Solaris (Betriebssystem)


Solaris (Betriebssystem)
Solaris
Bildschirmfoto
Solaris
Java Desktop unter Solaris 10
Basisdaten
Entwickler Oracle
Version 10 8/11 ("U10")
(15. September 2011)
Abstammung \ UNIX
 \ BSD
  \ SunOS
   \ UNIX
    \ UNIX System V
     \ Solaris
Architekturen 68k, SPARC, x86, AMD64, Intel 64
Lizenz Software License Agreement
Website Oracle Solaris

Oracle Solaris[1] ist der Name einer Betriebssystemdistribution auf Basis von SunOS und ist ein Unix-Betriebssystem. Seit der Übernahme von Sun Microsystems 2010[2] gehört Solaris der Firma Oracle.

Es ist seit 1990 kompatibel zur UNIX System V-Familie. Frühe Versionen wurden unter dem Namen UNIX xx Sun Version yy veröffentlicht. Der Name SunOS wurde erstmals mit der ersten öffentlichen SunOS-3.0 Beta vom 1. Quartal 1986 ab verwendet. Die erste Version unter dem Namen SunOS wurde auf Basis von BSD-UNIX als proprietäres Betriebssystem für den Einsatz auf Servern und Workstations von Sun entwickelt. Version 5.0 von SunOS wurde auf der Basis von UNIX System V neu entwickelt und der Produktname Solaris eingeführt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Zum Zeitpunkt der Firmengründung von Sun im Jahre 1982 war der Motorola 68010 noch nicht verfügbar. Daher konnte BSD-Unix mit seiner virtuellen Speicherverwaltung nicht auf die Sun-1 portiert werden. Die ersten Motorola 68000-basierten Sun-1-Systeme von Sun liefen daher mit einer UNIX V7 Portierung der Firma UniSoft. Nachdem der Motorola 68010 verfügbar wurde und späte Sun-1-Systeme damit ausgestattet wurden, entwickelte Sun zunächst eine BSD-Unix-Variante, die unter dem Namen BSD-UNIX Sun Version xx verteilt wurde. Im Laufe der Jahre wurde sie um viele Eigenschaften von System V erweitert und mit Erscheinen von SunOS-3.0 in SunOS umbenannt. Die von Sun später entwickelte Sun-4-Baureihe mit SPARC-Prozessorarchitektur machte SunOS weiter beliebt, und schließlich war SunOS 4.1.1_U1 das letzte offizielle Release, das noch Rechner der Sun3-Baureihe mit Motorola 68000er unterstützte. Die letzte SunOS-4-Version von 1995 war 4.1.4 und brachte neben Fehlerbereinigung noch Unterstützung für die Maschinen mit MicroSPARC-Prozessor.

Die nicht sehr erfolgreiche Baureihe Sun386 mit Intel-Prozessoren wurde von SunOS in den Versionen 4.0.1 bis 4.0.3 unterstützt. Mit Version 4.1.2 wurde Multiprozessorbetrieb (asymmetrisch) eingeführt.

Die Version 5 von SunOS wurde auf Basis von System V Release 4 neu entwickelt, nachdem Sun Partner von Unix International geworden war. Es wurde mit der grafischen Benutzeroberfläche CDE und Java gebündelt und ab 1992 als „Operating Environment“ Solaris 2.x vermarktet. Es war von Anfang an SMP-fähig.

Die frühen Versionen von Solaris, die noch auf SunOS Version 4 basierten, wurden in späteren Jahren als Version 1.x nummeriert. Nach Version 2.6 wurde die „2.“ weggelassen: Im Jahre 2004 erschien die aktuelle Version 10 (SunOS 5.10), die man seit Februar 2005 kostenlos bei Sun herunterladen kann.

Sechs Monate nach Veröffentlichung von Solaris 10 wurden schließlich wesentliche Teile des Quelltextes der nachfolgenden Entwicklerversion von Sun offengelegt und das System als OpenSolaris zum Download freigegeben. Die Weiterentwicklung erfolgte bis August 2010 als freies Betriebssystem. Am 13. August 2010 wurde bekanntgegeben, dass OpenSolaris mit sofortiger Wirkung eingestellt wird.[3][4]

Ein Jahr nach der Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle äußerte sich John Fowler (Executive Vice President Systems bei Oracle) Anfang August 2010 zur Zukunft von Solaris. Fowler erklärte, dass 2011 Solaris 11 erscheinen solle und in diesem Solaris zahlreiche Komponenten „erneuert oder grundlegend überarbeitet werden“.[5] Gemäß einer von Oracle veröffentlichten Roadmap[6] sah man den Start von Solaris 11 für die zweite Jahreshälfte 2011 vor. Das grundlegend überarbeitete Solaris sollte demnach auch für x64-Plattformen verfügbar sein.[7]

Am 5. November 2011 erklärte Jim Laurent in seinem Blog, dass vier Tage später, am 9. November 2011, der offizielle Launch-Day von Solaris 11 sein würde.[8]

Funktionen und Besonderheiten

Seit der Version Solaris 7 (SunOS 5.7) bietet Solaris auf UltraSPARC-CPUs eine durchgängige 64-Bit-Unterstützung. Am 4. September 1991 wurde eine Solaris-Portierung für x86 angekündigt, im Januar 1992 begonnen. Seit dem 23. Juni 1992 ist die x86er-Prozessor-Version verfügbar, welche seit August 2004 auch auf AMD64 bootet und in Version 10 daher auch 64-Bit-Unterstützung für AMD64-CPUs oder Intel 64-CPUs bietet. Die Solaris-Version für PowerPC wurde nach dem ersten Release (Solaris 2.5.1) zunächst wieder eingestellt, eine neue Portierung begann nach Veröffentlichung von OpenSolaris unter dem Namen Polaris.

Seit Januar 2005 existiert das OpenSolaris-Projekt, das, unter der Leitung von Sun, den Quellcode von Solaris größtenteils unter der Common Development and Distribution License der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Unter dem Namen OpenSolaris wurden die Quellen für Kernel, einzelne Module und Bibliotheken dann am 14. Juni 2005 als Open-Source-Betriebssystem freigegeben. Im Rahmen dessen soll auch eine Solaris-Version für PowerPC erscheinen, die derzeit im Rahmen des Blastwave- bzw. OpenSolaris-Projektes in Arbeit ist. Anfang 2006 wurde von den Entwicklern eine entsprechende Portierung auf die Pegasos-basierte CHRP-Workstation ODW von IBM/Freescale/Genesi bekanntgegeben.

Software

Die Software unter Solaris wird hauptsächlich im Rahmen einer Paketverwaltung mit Hilfe der pkg-Programme (pkgadd, pkgrm, pkgchk ...) verwaltet. Viele Programme, die auf anderen Unix- oder ähnlichen Betriebssystemen wie etwa Linux laufen, können auf Solaris portiert werden. So stellt zum Beispiel das Blastwave-Projekt mit der Unterstützung von Sun hunderte von zusätzlichen Software-Paketen für Solaris bereit, welche mit dem Programm pkgadd eingespielt werden können. Verfügbar sind unter anderem die grafischen Oberflächen CDE, XFCE, KDE und GNOME, der Browser Firefox, die GNU Textutils und andere.[9]

Versionsübersicht

Version Datum Beschreibung / Änderungen
SunOS 0.7 Februar 1982
  • Erste veröffentlichte Version von SunOS, entwickelt auf Basis von UNIX V7 (7th Edition)
  • Unterstützung für Motorola-68000-basierte Systeme der Sun-1-Serie
SunOS 1.0 1983
  • Umstellung der Codebasis auf 4.1BSD
  • Unterstützung für Motorola-68010-basierte Systeme der Serien Sun-1 und Sun-2
SunOS 1.1 April 1984
SunOS 1.2 Januar 1985
  • Umstellung der Codebasis auf 4.2BSD
SunOS 2.0 15. Mai 1985
SunOS 3.0 17. Februar 1986
  • Unterstützung für Systeme der Sun-2-Serie, sowie der Motorola-68020-basierten Sun-3-Serie
SunOS 3.2 September 1986
  • Teilweise Umstellung der Codebasis auf 4.3BSD
  • Teilweise Unterstützung für Systeme der SPARC-basierten Sun-4-Serie
SunOS 4.0 1989
  • Umstellung der Codebasis auf 4.3BSD und teilweise auf UNIX System V IPC
  • Vollständige Unterstützung für SPARC-Architektur
  • Unterstützung für Systeme der Serien Sun-2, Sun-3, Sun-4, sowie der Intel-80386-basierten Sun386i-Serie
  • Einführung eines neuen Virtual Memory System, dynamischer Bibliotheken, System-V-STREAMS-I/O und OpenWindows 1.0 (separat zu SunOS verfügbar)
SunOS 4.1.1 März 1990
  • Letzte Version mit Unterstützung der 680x0-Architektur
  • Auslieferung mit OpenWindows 2.0
  • Spätere Benennung von SunOS 4.1.1 in Solaris 1.0
SunOS 4.1.2 Dezember 1991
  • erste Multiprozessor-Unterstützung
  • Auslieferung mit OpenWindows 2.0
  • Spätere Benennung von SunOS 4.1.2 in Solaris 1.0.1
SunOS 4.1.3 August 1992
  • Gängigste Variante auf SPARC
  • Auslieferung mit OpenWindows 3.0
  • Spätere Benennung von SunOS 4.1.3 in Solaris 1.1
SunOS 4.1.4 November 1994
  • Unterstützung der MicroSPARC-Architektur
  • Auslieferung mit OpenWindows 3.0
  • Spätere Benennung von SunOS 4.1.4 in Solaris 1.1.2
Solaris 2.0 SPARC (SunOS 5.0) Juli 1992
  • Umstellung der Codebasis auf Unix System V Release 4
  • Unterstützung für Systeme der Sun-4c-Serie
Solaris 2.0 x86 (SunOS 5.0) Dezember 1992
  • Erste Solaris-Version mit Unterstützung für x86-Architektur
Solaris 2.1 SPARC (SunOS 5.1) Dezember 1992
  • Unterstützung für Systeme der Sun-4m-Serie
Solaris 2.2 SPARC (SunOS 5.2) Mai 1993
  • Erstmals Unterstützung für Multithreading
  • Unterstützung für Systeme der Sun-4d-Serie
Solaris 2.3 SPARC (SunOS 5.3) November 1993
  • Umstellung in OpenWindows 3.3 von NeWS auf Display PostScript und Einstellung der Unterstützung für SunView
Solaris 2.1 x86 (SunOS 5.1) November 1993
  • Weiterentwicklung der Solaris-x86-Linie auf Basis von Solaris 2.1 SPARC
Solaris 2.4 (SunOS 5.4) November 1994
  • Erste gemeinsame Version von Solaris für SPARC und x86
  • Enthält OSF/Motif-Runtime-Unterstützung
Solaris 2.5 (SunOS 5.5) November 1995
  • Erste Unterstützung für UltraSPARC-Architektur
  • Einführung von NFSv3 und NFS/TCP, enthält CDE
Solaris 2.5.1 (SunOS 5.5.1) Mai 1996
Solaris 2.6 (SunOS 5.6) August 1997
Trusted Solaris 2.5.1 September 1998
Solaris 7 (SunOS 5.7) 27. Oktober 1998
  • Erste Unterstützung für 64-Bit-UltraSPARC-Architektur
  • Einführung von UFS-logging
Trusted Solaris 7 2. November 1999
  • Weiterentwicklung von Trusted Solaris auf Basis von Solaris 7
  • Unterstützung für die Systeme der Serien Sun-4c, Sun-4m, Sun-4d und Sun-4u
Solaris 8 (SunOS 5.8) 26. Januar 2000
  • Einführung von Multipath I/O, IPv6, IPsec und Role Based Access Control (RBAC)
  • Einstellung der Unterstützung für Systeme der Sun-4c-Serie
  • Letzte aktualisierte Version der Solaris-8-Linie war Solaris 8 2/04 (Februar 2004)
Trusted Solaris 8 20. November 2000
  • Weiterentwicklung von Trusted Solaris auf Basis von Solaris 8
  • Letzte Version der Trusted-Solaris-Linie, jedoch wurden die sicherheitsrelevanten Erweiterungen von Trusted Solaris teilweise durch Solaris Trusted Extensions in Solaris 10 implementiert
Solaris 9 (SunOS 5.9) 22. Mai 2002 (SPARC)
10. Januar 2003 (x86)
  • Einführung von iPlanet Directory Server, Resource Manager, Solaris Volume Manager, Linux-Kompatibilität
  • OpenWindows eingestellt, Unterstützung für Sun-4d-Serie entfernt
  • Letzte aktualisierte Version der Solaris-9-Linie war Solaris 9 9/05 (September 2005)
Solaris 10 (SunOS 5.10) 31. Januar 2005
  • Erste Unterstützung für AMD64- und Intel-64-Architektur
  • Einstellung der Unterstützung für Systeme der Sun-4m-Serie und der UltraSPARC-I-Architektur für Taktgeschwindigkeiten unter 200 MHz
  • Einführung von GNOME-basiertem Java Desktop System, NFSv4, iSCSI, Solaris Containers, Least-privilege-Sicherheit, Service Management Facility (SMF), des GRUB-Bootloaders (seit Solaris 10 1/06) und ZFS zur Plattenverwaltung (seit Solaris 10 6/06) sowie DTrace zur Performance-Analyse
  • kostenlos
Open Solaris (Sun OS 5.10.1) 14. Juni 2008
  • Solaris wird unter CDDL gestellt
  • Es entstehen verschiedene weitere freie Distributionen (Siehe Open Solaris)[10]
Solaris 11 Express 2010.11 (Sun OS 5.11) 15. November 2010
  • Erste Version von Oracle
  • Neues Paketsystem
  • Netzwerkvirtualisierung und QoS
  • ZFS-Verschlüsselung und -Deduplikation[11]

Befehl zur Anzeige der installierten Solaris Revision (Version): cat /etc/release

Literatur

Weblinks

 Commons: Solaris – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.sun.com/software/solaris/get.jsp
  2. www.stern.de: EU-Kommission: Oracle darf Sun übernehmen
  3. http://www.pro-linux.de/news/1/16036/oracle-stellt-opensolaris-ein.html
  4. Oracle beerdigt OpenSolaris. ZDNet.de, 16. August 2010, abgerufen am 17. August 2010.
  5. Oracle zur Zukunft von Solaris. iX – Magazin für professionelle Informationstechnik, 11. August 2010, abgerufen am 12. August 2010.
  6. Oracle Solaris, and OpenSolaris. Oracle Public Sector, abgerufen am 17. August 2010.
  7. Solaris 11 kommt in der zweiten Jahreshälfte 2011. ZDNet.de, 12. August 2010, abgerufen am 12. August 2010.
  8. Live Webinar zur Vorstellung von Solaris 11. Oracle, 5. November 2011, abgerufen am 6. November 2011.
  9. OpenCSW Paketliste
  10. C't Ausgabe "c't Spezial 03/2008"
  11. Oracle (November 15, 2010): Oracle Solaris 11 Express. Abgerufen am 18. November 2010.

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