Staatsbankrott

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Staatsbankrott

Der Staatsbankrott (auch Staatsinsolvenz) ist die faktische Einstellung f√§lliger Zahlungen oder die f√∂rmliche Erkl√§rung einer Regierung, f√§llige Forderungen nicht mehr (Repudiation) oder nur noch teilweise erf√ľllen zu k√∂nnen. Die Begriffe Bankrott und Insolvenz werden in diesem Zusammenhang synonym gebraucht.

In föderalen Staaten können Gliedstaaten mit eigener Finanzhoheit unabhängig vom Bundesstaat Staatsbankrott erleiden, wenn es keine Haftung des Bundesstaates oder keinen funktionierenden Finanzausgleich gibt. So stellte in der Folge der Wirtschaftskrise von 1837 die Mehrzahl der US-amerikanischen Bundesstaaten ihre Zahlungen ein.

Seit dem Jahr 1800 war Venezuela zehn, das Kaiserreich √Ėsterreich-Ungarn mit seinen Nachfolgestaaten neun, Spanien und Brasilien je acht, Argentinien und Deutschland je sieben, Portugal sechs und Griechenland f√ľnf Mal insolvent.[1] Nach einer Studie der UBS sind in Lateinamerika Staatspleiten besonders h√§ufig auch in Honduras und Ecuador aufgetreten. [2]

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Die Ursachen von Staatsbankrotten lassen sich in zwei Gruppen gliedern: Ein Staatsbankrott kann ausgelöst werden, wenn das Bedienen bestehender Verbindlichkeiten unmöglich wird (Überschuldung). Des Weiteren kann ein Staatsbankrott seine Ursache in der Weigerung einer Regierung haben, bestehende Verbindlichkeiten zu bedienen.

√Ėkonomisch bedingter Staatsbankrott: √úberschuldung

Ist ein Staat (z. B. auf Grund seiner gesamtwirtschaftlichen Situation) nicht mehr in der Lage, seine Staatsschulden vollständig zu bedienen, so tritt der Staatsbankrott ein. Eine Überschuldung stellt sich dann ein, wenn Gläubiger die Fähigkeit zur Bedienung der Verbindlichkeiten vermehrt anzweifeln. Dies wird häufig verursacht durch einen bestehenden hohen Schuldenstand und somit durch ein dauerhaftes Ungleichgewicht zwischen Staatseinnahmen und Staatsausgaben.

Ursachen f√ľr zu hohe Staatsausgaben sind unter anderem hohe milit√§risch bedingte Ausgaben (Kriegsausgaben, Ausgaben f√ľr Aufr√ľstung, hohe Reparationszahlungen), ein allgemein schlechtes Wirtschaften des Staates (verbunden mit nicht nachhaltig finanzierten Sozialleistungen und Personalausgaben) sowie kurzfristig durch eine Wirtschafts- oder Finanzkrise verursachte hohe Ausgaben zur Sicherung des sozialen Friedens oder zur Unternehmens- bzw. Bankenrettung.

Die Gefahr der √úberschuldung eines Staates wird verst√§rkt, wenn neben einem hohen L√§nderrisiko auch ein hohes W√§hrungsrisiko besteht. Ein Staat kann in der Folge gezwungen sein, seine Staatsverschuldung in Fremdw√§hrung aufzunehmen (so genanntes Original Sin), wodurch seine Kreditw√ľrdigkeit leidet. Eine Abwertung der Inlandsw√§hrung (und die damit verbundene Zunahme der Staatsschulden in inl√§ndischen W√§hrungseinheiten) k√∂nnen den Prozess der √úberschuldung erheblich beschleunigen. Umgekehrt kann ein Land, dessen W√§hrung international als Reservew√§hrung akzeptiert wird, eine bestehende Staatsverschuldung monetisieren.

Politisch bedingter Staatsbankrott: Nichtbedienung von Verbindlichkeiten

In mehreren F√§llen wurden Staatsbankrotte auch ausgel√∂st durch die Weigerung einer Regierung, bestehende Verbindlichkeiten zu bedienen (unabh√§ngig davon, ob dies √∂konomisch m√∂glich gewesen w√§re). Bedingt wird ein solches politisches Verhalten unter anderem durch Regimewechsel. Ein Regierungswechsel hat keinen Einfluss auf die Verpflichtungen, die ein Staat vor dem Regierungswechsel eingegangen ist. Gleichwohl kommt es gerade in revolution√§ren Situationen oder nach Regimewechseln vor, dass die neue Regierung die alte Regierung als illegitim o.√§. bezeichnet und mit dieser Begr√ľndung oder mit diesem Vorwand die Altschulden nicht mehr bedient.

Beispiele hierf√ľr sind die Nichtbedienung der Verbindlichkeiten des bourbonischen Frankreichs nach der Franz√∂sischen Revolution, die Nichtbedienung der Anleihen der vom Deutschen Bund in Schleswig-Holstein eingesetzten Regierung durch D√§nemark 1850 und die Nichtbedienung der Verbindlichkeiten des zaristischen Russlands durch die neue Sowjetregierung 1917 nach der Oktoberrevolution.

Indikatoren

Die Gefahr eines Staatsbankrotts kann durch verschiedene Indikatoren gemessen werden. Laut Statistiken vergangener Staatspleiten steigt die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts, je mehr der folgenden Punkte zutreffen:[3]

  • Negative Zahlungsbilanz
  • Undurchsichtige Schuldenstruktur (z.B. dubiose Haftungen von Kommunen oder staatsnahen Betrieben)
  • Hohe Schulden bei ausl√§ndischen Gl√§ubigern
  • Negative Kredithistorie
  • Hoher Anteil kurzfristiger Verbindlichkeiten
  • Geringe Steuereinnahmen
  • Steigende Zinss√§tze

Die Bonit√§t eines Staates wird allgemein durch ein Rating ausgedr√ľckt, das die Meinung der Ratingagentur darstellt, ob der Staat seinen Zins- und Tilgungszahlungen nachkommen wird. Eine Reihe von Industriel√§ndern bekommt von den drei gro√üen internationalen Rating-Agenturen die h√∂chstm√∂gliche Kreditw√ľrdigkeit zugesprochen. Dies erlaubt es den Staaten, Kredite auf den Kapitalm√§rkten zu g√ľnstigen (= niedrigen) Zinsen aufzunehmen. Dieses Rating kann sich aber auch - zum Beispiel bei steigenden Schuldenst√§nden oder bei nachlassender Wettbewerbsf√§higkeit - verschlechtern. Ein schlechteres Rating f√ľhrt zu h√∂heren Finanzierungskosten der Emittenten. Staaten mit einer schlechten Bonit√§t zahlen an den Kapitalm√§rkten einen deutlichen Zinsaufschlag im Vergleich zu Nationen mit bester Bonit√§t. Die Zinsdifferenz wird als Credit Spread bezeichnet und wird in Basispunkten gemessen (100 Basispunkte = 1 %). So zahlte beispielsweise Argentinien kurz vor seinem Ausfall einen Spread von √ľber 4000 Basispunkten, was einem Aufschlag in H√∂he von 40 Prozentpunkten entspricht (z. B. AAA-Land 4 % ‚áí Argentinien 44 % oder AAA-Land 3 % ‚áí Argentinien 43 % p.a.).

Ein wichtiges Kennzeichen f√ľr die Gefahr eines Staatsbankrotts ist das Reinverm√∂gen des Staates (Verm√∂gen abz√ľglich Schulden). Dieses kann durch eine Verm√∂gensrechnung im Rahmen der Kameralistik oder durch eine kaufm√§nnische Buchf√ľhrung ermittelt werden. So besteht zum Beispiel in Deutschland der verfassungsrechtliche Auftrag, eine vollst√§ndige Verm√∂gensrechnung zu erstellen. Gleichwohl unterl√§sst dies der deutsche Staat. In √Ėsterreich wird das Reinverm√∂gen ermittelt. Obwohl das Reinverm√∂gen dort seit Jahren abnimmt, l√§sst sich der √∂sterreichische Staat davon in seiner Politik nicht erkennbar beeinflussen. Die Schweiz hat eine Schuldenbremse, die eine mittelfristige Verringerung des Reinverm√∂gens verhindert.

Ein weiteres wichtiges Kennzeichen eines wahrscheinlicher werdenden Staatsbankrotts ist im Vorfeld dabei die relative prozentuale Zunahme der Zinslasten auf die aufgenommenen Staatsschulden innerhalb des j√§hrlichen Gesamtbudgets eines Staates, betrachtet √ľber mehrere vergangene Budgetjahre. Dann mussten von Jahr zu Jahr immer gr√∂√üere Anteile des Staatsbudgets f√ľr die Zinsen auf die aufgenommenen Kredite (Staatsschuldtitel) bereitgestellt werden, was die finanzielle Handlungsf√§higkeit eines Staates zunehmend einschr√§nkte.

Ein weiteres wichtiges Kennzeichen f√ľr die Gefahr eines Staatsbankrotts ist der Anteil der Staatsverschuldung am Bruttoinlandsprodukt. Je gr√∂√üer der Anteil, umso wahrscheinlicher ist, dass der Staat eines Tages √ľberschuldet sein wird.

Abwehrmaßnahmen

Haushaltskonsolidierung

Der Staat kann √ľber eine solide Haushaltspolitik dem Staatsbankrott vorbeugen. Eine M√∂glichkeit, einen Staatsbankrott zu verhindern, besteht in einer Erh√∂hung des laufenden realen Haushaltssaldos. Das kann geschehen durch:

  • Erh√∂hen der Staatseinnahmen, insbesondere durch
    • Verkauf von Staatsverm√∂gen
    • Erh√∂hen bestehender und Einf√ľhren neuer Steuern
    • Reduktion von Steuereinsparm√∂glichkeiten
    • Verringerung der Steuerhinterziehungsquote und/oder
  • Senken der Staatsausgaben, insbesondere durch
    • Verschieben, Einstellen oder Reduzieren von diskretion√§ren Investitions- und Subventionsma√ünahmen
    • Verzicht auf etwaige geplante Verstaatlichungsprojekte
    • Verlagern des Angebots von Infrastrukturfunktionen auf den privaten Sektor, wie z. B. der Bau und den Betrieb von Autobahnen
    • Senkung und Verschiebung laufender Ausgaben, z. B. Wartungs- und Erhaltungsausgaben f√ľr die staatliche Infrastruktur, laufende Zusch√ľsse zu Sozial- und Versicherungstr√§gern, regelm√§√üige Subventionen. Sofern dabei neben Sachkosten auch Personal- und Personalnebenkosten gesenkt werden sollen, werden bestimmte Gruppen zumeist nicht oder weniger in Kostensenkungsprogramme einbezogen. Zu diesen Gruppen z√§hlen insbesondere die √∂ffentlich Bediensteten und Beamten, f√ľr die in der Regel hohe Bestandschutzregularien existieren. Gleichwohl werden diese hohen H√ľrden f√ľr √∂ffentliche Bedienstete in Extremsituationen auch reduziert, wie z. B. in Griechenland (siehe Griechische Finanzkrise).

Monetisierung der Staatsverschuldung

Eng verbunden mit dem Staatsbankrott und deshalb auch als verschleierter Staatsbankrott bezeichnet sind Ma√ünahmen des Staates, mit denen er seine Verbindlichkeiten zwar nominell erf√ľllt, dies jedoch mit entwertetem Geld. Direkt kann dies erreicht werden durch eine dauerhaft expansive Geldpolitik der Zentralbank (beispielsweise durch den Aufkauf von Staatsanleihen bei gleichzeitiger Aussch√ľttung der Seigniorage an den Staatshaushalt), indirekt durch die Induzierung einer dauerhaften Inflation. Beide vermindern die Schuldenlast des Staates real, und beide treten manchmal zeitlich hintereinander auf.

Im Unterschied zu Privatunternehmen hat ein Staat eine Reihe von Möglichkeiten, einen Staatsbankrott der Form nach zu verschleiern. Es gelang und gelingt ihm, den Staatsbankrott meist durch verschiedene propagandistische und administrative Maßnahmen zeitweilig aufzuschieben.

Allerdings ist das Beenden einer in Gang gebrachten Inflationsspirale f√ľr den Staat im Endeffekt mit hohen Kosten verbunden, da die Inflation nicht nur der W√§hrung, sondern auch der ganzen Wirtschaft schadet. Damit Staatsregierungen gar nicht erst die M√∂glichkeit der Monetisierung der Staatsverschuldung in ihre Haushaltspolitik einplanen, ist in vielen Staaten die Einflussnahme von Staatsregierungen auf die Zentralbank erheblich eingeschr√§nkt worden.

In Extremf√§llen folgt einer Monetisierung eine W√§hrungsreform, die mit der Einf√ľhrung neuer Geldzeichen oder dem ‚ÄěWegstreichen‚Äú von Nullen (wie zum Beispiel in Deutschland 1923 1 Billion Papier-Mark = 1 Rentenmark) einhergehen. Anschlie√üend erfolgten h√§ufig noch unterschiedliche Um- und Abwertungen von Bargeld, gesch√§ftlichen und privaten Geldkonten und Versicherungskonten. Instrumente der unterschiedlichen Konten- und Geldumwertungen waren z. B. die nach 1918 extra daf√ľr gegr√ľndete staatliche Bank ‚ÄěReichsanleihe Aktien-Gesellschaft‚Äú, die kommunalen Stellen der ‚ÄěUmwertung von Immobilienverm√∂gen‚Äú nach 1923 sowie die Vorschriften der gewerblichen Buchf√ľhrung in Goldmark. Nach 1948 gab es das Instrument der Ausgleichsforderungen f√ľr gewerbliche Geldverm√∂gen an die √∂ffentliche Hand.

M√ľnzverschlechterung

Offizielle oder heimliche Verminderung des M√ľnzfu√ües (Edelmetallgehalt); echter M√ľnzbetrug, wie bei den sog. Ephraimiten; Scheidem√ľnzen- und Papiergeldinflationen und damit entstehende Kurse zwischen den verschiedenen Geldsorten, deren Wertrelationen zueinander durch Gesetze praktisch nicht mehr durchsetzbar waren (Kipper- und Wipperzeit um 1622); offizielle oder inoffizielle Abwertung der W√§hrung oder eine sonstwie geartete W√§hrungsreform, die dann bei den Nachbarstaaten √§hnliche w√§hrungspolitische Ma√ünahmen erzwang (meist M√ľnzflussabsenkung), da sie h√§ufig in M√ľnzkonventionen untereinander wirtschaftlich verbunden waren.

Kapitalverkehrsbeschränkungen

Hierzu z√§hlen alle dirigistischen Ma√ünahmen einer Regierung zur Kontrolle des Zahlungsverkehrs, insbesondere Devisenverkehrsbeschr√§nkungen, aber auch Einschr√§nkungen des Handels oder Besitzes von Edelmetallen. Hieraus folgt eine eingeschr√§nkte oder fehlenden Konvertierbarkeit der betroffenen W√§hrung. Die B√ľrger sollen so gezwungen werden, ihr Geld in der Landesw√§hrung anzulegen, um eine Kapitalflucht zu verhindern. Weitere Ziele solcher Ma√ünahmen sind zumeist die Stabilisierung des Wechselkurses, die Verbesserung der Zahlungsbilanz und die Verhinderung von W√§hrungsspekulationen.

In der Geschichte wurden beispielsweise Papiergeld und Scheidem√ľnzen pl√∂tzlich nicht mehr vollwertig oder gar nicht mehr in Kurantm√ľnzen eingel√∂st und zum Zwangskurs im Umlauf gehalten, wie z. B. die franz√∂sischen Assignaten (= Papiergeld) ab 1789. Hierzu mussten dann oft kreative, dem Volk einsichtige Begr√ľndungen herhalten, die gelegentlich mit drakonischen Strafen untermauert wurden. So war es z. B. w√§hrend der franz√∂sischen Revolutionszeit f√ľr den einfachen B√ľrger bei hoher Strafe verboten (sechs Jahre in Eisen gelegt), mit Gold- oder Silbergeld zu bezahlen oder zu handeln. Es sollte vielmehr an den Staat gegen sogenannte Assignaten abgeliefert werden. Ein weiteres Beispiel ist die Abkehr vom Goldstandard in Folge der Weltwirtschaftskrise.

‚ÄěKreative‚Äú Geldbeschaffung

Staaten in Geldnot erfanden eine Vielzahl von Maßnahmen, um Gelder aufzunehmen, ohne dass dies als Kreditaufnahme erkennbar war. Beispiele sind

Diese Ma√ünahmen f√ľhrten h√§ufig zur Inflation, sofern nicht andere Ma√ünahmen wie Warenbezugsscheinsysteme, staatlicher Preisstopp o.a., verordnet wurden, da schlie√ülich die Geldmenge im Verh√§ltnis zur verf√ľgbaren G√ľtermenge anstieg. Letztendlich bedeutete das aber eine r√ľckgestaute Inflation, die man in ihrer extremen Ausbildung auch als aufgeschobenen Staatsbankrott bezeichnen kann.

Folgen des Staatsbankrottes

Betroffen von Staatsbankrotten sind v.a. die Gl√§ubiger des Staates sowie die Wirtschaft und die B√ľrger des Staates selbst (letztere z. B., weil der Staat seinen Angestellten keinen oder zu wenig Lohn oder Gehalt zahlt, seine Lieferanten nicht oder nur teilweise bezahlt usw.) sowie alle L√§nder, die in Wirtschaftsbeziehungen (Importe und/oder Exporte) mit dem Land stehen.

Folgen f√ľr die Gl√§ubiger

Eine Folge des Staatsbankrotts ist, dass die Gläubiger ihr an den Staat verliehenes Geld sowie die Zinsen darauf ganz oder teilweise verlieren.

Oft wird im Rahmen von internationalen Verhandlungen (zum Beispiel das Londoner Schuldenabkommen 1953) ein teilweiser Schuldenerlass oder eine Umschuldung (zum Beispiel die Brady Bonds der 80er Jahre) vereinbart. Diese Abkommen sichern die R√ľckzahlung von Teilbetr√§gen unter Verzicht auf die √ľbrigen Forderungen. Im Rahmen der Argentinien-Krise verzichteten die Gl√§ubiger zum Beispiel auf bis zu 75 Prozent ihrer Forderungen. Dies wird m√∂glich, weil die Gl√§ubiger von unsicheren Schuldnern h√∂here Zinsen verlangen, womit ihr Verlust zum Teil schon im Voraus abgedeckt ist.

Oftmals werden bei solchen Verzichtsverhandlungen unterschiedliche Bedingungen f√ľr verschiedene Gl√§ubigergruppen vereinbart (z. B. inl√§ndische Gl√§ubiger vs. ausl√§ndische Gl√§ubiger; Forderungen in Schuldnerw√§hrung vs. Forderungen in Fremdw√§hrung; Forderungen privater vs. staatlicher Gl√§ubiger). Da die einheimischen Sparer meist bedeutende Gl√§ubiger des Staates sind, wird die Hauptlast beim Staatsbankrott durch die einzelnen Privatb√ľrger getragen, die einen Teilverlust ihrer Forderungen hinnehmen m√ľssen (und oft zus√§tzlich noch Inflation).

Folgen f√ľr den Staat

Mit dem Staatsbankrott entledigt sich der Staat seiner finanziellen Verbindlichkeiten gegen√ľber seinen verschiedenen Gl√§ubigern. Dies f√ľhrt naturgem√§√ü zu einer Entlastung des Staatshaushalts um die H√∂he der Zinsen und Tilgungen. Andererseits ist mit dem Staatsbankrott immer auch ein langfristiger Image- und Vertrauensverlust verbunden: Der Staat wird eine gewisse Zeit keine (oder nur sehr teure) Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen k√∂nnen. Darum werden oft Vergleiche geschlossen.

Zur Schuldenregulierung k√∂nnen in f√∂deralen Staaten und Staatenbunden Regelungen bestehen, die die Souver√§nit√§t der √ľberschuldeten Staaten w√§hrend Schuldenbereinigung einschr√§nkt. So bestand im Heiligen R√∂mischen Reich die M√∂glichkeit, dass der Reichshofrat zur Schuldenregulierung √ľberschuldeter Reichsst√§nde sogenannte Debitkommissionen einsetzte, die im Rahmen ihrer Arbeit die Souver√§nit√§t der betroffenen Reichsst√§nde einschr√§nkten.

Folgen f√ľr die Volkswirtschaft

Folgen f√ľr die Volkswirtschaft sind typischerweise

Dies wirkt sich auf viele B√ľrger typischerweise durch hohe Arbeitslosigkeit und Streichung staatlicher Leistungen aus.

Beispiele f√ľr Staatsbankrotte und Beinahepleiten

Im Laufe der Geschichte gab es eine lange Reihe von Staatsbankrotten, Beinahepleiten und Zahlungsverweigerungen. ‚ÄěJedes Land Lateinamerikas kam irgendwann einmal in diese Situation, mehrere der s√ľdlichen Bundesstaaten der USA vor dem B√ľrgerkrieg, √Ėsterreich (f√ľnfmal), die Niederlande, Spanien (siebenmal), Griechenland (zweimal), Portugal (viermal), Serbien und Russland.‚Äú[5] Im 20. Jahrhundert Mexiko (1914) und ‚Äě1918 die Zur√ľckweisung der zaristischen Auslandsverpflichtungen durch die junge Sowjetmacht, nach 1949 die einseitige Annullierung aller Schulden bei ¬ęimperialistischen¬Ľ Gl√§ubigern durch die Volksrepublik China.‚Äú[6]

1345 England

1345 weigerte sich der englische König Eduard III. seine durch den Hundertjährigen Krieg verursachten Schulden bei seinen florentinischen Bankiers zu begleichen.[7]

1557, 1575, 1596 Spanien

Spaniens König Philipp II. war während seiner Regierungszeit dreimal gezwungen, seinen Gläubigern den Staatsbankrott zu erklären. In den Jahren 1557, 1575 und 1596 konnten keine Zahlungen mehr geleistet werden. 1557 war besonders das Handelshaus der Welser hiervon betroffen.[8][9][10]

1805 Mexiko

1805 brachte die Compagnie des Négociants réunis, ein Konsortium französischer Kaufleute, durch eine Spekulation mit den spanischen Silberreserven in Mexiko den französischen Staat an den Rand des Bankrotts.

1811 √Ėsterreich

1813 Dänemark

1837 USA

In der Folge der Wirtschaftskrise von 1837 (während des Abschwungs zwischen 1837 und 1843) stellten acht amerikanische Bundesstaaten ihre Zahlungen ein und mehr als 100 Banken gingen in Konkurs.[11][12]

1876 Osmanisches Reich

1875/76 musste das Osmanische Reich seinen Staatsbankrott erklären, da es seine insbesondere in England und Frankreich plazierten Auslandsanleihen nicht mehr bedienen konnte.

1893 Griechenland

1918 Sowjetunion

1918 weigerte sich die Sowjetregierung, die Schulden des Russischen Reiches zu bedienen.[13] Die noch ausstehenden russischen Staatsanleihen und Anleihen anderer russischer Unternehmen wurden zwischen 1888 und 1914 hauptsächlich in Frankreich platziert. Die Anleihen wurden erst in den 1990er Jahren von Russland getilgt.[14]

1923 Deutschland

1923 war Deutschland als Spätfolge des Ersten Weltkriegs bankrott.

1945 Deutschland

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland bankrott, weil Hitler den Krieg mit der Notenpresse finanziert hatte und aufgrund der erheblich zerst√∂rten deutschen Wirtschaft dem Geld ein deutlich kleineres Warenangebot als vor dem Krieg gegen√ľberstand. 1948 erfolgte zun√§chst in der West-, dann in der Ostzone eine W√§hrungsreform.

1998 Russland

Am 17. August 1998 erkl√§rte Russland die Restrukturierung von Zins- und Tilgungszahlungen von Staatsanleihen im Volumen von 13,5 Mrd. USD, was einem Ausfall dieser Anleihen entspricht (siehe Russlandkrise). In der Folge kam es an den Kapitalm√§rkten zu deutlichen Kursver√§nderungen, was zur Krise um den LTCM-Fonds f√ľhrte.

2002 Argentinien

Im Jahr 2001/2002 hatte Argentinien einen Staatsbankrott. Die Geschichte dieses Staatsbankrotts ist im Artikel Argentinien-Krise beschrieben.

2008 Island

Im Zuge der Finanzkrise ab 2007 verstaatlichte Island die drei gr√∂√üten Banken des Landes, nachdem diese Verbindlichkeiten in H√∂he von ca. 900 % des BIP angeh√§uft hatten. Am 16. Oktober 2008 gab die Regierung Islands an, eine f√§llige Anleihe der Glitnir-Bank in H√∂he von 750 Millionen US-Dollar nicht zur√ľckzuzahlen. Am darauf folgenden Montag blieb die Zinszahlung der Kaupthing Bank an zwei Investoren f√ľr eine Anleihe √ľber 50 Milliarden Yen offen.[15] Damit war eigentlich schon der Eintritt einer Zahlungsunf√§higkeit anzunehmen. Der Zusammenbruch konnte im November aber abgewendet werden, als der Internationale W√§hrungsfonds eine Finanzhilfe √ľber 2,1 Milliarden Dollar genehmigte und nachdem die L√§nder Finnland, D√§nemark, Norwegen und Schweden Kredite an Island √ľber 2,5 Milliarden Dollar zugesagt hatten.[16]

2010 Griechenland

‚Üí Hauptartikel: Griechische Finanzkrise

Die griechische Finanzkrise (oder Griechenlandkrise) ist eine seit 2010 aufgetretene Haushalts- und Staatsschuldenkrise Griechenlands. Ursache der Krise war eine √ľber mehrere Jahre finanziell nicht nachhaltige Fiskalpolitik Griechenlands. Durch die Euro-Einf√ľhrung 2001 ist Griechenland in vielf√§ltiger Hinsicht eng mit den L√§ndern der Eurozone verbunden, so dass sich EU und IWF seit 2010 gezwungen sehen, mit Liquidit√§t und B√ľrgschaften f√ľr die Zahlungsprobleme Griechenlands einzutreten. Die Reformen, mit denen Griechenland selbst einen Beitrag zur Reduzierung seiner Staatsschulden leisten wollte, gehen bisher langsamer als geplant voran (Stand August 2011), so dass noch unklar ist, in welchem Ausma√ü Griechenland weitere Zuwendungen zur Abwendung seiner Staatsinsolvenz ben√∂tigen wird.

Weil nach Griechenland auch einige andere √ľberdurchschnittliche verschuldete EU-Staaten in Refinanzierungsprobleme gerieten, spricht man √ľbergreifend auch von einer Staatsschuldenkrise im Euroraum. Der Euroraum als Ganzes hat jedoch keine Zahlungsprobleme, weil die meisten EU-Staaten - insbesondere bei einer Gewichtung nach Wirtschaftsleistung - weit von dem √úberschuldungszustand Griechenlands entfernt sind.

Literatur

  • Charles Blankart und Erik Fasten: Krise, Krisenbek√§mpfung und Staatsbankrott. Schweizer Monatshefte, Ausgabe 973.
  • G. Bresin: Zum kommenden Staatsbankrott! Finanzreform oder Finanzrevolution? Ein Weg zum Wiederaufbau. Berlin: Verlag "Volkspolitik", 1919.
  • Karl Diehl, Paul Mombert: Das Staatsschuldenproblem. Jena: Gustav Fischer 1923.
  • E. Lang, W. A. S. Koch: Hintergr√ľnde Staatsverschuldung Staatsbankrott?. W√ľrzburg/Wien: Physica 1980, ISBN 3-7908-0501-7.
  • Kai von Lewinski: √Ėffentlichrechtliche Insolvenz und Staatsbankrott. T√ľbingen: Mohr Siebeck 2011, ISBN 978-3-16-150700-7.
  • Alfred Manes: Staatsbankrotte. Berlin: 3. Aufl. 1922.
  • Paul C. Martin: Wann kommt der Staatsbankrott?. M√ľnchen: Wirtschaftsverlag Langen-M√ľller/Herbig 1983, ISBN 3-7844-7119-6.
  • Christoph Ohler: Der Staatsbankrott. Juristenzeitung (JZ) 2005, S. 590 ff.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Carmen M. Reinhard, Kenneth S. Rogoff: Dieses Mal ist alles anders. Acht Jahrhunderte Finanzkrisen. Finanzbuch Verlag, 2010, ISBN 3898795640, engl. Original Princeton University Press, 2009, ISBN 0691142165;
  2. ‚ÜĎ Schweizer Radio DRS Podcast (schweizerdeutsch)
  3. ‚ÜĎ Reflections on the sovereign debt crisis, Edward Chancellor, GMO White Paper, Juli 2010.
  4. ‚ÜĎ zeit.de vom 23. Juli 2010. Mark Schieritz: Restrisiko Staatspleite. - Der Stresstest zeigt: Europas Banken sind sicher, so lange die Pleite eines Landes verhindert wird. Wenn nicht, fallen sie wie Dominosteine]
  5. ‚ÜĎ J√ľrgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. M√ľnchen 2009, S. 1055
  6. ‚ÜĎ J√ľrgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. M√ľnchen 2009, S. 1055
  7. ‚ÜĎ http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/961876
  8. ‚ÜĎ Finanzdynastien (3): Die Welser im FAZ.net (abgefragt 1. September 2008)
  9. ‚ÜĎ Manfred Vasolt: Philipp II. ISBN 978-3-499-50401-3
  10. ‚ÜĎ Rudolf Bolzern: Spanien, Mailand und die katholische Eidgenossenschaft ISBN 3-7252-0420-9
  11. ‚ÜĎ http://www.handelsblatt.com/nicht-ueberall-glaenzen-sterne-im-banner/3372078.html
  12. ‚ÜĎ http://www.zehn.de/der-land-boom-collaps-1837-6559603-2
  13. ‚ÜĎ http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13502935.html
  14. ‚ÜĎ http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13502935.html
  15. ‚ÜĎ Sorgen um Islands Zahlungskraft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Oktober 2008.
  16. ‚ÜĎ IWF hilft mit Milliardenkredit. In: Manager Magazin, 20. November 2008.

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Synonyme:

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Staatsbankrott ‚ÄĒ Staatsbankrott, derjenige Zustand der Staatswirtschaft, bei dem der Staat, sei es mit, sei es ohne ausdr√ľckliche Erkl√§rung, seine Schuldverbindlichkeiten nicht erf√ľllt oder sich Einnahmen verschafft, die mit der Verfassung oder doch mit einer… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Staatsbankrott ‚ÄĒ Staatsbankrott, die Weigerung des Staates seinen rechtlich unzweifelhaften Zahlungsverbindlichkeiten nachzukommen, geschieht durch g√§nzliche Lossagung von der Schuld oder oktroyierte Zinsreduktion (d.h. Herabsetzung des Zinsfu√ües ohne dem, der… ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Staatsbankrott ‚ÄĒ Staatsbankrott, die erkl√§rte Unf√§higkeit eines Staates seine finanziellen Verpflichtungen zu erf√ľllen; da dies dem Staate von dem gr√∂√üten Nachtheile ist, so ist der S. nie freiwillig oder berechnet, sondern eine unabwendbare Folge der Ereignisse ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon

  • Staatsbankrott ‚ÄĒ Staatsinsolvenz * * * Staatsbankrott, ¬† die Einstellung der Zahlungen aus staatlichen Verbindlichkeiten (√∂ffentliche Schulden). Durch diese Weigerung, die Zins und/oder Tilgungszahlungen zu leisten, erkl√§rt der Staat seine Zahlungsunf√§higkeit… ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Staatsbankrott ‚ÄĒ 1. Begriff: Zahlungsunf√§higkeit des Staates, d.h. teilweise oder v√∂llige Nichterf√ľllung der von einer √∂ffentlichen K√∂rperschaft eingegangenen Verpflichtung zur Zins und/oder Kapitalzahlung. 2. Formen: (1) Repudiation (Verweigerung jeder Zins und… ‚Ķ   Lexikon der Economics

  • Staatsbankrott ‚ÄĒ Staats|bank|rott der; s, e: Unf√§higkeit des Staates, eingegangenen Verpflichtungen zur Zins u. Schuldenr√ľckzahlung weiterhin nachkommen zu k√∂nnen ‚Ķ   Das gro√üe Fremdw√∂rterbuch

  • Staatsbankrott ‚ÄĒ Staats|bank|rott ‚Ķ   Die deutsche Rechtschreibung

  • Griechischer Staatsbankrott von 1893 ‚ÄĒ Der Griechische Staatsbankrott von 1893 wurde von der griechischen Regierung erkl√§rt, nachdem diese wegen Preisverfalls ihres Hauptexportprodukts und durch F√∂rderprogramme f√ľr die davon betroffene Wirtschaft im Dezember nicht mehr in der Lage war ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • √Ėsterreichischer Staatsbankrott von 1811 ‚ÄĒ √Ėsterreichischer Bancozettel von 1806 Der √Ėsterreichische Staatsbankrott 1811 war die Folge der Zerr√ľttung der √∂sterreichischen Staatsfinanzen im Verlauf der Napoleonischen Kriege. Das Kaisertum √Ėsterreich hatte den 5. Koalitionskrieg verloren.… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • D√§nischer Staatsbankrott von 1813 ‚ÄĒ Der D√§nische Staatsbankrott vom 5. Januar 1813 war eine der Auswirkungen, die die Napoleonischen Kriege auf D√§nemark hatten. Inhaltsverzeichnis 1 Vorgeschichte 2 W√§hrungsreform 3 Einzelnachweise ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


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