Sowjetische Geschichte

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Sowjetische Geschichte

Sowjetunion (russischÂ ĐĄĐŸĐČДтсĐșĐžĐč ĐĄĐŸŃŽĐ·/ Transkription Sowjetski Sojus) war der gĂ€ngige, auch zu offiziellen AnlĂ€ssen gebrĂ€uchliche Ausdruck fĂŒr die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR), deren Geschichte in diesem Artikel behandelt wird.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Die Sowjetunion war nominell eine Föderation unabhĂ€ngiger Staaten, also ein Bundesstaat mit gemeinsamer Außen- und Sicherheitspolitik, faktisch jedoch ein streng zentralistisch regierter Einheitsstaat. Trotz der formellen relativen Autonomie der Teilrepubliken, Autonomen Gebiete und weiterer Gliederungen und obwohl die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) als grĂ¶ĂŸte und GrĂŒndungsrepublik mit vielen unterschiedlichen NationalitĂ€ten dem Namen nach selbst wieder eine Föderation war, wurde das Land von der Kommunistischen Partei der Sowjetunion von deren Machtzentrale im Moskauer Kreml aus nach kommunistischen Wertvorstellungen diktatorisch gefĂŒhrt. Die einzelnen Gliederungen hatten dabei lediglich eine verwaltungstechnische Mittlerfunktion, um die zentralen Vorgaben umzusetzen. Die aus dem Zarenreich hervorgegangene Russische Föderation als dominierender GrĂŒndungsstaat praktizierte einen Kommunismus mit stark ausgeprĂ€gter nationalistischer Komponente. Den vielen unterschiedlichen NationalitĂ€ten, Volksgruppen und Kulturen wurden weitgehend russische Sprache und Kultur aufgezwungen, sie wurden russifiziert.

Die Sowjetunion bestand von 1922 bis 1991. Als erster und grĂ¶ĂŸter sozialistischer Staat der Erde stieg sie nach dem Zweiten Weltkrieg zur den USA ebenbĂŒrtigen zweiten Supermacht und deren weltpolitischem Gegenspieler auf. VerschĂ€rft durch Reformversuche des letzten KPdSU-GeneralsekretĂ€rs sowie ersten und einzigen PrĂ€sidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, fĂŒhrten die inneren Spannungen und zunehmende ökonomische Probleme 1991 zum Zerfall des Riesenreichs, der durch einen vereitelten Putschversuch konservativer MilitĂ€rs gegen Gorbatschow eingeleitet wurde. Russland ĂŒbernahm als offizieller Rechtsnachfolger die meisten internationalen Verpflichtungen der Sowjetunion.

Oktoberrevolution und Etablierung der „Sowjetmacht“

Ein Signalschuß der Aurora eröffnet 1917 die Oktoberrevolution

Die Oktoberrevolution

→ Hauptartikel: Oktoberrevolution

Revolutionen von 1905 und Februar 1917

Bereits mit der Russischen Revolution von 1905 gab es im zaristischen Russland von 1905 bis 1907 andauernden revolutionĂ€ren Unruhen gegen die jahrhundertelang bestehende autokratische und unterdrĂŒckende Herrschaft. Die kleinen Erfolge dieser Revolution wurden grĂ¶ĂŸtenteils wieder zurĂŒckgenommen.

In der bĂŒrgerlich geprĂ€gten Februarrevolution von 1917 beendeten ArbeiteraufstĂ€nde die etwa 300 Jahre andauernde russische Zarenherrschaft; Zar Nikolaus II. dankte ab und ging in die Verbannung nach Jekaterinburg. Dort wurden er und seine Familie letztlich am 17. Juli 1918 auf Befehl des Gebietssowjets ermordet.

Es konstituierte sich eine Provisorische Regierung unter dem FĂŒrsten Lwow, und es bildete sich eine doppelte Vertretung des Volkes. Diese bestand aus der Duma als Parlament auf der einen, und den Petrograder Sowjets als Arbeiter- und SoldatenrĂ€te, die sich v. a. aus SozialrevolutionĂ€ren und Kommunisten zusammensetzten und unter der Losung „Alle Macht den Sowjets“ die Revolution weiterfĂŒhren und die Bildung einer bĂŒrgerlichen parlamentarischen Demokratie verhindern wollten, auf der anderen Seite.

Da sich Russland zu dieser Zeit im Krieg gegen das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn (Erster Weltkrieg) befand, destabilisierte sich die innenpolitische Situation weiter. Die Versuche des Kriegsminister und spĂ€teren Vorsitzenden der Provisorischen Regierung, Alexander Kerenski, durch eine militĂ€rische Offensive gegen die MittelmĂ€chte eine bessere Verhandlungsposition zu erreichen, scheiterten. Der unter Mithilfe des Deutschen Kaiserreiches aus dem Schweizer Exil zurĂŒckgekehrte FĂŒhrer der Bolschewiki, Lenin, forderte durch seine viel beachteten und populĂ€ren Aprilthesen unter anderem die sofortige Beendigung des Krieges.

Oktoberrevolution

Mit dem militĂ€rischen Umsturz der Oktoberrevolution in der Nacht zum 25. Oktoberjul./ 7. November 1917greg. wurde die Provisorische Regierung von den marxistisch-kommunistischen Bolschewiki unter Wladimir Iljitsch Lenin gestĂŒrzt. Lenin proklamierte die Sozialistische Sowjetrepublik. Sie wurde von dem PolitbĂŒro der Kommunistischen Partei (spĂ€ter KPdSU) und dem Rat der Volkskommissare – dem Pendant zu einer bĂŒrgerlichen Regierung – unter seiner FĂŒhrung geleitet. Die Duma wurde durch den Kongress der Volksdeputierten ersetzt, der gegenĂŒber der ParteifĂŒhrung und den RĂ€ten jedoch machtlos war.

PolitbĂŒro

Das PolitbĂŒro war auf Grund der Stellung der Partei das mĂ€chtigste Gremium von Partei und Staat in der Sowjetunion. Es wurde von dem damals noch machtvollen Zentralkomitee der Partei eingesetzt. Von 1917 bis 1919 gab es das noch vorlĂ€ufige PolitbĂŒro. Wichtigste Mitglieder waren in der Leninzeit bis 1924: Lenin, Kamenew, Trotzki, Krestinski (nur bis 1921), Stalin, Bucharin (ab 1920), Sinowjew (ab 1921), Rykow (ab 1922) und Tomski (ab 1922). Von allen PolitbĂŒromitgliedern dieser Zeit hat nach Lenins Tod nur Stalin die Große SĂ€uberungen von 1936 bis 1940 lebend ĂŒberstanden.

Erste Regierung (Ministerrat der UdSSR)

Wichtige Mitglieder der Regierung (Volkskommissare) unter Vorsitz von Lenin waren bis 1924: Trotzki (Äußeres, Verteidigung), Rykow (Inneres, Wirtschaft und Stellvertretender Vorsitzender), Dserschinski (Inneres, Staatssicherheit, Tscheka), Krestinski (Finanzen) und Tschitscherin (Äußeres). Im Amt des Regierungschefs (Vorsitzender) folgte 1924 Rykow.

Rote Armee

→ Hauptartikel: Rote Armee

Die Rote Armee – zunĂ€chst Rote Arbeiter- und Bauernarmee – wurde durch einen Beschluss des Rates der Volkskommissare am 15. Januar 1918 (jul.) offiziell aufgestellt. Sie ging aus der bereits vorher existierenden Roten Garde hervor. Leo Trotzki, Volkskommissar fĂŒr MilitĂ€rwesen von 1918 bis 1924, wird als GrĂŒnder der Roten Armee angesehen. GrĂŒndungstag wurde der 23. Februar 1918, der Tag als die ersten Soldaten rekrutiert wurden. Die Bezeichnung entstand wĂ€hrend des russischen BĂŒrgerkrieges, als die Gegner als Weiße Armee bezeichnet wurden.

Die Armee war anfÀnglich eine Freiwilligenarmee ohne Dienstgrade und ohne Rangabzeichen. Trotzki revidierte dieses jedoch bereits 1918. Erster Oberbefehlshaber war General Jukums Vācietis, dazu dienten viele Offiziere der Kaiserlich Russischen Armee auch in hohen Funktionen. Das anvisierte Ziel war die Aufstellung einer Armee von 700.000 Soldaten bis Ende 1918.

1919 wurde die Dienststellung eines Politkommissars bei den Kompanien oder Staffeln auf Befehl des RevolutionĂ€ren Kriegsrates eingefĂŒhrt. Politkommissare kamen aus den Reihen der Partei.

Friedensvertrag von Brest-Litowsk

VerbrĂŒderungsszene: russische und deutsche Soldaten feiern das Ende des Krieges an der Ostfront.

→ Hauptartikel: Friedensvertrag von Brest-Litowsk

Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurde gegen Ende des Ersten Weltkrieges als Separatfrieden russischerseits von Leo Trotzki ausgehandelt und am 3. MĂ€rz 1918 in der Stadt Brest-Litowsk unterzeichnet. Vertragspartner waren einerseits die MittelmĂ€chte (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich und Bulgarien) und andererseits Sowjetrussland. Der Vertrag hatte zwar erhebliche Nachteile fĂŒr Sowjetrussland, aber die Bolschewiki konnten ihre noch schwache Macht im Inneren des Landes festigen. Er war die Voraussetzung fĂŒr den Sieg im folgenden BĂŒrgerkrieg.

BĂŒrgerkrieg

→ Hauptartikel: Russischer BĂŒrgerkrieg

Nach der Oktoberrevolution wurde ganz Russland in einen BĂŒrgerkrieg gestĂŒrzt, der bis Ende 1920 andauerte. Mehrere Armeen bekĂ€mpften sich gegenseitig: die ukrainische Armee unter dem Kommando von Symon Petljura, der sich marodierende Bauernbanden anschlossen; die Rote Armee, in der ebenfalls zahlreiche ukrainische Einheiten vertreten waren; die konterrevolutionĂ€re Weiße Armee mit zahlreichen Kosaken sowie unabhĂ€ngige Einheiten wie beispielsweise die Machnowschtschina, begrĂŒndet von Nestor Machno.

Auch fremde MĂ€chte griffen in den russischen BĂŒrgerkrieg ein: Japan, Deutschland und eine Reihe weiterer Staaten unterstĂŒtzten mit Waffen- und Materiallieferungen sowie Interventionstruppen die weißgardistischen Truppen gegen die Sowjets.

Die wichtigen KriegsschauplĂ€tze waren in der Ukraine, im Dongebiet und Kubangebiet gegen die Don-Kosaken, in Bessarabien, in Sibirien gegen die Weiße Armee unter Admiral Koltschak, im Finnischen BĂŒrgerkrieg und in den Baltischen Staaten.

Nach einem langen und fĂŒr das geschwĂ€chte Land verheerenden BĂŒrgerkrieg wurden schließlich die HauptkrĂ€fte des militĂ€rischen Widerstands unter den ehemaligen zaristischen GenerĂ€len Koltschak, Denikin und Judenitsch endgĂŒltig von den Sowjets besiegt. Neben dem schon zuvor unabhĂ€ngigen Polen (1917/18), das auch weite Teile der heutigen Ukraine und Weißrussland umfasste, erlangten auch die Baltischen Staaten sowie Finnland durch den BĂŒrgerkrieg die UnabhĂ€ngigkeit.

Insgesamt fielen rund 770.000 Soldaten auf allen Seiten im Gefecht. Weitere rund 700.000 Kombattanten starben wĂ€hrend des Krieges durch Seuchen. Zwischen 100.000 und 400.000 Zivilisten verloren durch Übergriffe sowohl der Roten, als auch der Weißen Armee ihr Leben. Dem BĂŒrgerkrieg fielen durch Chaos, Kampf, Hungersnot und Seuchen insgesamt rund acht Millionen Menschen zum Opfer.

KronstÀdter Matrosenaufstand

→ Hauptartikel: KronstĂ€dter Matrosenaufstand

Der KronstĂ€dter Matrosenaufstand im Februar/MĂ€rz 1921 richtete sich gegen die Regierung Sowjetrusslands. Sein Motto war „Alle Macht den Sowjets – keine Macht der Partei“. Die von den Bolschewiki enttĂ€uschten Matrosen verschanzten sich auf der Kotlin-Insel vor Petrograd. Sie konnten ihre Forderungen nicht durchsetzen und der Aufstand wurde niedergeschlagen.

Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU)

→ Hauptartikel: Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU)

Hammer und Sichel auf rotem Grund – Symbol Kommunistischer Parteien

Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands benannte sich 1918 in Kommunistische Partei Russlands (Bolschewiki) – KPR(B) – um. Lenin, ihr unbestrittener intellektueller FĂŒhrer und strategischer Kopf der Revolution, formulierte die Leitlinien fĂŒr den Aufbau eines kommunistischen Staates nach dem Übergang vom Kriegskommunismus – als Niederschlagung der Konterrevolution – zum Kommunismus. Er prĂ€gte den bereits bestehenden Begriff von der Diktatur des Proletariats, also von der Herrschaft der Arbeiterklasse unter FĂŒhrung einer zentralistischen Kaderpartei. Als begabter Rhetoriker begeisterte er das einfache Volk mit der griffigen Formel „Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“ fĂŒr das nĂ€chste strategische Ziel, den schnellen Aufbau eines modernen Industriestaats. Mit seinem Dekret ĂŒber den Boden bestĂ€tigte Lenin die seit der Oktoberrevolution auf dem Land abgelaufene Enteignung der adeligen Grundbesitzer.

Schon nach dem BĂŒrgerkrieg hatte die Kommunistische Partei es aufgegeben, alle kapitalistischen Staaten zu bekĂ€mpfen, damit in ihnen eine Revolution zu einer SystemverĂ€nderung stattfindet. Das Ziel der „Weltrevolution“ wurde verschoben bis zu einem Zeitpunkt des endgĂŒltigen Zusammenbruchs der kapitalistischen Wirtschaft.

Stalins Doktrin zum Aufbau des Sozialismus in einem Lande – in der Sowjetunion, dem „Vaterland aller WerktĂ€tigen“ – hatte Vorrang. Die Komintern erhielt die Aufgabe, Sorge fĂŒr die Unterordnung der anderen Kommunistischen Parteien (KP) in der Welt zu tragen.

Entstehung der Sowjetunion

Petsamo in den Grenzen von 1920–1944. GrĂŒn: 1940 abgetreten, Rot: 1947 abgetreten.
Grenzen Estlands nach dem Frieden von Dorpat
Polen nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg
Fernöstliche Republik

Grenzregelungen

zu Finnland

Am 6. Dezember 1917 erklĂ€rte sich das ehemalige russische Großherzogtum Finnland fĂŒr unabhĂ€ngig. Das bolschewistische Russland hat dies im Januar 1918 anerkannt. Im Rahmen des BĂŒrgerkrieges wollten im Ostfeldzug finnische Truppen auch erfolglos Ost-Karelien fĂŒr ein Großfinnland erobern. Nach auch britischen Interventionen schlossen Russland und Finnland 1920 durch den Frieden von Dorpat einen Friedens- und Grenzvertrag. Finnland wurde zusĂ€tzlich das Gebiet Petsamo mit Zugang zum Nordmeer zugesprochen, welches 1944 wieder an die UdSSR abgetreten werden musste.

zu den Baltenstaaten
zu Polen

Im August 1920 ĂŒberrannte die Rote Armee wĂ€hrend des Polnisch-Sowjetischen Krieges weite Gebiete des neuen Staates. Nach dem polnischen Sieg unter Marschall JĂłzef PiƂsudskis gegen die Bolschewiken wurde im Friedensvertrag von Riga 1921 Polens Ostgrenze etwa 250 km östlich der Curzon-Linie festgelegt.

zur TĂŒrkei

Im Vertrag von Kars wurde 1921 der Grenzverlauf zwischen der TĂŒrkei und den Sowjetrepubliken Armenische SSR, Aserbaidschanische SSR und Georgische SSR geregelt. 1922 schlossen sich diese drei Sowjetrepubliken zur Transkaukasischen SFSR zusammen. Nach der UnabhĂ€ngigkeit von Armenien hat diese 1991 den Vertrag von Kars fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt.

zu RumÀnien

Die Gebiete des russischen Gouvernements von Bessarabien, die nach dem Krimkrieg 1912 und durch den Berliner Vertrag von 1881 an Russland gefallen waren, erklĂ€rten sich im Dezember 1917 als Moldauische Demokratische Republik fĂŒr unabhĂ€ngig und schlossen sich als Autonome Republik im April 1918 RumĂ€nien an. Im Friedensvertrag von Versailles wurde dieses dann 1920 völkerrechtlich wirksam. 1940 besetzte die UdSSR diese Gebiete wieder.

im Fernosten

Die Fernöstliche Republik vom Baikalsee bis zum Kamtschatka wurde 1920 als Pufferstaat gegen Japan gegrĂŒndet. Nachdem die Rote Armee auch dieses Gebiet zurĂŒckeroberte, schloss sich das Gebiet im November 1922 wieder Russland und somit der Sowjetunion an. Nord-Sachalin blieb noch bis 1925 japanisch besetzt.

GrĂŒndung der Sowjetunion

Die Revolution hatte schnell von Russland auf die umliegenden LĂ€nder der russischen EinflusssphĂ€re ĂŒbergegriffen. Auch dort waren starke kommunistische KrĂ€fte – unterstĂŒtzt von den russischen Bolschewiki – an die Macht gekommen und hatten Sozialistische Sowjetrepubliken (SSR) ausgerufen. Am 30. Dezember 1922 schlossen sich die Russische Föderative Sowjetrepublik, die Ukrainische SSR, die Weißrussische SSR und die Transkaukasische SFSR zur Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) zusammen.

Die Hauptstadt, in der RSFSR bisher der Ausgangspunkt der Revolution Petrograd, wurde Moskau.

1924 bekommt die Sowjetunion seine erste Verfassung, die Sowjetische Verfassung von 1924.

Weitere Sowjetrepubliken

1924 wurden die russischen Kolonien Turkmenien und Usbekistan, 1929 Tadschikistan Sowjetrepubliken.

Die 15 Unionsrepubliken nach 1956

Am 5. Dezember 1936 wurde die Transkaukasische SFSR als Verbund der Armenischen SSR, Aserbaidschanischen SSR und Georgischen SSR aufgelöst und ihre bisherigen Teilrepubliken wurden Unionsrepubliken in der UdSSR.

Zeitgleich wurden am 5. Dezember 1936 die bisherigen autonome Kirgisische ASSR und die Kasachische ASSR als Teil der Russischen SFSR zur Kirgisischen SSR und Kasachischen SSR, also zu selbststÀndigen Unionsrepubliken.

1940 folgte die Okkupation der baltischen Republiken Estland, Lettland und Litauen sowie Moldawiens und des finnischen Teils von Karelien, die als Estnische SSR, Lettische SSR, Litauische SSR, Moldauische SSR und Karelo-Finnische SSR Unionsstaaten wurden.

Karelien verlor jedoch 1956 seinen Status als Unionsrepublik und wurde wieder als Autonome SSR Karelien in die Russische SFSR eingegliedert.

Beginn der Stalin-Ära 1922 bis 1930

1922 GeneralsekretÀr Stalin, 1924 Lenins Tod

Der gesundheitlich angeschlagene Lenin erkrankte, von SchlaganfĂ€llen gezeichnet, 1922 ernsthaft und musste sich weitgehend aus der operativen LeitungstĂ€tigkeit zurĂŒckziehen. Seine vom Krankenbett aus erteilten RatschlĂ€ge und Weisungen wurden jedoch noch bis 1923 weitgehend von den SpitzenfunktionĂ€ren befolgt. Mit Sorge betrachtete er die einsetzenden KĂ€mpfe um seine Nachfolge. Er misstraute dem militĂ€rischen Organisator und Kriegskommissar Leo Trotzki, der schon mehrfach von Lenins Lehren abgerĂŒckt war und sich selbst als „natĂŒrlichen“ Nachfolger und „Theoretiker“ sah.

Dessen Opponent Josef Stalin war 1922 zum GeneralsekretĂ€r der Partei aufgerĂŒckt und hatte praktisch unbemerkt von der FunktionĂ€rsspitze ein Netzwerk ihm ergebener Gefolgsleute aufgebaut, das ihm die Herrschaft ĂŒber den Parteiapparat sicherte. In dieser Funktion gelang es ihm, den kranken Lenin fast vollkommen von der Partei zu isolieren. Er kontrollierte den Zugang zum ParteifĂŒhrer und dessen Korrespondenz. So konnte Lenins Brief mit der eindringlichen Warnung und Forderung an die Partei, Stalin als GeneralsekretĂ€r abzulösen (in der Geschichtsforschung ist dieses Dokument auch als „Lenins politisches Testament“ bekannt), seine Adressaten nicht rechtzeitig erreichen. Der todkranke RevolutionsfĂŒhrer sprach sich gegen einen „FĂŒhrer“ Stalin aus, da er diesen fĂŒr ungeeignet hielt.

Rapallo, Berlin und Briand-Kellogg-Pakt

→ Hauptartikel: Vertrag von Rapallo, Berliner Vertrag, Briand-Kellogg-Pakt

Rapollo: Reichskanzler Joseph Wirth (2.v.l.), Außenkommissar Tschitscherin 2.v.r

Der Vertrag von Rapallo wurde am 16. April 1922 zwischen dem Deutschen Reich und der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik geschlossen, er wurde unterzeichnet von den Außenministern des Deutschen Reiches Walther Rathenau und der Sowjetunion Georgi Tschitscherin. Der Vertrag normalisierte die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Staaten, die mit ihm ihre internationale Isolation durchbrechen wollten. Beide Staaten verzichteten auf Reparationen fĂŒr KriegsschĂ€den.

Der Berliner Vertrag war ein am 24. April 1926 zwischen der Weimarer Republik und der UdSSR geschlossener Freundschaftsvertrag. Er war die Fortsetzung des Vertrages von Rapallo zur weiteren Verbesserung der Zusammenarbeit auch nach den VertrĂ€gen von Locarno mit dem Westen. Der Vertrag enthielt Vereinbarungen ĂŒber den Handel und ĂŒber die bereits bestehende militĂ€rische Zusammenarbeit von Reichswehr und Roter Armee.

Im Rahmen eines Konzeptes der kollektiven Sicherheit in Europa unterzeichneten 51 Staaten 1928/29 den Briand-Kellogg-Pakt zur Ächtung des Krieges. Eine Initiative des sowjetischen Außenkommissars Litwinow fĂŒhrte dazu, dass der Vertrag durch das Litwinow-Protokoll vom 9. Februar 1929 in der Sowjetunion in Kraft trat.

Stalins Machtfestigung 1924 bis 1930

Lenins Tod am 21. Januar 1924 fĂŒhrte zu einem erbitterten Nachfolgekampf, in dem sich Partei-GeneralsekretĂ€r Josef Stalin gegen Leo Trotzki durchsetzte. Stalin festigte seine Macht durch gezielten Terror von 1925 bis 1928 gegen seine Widersacher von „links“ (Leo Trotzki, Grigori Sinowjew, Lew Kamenew, Adolf Joffe) und von 1929 bis 1930 gegen die von „rechts“ (u. a. Nikolai Bucharin, Alexei Rykow, Michail Tomski) sowie jeden, der im Verdacht stand, mit ihnen zu sympathisieren.

PolitbĂŒro 1924–1930

Im mĂ€chtigen PolitbĂŒro der Partei waren Mitte 1924 Stalin, Trotzki, Kamenew, Rykow, Sinowjew, Bucharin und Tomski. Ende 1930 setzte sich das Gremium zusammen aus Stalin, Molotow, Kalinin, Woroschilow, Rudsutak, Kuibyschew, Kirow, Kossior, Kaganowitsch und Ordschonikidse. Der Machtwechsel war vollzogen.

Regierung nach Lenin

Regierungschef war nach Lenin von 1924 bis 1930 Alexei Rykow. Außenkommissar blieb bis 1930 Georgi Tschitscherin (1918–1930). FĂŒr Inneres und Sicherheit waren Alexander Beloborodow bis 1928 und Wjatscheslaw Menschinski bis 1934 zustĂ€ndig. Verteidigungskommissar war von 1924 bis 1940 Kliment Woroschilow.

Neue Ökonomische Politik (NEP)

→ Hauptartikel: Neue Ökonomische Politik

Die Neue Ökonomische Politik wurde durch Lenin im MĂ€rz 1921 auf dem X. Parteitag der Russischen Kommunistischen Partei verkĂŒndet. Sie löste die Wirtschaftspolitik des Kriegskommunismus ab und stellte einen Versuch dar, durch die UnterstĂŒtzung der Privatinitiative in der Landwirtschaft die ProduktivitĂ€t der Bauern zu verbessern. Den Bauern wurde gestattet, die Produkte, die ihnen ĂŒber das Ablieferungssoll hinaus verblieben, im freien Handel mit Preisen des freien Marktes zu verĂ€ußern. Die Periode der NEP endete schon 1927 mit dem 15. Parteitag der KPdSU.

Zwangskollektivierung und Terror 1930 bis 1940

Politische FĂŒhrung bis 1940

Nachdem Stalin bis Ende 1930 seine politische Macht gesichert hatte kam nun die Phase der politischen Abrechnung mit seinen frĂŒheren Gegnern.

PolitbĂŒro

Im PolitbĂŒro befanden sich Ende 1939 nur noch die in jeder Hinsicht ergebenen AnhĂ€nger Stalins: Molotow, Kalinin, Woroschilow, Kaganowitsch, Andrejew, Mikojan, Schdanow und aus der Ukraine der Landwirtschaftsexperte Chruschtschow. Stalin war nun unumschrĂ€nkter Diktator, der andere Gremien nur noch der Form halber konsultierte.

Regierung

Regierungschef war ab 1930 bis 1941 Molotow und Außenkommissar Litwinow (1930–1939). Als Verteidungskommissar fungierte weiterhin Woroschilow. Im Bereich Inneres und Sicherheit fand ein hĂ€ufiger Wandel statt, der den Prozess der Stalinschen SĂ€uberungen widerspiegelt; Heinrich Jagoda (1934–36), Jeschow (1936–37) und der aufkommende Beria (ab 1938) waren die Herrscher ĂŒber den todbringenden NKWD. Der Gosplan – die Planwirtschaft – wurde ab 1938 durch den hochqualifizierten Wosnessenski geleitet.

FĂŒnfjahresplĂ€ne

→ Hauptartikel: FĂŒnfjahrplan und Gosplan

Ab 1928 wurde die staatliche Wirtschaft FĂŒnfjahresplĂ€nen unterworfen, die Industrialisierung und Infrastruktur, speziell im asiatischen Teil des Landes, vorangetrieben. Die Schaffung des FĂŒnfjahrplanes unterstand dem Komitee fĂŒr die Wirtschaftsplanung Gosplan. Die Vorsitzenden von Gosplan waren Mitglieder der jeweiligen Regierung der UdSSR.

Kollektivierung

Ab 1929/33 wurde die Landwirtschaft zwangsweise kollektiviert. Sowchosen und Kolchosen sowie Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS) wurden gebildet. Der Widerstand der zumeist mittleren Bauern, als „Kulaken“ diffamiert, wurde rĂŒcksichtslos gebrochen. Die Folgen einer riesigen Hungersnot – auch als Holodomor bezeichnet – kosteten an der Wolga, in der Ukraine und im ganzen Land mehreren Millionen Menschen das Leben; genaue Opferzahlen sind nicht bekannt. Alleine in der Ukraine sollen fĂŒnf bis sieben Millionen Menschen gestorben sein. Stalins Schwager Stanislaw Redens, als Leiter der ukrainischen GPU, und der Erste SekretĂ€r der Kommunistischen Partei der Ukraine Stanislaw Kossior waren 1932 die verantwortlichen FunktionĂ€re.

Stalin begrĂŒndete 1942 gegenĂŒber Winston Churchill die Kollektivierung: „Es war alles sehr schlimm und schwierig – aber notwendig. [
] Wir haben unsere Lebensmittelerzeugung nicht nur MengenmĂ€ĂŸig gewaltig gesteigert, sondern auch die QualitĂ€t des Getreides.“ Er sprach von 10 Mio. Deportierten und Opfern.[1]

Stalinsche SĂ€uberung und Terror

→ Hauptartikel: Stalinsche SĂ€uberungen, Moskauer Prozesse, Große SĂ€uberung und Gulag bzw. Der Archipel Gulag

Seit 1935 eskalierte Stalin die Verfolgungen und Deportationen von BĂŒrgern, die dem System scheinbar oder tatsĂ€chlich im Wege standen. Durch die „Große SĂ€uberung“ von 1936 bis 1940 wurde ein systematischer Terror gegen die Menschen betrieben, die angeblich gegen das kommunistische Regime Stalins konspirierten. Die SĂ€uberungsaktionen waren oft als gerichtliche Verfolgung z. B. in den Moskauer Prozessen getarnt und durch unter Folter erpresste GestĂ€ndnisse begrĂŒndet (Schauprozess). Es wurden ganze Völker der Sowjetunion, ethnische Minderheiten, in Arbeitslager (Gulag) deportiert. „Kulaken“, Priester und Mönche, kirchliche Laien, Großteile der militĂ€rischen FĂŒhrungsspitze, fĂŒhrende Mitglieder der Partei und selbst Angehörige der Opfer wurden verurteilt, deportiert und ermordet.

SchĂ€tzungen gehen davon aus, dass zeitweise bis zu 2,5 Millionen Menschen inhaftiert waren und von ĂŒber 1 Millionen Todesopfern in den Lagern des so genannten Gulag.

Außenpolitik der 1930er Jahre

Sicherheitspolitik

Die BemĂŒhungen der Sowjetunion, durch Rapallo und Briand-Kellogg-Pakt die Sicherheitspolitik zu gestalten, wurden in den 1930er Jahren durch Außenkommissar Litwinow fortgesetzt. 1934 fĂŒhrte das gegen die UdSSR gerichtete deutsch-polnische Nichtangriffsabkommen zu einem Wechsel in der Außenpolitik. Die faschistische Bedrohung zwang die Sowjetunion zur Anpassung. Die UdSSR wurde 1934 Mitglied im Völkerbund. Die USA (1933), RumĂ€nien und die Tschechoslowakei (1934) erkannten die UdSSR an. Zweiseitige NichtangriffsvertrĂ€ge wurden mit Polen, Estland, Lettland und Finnland geschlossen und Beistandsabkommen mit Frankreich und der Tschechoslowakei (1935). In Spanien (1936-38) kĂ€mpften sowjetische Freiwillige an der Seite von Briten und Franzosen gegen die Franquisten.

Der Umbruch 1938/39 mit dem Anschluss Österreichs an Deutschland, der Besetzung der Tschechei, dem Krieg Japans gegen China, dem Stahlpakt Deutschland/Italien, dem drohenden DreimĂ€chtepakt Deutschland/Italien/Japan und der Zusammenarbeit von Deutschland mit Ungarn, RumĂ€nien und Bulgarien zwang die bedrohte UdSSR wieder zu einer radikalen Kehrtwende in der Sicherheitspolitik.

China

In China wurde die von Moskau gesteuerte Kommunistische Partei Chinas (KPCh) von der nationalrevolutionĂ€ren Kuomintangbewegung unter den in Moskau ausgebildeten Tschiang Kai-schek 1927 zunĂ€chst total aufgerieben. Die UdSSR arrangierte sich mit der Kuomintang, um 1932 das japanische Vordringen in der Mandschurei zu bekĂ€mpfen. Das hinderte die Sowjetunion jedoch nicht, sich auch mit den Japanern ĂŒber die Transsibirische Eisenbahn und ĂŒber der Verkauf der ostchinesischen Eisenbahn an Mandschukuo zu verstĂ€ndigen.

Zweiter Weltkrieg

Molotow unterzeichnet den Nichtangriffspakt
Stehend: Ribbentrop und Stalin

Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt und seine Folgen

→ Hauptartikel: Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt

Am 3. Mai wurde der bisherige Außenminister Maxim Litwinow – bisher Zielscheibe (da Jude) fortgesetzter deutscher Angriffe – abgelöst und der Vorsitzende des Rats der Volkskommissare (MinisterprĂ€sident) Wjatscheslaw Molotow ĂŒbernahm zusĂ€tzlich die Aufgaben der Außenpolitik. Hiermit wurde ein genereller Kurswechsel der Sicherheitspolitik der Sowjetunion eingeleitet.

Als unmittelbaren Vorboten zum Zweiten Weltkrieg unterzeichneten am 24. August 1939 die Außenminister Molotow fĂŒr die Sowjetunion und Joachim von Ribbentrop fĂŒr das Deutsche Reich den Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt. In dem geheimen Zusatzprotokoll – die UdSSR hat dieses bis 1988 geleugnet – wurden gegenseitige Interessensgebiete in Polen und RumĂ€nien sowie, als Einflusszonen der Sowjetunion, fĂŒr Estland, Lettland und Litauen zwischen den Vertragspartnern vereinbart.

Angriff auf Polen

Am 1. September 1939 begann durch Deutschland der Angriff auf Polen. Nach dem Polenfeldzug erfolgte am 17. September 1939 die sowjetische Besetzung Ostpolens durch die Rote Armee. GemĂ€ĂŸ dem Nichtangriffspakt trafen sich deutsche und sowjetische Truppen an der beiderseits vereinbarten Curzon-Linie. Am 6. Oktober kapitulierten die letzten polnischen Truppen. Als eine Folge des Überfalls auf Polen ermordeten im Jahr 1940 Einheiten des sowjetischen NKWD im Massaker von Katyn zehntausende polnische Kriegsgefangene.

Überfall auf Finnland

Am 30. November 1939 begann die Sowjetunion mit dem Überfall auf Finnland den Winterkrieg. Die Sowjetunion wurde daraufhin aus dem Völkerbund ausgeschlossen. Ein kriegerischer Konflikt mit den WestmĂ€chten konnte noch gerade verhindert werden. In der Schlacht von Kollaa konnte Finnland vom Dezember 1939 bis zum MĂ€rz 1940 erfolgreich Widerstand leisten bis die sowjetischen Truppen dann die Stellungen der Finnen durchbrachen. Am 13. MĂ€rz 1940 beendeten die Parteien den Krieg mit dem Friedensvertrag von Moskau.

Finnland blieb selbststÀndig, musste aber kleinere Teile seines Staatsgebietes an die Sowjetunion abtreten. Zusammen mit dem schon russischen Gebiet in Karellien wurde die Karelo-Finnische Sozialistische Sowjetrepublik errichtet.

Baltenstaaten werden Teil der UdSSR

Die drei baltischen Staaten in der sowjetischen Einflusszone bĂŒĂŸten schnell – zwischen dem 15. und 17. Juni 1940 – ihre SelbststĂ€ndigkeit ein. Sie wurden im Juli 1940 als Sowjetrepubliken Teil der UdSSR.

Bessarabien (Moldawien) wird Teil der UdSSR

RumĂ€nien trat nach einem Ultimatum der Sowjetunion vom 26. Juni 1940 und anschließender militĂ€rischer Besetzung nicht nur Bessarabien (heute Moldawien und Ukraine) sondern auch die Nordbukowina ab.

Verhandlungen

Am 12/13. September 1940 besuchte Außenkommissar Molotow Berlin und versuchte die sowjetische Einflusszone auf den Balkan auszudehnen. Hitler lehnte dies jedoch ab. Die im Nichtangriffspakt vereinbarten gegenseitigen Lieferungen von Maschinen sowie Getreide wurden dabei prĂ€zisiert. Bis zum 22. Juni 1941 erfolgten diese Lieferungen.

Japanisch-Sowjetischer NeutralitÀtspakt

FĂŒr den Fall eines deutschen Angriffs auf die Sowjetunion schloss diese fĂŒr fĂŒnf Jahre mit Japan am 13. April 1941 den Japanisch-Sowjetischer NeutralitĂ€tspakt.

Großer VaterlĂ€ndischer Krieg

→ Hauptartikel: Krieg gegen die Sowjetunion 1941–1945, Zweiter Weltkrieg

Kriegsziele

Der Krieg gegen die Sowjetunion war aus der Sicht der nationalsozialistischen FĂŒhrung nicht nur ein Eroberungskrieg (mehr Raum), sondern ebenso ein „Vernichtungskrieg“ gegen die Bevölkerung. FĂŒr die Nazi-Ideologen waren Russen, Ukrainer, Weißrussen, usw. „slawische Untermenschen“. NS-FĂŒhrer wie etwa Alfred Rosenberg oder Heinrich Himmler hatten schon PlĂ€ne ausgearbeitet, wie das eroberte sowjetische Gebiet verwaltet und ausgebeutet werden sollte. Der Generalplan Ost sah die Dezimierung der slawischen Völker um 30 Millionen, die Aussiedlung eines großen Bevölkerungsteils nach Sibirien und die UnterdrĂŒckung der Übrigen vor. Der Generalplan Ost und das Programm Heinrich sahen die wirtschaftliche Ausbeutung des Landes und mit der Abschöpfung der GetreideertrĂ€ge bewusst auch den Hungertod von Millionen vor (siehe Hungerplan).

Die Sowjetunion sah sich hingegen in einen Verteidigungskrieg gezwungen.

Kriegsverlauf

Kriegsbeginn

Am 22. Juni 1941 begann mit der deutschen Invasion der UdSSR der aus sowjetischer Sicht sogenannte Große VaterlĂ€ndische Krieg im Zweiten Weltkrieg. Ein Staatliches Verteidigungskomitee der UdSSR unter Vorsitz von Stalin wurde eingerichtet. AnfĂ€nglich erzielte die deutsche Wehrmacht große Erfolge; Weißrussland wurde innerhalb weniger Wochen erobert. Die Wehrmacht wurde teilweise von der Zivilbevölkerung freundlich begrĂŒĂŸt, weil sie sich die Befreiung von der kommunistischen Herrschaft erhoffte. Diese Hoffnungen wurden allerdings bald zunichte gemacht, als das NS-Regime eine Zivilverwaltung einsetzte (siehe Reichsministerium fĂŒr die besetzten Ostgebiete sowie Hinrich Lohse und Erich Koch) und das besetzte Land schwere Opfer erdulden musste.

Iranbesetzung

Einen Monat nach dem Angriff des Deutschen Reichs auf die Sowjetunion ĂŒberfielen am 24. August 1941 die Sowjetunion und Großbritannien den neutralen Iran. Die Sowjetunion besetzte den Norden, Großbritannien den SĂŒdens des Landes.

Besatzung durch die Deutschen
Der Russlandfeldzug 1941/1942

Nach ersten großen Erfolgen konnte die Wehrmacht 1941 zwar weder Moskau noch Leningrad erobern, 1942 eroberte sie jedoch nochmals große Gebiete, vor allem im SĂŒden der UdSSR. Ende 1942 bis Anfang 1943 zeichnete sich dann in der Schlacht um Stalingrad der Sieg der Roten Armee und die Wende im Zweiten Weltkrieg ab. Bis 1945 befreite die Rote Armee zunĂ€chst ihr Land und anschließend weitere LĂ€nder Ost-, Mittel- und SĂŒdosteuropas von der deutschen Besatzung.

Die deutsche Besatzung hatte schreckliche Folgen fĂŒr die Bevölkerung und die Wirtschaft der Sowjetunion. Wehrmacht, SS und die Polizei wĂŒteten unter der Bevölkerung Russlands, der Ukraine, Weißrusslands und der baltischen Sowjetrepubliken und brachten etwa 10 Millionen Zivilisten um, hĂ€ufig unter dem Vorwand der „Partisanen-“ oder „BandenbekĂ€mpfung“. Mehrere Millionen Menschen wurden unter schlimmsten Bedingungen als Zwangsarbeiter nach Deutschland deportiert. Besonders die russischen, ukrainischen, baltischen und weißrussischen Juden wurden unter der deutschen Besatzung erschossen oder in Vernichtungslager, wie das KZ Auschwitz oder das KZ Treblinka deportiert (siehe Einsatzgruppen, Holocaust, Verbrechen der Wehrmacht und Geschichte der Juden in der Sowjetunion). Teilweise beteiligten sich auch russische, ukrainische oder weißrussische Kollaborateure an den Erschießungen.

Durch die Kriegshandlungen beider Seiten wurden etwa 1.700 StÀdte und etwa 70.000 Dörfer sowie insgesamt etwa 1.000 Kirchen und 500 Synagogen zerstört (siehe Taktik der verbrannten Erde).

Kriegseintritt gegen Japan

Am 5. April 1945 kĂŒndigte die UdSSR an, den Japanisch-Sowjetischen NeutralitĂ€tspakt von 1941 nicht mehr zu verlĂ€ngern. Der Vertrag wĂ€re danach am 25. April 1946 ausgelaufen. Am 8. August 1945 trat jedoch die Sowjetunion, wie auf der Jaltakonferenz mit den Alliierten vereinbart, in den Krieg gegen Japan ein. ZunĂ€chst wurden japanisch besetzte Gebiete in China erobert. Am 18. August, drei Tage nach der Kapitulation Japans, besetzten sowjetische Truppen die Inselgruppe der Kurilen. 1946 wurden die Inseln sowjetisches Hoheitsgebiet.

Opfer

Die Sowjetunion hat die meisten Opfer des Zweiten Weltkrieges zu beklagen. Die Opferzahlen schwanken erheblich. Im Ploetz Geschichte des Zweiten Weltkrieges werden die militĂ€rischen Verluste mit 13,6 Mio. und die Zivilopfer mit 7 Mio. Menschen beziffert, also rund 10% der Bevölkerung.[2] Von ĂŒber 40 Mio. Todesopfern, darunter ca. 25 Mio. Zivilisten, schreibt Milton Leitenberg.[3] Diese Anzahl entsprach einem Sechstel der sowjetischen Bevölkerung.

Von den 2.562.000 jĂŒdischen FlĂŒchtlingen aus den von Deutschland besetzten Gebieten in den Jahren 1935 bis 1941 fanden 1.930.000 oder 75,3 Prozent eine neue Heimat in der Sowjetunion. Von den insgesamt vier Millionen Juden, die im FrĂŒhling 1941 auf dem von Deutschen besetzten Gebiet in der Sowjetunion gewohnt hatten, wurden etwa drei Millionen umgebracht.

Alliierte Kriegskonferenzen mit der Sowjetunion

v.l.n.r. Stalin, Roosevelt und Churchill in Teheran
  • Außenministerkonferenz 1943 (19. Oktober bis 1. November 1943) in Moskau, bei der die Außenminister Cordell Hull (USA), Anthony Eden (GB) und Molotow die Zusammenarbeit koordinierten und die Grundlagen fĂŒr Nachkriegsdeutschland festlegten.
  • Konferenz von Teheran (28. November bis 1. Dezember 1943) in Teheran, bei der US-PrĂ€sident Franklin D. Roosevelt, Churchill und Stalin die weitere Kriegsstrategie und die weitere Entwicklung in Europa erörterten. Die westliche Ausdehnung Polens als EntschĂ€digung fĂŒr den Verlust der östlichen Gebiete wurde angesprochen.
  • Moskaubesuch von General de Gaulle (2. Dezember 1944): Die westliche Ausdehnung Polens auf Schlesien, Pommern und Ostpreußen wurde sehr konkret erörtert.
  • Jalta-Konferenz (4. bis 11. Februar 1945) in Jalta, bei der Roosevelt, Churchill und Stalin die genauere Aufteilung Deutschlands und ihre EinflusssphĂ€ren in Europa und Asien fixierten.
  • Potsdamer Konferenz als DreimĂ€chtekonferenz in Potsdam (17. Juli bis 2. August 1945), bei der US-PrĂ€sident Harry S. Truman und US-Außenminister James F. Byrnes, die britischen Premierminister Churchill, bzw. Clement Attlee und ihre Außenminister Anthony Eden, bzw. Ernest Bevin, sowie Stalin und Molotow die im Potsdamer Abkommen (Protokoll) definierten Potsdamer BeschlĂŒsse ĂŒber Deutschland erzielten.

Kalter Krieg

→ Hauptartikel: Kalter Krieg

Der Kalte Krieg begann mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. 1945 wurde die Sowjetunion Mitglied in der UNO und Vetomacht im Sicherheitsrat. Zwar zog sie sich 1946 aus dem besetzten Iran zurĂŒck. Die Sowjetisierungspolitik jedoch fĂŒhrte bis 1948 dazu, dass sie die Ostblockstaaten sowie die Mongolei und Nordkorea beherrschte. Die UdSSR leistete auch Hilfestellung im chinesischen BĂŒrgerkrieg und bei der Industrialisierung Chinas sowie bei dessen Eingreifen im Koreakrieg (Stellvertreterkrieg).

Die Außenpolitik der StĂ€rke der neuen Großmacht Sowjetunion wurde im „Kalten Krieg“ durch die Außenminister Wyschinski und Molotow konsequent vertreten. Auch in der Chruschtschow- und Breschnew-Zeit wurde diese Großmachtpolitik durch den langjĂ€hrig amtierenden Außenminister Andrei Gromyko (1957–1985) weiter verfolgt.

Die Berlinblockade von 1948 und die erfolgreichen ZĂŒndung der ersten sowjetischen Atombombe im Rahmen des sowjetischen Atombomben-Projekts von 1949 verschĂ€rften den „Kalten Krieg“ als Bedrohung der westeuropĂ€ischen Staaten.

Politische FĂŒhrung bis 1953

PolitbĂŒro

Nach wie vor war der Generalissimus (ab 1945) Stalin der unumschrĂ€nkte Diktator. Er fĂŒhrt das PolitbĂŒro. Sein engster Vertrauter war seit 1946 der rasch aufstrebende ZK-SekretĂ€r Malenkow. Die PB-Mitglieder Kalinin und Schdanow starben 1946 und 1948. Bald schon wurde der Schdanow-Vertraute Wosnessenski 1950 hingerichtet. Ab 1949 und verstĂ€rkt ab 1952 fallen Molotow und Mikojan in Ungnade; ihr Sturz schien unabwendbar. Im engsten Kreis um Stalin waren nur noch Malenkow, Woroschilow, Kaganowitsch, Beria und ZK-SekretĂ€r Chruschtschow. Zudem gehörten dem PolitbĂŒro noch Andrejew (nur bis 1952) und Bulganin an. 1952 wurde das PolitbĂŒro auf 25 Mitglieder aufgestockt; Stalin wollte auf Kosten der Älteren die VerjĂŒngung der PolitfĂŒhrung damit einleiten.

Regierung

Regierungschef blieb bis 1953 Stalin. Außenminister war nach Molotows Ablösung von 1949 bis 1953 der gefĂŒrchtete Exgeneralstaatsanwalt Wyschinski. Als Verteidigungsminister fungierten die MarschĂ€lle Bulganin bzw. Wassilewski. Im Bereich Inneres und Sicherheit wechseln weiterhin die Verantwortlichen wie Beria (bis 1945 und 1953) und die gefĂŒrchteten NKGB-Chefs Abakumow und Ignatjew, die bald darauf hingerichtet wurden. Der Gosplan wurde bis 1949 durch Wosnessenski und danach durch Saburow geleitet.

Ostblockstaaten

→ Hauptartikel: Ostblock, Eiserner Vorhang

Zu den Ostblockstaaten zĂ€hlten die Sowjetunion und die abhĂ€ngigen Satellitenstaaten Polen, DDR, Tschechoslowakei, Ungarn und Bulgarien sowie teilweise bzw. zeitweise auch RumĂ€nien und Albanien. GrundsĂ€tzlich konnte kaum eine entscheidende Maßnahme eines Ostblockstaates ohne RĂŒcksprache mit der Sowjetunion erfolgen. Der Eiserne Vorhang – so drĂŒckte es Churchill aus – war bald gefallen.

In den Konferenzen von Moskau, Teheran, Jalta und Potsdam hatten die Sowjetunion, USA und Großbritannien fĂŒr die EuropĂ€ischen Staaten ihre Interessensgebiete informell abgestimmt. FĂŒr RumĂ€nien (90 %) und Bulgarien (75 %) war der Sowjetunion ein ĂŒberwiegender Einfluss zugestanden worden. FĂŒr Ungarn, Jugoslawien, Polen und Tschechoslowakei sollte der Einfluss ausgewogen sein. Und fĂŒr Griechenland wurde ein ĂŒberwiegender westlicher Einfluss vereinbart. Es kam aber anders. Die Rote Armee besetzte die östlichen Staaten. Sie setzte in diesen LĂ€ndern kommunistisch beherrschte Volksrepubliken durch.

In Polen wurde die Londoner Exilregierung nicht einbezogen und ein so genannter „Demokratischer Block“ setzt den Kommunisten Bierut als Regierungschef und dann als Staatsoberhaupt durch.
In der Tschechoslowakei konnte sich Edvard BeneĆĄ nur bis 1948 als PrĂ€sident halten bis er vom kommunistischen FĂŒhrer Klement Gottwald verdrĂ€ngt wurde.
Auch in Ungarn wird der Kommunist Matthias Råkosi zunÀchst Stellvertretender Regierungschef in einer aber Kommunistisch beherrschten Regierung. 1949 wurde eine Verfassung nach sowjetischem Vorbild beschlossen und ab 1952 setzte Råkosi den stalinistischen Kurs als MinisterprÀsident direkt durch.
In Bulgarien ĂŒbernahmen die Kommunisten ohne große Umwege 1946 die Macht durch Georgi Dimitrow.
In RumĂ€nien wurden bis 1947 alle bĂŒrgerlichen Parteien verboten, der König musste abdanken und 1948 wurden Sozialdemokraten und Kommunisten zwangsvereinigt. Der Stalinist Gheorghe Gheorghiu-Dej beherrschte ab 1945 die Partei und ab 1952 die Regierung.

Jugoslawien wurde unter Tito zwar kommunistisch, blieb aber blockfrei. Nur Finnland und Griechenland konnten 1948 kommunistische Umsturzaktionen abwehren.

Geteiltes Deutschland und Berlin-Blockade

→ Hauptartikel: Berlin-Blockade

Der grĂ¶ĂŸte Spannungsherd zwischen Ost und West war das geteilte Deutschland. In der sowjetischen Besatzungszone setzte sich schnell durch die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED (1946) die Kommunisten durch.

Die Berlin-Blockade erschĂŒtterte das schon sehr gestörte VerhĂ€ltnis zwischen den MĂ€chten. Die Straßen nach West-Berlin, mitten in der Sowjetischen Besatzungszone, wurden vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 von der Sowjetunion als Reaktion auf die WĂ€hrungsreform der Westzonen blockiert. Bei dieser Berlin-Blockade wurde der Westteil der Stadt durch die Berliner LuftbrĂŒcke versorgt. Die Blockade war ein weiterer Höhepunkt des Kalten Krieges. Es war Stalin nicht gelungen Westberlin in seinen Machtbereich einzubeziehen. Westberlin galt seitdem als Symbol des erfolgreichen Widerstandes gegen die imperiale Politik der Sowjetunion.

Mit der GrĂŒndung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik von 1949 war der Eiserne Vorhang auch staatsrechtlich manifestiert.

Josef Stalin auf einer DDR-Briefmarke
Stalin-Noten, Eden-PlÀne, Molotow-Plan

Am 10. MĂ€rz 1952 bot Stalin den WestmĂ€chten (Frankreich, Großbritannien, USA) in den so genannten Stalin-Noten Verhandlungen ĂŒber die Wiedervereinigung und Neutralisierung Deutschlands an. Bundeskanzler Konrad Adenauer und die WestmĂ€chte lehnten die Diplomatische Note als Störmanöver und als Behinderung der Westintegration der Bundesrepublik ab.

1952 trug der britische Außenminister Anthony Eden den ersten Eden-Plan zur Schaffung einer „Atlantischen Allianz“ vor, wonach die Bundesrepublik Deutschland in einem Europarat vertreten seien sollte. Er ergĂ€nzte 1954 auf der Berliner Außenministerkonferenz den Plan durch die Bedingungen (Freie Wahlen, Nationalversammlung, Verfassung, gesamtdeutschen Regierung, Friedensvertrag) fĂŒr eine mögliche Wiedervereinigung Deutschlands.

Außenminister Molotow prĂ€sentierte bei dieser Außenministerkonferenz von 1954 den Molotow-Plan mit dem sowjetischen Vorschlag fĂŒr eine Wiedervereinigung Deutschlands. Der Plan war eine Erwiderung auf den von der Sowjetunion abgelehnten Eden-Plan und stand in der Tradition der Stalin-Noten.

Siebzehnter Juni 1953

→ Hauptartikel: Siebzehnter Juni 1953

In den Tagen um den 17. Juni 1953 kam es wegen der Erhöhung der Arbeitsnormen in der DDR zu einer Welle von Streiks, Demonstrationen und Protesten. Die DDR-FĂŒhrung nahm die Normenerhöhung zwar zurĂŒck, aber die Demonstrationen weiteten sich aus. Die sowjetischen Behörden reagierten mit der VerhĂ€ngung des Ausnahmezustandes. In Berlin einrĂŒckende sowjetischen Truppen unterdrĂŒckten den Aufstand der Arbeiter.

Rat fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe

→ Hauptartikel: Rat fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe

Der Rat fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) – im Englischen als COMECON bekannt – wurde 1949 in Moskau als sozialistisches Gegengewicht zum Marshallplan und zur OECD gegrĂŒndet. Durch sie sollte eine StĂ€rkung der Wirtschaftskraft sowie die Spezialisierung und Arbeitsteilung in den RGW-Staaten erreicht werden. Dazu gehörten neben der Sowjetunion auch Albanien, Bulgarien, Polen, RumĂ€nien, Tschechoslowakei, Ungarn und ab 1950 die DDR. Kuba, die Mongolei und Vietnam wurden spĂ€ter auch Mitglieder.

TruppenstÀrke der Staaten des Warschauer Paktes und der NATO-Mitgliedsstaaten in Europa, 1973

Warschauer Pakt

→ Hauptartikel: Warschauer Pakt

In den nĂ€chsten Jahrzehnten war die Welt vom Duell der SupermĂ€chte USA und Sowjetunion gekennzeichnet. Die Sowjets stĂŒtzten sich hierbei auf den Warschauer Pakt, der aus den im Zweiten Weltkrieg gewonnenen Satellitenstaaten (Albanien bis 1968, Bulgarien, DDR, Polen, RumĂ€nien – teilweise, Tschechoslowakei und Ungarn) bestand. Der Pakt wurde 1955 in Warschau in der Form von bilateralen VertrĂ€gen ĂŒber Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand (VFZ) abgeschlossen. Das MilitĂ€rbĂŒndnis stand unter FĂŒhrung der Sowjetunion. Der Pakt bestand bis 1991. Die expansive und aggressive Politik Stalins bewirkte im „kapitalistischen Lager“ eine Reihe von politisch-militĂ€rischen BĂŒndnissen. Es entstanden die Verteidigunspakte von NATO (1949), SEATO (1954) und CENTO (1955).

Konflikt mit Tito

→ Hauptartikel: Titoismus

Einen schweren und folgenreichen RĂŒckschlag auf dem Wege zum Weltkommunismus erlitt die Sowjetunion, als 1948 Jugoslawien fĂŒr sich in Anspruch nahm, einen eigenen Weg zum Sozialismus gehen zu wollen, der im Kern ein gewisses Maß an Selbstverwaltung der Betriebe vorsah. Dieser Titoismus brachte das Land in Gegensatz zu den sowjetischen Hegemoniebestrebungen und fĂŒhrte 1948 zum Bruch zwischen Stalin und dem selbstbewussten frĂŒheren PartisanenfĂŒhrer Josip Broz Tito. Die Auseinandersetzungen wurden mit erbitterter HĂ€rte und wĂŒsten Beschimpfungen gefĂŒhrt. Im September 1949 wurde der zweiseitige BĂŒndnisvertrag der Bruderstaaten von 1945 aufgekĂŒndigt. Am 29. November 1949 riefen die Kominform-Mitglieder sogar offen zum Sturz von Tito und zum Kampf gegen den Titoismus auf. Der Titoismus war von 1949 bis 1953 fĂŒr die KPdSU ein Grund fĂŒr die weitere Verfolgungen von sogenannten „Abweichlern“, „Ketzern“ und nationalorientierten Strömungen in den Ostblockstaaten.

Im Zuge der Entstalinisierung nach Stalins Tod kam es unter Nikita Chruschtschow und der Auflösung des Kominform wieder zu normalen Beziehungen mit der Sowjetunion, jedoch blieb Jugoslawien ein blockfreies Land.

Bruch mit China

In China siegten mit sowjetischer Hilfe, aber durchaus aus eigener Kraft, die Kommunisten unter Mao Tsetung. Die Sowjetunion unterhielt bis 1949 jedoch noch seine diplomatischen Beziehungen zum gegnerischen Nationalchina unter Tschiang Kaischek. Die neue Volksrepublik China wurde einen Tag nach ihrer GrĂŒndung am 1. Oktober 1949 anerkannt. Mao wurde schleunigst von Stalin nach Moskau eingeladen und am 14. Februar 1950 wurde ein Freundschafts- und Beistandsabkommen abgeschlossen. Die Sowjetunion verzichte dabei auf alle bisherigen Rechte ĂŒber die HĂ€fen Port Arthur/LĂŒshunkou und Dairen/Dalian und auf die ostchinesische Eisenbahn. Mit der ErfĂŒllung der Vertragsvereinbarungen ließ sich die UdSSR bis 1952 bzw. 1955 viel Zeit. Probleme von beiderseitigem Interesse hinsichtlich der Mongolei und Ostturkestans/Xinjiang blieben offen. Das VerhĂ€ltnis beider Staaten war konfliktbelastet.

Nach dem Tod Josef Stalins wurden die Beziehungen zu China schwieriger und nach der Kubakrise kam es zum Bruch zwischen Peking und Moskau. Dies war ein schwerer Schlag fĂŒr die SowjetfĂŒhrung, die darauf bedacht war, die FĂŒhrungsrolle im Weltkommunismus zu behalten. Zudem wandte sich Peking mit Nixons Chinabesuch den USA zu und verschob damit das geopolitische Gleichgewicht, das sich nach der amerikanischen Niederlage im Vietnamkrieg gerade zu wenden schien, zu Ungunsten Moskaus.

Wirtschaftliche SchwÀchen

Innenpolitisch litt die Sowjetunion an den SchwĂ€chen der kommunistischen Planwirtschaft und der damit einhergehenden BĂŒrokratie, die nur ein schwaches Wirtschaftsleben zuließ: Ein Industriearbeiter verdiente in der Stadt durchschnittlich 600 bis 800 Rubel, ein Kilogramm Butter kostete aber 68 Rubel, ein Paar Schuhe mittlerer QualitĂ€t 200.

Die wirtschaftliche SchwĂ€chung der Sowjetunion wurde durch das WettrĂŒsten im RĂŒstungswettlauf von Ost und West noch erheblich verstĂ€rkt. Das BemĂŒhen der UdSSR trotz seiner erheblich geringeren Wirtschaftskraft bei der militĂ€rischen AufrĂŒstung mit den NATO-Staaten auf gleicher Ebene zu konkurrieren belastete die sowjetische Volkswirtschaft erheblich und fĂŒhrte zu Konflikten in der Partei- und StaatsfĂŒhrung hinsichtlich der zu bevorzugenden Wirtschaftsschwerpunkte wie Schwerindustrie, Leichtindustrie, Landwirtschaftproduktion oder KonsumgĂŒterindustrie.

Mangel an Offenheit und Demokratie

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Sowjetunion eine dĂŒstere Terrorzeit, wenngleich auch nicht so schlimm, wie in den Jahren von 1936 bis 1940. Die Herrschaft der kommunistischen Einheitspartei KPdSU wurde nach innen abgesichert und Kritik am System unterdrĂŒckt. Dissidenten wurden verbannt oder unter Hausarrest gestellt.

Weder einfache Parteimitglieder noch höchste FunktionĂ€re blieben verschont von dem System der permanenten Unsicherheit, der Furcht, der Repressalien, Verhaftungen und Deportationen. Das kĂŒnstlerische wie wissenschaftliche Leben wurde durch Parolen wie Kampf gegen Objektivismus und gegen Kosmopolitismus durch „Wachsamkeitskampagnen“ vor allem durch ZK-SekretĂ€r Shdanow stark bedrĂ€ngt (Zweites Shdanowschtschina). Wer verstĂ¶ĂŸt ist ein „Schmierfink“ oder der „Abschaum der Gesellschaft“.

Die Gulags – sogenannte „Arbeitsbesserungslager“ in einem umfassenden Repressionssystem – bestanden auch nach 1945 unter der Verwaltung des Innenministeriums. Bis zu 10 Mio. Menschen befanden sich in den Straf- und Zwangsarbeitslagern.

1953–1964: Ära Chruschtschows

Nach Stalins Tod wurde 1953 Nikita Chruschtschow Erster SekretĂ€r der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und 1958 auch Regierungschef als Nachfolger von Georgi Malenkow (1953–1955) und Nikolai Bulganin. Er vereinte damit wieder (wie Stalin von 1941 bis 1953) das höchste Parteiamt der KPdSU mit dem mĂ€chtigsten Staatsamt als MinisterprĂ€sident in einer Person. Formelles Staatsoberhaupt als Vorsitzender des PrĂ€sidiums des Obersten Sowjets war von 1953 bis 1960 Woroschilow und von 1960 bis 1964 Leonid Breschnew.

Politische FĂŒhrung bis 1964

PolitbĂŒro (von 1952 bis 1966 als PrĂ€sidium bezeichnet)

Das PolitbĂŒro wurde nach Stalins Tod 1953 gebildet aus Malenkow, Beria, Molotow, Woroschilow, Chruschtschow, Bulganin, Kaganowitsch, Mikojan, Saburow und Perwuchin . Beria wurde schon 1953 hingerichtet. Suslow rĂŒckte 1955 nach. Molotow, Malenkow, Kaganowitsch, Saburow und Perwuchin schieden nach ihrem Putschversuch 1957 aus. Die Chruschtschow-AnhĂ€nger Schukow, Koslow, Kuusinen, Aristow, Ignatow, Furzewa, Beljajew und Muchitdinow konnten sich nur einige Jahre halten. 1964 fĂŒhrte eine neue Gruppe um Breschnew mit Kossygin, Podgorny, Suslow, Kirilenko, Poljanski, Schwernik, Woronow das mĂ€chtige PolitbĂŒro.

Regierung

Die Regierungschefs waren in der in dieser Zeit Malenkow (bis 1955), Bulganin (bis 1958) und Chruschtschow. Außenminister waren nach dem Abgang von Molotow kurzfristig Schepilow (1956–1957) und dann bis 1985 der Ex-UNO-BotschafterAndrei Gromyko. Verteidigungsminister waren die MarschĂ€lle Bulganin (1953–1955), Schukow (1955–1957) und Malinowski (1957–1967).

Entstalinisierung

→ Hauptartikel: Entstalinisierung, XX. Parteitag der KPdSU, Tauwetter-Periode

Auf dem XX. Parteitag der KPdSU leitete Chruschtschow 1956 mit einer fĂŒnfstĂŒndigen Geheimrede die Entstalinisierung und eine liberalere Parteipolitik ein. Er wollte die KPdSU so auf eine Entstalinisierung vorbereiten und Handlungsspielraum fĂŒr eine vorsichtige Reformpolitik gewinnen. Dieses war ein Wendepunkt in der Geschichte der Sowjetunion. Teile der Rede wurden bald auch in der UdSSR veröffentlicht. Es folgten Teilamnestien fĂŒr unter Stalin als Zwangsarbeiter Inhaftierte, eine zunĂ€chst inhaltliche Diskussion ĂŒber die weitere Entwicklungen in den Parteien und den Gesellschaften des Ostblocks, die Beendigung des Personenkults, die AufklĂ€rung stalinistischer Verbrechen, eine Reduzierung der Zensur und ein erster politischer Kurs der friedlichen Koexistenz.

1957 versuchten eine deutliche Mehrheit der PolitbĂŒromitglieder mit Molotow, Malenkow, Woroschilow, Kaganowitsch, Saburow, Perwuchin und Bulganin erfolglos Chruschtschow zu stĂŒrzen. Eine Mehrheit im eiligst zusammen gerufenen Zentralkomitee der Partei unterstĂŒtzte jedoch Chruschtschow. Sie entließen Malenkow, Molotow, Kaganowitsch und Saburow aus ihren ParteiĂ€mtern. Bulganin blieb noch ein Jahr lang MinisterprĂ€sident bis 1958 Chruschtschow auch diesen Posten ĂŒbernahm.

Friedliche Koexistenz

Chruschtschow (rechts) mit VizeprĂ€sident Richard Nixon unmittelbar vor ihrer KĂŒchendebatte im Juli 1959

→ Hauptartikel: Friedliche Koexistenz

Friedliche Koexistenz besagt, dass die Entscheidung Kapitalismus oder Sozialismus im friedlichen Wettbewerb beider Systeme, also unter Ausschluss des kriegerischen Konflikts zwischen ihnen entschieden werden soll. Auf dem XX. Parteitag der KPdSU von 1956 fĂŒhrte Chruschtschow dazu aus: „Der Leninsche Grundsatz von der friedlichen Koexistenz zwischen Staaten mit verschiedenartiger sozialer Struktur war und bleibt Generallinie in der Außenpolitik unseres Landes“. Der Parteitag billigte diese außenpoltische Generallinie,

Auch im VerhĂ€ltnis zu den USA vertrat die Sowjetunion das Prinzip dieser Friedlichen Koexistenz der Systeme und verkĂŒndete das Ziel, den Kapitalismus vor allem auf wirtschaftlicher Ebene zu besiegen (Systemkonkurrenz). Vom 15. bis zum 27. September 1959 besuchte er auf Einladung Dwight D. Eisenhowers als erster sowjetischer Regierungschef die USA.

Zur Zeit von Chruschtschow und John F. Kennedy kam es 1962 zur Kuba-Krise mit den USA, die zu einem Dritten Weltkrieg hĂ€tte fĂŒhren können. Auch auf Grund der Doktrin von der Friedlichen Koexistenz wurde von der Sowjetunion der Konflikt nicht militĂ€risch, sondern diplomatisch gelöst.

Wegen des Kurses der Sowjetunion zur Friedlichen Koexistenz distanzierte sich u. a. die Kommunistische Partei der Volksrepublik China von der KPdSU, eine Spaltung zwischen den kommunistischen Parteien, die bis zum Untergang der Sowjetunion bestehen blieb.

Staatsvertrag Österreich

→ Hauptartikel: Besetztes Nachkriegsösterreich und Geschichte Österreichs

Mit dem Kriegsende 1945 wurde auch Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt. 1955 verhandelten Außenminister Molotow und der Stellvertrende MinisterprĂ€sident Mikojan mit Österreich (Bundeskanzler Julius Raab, Vizekanzler Adolf SchĂ€rf, Außenminister Leopold Figl und StaatssekretĂ€r Bruno Kreisky) ĂŒber deren Wiedervereinigung. Mit der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrages durch Österreich und durch die SiegermĂ€chte und mit dem Bekenntnis zur NeutralitĂ€t durch das Moskauer Memorandum erlangte die Republik ihre volle SouverĂ€nitĂ€t am 27. Juli 1955.

Ungarischer Volksaufstand

→ Hauptartikel: Ungarischer Volksaufstand

Trotz einer Politik der Entstalinisierung und der friedlichen Koexistenz konnten die Satellitenstaaten der Sowjetunion nicht nach eigenem Belieben handeln. Mit dem Ungarischen Volksaufstand versuchten die Ungarn im Oktober und November 1956, sich von der sowjetischen UnterdrĂŒckung zu befreien. Ungarns MinisterprĂ€sident Imre Nagy forderte die parlamentarische Demokratie und die NeutralitĂ€t Ungarns. Die von den Staaten des Warschauer Pakts so bezeichnete Konterrevolution wurde durch den Einmarsch der Roten Armee blutig beendet. Auch Nagy, Verteidigungsminister PĂĄl MalĂ©ter und weitere 350 Personen wurden in der UdSSR verurteilt und hingerichtet. Nachfolger JĂĄnos KĂĄdĂĄr verfolgte als GeneralsekretĂ€r der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei und MinisterprĂ€sident außenpolitisch einen streng moskau-treuen Kurs, fĂŒhrte innenpolitisch jedoch Reformen durch.

Berliner Mauer

→ Hauptartikel: Berliner Mauer

Das Auseinanderdriften von Ost und West verschĂ€rfte sich zunehmend. Zwischen 1949 und 1961 verließen etwa 2,6 Millionen Menschen die DDR. Diese Abwanderungen bedrohten die Wirtschaftskraft der DDR und somit auch die der Ostblockstaaten. Der Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht erhielt von Chruschtschow die Zustimmung zur Abriegelung der Berliner Sektorengrenze als wirksame Sperrmaßnahme. Mit dem Bau der Berliner Mauer in der DDR vom 13. August 1961 wurde die Ost-West-Teilung zunĂ€chst verstĂ€rkt.

Kubakrise

→ Hauptartikel: Kubakrise

Im Mai 1962 begannen die UdSSR auf Kuba heimlich mit Atomsprengköpfen bestĂŒckbare SS-4 Mittelstreckenraketen und 40.000 Soldaten der Roten Armee zu stationieren.

Die USA entdeckten die ersten Raketenstationierungen. PrĂ€sident John F. Kennedy ordnete eine Seeblockade fĂŒr sowjetische Schiffe an, die RĂŒstungsgĂŒter nach Kuba transportierten und forderte Chruschtschow auf zum Abzug der Raketen aus Kuba.

Chruschtschow akzeptierte zunĂ€chst die Blockade nicht. Ein Weltkrieg drohte. Chruschtschow lenkte schließlich ein und erklĂ€rt sich bereit, die Raketen zu entfernen. Im Gegenzug erklĂ€ren die USA: Keine Invasion auf Kuba. Sie versprachen auch, die Atomwaffen aus der TĂŒrkei abzuziehen, was jedoch vermutlich nie geschah.

Wirtschaftsprogramm

Nachdem in der Stalinzeit auch Kriegsbedingt der Ausbau der Schwerindustrie deutlichen Vorrang hatte, wurden nunmehr die Elektrifizierung und der Ausbau der Chemiewirtschaft vorangetrieben. Zugleich legte Chruschtschow darauf Wert, die ProduktivitÀt der Landwirtschaft erheblich zu steigern.

Bis 1957 wurde die Sowjetwirtschaft streng zentralistisch und nach Branchen gegliedert. So gab es ganz spezielle Fachministerien wie z. B. fĂŒr Radioelektronik, Luftfahrtstechnik, Holzindustrie, Leichtmaschinenbau etc. etc. Die Gosplan versuchte eine zentralistische Lenkung ĂŒber die FĂŒnfjahresplĂ€ne. Chruschtschow leitete 1957 eine Wirtschaft-Verwaltungsreform ein, die sich von den bisherigen Organisationsprinzipien der Partei abhob. Es wurden nunmehr zunĂ€chst um die 100 Wirtschaftsverwaltungsbezirke gebildet mit VolkswirtschaftsrĂ€ten (Sownarchos). 1962 wurde die Anzahl der Bezirke auf 47 begrenzt. Chruschtschow ordnete an, dass die ParteifunktionĂ€re nicht nur grundsĂ€tzlich anweisen und kontrollieren, sondern nun auch unmittelbar in der Verwaltung des Staates – vor allem in der Landwirtschaftsproduktion – mitwirken sollten. Die ParteifunktionĂ€re waren ĂŒberfordert. Missergebnisse fielen nunmehr direkt auf die Partei zurĂŒck. Ein gigantischer Zwanzigjahresplan wurde aufgestellt. Diese Reformen scheiterten und leiteten den Sturz Chruschtschows ein. Die Reformen wurden sodann wieder von den Nachfolgern zurĂŒckgenommen.

Abwahl Chruschtschows

→ Hauptartikel: Endphase der Herrschaft und Sturz von Chruschtschow

1964 wurde Chruschtschow als Folge der gescheiterten Landwirtschafts- und Wirtschaftspolitik , der gestörten Beziehungen zu China, der Niederlage in der Kuba-Krise und auf Grund seines Machtverlustes in der Partei von seinen Ämtern als Erster SekretĂ€r der Partei und MinisterprĂ€sident der UdSSR vom Zentralkomitee (ZK) der Partei enthoben. Michail Suslow und Leonid Breschnew, aber auch Alexei Kossygin, Anastas Mikojan und Dimitri Poljanski fĂŒhrten am 14. Oktober 1964 u.a. mit der Kritik an der Parteireform, dem verĂ€nderten Parteistatut und der Landwirtschaftspolitik seinen Sturz herbei. 1957 hatte Chruschtschow die Malenkow-Molotow-Gruppe mit Hilfe des ZKs abwĂ€hlen lassen. Dieses Mal bedienten sich die Mehrheit im PolitbĂŒro derselben Methode. Das ZK wurde zu einer Sondersitzung einberufen und der unvorbereitete Chruschtschow mehrheitlich zum RĂŒcktritt gezwungen.

Chruschtschows Erfolge

Der mörderischer Massenterror der Stalinzeit endete. Der grĂ¶ĂŸere Teil der politischen Gefangenen wurde entlassen, wenngleich noch mehrere hundertausende Gefangene verblieben. Die Mehrzahl der sibirischen Gefangenenlager wurde aufgelöst. Eine Justizreform schaffte die Sippenhaft ab und gestattete die Verteidigung in Strafprozessen.
Der Stalindiktatur folgte eine kollektivere Staats- und ParteifĂŒhrung. Das Zentralkomitee wurde wieder in die Entscheidungen einbezogen. Die Verbrechen der Stalinzeit wurden aufgedeckt und die Macht des Geheimdienstes reduziert. Der Personenkult wurde eingeschrĂ€nkt. Eine kleine Liberalisierung bei Kunst und Literatur konnte verzeichnet werden.

Im Arbeitsleben war seit 1956 – administrativ eingeengt – die Möglichkeit der freien Wahl des Arbeitsplatzes eingerĂ€umt worden. Andererseits konnten durch das sogenannte Parasitengesetz der RSFSR „arbeitscheue Elemente“ durch das Arbeitskollektiv bis zu 5 Jahre in Verbannung geschickt werden.
Das System hatte sich modernisiert aber nicht liberalisiert.

Breschnew und seine Nachfolger

Leonid Iljitsch Breschnew

Leonid Breschnew

Nach Chruschtschows Sturz wurde Leonid Breschnew zunĂ€chst Erster SekretĂ€r und ab 1966 GeneralsekretĂ€r der KPdSU. Kurzfristig kam es wieder zu einer kollektiven FĂŒhrung im PolitbĂŒro. Bald setzte sich Breschnew machtpolitisch gegen MinisterprĂ€sident Alexei Kossygin und Staatsoberhaupt Nikolai Podgorny durch. Er löste Podgorny 1977 als Vorsitzenden des PrĂ€sidiums des Obersten Sowjets der UdSSR und somit als Staatsoberhaupt ab. Damit wurde das Amt des Staatsoberhauptes aufgewertet und es verblieb danach aus reprĂ€sentativen GrĂŒnden zumeist auch dem Parteichef vorbehalten.

Die von Chruschtschow eingeleitete Entstalinisierung wurde kaum mehr verfolgt, die Bezeichnung des Stalinismus als "Periode des Personenkults" wurde nun sogar als unmarxistisch und falsch bezeichnet[4]. Weitere Reformen, die Chruschtschow in Partei und Staat begonnen hatte, wurden teilweise wieder zurĂŒckgenommen oder völlig abgestellt, stattdessen orientierte sich die FĂŒhrung wiedern an den Prinzipien und Traditionen des Stalinismus → Neostalinismus. Die Meinungsfreiheit wurde wieder massiv eingeschrĂ€nkt, in dem man regimekritische Schriftsteller wie beispielsweise Andrei Donatowitsch Sinjawski oder Juli Daniel verhaftet ließ. Auch die Gesetze bei politischen Verbrechen wurden verschĂ€rft. Des Weitern wurde versucht, Stalin wieder positiver darzustellen, in dem man seine großen "Heldtaten" wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs hervorhob[5]. Gorbatschow beurteilte die Entwicklung ab 1967: „So verflĂŒchtete sich der Geist der Reformen zusehends.“ „Die Stagnation begann“ mit Zentralismus, Nomenklatura und Kommandowirtschaft [6]

Politische FĂŒhrung bis 1985

PolitbĂŒro 1964–1985

Die Breschnew-Zeit war gekennzeichnet durch deutliche Stagnationserscheinungen einer sehr ĂŒberalterten und konservativen politischen FĂŒhrungsschicht. Spöttisch wurde es als „Goldenes Zeitalter der Stagnation“ benannt. Um 1980 war das Durchschnittsalter der PolitbĂŒro-Mitglieder ĂŒber 70 Lebensjahre. LangjĂ€hrige Mitglieder waren neben Breschnew u.a. MinisterprĂ€sident Kossygin, StaatsprĂ€sident Podgorny, der Parteiideologe Michael Suslow sowie Kirilenko, Außenminister Gromyko, Andropow, Grischin, Kunajew. Erst 1978 rĂŒckte der schon 67-jĂ€hrige Konstantin Tschernenko in das PolitbĂŒro nach; der SekretĂ€r des Zentralkomitees war bald die mĂ€chtige „graue Eminenz“ fĂŒr den zunehmend gebrechlichen Breschnew.

Regierung 1964–1985

Die Regierungschefs waren Alexei Kossygin (1964–1980) und Nikolai Tichonow (1980–1985). Einziger Außenminister dieser Epoche war Andrei Gromyko. Als Verteidigungsminister fungierten die MarschĂ€lle Gretschko (1967–1976) und Ustinow (1976–1984). Den KGB leitete von 1967 bis 1982 Juri Andropow. Chef des Gosplan war Nikolai Baibakow.

Prager FrĂŒhling, Breschnew-Doktrin

→ Hauptartikel: Prager FrĂŒhling, Breschnew-Doktrin

Die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei unter ihrem Ersten SekretĂ€r Alexander Dubček bemĂŒhten sich im FrĂŒhjahr 1968 um ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm, um einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ in der Tschechoslowakei. Diese Reformbewegung des Prager FrĂŒhlings wurde durch eine politische und militĂ€rische Intervention der „Warschauer FĂŒnf“ – Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn, Polen und DDR – niedergeworfen.

Die Handlungen erfolgten im Rahmen der dazu am 12. November 1968 verkĂŒndeten Breschnew-Doktrin, die eine begrenzte SouverĂ€nitĂ€t der Warschauer-Pakt-Staaten postulierte mit der These: „Die SouverĂ€nitĂ€t der einzelnen Staaten findet ihre Grenze an den Interessen der sozialistischen Gemeinschaft.“ Im Zuge der Reformpolitik unter Michail Gorbatschow wurde die Doktrin 1988 offiziell aufgehoben.

Konferenz ĂŒber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa

→ Hauptartikel: Konferenz ĂŒber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE)

Die erste Konferenz der KSZE fand auf Initiative der UdSSR und des Warschauer Paktes 1973 in Helsinki statt. Teilnehmer waren 35 Staaten: die USA, Kanada, die Sowjetunion und alle europÀischen Staaten mit Ausnahme von Albanien.

Die Schlussakte von Helsinki wurde 1975 unterzeichnet. In ihr wurden Vereinbarungen ĂŒber die Menschenrechte, die Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Umwelt, Sicherheitsfragen sowie Fragen der Zusammenarbeit in humanitĂ€ren Angelegenheiten getroffen. Das erfolgreiche Ziel der KSZE war es, dem Ost- und Westblock in Europa zu einem geregelten Miteinander zu verhelfen.

Die von den RGW-Staaten unterschĂ€tzten Regelungen zu den Menschenrechten waren Grundlage fĂŒr die Arbeit vieler osteuropĂ€ischer Dissidenten und Menschenrechtsorganisationen und somit Basis fĂŒr eine zunehmende Liberalisierung in den Ostblockstaaten.

Entspannung

→ Hauptartikel: Moskauer Vertrag, SALT-VertrĂ€ge, ABM-Vertrag, KSZE

Eine nur kurze Atempause im WettrĂŒsten der GroßmĂ€chte sorgte auch fĂŒr eine kurze Phase der Entspannung von 1969 bis 1979. Die Zeit der Koexistenz schien fĂŒr eine NormalitĂ€t zu Sorgen.

Moskauer Vertrag

Der Moskauer Vertrag von 1970 zwischen der UdSSR und der Bundesrepublik Deutschland sorgte im Rahmen der Ostpolitik fĂŒr eine Entspannung in Mitteleuropa u.a. durch die Anerkennung des Status quo, also der Oder-Neiße-Linie als Westgrenze zu Polen. Der Vertrag wurde von Bundeskanzler Willy Brandt und Außenminister Walter Scheel, sowie fĂŒr die UdSSR von MinisterprĂ€sident Alexei Kossygin und Außenminister Andrej Gromyko unterzeichnet.

AbrĂŒstung und SALT

Die SALT-VertrĂ€ge (VertrĂ€ge zur nuklearen RĂŒstungsbegrenzung) wurden von 1969 bis 1979 ausgehandelt. SALT I wurden schon 1972 von US-PrĂ€sident Richard Nixon und Breschnew in Moskau unterzeichnet. Der ABM-Vertrag (Anti-Ballistic Missiles) von 1972 zwischen den USA und der UdSSR zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen war ein Ergebnis der SALT-Verhandlungen. Auch SALT II fand mit den Unterschriften von US-PrĂ€sident Jimmy Carter und Breschnew 1979 seinen Abschluss.

Konferenz ĂŒber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE)

Die KSZE war ein weiteres Ergebnis der Entspannungspolitik zwischen Ost und West. Die erste Konferenz fand vor allem auf Initiative des Warschauer Paktes 1973 in Helsinki statt unter Teilnahme der Sowjetunion, USA und Kanada sowie aller (ohne Albanien) europĂ€ischen Staaten. Die Schlussakte von Helsinki wurde 1975 unterzeichnet. Sie beinhaltet Vereinbarungen ĂŒber die Menschenrechte, die Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Umwelt, Sicherheitsfragen sowie Fragen der Zusammenarbeit in humanitĂ€ren Angelegenheiten.

Ein vorĂŒbergehendes Ende des Prozesses

Die Invasion Afghanistans setzte 1979 dem Entspannungprozess ein vorĂŒbergehendes Ende. SALT II wurde deshalb von den USA nicht mehr ratifiziert.

Afghanistankrieg

→ Hauptartikel: Afghanischer BĂŒrgerkrieg und sowjetische Invasion

1978 ĂŒbernahm die kommunistische Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVPA) die Macht in Afghanistan. Rund 30 Mudschahedin-Gruppen leisteten jedoch erbitterten und erfolgreichen Widerstand. Im Dezember 1979 marschierte deshalb auf Wunsch des afghanischen PrĂ€sidenten Hafizullah Amin sowjetische Truppen in Afghanistan ein. Der Afghanistankrieg entwickelte sich zu einem Debakel und trug auch zum Niedergang der Sowjetunion bei. 1980 wurden deshalb die Olympischen Spiele in Moskau von vielen Weststaaten boykottiert. Nach dem Abzug der Sowjets 1989 verschlechterte sich die Lage der Kommunisten im Land und sie verschwanden nach der MachtĂŒbernahme der Taliban von der politischen BĂŒhne.

Juri Andropow

Breschnews Nachfolger wurde fĂŒr 1982–1984 der frĂŒhere KGB-Chef Juri Andropow. Im Gegensatz zu seinem VorgĂ€nger und Nachfolger, war Andropow an einer umfassenden Belebung der sowjetischen Politik im Inneren und Äußeren interessiert. Am 12. November 1982 wurde er mit 68 Jahren trotz seines ernsten Gesundheitszustandes zum GeneralsekretĂ€r der KPdSU gewĂ€hlt. Am 16. Juni 1983 wurde Andropow zudem Vorsitzender des PrĂ€sidiums des Obersten Sowjets. Diabetes, Bluthochdruck und chronisches Nierenversagen konstatierten derweil die Ärzte. In den letzten sechs Monaten seines Lebens nahm Andropow keine öffentlichen Termine mehr wahr. Nach nur 15 Monaten Regierungszeit verstarb er in Moskau.

Konstantin Tschernenko

Im Jahre 1984, im Alter von 72 Jahren, wurde Konstantin Tschernenko GeneralsekretÀr der KPdSU; zu dieser Zeit litt er unter Asthma und war schwer krank. Wie sein VorgÀnger, Juri Andropow, war Tschernenko nur kurze Zeit GeneralsekretÀr und Staatsoberhaupt. Er starb nach dreizehnmonatiger Amtszeit. Tschernenko ist der letzte sowjetische Staatsmann, der an der Kremlmauer in Moskau beerdigt wurde.

Gorbatschow

Michail S. Gorbatschow

Reformen durch Glasnost und Perestroika

Mit der Wahl Michail Sergejewitsch Gorbatschows zum Parteichef der Kommunistischen Partei setzten sich 1985 die KrÀfte durch, die nur in entschlossenen und tief greifenden Reformen den letzten Ausweg aus der damaligen schwierigen wirtschaftlichen Situation in der Sowjetunion sahen. Von 1985 bis 1991 war als vorsichtiger Reformer Nikolai Ryschkow neuer MinisterprÀsident.
Der Anfang der Ära Gorbatschow war ĂŒberschattet von der Katastrophe von Tschernobyl.

PolitbĂŒro nach 1985

Es gelang Gorbatschow in schneller Folge das ĂŒberalterte PolitbĂŒro zu verjĂŒngen. Boris Jelzin wird ihm spĂ€ter (1991) vorwerfen, dass er – Gorbatschow – diese neuen Mitglieder schließlich zumeist selbst vorgeschlagen hat. AnfĂ€nglich waren es noch 11 Vollmitglieder am Schluss 24 Mitglieder; das Gremium verlor an Macht und Bedeutung. Bedeutende Mitglieder waren Saikow, Slunkow, die Reformer Wadim Medwedew und Jakowlew und ab 1989/90 die verhĂ€ngnisvollen Krjutschkow und Janajew.

Regierung ab 1985

Regierungschefs war bis 1991 Ryschkow, der dann durch den farblosen, frĂŒheren Finanzminister Walentin Pawlow abgelöst wurde. Als bedeutender Außenminister wirkte der Georgier Eduard Schewardnadse, der als Reformer schon 1990 aufgab. Von 1987 bis 1991 war Marschall Jasow Verteidigungsminister, bis er auf die Idee eines Putsches kam. Den KGB leitete der spĂ€tere Putschist Wladimir Krjutschkow.

Glasnost und Perestroika

→ Hauptartikel zu Glasnost und Perestroika

Nach und nach wurde im Zuge der Politik Gorbatschows die wirtschaftliche und politische Krise deutlicher, was durch seine Politik von Glasnost (Transparenz) und Perestroika (Umgestaltung) wiederum bewusst offengelegt wurde. Auch außerhalb der politischen Klasse, in der Bevölkerung, wurde nun immer offener Kritik geĂ€ußert. Die Nomenklatura war jedoch anfangs ĂŒberzeugt, die Kontrolle ĂŒber die Entwicklung durch aktive Mitarbeit behalten zu können. Sie wurde jedoch schließlich von der Eigendynamik der Entwicklung ĂŒberrollt.

Außenpolitik

Die Außenpolitik wurde in dieser Zeit im wesentlichen von Gorbatschow und dem Außenminister von 1985 bis 1990 Eduard Schewardnadse getragen.

Reagan (re.) und Gorbatschow unterzeichnen 1987 den INF-Vertrag im Weißen Haus.
Gipfeltreffen vor Malta, 1989
Bush und Gorbatschow im GesprÀch
Der Ost-West Dialog

Über die Dialoge des Genfer Gipfeltreffens vom November 1985, dem Treffen in ReykjavĂ­k vom Oktober 1986, dem Moskaubesuch von US-Außenminister George P. Shultz im April 1987 und dem Staatsbesuch Gorbatschows im Dezember 1987 in Washington D.C. konnten bis April 1988, beim Gegenbesuch des US-PrĂ€sidenten Ronald Reagan in Moskau, zwischen der UdSSR und den USA entscheidende Schritte fĂŒr eine nukleare AbrĂŒstung und fĂŒr eine Entspannung zwischen den GroßmĂ€chten eingeleitet werden (siehe INF-Vertrag).

In Malta (Juli 1989) und Washington (Mai 1990) wurde dieser Dialog zwischen US-PrĂ€sident George Bush und Gorbatschow fortgesetzt und durch Wirtschaftsfragen ergĂ€nzt und die UdSSR zunĂ€chst vorlĂ€ufig in die GesprĂ€che der G-7-Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, USA) einbezogen.

Auch die erfolgreichen KSZE-Nachfolgeverhandlungen fĂŒhrten 1989 zu der Verbesserung der Beziehungen zwischen den beteiligten Staaten aus Europa und Nordamerika.

Ende der Breschnew-Doktrin

1988 verkĂŒndete Gorbatschow, dass die Sowjetunion die Breschnew-Doktrin aufgeben wĂŒrde und erlaubte den osteuropĂ€ischen Staaten mehr Demokratie einzufĂŒhren. Die neuen Freiheiten fĂŒhrten 1989 zu einer Reihe ĂŒberwiegend friedlichen Revolutionen in Osteuropa. Sie beendeten den Kalten Krieg und ermöglichten die Deutsche Wiedervereinigung, an dessen formellen Ergebnissen die UdSSR maßgeblich beteiligt war.

Der Krieg in Afghanistan fand erst 1989 mit dem RĂŒckzug der Truppen fĂŒr die UdSSR ein Ende.

Auflösung der Sowjetunion

Der Augustputsch

WĂ€hrend des Putschversuchs von 1991, auch bekannt als Augustputsch in Moskau, setzte eine Gruppe von FunktionĂ€ren der KPdSU ihren PrĂ€sidenten Gorbatschow vorĂŒbergehend ab und versuchte, die Kontrolle ĂŒber das Land zu erlangen. Obgleich der Putschversuch in nur drei Tagen scheiterte und Gorbatschow wieder eingesetzt wurde, beschleunigte das Ereignis den Zerfall der UdSSR.

Auflösung der UdSSR

Im MĂ€rz 1990 erklĂ€rte Litauen, am 20. August 1991 Estland und am 21. August 1991 Lettland als erste ihre UnabhĂ€ngigkeit von der UdSSR; am 12. Dezember 1991 folgte die Russische SFSR, am 16. Dezember Kasachstan und am 25. Dezember Georgien. Der erstarkte PrĂ€sident der ehemaligen Unionsrepublik RSFSR, Boris Jelzin, ĂŒbernahm die Kontrolle ĂŒber Medien und SchlĂŒsselministerien. Schrittweise demontierte und entmachtete er PrĂ€sident Gorbatschow, der am 25. Dezember 1991 als PrĂ€sident der UdSSR zurĂŒck trat. Schließlich vollzog der Oberste Sowjet am 31. Dezember 1991 die Auflösung der Sowjetunion. Die völkerrechtlichen Rechte und Pflichten der Sowjetunion ĂŒbernahm − unter Jelzins FĂŒhrung − die Russische Föderation als der „Fortsetzerstaat“ der UdSSR (Ă©tat continuateur), welcher völkerrechtlich identisch zur RSFSR ist, wodurch auch der sowjetische Sitz im UN-Sicherheitsrat an Russland fiel.[7]

Eine spÀtere NichtigkeitserklÀrung der russischen Duma vom 15. MÀrz 1996, die von der KPRF beantragt wurde und eine Mehrheit erlangte, blieb folgenlos.[8]

Gemeinschaft UnabhÀngiger Staaten (GUS)

→ Hauptartikel: Gemeinschaft UnabhĂ€ngiger Staaten

Es blieben die nunmehr 15 souverĂ€nen Staaten der Union. Die Gemeinschaft UnabhĂ€ngiger Staaten wurde im Dezember 1991 durch eine Vereinbarung der StaatsoberhĂ€upter Russlands, der Ukraine und Weißrusslands und durch den Beitritt von acht weiteren, kurz darauf von der Sowjetunion unabhĂ€ngig gewordenen Sowjetrepubliken (Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Tadschikistan, Usbekistan) gegrĂŒndet. 1993 trat auch Georgien der GUS bei. In den letzten Jahren hat die GUS deutlich an Bedeutung verloren. Turkmenistan ist seit 2005 nur noch beigeordnetes Mitglied. Georgien verließ de facto 2008 die GUS. Die Ukraine sieht sich seit 2008 nur noch als Teilnehmerstaat und nicht Mitgliedsstaat.

Verwandte Themen

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Winston Churchill: Der Zweite Weltkrieg. Fischer-Verlag, Frankfurt/M. 2007, S. 701
  2. ↑ Geschichte des Zweiten Weltkrieges. S. 81, Ploetz, WĂŒrzburg 1960
  3. ↑ Milton Leitenberg: Death in Wars and Conflicts in the 20th Century
  4. ↑ Aus: Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus & Reformkommunismus, DĂŒsseldorf/Wien 1979, S. 252.
  5. ↑ Aus: Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus & Reformkommunismus, DĂŒsseldorf/Wien 1979, S. 251-256.
  6. ↑ Michail Gorbatschow: Erinnerungen, S. 123 f, 126, 144; Siedlerverlag, Berlin 1995, ISBN 3-88680-524-7
  7. ↑ Ross. Gaz vom 21. Januar 1992, deutsche Übersetzung bei Schweisfurth, Staatensukzession, S. 67
  8. ↑ Drucksache 13/4404 vom 19.04.1996 der deutschen Bundesregierung mit Antwort der deutschen Bundesregierung auf eine Anfrage von Klaus Dieter Reichardt zur NichtigkeitserklĂ€rung der Auflösung der UdSSR von der russischen Staatsduma

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