Soul

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Soul
Soul-Star der Sechziger: Dionne Warwick

Soulmusik oder einfach Soul bezeichnet eine Hauptströmung der afroamerikanischen Unterhaltungsmusik. Sie entwickelte sich Ende der 1950er Jahre aus Rhythm and Blues und Gospel. In den 1960er Jahren war Soul fast das Synonym fĂŒr schwarze Popmusik. Eng verknĂŒpft ist die Geschichte dieser Stilrichtung mit dem Kampf der US-amerikanischen BĂŒrgerrechtsbewegung gegen Rassentrennung und fĂŒr Gleichberechtigung.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung und Charakteristika

Der Begriff Soul-Musik wird seit den 1990ern in einem engeren und einem weiteren Sinn verwendet. Der Engere bezieht sich auf die musikalische Vortragsweise, wie sie in den 60ern und 70ern praktiziert wurde. Diese besteht in einer stark emotionalen Darbietung von Vokal- und Instrumentalsoli („heart and soul“ = mit ganzer Seele), der Betonung des Gesangsparts und in dramatisch aufgebauten MusikstĂŒcken mit starken Kontrasten bei LautstĂ€rke und Instrumentierung. Die Neo Soul genannte AusprĂ€gung der 80er und 90er Jahre hat als Hauptelemente kombinierte Beatschleifen (Grooves) Ă€hnlich wie beim Hip-Hop. Im weiteren Sinn steht Soul fĂŒr eine ganze Gattung der PopulĂ€rmusik neben Rock, Funk, Disco, Hip-Hop und Easy Listening.

Beispiele fĂŒr die unterschiedliche Charakteristik von Soulkompositionen ist die langsame Ballade „When A Man Loves A Woman“ von Percy Sledge und das anheizende schnelle Otis-Redding-StĂŒck „Respect“ in der Interpretation von Aretha Franklin. Der kommerzielle Neo Soul steht im Spannungsfeld von Jazz mit seiner SpontanitĂ€t, Improvisiertheit und KreativitĂ€t, Pop mit seinen kommerziellen Hörgewohnheiten, Rock mit seiner HĂ€rte und Geradlinigkeit sowie dem Easy Listening und dem Chanson mit all seiner Melodiehaftigkeit und Zartheit. Obwohl der Soul seit den 70er Jahren von entstehenden populĂ€ren Ablegern wie Funk, Disco oder Hip-Hop in den Hintergrund gedrĂ€ngt wurde, gilt er bis heute als ein Hauptstil innerhalb der Unterhaltungsmusik und Gattungsbegriff fĂŒr die "Black Music".

Entstehung und Stil

PrÀgte die Grundlagen des Soul mit: Jazz-SÀngerin Ella Fitzgerald 1940

Der Soul bildete sich Mitte der 40er Jahre im Rampenlicht populĂ€rer Big Bands (Duke Ellington, Count Basie) und Harmonie-Gesangsgruppen (The Platters, The Coasters) durch die Verarbeitung von Elementen des Swing, Bebop, Blues und Gospel in der PopulĂ€r- und Tanzmusik fĂŒr ein Publikum aus den afroamerikanischen Bevölkerungsschichten in den GroßstĂ€dten der USA, insbesondere New York, Chicago und New Orleans, heraus. Inspirierend wirkten dabei immer wieder Versuche renommierter Bluesinterpreten (John Lee Hooker, T-Bone Walker, Muddy Waters) und Jazzmusiker (Ella Fitzgerald, Lionel Hampton, Dinah Washington), den kommerziellen Erfolg ihrer Veröffentlichungen zu erhöhen, zugleich aber das Typische und UrsprĂŒngliche ihrer Musik zu erhalten. Diese Entwicklung mĂŒndete in die Entstehung des Rhythm ’n’ Blues als Vorstufe des Rock ’n’ Roll in den frĂŒhen 50er Jahren. WĂ€hrend bei der Entwicklung zum Rock ’n’ Roll (Chuck Berry, Fats Domino, Little Richard) verstĂ€rkt auch Elemente der Country-Musik BerĂŒcksichtigung fanden und rhythmisch tendenziell der Up-Beat vorherrschte, kondensierte sich durch Hinwendung zum Down-Beat der als eigenstĂ€ndiges Genre wahrnehmbare Soul heraus.

Martin Luther King auf dem Marsch nach Washington 1963

Die Soulwelle der 60er Jahre fasste bereits bestehende Tendenzen innerhalb der schwarzen Musik zu einem kraftvollen, großen Strom zusammen. Musikalisch griff sie die Impulse diverser Gospel-orientierter Gesangsgruppen auf. Die neu entstehende Soulmusik kombinierte typische Gospel-Elemente wie die GefĂŒhlsintensitĂ€t des Vortrags (das sogenannte Shouting), die auf dem Call and Response-Prinzip basierende Songstruktur sowie das den Takt unterstreichende, rhythmische HĂ€ndeklatschen mit der musikalischen Energie und der Bandstruktur des Rhythm’n’Blues. Stilistisch markierte der Soul einen deutlichen Bruch mit der schnellen und rhythmusbetonten, jedoch ohne Anspruch auf Tiefgang daherkommenden Rhythm’n’Blues-Unterhaltungsmusik, wie sie sich seit dem Zweiten Weltkrieg etabliert hatte. Die Wiederaneignung der aus dem SĂŒden stammenden Gospel-Tradition ging jedoch einher mit weltlichen Texten. Anstatt der im Rhythm’n’Blues gĂ€ngigen GrobschlĂ€chtigkeit propagierte Soul neue Werte wie Mode und Eleganz. Nicht zuletzt betonte er auch eine andere Sichtweise des VerhĂ€ltnisses der Geschlechter: War im Rhythm’n’Blues das VerhĂ€ltnis zwischen Frau und Mann oft auf das Sexuelle sowie den gegenseitigen Nutzwert reduziert, thematisierten eine Reihe von Soul-Texten auch spirituelle Aspekte wie Verantwortung und Zuneigung. Verglichen mit der Rock ’n’Roll-Dekade der FĂŒnfziger, prĂ€sentierte der Soul oft ein geradezu realistisches und erwachsenes Bild der GeschlechterverhĂ€ltnisse. Obwohl sich die SĂ€nger und SĂ€ngerinnen dabei teilweise bis in ihr Innerstes offenbarten, blieb der Vortrag trotz allen Temperaments stets kontrolliert und unterwarf sich der Dramaturgie des jeweiligen StĂŒcks.

Eng verknĂŒpft war der Erfolg der neuen Musikrichtung mit den Erfolgen und RĂŒckschlĂ€gen der BĂŒrgerrechtsbewegung. Manifest wurde deren Bedeutung durch den Marsch auf Washington am 28. August 1963, an dem rund 250.000 Menschen teilnahmen. Die von der BĂŒrgerrechtsbewegung langfristig anvisierte Integration der Farbigen in die weiße Mehrheitsgesellschaft drĂŒckte sich in der neuen Musikrichtung sehr unmittelbar aus. Als BlĂŒtezeit des Souls gilt nicht umsonst die Ära der Freedom Rider, deren Zivilcourage die Abschaffung der Rassentrennungsgesetze nicht unmaßgeblich mitbewirkte. Soul brachte das erstarkende schwarze Selbstbewusstsein in SchlĂŒssel-Songs zum Ausdruck wie „Say It Loud – I’m Black And I’m Proud“ von James Brown (1968) und „Respect“ von Aretha Franklin (1967). Von der Bedeutung der Musik fĂŒr das neue SelbstverstĂ€ndnis kĂŒndeten schließlich auch neue Begriffe aus der Alltagssprache wie „Soulbrother“ und „Soulsister“.

Stilistisch lassen sich im Sechzigerjahre-Soul zwei HauptstrĂ€nge ausmachen. Eine – der sogenannte Southern Soul – offerierte eine rauere, ungeschminktere Version und wird vor allem mit den Produktionen der beiden Labels Atlantic Records (New York) und Stax (Memphis) assoziiert. Die zweite Richtung, die sich vor allem um das Detroiter Label Motown gruppierte, favorisierte hingegen eine möglichst mainstreamtaugliche schwarze Unterhaltungsmusik und erzielte mit dieser zeitweilig immense Erfolge im weißen Massenmarkt. Eine zweite Soulwelle Anfang der Siebziger Jahre, ausgelöst durch die Produktionen des Labels Philadelphia International Records und bekannt geworden unter dem Etikett Philly Sound, baute ebenfalls auf dieses Grundkonzept.

Obwohl nachfolgende Stilrichtungen in den 70ern und 80ern den Soul in den Hintergrund drĂ€ngten, gilt er bis heute als das große Bindeglied zwischen dem Rock’n’Roll, Blues und Rhythm’n’Blues der FĂŒnfziger und dem Funk sowie der Disko-Musik der Siebziger. Auch die Hip-Hop-Welle konnte Soul relativ unbeschadet ĂŒberstehen. Immer wieder recycelt und neu aufgelegt, gilt er bis heute als die bestĂ€ndige Pop-Hauptströmung der schwarzen Musik schlechthin.

Die Soul-Ära

Vor allem die Sechziger wurden musikalisch von der Soulmusik entscheidend mitgeprĂ€gt. Der Stil entwickelte sich zu Beginn des Jahrzehnts und entfaltete sich in den folgenden Jahren zu einer eigenstĂ€ndigen schwarzen Popmusik. RĂŒckblickend werden die Sixties als die klassische Ära der Soul-Musik gewertet. Dieser Abschnitt beschreibt die wesentlichen Strömungen und Akteure.

Vom Rhythm’n’Blues zum Soul

Charles Mingus 1976

Der Soul entwickelte sich ab Mitte der FĂŒnfziger aus unterschiedlichen Tendenzen. Sam Cooke, Ray Charles und James Brown werden gemeinhin als die AnfĂ€nge des Soul betrachtet; insbesondere der Ray Charles-Klassiker „What’d I Say“ aus dem Jahr 1959 gilt als einer der wesentlichen Auslöser. Elemente des Soul waren darĂŒber hinaus bereits bei einigen schwarzen Gesangs- bzw. Doo Wop-Gruppen wie etwa den Dominoes, den Drifters und den Platters zu finden. Ebenfalls mit Gospel-typischen Elementen wartete die Musik einiger schwarzer JazzsĂ€ngerinnen auf – wie zum Beispiel Ella Fitzgerald, Nina Simone und Dinah Washington. Starke AffinitĂ€ten zum Gospel enthielt darĂŒber hinaus auch die Musik einiger schwarzer Rock’n’Roll-Interpreten wie zum Beispiel Fats Domino, LaVern Baker und Ruth Brown.

Flankiert wurden die VerĂ€nderungen in der schwarzen Unterhaltungsmusik durch eine vom avantgardistischen Jazz her kommende Richtung. Diese beeinflusste den Hauptstrang der Unterhaltungsmusik zwar nur mittelbar, brachte allerdings gleichfalls ein BedĂŒrfnis nach VerĂ€nderung zum Ausdruck. Ein markantes Signal war die Entwicklung hin zum Hard Bop: Eine Gruppe hochkarĂ€tiger Instrumentalisten (Cannonball Adderley, Horace Silver und Charles Mingus) entschloss sich, die von ihnen als artifiziell angesehene Weiterentwicklung des Bebop zum Cool Jazz nicht mitzuvollziehen und nĂ€herte sich stattdessen der aktuellen Rhythm’n’Blues-Musik an. Sie integrierte den Funk-Rhythmus sowie den akzentuierten, rhythmusbetonten BlĂ€ser-Stil der Unterhaltungsbands in ihre Musik und schuf so einen neuen, bald als Hard Bop bezeichneten Jazz-Stil.

Ausgelöst wurde der Soul so letztendlich von einer Reihe ĂŒbergreifender stilistischer Gemeinsamkeiten. GebĂŒndelt prĂ€sent waren diese bei einem Label, welches die Entwicklung der Rhythm’n’Blues-Szene bereits seit den spĂ€ten Vierzigern begleitet hatte: Atlantic Records in New York.

Uptown Soul

Atlantic Records wurde 1947 von Ahmet ErtegĂŒn, dem Sohn des tĂŒrkischen Botschafters in den USA. und dem jĂŒdischen Produzenten Herb Abramson gegrĂŒndet. 1956 stieß ErtegĂŒns Bruder Nesuhi hinzu. Entscheidend mitgeprĂ€gt wurde die Veröffentlichungspolitik des Labels durch den PrĂ€sidenten der Firma: Jerry Wexler. Atlantic publizierte eine Vielzahl von Stilen: zeitgenössische Rhythm’n’Blues-Musik ebenso wie traditionellen „Down Home“-Blues, Jazz und Pop. Mit LaVern Baker, Ruth Brown, Clyde McPhatter und Ray Charles hatte das Label Ende der FĂŒnfziger wegbereitende KĂŒnstler unter Vertrag. Weitere Atlantic-Acts waren der aus Philadelphia stammende Solomon Burke sowie Dionne Warwick und Bobby Darin.

Insbesondere Solomon Burke konnte die LĂŒcke, die durch den Weggang von Ray Charles 1960 entstanden war, nachhaltig fĂŒllen. Burkes Hitserie begann 1961 mit „Just Out Of Reach“. Mitte der Sechziger erlebte er den Höhepunkt seiner PopularitĂ€t und schrieb mit dem StĂŒck „Everybody Needs Somebody To Love“ einen Klassiker des Sixties-Soul. Burke galt zeitweilig als der „King of Rock’n’Soul“, wurde spĂ€ter allerdings von dem noch temperamentvoller auftretenden James Brown in den Hintergrund gestellt. Als weitere Kassenschlager erwiesen sich fĂŒr Atlantic Records zwei weitere NeuzugĂ€nge: Der gebĂŒrtige Detroiter Wilson Pickett („In The Midnight Hour“, „Land Of The 1000 Dances“) war Mitte der Sechziger ebenfalls einer der gefragtesten SoulsĂ€nger. Zum ĂŒberragenden Star von Atlantic Records wurde allerdings Aretha Franklin, die erst recht spĂ€t, 1967, unter Vertrag genommen wurde. Karrieretechnisch hatte die Tochter eines Baptistenpredigers aus Tennessee bereits einen steinigen Weg hinter sich. Ihr ausdrucksstarker Gesang sowie ihre Inbrunst machten jedoch Titel wie „Respect“ (1967) zu Hymnen des Soul – und ihre SĂ€ngerin zu einer Ikone der Bewegung.

Stilistisch war der Atlantic-Sound ĂŒberdurchschnittlich stark „Gospel-lastig“. Eine Reihe von Atlantic-Aufnahmen entstanden in Zusammenarbeit mit der firmeneigenen Studioband um den Saxophonisten King Curtis; gelegentlich wird der Atlantic-Sound darum auch als Uptown Soul bezeichnet. Da die New Yorker Firma jedoch eng mit den Studios und Labels aus dem SĂŒden kooperierte, subsumieren Soul-Insider den Atlantic-Sound in der Regel unter den Memphis Soul bzw. den Southern Soul.

Memphis Soul: Stax und Muscle Shoals

Das zu Museumszwecken wieder aufgebaute Stax-GebÀude in Memphis

Die sĂŒdliche Richtung des Soul wurde entscheidend geprĂ€gt von dem in Memphis ansĂ€ssigen Label Stax und den in Alabama beheimateten Muscle Shoal-Studios. Typisch fĂŒr den Southern Soul waren engagierte weiße Firmenchefs, die ursprĂŒnglich von der Country- und Rock’n’Roll-Musik kamen und sich nun ausschließlich dem Rhythm’n’Blues widmeten.

Stark dem Idealbild der "Rassenintegration" entsprach insbesondere das Stax-Label in Memphis. GegrĂŒndet hatte es 1958 der ehemalige Bankangestellte und Country-Amateurmusiker Jim Stewart und seine Schwester Estelle Axton . Den typischen Stax-Sound erzeugte die aus zwei Schwarzen und zwei Weißen bestehende Studioband Booker T. & the M.G.’s. Kreative Mittelpunkte des Labels waren ab 1962 Songschreiber und Produzent Isaac Hayes sowie der SĂ€nger Otis Redding, von dem auch die Originalversion des Aretha Franklin-Welterfolgs „Respect“ stammte. Mit Hits wie „I’ve Been Loving You Too Long“ (1965) und „Sittin’ On The Dock Of The Bay“ (1967) avancierte der 1967 tödlich verunglĂŒckte SĂ€nger zum wichtigsten Star der Firma. Erfolgreiche KĂŒnstler des Labels waren neben Redding Joe Tex, Rufus Thomas und Carla Thomas, das Duo Sam & Dave, Eddie Floyd sowie The Staple Singers.

Stilistisch zeichneten sich die Stax-Produktionen durch einen recht einfach gehaltenen, ursprĂŒnglichen Sound aus. Typisch fĂŒr den Stax-Sound war der orgelĂ€hnliche Einsatz der BlĂ€ser. Der Gesang hielt sich im Wesentlichen im Rahmen der Gospeltradition; auf nachtrĂ€gliches Abmischen wurde meist ganz verzichtet. Zeitweilig profitieren konnte das Independent-Label von einem Vertriebsabkommen mit Atlantic Records. Inspirierend wirkte die entspannt-kreative AtmosphĂ€re der Stax-Studios in den Sechzigern auch auf einige Interpreten des sogenannten Blue-Eyed Soul: Die hier aufgenommenen Platten von Elvis Presley, Neil Diamond und Dusty Springfield werden von Musikkritikern immer wieder als herausragende Meilensteine der jeweiligen KĂŒnstler aufgefĂŒhrt.

Zweite relevante ProduktionsstĂ€tte des Southern Soul waren die Muscle Shoals-Studios von Rick Hall in Alabama. Neben Aufnahmen von Tommy Roe, Ray Stevens sowie dem Atlantic-Star Wilson Pickett entstand in den Muscle Shoals-Studios auch einer der Welthits der Soul-Musik: „When A Man Loves A Woman“ von Percy Sledge. Als weiteres wichtiges Southern Soul-Label zu erwĂ€hnen ist schließlich noch die von Quinton Claunch gegrĂŒndete Firma Goldwax. Bedeutendster KĂŒnstler von Goldwax war James Carr, dessen StĂŒck „The Dark End Of The Street“ von 1967 ebenfalls zu den Hitparadenerfolgen der Southern Soul-Richtung zĂ€hlt.

Detroit- oder Motown Soul

Anders als Stax und vergleichbare Labels forcierte die in Detroit beheimatete Firma Motown Records von Anfang an den kommerziellen Erfolg im Pop-Mainstream. GegrĂŒndet wurde das Motown-Label 1959 von dem ehemaligen Fließbandarbeiter Berry Gordy. Mit dem Produzententeam Brian Holland, Lamont Dozier und Eddie Holland (HDH) verfĂŒgte Gordy ab 1963 auch ĂŒber erstklassige Songschreiber. Als zusĂ€tzlicher StĂŒcke-Autor und Produzent hinzu kam Smokey Robinson. Robinson war gleichzeitig LeadsĂ€nger der Motown-Gruppe The Miracles und brachte der Firma sowohl mit der Kombo Smokey Robinson & The Miracles als auch als Autor und Produzent eine Reihe von Hits ein, darunter ihren wohl bekanntesten Song „The Tears Of A Clown“ aus dem Jahr 1970. In Szene gesetzt wurde der Motown-eigene Sound von der labeleigenen Studio-Band Funk Brothers.

Anders als die auf Feeling und Inspiration vertrauenden Kollegen in den Stax-Studios legte Motown Wert auf Ă€ußerste Perfektion sowie musikalischen Glattschliff. Typisch fĂŒr Motown-Produktionen wurden Hits, die ins Ohr gingen und deren Schema im Wesentlichen aus einer möglichst intensiven Wiederholung von SchlĂŒsselmelodie und Refrain bestand. Die Texte der Motown-Veröffentlichungen waren eher oberflĂ€chlich gehalten. Sie orientierten sich ebenfalls vorwiegend an den BedĂŒrfnissen des weißen Popmarkts. Dort war das Detroiter Label zeitweilig immens erfolgreich: Im Jahr 1966 gelang 75 Prozent aller Motown-Singles der Durchbruch in die Top 100 der US-amerikanischen Charts. Aufgrund ihres Erfolgs bekam die Firma den Beinamen „Hitsville, USA“. FĂŒr Anerkennung in der schwarzen Community sorgte schließlich die Tatsache, dass das Label das grĂ¶ĂŸte Medienunternehmen im Besitz von Schwarzen war.

Im Verlauf der Jahre kamen immer hĂ€ufiger Streicher bei den Einspielungen zum Zuge. Gordy versuchte zudem, seine KĂŒnstler auch in den großen Club-Shows in Las Vegas und am Broadway unterzukriegen. Mitte der Sechziger Jahre zĂ€hlte zu dem Detroiter Label die CrĂšme der poptauglichen Soul-KĂŒnstler. Den Kontrapunkt zu dem romantischen Smokey Robinson setzten die eher temperamentvollen Temptations. DarĂŒber hinaus standen bei Motown unterschiedliche Sangesgruppen und EinzelkĂŒnstler unter Vertrag: Martha Reeves mit ihrer Band Martha & the Vandellas, die Marvelettes, die gospelbeeinflussten Four Tops, Gladys Knight & the Pips, Marvin Gaye („I Heard It Through the Grapevine“), die Jackson Five als rockige Soulvariante ab 1969, der spĂ€ter in Richtung Funk tendierende Edwin Starr, „Little“ Stevie Wonder und die wohl erfolgreichste Truppe des Labels: die Supremes mit ihrer LeadsĂ€ngerin Diana Ross.

Sonstige Labels und KĂŒnstler

Patti LaBelle 2005

Nicht alle Soul-KĂŒnstler der Dekade zwischen 1960 und 1970 lassen sich einem der aufgefĂŒhrten Labels zurechnen. Der wichtigste von allen erarbeitete sich schon in den Sechzigern den Ruf einer Institution: James Brown. Begonnen hatte Brown mit einem erdigen, Soul-durchsetzten Rhythm’n’Blues-Stil Ende der FĂŒnfziger. Seine Single „Please, Please, Please“ aus dem Jahr 1956 trug mit dazu bei, den Soul-Boom auszulösen. In den Sechzigern wurden einige seiner Hits zu Manifestationen des neuen schwarzen Selbstbewusstseins – insbesondere die Bekennerhymne „Say It Loud – I’m Black And I’m Proud“ aus dem Jahr 1968. Browns Musik blieb wĂ€hrend der ganzen Periode archaisch und urwĂŒchsig. Der SĂ€nger, auch als „Soulbrother Number One“ oder „The Hardest Working Man in Showbiz“ bezeichnet, war – Ă€hnlich wie Frank Sinatra fĂŒr die weiße Popmusik – das Idol der schwarzen Musik schlechthin und bildete biografisch das BrĂŒckenglied zwischen dem Rhythm’n’Blues der FĂŒnfziger und dem Funk der Siebziger.

Ein weiteres wichtiges Zentrum fĂŒr die Soul-Musik war Chicago. Chicago galt als Hauptstadt des Blues und war bis in die Siebziger eines der bedeutendsten Zentren der schwarzen Musik. Anlaufstellen als Label bot hier die traditionsreiche Firma Chess sowie Okeh, ein Unterlabel des Medienmultis CBS. Mit der bedeutendste Soul-Musiker aus Chicago war Curtis Mayfield. Mit seiner Band Impressions hatte er 1961 einen Hit („Gipsy Lady“). Im Verlauf seiner Karriere machte er außer als SĂ€nger auch als Songschreiber von sich reden. Seine StĂŒcke „Keep On Pushing“ und „We’re A Winner“ wurden zu Hymnen der BĂŒrgerrechtsbewegung. Anfang der Siebziger gelang dem sanften, religiös motivierten KĂŒnstler der Crossover in Richtung Funk mit den Blaxploitation-Soundtrack „Superfly“. Weder den beiden Hauptlabels Stax und Motown noch den bisher aufgefĂŒhrten Richtungen zuschlagen lassen sich einige weitere relevante KĂŒnstler. Dies gilt insbesondere fĂŒr den im Bundesstaat Arkansas geborenen Al Green. Green begann seine Soul-Karriere zwar erst Ende der Sechziger, wurde im Folgejahrzehnt jedoch fast zu einer Galionsfigur der Soul-Musik. Eine weitere KĂŒnstlerin ist die in Pennsylvania geborene Patti LaBelle, die schon seit Ende der 1950er Jahre erfolgreiche Platten aufgenommen hatte und mit „Lady Marmalade“ einen frĂŒhen Hit der Disko-Ära kreierte. Als Label aufzufĂŒhren ist schließlich auch die renommierte Jazz-Firma Verve. Stilbildend wirkten sich dort vor allem die Aufnahmen von Howard Tate aus dem Jahr 1967 aus.

Eine eigene Form des Soul entwickelte sich schließlich in New Orleans. Die Musik der multikulturellen Metropole nahe der Mississippi-MĂŒndung war immer schon mehr funky, relaxter und ausgelassener gewesen als im Rest der Vereinigten Staaten. Als Rhythm’n’Blues-KĂŒnstler stilbildend wirkte hier vor allem Fats Domino. In den Sechzigern und Siebzigern produzierte die lokale Szenen-GrĂ¶ĂŸe Allen Toussaint einige Soul-Acts. GeprĂ€gt wurde der Soul „made in New Orleans“ von KĂŒnstlern wie Irma Thomas, den Pointer Sisters, Lee Dorsey („Working in the Coal Mine“) sowie, seit den Sechzigern, auch den Neville Brothers.

Das Ende der Soul-Ära

Nach 1968 ließ die Faszination fĂŒr Soul-Musik nach. Insbesondere das Attentat auf Martin Luther King am 4. April 1968 und die daran anschließenden AufstĂ€nde in vielen US-amerikanischen GroßstĂ€dten fĂŒhrten zu Desillusionierung und Resignation. Die Musik blieb; die dahinter stehende Aufbruchsstimmung verflĂŒchtigte sich jedoch rapide. Insbesondere fĂŒr den Southern Soul bedeutete das King-Attentat den Todesstoß. Stax, bereits angeschlagen durch die KĂŒndigung des Vertriebsabkommens seitens Atlantic Records nach dem Tod von Otis Redding 1967, galt unter schwarzen Musikern zunehmend als „uncool“. Die Firma hielt sich mit Studioproduktionen noch einige Jahre ĂŒber Wasser und musste Mitte der Siebziger schließlich Konkurs anmelden. Auch das Paradepferd der poporientierten Soulrichtung, Motown, musste eine Reihe von RĂŒckschlĂ€gen hinnehmen. Das Komponistenteam Holland/Dozier/Holland verließ das Label und verklagte Gordy aufgrund zurĂŒckgehaltener Tantiemen. Auch Martha & The Vandellas, Gladys Knight & The Pips, die Jackson Five und die Four Tops kehrten Motown den RĂŒcken. Stevie Wonder und Marvin Gaye blieben dem Label zwar erhalten, konnten ab Anfang der Siebziger Jahre jedoch eine grĂ¶ĂŸere kĂŒnstlerische UnabhĂ€ngigkeit durchsetzen.

In Frage gestellt wurde der vorherrschende Einfluss des Soul nicht nur durch das sich abzeichnende Scheitern der IntegrationsbemĂŒhungen. Neue Strömungen in der Rockmusik wie z. B. Psychedelic wirkten sich ebenfalls verĂ€ndernd auf die Popmusik der Schwarzen aus. Der durch die BĂŒrgerrechts-, Hippie- und 68er-Bewegung nicht unwesentlich mit angestoßene neue Stellenwert der kĂŒnstlerischen Freiheit, welcher sich unter anderem auch in dem legendĂ€ren Woodstock-Festival 1969 dokumentierte, verĂ€nderte das SelbstverstĂ€ndnis zahlreicher Soul-Musiker und -SĂ€nger. Die Soul-Musik brachte zwar auch in den Siebzigern sowie den folgenden Dekaden immer wieder bemerkenswerte KĂŒnstler, Sub-Stile und Einzel-Einspielungen hervor, die klassische Phase dieser Musikrichtung war allerdings mit dem Ende der Sechziger unwiderruflich vorbei.

Soulmusik nach der Soul-Ära

Die 1970er, 1980er und 1990er brachten eine musikalische AuffĂ€cherung in unterschiedliche Strömungen. In den Siebziger Jahren etablierten sich Funk und Disco als neue Stile. In den Achtzigern kam Hip-Hop hinzu. ZusĂ€tzlich ausdifferenziert wurde die schwarze Popmusik im weiteren Verlauf auch durch Impulse aus der elektronischen Musik (House, Techno) sowie dem Jazz (Acid Jazz). Hinzu kam ein Crossover hin zum Mainstream Pop, welcher sich vor allem ab den frĂŒhen Neunzigern immer stĂ€rker bemerkbar machte. Obwohl der Begriff „Soul“ als Reminiszenz an die klassische Ära stets wichtig blieb, ist er seither vor allem als Synonym gebrĂ€uchlich fĂŒr schwarze Popmusik. Dieser Abschnitt gibt einen Überblick ĂŒber die Hauptstationen dieser Entwicklung.

Psychedelic Soul und Funk

Die psychedelische Richtung innerhalb der Rockmusik machte sich Anfang der Siebziger in vielen Soul-Produktionen bemerkbar. Zunehmend lĂ€ngere, teilweise sinfonieartig angelegte StĂŒcke mit zelebriertem Funk-Bass, Synthesizer, Streichern und akzentuiert eingesetzten BlĂ€ser-Sektionen bewegten sich auf Augenhöhe mit den Produktionen zeitgenössischer Art Rock-Bands. Den Temptations gelang mit „Papa Was A Rolling Stone“ (1972) ein ParadestĂŒck dieser Richtung. Ähnlich aufwĂ€ndig produziert waren auch einige Soundtracks zu Blaxploitation-Filmen wie „Shaft“ oder „Superfly“. Eingespielt wurden Letztere von den erfahrenen Produzenten, Musikern und Songschreibern Isaac Hayes und Curtis Mayfield.

Soul-Star der Siebziger: Stevie Wonder, 2006

Ausgelöst durch die Entwicklungen der Sechziger, wurde auch die Soulmusik in den Siebzigern immer sozialkritischer. Edwin Starr gelang mit dem Antikriegslied „War“ (1970) der Einzug in die Hitparaden. Anders als noch im Jahrzehnt zuvor beeintrĂ€chtigten politische Aussagen in den Siebzigern nicht unbedingt die Karriere. Als anspruchsvolle SolokĂŒnstler profilieren konnten sich Anfang der Siebziger insbesondere Marvin Gaye und Stevie Wonder. Gaye gelang 1971 mit „What’s Going On“ ein eindrucksvoller Hit mit schwerem, funkbetontem Balladensound. Einen nachhaltigen Crossover in den weißen Popmarkt schaffte Stevie Wonder. SpĂ€testens seit der Veröffentlichung von „Superstition“ im Jahr 1972 galt Wonder als KĂŒnstler, der den Spagat zwischen Rock, Soul, Pop und Diskomusik mĂŒhelos bewĂ€ltigte.

Burdon heute, 2008

Der Haupttrend innerhalb der schwarzen Musik der Siebziger war Funk. Anders als die auf Gospel-Refrains und Popsong-Formate fixierte Soulmusik der Sechziger zelebrierte Funk den reinen Rhythmus. Kennzeichnend fĂŒr den neuen Sound waren ein treibender Bass, abgehackte Gitarren-Riffs sowie akzentuiert eingesetzte BlĂ€sersĂ€tze. Der Gesang erfĂŒllte im Grunde lediglich die Rolle, die Darbietung der StĂŒcke zu moderieren und ihre Wirkung emotional zu steigern. Ausgelöst wurde der Funk-Boom im Wesentlichen von Musikern und Instrumentalisten bereits bestehender Gruppierungen und Studiobands. Die ersten Versuche hin in diese Richtung vollzogen schwarze Formationen im Windschatten von Psychedelic und progressiver Rockmusik. Sly & the Family Stone waren durch das legendĂ€re Woodstock-Festival 1969 bekannt geworden. Eine weitere Band in dieser Richtung waren die kalifornischen War, die sich zeitweilig mit dem britischen Rock-Urgestein Eric Burdon liierten. StilprĂ€gend fĂŒr den Funk war allerdings der Live-Sound von James Brown, dessen StĂŒck „Sex Machine“ aus dem Jahr 1970 die Gattung entscheidend mit begrĂŒndete. Wichtige Bands des Funk wurden George Clinton mit seinen Bands Parliament und Funkadelic, die aus Chicago stammenden Earth, Wind & Fire, die Ohio Players sowie Kool & the Gang. Eine spezielle Unterrichtung des Funk war schließlich der Funk Jazz, der vor allem im Umfeld einiger Miles-Davis-Musiker wie zum Beispiel Herbie Hancock entwickelt wurde. StilprĂ€gend wirkte sich der Funk schließlich auch auf die Ende der Siebziger neu entstehende Rap- und Hip-Hop-Musik aus.

Philly Sound und Disco

Aufnahme-Gast in den Philly-Studios: Barbra Streisand 1962
Billy Paul in Tunis, 2006

Eine zweite Welle poporientierter Soulmusik startete ab 1972 von Philadelphia aus. Der bekennende Black Muslim Kenny Gamble und sein Partner Leon Huff grĂŒndeten ihre Firma Philadelphia International Records unter der Schirmherrschaft der CBS. Bereits 1973 war sie das zweitgrĂ¶ĂŸte von Schwarzen gefĂŒhrte Musikunternehmen in den USA. Ebenso wie bei Atlantic Records, Stax und Motown sorgte auch bei Philadelphia International Records eine hauseigene Studioband fĂŒr den richtigen Sound. Das Markenzeichen der MFSB-Band (abgekĂŒrzt fĂŒr: Mothers, Fathers, Sisters, Brothers) war eine perfekt produzierte, tanzbare Soul-Variante, die derjenigen von Motown in vielem Ă€hnelte. Von Kritikern wurde der bald als Philly Sound bekannte Stil als Anbiederung an den weißen Mainstream kritisiert. Andererseits entsprachen die nach dem Fließbandprinzip ausgestoßenen Hit-Produktionen der Firma durchaus den HörbedĂŒrfnissen einer prosperierenden schwarzen Mittelschicht.

Die KĂŒnstler des Labels belegten in der ersten HĂ€lfte der Siebziger zahlreiche Top-PlĂ€tze in den Hitparaden. Unter Vertrag standen bei Gamble und Huff die Three Degrees, Harold Melvin & The Blue Notes sowie ihr LeadsĂ€nger Teddy Pendergrass und die bereits seit Ende der FĂŒnfziger existierenden O’ Jays. Bekannte Hits des Labels wurden „Me And Mrs. Jones“ von Billy Paul (1972), „Love Train“ von den O’Jays (1971) und „The Love I Lost“ von Harold Melvin & The Blue Notes (1974). Gloria Gaynor, bekannt geworden durch ihren Hit „Never Can Say Goodbye“ aus dem Jahr 1974, gelang fĂŒnf Jahre spĂ€ter der erfolgreiche BrĂŒckenschlag zur Disko-Welle mit der Hymne „I Will Survive“.

Der zeitweilige Erfolg des Philly Sounds trug zwar nicht unmaßgeblich bei zur Etablierung der Disko-Welle. Selbst profitieren konnte das Label davon jedoch nur wenig. Das angeschlossene Soundstudio Sigma Sound wurde zwar von unterschiedlichen MusikgrĂ¶ĂŸen wie zum Beispiel Barbra Streisand und Lou Rawls genutzt. Bis Anfang der Achtziger sanken jedoch die Marktanteile von Philadelphia International Records rapide. Das auf die Dauer stereotyp klingende Konzept der Firma war ausgereizt; die Zentren des Soul verlagerten und dezentralisierten sich endgĂŒltig. Die nachfolgenden Stilrichtungen Funk, Disko, House und Hip-Hop bewirkten auf lange Sicht schließlich auch eine Generationsablösung innerhalb der schwarzen Musik.

Soul von den Achtzigern bis heute

Michael Jackson 1984

Die Achtziger standen, was schwarze Musik angeht, vor allem im Zeichen von Hip-Hop. Jenseits der Aufmerksamkeit, die diese neue Richtung auf sich zog, gab es jedoch immer wieder bemerkenswerte Einspielungen alter und neuer KĂŒnstler. Einige von ihnen forcierten gezielt den Crossover in den weißen Popmarkt. Bemerkenswert ist hier vor allem der Aufstieg von Tina Turner, Prince und Michael Jackson. Allen dreien gelang es, sich als GrĂ¶ĂŸen dauerhaft im PopgeschĂ€ft zu etablieren. Mit Soul hatte die Musik von Turner, Prince und Jackson zwar nur teilweise etwas zu tun. Zumindest Tina Turner und Michael Jackson hatten sich allerdings im klassischen Rhythm’n’Blues- und Soul-Metier hochgearbeitet: Tina Turner zusammen mit ihrem Ex-Mann Ike Turner als SĂ€ngerin der Combo Ike & Tina Turner, Michael Jackson als HauptsĂ€nger der Motown-Geschwistergesangsgruppe Jackson Five.

Die klassische Soulmusik steckte Anfang der Achtziger in einer schweren Krise. Eine Folge des Hip-Hop war die Spaltung des schwarzen Amerika in zwei unterschiedliche Welten und Wertsysteme. Auch die kommerziellen Zentren der Soul-Musik verlagerten sich. WĂ€hrend Chicago, Memphis und Detroit fĂŒr Soul-Produktionen nahezu bedeutungslos wurden, sorgten neue Studios und Labels in New York, Philadelphia und Los Angeles fĂŒr Nachschub auf dem Soul-Markt. Haupttrend war auch hier der Crossover in Richtung Pop. Kurzfristig lebte auch die alte Stilbezeichnung Rhythm’n’Blues neu auf – diesmal als Stilbezeichnung fĂŒr neuere, tanzbare Soul-Varianten. Als lĂ€ngerlebig erwiesen sich allerdings allgemeinere Begriffe wie Neo Soul oder Urban Soul. Bedeutende Soul-KĂŒnstler des neuen, urban ausgerichteten Stils waren Luther Vandross, Freddie Jackson, Shirley Jones, Teena Marie und Anita Baker. Doch auch Ă€lteren Soul-Acts wie Gladys Knight & the Pips, Marvin Gaye und Bobby Womack gelang es in dieser Umbruchphase, sich mit neuen Produktionen und StĂŒcken in Erinnerung zu bringen.

Im neuen Jahrtausend hat sich die Soul-Musik dezentralisiert und internationalisiert. Der Begriff „Soul“ kennzeichnet heute nur noch im engeren Sinn die klassische Phase dieser Musikrichtung in den Sechzigern. In der aktuellen Umgangssprache steht er vielmehr ĂŒbergreifend fĂŒr eine schwarze Popmusik, die irgendwie „soulful“, also gefĂŒhlsbetont daherkommt. Auch die "Rassengrenzen" sind heute weniger bedeutend als frĂŒher. Obwohl Soul nach wie vor als „schwarze“ Musikrichtung gilt, wird sie schon seit langem auch von nichtschwarzen KĂŒnstlern und Nachwuchs-Interpreten adaptiert.

Soul außerhalb der USA

Großbritannien und Westeuropa

Jamiroquai-Frontman Jay Kay bei einem Auftritt 2005

Insbesondere in Großbritannien kam der neue Stil bereits in den 1960er Jahren gut an. Bereits seit dem Zweiten Weltkrieg waren die kulturellen Bande zwischen den Britischen Inseln und den Vereinigten Staaten besonders eng. Großbritannien verfĂŒgte ĂŒber eine eigene Jazz-Tradition; darĂŒber hinaus wurden insbesondere die neuesten Rock’n’Roll- und Rhythm’n’Blues-Trends hier frĂŒhzeitig adaptiert. Die Übernahme US-amerikanischer Richtungen erfolgte allerdings niemals eins-zu-eins: Auch die Adaption des Soul-Trends hatte von Anfang an eine speziell britische Komponente. Als speziell britische DomĂ€ne erwies sich vor allem der sogenannte Blue Eyed Soul. Erste und gleichzeitig bekannteste KĂŒnstlerin dieses Genres war die im Londoner Stadtteil Hampstead geborene ehemalige Friseuse Dusty Springfield („Son Of A Preacher Man“, 1967). Die „White Queen Of Soul“ hatte im Verlauf der Sechziger mehrere Hits; als legendĂ€r gilt ihre in den Vereinigten Staaten eingespielte Platte „Dusty in Memphis“.

In den 1970er Jahren grĂŒndeten sich auf der Insel zahlreiche Soul- und Funkgruppen. Obwohl sie teilweise oder gar gĂ€nzlich aus weißen Bandmitgliedern bestanden, gelang es ihnen, musikalisch auch ĂŒber die Landesgrenzen hinaus Furore zu machen. Beispiele fĂŒr britische Soul Acts in den Siebzigern sind die 1972 in Schottland gegrĂŒndete, aus Weißen bestehende Average White Band, die aus weißen und schwarzen Menschen bestehende Formation Hot Chocolate, die im Zuge der Disko-Welle grĂ¶ĂŸeren Erfolg hatte sowie die Funk-Gruppe Heatwave. Unter den SĂ€ngern ist vor allem Billy Ocean hervorzuheben. Er stammte aus Trinidad; seine Single „Love Really Hurts Without You“ erreichte 1976 Platz 2 der britischen Charts. Eddy Grant hatte bereits in den Sechzigern als MitbegrĂŒnder der Bubblegum-Gruppe Equals von sich reden gemacht. In den Siebzigern startete er eine Karriere als SolosĂ€nger und erzielte 1979 einen Hit mit dem Song „Living On The Frontline“. Furore machte der Soul-Ableger auf den britischen Inseln schließlich auch im Kino. Das typische Milieu einer irischen Soul-Nachwuchsformation schildert der Film „The Commitments“ aus dem Jahr 1992.

In den 1980er Jahren wurde der britische Soul exklusiver und edler. FĂŒr den zeitweiligen Hippness-Faktor sorgten Kreuzungen mit anderen Musikstilen, insbesondere Anleihen bei Disco, House, Jazz, Funk, Reggae, Dub und Hip-Hop. Eine spezielle Abart dieser Richtung firmierte zeitweilig unter der Bezeichnung Acid Jazz. Der Crossover zwischen Pop, Jazz und Soul brachte eine angejazzt-aufgeraute Club-Version des Blue Eyed Soul hervor; die bekanntesten Vertreterinnen dieser Richtung waren Carmel, Sarah Jane Morris sowie die gebĂŒrtige Nigerianerin Sade. Funk- bzw. Reggae-orientierte Musik spielten darĂŒber hinaus die beiden Formationen Jamiroquai und Level 42. Anfang der 90er Jahre wurde eine stark von Percussion und tiefen BasslĂ€ufen geprĂ€gte Form, der sogenannte Clubsoul in den Diskotheken populĂ€r. Vorreiter war das Kollektiv Soul II Soul aus London. Auf dem Festland von sich reden machte wĂ€hrend der 1990er Jahre schließlich die belgische Band Vaya Con Dios, welche die Traditionslinien Soul, Funk, Rhythm’n’Blues, Sinti-Jazz, Musette und Chanson zu einer ganz eigenen Mischung verarbeitete.

Ein eigenes PhĂ€nomen innerhalb der Soul-Musik ist der sogenannte Northern Soul. Obwohl der Begriff gelegentlich auch zur Kennzeichnung der Musik nördlicher US-Labels wie etwa Motown verwandt wird, wurde Northern Soul in Europa vor allem durch die Soul-Begeisterung junger britischer Mods in den Sechziger Jahren bekannt. Kennzeichnend fĂŒr die kleine, bis heute jedoch in vielen europĂ€ischen LĂ€ndern aktive Northern Soul-Szene ist das Sammeln und Importieren gut tanzbarer und seltener Soul-Musik. Die auch in Deutschland vertretene Szene trifft sich vor allem bei speziellen Tanzveranstaltungen, die als Allnighter bezeichnet werden. Ihren Höhepunkt hatte diese Subkultur zwar in den Sechzigern. In den achtziger Jahren wurde sie allerdings reaktiviert und hat bis heute einen ĂŒberschaubaren, jedoch bestĂ€ndigen AnhĂ€ngerkreis.

Soul in Deutschland

Max Mutzke 2011

Die Soul-Welle der Sechziger erreichte Deutschland auf zwei Arten: zum einen durch hier stationierte Angehörige der StreitkrĂ€fte der Vereinigten Staaten, deren musikalische Vorlieben sich in der alten Bundesrepublik sehr frĂŒhzeitig auf das Musikangebot garnisonsnaher Großstadtclubs und Diskotheken auswirkte. FrĂŒhe Zentren fĂŒr schwarze Musik in Deutschland waren vor allem Berlin, Frankfurt am Main, Mannheim, Kaiserslautern und Heidelberg. Die eigentliche Soul-Welle erreichte Deutschland jedoch erst im Windschatten angelsĂ€chsischer, vor allem britischer Popmusik in den Sechzigern. Ähnlich wie bei der Rockmusik dauerte es jedoch vergleichsweise lange, bis sich eine eigenstĂ€ndige Soul-Szene entwickelte. Die in der DDR existierende Modern Soul Band hatte neben Soul auch Blues und Jazzrock im Repertoire. Ein verstĂ€rktes Interesse fĂŒr schwarze Musik entwickelte sich erst im Zuge der Ausbreitung von Hip-Hop ab Anfang der Neunziger. Ähnlich wie in der Hip-Hop-Szene in den USA wurde ab Ende der Neunziger verstĂ€rkt auf Soul-Elemente zurĂŒckgegriffen.

Seit Beginn des neuen Jahrtausends kann man auch in Deutschland von einer eigenstĂ€ndigen Soul-Szene sprechen. Oft sind die Acts aus der seit Anfang der Neunziger recht regen Hip-Hop-Szene hervorgegangen. Ein schwarzer oder zumindest migrantischer Hintergrund sorgt bei vielen KĂŒnstlern des deutschen Soul fĂŒr zusĂ€tzliche AuthentizitĂ€t. Als Produzent und Musiker im Mittelpunkt der Szene steht der Frankfurter Moses Pelham, ehemals Mitglied der Hip-Hop-Formation Rödelheim Hartreim Projekt. Als Soul-KĂŒnstler aufzufĂŒhren sind die aus dem Pelham-Umfeld stammende Sabrina Setlur, der Ex-Security-Mann Ayman, die SĂ€ngerin Cassandra Steen, die Formation Glashaus sowie die aus Berlin stammende Joy Denalane. Einen nachhaltigen Erfolg auch im Pop-Markt gelang insbesondere dem gebĂŒrtigen Mannheimer Xavier Naidoo. Furore machte neben Xavier Naidoo insbesondere Max Mutzke, der mit seinem Titel „Can’t wait until tonight“ 2004 beim Eurovision Song Contest den achten Platz belegte. Als der Pate des deutschen Soul wird hĂ€ufig der SĂ€nger und Produzent Edo Zanki angefĂŒhrt, der einer der ersten in Deutschland war, der deutsche Texte mit Soul-Elementen kombinierte und sich darĂŒber hinaus als Produzent einiger o.g. Acts verewigen konnte.

Die Soul-Szene in Deutschland prĂ€sentiert sich seit der Jahrtausendwende vielgestaltig und lĂ€sst sich mit derjenigen in anderen IndustrielĂ€ndern durchaus vergleichen. VerspĂ€tet von sich reden macht mittlerweile auch eine vergleichsweise kleine Subkultur von Northern-Soul-AnhĂ€ngern. Stilistisch ist auch „Soul Music made in Germany“ von einem bunten Crossover geprĂ€gt. Als musikalische EinflĂŒsse aufzufĂŒhren sind neben klassischen Soul-Elementen insbesondere Hip Hop sowie Funk, Jazz und Reggae. FĂŒr die aktuelle Vielgestaltigkeit schwarzer Musikstile stehen zum einen ambitionierte Projekte wie etwa die Funk-Gruppe Rad, andererseits neue KĂŒnstler wie etwa Jan Delay oder J-Luv.

Genres der Soul-Musik

Die Soul-Musik hat im Laufe der Jahre unterschiedliche Unter-Richtungen und Sub-Strömungen hervorgebracht. Die wichtigsten Stile und Begriffe listet die folgende Aufstellung auf.

  • Detroit Soul, Motown Soul und Northern Soul: Diese Richtung wurde von Berry Gordy’s Motown-Imperium dominiert. Sie wird oft als der „Motown-Sound“ bezeichnet. Detroit Soul ist sehr rhythmisch und hat Gospel-EinflĂŒsse. Typisch sind hier Handclaps (kurzes mit den HĂ€nden klatschen), energetische Basslinien und Violinen, Glocken und andere ungewöhnliche Instrumente. Motowns Hausband waren die Funk Brothers. Weitere KĂŒnstler waren unter anderem: Marvin Gaye, The Temptations, The Jackson Five, Stevie Wonder sowie Diana Ross & The Supremes. Northern Soul bezeichnet keine davon zu unterscheidende Soul-Spielart, sondern bei Soul-Enthusiasten im Norden Englands beliebte KĂŒnstler und deren Songs, die oft mit den unter Detroit oder Motown Soul einzuordnenden Protagonisten identisch sind. Die Szene in Nordengland besteht ununterbrochen seit den spĂ€ten 60er Jahre und zeichnet sich durch eine Vorliebe fĂŒr rare und wenig bekannte Aufnahmen aus. Eine Bezeichnung eines Songs als Northern Soul hĂ€ngt also nicht von stilistischen Merkmalen, sondern von der Akzeptanz und PopularitĂ€t in dieser Szene ab.
  • Memphis Soul: Memphis Soul war eine spezielle Richtung der Label Stax und Hi Records der Sechziger- und Siebziger-Jahre. Der Klang war weich, ruhig und melancholisch und enthielt sanfte BlĂ€ser, Orgeln und Drums. Zu den bekannteren KĂŒnstlern zĂ€hlen hier Al Green und die Band Booker T. & the MG’s.
  • Modern Soul: Der Begriff Modern Soul wurde in England geprĂ€gt. Die Musikrichtung kommt aus dem Northern Soul (Detroit/Motown). Als Modern Soul bezeichnet man in England Soulmusik von den frĂŒhen Siebzigern bis in die frĂŒhen Achtziger die tanzbar ist, jedoch nicht in den Funk abdriftet.
  • Neo Soul: Eine Mischung aus Vocals im Siebzigerjahre-Style mit Contemporary-R&B Sound, Hip-Hop Beats und Rap Interludes. KĂŒnstler waren hier ab Mitte der Neunziger unter anderem Lauryn Hill und Erykah Badu. SpĂ€ter kamen noch andere dazu, unter anderen: Jill Scott, Alicia Keys und Joss Stone.
  • Rhythm’n’Blues: GĂ€ngigerweise kennzeichnet der Sammelbegriff die Unterhaltungsmusik der US-amerikanischen Farbigen vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Ende der fĂŒnfziger Jahre – insbesondere die (schwarzen) Vorformen des Rock’n’Roll. Zeitweilig neu aufgelegt wurde Rhythm’n’Blues als Vermarktungsetikett fĂŒr einen tanzbaren Stilmix aus Soul, Hip Hop, Funk und Pop wĂ€hrend der Achtziger und frĂŒhen Neunziger.
  • Uptown Soul: Dieser Begriff wird mit der Musik des in New York ansĂ€ssigen Labels Atlantic Records in Verbindung gebracht. Da viele Atlantic-KĂŒnstler jedoch im SĂŒden produzierten, weist die Richtung starke Ähnlichkeiten mit dem Southern Soul oder Memphis Soul auf und wird daher vergleichsweise selten verwandt.
  • Brit Soul: Britische Soul-Musik der spĂ€ten 80er und 90er Jahre. ReprĂ€sentanten waren Bands wie die Loose Endes, Soul II Soul oder die SĂ€ngerin Lisa Stansfield.

Musikkritik: Einordnung des Soul

Innerhalb der Musikkritik war das PhĂ€nomen Soul insbesondere wĂ€hrend der Sechziger- und Siebziger-Jahre nicht unumstritten. Weiße, aber auch schwarze Pop-Autoren warfen dem Soul insbesondere Kommerzialisierung der schwarzen Musik sowie einen Ausverkauf an den weißen Mainstream vor. Ein Beispiel hierfĂŒr ist die aus dem Insider-Blickpunkt geschriebene Abhandlung des farbigen Musikautors Nelson George („Der Tod des Rhythm’n’Blues“), die insbesondere mit dem schwarzen Musikbusiness kritisch ins Gericht geht. Auch weiße Autoren – vor allem solche, die sich die gesellschaftsverĂ€ndernden AnsprĂŒche innerhalb der progressiven Rockmusik zu Eigen machten – Ă€ußerten sich mitunter in eine Ă€hnliche Richtung: beispielsweise der britische Diskjockey Nik Cohn, dessen Mischung aus pointierter Kritik und Faszination die Haltung vieler linksliberaler aufgeklĂ€rter weißer Intellektueller wĂ€hrend der spĂ€ten Sechziger dokumentiert. Seit den Neunzigern ist der kritische Akzent jedoch zunehmend in den Hintergrund getreten und einer Sichtweise gewichen, die die Verdienste des Soul betont bei der Entwicklung einer afroamerikanischen Popmusik. AusfĂŒhrlich dargelegt wird dieser Entwicklungsstrang insbesondere in dem Sammelband „Chasin’ A Dream“.

AufzufĂŒhren ist schließlich noch eine dritte, von einigen Jazz-Autoren ins Spiel gebrachte Darstellungsweise. Sie beschrĂ€nkt sich bei der Darstellung des Soul meist auf jene EntwicklungsstrĂ€nge, die unmittelbar mit der Jazz-Musik in Zusammenhang stehen. Die Tatsache, dass einige Jazz-Autoren den Begriff Soul stark oder sogar ausschließlich fĂŒr den Jazz vereinnahmten, hat einerseits zu einer gewissen Irritierung bei der Einordnung dieser Stilrichtung gefĂŒhrt. Da diese exklusive Sichtweise in der Pop-Historie jedoch nie Fuß fassen konnte, bildet sie ein eher randstĂ€ndiges PhĂ€nomen und spielt bei der historischen Einordnung der Soulmusik der Sechziger und Siebziger kaum noch eine Rolle.

Sonstiges

  • ZufĂ€lle: Isaac Hayes fand seinen spĂ€teren Mitproduzenten bei Stax, David Porter, eher zufĂ€llig – beim lĂ€ngeren Anstehen auf der Toilette. Als Hayes mit den Faustklopfen an der TĂŒr seiner Ungeduld Luft machte, antwortete ihm der drinnen sitzende Porter beschwichtigend mit einem Titelzeilenzitat eines Sam & Dave-Hits, welcher bei Stax erschienen war: „Hold on, I’m coming!“
  • Phobie: Aretha Franklin leidet unter extremer Flugangst. Deshalb tritt sie fast ausschließlich innerhalb der Vereinigten Staaten auf.
  • Tod durch Schusswaffen: Am 11. Dezember 1964 wird Sam Cooke in einem Hotelzimmer in Los Angeles unter ungeklĂ€rten UmstĂ€nden erschossen.
  • SpĂ€ter prominent: Ein Mitglied der Northern Soul-begeisterten Mod-Bewegung prĂ€gte die Glam-Rock-Welle der frĂŒhen Siebziger maßgeblich mit – T. Rex-GrĂŒnder Marc Bolan.
  • Tod durch Unfall: Ebenso wie der Rock’n’Roll hat auch der Soul seine tragischen UnfĂ€lle. Auf dem Weg zu einem Konzert in Cleveland, Ohio stĂŒrzte am 10. Dezember 1967 die Maschine mit Otis Redding ĂŒber einem vereisten See in der NĂ€he von Madison, Wisconsin ab. Ums Leben kamen dabei auch vier Musiker seiner Begleitband The Bar-Kays.
  • Tod durch Schusswaffen: Al Green muss 1974 einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Seine damalige Freundin, Mary Woodson, ĂŒbergießt Al mit heißer GrĂŒtze wĂ€hrend dieser in der Badewanne sitzt und verbrennt ihm damit den halben Oberkörper. Anschließend erschießt sie sich selbst. Das Motiv hierfĂŒr: Al lehnte ihren Heiratsantrag ab. Green wendet sich Ende der Siebziger der Religion zu. Der (zeitweilige) Abschied des bekannten SĂ€ngers von der weltlichen Musik markiert fĂŒr viele Fans das eigentliche Ende der Soul-Ära.
  • Tod durch Schusswaffen: Al Jackson, Schlagzeuger von Booker T. & the MG’s wird 1975 von einem Einbrecher angeschossen. Er stirbt an seinen Schussverletzungen.
  • Tod durch Schusswaffen: Marvin Gaye wird am 1. April 1984 von seinem Vater im Streit erschossen.

Film

Soulmusik sowie Soundtracks, die ganz oder teilweise aus Soulmusik bestehen, kommen im Film sehr hÀufig vor. An dieser Stelle eine kleine Auswahl:

Siehe auch

Northern Soul | Blue Eyed Soul | Motown | Stax Records | Acid Jazz | Rhythm'n'Blues | Funk (Musik) | Disco (Musik) | Gospel | Liste von Soulbands

Literatur

Die ersten beiden Titel behandeln ausschließlich die Entwicklung der schwarzen Popmusik in den USA. In beiden Titeln nimmt Soul eine zentrale Stellung ein. Der Rest der aufgefĂŒhrten BĂŒcher stellt allgemeine Abhandlungen ĂŒber die Entwicklung der Popmusik dar; allerdings finden sich auch in ihnen mehr oder weniger ausfĂŒhrliche Textpassagen zur Soul-Musik, sowie ihren Labels, KĂŒnstlern, Sub-Stilen etc.

Peter Guralnicks Buch beschĂ€ftigt sich mit Soul ohne BerĂŒcksichtigung von Motown.

  • Nelson George: Der Tod des Rhythm & Blues. Hannibal Verlag; St. AndrĂ€-Wördern (Österreich) 1990, ISBN 3-85445-051-6.
  • Gerald HĂŒndgen (Herausgeber): Chasin’ A Dream. Die Musik des schwarzen Amerika von Soul bis Hip Hop. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1989, ISBN 3-462-01951-1.
  • Stefan Hoffmann/Karsten Tomnitz: Rare Soul. Das Who-is-Who der Soul-Ära. Ventil Verlag, Mainz 2005, ISBN 3-931555-98-4.
  • Wolfgang Tilgner: Psalmen Pop und Punk. PopulĂ€re Musik in den USA. Henschel Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-89487-184-9.
  • Wieland ZiegenrĂŒcker/Peter Wicke: Sach-Lexikon Popularmusik. Piper Verlag. MĂŒnchen 1989, ISBN 3-492-18223-2.
  • Tony Palmer: All Your Need Is Love. Die großen Musikstile – von Ragtime bis Rock. Hannibal Verlag, St. AndrĂ€-Wördern (Österreich) 1994, ISBN 3-85445-094-X.
  • Robert Palmer: Rock & Roll. Die Chronik einer Kulturrevolution. Hannibal Verlag, St. AndrĂ€-Wördern (Österreich) 1997, ISBN 3-85445-140-7.
  • Nik Cohn: AWopBopaLooBopALopBamBoom. Piper Verlag; MĂŒnchen 1995 (Originalausgabe: 1969), ISBN 3-492-18402-2.
  • Arnold Shaw: Soul. Von den AnfĂ€ngen im Blues zu den Hits aus Memphis und Philadelphia. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1980, ISBN 3-499-17199-6
  • Peter Guralnick: Sweet Soul Music. Bosworth Edition, Berlin 2008, (Originalausgabe: 1999), ISBN 978-3-86543-321-3

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