Sun Yat-Sen


Sun Yat-Sen
Sun Yat-sen

Sun Yat-sen (chin. 孫逸仙 / 孙逸仙, Sūn Yìxiān) (* 12. November 1866 in Cuiheng bei Zhongshan, Provinz Guangdong oder 24. November 1870 auf Hawaii; † 12. März 1925 in Peking) war ein chinesischer Revolutionsführer und Staatsmann, Gründer der Kuomintang (KMT) und erster provisorischer Präsident der Republik China. In der Volksrepublik China wie in der Republik China wird er als Gründer des modernen China verehrt.

Er entwickelte eine politische Philosophie, die als dreifaches Volksprinzip bekannt ist.

Inhaltsverzeichnis

Namen

Vollständiger Name: Sun Wen (孫文, Sūn Wén)
Familienname: Sun (, Sūn)
Vorname: Wen (, Wén)
Pseudonyme:
  • Yixian (逸仙, Yìxiān)
  • Deming (德明, Démíng)
Beinamen:
  • Rixin (日新, Rìxīn)
  • Nakayama Shou (中山樵 ein Name, den er im japanischen Exil benutzte; chinesisch gelesen: Zhōngshān Qiáo)
  • In China am bekanntesten unter: Sun Zhongshan (孫中山, Sūn Zhōngshān)
  • In Taiwan wird sein Name offiziell als „Landesvater (Leerzeichen) Herr Sun Zhongshan“ (國父 孫中山先生, Guófù Sūn Zhōngshān xiānshēng) geschrieben. Im Chinesischen sind Leerzeichen nicht üblich; es dient hier als Symbol der Ehrerbietung.

Leben

Sun Yat-sen auf einer Briefmarke, 1949

Der Geburtsort und Geburtstag von Sun Yat-Sen sind unsicher. Laut seiner vom hawaiischen Territorium der USA ausgestellten Geburtsurkunde wurde er am 24. November 1870 im Königreich Hawai'i geboren.[1] Anderen Quellen zufolge wurde er am 12. November 1866 in eine Bauernfamilie im Dorf Cuiheng, Bezirk Xiangshan, Guangdong (Südchina) geboren. Der Bezirk wurde ihm zu Ehren in Zhongshan umbenannt. Über seine Herkunft sagte Sun: „Ich bin ein Kuli und der Sohn eines Kulis. Ich habe immer mit dem Kampf des Volkes sympathisiert.“

Im Alter von 13 Jahren ging er nach Hawaii, wohin sein Bruder als Arbeiter gezogen und als Händler reich geworden war. Er lernte dort an der anglikanischen Iolani School von 1879 bis 1882. Diese erste Berührung mit dem Christentum prägte ihn zutiefst.

Nach seiner Rückkehr ins Dorf Cuiheng zerschlug er eine göttliche Figur im Dorftempel, um sein Aufbegehren gegen die herrschenden Umstände zu demonstrieren. Dafür wurde er aus dem Dorf verbannt.

So begann er, am Hong Kong College of Medicine for Chinese Medizin zu studieren, wo er einer der beiden ersten Absolventen war. Danach arbeitete er als Arzt in Hongkong.

Politische Arbeit

Seine Aufenthalte im Westen nährten in ihm die Unzufriedenheit mit der Regierung der Qing-Dynastie und so begann er seine politischen Aktivitäten damit, dass er Reformgruppen von Exilchinesen in Hongkong organisierte. Im Oktober 1894 gründete er die Xing-Zhong-Hui (Vereinigung zur Wiederherstellung Chinas) mit dem Ziel, eine Plattform für zukünftige revolutionäre Aktivitäten zu schaffen.

Im Jahr 1895 schlug der von ihm mitgeplante Kantoner Aufstand fehl. Die Qing-Regierung setzte auf ihn ein Kopfgeld aus, so verbrachte Sun 16 Jahre im Exil in Europa, den USA, Kanada und Japan. Dort sammelte er Geld für seine revolutionären Aktivitäten. In Japan trat er chinesischen Dissidentengruppen bei und gründete dort im Jahr 1905 den Tongmenghui-Bund (chinesischer Revolutionsbund, Vorgänger der Kuomintang). Er wurde dafür von Japan in die USA ausgewiesen. In dieser Zeit begann er auch, westliche Anzüge zu tragen und ließ sich den chinesischen Zopf abschneiden.

Am 10. Oktober 1911 begann der Wuchang-Aufstand, der den Auftakt zur Xinhai-Revolution bildete und im Ende der zweitausendjährigen Herrschaft der Kaiserdynastien in China resultierte. Sun hörte von der erfolgreichen Rebellion des Militärs gegen die Qing. Daraufhin fuhr er zunächst nach Europa, um dort die Westmächte davon zu überzeugen den Qing keine Kredite mehr zu gewähren. In London konnte er so einen wichtigen Erfolg verbuchen. Er kehrte an Weihnachten aus Frankreich nach China zurück.

Präsidentschaft in der neuen Republik

Am 29. Dezember wurde Sun in einer Konferenz von Provinzrepräsentanten in Nanjing zum Übergangspräsidenten der Republik China gewählt.

Obwohl in der Geschichtsschreibung der Kuomintang die Rolle von Sun sehr betont wird, bezweifeln viele Historiker, dass er im Umsturz von 1911 eine große Rolle gespielt hatte, einfach aus dem Grund, weil er zu jener Zeit im Ausland war. Vielmehr wurde er zum Übergangspräsidenten gewählt, weil er geachtet, aber unbedeutend war und einen Kompromisskandidaten zwischen Revolutionären und dem konservativen Adel darstellte. Am 12. August 1912 gründet er im Hinblick auf die bevorstehenden Parlamentswahlen aus zahlreichen kleineren politischen Gruppierungen die Nationale Volkspartei (Kuomintang).

Nach seiner Vereidigung berief Sun Delegierte aus allen Provinzen ein, um die Nationalversammlung der Republik China zu gründen. Das Übergangsrecht wurde von dieser Versammlung zum Grundgesetz der neuen Republik erklärt.

Sun Yat-sen. Büste vor dem Chinese Garden in Vancouver (Kanada, British Columbia)

Die Übergangsregierung war trotzdem in einer sehr schwachen Lage: Die Südprovinzen hatten ihre Unabhängigkeit erklärt, während der Norden dies noch nicht getan hatte. Die Übergangsregierung hatte außerdem keine Streitkräfte, denn ihre Kontrolle über die neue Armee war gering und es gab viele Truppen, die noch den Qing treu waren. Daher brauchte Sun die Unterstützung von Yuan Shikai, dem mit der Beiyang-Armee das Militär Nordchinas unterstand. Sun war gezwungen, ihm das Präsidentenamt zu versprechen, damit er sich auf die Seite der Revolution schlug und Kaiser Pu Yi zum Abdanken zwang.

Yuan entwickelte sich zum Diktator und Sun versuchte 1913, eine Revolte gegen Yuan zu starten, die fehlschlug und ihn ins Asyl nach Japan trieb, wo er die Kuomintang neu organisierte.

Dort heiratete er am 25. Oktober Soong Ching-ling, nachdem er sich von seiner ersten Frau Lu Muzhen getrennt hatte.

1917 kehrte er nach China zurück und wurde 1921 zum Präsidenten der selbstproklamierten Nationalregierung in Kanton gewählt. 1923 erklärte er seine drei Volksprinzipien in einer Rede zur Basis des Staates und seine Fünf-Yuan-Verfassung zur Richtlinie für das politische System.

Um militärische Schlagkraft für eine Nordexpedition gegen die Militaristen in Peking zu haben, gründete er die Whampoa-Militärakademie (heute Huangpu-Militärakademie) in der Nähe von Kanton, mit Chiang Kai-Shek als Kommandeur und Parteigenossen wie Wang Ching-Wei und Hu Han-Min als politischen Lehrern.

In den frühen 20er Jahren bekam Sun Hilfe der Komintern, um die Kuomintang in eine leninistische, demokratische Partei der Mitte umzuorganisieren. Gleichzeitig handelte er die erste vereinigte Front aus Kommunisten und Kuomintang aus. 1924 wurde diese Allianz noch gestärkt, um das Land besser unter Kontrolle bringen zu können. Zu diesem Zeitpunkt war Sun überzeugt davon, dass China nur mit Gewalt von seiner Basis in Südchina aus vereinigt werden könnte. Nach einer Periode politischer Vormundschaft sollte dann ein Übergang zur Demokratie geschehen.

Am 10. November 1924 reiste Sun in den Norden und trat für eine ganzchinesische Konferenz sowie die Abschaffung der unfairen Handelsverträge mit dem Westen ein. Zwei Tage später reiste er trotz schlechten Gesundheitszustandes und Bürgerkrieg wieder in den Norden, um über die Zukunft des Landes zu diskutieren.

Am 12. März 1925 starb er in Peking an Leberkrebs im Alter von 58 Jahren.

Vermächtnis

Seine politische Philosophie, bekannt als dreifaches Volksprinzip (三民主義 / 三民主义) wurde im August 1905 veröffentlicht und war stark an den amerikanischen Progressivismus angelehnt.

In seinem Werk Methoden und Strategien zum Aufbau des Landes, im Jahre 1919 fertiggestellt, schlug er vor, dieses Prinzip zu verwenden, um endgültigen Frieden, Freiheit und Gleichheit in China zu erreichen.

Nach Suns Tod brach ein Machtkampf zwischen seinem jungen Protegé Chiang Kai-Shek und dem älteren Wang Jingwei aus, der die Kuomintang spaltete. Das lag zum Teil am zwiespältigen Erbe, das Sun Yat-Sen hinterlassen hatte. Als sich die Allianz zwischen Kommunisten und der Kuomintang 1927 auflöste und der Bürgerkrieg ausbrach, behaupteten alle von sich, seine wirklichen Erben zu sein. Dies war auch während des japanischen Krieges so.

Suns Witwe Soong Ching-ling schlug sich während des Bürgerkriegs auf die Seite der Kommunisten und war 1949 bis 1981 Vizepräsidentin der Volksrepublik China und Ehrenpräsidentin kurz vor ihrem Tod 1981.

Gedenkhalle in Taipei

Sun Yat-Sen ist der einzige chinesische Politiker, der sowohl in Taiwan wie in der Volksrepublik China großes Ansehen genießt. In Taiwan wird er als Vater der Republik China betrachtet und sein Bild ist in fast allen öffentlichen Räumen präsent. Da Sun Yat-Sen nie in der Regierung Taiwans war, ist er auch bei Befürwortern der taiwanesischen Unabhängigkeit unverfänglich.

In der Volksrepublik China wird er als chinesischer Nationalist und Vorkämpfer des Sozialismus gesehen. In den letzten Jahren wurde Sun auch von der chinesischen Regierung in den Vordergrund gerückt, nicht zuletzt um die Beziehungen zu Taiwan und den dortigen Unterstützern einer Wiedervereinigung zu verbessern. Bezeichnenderweise gibt es mittlerweile zu den Mai-Feiern ein großes Bild von Sun Yat-Sen auf dem Tiananmen-Platz, während Bilder von Marx und Lenin nicht länger zu sehen sind.

Denkmäler

Gedenkhalle in Guangzhou
Im Innern der Sun-Yat-Sen-Gedenkhalle in Taipeh

Volksrepublik China:

  • Im Dorf Cuiheng sind Sun Yat-Sens Geburtshaus und seine spätere Residenz heute Gedenkstätten. Der Ort liegt im Bezirk Zhongshan, nicht weit von Macao und Hongkong entfernt.
  • Guangzhou, Provinz Guangdong
  • Beijing: Im Zhongshan-Park, welcher der Verbotenen Stadt (Gùgōng-Palast-Museum, ehem. Kaiserpalast) vorgelagert ist.
  • Shanghai: In der früheren französischen Konzession befindet sich ein kleines Museum in dem Haus, in dem Sun gelebt hatte.
  • Nanjing: Sun-Yat-sen-Mausoleum.

Republik China:

Fußnoten

  1. Facsimile, Kopie und Transkript von Sun Yat-Sens hawaiischer Geburtsurkunde

Siehe auch

Literatur

  • Marie-Claire Bergère: Sun Yat-sen. Edition Fayard, Paris 1994, ISBN 2-213-03190-8.
  • Heinrich Herrfahrdt: Sun Yatsen. Der Vater des neuen China. Drei-Türme-Verlag, Hamburg 1948.
  • Gottfried-Karl Kindermann (Hrsg.): Sun Yat-sen. Founder and symbol of China's revolutionary nationbuilding. Olzog, München 1982, ISBN 3-7892-9874-3.
  • Audrey Wells: The political thought of Sun Yat-sen. Development and impact. Palgrave, Basingstoke, Hampshire 2001, ISBN 0-333-77787-5.

Weblinks


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