Spritze (Gerät)

Historische Feldspritze im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck

Eine Spritze (landläufig Pflanzenschutzspritze) wird in der Landwirtschaft zum Pflanzenschutz und zur Düngung eingesetzt. Sie zerstäubt Flüssigkeiten und verteilt sie auf Pflanzen oder Boden. Eingesetzt wird sie im Ackerbau, Gartenbau, Obst- und Weinbau sowie Waldbau.[1] Für unterschiedliche Anwendungen wird mit verschiedenen Spritzdüsen, Drücken und Geschwindigkeiten gearbeitet.

Spritzen werden entweder von Hand geführt und betrieben, von Traktoren, als eigenständige Fahrzeuge (Selbstfahrspritzen) oder durch Agrarflugzeuge.

Bei Handspritzen wird durch eine Luft-Pumpe Überdruck im Vorratsbehälter erzeugt, sodass die Flüssigkeit über einen angeschlossenen Schlauch der Spritzdüse zustrebt; bei Feldspritzen wird der Druck durch eine, dem Vorratsbehälter nachgelagerten Flüssigkeits-Pumpe aufgebaut und dann mittels Spritzdüsen verteilt.

Inhaltsverzeichnis

Gartenspritze

Gartenspritze

Gartenspritzen haben meist ein Fassungsvermögen von wenigen Litern und können daher in der Hand oder auf dem Rücken getragen werden. Zur Erzeugung des nötigen Überdrucks dient eine Handpumpe. Sie werden häufig im Garten im Pflanzenschutz verwendet.

Feldspritze

ältere Anbauspritze am Dreipunkt eines Traktors
Aufbauspritze auf einem Mercedes Unimog

Eine Feldspritze ist ein landwirtschaftliches Gerät, das Pflanzenschutzmittel oder Flüssigdünger auf landwirtschaftliche Nutzflächen gleichmäßig verteilen kann.

Man unterscheidet

Feldspritzen werden über die Zapfwelle oder mit Hydraulikmotoren angetrieben.

Die maximale Arbeitsbreite von Feldspritzen betrug 2010 bis zu 54 m.[2]

Technischer Aufbau und Zusatzfunktionen

  • Eine Feldspritze besteht aus den Grundkomponenten Tank, Spritzgestänge und Pumpe.
  • Zur Steuerung von Spritzdruck in Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit ist meist ein Bordrechner verbaut.
  • Das Spritzgestänge ist in Teilbreiten unterteilt, sodass nicht immer mit voller Arbeitsbreite gearbeitet werden muss.
  • Zum Einfüllen der Pflanzenschutzmittel ist an der Seite in bequemer Höhe eine Einspülschleuse montiert. Dies ist ein Behälter mit rund 40 Liter Fassungsvermögen, von dem aus die Pflanzenschutzmittel angesaugt werden. Für als Pulver vorliegende Mittel ist außerdem eine Wasserleitung installiert. Zur Reinigung von Kanistern gibt es dort eine nach oben gerichtete Reinigungsdüse.
  • Rührwerksdüsen im Tank sorgen für eine kontinuierliche Durchmischung, um Ablagerungen zu vermeiden.
  • Im Tank sind meistens Schwallwände verbaut, um ein Aufschaukeln der Spritze bei Teilbefüllungen zu vermeiden, und erhöhen somit die Verkehrssicherheit.
  • Reinigungsdüsen im Tank dienen der besseren Säuberung nach Beendigung des Einsatzes. Herbizidreste in der Spritze wirken sich meist gravierend auf das Wachstum anderer, nachfolgend behandelter Kulturpflanzen aus.
  • Ein Klarwassertank zur Bevorratung von Spülwasser ist mittlerweile ebenso vorgeschrieben, wie eine Reinigungslanze, mit der das Gestänge von außen gesäubert wird.
  • Eine Feldspritze besitzt mehrere Filtereinheiten, um Verstopfungen der Düsen zu vermindern: Zunächst Filter auf der Saugseite, die das eingefüllte Wasser filtern. Anschließend passiert die mit Pflanzenschutzmittel versehene Spritzbrühe Filter auf der Druckseite.
  • Das Gestänge hat in der Regel Spritzdüsen aus Kunststoff-Keramik-Kombinationen im Abstand von 50 cm quer zur Fahrtrichtung. Der austretende Spritzstrahl hat einen Winkel von 120 Grad.
  • Neueste Geräte bieten die Möglichkeit, die Gestängeleitung zu spülen, ohne dass die Düsen Flüssigkeit versprühen. Außerdem ist es bei dieser Technik möglich, dass direkt zu Arbeitsbeginn an jeder Düse die volle Pflanzenschutz-Konzentration anliegt.
  • Eine Hangsteuerung steuert das Gestänge über Ultraschallsensoren oder über manuelle Bedienung in einem gleichmäßigen Abstand zur behandelten Fläche.
  • Optional sind Dreifachdüsenhalter montiert, mit denen durch leichtes Verdrehen schnell eine andere Düse gewählt werden kann.

Teilflächenspezifische Behandlungen

  • durch die GPS-Technik ist es mittlerweile möglich, jede Spritzdüse automatisiert einzeln zu schalten. Dies ist vor allem bei keilförmigen Behandlungsflächen und breiten Gestängen von Vorteil.
  • ebenfalls mit GPS-Technik ist es schon seit längerem möglich, am Heimcomputer Karten zu erstellen, welche für die jeweiligen Teilflächen unterschiedliche Aufwandmengen vorsehen. Der Bordcomputer erhält diese Daten per USB oder Bluetooth-Verbindung. Anschließend kann er in Abhängigkeit vom mitgeteilten Standort die Ausbringmenge wie vorgeschrieben ansteuern.
  • Ingenieure arbeiten an 2-Tank-Pre-mix Systemen. Die Spritzen haben 2 Tanks: einen großen mit Wasserfüllung sowie einen kleinen mit starker Konzentration der Pflanzenschutzmittel in Wasser. Die Konzentration der Pflanzenschutzmittel in der endgültigen Spritzbrühe wird während der Ausbringung PC-gestützt ständig an den unterschiedlichen Befallsdruck auf der Fläche angepasst.

Spezielle Applikationstechniken

Zu Oberflächengewässern müssen Mindestabstände eingehalten werden, hier der gesetzliche Mindestabstand von 1 m

Hier sind die Luftinjektordüsen, aktive Luftbeimischung, Luftschlauchsysteme, Sleepdoeksystem sowie Mehrlochdüsen zu unterscheiden.

  • Luftinjektordüsen haben seitlich Lufteintrittsöffnungen und erzeugen so ein gröberes Tropfenspektrum. Für kontaktwirksame Pflanzenschutzmittel sind sie weniger geeignet, jedoch haben sie den Vorteil geringerer Verluste durch Wind, auch Abdrift genannt.
  • Bei der aktiven Luftbeimischung wird im Kompressor verdichtete Luft der Spritzbrühe direkt an der Düse beigemischt.
  • Die schon älteren Luftschlauchsysteme erzeugen über einen enormen Luftstrom rund um den Spritzkegel eine Abschirmung vom Wind und gleichzeitig eine Öffnung des Pflanzenbestandes. So können auch tiefere Blattetagen sowie Blattrückseiten behandelt werden. Von Nachteil ist neben dem Energieaufwand die Geräuschkulisse sowie das Mehrgewicht. Außerdem kann es zu Nachteilen bei der Wirksamkeit durch Staubaufwirbelung kommen.
  • Das Schlepptuchsystem bewirkt durch ein Niederdrücken und Öffnen des Bestandes eine gezielte Behandlung von Pflanzenteilen.[3] Direkt hinter dem Tuch sind Düsen in nur 30 cm Abstand montiert, die den Bestand schräg ansprühen. In neuesten Entwicklungen wurde das Tuch durch flexible Metallplatten ersetzt.
  • Mehrlochdüsen, in Fachkreisen oft Pinkeldüsen genannt, haben mehrere Öffnungen, aus denen gebündelte Strahlen austreten. Sie eignen sich vor allem für Flüssigdüngerausbringung, bei denen eine feine Verteilung zu Ätzschäden führen würde.

Neueste Entwicklungen beschäftigen sich mit Kombinationen aus mehreren Düsen, die sich gleichzeitig im Betrieb befinden um auf schwankende Ausbringwünsche zu reagieren und dabei ein praxistaugliches Spritzbild zu erhalten. Außerdem sind Düsen in Erprobung, die sich für Fahrgeschwindigkeiten ab 15 km/h eignen sollen.

Obstbaumspritze

Gebläsespritze (mit Axialgebläse) - unsachgemäß eingestellt. Ein Großteil des Sprühnebels geht an der Zielfläche vorbei.

Obstbaumspritzen findet man in Anbaugebieten, in denen Weinreben und Obst angebaut werden. Sie werden von einem Traktor gezogen und sind entweder als Anbau- oder Anhängespritze ausgeführt. Bei Obstbaumspritzen wird der Sprühnebel mittels eines Gebläses verteilt, damit die zu schützenden Pflanzenteile ausreichend benetzt werden. Es gibt sowohl Düsen die kleinere, als auch welche die größere Tropfen erzeugen. Große Tropfen haben den Vorteil, das die Windabdrift geringer ist.

Anhängespritze des mittelständischen Herstellers CHD-Eefting
Selbstfahrspritze mit Luftunterstützung (nicht eingeschaltet)
Selbstfahrspritze mit Luftunterstützung (eingeschaltet)

Bilder

Hersteller

  • Ag-Chem Europe-AGCO
  • Agrifac
  • Agrio tschechischer Hersteller
  • Allayes
  • Amazonen-Werke
  • Bargam
  • BERTHOUD agricole
  • CHD-Eefting niederländischer Hersteller
  • Herbert Dammann GmbH
  • Dubex
  • Gebrüder Holder GmbH
  • Hardi-Pflanzenschutz
  • Inuma
  • Jacto Máquinas Agrícolas LTDA
  • Jacoby-Pflanzenschutztechnik (mittlerweile von Lemken übernommen)
  • John Deere
  • Kuhn Landmaschinen
  • Leeb Mechanik GmbH
  • Lemken GmbH
  • Nodet
  • Rau Landtechnik Kverneland-Konzern
  • RTS (Landmaschinenhersteller) mittlerweile von Lemken übernommen
  • Schmotzer
  • Tecnoma

Weblinks

 Commons: Feldspritzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Sachkundeunterlage zur Pflanzenschutzausbildung in Bayern
  2. Seite der breitesten CHD-Spritze, besucht am 24. Februar 2010
  3. Pflanzenschutzspritze mit Schlepptuch

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  • Spritze — Injektion; Injektionsspritze; Pumpe (umgangssprachlich) * * * Sprit|ze [ ʃprɪts̮ə], die; , n: 1. meist mit einer motorgetriebenen Pumpe arbeitendes Gerät (der Feuerwehr) zum Löschen von Bränden mithilfe von Wasser o. Ä.: die Feuerwehr löschte mit …   Universal-Lexikon

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