂ€ter Jesu eigene Bejahung der Messiasfrage im Verhör durch den Sanhedrin (Mk 14,62; Mt 26,63).

EmpfÀnger der Felsenzusage

Nach Mt 16,18 EU beantwortete Jesus Simons Christusbekenntnis mit einer besonderen Zusage:

„Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen [griech. petra] werde ich meine Kirche [ecclesia] bauen und die MĂ€chte [pulae, wörtlich Tore] der Unterwelt [hades] werden sie nicht ĂŒberwĂ€ltigen.“

Dieser Vers ist im NT einmalig. Umstritten ist bis heute u.a., ob es sich um ein echtes Jesuswort handelt, wann und warum es entstanden ist, woher die einzelnen AusdrĂŒcke stammen, und was sie hier bedeuten.

Petros bezeichnete wie das hebrĂ€isch-aramĂ€ische kefa in der Regel einen einzelnen Naturstein, runden Kiesel oder Klumpen, der nicht als Baugrund geeignet ist, petra hingegen einen einzelnen Felsen. Der Ausdruck ließ jĂŒdische Metaphern anklingen: So war der „heilige Stein“ im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels in der biblischen Zionstradition zugleich Eingang zur Himmelswelt, Verschlusstein gegen die Sintflut und die Totenwelt (z.B. Jes 28,14-22). Jedoch wurde dieser Stein nie Felsen genannt und nie als Baufundament dargestellt.

Ecclesia (wörtlich „die Herausgerufene“) meinte im klassischen Griechisch eine BĂŒrgerversammlung. In der Septuaginta ĂŒbersetzt es das hebrĂ€ische kahal, das in Verbindung mit Kyrios das erwĂ€hlte Gottesvolk Israel bezeichnet. Im Kontext von Mt 16,14f ist der Ausdruck auf die erstberufenen zwölf JĂŒnger bezogen, die in den Evangelien alle Nachkommen der Zwölf StĂ€mme Israels vertreten. Da Jesus sie aussandte, um ganz Israel angesichts des nahen Reiches Gottes zur Umkehr zu rufen (Mk 10,6ff), reprĂ€sentierte der Zwölferkreis zunĂ€chst das palĂ€stinische Judentum. Erst in den Briefen des NT wird das Wort auf alle getauften Christen bezogen.

„Meine ecclesia“ kommt in Jesu Worten nur hier vor. Dies ist ein Hauptargument gegen die Echtheit; zudem erscheint der Vers als Einschub in die Vorlage Mk 8,27-30. Er verweise, so Karl Ludwig Schmidt, auf eine Sondergemeinschaft innerhalb des Gottesvolks, die sich Ă€hnlich wie die vermutete Qumran-Gemeinschaft als zur Rettung aus dem erwarteten Endgericht „AuserwĂ€hlten“ (Mk 13,20ff) bzw. „Heiligen“ (Apg 9,13.32.41 u.a.) verstanden hĂ€tte.[6] Sozial blieben sie jedoch Teil des gesamten Judentums, das die wesentlichen Toragebote und den Tempelkult befolgte.

„Tore des Hades“ war im Hellenismus eine feste Redewendung fĂŒr den Ort, an den Gestorbene gelangten und die sich unwiderruflich hinter jedem Sterblichen („Fleisch und Blut“) schlossen (Jes 38,10).

FĂŒr Hans Conzelmann stammt der Vers aus einer von Petrus gegrĂŒndeten Gemeinde in Syrien oder Kleinasien, die Jesus das Wort nach Petri Tod in den Mund gelegt habe. Denn hier wĂŒrden die „Pforten der Unterwelt“ der Auferstehung der Christusbekenner und Fortdauer ihrer Gemeinschaft ĂŒber den Tod des Einzelnen hinaus gegenĂŒber gestellt.[7]

Ulrich Luz deutet „meine ecclesia“ auf das gesamte Christentum, da Jesus nur eine Gemeinde bauen könne und die Zusage an das verbreitete biblische Bild vom Hausbau des Gottesvolks anschließe (Mt 7,21). Der Vers sei ein griechisches Wortspiel, kein ins Griechische ĂŒbersetzter aramĂ€ischer Satz. Der frĂŒhe Beiname Simons, Kefa, den Jesus ihm gegeben haben könnte, werde hier im RĂŒckblick auf sein schon abgeschlossenes Wirken als Apostel gedeutet. Da auch andere NT-Stellen (Eph 2,20; Offb 21,14) von Aposteln als Baufundament der Kirche sprechen, sei der Vers wahrscheinlich nachösterlich in einer griechischsprechenden Gemeinde entstanden.[8] Luz verstand â€žĂŒberwĂ€ltigen“ im Anschluss an Karl Barth als Vergleich: Die Tore der Unterwelt, Inbegriff des Totenreichs, das kein Sterblicher von sich aus wieder verlassen könne, seien nicht stĂ€rker als die auf den Felsen gebaute Kirche. Dieser werde Bestand bis zum Weltende verheißen, da Jesus ihr seine Gegenwart zugesagt habe (Mt 28,20).

Christusverleugner

Chludov Miniatur 9. Jhdt.: Petrus und der Hahn

Dem Christusbekenntnis des Petrus und seiner Zurechtweisung folgt Jesu JĂŒngerbelehrung (Mk 8,34 EU):

„Wer mein JĂŒnger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“

Diese Einladung zur Kreuzesnachfolge ist Hintergrund fĂŒr das spĂ€tere Versagen des Petrus im Verlauf der Passion Jesu, als er, um sein Leben zu retten, nicht sich, sondern Jesus verleugnete (Mk 14,66–72).

Der Widerspruch zwischen Reden und Handeln zeigte sich bei Petrus schon in GalilĂ€a: Einerseits vertraute er dem Ruf Jesu in die Nachfolge („Komm her!“), andererseits schwand sein Glaube beim ersten Gegenwind, so dass nur Jesus ihn vor dem Versinken im Meer retten konnte (Mt 14,29ff). Laut Joh 13,6–9 wollte er sich nicht die FĂŒĂŸe von Jesus waschen lassen. Diese Handlung war damals ein typischer Sklavendienst: Petrus wehrte sich also dagegen, sich von Jesus als seinem Herrn wie von einem Sklaven bedienen zu lassen. Die Fußwaschung war jedoch symbolische Anteilgabe am Heil und mit dem Auftrag Jesu an alle JĂŒnger verbunden, einander ebenso zu dienen.

Jesus kĂŒndigte Petrus auf dem Weg zum Ölberg (nach Lk beim letzten Mahl Jesu) an, er werde ihn noch in derselben Nacht dreimal verleugnen. Dies wies er wie alle ĂŒbrigen JĂŒnger weit von sich (Mk 14,27–31 EU par.):

„Und wenn ich mit dir sterben mĂŒsste - ich werde dich nie verleugnen. Das gleiche sagten auch alle anderen.“

Doch kurz darauf schlief er ein, als Jesus in Getsemani den Beistand der JĂŒnger besonders nötig brauchte und erbat (Mt 26,40.43f). Dann soll er nach Joh 18,10 mit Waffengewalt Jesu Verhaftung zu verhindern versucht haben: Er wird hier mit jenem namenlosen JĂŒnger identifiziert, der einem Soldaten der Tempelwache laut Mk 14,47 ein Ohr abhieb. Sein Versagen gipfelt in der Verleugnung Jesu, wĂ€hrend dieser sich vor dem Hohen Rat als Messias und kommender Menschensohn bekannte und sein Todesurteil empfing (Mk 14,62). Als das KrĂ€hen eines Hahnes im Morgengrauen Petrus an Jesu Vorhersage erinnerte, habe er zu weinen begonnen (Mk 14,66–72).

Petrus fehlte demnach die Kraft, seinem Glauben gemĂ€ĂŸ zu handeln, als es darauf angekommen wĂ€re. Erst nach Pfingsten trat er laut Apg 5,29 als todesmutiger Bekenner vor dem Hohen Rat auf, der die Sendung des Heiligen Geistes als Missionar und Leiter der Urgemeinde vorbildlich erfĂŒllte. Paulus dagegen berichtet, dass Petrus aus Furcht vor den Judenchristen um Jakobus die Tischgemeinschaft mit Heiden aufgab und vor einigen Juden Gesetzestreue „heuchelte“, statt nach der „Wahrheit des Evangeliums“ zu wandeln (Gal 2,11–14).

Einige Exegeten schließen daraus auf seinen ambivalenten Charakter. Andere sehen Petrus als Beispiel fĂŒr das Verhalten aller JĂŒnger, die Jesus angesichts seines bevorstehenden Todes verließen (Mk 14,50). Er steht im NT fĂŒr das dichte Beieinander von Glauben und Unglauben, Zeugendienst und schuldhaft verweigerter Kreuzesnachfolge in der ganzen Kirche.

Zeuge des Auferstandenen

Codex Egberti, fol. 90r. stellt Joh 21,1-19 dar. Jesus offenbart sich den vom wundersamen Fischzug zurĂŒckkehrenden JĂŒngern

Petrus ist im NT einer der Ersten, dem der auferstandene Jesus begegnete. Als Ausgangspunkt der OsterĂŒberlieferung des NT gelten frĂŒhe BekenntnissĂ€tze der Urchristen wie Lk 24,34 EU:

„Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.“

Den Satz sprechen im ErzĂ€hlkontext die in Jerusalem versammelten JĂŒnger, bevor der auferstandene Jesus auch ihnen erscheint. Die Liste der ersten Osterzeugen, die Paulus aus der Jerusalemer Urgemeinde ĂŒbernahm, bestĂ€tigt dies (1 Kor 15,5 EU):

„...und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“

Auch Mk 16,7 nennt Petrus neben den anderen JĂŒngern als Adressaten einer Jesuserscheinung in Galilea. Doch davon berichten die Evangelien sonst nichts.

Nach Joh 20,11-18 sah, erkannte und verkĂŒndete Maria Magdalena, nicht Petrus, den Auferstandenen zuerst. Nach Joh 20,1–10 entdeckte sie allein zuvor das leere Grab Jesu und berichtete Petrus und dem LieblingsjĂŒnger Jesu davon. Darauf liefen diese um die Wette zum Grab, betraten es und entdeckten darin die Leinenbinden und das aufgewickelte Schweißtuch des Gekreuzigten. Danach seien sie wieder „nach Hause“ gegangen. Laut Joh 20,19-23 erschien der Auferstandene erst am Abend desselben Tages allen versammelten JĂŒngern.

Das spĂ€ter ergĂ€nzte Schlusskapitel Joh 21,1–19 berichtet, Jesus sei Petrus und sechs weiteren JĂŒngern aus dem Zwölferkreis nochmals erschienen. Wie er anfangs in GalilĂ€a nach einem wunderbaren Fischzug berufen wurde (Lk 5,1–11), so erkennt er auch diesmal durch den ĂŒbergroßen Fischfang, dass Jesus der auferstandene Kyrios ist. So wie er Jesus dreimal verleugnet hatte, so fragt dieser ihn nun dreimal: „Liebst du mich?“, was er jedes Mal bejaht. Daraufhin erhĂ€lt Petrus dreimal den Befehl: „Weide meine Schafe!“ und den erneuten Ruf „Folge mir nach“. Dies deuten Exegeten als Hinweis darauf, dass die Verleugnung Jesu durch Petrus noch 100 Jahre spĂ€ter Anstoß erregte und theologisch verarbeitet werden musste.[9]

Der spĂ€ter angehĂ€ngte Schluss des Markusevangeliums (Mk 16,9–20) versucht, die verschiedenen Erscheinungsberichte in eine harmonische Abfolge zu bringen. Er folgt Joh 20 und nennt Maria Magdala als erste Augenzeugin des Auferstandenen. Aus solchen Unterschieden in den Ostertexten der Evangelien schließen NT-Historiker meist, dass Erscheinungen Jesu und Entdeckung seines leeren Grabes ursprĂŒnglich unabhĂ€ngig voneinander ĂŒberliefert und dann auf verschiedene Weise kombiniert wurden, um das JĂŒngertreffen zu erklĂ€ren.

Missionar der Urgemeinde

Fast alle Nachrichten vom nachösterlichen Wirken des Petrus stammen aus der Apostelgeschichte. Nach Apg 1,4.13 hielt er sich zusammen mit den ĂŒbrigen elf JĂŒngern in Jerusalem versteckt, bis sie nach Apg 2,1ff der Heilige Geist ĂŒberkam. Darauf folgt Petri erste öffentliche Predigt in Jerusalem. Sie legt Jesu Erscheinen als Gottes vorherbestimmte ErfĂŒllung der Geistverheißung in Israels Heilsgeschichte aus und gipfelt in der Aussage (Apg 2,36 EU):

„Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“

Daraufhin sollen sich am selben Tag 3.000 Menschen zum neuen Glauben bekannt haben. So sei dort die Urgemeinde der Christen entstanden, die nach Apg 2,5 Angehörige verschiedener Völker und Sprachen umfasste.

Petrus geriet jedoch bald in Konflikt mit den Jerusalemer Behörden und musste sich vor dem Hohen Rat verantworten (Apg 4,8ff; 5,29). Dabei soll er seinen Glauben diesmal nicht verleugnet, sondern freimĂŒtig bekannt haben. Er war wohl anfangs ein Vertreter der Israelmission, die der universalen Völkermission vorausgehen sollte (Gal 2,8; Mt 10,5; vgl. Lk 24,47). Nach der Hinrichtung des Stephanus und Verfolgung seiner AnhĂ€nger in der Urgemeinde missionierten Petrus und andere Apostel auch außerhalb Jerusalems. Laut Apg 8,14–25 kam er dabei auch nach Samaria, um bereits Neugetauften den Heiligen Geist zu spenden. Dies unterstreicht seine AutoritĂ€t ĂŒber die Urgemeinde hinaus.

Von Petrus werden auch Spontanheilungen und Totenerweckungen analog zu den Heilungswundern Jesu berichtet, etwa in Lydda und Joppe (Apg 9,32–43). Dies betont die KontinuitĂ€t zwischen dem Heilwirken Jesu und dem der Urchristen, das zu ihrem Auftrag gehörte (Mk 16,15–20; Mt 10,8).

Rembrandt van Rijn: St. Peter im GefÀngnis (1631)

Als Jude, der Christus als ErfĂŒllung jĂŒdischer Verheißungen verkĂŒndete, hielt Petrus nach Apg 10,13f an den Speise- und Reinheitsgeboten der Tora fest. Doch in einem Traum soll er Gottes Auftrag zur Tischgemeinschaft mit dem Hauptmann Kornelius, einem der „gottesfĂŒrchtigen“ Römer, erhalten haben. Somit begann Petrus nach lukanischer Darstellung die urchristliche Heidenmission. Sie löste Konflikte mit anderen Judenchristen aus, die von Nichtjuden das Einhalten jĂŒdischer Gebote verlangten. Nach Apg 10,47 und 11,17f verteidigte Petrus die Taufe der Nichtjuden und seine Tischgemeinschaft mit ihnen damit, dass auch sie zuvor den Heiligen Geist empfangen hĂ€tten. Dies hĂ€tten seine Jerusalemer Kritiker dann anerkannt.

Sebastiano Ricci: Befreiung des Hl. Petrus durch einen Engel (San Pietro, 1710)

Nachdem Pontius Pilatus als Statthalter JudĂ€as abgesetzt worden war (36), verfolgte der jĂŒdische König Herodes Agrippa I. (41–44) die Jerusalemer Urgemeinde und ließ einen ihrer Apostel, Jakobus den Älteren, enthaupten. Dabei verhaftete man auch Petrus und kettete ihn zwischen zwei Bewachern in einer GefĂ€ngniszelle an. Doch ein Engel habe ihn auf wunderbare Weise befreit, so dass er seine Mission außerhalb Jerusalems fortsetzen konnte (Apg 12,1–19). → St. Peter ad Vincula

Paulus besuchte die Urgemeinde nach Gal 2 erstmals um 36 und traf dort zunĂ€chst nur mit Petrus zusammen. Beim zweiten Besuch (um 48) habe er Petrus, Jakobus den Gerechten und Johannes gemeinsam als „SĂ€ulen“ der Urgemeinde angetroffen (Gal 2,9). Bei diesem Apostelkonzil wurde seine gesetzesfreie Heidenmission anerkannt. Petrus trat dabei nach Apg 15,7–11 als deren FĂŒrsprecher auf: So betont Lukas den Einklang zwischen beiden in dieser Frage.

Paulus berichtet jedoch von einem Konflikt mit Petrus nach diesem Treffen in Antiochia (Gal 2,11–14): Petrus habe dort als Vertreter der Urgemeinde zunĂ€chst die Tischgemeinschaft mit den neugetauften Nichtjuden geĂŒbt, also ihre Taufe anerkannt (vgl. Apg 9,32). Dann aber hĂ€tten AnhĂ€nger des Jakobus aus Jerusalem dies kritisiert (vgl. Apg 11,3). Daraufhin sei Petrus vor ihnen zurĂŒckgewichen und habe die Tischgemeinschaft mit den Nichtjuden beendet. DafĂŒr habe er, Paulus, ihn öffentlich gerĂŒgt und an den beim Apostelkonzil erreichten Konsens erinnert, getauften Heidenchristen die Einhaltung der Tora ganz zu erlassen.

→ Hauptartikel: Antiochenischer Zwischenfall

Paulus zeichnete damit ein anderes Bild von Petrus als Lukas. FĂŒr ihn war er der Vertreter des „Evangeliums an die Juden“, der den Nichtjuden nach der Taufe weiterhin Toragebote auferlegte. Dies sehen einige Exegeten als Hinweis auf nach dem Apostelkonzil fortbestehende Spannungen, die Lukas spĂ€ter zu beschönigen versucht habe.

Notizen zum Ende

Das NT beschreibt weder eine Romreise des Petrus noch seinen Tod. Zwar sagt Jesus in der synoptischen Tradition (u.a. Mk 10,39; 13,9–13) allen JĂŒngern Verfolgung und Tod voraus; Petrus erklĂ€rt öfter seine Bereitschaft dazu (Lk 12,33; Joh 13,37). Aber nur Joh 21,18f EU deutet sein besonderes Ende an und setzt ein Wissen davon voraus:

„Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegĂŒrtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine HĂ€nde ausstrecken und ein anderer wird dich gĂŒrten und dich fĂŒhren, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen wĂŒrde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!“

Joachim Gnilka deutet das GĂŒrten als Fesseln der ausgestreckten HĂ€nde und das FĂŒhren - wörtlich „schleppen“ - an den unerwĂŒnschten Ort als Gang eines an ein Querholz Gefesselten zur Kreuzigung. Denn auch Jesu Kreuzestod werde im Johannesevangelium als Verherrlichung gedeutet, so dass die AnkĂŒndigung (Joh 13,36) und mehrfache Aufforderung zur Nachfolge (Joh 21,19.22) sich auf ein gleichartiges Martyrium beziehe.[10]

Wo dieses stattfand, sagt das NT nicht. Eine Romreise des Petrus nach dem Apostelkonzil wird bezweifelt, da keine Spuren davon im NT zu finden sind. So weist Paulus im Römerbrief (um 56–60) schon auf römische Verfolgung der dortigen Christen hin (Röm 12) und grĂŒĂŸt einige von ihnen namentlich; der Name Petrus fehlt. Die Apostelgeschichte war als periodisierende Missionsgeschichte nicht an lĂŒckenloser Chronologie interessiert, stellt aber den Übergang von der Judenmission der Jerusalemer Apostel zur Heidenmission des Paulus dar und berichtet zuletzt ĂŒber dessen ungehinderte MissionstĂ€tigkeit in Rom (Apg 28,17–31). Der Autor, so die Skeptiker, hĂ€tte eine Anwesenheit des Petrus dort sicher vermerkt.

Petrus zugeschriebene Schriften

Petrusbriefe

Das Neue Testament enthĂ€lt zwei Gemeindebriefe, die Petrus verfasst haben soll. Der 1. Petrusbrief mit seinem „Gruß aus Babylon“ (1 Petr 5,13) galt schon seit 200 als in Rom geschrieben, da „Babylon“ fĂŒr damals verfolgte Christen wie auch fĂŒr Juden ein Tarnname fĂŒr „Rom“ als besonders verdorbene, sĂŒndige Weltstadt war (etwa in Offb 14,8; 16,19; 17,5.9 u.a.). Die Gleichung kam jedoch erst nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels 70 n. Chr. auf, die so mit der ersten Tempelzerstörung durch die Babylonier 586 v. Chr. verglichen wurde. Demnach kann der Brief nicht vorher und somit nicht von Petrus verfasst worden sein.[11] Er wird wegen seiner MĂ€rtyrertheologie (1 Petr 4,12–16) meist auf um 100 datiert, als es erste gesamtstaatliche Christenverfolgungen im Römischen Reich gab. Nur christliche Minderheiten wie die Zeugen Jehovas verstehen den Gruß aus Babylon wörtlich und nehmen an, dass Petrus tatsĂ€chlich dort missionierte, da er auch sonst jĂŒdische Diasporagemeinden wie Antiochia bereiste. Ob Babylon damals ĂŒberhaupt noch existierte, ist unbekannt.

Der 2. Petrusbrief autorisiert die Lehren des Paulus als „Testament“ des Autors kurz vor dessen Tod (2 Petr 1,14; 3,15). Er wird heute meist auf 100–130 datiert. Die Aufnahme in den Kanon des NT war wegen ungewisser Autorschaft des Petrus umstritten.

Markusevangelium

Papias von Hierapolis fĂŒhrte das Markusevangelium um 110 auf Johannes Markus zurĂŒck, der im NT zuerst in Jerusalem (Apg 12), dann im Umkreis von Barnabas und Paulus (Apg 15; Kol 4,10; 2 Tim 4,11; Phlm 1,24) genannt wird. Nur in 1 Petr 5,13 erscheint er als Begleiter des Petrus. Papias zufolge diente er diesem als Dolmetscher in Rom und schrieb nach dessen Lehrreden dort sein Evangelium auf, so dass Petrus dessen eigentlicher Autor sei.

Diese Thesen wurden von anderen frĂŒhchristlichen Autoren aufgegriffen, sind sonst aber nirgends belegt. Sie gelten Christentumshistorikern heute meist als patristische Konstruktion, da Petrus nach Gal 1,12–14 eher eine „judaistische“ Theologie vertreten habe, die nicht zur durchgehenden Distanz des Markusevangeliums zum PharisĂ€ismus passe. Sie stimme eher mit der Didache ĂŒberein, einem um 100 entstandenen frĂŒhchristlichen Katechismus. Eine Handschrift bezeichnet sie als „Zeugnis des Petrus“; sie gilt als von Christen umgeformte jĂŒdische Morallehre, die von der von Petrus dominierten Theologie der Urgemeinde beeinflusst sein kann.

Apokryphen

Hinzu kommen einige Petrus zugeschriebene oder ĂŒber ihn erzĂ€hlende Apokryphen, die die Alte Kirche nicht in das NT aufnahm:

Die ersten vier dieser Schriften lehnten Eusebius von CÀsarea und das Decretum Gelasianum als hÀretisch und nichtkanonisch ab. Dennoch waren sie vor allem im östlichen Mittelmeerraum beliebt und regten dort weitere legendarische und apokryphe Petrusschriften an. Dazu gehörten:

  • die Taten des Paulus und Petrus (auch: Pseudo-Marcellus-Akten)
  • die Taten des Petrus und Andreas
  • eine syrische Lehre des Simon Kepha in Rom
  • eine syrische Geschichte des Heiligen Petrus und Paulus
  • eine altslawische Vita Petri
  • ein lateinisches Martyrium beati Petri apostoli a Lino conscriptum
  • ein Auszug aus dem lateinischen Josephus (De excidio urbis Hierosolymitanae)

und weitere Martyrienlegenden ĂŒber Petrus, die meist auf den Petrusakten aufbauten und bis ins Mittelalter hinein ergĂ€nzt wurden.

Unter den koptischen Handschriften aus Nag Hammadi wurden zudem aufgefunden:

  • die Taten des Petrus und der zwölf Apostel
  • ein Brief des Petrus an Philippus
  • eine weitere Apokalypse des Petrus.[12]

Die in diesen Schriften enthaltenen Angaben zu Petrus gelten meist als ahistorische, legendarische Motive, die sich weithin auf schon vorliegende Petrustexte des NT stĂŒtzten und diese fiktiv ausmalten oder ihnen bewusst widersprachen.[13]

Simon Petrus bei den KirchenvÀtern und den christlichen Autoren des Mittelalters

Petrus und Paulus als Gravur in einer römischen Katakombe, 4. Jahrhundert

Die wenigen antiken Notizen, die als Quellen zum spĂ€teren Schicksal des Petrus in Betracht kommen, stammen alle erst aus dem 2. bis 4. Jahrhundert, als in der Auseinandersetzung mit HĂ€resien der Bibelkanon, das monarchische Bischofsamt und die Idee der Apostolischen Sukzession geschaffen wurden. Die weitere Deutung des Petrus arbeitet zum einen seine Bedeutung fĂŒr die Vorrangstellung Roms vor den ĂŒbrigen Patriarchaten und fĂŒr den pĂ€pstlichen Primat immer weiter aus (siehe unten den Abschnitt "Entwicklung des Petrusprimats"), zum anderen ist er aber wegen der dreifachen Leugnung des Herrn auch ein Exempel fĂŒr den "sĂŒndigen Heiligen", dessen VersĂŒndigung, Reue und Buße belegen sollen, dass allen Menschen, die diesen Weg beschreiten, das Heil offenstehe.[14]

Petrus in Rom?

Filippino Lippi: Darstellung der Kreuzigungslegende Petri (15. Jahrhundert, Ausschnitt)

Bischof von Rom und Martyrium in Rom?

Die frĂŒheste Andeutung eines gewaltsamen Todes des Petrus bietet der Erste Clemensbrief, der nach vorherrschender Ansicht zwischen 90 und 100 in Rom entstand, dessen Echtheit und Datierung allerdings nicht unumstritten sind. Die Kapitel 5 und 6 stellen das vorbildliche Leiden des Petrus und Paulus heraus, dem viele Christen - wohl zur Abfassungszeit unter Kaiser Domitian - gefolgt seien:

„Wegen Eifersucht und Neid sind die grĂ¶ĂŸten und gerechtesten SĂ€ulen verfolgt worden und haben bis zum Tode gekĂ€mpft. [
] Petrus, der wegen ungerechtfertigter Eifersucht nicht eine und nicht zwei, sondern viele MĂŒhen erduldet hat und der so – nachdem er Zeugnis abgelegt hatte – ist gelangt an den (ihm) gebĂŒhrenden Ort der Herrlichkeit.“

Ort und UmstĂ€nde des Todes der beiden Apostel bleiben ungenannt. „Zeugnis ablegen“ und dann „zur Herrlichkeit gelangen“ waren typische Motive judenchristlicher MĂ€rtyrertheologie. Die Notiz erscheint als RĂŒckblick des Bischofs Clemens von Rom. Da es vor Domitian keine gesamtstaatlichen Christenverfolgungen gab, wird sie meist auf die auf Rom begrenzte Verfolgung unter Nero im Jahr 64 bezogen. Der katholische Neutestamentler Joachim Gnilka sieht im Briefkontext folgende Angaben von einer „großen Menge AuserwĂ€hlter“, darunter Frauen, und deren „grausamen und abscheulichen Misshandlungen“ als Detailkenntnisse von Augenzeugen, und schließt daraus auf eine lokale Überlieferung von der neronischen Verfolgung.[15]

Diese geschah nach Tacitus (Annales 15, 38-44) als plötzliche Reaktion auf Bevölkerungszorn wegen des damaligen Großbrands in Rom, ohne Gerichtsverfahren und meist nicht als langwieriges Kreuzigen, sondern Ausliefern der Christen an Raubtiere, Verbrennen bei lebendigem Leib oder ErtrĂ€nken. Erst danach soll Nero nach Sulpicius Severus Gesetze gegen die Christen in Rom erlassen und ihren Glauben verboten haben. Da Clemens als Motiv „Eifersucht und Neid“ und „viele MĂŒhen“ nennt und Petrus Paulus zur Seite stellt, der als römischer BĂŒrger rechtmĂ€ĂŸig an den Kaiser appelliert hatte und ein Einzelverfahren erhielt, nehmen manche Forscher eher eine spĂ€tere Hinrichtung des Petrus um 67 an.[16]

Eusebius von Caesarea verwies um 300 auf eine seit etwa 150 bekannte Überlieferung eines MĂ€rtyrertods von Petrus und Paulus in Rom zur Zeit Neros. Bischof Dionysius von Korinth (um 165–175) habe ĂŒber die beiden Apostel gesagt:

„Und sie lehrten gemeinsam auf gleiche Weise in Italien und erlitten zur gleichen Zeit den MĂ€rtyrertod.“

Caravaggio: Kreuzigung des Petrus (Cerasi Kapelle, Rom, um 1600)

Er ĂŒberliefert auch die erstmals in den apokryphen Petrusakten im 2. Jahrhundert ĂŒberlieferte Legende, dass Petrus auf eigenen Wunsch mit dem Kopf nach unten gekreuzigt worden sei.[17]

Um 405 fasste Hieronymus (348–420) alle damals umlaufenden Apostellegenden in seiner Schrift Über berĂŒhmte MĂ€nner zusammen: darunter Romaufenthalt, Bischofsamt und gleichzeitigen MĂ€rtyrertod von Petrus und Paulus unter Nero, bei Petrus als Kreuzigung mit dem Kopf zur Erde. Er behauptete eine 25-jĂ€hrige römische Amtszeit des Petrus vom Amtsantritt des Kaisers Claudius (40) bis zum Ende der Kaiserzeit Neros (68) und widersprach damit den Angaben des NT, wonach Petrus mindestens bis zum Apostelkonzil (um 48) ein Leiter der Jerusalemer Urgemeinde war (Apg 15,7) und danach in Antiochien wirkte (Gal 2,11-14). Seine Konstruktion sollte bereits FĂŒhrungsansprĂŒche des römischen Bischofs stĂŒtzen.

Seit etwa 1850 zweifelten Kirchenhistoriker altkirchliche Petrusnotizen zunehmend als ahistorisch an. Karl Heussi bestritt 1955 sĂ€mtliche Notizen, die einen Romaufenthalt und ein Bischofsamt des Petrus nahelegen[18], stieß aber bei dem ebenfalls protestantischen Kollegen Kurt Aland auf Widerspruch.[19] Die Katholikin Uta Ranke-Heinemann griff Heussis Kritik auf.[20] Dagegen hĂ€lt Joachim Gnilka eine Leitungsfunktion des Petrus in der Christengemeinde in Rom und seinen Tod unter Nero fĂŒr möglich, ohne zugleich sein Bischofsamt und eine Bischofsnachfolge anzuerkennen.[21] Otto Zwierlein bestreitet sĂ€mtliche literarischen Anhaltspunkte fĂŒr diese These und betrachtet die gesamte Überlieferung als fiktional.[22][23]

Petrus Bischof anderer Gemeinden

Andrea Vanni: Mosaikbildnis von Petrus (1390)

Die spĂ€teren Patriarchate von Alexandria, Antiochia und Rom, spĂ€ter auch Jerusalem und Konstantinopel, fĂŒhrten ihre GrĂŒndung direkt oder indirekt auf den Apostel Petrus zurĂŒck und beanspruchten ihn als ersten Bischof ihrer Gemeinde. Da so der Rang der eigenen Gemeinde erhöht werden sollte, werden diese Angaben von Historikern bezweifelt.

Nach Apg 1,2ff entstand die Urgemeinde durch das Wirken des Heiligen Geistes, der Jesu Auferstehung allen JĂŒngern offenbarte, die sie dann gemeinsam den Jerusalemern verkĂŒndeten. Petrus hatte dabei die Vorreiterrolle (Apg 2,41). Wegen seiner Hervorhebung im Zwölferkreis und seines Auftretens als erster VerkĂŒnder der Auferstehung Jesu wird er als GrĂŒnder und einer der Leiter der Jerusalemer Urgemeinde angesehen. Dass er darĂŒber hinaus weitere Gemeinden grĂŒndete und leitete, berichtet das NT nicht.

In der Großstadt Antiochia grĂŒndeten AnhĂ€nger des hingerichteten Urchristen Stephanus laut Apg 11,20 eine mehrheitlich heidenchristliche Gemeinde, deren Mitglieder auch Römer als „Christiani“ identifizierten. Dort lehrte Paulus ein Jahr lang (Apg 13,16ff). Der in Gal 2,11–14 berichtete Konflikt mit Petrus spricht gegen dessen dortiges FĂŒhrungsamt.

IrenĂ€us von Lyon (um 135–202) berichtet, die Apostel hĂ€tten die Kirche in der ganzen Welt „gegrĂŒndet und festgesetzt“.[24] Um diese Zeit kam die Ansicht auf, dass Petrus auch die Kirche in Rom als Bischof geleitet habe. Sie baut auf der etwas Ă€lteren Tradition seines Romaufenthalts auf, ist jedoch ahistorisch, da Petrus noch in Jerusalem wirkte, als Paulus nach Apg 18,1 in Korinth Christen aus Rom traf (um 50). Demnach bestand dort bereits eine von keinem der beiden gegrĂŒndete Gemeinde.

Eusebius zitiert in seiner Kirchengeschichte (2,I.) Clemens von Alexandria (150–215):

„Denn sie sagen, dass Petrus und Jakobus und Johannes nach der Himmelfahrt unseres Erlösers, obwohl sie von unserem Herrn bevorzugt waren, nicht nach Ehre strebten, sondern Jakobus den Gerechten zum Bischof von Jerusalem wĂ€hlten.“

Demnach sollen die drei „SĂ€ulen“ der Urgemeinde Jakobus den Gerechten schon frĂŒh zum alleinigen Leiter der Urgemeinde ernannt haben. Nach Hieronymus soll schon Hegesippus (90–180) davon gewusst haben. Diese AmtsĂŒbergabe hĂ€tte eine Romreise des Petrus ermöglicht.

Doch wie die Nachwahl des Matthias (Apg 1,26) zeigt, sollte der Zwölferkreis anfangs als gemeinsames Leitungsorgan erhalten bleiben. Nicht Apostel, sondern die Vollversammlung aller Mitglieder der Urgemeinde wĂ€hlte laut Apg 6,5 und Apg 15,22 neue FĂŒhrungspersonen. Jakobus trat spĂ€ter nach Apg 21,15ff mit den „Ältesten“ zusammen als Leiter der Urgemeinde auf. Das Testimonium Flavianum ĂŒberliefert, dass er im Jahr 62 vom Hohen Rat gesteinigt wurde. Seine Enkel sollen nach Zitaten Hegesipps bei Eusebius unter Kaiser Domitian verhaftet und verhört worden sein: Dann hatten sie noch zwei Generationen spĂ€ter eine FĂŒhrungsrolle im Christentum.

Eine FĂŒhrungsdynastie war den Urchristen der ersten Generation unbekannt und widersprach ihrem SelbstverstĂ€ndnis: Alle Christen waren gemĂ€ĂŸ Jesu Gebot des gemeinsamen Dienens ohne Rangordnung gleichermaßen die „Heiligen“ (Röm 15,25). Evangelientexte vom Rangstreit der JĂŒnger (u.a. Mk 10,35–45) lehnen ein FĂŒhrungsprivileg fĂŒr einzelne der von Jesus Berufenen ab und kritisieren den Wunsch danach als Verleugnung der Selbsthingabe Jesu. Zwar hatten die Zeugen der Ostererscheinungen Jesu die unumstrittene AutoritĂ€t (1 Kor 15,3–8) als Missionare: Doch nicht sie, sondern Gemeindesynoden trafen Entscheidungen fĂŒr alle (Apg 15,28 u.a.).

Das monarchische Bischofsamt entstand nach 100; die damals entstandenen Ignatiusbriefe kennen es noch nicht. Es setzte sich parallel zur Kanonbildung des NT bis 400 allmĂ€hlich durch und prĂ€gte die orthodoxe und spĂ€ter katholische Staatskirche. Es reagierte auf das Wachstum des Christentums und ĂŒbernahm römische Verwaltungsstrukturen.[25]

→ Kathedra Petri (Fest)

Petrusgrab

Der Petersdom in Rom

Seit etwa 200 wird eine bestimmte Stelle auf dem vatikanischen HĂŒgel als Petrusgrab verehrt. Kaiser Konstantin der Große ließ von 315 bis 349 darĂŒber die Petersbasilika bauen, die 1507 abgerissen und durch den Bau des Petersdoms ersetzt wurde. Dabei wurde dessen Altar ĂŒber dem angenommenen Petrusgrab platziert. Die Reste des Grabmonuments sind heute hinter dem Christusmosaik der Palliennische in der Confessio unter dem Papstaltar verborgen.

Grabmal mit Christusmosaik und Palliennische unterhalb des Papstaltares im Petersdom

Das frĂŒheste mögliche Zeugnis von GrabstĂ€tten des Petrus und Paulus in Rom sah Eusebius in einem Zitat des römischen Presbyters Gaius (Kirchengeschichte II/25,5-7):[26]

„Ich kann die Tropaia der Apostel zeigen. Denn wenn du zum Vatikan gehen willst oder auf die Straße nach Ostia, wirst du die Tropaia derer finden, die diese Kirche gegrĂŒndet haben.“

Der griechische Ausdruck Tropaion bezeichnete allerdings meist ein Denkmal oder Siegesmal. Gaius kannte offenbar eine solche bauliche Struktur, die eventuell die angenommenen Hinrichtungsorte beider Apostel markierte, deren MÀrtyrertod als Sieg gedeutet wurde. Erst Eusebius deutete das Zitat 100 Jahre spÀter als Hinweis auf GrabstÀtten.[27]

Pius XII. gab die Grotten unter dem Altar des Petersdoms 1940 bis 1949 erstmals fĂŒr archĂ€ologische Grabungen frei. Sie ergaben, dass dort zwei parallele Grabreihen in West-Ost-Richtung am Hang eines HĂŒgels lagen. Sie wurden beim Baubeginn der ersten Petrusbasilika zugeschĂŒttet - ein Vorgang, den nur der römische Kaiser selbst befehlen konnte - und die AufschĂŒttung wurde mit Mauern abgestĂŒtzt: Dieser Aufwand sollte offenbar den Grundriss der Basilika mit einem bestimmten Punkt der Nekropole zur Deckung bringen. Unter ihrem Altar fanden sich Reste eines kleinen SĂ€ulenmonuments mit einem Vordach und einer kleinen Nische in der Wand dahinter in einem grĂ¶ĂŸeren Grabhof, der auf etwa 160 datiert wurde. Das Grabungsteam gab diese Funde 1951 als Entdeckung des Petrusgrabes bekannt, stieß damit unter ArchĂ€ologen aber wegen mangelhafter Dokumentation und methodischer Fehler beim Graben auf Ablehnung. Daraufhin erlaubte der Vatikan von 1953 bis 1958 und nochmals 1965 weitere Grabungen, deren Ergebnisse breiter als zuvor dokumentiert und diskutiert wurden.

Man fand unter dem SÀulenmonument ein schlichtes Erdgrab aus dem spÀten 1. Jahrhundert ohne Knochen. Nur dicht darum angeordnete ErdgrÀber von Christen enthielten Knochen von Personen verschiedenen Alters und Geschlechts. Die Anordnung gilt einigen Forschern als Hinweis auf eine Verehrung dieser Stelle als Petrusgrab um 150. Vermutet wird, dass die Nische seit etwa 140 einen runden Gedenkstein - cippus genannt - enthielt, der den Ort des Petrusmartyriums markieren sollte und das von Gaius erwÀhnte Tropaion war. Die ArchÀologin Margherita Guarducci deutete Inschriften in der Mauer hinter dem SÀulenmonument, darunter die Buchstabenfolge PETR... EN I, als Bezeichnung von Petrusreliquien, fand damit aber kaum wissenschaftliche Zustimmung. An anderen Ausgrabungsorten in Rom fanden sich Àhnliche Graffiti, die dort ein Gedenken von Christen an Petrus und Paulus als MÀrtyrer belegen.[28]

Bedeutung

Entwicklung des Petrusprimats

Pietro Perugino: Christus ĂŒbergibt Petrus den SchlĂŒssel zum Himmelreich (Fresken in der Sixtinischen Kapelle, 1480-1482)

Nach römisch-katholischer Auffassung ist Petrus der Stellvertreter Christi und als erster Bischof von Rom Leiter aller Ortsbischöfe (episcopus episcoporum). Er besitze also ein einzigartiges, durch Christus verliehenes FĂŒhrungsamt ĂŒber alle ĂŒbrigen Ortskirchen, das auch ein Richteramt und ein autoritatives Lehramt einschließe. Er habe diese Vollmacht allen seinen Nachfolgern weitergegeben, so dass jeder römische Bischof rechtmĂ€ĂŸiger Vorsteher (Papst) der „universalen Kirche“ sei. Diese Auffassung beruft sich primĂ€r auf das „Felsenwort“ (Mt 16,18) und das „SchlĂŒsselwort“ (Mt 16,19), in Bezug auf das Lehramt auch auf Lk 22,32 EU („stĂ€rke deine BrĂŒder“) und Joh 21,15ff EU („weide meine LĂ€mmer“).

Tertullian verstand Mt 16,18 um 220 als erster als Einsetzung in ein Bischofsamt, betonte aber, Jesus habe dieses nur Petrus persönlich gegeben, nicht allen Bischöfen oder dem Bischof Roms. Cyprian von Karthago (Über die Einheit der Kirche 4; vgl. 59. Brief) deutete den Vers um 250 als Einsetzung des Petrus zum Leiter der Kirche. Jeder Bischof, nicht nur der Roms, folge ihm in diesem Amt. Solche juristischen Deutungen blieben fĂŒr Jahrhunderte seltene Ausnahmen.

Origenes und Ambrosius bezogen „dieser Felsen“ auf die angeredete Person und deuteten „Tore des Hades“ als Metapher fĂŒr „Tod“. So werde Simon hier verheißen, dass er nicht vor Jesu Wiederkunft sterben werde. Dieser Deutung widersprach Hieronymus. Er bezog den Vers auf das Glaubensbekenntnis Petri, das die Kirche auch nach seinem Tod gegenĂŒber feindlichen MĂ€chten und BedrĂ€ngnissen, etwa HĂ€resien, bis zu Jesu Wiederkunft vor dem Untergang schĂŒtze. Auch Johannes Chrysostomos (54. Homilie zu MatthĂ€us, um 407) vertrat diese Deutung:

„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, d.h. auf den Glauben, den du bekannt hast.“

Auch Augustin von Hippo deutete die Zusage typologisch als Vorbildfunktion fĂŒr alle GlĂ€ubigen, nicht als Vollmacht fĂŒr ein erbliches FĂŒhrungsamt.

Kalixt I. erhob als erster römischer Bischof einen gesamtkirchlichen FĂŒhrungsanspruch in einzelnen Streitfragen wie dem Osterdatum, ohne diesen mit dem Felsenwort zu begrĂŒnden. Den Petrusprimat vertrat um 400 erstmals der römische Bischof Damasus I., nachdem kirchliche BezirksaufsichtsĂ€mter (Metropolitanverfassung) entstanden waren.[29]

Petrus-Statue auf dem Petersplatz in Rom

Die vollstĂ€ndige Primatsidee, die auch die „SchlĂŒsselgewalt“ (das höchste Richteramt im Christentum) und LehrautoritĂ€t umfasste, vertrat als erster Leo I. (440-461). Petrus war fĂŒr ihn nicht nur princeps apostulorum (ApostelfĂŒhrer), sondern auch vicarius (Stellvertreter Christi) fĂŒr die gesamte Kirche. Dies galt fĂŒr ihn ebenso dem successor Petri, also allen folgenden römischen Bischöfen, die die Petrusprivilegien nach antikem Erbrecht so erbten, als seien sie mit dem Erblasser identisch. Dieser Anspruch setzte sich auch nach dieser theoretischen Entfaltung nur langsam im mittelalterlichen Christentum durch.[30]

Historisch gesehen ist der Petrusprimat aus der Idee der Apostolischen Sukzession hervorgegangen, die nicht mit spezifischen Bibelstellen, sondern mit kirchenhistorischen Gegebenheiten und altkirchlichen Bischofslisten wie der von IrenĂ€us von Lyon (um 300) begrĂŒndet wurde.

WĂ€hrend das Erste Vatikanische Konzil 1869-1870 den Petrusprimat noch um das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes ergĂ€nzte, hat das Zweite Vatikanische Konzil diesen FĂŒhrungsanspruch zwar bestĂ€tigt, aber durch die Idee der BischofskollegialitĂ€t relativiert. So stellte der Codex Iuris Canonici 1983 fest:[31]

„Wie nach der Weisung des Herrn der heilige Petrus und die ĂŒbrigen Apostel ein einziges Kollegium bilden, so sind in gleicher Weise der Papst als Nachfolger des Petrus und die Bischöfe als Nachfolger der Apostel untereinander verbunden.“

Reformatorische Auslegung

Die aus der Reformation hervorgegangenen evangelischen und anglikanischen Kirchen lehnen wie die orthodoxe Kirche die Lehre eines „Petrusamtes“ und damit den FĂŒhrungsanspruch des Papstes und seiner Kirche ab.

Martin Luther widersprach dem Doppelanspruch des Papsttums auf ein höchstes kirchliches Richter- und Lehramt erstmals 1519 exegetisch und theologisch in einer eigenen Schrift.[32] 1520 wies er die römisch-katholische Auslegung von Mt 16,18f mit Bezug auf Joh 18,36 EU und Lk 17,20f EU erneut zurĂŒck:[33]

„Aus welchen SprĂŒchen klĂ€rlich jedermann versteht, dass das Reich Gottes (so nennet er [Jesus Christus] seine Christenheit) ist nit zu Rom, auch nit an Rom gebunden, weder hie noch da, sondern wo inwendig der Glaub ist.“

In Mt 18,18 und Joh 20,22f habe Christus die „SchlĂŒsselgewalt“ zum Binden und Lösen der SĂŒnden allen JĂŒngern zugesprochen und damit Mt 16,18f selbst so ausgelegt,

„...dass St. Petro an Statt der ganzen Gemein und nit fĂŒr seine Person die SchlĂŒssel geben sein.“

Die SchlĂŒsselzusage begrĂŒnde weder eine Sondervollmacht Petri noch eine Regierungsmacht der Apostel, sondern umfasse nur das Sakrament der Buße. Sie schenke allen glĂ€ubigen SĂŒndern Christi Trost und Gnade, die sie einander weitergeben sollten. Auch Joh 21,15ff („Weide meine LĂ€mmer“) begrĂŒnde keine Herrschaft in der Christenheit, sondern beauftrage und ermutige mit Petrus alle Prediger, gegen alle WiderstĂ€nde nur Christus allein zu verkĂŒnden. Dem mĂŒsse sich auch der Papst beugen. Mit seiner Anmaßung, das Petrusamt als Regierungs- und Lehramt zu deuten, stelle er sich ĂŒber Gottes Wort, um es als Machtmittel zu missbrauchen. Menschen zu Ketzern zu erklĂ€ren, nur weil sie dem Papst nicht gehorchten, sei gegen die Heilige Schrift gerichtet. Paulus selbst betone in 1Kor 3,11: Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Petrus ist auch nach evangelischem VerstĂ€ndnis ein besonderer JĂŒnger Jesu, aber nur als Ur- und Vorbild aller glĂ€ubigen Menschen, die trotz ihres Bekenntnisses zu Christus immer wieder versagen und trotz ihres Versagens von Gottes Zusage der gegenwĂ€rtigen Vergebung und zukĂŒnftigen Erlösung erhalten. Auch der Glaube ist nach evangelischem VerstĂ€ndnis keine Eigenleistung des Petrus, sondern reines Gnadengeschenk der stellvertretenden FĂŒrbitte Jesu, des Gekreuzigten (Lk 22,31 EUff):

„Simon, Simon, siehe, der Satan hat euer begehrt, dass er euch möchte sichten wie den Weizen. Ich aber habe fĂŒr dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dich einst bekehrst, so stĂ€rke deine BrĂŒder.“

Dieses Gebet Jesu sei, so eine verbreitete evangelische Exegese, mit der Versöhnung des auferstandenen Jesus mit seinen JĂŒngern und der dadurch bewirkten Neukonstituierung des JĂŒngerkreises nach Ostern in ErfĂŒllung gegangen. Die Kirche basiere daher nicht auf einer historischen Amtsnachfolge einzelner Petrusnachfolger. Sondern alle, die wie Petrus zu JĂŒngern Jesu werden, seien seine Nachfolger und damit Teil der Gemeinschaft, die Christus berufen habe, seine Zeugen zu sein. Gott sei in Christus allen Menschen gleich nahe, so dass außer Christus keine weiteren Mittler nötig und möglich seien. Dieses „Priestertum aller GlĂ€ubigen“ verbot fĂŒr Luther jeden RĂŒckfall in das seit dem stellvertretenden SĂŒhnopfer des Gekreuzigten ĂŒberwundene hierarchisch-sakrale, aus dem Tempelkult des Judentums stammende AmtsverstĂ€ndnis.

Besonders das MatthÀusevangelium lasse keinen Zweifel daran, dass die christliche Gemeinde nur auf dem Glaubensgehorsam aller ihrer Mitglieder erbaut sein könne. Denn dort wird die Bergpredigt Jesu mit dem Zuspruch eröffnet (Mt 5,14 EU):

„Ihr seid das Licht der Welt!“

Sie endet mit dem Anspruch (Mt 7,24 EU):

„Darum, wer diese meine Rede hört und tut, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf den Felsen [petra] baute.“

DemgemĂ€ĂŸ habe Petrus auch keine eigene Erstvision, sondern mit allen JĂŒngern gemeinsam den Auftrag des Auferstandenen erhalten, alle Getauften aus den Völkern das Befolgen der Gebote Jesu zu lehren: Die damit verbundene Zusage der Geistesgegenwart Christi sei der eigentliche „Fels“, auf dem die Kirche gebaut sei (Mt 28,19f). Das Wirken des Heiligen Geistes lasse sich nicht erneut in menschliche Formen und Rituale zwĂ€ngen und „festnageln“.

So betont Manfred Kock fĂŒr die Evangelische Kirche in Deutschland:[34]

„Die ZusprĂŒche an Petrus in Matth. 16,17-19 und Joh 21, 15ff gelten der ganzen Kirche und sind in allen ihren Ämtern wirksam. Eine Hierarchie der Ämter, wie auch ein historischer Nachfolgeautomatismus findet sich in der Überlieferung der Heiligen Schrift nicht. Kriterium fĂŒr die Christusnachfolge ist das Bekenntnis, wie es Petrus gesprochen hat, nicht aber Petrus selber als Bekenner.“

Verehrung

Darstellung ĂŒber dem Haupteingang der Kirche St. Peter in Heidelberg-Kirchheim

Gedenktag

Der Gedenktag von Petrus und Paulus ist der 29. Juni. Ihnen zu Ehren ist in der Orthodoxen Kirche ein leichtes Fasten, das so genannte Apostelfasten, das eine Woche nach dem Pfingstfest beginnt und bis zu diesem Tag dauert, ĂŒblich.

Patronanzen, Schutzheiliger und Anrufung

Petrus ist einer der wichtigsten katholischen Heiligen und gilt als Schutzpatron

Weltweit sind wie der Petersdom im Vatikan zahlreiche Orte (St. Peter) und Kirchen (Peterskirche) nach Petrus benannt. Des Weiteren wurde nach ihm, der der Namenspatron des damaligen Zaren Peter I. war, die neu gegrĂŒndete Stadt St. Petersburg benannt.

Petrus ist auch Schutzheiliger der Berufe Metzger, Glaser, Schreiner, Schlosser, Schmied, Gießer, Uhrmacher, Töpfer, Maurer, Ziegelbrenner, Steinhauer, Netzweber, Tuchweber, Walker, Fischer, FischhĂ€ndler, Schiffer. Außerdem schĂŒtzt er die Reuigen, BĂŒĂŸenden, Beichtenden, Jungfrauen und SchiffbrĂŒchigen.

Katholische GlĂ€ubige rufen Petrus als Heiligen an gegen: Besessenheit, Fallsucht, Tollwut, Fieber, Schlangenbiss, Fußleiden und Diebstahl.

Petrus in Volksglauben und Brauchtum

Allgemein verbreitet ist, Petrus als den TĂŒrsteher des Himmels anzunehmen, das bezieht sich auf den biblischen Spruch der „SchlĂŒssel zum Himmelreich“, die auch sein Heiligenattribut bilden: Mit seinen SchlĂŒsseln wird er als Himmelpförtner vorgestellt, der die anklopfenden Seelen der Verstorbenen abweist oder einlĂ€sst.

Im Volksglauben wird er auch fĂŒr das Wetter, insbesondere das Regenwetter verantwortlich gemacht.

Ikonographie und Heiligenattribute

SchlĂŒsselsymbol der Petrus-Figur an der Überwasserkirche MĂŒnster
Raffael (1516-1518): Transfiguration Christi, Vatikanische Pinakothek

Petrus wird gewöhnlich als alter Mann mit lockigem Haar und Bart (Erzvater) mit den GegenstĂ€nden SchlĂŒssel, Schiff, Buch, Hahn oder umgedrehtem Kreuz dargestellt. Besonders der oder die SchlĂŒssel sind sein Hauptattribut. In mittelalterlichen Bilddarstellungen bis zur spĂ€ten Gotik trĂ€gt Petrus meist zwei verschiedenfarbige Exemplare. In Anspielung auf Mt 16,19 soll der ErdenschlĂŒssel Macht ĂŒber die Erde, irdische Gewalt, der HimmelsschlĂŒssel den Einlass ins Himmelreich, die geistliche Gewalt, symbolisieren. Die SchlĂŒssel sind daher auch Bestandteil des Papstwappens und der Wappen anderer kirchlicher Institutionen mit Petruspatrozinium (Erzbistum Bremen, Bistum Minden, Bistum OsnabrĂŒck, Erzstift Riga, Kloster Petershausen bei Konstanz, Kloster St. Peter auf dem Schwarzwald) oder aus ihnen hervorgegangener StĂ€dte, Gemeinden oder BundeslĂ€nder.[35].

Ein solches SchlĂŒsselsymbol wie im St. Petri-Dom Bremen wurde als Bremer SchlĂŒssel zum Wappen der Stadt und des Bundeslandes Bremen.

In der Kirchenkunst findet sich Petrus oft als Papst wieder, der die dreifache Tiara auf seinem Haupt trĂ€gt, eine Ferula in der einen Hand hĂ€lt, und ein aufgeschlagenes Evangelium mit der anderen gegen seine HĂŒfte stemmt.

Petrus in der Kunst

Die bedeutendsten Petrusdarstellungen der Renaissance, die den gotischen Typus aufgreifen, stammen wohl von Raffael, etwa links in der oberen Zone der Disputa (Fresko, 1509, Stanza della Segnatura, Palazzo Vaticano) und gleich zwei Mal in Raffaels VerklĂ€rung Christi (Transfiguration, 1516–1518, Pinacoteca Vaticana) in der Mitte unter dem VerklĂ€rten und breit im linken Eck der unteren Zone sitzend, hier aber nicht mit den HimmelsschlĂŒsseln, sondern mit dem Buch des Lebens in der Hand. Auch die apokryphe Petrusapokalypse spielt in den Vorzeichnungen zu dem kĂŒrzlich von Gregor Bernhart-Königstein als Weltgericht erkannten letzten GemĂ€lde Raffaels eine bedeutende Rolle.

Bekannte Abbildung:

Die Petruslegenden wurden im Katholizismus zur GlaubensĂŒberzeugung und dienten immer wieder als Thema kĂŒnstlerischer Werke. Bekannt geworden ist etwa die Verfilmung „Quo vadis?“ von 1951, die auf dem gleichnamigen Roman von 1895 beruht.

Literatur

Petrus im NT
  • Oscar Cullmann: Petrus. (1. Auflage 1952) TVZ Theologischer Verlag ZĂŒrich, 3. Auflage, ZĂŒrich 1985, ISBN 3-290-11095-8
  • Rudolf Pesch: Simon-Petrus. Geschichte und geschichtliche Bedeutung des ersten JĂŒngers Jesu Christi. Hiersemann, Stuttgart 1980, ISBN 3-7772-8012-7
  • Raymond E. Brown, Karl P. Donfried, John Reumann: Der Petrus der Bibel. Eine ökumenische Untersuchung. Calwer Verlag GmbH, 1982, ISBN 3-7668-0492-8
  • Carsten Peter Thiede (Hrsg.): Das Petrusbild in der neueren Forschung. Brockhaus, Wuppertal 1987, ISBN 3-417-29316-2
  • Peter Dschulnigg: Petrus im Neuen Testament. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1996, ISBN 3-460-33122-4
  • Lothar Wehr: Petrus und Paulus - Kontrahenten und Partner: die beiden Apostel im Spiegel des Neuen Testaments, der apostolischen VĂ€ter und frĂŒher Zeugnisse ihrer Verehrung. Neutestamentliche Abhandlungen, Aschendorff, MĂŒnster 1996, ISBN 3-402-04778-0
  • Wilhelm Lang: Die Petrus-Sage. Reinwaschungen und Legendenbildungen des frĂŒhen Judentums und Christentums. Wissenschaftlicher Verlag, Schutterwald/Baden 1998, ISBN 978-3-928640-40-4
  • Timothy J. Wiarda: Peter in the Gospels: Pattern, Personality and Relationship. (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament 2) Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2000, ISBN 3-16-147422-8 (englisch)
  • Joachim Gnilka: Petrus und Rom: das Petrusbild in den ersten zwei Jahrhunderten. Herder, Freiburg im Breisgau u.a. 2002, ISBN 3-451-27492-2
  • Martin Hengel: Der unterschĂ€tzte Petrus: zwei Studien. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2006, ISBN 3-16-148895-4
  • Mathis Christian Holzbach: Die textpragmatische Bedeutung der KĂŒndereinsetzungen des Simon Petrus und des Saulus Paulus im lukanischen Doppelwerk. In: Linus Hauser (Hrsg.): Jesus als Bote des Heils. HeilsverkĂŒndigung und Heilserfahrung in frĂŒhchristlicher Zeit. Detlev Dormeyer zum 65. Geburtstag. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2008, S. 166–172
  • Otto Zwierlein: Petrus in Rom. Die literarischen Zeugnisse. Mit einer kritischen Edition der Martyrien des Petrus und Paulus auf neuer handschriftlicher Grundlage (= Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte 96). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009; 2., durchgesehene und ergĂ€nzte Auflage 2010, ISBN 3-11-024058-0
  • Otto Zwierlein: Kritisches zur Römischen Petrustradition und zur Datierung des Ersten Clemensbriefes, in: Göttinger Forum fĂŒr Altertumswissenschaft 13 (2010), S. 87–157, online hier (PDF-Datei, 854 KB)
Auslegung und Bedeutung
  • Peter Berglar: Petrus: vom Fischer zum Stellvertreter. (Geleitwort von Joseph Kardinal Ratzinger) Langen MĂŒller, MĂŒnchen 1991, ISBN 3-7844-2375-2 (römisch-katholisch)
  • Raul Niemann (Hrsg.): Petrus. Der Fels des Anstoßes. Kreuz Verlag, Stuttgart 1994
  • Helene Hoerni-Jung: Unbekannter Petrus: SchlĂŒssel zum Menschsein. Kösel, MĂŒnchen 1997, ISBN 3-466-36471-X
  • Christfried Böttrich: Petrus. Fischer, Fels und FunktionĂ€r. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2001, ISBN 3-374-01849-1
  • Johannes Brosseder, Wilm Sanders: Der Dienst des Petrus in der Kirche. Orthodoxe und reformatorische Anfragen an die katholische Theologie. Lembeck, 2002, ISBN 3-87476-414-1
  • John F. MacArthur: Petrus – Der Apostel mit dem voreiligen Mundwerk. In: John F. MacArthur: Zwölf ganz normale Menschen. Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld 20052; ISBN 3-89397-959-X, S. 43–75 (Text online, pdf)
  • Katja Wolff: Der erste Christ. WfB, Bad Schwartau 2005, ISBN 978-3-930730-03-2
ArchÀologie
  • Michael Hesemann: Der erste Papst. ArchĂ€ologen auf der Spur des historischen Petrus. Pattloch, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-629-01665-0
  • Engelbert Kirschbaum: Die GrĂ€ber der ApostelfĂŒrsten St. Peter und St. Paul in Rom. SocietĂ€ts-Verlag, 3. Auflage, Frankfurt am Main 1974 (Nachtragskapitel von Ernst Dassmann)
Kunst
  • Gregor Bernhart-Königstein: Raffaels WeltverklĂ€rung - Das berĂŒhmteste GemĂ€lde der Welt. Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-085-3

Weblinks

 Commons: Simon Petrus â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Simon Petrus â€“ Zitate
Quellen
Literatur
Grundwissen
Grab

Einzelnachweise

  1. ↑ Fritz Rienecker: Sprachlicher SchlĂŒssel zum Griechischen Neuen Testament. Gießen 1970, S. 43
  2. ↑ Erich Dinkler: Petrus, in: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Auflage 1961, Band 5, S. 247ff
  3. ↑ Otto Böcher: Petrus I, in: Theologische RealenzyklopĂ€die, 4. Auflage 1996, Band 26, S. 268
  4. ↑ Gerd Theißen, Anette Merz: Der Historische Jesus; Göttingen 2005; S. 160f.; Stanislao Loffreda, Virgilio Corbo: La maison de Pierre rĂ©vĂ©lĂ©e par les fouilles, 1982; James F. Strange, Hershel Shanks: Das Haus des Petrus, in: Carsten Peter Thiede (Hrsg.): Das Petrusbild der neueren Forschung, Wuppertal 1987
  5. ↑ Anders Runesson, Architecture, Conflict, and Identity Formation, in: J. Zangenberg, H.W. Attridge, D.B. Martin, Religion, Ethnicity and Identity in Ancient Galilee, TĂŒbingen 2007 = WUNT 210, S. 240-242
  6. ↑ Karl Ludwig Schmidt: Artikel kaleo, in: Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament Band III, Sp. 529ff
  7. ↑ Hans Conzelmann: Geschichte des Urchristentums, S. 136
  8. ↑ Ulrich Luz: Das Evangelium nach MatthĂ€us, 2. Teilband, Mt 8-17. Evangelisch-katholischer Kommentar zum NT, Benziger, 4. Auflage 2007, ISBN 3-545-23137-2, S. 458
  9. ↑ Otto Böcher: Petrus I, in: Theologische RealenzyklopĂ€die, 4. Auflage 1996, Band 26, S. 269
  10. ↑ Joachim Gnilka: Petrus und Rom, 2002, S. 110
  11. ↑ C. H. Hunzinger: Babylon als Deckname fĂŒr Rom und die Datierung des 1. Petrusbriefes, in: H. Graf Reventlow (Hrsg.): Festschrift fĂŒr H.-W. Herzberg, Göttingen 1965, S. 67-77
  12. ↑ Liste nach Karlfried Froehlich: Petrus II, in: Theologische RealenzyklopĂ€die, 4. Auflage 1996, Band 26, S. 274; Originaltexte, soweit bekannt, in: Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung, Mohr & Siebeck, 6. Auflage, TĂŒbingen 1999, ISBN 3-16-147252-7
  13. ↑ Christfried Böttrich: Petrus, Fischer, Fels und FunktionĂ€r, Leipzig 2001, S. 25f
  14. ↑ Vgl. Erhard Dorn: Der sĂŒndige Heilige in der Legende des Mittelalters. Fink, MĂŒnchen 1967, S. 44.
  15. ↑ Joachim Gnilka: Petrus und Rom, 2002, S. 117
  16. ↑ Stanislas Dockx, Chronologie zum Leben des Heiligen Petrus, in: Carsten Peter Thiede: Das Petrusbild in der neueren Forschung, 1987, S. 101
  17. ↑ Joachim Gnilka: Petrus und Rom, 2002, S. 111, Anmerkung 6
  18. ↑ Karl Heussi: Die römische Petrustradition in kritischer Sicht, TĂŒbingen 1955
  19. ↑ Kurt Aland: Der Tod des Petrus in Rom. Bemerkungen zu seiner Bestreitung durch Karl Heussi, in: Kurt Aland: Kirchengeschichtliche EntwĂŒrfe, GĂŒtersloh 1955, S. 35-104
  20. ↑ Uta Ranke-Heinemann: Petrus in Rom? In: Raul Niemann: Petrus. Fels des Anstoßes, Stuttgart 1994, S. 62-75
  21. ↑ Joachim Gnilka: Petrus und Rom, 2002, S. 114
  22. ↑ Otto Zwierlein: Petrus in Rom. Die literarischen Zeugnisse. Mit einer kritischen Edition der Martyrien des Petrus und Paulus auf neuer handschriftlicher Grundlage. 2., durchgesehene und ergĂ€nzte Auflage 2010; Otto Zwierlein: Kritisches zur Römischen Petrustradition und zur Datierung des Ersten Clemensbriefes, in: Göttinger Forum fĂŒr Altertumswissenschaft 13, 2010, S. 87–157. PDF.
  23. ↑ Zur Diskussion vgl. Christian Gnilka, Stefan Heid, Rainer Riesner: Blutzeuge. Tod und Grab des Petrus in Rom; Schnell & Steiner, Regensburg, 1. Auflage 2010; außerdem Otto Zwierlein: "Petrus in Rom. Die literarischen Zeugnisse", Rezension von Tassilo Schmitt
  24. ↑ Adversus Haereses III
  25. ↑ Kurt Dietrich Schmidt: Grundriß der Kirchengeschichte; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 19909; S. 77
  26. ↑ zitiert nach Christfried Böttrich: Petrus, Fischer, Fels und FunktionĂ€r, Leipzig 2001, S. 228f
  27. ↑ Erich Dinkler: Petrus und Paulus in Rom. Die literarische und archĂ€ologische Frage nach den tropaia ton apostolon, Gym. 1980, S. 1-37
  28. ↑ Christfried Böttrich: Petrus, Fischer, Fels und FunktionĂ€r, Leipzig 2001, S. 232ff
  29. ↑ Karl Heinz Ohlig: Das Papstamt und seine Geschichte. Ist der römische Bischof Nachfolger des Petrus? (2005)
  30. ↑ Kurt Dietrich Schmidt: Kirchengeschichte, 9. Auflage, Göttingen 1990, S. 138
  31. ↑ CIC, Can. 330
  32. ↑ Martin Luther: Resolution Lutherana super propositione sua decima tertia de potestate papae, Weimarer Ausgabe II, S. 183-240
  33. ↑ Martin Luther: Von dem Papsttum zu Rom (1520), Weimarer Ausgabe VI, S. 292ff
  34. ↑ Manfred Kock: Das Papstamt aus evangelischer Perspektive (Vortrag am 4. September 2001, Karl-Rahner-Akademie zu Köln)
  35. ↑ Zu weiteren Beispielen vgl. Ottfried Neubecker, Wilhelm Rentzmann: Wappenbilderlexikon. Battenberg, MĂŒnchen 1974, Stichwortverzeichnis S. 401, Sp. 3 unter Stichwort SchlĂŒssel.



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