Sonny Liston


Sonny Liston
Sonny Liston Boxing pictogram.svg
Daten
Geburtsname Charles L. Liston
Gewichtsklasse Schwergewicht
Nationalität US-Amerikanisch
Geburtstag 8. Mai 1932
Geburtsort Little Rock, Arkansas
Todestag 30. Dezember 1970
Todesort Las Vegas
Stil Linksauslage
Größe 1,85 m
Kampfstatistik
Kämpfe 54
Siege 50
K.-o.-Siege 39
Niederlagen 4

Charles L. „Sonny“ Liston (* 8. Mai 1932 in Little Rock, Arkansas; † 30. Dezember 1970 in Las Vegas, Nevada), war ein US-amerikanischer Boxer und zwischen 1962 und 1964 Weltmeister im Schwergewicht. Er war im Ring gefürchtet für seine extreme Schlagkraft und Aggressivität. Sein Management und auch er selbst waren nachweislich eng mit dem organisierten Verbrechen verbunden.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit und Jugend

Listons genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Seine Mutter gab als mögliche Geburtsjahre 1929, 1930 sowie 1932 an, Liston 1928, 1932 und 1933. Auch sein Geburtstag ist nicht ganz klar, während seine Mutter den 8. bzw. den 18. Januar angab (Ich weiß, dass er im Januar geboren wurde, denn es war kalt im Januar.), sprach Liston selbst meist vom 8. Mai. Offizielle Aufzeichnungen über Geburten wurden damals in den Vereinigten Staaten noch nicht gemacht. Gegen eine Geburt in den 1920er Jahren spricht allerdings, dass es in den Volkszählungsunterlagen von 1930 keinen Beleg für einen Charles L. Liston gibt. Näheren Aufschluss über sein Geburtsjahr könnte die Veröffentlichung der Volkszählungsunterlagen von 1940 geben. Diese Daten sollen 2012 veröffentlicht werden. Liston selbst nannte den 8. Mai 1932 als seinen Geburtstag.

Er war das neunte von elf Kindern eines kleinen Baumwollfarmers, Tobin Liston und dessen Frau Helen. Er galt als ein einzelgängerisches, verschlossenes Kind, sein Verhältnis zu seinem Vater war sehr angespannt und geprägt von dessen Grausamkeit und Gewalttätigkeit gegenüber den Kindern und der Mutter. Ab seinem achten Lebensjahr musste Charles ganztägig arbeiten, zur Schule ging er nur selten, so dass er weder Lesen noch Schreiben lernte (auch als Erwachsener sollte sich das nicht mehr ändern). 1945 oder 1946 schickte sein Vater ihn dann zu seinem älteren Halbbruder Ezra Baskin Ward, einem Bluesmusiker (und Vater von B. B. King), bei dem er jedoch nicht sehr lange blieb.

1946 starb Listons Vater und kurz darauf zog seine Mutter nach St. Louis, wohin ihr Charles folgte. Dort lernte er Willie Jordan kennen, mit ihm sowie einigen anderen beging er Ende 1949, Anfang 1950 mehrere Raubüberfälle und Diebstähle, für die er zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. In der Haft bekam er seinen Spitznamen „Sonny“ (der genaue Ursprung ist unklar) und begann mit dem Boxen, bereits dort fiel er durch seine spektakuläre Schlagkraft auf. Da er sich gut führte und mit Muncey Harrison und Frank Mitchell ein Trainer und ein Manager für ihn bereitstanden, die ihm den Weg in eine Boxkarriere ebnen wollten, wurde Liston am 30. Oktober 1952 bedingt aus der Haft entlassen.

Boxkarriere

Anfänge

Bereits im März 1953 siegte er im Golden Gloves-Turnier, einem renommierten nationalen Boxturnier für Amateure. Noch im August des Jahres wurde er Profi und machte mit mehreren kurzrundigen KO-Siegen auf sich aufmerksam.

Auch der Mafioso Frankie Carbo, der das Boxen in den frühen 1950ern beherrschte, bekam dies mit und nahm ihn unter Vertrag. Er verlor zwar gegen Marty Marshall nach Punkten, schlug ihn später aber zwei Mal überzeugend und konnte eine ganze Reihe von hochklassigen Gegnern schlagen, darunter Zora Folley, Eddie Machen (diesen allerdings nur knapp nach Punkten, da der Ringrichter Liston drei Punkte wegen wiederholtem Tiefschlagens abzog), Cleveland Williams und Nino Valdes.

Seine Karriere wurde durch einen abermaligen Gefängnisaufenthalt unterbrochen, nachdem er 1956 einen Polizisten zusammengeschlagen hatte, der einem Taxifahrer, in dessen Wagen Liston mitfuhr, einen Strafzettel verpassen wollte. Nach seiner Entlassung kehrte er bald in den Ring zurück und qualifizierte sich schließlich für einen Kampf um die Weltmeisterschaft.

Das Management von Floyd Patterson weigerte sich lange, ihn um die Krone boxen zu lassen, unter anderem wegen seiner angeblichen Mafiakontakte.

Am 25. September 1962 besiegte Liston schließlich Floyd Patterson in der ersten Runde durch Knockout, zum damaligen Zeitpunkt die schnellste KO-Niederlage, die ein amtierender Weltmeister im Schwergewicht hinnehmen musste.

Schwergewichtsweltmeister

Ein Rückkampf mit Floyd Patterson am 22. Juli 1963 brachte dasselbe Ergebnis wie der erste Kampf zwischen den beiden Boxern.

Am 25. Februar 1964 nahm ihm der junge Cassius Clay den Weltmeistertitel wieder ab. In diesem Kampf, dem zahllose Provokationen und Publicity-Nummern Clays vorausgegangen waren, blieb der nur schlecht vorbereitete Liston nach der sechsten Runde in seiner Ecke und gab den Kampf auf, nachdem ihn Clays Schnelligkeit und die Tatsache, dass er ihn trotz dessen aufreizend herabhängender Fäuste kaum treffen konnte, mehr und mehr frustriert hatte.

Ehemaliger Champion

Auch im Rückkampf ein Jahr später besiegte ihn Clay, der inzwischen zum Islam konvertiert war und sich zu Muhammad Ali umbenannt hatte, erneut.

Im Rückkampf wurde Liston in der ersten Runde nach nur 105 Sekunden Kampf vom so genannten „Phantomschlag“ (Phantom Punch) niedergestreckt, einem Treffer mit der Rechten an seinen Kiefer, der sehr kurz und schnell geschlagen und weder von Liston noch von großen Teilen des Publikums gesehen worden war. Ali schrie daraufhin den am Boden liegenden Liston mit den Worten „Get up, you bum“ wutentbrannt an (deutsch: "Steh auf, du Penner") und Ringrichter Jersey Joe Walcott zählte ihn zunächst weder an noch aus, da er den wütend vor Liston stehenden und schreienden Ali von Liston wegzudrängen suchte. Der Kampf wurde dann zunächst wieder freigegeben, unmittelbar darauf wieder beendet, als Nat Fleischer, der Gründer des „Ring Magazines“, Walcott darauf hinwies, dass Liston schon mehr als 10 Sekunden am Boden gewesen sei. Es ist bis heute der schnellste K.O. eines ehemaligen Schwergewichtsweltmeisters im Ring.

Film- und Fotoaufnahmen beweisen im Nachhinein deutlich, dass Liston von Ali tatsächlich schwer getroffen worden war. Deutlich kann man darauf die entspannte Muskulatur von Listons Körper während des Sturzes erkennen, die seine Bewusstlosigkeit zu diesem Zeitpunkt bereits erkennen lässt.

Der nur von wenigen gesehene Phantom Punch gab im Verbund mit Listons scheinbarer Unbesiegbarkeit und seinen dubiosen Kontakten zur Mafia vielfach Anlass für Spekulationen über einen möglichen Betrug. Diese wurden andererseits wegen der offensichtlichen Feindschaft zwischen diesen beiden Boxern bezweifelt, so hatte Liston vor dem ersten Kampf, auf die Provokationen Clays angesprochen, erklärt, dass er die Absicht habe, Clay umzubringen. Auch in seiner Autobiographie wandte sich Ali gegen jede solche Interpretation und erklärte explizit: „Tatsache ist, dass noch niemals ein Kampf weniger abgesprochen war als dieser.“ [1].

Nach dieser Niederlage bestritt Liston mehrere erfolgreiche Kämpfe, zunächst in Schweden, dann auch wieder in den USA; aufgrund des zweiten Ali-Kampfes bzw. der Manipulationsgerüchte diskreditiert, erhielt er jedoch keine WM-Chance mehr, obwohl er durchaus noch gute Gegner schlug.

Seine Karriere war praktisch vorbei, als er 1969 von Leotis Martin in Runde neun K.O. geschlagen wurde. Martin selbst erlitt in diesem Kampf eine schwere Augenverletzung, die seine Karriere beendete.

Am 29. Juni 1970 bestritt Liston seinen letzten Kampf gegen Chuck Wepner und errang einen Knockout-Sieg nach zehn Runden.

Liston hatte eine sehr enge Freundschaft zu seinem Idol und Boxlegende Joe Louis, der auch in Las Vegas wohnte. Louis und er waren beide drogensüchtig gewesen und mehrmals dabei aufgefallen. Ein halbes Jahr nach seinem letzten Kampf starb er unter mysteriösen und nie geklärten Umständen in seinem Apartment in Las Vegas, vermutlich aber wohl an einer Überdosis Heroin.

Der 1,85 m große Liston wurde in 54 Kämpfen nur viermal geschlagen, darunter zweimal von Clay/Ali.

1991 fand Liston Aufnahme in die International Boxing Hall of Fame.

Image

Liston gilt neben Jack Johnson als einer der beim zeitgenössischen Publikum unbeliebtesten Weltmeister des 20. Jahrhunderts. Beim Betreten der Halle wurde er meist mit Buh-Rufen und Pfiffen empfangen, Kritiker und Zeitungen äußerten sich meist negativ über ihn.

Als schwarzer Boxer in einer rassistischen Kultur machte Liston dem (weißen) Publikum gegenüber keine Konzessionen, die zum Beispiel Joe Louis oder Floyd Patterson erst ihre Erfolge ermöglicht hatten. Im Gegensatz zu seinem Nachfolger Cassius Clay/Muhammad Ali war er allerdings unpolitisch.

Insbesondere seine Kämpfe gegen Patterson erlangten auch große symbolische Bedeutung. Die Begegnung zweier schwarzer Boxer im Ring mit diametral entgegengesetzten Persönlichkeiten und Lebensstilen hatte in den vom „Civil rights movement“ aufgeheizten USA Symbolcharakter.

Für das zu großen Teilen rassistische weiße Amerika war der Kampf einer zwischen dem „guten Nigger“ und dem „bösen Nigger“. Wo Patterson defensiv und unterwürfig erschien, wirkte Liston bedrohlich und bösartig. Aber auch das schwarze Amerika mochte sich mit dem wortkargen, grimmigen, kriminellen und charakterlich zwielichtig scheinenden Liston weitenteils nicht identifizieren, da mit dem bescheidenen, gebildeten und „anständigen“ Floyd Patterson eine zeitgemäßere Identifikationsfigur im Ring stand. James Baldwin zeichnete diesen Konflikt in einem Essay 1963 nach „Ich fühlte mich schrecklich zerrissen, so wie viele Neger heute, da wir alle versuchen, auf die eine oder andere Weise zu entscheiden, welche Haltung in unserem schrecklichen amerikanischen Dilemma die wirkungsvollere ist: die disziplinierte Freundlichkeit Pattersons oder die freimütige Unerbittlichkeit Listons.“ [2].

LeRoi Jones erklärte Liston in einem Essay 1964 symbolhaft zum „großen schwarzen Neger im Flur eines jeden Weißen, der darauf wartete, ihn umzubringen, ihn wegen all der Schmerzen, die die Weißen durch ihr tyrannisches System der Welt zugefügt haben, fertigzumachen“ und postulierte ihn als den „bösen Nigger“ [3]. Norman Mailer tadelte Patterson für sein Bemühen um eine „schäbige Rechtschaffenheit“, um im weißen Amerika nicht anzuecken, und sprach im Gegenzug von Liston als „Held für alle, die sich mit dem Schicksal anlegten, solange sie nur ihren Spaß dabei hatten; die Zigarettenraucher, die Säufer, die Junkies, die Hascher, die Fixer, die Zicken, die Schwuchteln, die Klappmesser, die Revolverschwinger“ [4].

Die Beatles veröffentlichten 1967 auf dem Cover ihrer LP Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band auf der Vorderseite die Wachsfigur von Liston neben sich selbst und vielen anderen prominenten Persönlichkeiten.

Mark Knopfler hat auf seinem Album Shangri-La einen „Song for Sonny Liston“ aufgenommen, in dem er das tragische Leben und Sterben des Boxers beschreibt.

Die französische Crossover-Band 10 Rue d’la Madeleine hat ihr zweites Album "Comme Sonny cogne" genannt, was soviel bedeutet wie "Wie Sonny zuschlagen". Auf dem Cover ist Sonny Liston zu sehen.

Siehe auch

Literatur

  • Yaak Karsunke: Josef Bachmann. Sonny Liston, Berlin 1973
    • Vorläufer-Text, nur über Liston & das Boxen: They'll never come back, in: Renate Matthaei (Hg'in): Trivialmythen, März, Frankfurt 1970, wieder in dies. Hg.'in: März-Texte 1 & Trivialmythen, Area, Erftstadt 2004 ISBN 3899960297 S. 461 - 470
  • Nick Tosches: Der Teufel und Sonny Liston, München 2000, ISBN 3-453-18220-0

Weblinks

 Commons: Sonny Liston – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Muhammad Ali, Der Größte. Meine Geschichte., Droemer Knaur, München, 1982, ISBN 3-426-05600-3, p.123
  2. James Baldwin: The Fight: Patterson vs. Liston, 1963, in: Nugget
  3. LeRoi Jones: Home: Social Essays, 1965
  4. Norman Mailer: Ten Thousands Words A Minute, 1963, in: Esquire

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