Standseilbahn

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Standseilbahn
Standseilbahn Stuttgart zum Waldfriedhof
Harderbahn bei Interlaken

Eine Standseilbahn ist ein schienengebundenes Verkehrsmittel, mit dem auf kurzer Strecke betr√§chtliche H√∂henunterschiede √ľberwunden werden k√∂nnen. Auf der Bahn verkehren zwei Wagen, die fest mit einem Drahtseil verbunden sind, das in der Bergstation √ľber eine Seilscheibe gef√ľhrt wird. Die beiden Wagen am Drahtseil halten sich ungef√§hr im Gleichgewicht, so dass f√ľr den Antrieb der Bahn nur kleine Kr√§fte aufgebracht werden m√ľssen. Der Antrieb erfolgte fr√ľher oft durch Wasserballast (Wasserballastbahn), heute meistens durch einen Elektromotor, der auf die Seilscheibe in der Bergstation wirkt. Bei den meisten Bahnen begegnet der talw√§rts fahrende Wagen dem bergw√§rts fahrenden Wagen in der Mitte der Strecke, wo eine Ausweichstelle angelegt ist. K√ľrzere Strecken sind alternativ oft zweigleisig angelegt.

Inhaltsverzeichnis

Abgrenzung zu anderen Systemen

Bei den folgenden Systemen werden zwar auch Fahrzeuge auf Schienen durch Seile bewegt, sie werden aber technisch nicht zu den Standseilbahnen gezählt.

Kabelstraßenbahn

Keine Standseilbahn:
San Francisco Cable Cars
→ Hauptartikel: Kabelstraßenbahn

Eine der Standseilbahn technisch √§hnliche Bahn ist die Kabelstra√üenbahn, deren endlos umlaufendes Seil von mehreren schienengebundenen Fahrzeugen gleichzeitig benutzt wird, wobei sich die Wagen f√ľr die Fahrt l√∂sbar mit dem Seil verbinden. Die Anlage ist in den Verlauf der Stra√üen integriert und der Betrieb erfolgte fast ausschlie√ülich innerhalb von St√§dten. Die einzige noch erhaltene Anlage sind die San Francisco Cable Cars. Ebenfalls in diese Kategorie geh√∂rt die mit Seilen angetriebene Luftkissenschwebebahn Skymetro am Flughafen Z√ľrich. Die Wagen sind betrieblich nicht fest mit den Seilen verbunden und k√∂nnen mehrere Seilschleifen benutzen.

Schienenseilbahn

‚Üí Hauptartikel: Schiefe Seilebene

Eine weitere technisch verwandte Bahn ist die heute verschwundene Schiefe Seilebene. Sie ist die √§lteste Form eines durch ein Seil gezogenen schienengebundenen Verkehrsmittels, bei dem im Unterschied zur Standseilbahn die zu bef√∂rdernden Wagen nicht fest mit dem Seil verbunden sind. In den meisten F√§llen waren diese Anlagen ein Teil von gr√∂√üeren Eisenbahnnetzen, deren √ľbrige Strecken im normalen Adh√§sionsbetrieb befahren wurden. Meistens wies nur das mit dem Seil verbundene Fahrzeug Spezialeinrichtungen auf, w√§hrend die anderen Fahrzeuge normale Eisenbahnwagen waren.

Geschichte

Die Budavári Sikló in Budapest wurde 1870 eröffnet. Sie ist die älteste noch in Betrieb stehende Standseilbahn in Europa.
Die Turmbergbahn ist die älteste noch in Betrieb stehende Standseilbahn Deutschlands.

In einem milit√§rischen Feuerwerksbuch des Jahres 1411 wurde erstmals eine Standseilbahn beschrieben. Die fr√ľhen Standseilbahnen dienten im Wesentlichen dem Transport von Material und Personen zu Burganlagen auf steilen Bergkuppen. Die √§lteste erhaltene Standseilbahn der Welt d√ľrfte der um 1495 errichtete Rei√üzug auf die Festung Hohensalzburg sein.[1] Sp√§tere Standseilbahnen entstanden vielfach als Schiffshebewerke im fr√ľhen 19. Jahrhundert im Kanalbau in Amerika.

Als √§lteste dem Personentransport dienende Standseilbahn z√§hlt die 1845 er√∂ffnete Wasserballastbahn Prospect Park Incline Railway bei den Niagaraf√§llen in den Vereinigte Staaten.[2] In Europa verkehrte 1862 die erste Standseilbahn in Lyon auf der Strecke Rue Terme‚ÄďCroix Rousse, die 1967 stillgelegt und durch eine Stra√üe ersetzt wurde.[3] Die √§lteste auf originalem Gleis und Trasse verkehrende Standseilbahn Europas ist die seit 1870 verkehrende Budav√°ri Sikl√≥ in Budapest.[4]

Fr√ľhe Standseilbahnen wurden als Wasserballastbahnen gebaut, wobei aber auch station√§re Dampfmaschinen zum Einsatz kamen. (Beispiele: Schlo√übergbahn in Budapest mit Antrieb in der Talstation[5], Rue Terme‚ÄďCroix Rousse in Lyon mit Antrieb in der Bergstation[5]) Bereits anfangs des 20. Jahrhunderts wurden viele Wasserballastbahnen auf elektrischen Antrieb umgestellt. Der elektrische Betrieb erlaubte leichtere Wagen, die kleinere Bremskr√§fte ben√∂tigen und deshalb auch schneller fahren konnten, so dass die Transportkapazit√§t der Bahn gesteigert werden konnte.

Heute haben Standseilbahnen nicht nur f√ľr den Tourismus eine Bedeutung, sondern werden auch als modernes und leises Transportmittel in St√§dten und Flugh√§fen eingesetzt.[6]

Deutschland

In Deutschland er√∂ffnete 1877 die erste Standseilbahn ihren Betrieb. Sie f√ľhrte in Zeitz von der Unterstadt in die Oberstadt und transportierte auf einem steilen Stra√üenabschnitt Personen und Fuhrwerke. Der Antrieb erfolgte √ľber eine station√§re Dampfmaschine in der Bergstation. Der Bahnbetrieb wurde 1959 wegen unzuverl√§ssiger Sicherheitseinrichtungen eingestellt.[7] Die 1887 er√∂ffnete Malbergbahn ist ebenfalls stillgelegt, womit die am 1. Mai 1888 er√∂ffnete Turmbergbahn bei Karlsruhe-Durlach die √§lteste noch in Betrieb stehende Standseilbahn ist.

Schweiz

Giessbachbahn ist die älteste noch in Betrieb stehende Anlage in der Schweiz.

In der Schweiz er√∂ffnete die Standseilbahnen Lausanne-Ouchy am 16. M√§rz 1877 ihren Betrieb. Die Bahn wurde im Jahr 1958 in eine Zahnradbahn umgebaut, die am 22. Januar 2006 ihren Betrieb einstellte und zur fahrerlosen U-Bahn-Linie 2 der M√©tro Lausanne umgebaut wurde. Die 1879 erbaute Giessbachbahn im Berner Oberland ist die √§lteste noch in Betrieb stehende Schweizer Standseilbahn.

In den 1930er-Jahren entstanden in mehreren Schweizer Skiorten Schlittenseilbahnen die Lokal im Volksmund als Funi bezeichnet werden. Diese Bahnen ben√∂tigten keine feste Infrastruktur, so dass sie kosteng√ľnstig erstellt werden konnten. Die Anlagen wurden bald durch leistungsf√§higere Skilifte abgel√∂st.

1934 wurde f√ľr rund 50 Jahre die vorerst letzte Standseilbahn in der Schweiz er√∂ffnet. Erst 1980 wurde mit dem Sunnegga Express in Zermatt wieder auf dieses Transportmittel zur√ľckgegriffen, als in den Skigebieten die Luftseilbahnen an Kapazit√§tsgrenzen gestossen waren. Im Jahre 2001 kam mit der Fun'ambule in Neuenburg, die im Hinblick auf die Expo'02 erstellt wurde, erstmals auch wieder eine neue innerst√§dtische Standseilbahn dazu. Die meisten der bestehenden Bahnen wurden im Verlaufe der Zeit wiederholt gr√ľndlich erneuert oder gar auf dem bestehenden Trassee neu aufgebaut. Einige davon haben dabei bis Heute ihren urspr√ľnglichen Charakter der Gr√ľnderzeit nicht verloren. So die B√ľrgenstock-Bahn, Heimwehfluhbahn, die Giessbachbahn, die Reichenbachfall-Bahn und die Sonnenbergbahn.

√Ėsterreich

In √Ėsterreich wurde die erste √∂ffentliche Standseilbahn 1873 auf den Leopoldsberg er√∂ffnet, aber bereits 1876 wieder stillgelegt. Die 1892 in Betrieb genommene Festungsbahn Salzburg ist die √§lteste noch in Benutzung stehende Anlage in √Ėsterreich. Zwei Jahre sp√§ter, am 25. November 1894, ging in Graz die Schlo√übergbahn in Betrieb.

Technik

Wagen

Personenwagen der Harderbahn bei Interlaken

Standseilbahnen dienen heute meist dem Personenverkehr. Kleinere Wagen haben ein Fassungsverm√∂gen von ungef√§hr 20 Personen, teilweise werden aber auch Z√ľge aus mehreren Wagen eingesetzt, die bis zu 450 Personen fassen k√∂nnen.[8]

In den Alpenl√§ndern wurden viele Standseilbahnen f√ľr den Personal- und Materialtransport beim Kraftwerksbau im Gebirge erstellt. Nach Abschluss der Bauarbeiten wurden diese Bahnen oft f√ľr den √∂ffentlichen Personenverkehr freigegeben. Beispiele sind die Gelmerbahn, das Standseilbahn Ritom oder die Peterskopfbahn.

Bei den meisten Bahnen sind die beiden Wagen gleicher Bauart. Eine Besonderheit stellt die Oberwei√übacher Bergbahn dar, welche 1923 zum Transport normalspuriger Eisenbahnwagen er√∂ffnet wurde. Ein Wagen der Standseilbahn ist als normaler Personenwagen ausgef√ľhrt, der andere als G√ľterb√ľhne, die einen Eisenbahnwagen aufnehmen kann. Wenn keine G√ľterwagen transportiert werden, l√§sst sich auf die G√ľterb√ľhne ein normalspuriger Personenwagen aufsetzen, damit die Kapazit√§t der Bahn f√ľr die Personenbef√∂rderung erh√∂ht werden kann.[9]

Bei einigen Standseilbahnen dienen die Wagen nicht der Beförderung von Nutzlast, sondern werden nur zum Schieben von anderen Fahrzeugen auf der Steilstrecke verwendet. Solche Schiebewagen werden Traktoren genannt.[5] (siehe auch den Abschnitt Standseilbahnen mit Traktorbetrieb)

Ausweichst√ľck (Abtsche Weichen) der Bergbahn zum K√∂nigstuhl in Heidelberg
Polybahn in Z√ľrich, vollautomatische Anlage mit historisch aussehenden Wagen
Antriebsscheibe mit Antriebsritzel der Merkur-Bergbahn von 1913-1967
Seiltragrollen der Biel-Magglingen-Bahn

Gleisanlage

Die Wagen der Standseilbahn laufen auf Schienen oder in Sonderf√§llen auf einer anderen festen Fahrbahn. Zu diesen geh√∂rt zum Beispiel die Dorfbahn Serfaus (√Ėsterreich), eine unterirdische Luftkissenschwebebahn mit Seilantrieb, oder die unterirdische luftbereifte U-Bahn Karmelit in Haifa.

Die ersten Standseilbahnen hatten f√ľr jeden Wagen ein eigenes Gleis, so dass auf der Strecke durchg√§ngig zwei Gleise nebeneinander verlegt waren. Seit der Erfindung der Abtschen Weiche, die keine beweglichen Teile aufweist, kann die Strecke eingleisig mit in Streckenmitte liegender Ausweichstelle angelegt werden. Die Wagen besitzen auf einer Seite R√§der mit zwei Spurkr√§nzen, w√§hrend die R√§der der anderen Seite keine Spurkr√§nze haben. Die Doppelspurkranzr√§der √ľbernehmen die F√ľhrung der Wagen. Weil sie bei den beiden Wagen auf unterschiedlicher Seite liegen, folgen die Wagen in der Ausweiche ihrer Au√üenschiene und k√∂nnen sich dadurch ohne Gefahr begegnen.[10]

Fahrbetrieb

Die Fahrgeschwindigkeit liegt im Bereich von 20 km/h bis in Ausnahmefällen 50 km/h.[11] Die Fahrzeiten weichen je nach Bahn stark ab, die Fahrtintervalle betragen in der Regel 15 bis 20 Minuten.

Viele kleinere Bahnen werden fahrerlos betrieben und k√∂nnen von den Fahrg√§sten √§hnlich wie ein Aufzug bedient werden. Beispiele sind die Merkurbergbahn in Baden-Baden, die M√ľhleggbahn in St. Gallen oder die Seilbahn Rigiblick in Z√ľrich.

Streckenprofil und Kompensation des Seilgewichtes

Standseilbahnen sind die steilsten Schienenbahnen √ľberhaupt. Die Angaben zu den steilsten Bahnen sind im Abschnitt Rekorde zu finden. Bei flach angelegten Bahnen mit weniger als 50 bis 60 Prozent Steigung m√ľssen die Wagen auch talseitig durch ein Ausgleichsseil miteinander verbunden werden, das √ľber eine nachgespannte Seilscheibe in der Talstation l√§uft. Das Ausgleichsseil verhindert, dass der talw√§rts fahrende Wagen wegen der fehlenden Hangabtriebskraft auf der Strecke stehen bleibt. Auf diese Weise sind auch Bahnen m√∂glich, die √ľberhaupt keine Steigung haben und zum Beispiel innerhalb von St√§dten und Flugh√§fen zwei auf gleicher H√∂he liegende Stationen verbinden.

Bei geneigten Bahnen wirkt auch das Gewicht des Seiles auf die Kraftverh√§ltnisse im System Standseilbahn. Wenn die Wagen in den Stationen stehen, befindet sich fast die gesamte Masse des Seiles auf einer Seite der Seilscheibe in der Bergstation, n√§mlich auf der Seite des in der Talstation stehenden Wagens. F√§hrt die Bahn los, muss die gesamte Masse des Seiles den Berg hochgezogen werden, die oft gr√∂√üer als die Zuladung des talseitigen Wagens ist. Die vom Antrieb aufzubringenden Kr√§fte nehmen mit dem Fahrtverlauf ab, weil die auf den beiden Seiten der Seilscheibe liegenden Seill√§ngen immer ausgeglichener werden, bis sich die Wagen in der Mittelstation kreuzen. Danach nimmt die Seill√§nge auf der Seite des talw√§rts fahrenden Wagens gegen√ľber dem bergw√§rts fahrenden wieder zu.

Bei relativ langen Strecken oder sehr steilen Bahnen spielt die Besetzung der Wagen gegen√ľber dem Gewicht des Seiles so gut wie keine Rolle, weil das Gewicht des Seiles im Verh√§ltnis zur Zuladung wesentlich gr√∂√üer ist. Die ideale Standseilbahn besitzt deshalb eine Streckenf√ľhrung, die an der Talstation nahezu eben beginnt und gegen die Bergstation steiler wird. Bei der Abfahrt aus den Stationen ist die Hangabtriebskraft, welche auf den im steilen Streckenabschnitt stehenden talw√§rts fahrenden Wagen wirkt, gleich gro√ü wie die Hangabtriebskraft des am bergw√§rts fahrenden Wagen h√§ngenden Seiles. Mit dem Fahrtverlauf nimmt die Steigung der Strecke f√ľr den talw√§rts fahrenden Wagen proportional ab, wie die Seill√§nge am bergw√§rts fahrenden Wagen ebenfalls abnimmt. Einige Bahnen wurden ann√§hernd diesem Ideal entsprechend ausgef√ľhrt, so zum Beispiel das Funicular de Montju√Įc in Barcelona.

Vielfach l√§sst sich ein ideales Streckenprofil nicht erreichen, so dass die Antriebskraft sowie die Bremse der Bahn st√§ndig nachgeregelt werden m√ľssen, um die Fahrgeschwindigkeit der Wagen konstant zu halten. Bei der sehr steilen Bahn Le Ch√Ętelard-Ch√Ęteau d'Eau ist die Hangabtriebskraft des Seiles so gro√ü, dass sie durch einen speziellen Gewichtswagen kompensiert werden muss, der auf der Strecke aufgenommen wird.[12]

Anlagen mit nur einem Wagen

Gelmerbahn, eine Kraftwerks-Standseilbahn mit 106 Prozent Steigung

Viele als Baubahnen entlang der Druckleitungen von Speicherkraftwerken gebauten Standseilbahnen, wiesen nur einen Wagen zur Nutzlastbef√∂rderung auf. Der Wagen wird entweder von einer Winde in der Bergstation die Strecke hochgezogen oder er ist √ľber eine Seilscheibe in der Bergstation mit einem Gegengewicht verbunden.

Beispiele

Wasserballastbahn

‚Üí Hauptartikel: Wasserballastbahn
Verschiedene Streckenausf√ľhrungen von Standseilbahnen (hier als Wasserballastbahn mit dem fr√ľher h√§ufig verwendeten Schwerkraftantrieb)
Die Nerobergbahn in Wiesbaden, einzige noch in Betrieb stehende Wasserballastbahn in Deutschland

Bei den Wasserballastbahnen wird die Masse des in der Bergstation stehenden Wagens durch Einleiten von Wasser in einen Tank k√ľnstlich erh√∂ht. Die Schwerkraft, welche auf die zus√§tzliche Masse des Wagens wirkt, zieht diesen talw√§rts, wobei der in der Talstation stehende Wagen mittels des √ľber die Seilscheibe laufenden Drahtseils bergw√§rts gezogen wird. Weil mit der Fahrt die Seill√§nge und somit das Gewicht des Seils zwischen der Bergstation und dem talw√§rts fahrenden Wagen stetig zunimmt, muss w√§hrend der Fahrt die Geschwindigkeit durch Bremsen oder Wasserablassen geregelt werden. Die Bremse wirkt bei diesen Bahnen meist auf ein Zahnrad, das in eine Zahnstange zwischen den Schienen eingreift.

Das Wasser wird nach Möglichkeit einem Bach bei der Bergstation entnommen. Fehlt ein solcher, wird das Wasser von Pumpen bei der Talstation durch eine Druckleitung in ein Reservoir bei der Bergstation gefördert.

Die meisten Bahnen sind heute auf elektrischen Betrieb umger√ľstet, weil das System mit dem Wasserballast einige Nachteile hat. Die Wagen mit bis 5 t Wasserballast sind ziemlich schwer, so dass die Gleise dementsprechend ausgelegt sein m√ľssen und einen sorgf√§ltigen Unterhalt n√∂tig machen. Au√üerdem muss zwischen den Fahrten so lange gewartet werden, bis der Wassertank des Wagens in der Bergstation wieder gef√ľllt ist. Dadurch ist die Anzahl m√∂glicher Fahrten pro Stunde eingeschr√§nkt. Die wenigen noch in Betrieb stehenden Bahnen werden zum Teil mit Abwasser betrieben, um wertvolles Trinkwasser zu sparen.

Beispiele
  • Standseilbahn Neuveville‚ÄďSaint-Pierre in Freiburg (Schweiz), erbaut 1897. Einzige noch in Betrieb stehende Wasserballastbahn in der Schweiz. Als Ballast dient das Abwasser des Ortsteils bei der Bergstation. Die Bahn wurde 1998 restauriert und geh√∂rt zum nationalen Kulturgut.
  • Nerobergbahn in Wiesbaden, einzige noch in Betrieb stehende Wasserballastbahn in Deutschland.[13]
  • Lynton and Lynmouth Cliff Railway, er√∂ffnet 1890. Bei dieser Bahn wird abweichend vom oben beschriebenen System zum Regulieren der Antriebskraft nicht das Wasser aus dem talw√§rts fahrenden Wagen sondern, das aus dem bergw√§rts fahrenden Wagen abgelassen, der bei Ankunft in der Bergstation wieder aufgef√ľllt wird. Diese Betriebsart wird vereinzelt auch als subtraktive Methode bezeichnet.[14]

Schrägaufzug

→ Hauptartikel: Schrägaufzug

Schr√§gaufz√ľge k√∂nnten vereinfachend als Standseilbahn mit Aufzugssteuerung bezeichnet werden. Das hei√üt, sie k√∂nnen wie ein senkrechter Aufzug in einem Geb√§ude benutzt werden, aber sie verlaufen schr√§g, meistens auf Schienen. Werden solche Anlagen nicht zur Bedienung von Geb√§uden und Bauten eingesetzt, sondern zur √∂ffentlichen Personenbef√∂rderung, fallen sie unter die Seilbahnrichtlinie.

Standseilbahnen mit Traktorbetrieb

Traktor der Tranvia di Opicina schiebt einen Stra√üenbahnwagen √ľber die Steilrampe.

Einige Standseilbahnen befördern selbst keine Nutzlast in ihren Wagen, sondern dienen nur zum Schieben oder Bremsen von anderen Fahrzeugen auf Steilstrecken. Die beförderten Fahrzeuge konnten vor oder nach der Standseilbahn ihre Fahrt mit eigenem Antrieb fortsetzen. Diese Systeme gehören nicht zu den Schiefen Seilebenen, weil die mit dem Seil verbundenen Fahrzeuge betrieblich nicht von diesem lösbar sind. Die Schiebewagen solcher Bahnen werden meist als Traktoren bezeichnet.[5]

Beispiele
  • Standseilbahnabschnitt der Tranvia di Opicina in Triest. Die von einem ortsfesten Elektromotor in der Bergstation angetriebene Anlage mit zwei Traktoren hilft regul√§ren Stra√üenbahnen, eine 26prozentige Steilrampe zu √ľberwinden. Diese Anlage ist heute noch in Betrieb.
  • Standseilbahnabschnitt der Stra√üenbahn in Catanzaro, Kalabrien. Die Anlage hatte selbst keinen Antrieb, sondern verband mittels den Traktoren einen bergw√§rts und einen talw√§rts fahrenden Stra√üenbahnwagen miteinander. Der Antrieb erfolgte durch die stark motorisierten Stra√üenbahnwagen selbst. Die Anlage wurde 1970 stillgelegt und durch eine Zahnradbahn ersetzt.
  • Standseilbahnabschnitt der Tranvia di Monreale in Sizilien. Bei dieser Anlage fuhren die Traktoren auf einem schmalen Gleis zwischen dem Stra√üenbahngleis, was ihnen erm√∂glichte in der Talstation in eine Grube zu verschwinden, so dass sie von den Stra√üenbahnwagen √ľberfahren werden konnten. Die Anlage hatte keinen ortsfesten Antrieb, sondern wurde von den mit Motoren ausger√ľsteten Traktoren selbst angetrieben. Sie war von 1900 bis 1946 in Betrieb.
  • Standseilbahnen nach dem System Agudio

Sonderbauarten der Standseilbahn

System Agudio

Bahn Sassi-Superga nach dem System Agudio. Die Bahn wurde 1935 zu einer Zahnradbahn umgebaut.

Tommaso Agudio entwickelte eine Standseilbahn, deren Wagen sich ähnlich einem Kettenschlepper an einem fest verankerten Seil hochwinden, wobei der Antrieb des Windwerks auf dem Wagen durch ein endlos umlaufendes Seil erfolgte, das ortsfest angetrieben wurde. Der ebenfalls als Traktor bezeichnete angetriebene Wagen konnte wegen des aufwändigen Windwerkes keine Nutzlast aufnehmen, die deshalb in vorgestellten Wagen bergwärts geschoben werden musste. Die Talfahrt erfolgte am stillstehenden Triebseil, wobei die Geschwindigkeit nur durch die Bremsen auf dem Traktor kontrolliert wurde.[15]

Eine erste Versuchsstrecke f√ľr das System Agudio wurde 1863 bei Dusino am Giovipass eingerichtet. Hierbei erfolgte der Seilantrieb durch ortsfeste Dampfmaschinen, die aus alten Dampflokomotiven umgebaut wurden.

F√ľr eine weitere Versuchsstrecke entlang der Bahn nach dem System Fell auf der Nordseite des Mont Cenis-Passes wurde das System Agudio bereits abgewandelt und vereinfacht. Der Traktor arbeitete sich nun nicht mehr entlang eines Seiles, sondern war mit Zahnr√§dern ausger√ľstet, die √§hnlich dem System Locher beidseitig in eine in Gleismitte liegende Zahnstange eingriffen. Das System Agudio hatte sich somit zu einer von einem umlaufenden Seil angetriebenen Zahnradbahn gewandelt. Der Antrieb der Anlage am Mont Cenis erfolgte mittels Wasserkraft durch Girard-Turbinen.[16] Die Strecke war nur kurze Zeit in Betrieb, jedoch wurden die Ausr√ľstungsteile teilweise f√ľr die dritte und letzte Anwendung des Systems auf der Strecke Sassi-Superga bei Turin eingesetzt, wo das System bis 1934 in Betrieb war.[5][17]

Es bestanden auch Pl√§ne, die gro√üen Alpenquerungen, wie die Gotthardbahn oder die Querung der Kordilleren in Chile, nach dem System Agudio auszuf√ľhren. Der Betrieb der Seilbahnen war aber doch zu kompliziert, so dass davon abgesehen wurde. Thomas Agudio gr√ľndete die nach ihm benannte Firma zur Herstellung von Seilbahnen.

Schlittenseilbahn

‚Üí Hauptartikel: Schlittenseilbahn

√Ąhnlich einer normalen Standseilbahn sind zwei lenkbare Schlitten an einem Drahtseil befestigt, das in der Bergstation √ľber eine Seilscheibe l√§uft. Wegen des hohen Reibungswiderstands der Schlitten m√ľssen diese auch talseitig mit einem Zugseil miteinander verbunden sein. Der Antrieb erfolgt durch einen Elektromotor wahlweise in der Tal- oder Bergstation. Wegen der fehlenden F√ľhrung durch die Fahrbahn m√ľssen die Schlitten vom Fahrpersonal gelenkt werden.

Obwohl schon der Rei√üzug auf die Festung Hohensalzburg anf√§nglich Schlitten statt Wagen benutzte, erlangten Schlittenseilbahnen erst in den 1930er- und 1940er-Jahren im gesamten Alpenraum eine gewisse Verbreitung als kosteng√ľnstige Erschlie√üung von Skih√§ngen. Nach Ende der Saison konnte die Anlagen jeweils wegger√§umt werden. Die Schlittenseilbahnen wurden im Volksmund Funi genannt, eine Kurzform des franz√∂sischen Funiculair. Die meisten Funis wurden nach kurzer Zeit durch leistungsf√§higere Skilifte ersetzt, einige konnten sich aber sehr lange halten ‚Äď in Braunwald GL stellten die Schlittenseilbahn erst 1973 den Betrieb ein, in Saanenm√∂ser 1986 und in Grindelwald 1995.

Sonstige

Eine 250 m lange Standseilbahn u.a. √ľber eine Stra√üe hinweg verbindet das Forschungszentrum der CEA (staatliche franz√∂sische Forschungseinrichtung f√ľr Kernenergie) am Standort Grenoble mit dem Forschungszentrum f√ľr Elektronik und Informationstechnologie CEA-Leti. Das Besondere daran ist, dass die Kabine als Reinraum ausgef√ľhrt ist um Ger√§te in partikelfreier Luft sto√üfrei transportieren zu k√∂nnen[18].

Rekorde

Steilste Standseilbahn

Die zum Parc d‚ÄôAttractions du Ch√Ętelard geh√∂rende Bahn Le Ch√Ętelard-Ch√Ęteau d'Eau ist mit einer Steigung von 87% die steilste Standseilbahn mit zwei Kabinen. Die als Schr√§gaufzug ausgef√ľhrte Gelmerbahn √ľberwindet mit 106 Prozent eine noch gr√∂√üere Steigung. Sie befindet sich in der Schweiz und f√ľhrt von Handegg an der Grimselpassstra√üe zum Gelmersee. Der weltweit steilste Schr√§gaufzug d√ľrfte die Katoomba Scenic Railway in Australien mit einer Steigung von 128 Prozent sein.[19]

Längste Standseilbahn

Die längste in Betrieb stehende Bahn ist die Standseilbahn Sierre-Crans-Montana mit 4192 m Länge.

Eine der l√§ngsten Standseilbahnen Europas war die Gletscherbahn Kaprun 2 mit 3900 m L√§nge. Die Anlage wurde nach der Brandkatastrophe vom 11. November 2000, bei der 155 Personen durch Rauchvergiftung den Tod fanden, au√üer Betrieb genommen.

Weitere lange Bahnen sind die Standseilbahn Seefeld-Rossh√ľtte mit 2469 m L√§nge[20], die Rasch√∂tzerbahn in St. Ulrich in Gr√∂den mit 2402 m und die Mendelbahn bei Bozen mit 2374 m Betriebsl√§nge in einer Sektion.

K√ľrzeste und kleinste Standseilbahn

Die weltweit wohl k√ľrzeste Standseilbahn ist der nur 31 m lange Saint-Nicholas Cliff Lift in Scarborough, England.[21]

Die k√ľrzeste Standseilbahn Italiens ist die Ferata GranRisa in Stern im Gadertal (S√ľdtirol, Italien) mit nur 66,7 m L√§nge und einem H√∂henunterschied von 21,77 m, erbaut 1997.[22]

Die k√ľrzeste Standseilbahn in der Schweiz ist der Schr√§gaufzug zum Hotel Montana in Luzern aus dem Jahre 1909. Die Strecke ist 85 m lang und verbindet das an einem Hang gelegene Hotel mit dem Bereich der Seepromenade.[23]

Siehe auch

sowie

Literatur

  • Handbuch der Ingenieurwissenschaften, Band V. Leipzig 1906
  • Knupfer: Hoch √ľber Heslach. Die Stuttgarter Standseilbahn. Stuttgart 2004

Weblinks

 Commons: Standseilbahn ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Reinhard Kriechbaum: Die gro√üe Reise auf den Berg, in der Tagespost, 15. Mai 2004, letzter Zugriff: 21. Februar 2009
  2. ‚ÜĎ 1907 Incline Railway Crash. Abgerufen am 5. September 2009 (englisch).
  3. ‚ÜĎ La ficelle de la rue Terme. Abgerufen am 5. September 2009 (franz√∂sisch).
  4. ‚ÜĎ Budapest ‚Äď Castle Hill Funicular (Hungary). Abgerufen am 5. September 2009 (englisch).
  5. ‚ÜĎ a b c d e Walter Hefti: Schienenseilbahnen in aller Welt. Schiefe Seilebenen, Standseilbahnen, Kabelbahnen. Birkh√§user, Basel 1975, ISBN 3-7643-0726-9
  6. ‚ÜĎ Seilbahnen ‚Äď zunehmend ein attraktives urbanes Verkehrsmittel. Abgerufen am 9. September 2009.
  7. ‚ÜĎ Zeitzer Drahtseilbahn ‚Äď die erste Standseilbahn Deutschlands. Abgerufen am 18. September 2009.
  8. ‚ÜĎ 100 und 50 Jahre Seilbahngeschichte(n). Meilensteine, Rarit√§ten und Rekorde in der Welt der Seilbahnen. ISR Internationale Seilbahn-Rundschau, S. 19, abgerufen am 9. September 2009 (PDF, 3.599 KB, dreisprachig deutsch, englisch, franz√∂sisch, Teil 2 von 3): ‚ÄěNAPOLI CENTRALE f√ľr 450+1 Personen ‚Äď Gr√∂sste Standseilbahn der Welt‚Äú
  9. ‚ÜĎ Oberwei√übacher Bergbahn: Einzigartige Standseilbahn zum Transport von Eisenbahnwagen
  10. ‚ÜĎ Abt‚Äôsche Weichen auf der Steilstrecke der Oberwei√übacher Bergbahn. Abgerufen am 14. September 2009.
  11. ‚ÜĎ Standseilbahnen. Abgerufen am 9. September 2009.
  12. ‚ÜĎ Der zus√§tzliche Gewichtswagen wartet mitten auf der Strecke ‚Äď Bahnbilder.de. Abgerufen am 14. September 2009.
  13. ‚ÜĎ Standseilbahn mit Wasserballast von 1888 in Wiesbaden
  14. ‚ÜĎ Lynton & Lynmouth (England). Abgerufen am 7. September 2009 (englisch).
  15. ‚ÜĎ Seilbahnen. Bauweise Agudio. In: Victor von R√∂ll (Hrsg.): Enzyklop√§die des Eisenbahnwesens. 2. Auflage. Bd. 9. Urban & Schwarzenberg. Berlin, Wien 1923, S. 11 (Faksimile auf zeno.org)
  16. ‚ÜĎ M. Couche: Syst√®me Agudio pour franchir les fortes rampes. Dunod, Paris 1873. (franz√∂sisch, Blog-Eintrag mit einem Bild der Titelseite)
  17. ‚ÜĎ Antonio Gamboni: L'antica Funicolare di Superga. Abgerufen am 17. September 2009 (italienisch).
  18. ‚ÜĎ Firmenprospekt von Pomagalski, pdf-Datei, abgerufen am 14. November 2011
  19. ‚ÜĎ Blue Mountain ‚Äď Erlebniswelt. In: Australien Journal: Reisen ‚Äď Abenteuer ‚Äď Wissen. Abgerufen am 20. September 2009.
  20. ‚ÜĎ Bergbahn-Details zu: Standseilbahn Seefeld-Rossh√ľtte. Abgerufen am 6. September 2009.
  21. ‚ÜĎ Michel Az√©ma: Saint-Nicholas Cliff Lift. 1998, abgerufen am 7. September 2009 (englisch).
  22. ‚ÜĎ Ferata GranRisa. Abgerufen am 25. J√§nner 2011.
  23. ‚ÜĎ Michel Az√©ma: Drahtseilbahn Hotel Montana. Abgerufen am 25. Oktober 2009 (englisch).

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