3 Smyrna (Kleinasien)


Smyrna (Kleinasien)

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Smyrna (neugr. Σμύρνη bzw. Smirni) war bis 1923 der Name der Stadt İzmir in Kleinasien. Ende des 19. Jahrhunderts lebten hier laut den osmanischen Jahrbüchern (salname) ca. 200.000 Menschen, darunter 89.000 Muslime, 59.000 orthodoxe Griechen und 36.000 Bürger anderer Staaten.[1].

Inhaltsverzeichnis

Der Name

Die Herkunft des Namens Smyrna ist umstritten:

  • Traditionell wird er auf die griechische Bezeichnung für Myrrhe zurückgeführt.
  • Laut aktuellen Ausgrabungsbefunden hieß die Stadt ursprünglich Tismurna, wobei der Ti-Präfix vermutlich eine Person bezeichnet.

Geschichte

Der Marktplatz (Agora) von Smyrna in der Antike: Blick auf die Säulen der westlichen Stoa

Antike

Eine vorgriechische Besiedlung lässt sich bereits für das 3. Jahrtausend v. Chr. nachweisen. Ende des 9. Jahrhunderts v. Chr. legten hier aiolische Griechen eine befestigte Niederlassung an. Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurde diese von ionischen Griechen aus Kolophon übernommen und zur Polis ausgebaut. Zu einer ersten Blüte gelangte (Alt-)Smyrna, das als eine der Wirkungsstätten des Dichters Homer gilt, im 8.-7. Jahrhundert v. Chr.

Der lydische König Alyattes zerstörte (Alt-)Smyrna um 600 v. Chr. In den folgenden drei Jahrhunderten befand sich hier nur eine unbedeutende Ansiedlung. Erst Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. kam es zu einer Neugründung Smyrnas, als Antigonos I. Monophthalmos 20 Stadien (3,5 km) südwestlich der alten Stadt um den Akropolisberg Pagos (den heutigen Kadifekale) eine neue Siedlung (auf dem Gebiet des heutigen Stadtkerns von İzmir) anlegte, die bald darauf erneut den Status einer Polis erlangte. Der von Antigonos angelegte Hafen legte den Grundstein für Smyrnas Entwicklung zu einer der reichsten Handelsstädte Asiens. Smyrna wurde als 13. Mitglied in den Ionischen Bund aufgenommen und erhielt bald den Beinamen Zierde von Ionien. Im Krieg gegen Antiochos III. stand Smyrna auf Seiten des Siegers, Rom, das der Stadt 189 v. Chr. Land zuteilte. Während des italischen Bundesgenossenkrieges stellte die Stadt ein Flottenkontingent zur Unterstützung der Römer; auch in den mithridatischen Kriegen verhielt sie sich römertreu.

Im Jahr 43 v. Chr. beherbergte die Stadt Gaius Trebonius, einen der Mörder von Julius Caesar. Der römische Konsul Publius Cornelius Dolabella eroberte Smyrna, ließ Trebonius töten und einige Stadtviertel zerstören. Als ein Erdbeben in den Jahren 178 und 180 n. Chr. die Stadt sehr beschädigt hatte, erwirkte der griechische Redner Aelius Aristides bei Kaiser Marcus Aurelius den Wiederaufbau der Stadt und erhielt dafür zahlreiche Ehrungen.

Cassius Dio war zeitweilig römischer Curator (Aufseher über die Stadtverwaltung) von Smyrna.

Urchristentum

Smyrna war ein wichtiges Zentrum der christlichen Welt. Schon früh etablierte sich eine christliche Gemeinde. Diese Gemeinde ist eine der sieben Gemeinden der Offenbarung des Johannes. Der biblische Verfasser der Offenbarung des Johannes schreibt dazu:

An den Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: So spricht Er, der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebendig wurde: Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut; und doch bist du reich. Und ich weiß, dass du von solchen geschmäht wirst, die sich als Juden ausgeben; sie sind es aber nicht, sondern sind eine Synagoge des Satans. (Offb 2,8-9)

Der Kirchenvater Polykarp von Smyrna, Verfasser eines Briefes an die Philipper, war im 2. Jahrhundert Bischof von Smyrna. Auch Ignatius von Antiochien hielt sich in Smyrna auf und soll dort vier der Ignatiusbriefe verfasst haben.

Byzantinisches Reich

Nachdem der Hafen von Ephesos versandete, wuchs die Bedeutung Smyrnas als Hafenstadt. Smyrna gehörte ab 395 zum Byzantinischen Reich. 654 n. Chr. wurde die Stadt von den Arabern angegriffen, 672/673 zeitweilig von ihnen besetzt. 1083 wurde sie zeitweilig von dem Seeräuber Tzachas erobert, 1344 von europäischen Kreuzfahrern und 1402 von Timur Lenk eingenommen. Nachdem Byzanz ohnehin den Großteil Kleinasiens verloren hatte, wurde Smyrna 1424 von den Osmanen unter Murad II. erobert.

Osmanisches Reich

Smyrna war ein wichtiges Zentrum für Händler und Kaufleute in der Seldschuken-Zeit und im Osmanischen Reich und der wichtigste Handelsplatz Kleinasiens. Da die Christen in Smyrna während des Osmanischen Reiches eindeutig die Mehrheit bildeten, wurde die Stadt von den Türken Gavur İzmir (ungläubiges Izmir) genannt. Seine Bevölkerung setzte sich aus orthodoxen Christen (Griechen), Armeniern, Türken, Juden sowie (katholischen) abendländischen Christen zusammen. Die Bevölkerungsgruppen bewohnten jeweils eigene Stadtviertel.

Smyrna war Sitz des Generalgouverneurs der Provinz Wilajets Aidin, eines Metropoliten sowie je eines katholischen, griechischen und armenischen Erzbischofs.

Smyrna war ein Zentrum des Teppichhandels, siehe Smyrnateppich.

Griechische Truppen in Smyrna, 15. Mai 1919

Der Brand und die Massaker von 1919 und vom September 1922

Am 15. Mai 1919 besetzten griechische Truppen Smyrna und stießen von hier aus weiter nach Anatolien vor. Unmittelbar nach Beginn der Invasion wurden türkische und andere muslimische Zivilisten der Region durch die griechischen Truppen massakriert. Allein am ersten Tag der Invasion wurden etwa 1.000 Zivilisten getötet. Auf Drängen der osmanischen Regierung reiste eine Untersuchungskommission der Pariser Verhandlungsdelegationen ein, die Griechenland später für schuldig befand.[2][3][4] Im folgenden Jahr wurde die Stadt im Vertrag von Sèvres Griechenland zugesprochen, am 9. September 1922 von den Türken zurückerobert. Am 13. September 1922 brach im Armenierviertel ein Feuer aus, das sich rasch über die Viertel der Griechen und Ausländer ("Franken") ausbreitete und einen großen Teil der Stadt vernichtete. Bei den damit einhergehenden Auseinandersetzungen wurden mindestens 25.000 meist griechische und armenische Zivilisten getötet und ca. 200.000 vertrieben (vgl. hierzu beispielsweise die Augenzeugenberichte des armenischen Arztes Garabed Hatscherian[5], des amerikanischen Diplomaten George Horton[6] oder des Franzosen René Puaux[7]). Ein Teil der griechischen Bevölkerungsmehrheit wurde noch von den Engländern aus der Stadt evakuiert, die meisten verbliebenen Zivilisten, darunter auch der orthodoxe Erzbischof Chrysostomos Kalafatis fielen anschließenden Gewalthandlungen zum Opfer. Viele der Griechen emigrierten nach Athen, wo heute noch der Stadtteil Nea Smyrni (Νέα Σμύρνη) an ihre Herkunft erinnert. Im Vertrag von Lausanne wurden Smyrna und die gesamte Westküste Kleinasiens der Türkei zugesprochen.

Bekannte Persönlichkeiten

Folgende bekannte Personen wurden in chronologischer Reihenfolge in Smyrna geboren:

Einzelnachweise

  1. V. Cuinet: La Turquie d'Asie. Paris 1892-94 iii, S. 440, zitiert nach Suraiya Faroqhi in:Encyclopaedia of Islam, new Edition, Leiden, s.v. IZMIR
  2. Paul C. Helmreich From Paris to Sèvres. The Partition of the Ottoman Empire at the Peace Conference of 1919-1920, Ohio 1974, S. 169 ff.
  3. Cemil Bilsel Lozan, Bd. I, S. 261-272
  4. Taner Akcam Armenien und der Völkermord, Hamburg 2004, S. 108
  5. Smyrna 1922. Das Tagebuch des Arztes Garabed Hatscherian. Hrsg. u. aus dem Armenischen übersetzt von Dora Sakayan. Mit einer Einleitung von Tessa Hofmann. KITAB, Klagenfurt 2006. ISBN 3902005874 (Tagebuch eines armenischen Arztes und Einwohners von Izmir über Massaker an der dortigen armenischen Bevölkerung während des türkisch-griechischen Krieges). Siehe hierzu auch: http://www.bautz.de/bbkl/h/hatscherian_g.shtml (Garabed Hatscherian im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon)
  6. George Horton: The Blight of Asia, 1926.
  7. René Puaux: Les derniers jours de Smyrne, 1923.

Literatur

  • Rudolf Naumann, Selahattin Katar: Die Agora von Smyrna, in: Istanbuler Forschungen 17, Tübingen 1950, S. 69-114
  • Georg Petzl: Die Inschriften von Smyrna. 2 Bde. Inschriften griechischer Städte aus Kleinasien. Bd. 23, 24. Bonn 1982-1990, ISBN 3-7749-1808-2.
  • Ekrem Akurgal: Alt-Smyrna, Bd. 1, Ankara 1983
  • Dieter O. Klose: Die Münzprägung von Smyrna in der römischen Kaiserzeit, Berlin 1987
  • Yasemin Tuna-Nörling: Die attisch-schwarzfigurige Keramik und der attische Keramikexport nach Kleinasien, die Ausgrabungen von Alt-Smyrna und Pitane. Istanbuler Forschungen. Bd 41. Tübingen 1995, ISBN 3-8030-1762-9
  • Der Neue Pauly Bd. 11, 2001, Sp. 661-663
  • Der Kleine Pauly Bd. 5, 1979, Sp. 244
  • Garabed Hatscherian: Smyrna 1922. Das Tagebuch des Arztes Garabed Hatscherian. Hrsg. u. aus dem Armenischen übersetzt von Dora Sakayan. Mit einer Einleitung von Tessa Hofmann. KITAB, Klagenfurt 2006, ISBN 3902005874
  • René Puaux: Les derniers jours de Smyrne, 1923
  • George Horton: The Blight of Asia. An Account of the Systematic Extermination of Christian Populations by Mohammedans and of the Culpability of Certain Great Powers; with the True Story of the Burning of Smyrna, 1926 [1]
  • Richard Albrecht: "Dies hätte nie geschehen dürfen". Das Smyrna-Tagebuch von Garabed Hatscherian. Quelle zum Holocaustos von 1922 [2]

Weblinks

38.41861111111127.1383333333337Koordinaten: 38° 25′ 7″ N, 27° 8′ 18″ O


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