Spermophilus

Ziesel
Goldmantel-Ziesel (Spermophilus lateralis)

Goldmantel-Ziesel (Spermophilus lateralis)

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erdhörnchen (Xerinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Gattung: Ziesel
Wissenschaftlicher Name
Spermophilus
Cuvier 1825

Die Ziesel (Spermophilus) sind eine Gattung der Erdhörnchen, die in Eurasien und Nordamerika in zahlreichen Arten verbreitet ist.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Die meisten Ziesel sind oberseits braun oder grau und unterseits weiß gefärbt. Viele Arten tragen dazu Streifen oder Flecken. Die Ziesel der Untergattung Callospermophilus (Goldmantelziesel) haben im Sommerkleid ein leuchtend goldgelbes Fell in der Kopf- und Schulterregion. Der Schwanz ist relativ kurz, ebenso die Beine. Der Kopf hat eine typische Hörnchenform und trägt dehnbare Backentaschen zum Verstauen von Nahrung. Die Kopfrumpflänge schwankt je nach Art zwischen 13 und 40 cm, die Schwanzlänge zwischen 4 und 25 cm, das Gewicht zwischen 85 g und 1 kg.

Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet der Ziesel reicht in Eurasien von Osteuropa über Zentralasien und Sibirien bis in die Mongolei. In Nordamerika sind sie von den arktischen Regionen Kanadas über die Prärien, Wüsten und Gebirge der westlichen USA bis nach Zentral-Mexiko verbreitet. Der Lebensraum sind alle Arten offener Habitate, also Steppen, Halbwüsten, Tundren, Felsenland und karge Bergketten. Waldränder und buschbestandenes Land werden ebenfalls akzeptiert, in dichten Wäldern fehlen Ziesel aber.

In Europa kommen nur zwei Zieselarten vor: der Europäische Ziesel und der Perlziesel. Ersterer war einst auch in Deutschland verbreitet; eine Wiederansiedlung im sächsischen Osterzgebirge, nahe der tschechischen Grenze, erfolgte 2006 in einem überdachten Gehege. Diese Aktion wurde vom BUND Landesverband Sachsen durchgeführt.

Lebensweise

Kalifornischer Ziesel

Ziesel leben in zweierlei Typen von Erdbauen: in dauerhaften Bauen, in denen sie die Nacht oder ihren Winterschlaf verbringen und die Jungen gebären und großziehen, und in vorübergehend bezogenen Schutzbauen, die ihnen als kurzfristige Zufluchtsorte dienen. In jedem Bau gibt es einen Hauptgang und mehrere Seitengänge sowie Nist- und Nebenkammern. Die Erdbaue werden tagsüber verlassen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Die Ziesel ernähren sich hauptsächlich von Samen, aber auch von Wurzeln, Knollen, Zwiebeln und grünen Pflanzenteilen. Auch wirbellose Tiere wie Insekten werden nicht verschmäht. Im Spätsommer legen sie in ihren Bauen einen Nahrungsvorrat an. Nachdem der Baueingang mit Erdmaterial verschlossen wurde, halten sie etwa ab September bis zum März des nächsten Jahres einen mehrmonatigen Winterschlaf, aus dem sie jedoch von Zeit zu Zeit aufwachen. Nach Ansicht einiger Forscher aktivieren Ziesel und andere Nagetiere so immer wieder ihr Immunsystem. Auf diese Weise sind sie in der Lage Krankheitserreger wie Kolibakterien oder Salmonellen in Schach zu halten, die sich andernfalls im Körper der winterschlafenden Tiere unkontrolliert vermehren und zu einer lebensbedrohenden Gefahr werden könnten.

Männliche Ziesel sind territorial und vertreiben Geschlechtsgenossen aus der Nähe ihres Baus. Die Weibchen leben in den Territorien der Männchen und verteidigen selbst kein Revier. Auf diese Weise sammeln die Männchen mancher Arten einen Harem um sich; es bestehen jedoch geringe soziale Bindungen, so dass man von keiner echten Kolonie sprechen kann. Die Baue der Weibchen werden auf deren Töchter übertragen; dagegen werden Männchen bei Erreichen der Geschlechtsreife vertrieben. Können sie kein eigenes Revier errichten, müssen sie in der Randzone anderer Zieselreviere überdauern, wo die Verhältnisse ungünstig sind und sie leicht Raubtieren zum Opfer fallen.

Die Paarung findet nur einmal im Jahr statt, und zwar zwischen März und Mai etwa ein bis zwei Wochen nach dem Verlassen des Winterquartiers. Jedes Zieselweibchen bringt 2 bis 15 Junge zur Welt, mit einer je nach Art zwischen vier und neun schwankenden durchschnittlichen Wurfgröße. Bei der Geburt wiegen Ziesel etwa 10 g. Im Alter von elf Monaten erreichen sie die Geschlechtsreife. Männliche Ziesel erreichen mit sechs Jahren ein geringeres Lebensalter als Weibchen mit elf Jahren, was auf die Verausgabung bei der Revierverteidigung zurückzuführen ist.

Systematik

In der Gattung Spermophilus werden 38 Arten zusammengefasst, lediglich die Antilopenziesel (Ammospermophilus) werden wegen zahlreicher Besonderheiten als eigene Gattung geführt.

Oft ist auch der Gattungsname Citellus anzutreffen, der 1816 von Lorenz Oken in „Okens Lehrbuch der Naturgeschichte“ geprägt wurde. Alle von Oken erdachten Namen wurden bereits 1956 von der ICZN für ungültig erklärt, weil sie nicht der Linnäischen Nomenklatur folgten. Damit ist Spermophilus der allein gültige Gattungsname.

Die Gattung der Ziesel trat im mittleren Miozän in Nordamerika und kurz darauf in Asien auf. In Europa gab es erstmals im Pleistozän Ziesel, damals in sehr viel weiterer Verbreitung als heute. Zwölf Zieselarten sind fossil bekannt.

Die große Zahl der Arten hat mehrere Autoren dazu verleitet, eine Unterteilung der Gattung in Untergattungen zu versuchen. Der hier dargestellte Ansatz folgt Wilson und Reeder (Mammal Species of the World, 1993):

  • Untergattung Colobotis
  • Untergattung Urocitellus
  • Untergattung Spermophilus
  • Untergattung Ictidomys
    • Dreizehnstreifenziesel (Spermophilus tridecemlineatus), Prärie in USA und Kanada
    • Mexikanischer Ziesel (Spermophilus mexicanus), zentrales und nordöstl. Mexiko, Texas
    • Fleckenziesel (Spermophilus spilosoma), nördl. Mexiko, Texas, New Mexico, Arizona, Colorado, Kansas
    • Perote-Ziesel (Spermophilus perotensis), Veracruz, Puebla
  • Untergattung Poliocitellus
    • Franklin-Ziesel (Spermophilus franklinii), nördliche Prärie
  • Untergattung Otospermophilus
    • Felsenziesel (Spermophilus variegatus), südwestliche USA, Nord- und Zentral-Mexiko
    • Kalifornischer Ziesel (Spermophilus beecheyi), Oregon, Kalifornien, Niederkalifornien
    • Baja-California-Ziesel (Spermophilus atricapillus), Niederkalifornien
    • Ringelschwanzziesel (Spermophilus annulatus), Zentral-Mexiko
    • Tropischer Ziesel (Spermophilus adocetus), Zentral-Mexiko
  • Untergattung Xerospermophilus
    • Mojave-Ziesel (Spermophilus mohavensis), Kalifornien
    • Rundschwanzziesel (Spermophilus tereticaudus), Kalifornien, Arizona, Niederkalifornien, Sonora
  • Untergattung Callospermophilus
    • Goldmantel-Ziesel (Spermophilus lateralis), British Columbia, Gebirge der westlichen USA
    • Kaskaden-Goldmantelziesel (Spermophilus saturatus), British Columbia, Washington
    • Sierra-Madre-Ziesel (Spermophilus madrensis), Chihuahua

Die Abgrenzung der Arten ist zum Teil umstritten. So wurde der Wyoming-Ziesel als Unterart des Richardson-Ziesels angesehen, und die zwei Unterarten des Idaho-Ziesels in den Rang eigener Arten erhoben, um nur zwei Beispiele zu nennen. Die noch in den 1960ern und 1970ern verbreitete Erhebung der Untergattungen in den Rang von Gattungen ist heute nicht mehr üblich.

Nach neuen Erkenntnissen sind die Präriehunde eine Schwestergruppe der Untergattung Spermophilus, mit denen sie näher verwandt sind als Spermophilus mit anderen Untergattungen der Ziesel. Sollte sich dies bewahrheiten, wären die Ziesel ein paraphyletisches Taxon.

Menschen und Ziesel

Vor allem in Nordamerika sind manche Zieselarten begünstigt durch die Abholzung der Wälder sehr häufig geworden. Der Richardson-Ziesel gilt in Kanada als landwirtschaftlicher Schädling, da er bei Massenauftreten Getreidefelder abfrisst. Da Ziesel Träger von Tollwut oder Tularämie sein können, werden sie in manchen Regionen gezielt vergiftet. Über die teilweise Verwertung der Felle → Zieselfell.

Es gibt jedoch auch Ziesel-Arten, die in ihrem Bestand bedroht sind, darunter die beiden europäischen Arten. Die IUCN führt die folgenden Arten in einer Gefährdungskategorie.

  • gefährdet
    • Europäischer Ziesel
    • Perlziesel
    • Franklin-Ziesel
    • Mojave-Ziesel
    • Washington-Ziesel
  • bedroht
    • Idaho-Ziesel

Sonstiges

Das Wort Ziesel kann in der deutschen Sprache sowohl im Maskulinum als auch im Neutrum verwendet werden. Das Neutrum ist vor allem im süddeutschen und österreichischen Sprachraum verbreitet.

In den Proceedings der Nationalen Akademie der Wissenschaften berichteten US-Forscher über eine bis dato unbekannte körpereigene Abwehrmaßnahme Kalifornischer Ziesel (Spermophilus beecheyi) gegenüber ihren Fressfeinden, den mit Wärmesensorik Beute suchenden Klapperschlangen (Crotalus oreganus). Sie heizen ihren buschigen Schwanz auf und wedeln kräftig. Die Schlange missdeutet das Infrarotsignal als bedrohliche Aggression und zieht sich häufig zurück.[1]

Literatur

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Johns Hopkins University Press, 1999 ISBN 0-8018-5789-9
  • Don E. Wilson, Deeann M. Reeder: Mammal Species of the World: A Taxonomic and Geographic Reference. Smithsonian Books, 1993 ISBN 1-56098-217-9

Weblinks

Quellen

  1. Heißer Schwanz vertreibt Schlangen (dpa/SZ 13.08.2007

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