Steyr

ÔĽŅ
Steyr
Steyr
Wappen von Steyr
Steyr (√Ėsterreich)
Steyr
Basisdaten
Staat: √Ėsterreich
Bundesland: Oberösterreich
Politischer Bezirk: Statutarstadt
Kfz-Kennzeichen: SR
Fl√§che: 26,56 km¬≤
Koordinaten: 48¬į 3‚Ä≤ N, 14¬į 25‚Ä≤ O48.0514.416666666667310Koordinaten: 48¬į 3‚Ä≤ 0‚Ä≥ N, 14¬į 25‚Ä≤ 0‚Ä≥ O
H√∂he: 310 m √ľ. A.
Einwohner: 38.313 (1. J√§n. 2011)
Bevölkerungsdichte: 1.442,51 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 4400, 4402, 4403, 4405, 4407, 4451
Vorwahl: 07252
Gemeindekennziffer: 4 02 01
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Stadtplatz 27
4400 Steyr
Website: www.steyr.at
Politik
B√ľrgermeister: Gerald Hackl (SP√Ė)
Gemeinderat: (2009)
(36 Mitglieder)
19 SP√Ė, 8 √ĖVP, 6 FP√Ė, 3 Gr√ľne
Lage der Statutarstadt Steyr
Bezirk Braunau am Inn Bezirk Eferding Bezirk Freistadt Bezirk Gmunden Bezirk Grieskirchen Bezirk Kirchdorf an der Krems Linz Bezirk Linz-Land Bezirk Perg Bezirk Ried im Innkreis Bezirk Rohrbach Bezirk Schärding Steyr Bezirk Steyr-Land Bezirk Urfahr-Umgebung Bezirk Vöcklabruck Wels (Stadt) Bezirk Wels-LandLage des Bezirks Steyr im Bundesland Oberösterreich (anklickbare Karte)
√úber dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in √Ėsterreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Blick √ľber die Altstadt vom Turm der Stadtpfarrkirche aus
Blick √ľber die Altstadt vom Turm der Stadtpfarrkirche aus
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
M√ľndung der Steyr in die Enns. Rechts der Stadtteil Steyrdorf mit B√ľrgerspital und Michaelerkirche
Die Altstadt mit Marienkirche und Rathaus (beide am Stadtplatz) und gotischer Stadtpfarrkirche. Blick vom Taborturm aus
Das im Rokoko gehaltene Rathaus der Stadt Steyr gilt als eine der schönsten Rokoko-Bauten Europas

Steyr (Ober√∂sterreich) ist als Statutarstadt ein eigener Bezirk und dar√ľber hinaus Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Bezirkes Steyr-Land. Steyr ist die drittgr√∂√üte Stadt Ober√∂sterreichs, und gleichzeitig die zw√∂lftgr√∂√üte Stadt bundesweit.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Steyr liegt auf 310 m H√∂he und ist am Zusammenfluss von Enns und Steyr an der Grenze zu Nieder√∂sterreich, im Alpenvorland gelegen. Die Ausdehnung betr√§gt von Nord nach S√ľd 7 km, von West nach Ost 7,3 km. 2,8 % der Fl√§che sind bewaldet, 11,1 % der Fl√§che landwirtschaftlich genutzt.

Stadtgliederung

Steyr besteht aus den folgenden acht Katastralgemeinden: Christkindl, F√∂hrenschacherl, Gleink, Hinterberg, J√§gerberg, Sarning, Stein, Steyr. Die Katastralgemeinde Steyr besteht aus den Teilen: Altstadt, Steyrdorf, Tabor, M√ľnichholz, Ennsdorf, Resthof , Ennsleite.

Neben den Katastralgemeinden gibt es eine Vielzahl von Ortschaften, die ebenfalls zum Stadtgebiet von Steyr gehören.

Klima

Steyr und seine n√§here Umgebung liegen in einem Ausl√§ufer des pannonischen Klimas, der sich bis in die Welser Heide erstreckt. Aufgrund der schwierigen Topografie mit vielen Wasserfl√§chen und Anh√∂hen kommt es zu kleinr√§umigen Abweichungen mit h√∂heren Niederschl√§gen und tieferen Temperaturen.[1] Das Jahresmittel der Lufttemperatur betr√§gt 10 ¬įCelsius, das niedrigste Tagesmittel ‚ąí15 ¬įC, das h√∂chste +33 ¬įC. Die mittlere Sonnenscheindauer betr√§gt 1500 Stunden, die mittlere Niederschlagsmenge 750 mm.[2] Durch heftige Niederschl√§ge im Quell- und Einzugsgebiet von Enns und Steyr kommt es im Stadtgebiet immer wieder zu √úberflutungen.

Bevölkerung

Die Bev√∂lkerungszahl sank von 2001 bis 2010 von 39.340 auf 38.365.[3] 14,4 % der Steyrer sind bis unter 15 Jahre alt, 65,9 % 15 bis 64 Jahre und 19,7 % 65 und √§lter.[4]

Agglomeration

Im Ballungsraum Steyr lebten - im Januar 2010 - 69.766 Menschen. Zum Ballungsraum gehören Steyr und die Gemeinden Dietach (2.830), Wolfern (2.983), Sankt Ulrich bei Steyr (3.049), Sierning (9.106), Garsten (6.618) und in Niederösterreich die Gemeinden Haidershofen (3.576) und Behamberg (3.239).

Wappen

Siegel der Stadt (1304)

Offizielle Beschreibung des Stadtwappens: In Gr√ľn ein silberner, rot gewaffneter und geh√∂rnter, flammenspeiender, aufgerichteter Panther. Die Stadtfarben sind Gr√ľn-Wei√ü.

Historisches Wappen (Lithographie 1895)

Das zur urspr√ľnglich blau-wei√üen Gruppe der bajuwarisch-karantanischen ‚ÄěPantherfamilie‚Äú z√§hlende Fabeltier ist das signifikante Wappenbild der nach ihrem Leitnamen als Otakare bezeichneten Markgrafen, sp√§ter Herz√∂ge der Steiermark, die ihren Stammsitz in Steyr hatten.

1160 von Markgraf Ottokar (Otakar) III. von Steyr zu seinem offiziellen Schildwappen gewählt, bildet es noch heute das steiermärkische Landeswappen.

Siegel

Das urspr√ľngliche Siegel der B√ľrgerschaft stammt aus dem Jahr 1304. Es zeigt ein Stadttor mit zwei T√ľrmen, dar√ľber den √∂sterreichischen Bindenschild und beiderseits des Tores das Stadtwappen. Die Umschrift lautet: +SIGILLVM CIVIVM IN STIRA.[5]

Geschichte

Eisenzeit

Zahlreiche Streufunde zeigen, dass die Gegend um Steyr schon in fr√ľhester Zeit besiedelt war, wenn sich auch eine vorgeschichtliche Siedlung im Stadtgebiet nicht nachweisen l√§sst.

Bevölkerungs-
entwicklung
Datum Einwohner
1869 16.593
1880 21.054
1890 26.139
1900 22.272
1910 22.205
1923 27.200
1934 25.351
1939 31.017
1951 36.818
1961 38.306
1971 40.822
1981 38.942
1991 39.337
2001 39.340
2010 38.365

Um 600 v. Chr. wanderten Kelten ein, die als Erste das Eisen des Erzberges abbauten. Der Name Steyr entstammt der keltischen Sprache (Stiria) und bezeichnet den gleichnamigen Fluss. Der griechische Geograph Klaudios Ptolemaios hat in seinem ‚ÄěAtlas der Oikumene‚Äú (Geographike Hyphegesis) unter Noricum einen Ort ‚ÄěGesodunum‚Äú vermerkt, der von Wissenschaftlern der TU Berlin anhand von transformierten antiken Koordinaten im ‚ÄěRaum von Steyr‚Äú lokalisiert wird.[6]

Römerzeit

Die R√∂mer brachten das Eisen, das sie das ‚Äěnorische‚Äú nannten, auf der alten Eisenstra√üe zu ihrer Schildfabrik nach Lauriacum. Nach der √úberlieferung stand auf dem Felsen √ľber dem Zusammenfluss von Steyr und Enns bereits ein r√∂mischer Wachturm, so hei√üt der Bergfried der Styraburg, der in das Barockschloss Lamberg integriert ist, noch heute R√∂merturm. Bei seiner tats√§chlichen Errichtung im Hochmittelalter d√ľrften aber Quader des ehemaligen r√∂mischen Legionslagers Lauriacum verwendet worden sein, wodurch der Turm zu seinem Namen kam. Im Jahr 1297 berichten die Annalen des Stiftes St. Florian √ľber einen gro√üen Schatzfund bei Steyr (‚ÄěMaximus Thesaurus‚Äú), wobei dies als erste √ľberlieferte Nachricht √ľber arch√§ologische Funde in √Ėsterreich gilt.[7] Im Laufe der Jahrhunderte kamen noch einige eher unspektakul√§re Kleinfunde hinzu.[8] Bei der Notgrabung im Zuge der Errichtung der Steyrer Nordspange (KG Hinterberg, Stadtteil M√ľnichholz) wurden durch das Bundesdenkmalamt die Baureste eines Geh√∂fts ergraben.[9]

Mittelalter

Im 6. Jahrhundert wurde das Gebiet von bairischen St√§mmen besiedelt und geh√∂rte sp√§ter zum Rodungsbezirk des 777 vom Bayernherzog Tassilo gegr√ľndeten Klosters Kremsm√ľnster. Zum Schutze des Reiches gegen die Einf√§lle der Ungarn wurden um 900 an der Enns zwei wehrhafte Burgen errichtet, die Burg zu Enns und die Styraburg, die 980 erstmals urkundlich erw√§hnt wurde. Die Erbauer der Burg waren die Grafen von Wels-Lambach, die Besitzungen im Traungau und in der Karantanischen Mark (Obersteiermark) hatten.

1055 traten die aus dem Chiemgau stammenden Otakare deren Erbe an. Das Wappentier der Otakare war der wei√üe Panther. Durch Erbschaften und kluge Heiratspolitik ‚Äď Otakar II. war mit einer Babenbergerin verm√§hlt ‚Äď vergr√∂√üerten sie ihre Besitzungen in der Steiermark betr√§chtlich. Hier lag auch der Erzberg, dessen Abbau von den Otakaren intensiv gef√∂rdert wurde. Die Machtstellung der Otakare zeigte sich in einer pr√§chtigen Hofhaltung. Die Styraburg war nicht nur der Schauplatz ritterlichen Lebens, sondern auch Ort der Pflege edler K√ľnste. In den beiden mittelhochdeutschen Epen Biterolf und Dietleib und K√∂nig Laurin wird der Burg zu Steyr ein literarisches Denkmal gesetzt. 1180 wurde Otakar IV., der Letzte seines Geschlechtes, von Kaiser Friedrich Barbarossa in den Herzogsstand erhoben. 1186 vermachte Otakar IV., krank und kinderlos, in feierlichem Erbvertrag auf dem Georgenberg zu Enns Burg und Herrschaft Steyr den Babenbergern ‚Äď schon 1170 wird Steyr als Urbs ‚Äöst√§dtische Siedlung‚Äė bezeichnet, worauf sich das Stadtrecht zur√ľckf√ľhrt.

Steyr verlor seine Bedeutung als Herzogssitz, seine Rolle als Verarbeitungs- und Handelszentrum f√ľr das Innerberger Eisen blieb jedoch erhalten. Das in Innerberg, dem heutigen Eisenerz, gef√∂rderte ‚ÄěSchwarze Metall‚Äú nahm schon im fr√ľhen Mittelalter seinen Weg durch das Tal der Enns zur Donau und lie√ü so eine der √§ltesten Industrielandschaften Europas, die Eisenwurzen, entstehen.

Beg√ľnstigt durch seine einmalige verkehrspolitische Lage und seine Bedeutung als Residenz unter den Otakaren, entwickelte sich Steyr zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum dieses fr√ľhmittelalterlichen Industriegebietes. Unter den Babenbergern erfolgte der Aufstieg der Stadt zur Eisenmetropole n√∂rdlich der Alpen. Handwerker, vor allem Waffen- und R√ľstungsschmiede, hatten am Fu√üe der Burg Schutz und Lebensraum gefunden.

Nach dem Aussterben der Babenberger 1246 begannen f√ľr die Stadt schwere Zeiten. In der Zeit vor den Habsburgern wurde Steyr 1254, als Folge des Friedens von Ofen, von seiner Mark (der Steiermark, die damals an Ungarn fiel) und damit von seiner wirtschaftlichen Basis, dem Erzberg, getrennt und zum Land ob der Enns unter dem B√∂hmenk√∂nig Ottokar II. PŇôemysl geschlagen.

Am 23. August 1287 best√§tigte Herzog Albrecht I. der Stadt die alten Rechte im Handel und in der Verarbeitung des Innerberger Eisens. In diesem Gro√üen Privileg wurde den Steyrer B√ľrgern unter anderem das Stapelrecht f√ľr Holz und Eisen gew√§hrt. Drei Tage lang mussten diese Rohstoffe den Steyrer B√ľrgern zu einem bevorzugten Preis angeboten werden, ehe sie ihren Weg zur Donau fortsetzen durften. Das machte Stadt und B√ľrger reich und versetzte sie in die Lage, bedeutende K√ľnstler aus Deutschland, B√∂hmen und Italien einzuladen, um zu bauen und Kunstwerke zu schaffen. Handelsbeziehungen Steyrer Eisenh√§ndler mit Deutschland und Osteuropa sind seit 1190 belegt.

Eine besondere Rolle spielte der Handel mit Venedig. Steyr gehörte damals zu jenen neun römisch-deutschen Städten, die in Venedig ein eigenes Handelskontor unterhielten. Steyrer Eisenwaren stellten auf dem Venediger Markt begehrte Artikel dar.

Vermutliche Stadtansicht um oder nach 1450.[10] Schedelsche Weltchronik, Bl. CCLXXVI

Eine gro√üe Anzahl von Steyrern bekannte sich im 13. und 14. Jahrhundert zum Waldensertum, einer christlichen Laienbewegung, die von der Inquisition als ketzerisch gebrandmarkt wurde. Steyr war in dieser Zeit der bedeutendste Waldenserort √Ėsterreichs. Aus diesem Grund wurde die Stadt mehrmals von der Inquisition heimgesucht. Um zirka 1260 wurden hier erstmals Waldenser entdeckt, Inquisitionsgerichte wurden danach neuerlich 1311 und etwa 1370 abgehalten. Zu den schwersten Verfolgungen kam es zwischen 1391 und 1398 unter dem Inquisitor Petrus Zwicker: Allein im Jahr 1397 wurden nach Angaben des Chronisten Preuenhueber ‚Äěmehr denn tausend Personen eingezogen‚Äú. Im selben Jahr wurden auf dem Ketzerfriedhof zwischen 80 und 100 Personen verbrannt. Hieran erinnert das 1997 in Steyr errichtete Waldenserdenkmal.[11]

Das rasche Aufbl√ľhen der Stadt im 14. Jahrhundert f√∂rderte den Zuzug von Handwerkern haupts√§chlich aus N√ľrnberg. Neben Harnischmachern und Klingenschmieden waren es vor allem Messerer, deren Zunftbrief von 1406 zu den √§ltesten √Ėsterreichs geh√∂rt. Die Steyrer Messerer waren tonangebend im gesamten s√ľddeutschen Raum. Mitte des 15. Jahrhunderts erreichte die Stadt ihren wirtschaftlichen H√∂hepunkt. Steyr war damals neben Wien die wohlhabendste und vornehmste Stadt √Ėsterreichs.

Neuzeit

Die weitreichenden und innigen Handelsbeziehungen Steyrs zu den bedeutendsten Handelszentren Europas machten die Bewohner empf√§nglich f√ľr neue Ideen und Str√∂mungen. Die Lehre Luthers ‚Äď 1525 vom Barfu√üm√∂nch Calixt in der Stadt verbreitet ‚Äď wurde von den Steyrern beif√§llig aufgenommen. Fast geschlossen traten die B√ľrger und Handwerker zum neuen Glauben √ľber. Am Beginn der Gegenreformation gab es in der Stadt nur mehr 18 katholische Familien. Steyr erlebte in dieser Zeit eine kulturelle Bl√ľte und geh√∂rte zu jenen wenigen St√§dten √Ėsterreichs, in denen der Meistergesang gepflegt wurde, der erst in den Wirren der Gegenreformation verstummte.

Anfang Juli 1572 suchte das bisher verheerendste Hochwasser die Stadt heim. Als Reaktion darauf wurde 1573 das Neutor am Eingang zum Gr√ľnmarkt als Wasserschutzbau errichtet.[12] An der S√ľdwand des Wasserturms in Zwischenbr√ľcken (Caf√© Werndl) sind Hochwassermarken angebracht. Demnach stand das Hochwasser 1572 deutlich h√∂her als 2002.

Kupferstich Matthäus Merians (Erste Hälfte des 17. Jahrhunderts

Die ersten Anzeichen f√ľr den Niedergang des Eisenwesens machten sich bemerkbar: Handwerker klagten, dass Eisenh√§ndler gewinnbringend ins Ausland verkauften und dem ans√§ssigen Gewerbe so nur zweitklassige Ware bliebe. 1583 kam es daher zur Gr√ľndung der Eisenhandlungskompanie, die dem unlauteren Handel ein Ende bereiten sollte. Die in sie gesetzten Erwartungen erf√ľllten sich jedoch nicht. Der Ausbruch des Drei√üigj√§hrigen Krieges, Gegenreformation und der gro√üe ober√∂sterreichische Bauernkrieg ‚Äď zwei seiner Drahtzieher waren Steyrer B√ľrger ‚Äď f√ľhrten zum wirtschaftlichen Niedergang der Stadt. Die Verpf√§ndung Ober√∂sterreichs an Baiern 1620 und die rigorosen Ma√ünahmen der Gegenreformation unter Graf Herberstorff, die im Frankenburger W√ľrfelspiel ihren grausigen H√∂hepunkt fanden, f√ľhrten zur Erhebung der Bauern 1626.

Mit 40.000 Bauern kam der F√ľhrer der Aufst√§ndischen, Stefan Fadinger, nach Steyr, wo er in Stadtrichter Wolfgang Madlseder und Dr. Lazarus Holzm√ľller wichtige Verb√ľndete fand. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurden die R√§delsf√ľhrer enthauptet und gevierteilt. Die Einquartierung von Truppen, die dadurch entstehenden Kosten, die katastrophale Wirtschaftslage und der 1625 ergangene Ausweisungsbefehl f√ľr Protestanten hatte die Auswanderung von 228 Steyrer Familien zur Folge. Viele sahen ihre einzige Hoffnung in der Emigration. Es waren Steyrer Messerer, die die ber√ľhmte Solinger Stahlwarenerzeugung gr√ľndeten. Diese Entwicklung wirkte sich auch fatal auf das Eisenwesen aus. 1620 warteten 300.000 Zentner Stahl in Steyr auf ihre Abnehmer. Um das darniederliegende Eisenwesen zu beleben, kam es 1625 zur Gr√ľndung der Innerberger Hauptgewerkschaft, der Vereinigung von Radmeistern, Hammerherren und Eisenh√§ndlern zu einem Konzern, aus dem sp√§ter die Alpine Montangesellschaft hervorgehen sollte.

Von 1625 bis etwa 1630 arbeitete der Historiograph Valentin Preuenhueber an den Annales Styrenses, der ersten Geschichte der Stadt Steyr. Da Preuenhueber jedoch 1629 als Protestant √Ėsterreich verlassen musste, dauerte es mehr als hundert Jahre, bis das Werk gedruckt vorlag (N√ľrnberg 1740).[13]

Mit dem Barock erlebte die Stadt nach der T√ľrkengefahr ein neues Aufbl√ľhen. Der Gro√ühandel mit dem Eisen war zwar versiegt, die Verarbeitung des steirischen Eisens w√§hrte aber fort. In dieser Zeit entstanden in Steyr einige interessante Bauten, wie die Michaelerkirche oder die Wallfahrtskirche von Christkindl am Rande der Stadt. In der Josefinischen Zeit, die nicht nur durch die Klosteraufhebungen gepr√§gt wurde, machte sich in Steyr eine wirtschaftliche Aufw√§rtsbewegung bemerkbar. Durch die Umwandlung von bestehenden Handwerksbetrieben und die Gr√ľndung neuer Werkst√§tten wurde der Grundstein f√ľr die sp√§tere Industrialisierung der Stadt gelegt.

Am 29. August 1727 wurde Steyr von einer verheerenden Feuersbrunst heimgesucht, die nicht nur gro√üe Teile der Altstadt, sondern auch die Styraburg mit ihren Giebeln, T√ľrmen und Erkern vernichtete. Am selben Platz entstand das barocke Schloss Lamberg.

19. Jahrhundert

Festumzug zum 900-jährigen Bestand

In der Zeit der Franzosenkriege wurde die g√ľnstige Entwicklung der Steyrer Wirtschaft j√§h unterbrochen. Innerhalb von zehn Jahren besetzten franz√∂sische Truppen dreimal die Stadt: 1800, 1805 und 1809. In der heutigen L√∂wenapotheke wurde am 25. Dezember 1800 der Waffenstillstand zwischen √Ėsterreich und Frankreich unterzeichnet, dem 1801 der Friede von Lun√©ville folgte. Um das Revolutionsjahr 1848 gab es auch in Steyr Krawalle und Unruhen. Als die Stadt am 6. Juni 1849 regierungsfeindlichen Husaren den Durchmarsch gestattete, f√ľhrte dies zu schweren Verstimmungen mit dem Kaiserhaus. In der Folge bem√ľhte sich die Stadt um Schadensbegrenzung: Der Gemeinderat beschloss der Errichtung eines Votivaltars in der Stadtpfarrkirche, anl√§sslich der Rettung des Kaisers vor dem Attentat 1853. Am 27. September 1857 besichtigte das Kaiserpaar den in der Wiener Minoritenkirche ausgestellten Altar.[14]

Im Sp√§tsommer 1855 brach in und um Steyr die Cholera aus. Prominentestes Todesopfer war der Waffenproduzent Leopold Werndl.[15] Sein Sohn Josef Werndl begr√ľndete die Steyrer Gro√üindustrie.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 900-j√§hrigen Bestehen besuchte Kaiser Franz Josef I. am 23. August 1880 die Stadt. Nach dem Empfang durch Honoratoren am Bahnhof um sechs Uhr morgens fuhr die Gesellschaft zum Rathaus, vor dem ein Festzug abrollte. Danach wurden die Gewerbeausstellung, die Versuchswerkst√§tte und die Werndlsche Waffenfabrik besichtigt.[16] Dem kaiserlichen Besuch gewidmet ist das 1893 enth√ľllte B√ľrgerschaftsfenster in der Stadtpfarrkirche. Im Hauptbild empf√§ngt der Heilige Dominikus aus der Hand Mariens einen Rosenkranz.[17] Die Inschrift lautet: Gewidmet von der B√ľrgerschaft Ste√Ņr zur Erinnerung an die durch die Anwesenheit Sr. k. k. Apostolischen Majest√§t Franz Josef I. verherrlichte Jubil√§umsfeier im August 1880 des 900 j√§hrigen Bestandes der Stadt und des 500 j√§hrigen des uniformirten B√ľrgercorps in Ste√Ņr.

Anton Bruckner suchte Steyr öfters auf und spielte auf der Chrismannorgel in der Stadtpfarrkirche. Ab 1884 verbrachte er mehrere Sommer in der Stadt und komponierte Teile der 8. und 9. Sinfonie, daran erinnert eine Tafel am Alten Pfarrhof.[18] Steyr errichtete 1898 dem Komponisten das erste Denkmal (Brucknerplatz bei der Stadtpfarrkirche).[19]

Entstehung der Steyrer Großindustrie

Gebäude der Waffenfabrik im Wehrgraben (um 1890)

Bereits im sp√§ten Mittelalter siedelten sich im Wehrgraben Gewerbebetriebe an und nutzten die Wasserkraft der Steyr. Dazu wurde ein System von Kan√§len angelegt, das im Wesentlichen bis heute erhalten ist.[20] Im 18. Jahrhundert begannen hier ans√§ssige b√ľrgerliche Meister mit der Erzeugung von S√§beln, Bajonetten und Gewehrbestandteilen. 1830 gr√ľndete schlie√ülich Leopold Werndl einen Betrieb, in dem er mit 450 Arbeitern Gewehrbestandteile erzeugte. Dem Sohn, Josef Werndl, gelang der gro√üe Schritt vom einfachen Unternehmer zum Gro√üindustriellen. In wenigen Jahren baute er die Fabrik seines Vaters zu einer der gr√∂√üten und modernsten Waffenfabriken der Welt aus.[21]

Anl√§sslich der Electrischen-Landes-Industrie-Forst und culturhistorischen Ausstellung 1884 (2. August bis 30. September) lie√ü Josef Werndls OEWG einen Teil der Stadt vor√ľbergehend elektrisch beleuchten. Die ben√∂tigte elektrische Energie stammte von Dynamomaschinen in verschiedenen Objekten der Waffenfabrik. Neu daran war, dass dieser Strom nicht nur aus Dampfkraft, sondern auch aus Wasserkraft gewonnen wurde. In der ehemaligen Heindlm√ľhle in Zwischenbr√ľcken war eine Turbine installiert, die mit zwei Dynamomaschinen gekoppelt bei durchschnittlich 850 Umdrehungen pro Minute Strom mit 450 Volt und 8 Ampere erzeugte. Werndl baute somit die ersten leistungsf√§higen Laufkraftwerke. Am 19. August besuchte Kaiser Franz Josef die Ausstellung, Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stephanie folgten am 19. September.[22]

Schleifung der mittelalterlichen Befestigungsanlagen

Ab 1829 wurden die mittelalterlichen Befestigungsanlagen Schritt f√ľr Schritt geschleift. Als Erstes fiel das Steyrtor in Zwischenbr√ľcken. F√ľrst Lamberg lie√ü 1838 die Zwingmauer und das den Schlossberg versperrende Tor abbrechen. Nachdem Anfang Mai 1842 ein Brand gro√üe Sch√§den in den Vorst√§dten Steyrdorf, Bei der Steyr und Wieserfeld anrichtete,[23] wurde im selben Jahr das Schuhbodentor in der Schuhbodengasse abgetragen. 1843 folgten das ebenfalls abgebrannte Gleinkertor in der Gleinkergasse und das Brittingertor in der Kirchengasse. Im M√§rz 1844 verschwand das innere Gilgentor bei der Stadtpfarrkirche und das Frauentor in der Frauengasse 1848. Ein kastellartiges Festungstor au√üerhalb der Stadtpfarrkirche wich 1846 einem Villenbau. Ab 1848 wurde der Graben bei der heutigen Promenade aufgef√ľllt, dort befand sich au√üerdem eine neun Meter hohe Mauer und der Zwinger. Der heutige Brucknerplatz bei der Stadtpfarrkirche befindet sich an Stelle des Stadtgrabens. Ab Ende Mai 1848 wurde das Wieserfeld planiert. Die Reste des alten Gilgentores existieren seit 1852 nicht mehr und ein Torturm in der Langen Gasse in Ennsdorf (Haratzm√ľllerstra√üe) seit 1855. Ab Anfang 1857 wurde die Stadtmauer im Bereich des heutigen Ennskais beseitigt, das m√§chtige Ennstor in Zwischenbr√ľcken 1864. 1891 fiel das √Ėrtltor in der Schl√ľsselhofgasse.[24] Heute sind von der ehemaligen Befestigung nur noch wenige Reste erhalten, wie etwa das Schnallentor, das Neutor und das Kollertor. Unterhalb der Stadtpfarrkirche und dem altem Pfarrhof befinden sich ein erhaltener Abschnitt der Stadtmauer und ein ehemaliger Wachturm.

Fr√ľhes 20. Jahrhundert

Das Krematorium am Urnenfriedhof

Das Ende der Monarchie bewirkte eine Umkehrung der Machtverh√§ltnisse. Bis 1918 waren b√ľrgerlich-deutschnationale Kreise tonangebend ‚Äď durch das allgemeine freie Wahlrecht wandelte sich Steyr zur sozialistischen Arbeiterstadt.[25] Am 1. J√§nner 1909 wurde nach dem Vertrag vom 8. Oktober 1917 die heutige Katastralgemeinde Gleink eingemeindet. Aichet, Wieserfeld, Bei der Steyr und Steyrdorf bildeten den zweiten Stadtbezirk Steyrdorf. Nach Gemeinderatsbeschluss von 21. Juni 1919 wurde Steyr in folgende Bezirke unterteilt: Stadt, Steyrdorf, Stein, Ort, Ennsdorf. [26]

Zwischen 1926 und 1927 lie√ü der Bestattungsverein ‚ÄěDie Flamme‚Äú vom Architekten Franz Koppelhuber das erste ober√∂sterreichische Krematorium errichten. Die Er√∂ffnung war am 26. Juni 1927, Ende 1939 erwarb es die Stadt um 115.000 Reichsmark. Von Koppelhuber stammt auch das Kriegerdenkmal bei der Stadtpfarrkirche.[27][28]

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Ersten Republik verschonten auch Steyr nicht und die Arbeitslosigkeit blieb bis 1938 ein gravierendes Problem. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 versch√§rfte die Lage: Zwischen dem 30. Juni 1929 und dem 25. J√§nner 1930 entlie√üen die Steyr-Werke, der gr√∂√üte Arbeitgeber, 70 % ihrer Belegschaft. Die finanzielle Lage wurde prek√§r: Weder die Abtretung der st√§dtischen Polizei an den Bund, noch der Verkauf des Krankenhauses an das Land Ober√∂sterreich konnten daran etwas √§ndern: Am 24. Oktober 1931 erkl√§rte die Gemeinde den Bankrott. [25] Ende November 1932 waren 4359 Personen als arbeitslos gemeldet. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen b√ľrgerlicher Heimwehr und sozialistischem Schutzbund. Die Februark√§mpfe 1934 in vielen √∂sterreichischen St√§dten erfassten auch Steyr, der Widerstand des verbotenen Schutzbundes wurde jedoch durch Milit√§r, Bundespolizei und Schutzkorps rasch gebrochen. Am 17. Februar 1934 begannen im Kreisgerichtsgeb√§ude die Prozesse gegen die Aufst√§ndischen. In der Folge blieb die Stadtleitung bis zum Anschluss √Ėsterreichs 1938 b√ľrgerlich klerikal.[25]

Am 1. April 1935 kamen die Ortschaften Neuschönau, Jägerberg und Ramingsteg aus der Gemeinde St. Ulrich hinzu. Aus den nicht einbezogenen Teilen Jägerbergs wurde die neue Katastralgemeinde St. Ulrich gebildet.[26]

Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Die umfangreichsten Erweiterungen erfolgten 1938. Nach Beschluss vom 15. Oktober kamen folgende Gebiete hinzu: M√ľnichholz, Hinterberg, Gleink, Gr√ľnberg, Stein, Christkindl und Garsten.[26] Die Wohnungs AG der Reichwerke Hermann G√∂ring errichtete in M√ľnichholz (Minichholz) 2500 Wohnungen und zog damit einen komplett neuen Stadtteil hoch.[29]

Im Zweiten Weltkrieg erlitt Steyr als Industriestandort und somit als strategisches Bomberziel schwere Zerst√∂rungen und Verluste. Der erste Angriff erfolgte am 23. Februar 1944. Er forderte 15 Tote und 55 Verletzte. Beim zweiten Angriff am 24. Februar starben 212 Menschen, 371 wurden verletzt. Knapp 1000 Bomben wurden auf Steyr abgeworfen. 112 Geb√§ude wurden dabei zerst√∂rt und an die 400 schwer besch√§digt.

Von 1942 bis 1945 war der Stadtteil M√ľnichholz Standort f√ľr das KZ-Nebenlager Steyr-M√ľnichholz. Dort waren bis zu 3.090 H√§ftlinge untergebracht, die in den Steyr-Werken zur R√ľstungsproduktion herangezogen wurden und f√ľr den Bau von Stra√üen und Luftschutzbunkern in Steyr herhalten mussten.

Am 5. Mai 1945 zogen Amerikaner in Steyr ein, am 9. Mai folgten sowjetische Truppen aus dem Osten. Sie befreiten Steyr nicht nur von der nationalsozialistischen Herrschaft, sondern auch die zahlreichen Zwangsarbeiter in den Lagern rund um die Hermann-G√∂ring-Werke. Durch die zahlreichen Fl√ľchtlinge und Soldaten stieg im Mai 1945 die Bev√∂lkerungszahl auf 103.000 an.

Nachkriegszeit 1945 bis 1955

Die Probleme der Stadtverwaltung nach dem Weltkrieg waren vor allem die Beseitigung der Bombensch√§den sowie die Wiederherstellung und Verbesserung der Infrastruktur. In der langen Steyrer Stadtgeschichte gibt es keinen Zeitabschnitt, der eine so umfangreiche Neugestaltung aufweisen k√∂nnte wie dieser. Errichtet wurden zahlreiche Wohn- und Schulbauten, B√§der und Sportanlagen, Bildungseinrichtungen, Fernheizwerke, die neuen Br√ľcken √ľber Enns und Steyr und mehrere neue Betriebe.

J√ľngste Geschichte

1972 bis 1978 kam es zu einer erbitterten Auseinandersetzung einer B√ľrgerinitiative mit der Steyrer Kommunalverwaltung wegen der Erhaltung des historischen Wehrgrabens. W√§hrend die B√ľrgerinitiative die denkmalgerechte Erhaltung des historischen Stadtteiles forderte, plante die Stadt Steyr, sowohl die Gerinne zuzusch√ľtten als auch zahlreiche bauliche Umgestaltungen vorzunehmen. Der Streit endete nicht zuletzt durch die engagierte Unterst√ľtzung des Steyrer Kunstprofessors Heribert Mader und zahlreicher Medien mit einem Sieg f√ľr die Erhalter des Stadtteiles.

1979 erfolgte der Baubeginn des BMW-Motorenwerkes, das seither zum gr√∂√üten Betrieb in Steyr avancierte. 2004 besch√§ftigte BMW in Steyr 2800 Mitarbeiter.

Sonderpostmarke Tausend Jahre Steyr

Im Jahr 1980 feierte die Stadt ihr 1000-j√§hriges Bestehen, zu diesem Anlass wurde Schloss Lamberg seit 1977 restauriert ‚Äď 1980 beherbergte es die Landesausstellung √ľber die Hallstattkultur.[30] Das mehrt√§gige Stadtfest am Stadtplatz war urspr√ľnglich als Event zur 1000-Jahr-Feier gedacht, seitdem wird es jedoch j√§hrlich im Juni neu ausgerichtet.[31] Im Herbst er√∂ffnete das in den sp√§ten 1950ern geschlossene alte Theater an der Promenade neu (siehe auch Abschnitt Theater). Die √∂sterreichische Post ver√∂ffentlichte am 4. Juni 1980 die Sonderpostmarke Tausend Jahre Steyr mit einem Kupferstich aus dem Jahr 1693.[32]

Das ehemalige Kasernengebäude März 2011

Ab 1988 begann die Zerteilung und der Verkauf der Steyr-Daimler-Puch AG. Den Beginn machte der schwedische SKF-Konzern, der das angeschlagene Steyrer W√§lzlagerwerk √ľbernahm. Am 12. September 1989 stimmte der Aufsichtsrat von Steyr-Daimler-Puch dem Verkauf des LKW-Werkes an den deutschen Konzern MAN zu. Auch die deutsche Zahnradfabrik (ZF) und der Magna-Konzern von Frank Stronach kauften sich in Steyr ein.

Die Trollmann-Kaserne am Tabor (Rooseveltstraße) ist seit 2001 aufgelassen. Das Gebäude wurde 1903 bis 1905 errichtet und nach dem Infanterie-General Ignaz Trollmann benannt. Auf dem Gelände soll ein Einkaufszentrum entstehen (Stand März 2011).[33]

Im Sommer 2002 verursachten heftige Regenf√§lle ein verheerendes Jahrhunderthochwasser: Die Enns stieg am 12. August im Stadtgebiet auf 7.40 m[34] und √ľberflutete den Stadtplatz. Der Pegel liegt am Ennskai im Mittel bei 1.50 m, bei 3.10 m tritt der Fluss √ľber das Ufer.[35][36]

Mehrere Fachhochschulstudiengänge sowie Forschungs- und Ausbildungsprojekte sind angesiedelt. Umfangreich sind die Aktivitäten der kommunalen Denkmalpflege, die bestrebt ist, den historischen Stadtkern so authentisch wie möglich zu erhalten.

Geschichte der j√ľdischen Einwohner

Juden sind seit dem 14. Jahrhundert in der Stadt nachweisbar: 1371 verbot Herzog Albrecht III. ihnen den Handel mit Wein und Getreide. 1420 wurden Garstner Juden der Hostienschändung beschuldigt und in Wien gefangen genommen. Das Toleranzpatent Josephs II. brachte 1782 eine rechtliche Besserstellung.[37]

Die Zahl der j√ľdischen Einwohner blieb im 19. und 20 Jahrhundert relativ gering. 1851 und 1852 lie√üen sich Familien aus B√∂hmen in der Stadt nieder, 1855 gab es sieben Familien. Die Volksz√§hlung 1857 wies 50 Israeliten in 16 Familien aus, die fast ausschlie√ülich Hausier- und Tauschhandel mit rohen Produkten und Waren betrieben. Ein Israelitischer Cultusverein stammt vom 3. November 1870. Ab April 1874 richtete dieser eine eigene j√ľdische Begr√§bnisst√§tte am Taborfriedhof ein. [38]

1894 wandelte sich der Cultusverein zur Kultusgemeinde. Diese kaufte am 31. Oktober desselben Jahres eine ehemalige Gastwirtschaft in der Bahnhofsstra√üe und richtete darin ein Bethaus ein. Ende 1891 wohnten 174 Israeliten in der Stadt. Ein j√ľdischer Frauenverein datiert von 1930. Zur Zeit des Anschlusses 1938 gab es in Ober√∂sterreich mit Linz und Steyr zwei israelitische Kultusgemeinden.[39] Im Juli 1938 setzten die ersten Verhaftungen von Steyrer Juden ein. Die Kultusgemeinde wurde am 1. Oktober 1938 von der Gestapo aufgel√∂st, das Bethaus in der Bahnhofstra√üe war schon zuvor ‚Äěarisiert‚Äú worden und entging so der Zerst√∂rung.[37]

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele j√ľdische Fl√ľchtlinge in Steyr untergebracht: Das Lager f√ľr Displaced Persons (DP) in der Artilleriekaserne beherbergte damals durchschnittlich 1800 von ihnen. Zu Beginn 1948 wurde es in die Verwaltung der Kommission der International Refugee Organization (IRO) √ľbernommen. Eine neugegr√ľndete Kultusgemeinde l√∂ste sich durch den allm√§hlichen Wegzug bald wieder auf ‚Äď 1959 gab es nur noch f√ľnf Personen j√ľdischen Glaubens in Steyr.[39]

Politik

Der Steyrer Gemeinderat besteht aus 36 Mitgliedern, welche den Titel Gemeinderat (Gemeinder√§tin) f√ľhren. Die Mitglieder werden von allen B√ľrgerinnen und B√ľrgern mit ordentlichem Wohnsitz in Steyr, auf eine Dauer von sechs Jahren gew√§hlt. Die Sitzungen des Gemeinderates sind √∂ffentlich und finden etwa alle sechs bis acht Wochen im Rathaus statt.

Sitzverteilung der 36 Gemeinderatssitze: Nach den Ergebnissen der letzten Gemeinderatswahl 2009 verteilen sich die Sitze im Steyrer Gemeinderat auf folgende politischen Parteien:

SP√Ė 19, √ĖVP 8, FP√Ė 6, GR√úNE 3,[40]

Stadtsenat: Der Steyrer Stadtsenat besteht aus dem B√ľrgermeister, drei Vizeb√ľrgermeistern und vier weiteren Mitgliedern, die den Titel Stadtrat/Stadtr√§tin f√ľhren. Sie alle werden aus der Mitte des Gemeinderates gew√§hlt. Die St√§rke der politischen Parteien im Stadtsenat richtet sich nach der Zahl der Sitzverteilung im Gemeinderat. Die Sitzungen des Stadtsenates finden in der Regel 14-t√§glich statt und sind nicht √∂ffentlich. Den Vorsitz hat der B√ľrgermeister.

Nach den Ergebnissen der letzten Gemeinderatswahl 2009 verteilen sich die Sitze im Steyrer Stadtsenat auf folgende politische Parteien:

SP√Ė 5, √ĖVP 2 und FP√Ė 1 [41]

Bauten


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Steyr GB ‚ÄĒ Allgemeine Information Einsatzland: Internatio ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Steyr .50 HS ‚ÄĒ Steyr HS .50 Allgemeine Information Zivile Bezeichnung: Steyr HS .50 Milit√§rische Bezeichnung: HS ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Steyr HS.50 ‚ÄĒ Steyr HS .50 Allgemeine Information Zivile Bezeichnung: Steyr HS .50 Milit√§rische Bezeichnung: HS ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Steyr HS .50 ‚ÄĒ Allgemeine Information Zivile Bezeichnung: Steyr HS .50 Milit√§rische Bezeichnung: HS ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Steyr 45 ‚ÄĒ Steyr XXX (1931) Steyr XXX (1931) ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Steyr HS ‚ÄĒ Allgemeine Information Zivile Bezeichnung: Steyr HS .50/.460 ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Steyr M ‚ÄĒ Steyr M9 A1 –Ę–ł–Ņ: –ü–ł—Ā—ā–ĺ–Ľ–Ķ—ā –°—ā—Ä–į–Ĺ–į ‚Ķ   –í–ł–ļ–ł–Ņ–Ķ–ī–ł—Ź

  • Steyr 30 ‚ÄĒ Steyr XXX (1931) Steyr XXX (1931) ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Steyr .50 HS ‚ÄĒ Steyr HS .50 Steyr HS .50 –Ę–ł–Ņ: –ļ—Ä—É–Ņ–Ĺ–ĺ–ļ–į–Ľ–ł–Ī–Ķ—Ä–Ĺ–į—Ź —Ā–Ĺ–į–Ļ–Ņ–Ķ—Ä—Ā–ļ–į—Ź –≤–ł–Ĺ—ā–ĺ–≤–ļ–į –°—ā—Ä–į–Ĺ–į ‚Ķ   –í–ł–ļ–ł–Ņ–Ķ–ī–ł—Ź

  • Steyr HS .50 ‚ÄĒ –Ę–ł–Ņ: –ļ—Ä—É–Ņ–Ĺ–ĺ–ļ–į–Ľ–ł–Ī–Ķ—Ä–Ĺ–į—Ź —Ā–Ĺ–į–Ļ–Ņ–Ķ—Ä—Ā–ļ–į—Ź –≤–ł–Ĺ—ā–ĺ–≤–ļ–į ‚Ķ   –í–ł–ļ–ł–Ņ–Ķ–ī–ł—Ź


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.