SpÀtantike

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SpÀtantike
Eines der bekanntesten Bauwerke der SpĂ€tantike: die Hagia Sophia im heutigen Istanbul (errichtet ab 532 unter Justinian I.). Die Minarette wurden erst nach der Eroberung Konstantinopels durch die TĂŒrken 1453 hinzugefĂŒgt.

SpĂ€tantike ist eine moderne Bezeichnung fĂŒr das Zeitalter des Mittelmeerraums im Übergang von der Antike zum Mittelalter. Der Begriff hat sich seit Max Weber in der Forschung durchgesetzt, der Kulturhistoriker Jacob Burckhardt hatte aber bereits 1853 die Wendung „spĂ€tantike Zeit“ gebraucht, die am Ende des 19. Jahrhunderts vom österreichischen Kunsthistoriker Alois Riegl ĂŒbernommen wurde.[1]

Auch wenn die genaue zeitliche Abgrenzung der SpĂ€tantike in der Forschung umstritten ist, gilt als Beginn dieser Übergangsepoche meist der Regierungsantritt des römischen Kaisers Diokletian 284 n. Chr. Das Ende ist Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Als grober Rahmen kann gelten, dass die SpĂ€tantike im Westen des römischen Reiches mindestens bis zur Absetzung des letzten Kaisers in Italien im Jahre 476 dauert, eher aber bis zum Einfall der Langobarden in Italien 568. Im Osten des Reiches reicht die Epoche entweder bis zum Tod des oströmischen Kaisers Justinian I. 565 n. Chr. oder bis zur arabischen Expansion im 7. Jahrhundert. Die Bezeichnung der Epoche als SpĂ€tantike hat dabei den Vorteil, auf den gesamten Mittelmeerraum anwendbar zu sein, wĂ€hrend der ebenfalls gebrĂ€uchliche Terminus frĂŒhbyzantinisch nur den Osten treffend charakterisiert. Im Verlauf der SpĂ€tantike durchlief das Oströmische Reich einen Transformationsprozess und musste zuletzt große territoriale Verluste hinnehmen, wĂ€hrend die zweite spĂ€tantike Großmacht, das neupersische Sassanidenreich, schließlich sogar ganz unterging.[2]

Die SpĂ€tantike bildet den letzten Abschnitt des Altertums, der zwar nicht mehr der „klassischen“ Antike angehört, aber auch noch nicht dem Mittelalter zugerechnet werden kann. Sie ist durch ein Nebeneinander von antiken Traditionen und christlich-germanischer Überformung gekennzeichnet. Statt wie frĂŒher von einem Niedergang spricht man dabei heute fĂŒr die Jahre von etwa 300 bis 600 meist neutraler von einer Transformation des antiken Erbes. Ein herausragendes Ereignis dieser Epoche stellt der Siegeszug des Christentums dar und damit verbunden das langsame Verschwinden vorchristlicher Kulte und Traditionen. Auch in der Kunst und der Literatur entsteht durch die Ablösung bzw. Überformung klassischer griechisch-römischer durch christlich geprĂ€gte Formen und Themen ein eigener, charakteristischer Stil, der auch orientalische EinflĂŒsse aufweist.

Die SpĂ€tantike steht außerdem unter den Zeichen der Reformierung von Heer und Verwaltung durch Diokletian und Konstantin, der Zementierung der sakralen Stellung des Kaisers, der Völkerwanderung und in deren Folge schließlich der Transformation des westlichen Teils des römischen Reiches in jene germanisch-romanische Welt, die das westliche Mittelalter prĂ€gen sollte.

Inhaltsverzeichnis

Zeitliche Abgrenzung

Allgemeines

Die zeitliche Abgrenzung der SpĂ€tantike ist – wie Epocheneinschnitte allgemein – Gegenstand der geschichtswissenschaftlichen Diskussion und bis zu einem gewissen Grad willkĂŒrlich. Es gibt sogar vereinzelt Stimmen in der Forschung, die das Konzept der "SpĂ€tantike" als Epoche ganz ablehnen und stattdessen die Antike im 6. Jahrhundert direkt ins Mittelalter ĂŒbergehen lassen. Die Jahrhunderte zwischen Diokletian und Mohammed stellen in der Tat eine Übergangsepoche dar, bei der es schwerfĂ€llt, eindeutige Schnitte zu setzen. Nicht alle Forschungsrichtungen gewichten die verschiedenen politik-, kunst-, kultur- und religionshistorischen Faktoren des allmĂ€hlichen Wandels gleich. Zudem gibt es erhebliche regionale Unterschiede, im östlichen Mittelmeerraum hielten sich antike Strukturen fraglos lĂ€nger als etwa am Rhein oder in Britannien. FĂŒr den Beginn wird meist das Jahr 284 n. Chr. (Herrschaftsantritt Diokletians) angegeben, aber auch die Zeit Konstantins mit ihrer religiösen Neuorientierung kann als entscheidender Einschnitt gelten. Hingegen ist das Ende der SpĂ€tantike weitgehend offen, da je nach Lehrmeinung und Forschungsinteresse verschiedene AnsĂ€tze möglich sind; die meisten diskutierten Daten liegen zwischen 476 und 641 n. Chr., es wurden aber auch noch spĂ€tere Zeitpunkte vorgeschlagen.

Die Frage nach dem „Ende der Antike“

In der Ă€lteren Forschung wurde das Ende der Antike oft mit der Absetzung des Romulus Augustulus und dem faktischen Ende des Römischen Reiches im Westen 476 n. Chr. gleichgesetzt (beispielsweise Otto Seeck, anders dagegen bereits Ernst Kornemann und spĂ€ter etwa Adolf Lippold). Diese Vorstellung lĂ€sst sich in den Quellen, etwa bei Marcellinus Comes, aber erst gut 40 Jahre spĂ€ter fassen. Es erscheint heute als mehr als fraglich, ob die damaligen Menschen dieses Jahr ebenfalls als ZĂ€sur begriffen haben: Es gab zwar in Ravenna keinen Kaiser mehr, aber dies bedeutete nur, dass die Herrschaftsrechte im Westen nun auf den oströmischen Kaiser ĂŒbergingen. Noch Justinian I. hat diese AnsprĂŒche auch tatsĂ€chlich verwirklichen wollen. In der neueren Forschung wird dem Jahr 476 daher nicht mehr so viel Gewicht beigemessen wie frĂŒher (siehe etwa Alexander Demandt, Heinz Bellen, Jochen Martin oder Hartwin Brandt).

Justinian I., Mosaikbild aus San Vitale in Ravenna. Der Kaiser gilt als einer der bedeutendsten Herrscher der SpÀtantike.

Sehr vereinzelt wird heute schon die Reichsteilung nach dem Tod des römischen Kaisers Theodosius I. im Jahre 395, meist aber erst das Ende der Herrschaft Justinians im Jahre 565 als entscheidende ZĂ€sur gewĂ€hlt. Justinian stand noch klar in der Tradition der antiken römischen Kaiser, was unter anderem in seiner universalen Herrschaftsauffassung deutlich wird. Er betrieb zudem eine Politik, die wohl auf die Wiederherstellung des Reiches in seinen alten Grenzen abzielte (Restauratio imperii), was in Teilen sogar gelang. Der letzte große Zug der spĂ€tantiken Völkerwanderung, der Einfall der Langobarden in Italien, erfolgte 568, nur drei Jahre nach Justinians Tod, so dass die 560er Jahre fĂŒr den ganzen Mittelmeerraum einen deutlichen Einschnitt markieren. Damit ergeben sich also die Jahre von 284 bis 565 als die derzeit in der deutschsprachigen Forschung gĂ€ngigste Begrenzung der Epoche.

Nicht wenige Historiker setzen das Ende der Epoche aber deutlich spĂ€ter an, und zwar mit dem Einbruch der Araber in den Mittelmeerraum (siehe auch so genannte Pirenne-These). Diese EinschĂ€tzung der Bedeutung des arabischen Vormarsches ist fĂŒr den Osten zweifellos berechtigt, kaum aber fĂŒr das FrĂ€nkische Reich, denn Pirennes Annahme, islamische SeerĂ€uber hĂ€tten die antike „Einheit der Mittelmeerwelt“ als Kultur- und Wirtschaftsraum zerstört, ist spekulativ und gilt heute allgemein als widerlegt. Andererseits: Dass die Kontakte zwischen Ost und West noch zu Beginn des siebten Jahrhunderts recht eng waren, wird heute kaum mehr bestritten; und da Ostrom sich nach den persischen und arabischen Invasionen ab etwa 610 weitgehend aus dem Westen zurĂŒckziehen musste, waren diese zumindest indirekt auch fĂŒr den Westen bedeutsam. Das letzte antike Monument auf dem Forum Romanum ist die SĂ€ule des oströmischen Kaisers Phokas (602–610). FĂŒr das Oströmische Reich stellt die arabische Expansion einen massiven Einschnitt dar, da das Imperium nun im Wesentlichen auf Kleinasien und den Balkan beschrĂ€nkt war und sich unter dem Ă€ußeren Druck auch im Innern vieler römisch-antiker Traditionen entledigte. Die spĂ€trömische Phase des Ostreiches endete somit unter Kaiser Herakleios (610–641). Dementsprechend betrachten Forscher wie Stephen Mitchell 284 und 641 als die Epochengrenzen der SpĂ€tantike.

Überhaupt herrscht im anglo-amerikanischen Raum mit seiner besonders starken BerĂŒcksichtigung des östlichen Mittelmeerraumes die Tendenz vor, das Ende der Antike frĂŒhestens mit dem Ende der Herrschaft Justinians anzusetzen, so etwa Averil Cameron und John Bagnell Bury (etwas eigenwillig Arnold Hugh Martin Jones 602 mit dem Tod des Kaisers Maurikios). Die letzten beiden BĂ€nde der neuen Cambridge Ancient History behandeln die Jahre von 337 bis 600; die Prosopography of the Later Roman Empire die Zeit von (etwa) 260 bis 641.

Eine Ausweitung der Epoche bis 632/641 erscheint fĂŒr Ostrom in der Tat sinnvoll und setzt sich zunehmend durch, da wie gesagt erst der Einfall der Araber (siehe dazu Islamische Expansion) den entscheidenden Einschnitt markierte. Die arabischen Truppen eroberten dabei nicht nur den römischen Orient, sondern vernichteten auch das Neupersische Reich der Sassaniden. Das Sassanidenreich war die gesamte SpĂ€tantike hindurch als zweite Großmacht neben Rom ein bedeutender Machtfaktor gewesen und wird von manchen Althistorikern (so etwa Josef Wiesehöfer, Erich Kettenhofen, Zeev Rubin oder Michael Whitby) in die Erforschung der Epoche mit einbezogen (vgl. auch Römisch-Persische Kriege).

Betrachtet man nur den römischen Westen, so stellt 476/80 zwar nach wie vor eine wichtige ZĂ€sur dar – unabhĂ€ngig davon, ob die Zeitgenossen das Ende des westlichen Kaisertums nun als Einschnitt empfanden oder nicht –, dennoch muss man die Zeit Theoderichs des Großen wohl eher zur Antike als zum Mittelalter zĂ€hlen, so dass es fast unmöglich ist, ein exaktes Datum festzulegen. Bis zum Langobardeneinfall 568 lĂ€sst sich antike Kultur in Italien nachweisen; der weströmische Senat verschwindet erst gegen Ende des sechsten Jahrhunderts aus den Quellen. In Ă€hnlicher Weise knĂŒpften auch die frĂŒhen Merowinger an das antike Erbe an. Chlodwig (482–511) legte großen Wert auf römische Ehrentitel. Man muss so von einer Übergangsphase sprechen, die je nach Region unterschiedlich lange andauerte.

In Gallien markierte der Übergang der Franken zum Christentum unter Chlodwig und seinen Nachfolgern, in Italien der Einfall der Langobarden insgesamt betrachtet die AnfĂ€nge des Mittelalters in diesen Regionen. Das Problem lĂ€sst sich auch umkehren: So greifen auch viele MediĂ€visten, die sich mit dem FrĂŒhmittelalter beschĂ€ftigen (etwa Friedrich Prinz, Hans-Werner Goetz, Walter A. Goffart, Patrick Geary, Chris Wickham, Herwig Wolfram, Ian N. Wood und andere) rĂŒckwĂ€rts auf die SpĂ€tantike zurĂŒck, um die VerĂ€nderungen im frĂŒhen Mittelalter zu erklĂ€ren. So gehört die SpĂ€tantike zwar vornehmlich in den ZustĂ€ndigkeitsbereich der Althistoriker, doch wĂ€hrend diese eher am Fortbestand und langsamen Auslaufen antiker Strukturen interessiert sind, achten MediĂ€visten und Byzantinisten naturgemĂ€ĂŸ eher auf jene Entwicklungen, die in dieser Zeit ihren Anfang nahmen. Blickrichtung und Fragestellungen unterscheiden sich dementsprechend.

Die Problematik liegt letztlich darin begrĂŒndet, dass die SpĂ€tantike eine Epoche des Um- und Aufbruchs und der beschleunigten Transformation war. Einerseits war noch eine starke KontinuitĂ€t zur Antike gegeben, andererseits zeichnete sich bereits die Welt des Mittelalters ab. Diese war mit der SpĂ€tantike vor allem durch die Verklammerung der Gesellschaft mit der christlichen Kirche verbunden. Kulturell kann als wichtiger Unterschied zur spĂ€teren Zeit der in der SpĂ€tantike noch vorhandene Zugriff auf die meisten klassischen Traditionen gelten. Noch im sechsten Jahrhundert blĂŒhte die spĂ€tantike, an klassischen Vorbildern orientierte Literatur (BoĂ«thius, Cassiodor, Corippus, Prokopios von Caesarea, Agathias). Die mittelalterliche Welt mit ihrer weitaus geringeren Arbeitsteilung verfĂŒgte dann nicht mehr ĂŒber die KapazitĂ€t, die klassische Bildung zu bewahren. Der grĂ¶ĂŸte Teil der (bis dahin erhaltenen) antiken Literatur wurde im Westen ab dem spĂ€teren 6. Jahrhundert nicht mehr gepflegt, wobei allerdings seit dem 8. Jahrhundert einige verloren geglaubte BĂŒcher wieder auftauchten. Die besagte geringere Arbeitsteilung – ein deutliches Symptom hierfĂŒr ist der BedeutungsrĂŒckgang der Geldwirtschaft ab dem 6./7. Jahrhundert, teilweise kam es sogar zu einer RĂŒckkehr zum Tauschhandel – fĂŒhrte zudem zu einem gesunkenen Lebensstandard und dem Verlust vieler SpezialfĂ€higkeiten, ĂŒber die die (spĂ€t-)antike Gesellschaft noch verfĂŒgt hatte.[3]

Die Existenz von Byzanz in einer „intakten SpĂ€tantike“

Das Oströmische bzw. Byzantinische Reich existierte in einer relativ intakten „SpĂ€tantike“ bis zum Fall Konstantinopels 1453, da es im Osten zu einem weniger radikalen Abreißen der antiken Tradition gekommen war als im Westen. Die Bewohner des Reiches sahen sich selbst weiterhin als „Römer“ (dagegen ist „Byzantiner“ ein moderner Begriff). Die Byzantinistik und viele ArchĂ€ologen dieses Kulturraumes bezeichnen daher in etwa den gleichen Zeitraum, der auf dem Boden des Weströmischen Reichs als SpĂ€tantike gilt, in Ostrom zugleich auch als frĂŒhbyzantinisch. FĂŒr den Osten des Imperiums sind beide Begriffe mithin praktisch gleichbedeutend.

Allerdings waren auch in Ostrom trotz grĂ¶ĂŸerer KontinuitĂ€t die Unterschiede zwischen den ZustĂ€nden im vierten bis sechsten Jahrhundert und der dann folgenden mittel- und spĂ€tbyzantinischen Zeit sehr erheblich. Das 7. Jahrhundert war eine entscheidende Umbruchszeit. Im Ostreich ist dabei neben der arabischen Expansion auch die endgĂŒltige VerdrĂ€ngung der lateinischen Amtssprache durch das Griechische unter Kaiser Herakleios als signifikanter Einschnitt zu betrachten.

Die islamische Expansion im 7. Jahrhundert markierte fĂŒr Ostrom das Ende der Antike.

Die Angriffe der Araber fĂŒhrten in Ostrom zudem zum Untergang der spĂ€tantiken Senatsaristokratie und zu einem erheblichen RĂŒckgang an antiker Bildung. Zudem brachte der weitgehende militĂ€rische und ökonomische Zusammenbruch des Reiches nach 636 auch das endgĂŒltige Ende der klassischen StĂ€dte (Poleis) mit sich, die seit der Archaik den Mittelmeerraum geprĂ€gt hatten. Die Entwicklung der byzantinischen Themenordnung schließlich bedeutete auch im administrativen Bereich einen deutlichen Bruch mit der spĂ€trömischen Tradition. All dies fĂŒhrt viele Forscher dazu, erst ab dieser Zeit des beschleunigten Wandels, als die SpĂ€tantike ihr Ende fand, vom „Byzantinischen“ Reich des Mittelalters zu sprechen.[4]

Quellensituation und Forschungsstand

Quellen

Die Quellenlage fĂŒr die SpĂ€tantike ist wohl die beste des gesamten Altertums, vor allem aufgrund der recht reichhaltigen „monumentalen“ Quellen. Allerdings verfĂŒgen wir ĂŒber keine durchgehende Historiografie; vor allem fĂŒr das 5. Jahrhundert lassen uns die literarischen Quellen recht oft im Stich, so dass die Ereignisgeschichte ganzer Regionen wie Britannien oder Hispanien in dieser Zeit weitgehend im Dunkeln liegt.

Im Folgenden werden nur einige bekanntere Beispiele genannt; es sei auch auf den Abschnitt Soziokultureller Grundriss sowie auf den Artikel zur spÀtantiken Geschichtsschreibung und zur byzantinischen Geschichtsschreibung hingewiesen.[5]

Die griechischsprachigen Profanhistoriker waren – wie bereits in der hohen Kaiserzeit – zumeist klassizistisch orientiert, d. h. sie vermieden Begriffe, die nicht bei ihren Vorbildern (vor allem Herodot und Thukydides) zu finden waren; so wurden beispielsweise Goten in Anlehnung an die klassische Ethnografie als „Skythen“ bezeichnet oder die Sassaniden oft als „Meder“. Dies fĂŒhrte auch dazu, dass selbst christliche Profanhistoriker möglichst auf christliche Termini verzichteten. Noch Prokopios (s. u.) gab daher vor, seinen Lesern auch lĂ€ngst alltĂ€gliche Termini wie „Presbyter“ oder „Mönch“ eigens erklĂ€ren zu mĂŒssen.

Die wichtigste lateinische erzĂ€hlende Quelle ist Ammianus Marcellinus (4. Jahrhundert), ebenso stellen die in griechischer Sprache abgefassten Werke des Prokopios von Caesarea (6. Jahrhundert) eine hervorragende Quelle fĂŒr die ausgehende Antike dar. Beide können sich durchaus mit den „klassischen“ Autoren messen. Profangeschichtliche Werke sind daneben unter anderem von Jordanes, Agathias und Theophylaktos Simokates erhalten; zu nennen ist auch die christliche Universalgeschichte des Gregor von Tours (der sich auch auf heute verlorene Werke stĂŒtzte, siehe Sulpicius Alexander und Renatus Profuturus Frigeridus). NĂŒtzlich, aber problematisch sind auch die ĂŒberlieferten BĂŒcher der Neuen Geschichte des Zosimos. Daneben sind die Fragmente anderer Historiker von Bedeutung, unter denen Priskos der wichtigste ist; daneben sind unter anderem Eunapios von Sardes, Olympiodoros von Theben, Malchus von Philadelphia, Candidus und Menander Protektor zu beachten.

Beliebt war in der SpĂ€tantike auch die so genannte Epitome, also die Kurzfassung eines Geschichtswerks (siehe etwa Aurelius Victor, Epitome de Caesaribus und Eutropius; vgl. auch Enmannsche Kaisergeschichte). Der Anonymus Valesianus ist, trotz der KĂŒrze des Textes, eine wichtige Quelle. Auch spĂ€tere mittelbyzantinische Geschichtsschreiber (z. B. Theophanes und Johannes Zonaras) bieten teilweise wichtige Informationen, zumal sie auf teils verlorene spĂ€tantike Werke zurĂŒckgegriffen haben.

Hinzu kommen in der SpĂ€tantike mehrere Kirchengeschichten, die von unterschiedlichem Wert sind und teils auch ausfĂŒhrlich ĂŒber die politische Geschichte Auskunft geben. Die wohl bedeutendste ist die des Eusebius von Caesarea, der der „Vater der Kirchengeschichte“ ist. Daneben sind noch die Kirchengeschichten des Theodoret, des Sokrates Scholastikos, des Sozomenos, des Euagrios Scholastikos, des Johannes von Ephesos sowie die (nur in Exzerpten erhaltene) des Philostorgios zu nennen. Ebenso sind die theologischen Schriften von Bedeutung, beispielsweise die Werke des Ambrosius und des Augustinus.

In der SpĂ€tantike entstanden auch mehrere christliche Chroniken, die in literarisch schlichter Form zum Teil wichtige Informationen liefern. BegrĂŒndet wurde dieses Genre von Eusebius von Caesarea und Hieronymus, die zahlreiche Nachahmer und Fortsetzer fanden; so beispielsweise Hydatius von Aquae Flaviae, Marcellinus Comes, Johannes Malalas, das Chronicon Paschale, die (nur fragmentarisch erhaltene) Chronik des Johannes von Antiochia, die Chronik des Victor von Tunnuna und von dessen Fortsetzer Johannes von Biclaro oder die Chronica Gallica. Daneben auch unter anderem syrische – wie die Chronik des Josua Stylites – und armenische Werke, wie das Geschichtswerk des (Pseudo-)Sebeos. Ebenso beinhalten manche Gedichte oder Epen wertvolle Informationen (siehe etwa Corippus fĂŒr die justinianische Zeit oder die Werke Georgs von Pisidien fĂŒr die Zeit des Herakleios). Des Weiteren sind Reden wie die des Libanios, des Synesios von Kyrene, des Symmachus, des Themistios und die Panegyrici Latini sowie eine FĂŒlle von Urkunden (der beste Bestand aus der Antike) zu nennen. FĂŒr die ausgehende SpĂ€tantike in Gallien stellen die Briefe und Lobreden des Sidonius Apollinaris eine wichtige Quelle dar. Hinzu kommt etwa der Chronograph von 354.

Die Notitia dignitatum (eine Art Staatshandbuch) bietet zahlreiche Informationen ĂŒber die spĂ€tantike (zivile wie militĂ€rische) Administration. Auch das Werk De Magistratibus des Johannes Lydos liefert wichtige Details zur spĂ€trömischen Verwaltung. Dazu kommen der Codex Theodosianus von 438 und das berĂŒhmte Corpus iuris civilis (der Name ist allerdings nicht zeitgenössisch) aus dem sechsten Jahrhundert. Obwohl die Zahl der gesetzten Inschriften im Verlauf des spĂ€teren 3. Jahrhunderts rapide eingebrochen war, stammt dennoch etwa ein FĂŒnftel (ca. 50.000) der heute bekannten lateinischen epigraphischen Zeugnisse aus der SpĂ€tantike. Nach 380 nehmen allerdings die Zahl und die QualitĂ€t der weltlichen Inschriften im lateinischen Westen noch einmal massiv ab, ohne dass der Grund hierfĂŒr klar wĂ€re; im griechischen Osten lĂ€sst sich Vergleichbares hingegen erst nach 560 beobachten.[6] Wichtig sind auch MĂŒnzfunde und Papyri sowie nicht zuletzt, gerade in den letzten Jahrzehnten, die Befunde der ArchĂ€ologie.[7]

Gerade in diesem Punkt ist problematisch, dass Historiker und ArchĂ€ologen aufgrund der von ihnen jeweils vornehmlich analysierten Quellen derzeit oft geradezu fundamental unterschiedliche Ansichten von der SpĂ€tantike haben. Denn wĂ€hrend viele Historiker in den letzten Jahren, gestĂŒtzt auf Textquellen, ein zunehmend gĂŒnstigeres, von KontinuitĂ€ten gekennzeichnetes Bild der Epoche zeichnen und weniger von scharfen BrĂŒchen und Dekadenz als vielmehr von Transformation sprechen (siehe unten), weisen viele ArchĂ€ologen, ausgehend von den materiellen Quellen, stattdessen auf VerfallsphĂ€nomene hin, die zwar Kleinasien, Syrien und Ägypten erst spĂ€t betroffen hĂ€tten, den Westen des Mittelmeerraumes dafĂŒr aber umso frĂŒher und umso heftiger. Aus archĂ€ologischer Perspektive ist es daher nach wie vor nicht unĂŒblich, die SpĂ€tantike als eine ökonomische und technische Niedergangszeit zu verstehen. Bislang ist es nicht gelungen, diesen Gegensatz zwischen materiellen und schriftlichen Quellen befriedigend aufzulösen, eine alternative Interpretation anzubieten und ein möglichst widerspruchsfreies Bild der Epoche zu entwerfen, das sowohl dem historischen als auch dem archĂ€ologischen Befund gerecht wird. Dies ist daher von Gelehrten wie Chris Wickham als eine zentrale Herausforderung an die aktuelle Forschung zur SpĂ€tantike bezeichnet worden.[8]

Forschungsstand

Als problematisch galt die Erforschung der SpĂ€tantike lange, wie bereits angesprochen, schon aufgrund der relativ fließenden Grenze zum Mittelalter hin. In der Ă€lteren Forschung wurde die Auffassung vertreten, dass die SpĂ€tantike ein Zeitalter des moralischen und kulturellen Verfalls gewesen sei (Dekadenztheorie nach Edward Gibbon: Decline and Fall of the Roman Empire; auch Voltaire: Essai sur les mƓurs et l’esprit des nations; Assoziation von spĂ€t mit Dahinwelken, Verfall). Diese Lehrmeinung war auch noch im 19. Jahrhundert vorherrschend. Noch Otto Seeck vertrat diesen Standpunkt in seinem berĂŒhmten Hauptwerk Geschichte des Untergangs der antiken Welt.

Diese sehr negative Bewertung der SpĂ€tantike, die nicht zuletzt einer Idealisierung der „klassischen“ Antike geschuldet war, ist jedoch nach Ansicht der meisten Forscher inzwischen obsolet geworden und wird in neueren Darstellungen seit Jahren nicht mehr angefĂŒhrt; sie ist in populĂ€rwissenschaftlichen Darstellungen und im Film aber immer noch verbreitet. Inwieweit der spĂ€tantike Staat ein „Zwangsstaat“ gewesen ist, bleibt zwar weiter umstritten, doch die „harte“ Meinung der Ă€lteren Forschung kann so sicher nicht mehr akzeptiert werden. Die Studien von John B. Bury (siehe unter anderem sein Standardwerk History of the Later Roman Empire, 2 BĂ€nde, 1923), Edward A. Thompson und anderen bereiteten den Boden fĂŒr eine Neubewertung dieser Epoche, die nun nicht mehr als reine Verfallszeit begriffen wurde. Eine wichtige Vorarbeit stellt auch A. H. M. Jones’ Later Roman Empire dar, das bis heute ein wichtiger Ausgangspunkt fĂŒr die BeschĂ€ftigung mit der Epoche ist.

So wird die Ansicht, die SpĂ€tantike sei von Dekadenz und vom Untergang des Römischen Reiches geprĂ€gt gewesen, in der neueren Forschung eher abgelehnt und kommt selbst in EntwĂŒrfen, die das Ende des Westreiches betonen (Heather, Ward-Perkins), nicht mehr als Faktor vor. Vielmehr wird oft die VitalitĂ€t der Epoche – vor allem, doch nicht nur im oströmischen Bereich – betont. Klagen in verschiedenen Quellen ĂŒber angeblichen Sittenverfall, besonders in der Oberschicht, können hingegen kaum verallgemeinert werden, zumal es derlei zu allen Zeiten gab. Allerdings verĂ€nderten sich gegenĂŒber der sogenannten „klassischen Antike“ in der SpĂ€tantike viele Interessen bzw. verlagerten sich AktivitĂ€ten in Bereiche, die eher fĂŒr das Mittelalter typisch waren, was mit ein Grund fĂŒr das abwertende Urteil der Ă€lteren Forschung war.[9]

Der entscheidende Paradigmenwechsel in der Forschung zur SpĂ€tantike vollzog sich dann in den 1970er Jahren. Damals hat besonders Peter Brown in sehr einflussreichen Arbeiten auf die „Metamorphose“ bzw. „Transformation“ der antiken Welt in dieser Zeit aufmerksam gemacht, wobei er sich vor allem den kulturellen und religiösen VerĂ€nderungen sowie dem östlichen Mittelmeerraum widmete; bald folgten diesem Ansatz auch Averil Cameron und andere (siehe auch Transformation of the Roman World). Seit den spĂ€ten 1980er Jahren dominiert diese Richtung weltweit die Forschungen zur SpĂ€tantike. Statt des Later Roman Empire stand nun allgemeiner die Late Antiquity im Vordergrund. Insgesamt hat das Interesse der althistorischen Forschung an der SpĂ€tantike in den letzten Jahrzehnten enorm zugenommen. Zwei internationale Spezialzeitschriften – L’AntiquitĂ© Tardive (seit 1993) und Journal of Late Antiquity (seit 2008) – widmen sich nur der Zeit zwischen 300 und 700. Vor allem im angelsĂ€chsischen Raum sind viele frĂŒher selbstverstĂ€ndliche Annahmen und Urteile in Frage gestellt worden. Zentren der aktuellen SpĂ€tantike-Forschung sind daneben Frankreich und Deutschland, wobei der internationale Austausch in diesem Bereich ungewöhnlich hoch ist. Das Bild der Epoche, das sich noch immer in den meisten SchulbĂŒchern findet („spĂ€trömische Dekadenz“), hat nur noch sehr wenig mit dem gemein, was derzeit an den Hochschulen vertreten wird.

Allerdings darf ĂŒber die berechtigte Betonung der KontinuitĂ€ten und des kulturellen Aspekts durch die „Brown-Schule“ nicht vergessen werden, dass die Transformationen der Völkerwanderungszeit in vielerlei Hinsicht eben auch mit Gewalt, Zerstörung und ökonomischem Niedergang verbunden war; dies betonten unlĂ€ngst erst Bryan Ward-Perkins und Peter J. Heather in neueren Darstellungen, die sich teils wie ein Gegenentwurf zu den Vertretern der Neuinterpretation um Peter Brown und Averil Cameron lesen: Man dĂŒrfe sich, so Ward-Perkins, nicht allein auf geistesgeschichtliche PhĂ€nomene konzentrieren, sondern mĂŒsse auch der ökonomischen Entwicklung und der materiellen Kultur Aufmerksamkeit schenken; der Wandel wĂ€hrend des 5. und 6. Jahrhunderts sei aus archĂ€ologischer Sicht alles in allem sehr wohl eine VerĂ€nderung zum Schlechteren und ein „Verschwinden des Komforts“ gewesen (siehe oben). Beide – Ward-Perkins und Heather – rĂ€umen aber ein, dass die Antike im römischen Osten, der erst nach 600 einen ökonomischen Verfall erlebte, deutlich lĂ€nger gedauert habe als im Westen, wo es im fĂŒnften Jahrhundert durch Ă€ußere Angreifer zu einem „Ende der Zivilisation“ (Ward-Perkins) gekommen sei.[10]

In der Forschung werden in neuerer Zeit oft die Entwicklungen im Großzeitraum von ca. 400 bis 800 betrachtet, ohne dass dieser Zeitraum als Periodisierung fĂŒr die SpĂ€tantike als solche gebraucht wird. Vielmehr soll damit der enge Zusammenhang vom Übergang am Ende der Antike zum formierenden FrĂŒhmittelalter deutlich werden, so schon Franz Georg Maier (Die Verwandlung der Mittelmeerwelt, 1968) sowie beispielsweise Peter Brown (der sogar die Zeit von 200 bis 800 betrachtet, wobei dieses Modell auch als „long Late Antiquity“ bezeichnet wurde) und nun Chris Wickham (Framing the early Middle Ages und The Inheritance of Rome).[11]

Die Forschungsliteratur hat inzwischen einen kaum noch zu bewĂ€ltigenden Umfang erreicht, aber in vielen Punkten konnte bislang dennoch keine Einigkeit erzielt werden. Zu den besonders heftig diskutierten Fragen zĂ€hlt unter anderem die nach den Prozessen, die im Westen zum Erlöschen des Kaisertums fĂŒhrten. Auch die Pirenne-These findet inzwischen wieder AnhĂ€nger, allerdings mit neuen Argumenten. Viele der alten ErklĂ€rungen sind inzwischen unhaltbar geworden, doch ist es oft noch nicht gelungen, sie durch ĂŒberzeugende Alternativen zu ersetzen. Je nĂ€her man sich mit der SpĂ€tantike befasst, desto offensichtlicher wird die Unmöglichkeit von einfachen Antworten und allgemeingĂŒltigen Aussagen.[12]

Geschichtlicher Grundriss

Voraussetzungen: Die Zeit der Reichskrise im 3. Jahrhundert

Die Reichskrise des 3. Jahrhunderts (235–284/5) hatte das Römische Reich destabilisiert.[13] Von außen war das Imperium seit den 220er Jahren der stĂ€ndigen Gefahr eines Mehrfrontenkrieges ausgesetzt. Durch die fast zeitgleich stattfindende Errichtung des persischen Sassanidenreichs, des großen Gegners Roms im Osten (siehe Römisch-Persische Kriege) sowie die Formierung tribaler germanischer GroßverbĂ€nde in der Rheinregion (gentes wie die Alamannen und Franken) verkomplizierte sich die außenpolitische Lage Roms dramatisch. Die Römer verloren seit etwa 230 – erstmals seit Jahrhunderten – zeitweilig die militĂ€rische Initiative: Das Sassanidenreich war schlagkrĂ€ftiger und weitaus aggressiver als das Partherreich, das es ablöste; die Sicherung der Ostgrenze sollte in den folgenden vier Jahrhunderten dauerhaft ein Problem fĂŒr die Römer darstellen. Die daher notwendige Verlegung vieler Einheiten von Rhein und Donau in den Orient verschlechterte zugleich die Lage an der Nordgrenze des Imperiums. Denn auch die Schlagkraft der neuen germanischen GroßverbĂ€nde lag betrĂ€chtlich höher als die der kleineren Stammesgruppen frĂŒherer Zeit. An der Donau bedrohten unter anderem die Goten und Sarmaten den römischen Balkanraum.

Die deutlich verschlechterte geopolitische Lage des Imperium Romanum verlangte nach einer VergrĂ¶ĂŸerung der kaiserlichen Armee; die Finanzierung dieser Maßnahme machte wiederum eine intensivere Nutzung der Ressourcen – vor allem also Steuererhöhungen – notwendig. Die Soldatenkaiser hatten notgedrungen Wege suchen mĂŒssen, diese Probleme zu meistern. Im Inneren war es unter ihnen daher teilweise zu einer HandlungsunfĂ€higkeit der Verwaltung gekommen sowie zur zeitweiligen Loslösung von Teilgebieten des Imperiums (siehe Gallisches Sonderreich und Palmyra). Immer wieder hatten zudem einzelne Heeresabteilungen eigene Kaiser ausgerufen; diese Usurpatoren hatten dann BĂŒrgerkriege mit dem jeweils amtierenden princeps gefĂŒhrt, die die Verteidigungskraft des Reiches gegen die Ă€ußeren Feinde noch weiter schwĂ€chten. Allerdings war es den Kaisern seit 268 langsam gelungen, der Krise (die keineswegs alle Bereiche des Imperiums gleichermaßen betroffen hatte) Herr zu werden. Als schwieriger erwies es sich, die schwer erschĂŒtterte AutoritĂ€t des Kaisertums wieder zu festigen.

In den drei Jahrhunderten seit der BegrĂŒndung der römischen Monarchie durch Augustus (27 v. Chr.) war die staatliche Organisation des Imperiums im Wesentlichen stets dieselbe geblieben; erst seit den spĂ€ten 250er Jahren hatten die Soldatenkaiser hier notgedrungen nach neuen AnsĂ€tzen gesucht und dabei vielfach improvisiert. Wesentliche Weichenstellungen nahmen dabei die Kaiser Gallienus, Aurelian und Probus vor, die das Imperium Romanum schrittweise wieder konsolidierten, die LegitimitĂ€tskrise der Monarchie aber noch nicht ĂŒberwinden konnten.

Diokletian – Stabilisierung und Reform

Antoninian mit dem Bild Diokletians

Mit dem Regierungsantritt Diokletians trat das Römische Reich in seine SpĂ€tphase ein.[14] Diokletian, im Grunde selbst ein Soldatenkaiser, bemĂŒhte sich nun, den römischen Staat weiter zu stabilisieren und systematisch zu reformieren.[15] Dabei griff er zahlreiche AnsĂ€tze auf, die bereits von seinen VorgĂ€ngern als Antwort auf die Krise entwickelt worden waren. Mit seinen Reformen lĂ€sst die Forschung traditionell und mit gutem Grund den Prinzipat enden, da sie in vielerlei Hinsicht einen Neuanfang bedeuteten, obwohl sie zugleich keineswegs einen vollstĂ€ndigen Bruch mit der Vergangenheit darstellten. Die Maßnahmen waren fĂŒr die folgenden drei Jahrhunderte prĂ€gend; die von Diokletian und Konstantin (s. u.) geschaffenen Strukturen wurden erst am Ende der Antike wieder aufgegeben.

So kam es unter Diokletian zu einer grundlegenden Reform der Verwaltung, zu einer stĂ€rkeren Zentralisierung und BĂŒrokratisierung. Dies machte sich auch in einem restriktiveren Steuersystem bemerkbar. Die Provinzen wurden verkleinert. Der zivile Sektor wurde grundsĂ€tzlich vom militĂ€rischen getrennt. An diesem Prinzip wurde dann bis zum Ende der Epoche festgehalten. Auch wurde das Reich in Diözesen eingeteilt, um so eine bessere Verwaltung zu garantieren. Um dem Staat stetig fließende Steuereinnahmen zu sichern, wurde das Capitatio-Iugatio-System (im Wesentlichen handelt es sich um eine Kombination von Kopf- und Grundsteuer, die regelmĂ€ĂŸig geschĂ€tzt wurde) geschaffen, das die Berechnung der Abgaben erleichterte. Gleichzeitig wurde eine WĂ€hrungsreform in Angriff genommen, der jedoch wohl kein durchschlagender Erfolg beschieden war.

Zentrales Element der Heeresreform war die Aufteilung in ein Feldheer (Comitatenses) und ein Grenzheer (Limitanei) mit dem Ziel, dass DurchbrĂŒche an der Grenze leichter mit dem Bewegungsheer abgefangen werden konnten (die Trennung zwischen ihnen war allerdings wohl nicht so strikt, wie die Forschung lange annahm). Diese Reformen sollten sich insgesamt bewĂ€hren und dem Chaos, das teils noch in der Zeit der Soldatenkaiser geherrscht hatte, ein Ende bereiten sowie die Grenzverteidigung an Rhein und Donau stĂ€rken. Im Osten behauptete sich Rom nun auch gegen die Sassaniden, die 297/298 von Diokletians Caesar Galerius geschlagen und zu einem fĂŒr sie unvorteilhaften Frieden gezwungen wurden, der bis 337 hielt.

Weniger Erfolg hatte Diokletian allerdings mit dem von ihm erdachten Regierungssystem der Tetrarchie (Viererherrschaft), das je zwei Seniorkaiser (Augusti) und zwei Juniorkaiser (Caesares) vorsah und zudem religiös durch die kĂŒnstliche Adoption der Götter zementiert wurde. So nahm etwa Diokletian selbst, der auch in diesem System weiterhin die bestimmende Figur war, den Beinamen Iovius an (etwa = SchĂŒtzling und Abkömmling des Gottes Jupiter). Die Überhöhung und sakrale Legitimation des Kaisertums sollte offensichtlich dazu dienen, den Verlust an Ansehen und AutoritĂ€t, den es wĂ€hrend der Reichskrise erlitten hatte, zu kompensieren. Dieser Ansatz sollte spĂ€ter von Konstantin unter ganz anderen - christlichen - Vorzeichen aufgegriffen werden.

Vermutet wird, dass die demonstrative Bindung der Kaiser an die traditionellen Kulte ein Grund fĂŒr die DurchfĂŒhrung der letzten großen Christenverfolgung war, die 303 begann. Nach ĂŒber vier Jahrzehnten der faktischen Duldung traf diese Attacke die Gemeinden hart und ĂŒberraschend. Allerdings erwies sich die kirchliche Struktur bereits als derart gefestigt, dass sie durch eine Verfolgung nicht mehr zu zerstören war. Zudem scheinen die Maßnahmen nur im Osten des Reiches in aller HĂ€rte umgesetzt worden zu sein. 311 beendete Galerius in einem Toleranzedikt endgĂŒltig die Christenverfolgung und sanktionierte die AusĂŒbung der christlichen Religion.

Die Auflösung der Tetrarchie nach Diokletians freiwilligen RĂŒcktritt im Jahr 305 zeigte, dass sich deren System letztlich nicht gegen die dynastische Idee durchsetzen konnte. Das diokletianische Konzept eines Mehrkaisertums hingegen sollte sich bewĂ€hren: außer zwischen 361 und 364 gab es fortan bis 476/80 immer mehr als einen Kaiser (Augustus oder Caesar) im Römischen Reich.

Konstantin der Große und der Durchbruch des Christentums

MĂŒnze mit dem Abbild Konstantins des Großen

Konstantin der Große, der Sohn des Tetrarchen Constantius Chlorus, setzte sich in dem blutigen Machtkampf durch, der kurz nach dem RĂŒcktritt Diokletians 305 entbrannt war.[16] 306 war er nach dem Tod seines Vaters von dessen Soldaten in York zum Kaiser ausgerufen worden, wurde von den anderen Tetrarchen aber nicht akzeptiert. Zuerst bekĂ€mpfte Konstantin Maxentius, den Sohn des Tetrarchen Maximian, der sich ebenfalls gegen die diokletianische Ordnung gestellt hatte und Italien kontrollierte. Im Zuge des Machtkampfes zwischen Konstantin und Maxentius kam es schließlich 312 zur Schlacht an der Milvischen BrĂŒcke, die ersterer fĂŒr sich entschied. Damit hatte Konstantin den Westen des Imperiums fĂŒr sich gewonnen.

Ab 324 war Konstantin dann Alleinherrscher des Römischen Reiches (mit seinen Söhnen als Caesares), nachdem er auch seinen letzten Konkurrenten Licinius, mit dem er sich 313 noch verstĂ€ndigt hatte, in zwei Kriegen ausgeschaltet hatte. Konstantin baute anschließend die Reformen Diokletians weiter aus. In der Verwaltung schuf er neue HofĂ€mter, wandelte den praefectus praetorio in den höchsten Zivilbeamten um und fĂŒhrte zusĂ€tzliche Steuern ein. Im militĂ€rischen Bereich gehen das Amt des magister militum (Heermeister) und die endgĂŒltige Teilung des Heeres in ein Bewegungs- und ein Grenzheer auf ihn zurĂŒck. Unter seiner Herrschaft erfolgte auch der am weitesten reichende Schritt eines römischen Kaisers seit der BegrĂŒndung des Prinzipats durch Augustus: Die Förderung des nur Jahre zuvor noch verfolgten Christentums als staatlich anerkannte und sogar privilegierte Religion (Konstantinische Wende). Es hieß, ihm sei bereits vor der Schlacht an der Milvischen BrĂŒcke das Zeichen des Kreuzes erschienen, und er habe seinen anschließenden Sieg unter diesem Zeichen errungen.[17] Ab 324 setzte er diese neue Religionspolitik reichsweit um.

Konstantins VerhĂ€ltnis zum Christentum – das er keineswegs schon zur Staatsreligion erhob – ist in der Forschung weiterhin umstritten.[18] Am ehesten kann man ihn vielleicht als AnhĂ€nger des Christengottes und Förderer des Christentums bezeichnen, ohne dass dies etwas ĂŒber seine Beziehung zu den anderen Kulten aussagen muss; allerdings betonen manche Forscher durchaus die persönliche ReligiositĂ€t des Kaisers. Heiden konnten jedoch weiterhin ihre Kulte ausĂŒben und hatten Zugang zu hohen und höchsten StaatsĂ€mtern, wenngleich Christen nun oft bevorzugt wurden. Uneins ist sich die Forschung vor allem in Hinblick auf die Motive hinter der verĂ€nderten Religionspolitik. Mehrere Historiker nehmen an, dass das Bekenntnis des Kaisers zum neuen Glauben religiös-persönlichen, nicht politischen Motiven entsprang und daher ernst zu nehmen sei. Andere dagegen sehen in Konstantins Wendung zum Monotheismus christlicher PrĂ€gung eine eher rationale Entscheidung, nĂ€mlich eine flankierende Maßnahme, die sein Streben nach der alleinigen Macht legitimieren und die prekĂ€re römische Monarchie auf eine solidere Grundlage habe stellen sollen: So wie es nur einen Gott gebe, so solle es auch auf Erden nur einen Kaiser geben. Ebenso ist es möglich, dass beide Aspekte eine Rolle gespielt haben. Fest steht jedenfalls, dass Konstantin seine Söhne im christlichen Glauben erziehen ließ, der Kirche reiche Geschenke machte und die Macht der Bischöfe stĂ€rkte. Er sicherte außerdem die Rhein- und Donaugrenze, konnte die Goten in die Schranken weisen und schloss 332 einen Vertrag mit ihnen ab. Außenpolitisch stand das Reich unter ihm zuletzt so gut da wie seit dem frĂŒhen 3. Jahrhundert nicht mehr.

Ein weiteres in die Zukunft weisendes Ereignis in seiner Regierungszeit war die Errichtung einer neuen Residenz: Konstantinopel, die „Stadt des Konstantin“, das Neue Rom, das 330 eingeweiht wurde, entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zur Hauptstadt des östlichen Reichsteils. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt nach Osten, in die ökonomisch stĂ€rkere HĂ€lfte des Imperiums. Kurz vor dem Beginn eines geplanten Feldzugs gegen das Sassanidenreich verstarb Konstantin in der NĂ€he von Nikomedia. Er ließ sich, wie zur damaligen Zeit keineswegs unĂŒblich, erst kurz vor seinem Tod taufen.

Das Ende der konstantinischen Dynastie

Der Sassanidenfeldzug Julians

Nach dem Tod Konstantins 337 entbrannte ein blutiger Machtkampf, der die konstantinische Dynastie dezimierte (SĂ€uberung von 337). Konstantins Sohn Constantius II. setzte sich schließlich 353 als Alleinherrscher durch, nachdem er den Usurpator Magnentius in einem sehr verlustreichen BĂŒrgerkrieg geschlagen hatte.[19] Magnentius hatte 350 den Bruder des Constantius, Constans, ermordet. Der dritte ĂŒberlebende Sohn Konstantins des Großen, Konstantin II., war bereits 340 im Kampf gegen Constans gefallen. Constantius II. setzte nach seinem Sieg zunĂ€chst seinen Vetter Gallus als Caesar ein, nach dessen Hinrichtung dann 355 dessen Bruder Julian (s. u.).

Constantius II. förderte im so genannten arianischen Streit die Homöusianer und war bei der Stabilisierung der Grenzen recht erfolgreich, auch wenn die KĂ€mpfe gegen die Perser unter Schapur II. wechselhaft verliefen. Die durch den christologischen Streit entstandene Kluft innerhalb der Reichskirche konnte er aber nicht ĂŒberbrĂŒcken. FĂŒr die Zeit ab 353 bis 378 steht uns das letzte große in Latein abgefasste Geschichtswerk der Antike zur VerfĂŒgung, die Kaisergeschichte des römischen Offiziers Ammianus Marcellinus. Sein Werk ist aber nicht völlig frei von Parteinahme, vor allem fĂŒr Julian, den Vetter und Caesar des Constantius. Dieser war auch bei dem von ihm gefĂŒhrten gallischen Heer sehr beliebt, sodass es bald zu Spannungen zwischen ihm und Constantius kam. Julian, der die Rheingrenze wenigstens vorlĂ€ufig wieder gesichert hatte, wurde 360 von den Truppen in Paris zum Augustus ausgerufen, und nur der bald darauf folgende natĂŒrliche Tod des Constantius bewahrte das Reich vor einem neuen BĂŒrgerkrieg.

Den neuen Alleinherrscher Julian, der hochgebildet und auch literarisch aktiv war, nannten spĂ€ter christliche Polemiker Julian Apostata („Julian den AbtrĂŒnnigen“), da er kurz nach seinem Herrschaftsantritt im Jahre 361 eine Renaissance des Heidentums einleitete.[20] Diese hatte jedoch keinen nachhaltigen Erfolg, zumal Julians Versuch, aus den vielen Kulten eine vereinheitlichte heidnische Staatskirche zu schaffen, um so das Christentum zurĂŒckzudrĂ€ngen, misslang. Nach dem Tod Kaiser Julians auf einem Feldzug gegen die Sassaniden im Jahr 363, der gleichzeitig eine der grĂ¶ĂŸten MilitĂ€roperationen der SpĂ€tantike darstellte, blieb das Christentum die beherrschende Religion.

Alle nachfolgenden Kaiser waren Christen, auch Julians direkter Nachfolger, der nur kurze Zeit regierende Jovian. Dieser konnte mit den Persern nach dem missglĂŒckten Feldzug seines VorgĂ€ngers Frieden schließen. Die unter Galerius eroberten Gebiete um Nisibis fielen im Frieden von 363 wieder an die Sassaniden. Der Osten wurde nun immer stĂ€rker christianisiert, aber auch der Westen, vor Konstantin weitgehend heidnisch, öffnete sich mehr und mehr dem Christentum, auch wenn es in der Folgezeit zu einer ganzen Reihe von schweren innerkirchlichen Krisen kam. Bereits zur Zeit Konstantins kam es zum Streit bezĂŒglich der Donatisten und der Arianer, spĂ€ter kam im Osten noch das Problem der Monophysiten hinzu. Allerdings hielt sich das „Heidentum“ noch bis zum Ende der SpĂ€tantike, befand sich seit dem 4. Jahrhundert freilich auf dem RĂŒckzug (siehe unten „Religiöse Entwicklungen außerhalb des Christentums“).

Außenpolitisch kam das Reich nicht mehr zur Ruhe. Am Rhein und entlang der Donau wurde es von Germanen und spĂ€ter von den Hunnen bedrĂ€ngt, wĂ€hrend im Osten die Gefahr durch die Sassaniden weiter bestand. Trotz des RĂŒckschlags von 363 verloren die Römer allerdings zunĂ€chst noch nicht die militĂ€rische Initiative – hier sollte erst 378 ein Paradigmenwechsel eintreten.

Von Valentinian I. bis zum Tod Theodosius’ des Großen

Europa mit den wesentlichen Völkerwanderungsbewegungen

Das Reich wurde seit Kaiser Valentinian I., der Jovian 364 nachfolgte, wieder von je zwei Kaisern regiert. Offenbar sah man sich ansonsten nicht in der Lage, der Ă€ußeren Bedrohung Herr zu werden.[21]

Valentinian setzte seinen Bruder Valens im Osten ein und widmete sich selbst intensiv der Grenzverteidigung. Es gelang ihm denn auch, die Rhein- und Donaugrenze nachhaltig zu stabilisieren und mehrere militĂ€rische Erfolge zu verbuchen. WĂ€hrenddessen ereigneten sich im Osten umwĂ€lzende VerĂ€nderungen. In den 70er Jahren des 4. Jahrhunderts setzte die Völkerwanderung in Europa ein.[22] Die Hunnen, ein Volk aus Zentralasien, ĂŒberrannten zunĂ€chst das Reich der Alanen am Kaspischen Meer und vernichteten um 375 das Gotenreich (Greutungen) Ermanarichs in der heutigen Ukraine. Anschließend drĂ€ngten sie andere Völkerschaften, darunter auch die Donaugoten (Terwingen), nach Westen ab. Die vor den Hunnen ĂŒber die Donau geflĂŒchteten Goten unter Fritigern wurden zunĂ€chst vom Imperium aufgenommen, revoltierten dann aber aufgrund unzureichender Versorgung. Sie fĂŒgten dem Ostkaiser Valens am 9. August 378 in der Schlacht von Adrianopel eine vernichtende Niederlage zu, in der auch Valens fiel. Von manchen Zeitgenossen wurde diese Niederlage bereits als Zeichen des Niedergangs Roms interpretiert. Dies mag ĂŒbertrieben sein, da die oströmische Armee, die bei Adrianopel zu großen Teilen vernichtet wurde, bald wieder zu KrĂ€ften kommen sollte. Zutreffend ist aber, dass die Niederlage von 378 eine militĂ€rische Wende einleitete: Fortan versuchte das Imperium kaum noch, die Barbaren durch verlustreiche PrĂ€ventiv- und Vergeltungskriege unter Kontrolle zu halten, sondern die Kaiser setzten jetzt immer öfter auf die Zahlung von als Hilfsgelder geschönten Tributen an Germanen, Hunnen und Perser.

Unmittelbar nach der Katastrophe von Adrianopel war die Lage Roms im Osten dramatisch. Gratian, der Ă€lteste Sohn Valentinians I. und seit dessen Tod 375 Kaiser im Westen, setzte daher 379 den aus Hispanien stammenden Theodosius als Kaiser im Ostteil des Imperiums ein.[23] Theodosius ĂŒbernahm dann die schwierige Aufgabe, den Osten des Reiches wenigstens vorlĂ€ufig wieder zu stabilisieren. 380 erklĂ€rte dieser im Edikt Cunctos Populus das katholische Christentum zur offiziellen Konfession des Reiches und ließ dies im folgenden Jahr durch ein Ökumenisches Konzil bestĂ€tigen. 382 schloss er einen Vertrag mit den Goten. Sie konnten im Reich bleiben und sollten als vertraglich gebundene Soldaten (foederati) dienen, durften aber autonom bleiben. Dieser – in Inhalt und Bedeutung umstrittene – Gotenvertrag ebnete vermutlich den Weg fĂŒr die Reichsbildungen der Germanen innerhalb des Imperiums, stabilisierte aber vorlĂ€ufig die Lage, da Theodosius nun wieder ĂŒber ausreichend Truppen verfĂŒgen konnte.

387 folgte ein Vertrag mit Persien in Bezug auf den alten Zankapfel Armenien, das seit Jahrhunderten zwischen den beiden GroßmĂ€chten umstritten war. Rom erhielt etwa ein FĂŒnftel, Persien den Rest des Landes (das so genannte Persarmenien). Mit dieser Lösung waren beide Seiten offensichtlich zufrieden, denn abgesehen von zwei kurzen Konflikten herrschte bis 502 Frieden zwischen Römern und Sassaniden. Auch die Perser waren an anderen Fronten durch Attacken hunnischer Gruppen gebunden. Die Ruhe an der Euphratfront sollte ein wesentlicher Grund dafĂŒr sein, dass die östliche ReichshĂ€lfte das fĂŒnfte Jahrhundert ĂŒberstehen konnte. DarĂŒber hinaus betrieb Theodosius eine antiheidnische Politik, fĂŒr die ihm von den Christen spĂ€ter der Beiname der Große gegeben wurde.

Darstellung Theodosius’ I. auf einer römischen MĂŒnze

Im Westen hatten sich wĂ€hrenddessen die Ereignisse ĂŒberschlagen: Gratian, der einige erfolgreiche FeldzĂŒge etwa gegen die Alamannen gefĂŒhrt hatte, wurde 383 infolge eines Soldatenaufstandes in Britannien, der sich rasch auf das Festland ausgebreitet hatten, in Lyon ermordet. Theodosius konnte sich mit dem Usurpator Magnus Maximus zunĂ€chst noch einigen, hat ihn schließlich 388 aber besiegt und hingerichtet. Daraufhin ĂŒbergab er dem 17-jĂ€hrigen Valentinian II., dem jĂŒngeren Bruder Gratians, die Herrschaft im Westen. Der faktischen Macht des Heermeisters des Westens, des Franken Arbogast, hatte der junge Kaiser aber wenig entgegenzusetzen. Er fand 392 ein gewaltsames Ende durch Mord oder (wahrscheinlicher) Selbstmord.

Nach mehreren Wochen ohne westlichen Augustus ließ der heidnisch gesinnte Arbogast schließlich den Hofbeamten und Rhetor Eugenius zum Kaiser erheben; dieser verfolgte, obwohl selbst Christ, gegenĂŒber den AltglĂ€ubigen eine relativ tolerante Politik. Diese Usurpation wollte Theodosius nicht akzeptieren, so dass er wieder nach Westen marschierte, wo er das Heer des Eugenius Anfang September 394 in der blutigen Schlacht am Frigidus vernichtend schlagen konnte. Eugenius wurde hingerichtet, woraufhin Arbogast sich das Leben nahm. Erst im Nachhinein wurde dieser BĂŒrgerkrieg zu einem religiösen Konflikt umgedeutet. Dennoch: Das Heidentum, das Theodosius bereits 380/381 in mehreren Gesetzen empfindlich beeintrĂ€chtigt und durch weitergehende Gesetz in Jahren 391 und 392 verboten hatte, erhielt damit den endgĂŒltigen politischen Todesstoß bzw. verlor im Grunde alle Hoffnung auf offizielle Duldung. Es sollte aber noch mindestens 200 Jahre lang eine beachtliche, allerdings stetig abnehmende Zahl von Nichtchristen im Römischen Reich geben.

Theodosius einte das Reich faktisch noch einmal fĂŒr kurze Zeit, bevor es nach seinem Tod unter seinen Söhnen Honorius (im Westen) und Arcadius (im Osten) 395 zur endgĂŒltigen Reichsteilung kam. Die Zeitgenossen nahmen diese Teilung, die nur zufĂ€llig die letzte in einer ganzen Reihe war, allerdings nicht als besondere ZĂ€sur wahr, war man doch lĂ€ngst an ein Nebeneinander mehrerer Kaiser gewöhnt. Und tatsĂ€chlich wurde die prinzipielle Reichseinheit auch weiterhin betont. Die Gesetze der Kaiser galten jeweils im ganzen Reich und der Westkonsul wurde bis zum Erlöschen des Konsulats unter Justinian (541) ebenso in Ostrom anerkannt wie umgekehrt der östliche im Westreich. Dennoch kam es seit 395 faktisch zu einer Auseinanderentwicklung der beiden HĂ€lften. Der Westen stand dabei offenbar bereits um 400 ökonomisch schlechter da als der Osten.

Von der Reichsteilung von 395 bis zur Eroberung Roms 410

Das römische Reich zum Zeitpunkt des Todes Theodosius I. 395 n. Chr.

Im Osten begann eine Periode relativen Friedens, der nur von gelegentlichen KĂ€mpfen an der Donaufront (Hunnen und Germanen) sowie 420–422 und 441 durch zwei kurze Kriege gegen die Sassaniden gestört wurde.[24] Erst in der zweiten HĂ€lfte des 5. Jahrhunderts musste sich auch das Ostreich wieder verstĂ€rkt der Verteidigung seiner Grenzen zuwenden. Der Osten war wirtschaftlich weiterhin der stĂ€rkere Reichsteil und konnte noch immer große Summen Geldes mobilisieren. Der oströmischen Diplomatie gelang es offenbar auch, mehrere Angriffswellen nach Westen „umzuleiten“; allerdings ist sehr fraglich, ob Ostrom bewusst den Westen, dem man wiederholt zur Hilfe eilte, geopfert hat. Vor allem konnte im Osten der Einfluss der Heermeister, die oft barbarischer Abstammung waren, teils eingedĂ€mmt und schließlich zurĂŒckgedrĂ€ngt werden. Arcadius und sein Sohn Theodosius II. gelten zwar traditionell nicht als besonders fĂ€hige Herrscher, doch funktionierte die Verwaltung des Reiches weiterhin relativ reibungslos. Der zu Beginn der Regierungszeit des Arcadius mit dem Westreich aufgebrochene Konflikt um den Besitz des Illyricum konnte beigelegt werden, und die lange Dauer der Herrschaft des Theodosius, der den Osten von 408 bis 450 regierte, sorgte fĂŒr StabilitĂ€t.

Dagegen kam das Westreich nicht mehr zur Ruhe.[25] Der Westkaiser Honorius hatte eine Zeit lang, vom mĂ€chtigen Heermeister Stilicho gedrĂ€ngt, erwogen, gegen das Ostreich militĂ€risch vorzugehen, um AnsprĂŒche auf eine Oberhoheit im Gesamtreich durchzusetzen. Als die Reichsgrenze am Rhein zum Jahreswechsel 406/407 kollabierte (siehe RheinĂŒbergang von 406) und sich eine wahre Flut von Eindringlingen (so etwa Vandalen und Sueben, spĂ€ter auch Burgunden) und Alanen ĂŒber das Westreich ergoss, musste er jedoch davon Abstand nehmen. 408 wurde Stilicho mit dem Wissen seines Schwiegersohnes Honorius umgebracht. Es zeigte sich wieder einmal, dass die Kaiser allzu mĂ€chtigen MilitĂ€rs misstrauen mussten – und dies nicht immer zu Unrecht.

Der Westen erlebte einen Kreislauf von finanziell-ökonomischem Niedergang, der die Wehrkraft des Reiches verringerte, und daraus folgenden Invasionen, die zu Einbußen fĂŒhrten, die es den Kaisern noch schwerer machten, Soldaten zu bezahlen. Von Germanen und Hunnen bedroht, zudem immer der Gefahr eines Putsches durch einen Heermeister ausgesetzt und teils von unfĂ€higen Kaisern regiert, verlor das Weströmische Reich nach und nach seine wichtigsten Provinzen an die Germanen. In Britannien erhoben sich nacheinander mehrere Usurpatoren (siehe Marcus und Gratian), zuletzt Konstantin III., der in den Jahren nach 407 den Rest des noch bestehenden britannischen Feldheeres nach Gallien fĂŒhrte, wo es in KĂ€mpfen mit den in Gallien eingefallenen Germanen und loyalen weströmischen Truppen aufgerieben wurde. Da eigene Truppen nicht mehr finanziert werden konnten, musste man auf weitaus billigere foederati zurĂŒckgreifen, die langfristig nicht mehr kontrolliert werden konnten.

410 wurde gar Rom - zwar lĂ€ngst nicht mehr Regierungssitz des Westreiches, aber immer noch Symbol des Gesamtreichs - von den Westgoten unter Alarich geplĂŒndert. Dieser war schon zuvor im Ostreich aktiv gewesen, teils auf eigene Faust, teils als VerbĂŒndeter Stilichos, und wollte nun im Westreich fĂŒr sein Volk neues Siedlungsland erkĂ€mpfen. Als die Verhandlungen wiederholt scheiterten, sah er sich gezwungen, Rom zu plĂŒndern, um nicht von seinen eigenen MĂ€nnern abgesetzt zu werden. Der Fall Roms war ein Fanal – fĂŒr die Heiden war dies ein untrĂŒgliches Zeichen der Götter, die das Reich fĂŒr die Abkehr vom alten Glauben bestrafen wollten. Augustinus von Hippo schrieb daraufhin sein großes Werk De Civitate Dei („Über den Gottesstaat“), als direkte Antwort auf diese Unterstellung, und auch Orosius versuchte zu beweisen, dass die Katastrophe nichts mit der neuen Religion zu tun habe.

Stabilisierung im Osten und der Zusammenbruch des Westens

Der Zusammenbruch der Rheingrenze 406 hatte das Westreich fĂŒr mehrere Jahre gelĂ€hmt, auch wenn die germanischen Heere in der Regel einer entschlossen gefĂŒhrten römischen Armee weiterhin nicht widerstehen konnten.[26] Die Kontrolle ĂŒber einige der wichtigsten Provinzen des Reiches ging dem nun in Ravenna residierenden weströmischen Kaiser Honorius verloren, aber zunĂ€chst (mit Ausnahme Britanniens) noch nicht dauerhaft. Denn ab 411 gelang unter dem Heermeister und kurzzeitigen Kaiser Constantius III. eine vorlĂ€ufige Stabilisierung. Die Westgoten wurden besiegt und 418 in Aquitanien angesiedelt, kĂ€mpften im Auftrag des Kaisers gegen Bagauden, brachten spĂ€ter auch den Sueben eine schwere Niederlage bei und kĂ€mpften noch 451 auf römischer Seite gegen Attila (s. u.). Nach dem Tod von Constantius III. und Honorius kam es 423 nochmals zu inneren Wirren und einer Usurpation, bis der Ostkaiser Theodosius II. seinen jungen Vetter Valentinian III. mit Truppen nach Italien schickte und Ende 425 als neuen Kaiser des Westens installierte.

Die Mittelmeerwelt um 450 n. Chr. Kenntlich sind auch die SiedlungsrÀume germanischer StÀmme innerhalb des Imperium Romanum.

Mitten in diese scheinbare Erholungsphase fiel aber die nĂ€chste Katastrophe: Die Vandalen setzten 429 von Spanien nach Africa ĂŒber und eroberten 439 Karthago. Sie entrissen unter Ausnutzung innerrömischer MachtkĂ€mpfe die reichste Provinz des Westreiches dem Zugriff des weströmischen Kaisers, der danach effektiv nur noch ĂŒber Italien, Dalmatien und Noricum sowie Teile Galliens, Hispaniens und Mauretaniens herrschte. Alle Versuche, das fĂŒr den Westen ĂŒberlebensnotwendige Africa zurĂŒckzugewinnen, waren vergebens. Damit verlor Westrom den Großteil seiner Einnahmen. Daneben war um 440 Britannien durch eine Rebellion angelsĂ€chsischer Föderaten verloren gegangen, die bereits einige Jahre zuvor von usurpierenden Provinzialen ins Land geholt worden waren. Der neue starke Mann in Ravenna, der magister militum und patricius AĂ«tius, der sich in einem blutigen Machtkampf durchgesetzt hatte, konnte den Verfall der Zentralgewalt aufhalten, aber nicht umkehren. Die Bedrohung durch die Hunnen unter Attila, die bis 450 vor allem Ostrom attackiert und durch ihre Hegemonie ĂŒber viele barbarische gentes Westrom eine wenigstens kleine Ruhepause verschafft hatten, nun aber Gallien angriffen, konnte durch AĂ«tius 451 in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern abgewendet werden. AĂ«tius hatte dabei aber bezeichnenderweise massiv auf germanische Foederati zurĂŒckgreifen mĂŒssen. Die weströmische Armee, die wegen fehlender Mittel kaum noch finanziert werden konnte, war bereits im Verschwinden begriffen und löste sich bald nach seinem Tod bis auf unter anderem in Dalmatien und Gallien noch vorhandene Provinztruppen auf. 454 erschlug Valentinian III., der letzte Kaiser des Westens aus der theodosianischen Dynastie, eigenhĂ€ndig den ĂŒbermĂ€chtigen Heermeister, um sich von seinem Einfluss zu befreien. Diesen Mord musste der Kaiser bald darauf selbst mit seinem Leben bezahlen: Er wurde 455 von frĂŒheren Gefolgsleuten des AĂ«tius ermordet.

Die nachfolgenden Kaiser im Westen waren zumeist unfĂ€hig und durchweg glĂŒcklos, wenngleich einige tatkrĂ€ftige Herrscher wie Majorian oder Anthemius durchaus bemĂŒht waren, wieder die Initiative im Kampf mit den Barbaren zu gewinnen. Nach dem Ende des AĂ«tius fĂŒhrte bis 472 der magister militum Ricimer de facto die ReichsgeschĂ€fte im Westen. Er war auch fĂŒr den Tod mehrerer Kaiser verantwortlich, die sich ihm widersetzten. Ricimer konnte durchaus einige kleinere Erfolge im Abwehrkampf Westroms verbuchen, dennoch wurde Rom 455 von den Vandalen geplĂŒndert. Eine große, gemeinsame Operation des West- und Ostreiches gegen diese scheiterte 468, was zur Anerkennung des nordafrikanischen Vandalenreiches durch Ostrom fĂŒhrte. Um 470 lösten dann die Westgoten das formale AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnis zum Kaiser endgĂŒltig auf, nachdem sie schon zuvor in weitgehendem Einvernehmen mit der gallo-römischen Aristokratie einen Staat im Staate errichtet hatten. Die gentes traten schrittweise an die Stelle der römischen Zentralgewalt, ohne dass dies – so zumindest die Ansicht von Forschern wie Walter Goffart – zunĂ€chst spĂŒrbare Folgen fĂŒr die Bevölkerung der Gebiete gehabt zu haben scheint. Die exakten ModalitĂ€ten der Ansiedlung (erhielten die foederati Land oder nur einen Anteil an den Steuereinnahmen?) werden noch in der Forschung diskutiert.[27] Die Westgoten nahmen in den Jahrzehnten ab 450 schrittweise auch den grĂ¶ĂŸeren Teil Hispaniens in Besitz, wĂ€hrend sich die Franken in der Belgica im Norden Galliens einrichteten. Die römischen Verwaltungsstrukturen wurden dabei oft zunĂ€chst ĂŒbernommen.

Mit der Absetzung des Usurpators Romulus Augustulus 476 durch Odoaker erlosch das weströmische Kaisertum in Italien; letzter legitimer Kaiser war allerdings Julius Nepos, der erst 480 in Dalmatien verstarb.[28] Das Westreich war jedoch bereits seit dem Zusammenbruch der Rheingrenze, spĂ€testens aber nach dem Verlust von Africa kaum noch lebensfĂ€hig gewesen, wenn man auch die Bedeutung des Zusammenbruchs der kaiserlichen Herrschaft in Italien vielleicht nicht unterschĂ€tzen sollte. Die Zeit des Mehrkaisertums war vorĂŒber, da der Westen keines eigenen Augustus mehr bedurfte. Dass es im 6. Jahrhundert noch einmal kurzzeitig gelingen sollte, Italien, Nordafrika und SĂŒdspanien mit dem Ostreich zu vereinen, war um 480 kaum abzusehen. In Nordgallien hielt sich aber noch bis 486/87 ein gallo-römisches Restreich, das von Aegidius (und nach ihm möglicherweise kurzzeitig von Paulus) und Syagrius beherrscht wurde. Um nicht selbst als Usurpator zu gelten, erkannte Odoaker den Kaiser des Ostens offiziell als seinen Herren an. Auch die Könige der barbarischen Föderatenreiche auf weströmischem Boden sahen nun den oströmischen Kaiser als ihren nominellen Oberherren an. Und in der Tat verlor Konstantinopel den Westen in den folgenden Jahrzehnten keineswegs aus den Augen.

Der Osten des Imperiums, ökonomisch stabil, erwehrte sich weitaus erfolgreicher der Ă€ußeren Bedrohung.[29] Theodosius II. hatte seit 424 verstĂ€rkt den Gedanken der Einheit des Imperium Romanum vertreten und nicht nur seinen Vetter Valentinian III. mit einem Heer nach Italien geschickt (s. o.), sondern auch dafĂŒr gesorgt, dass der Codex Theodosianus von 438 im Gesamtreich GĂŒltigkeit erlangt hatte. Als senior Augustus beanspruchte er grundsĂ€tzlich das letzte Wort auch in Fragen, die den Westen betrafen. Kaiser Markian, der 450 (ohne Zustimmung Valentinians III.) die Nachfolge des Theodosius angetreten hatte, verweigerte den Hunnen den Tribut, den man seit 447 zu zahlen hatte. So kam es allerdings, dass Attila seine Angriffe 451 wie gesagt gegen das Westreich richtete – vor allem deshalb, weil der Hunnenkönig wusste, dass die oströmischen Balkanprovinzen bereits verwĂŒstet und ausgeblutet waren. Die ĂŒbrigen Provinzen des Ostens befanden sich aber nicht in Reichweite von Hunnen oder Germanen, da die starke Festung Konstantinopel den Hellespont kontrollierte und ein Übersetzen von Europa nach Asien verhinderte; um seine auf Erfolg beruhende Herrschaft zu wahren, musste Attila daher fast zwangslĂ€ufig nach Westen ausweichen. Den traditionellen Vorwurf, Ostrom habe den Westen bewusst den Barbaren ausgeliefert, hat die moderne Forschung angesichts der wiederholten Hilfsversuche Konstantinopels inzwischen aber in der Regel fallen gelassen: Mindestens in den Jahren 441, 452, 456 und 468 schickten die Ostkaiser Heere nach Westen, um ihren Mitherrschern zu helfen; doch all diese Versuche scheiterten.

An der römischen Ostgrenze konnte mit den Sassaniden, die selbst von hunnischen Völkern bedroht wurden, bis 502 weiter Frieden gehalten werden, was eine große Entlastung darstellte, da die Regierung in Konstantinopel daher ungestört auf die EinkĂŒnfte der reichen Orientprovinzen zurĂŒckgreifen konnte. Das daher ökonomisch leistungsfĂ€higere und dichter bevölkerte Oströmische Reich konnte sich im Gegensatz zum Weströmischen Reich behaupten. Offenbar gelang es dem Staat hier zudem bereits frĂŒh, weitaus besser auf seine Ressourcen zurĂŒckzugreifen. Im fĂŒnften Jahrhundert betrugen die östlichen Staatseinnahmen ein Vielfaches der westlichen. Kaiser Leo I. schaltete zudem 471 den mĂ€chtigen Heermeister Aspar aus, der versucht hatte, eine Ă€hnlich dominante Stellung zu erlangen wie Ricimer im Westen. Durch diesen Befreiungsschlag gelang es Leo, die HandlungsspielrĂ€ume des Ostkaisers wieder entscheidend zu erweitern. Nicht wenige germanische Soldaten in oströmischen Diensten wurden in der Folge erschlagen, und die Kaiser griffen bei der Rekrutierung fortan wieder weitaus stĂ€rker auf Reichsangehörige zurĂŒck. Diese stammten zwar meist aus jenen Gebieten, die am wenigsten romanisiert waren, waren aber insgesamt loyal. Zenon, der selbst Isaurier war, konnte dann nicht zuletzt mit Hilfe dieses halbbarbarischen Volkes die militĂ€rische Lage des Oströmischen Reiches verbessern. Er legte damit den Grundstein fĂŒr die Vormachtstellung, die die Kaiser des folgenden Jahrhunderts im Mittelmeerraum einnehmen sollten. Andererseits war die LegitimitĂ€t seiner Herrschaft lange umstritten, weshalb seine Regierungszeit (474 bis 491) von BĂŒrgerkriegen und Usurpationsversuchen geprĂ€gt war und sich erst gegen Ende stabilisierte.

Zenon schloss 488 einen Vertrag mit dem Ostgotenkönig Theoderich und schickte ihn im Jahre 489 nach Italien. Die HintergrĂŒnde sind allerdings trotz scheinbar eindeutigen Aussagen der Quellen mittlerweile umstritten. Der Kaiser profitierte jedenfalls insofern, als er eine potentielle Gefahr umleitete, wĂ€hrend Theoderich Zugriff auf neues und reiches Siedlungsland erlangte. Theoderich, den man spĂ€ter aufgrund seiner Leistungen „den Großen“ nannte, gelang es binnen vier Jahren, das gesamte Land unter seine Kontrolle zu bringen. 493 ermordete er Odoaker und regierte nun formal als Statthalter des Kaisers in Italien, wobei er jedoch eine sehr eigenstĂ€ndige Politik betrieb. Im Ostgotenreich hielt man allerdings an der römischen Verwaltungspraxis fest und hielt auch den Senat weiterhin in Ehren, wĂ€hrend das Land kulturell eine spĂ€te BlĂŒtezeit erlebte (siehe auch BoĂ«thius).

Das sechste Jahrhundert: Oströmische Hegemonie

Im Osten dauerte die Antike bis ins siebte Jahrhundert, und der Einfluss des noch immer römisch-antik geprĂ€gten Reiches auf die Geschicke im Westen war im ganzen sechsten Jahrhundert erheblich. Kaiser Anastasios I. befreite den oströmischen Staat kurz vor 500 vom Einfluss der Isaurier und hinterließ aufgrund einer klugen Wirtschaftspolitik seinen Nachfolgern den gewaltigsten Staatsschatz in der römischen Geschichte. Er bekĂ€mpfte erfolgreich Usurpationsversuche und betonte in der Religionspolitik die Unterschiede zur pĂ€pstlichen Position. Erst sein Nachfolger Justin I. beendete 519 das Akakianische Schisma, das die Kirchen von Konstantinopel und Rom etwa 30 Jahre lang getrennt hatte. Er verschĂ€rfte durch diese WiederannĂ€herung an den Westen aber den Konflikt mit den Monophysiten.

Die spÀtantike Welt um 560 n. Chr.: Ostrom auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Justins Neffe Justinian I., der als eine der großen Herrschergestalten der SpĂ€tantike angesehen wird, konnte dann seit 534 eine offenbar großangelegte Restaurationspolitik betreiben.[30] Diesem Versuch der Wiederherstellung des Imperiums war ein zwar nur beschrĂ€nkter, aber dennoch zunĂ€chst erstaunlicher Erfolg beschieden: Mit Nordafrika, Italien und SĂŒdspanien wurden die Kerngebiete des Reiches wieder der römischen Herrschaft unterworfen. Allerdings gingen wichtige Teile Italiens, das erst nach harten KĂ€mpfen erobert worden war, bald nach Justinians Tod wieder an die Langobarden verloren. Zudem wurde das Reich seit 541 von einer verheerenden Pest heimgesucht, was offenbar zu einer demografischen und – daraus folgend – ökonomischen wie militĂ€rischen Krise fĂŒhrte. Im Osten musste sich Justinian außerdem gegen die Perser zur Wehr setzen, deren König Chosrau I. sich zum großen Gegenspieler des Kaisers entwickelte. Dennoch erlebte die spĂ€tantike Kultur unter Justinian einen letzten Höhepunkt. Die auf seinen Befehl hin vorgenommene Kodifikation des römischen Rechts erwies sich als dauerhafte Errungenschaft und der kaiserliche Machtanspruch wurde auch von den meisten verbliebenen Germanenreichen (möglicherweise mit Ausnahme des Frankenkönigs Theudebert I.) akzeptiert. Als Justinian 565 nach 38-jĂ€hriger Herrschaft starb, war Ostrom ungeachtet aller Krisensymptome die Vormacht der Mittelmeerwelt. Seine Nachfolge trat Justin II. an.[31]

Im Oströmischen Reich bestand das Imperium Romanum staatsrechtlich fort. Ebenso lebte dort die Zivilisation der Antike weiter. Das kulturelle Leben im Osten erfuhr in den nachfolgenden Jahrhunderten aber einen Wandel und das Reich ging schon recht bald nach Justinian, der als letzter römischer Kaiser Latein zur Muttersprache hatte, eigene Wege. Eine Reihe innerer Reformen ließen das Reich langsam seinen spĂ€trömischen Charakter verlieren. Hinzu kam der stetig zunehmende Ă€ußere Druck. Zwischen 540 und 630 befand sich Ostrom die meiste Zeit in einem immer verbissener gefĂŒhrten Krieg mit dem Sassanidenreich, der nur von zwei kurzen Friedensperioden (562 bis 572 und 591 bis 602) unterbrochen wurde (siehe Römisch-Persische Kriege). Anderthalb Jahrzehnte nach dem Sturz von Kaiser Maurikios, der 591 einen gĂŒnstigen Frieden mit Persien schließen konnte und recht erfolgreich gegen Awaren und Slawen auf dem Balkan vorgegangen war, gingen die Balkanprovinzen weitgehend an Awaren (und Slawen) verloren (siehe Landnahme der Slawen auf dem Balkan). Der letzte Kaiser, der noch aktiv und wirksam in die Geschicke des Westens eingreifen konnte, war der in den Quellen ĂŒbel beleumundete Phokas.

Das siebte Jahrhundert: Der „Untergang“ der Alten Welt

Solidus des Herakleios mit seinen Söhnen Konstantin III. und Heraklonas.

In den ersten Jahren des 7. Jahrhunderts tobte der „letzte große Krieg der Antike“ (James Howard-Johnston).[32] Die Sassaniden eroberten von 603 bis 619 zeitweilig Ägypten, Syrien und Teile Kleinasiens. Das Ostreich schien kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen. Nur unter grĂ¶ĂŸten Anstrengungen gelang es schließlich Kaiser Herakleios[33] im Jahr 622 eine erfolgreiche Gegenwehr einzuleiten und ein BĂŒndnis mit den GöktĂŒrken zu schließen. Die Perser, die noch 626 vergeblich Konstantinopel belagert hatten, wurden Ende 627 in der Schlacht von Ninive geschlagen. Großkönig Chosrau II. floh und wurde daraufhin im Februar 628 entthront und ermordet. Seine Nachfolger traten mit Herakleios in Friedensverhandlungen ein, und die Sassaniden rĂ€umten bis 630 die besetzten Gebiete und stellten damit den status quo ante von 602 wieder her, wĂ€hrend Persien bis 633 in inneren Wirren versank.

Herakleios feierte den Sieg, dessen Dimensionen er fraglos ĂŒbertrieb (er hatte lediglich unter großen MĂŒhen die Grenzen des Reiches wiederhergestellt, den Persern aber weder zusĂ€tzliche Territorien noch Geld abnehmen können), doch war sein Triumph nicht von Dauer. Das militĂ€risch und ökonomisch erschöpfte Oströmische Reich konnte der in den 30er Jahren des 7. Jahrhunderts beginnenden Expansion der Araber nur noch wenig entgegensetzen. Die Oströmer unterlagen 636 den Muslimen in der Schlacht am Jarmuk und verloren in den folgenden Jahren wiederum ihre Ost- und SĂŒdprovinzen, diesmal aber endgĂŒltig.[34] Ein zeitgenössischer Text fasst die damalige Stimmung, in der viele das Weltende nahen sahen, eindrucksvoll zusammen:

„Vom Ozean, von Britannien, Hispanien, Francia und Italien bis Hellas, Thrakien, Ägypten und Afrika waren bis in unsere Tage römische Grenzsteine und die Standbilder der Kaiser zu sehen, denn auf Gottes Geheiß waren ihnen all diese Völker untertan. Doch nun sehen wir das Römerreich geschrumpft und erniedrigt.[35]“

Zuletzt fiel 698 auch das oströmische Karthago. Die Reste des jetzt gĂ€nzlich grĂ€zisierten Reiches befanden sich in den folgenden Jahrzehnten in einem verzweifelten Abwehrkampf, so dass die Kaiser den Westen weitgehend sich selbst ĂŒberlassen mussten. Um die Mitte des 7. Jahrhunderts (nicht jedoch unter Herakleios, wie noch die Ă€ltere Forschung annahm) entstand aufgrund der unablĂ€ssigen AbwehrkĂ€mpfe die Themenordnung, in der militĂ€rische und zivile Aufgaben gebĂŒndelt wurden. Die kurzzeitige Verlegung der kaiserlichen Residenz nach Italien unter Konstans II. blieb Episode. Auch das kulturelle Leben verĂ€nderte sich: So gingen viele StĂ€dte unter, andere wandelten sich zu wesentlich kleineren, befestigten Siedlungen – das kastron stellte nun in vielen Teilen des Reiches den einzigen urbanen Lebensmittelpunkt dar.

Als sich die Lage im spĂ€ten achten Jahrhundert wieder stabilisiert hatte, war aus dem spĂ€tantiken Ostrom endgĂŒltig das mittelalterliche, griechische Byzanz geworden, das sich noch Jahrhunderte behaupten konnte. Die Perser hingegen wurden 638 und 642 von den Arabern vernichtend geschlagen; viele Adelsgeschlechter wandten sich daraufhin von der herrschenden Dynastie ab und arrangierten sich mit den Angreifern. Der letzte Großkönig Yazdegerd III. wurde 651 ermordet, womit das Sassanidenreich zu bestehen aufhörte. Der Dualismus der beiden GroßmĂ€chte Rom und Persien, der die gesamte SpĂ€tantike geprĂ€gt hatte, hatte gemeinsam mit der Epoche ein Ende gefunden; in der neuen Weltordnung spielte zunĂ€chst im Osten das Kalifat die entscheidende Rolle, wĂ€hrend sich im Westen schließlich das Frankenreich zur bestimmenden Vormacht entwickelte.

Von der antiken Welt ins Mittelalter

Im Verlauf des sechsten Jahrhunderts kam es im Westen zu einer langsamen Transformation hin zu einer germanisch-romanischen Welt.[36] In Britannien ging die römische Kultur allerdings wohl schon bald nach der Eroberung durch die Angeln, Sachsen und JĂŒten unter, die ursprĂŒnglich nach dem Abzug der kaiserlichen Truppen um 407 von der römischen Bevölkerung als Föderaten ins Land gerufen worden waren. Nur in Wales wurden noch im 6. Jahrhundert lateinische Inschriften gesetzt. Das nach der Hauptstadt Tolosa (Toulouse) benannte Tolosanische Reich der Westgoten, das sich seit dem spĂ€ten 5. Jahrhundert auch auf ganz Hispanien ausbreitete, ist hingegen in vielerlei Hinsicht ein Beispiel fĂŒr die Symbiose von spĂ€trömischer Gesellschaft und germanischer Herrschaft. Die Westgoten verloren den grĂ¶ĂŸten Teil Galliens bereits 507 an die Franken und zogen sich weitgehend auf die Iberische Halbinsel zurĂŒck. Hauptstadt wurde nun Toledo (Toledanisches Reich). Ihr Reich wurde indes im frĂŒhen 8. Jahrhundert von den nach Norden drĂ€ngenden Muslimen ĂŒberrannt und ausgelöscht. Das von Geiserich in Nordafrika begrĂŒndete Reich der Vandalen erlebte im 5. Jahrhundert eine BlĂŒte, geriet dann aber unter immer stĂ€rkeren Druck durch maurische StĂ€mme und fiel 533 dem Angriff einer oströmischen Armee unter Belisar zum Opfer.

In Italien hatte der Ostgote Theoderich der Große sein Reich weiterhin nach römischem Muster fĂŒhren lassen, doch verschwand das Ostgotenreich um die Mitte des 6. Jahrhunderts im Zuge der von Justinian I. eingeleiteten Restauratio imperii (siehe Gotenkrieg). Als die Langobarden dann 568 große Teile Italiens eroberten, war dies die letzte germanische ReichsgrĂŒndung auf weströmischem Boden und damit zugleich das Ende der großen Völkerwanderung. Der weströmische Senat verschwand am Ende des Jahrhunderts aus den Quellen.

Nur eine einzige der germanischen ReichsgrĂŒndungen der ersten Stunde hatte letztlich dauerhaften Bestand, das Frankenreich der Merowinger.[37] Wohl im Jahre 498 hatte sich der Frankenkönig Chlodwig I. taufen lassen und damit das römische Erbe in Gallien angetreten. Die Geschichte des Frankenreiches geht bereits fließend ins Mittelalter ĂŒber, sodass es schwer fĂ€llt, hier klare Schnitte zu setzen (siehe auch Gallo-römische Kultur).

Denar mit dem Abbild des Merowingers Chlothar I., der als der letzte spÀtantike Frankenkönig gilt.

Noch lange akzeptierten die Germanenreiche in der Regel die oströmische Oberhoheit. Ihre Herrscher bemĂŒhten sich um kaiserliche Anerkennung und die Verleihung römischer Titel. Ein Symbol dafĂŒr, dass nur der Kaiser und der sassanidische Großkönig wahrhaft souverĂ€ne Monarchen waren, war unter anderem das Privileg, das Herrscherbild auf GoldmĂŒnzen zu prĂ€gen. Im sechsten Jahrhundert wurde dies auch noch von den meisten Germanenkönigen akzeptiert. Sie setzten ihr eigenes PortrĂ€t nur auf die SilbermĂŒnzen. Nur der Merowingerkönig Theudebert I. ließ GoldmĂŒnzen mit seinem Bildnis prĂ€gen. All dies Ă€nderte sich erst grundlegend, als die Kaiser seit etwa 600 durch die Angriffe der Perser und Araber zu sehr geschwĂ€cht waren, um weiter im Westen aktiv zu werden. Der Fernhandel im Mittelmeerraum nahm dann im 7. Jahrhundert an Bedeutung rapide ab; ob dies direkt oder indirekt eine Folge der islamischen Expansion war, ist in der Forschung nach wie vor umstritten. Die arabischen Invasionen zerstörten jedenfalls endgĂŒltig die freilich nur noch bedingt gegebene Einheit der Mittelmeerwelt (siehe auch Islamische Expansion und vgl. Pirenne-These). Auch die Kontakte zwischen Konstantinopel und dem Westen lockerten sich nun zusehends.

Das FrĂŒhmittelalter nahm in den folgenden Jahrzehnten langsam Gestalt an. Im Westen kam es parallel zu einem schleichenden kulturellen Niedergang, wie unter anderem am RĂŒckgang der Schriftlichkeit oder dem Verfall der StĂ€dte ersichtlich. Oft wurde antikes Schriftgut nur in Klöstern wie Cassiodors Vivarium gerettet, wobei der Schwerpunkt auf dem Erhalt christlicher Werke lag. Viele Regionen des ehemaligen Reichs fielen in völlige Überlieferungslosigkeit zurĂŒck, so dass die Rede von dunklen Jahrhunderten zwischen ca. 560 und 800 nicht unberechtigt ist, auch wenn es große regionale Unterschiede gab. In der neueren Forschung wird betont, dass teils auch durchaus eine gewisse KontinuitĂ€t gegeben war.[38]

Völlig entschwunden waren die Antike und die klassische Zivilisation dem Mittelalter nicht, wenn es auch unbestreitbar zu einem dramatischen Verlust an KulturgĂŒtern und einem Niedergang der materiellen Kultur kam, der jedoch regional unterschiedlich ausgeprĂ€gt war und im Westen frĂŒher auftrat als in Ostrom. Dennoch fungierte gerade die Kirche als Übermittler des (freilich nun christlich tradierten und oft gefilterten) antiken Bildungsguts (vgl. unter anderem bereits Augustinus, BoĂ«thius, Cassiodor), wobei man sich vor allem auf Isidor von Sevilla und Martianus Capella stĂŒtzte. Es kam zwar zu einer deutlichen Umorientierung der Bildung (weg von der klassischen Paideia und hin zu biblischen Inhalten), doch bewirkte dies auch gleichzeitig eine relative kulturelle Einheitlichkeit der frĂŒhmittelalterlichen Welt. Diese Einheitlichkeit erstreckt sich freilich fast nur auf jene Zeugnisse der spĂ€tantiken christlich-mönchischen „Hochkultur“, die spĂ€tere Jahrhunderte der Überlieferung wĂŒrdig fanden.

Andererseits ist fĂŒr die nachfolgende Zeit oft nicht einmal das Fortbestehen der wichtigen BistĂŒmer gesichert. Köln weist etwa eine LĂŒcke in seiner Bischofsliste zwischen etwa 400 bis in die Mitte des 6. Jahrhunderts auf. Dennoch scheint die materielle und wirtschaftliche antike Kultur mancherorts auch im Norden, zum Beispiel in Trier, lĂ€nger weitergelebt zu haben, als dieses Dunkel der Geschichte erwarten lĂ€sst. Schon der Umstand, dass viele römische Ortsnamen gebrĂ€uchlich blieben, ist ein Zeichen fĂŒr KontinuitĂ€t. Das Mittelalter erhob sich nicht ĂŒberall zur gleichen Zeit aus diesem relativen Dunkel. Das frĂ€nkische Mittelalter mit der merowingischen ReichsgrĂŒndung und dynastischen Konsolidierung auf den Fundamenten der spĂ€trömischen Verwaltungsstrukturen setzte bereits sehr frĂŒh ein. Römische StĂ€dte weiter im Norden und Nordosten hatten dagegen oft ein anderes Schicksal. So wird Wien (spĂ€tantik Vindomina oder Vindomana) zuletzt bei Jordanes in seiner Gotengeschichte genannt und erst 881 ist von der Stadt (nun Wenia) wieder die Rede.

Siehe auch: Ende der Antike

Soziokultureller Grundriss

Kulturelles Leben

Rat der Götter. Illustration zu Vergils Aeneis in einem Codex des 5. Jahrhunderts.

Die spĂ€tantike Literatur zeigte lange Zeit kaum qualitative Anzeichen des Niedergangs. Mit der weitgehenden Umstellung der Buchproduktion von Papyrus auf Pergament um 400 (ganz verdrĂ€ngt wurde die Schriftrolle erst im spĂ€ten 6. Jahrhundert) wurden zwar bestimmte Autoren, deren Werke nicht kopiert wurden, von der weiteren Überlieferung ausgeschlossen. Im Osten brach die KontinuitĂ€t der klassischen Bildung aber auch im FrĂŒhmittelalter nie vollstĂ€ndig ab (siehe BĂŒcherverluste in der SpĂ€tantike). In der lateinischen Literatur ragen das letzte große, in Latein verfasste Geschichtswerk der Antike, die Res gestae des Ammianus Marcellinus (um 395), und die Dichtungen Claudians heraus, obwohl beide Autoren aus dem hauptsĂ€chlich griechischsprachigen Osten stammten. Im Bereich der lateinischen Geschichtsschreibung hat man sich in der Zeit zwischen Tacitus und Ammianus vornehmlich auf Kaiserbiographien (im Anschluss an Sueton sind hier Marius Maximus sowie die wohl um 400 entstandene und sehr umstrittene Historia Augusta zu nennen) und kurze Geschichtsabrisse (sogenannten Breviarien, siehe auch Enmannsche Kaisergeschichte) beschrĂ€nkt. Neben und nach Ammianus verfassten aber im spĂ€ten 4. und frĂŒhen 5. Jahrhundert auch Virius Nicomachus Flavianus, Sulpicius Alexander, Renatus Profuturus Frigeridus sowie noch im frĂŒhen 6. Jahrhundert Quintus Aurelius Memmius Symmachus lateinische Geschichtswerke in der klassischen Tradition, die allerdings verloren gegangen sind.[39] Der letzte lateinische Epiker von Rang war dann Corippus, der im 6. Jahrhundert das stilistisch eng an Vergil orientierte Werk Johannis verfasste.[40]

Gerade die syrische Literatur brachte in der SpĂ€tantike einige bedeutende Werke hervor. Auch in Gallien und Spanien blĂŒhte noch lange eine stark rhetorisch geprĂ€gte Dichtkunst, etwa die des Ausonius. Der Gallo-Römer Sidonius Apollinaris schrieb Lobreden und Briefe, die einen detaillierten Einblick in die Endphase der gallo-römischen Kultur ermöglichen. Etwa hundert Jahre spĂ€ter markiert das Werk des Venantius Fortunatus dann den Übergang von der spĂ€tantiken zur frĂŒhmittelalterlichen lateinischen Dichtung. Um 600 sammelte Isidor von Sevilla, der letzte große lateinische Gelehrte der SpĂ€tantike, das ihm noch erreichbare Wissen des Altertums und vermittelte es damit in GrundzĂŒgen der mittelalterlichen Welt.

Mittelalterliche Illustration des Anicius Manlius Severinus Boethius

Die christliche Philosophie brachte mit den Schriften des Kirchenvaters Augustinus und dem Trost der Philosophie des Boethius Werke von weltliterarischem Rang hervor. Eusebius von Caesarea begrĂŒndete das Genre der Kirchengeschichte, an das mehrere christliche Autoren anschlossen, zuletzt Ende des 6. Jahrhunderts Euagrios Scholastikos. Zu nennen sind auch die Werke des Orosius. Der berĂŒhmte und hochgebildete Rhetor Marius Victorinus konvertierte 355 unter großem Aufsehen zum Christentum und widmete sich anschließend etwa der Kommentierung des Neuen Testaments. Die Literatur setzte sich vielfach auch zum Ziel, die klassischen römischen Texte durch gleichwertige christliche GegenentwĂŒrfe zu ersetzen, wie Prudentius mit seinem Werk Psychomachia. Man schuf aber auch neue Formen (etwa die Hymnen des Ambrosius und die Werke des Arator). Im Gegenzug versuchten Vertreter der „alten“ Bildung, diese in philologischer Arbeit zu bewahren und zu sammeln, wenn auch Christen daran beteiligt waren. Zu den Vertretern der alten Bildung gehörte beispielsweise Quintus Aurelius Symmachus und der Symmachuskreis, zu dem unter anderem Virius Nicomachus Flavianus und Vettius Agorius Praetextatus zu rechnen sind, Donat, Servius und Macrobius. Der Nordafrikaner Martianus Capella unternahm nach 470 einen letzten Versuch, das heidnisch-römische Wissen in einer großen Götterallegorie zusammenzufassen. Der absolute Wahrheitsanspruch des Christentums hatte jedoch einen nachhaltigen Einfluss auf die Überlieferung.

Die griechische Geschichtsschreibung florierte wĂ€hrend der gesamten Kaiserzeit und auch in der SpĂ€tantike. Eunapios von Sardes (der auch eine Biographiesammlung von Philosophen verfasste), Olympiodoros von Theben, Priskos und andere Autoren schrieben im 5. Jahrhundert bedeutende Geschichtswerke in der klassischen Tradition, die aber nur noch fragmentarisch erhalten sind. Zosimos verfasste um 500 seine Historia Nea unter RĂŒckgriff auf Eunapios und Olympiodoros; er kam qualitativ aber nicht an den bedeutenderen Ammianus heran. Der bedeutendste griechische Historiker der SpĂ€tantike war sicherlich Prokopios von Caesarea, der große Chronist der Zeit Justinians. In Ostrom wurde die antike Geschichtsschreibung von Agathias, Menander Protektor und schließlich von Theophylaktos Simokates noch bis ins frĂŒhe 7. Jahrhundert gepflegt, bevor sie schließlich im Zuge des Niedergangs der antiken Kultur infolge der AbwehrkĂ€mpfe Ostroms gegen die Araber erlosch (siehe Byzantinische Geschichtsschreibung). Im Osten des Reiches sind daneben besonders die Redner Libanios und Themistios hervorzuheben, wĂ€hrend hier im Bereich des Neuplatonismus bis weit ins 6. Jahrhundert hinein eine FĂŒlle von philosophischen Werken entstanden. Neben Plotin (der zeitlich gesehen strenggenommen noch nicht zur SpĂ€tantike zĂ€hlt) seien hier Porphyrios, Proklos, Iamblichos von Chalkis, Isidoros und Damaskios genannt. Der große Aristoteleskommentar des Simplikios (um 550) gilt als die letzte bedeutende Leistung der antiken Philosophie. Nach der Schließung der platonischen Akademie durch Justinian I. im Jahre 529 ging auch die heidnische Philosophie langsam ihrem Ende entgegen. In Harran hielt sich jedoch noch ĂŒber lĂ€ngere Zeit eine heidnisch-philosophische Schule, und die Schule von Alexandria bestand bis ins frĂŒhe 7. Jahrhundert. Noch unter Justinian war es auch in kleineren StĂ€dten möglich, eine fundierte rhetorische und literarische Ausbildung zu genießen. Das spĂ€tantike Bildungsideal war dabei stark konservativ geprĂ€gt.

Sogenanntes Barberini-Diptychon mit der Darstellung von entweder Anastasios I. oder (wahrscheinlicher) Justinian I. als triumphator omnium gentium

Gleichzeitig setzte sich, wie gesagt, das Buch (Codex) zunehmend gegenĂŒber der Schriftrolle durch, und es entstanden neue Bautypen wie etwa die christliche Basilika, die Ă€ltere Formen aufnahm und weiterfĂŒhrte. WĂ€hrend die Zahl der öffentlichen Neubauten insgesamt langsam zurĂŒckging (auch aufgrund des Verschwindens der lokalen Eliten, die sich frĂŒher durch Stiftungen von Nutzbauten verewigt hatten), stieg die Zahl der Kirchenbauten seit der Christianisierung des Reiches naturgemĂ€ĂŸ an. Neben lokalen Aristokraten, Statthaltern und Bischöfen traten dabei auch die Kaiser als Bauherren auf. Höhepunkt war dabei zweifellos die Hagia Sophia, deren von Justinian veranlasster Neubau mit seiner gewaltigen Kuppel die letzte große Leistung der antiken Architektur war. Von Bedeutung war auch in der SpĂ€tantike die Mosaikkunst, auch wenn in der Kunst insgesamt (im Vergleich zur „klassischen Antike“) einfachere Formen dominierten. Der in der bildenden Kunst seit etwa 300 dominierende entindividualisierte, frontale Darstellungsstil (man vergleiche etwa die KaiserportrĂ€ts Caracallas mit denen Valentinians II. oder Leos I.) wird dabei oft mit orientalischem Einfluss erklĂ€rt. WĂ€hrend sich das handwerkliche Niveau der Werke in den Kaiserresidenzen und oft auch in den ProvinzhauptstĂ€dten noch bis ins 6. Jahrhundert weitgehend halten ließ, ist ansonsten aus archĂ€ologischer Perspektive ein Niedergang der materiellen Kultur kaum zu leugnen. Oft war man nicht mehr in der Lage, verfallene oder zerstörte Bauwerke aus Ă€lterer Zeit in alter Schönheit zu erneuern; offenbar fehlte es auf dem flachen Land hierfĂŒr nun vielfach an den entsprechenden Kenntnissen.[41] Und obwohl auch im 5. und 6. Jahrhunderten durchaus noch Inschriften gesetzt wurden, waren diese vor allem im Westen außerhalb der Metropolen in der Regel weit entfernt vom Standard frĂŒherer Jahrhunderte. Augenscheinlich war die gebildete, wohlhabende Elite der SpĂ€tantike im Vergleich zu frĂŒheren Jahrhunderten geschrumpft.

Dieses Mosaik aus dem Kaiserpalast in Konstantinopel (5./6. Jahrhundert) illustriert das hohe Niveau, das die bildende Kunst in den Metropolen noch lange halten konnte.

Im Westen setzte bereits im 5. Jahrhundert ein Transformations- und Verschmelzungsprozess ein, der langsam durch die Entstehung „barbarischer“ Reiche auf dem Boden des Imperiums zum Übergang ins FrĂŒhmittelalter fĂŒhrte. Dieser Prozess fand spĂ€testens im frĂŒhen 7. Jahrhundert seinen Abschluss. Die Germanen versuchten aber keineswegs, die römische Kultur zu beseitigen, wie die römische Verwaltungspraxis Theoderichs des Großen oder die Rechtspraxis der Westgoten zeigt. Dies gilt auch fĂŒr andere Bereiche: Forscher wie Philipp von Rummel, Guy Halsall oder Michael Kulikowski vertreten mittlerweile zudem die These, viele scheinbar „barbarische“ Elemente der materiellen Kultur und Kleidung seien in Wahrheit Neuentwicklungen, die aus dem Imperium Romanum selbst stammten und eine neue militĂ€rische Elite kennzeichneten, die sehr wohl auch Römer umfasste.[42]

Dennoch waren die Grenzen fließend. Im Osten wurden deutlich mehr Elemente der antiken Kultur bewahrt als im Westen.[43] Insgesamt waren die regionalen Unterschiede erheblich. FĂŒr Italien etwa waren besonders der zweite Gotenkrieg (seit 541) und der Einfall der Langobarden 568 von Bedeutung, fĂŒr Britannien hingegen schon die angelsĂ€chsische Invasion um 440 und fĂŒr das lange Zeit sehr wohlhabende Syrien erst das 7. Jahrhundert. SpĂ€testens der Einbruch der Perser und Araber in den römischen Orient zu Beginn des 7. Jahrhunderts zerstörte dann die kulturelle Einheit der Mittelmeerwelt (siehe Islamische Expansion), die das Altertum ĂŒber die Jahrhunderte seit der Errichtung des römischen Weltreiches geprĂ€gt hatte. Die Antike wurde damit endgĂŒltig vom Mittelalter abgelöst.

Sprachen in Ost und West

Im Westen hatte sich das Lateinische fast völlig durchgesetzt. Die griechischsprachigen Gebiete in Italien und auf Sizilien verschwanden, die Kenntnis des Griechischen ließ auch in der Oberschicht ab etwa 400 spĂŒrbar nach. Erst nach den Eroberungen Justinians I. kam es zu einer erneuten GrĂ€zisierung einiger Regionen. Doch als der hochgebildete spĂ€tere Papst Gregor der Große im spĂ€ten 6. Jahrhundert als Gesandter in Konstantinopel weilte, hatte er bereits mit VerstĂ€ndigungsproblemen zu kĂ€mpfen. In einigen Gebieten des Westens hatten neben der lateinischen Amtssprache andere Sprachen ĂŒberlebt, z. B. Britannisch und Baskisch. Ob aber der Kirchenvater Augustinus um 400 wirklich die alte semitische Sprache der Karthager meinte, wenn er davon sprach, dass in Nordafrika noch immer Punisch gesprochen werde, ist umstritten.

Die lateinische Sprache des Westens begann sich wÀhrend der SpÀtantike zu verÀndern. WÀhrend in der Literatur noch im sechsten Jahrhundert hochsprachliche Werke in klassischem Latein entstanden, entwickelte das einfache Volk Dialekte, die zur Grundlage der spÀteren romanischen Sprachen werden sollten.

Im Osten (wo daneben in weiten Gebieten Syrisch und Koptisch gesprochen wurde) war Griechisch schon seit dem Hellenismus die vorherrschende lingua franca. Im Heer, am Hof, in der Verwaltung sowie in Moesien und Illyrien sprach man aber hier daneben noch lange Latein (umstritten ist dagegen, ob es in Dakien eine KontinuitĂ€t der lateinischen Sprache gab). Im 4. Jahrhundert klagte Libanios sogar ĂŒber die Tendenz vieler Oströmer, sich in lateinischer statt in griechischer Rhetorik ausbilden zu lassen, da dies damals bessere Aufstiegschancen verhieß. Allgemein ging allerdings ab etwa 400 die Verbreitung der jeweils zweiten Bildungssprache (im Westen Griechisch, im Osten Latein) in den Oberschichten zurĂŒck, wenngleich man im Osten nachweislich noch unter Justinian in vielen StĂ€dten eine fundierte Ausbildung in lateinischer Literatur und Sprache erfahren konnte. Unter den Einwohnern Konstantinopels gab es zudem um 550 noch eine bedeutende lateinische Minderheit, wie insbesondere Grabinschriften belegen.[44] Durch die Eroberungen Justinians wurden damals ĂŒberdies mit Italien, Nordafrika und SĂŒdspanien lateinischsprachige Gebiete zeitweilig wieder ins Imperium integriert. Damals entstanden im Osten auch noch wichtige lateinische Werke (Priscian, Corippus, Jordanes).

Erst unter Herakleios wurde Griechisch hier zur alleinigen Amtssprache erhoben. Seit dieser Zeit vertiefte sich aufgrund der Sprachbarriere auch die Kluft zwischen Byzanz und dem Westen, zumal die Kaiser wenig spĂ€ter die Herrschaft ĂŒber fast alle lateinischen Territorien (mit Ausnahme von Teilen Italiens) verloren hatten. Dabei unterschied sich das Griechisch der mittelbyzantinischen Zeit bereits in vielem (Aussprache wie Grammatik) stark vom Altgriechischen.[45]

Gesellschaftsstruktur

Seitdem Kaiser Caracalla im Jahr 212 allen freien Reichsbewohnern das römische BĂŒrgerrecht verliehen hatte (Constitutio Antoniniana), fiel die einstmals wichtige Unterscheidung zwischen BĂŒrgern und Nicht-BĂŒrgern weg.[46] Die spĂ€tantike Gesellschaft war nun grundsĂ€tzlich unterteilt in die kleine Gruppe der honestiores oder potentes (der „MĂ€chtigen“) und den Rest der Bevölkerung, die humiliores. Insbesondere juristisch war diese Unterscheidung von Bedeutung, da die potentes weitaus mildere Strafen zu erwarten hatten.[47]

Unter den potentes stellten die Senatoren eine besonders privilegierte Gruppe dar. Seit Constantius II. genoss der Senat Konstantinopels dabei dieselben Vorrechte wie der Roms. Ging man dabei frĂŒher oft davon aus, dass sich die Aristokraten auf ihre Landsitze zurĂŒckgezogen hĂ€tten, so konnte inzwischen die Existenz palastartiger StadthĂ€user nachgewiesen werden. Die Senatoren unterteilten sich wiederum in verschiedene Rangstufen (clarissimi, spectabiles und illustres), die noch unter Justinian von Bedeutung waren. Ihr Sozialprestige war nach wie vor enorm, und sie sahen sich selbst als „besseren Teil der Menschheit“ (pars melior humani generis, Symm. epist. 1,52). Auch die uralten republikanischen Ämter des cursus honorum (Volkstribunat, Praetur, Consulat) behielten trotz ihrer realen Machtlosigkeit noch lange eine gewisse Anziehungskraft und blieben bis ins 6. Jahrhundert bestehen. Anders als frĂŒher war die Bekleidung dieser Ehrenstellen allerdings nicht mehr der SchlĂŒssel zur Aufnahme in den Senat: In der SpĂ€tantike war die Zugehörigkeit zum Senatorenstand erblich geworden. Als die Zahl der Senatoren daher um 450 zu groß geworden war, nahm man den clarissimi und spectabiles das Recht zur Teilnahme an Senatssitzungen. Damit wurde der Senat faktisch zu einer Versammlung der höchsten aktiven und ehemaligen kaiserlichen Beamten, er zĂ€hlte fortan kaum mehr als 100 tatsĂ€chliche Mitglieder und reprĂ€sentierte die weltliche Reichselite.[48]

Diese BĂŒste aus dem frĂŒhen 6. Jahrhundert zeigt eine oströmische Aristokratin (vielleicht Anicia Iuliana) mit einer Schriftrolle als Symbol ihrer paideia.

Ein entscheidender Schub in der Christianisierung der Amts- und BildungstrĂ€ger erfolgte bereits nach dem Tod des letzten nichtchristlichen Kaisers Julian Apostata, in der Zeit zwischen den 60er und 90er Jahren des 4. Jahrhunderts.[49] Der Senat in Rom wurde im Verlauf des spĂ€teren 4. Jahrhunderts immer mehr „christianisiert“, auch wenn Heiden in ihm wenigstens bis zum Beginn des 5. Jahrhunderts noch eine nicht unbedeutende Gruppe stellten.[50] Offenbar wurden Grundbesitzer und stĂ€dtische Oberschicht recht gezielt missioniert. Christen sind als viri clarissimi vor allem unter Aufsteigern aus den Provinzen oder unter anderen Nutznießern kaiserlicher Protektion auszumachen; wahrscheinlich sahen sich die sozialen Aufsteiger den heidnischen Traditionen kaum verpflichtet.[51] Umgekehrt gab es noch im 5. Jahrhundert in Ost und West einige hohe WĂŒrdentrĂ€ger, die sich offen als AnhĂ€nger der alten Religion geben konnten; so zum Beispiel der praefectus urbi des Jahres 402, Caecina Decius Albinus, oder Messius Phoebus Severus, der consul ordinarius des Jahres 470. Dies wurde erst im 6. Jahrhundert unmöglich, als der Vorwurf des Heidentums zu einem politischen Kampfinstrument geworden war.

Im 4. Jahrhundert verschwand die Bezeichnung „Ritterstand“ und wurde durch neue soziale Kategorien wie perfectissimi etc. ersetzt. Die lokale Aristokratie, die curiales, erlebte seit dem 3. Jahrhundert, wohl aufgrund steigender fiskalischer Belastungen, einen langsamen Niedergang. Man versuchte daher, sich seinen Verpflichtungen dadurch zu entziehen, dass man Kleriker wurde, in kaiserliche Dienste trat oder sich auf LandgĂŒter zurĂŒckzog und sich auf diese Weise der kollektiven Haftung fĂŒr das stĂ€dtische Steueraufkommen entzog. Dies gelang aber nur einer Minderheit, so dass die Unterschiede innerhalb der Reichsaristokratie stark zunahmen. Der kleine Kreis der wirklich MĂ€chtigen und Reichen dominierte nun auch die Politik der jeweiligen HeimatstĂ€dte, wĂ€hrend die curiales immer mehr an Bedeutung verloren. JĂŒngst wird in der Forschung ĂŒbrigens auch eine andere ErklĂ€rung fĂŒr die so genannte Curialenflucht erwogen: Es sei gerade der Aufstieg der wohlhabendsten curiales in die Reichsaristokratie gewesen, der andere, Ă€rmere Grundbesitzer an ihre Stelle treten ließ und dadurch aufgrund der kollektiven Haftung den Steuerdruck verstĂ€rkte. Die zunehmende SchwĂ€che der lokalen Curien wĂ€re dann ein Nebeneffekt des sozialen Aufstiegs ihrer reichsten Mitglieder gewesen.

Das Ausmaß des in der Hand weniger Aristokraten vereinigten Privatvermögens scheint im Westen sehr viel grĂ¶ĂŸer gewesen zu sein als im Osten. Das mag ein Grund fĂŒr die höheren Steuereinnahmen im Ostreich gewesen sein, da die MĂ€chtigen sich ihren finanziellen Verpflichtungen recht leicht entziehen konnten. WĂ€hrend das westliche Kaisertum nicht zuletzt aus Geldmangel unterging, arrangierte sich der reiche italische Senatsadel auch mit den Goten und verlor erst um die Mitte des sechsten Jahrhunderts seine ökonomische Grundlage. Die Oberschicht war stolz auf ihren Status und ihre klassische Bildung (paideia), die weiterhin als Zeichen der Standeszugehörigkeit galt und zuletzt zusammen mit ihr verschwand (im Westen im sechsten, im Osten erst im siebten Jahrhundert). Von mehreren Autoren (Christen wie Heiden) wird der Sittenverfall der Oberschicht und deren Verschwendungssucht beklagt, wobei Ă€hnliche VorwĂŒrfe bereits seit der spĂ€trepublikanischen Zeit erhoben wurden.

Man versuchte in der SpĂ€tantike, die gesellschaftliche Hierarchie durch offizielle Maßnahmen zu zementieren. Zahlreiche kaiserliche Gesetze bestimmten, dass die Söhne an den Beruf und an den Stand des Vaters gebunden sein sollten. Im Prinzipat war es noch fast selbstverstĂ€ndlich gewesen, den Beruf der Vorfahren zu erben. Die in Wahrheit gesteigerte soziale MobilitĂ€t in der SpĂ€tantike scheint durch diese Maßnahmen, die offenbar das Rad der Zeit zurĂŒck drehen sollten, aber nicht wesentlich verringert worden zu sein. So war Kaiser Justin I. ein einfacher Bauernsohn, der es bis an die Spitze des Staates schaffte. Durch eine GesetzesĂ€nderung ermöglichte er es ĂŒberdies seinem Neffen Justinian, die ehemalige Schauspielerin (Schauspieler galten als ehrlos und wurden mit Prostituierten gleichgesetzt) Theodora zu heiraten, die ihrerseits als Justinians Gattin 527 zur Augusta aufstieg.

Wie die Rolle der Sklaven einzustufen ist, bleibt in der Forschung umstritten, allerdings ist davon auszugehen, dass es keinen wirklichen Bruch gegenĂŒber der vorherigen Praxis gegeben hat, und die Sklaverei auch weiterhin eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat, die nach Ansicht der neueren Forschung aber auch nicht ĂŒberschĂ€tzt werden darf.[52]

Wirtschaft

In kaum einem Punkt ist der Paradigmenwechsel, der sich seit etwa 1980 in Hinblick auf die EinschĂ€tzung der SpĂ€tantike vollzogen hat, so evident greifbar wie in Hinblick auf die Wirtschaftsgeschichte dieser Jahrhunderte. Ging man frĂŒher von einem allgemeinen Niedergang aus, so betonen die meisten Forscher heute im Gegenteil die ProsperitĂ€t vieler Gebiete.[53] Im Westen des Imperiums war zwar ein gewisser BevölkerungsrĂŒckgang festzustellen, aber dieser setzte erst im 5. und 6. Jahrhundert in voller StĂ€rke ein, wĂ€hrend die VerhĂ€ltnisse im 4. Jahrhundert vermutlich sogar gĂŒnstiger waren als in der Soldatenkaiserzeit. Die großen StĂ€dte, vor allem Rom, Karthago, Trier, Konstantinopel, Antiochia und Alexandria, standen noch lange in BlĂŒte und verfielen im Westen erst nach den Eroberungen durch die Germanen, im Osten noch spĂ€ter.[54] Westrom erlebte allerdings, bedingt oder verstĂ€rkt durch die EinfĂ€lle der Germanen, im 5. Jahrhundert einen (regional aber sehr unterschiedlich ausgeprĂ€gten) wirtschaftlichen Niedergang. Hinzu kam, dass die reichsten Gebiete (vor allem Nordafrika) nun dem Zugriff der Westkaiser entzogen waren.

Mosaiken wie dieses aus dem 6. Jahrhundert (Lin am Ohridsee, Albanien) zeugen vom Vorhandensein von Wohlstand auch in den damaligen Provinzen.

Von kaum zu ĂŒberschĂ€tzender Bedeutung fĂŒr die ökonomische und demografische Entwicklung war dann schließlich die so genannte Justinianische Pest, die seit 542 den gesamten Mittelmeerraum heimsuchte und zahllose Opfer forderte. FĂŒr Italien markiert daneben der zweite Gotenkrieg (541–552) einen Einschnitt. Die langwierigen, gnadenlosen KĂ€mpfe ruinierten das einstige Kernland des Imperiums. So entging etwa die Stadt Rom, die um 530 noch immerhin etwa 100.000 Einwohner gehabt haben dĂŒrfte, nur knapp der vollstĂ€ndigen Zerstörung. Allerdings erschien Italien trotz allem den Langobarden noch 568 als lohnendes Ziel. Dass dort nach ĂŒber 30 Jahren voller Krieg und PlĂŒnderung noch immer Beute winkte, belegt vor allem, wie reich die Halbinsel zuvor gewesen sein muss.

FĂŒr die StĂ€dte im ganzen Reich stellte dennoch bereits das 4. Jahrhundert einen Einschnitt dar: Constantius II. enteignete die meisten civitates und poleis, um direkten Zugriff auf die zu entrichtenden Steuern zu haben; die kaiserliche Kasse (res privata) verwaltete nunmehr den einstigen Besitz der StĂ€dte, die ihr Umland bis dahin selbst fiskalisch verwaltet hatten. 374 wurde von Valentinian I. immerhin festgelegt, dass ein Drittel der jeweiligen Einnahmen wieder den civitates zur freien VerfĂŒgung gestellt werden sollten, die im Gegenzug erneut die Administration der LĂ€ndereien ĂŒbernahmen. Einem Teil der StĂ€dte wurde in der Folgezeit auch wieder die Erhebung der Steuern ĂŒbertragen. 536 versuchte Justinian, die StĂ€dte und ihre RĂ€te wieder zu stĂ€rken (Nov. Iust. 38), doch am Ende des 6. Jahrhunderts war der Prozess, in dem die allermeisten poleis und civitates ihre administrative und ökonomische UnabhĂ€ngigkeit weitgehend verloren hatten, abgeschlossen. Dort, wo es noch curiales gab, standen sie meist unter der Aufsicht kaiserlicher AmtstrĂ€ger.[55]

Dem Osten erging es wirtschaftlich lange Zeit wesentlich besser als dem Westen, auch aufgrund der Tatsache, dass die wichtigen Industrien und Handelszentren im Osten lagen. Dort endete auch die Seidenstraße und es gab einen regen Handelsaustausch mit Persien. Die griechisch-römische Ökumene setzte „zivilisiertes“ Leben mehr oder weniger mit dem Leben in der Stadt gleich. Zur Zeit Justinians war Konstantinopel mit gut 500.000 Einwohnern (vor dem Pestausbruch) die bedeutendste Stadt des Mittelmeerraums. Einige Gebiete des Reiches – etwa Ägypten oder PalĂ€stina – erlebten noch im 6. Jahrhundert eine ökonomische BlĂŒte. Der offensichtliche Niedergang der curiales und die Erosion der lokalen Selbstverwaltung (s. o.) darf daher nicht einfach mit einer allgemeinen Krise der StĂ€dte gleichgesetzt werden. In vielen StĂ€dten des Ostens lassen sich noch unter Justinian I. private Stifter großer GebĂ€ude nachweisen. Offenbar war die lokale Elite in den StĂ€dten nicht verschwunden, sondern sie ĂŒbte ihren Einfluss nun in einer Form aus, die in den Quellen weniger Spuren hinterließ als frĂŒher.

Die in der Ă€lteren Forschung (A. H. M. Jones) teils vertretene Ansicht, die spĂ€tantike Wirtschaft habe zu wenig Produzenten und zu viele Konsumenten gehabt, ist inzwischen in Frage gestellt worden. Auch die Annahme, dass die Menschen unter einer stetig zunehmenden fiskalischen Belastung gelitten hĂ€tten, wie vor allem die Klagen in den Quellen nahelegen, scheint durch Papyrusfunde und archĂ€ologische Grabungen widerlegt zu werden. Von einer allgemeinen Wirtschaftskrise wĂ€hrend der gesamten SpĂ€tantike kann jedenfalls nicht ausgegangen werden. Die VerhĂ€ltnisse waren je nach Zeit und Ort zum Teil grundverschieden und besonders im Osten, wie gesagt, noch lange viel gĂŒnstiger als im Westen. In vielen lĂ€ndlichen Regionen, etwa Nordsyrien, bildete das 6. Jahrhundert sogar einen bis heute nicht wieder erreichten Höhepunkt in Hinsicht auf Bevölkerungsdichte und Wohlstand. Die besonders wohlhabende und einflussreiche Familie der Apionen in Ägypten, deren Geschichte recht gut belegt ist, konnte offenbar sehr lukrative GeschĂ€fte betreiben.

Die römischen Handelskontakte reichten bis in das (im 4. Jahrhundert christianisierte) Reich von Aksum im heutigen Äthiopien und nach SĂŒdarabien, wĂ€hrend die Handelsverbindungen ĂŒber Persien nach Zentralasien und weiter nach China von den Sassaniden kontrolliert wurden. Römischen Versuche, am Horn von Afrika den persischen Einfluss zurĂŒckzudrĂ€ngen bzw. neue, von den Sassaniden unabhĂ€ngige Handelsrouten einzurichten (siehe dazu Theophilos der Inder und Ella Asbeha), scheiterten jedoch. Persische HĂ€ndler etwa beherrschten den Handel mit chinesischer Seide im Indischen Ozean, wofĂŒr Ceylon ein wichtiger Umschlagplatz war. Die spĂ€trömische GoldwĂ€hrung, der Solidus, blieb im Mittelmeerraum bis ins Hochmittelalter der Standard und spielte auch im Fernhandel eine wichtige Rolle. Im Imperium kursierten nach modernen SchĂ€tzungen mehrere Millionen dieser MĂŒnzen; Ă€rmere Römer konnten von etwa 3 Solidi pro Jahr leben. Im Orient war daneben die sassanidische Silberdrachme weit verbreitet; sie wurde im 7. Jahrhundert von den Arabern ĂŒbernommen.

Das private Vermögen verteilte sich auf eine relativ kleine und wohlhabende Oberschicht (s. o.), die sich zwar gerne auf prĂ€chtige LandgĂŒter zurĂŒckzog, was frĂŒher teils als ein Indiz fĂŒr eine beginnende Feudalisierung gedeutet wurde, zugleich aber auch in den StĂ€dten prĂ€sent blieb. Dem gegenĂŒber galt der Großteil der Bevölkerung als „arm“, was aber nur grundsĂ€tzlich bedeutete, dass man nicht von seinen PfrĂŒnden oder seinem Grundbesitz leben konnte, sondern fĂŒr seinen Broterwerb selbst arbeiten musste. Daher wird diese Vorstellung von einer simplen Unterteilung in „Arm“ und „Reich“ der komplexen RealitĂ€t kaum gerecht, wenngleich in den Quellen teils – wie zu allen Zeiten – gegenĂŒber den sozialen Eliten der Vorwurf der Verschwendungssucht erhoben wird.

Auf dem Land galt fĂŒr die PĂ€chter der Großgrundbesitzer in der Regel die Bindung an das zu bearbeitende StĂŒck Land, die so genannte Schollenbindung (siehe Kolonat). Diese Maßnahme sollte die Bearbeitung des Bodens sichern und damit dem Staat stabile Einnahmen garantieren. Eine generelle, reichsweite Verarmung der Kleinbauern und ihre grundsĂ€tzliche VerdrĂ€ngung durch die Colonen lĂ€sst sich dabei nicht konstatieren. Auf dem Land, vor allem in Gallien, kam es jedoch vereinzelt zu AufstĂ€nden der so genannten Bagauden, deren Ursachen allerdings umstritten sind. Vielleicht handelte es sich dabei um Reaktionen auf germanische PlĂŒnderungszĂŒge. Insgesamt kennen wir fĂŒr die SpĂ€tantike auch unter Einrechnung von stĂ€dtischen Revolten weniger FĂ€lle von sozialen Unruhen als fĂŒr die frĂŒheren Phasen der römischen Geschichte.

Kaisertum und Verwaltung

Der Kaiser beanspruchte im spĂ€trömischen Reich spĂ€testens seit Diokletian eine sakrale Stellung, nicht unĂ€hnlich der eines Vizekönigs Gottes auf Erden (nĂ€heres dazu im Artikel Kaiser). Auf Portraits und MĂŒnzen verloren sich bereits seit Diokletian die individuellen ZĂŒge der Herrscher vielfach gegenĂŒber der Betonung der EntrĂŒckung und SakralitĂ€t ihres Amtes. Zwischen Konstantin und Phokas waren alle Kaiser (mit Ausnahme von Julian) glattrasiert. Das zunehmend ĂŒbersteigerte Hofzeremoniell erreichte seine Vollendung dann unter Justinian; dabei sind die Parallelen zum sassanidischen Hof auffĂ€llig, werden aber in der Forschung unterschiedlich interpretiert.[56] Dennoch kann nicht von einer „orientalischen Zwangsherrschaft“ gesprochen werden, denn faktisch hatten die spĂ€tantiken Kaiser nicht mehr Befugnisse als ihre VorgĂ€nger – eher weniger. Außerdem sollte die Beeinflussung mehrerer Kaiser durch Heermeister, einflussreiches Hofpersonal und Verwaltungspersonen sowie durch kirchliche WĂŒrdentrĂ€ger speziell im Westen nicht unterschĂ€tzt werden. Manche Kaiser waren zudem in sehr jungen Jahren auf den Thron gelangt und standen somit unter dem Einfluss ihrer Berater.

PortrĂ€tbĂŒste des oströmischen Kaisers Leo (heute im Louvre)

Der spĂ€tantike Herrscher war immer noch an das altrömische Prinzip der FĂŒrsorgepflicht gebunden, und neue Kaiser wurden weiterhin durch Akklamation erhoben. Auch wenn die Bedeutung des dynastischen Denkens wuchs und zumindest Kaisersöhne, sofern vorhanden, kaum ĂŒbergangen werden konnten, war das Kaisertum formal nach wie vor nicht erblich. Um die Nachfolge von Verwandten zu sichern, wurde meist versucht, diese im Vorfeld bereits als Mitkaiser an der Macht zu beteiligen (z. B. Justinian durch Justin I.). Zudem war die Gesetzesherrschaft keineswegs suspendiert, wie oft mit dem Begriff des Dominats in der Ă€lteren Forschung suggeriert wurde. Vielmehr zeigen zahlreiche Erlasse in den Codizes, dass die Kaiser weiterhin an das Recht als solches gebunden waren (siehe beispielsweise die Äußerung im Codex Iustinianus, 1,14,4), da sie durch offen unrechtmĂ€ĂŸiges Vorgehen ihre LegitimitĂ€t eingebĂŒĂŸt und Usurpationen riskiert hĂ€tten – so wie Kaiser Phokas, der zahlreiche Aristokraten hinrichten ließ und schließlich 610 gestĂŒrzt wurde.

Eine ĂŒbliche Praxis in der SpĂ€tantike war die Ernennung eines Mitkaisers (Caesar) neben dem Hauptkaiser (Augustus) oder die Trennung des Herrschaftsbereiches zwischen zwei Augusti, wie etwa zwischen Valentinian I. und Valens. Die Einheit des Reiches blieb davon jedoch unberĂŒhrt, da die Gesetze eines Kaisers auch fĂŒr die andere ReichshĂ€lfte GĂŒltigkeit besaßen. Erst nach dem Tode Theodosius’ I. wurde aus der verwaltungstechnischen Teilung auch eine faktische. Allerdings blieb die Vorstellung von einer Reichseinheit bis weit ĂŒber das Ende des westlichen Kaisertums hinaus lebendig und wirksam, und noch bis ins 7. Jahrhundert wurde immer wieder die Erhebung eines neuen Augustus des Westens und somit eine Erneuerung des Mehrkaisertums diskutiert.[57]

Im Inneren zeichnete sich ein Trend zur stĂ€rkeren Zentralisierung der Verwaltung ab. Vor allem Konstantin schuf zahlreiche neue HofĂ€mter. Bereits ab Diokletian galt dabei grundsĂ€tzlich jeder, der im Dienst des Kaisers stand, formal als Soldat (miles); auch die TĂ€tigkeit im zivilen Bereich war nun eine militia, weshalb die AmtstrĂ€ger meist MilitĂ€rumhang (chlamys) und SoldatengĂŒrtel (cingulum) trugen. Zudem wurden sie pro forma bei ihrer Einstellung einer militĂ€rischen Einheit zugewiesen; so wurden zum Beispiel noch unter Kaiser Justinian die Schreiber des praefectus praetorio Orientis offiziell der Legio I Adiutrix zugerechnet.[58] Nur die Konsuln und StadtprĂ€fekten von Rom und Konstantinopel trugen noch im 6. Jahrhundert bei öffentlichen Auftritten grundsĂ€tzlich die Toga. Das altehrwĂŒrdige Konsulat, das schon seit Augustus kaum noch wirkliche Macht beinhaltet hatte, blieb zwar bis 542 erhalten, hatte aber keinerlei politischen Einfluss mehr.

Die Teilung von ziviler und militĂ€rischer Gewalt, die in Rom zuvor unbekannt gewesen war, ist ein typisches PhĂ€nomen der SpĂ€tantike und wurde erst ab dem 6. Jahrhundert schrittweise wieder aufgegeben. Dabei war die zivile Hierarchie seit Diokletian und Konstantin im Wesentlichen die folgende: Direkt dem Kaiser unterstellt waren die PrĂ€torianerprĂ€fekten (Singular: praefectus praetorio). Die von diesen verwalteten PrĂ€fekturen zerfielen in Diözesen, denen Vikare vorstanden, und die ihrerseits aus Provinzen bestanden. In Italien blieb dieses System bis in die Zeit der Ostgoten bestehen, im Osten sogar bis ins 7. Jahrhundert. Die Basiseinheit der Verwaltung blieb bis ins 6. Jahrhundert die Stadt (polis bzw. civitas), wobei die traditionellen urbanen Ämter seit dem 4. Jahrhundert an Bedeutung verloren und die stĂ€dtische Autonomie im Verlauf der Epoche zunehmend eingeschrĂ€nkt wurde (s. o.).

Der spĂ€trömische Hof (comitatus) umfasste eine Vielzahl von Beamten, von denen die wichtigsten zum Hofrat (consistorium) gehörten.[59] Zu den wichtigsten FunktionĂ€ren zĂ€hlten neben dem magister officiorum, dem Leiter der Verwaltung, der comes sacrarum largitionum, der fĂŒr die Reichsfinanzen zustĂ€ndig war, und der praepositus sacri cubiculi. Letzterer war meist ein Eunuch und leitete den kaiserlichen Haushalt, wodurch er oftmals den Zugang zum Kaiser kontrollieren konnte. Der quaestor sacri palatii war der Leiter der kaiserlichen Kanzlei. Er war in der Regel ein Jurist, da er auch mit der Abfassung kaiserlicher Gesetze beauftragt war. Außerdem publizierte er kaiserliche Edikte und bewahrte die Kopien auf. Personen, die sich auf wichtigen Posten besonders hervorgetan hatten, wurden teils auch mit dem hohen Ehrentitel eines patricius ausgezeichnet. Wie bereits im Prinzipat war der Kaiser dabei stets durch die Gefahr möglicher Usurpationen bedroht.[60] Durch die Verleihung von Posten und Ehrentiteln konnten die Kaiser versuchen, verschiedene Aristokraten gegeneinander auszuspielen, um selbst an Handlungsfreiheit zu gewinnen.[61]

Die BĂŒrokratie gewann in der SpĂ€tantike insgesamt an Umfang, ebenso der Steuerdruck. Dieser Faktor wurde aber von der Ă€lteren Forschung wohl ĂŒberschĂ€tzt, denn verglichen mit modernen Vorstellungen kann auch der spĂ€trömische Staat als eindeutig unteradministriert gelten. Die Probleme entstanden öfter aus einem Zuwenig als aus einem Zuviel an Verwaltung. Zwar umfasste die Reichsadministration um 400 etwa drei- bis viermal so viele Mitarbeiter wie wĂ€hrend des Prinzipats, doch kamen auf diese gut 30.000 „Beamten“ ĂŒber 70 Millionen Einwohner. Jedes Mitglied der Verwaltung war also im Schnitt fĂŒr ĂŒber 2000 Menschen zustĂ€ndig. Zudem war die Verwaltung faktisch weitaus weniger hierarchisch gegliedert, als es bei oberflĂ€chlicher Betrachtung den Anschein hat, zumal nicht nur lokale Strukturen bestehen blieben, sondern auch das alte Recht jedes freien BĂŒrgers, sich unter Umgehung aller Instanzen direkt an den Kaiser zu wenden, bis zuletzt nicht angetastet wurde.

Einem erhaltenen Gesetz Justinians (Cod. Iust. 1,27,1) verdankt man Kenntnisse um die Kosten der zivilen Verwaltung: Der 534 vom Kaiser neu eingesetzte praefectus praetorio von Africa verfĂŒgte demnach ĂŒber insgesamt 396 Mitarbeiter, die jĂ€hrlich zusammen 4172 solidi erhielten, wĂ€hrend der PrĂ€fekt selbst alleine fast doppelt so viel bekam, nĂ€mlich 7200 solidi, was einem Viertel des Gesamtetats seiner PrĂ€fektur entsprach. Demselben Gesetz lĂ€sst sich entnehmen, dass das Jahresgehalt eines nordafrikanischen Provinzstatthalters unter Justinian bei 448 solidi lag; er verfĂŒgte ĂŒber jeweils 50 Mitarbeiter, die insgesamt nur 160 solidi verdienten. Zum regulĂ€ren Gehalt kamen allerdings teils sehr große Summen hinzu, die Bittsteller als Schmiermittel zu zahlen hatten; solange diese Art der Korruption ein bestimmtes Maß nicht ĂŒberschritt, wurde sie nicht als anstĂ¶ĂŸig empfunden, sondern galt als selbstverstĂ€ndlich.

Im Westen verlor Rom bald nach 300 endgĂŒltig seine zentrale Stellung als Kaiserresidenz, nicht jedoch die Stellung als symbolische Hauptstadt des Imperiums. Schon lĂ€ngst residierten die Kaiser nĂ€her an den gefĂ€hrdeten Grenzen, etwa in Trier oder in Sirmium. Im Westen wurde zunĂ€chst Mailand, schließlich das aufgrund seiner geografischen Lage lange als uneinnehmbar geltende Ravenna Hauptstadt des Westreiches (zeitweilig residierten Kaiser wie Valentinian III. und Anthemius aber auch wieder in Rom). Im Ostreich hingegen residierten die Kaiser seit Theodosius I. nunmehr dauerhaft in Konstantinopel, nachdem dort zunĂ€chst auch Antiochia am Orontes Herrschersitz gewesen war.

Die spÀtrömische Armee

Kaiser Honorius (mit dem Labarum) in der Tracht eines spÀtrömischen Offiziers. Elfenbeindyptichon von 406 n. Chr.

Auch die spĂ€trömische Armee wandelte sich.[62] Erste einschneidende Reformen waren bereits um 260 eingeleitet worden, als Gallienus die MobilitĂ€t der Truppe erhöht und ĂŒberdies die Senatoren von ihren militĂ€rischen Kommandoposten entbunden hatte. Die Armee verlor dadurch relativ rasch den Charakter, den sie im Prinzipat besessen hatte. Die Maßnahmen, die die Soldatenkaiser ergriffen hatten, wurden von Diokletian systematisiert und weitergefĂŒhrt. Das Heer wurde um 300 endgĂŒltig in ein Marsch- (comitatenses) und ein Grenzheer (limitanei) unterteilt. Die Ă€ltere Auffassung, wonach es sich bei letzteren um militĂ€risch fast wertlose MilizionĂ€re gehandelt habe, wird mittlerweile zunehmend in Frage gestellt; der Unterschied zwischen Bewegungs- und Grenzheer dĂŒrfte in der Praxis geringer gewesen sein, als es die Ă€ltere Forschung annahm. Vor allem im Westen wurde das römische Heer durch die stetige Aufnahme von Germanen zunehmend „barbarisiert“ (zumindest ist dies die traditionelle Sichtweise, die inzwischen bestritten wird). Allerdings geben die Quellen praktisch keine Hinweise darauf, dass die Barbaren im regulĂ€ren Heer illoyal gewesen wĂ€ren, solange sie ihren Sold erhielten. Insgesamt kam es nun sogar seltener zu Rebellionen als wĂ€hrend des Prinzipats, und auch die militĂ€rische LeistungsfĂ€higkeit blieb grundsĂ€tzlich erhalten: Eine entschlossen gefĂŒhrte römische Armee konnte noch im 6. Jahrhundert auch zahlenmĂ€ĂŸig ĂŒberlegene barbarische Heere schlagen. Die zentrale Schwierigkeit bestand eher darin, die immensen Kosten, die mit dem Unterhalt der regulĂ€ren kaiserlichen Truppen verbunden waren, auf Dauer zu decken. Dies gelang in Ostrom weitaus besser als im Westen.

Ein Problem stellten die unter eigenen AnfĂŒhrern kĂ€mpfenden Foederaten dar, die vor allem im Westen immer mehr an Bedeutung gewannen, da sie weitaus billiger waren als regulĂ€re Einheiten, die aber zugleich vom Kaiser immer schlechter kontrolliert werden konnten. Vermutlich wurde schon den Westgoten bei ihrer Ansiedlung in Aquitanien zugestanden, „ihren“ Anteil am Steueraufkommen selbst einzutreiben. In Westrom mĂŒndete dieser Prozess schließlich im 5. Jahrhundert in der faktischen Selbstauflösung des regulĂ€ren Heeres, da im Westen zuletzt die finanziellen Mittel zum Unterhalt regulĂ€rer Truppen fehlten, die die Foederaten hĂ€tten kontrollieren sollen. Die germanischen Truppen traten nun an die Stelle des weströmischen Heeres, und ihre AnfĂŒhrer ĂŒbernahmen schließlich die Rolle des Staates, der aus ihrer Sicht am Ende ĂŒberflĂŒssig geworden war. Gleichzeitig entstanden ab etwa 400 in Ost und West private Haustruppen, die Feldherren oder sogar reiche Privatleute unterhielten, die sogenannten bucellarii.

Einige Forscher vermuten, dass in diesem Zusammenhang die blutige Schlacht am Frigidus 394, in der Theodosius I. den Usurpator Eugenius besiegte, einen Wendepunkt markiert habe. Damals starben nicht nur zahllose germanische Hilfstruppen beider Seiten, sondern es fanden auch die besten Einheiten des regulĂ€ren weströmischen Heeres den Tod. Diese konnten offenbar nicht mehr ersetzt werden, wenngleich die HeeresstĂ€rke zum Zeitpunkt des Todes Theodosius’ I. noch relativ hoch lag. Allerdings mussten in der darauffolgenden Zeit mehrere Einheiten im Westen neu aufgestellt werden, was wohl zu Lasten der QualitĂ€t dieser neuen Einheiten ging. Danach waren die Kaiser in Westrom viel stĂ€rker auf den Einsatz barbarischer Foederaten angewiesen als die Kaiser im Osten.

WĂ€hrend die Besoldung der Truppen den zivilen Beamten oblag, sah die militĂ€rische Hierarchie des spĂ€tantiken Reiches grob aus wie folgt: Nur dem Kaiser (bzw. den Kaisern) unterstellt war der magister militum (bzw. die magistri militum, denn es gab zumindest in Ostrom meist mehrere). Dann folgten die comites (Einzahl: comes) und die lokalen Kommandeure in den Provinzen, die duces (Einzahl: dux). Die Kaiser verfĂŒgten zudem ĂŒber eine Leibwache; als die protectores und scholae zu einer reinen Paradetruppe herabgesunken waren, grĂŒndete man in Ostrom um 460 die excubitores als schlagkrĂ€ftige Eliteeinheit.

Eine Seite aus einer mittelalterlichen Kopie der Notitia dignitatum

Die strikte Trennung des militĂ€rischen vom zivilen Bereich wurde erst um 600 wieder aufgegeben. In den Exarchaten, die die oströmischen Kaiser im spĂ€ten sechsten Jahrhundert in Karthago und Italien einrichteten, waren beide Bereiche wieder vereint. Im Heer selbst nahm die Bedeutung der Reiterei, besonders der Panzerreiterei (kataphraktoi), immer mehr zu; dies erhöhte zwar Kosten und Aufwand fĂŒr den einzelnen Soldaten, erhöhte aber die MobilitĂ€t erheblich. Panzerreiter und berittene BogenschĂŒtzen spielten daher ab dem 5. Jahrhundert sogar eine grĂ¶ĂŸere Rolle als die Infanterie.

Die TruppenstĂ€rke der spĂ€trömischen Armee ist in der Forschung umstritten, da die Quellen auch nicht eindeutig sind.[63] Insgesamt wurde die Anzahl der Legionen unter Diokletian erhöht (auf etwa 60), wobei jedoch gleichzeitig ihre TruppenstĂ€rke abnahm. Statt der alten SollstĂ€rke von 6000 Mann dienten nun nur noch 1000 in einer Legion, und auch diese Zahl wurde faktisch selten erreicht. In der Folge verlor die Legion immer weiter an GrĂ¶ĂŸe und verschwand zuletzt wohl ganz, auch wenn vereinzelt noch unter Kaiser Maurikios so bezeichnete Einheiten erwĂ€hnt werden.

Lactantius schreibt, Diokletian habe die StĂ€rke der Armee vervierfacht (De mortibus persecutorum, 7,2). Diese Darstellung ist jedoch nicht sehr glaubhaft, da Lactantius wohl einfach das Schema der Tetrarchie auf die Armee ĂŒbertrĂ€gt. Im 4. Jahrhundert dĂŒrfte die HeeresstĂ€rke jedenfalls in etwa bei 400.000 Mann gelegen haben, womit sie etwas höher lag als in der frĂŒhen und hohen Kaiserzeit. Nach den Angaben der Notitia dignitatum lag die SollstĂ€rke um 400 bei etwa 600.000 Mann. Agathias errechnete dann um 570 eine SollstĂ€rke von 645.000 (5,13,7). Wie er zu dieser SchĂ€tzung kam, ist unklar, doch dĂŒrfte er das nicht mehr existierende Westheer miteingerechnet haben. Zur Zeit Justinians dienten seinen Angaben nach jedenfalls nur noch 150.000 Mann (5,15) in der oströmischen Armee. Diese Zahl ist jedoch vermutlich deutlich zu niedrig angesetzt (wahrscheinlich zĂ€hlte Agathias nur die comitatenses). In der Forschung wird eher von der doppelten StĂ€rke ausgegangen. Damit wĂ€re Justinians Armee in etwa ebenso groß gewesen wie die des Augustus.

Insgesamt wurde die HeeresstĂ€rke der spĂ€trömischen Armee zwar erhöht, sie war jedoch angesichts der vielfĂ€ltigen Aufgaben kaum ausreichend, zumal sie oft an den Grenzen gebunden war. Daher mutet es auch wenig verwunderlich an, wenn die meisten spĂ€tantiken MilitĂ€roperationen mit vergleichsweise wenig MĂ€nnern durchgefĂŒhrt wurden. Kaiser Julians Feldzug gegen die Sassaniden war mit ca. 65.000 Mann (die teils deutlich höheren Zahlenangaben in den Quellen sind weniger wahrscheinlich) eine der grĂ¶ĂŸten MilitĂ€roperationen der SpĂ€tantike.[64] Insgesamt wurden die grĂ¶ĂŸten römischen Armeen meist an der Ostgrenze eingesetzt. Stilicho operierte 40 Jahre nach Julian im Westen mit nur etwa 20.000 Mann, wĂ€hrend Belisar 533 mit wohl etwas mehr als 15.000 Elitesoldaten gegen die Vandalen zog, nachdem er drei Jahre zuvor noch deutlich ĂŒber 30.000 KĂ€mpfer gegen die Sassaniden ins Feld gefĂŒhrt hatte. Kaiser Anastasios I. mobilisierte noch 503 ĂŒber 50.000 Mann zur Abwehr eines persischen Angriffs, und in den 550er Jahren operierten sowohl in Italien als auch im Kaukasus römische Armeen mit jeweils gut 30.000 Soldaten. Mitunter konnten im Orient noch weitaus grĂ¶ĂŸere VerbĂ€nde aufgestellt werden, deren Schlagkraft dann allerdings meist begrenzt war. Noch das kaiserliche Heer, das sich 636 den Arabern stellte und vernichtet wurde, dĂŒrfte mehrere zehntausend Mann umfasst haben. Erst um diese Zeit wurde in Ostrom angesichts der militĂ€rischen Krisen die Organisation der Armee grundlegend verĂ€ndert, und aus dem spĂ€trömischen wurde in der Folge das ganz anders aufgebaute byzantinische Heer.

Die Kirche

Die ĂŒber effiziente Verwaltungsstrukturen verfĂŒgende Kirche (siehe auch Alte Kirche) festigte in der SpĂ€tantike ihre Stellung. Bereits Konstantin der Große hatte die Kirche gefördert, sodass diese nun auch ĂŒber wirtschaftliche Macht verfĂŒgte, die sie unter anderem auch fĂŒr die Armenversorgung nutzte. Durch staatliche Privilegien wurde sie auch fĂŒr die Oberschicht des Reiches interessant, und indem sich seit dem 4. Jahrhundert die Kindstaufe durchsetzte, wĂ€hrend Apostasie (Abfall vom Glauben) bald mit dem Tod bedroht wurde, war es schließlich kaum noch möglich, sich frei fĂŒr oder gegen das Christentum zu entscheiden. Es kam jedoch trotz oder wegen der steigenden Macht der neuen Religion bald zu mehreren Kontroversen innerhalb der Kirche: Weniger das Heidentum, das aber noch im 5. und 6. Jahrhundert durchaus aktiv war, als vielmehr theologischen Differenzen (besonders bzgl. der Natur Christi) innerhalb der Kirche erschwerten die innere Festigung (siehe Erstes Konzil von NicĂ€a, Arianismus, Nestorianismus, Monophysitismus). Auch die fĂŒnf ökumenischen Konzile der SpĂ€tantike konnten hier keine Einigung herstellen.[65]

Älteste bekannte Darstellung des Augustinus in der Tradition des Autorenbildes (Laterankirche, 6. Jh.).

Dabei muss beachtet werden, dass in jener Zeit Religionsfragen nicht nur von einem kleinen Zirkel von Theologen besprochen wurden, sondern dass diese Diskussion mit Leidenschaft auch in den unteren Bevölkerungsschichten gefĂŒhrt wurde. Schließlich ging es um das persönliche Heil des Einzelnen. Wer einer falschen Lehre anhing, dessen Seele war verloren. Die Feststellung des „orthodoxen“ Standpunktes war also fĂŒr alle GlĂ€ubigen von entscheidender Bedeutung. Hinzu kamen verunsichernde Ereignisse wie die kurzfristige heidnische Renaissance unter Kaiser Julian oder der Schock der PlĂŒnderung Roms 410, auf den Augustinus von Hippo, Orosius und andere literarisch reagierten. Bis zum Ende der Epoche (und vor allem im Osten darĂŒber hinaus) bestimmten theologische Auseinandersetzungen, die meist untrennbar mit Machtfragen verknĂŒpft waren, die Geschichte in entscheidendem Maße mit. Indem das Christentum zur Religion von Kaiser und Reich (dem Imperium sanctum) wurde und Christus zum Kosmokrator, der als eine Art himmlischer Kaiser gedacht wurde, musste es sich der Welt anpassen und erfuhr eine massive Transformation. Unter anderem wurde es notwendig, Gewalt theologisch zu begrĂŒnden, da auch das nunmehr christliche Imperium weiterhin militĂ€rische Konflikte ausfocht. Besonders Augustinus entwickelte daher, aufbauend auf der alten römischen Vorstellung des bellum iustum, eine theologische Rechtfertigung des Krieges. Neben dieser Entfernung vom altchristlichen Gebot der NĂ€chstenliebe erregte vor allem die zunehmende Verweltlichung der Kleriker und der rasant wachsende Reichtum der Kirche vielfach Befremden und Widerspruch. Erst in den letzten Jahren wird in der Forschung zudem verstĂ€rkt darauf hingewiesen, dass es im 4. Jahrhundert durchaus noch keine klaren Vorstellungen davon gab, was genau „Christsein“ eigentlich ausmache – so sei jene Richtung, die den strikten Ausschließlichkeitsanspruch des Christentums vertrat, zunĂ€chst nur eine unter vielen Strömungen gewesen, wĂ€hrend es in der Praxis anfangs viele Menschen gab, die lediglich unter anderem Christ waren.[66]

Daneben ist es falsch zu glauben, dass das Heidentum mit der konstantinischen Wende verschwand. Es hielt sich trotz der antiheidnischen Gesetzgebung der Kaiser Gratian und Theodosius I. noch lange Zeit auf dem flachen Land, vor allem im Westen, und ihm hingen auch noch große Teile der gebildeten Aristokratie an, wenngleich jĂŒngst Alan Cameron manch Ă€ltere Annahme in Frage gestellt hat.[67] Um 400 dĂŒrfte es aber wohl noch ungefĂ€hr genau so viele Christen wie Heiden gegeben haben, wobei die Christianisierung regional unterschiedlich verlief. Die StĂ€dte waren stĂ€rker christianisiert, wĂ€hrend auf dem Land die Entwicklung langsamer voranschritt: Mehrfach wurden in Gallien und Italien Missionare erschlagen, wenn sie Bauern an Opfern fĂŒr die Erntegötter hindern wollten, und noch im frĂŒhen 6. Jahrhundert konnte der Heide Zosimos ein Geschichtswerk schreiben, in dem er den Christen die Schuld am Niedergang Roms gab. Den letzten offiziell geduldeten heidnischen Tempel, das berĂŒhmte Isis-Heiligtum von Philae, ließ erst Justinian um 537 schließen. Unter Kaiser Tiberios I. kam es 579 zu einem Heidenaufstand in Syrien, und erst 599 ließ Papst Gregor der Große die zahlreichen AltglĂ€ubigen Sardiniens durch Folter und Kerkerhaft zur Taufe zwingen. Sogar die arabischen Eroberer im 7. Jahrhundert trafen noch auf oströmische Regionen und StĂ€dte, die weiterhin vom alten Polytheismus geprĂ€gt waren. Zugleich hingen nicht wenige Menschen sowohl dem Christentum als auch den alten Kulten an und missachteten damit den Absolutheitsanspruch der Kirche. Oft wird angenommen, dass damals Marienkult und Heiligenverehrung christliche ZugestĂ€ndnisse an die polytheistischen Neigungen der Mehrheit darstellten, die nach Entsprechungen fĂŒr die antiken Muttergottheiten (Isis, Kybele) und nach eigenen Göttern fĂŒr bestimmte Probleme und Bereiche verlangte. Nicht wenige ehemalige Nichtchristen dĂŒrften zudem bewusst oder unbewusst Elemente und Denkweisen der alten Kulte auch nach ihrer Konversion beibehalten haben. So stellten die Heiden spĂ€testens ab etwa 400 eine immer kleiner werdende Minderheit dar, aber die alten Religionen hinterließen deutliche Spuren im Christentum.

In der SpĂ€tantike entwickelte sich auch das Amt des Bischofs von Rom hin zum Papsttum. Den entscheidenden Schritt in diese Richtung tat Gregor der Große, der zugleich als der letzte spĂ€tantike Kirchenlehrer und der erste mittelalterliche Papst gelten kann.

Im Osten, genauer gesagt in Ägypten, nahm mit Antonius dem Großen gegen Ende des 3. Jahrhunderts das Mönchtum seinen Anfang, das sich gegen Ende des 4. Jahrhunderts langsam im Reich ausbreitete. FĂŒr die Entwicklung des Klosterwesens war daneben insbesondere Pachomius bedeutsam. Die Jahre zwischen etwa 300 und 600 waren durch das Auftreten der „Holy Men“ (Peter Brown) geprĂ€gt, charismatischer Einzelner, die besonders in Ostrom als SĂ€ulenheilige und Eremiten hohes Ansehen genossen. Vermutlich stellte dieses PhĂ€nomen eine Reaktion auf die zunehmende Verweltlichung des Christentums dar, die der Preis fĂŒr die Allianz mit dem römischen Staat war (siehe oben). Anders als im Westen gelang es einzelnen Heiligen MĂ€nnern im Osten, die AutoritĂ€t der Bischöfe zeitweise empfindlich in Frage zu stellen.

Die erstarkte Stellung der Kirche kam auch dadurch zum Ausdruck, dass sich verstĂ€rkt befĂ€higte Personen gegen den Staatsdienst und fĂŒr den Dienst in der Kirche entschieden, zumal Kleriker seit dem 4. Jahrhundert bedeutende Privilegien wie etwa Steuerfreiheit genossen. Dazu gehörten der ehrgeizige und energische Ambrosius, dem es gelang, auf die Kaiser Gratian und Theodosius I. Einfluss zu nehmen, sowie am Ende der Epoche Gregor der Große.

Außerhalb des Imperiums waren Christen im persischen Mesopotamien relativ zahlreich vertreten, ebenso im Kaukasus. Das Reich von Aksum wurde im 4. Jahrhundert christianisiert (siehe Ezana) und bildete seitdem einen der Drehpunkte der römischen Diplomatie in diesem Raum. Auch existierten christliche Gemeinden in SĂŒdarabien. Die Christianisierung der Germanen erfolgte jedoch zumeist durch deren Übernahme des arianischen Bekenntnisses (siehe etwa Ulfila), wenn auch in vielen FĂ€llen spĂ€ter der Übertritt zum Katholizismus erfolgte; eine Ausnahme waren die Franken, die offenbar direkt zum katholischen Glauben konvertierten.[68]

Dem Mittelalter rettete die Kirche, die sich im 4. Jahrhundert langsam zur Reichskirche entwickelte, wenigstens Teile des antiken Wissens (wenngleich sie zugleich auch Mitschuld am Verschwinden missliebiger Schriften trug). Als die römische Armee und das römische Beamtenwesen im Westen nach und nach verschwanden, blieb die Kirche bestehen und im 5./6. Jahrhundert trat sie zunehmend an die Stelle des dort nicht mehr funktionsfÀhigen Staates.

Religiöse Entwicklungen außerhalb des Christentums

In der SpÀtantike gelang nicht nur dem Christentum der Durchbruch zur dominierenden Religion im römischen Reich, sondern auch neue Glaubensrichtungen kamen auf und bereits etablierte entwickelten sich weiter.

MĂŒnze des Kaisers Probus (276–282) mit Sol Invictus auf der Quadriga

Das „Heidentum“ (der Begriff ist problematisch, da polemisch und pauschal) blieb wenigstens bis ins spĂ€te 4. Jahrhundert eine lebendige Kraft. Im Streit um den Victoriaaltar, den der römische StadtprĂ€fekt Quintus Aurelius Symmachus und Bischof Ambrosius von Mailand im Jahr 384 austrugen, kamen die gegensĂ€tzlichen Positionen von Christen und Heiden noch einmal symptomatisch zum Ausdruck. Um 400 war der Sieg des Christentums dann zwar unabwendbar, doch noch im 5. Jahrhundert hofften vielleicht manche heidnische Intellektuelle auf eine Renaissance der vorchristlichen Religion. Allerdings hat Alan Cameron jĂŒngst mehrere Ă€ltere Thesen bezĂŒglich der heidnischen Eliten im 4. Jahrhundert in Frage gestellt und die Vorstellung, es habe eine geschlossene Gruppe in der heidnischen Elite gegeben, die sich als VorkĂ€mpfer fĂŒr die „traditionellen Werte“ (die oft genug auch fĂŒr Christen von Bedeutung waren) betĂ€tigt habe, als Mythos bezeichnet. Es habe Cameron zufolge kein vielbeschworenes „pagan revival“ im spĂ€ten 4. Jahrhundert gegeben und viele fĂŒr Christen gleichermaßen wichtige kulturelle Werte hĂ€tten die Konversion der heidnischen Elite erleichtert.[67]

Jedenfalls waren sogar um 600 die alten Kulte keineswegs ĂŒberall verschwunden (s. o.), wenngleich sie nun faktisch ohne Bedeutung waren. All diesen Religionen war gemein, dass ihnen der Ausschließlichkeitsanspruch des Monotheismus fehlte; ein Verehrer von Mithras oder Isis leugnete also nicht die Existenz anderer Götter, selbst wenn er sie nicht verehrte. Diese Religionen waren anders als die christliche Kirche nicht zentral organisiert, sondern stellten vielmehr eine synkretistische Vielfalt verschiedener Glaubensvorstellungen dar. Neben den Kulten, die man zur traditionellen römischen Religion zĂ€hlen kann, waren vor allem die aus dem Osten stammenden Mysterienkulte von Bedeutung (nĂ€heres siehe dort). Ebenso erfreute sich der Sonnengottkult betrĂ€chtlicher Beliebtheit; so war auch Konstantin der Große lange Zeit ein AnhĂ€nger Sols. Daneben hatte besonders im römischen Heer Mithras eine grĂ¶ĂŸere Anzahl von AnhĂ€ngern; Mithras und Sol wurden dabei oft miteinander verbunden: Der Haupttempel des Sol Invictus Mithras in Baalbek wurde erst unter Justinian I. durch ein Feuer zerstört. Auch der Synkretismus sowie der Neuplatonismus hatten eine besondere Bedeutung fĂŒr das spĂ€tantike Heidentum, wobei oft zwischen Philosophie und Religion nicht streng unterschieden wurde.

Das „Heidentum“ hielt sich noch lange Zeit, besonders bei der Landbevölkerung. Bereits in der Antike war deshalb die (falsche) Herleitung des Ausdrucks paganus (Nichtchrist) von „Landbewohner“ ĂŒblich. Aber auch Teile der Senatsaristokratie und verschiedene philosophische Kreise blieben noch lĂ€ngere Zeit heidnisch; die Zahl der Heiden nahm ab dem 4. Jahrhundert jedoch deutlich ab (siehe den Abschnitt zur Kirche).[69] Allerdings gab es durchaus viele Kontakte zwischen der altglĂ€ubigen und der christlichen Gedankenwelt, die sich auch gegenseitig beeinflussten; ein Grund hierfĂŒr war, dass neu bekehrte Christen Vorstellungen und Denkmuster aus ihrer frĂŒheren Religion in die neue einbrachten. So verwundert es nicht, dass die Christen, beeinflusst durch die sich im Sonnenkult ausdrĂŒckenden Vorstellungen, in Jesus bald die „Sonne der Gerechtigkeit“ sahen.[70]

ManichÀer aus einem Manuskript von Khocho, Tarimbecken.

Ein besonderes PhĂ€nomen der SpĂ€tantike stellt der ManichĂ€ismus dar. BegrĂŒndet wurde er im 3. Jahrhundert vom Perser Mani, der sich Aspekte verschiedener Religionen (wie des Christentums, aber auch des Zoroastrismus (s. u.) und des Buddhismus) bediente. Beim ManichĂ€ismus handelte es sich um eine dualistische Buchreligion (Gut und Böse, Licht und Dunkelheit gelten als in einen ewigen Kampf verwickelt), die sich bald zu einer einflussreichen Glaubensrichtung entwickelte und in Persien anfangs gefördert wurde. Der neue Glaube fand von Spanien bis Zentralasien AnhĂ€nger, die aber im Römischen Reich und in Persien teils Verfolgungen ausgesetzt waren. Augustinus hing dieser Religion an, bevor er zum Christentum konvertierte. Bald darauf wurde „ManichĂ€er“ fĂŒr christliche Theologen ein Synonym fĂŒr „Ketzer“ und behielt diese Bedeutung bis ins Mittelalter.

Im persischen Sassanidenreich, wo Christen ebenso wie Juden und ManichĂ€er lebten, war die vorherrschende und von den Großkönigen bevorzugt geförderte Religion der Zoroastrismus. Allerdings sind viele Aspekte dieser Religion in der Forschung umstritten, da die meisten Zeugnisse aus nachantiker Zeit stammen. Es ist auch nicht restlos geklĂ€rt, ob man den Zoroastrismus als regelrechte „Staatsreligion“ bezeichnen kann, wie dies in der Ă€lteren Forschung oft getan wurde. In der neueren Forschung tendiert man zu einer vorsichtigeren EinschĂ€tzung, da andere Kulte von den Sassaniden in der Regel geduldet wurden. Dennoch war der Zoroastrismus (bzw. Mazdaismus) bis zum Einbruch des Islam die einflussreichste Religion im Iran. Daran Ă€nderte die Existenz zahlreicher christlicher Gemeinden im Westen des Reiches ebenso wenig wie die religiös-sozialrevolutionĂ€re Bewegung der Mazdakiten, die das Reich in den Jahrzehnten um 500 erschĂŒtterte.

Das Judentum litt in der SpĂ€tantike weiter unter den Bedingungen der Diaspora. Die meisten römischen Kaiser waren den Juden (trotz diverser abfĂ€lliger Bemerkungen in der Gesetzgebung) nicht wirklich feindlich gesinnt, jedenfalls solange die öffentliche Ordnung nicht tangiert wurde. Es bestanden allerdings erhebliche Spannungen zwischen Juden und Nichtjuden. Mehrere christliche Kaiser beschrĂ€nkten die jĂŒdische Religionspraxis oder verboten den Neubau von Synagogen. Dennoch blieb das Judentum nach 391/92 die einzige erlaubte nichtchristliche Religion im Imperium Romanum. Mehrere christliche Kaiser bestanden auf gewissen Schutzvorschriften fĂŒr Juden; sie waren aber trotzdem vereinzelten Übergriffen ausgesetzt. Bereits 429 wurde die Institution des „Patriarchen der Juden“ aufgehoben und PalĂ€stina in vier Provinzen unterteilt. Die Kirche lehnte jedoch die Aufnahme von zwangsbekehrten Juden (theoretisch) strikt ab. Ein spezielles Problem stellten die Samaritaner dar, eine jĂŒdische Splittergruppe, die wiederholt Konflikte mit der römischen Zentralgewalt austrug und besonders unter Justinian I. in blutige KĂ€mpfe mit kaiserlichen Truppen verwickelt war (siehe Julian ben Sabar).

Auch der Islam hat seine Wurzeln im religiösen Denken der SpĂ€tantike und war stark von Christen- und Judentum sowie wahrscheinlich auch vom Zoroastrismus beeinflusst.[71] Die extreme Position einiger Gelehrter (u. a. Karl-Heinz Ohlig), die die Existenz Mohammeds bezweifeln und den Islam fĂŒr eine christliche HĂ€resie halten, die sich erst um 800 zu einer eigenstĂ€ndigen Religion entwickelt habe, hat sich bislang nicht durchgesetzt.

Insgesamt war der allgemeine religiöse Trend in der frĂŒhen SpĂ€tantike hin zum Henotheismus bzw. Monotheismus unverkennbar, wovon das Christentum betrĂ€chtlich profitierte. Dieses bot mit seiner Erlösungsbotschaft auch eine verlockende Alternative, zumal die Kirche karitativ tĂ€tig war. Selbst der letzte heidnische Kaiser des Gesamtreiches, Julian, bewunderte diesen Aspekt und versuchte vergeblich, dies auch innerhalb seiner (vielleicht) geplanten „heidnischen Staatskirche“ einzubauen. Dem missionarischen Impetus waren die heidnischen Kulte seit der massiven staatlichen Förderung des Christentums seit Konstantin letztendlich nicht gewachsen. Ihr langer Fortbestand als Minderheitenreligion warnt allerdings davor, den alten Kulten jede Lebenskraft abzusprechen – dies entspricht vielleicht eher der Sicht der christlichen Sieger als der RealitĂ€t.

Zeitleiste

Entwicklung bis zum FrĂŒhmittelalter
  • 284: Regierungsantritt Diokletians. Reichsreform und erfolgreiche Stabilisierung der Grenzen.
  • 285: Ernennung Maximians zum Caesar.
  • 286: Maximian wird zum Augustus im Westen ernannt.
  • 293: Constantius Chlorus wird im Westen, Galerius im Osten zum Caesar erhoben (Römische Tetrarchie).
  • 298: Galerius gelingt ein wichtiger Sieg ĂŒber die Sassaniden, der im Frieden von Nisibis zu erheblichen Gebietsgewinnen fĂŒr die Römer fĂŒhrt.
  • 1. Mai 305: RĂŒcktritt Diokletians, der auch Maximian zu diesem Schritt zwingt.
  • 306: Tod des Constantius Chlorus. Konstantin der Große wird in York zum Kaiser ausgerufen. Zusammenbruch der tetrarchischen Ordnung.
  • 308: Kaiserkonferenz von Carnuntum, die jedoch keine dauerhafte Lösung bringt.
  • 311: Galerius toleriert im Osten des Reiches offiziell die Christen (Toleranzedikt von Nikomedia).
  • 28. Oktober 312: Schlacht bei der Milvischen BrĂŒcke; Sieg Konstantins ĂŒber Maxentius und Bekehrungserlebnis.
  • 313: MailĂ€nder Vereinbarung: Die Christen werden durch Licinius und Konstantin offiziell toleriert.
  • 324: Alleinherrschaft Konstantins nach dem Sieg ĂŒber Licinius in der Schlacht von Chrysopolis.
  • 325: Erstes Konzil von NicĂ€a.
  • 337: Taufe und Tod Konstantins in Achyrona, einer Vorstadt von Nikomedia. Im Anschluss daran kommt es zu einer Reihe von Morden, die die konstantinische Dynastie dezimieren. Constantius II. erhĂ€lt 338 den Ostteil des Reiches, seine BrĂŒder Constans und Konstantin II. den Westen.
  • 337/38: Zwischen Rom und Persien brechen erneut Kampfhandlungen aus, die sich ĂŒber Jahre hinziehen. 350 kommt es zu einer Waffenpause, die von den Persern 359 gebrochen wird.
  • 340: Constans ist im Westen Alleinherrscher, wird aber 350 von Magnentius umgebracht.
  • 351: Sieg Constantius’ II. bei Mursa ĂŒber den Usurpator Magnentius. Nach dem Selbstmord des Magnentius 353 ist Constantius II. Alleinherrscher.
  • 361: Kaiser Julian zieht gegen Constantius, der jedoch vor dem Zusammenstoß stirbt, und Julian angeblich zu seinem Nachfolger ernannt hat. Letzte Renaissance des Heidentums.
  • 363: Tod Julians wĂ€hrend seines Persienfeldzugs. Jovian folgt ihm nach und schließt einen Friedensvertrag mit den Sassaniden, durch den die unter Galerius eroberten Gebiete wieder an Persien fallen.
  • 364: Valentinian I. wird Kaiser. Er fĂŒhrt erfolgreich FeldzĂŒge gegen die Germanen am Rhein und setzt seinen Bruder Valens als Kaiser im Osten ein.
  • Ab 375: Beginn der Völkerwanderung im engeren Sinne. Die Hunnen vernichten des Reich der Ostgoten in SĂŒdrussland. Gratian wird Kaiser im Westen.
  • 376: DonauĂŒbergang der Goten und Aufnahme ins Römische Reich.
  • 378: Schlacht von Adrianopel. Strategische Fehler fĂŒhren zur Vernichtung des Großteils des römischen Heeres im Osten und zum Tod des Valens.
  • 379: Gratian setzt Theodosius als Kaiser im Osten ein.
  • 382: Gotenvertrag. Theodosius siedelt die Donaugoten als Foederaten auf römischem Boden an.
  • 388: Theodosius lĂ€sst den Usurpator Magnus Maximus, der sich nach der Ermordung Gratians 383 im Westen behaupten konnte, hinrichten und ĂŒbertrĂ€gt Valentinian II. den Westen.
  • 384: Streit um den Victoriaaltar.
  • 392: Valentinian II. stirbt unter unklaren UmstĂ€nden, Eugenius wird von Arbogast zum Kaiser im Westen erhoben.
  • 394: Theodosius marschiert in den Westen und wirft die Erhebung des Eugenius in der blutigen Schlacht am Frigidus nieder. Dies bedeutet zugleich den endgĂŒltigen Triumph des Christentums. Ein letztes Mal wird die Reichseinheit verwirklicht.
  • 17. Januar 395: Tod Theodosius’ des Großen und anschließende „Reichsteilung“. Sein Sohn Arcadius erhĂ€lt den Osten, sein anderer Sohn Honorius den Westen. Es kommt in der Folgezeit zu latenten Spannungen zwischen den beiden Reichen. RaubzĂŒge der Goten unter Alarich I. auf dem Balkan.
  • Neujahrsnacht 406/407: RheinĂŒbergang von 406 und Zusammenbruch der Rheingrenze. Germanische Gruppen ziehen in großer Zahl nach Gallien und Spanien (nach Ansicht einiger Forscher geschah dies bereits ein Jahr frĂŒher).
  • 24. August 410: PlĂŒnderung Roms durch die Goten unter Alarich. Endzeitstimmung im Westreich.
  • 418: Ansiedlung der Westgoten als römische Foederaten in Aquitanien.
  • 439: Einnahme Karthagos durch die Vandalen unter Geiserich und damit fĂŒr fast 100 Jahre Verlust der Provinz Africa.
  • 451: Einbruch der Hunnen in den Westen des Römischen Reiches. Der Heermeister des Westens, AĂ«tius, stoppt Attila in Gallien.
  • 455: PlĂŒnderung Roms durch die Vandalen.
  • 468: Eine gemeinsame Aktion west- und oströmischer Truppen gegen das Vandalenreich scheitert katastrophal.
  • 476: Absetzung des Romulus Augustulus durch den Germanen Odoaker. Ende des weströmischen Kaisertums.
  • 480: Tod des letzten von Ostrom anerkannten Kaisers, Julius Nepos.
  • 482–511: Chlodwig I. begrĂŒndet das merowingische Frankenreich.
  • 493–526: Theoderich der Große herrscht ĂŒber das ostgotische Italien.
  • 527–565: Justinian I. herrscht ĂŒber Ostrom.
  • 529: Schließung der athenischen Akademie.
  • 533: RĂŒckeroberung Nordafrikas durch oströmische Truppen.
  • 535–552: RĂŒckeroberung Italiens durch kaiserliche Armeen.
  • 542: Ausbruch der Pest im Mittelmeerraum.
  • 552: RĂŒckeroberung SĂŒdspaniens durch oströmische Truppen.
  • 568: Einfall der Langobarden in Italien. Ende der Völkerwanderung.
  • Um 580: Beginn der slawischen Landnahme auf dem Balkan.
  • 602/3–628: Letzter Krieg zwischen Ostrom und den Sassaniden. Herakleios gelingt es schließlich, die Perser zu schlagen.
  • Um 625: In Ostrom löst Griechisch endgĂŒltig Latein als Amtssprache ab.
  • 632: Tod Mohammeds und Beginn der islamischen Expansion.
  • 636: Die Schlacht am Jarmuk fĂŒhrt in der Folge zum Verlust des römischen Orients (Syrien und Ägypten) an die Araber.
  • 651: Ermordung des letzten sassanidischen Großkönigs: Ende des Perserreiches.
  • 661: Kaiser Konstans II. verlegt die oströmische Residenz vorĂŒbergehend nach Sizilien.
  • 693: In den fĂŒr den Islam eroberten Gebieten werden erstmals neue MĂŒnzen geprĂ€gt, nun mit islamischen Motiven. Bald darauf wird Griechisch als Amtssprache offiziell durch Arabisch ersetzt.
  • 698: Karthago fĂ€llt an die Araber
  • 711: Untergang des Westgotenreichs in Spanien, Ende der Herakleischen Dynastie in Byzanz

Siehe auch

Literatur

Die SekundĂ€rliteratur bezĂŒglich der SpĂ€tantike ist Ă€ußerst umfangreich, weshalb im Folgenden auch nur eine Auswahl genannt werden kann. Es sei nachdrĂŒcklich auf die Bibliographien der entsprechenden Werke hingewiesen (speziell der betreffenden BĂ€nde der Cambridge Ancient History und auf das Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum) und auf die Literaturangaben in den Artikeln, auf die im Text verwiesen wird. An Fachzeitschriften sind speziell zu nennen AntiquitĂ© tardive (1993ff.) sowie Journal of Late Antiquity (2008ff.).

Ältere Darstellungen

Lesenswert ist noch immer Edward Gibbons The History of the Decline and Fall of the Roman Empire, wenngleich dieses klassische Werk aus dem spĂ€ten 18. Jahrhundert natĂŒrlich in keiner Weise den heutigen Forschungsstand wiedergibt.

Die umfassendste deutsche Darstellung stammt aus der Feder des Historikers Otto Seeck. Sie ist jedoch stark von dessen sozialdarwinistischer Grundanschauung geprÀgt und zudem in Teilen völlig veraltet.

  • Otto Seeck: Geschichte des Untergangs der antiken Welt. Verbesserte Auflage. 6 BĂ€nde, Stuttgart 1921, Nachdrucke Darmstadt 1966 und 2000.

Zwei weitere, auch heute noch nĂŒtzliche Werke Ă€lteren Datums, die ebenfalls ganz aus den Quellen gearbeitet wurden und, wenn auch in Teilen ĂŒberholt, immer noch als Standardwerke betrachtet werden, wurden von Ernst Stein und John B. Bury verfasst.

  • Ernst Stein: Geschichte des spĂ€trömischen Reiches. Band 1, Wien 1928.
    Stein, der nach den NĂŒrnberger Gesetzen als Jude galt und vor den Nazis fliehen musste, weigerte sich dann, sein Werk nochmals in deutscher Sprache erscheinen zu lassen. Es existiert jedoch eine französische Übersetzung, die auch einen zweiten, posthum erschienenen Teil umfasst: Histoire du Bas-Empire. Bearbeitet von Jean-RĂ©my Palanque. 2 BĂ€nde, Paris/BrĂŒssel/Amsterdam 1949 (Band 2) und 1959 (Band 1), Nachdruck 1968.
  • John Bagnell Bury: History of the Later Roman Empire. From the death of Theodosius I. to the death of Justinian. 2 BĂ€nde, New York 1958 (Nachdruck der Ausgabe von 1923). Burys Werk stellt die ausfĂŒhrlichste englische Darstellung der politischen Geschichte zwischen 395 und 565 dar und ist auch heute noch sehr nĂŒtzlich, besonders aufgrund der NĂ€he zu den Quellen.

Moderne Darstellungen

  • Glen Bowersock u. a.: Late Antiquity. A guide to the postclassical World. Cambridge (Massachusetts) 1999, ISBN 0-674-51173-5.
    (Ausgezeichneter, gut lesbarer Überblick ĂŒber den aktuellen Forschungsstand zur SpĂ€tantike [aus der Sicht der „Brown-Schule“] mit einem nĂŒtzlichen Lexikonteil.)
  • Hartwin Brandt: Das Ende der Antike. Geschichte des spĂ€trömischen Reiches. 2. Aufl. Beck, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-406-51918-0.
    (Sehr knapper und konservativer, aber dennoch informativer und preislich gĂŒnstiger Überblick ĂŒber die Zeit von Diokletian bis Justinian.)
  • Peter Brown: The World of Late Antiquity AD 150–750. New York 1971, mehrere Nachdrucke, ISBN 0-393-95803-5.
    (Einflussreiche und gut geschriebene Darstellung, die vor allem die kulturelle Metamorphose der spÀtantiken Welt betont und sich besonders an interessierte Laien richtet.)
  • Peter Brown: Die Entstehung des christlichen Europa. C. H. Beck, MĂŒnchen 1999, ISBN 3-406-44023-1 (Originalausgabe The Rise of western Christendom, Oxford 1995, 2. verbesserte und erweiterte Auflage, Oxford 2003).
    (Ein gut lesbares Standardwerk zur Kulturgeschichte; die zweite englische Auflage verfĂŒgt auch ĂŒber einen wissenschaftlichen Apparat.)
  • Alan Cameron: The Last Pagans of Rome. Oxford University Press, Oxford-New York 2011.
    (Umfassende und aktuelle Studie zur Wandlung der heidnischen Eliten bzw. des diesbezĂŒglichen Milieus im christlichen Imperium im 4. Jahrhundert, mit einigen neuen Interpretationen.)
  • Averil Cameron u. a. (Hrsg.): The Cambridge Ancient History. Bd. 12, 13 und 14, 2. neugestaltete Aufl., Cambridge 1998ff.
    (Wichtige moderne Übersichtsdarstellung. Dort findet sich auch weiterfĂŒhrende Literatur, grĂ¶ĂŸtenteils jĂŒngeren Datums.)
  • Averil Cameron: The Later Roman Empire: Ad 284–430. Harvard University Press, Cambridge, Mass. 1993, ISBN 0-674-51194-8.
    (Knappe EinfĂŒhrung, die aber schon mit dem Tod des Augustinus endet.)
  • Averil Cameron: The Mediterranean World in Late Antiquity AD 395–700. 2. Auflage, Routledge, London und New York 2011, ISBN 978-0-415-57961-2.
    (VerstĂ€ndlicher und informativer thematischer Überblick, der aber erst mit dem Tod Theodosius’ I. einsetzt.)
  • AndrĂ© Chastagnol: L’évolution politique, sociale et Ă©conomique du monde romain 284–363. SEDES, Paris 1994, ISBN 2-7181-3552-2.
    (Solide und relativ umfangreiche Übersichtsdarstellung zur frĂŒhen SpĂ€tantike. Mit einer starken Gewichtung von Wirtschaft und Gesellschaft.)
  • Alexander Demandt: Die SpĂ€tantike. Handbuch der Altertumswissenschaft III.6. 2. Auflage, C. H. Beck, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-406-55993-8.
    (Neu ĂŒberarbeitete, relativ umfangreiche Übersichtsdarstellung, in der allerdings keineswegs immer die aktuelle Forschung mit einbezogen wird. Darauf basiert eine inhaltlich gekĂŒrzte und leicht verĂ€nderte Sonderaufl., allerdings ohne Anmerkungen: Geschichte der SpĂ€tantike. MĂŒnchen 2008; kritische Rezension in Sehepunkte; positive Rezension bei H-Soz-u-Kult).
  • Peter Dinzelbacher, Werner Heinz: Europa in der SpĂ€tantike. WBG/Primus, Darmstadt 2007.
    (Schön bebilderte Darstellung zur Geistes- und Kulturgeschichte.)
  • Paul Fouracre (Hrsg.): The New Cambridge Medieval History: Volume 1, c. 500 – c. 700. Cambridge 2005.
    (Umfassende Darstellung aus mediÀvistischer Perspektive.)
  • Klaus Girardet: Kaisertum, Religionspolitik und das Recht von Staat und Kirche in der SpĂ€tantike. Habelt, Bonn 2009, ISBN 978-3-7749-3469-6.
  • Walter A. Goffart: Barbarians and Romans AD 418–584. The techniques of accomodation. Princeton 1980.
    (Einflussreiche, aber nicht unumstrittene Darstellung der Transformation des Westens des Römischen Reiches.)
  • John Haldon: Byzantium in the Seventh Century. The Transformation of a Culture. 2. Aufl., Cambridge 1997.
    (Standardwerk zu den VerÀnderungen, die aus dem spÀtantiken Oströmischen Reich das Byzanz des Mittelalters machten.)
  • Guy Halsall: Barbarian Migrations and the Roman West, 376–568. Cambridge University Press, Cambridge 2007.
    (Ausgezeichnete, aktuelle Gesamtdarstellung zur Völkerwanderungszeit, die aber fast ausschließlich die Geschichte des Westens in den Blick nimmt und primĂ€r innere Faktoren fĂŒr das Ende dieses Reichsteils verantwortlich macht. Besprechung bei Sehepunkte.)
  • Peter J. Heather: The Fall of the Roman Empire: A New History. London 2005, ISBN 0-333-98914-7.
    (Heather fĂŒhrt als Hauptgrund fĂŒr den Untergang Westroms das Einbrechen der Barbaren (Ă€hnlich wie Ward-Perkins) und vor allem der Hunnen an; auch betont er wieder die Bedeutung des Jahres 476 als Epochenjahr fĂŒr Westrom (nicht fĂŒr Ostrom). Besprechung der BĂŒcher von Heather und Ward-Perkins (BMCR 7/2005); Besprechung bei H-Soz-u-Kult)
  • Judith Herrin: The Formation of Christendom. Princeton 1987.
  • James Howard-Johnston: Witnesses to a World Crisis. Historians and Histories of the Middle East in the Seventh Century. Oxford 2010.
    (Umfassende und wichtige Studie zu den Ereignissen im 7. Jahrhundert und den diesbezĂŒglichen Quellen.)
  • James Howard-Johnston: The two Great Powers in Late Antiquity: A comparison. In: Averil Cameron (Hrsg.): The Byzantine and early Islamic Near East. States, Resources, Armies. [Studies in Late Antiquity and Early Islam III], Princeton 1995, S. 157–226.
    (Eine zusammenfassende GegenĂŒberstellung von Rom und Persien. Sehr empfehlenswert.)
  • Imperium Romanum: Römer, Christen, Alamannen – Die SpĂ€tantike am Oberrhein. Ausstellungskatalog zur Landesausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe vom 22. Oktober 2005 bis 26. Februar 2006, hrsg. vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe, Stuttgart 2005.
  • Arnold Hugh Martin Jones:The Later Roman Empire 284–602. A Social, Economic and Administrative Survey. 3 BĂ€nde durchgehend nummeriert, Oxford 1964 (Nachdruck in zwei BĂ€nden, Baltimore 1986).
    (Die beste moderne, ganz aus den Quellen gearbeitete Darstellung. Ein moderner Klassiker, wenn auch nur schwer lesbar und nicht chronologisch gegliedert.)
  • Arnold Hugh Martin Jones, John R. Martindale, John Morris: The Prosopography of the Later Roman Empire. 3 BĂ€nde (Band 3 in zwei TeilbĂ€nden), Cambridge 1971–1992.
    (Wichtiges, die Zeit von ca. 260 bis 641 n. Chr. abdeckendes prosopografisches Nachschlagewerk.)
  • Theo Kölzer, Rudolf Schieffer (Hrsg.): Von der SpĂ€tantike zum frĂŒhen Mittelalter. KontinuitĂ€ten und BrĂŒche, Konzeptionen und Befunde. Thorbecke, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-7995-6870-8 (= VortrĂ€ge und Forschungen, Band 70; Rezension)
  • Ingemar König: Die SpĂ€tantike. Darmstadt 2007.
    (Knappe, preiswerte und gut lesbare Darstellung, die aber nur die Jahre von 337 bis 476 abdeckt und nicht immer den aktuellen Forschungsstand wiedergibt.)
  • Jens-Uwe Krause: Die SpĂ€tantike (284 bis 565 n. Chr.). In: H.-J. Gehrke/H. Schneider (Hrsg.), Geschichte der Antike. Ein Studienbuch. 2. Aufl. Stuttgart/Weimar 2006, S. 409–477, ISBN 3-476-01455-X.
    (Knappe, ausgezeichnete Zusammenfassung der jĂŒngeren Forschung. Dringend zur ersten Orientierung empfohlen.)
  • Jens-Uwe Krause, Christian Witschel (Hrsg.): Die Stadt in der SpĂ€tantike – Niedergang oder Wandel?. Akten des internationalen Kolloquiums in MĂŒnchen am 30. und 31. Mai 2003. Stuttgart 2006, ISBN 3-515-08810-5.
  • Luke Lavan, William Bowden (Hrsg.): Theory and Practice in Late Antique Archaeology. Leiden-Boston 2003.
  • A. D. Lee: War in Late Antiquity. A social history. London 2007.
  • Gabriele Marasco (Hrsg.): Greek and Roman Historiography in Late Antiquity. Fourth to Sixth Century A.D. Brill, Leiden u.a. 2003.
    (Umfassender Überblick zur spĂ€tantiken Geschichtsschreibung, wenngleich teils nicht ganz unproblematisch.)
  • Jochen Martin: SpĂ€tantike und Völkerwanderung (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, 4). 4. Auflage, Oldenbourg Verlag, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-486-49684-0.
    (Knappe Darstellung der Zeit bis Justinian, mit Forschungsteil und umfassender Bibliografie. Inzwischen aber teils veraltet.)
  • Jean-Marie Mayeur, Luce Pietri, Andre Vauchez u. a.: Die Geschichte des Christentums, Altertum. Bd. 2 und 3, Sonderausgabe, Freiburg i. B. 2005, ISBN 3-451-29100-2.
    (Sehr detaillierte Darstellung der Geschichte und der Kultur des Christentums; die deutsche Übersetzung dieses ursprĂŒnglich in französischer Sprache erschienen Werks wurde teils grundlegend neu bearbeitet und aktualisiert.)
  • Mischa Meier (Hrsg.): Sie schufen Europa. Beck, MĂŒnchen 2007.
    (Sammlung von biographischen Portraits von Konstantin bis Karl dem Großen.)
  • Stephen Mitchell: A History of the Later Roman Empire. AD 284–641. Blackwell, Oxford u.a. 2007, ISBN 1-4051-0856-8.
    (Aktuelle und ausgewogene Gesamtdarstellung.)
  • Walter Pohl (Hrsg.): Kingdoms of the Empire. The Integration of Barbarians in Late Antiquity (Transformation of the Roman World 1). Leiden/New York/Köln 1997, ISBN 90-04-10845-9. Besprechung
  • Friedrich Prinz: Von Konstantin zu Karl dem Großen. Entfaltung und Wandel Europas. DĂŒsseldorf und ZĂŒrich 2000, ISBN 3-538-07112-8.
    (Gut geschriebene Darstellung eines MediĂ€visten, die vor allem die KontinuitĂ€ten und BrĂŒche der SpĂ€tantike zum Mittelalter hin herausarbeitet und sich auf den Westen konzentriert.)
  • Bryan Ward-Perkins: The Fall of Rome and the End of Civilization. Oxford 2005, ISBN 0-19-280564-9.
    (Lesenswerte Darstellung des Endes des Weströmischen Reiches, die im Gegensatz zu W. Goffart und P. Brown diesen Prozess wieder als brutalen Einschnitt, ausgelöst durch germanische Invasionen, versteht und dabei insbesondere mit dem archÀologischen Befund argumentiert.)
  • Philip Rousseau (Hrsg.): A Companion to Late Antiquity. Blackwell, Malden (Massachusetts) u.a. 2009.
    (Guter Überblick zu zahlreichen Bereichen; der Band enthĂ€lt 39 relativ knappe BeitrĂ€ge von zumeist jĂŒngeren Wissenschaftlern sowie eine umfangreiche Bibliographie, die auch die nicht-englischsprachige Forschungsliteratur berĂŒcksichtigt.)
  • Peter Sarris: Empires of Faith: The Fall of Rome to the Rise of Islam, 500-700. Oxford University Press, Oxford 2011.
    (Aktuelle EinfĂŒhrung zur Transformation der spĂ€trömischen und frĂŒhmittelalterlichen Welt.)
  • Chris Wickham: Framing the Early Middle Ages. Europe and the Mediterranean, 400–800. Oxford 2005.
    (Umfassende und mehrfach ausgezeichnete wirtschafts- und sozialgeschichtliche Darstellung.)
  • Chris Wickham: The Inheritance of Rome: A History of Europe from 400 to 1000. London 2009.
    (Aktuelle Darstellung zum Wandel der spĂ€tantiken Mittelmeerwelt im FrĂŒhmittelalter.)
  • Michael Whitby: Rome at War. A.D. 293–696. Osprey, Oxford 2002, ISBN 1-84176-359-4.
    (Eine kurze, aber informative und reich illustrierte Darstellung zum spÀtrömischen Kriegswesen.)

Weblinks

Anmerkungen

  1. ↑ Max Weber, Soziologie – Weltgeschichtliche Analysen – Politik, Stuttgart 1968, S. 58 (zuerst erschienen 1909); Jacob Burckhardt, Die Zeit Konstantins des Großen, Leipzig 1853, S. 313. Vgl. Alexander Demandt, Die SpĂ€tantike, MĂŒnchen 2007, S. XVII, 587–588.
  2. ↑ Zum Sassanidenreich siehe den entsprechenden Artikel. Vgl. auch allgemein Howard-Johnston, The two Great Powers in Late Antiquity sowie Michael G. Morony: Should Sasanian Iran be Included in Late Antiquity?. In: E-Sasanika 6 (2008).
  3. ↑ Vgl. Bryan Ward-Perkins: The Fall of Rome and the End of Civilization, Oxford 2005.
  4. ↑ Vgl. zum Übergang des spĂ€trömischen ins byzantinische Reich das grundlegende Werk von John Haldon: Byzantium in the Seventh Century. The Transformation of a Culture, Cambridge 1997.
  5. ↑ Relativ detailliert geht A. H. M. Jones, Later Roman Empire auf die Quellen ein; knapper, aber aktueller ist Mitchell, Later Roman Empire, S. 13ff. Ansonsten sei auf die entsprechenden Quellenverzeichnisse der in der Bibliographie aufgefĂŒhrten Werke verwiesen, wie etwa Demandts Handbuch. Bzgl. der Quellenlage zur Geschichte des Sassanidenreichs sei auf die AusfĂŒhrungen im dortigen Artikel verwiesen. Allgemein zur Geschichtsschreibung vgl. Gabriele Marasco (Hrsg.), Greek and Roman Historiography in Late Antiquity. Fourth to Sixth Century A.D. Leiden u.a. 2003 (nicht ganz unproblematisch) sowie David Rohrbacher: The Historians of Late Antiquity. London-New York 2002 (deckt nur einen Teil der Autoren ab). Eine knappe Übersicht bzgl. der klassizistischen Geschichtsschreiber in der SpĂ€tantike bietet Geoffrey Greatrex: The Reception of the classical Texts and Images. The Classical past in the Classicising Historians.
  6. ↑ Vgl. zur spĂ€tantiken Epigraphik jetzt Dennis Trout: Inscribing Identity. The Latin Epigraphic Habit in Late Antiquity; in: Philip Rousseau (Hg.): A companion to Late Antiquity, London 2009, S. 170ff.
  7. ↑ Vgl. den Überblick von Olof Brandt: The Archaelogical Record: Problems of Interpretation; in: Philip Rousseau (Hg.): A companion to Late Antiquity, London 2009, S. 156ff.
  8. ↑ Vgl. Chris Wickham: The inheritance of Rome. A history of Europe from 400 to 1000. London 2009, S. 9f.
  9. ↑ Vgl. auch Demandt, Die SpĂ€tantike (2007), S. 586f.
  10. ↑ Bryan Ward-Perkins, The Fall of Rome and the End of Civilization, Oxford 2005; Peter J. Heather, The Fall of the Roman Empire: A New History, London 2005.
  11. ↑ Vgl. dazu auch Arnaldo Marcone: A long late antiquity? Considerations on a controversial periodization. In: Journal of Late Antiquity 1 (2008), S. 4-19.
  12. ↑ Einen aktuellen, knappen Überblick bieten die BeitrĂ€ge in Rousseau (Hrsg.), A Companion to Late Antiquity. Vgl. auch S. Swain / M. Edwards (Hrsg.): Approaching Late Antiquity: The Transformation from Early to Late Empire. Oxford-New York 2004. Nicht mehr auf dem neuesten Stand, dennoch nĂŒtzlich, ist der ForschungsĂŒberblick bei Martin, SpĂ€tantike und Völkerwanderung.
  13. ↑ Zur Reichskrise siehe nun Klaus-Peter Johne (Hrsg.): Die Zeit der Soldatenkaiser. 2 Bde. Berlin 2008.
  14. ↑ Allgemein zur folgenden Ereignisgeschichte siehe (vor allem aufgrund der QuellennĂ€he, aber auch der detaillierten Darstellung) die Überblickswerke von Stein [in deutscher Sprache bis 476, in der französischen Fassung bis 565], Seeck [bis 476], Bury [395 bis 565] und Jones [knapper als die anderen, aber quellennah: 284 bis 602], auf die nicht mehr im Einzelnen verwiesen wird; allerdings sind sie freilich in Einzelfragen nicht selten veraltet und fĂŒr ein Gesamtbild der Epoche nicht mehr geeignet. Einen guten, allgemeinen Überblick auf Grundlage der neueren Forschung bietet hingegen die Cambridge Ancient History (vor allem Bd. 13 und 14) sowie Mitchell, Later Roman Empire. Vgl. auch die Abschnitte zur politischen Geschichte bei Demandt [bis 565]. Daneben sei auf die einschlĂ€gigen Biographien der Kaiser verwiesen.
  15. ↑ Überblick mit weiterer Literatur bei Demandt (2007), S. 57ff.; Mitchell (2007), S. 47ff.
  16. ↑ Überblick mit weiterer Literatur bei Demandt (2007), S. 75ff.; Mitchell (2007), S. 62ff. Siehe außerdem Elisabeth Herrmann-Otto: Konstantin der Große. Darmstadt 2007 sowie die anlĂ€sslich des JubilĂ€ums 2007 erschienene Spezialliteratur, aufgefĂŒhrt im Konstantin-Artikel.
  17. ↑ Vgl. dazu den wichtigen, umstrittenen Aufsatz von Peter Weiß, Die Vision Constantins, in: Jochen Bleicken (Hrsg.), Colloquium aus Anlass des 80. Geburtstages von Alfred Heuß, KallmĂŒnz 1993, S. 143–169 (englische, aktualisierte Fassung: The vision of Constantine, in: Journal of Roman archaeology 16, 2003, S. 237–259), der die Vision auf ein natĂŒrliches astronomisches PhĂ€nomen zurĂŒckfĂŒhrt.
  18. ↑ Einen aktuellen Überblick bietet etwa Klaus Martin Girardet: Der Kaiser und sein Gott. Das Christentum im Denken und in der Religionspolitik Konstantins des Großen. De Gruyter, Berlin-New York 2010.
  19. ↑ Überblick mit weiterer Literatur bei Demandt (2007), S. 103ff.; Mitchell (2007), S. 70ff.
  20. ↑ Umfassender Überblick bei Klaus Rosen: Julian. Kaiser, Gott und Christenhasser. Stuttgart 2006.
  21. ↑ Überblick mit weiterer Literatur bei Demandt (2007), S. 136ff.; Mitchell (2007), S. 81ff.
  22. ↑ Neuerer Überblick bei Halsall, Barbarian Migrations.
  23. ↑ Hartmut Leppin: Theodosius der Große. Darmstadt 2003.
  24. ↑ Überblick zur Entwicklung im Ostreich mit weiterer Literatur bei Demandt (2007), S. 191ff.; Mitchell (2007), S. 101ff.
  25. ↑ Überblick zur Entwicklung im Westen bei Demandt (2007), S. 169ff.; Mitchell (2007), S. 105ff. Siehe auch Halsall (2007), S. 189ff.
  26. ↑ Zum Folgenden siehe allgemein Demandt (2007), S. 204ff.; vgl. auch Halsall (2007), S. 220ff.
  27. ↑ Vgl. etwa die AufsĂ€tze in Pohl (Hrsg.), Kingdoms of the Empire.
  28. ↑ Marinus Antony Wes: Das Ende des Kaisertums im Westen des Römischen Reichs. Den Haag 1967.
  29. ↑ Demandt (2007), S. 217ff.
  30. ↑ Grundlegend ĂŒber Justinian und die aktuelle Forschung informiert Hartmut Leppin: Justinian. Das christliche Experiment. Stuttgart 2011. Siehe daneben unter anderem die Biographie von James Evans: The Age of Justinian. London u.a. 1996 sowie die BeitrĂ€ge in Michael Maas (Hrsg.): The Cambridge Companion to the Age of Justinian. Cambridge 2005.
  31. ↑ Vgl. Mitchell (2007), S. 371ff.
  32. ↑ GrundsĂ€tzlich dazu siehe den aktuellen Überblick mit weiterer Literatur bei Howard-Johnston (2010), S. 436ff. sowie dessen diverse Spezialarbeiten. Allgemein zu dieser Zeit siehe Haldon (1997) sowie Mitchell (2007), S. 402ff.
  33. ↑ Zu Herakleios siehe W. Kaegi: Heraclius. Cambridge 2003
  34. ↑ Vgl. Hugh Kennedy: The great arab conquests. Philadelphia 2007; wichtiger Überblick mit detaillierter Quellenkritik bei Howard-Johnston (2010).
  35. ↑ Doctrina Iacobi nuper babtizati, ed. N. Bonwetsch 1910, 61,4-12.
  36. ↑ Zum post-römischen Europa siehe nun Chris Wickham, The Inheritance of Rome, mit weiterer Literatur. Vgl. auch den Überblick bei Fouracre (Hrsg.), The New Cambridge Medieval History, Bd. 1.
  37. ↑ Allgemeiner Überblick bei Eugen Ewig: Die Merowinger und das Frankenreich. 5. aktualisierte Auflage, Stuttgart 2006.
  38. ↑ Vgl. dazu F. Staab, KontinuitĂ€tsproblem, -theorie (Antike/MA), in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 5, Sp. 1418–1420. Detaillierter: KontinuitĂ€tsprobleme, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 17, S. 205ff.
  39. ↑ Außer aus dem Werk des Flavianus sind aber zumindest kurze Fragmente erhalten.
  40. ↑ Bzgl. der christlich-spĂ€tantiken Literatur sei auf folgendes Werk hingewiesen: Lexikon der antiken christlichen Literatur, hrsg. von Wilhelm Geerlings, Siegmar Döpp, unter Mitarbeit von Peter Bruns, Georg Röwekamp, Matthias Skeb u. Bettina Windau, 3. vollstĂ€ndig ĂŒberarb. und erw. Aufl., Freiburg i. Br. 2002. Allgemeine Informationen (auch zur spĂ€tantiken und dabei auch zur heidnischen Literatur) bietet das Werklexikon von Nickel: Rainer Nickel, Lexikon der antiken Literatur, DĂŒsseldorf 1999 (ND 2006, Online-Ausgabe).
  41. ↑ Siehe allgemein auch Paul Veyne: Die Kunst der SpĂ€tantike. Geschichte eines Stilwandels. Reclam, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-15-010664-8.
  42. ↑ Vgl. z. B. Philipp von Rummel: Habitus barbarus. Kleidung und ReprĂ€sentation spĂ€tantiker Eliten im 4. und 5. Jahrhundert. Berlin/New York 2007.
  43. ↑ Der wohl beste allgemeine kulturgeschichtliche Überblick ist immer noch Brown, The World of Late Antiquity.
  44. ↑ Vgl. Brian Croke: Count Marcellinus and his Chronicle. Oxford 2001, S. 86ff.
  45. ↑ Vgl. zu dieser Entwicklung Haralambie Mihăescu: Die Lage der zwei Weltsprachen (Griechisch und Latein) im Byzantinischen Reich des 7. Jahrhunderts als Merkmal einer Zeitwende, in: Friedhelm Winkelmann u. a. (Hrsg.), Studien zum 7. Jahrhundert in Byzanz, Berlin 1976, S. 95-100.
  46. ↑ Vgl. zur spĂ€trömischen Gesellschaft allgemein Geza Alföldy: Römische Sozialgeschichte (4. Aufl.), Stuttgart 2011, S. 273-306 (mit aktueller Literatur).
  47. ↑ Vgl. Rolf Rilinger: Humiliores - Honestiores. Zu einer sozialen Dichotomie im Strafrecht der römischen Kaiserzeit. MĂŒnchen 1988.
  48. ↑ Vgl. zum spĂ€tantiken Senat den Überblick bei Stefan Rebenich: melior pars humani generis. Aristokratie(n) in der SpĂ€tantike. In: Hans Beck u. a. (Hrsg.), Die Macht der Wenigen, MĂŒnchen 2008, S. 153–175.
  49. ↑ Peter Gemeinhardt: Das lateinische Christentum und die antike pagane Bildung. TĂŒbingen 2007, S. 137f.
  50. ↑ Zum Wandel der Senatsaristokratie vgl. die wichtige Studie von Salzman: Michele R. Salzman, The Making of a Christian Aristocracy: social and religious change in the western Roman Empire. Cambridge/Mass. 2002.
  51. ↑ Vgl. Peter Gemeinhardt: Das lateinische Christentum und die antike pagane Bildung. TĂŒbingen 2007.
  52. ↑ Demandt (2007), S. 343ff.
  53. ↑ Vgl. Mark Whittow, The Middle Byzantine Economy, in: Jonathan Sheperd (Hrsg.), The Cambridge History of the Byzantine Empire, Cambridge 2008, S. 465ff.
  54. ↑ Vgl. Jens Uwe Krause/Christian Witschel (Hrsg.), Die Stadt in der SpĂ€tantike – Niedergang oder Wandel?. Akten des internationalen Kolloquiums in MĂŒnchen am 30. und 31. Mai 2003. Stuttgart 2006.
  55. ↑ Vgl. John Haldon, Byzantium in the Seventh Century, Cambridge 1997, S. 93-99.
  56. ↑ Vgl. dazu ausfĂŒhrlich Matthew P. Canepa: The Two Eyes of the Earth. Art and Ritual of Kingship between Rome and Sasanian Iran. Berkeley 2009.
  57. ↑ Vgl. dazu Henning Börm: Das weströmische Kaisertum nach 476, in: Josef Wiesehöfer u. a. (Hrsg.), Monumentum et instrumentum inscriptum, Stuttgart 2008, S. 47-69.
  58. ↑ Vgl. Jones (1964), S. 566.
  59. ↑ Vgl. zum Hof einfĂŒhrend Michael McCormick: Emperor and Court; in: Averil Cameron u. a. (Hrsg.), The Cambridge Ancient History 14, Cambridge 2000, S. 135–163.
  60. ↑ Vgl. zu diesem PhĂ€nomen ausfĂŒhrlich Joachim Szidat: Usurpator tanti nominis. Kaiser und Usurpator in der SpĂ€tantike, Stuttgart 2010.
  61. ↑ Zum VerhĂ€ltnis zwischen Kaiser und Aristokratie vgl. Henning Börm, Herrscher und Eliten in der SpĂ€tantike, in: Josef Wiesehöfer u. a. (Hgg.), Commutatio et contentio. Studies in the Late Roman, Sasanian, and early Islamic Near East, DĂŒsseldorf 2010, S. 159-198.
  62. ↑ Grundlegend zum spĂ€tantiken Heer - speziell des 4. Jahrhunderts - ist Yann Le Bohec: Das römische Heer in der SpĂ€ten Kaiserzeit, Stuttgart 2010.
  63. ↑ Vgl. dazu unter anderem Jones, Later Roman Empire, S. 679ff., und Demandt (2007), S. 303ff.
  64. ↑ An der gescheiterten MilitĂ€roperation des Anthemius gegen die Vandalen sollen 468 laut Prokopios sogar 100.000 Mann beteiligt gewesen sein (Bella 3,6,1); angesichts der gut belegten gewaltigen Kosten der Aktion ist diese Angabe nicht unglaubwĂŒrdig.
  65. ↑ Eine detaillierte und aktuelle Darstellung der Geschichte des spĂ€tantiken Christentums findet sich u.a. in Mayeur u.a., Die Geschichte des Christentums. Altertum, Bd. 2 und 3. Zur Christologie ist grundlegend: Alois Grillmeier u.a., Jesus der Christus im Glauben der Kirche, 2 Bde. in 5 Tl.-Bdn., aktual. Neuaufl., Freiburg i. Br. 2004 (noch nicht abgeschlossen).
  66. ↑ Vgl. hierzu den Überblick bei Karen Piepenbrink, Antike und Christentum, Darmstadt 2007, S. 96ff.
  67. ↑ a b Cameron (2011).
  68. ↑ Eine hervorragende Darstellung bezĂŒglich dieses Themas stellt Peter Brown, The Rise of Western Christendom, 2. Aufl., Oxford 2003, dar, worin auch etwa auf die Ausbreitung des Christentums in Asien und Aksum eingegangen wird.
  69. ↑ Vgl. unter anderem Arnaldo Momigliano (Hrsg.), The Conflict Between Paganism and Christianity in the Fourth Century, Oxford 1963 sowie Frank R. Trombley, Hellenic Religion and Christianization c. 370–529, 2 Bde., Leiden u.a. 1993f.
  70. ↑ Vgl. Martin Wallraff, Christus verus Sol. Sonnenverehrung und Christentum in der SpĂ€tantike, MĂŒnster 2001.
  71. ↑ Vgl. auch Angelika Neuwirth: Der Koran als Text der SpĂ€tantike. Ein europĂ€ischer Zugang. Frankfurt am Main 2010.
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