Sivas

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Sivas
Wappen von Sivas
Sivas (Türkei)
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Basisdaten
Provinz (il): Sivas
Koordinaten: 39° 45′ N, 37° 1′ O39.7537.0166666666671285Koordinaten: 39° 45′ 0″ N, 37° 1′ 0″ O
Höhe: 1.285 m
Einwohner: 288.693[1] (2009)
Telefonvorwahl: (+90) 346
Postleitzahl: 58 000
Kfz-Kennzeichen: 58
Struktur und Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Doğan Ürgüp (BBP)
Webpräsenz:
Landkreis Sivas
Einwohner: 329.011[1] (2008)
Fläche: 2.768 km²
Bevölkerungsdichte: 119 Einwohner je km²

Sivas (kurdisch: Sêwas) ist die Hauptstadt der gleichnamigen türkischen Provinz in Zentralanatolien. Die Stadt mit 288.693 Einwohnern liegt etwa 450 km östlich von Ankara.

Inhaltsverzeichnis

Namensherkunft

Über den Ursprung des Namen gibt es verschiedene Aussagen:

  • Der Name Subasa wurde für die Stadt im Osten, wo der Fluss Maraschantia (Halys) seinen Ursprung hat, erstmals in den hethitischen Quellen erwähnt und bedeutet in Nesili (Sprache der Hethiter und Luwier) gesegneter Fluss.
  • Nach der römischen Eroberung Anatoliens wurde die Stadt in Sebasteia umbenannt. Das griechische Sebaste (Σεβαστή) , entspricht dem lateinischen Augustus. So wurde die Verehrung für den Kaiser bekundet. Byzantinische und fränkische Quellen nennen Sebaste.

Nach Volkssagen könnte der Name so entstanden sein:

  • Bevor die Stadt gegründet wurde, gab es dort drei Quellen, die man Sipas suyu nannte. Nachdem eine kleine Siedlung rund um diese Quellen entstanden war, wurde ihr der Name Sipas gegeben.
  • Der Name soll von einem alten Volk namens Sibasip abstammen.
  • Der Name soll von dem persischen Ausdruck Se-bast abstammen, was Drei Mühlen bedeutet.

Der Ort war auch unter den Namen Talavra, Megalapolis, Karana und Diyapolis bekannt.

Bevölkerung

Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Türken und zu einem geringen Teil aus Kurden. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in Sivas Armenier und Griechen mit christlichem Glauben.

1914 hatte Sivas rund 45.000 Einwohner, mehr als ein Drittel waren Armenier, der Rest Griechen und Türken.

Religion

In Sivas ist heute der Islam die Hauptreligion. Die Mehrheit bilden sunnitische Muslime. Daneben gibt es als nächstgrößte Gruppe die Aleviten. Vereinzelt gibt es auch Juden und Christen, die jedoch nur einen sehr geringen Teil ausmachen. Etwa 81 % der Bevölkerung in Sivas sind sunnitische Moslems, 18 % sind Aleviten und der Rest setzt sich aus Juden, Christen und anderen zusammen. Die armenisch-apostolische Gemeinde hatte in Sivas bis zum Ersten Weltkrieg sechs Kirchen (Meryemana, Surp Sarkis, Surp Minas, Surp Prgitsch, Surp Hagop, Surp Kevork)[2], vier Klöster (Surp Nschan, Srup Hreschdagabed, Surp Anabad, Surp Hntragadar)[2], ein Waisenhaus, ein Krankenhaus und mehrere Schulen. Die Katholiken hatten eine Kirche mit Sitz des Metropoliten von Sebastea, die Protestanten verfügten über zwei Kirchen und acht Schulen.

Geschichte

Sivas Erstbesiedlung reicht von 7000 bis 5000 v. Chr. zurück. Die Hethiter, deren Siedlungsreste bei Topraktepe nahe Sivas zu finden sind, herrschten dort von 1600–884 v. Chr., danach für etwa 100 Jahre die Phryger (800–695 v. Chr.). Die Phryger wurden durch die Lyder abgelöst. Die Lyder verloren das Gebiet im Jahre 546 an die Perser. Das persische Reich wurde von Alexander dem Großen unterworfen, so dass Sivas bis etwa 17 n. Chr. von den Diadochen beherrscht wurde. Bis 395 war Sivas Teil des Römischen Imperiums, danach bis 1075 byzantinisch. Unter Kaiser Diokletian war Sivas Hauptstadt der Provinz Armenia minor.

Nach mehrjährigen Verhandlungen entschädigte Kaiser Basileios II. 1021 Seneqerim Johannes, König von Vaspurakan in Südarmenien, mit dem Territorium von Sebaste in Kappadokien. Seneqerim Johannes zog mit seinem Hof, dem hohen Klerus und 14.000 Familien nach Sivas und verwaltete es als byzantinischer Vasall.[3]

Im 11. Jahrhundert tauchten die ersten türkischen Stämme in Anatolien auf. Von 1142 bis 1171 herrschte die Danischmenden-Dynastie über Sivas. 1174 eroberten die Seldschuken unter Kılıç Arslan II. die Stadt und ließen unter anderem 1197 die Ulu Cami (deutsch: Große Moschee) errichten. Sivas diente neben Konya zeitweise als Hauptstadt der Seldschuken. 1232 wurde Sivas wie weite Teile Eurasiens von den Mongolen überfallen. Den Mongolen folgte das Beylik von Eretna, dem von Kadi Burhan al-Din ein Ende gesetzt wurde. 1398 eroberten die Osmanen unter Sultan Bayezid I. die Stadt und verloren sie 1400 an Tamerlan, der die Stadt zerstörte. 1403 gelang es den Osmanen, sie zurückzuerobern.[4] Sivas war bis zum späten 19. Jahrhundert Hauptstadt der osmanischen Eyalets Rum.

Die Osmanen regierten die Stadt bis zum Ersten Weltkrieg. 1913 kam es zum Boykott christlicher Unternehmer und Händler in der Stadt.[5] Im April/Mai 1914 wurde der Markt von Sivas Opfer eines Brandes.[5] Am 5. Juli 1915 begann die Deportation der armenischen Bevölkerung von Sivas.[6] Nach der Niederlage des osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg formierte sich unter Mustafa Kemal eine Widerstandsbewegung. Diese Gruppe hielt vom 4. bis 11. September 1919 in Sivas den Kongress Heyet-i Temiliye ab.[7] Seit 1923 ist Sivas Teil der türkischen Republik. 1993 ereignete sich der Anschlag auf das Madimak-Hotel.[5]

Anschlag auf das Madımak-Hotel

Hauptartikel: Brandanschlag von Sivas
Gedenk-Demonstration 2007 in Sivas

Am 2. Juli 1993 versammelten sich islamische Fundamentalisten nach dem Freitagsgebet vor dem Madımak-Hotel, in dem im Rahmen eines alevitischen Kultur-Festivals zum größten Teil alevitische Musiker, Schriftsteller, Dichter und Verleger logierten, darunter Kinder und Jugendliche. Das Hotel wurde in Brand gesetzt, während auf den Straßen die Massen mit Pflastersteinen bereitstanden. Wegen der aufgebrachten, wütenden Menschenmenge vor dem Hotel konnten die Menschen im Gebäude nicht ins Freie. Über 30 Menschen verbrannten im Hotel; wenige überlebten, so auch der Autor Aziz Nesin, dem laut verschiedenen Angaben der Anschlag in erster Linie gegolten hatte. Obwohl Polizei und Feuerwehr frühzeitig alarmiert waren, griffen sie erst nach acht Stunden ein. Das Staatssicherheitsgericht in Ankara urteilte, dass die große Menschenmenge die Einsatzkräfte bei den Rettungsarbeiten behindert hatte.

Die Aleviten nennen diesen Anschlag das Sivas-Massaker. Auch wenn bei diesem Vorfall auch Sunniten und Angehörige anderer Religionen ums Leben kamen, sehen die Aleviten dieses Ereignis als einen Schlag gegen die alevitische Bevölkerung. Das Ereignis spielte eine wichtige Rolle bei ihrer Bewusstseins- und Organisationsbildung. Seit 2003 wird des Vorfalls im Rahmen von Demonstrationen gedacht, zugleich wird gefordert, im Hotel eine Gedenkstätte zu errichten. 2003 marschierten ca. 500 Leute mit, im Jahr 2007 waren es schätzungsweise 20.000 mit hoher Medien-Präsenz und einem Einsatz von rund 3.000 Polizisten.

Sehenswürdigkeiten

Das Knabengymnasium, in dem 1919 der Nationalkongress abgehalten wurde

Sivas besitzt viele Bauwerke der Seldschuken aus dem 13. Jahrhundert. Dazu gehören die seldschukische Mavi Medrese (deutsch Blaue Madrasa) von 1271, erbaut durch den armenischen Architekten Kaloyan[8], die Sifaiye Medresesi von 1218 und die Çifte Minare Medresesi (deutsch Madrasa mit doppeltem Minarett') von 1271. Die älteste Moschee der Stadt ist die Ulu Cami (deutsch Große Moschee) von 1196. In der Nähe von Sivas befindet sich die Ruine der alten armenischen Kirche des Heiligen Kreuzes (armenisch Սուրբ խաչ). Sie enthielt wichtige Relikte wie den Thron[9] der Artsruni-Könige von Vaspurakan.

Osmanische Bauwerke sind das Bad Kurşunlu Hamamı von 1576 und die Kervansaray Behrampaşa Hanı von 1573.

Im Kongressgebäude von 1919 befindet sich das Sivas-Museum, das über den Kongress, Atatürk und die ethno-geografischen Besonderheiten der Region informiert.

Sivas ist auch für die Thermalbäder Sıcak Çermik, Soğuk Çermik und Kangal Balıklı Kaplıca berühmt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 26. November 2009
  2. a b Pars Tuğlacı: Tarih boyunca Batı Ermenileri tarihi. Cilt 3. (1891 – 1922), Pars Yayın ve Tic., Istanbul und Ankara 2004 ISBN 975-7423-06-8
  3. Robert H. Hewsen: Armenia. A Historical Atlas, The University of Chicago Press, Chicago und London 2001, S. 116
  4. Robert H. Hewsen: Armenia. A Historical Atlas, The University of Chicago Press, Chicago und London 2001, S. 190
  5. a b c Raymond Kévorkian: Le Génocide des Arméniens; Odile Jacob, Paris 2006; S. 533
  6. Raymond Kévorkian: Le Génocide des Arméniens; Odile Jacob, Paris 2006, S. 543
  7. Halil Gülbeyaz: Mustafa Kemal Atatürk. Vom Staatsgründer zum Mythos; Parthas, Berlin 2003; S. 87 ff.
  8. Maxim Yevadian: Les Seldjouks et les architectes arméniens, Les Nouvelles d'Arménie Magazine, Nr. 156, Oktober 2009, Seite 73 f.
  9. Robert H. Hewsen: Armenia. A Historical Atlas, The University of Chicago Press, Chicago und London 2001, p. 193

Literatur

  • Richard G. Hovannisian (Hrsg.): Armenian Sebastia/Sivas and Lesser Armenia. Costa Mesa, CA 2004. ISBN 1-56859-152-7

Weblinks

 Commons: Sivas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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