St├Ądtische Stra├čenbahn Zittau

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St├Ądtische Stra├čenbahn Zittau

Die St├Ądtische Stra├čenbahn Zittau war ein Nahverkehrsunternehmen der Stadt Zittau, das zwischen 1904 und 1919 drei Stra├čenbahnlinien betrieb.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Erste ├ťberlegungen zum Bau einer Stra├čenbahn in Zittau gehen bis in das Jahr 1895 zur├╝ck. In einem Brief vom 21. Juni 1895 offerierte ein Ingenieur aus Trachau bei Dresden eine Stra├čenbahn mit Gasmotorantrieb. Diese sollte eingleisig in Normalspur ausgef├╝hrt werden und vier Linien ausschlie├člich f├╝r den Personenverkehr und drei kombinierte Personen-/G├╝terverkehrslinien umfassen. Technische wie wirtschaftliche Bedenken f├╝hrten letztlich im Fr├╝hjahr 1897 zum Scheitern des Projekts.

In den folgenden 1 1/2 Jahren trafen insgesamt acht Angebote von zum Teil renommierten Unternehmen ein, welche in Zittau eine elektrische Stra├čenbahn bauen wollten. Am 14. Mai 1898 stimmte der Stadtrat dem Bau einer Stra├čenbahn prinzipiell zu und beauftragte die Stadt konkrete Angebote einzuholen. Die Continentale Gesellschaft f├╝r elektrische Unternehmungen aus N├╝rnberg, ein Tochterunternehmen der Elektrizit├Ąts-AG vormals Schuckert & Co. erhielt schlie├člich den Zuschlag.

Am 17. September 1898 wurde ein Vertrag zwischen der Stadt Zittau und der Continentalen geschlossen, der den Bau von vier Linien in Meterspur, eingleisig mit Ausweichen und oberirdischer Stromzuf├╝hrung vorsah. B├╝rokratische H├╝rden verhinderten die rasche Aufnahme des Baus. Als dann Anfang des Jahres 1900 die s├Ąchsischen Ministerien die Erteilung der Konzession zum Bau und Betrieb einer Stra├čenbahn in Zittau zu erteilen bereit waren, lehnte die Continentale ab. Auch intensive Bem├╝hungen der Stadt und Eingaben von Zittauer Unternehmern ├Ąnderten an dieser Situation nichts, am 14. November 1900 gab die Continentale die Konzession an den Staat zur├╝ck. Wirklicher Grund hierf├╝r d├╝rften aber nicht die unannehmbaren Konzessions-, sondern vielmehr ver├Ąnderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen gewesen sein.

Ausstellungsbahn 1902

offizielle Ansichtskarte Nr. 7

Im Jahre 1902 wurde dann im Rahmen der Oberlausitzer Gewerbe- und Industrieausstellung in Zittau auf der Linie Haberkornplatz (Hotel "Reichshof") - Augustusallee - Ottokarplatz - Frauenthorstra├če - G├Ârlitzer Stra├če - Lutherplatz - Bismarckallee bis zur Hauptpforte der Ausstellung im Weinaupark eine provisorische Ausstellungsbahn betrieben. Dazu hatte sich im Juni 1901 als einer von neun Aussch├╝ssen zur Vorbereitung der Ausstellung ein Verkehrsausschu├č gebildet, zu dessen Aufgaben es geh├Ârte "f├╝r eine g├╝nstige und billige Verbindung der Ausstellung mit dem Bahnhofe Sorge zu tragen."[1]

Zun├Ąchst wurde bei der AEG angefragt, ob diese eine Stra├čenbahn bauen wolle, wegen des Fehlens eines E-Werks wurde dies jedoch abgelehnt. Auch der Bau einer Dampfstra├čenbahn wurde erwogen, es gab aber zahlreiche Einw├Ąnde wegen der zu erwartenden Bel├Ąstigungen durch den Abdampf. Schlie├člich machte der Zittauer Bauunternehmer Hennig das Angebot, auf eigene Rechnung eine elektrische Stra├čenbahn zu bauen.

Am 13. Mai 1902 fasste der Stadtrat den Beschluss, dass Hennig die Bahn bauen und 100 Tage lang betreiben d├╝rfte. Schon am 24. Mai erteilte das s├Ąchsische Innenministerium die "Erlaubnis zum Bau und Betrieb einer provisorischen elektrischen Stra├čenbahn in Zittau". Darin enthalten war auch die Forderung, nach Ablauf der genehmigten Betriebszeit den fr├╝heren Zustand wieder herzustellen. Am 2. Juni begann der Bau, konnte aber nicht ganz zum Ausstellungsbeginn fertig gestellt werden, sondern erst am 28. Juni wurde die Probefahrt auf der ca. 1,9 km langen Strecke vorgenommen. Gefahren wurde von 8:00 Uhr morgens bis 1:00 Uhr nachts viertelst├╝ndlich, tags├╝ber bei Bedarf alle 10 Minuten. Der Fahrpreis betrug 15 Pfennige. Am letzten Ausstellungstag um 18:00 Uhr wurde der Betrieb eingestellt und anschlie├čend die Bahn wieder abgebaut. Insgesamt wurden w├Ąhrend des 86 Tage dauernden Betriebs 270.979 Fahrg├Ąste bef├Ârdert.

Aus technischer Sicht sind noch folgende Aspekte bemerkenswert:
Die Bahn verkehrte auf Gleisen der Spurweite 1450 mm, was daraus resultierte, dass Unternehmer Hennig einige Gleise bei der Deutschen Stra├čenbahn Gesellschaft Dresden auslieh, welche diese im Jahre 1900 f├╝r eine Ausstellungsbahn zum Bundesschie├čen im Ostragehege verwendet hatte. Die eingesetzten Fahrzeuge verf├╝gten ├╝ber riesige, zwei Tonnen schwere Akkumulatoren, die an den Endhaltestellen aufgeladen werden konnten und es erlaubten, einen Teil der Strecke ohne Oberleitung zu fahren. Dies wurde anfangs auf dem Teilst├╝ck Haberkornplatz (Hotel "Reichshof") - Frauenthorstra├če (Ecke Komturstra├če) auch praktiziert, hat sich aber wegen der zu ├╝berwindenden Steigungen nicht bew├Ąhrt. Deshalb wurde bereits in der zweiten Julih├Ąlfte eine durchgehende Fahrleitung montiert woraufhin die schweren Akkus ausgebaut worden sind. Die Stromversorgung erfolgte ├╝ber einen durch eine Dampfmaschine betriebenen Generator - da beide Maschinen Bestandteil der Ausstellung waren darf davon ausgegangen werden, dass deren Aufstellung und Betrieb durch die ausstellenden Firmen "gesponsert" worden sind.

St├Ądtische Stra├čenbahn 1904 bis 1919

ca. 1910

Planung

Nach dem im Gro├čen und Ganzen erfolgreichen Projekt "Ausstellungsbahn" war nun die Zeit reif f├╝r eine permanente Stra├čenbahn. Am 18. M├Ąrz 1903 wurde vom Stadtrat beschlossen, ein Elektrizit├Ątswerk f├╝r die Stromversorgung der Stadt und eine Stra├čenbahn zu bauen. Die Entscheidung fiel ├Ąu├čerst knapp, f├╝nf Stadtr├Ąte wollten nur das Elektrizit├Ątswerk bauen, sechs stimmten f├╝r den gleichzeitigen Bau der Stra├čenbahn. Am 17. April stimmte auch die Stadtverordnetensitzung dem Projekt zu, zwar nach heftiger Debatte, letztlich aber einstimmig.

So konnte mit der Ausschreibung begonnen werden, wobei man auf die Firmen zur├╝ckgriff, die schon 1898 die seri├Âsesten Angebote unterbreitet hatten, n├Ąmlich:

Am 30. September 1903 bat ein Sonderausschuss im Namen der Stadt um Offerten f├╝r den Bau eines Elektrizit├Ątswerks und zweier meterspuriger Stra├čenbahnlinien:

  • Bahnhof - Markt - Grottauer Stra├če
  • ├äu├čere Weberstra├če - Markt - Frauenthorstra├če - Poritzscher Stra├če

einschlie├člich einer Kosten- und Rentabilit├Ątsberechnung. Am 23. November wurden die Angebote unter Anwesenheit von drei der vier Firmen verglichen. Wegen der zahlreichen Details sah der Ausschuss sich nicht in der Lage sofort zu entscheiden. Nach Einholung eines externen Gutachtens und intensiven Diskussionen entschied man sich schlie├člich am 19. Januar 1904 den Auftrag zu teilen. Das Kraftwerk sollte von den Siemens-Schuckertwerken, das Leitungsnetz und die Stra├čenbahn von der AEG gebaut werden. Drei Tage sp├Ąter best├Ątigte der Stadtrat die Entscheidungen.

Bau und Betrieb

Am 10. April wurde dann mit dem Bau begonnen und bereits am 17. April waren die ersten 700 Meter fertiggestellt. Geplant waren zun├Ąchst zwei Linien. Die wei├če Linie sollte vom Bahnhof ├╝ber die Bahnhofstra├če, die Bautzner Stra├če, den Markt- und Rathausplatz, die Reichenberger Stra├če, Kaiser-Wilhelm-Platz und den K├Ânigsplatz zur ├äu├čeren Grottauer Stra├če f├╝hren. F├╝r die rote Linie war eine F├╝hrung von der ├äu├čeren Weberstra├če ├╝ber die Innere Weberstra├če, den Markt- und Rathausplatz, die Frauenstra├če und die Frauentorstra├če bis zur Bahnbr├╝cke der Zittau-Reichenberger Eisenbahn in der G├Ârlitzer Stra├če geplant. Am 17. November waren die Strecken vollendet und am 14. Dezember 1904 begann der Betrieb.

Am 21. Dezember 1905 wurde die Dritte, die blaue Linie, vom Bahnhof ├╝ber die Bahnhofstra├če, die Hospitalstra├če und die ├äu├čere Oybiner Stra├če bis zur Stadtgrenze zu Olbersdorf in Betrieb genommen. Am 10. Juni 1909 wurde die rote Linie bis zur Weinau um 1,1 Kilometer verl├Ąngert. Insgesamt hatten die drei Strecken eine L├Ąnge von 9,1 Kilometern. Die Fahrtrichtungsanzeiger der Triebwagen der einzelnen Linien waren in den entsprechenden Farben lackiert.

Einstellung

Ein Nachteil der Bahn war, dass sie in der Woche kaum genutzt wurde, w├Ąhrend sie am Wochenende die Fahrg├Ąste nicht alle bef├Ârdern konnte. So kam es wie es kommen musste. Nachdem der Fahrplan durch den Ersten Weltkrieg ausged├╝nnt wurde, nach dem Krieg die geforderten h├Âheren L├Âhne die Kosten f├╝r die Fahrkarten nach oben trieben und immer weniger Fahrg├Ąste die Bahn nutzten, beschloss der Rat am 24. Oktober 1919, die Stra├čenbahn stillzulegen. Am 17. November 1919 fuhr dann die letzte Bahn der St├Ądtischen Stra├čenbahn Zittau. Die letzten Schienen der Bahn wurden erst in den 30er Jahren abgebaut. Eine Anzahl von Halterungen f├╝r die Fahrdr├Ąhte an den H├Ąusern entlang der Strecken zeugen noch heute von der nur f├╝nfzehnj├Ąhrigen Geschichte der Zittauer Stra├čenbahn.

Siehe auch: Liste der ehemaligen Stra├čenbahnen

Quellen

  • Mario Schatz, Karl-Heinz Stange: Stra├čenbahnen in Zittau. Verlag Kenning, Nordhorn 2004
  1. ÔćĹ Stadtarchiv Zittau, Akte: Abt II 9, Absch VI, Abs g, Nr 6, Bd 1, Fach 160/4

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