Special Air Service

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Special Air Service
Special Air Service
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Badge des SAS
Aufstellung 1. Juli 1941 ‚Äď 8. Oktober 1945
sowie seit 1. Januar 1947
Land Vereinigtes Königreich
Streitkräfte Streitkräfte des Vereinigten Königreichs
United Kingdom Special Forces British Army
Typ Spezialeinheit
Grobgliederung 3 Regimenter (davon 2 Reserven)
Stärke ca. 500 (aktiv)
Stationierungsort Credenhill, nahe Hereford, Herefordshire, England
Spitzname Blades
Motto Who Dares Wins
Farben Blau (Pompadore blue)
Marsch Marche des Parachutistes Belges und Lili Marleen
Colonel-Commandant
Jetziger
Kommandeur
General Charles Guthrie, Baron Guthrie of Craigiebank
Wichtige
Kommandeure

Lieutenant Colonel David Stirling

Der Special Air Service (SAS) ist eine Spezialeinheit der British Army, die 1941 während des Zweiten Weltkriegs von dem schottischen Lieutenant Colonel David Stirling aufgestellt wurde. Der SAS operiert weltweit und ist bei dem Dorf Credenhill in der Nähe von Hereford stationiert. Er gilt als eine der erfahrensten und ältesten noch existierenden Spezialeinheiten der Welt.

Inhaltsverzeichnis

Auftrag

Zu den Aufgaben des SAS z√§hlen das Sammeln von Informationen √ľber den Feind (Milit√§rische Aufkl√§rung), Sabotageoperationen hinter feindlichen Linien, das Markieren von Zielen f√ľr den Beschuss und die Befreiung von gefangenen Soldaten oder Zivilisten. Neben Kriegseins√§tzen wird der SAS auch als Antiterroreinheit im Inland eingesetzt, vor allem zur Geiselbefreiung, aber auch zur gezielten Eliminierung von Staatsfeinden (zum Beispiel Mitgliedern der IRA oder anderen von der britischen Regierung als Terroristen eingestuften Personen oder Gruppierungen). Er bildet Spezialeinheiten befreundeter L√§nder aus und handelt bei Bedarf auch verdeckt, so dass eine Beteiligung der britischen Regierung nicht erkennbar ist. Bemerkenswerterweise √ľbernimmt der zum Milit√§r geh√∂rende SAS auch Aufgaben einer polizeilichen Spezialeinheit, dazu geh√∂rt unter anderem der Schutz hoher britischer W√ľrdentr√§ger. Hier ist er noch am ehesten vergleichbar mit der israelischen Sayeret Matkal, mit dem der SAS immer wieder gemeinsame √úbungen abh√§lt.

Das Motto des SAS lautet: ‚ÄúWho dares wins‚ÄĚ (deutsch: ‚ÄěWer wagt, gewinnt‚Äú)

Organisation

Heute besteht der SAS aus drei Regimentern:

Die beiden Regimenter 21 und 23 dienen als Reserveeinheiten (TA SAS ‚Äď Territorial Army). Im Kriegsfall √ľbernehmen sie so genannte Long Range Reconnaissance Patrols (Fernsp√§her-Aufkl√§rungseins√§tze) hinter den feindlichen Linien und sollen Verluste des Regiments 22 ausgleichen. Jedes von ihnen besteht aus drei Squadrons.

Der aktive SAS besteht lediglich aus dem Regiment 22, aufgeteilt in 4 Schwadronen mit insgesamt etwa 500 Soldaten. Diese wieder bestehen aus je vier Troops. Jeder Trupp hat theoretisch 16 Mann, à vier Vier-Mann-Teams. Praktisch erreicht der SAS diese Einsatzstärke aber nicht, da er aufgrund der strengen Auswahl und des harten Dienstes, ähnlich wie andere Spezialeinheiten, Nachwuchsprobleme hat.

Die vier Squadrons tragen die Bezeichnung A, B, D und G (die C Squadron wurde 1980 aufgelöst). Jeder der dazu gehörenden vier Troops ist spezialisiert auf eine Fertigkeit der Fortbewegung, beziehungsweise des Eindringens in feindliches Gebiet. So gibt es in jeder Squadron einen Mountain Troop (Gebirgs- und Winterkampf), einen Mobility Troop (Landrover und Motorräder), einen Air Troop (Freifaller) und einen Boat Troop (maritime Einsatzkomponente).

Zum 22 SAS gehören außerdem noch eine Stabsgruppe, eine Planungs- und Nachrichtenabteilung, eine Abteilung zur Untersuchung von Einsätzen und ein Ausbildungszug.

Im Turnus von sechs bis neun Monaten ist jede dieser vier Squadrons als CRW-Wing (Counter Revolutionary Warfare ‚Äď Guerillakampf), einer Unterabteilung, die auch verdeckte Milit√§rberater-Funktionen erf√ľllt, an der Reihe. Der Wing steht in st√§ndiger Bereitschaft und soll bei Bedarf in zwei Etappen innerhalb von 30 Minuten, beziehungsweise zwei Stunden, einsatzbereit sein. Unterteilt ist er in zwei Gruppen, die jeweils aus einer Sturmangriffs- und einer Scharfsch√ľtzengruppe bestehen:

  • Rot (Luftlande- und Gebirgsj√§gergruppe)
  • Blau (Kampfschwimmer und Artillerie)

Neben den drei Regimentern, die eng zusammenarbeiten, existieren noch kleinere Einheiten f√ľr besondere Aufgaben:

  • die 63rd SAS Signal Squadron in South East England, sowie Eastern Wessex
  • und das L Detachment (fr√ľher R-Squadron), gebildet aus ehemaligen SAS-Mitgliedern. Letzteres untersteht dem TA SAS und dient als Reserve des Regiments 22 zum schnellen Ersetzen von Verlusten.

Die urspr√ľnglichen Einheiten, das 1st Special Air Service Regiment und das 2nd Special Air Service Regiment, wurden 1945 aufgel√∂st.

Rekrutierung und Ausbildung

Seit 1952 werden die Soldaten des SAS in einem speziellen Verfahren ausgew√§hlt, das der damalige Kommandeur Major John Woodhouse einf√ľhrte. Bis dahin verdienten sich Interessenten die Aufnahme in ihren jeweiligen Einheiten durch besonderen Einsatz im Kampf.

Das Auswahlverfahren, die ‚ÄěSelection‚Äú, gilt als das anspruchsvollste der britischen Armee. Lediglich zwei bis zehn Prozent der Anw√§rter bestehen es. Es wird zwei Mal im Jahr in den Bergen von Wales abgehalten.

Bewerber m√ľssen m√§nnlich sein und entweder seit mindestens drei Jahren Mitglied der britischen Streitkr√§fte oder seit 18 Monaten Angeh√∂riger der beiden anderen Regimenter 21 und 23 (in beide k√∂nnen Zivilisten direkt eintreten). Au√üerdem akzeptiert der SAS Mitglieder der Armeen des Commonwealth als Anw√§rter. Besteht ein Kandidat eine der Pr√ľfungen nicht, wird er sofort in seine urspr√ľngliche Einheit zur√ľckversetzt. Ein zweiter Versuch ist m√∂glich, weitere Anl√§ufe jedoch nicht.

Einf√ľhrung (2 Tage)

Ein Wochenende lang bekommen die Kandidaten Einblick in das Leben in einer britischen Spezialeinheit und werden √ľber die Anforderungen der Einstellungstests informiert. Au√üerdem m√ľssen sie ihre F√§higkeiten im Umgang mit Karte und Kompass belegen, eine Schwimmpr√ľfung absolvieren, zudem noch einen Fitness- und Erste-Hilfe-Test.

Fitness und Orientierung (4 Wochen)

Blick vom 886 Meter hohen Pen y Fan in den Brecon Beacons, dem bevorzugten Terrain f√ľr die Gel√§ndeausbildung

Dieser Teil findet in den Brecon Beacons und im Elan-Tal in Wales statt. Zuerst ist der so genannte Battle Fitness Test (BFT) zu bestehen: 2,5 Kilometer m√ľssen als Gruppe in unter 13 Minuten gelaufen werden, anschlie√üend noch einmal allein in unter 11,5 Minuten. √úberhaupt besteht die erste Woche vor allem aus Gel√§ndel√§ufen √ľber die Berge mit leichtem Gep√§ck, au√üerdem aus Kartenlese- und Orientierungsaufgaben bei Tag oder Nacht. Im Laufe der Auswahl nimmt das Gewicht des Rucksacks zu, und die Soldaten m√ľssen auch das Gewehr mitnehmen. Die dritte Woche ist bestimmt von Orientierungs√ľbungen im Gel√§nde mit steigendem Schwierigkeitsgrad. In der letzten Woche ist jeden Tag ein Gel√§ndelauf gegen die Uhr zu bew√§ltigen. Die zu erreichende Zeit wird den Soldaten nicht mitgeteilt, sie haben bei jedem Lauf ihr Bestes zu geben. Das √úberschreiten des Zeitlimits f√ľhrt ebenso zum Ausscheiden wie Verletzungen. Den Abschluss bildet ein Marsch √ľber eine Distanz von 65 Kilometern √ľber insgesamt 7000 H√∂henmeter mit einem 20 Kilogramm schweren Rucksack und Gewehr. Wer l√§nger als 20 Stunden braucht, ist durchgefallen. Der Rekord liegt bei 14 Stunden. Immer wieder gibt es bei diesen Ausdauertests auch Todesf√§lle.

Aufbautraining (4 Wochen)

Hier finden die ausf√ľhrliche und m√∂glichst realistische Ausbildung an Handfeuerwaffen und Sprengstoffen sowie √úbungen in Kleingruppentaktik statt. Wer bisher noch keine Fallschirmausbildung hat, erh√§lt diese nun.

Dschungelausbildung (6 Wochen)

Die Ausbildung wird in kleinen Gruppen von je vier Mann absolviert, jede Gruppe wird √ľberwacht von einem Ausbilder. Das Training umfasst die Orientierung und das √úberleben im Dschungel, den Umgang mit Booten und den Aufbau von Lagerpl√§tzen. S√§mtliche F√§higkeiten m√ľssen die Anw√§rter in einer Abschluss√ľbung beweisen.

Kampfausbildung (4 Wochen)

In diesem Abschnitt werden in erster Linie das √úberleben von Kampfsituationen (Combat Survival), das √úberstehen von Gefangennahme und das Verbergen vor Feinden trainiert. Dazu geh√∂rt, dass die Soldaten sich nur von den Dingen ern√§hren, die sie in Wald und Feld finden und auch Verh√∂re und Folter (bis zu einem gewissen Grad) erleben. Die Ausbildung beendet eine √úbung in E&E-Taktiken (Escape and Evasion ‚Äď Fliehen und Ausweichen). Dazu bekommen die Soldaten unhandliche √úberm√§ntel, um ihre Beweglichkeit einzuschr√§nken und werden von anderen Einheiten, √ľblicherweise Fallschirmj√§gern oder Gurkhas, f√ľnf Tage lang gejagt. Sie m√ľssen unentdeckt bleiben, um zu bestehen. Anschlie√üend wird jeder von ihnen 24 Stunden lang verh√∂rt und dabei erniedrigt, beschimpft, mit L√§rm oder Schlafentzug gefoltert. Wer mehr als nur seinen Namen, seinen Rang, sein Geburtsdatum oder die Kennnummer preisgibt, f√§llt durch. Einzige erlaubte Antwort ist: ‚ÄěEs tut mir leid, ich kann diese Frage nicht beantworten.‚Äú

Jeder Fehler in einem dieser Abschnitte f√ľhrt dazu, dass der Soldat sofort zu seiner Ursprungseinheit zur√ľckversetzt wird. Besteht er sie, verliert er jeden bisherigen Dienstrang und wird einfaches Mitglied (Trooper) des SAS.

Die R√§nge innerhalb des Regiments m√ľssen von Unteroffizieren und Mannschaften neu erworben werden.

Sollte ein Soldat die Truppe verlassen, bekommt er seinen alten Dienstgrad zur√ľck. F√ľr Offiziere gilt ein abweichendes Verfahren: Sobald sie mindestens Captain (Hauptmann) sind, behalten sie ihren Rang, d√ľrfen jedoch maximal drei Jahre im SAS dienen. Wenn sie anschlie√üend den Test erneut bestehen, d√ľrfen sie drei weitere Jahre dabei bleiben.

Spezialausbildung

Anschlie√üend beginnt die eigentliche Ausbildung, innerhalb derer sich jeder Soldat auf einem oder mehreren Gebieten zum Experten (Specialist) f√ľr bestimmte Bereiche fortbildet, diese sind:

Je nach Rang und F√§higkeiten verdienen die Soldaten 25.000 bis 80.000 Pfund im Jahr. Der Dienst ist so hart, dass viele der M√§nner mit Mitte 30 aussteigen. Neben Verletzungen im Einsatz sind auch Sp√§tfolgen durch schlechte Ern√§hrung, verseuchtes Wasser, Infektionen oder Gefangenschaft eine Gefahr. F√ľr Heimkehrer k√∂nnen au√üerdem ihre Konditionierung und ihre Erlebnisse zur Belastung werden. Nur wenigen gelingt es, sich an ein normales Leben zu gew√∂hnen. Viele leiden unter psychischen St√∂rungen wie dem posttraumatischen Stresssyndrom oder k√∂nnen ihre Aggressionen nicht kontrollieren. Immer wieder gibt es Berichte √ľber Selbstmorde ehemaliger SAS-Mitglieder.

Durch den hohen psychologischen Druck, als auch Einsatzdauer und -turnus, wird ein geregeltes Familienleben zu einer Herausforderung f√ľr alle Angeh√∂rigen. Scheidungen sind in diesem Zusammenhang keine Seltenheit.

Nachwuchsprobleme

Aufgrund dieser Gefahren und der hohen Anforderungen bei der Auswahl hat der SAS schon l√§nger Schwierigkeiten, seine Sollst√§rke zu halten. Die britische Zeitung ‚ÄěDaily Telegraph‚Äú berichtete 2005, dass sich diese Probleme seit dem Krieg im Irak massiv verst√§rkt h√§tten. Immer mehr Soldaten w√ľrden den Dienst f√ľr lukrative Stellen bei privaten Sicherheitsdienstleistern quittieren. Dies habe das Regiment dazu veranlasst, s√§mtliche 300 Frontsoldaten des SAS per Brief darauf hinzuweisen, dass es im besten Sinne aller w√§re, wenn sie blieben.

Der Anreiz aus der Wirtschaft ist hoch. Laut dem Bericht kann ein Unteroffizier des SAS als Berater eines privaten Sicherheitsunternehmens in Irak oder Afghanistan bis zu 14.000 Pfund im Monat verdienen.

Ausr√ľstung

Bewaffnung

Die Informationen √ľber den SAS basieren eigentlich s√§mtlich auf B√ľchern ehemaliger Mitglieder oder auf Berichten von Journalisten. Ihre Genauigkeit und ihre Aktualit√§t sind daher begrenzt. Es kann als gesichert gelten, dass der SAS √§hnlich wie andere Spezialeinheiten Zugriff auf praktisch jede Waffe hat, und sie entsprechend den eigenen Bed√ľrfnissen modifizieren und anpassen kann.

Standardbewaffnung f√ľr milit√§rische Eins√§tze ist das amerikanische Sturmgewehr M16, das um den Granatwerfer M203 erg√§nzt werden kann. Als Unterst√ľtzungswaffen werden sowohl das Standard-MG der britischen Streitkr√§fte GPMG (= General Purpose Machine Gun, genannt ‚ÄěGimpy‚Äú) im Kaliber 7,62 x 51 mm NATO als auch das FN Minimi im Kaliber 5,56 x 45 mm NATO eingesetzt.

Seit seinem Afghanistaneinsatz hat der SAS die Diemaco C8 SFW (Special Forces Weapon) und den Granatwerfer H&K AG-C UGL in sein Arsenal √ľbernommen, die von nun an zur Standardausr√ľstung geh√∂ren.

MP5SD3 mit integriertem Schalldämpfer

F√ľr Anti-Terror-Operationen werden die Maschinenpistolen Heckler & Koch MP5 und MP7 verwendet, √§hnlich wie bei anderen Spezialeinheiten. Au√üerdem findet auch die HK 53 Verwendung, eine Maschinenpistole von Heckler & Koch im Kaliber 5,56 x 45 mm NATO.

Teil der Bewaffnung war jahrelang die halbautomatische Pistole Browning Hi-Power im Kaliber 9-Millimeter-Parabellum. Inzwischen verwendet die Einheit jedoch die SIG Sauer P228 [1], die die gleiche Munition verschießt wie die Browning Hi-Power und die HK MP5.

Die Scharfsch√ľtzengewehre vom Typ Accuracy International L96 A1 im Kaliber.308 Winchester k√∂nnen bei Bedarf mit einem Schalld√§mpfer versehen werden. Daneben stehen vom gleichen Hersteller so genannte Anti-Material-Rifles im Kaliber.50 BMG zur Verf√ľgung.

Je nach Ziel können außerdem verschiedene Infanteriewaffen wie schwere Maschinengewehre, Granatwerfer, Raketenwerfer oder Minen eingesetzt werden.

Als Kampfanzug dient ein feuerhemmender Overall, der entsprechend den Einsatzbedingungen verschieden getarnt ist. Ein netzartiger Schal wird als Halstuch getragen, aber auch zur Tarnung von Gesicht oder Ausr√ľstung eingesetzt. Je nach Auftrag kann eine schusshemmende Weste ebenso dazu geh√∂ren, wie eine Sturmhaube, ein Helm mit Gesichtsvisier, Nachtsichtger√§te oder ABC-Schutzmasken.

Als Luftunterst√ľtzung hat die britische Regierung laut Berichten der ‚ÄěSunday Times‚Äú sechs Flugzeuge des Typs Hercules AC-130 Spectre angeschafft. Diese sogenannten ‚ÄěGunships‚Äú sind fliegende Gesch√ľtzplattformen, gepanzert und best√ľckt mit verschiedenen Schnellfeuerkanonen und Maschinengewehren. Ihre Existenz bedeutet eine Erweiterung der Einsatzgrunds√§tze des SAS: Kleine Teams, die sich unerkannt hinter den Linien bewegen, ben√∂tigen kaum so massive Feuerunterst√ľtzung. F√ľr den geschlossenen Einsatz ganzer Squadrons jedoch kann diese sehr wohl wichtig sein.

Zurzeit werden laut ‚ÄěJane‚Äôs‚Äú in Credenhill Minidrohnen aus amerikanischer Produktion erprobt, sogenannte Backpack Unmanned Surveillance Targeting and Enhanced Reconnaissance (Buster). Diese sehen aus wie Modellflugzeuge, lassen sich im Rucksack transportieren und sammeln aus der Luft Informationen. Gesteuert werden sie √§hnlich einem Modellflugzeug und k√∂nnen bis zu vier Stunden in der Luft bleiben.

Transport

Westland Lynx Mk.7, hier einer der Royal Marines, wie er auch beim SAS in Gebrauch ist.

Die Mobility-Troops verwenden vorwiegend die Militärversion des Land Rover Defender, den Wolf (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Geländewagen der Bundeswehr auf G-Klasse-Basis), sowohl mit kurzem (TUL), als auch mit langem Radstand (TUM). Außerdem den so genannten Pink Panther, einem auf dem Land Rover basierendes Patrouillenfahrzeug und das HMT Supacat Multi-Envirnoment Surveillance and Reconnaissance Vehicle, das seit Jahren bei den Royal Marines im Einsatz ist.

F√ľr den Langstreckentransport stehen mehrere modifizierte Lockheed C-130 Hercules zur Verf√ľgung, die mit zus√§tzlichen Aufkl√§rungs- und Kommunikationssystemen, sowie Flares zum Selbstschutz ausgestattet sind. Seit 2002 wird gelegentlich auch die C-17 Globemaster f√ľr diesen Zweck verwendet. Der prim√§re Operationshubschrauber des SAS ist der Westland Lynx Mk.7, sowie der modernere Battlefield Lynx. Au√üerdem wurden in den 1990er Jahren laut Medienberichten acht Hubschrauber vom Typ Boeing Vertol CH-47 Chinook beschafft, die f√ľr den Transport einer ganzen Squadron samt leichter Fahrzeuge geeignet sind. Ferner verf√ľgt der SAS √ľber 4 Hubschrauber vom Typ Agusta A109.

Kooperationen

Der SAS wird seit 2005 nachrichtendienstlich vom Special Reconnaissance Regiment (SRR) unterst√ľtzt, das √úberwachungs- und Aufkl√§rungsaufgaben erf√ľllt, um SAS-Eins√§tze vorzubereiten und zu begleiten.

Neben Gro√übritannien verf√ľgen als ehemalige Kolonien auch Australien und Neuseeland √ľber einen eigenen SAS. Diese Einheiten stehen in enger Verbindung mit dem britischen SAS, sowohl im Training als auch bei weltweiten Eins√§tzen. Der britische SAS √ľbernimmt zudem die komplette Ausbildung der Sultan‚Äôs Special Force in Oman.

Viele Spezialeinheiten weltweit haben sich den SAS zum Vorbild genommen. Zum Beispiel wurde der komplette Ausbildungsstab der amerikanischen Antiterroreinheit Delta Force 1977 durch ein Expertenteam des SAS √ľber fast ein Jahr lang in den USA ausgebildet. Dieses Know-how bildete damit die Keimzelle f√ľr die Aufstellung aller anderen US-Antiterroreinheiten, wie dem 1980 gegr√ľndeten Seal Team 6 und dem 1983 aufgestellten Hostage Rescue Team des FBI. Auch das deutsche KSK, die kanadische JTF2 , das schweizerische AAD 10, die polnische GROM und die israelische Sayeret Matkal √ľbernahmen die taktische Struktur und Einsatzdoktrin des SAS. Sp√§ter entwickelte sich die Sayeret Matkal durch ihre in enormer Einsatzdichte erworbenen Erfahrungen ihrerseits zu einer wertvollen Hilfe f√ľr den SAS. Viele Einheiten trainieren regelm√§√üig mit Einheiten des SAS und nutzen dessen Trainingseinrichtungen beispielsweise in Belize oder Brunei.

Geheimhaltung

Die Existenz des Special Air Service war in Großbritannien bereits in den 1960er-Jahren allgemein bekannt, jedoch wurde sie lange Zeit von offiziellen Stellen dementiert. Auch nachdem ein Fernsehteam 1972 zufällig einen Anti-Terror-Einsatz an Bord des Kreuzfahrtschiffes Queen Elizabeth 2 dokumentierte, nahm das Verteidigungsministerium hierzu keine Stellung. Erst in den 1980er-Jahren wurde die Existenz des SAS offiziell bestätigt, nachdem dieser die Geiselnahme in der iranischen Botschaft in London vor versammelter Weltpresse erfolgreich beendet hatte.

Nach dem Eintritt ist es jedem Mitglied untersagt, anderen als engen Familienmitgliedern die Zugeh√∂rigkeit zum SAS zu enth√ľllen. W√§hrend der gesamten Dienstzeit sorgt das Verteidigungsministerium f√ľr Anonymit√§t. In Ver√∂ffentlichungen √ľber eventuell verliehene Orden steht hinter den Namen des Soldaten die urspr√ľngliche Einheit, nicht SAS. Sollte er im Kampf get√∂tet werden, wird dar√ľber keine √∂ffentliche Mitteilung gemacht, sofern es sich vermeiden l√§sst. Ist sie unvermeidlich, wird der Soldat als Mitglied seiner urspr√ľnglichen Einheit aufgef√ľhrt.

Diese Geheimhaltung ist bis heute Anlass f√ľr viele Spekulationen und lieferte etlichen Verschw√∂rungstheoretikern Stoff f√ľr ihre B√ľcher. Die meisten Kenntnisse √ľber den SAS stammen von ehemaligen Mitgliedern der Einheit, von denen angeblich einige wegen der Preisgabe von Informationen vor Milit√§rgerichte gestellt wurden. Das Verteidigungsministerium versucht auch immer wieder per Gericht, die B√ľcher von Veteranen zu verbieten oder zensiert deren Lebenserinnerungen und Berichte. Daher ist bei jedem Bericht Skepsis angebracht. Erst Ende November 2001 gewann ein ehemaliger SAS-Soldat einen dreij√§hrigen Prozess gegen das Ministerium; Anschlie√üend durfte er sein Buch √ľber einen katastrophalen Einsatz w√§hrend des Golfkrieges ver√∂ffentlichen, jeden Gewinn aber musste er dem Staat abtreten. Ex-Mitglieder, die Berichte ver√∂ffentlichen, tun dies √ľblicherweise unter einem Pseudonym, wie zum Beispiel auch Andy McNab. Doch ist auch bei diesen B√ľchern die H√∂he des Wahrheitsgehaltes unklar. Au√üerdem gibt es immer wieder Autoren, die behaupten, im SAS gedient zu haben, ohne dass es daf√ľr Belege gibt.

Im Jahre 2004 bekr√§ftigte der damalige Verteidigungsminister Geoff Hoon die bis heute geltende Geheimhaltungspolitik gegen√ľber der √Ėffentlichkeit. Die Kritik von hohen Regierungsmitgliedern sowie seitens der Presse, dass sich diese Politik durch die zunehmende Einbindung von Spezialeinheiten in der Kriegsf√ľhrung nicht aufrechterhalten lasse, kommentierte eine nicht genannte milit√§rische Quelle damit, dass ungenaue und fehlerhafte Berichterstattung unter Umst√§nden ‚Äěn√ľtzlicher Desinformation‚Äú gleichkomme.[2]

Geschichte

1941‚Äď1945

SAS-Angehörige nach einer Patrouille (Nordafrika, 1943)

Gegr√ľndet wurde ‚Äěthe Regiment‚Äú, wie der SAS auch genannt wird, im Juli 1941 w√§hrend des Zweiten Weltkrieges von dem damaligen Lieutenant David Stirling. Urspr√ľngliches Ziel waren Sabotageakte weit hinter der Front des deutschen Afrikakorps, um Rommels Nachschublinien zu st√∂ren. Die nur 66 Mann gro√üe Truppe firmierte unter dem Namen ‚ÄěL Detachment, Special Air Service Brigade‚Äú. Die Bezeichnung Brigade, die eine viel gr√∂√üere Einheit vermuten lie√ü, trug sie nur als Tarnung und zur T√§uschung der Deutschen, ebenso wie den Zusatz Air.

Stirlings Männer wurden im ägyptischen Kabrit nahe dem Sueskanal ausgebildet. Sie arbeiteten anfangs eng mit der so genannten Long Range Desert Group (LRDG), einer Aufklärungseinheit der Armee zusammen.

W√§hrend des W√ľstenkrieges in Afrika unternahmen Stirlings Soldaten viele erfolgreiche Angriffe, vernichteten Treibstoffdepots und Flugpl√§tze. Sie waren so gef√ľrchtet, dass Adolf Hitler den so genannten Kommandobefehl erlie√ü, der besagte, dass jedes gefasste Mitglied einer solchen Gruppe zu erschie√üen sei. Sie perfektionierten eine Taktik namens Hit and Run (Angreifen und Verschwinden), indem sie lediglich mit Gel√§ndefahrzeugen, die ein Maschinengewehr trugen, angriffen und anschlie√üend wieder in der W√ľste verschwanden.

Der allererste Einsatz allerdings war ein Desaster. Im November 1941 sprangen 62 Mann mit Fallschirmen hinter den feindlichen Linien ab, um einen Fliegerhorst zu zerst√∂ren. Jedoch nur 22 erreichten den ausgemachten Treffpunkt, die √ľbrigen wurden gefangen oder get√∂tet. Stirling warb anschlie√üend in der Armeef√ľhrung darum, das Unternehmen wiederholen zu d√ľrfen. Diesmal transportierte die LRDG die Soldaten per Fahrzeug zum Einsatzort. Ohne eigene Verluste wurde der Flugplatz zerst√∂rt. Die Gruppe erhielt im Oktober 1942 den Namen 1st SAS und damit auch den Status eines eigenst√§ndigen Regiments. Stirlings Bruder Bill begann mit dem Aufbau eines zweiten Regiments, namens 2nd SAS.

Im Januar 1943 wurde David Stirling bei einem Einsatz von Italienern gefasst und verbrachte den Rest des Krieges in einem Kriegsgefangenenlager. Das Kommando √ľbernahmen sein Bruder Bill und Blair ‚ÄöPaddy‚Äė Mayne.

Nicht nur in Afrika war das Regiment aktiv, sondern auch bei der Invasion von Italien. Dabei nutzte man auch italienische Partisanen und geflohene sowjetische Kriegsgefangene. Sie dienten im ‚ÄěAllied SAS Battalion‚Äú und st√∂rten unter anderem die Kommunikationslinien des deutschen Oberbefehlshabers der Front, Albert Kesselring. Zwischen 1943 und 1945 wurden insgesamt drei dieser Fremdenbataillone aufgestellt:

  • 3rd SAS bestehend aus franz√∂sischen Soldaten,
  • 4th SAS bestehend aus franz√∂sischen Soldaten,
  • 5th SAS bestehend aus belgischen Soldaten.

Am 1. April 1944 wurden alle bisherigen Einheiten unter dem Namen ‚ÄěSpecial Air Service Regiment‚Äú zusammengefasst und in das Army Air Corps eingegliedert. Der SAS unterst√ľtzte gemeinsam mit dem amerikanischen OSS und dem franz√∂sischen Maquis die alliierte Landung in der Normandie 1944 mit Anschl√§gen auf Nachschubeinrichtungen hinter der Front. Nach dem Ende des Krieges wurde der SAS zur Fahndung und Verhaftung ehemaliger SS- und Gestapo-Mitglieder eingesetzt. Zu dieser Zeit bestand die Einheit bereits aus f√ľnf Regimentern, von denen zwei vor allem franz√∂sische und eines belgische Mitglieder hatten.

1946‚Äď1979

Die beiden franz√∂sischen Bataillone und das belgische wurden nach dem Krieg aufgel√∂st, die Soldaten kehrten in ihre Heimatl√§nder zur√ľck und wurden dort in die Armeen eingegliedert. Die franz√∂sischst√§mmigen Einheiten bildeten das:

  • 2e R√©giment de Chasseurs Parachutistes und das
  • 3e R√©giment de Chasseurs Parachutistes.

Diese beiden Regimenter gingen später in dem 1er Régiment Parachutiste d'Infanterie de Marine (1er RPIMa) auf, dem französischen Pendant zum SAS, das sich noch heute in der Tradition des SAS sieht und regelmäßig gemeinsame Übungen mit ihm abhält.

In der belgischen Armee entstand aus den Heimkehrern das

Auch der Rest der Truppe existierte nicht in der bisherigen Form weiter. Der SAS wurde offiziell aus der Armee ausgegliedert und aufgel√∂st. Am 1. Juli 1947 jedoch wurde sie zumindest teilweise als Special Air Service Regiments im Army Air Corps neu aufgestellt. Es bestand aus einem Regiment der Reserve (Territorial Army ‚Äď T.A.): dem 21st Battalion, Special Air Service Regiment (Artists Rifle). Im August 1949 wurde diese Einheit aus dem Army Air Corps ausgegliedert und als unabh√§ngiges Korps gef√ľhrt.

Erst 1950 baute Brigadier Mike Calvert den SAS als Kommandoeinheit neu auf. Grund war eine Krise in Malaysia, wo Rebellen versuchten, die Unabh√§ngigkeit zu erk√§mpfen. Als Anti-Guerilla-Einheit wurde das so genannte Z Squadron gebildet, die unter dem Namen ‚ÄěMalayan Scouts‚Äú in Malaysia k√§mpfte. Das Squadron bestand aus Ex-SAS-M√§nnern, Rekruten anderer Einheiten, sowie aus Insassen von Armeegef√§ngnissen. Zus√§tzlich wurde das noch existierende Regiment 21 in den Dschungel von Malaysia geschickt. Bis zum Ende des Jahres 1955 bestand die gesamte Truppe wieder aus f√ľnf Schwadronen und blieb in Malaysia bis einschlie√ülich 1958.

Im Jahr 1952 wurden die bestehenden Gruppen in zwei Einheiten neu organisiert:

  • 21st Special Air Service Regiment (Artists Rifle), (T.A.)
  • 22nd Special Air Service Regiment, in dem die ‚ÄěMalayan Scouts‚Äú aufgingen.

1959 entstand dann in der Territorial Army eine zweite SAS-Einheit:

  • 23rd Special Air Service Regiment (T.A.).

Die letzte Umorganisation fand am 1. April 1967 statt. Im Hauptquartier in Hereford wurde zu diesem Zeitpunkt ein neues Squadron aufgestellt: Das R Squadron, Special Air Service Regiment (V), das sich aus ausgewählten Mitgliedern der Regimenter 21 und 23 zusammensetzte und dem 22nd SAS als schnelle Verstärkung angegliedert wurde. Später erhielt die Einheit nochmals eine neue Bezeichnung, den historischen Namen:

  • L Detachment

Dem Einsatz in Malaysia folgten weitere. So bek√§mpften SAS-Teams gegen den Sultan putschende Rebellen im heutigen Oman (1958‚Äď59) oder Guerilleros in Borneo, dem heutigen Brunei (1963‚Äď1966). Au√üerdem waren sie von 1964‚Äď1967 in Aden im Einsatz, bevor die Briten das Land verlie√üen. Von 1970‚Äď1977 gab es erneut inoffizielle und streng geheime Eins√§tze im Oman. √úberhaupt wandelte sich der SAS mehr und mehr von einer regul√§ren Armeeeinheit hin zu einer geheim gehaltenen Spezialtruppe. Damit √§nderten sich auch die Aufgaben, zu denen inzwischen der Personenschutz und der Kampf gegen Terroristen geh√∂rte. Als Tarnung wurden im Einsatz nun auch Zivilkleidung oder Uniformen anderer Armeeeinheiten getragen.

Nordirland

Ab 1969 setzte die britische Regierung den SAS auch in Nordirland ein, was schnell zu Kritik f√ľhrte. Offiziell begann die britische Armee ihren Einsatz in der Provinz, um die lokale Polizei, die Royal Ulster Constabulary, zu unterst√ľtzen. Jedoch waren die Eins√§tze, bei denen ‚Äědas Regiment‚Äú involviert war, von vornherein Kampfeins√§tze gegen die IRA. Mehrfach kamen dabei unbewaffnete Zivilisten ums Leben. Anfangs traten die Soldaten noch offen in ihren Uniformen und sandfarbenen Baretten auf, sp√§ter operierten sie immer h√§ufiger verdeckt.

Dabei arbeitete der SAS im Kampf gegen die IRA sehr eng mit der 1970 aufgestellten 14 Intelligence Company, einer Spezialeinheit der britischen Armee f√ľr nachrichtendienstliche Aufkl√§rung und √úberwachung, zusammen.

Der SAS wurde in den 70er Jahren zu einem der wichtigsten Instrumente bei der Suche nach Informationen gegen nordirische Terrorgruppen. Um diese Aufgabe zu erf√ľllen, handelten die Kommandos immer offensiver, wobei bei Verfolgungen ‚Äď obwohl es ihnen verboten war ‚Äď SAS-M√§nner auch die Landesgrenze zur Republik Irland √ľberschritten. So wurde unter anderem im M√§rz 1976 der IRA-Kommandant Se√°n MacKenna aus seinem Haus in der Republik Irland entf√ľhrt und an eine Patrouille der britischen Armee √ľbergeben.

Irische Nationalisten sind der Überzeugung, der SAS habe in den 1980er-Jahren IRA-Mitglieder sogar planmäßig exekutiert. So soll er 1984 in Dunloy in der Grafschaft Antrim zwei Männer erst verwundet und schließlich erschossen haben. In Loughall wurden 1987 acht IRA-Männer, die versuchten, eine Polizeistation zu sprengen, in einen Hinterhalt des SAS gelockt und getötet. 1988 wurden in der britischen Exklave Gibraltar drei unbewaffnete Mitglieder, die einen Bombenanschlag planten, von einem SAS-Team in der Operation Flavius auf offener Straße erschossen.

Zwar unterliegt der SAS bei dem Gebrauch von Waffen den gleichen rechtlichen Bestimmungen wie die britische Armee, allerdings wird bei SAS-Einsätzen grundsätzlich offiziell eine Kriegseinsatzsituation angenommen (also nach Kriegsrecht verfahren).

Aufgrund seiner aggressiven und kompromisslosen Kampfweise wurde der SAS gef√ľrchtet und bekam einen geradezu mythischen Ruf. Beispielhaft daf√ľr war die Balcombe Street Belagerung am 6. Dezember 1975. Auf der Flucht vor der Polizei hatten sich zwei IRA-M√§nner in einer Wohnung in der Balcombe Street in London verschanzt und zwei Bewohner als Geiseln genommen. Sechs Tage lang dauerten die Verhandlungen. Die M√§nner ergaben sich, als Medien berichteten, der SAS solle zur Befreiung der Geiseln eingesetzt werden.

1980‚Äď2001

In den 80er Jahren wurde ‚Äědas Regiment‚Äú mehr und mehr auch f√ľr die √Ėffentlichkeit sichtbar. Die neue Offenheit der Regierung im Umgang mit dem SAS begann im April 1980. An diesem Tag besetzten sechs irakische Terroristen die iranische Botschaft in London. Vergeblich verhandelte die Polizei sechs Tage lang mit den Besetzern, die zur Unterst√ľtzung ihrer Forderungen eine Geisel t√∂teten. Am 5. Mai befahl Premierministerin Margaret Thatcher den Angriff. Um 19.26 Uhr st√ľrmten mehr als 30 SAS-M√§nner das Geb√§ude und wurden dabei zum Teil live von der BBC gefilmt. W√§hrend des 17 Minuten andauernden Einsatzes erschossen die Terroristen eine Geisel. Sie selbst wurden bis auf einen get√∂tet. Dieser Geiselnehmer √ľberlebte nach Zeugenaussagen nur, weil er sich seiner Waffe sofort entledigte und sich zu Boden warf, so dass er von den Einsatzkr√§ften f√ľr eine Geisel gehalten wurde.

Nach dem Einsatz f√ľhrte das Vorgehen des SAS nach dem Motto safety-first zu einer √∂ffentlichen Kontroverse in der britischen Presse. Aufgrund der kompromisslosen Vorgehensweise w√§hrend der Aktion wurde vermutet, dass so etwas wie ein genereller Schie√übefehl vorgelegen habe. Einer der beteiligten Soldaten, Robin Horsfall, sagte 20 Jahre sp√§ter in einem Interview: ‚ÄěWir wurden darauf gedrillt, zu t√∂ten. Wenn der SAS in Aktion tritt, muss man sich damit abfinden, dass es Tote gibt. Wir wollten die Terroristen t√∂ten. Wir hofften, dass sie sich nicht ergeben w√ľrden. Daf√ľr lebten wir, daf√ľr hatten wir trainiert.‚Äú Der urspr√ľngliche Befehl hatte gelautet, auf beiden Seiten so wenig Menschen wie m√∂glich zu t√∂ten.

Trotz der Kontroverse galt der Sturm als Erfolg. Zudem f√ľhrte die Debatte neben der Medienpr√§senz erstmals dazu, dass die Existenz der Einheit von offizieller Seite nicht mehr dementiert wurde.

Der n√§chste bekannt gewordene Einsatz kam w√§hrend des Falklandkrieges 1982. Mehrere Teams des SAS k√§mpften zur Vorbereitung und w√§hrend der Landung auf den Falklandinseln, oft in Zusammenarbeit mit Einheiten des Special Boat Service. Auch soll es zu Eins√§tzen auf dem argentinischen Festland gekommen sein, doch gibt es daf√ľr keine Belege.

Die Einheit wurde jedoch nicht nur f√ľr Kriege und Terrorismusbek√§mpfung ben√∂tigt. 1987 befahl Premierministerin Thatcher einem SAS-Team, das Hochsicherheitsgef√§ngnis in Peterhead in Schottland zu st√ľrmen, um eine Revolte der H√§ftlinge niederzuschlagen. Die Soldaten setzten dabei lediglich Schlagst√∂cke, Blendgranaten und CS-Gas ein. Der Einsatz gelang, und ein gefangen gehaltener Wachmann konnte befreit werden.

Nachdem in Kambodscha das Regime der Roten Khmer durch den Einsatz vietnamesischer Streitkr√§fte gest√ľrzt worden war, setzte die britische Regierung ab dem Jahr 1983 das SAS in einer verdeckten Operation ein, um Widerstandsk√§mpfer im Umgang mit Minen und anderen Sprengk√∂rpern zu schulen. Zu dieser Widerstandsbewegung geh√∂rten auch die verbleibenden Roten Khmer, die erneut die Macht ergreifen wollten.[3] Die von den Guerillas verlegten Minen stellen noch Jahrzehnte sp√§ter ein gravierendes Problem f√ľr die Bev√∂lkerung dar. Etwa 15% der Kambodschaner sind durch Unf√§lle mit Landminen betroffen.[4]

Im Zweiten Golfkrieg 1991 √ľbernahm der SAS √§hnliche Aufgaben wie einst im Zweiten Weltkrieg: Sabotageeins√§tze weit hinter den feindlichen Linien. Vorrangiges Ziel war die Zerst√∂rung von Abschussrampen irakischer Scud-Raketen. Dabei erlitt die Truppe auch einen ihrer gr√∂√üten Fehlschl√§ge: Zwei Mitglieder des Kommandos ‚ÄěBravo Two Zero‚Äú beschrieben diesen Einsatz sp√§ter in B√ľchern. Ihr Acht-Mann-Team sollte tief in der irakischen W√ľste Abschussstellungen unsch√§dlich machen, es wurde jedoch schon beim Eindringen in den irakischen Luftraum gesichtet und verfolgt. Mehrere Tage lang zogen sich die Soldaten k√§mpfend zur√ľck und t√∂teten dabei sch√§tzungsweise 250 Iraker. Nur einer der acht schaffte es, sich bis zur 190 Kilometer entfernten syrischen Grenze durchzuschlagen. Drei weitere wurden im Kampf get√∂tet, die √ľbrigen vier gefangen und w√§hrend der Verh√∂re gefoltert.

Gegenwart

Neben den klassischen Aufgaben Sabotage, Geheimdienstarbeit und Geiselbefreiung ist f√ľr den SAS seit dem September 2001 eine weitere immer wichtiger geworden: der weltweite Kampf gegen terroristische Gruppen. Aufgrund der in Nordirland gemachten Erfahrungen gilt der SAS als eine der wichtigsten Waffen in diesem unerkl√§rten Krieg. Gro√ü angelegte Eins√§tze in Afghanistan und im Irak geh√∂ren ebenso dazu wie kleine Aktionen einzelner Teams.

Im Gegensatz zu √§hnlichen Einheiten verb√ľndeter L√§nder, wie der Delta Force oder dem KSK (Kommando Spezialkr√§fte), arbeitet der SAS (√§hnlich wie die israelische Sajeret Matkal) dabei immer wieder auch eng mit der Polizei zusammen. So waren laut britischen Medienberichten SAS-Angeh√∂rige im Juli 2005 an der √úberwachung von Jean Charles de Menezes beteiligt, der von der Londoner Metropolitan Police zu Unrecht als Terrorverd√§chtiger verfolgt und letztlich in der U-Bahn erschossen wurde. Auch sollen einige Mitglieder sowohl an der Fahndung nach den Drahtziehern der Bombenanschl√§gen auf das Londoner Verkehrsnetz im Juli 2005 beteiligt gewesen sein, als auch an der Erst√ľrmung mehrerer Wohnungen von Hinterm√§nnern in West-London. Eine offizielle Best√§tigung dieser Berichte gab es, wie √ľblich, nicht.

Am 19. September 2005 kam es im irakischen Basra zu einem Zwischenfall, der internationale Aufmerksamkeit erregte. Zwei SAS-Angeh√∂rige, deren Einheit gegen Waffenschmuggler aus dem Iran operierte,[5] waren, als Araber verkleidet, in einem Zivilfahrzeug unterwegs als sie in eine irakische Polizeikontrolle gerieten und offenbar nach einem Schusswechsel festgenommen wurden. Nachdem die M√§nner √ľberw√§ltigt worden waren, fand man in ihrem Fahrzeug diverse Waffen und Ausr√ľstungsgegenst√§nde. Noch bevor ihre Identit√§t oder ihre Absichten gekl√§rt werden konnten, wurden die beiden Gefangenen aus ihrem irakischen Gef√§ngnis von britischen Truppen gewaltsam befreit, mit der Begr√ľndung die √∂rtliche Polizei h√§tte die M√§nner an terroristische Milizen √ľbergeben und ihr Leben sei in Gefahr gewesen.[6] Nach Angaben aus dem britischen Verteidigungsministerium seien die M√§nner jedoch nach Verhandlungen freigelassen worden.[7][8]

Nach einem Einsatz im Irak 2006 verlie√ü ein SAS-Mitglied die Einheit und die Armee aus ‚Äěmoralischen Gr√ľnden‚Äú. Der 28-j√§hrige Ben Griffin schied laut ‚ÄěSunday Telegraph‚Äú auf eigenen Wunsch aus. Er habe im Irak in dutzenden F√§llen ‚Äěillegale‚Äú Verh√∂rmethoden beobachtet und erlebt, wie Iraker von US-Truppen als ‚ÄěUntermenschen‚Äú behandelt w√ľrden. Nach dem Bericht ist Griffin der erste Soldat √ľberhaupt, der den SAS aus moralischen Gr√ľnden verl√§sst.

Am 26. Februar 2011 unterst√ľtzten SAS-Soldaten w√§hrend des Aufstands in Libyen die Evakuierung von 150 britischen Staatsb√ľrgern mit zwei Transportflugzeugen vom Typ C-130 Hercules s√ľdlich von Bengasi.[9] Am 6. M√§rz 2011 wurde berichtet, dass bis zu acht SAS Soldaten in Libyen von Aufst√§ndischen festgehalten worden w√§ren, als sie einen britischen Diplomat begleitet h√§tten.[10] Mitglieder der SAS beteiligen sich nach Angaben der Times und des Daily Telegraph an der Suche nach Muammar al-Gaddafi innerhalb Libyens.[11].

Einsätze (Auswahl)

Sonstiges

Gem√§√ü dem British SAS Qualification Statement d√ľrfen SAS-Angeh√∂rige keine Auszeichnung f√ľr ihre Dienstverrichtungen annehmen.

‚ÄúI agree to carry out arduous duties with no recognition, no rewards, no promotions, and no medals‚ÄĚ

‚ÄěIch werde beschwerliche Obliegenheiten ohne jede Anerkennungen, Belohnungen, Bef√∂rderungen und Orden ausf√ľhren.[13]‚Äú

‚Äď British SAS Qualification Statement

Siehe auch

Literatur

  • Ken Connor: Ghost Force. The Secret History of the SAS. London 1998, ISBN 0-297-84080-0.
  • Barry Davies: The Complete Encyclopedia of the SAS. ISBN 978-0-7535-0534-2.
  • General Sir Peter De La Billiere: Looking For Trouble - SAS To Gulf Command - The Autobiography. HarperCollins, London 1994, ISBN 0-00-637983-4.
  • Tony Geraghty: This is the SAS. Arco Publishing, New York 1983.
  • James D. Ladd: SAS Operations. 1999, ISBN 0-7090-6043-2.
  • Peter Macdonald: SAS im Einsatz ‚Äď Die Geschichte der britischen Spezialeinheit. 1994, ISBN 3-613-01602-8.
  • Andy McNab: Die M√§nner von Bravo Two Zero. 1996, ISBN 3-423-20515-6.
  • Andy McNab: Seven Troop. Corgi, 2009, ISBN 978-0-552-15866-4.
  • Andy McNab: Immediate Action. Dell, 1996, ISBN 0-440-22245-1.
  • Kaj-Gunnar Sievert: Kommandounternehmen. Spezialeinheiten im weltweiten Einsatz. Mittler, ISBN 3-8132-0822-2.
  • Kaj-Gunnar Sievert: Kommandounternehmen: Verdeckter Zugriff - Special Forces im Einsatz. 1. Auflage. E.S. Mittler & Sohn, Hamburg/Berlin/Bonn 2010, ISBN 978-3-8132-0916-7.
  • S√∂ren S√ľnkler: Elite- und Spezialeinheiten Europas. Motorbuch Verlag, 2008, ISBN 978-3-613-02853-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ P228 bei remtek.com (eingesehen am 29. Juli 2008)
  2. ‚ÜĎ Richard Norton-Taylor: Hoon blocks move to openness on SAS. In: Guardian Online. 27. M√§rz 2009. Zugriff: 13. Mai 2009.
  3. ‚ÜĎ John Pilger: How Thatcher gave Pol Pot a hand. In: New Statesman 17. April 2000 (englisch)
  4. ‚ÜĎ Craig Guthrie: Trial and error in Cambodia. In: Asia Times Online. 19. Februar 2009 (englisch)
  5. ‚ÜĎ SAS in secret war against Iranian agents. In:The Sunday Times. 25. September 2005.
  6. ‚ÜĎ Iraq probe into soldier incident. auf: BBC news. 20. September 2005.
  7. ‚ÜĎ Petrol bombs fly as 'tanks' free SAS men. In: Sydney Morning Herald. 20. September 2005.
  8. ‚ÜĎ Troops free SAS men from jail. auf: telegraph.co.uk 20. September 2005.
  9. ‚ÜĎ British SAS and Boat Service - Daring Rescue in the Desert. 26. Februar 2011.
  10. ‚ÜĎ Libyen: Rebellen schnappen britische Elitesoldaten. auf: Spiegel online. 6. M√§rz 2011.
  11. ‚ÜĎ Spiegel.de, abgerufen am 25. August 2001
  12. ‚ÜĎ Bei Special Air Service (SAS) - Operation Barras - Sierra Leone. auf: eliteukforces.info. Zugriff am 14. August 2008
  13. ‚ÜĎ www.sasspecialairservice.com The British Special Air Service .
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