Spanische Kolonien

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Spanische Kolonien
Kaiser Karl V. herrschte als Erster √ľber ein globales Imperium, in dem ‚Äědie Sonne niemals unterging‚Äú; Gem√§lde von Rubens

Spanien besaß ein großes Kolonialreich, das jedoch im Gegensatz zum französischen und britischen Reich größtenteils aus amerikanischen Landflächen bestand. Die ersten Kolonien wurden Ende des 15. Jahrhunderts erworben, die letzten gingen im 20. Jahrhundert verloren.

Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Länder der Krone Aragon

Als Anfang des spanischen Kolonialismus kann man die systematischen Eroberungen der Krone Aragon im Mittelmeerraum im 13. und 14. Jahrhundert ansetzen, dabei wurden unter anderem Neapel-Sizilien, Sardinien und sogar Gebiete im heutigen Griechenland in das Reich eingegliedert. Dabei stie√ü man h√§ufig mit dem expandierenden Osmanischen Reich (siehe: Herzogtum Neopatria) und den italienischen Seerepubliken Genua und Pisa zusammen (siehe: Korsika), die Aragon viele Gebiete und Kolonien streitig machten. Erst mit der Vereinigung Aragons und Kastilien durch die Heirat Isabella I. von Kastilien mit Ferdinand II. von Arag√≥n 1469 begann man sich zunehmend f√ľr Entdeckungsfahrten in westlicher Richtung zu interessieren. Ein weiterer Grund war auch, dem portugiesischen Konkurrenten m√∂glichst zuvor zu kommen.

Conquista

Theorie der Conquista

Christoph Columbus

Nach der ‚ÄěWiederentdeckung‚Äú Amerikas durch den genuesischen Seefahrer Christoph Columbus im Dienste der Kastilischen Krone begann die ‚ÄěConquista‚Äú (spanisch f√ľr Eroberung) des Doppelkontinents. Zahlreiche spanische Abenteurer und Gl√ľcksritter, die gro√üteils aus der Extremadura stammten oder Veteranen der Reconquista waren str√∂mten in die Neue Welt um so schnell zu Ruhm und Reichtum zu gelangen. Die Extremadura war zu dieser Zeit eine kahle, √∂de und verarmte spanische Provinz; w√§hrend der Erstgeborene gew√∂hnlich das Land des Vaters erbte, konnten die Zweit- oder Drittgeborenen nur als Soldaten ihren Lebensunterhalt sichern, so nahmen viele an der Reconquista teil, nach dem Fall Granadas 1492 verloren sie allerdings ihre Lebensgrundlage. So ist es auch nicht verwunderlich das die beiden bedeutendsten Conquistadoren Hernando Cortes und Francisco Pizarro ebenfalls aus dieser Provinz stammten. Bereits in der Kapitulation von Santa F√© die Columbus mit Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon schloss sind schon die Grundz√ľge der Conquista erkennbar.
Wie aus dem Vertrag ersichtlich war es das Ziel der Spanisch-kastilischen Krone neue L√§nder zu entdecken und diese zu erobern bzw. auszubeuten, um so einen Weltmachtsstatus zu erreichen, den zu dieser Zeit Portugal inne hatte. Auch wird die sp√§tere Praxis der ‚ÄěCapitulaci√≥n‚Äú ersichtlich, in der sich ein Conquistador in einem Vertrag mit dem spanischen K√∂nig verpflichtete, milit√§rische Inbesitznahme im Namen der Krone, die zivile Besiedlung der neu gegr√ľndeten Kolonien und die Missionierung der indigenen Bev√∂lkerung zum Katholizismus auf eigene Kosten zu √ľbernehmen gegen die Zusicherung des k√∂niglichen Anteils von zwanzig Prozent (‚ÄěQuinto real‚Äú) der gefundenen Edelmetalle, die Capitulaci√≥n war also eine Art k√∂nigliche Lizenz an einen Privatunternehmer. Nach erfolgreicher Eroberung bekamen die Antragsteller meist den Titel eines Vizek√∂nigs, Gouverneurs oder eines Generalkapit√§ns, so wurde beispielsweise Cortes nach der Eroberung Mexikos zum Generalgouverneur und Pizarro nach der Eroberung Perus zum Generalkapit√§n ernannt. Nach Unterzeichnung der Capitulaci√≥n oblag dem Unternehmer die Aufgabe, seine Expedition auszur√ľsten sowie Seeleute, Priester und Soldaten anzuwerben. Da die Conquistadoren in der Regel keine k√∂nigliche Soldaten oder S√∂ldner waren, die einen festen Sold oder eine feste Heuer erhielten, sondern Freiwillige, die sich f√ľr den Kauf ihrer Ausr√ľstung selbst verschuldeten, war ihr Interesse darauf gerichtet, maximalen Gewinn aus der Expedition zu schlagen, denn nur so waren die Schulden abzutragen[1].

Bartolomé de Las Casas

Die Folge dieser Eroberungspolitik Kastiliens war das Encomienda-System, das 1503 von Isabella I. eingef√ľhrt wurde, dabei wurden den Conquistadoren sehr gro√üe Landg√ľter mitsamt der darin lebenden indigenen Bev√∂lkerung √ľbertragen; Lehnsherr der indigenen Bev√∂lkerung war aber formal das spanische K√∂nigspaar; es beauftragte den Encomendero (‚ÄěAuftragnehmer‚Äú) damit, f√ľr den Schutz und die Missionierung der dort lebenden Indios zu sorgen. In der Praxis wurden die Indianer allerdings versklavt, eine Verbesserung der indianischen Situation trat erst mit den Leyes de Burgos, in denen ausdr√ľckliche jede Gewaltanahnwendung der Encomenderos gegen√ľber den Indianern verboten wurden, dennoch √§nderte sich in der Praxis √§u√üert wenig, der spanischen Krone fehlte schlichtweg ein Kontrollorgan in der Neuen Welt. Die in vielen F√§llen unzureichende Umsetzung der Gesetze f√ľhrte zu zahlreichen Protesten und Forderungen, in der Tat betrachtete man die Gesetze nur als Legalisierung der bereits tristen Situation. Erst durch den Dominikaner Bartolom√© de Las Casas, der die Zust√§nde der indigenen Bev√∂lkerung in Spanien anprangerte, kam es 1542 zu den Leyes Nuevas (Neuen Gesetzte), in der schlie√ülich die Indianer unter den direkten Schutz der Krone gestellt wurden. Jedoch wurden auch diese nicht umgesetzt und bereits 1545 teilweise wieder zur√ľckgenommen, so wurde das Encomienda-System de facto bis 1549 weitergef√ľhrt. Mit der Schaffung des so genannten Repartimiento-Systems gelang ein wirksamerer Schutz der Indianer, sie lebten von nun an in Gemeinschaften und verpflichteten sich M√§nner aus ihren eigenen Reihen f√ľr zeitlich begrenzte Projekte seitens des Staates als Arbeitskraft zur Verf√ľgung zu stellen. Der Umfang dieser Arbeitskraft betrug zwei bis vier Prozent der m√§nnlichen Bev√∂lkerung. Die Einteilung √ľberwachte der (Regional)Gouverneur oder (Oberste) B√ľrgermeister (span.: Alcalde Mayor), der auch f√ľr den Schutz der indigenen Bev√∂lkerung zust√§ndig war und Missst√§nde aufzuzeigen hatte[2].

Praktische Durchf√ľhrung der Conquista

Hernando Cortes
Francisco Pizarro

Das oberste Ziel der Conquistadoren war allerdings nicht die Erschlie√üung neuer Gebiete und dessen Besiedlung, sondern die Suche nach Gold und anderen Reicht√ľmern, der Mythos des sagenhaften Goldlandes El Dorado war daf√ľr von entscheidender Bedeutung. Dabei gingen sie meistens mit R√ľcksichtslosigkeit und √§u√üerster Brutalit√§t gegen√ľber der indigenen Bev√∂lkerung vor, so lie√ü beispielsweise Pizarro 5000 unbewaffnete Inkas massakrieren, um an den ersehnten Goldreichtum zu gelangen.

Durch das so genannte Requerimiento wurde eine pseudooffizielle Genehmigung durch die spanische Monarchie erteilt, in der die Indianer Mittel- und S√ľdamerikas zur bedingungslosen Kapitulation und gleichzeitigen Unterwerfung unter die Herrschaft der spanischen Krone aufgefordert wurden[3].

Da das Dokument nur auf Spanisch verlesen wurde, verstanden die meisten Indianer deren Sinn nicht und lehnten es daher ab, so wurden sie schließlich zu vogelfrei erklärt und ermordet.

Durch gezielte Strategie und Taktik gelang es unter anderem Hernando Cortes das Gro√üreich der Azteken und Francisco Pizarro das Reich der Inka zu zerst√∂ren, auf deren Tr√ľmmern schlie√ülich die Vizek√∂nigreiche Neuspanien und Peru gegr√ľndet wurden.

Siehe auch: Spanische Eroberung Mexikos, Spanische Eroberung Perus, Leyenda negra

Kolonialverwaltung

Spanisches Weltreich

System der Vizekönige

Nach der Phase der Conquista errichtete die spanisch-kastilische Krone Verwaltungseinheiten auf den ehemaligen Gro√üreichen der Azteken und Inkas, dabei wurden die bestehenden wirtschaftlichen und kulturellen Zentren oft beibehalten, so war nach der Zerst√∂rung Tenochtitl√°ns aus deren Resten Mexiko-Stadt gegr√ľndet worden, das dann schlie√ülich die Hauptstadt Neuspaniens wurde.
Da in den L√§ndern der Krone Aragon schon seit dem Mittelalter das System der Vizek√∂nige eingef√ľhrt war, √ľbertrug man dies nun auch auf die Neue Welt, so wurde 1535 das Vizek√∂nigreich Neuspanien und 1544 das Vizek√∂nigreich Neu-Kastilien, das dann sp√§ter in Peru umbenannt wurde, gegr√ľndet. Der Vizek√∂nig war der oberste Vertreter der spanischen Monarchie und hatte auch das Recht Regionalgouverneure vorzuschlagen, die dann aber von K√∂nig best√§tigt werden mussten.
In der Phase der Conquista war der Conquistador oftmals zugleich auch Vizekönig bzw. Gouverneur der neu entdeckenden Ländern, da ja noch keine spanische Verwaltung existierte, erst nach der Eroberung und der Konsolidierung der spanischen Herrschaft wurde vom König ein Vizekönig oder Gouverneur ernannt, der dann mit dem Aufbau der Verwaltung in jeweiligen Vizekönigreich bzw. in den Regionen beginnen konnte.

Bis zur Gr√ľndung der Vizek√∂nigreiche war die Bezeichnung Vizek√∂nig nur ein Titel, der an herausragende Pers√∂nlichkeiten wie Christoph Columbus und dessen Sohn Diego verliehen wurde, jedoch ohne politische Macht, so waren beispielsweise Christoph Columbus und sein Sohn Diego lange Zeit eigentlich nur Gouverneur von Hispaniola bzw. von Westindien, obwohl sie den Titel eines Vizek√∂nigs inne hatte.

Siehe auch: Liste der Vizekönige Neuspaniens, Liste der Vizekönige von Peru, Liste der Vizekönige Neugranadas, Liste der Vizekönige des Río de la Plata

Organisation

Unter den Trast√°maras und Habsburgern

Quelle[4]

Schon ab dem 15. Jahrhundert versuchte die Krone ein Verwaltungssystem √§hnlich dem der Kanarischen Inseln einzuf√ľhren, dabei wurden die eroberten Gebiete in Provinzen eingeteilt, denen ein vom kastilischen K√∂nig ernannter Gouverneur vorstand, der dann administrative und auch juristische Aufgaben √ľbernahm.

Zur Sicherung der spanischen Herrschaft wurden auch Milit√§rbezirke, die so genannten ‚Äěcapitan√≠as generales‚Äú (Generalkapitanate) in den beiden Vizek√∂nigreichen installiert, in der Regel war der Vizek√∂nig auch Generalkapit√§n, nur in einige milit√§risch problematischen Provinzen, wie in Chile oder auf den Philippinen wurde das Amt des Gouverneurs mit dem des Generalkapit√§ns verbunden um eine effizientes Eingreifen gew√§hrleisen zu k√∂nnen, da es aufgrund der gro√üen Entfernungen oft Tage und Wochen dauerte bis Kuriere die Genehmigungen und Befehle des Vizek√∂nigs √ľberbrachten.

Von enormer Bedeutung waren auch die Appellationsgerichtsh√∂fe (‚ÄěAudiencias‚Äú). Zun√§chst wurden noch von Kastilien aus Prozesse in zweiter Instanz entschieden; mit dem Fortschreiten der Conquista entschied man schlie√ülich 1511 in Santo Domingo, eine eigene Audiencia f√ľr Amerika zu errichten. Die Audiencias setzten sich auf Berufsjuristen zusammen, die auf vier Jahren von K√∂nig ernannt wurden. Deshalb eigneten sie sich auch hervorragend als heimliche Kontrollorgane, die die Vizek√∂nige und Gouverneure √ľberwachten, sodass es schlie√ülich zur Praxis wurde, nach der Errichtung von neuen Provinzen sogleich eine Audiencia einzurichten. So folgten in Neuspanien auf Santo Domingo 1527 Mexiko-Stadt, 1542 Guatemala und 1548 Guadalajara. Schlie√ülich wurde 1583 auch auf den Philippinen, die ebenfalls zum Vizek√∂nigreich Neuspanien geh√∂rten, eine eigene Audiencia eingerichtet. Im Vizek√∂nigreich Peru gr√ľndete man schon 1535 (also noch vor der Gr√ľndung 1542) die erste Audiencia in Panama, 1542 kam Lima hinzu, 1548 Bogot√°, 1559 Charcas, 1563 Quito und 1563/1606 Chile. In jenen Audiencias, die in den Hauptst√§dten Santo Domingo bzw. sp√§ter Mexiko-Stadt und Lima errichtet wurden, war der Vizek√∂nig auch deren Pr√§sident[5]. Diese "Gerichtsbezirke" waren zugleich auch politische Verwaltungseinheiten, die als "Presidencias" bezeichnet wurden, diese waren wiederum in so genannte "Gobiernos" (Gouvernements), "Provincias" (Provinzen), "Corregimientos" (Gemeinden) und "alcald√≠as mayores" (gr√∂√üere Orte und St√§dte) unterteilt, wobei die Gobiernos im allgemeinen die wichtigsten waren und h√§ufig aus mehreren Provinzen bestanden[6].

In einigen F√§llen √ľbte ein Pr√§sident der Audiencia in den Hauptst√§dten Mexiko-Stadt und Lima, auch √ľbergangsweise die Funktion des Vizek√∂nigs aus. Dies trat vor allem dann ein, wenn ein bestehender Vizek√∂nig abgesetzt wurde, der neue aber noch nicht ernannt bzw. eingetroffen war.

Die Institutionen in der Neuen Welt besprachen sich allerdings nicht direkt mit dem K√∂nig, sondern √ľber eine Reihe von k√∂niglichen Beh√∂rden die in Spanien beheimatet waren:

Casa de Contratación

Die Casa de Contrataci√≥n war eine Art Handelskammer, die 1503 auf Betreiben des Erzbischofs von Burgos Juan Rodr√≠guez de Fonseca in Sevilla gegr√ľndet wurde. Die Kammer genehmigte Reisen in die Neue Welt, war f√ľr die Organisation der Flotte, sowie deren Bewegungen und Verwaltung verantwortlich und nahm die Eink√ľnfte aus den Handel mit den Vizek√∂nigreichen in Empfang. Dar√ľber hinaus √ľbernahm sie auch die Funktion einer Einwanderungs- und Zollbeh√∂rde, alle Schiffe und Menschen die aus der Neuen Welt in Spanien ankamen, fielen unter ihrer Gerichtsbarkeit, ebenso wie Strafsachen im Steuer- und Handelssektor. Auch die Auswanderung nach Amerika wurde √ľber diese Institution geregelt, so durfte nur jeder auswandern der die ‚ÄěReinheit des Blutes‚Äú aufwies, also kein Jude, Moslem oder Konverse (‚ÄěConverso‚Äú) war, aber auch Untertanen der L√§nder der Krone von Arag√≥n waren zun√§chst ausgeschlossen.

Als spanisches Gegenst√ľck zur portugiesischen ‚ÄěCasa da √ćndia‚Äú war sie gleichzeitig auch ein Navigationszentrum, in dem Kenntnisse √ľber neue Reiserouten gesammelt werden. In dieser Funktion ernannte die Casa de Contrataci√≥n einen ‚Äěpiloto mayor‚Äú, eine Art Obersten Marinebeauftragten, dessen Aufgabe in der Sammlung nautischer Informationen √ľber die Westindischen Inseln und Amerika bestand.

Consejo de Indias

Parallel zur Casa de Contrataci√≥n entwickelte sich im ‚ÄěConsejo de Castillia‚Äú, dem kastilischen Kronrat eine Kommission unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Burgos heraus, die sich ausschlie√ülich mit Amerika-Fragen auseinandersetzte, bereits um 1516 mit dem Tod K√∂nig Ferdinands II. von Arag√≥n nannte man diese bereits ‚ÄěConsejo de Indias‚Äú, also Indienrat, da man zun√§chst annahm Columbus habe Indien entdeckt, trotz der sp√§teren Erkenntnis, dass es sich hier um einen neuen Kontinent handelte, behielt man den Namen bei. Erst 1523 wurde der Indienrat aus dem Kronrat ausgegliedert und als eigene Beh√∂rde mit umfassenden Befugnissen gegr√ľndet, diesem unterstand fortan sowohl die schon erw√§hnte Casa de Contrataci√≥n, als auch s√§mtliche spanischen Kolonien in der Neuen Welt und Asien. Ihm oblag auch die oberste Gerichtsbarkeit in allen Straf- und Verwaltungsahngelegenheiten in Spanisch-Amerika und Asien, au√üerdem √ľbernahm er auch legislative und exekutive Funktionen innerhalb der spanischen Monarchie. 1595 erweiterte man den Rat noch um die ‚ÄěJunta de Hacienda de Indias‚Äú, die sich mit allen √∂konomischen Themen befasste. Schlie√ülich entschied man sich, die milit√§rische Verteidigung der Kolonien ebenfalls einem eigenen Ratskollegium anzuvertrauen, der so genannten ‚ÄěJunta De Guerra des Indias‚Äú, die 1597 ger√ľndet wurde. Der Indienrat setzte sich aus einem Pr√§sidenten, ungef√§hr zw√∂lf R√§ten sowie nach geordnetem Personal zusammen. Die √Ąmter umfassten unter anderem einen Gro√ükanzler, einen Schatzmeister, zwei Sekret√§re, einen Schreiber, einen Kosmographen, einen Chronisten und einen Armenanwalt. Seine Mitglieder waren √ľberwiegend Juristen, Theologen oder andere Gelehrte meist b√ľrgerlicher Herkunft und wurden ausnahmslos von der Krone berufen. Die durch gemeinsame Sitzungen gefunden Beschl√ľsse wurden in einer ‚Äěconsulta‚Äú, eine Art Gutachten dem K√∂nig unterbreitet, best√§tigte der K√∂nig das Gutachten, erarbeite der Rat einen Gesetzestext, das dann als ‚Äěreal c√©dula‚Äú (k√∂niglicher Erlass) bezeichnet wurde, dies war die √ľbliche Vorgehensweise f√ľr gesetzliche Anordnungen. Dar√ľber hinaus existierte auch noch die ‚Äěreal provisi√≥n‚Äú, ein Gesetzestyp der besonders feierlich nur den ‚ÄěCortes‚Äú (kastilische St√§ndeversammlung) verk√ľndet und mit deren Beschl√ľsse gleichgesetzt wurde. Zu erw√§hnen sind dann noch die k√∂niglichen Briefe (‚Äěcartas reales‚Äú), die ebenfalls rechtlich bindend waren, mit diesen Briefen entschied der K√∂nig oft direkt ohne den Indienrat √ľber beh√∂rdliche Angelegenheiten in den Kolonien. Durch diese un√ľbersichtliche Flut von Gesetzen und Briefen wurde deren Ausf√ľhrung immer problematischer, so dass man begann, aus den Einzeldokumenten Gesetzesb√ľcher zu entwerfen, die dann in den gesamten Kolonien G√ľltigkeit h√§tten sollen, aber erst 1596 kam mit dem ‚ÄěCedulario Indiano‚Äú eine Gesamtschrift mit 3500 Gesetzen heraus, die bis zu den bourbonischen Reformen als gesetzliches Standardwerk benutzt wurde.

Bourbonische Verwaltungsreformen

Vizekönigreich Neugranada

Die Karibik hatte sich in seit dem 16. Jahrhundert zu einer Drehscheibe des Welthandels und damit auch zu einem Herd der international agierenden Piraterie entwickelt. Um die Verteidigung insbesondere im s√ľdlichen Bereich der Karibik sicherzustellen, wo die wichtigsten Messen abgehalten wurden, schuf man 1717 erstmals und 1739 endg√ľltig eine neue administrativ-politische Einheit, das so genannte Vizek√∂nigreich Neugranada mit Bogot√° als Hauptstadt. Das bestehende Vizek√∂nigreich Peru hatte sich als zu wenig effizient im Kampf gegen die Piraterie in der Karibik erwiesen[7].

Vizekönigreich des Río de la Plata

Im Jahre 1776 entschloss man sich das Vizek√∂nigreich Peru weiter zu verkleinern, in dem man im S√ľden ein viertes Vizek√∂nigreich, das so genannte Vizek√∂nigreich des R√≠o de la Plata installiert. Diese neue Verwaltungseinheit war nicht nur aus milit√§rischen √úberlegungen wegen der nach Westen vordringenden Portugiesen sowie der Pr√§zenz der Briten im S√ľdatlantik geschaffen worden, sondern damit war auch eine wirtschaftliche Neuorganisation in Hochperu und im Gebiet des R√≠o de la Plata verbunden. Die Silberausfuhr wurde von nun an nicht mehr √ľber Lima, sondern von Hochperu √ľber Buenos Aires abgewickelt, was einen herben Verlust f√ľr Limas Kaufleute bedeutete und das einst so reiche Peru an den Rand Spanisch-Amerikas trieb[8].

Reform der Regional- und Lokalverwaltung
Quelle[9]

Auch die Provinzverwaltung selbst wurde reorganisiert, die bestehende Lokaladministration ("Gobiernos") wurde in gr√∂√üere regionale Einheiten, den Intendantenbezirken zusammengefasst. 1782 machte R√≠o de la Plata den Anfang, es folgten 1784 Peru und 1786 Neuspanien; ausgenommen blieb Neugranada und die Real Audiencia de Quito. Um den √Ąmterhandel wirksam bekampfen zu k√∂nnen, berief man an die Spitze einer solchen Indentatur einen von der Krone bezahlten Beamten, der seine Stellung nicht mehr durch √Ąmterkauf erlangt hatte, sondern durch Qualifikation. Diesen Beamten oblag nicht nur die Kontrolle der Finanzverwaltung in ihrem Bezirk, sondern auch die Milit√§rausgaben sowie Versorgen der Truppen. Des Weiteren √ľberwachten sie auch die Rechtsprechung bzw. die Gerichtsbarkeit in ihren Bezirken und waren auch f√ľr die Sicherstellung der √Ėffentlichen Ordnung zust√§ndig. Diese Reform sollte auch den Handel der lokalen Beamtenschaft unterbinden, da es √ľblich geworden war, dass sich ein Kaufmann eines lokalen Beamten und dessen Amtsgewalt bediente um Gesch√§fte mit der indianischen Bev√∂lkerung abzuwickeln. Die Lokalbeamten waren wiederum auf diese Eink√ľnfte angewiesen, um die Schulden, die sie beim √Ąmterkauf get√§tigt haben, zur√ľckzuzahlen.

Reform der obersten Kolonialverwaltung
Quelle[10]

Zusammen mit der Indendantenreform erfuhr auch die oberste Kolonialverwaltung eine grundlegende Neustrukturierung, so wurde nicht nur eine Zentralisierung durchgef√ľhrt, sondern auch Zust√§ndigkeiten nach rationalen, b√ľrokratischen Kriterien neu geordnet. Dabei wollte man die Kompetenzen des Vizek√∂nigs keineswegs erweitern, sondern durch die Einf√ľhrung eines Superintendanten f√ľr die Finanzverwaltung beschneiden. Erst zahlreiche Proteste lie√üen die Krone in den Vizek√∂nigreichen von diesem Vorhaben abr√ľcken. In jedem Falle wurde aber der Vizek√∂nig gezwungen, einige seiner Komptenzen mit anderen Beamten und Kollegialorganen zu teilen.

Umstrukturierung der Kolonialbehörden

Neben den Verwaltungsreformen wurden auch die Kolonialbehörden in Spanien einer Umstrukturierung unterzogen:

Da man einen einzigen Monopolhafen bzw. eine Monopolbeh√∂rde wie die Casa de Contrataci√≥n im Zuge des "comercio libre" f√ľr eine Behinderung des Warenverkehrs und damit auch der Wirtschaftlichkeit sah, wurde die Casa de Contrataci√≥n nach √ľber 200 j√§hrigen Bestehen von K√∂nig Karl III. schlie√ülich abgeschafft.
Der Consejo de Indias blieb zwar als Kolonialbeh√∂rde, abgesehen von einer kleinen Unterbrechung w√§hrend napoleonischen Kriege, bis 1834 bestehen, verliert aber deutlich an Ansehen und Bedeutung. So werden 1714 seine legislativen und administrativen Aufgaben ausgegliedert und ab 1717 immer mehr seiner Kompetenzen an das neu geschaffene "Secretar√≠a de Marina e Indias" √ľbertragen, das die Bourbonen schlie√ülich zur zentrale Kolonialbeh√∂rde ausbauen.

St√§dtegr√ľndungen

Quelle[11]
Tenochtitl√°n

Von entscheidender Bedeutung f√ľr den spanischen Kolonialismus war die Gr√ľndung von St√§dten in der Neuen Welt, St√§dte bildeten Sicherheit sowohl gegen√ľber feindlich gesinnten Indios, als auch gegen√ľber anderen europ√§ischen M√§chten, insbesondere Portugal und England, die Spanien einige Territorien am Rio de la Plata (Col√≥nia do Sacramento) und Nordamerika (Nootka-Territorium) streitig machten, au√üerdem waren sie auch Zentren der Verwaltung, der Bildung und des inneramerikanischen Handels.

Dabei machte die spanisch-kastilische Krone genau Angaben, wie und wodurch eine Stadt gegr√ľndet werden sollte, dabei wollte man jene Situation vermeiden, die zur Beginn der Kolonisation der Insel Hispaniola eintrat, als viele spanische Siedlungen (La Navidad, La Isabela) nach kurzer Zeit wieder aufgegeben werden musste oder durch Indios zerst√∂rt wurden, ehe man 1498 mit Santo Domingo die erste dauerhafte Siedlung errichtete, die dann bis zur Eroberung Mexikos der Sitz des Vizek√∂nigs bzw. des Gouverneurs war.
Durch gezielte Auswahl gr√ľndete man zun√§chst nur St√§dte in d√ľnn besiedelten entlegen Gebieten, wie beispielsweise in Kalifornien oder in Nevada, aber man versuchte auch bestehende St√§dte und Zentren der Indios zu erobern. Cortes gelang es schlie√ülich 1521 Tenochtitl√°n, die Hauptstadt des Azteken-Reiches einzunehmen auf deren Ruinen dann Ciudad de M√©xico (Mexiko-Stadt) gegr√ľndet wurde, die neue Hauptstadt des Vizek√∂nigreiches Neuspanien. Die Spanier zerst√∂rten systematisch jede sichtbare Erinnerung an die alte Kultur und erbauten dort, wo die gro√üen Tempel und Herrscherdomizile standen, ihre Kirchen und Pal√§ste im Stile der Renaissance. Als die Stadt weiter angewachsen war, legte man schlie√ülich den Lago de Texcoco trocken, der See von dem Tenochtitl√°n umgeben war. Auch den St√§dten der Inkas ging es nicht viel besser, so wurde Cuzco der Hauptstadt des Inka-Reiches, auch vollst√§ndig zerst√∂rt und verlor sogar seine Hauptstadtfunktion an das 1535 von Pizarro an der peruanische K√ľste gegr√ľndete Lima (Ciudad de los Reyes). Die Stadt beherbergte zun√§chst lediglich ein Dutzend Conquistadoren, und die Hausd√§cher waren aus Schilf, 1542 gr√ľndeten die Spanier dann das Vizek√∂nigreich Peru mit Lima als Hauptstadt. Im 16. Jahrhundert wurde in Spanisch-Amerika insgesamt mehr als 40 St√§dte gr√ľndeten, die alle bis auf Mexiko-Stadt und Cuzco aus geopolitischen und √∂konomischen Erw√§gungen Neugr√ľndungen waren. Viele dieser St√§dte wurden nach bekannten St√§dten in Spanien (z. B. Santa Fe, C√≥rdoba, Guadalupe, Granada) oder durch die Gottesf√ľrchtigkeit der Spanier nach Heiligen (z. B. San Francisco, Santa Maria, San Antonio) oder heiligen Gegenst√§nden benannt (z. B. Vera Cruz, Sacramento), aber die √∂rtliche Beschaffenheit spielte auch eine Rolle, so erhielt beispielsweise Las Vegas seinen Namen von den dort vorgefunden Flussauen. In einigen F√§llen wurde der indigene Name aber auch beibehalten, so wie bei dem schon erw√§hnte Cuzco oder bei Manila auf den Philippinen, die die Hauptstadt Spanisch-Ostindiens bildete.

Die Verwaltung dieser neuen St√§dte erfolgte nach spanisch-kastilischen Vorbild, so wurde ein Stadtrat, der so genannte ‚Äěcabildo‚Äú in jeder Stadt eingerichtet, der sich aus zwei Stadtrichtern (‚Äěalcaldes‚Äú) und den Ratsm√§nnern, den ‚Äěregidores‚Äú zusammen. Die personelle Zusammensetzung dieses ‚ÄěStadtgremium‚Äú wurde entweder durch Wahl, durch Losentscheid oder auf Vorschlag des Gouverneurs entschieden. Unterstellt waren die St√§dte aber nicht dem Vizek√∂nig oder (Regional)Gouverneur sondern direkt dem spanischen K√∂nig, der durch einen mit Vollmachten ausgestatten Kontrolleur (‚Äěcorregidor‚Äú) vertreten wurde. Dieser hatte auf die Einhaltung der Gesetzte und k√∂niglichen Erl√§sse zu achten, au√üerdem sa√ü er bei Auseinandersetzungen zwischen Spaniern und Indios dem jeweiligen Gericht vor. Auch die F√ľhrung des Stadtrates hatte er inne, so dass es keineswegs verkehrt w√§re, ihn eigentlich als B√ľrgermeister zu bezeichnen, was auch in einiger Literatur zu finden ist.

Dann man durch den enormen Verwaltungsapparat, gut ausgebildete Kolonialbeamte ben√∂tigte wurden schon sehr fr√ľh Universit√§ten in der Neuen Welt errichtet, bereits 1538 wurde in Santo Domingo die erste spanische Universit√§t auf amerikanischen Boden gegr√ľndet, 1551 folgte Mexiko-Stadt und Lima. Durch diese Entwicklung wurden viele St√§dte auch zu Bildungszentren und sehr bald national bekannt.

Koloniale Wirtschaftspolitik

Habsburgische Wirtschaftspolitik

Quelle[12]

Die habsburgische Wirtschaftspolitik in der Neuen Welt und Asien zielte darauf ab, dem k√∂niglichen Fiskus Einnahmen f√ľr den Zwecke der europ√§ischen Machtpolitik zuzuf√ľhren. Dazu z√§hlten Kronmonopole, wie das Berg- oder das Salzreal, das gewinnbringend an interessierte Unternehmer verliehen werden konnte; die Fertigwarenproduktion, etwa von Wein, Branntwein und Textilien war wiederum nur dem Mutterland vorbehalten. Spanisch-Amerika importierte zwar auch Wein, Branntwein, Textilien und Matallwaren, entwickelte aber auch eine eigene Produktion und einen intensiven inneramerikanischen Handel. Im Agrarbereich lieferten die zahlreichen Haciendas Lebensmittel, f√ľr die gro√üen Hauptst√§dte Mexiko-Stadt und Lima, sowie f√ľr die wichtigen Bergbauzentren Zacatecas und Potos√≠.

Potosí, Zentrum des spanischen Silberabbaus

Von entscheidender Bedeutung f√ľr das spanische Wirtschaftssystem war aber der Silberabbau, dazu ben√∂tigte man Quecksilber aus Europa und Peru, das f√ľr die Extraktion des Silbers in Potos√≠ verwendet wurde. Der Kronanteil des Silbers, der nicht f√ľr die Verwaltung verwendet wurde, floss nach Spanien, dazu kamen auch noch Eink√ľnfte aus Verpachtungen und Realen. Im Durchschnitt segelten 50 Schiffe nach Europa, die allerdings durch Schmuggel zunehmend unterlaufen wurden, so dass man den Zahlen nicht unbedingt sehr viel Bedeutung beimessen sollte. Da die spanische Krone das Silber f√ľr Kriegskredite ausgab, str√∂mte es aber in internationale Finanzpl√§tze, die sich in Genua und dem feindliche Amsterdam befanden, ab; dennoch blieb soviel im Land, dass die Inflationsrate der europ√§ischen "Preisrevolution" umso h√∂her lag, je n√§her man Sevilla kam. Daher war es f√ľr die Spanier billiger und f√ľr die Holl√§nder, Franzosen und anderer gewinnbringender, wenn die Waren nicht in Spanien hergestellt, sondern dorthin eingef√ľhrt wurden. Dieser √∂konomische Mechanismus, hat schlie√ülich neben der machtpolitischen √úberanstrengung, den Bev√∂lkerungsr√ľckgang durch Epidemien und der spanischen Aristokratenmentalit√§t zu einer √∂konomischen Stagnation, des anscheinend durch seine kolonialen Reicht√ľmer privilegierten Landes gef√ľhrt. Das abgestr√∂mte Silber blieb allerdings nicht in den Empf√§ngerl√§nder, sondern wurde zum Ausgleich von deren passiven Handelsbilanz mit Osteuropa einerseits, mit Indien und Ostasien anderseits verwendet. Es entstand ein Weltzahlungssystem, in dem Silber aus Amerika in die eine Richtung mit der j√§hrlichen Manila-Galeone √ľber die Philippinen und in die andere Richtung √ľber Europa nach Indien und China str√∂mte, wo der Silberpreis am h√∂chsten war.

Bourbonische Wirtschaftspolitik

Quelle[13]
Karl III. von Spanien, Initiator der so genannten Bourbonischen Reformen

Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger gelangten die aus Frankreich stammenden Bourbonen auf den Spanischen Thron, diese f√ľhrten in der der kolonialen Wirtschaftspolitik eine umfassende Reformierung durch, da sich die Kolonien, im Gegensatz zu den britischen und franz√∂sischen, zunehmend als unprofitabel erwiesen. Des Weiteren war man nach dem verloren Siebenj√§hrigen Krieg bestrebt, die milit√§rischen Stellungen in den Kolonien, sowie die Sicherstellung der Finanzierung der imperialen Aufgaben auszubauen.

Zu diesem Zwecke bem√ľhte man sich die staatlichen Einnahmen zu erh√∂hen, so verlieh man der Silberproduktion neue Impulse in dem man deutsche Bergbauingenieure nach Mexiko und Peru kommen lie√ü. Mittels neuer Institutionen, wie einem Bergbaugericht ("Tribunal de Miner√≠a") und einer Bank ("Banco de Rescate"), die den Bergwerksunternehmern das Silber zu g√ľnstigen Preisen abkaufte, versuchte man die Silberproduktion zu f√∂rdern.
Auch der lukrative Sklavenhandel, der bisher in französischen und britischen Händen war, sollte wieder unter spanischer Regie erfolgen.
Auch die staatlichen Monopole wie Zucker, Branntwein und Tabak blieben von der Reform nicht verschont, so wies man den Produkten bestimmte Anbaugebiete zu und legte die Preise fest. Dies stieß auf heftigen Widerstand, so konnte man beispielsweise die Großkaufleute in Antigua und Guatemala-Stadt nicht aus dem Indigo-Geschäft in Mittelamerika verdrängen.

1765 f√ľhrte man schlie√ülich den so genannten "comercio libre", eine Art Freihandel ein, der zu einer Dynamisierung der Wirtschaft im Imperium beitrug. Dabei wurden einigen H√§fen in Spanien und Spanisch-Amerika die Berechtigung erteilt, ungehindert Handel miteinander zu treiben. Auf amerikanischer Seite wurde nun der Handel zwischen Kuba, Puerto Rico, Santo Domingo, Margarita, sowie Trinidad erlaubt, in Spanien war es neben den schon etablierten fr√ľheren Monopol-Hafen Sevilla bzw. C√°diz (ab 1717), Barcelona und Santander, die von der neuen Regelung erheblich profitierten. 1778 wurden dann zw√∂lf H√§fen in Spanien und 24 in Spanisch-Amerika in dieses System einbezogen, das schlie√ülich 1789 auf die bisher noch ausgeschlossen Gebiete Venezuelas und Neuspaniens erweitert wurde. Auch der inneramerikanische Handel, der in den Jahrhunderten zuvor strengen Restriktionen unterworfen war konnte sich nun verst√§rkt zwischen den einzelnen Provinzen entwickeln.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begannen dann die Reformen allmählich zu greifen und man verzeichnete einen deutliche Zunahme des Warenaustauches sowohl in Volumen, als auch an Wert zwischen Spanien und seinen Kolonien, auch die Silberproduktion nahm deutlich zu und ließ, den durch die hohen Militärausgaben, in Schwierigkeiten geraten Fiskus aufatmen. Durch diese Reformen stabilisierte sich die Spanische Krone wirtschaftlich und konnte damit ihren Weltmachtsstatus bis ins 19. Jahrhundert hinein halten.

Konflikte und Verträge mit Portugal

Demarkationslinien nach Spanisch-Portugiesischen Vereinbarungen im 15. und 16. Jhd.

Im Jahr 1494 wurde durch Papst Alexander VI. im Vertrag von Tordesillas die Welt in eine spanische und eine portugiesische Sph√§re aufgeteilt. Spanien erhielt nun das Recht auf alle Gebiete 1770 km (370 spanische Leguas) westlich der Kapverdischen Inseln, Portugal alle √∂stlich davon. Da es wegen des Besitzrechtes der Gew√ľrzinseln und dem exakten Grenzverlauf zu Brasilien erneut zu Konflikten kam, wurde die √úbereinkunft 1529 durch den Vertrag von Saragossa pr√§zisiert, in dem die Demarkationslinie auf 1423 km (297,5 spanische Leguas) √∂stlich der Gew√ľrzinseln verlegt wurde.

Als sich von 1580 bis 1640 Portugal mit Spanien in einer Personalunion vereinigte, fielen der spanischen Krone zeitweise auch die portugiesischen Kolonien zu, damit wurde der Vertrag von Saragossa gegenstandslos.

Nach der Unabh√§ngigkeit Portugals kam es erneut zu Konflikten zwischen den beiden Kolonialm√§chten, vor allem in S√ľdamerika bildete die Kolonie Colonia del Sacramento einen permanentes Streitobjekt. So wurde im Vertrag von Utrecht es Spanien zugesprochen, nach erneuten Auseinandersetzungen wurde das Recht Spaniens im Vertrag von Madrid bekr√§ftigt. Dies hielt jedoch Portugal nicht ab das Gebiet erneut zu besetzen, im Vertrag von Paris bekam dann Portugal die Oberhoheit √ľber das Gebiet. Erst 1777 kam dann die Kolonie endg√ľltig an Spanien und wurde dem Vizek√∂nigreich des R√≠o de la Plata eingegliedert.

Rolle der Katholischen Kirche

Quelle[14]

Breits 1478 erteilte Papst Sixtus IV. den katholischen K√∂nigen Ferdinand II. und Isabella I. im Zuge der Reconquista die Genehmigung eine von Rom unabh√§ngige nationale Spanische Inquisition zu errichten. 1488 installierte man sogar einen eigenen Rat f√ľr die Inquisition, den so genannten "Consejo de la Suprema y General Inquisicion" (kurz "Suprema" genannt), der der Spanische Inquisition einen beh√∂rdlichen Charakter verlieh[15]. 1501 unstellte sich dann die Katholische Kirche in Spanien aus realpolitischen Gr√ľnden v√∂llig dem Patronat der K√∂nige, um sich der weltlichen Unterst√ľtzung f√ľr ihre missionarischen Ziele zu sichern. Verfestigt wurde damit auch die Funktion der Religion als legitimit√§tsstiftendens Prinzip der spanischen Monarchen sowie ihre Expansion und infolgedessen eine komplexe Verbindung von Religion und Herrschaft.

In Amerika erf√ľllte die Kirche eine edukativ-disziplinierende Aufgabe, deren Bedeutung f√ľr die spanische Herrschaft gar nicht zu √ľbersch√§tzen ist. Sie verf√ľgte dazu √ľber eine schnell etablierte Organisationsstruktur sowohl auf der Ebene der Bist√ľmer und Pfarren wie auch der verschiedenen M√∂nchsorden, die an Dichte und Personalstand die k√∂niglichen Verwaltung bei weitem √ľbertraf. Franziskaner und Dominikaner begleiteten seit den Anf√§ngen der Conquista die Spanier und lie√üen sich in Amerika nieder; sp√§ter kamen dann noch die Augustiner und schlie√ülich auch die Jesuiten, die ab 1568 in Peru und ab 1572 in Neuspanien wirkten. Der erste amerikanische Bischof erreichte 1512 Puerto Rico und bis zum Ende Jahrhunderts wurden 31 Bist√ľmer gegr√ľndet, 1571 wurden Santo Domingo, Mexiko-Stadt und Lima zu Erzbist√ľmern erhoben, 1565 auch Bogot√°. Zur √úberwachung der Rechtgl√§ubigkeit der nichtindianischen Bev√∂lkerung wurde 1570 in Lima, 1571 in Mexiko-Stadt und 1610 in Cartagena eigene Inquisitionsgerichtsh√∂fe errichtet.

Die Indianermission, die eine Reihe von kulturellen und sozialen Komponenten aufwies, gestaltete schlie√ülich die indigenen Kulturen zutiefst um. So wurde beispielsweise durch die Einf√ľhrung der christlichen Moral zur Durchsetzung der Monogamie, die Familiengliederung ma√ügeblich ver√§ndert, was wiederum zu einer neunen Gesellschaftstruktur f√ľhrte. Ein v√∂llige Hispanisierung wurde allerdings nicht angestrebt, war auch auf Grund der sprachlichen Differenzen auch gar nicht m√∂glich, au√üerdem h√§tte dies eine Aufhebung der Unterschiede zwischen Indianern und Spaniern bzw. Kreolen bedeutet, das wiederum die soziale Ordnung gef√§hrdet h√§tte. Daher mussten die Indianer Indianer bleiben und die verschiedenen indigenen V√∂lker erst zu Indianern, so wie man sie haben wollte, gemacht werden. Insgesamt reagierten die indigenen V√∂lker auf die katholische Missionierung mit einer beachtlichen Kreativit√§t, so integrierten sie neue Glaubensinhalte, Werte, Regeln, Technologien und Produkte selektiv in ihren Kulturen und Gesellschaftsformen, die so ‚Äď wenn auch radikal ver√§ndert ‚ąí ihr √úberleben sichern konnten.

Im Zuge der bourbonischen Reformen √§nderte sich auch das Verh√§ltnis von Kirche, insbesondere das Verh√§ltnis zu den Jesuiten, und Staat. 1767 vertrieb die Krone schlie√ülich die Jesuiten aus Spanien und Spanisch-Amerika, da dem Orden die Anstiftung zum Volksaufstand 1766 in Madrid zur Last gelegt wurde, bei dem die Bev√∂lkerung, unterst√ľtzt von Teilen des Adels und des Klerus, gegen die Reformpolitik demonstrierte. F√ľr diese Dem√ľtigung r√§chte sich der K√∂nig, indem er alle Jesuiten auswies und ihnen vorwarf in jeder Beziehung einen Staate im Staate bilden zu wollen. Nichtzuletzt die Eigenm√§chtigkeiten der Jesuiten im Gebiet des Rio de la Plata und des Paran√° (Jesuitenreduktionen der Guaran√≠), wo Spanien mit Portugal in einem Grenzstreit lag, bei dem die Patres eine eigenst√§ndige Politik verfolgten, f√ľhrten zum Konflikt der Gesellschaft Jesu mit der Krone.<

Insgesamt mussten 2630 Jesuiten Spanisch-Amerika verlassen, dies f√ľhrte zu einer weiteren Entfremdun der Kreolen vom Mutterland, war doch die Elite Spanisch-Amerikas gro√üteils von diesem Orden erzogen und gepr√§gt worden[16].

Niedergang

QUelle[17]
Joseph I. von Spanien

Durch die bourbonischen Reformen kam es vor allem in den amerikanischen Kolonien zu Rebellionen und Proteste gegen die neue Politik Madrids. Der kreolischen F√ľhrungsschicht gelang es aber nicht, die breiten Massen f√ľr eine Revolution zu gewinnen, so das man der Krone zun√§chst treu blieb. Erst als die Krone in Folge der napoleonischen Au√üen- und Handelspolitik Schw√§che zeigte, griff der Funke des Unabh√§ngigkeitsbestrebens auf Spanisch-Amerika √ľber. Dies vollzog sich allerdings nicht in einer radikalen Umw√§lzung, sondern in vielen Orten und Provinzen in kleinen Schritten. Durch die Streitigkeiten zwischen K√∂nig Karl IV. und dessen Sohn Ferdinand VII. konnte Napoleon Spanien besetzen und seinen Bruder Joseph I. auf den spanischen Thron bef√∂rdern. Dieser Machtwechsel wurde in den Kolonien mit Sorge verfolgt und man bekundete nach wie vor die Treue zum bourbonischen K√∂nigshaus, von einer Losl√∂sung vom spanischen Mutterland war zun√§chst noch nicht die Rede. Spanien selbst hatte keine einheitliche F√ľhrung mehr, da sich Joseph heftigen spanischen Widerstand ausgesetzt sah, die sich in C√°diz gebildete Zentraljunta, die eine konstitutionelle Monarchie etablieren wollte, war nur f√ľr ein kleines Gebiet zust√§ndig und auch von Ferdinand VII. kamen aus dem Exil keine politischen Signale. Durch diese Situation f√ľhlten sich die Spanier in Spanisch-Amerika unsicher und f√ľrchteten, dass die Vizek√∂nige eine kreolenfreundliche Politik in Angriff nehmen w√ľrden, so erhoben sie sich schlie√ülich gegen die alte Ordnung, dies f√ľhrte wiederum zu Konflikten mit den Kreolen, die die Chance als g√ľnstig f√ľr Unabh√§ngigkeit sahen. Entgegen der vorherigen Treuekundgebungen war f√ľr die Kreolen nun der Zeitpunkt gekommen sich von Spanien bzw. von der verfassungsgebenden Versammlung der Junta in C√°diz loszusagen, da die Junta eine v√∂llig Gleichstellung der Kreolen mit den Spaniern ablehnte. Da durch die Unterbrechung der Handelswege, Spanisch-Amerika am meisten litt, radikalisierte sich die Bewegung, so dass schlie√ülich 1810 der Vizek√∂nig des Rio de la Plata in Buenos Aires abgesetzt wurde, kurze Zeit sp√§ter erfolgte dann sogar die Unabh√§ngigkeitserkl√§rung.

José de San Martín

Im √ľbrigen Spanisch-Amerika konnte Spanien im Zuge des Wiener Kongresses 1814 seine Herrschaft nochmals festigen und sogar Venezuela, das neben Rio de la Plata, der zweite Herd der Unabh√§ngigkeitsbewegungen war r√ľckerobern. Doch kurze Zeit sp√§ter gelang es dem ebenfalls aus Venezuela stammende Sim√≥n Bol√≠var im Norden S√ľdamerikas und dem Argentinier Jos√© de San Mart√≠n vom Gebiet des Rio de la Plata aus, die milit√§rische Befreiung S√ľdamerikas (mit Ausnahme des portugiesischen Brasiliens) zu erreichen. Als die Verfassung von C√°diz 1820 erneut eingef√ľhrt wurde, es aber immer noch zu keiner Gleichberechtigung kam, liefen auch noch die letzten Unentschlossenen ins Lager der Befreiungsk√§mpfer √ľber.

Simón Bolívar

Die beiden alten Vizek√∂nigreiche Peru und Neuspanien, die wegen ihrer kolonialen Traditionen die tiefgreifendsten Ver√§nderungen im 18. Jahrhundert erlebt haben, hielten am l√§ngsten zur spanischen Krone, erst 1821 l√∂sten sie sich vom Mutterland. Nach 1824 blieb Spanien vom einst so riesigen Kolonialreich in Amerika nur mehr Kuba und Puerto Rico; in Asien konnte man noch Spanisch-Ostindien, das nach der Unabh√§ngigkeit Neuspaniens, in eine eigenst√§ndige Kronkolonie umgewandelt wurde, halten. Den Schlusspunkt setzte schlie√ülich noch der Spanisch-Amerikanische Krieg 1898, in dem Spanien vom den aufstrebenden Vereinigten Staaten vernichtend geschlagen wurden und somit auch noch ihre letzten prestigetr√§chtigen Kolonien in der Karibik und in Asien verloren haben. Von dem einst weltumspannenden spanischen Imperium blieben nur die unbedeutenden Kolonien an der westafrikanischen K√ľste Spanisch-Guinea und Spanisch-Westafrika, sowie das Protektorat Spanisch-Marokko, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg in die Unabh√§ngigkeit entlassen wurden.

Ein zus√§tzlicher Faktor f√ľr den Niedergang des spanischen Weltreiches war, neben den schon erw√§hnten Unabh√§ngigkeitskriegen auch die kolonialen Bestrebungen Englands/Gro√übritanniens, Frankreichs und der Niederlande, denen es gelang die spanische Hegemonie empfindlich zu st√∂ren.

Siehe auch: S√ľdamerikanische Unabh√§ngigkeitskriege, Mexikanischer Unabh√§ngigkeitskrieg

Spanisches Weltreich

Gebiete und Vizekönigreiche der Krone Aragon im Mittelmeerraum und Frankreich
Besitzung Erwerb Verlust Geschichte
Balearen 1229
1344/49
1276
-
zwischen 1229 und 1235 durch Jakob I. von Arag√≥n erobert, 1276 erkl√§rte der Bruder Peter III. von Arag√≥n Jakob II. die Balearen sowie die katalanischen Grafschaften Rossell√≥, Cerdanya und Montpellier zum unabh√§ngigen K√∂nigreich Mallorca, 1344 R√ľckeroberung und erneute Eingliederung in die Krone Aragonien, 1349 nach dem Tod Jakob III. von Mallorca endg√ľltig aragonesisch, heute Autonome Gemeinschaft Spaniens.
Menorca wird 1708 britisch besetzt, im Frieden von Utrecht dann Gro√übritannien zugesprochen, 1756 franz√∂sisch besetzt, 1763 wieder zur√ľck an Gro√übritannien, 1782 von spanisch-franz√∂sischen Truppen zur√ľckerobert, im Frieden von Paris wieder Spanien zugesprochen, 1802 offizielle R√ľckgabe der Insel Gro√übritanniens an Spanien
Grafschaft Provence 1167 1267 1167 erwarb König Alfons II. von Aragonien durch Erbrecht die Grafschaft Provence, danach durch Sekundogenitur an die Krone Aragonien gebunden, 1267 an das Haus Anjou gefallen
Herzogtum Athen 1311 1319 von der Katalanischen Kompanie erobert, 1319 mit dem Herzogtum Neopatria vereint, 1388 ausgegliedert und an die Florentiner Familie Acciaiuoli √ľbergeben
Herzogtum Neopatria 1319 1390 von der Katalanischen Kompanie erobert und mit dem Herzogtum Athen vereint, 1379 unter direkter Verwaltung der aragonesischen Krone, später an die Florentiner Familie Acciaiuoli verkauft
Königreich Neapel 1442
1504
1735
1500
1714
1759
1422 Vereinigung von Neapel und Sizilien durch Alfons V., 1458 wieder getrennt verwaltet, zwischen 1500 und 1504 kurzzeitig franz√∂sisch, 1504 erneute Vereinigung mit Sizilien durch Ferdinand II., fortan Nebenland der spanischen Krone, 1714 im Rastatter Frieden an √Ėsterreich verloren, 1735 im Frieden von Wien wieder durch Sekundogenitur an Spanien gebunden, 1759 durch Ferdinand IV. von Spanien getrennt.
Königreich Sardinien 1297
1409
1383
1707
1297 als Lehen an Jakob II. durch den Papst √ľbertragen, 1323 endg√ľltig Eroberung der Insel, 1383 wieder an das Judikat Arborea verloren, 1409 erneute R√ľckeroberung, 1420 Status als aragonesisches Vizek√∂nigreich festgeschrieben, ab dem fr√ľhen 16. Jahrhundert in Personalunion mit dem neu entstanden K√∂nigreich Spanien vereint, 1707 von √Ėsterreich besetzt und 1713 an dieses abgetreten
Königreich Sizilien 1282
1735
1714
1759
1282 durch die Sizilianische Vesper an Aragonien, 1442 Vereinigung mit dem Königreich Neapel, 1458 wieder getrennt, 1501 Wiedervereinigung durch Ferdinand II. von Aragón, fortan Nebenland der spanischen Krone, 1714 Viktor Amadeus I. von Savoyen zugesprochen, 1735 durch den Frieden von Wien wieder durch Sekundogenitur an Spanien gebunden, 1759 durch Ferdinand IV. von Spanien getrennt
Korsika 1297
1419
1347
1453
1297 √ľbertrug Papst Bonifatius VIII. K√∂nig Jakob II. von Arag√≥n Korsika als Lehen, 1325 Eroberung der gesamten Insel, 1347 wieder an Genua zur√ľck gefallen, 1372 durch Graf von La Rocca wieder kurzzeitig aragonesisch, 1401 franz√∂sisch, 1410 wieder an Genua, 1419 wieder an Aragon zur√ľck, 1447 Teilung der Insel: Aragon erh√§lt die Oberhoheit √ľber die s√ľdlichen L√§ndereien der Herren von Cinarca, 1453 endg√ľltig an die genueser Bank Banca di San Giorgio
Malta 1284 1525/1530 1284 Eroberung Maltas durch aragonesisch-sizilische Flotte und dem Vizek√∂nig von Sizilien unterstellt, 1525 durch Karl V. dem Johanniterorden als Lehen zugewiesen, 1530 durch p√§pstliche Bulle endg√ľltig in Besitz des Johanniterordens
Montpellier 1204 1349 1204 durch die Heirat von Marie von Montpellier mit Peter II. an Aragón gefallen, 1276 zum unabhängigen Königreich Mallorca, 1349 durch Jakob III. von Mallorca an Frankreich verkauft
Nordkatalonien (Carcassonne, Roussillon) 1137 1659 1276 Eingliederung der Grafschaften Rossell√≥ und Cerdanya in das unabh√§ngigen K√∂nigreich Mallorca, 1344 aragonesische R√ľckeroberung Rossell√≥s, 1403 Cerdanyas, 1659 durch den Pyren√§enfrieden an Frankreich abgetreten
Spanische Nebenl√§nder in Europa und √ľberseeische Kolonien
Besitzung Erwerb Verlust Geschichte
Europa
Elba 1557 1709 1557 Einnahme Porto Longones, sp√§ter Teil des spanischen Garnisonsstaates, 1709 im Spanischen Erbfolgekrieg verloren, 1714 offiziell an das von √Ėsterreich beherrschte K√∂nigreich Neapel abgetreten
Franche-Comt√© (Freigrafschaft Burgund) 1556 1678 1556 durch Erbteilung an Spanien gefallen, im Devolutionskrieg 1668 und im Holl√§ndischen Krieg 1674 von Frankreich besetzt, 1678 im Frieden von Nimwegen endg√ľltig an Frankreich abgetreten
Grafschaft Charolais 1556 1684 1477 an das Haus Habsburg als Teil des burgundischen Erbes gefallen, jedoch weiterhin unter der Lehenshoheit und dem Rechtsbereich der franz√∂sischen Krone, 1556 durch Erbteilung an Spanien, 1684 durch einen Vertrag von K√∂nig Philipp IV. von Spanien mit Louis II. de Bourbon, prince de Cond√© an diesen √ľbergeben
Herzogtum Mailand 1535 1714 1535 von Kaiser Karl V. erobert und seinem Sohn Philipp √ľbergeben, seit 1556 in Personalunion mit Spanien vereinigt, 1714 durch den Spanischen Erbfolgekrieg an √Ėsterreich verloren
Monaco 1542 1641 spanisches Protektorat
Spanische Niederlande 1556 1714 1556 durch Erbteilung an Spanien gefallen, 1714 durch den spanischen Erbfolgekrieg an √Ėsterreich abgetreten
Stato dei Presidi
(Spanischer Garnisonsstaat)
1557
1735
1707
1759
1522 unter den Schutz Kaiser Karls V., 1555 Eroberung Sienas und Gr√ľndung des Gro√üherzogtums Toskana durch Cosimo I. de‚Äô Medici, am 3. Juli 1557 Orbetello, Porto Ercole, Porto Santo Stefano, Talamone, Ansedonia, Porto Longone, sowie Teile Elbas zur√ľck an Spanien und Gr√ľndung des Stato dei Presidi, 1707 von √Ėsterreich besetzt, 1735 im Vorfrieden von Wien wieder zur√ľck an Spanien, 1759 an das K√∂nigreich Neapel gebunden
Portugal 1580 1640 durch Heiratsverträge ab 1580 in Personalunion mit Spanien vereint, 1640 wieder vollständig selbstständig
Afrika
Spanisch-Guinea 1788 1968 von Portugal an Spanien abgetreten, 1968 als √Ąquatorialguinea unabh√§ngig
Spanisch-Westafrika 1934 1969/1976 1860 wurde Ifni von Spanien erworben, 1884 wurde Spanisch-Sahara als Rio de Oro spanische Kolonie, 1934 Zusammenschluss der beiden Kolonien, 1969 kam Ifni zu Marokko, 1976 von Marokko und Mauretanien besetzt, heute von Marokko annektiert, internationaler Status unklar
Djerba 1551 1560 ab 1520 spanischer Vasall, 1551 direkte spanische Verwaltung, 1560 okkupiert, in der Seeschlacht von Djerba an das Osmanische Reich gefallen
Bizerta 1535 1574 1535 von Kaiser Karl V. erobert, 1574 an das Osmanische Reich
Bejaia (Bougie) 1510 1555 1510 von Spanien erobert, 1555 an das Osmanische Reich
Oran 1509
1732
1708
1792
1505 und 1506 erste Versuche die Stadt zu erobern, 1509 Einnahme der Stadt und Errichtung eines spanischen Gouvernements, 1709 an das Osmanische Reich verloren, 1732 von Spanien wieder zur√ľckerobert, ab 1790 Friedensgespr√§che mit dem Osmanischen Reich, 1792 dann an das Osmanische Reich √ľbergeben
Penon de Algiers 1510
1573
1529
1574
1510 im Zuge der Eroberung Orans spanisch besetzt, 1529 unter dem Schutz des Osmanischen Reiches, 1573 kurzfristig wieder spanisch, 1574 endg√ľltig osmanisch
Tripolis 1509 1530/1551 1509 durch Graf Pietro von Navarra f√ľr Spanien erobert und Installation eines spanischen Statthalters, 1530 von Kaiser Karl V. den Johanniterorden als Lehen √ľbertragen, 1551 an das Osmanische Reich verloren
Tunis 1535
1573
1570
1574
1534 vom Osmanischen Reich erobert, 1535 durch Kaiser Karl V. okkupiert und in ein spanisches Protektorat umgewandelt, 1570 wieder osmanisch, 1573 kurzfristig wieder spanisch, 1574 endg√ľltig wieder osmanisch
Plaza de soberanía 1508
1560
1668
1848
1668 wurde Ceuta von Portugal an Spanien durch den Frieden von Lissabon abgetreten, Melilla wurde 1497 erobert, die √ľbrigen Inseln und St√§dte 1508, 1560, 1668 und 1848; heute autonome St√§dte Spaniens, die Gebiete werden von Marokko beansprucht
Isla Perejil 1663 von Portugal an Spanien abgetreten, heute unter der Herrschaft Spaniens, von Marokko beansprucht
Spanisch-Marokko 1912 1956 Spanisches Protektorat, heute Teil Marokkos
Amerika
Vizek√∂nigreich Neuspanien 1535 1821 1492 Beginn der Kolonialisierung der Karibik und Mittelamerikas, zwischen 1519 und 1521 Eroberung des Aztekenreiches, 1521 kam auch noch Nordborneo, die Philippinen in Asien und einige pazifische Inseln, sowie im 17. und 18. Jahrhundert der S√ľdwesten der heutigen USA hinzu, 1535 Gr√ľndung des Vizek√∂nigreiches, zwischen 1528 und 1545 Verpf√§ndung "Klein-Venedigs" an die Welser, 1717 Abtretung Venezuelas an das neugegr√ľndete Vizek√∂nigreich Neugranada
Florida 1513 1763/1819 1513 von Spanien erobert und 1535 ins Vizek√∂nigreich Neuspanien integriert, nach Ende des Siebenj√§hrigen Krieges an Gro√übritannien abgetreten, 1781 die Herrschaft √ľber Westflorida zur√ľck, im Frieden von Paris 1783 wieder spanisch, 1819 an die USA abgetreten
Jamaika (Santiago) 1509 1670 1509 kolonialisiert und 1535 ins Vizekönigreich Neuspanien eingegliedert, 1655 von den Engländern unter William Penn besetzt, 1670 offiziell von Spanien im Vertrag von Madrid abgetreten.
Hispaniola 1492 1697/1795 Die erste wichtige spanische Besitzung in Übersee. Im 17. Jahrhundert setzten sich die Franzosen im NW der Insel fest, der westliche Teil der Insel (Haiti) wurde 1697 an Frankreich abgetreten. Der östliche Teil (heute Dominikanische Republik) wurde 1795 im Frieden von Basel ebenfalls an Frankreich abgetreten.
Westlouisiana 1762 1800 1762 im Vorfrieden von Fontainebleau wurde Louisiana westlich des Mississippi sowie die "Isle of New Orleans" von Frankreich an Spanien abgetreten und ins Vizek√∂nigreich Neuspanien eingegliedert, auf Druck Napoleons 1800 wieder an Frankreich zur√ľck
Kaimaninseln 1503 1666 1503 von Kolumbus entdeckt und f√ľr Spanien in Besitz genommen, 1535 ins Vizek√∂nigreich Neuspanien integriert, 1666 von England erobert, 1670 im Vertrag von Madrid offiziell von Spanien an England abgetreten
Nootka Territorium 1789 1794 Umfasste K√ľstengebiete des Bundesstaates Washington sowie den S√ľden der kanadischen Provinz British Columbia (Vancouver Island). Nach nur f√ľnf Jahren sp√§rlicher Herrschaft wurde der Herrschaftsanspruch auf Druck Gro√übritanniens zur√ľckgezogen
Trinidad 1498 1802 1498 von Spanien in Besitz genommen, ab 1535 Teil des Vizekönigreiches Neuspanien, bereits 1763 wurde die Insel von den Briten besetzt, jedoch erst 1802 im Frieden von Amiens offiziell von Spanien abgetreten.
Vizekönigreich Peru
(Vizekönigreich Neu-Kastilien)
1542 1823 ab 1522 Beginn der Eroberung Perus und 1542 Errichtung des Vizek√∂nigreiches, 1655 Abtretung der Miskitok√ľste an Gro√übritannien, 1717 bzw. 1739 und 1776 wurde die beiden neugegr√ľndeten Vizek√∂nigreiche R√≠o de la Plata und Neugranda von Peru getrennt.
Vizekönigreich Neugranada 1717
1739
1724
1810
1717 von Peru getrennt, zwischen 1724 und 1739 wieder Teil Perus, heute Kolumbien, Venezuela, Ecuador und Panama
Vizekönigreich des Río de la Plata 1776 1811 1776 von Peru getrennt, heute Argentinien, Bolivien, Uruguay und Paraguay.
Zwischen 1767 und 1811 gehörten auch die Falklandinseln zum Einflussgebiet der Kolonie.
Asien
Spanisch-Ostindien 1521(?) 1898 zunächst als Generalkapitanat Teil des Vizekönigreiches Neuspanien, nach 1821 eigenständige spanische Kolonie, 1898 im Zuge des Spanisch-Amerikanischen Krieges verloren
Philippinen 1521(?) 1898 Teil des Generalkapitanats Spanisch-Ostindien, 1898 im Zuge des Spanisch-Amerikanischen Krieges von der USA annektiert
Nordborneo 1521(?) zunächst Teil des Generalkapitanats Spanisch-Ostindien, ab dem 17. Jahrhundert zum Sultanat Brunei
Marianen 1667 1898/1899 1521 von Ferdinand Magellan entdeckt, 1667 von Spanien in Besitz genommen, Teil des Generalkapitanats Spanisch-Ostindien, nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 s√ľdlich Teil an die USA abgetreten, 1899 n√∂rdlichen Teil an das Deutsche Reich verkauft
Karolinen 1526 1899 1525 durch den Portugiesen Diego da Rocha entdeckt, 1526 spanische Inbesitznahme durch Alonso de Salazar, 1686 Entdechung der Hauptinsel durch Francesco Lazeano, Teil des Generalkapitanats Spanisch-Ostindien, 1899 an das Deutsche Reich verkauft
Palau 1526 1899 1543 durch den Ruy López de Villalobos entdeckt, erst im 19. Jahrhundert durch Spanien kolonialisiert, Teil des Generalkapitanats Spanisch-Ostindien, 1899 an das Deutsche Reich verkauft
Guam 1521 1899 1521 von Magellan entdeckt, 1565 von Miguel Lopez de Legazpi f√ľr Spanien in Besitz genommen, Teil des Generalkapitanats Spanisch-Ostindien, 1898 an die USA abgetreten
Atlantik
Kanarische Inseln 1479 1311 entdeckt, 1402 Eroberung und Christianisierung der kleineren Inseln durch den Normannen Jean de Béthencourt, 1479 durch den Vertrag von Alcaçovas Kastilien zugesprochen, heute Autonome Gemeinschaft Spaniens

Siehe auch

Literatur

  • Jonathan C. Brown: Latin America. A social history of the colonial period. Harcourt College Publications, Fort Worth, Tex. 2000, ISBN 0-03-055387-3.
  • John Elliott: Imperial Spain (1469-1716). Penguin Books, London 2002, ISBN 0-14-100703-6.
  • B√©atrice Perez: Des marchands entre deux mondes. Pratiques et repr√©sentations en Espagne et en Am√©rique (XVe - XVIII si√®cle). PUPS, Paris, 2007, ISBN 978-2-84050-513-6.
  • Friedrich Edelmayer ua.: Die Neue Welt. S√ľd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche, Promedia Verlag, Wien, 2001, ISBN 3-85371-177-4.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ vgl.: Iberoamerikanisches Institut Preu√üischer Kulturbesitz und Museum f√ľr V√∂lkerkunde, Staatliche Museen zu Berlin (Hrsg.); Amerika 1492 ‚Äď 1992; Braunschweig, 1992; S. 40 f.
  2. ‚ÜĎ vgl.: Feder, Ernst; Gewalt und Ausbeutung: Lateinamerikas Landwirtschaft; Hoffmann und Campe; Hamburg, 1973.
  3. ‚ÜĎ vgl.: http://www.pbs.org/opb/conquistadors/home.htm
  4. ‚ÜĎ vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt ‚Äď S√ľd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 67 ff.
  5. ‚ÜĎ http://last-e.uni-hamburg.de/cms/tiki/tiki-index.php?page=Audiencias
  6. ‚ÜĎ http://last-e.uni-hamburg.de/cms/tiki/tiki-index.php?page=Audiencias
  7. ‚ÜĎ vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt ‚Äď S√ľd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 106/107
  8. ‚ÜĎ vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt ‚Äď S√ľd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 112
  9. ‚ÜĎ vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt ‚Äď S√ľd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 111
  10. ‚ÜĎ vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt ‚Äď S√ľd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 111/112
  11. ‚ÜĎ vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt ‚Äď S√ľd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 73 ff.
  12. ‚ÜĎ vgl.: Reindhard, Wolfgang; Kleine Geschichte des Kolonialismus; Alfred Kr√∂ner Verlag; Stuttgart, 1996; S. 73/74
  13. ‚ÜĎ vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt ‚Äď S√ľd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 108-110
  14. ‚ÜĎ vgl.: Feldbauer, Peter ua.; Die Welt im 16. Jahrhundert; Mandelbaum Verlag; Wien, 2008; S. 355/356
  15. ‚ÜĎ vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Globalgeschichte 1450-1620. Anf√§nge und Perspektiven; Promedia Verlag; Wien, 2002; S. 39.
  16. ‚ÜĎ vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt ‚Äď S√ľd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 109
  17. ‚ÜĎ vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt ‚Äď S√ľd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 121-124


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