Surrealismus

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Surrealismus
Frau und Vogel (Barcelona 1982 von Joan Miró)

Surrealismus war eine Bewegung in der Literatur und der bildenden Kunst, die in der Nachfolge von Dada um 1920 in Paris entstand. Ziel war es, das Unwirkliche und Traumhafte sowie die Tiefen des Unbewussten auszuloten und den durch die menschliche Logik begrenzten Erfahrungsbereich durch das Phantastische und Absurde zu erweitern.[1]

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Das Wort ‚ÄěSurrealismus‚Äú bedeutet w√∂rtlich ‚Äě√ľber dem Realismus‚Äú[2]. Etwas, das als surreal bezeichnet wird, wirkt traumhaft im Sinne von unwirklich[2]. Die vom franz√∂sischen Schriftsteller und Kritiker Andr√© Breton seit 1921 in Paris gef√ľhrte surrealistische Bewegung suchte die eigene Wirklichkeit des Menschen im Unbewussten und verwertete Rausch- und Traumerlebnisse als Quelle der k√ľnstlerischen Eingebung und sie bem√ľhte sich darum, das Bewusstsein und die Wirklichkeit global zu erweitern und alle geltenden Werte umzust√ľrzen. Sie ist daher eine anarchistische, revolution√§re Kunst- und Weltauffassung.

Die Bezeichnung ‚ÄěSurrealismus‚Äú geht auf Guillaume Apollinaire zur√ľck, dessen Theaterst√ľck Les Mamelles de Tir√©sias (Die Br√ľste des Tiresias) den Untertitel ‚Äěein surrealistisches Drama‚Äú tr√§gt. Es wurde im Juni 1917 uraufgef√ľhrt und gab der Bewegung den Namen.[3] Im Mai desselben Jahres hatte er den Begriff bereits im Programmzettel zum Ballett Parade erw√§hnt.[4]

Ausgehend von der dadaistischen Bewegung in Paris stellte auch der Surrealismus eine aufr√ľhrerische Kunstbewegung dar, die gegen die unglaubw√ľrdigen Werte der Bourgeoisie antrat, im Gegensatz zum negativ-destruktivistischen Dadaismus jedoch eine konstruktivere Sicht der Dinge propagierte. Beeinflusst vom Symbolismus, Expressionismus, Futurismus, den Schriften Lautr√©amonts, Alfred Jarrys und den Forschungen Sigmund Freuds stellt der Surrealismus eine nichtrationale und die Gef√ľhle betonende Welt des Traums in den Vordergrund, lehnt jedoch logisch-rationale ‚Äěb√ľrgerliche‚Äú Kunstauffassungen radikal und provokativ ab. Der Surrealismus verbreitete die Befreiung der ‚ÄěW√∂rter‚Äú und eine √Ąsthetik der ‚Äěk√ľhnen Metapher‚Äú.

Man kann den Surrealismus in zwei Unterarten unterteilen:

  • veristischer oder auch kritisch-paranoischer Surrealismus (Vereinigung nicht zusammengeh√∂riger Dinge, verdrehte Perspektiven, wie man sie z. B. von Salvador Dal√≠ kennt), genannt Enttextualisierung
  • abstrakter oder absoluter Surrealismus (dasselbe Prinzip wie oben genannt nur ohne jeglichen Realismus, wie z. B. in Bildern von Joan Mir√≥)

Die Entstehung

Der Surrealismus wurde von Max Ernst und Andr√© Breton im Jahr 1919 gewisserma√üen erfunden; in seinem Buch √ľber den Surrealismus zitiert Ga√©tan Picon Bretons Die verlorenen Schritte: Auftritt der Medien wie folgt[5]: ‚ÄěIm Jahre 1919 hatte sich mein Augenmerk auf die mehr oder weniger unvollst√§ndigen S√§tze gerichtet, die bei v√∂lliger Einsamkeit und herannahendem Schlaf dem Geist wahrnehmbar werden, ohne dass es m√∂glich w√§re, eine vorherige Bestimmung in ihnen zu entdecken.‚Äú

Max Ernst schrieb in seiner Ver√∂ffentlichung Jenseits der Malerei im Jahr 1936: ‚ÄěAn einem regnerischen Tag des Jahres 1919, in einer Stadt am Rhein, fiel mir auf, mit welcher Besessenheit mein irritiertes Auge an den Seiten eines Bilderkataloges haftete, in dem Gegenst√§nde zur anthropologischen, mikroskopischen, psychologischen, mineralogischen und pal√§ontologischen Veranschaulichung abgebildet waren. Dort standen Bildelemente nebeneinander, die einander so fremd waren, dass gerade die Sinnlosigkeit dieses Nebeneinanders eine pl√∂tzliche Versch√§rfung der vision√§ren Kr√§fte in mir verursachte, und eine halluzinierende Folge widerspr√ľchlicher [‚Ķ] Bilder wachgerufen wurde [‚Ķ].‚Äú

Congr√®s de Paris, Zerw√ľrfnis der Pariser Dadaisten

1922 √ľbernahm Breton die Leitung der Pariser Dada-Publikation Litt√©rature. Im selben Jahr rief er den Congr√®s de Paris ins Leben, um eine Richtung f√ľr die verschiedenen Formen der modernen Kunst vorzugeben. Der Kongress, mit parlamentarischer Satzung, sollte unter Polizeischutz stattfinden. Breton meinte, ‚Äěda√ü der Dadaismus keinem anderen Zweck gedient haben kann als dem, uns in dem vollkommenen Zustand der Verf√ľgbarkeit zu halten, in dem wir gegenw√§rtig sind und aus dem heraus wir jetzt in aller Klarheit auf das zugehen werden, was uns ruft.‚Äú[6] F√ľr Tristan Tzara stellte Bretons Vorgehen einen Affront dar, weshalb er die Einladung zum Kongress ‚Äěin aller Freundlichkeit‚Äú ablehnte. Breton wiederum ging nun Tzara √∂ffentlich scharf an und bezeichnete ihn ‚Äěals einen Schwindler, der nichts mit der Erfindung Dada zu tun habe.‚Äú Der Vorfall artete zu einer Zerrei√üprobe der Mitglieder aus und bedeutete quasi das Ende der Dada-Bewegung.

In einer Julinacht im Jahr 1923 kam es schlie√ülich im Pariser Th√©√Ętre Michel zu Handgreiflichkeiten, als Tristan Tzaras Schauspiel Le CŇďur √† Gaz aufgef√ľhrt werden sollte. Tzaras fr√ľhere Freunde Louis Aragon, Benjamin P√©ret und Breton st√ľrmten die B√ľhne und griffen die Darsteller an.[7]

Die Surrealisten-Gruppe

André Breton, 1924

Breton ver√∂ffentlichte 1924 sein ‚Äěerstes surrealistisches Manifest‚Äú in Paris und dominierte in der Folge die Bewegung. F√ľr die Dauer der Bewegung blieb das Manifest ma√ügebend, im sogenannten ‚Äězweiten surrealistischen Manifest‚Äú von 1929 wurden nur geringf√ľgige √Ąnderungen vorgenommen.[7] Die Zeitschrift Litt√©rature wurde eingestellt, um La R√©volution surr√©aliste, dem Forum der neuen Bewegung, Platz zu machen. Ein ‚ÄěB√ľro f√ľr surrealistische Forschungen‚Äú in der rue de Grenelle 15 rundete die Institutionalisierung ab.[8]

Die Bilder der Surrealisten haben oft traumhafte und abstrakte Wirkung. Ein vielbehandeltes Bildthema der surrealistischen Malerei ist beispielsweise Die Versuchung des Heiligen Antonius, unterst√ľtzt durch den Bel-Ami-Wettbewerb von 1946, an dem viele bekannte K√ľnstler der Zeit, wie Max Ernst, Salvador Dal√≠ und viele andere teilnahmen.

Bevorzugte Arbeitsweisen waren: Das Bewusstsein durch Traum, Schlaf oder Rauschmittel abschalten und Unbewusstes in einem automatischen, nicht gesteuerten Schaffungsprozess zum Ausdruck kommen lassen sowie eine √ľbergenaue Malweise, Verfremdung oder Kombination unm√∂glicher Dinge und Zust√§nde, welche die Wirklichkeit √ľbersteigen.

Das Verfahren, mit dem schreibend und zeichnend experimentiert wurde, war das Automatische Schreiben (√Čcriture automatique), das spontan und ohne Einschr√§nkungen des Bewusstseins sein sollte. In gewollter Trance und in Traumprotokollen sollten √Ąngste und Begierden ohne Zensur des Bewusstseins deutlich werden und Figuren ohne Erinnerung an bereits vorhandene Bilder freisetzen.[9]

Politische Streitigkeiten trugen zur Aufl√∂sung der Gruppe der Surrealisten nach 1928/29 bei. Seinen H√∂hepunkt hatte diese Auseinandersetzung 1930 mit Bretons ‚ÄěZweitem surrealistischen Manifest‚Äú, in welchem dieser auf eine klare Stellungnahme der K√ľnstler gegen den sich ausbreitenden Faschismus in Europa hinwirken wollte[10]. Trotz einer Wiederbelebung w√§hrend der Jahre der R√©sistance (1940‚Äď44) kann nach dem Zweiten Weltkrieg von einer surrealistischen Bewegung kaum noch die Rede sein. Unter dem franz√∂sischen Einfluss fasste der Surrealismus besonders in Spanien und in den Vereinigten Staaten Fu√ü. Auch im deutschen Sprachraum wurden surrealistische literarische Texte von Autoren wie Alfred Kubin, Hermann Kasack u. a. geschrieben. Der Surrealismus hat auch in der Literatur seinen Einzug erhalten. Dort konnte mit Hilfe von literarischen Impulsen aus der deutschen Romantik und des franz√∂sischen Symbolismus und unter der Einbeziehung der zeitgen√∂ssischen Wissenschaften, wie Psychiatrie und Psychoanalyse die Literatur als Medium der Weltver√§nderung und Selbsterkenntnis neu definiert werden. So hat der Surrealismus eine nachhaltige Wirkung auf verschiedenste Werke zeitgen√∂ssischer Kunst und Literatur, wie zum Beispiel auf die seit etwa 1950 entstandene konkrete und abstrakte Dichtung.

Texte und Ideen von Ren√© Magritte hatten sp√§ter gro√üen Einfluss auf die Konzeptkunst, z. B. Marcel Broodthaers. Die Situationisten beriefen sich in den 1960er Jahren bei ihrem Angriff auf die Wirklichkeit auch auf die Surrealisten.

Heute wird jeder Stil als surrealistisch bezeichnet, der Reales mit Traumhaftem oder Mystischem verbindet. So beansprucht auch das Irreale oder der sinnlose Zusammenhang den gleichen selbstverst√§ndlichen Realit√§tscharakter wie die allt√§gliche Wirklichkeit, die selbst oft surreal oder absurd scheint. Surrealistische Bild- und Traumwelten haben durch Werbung und Massenmedien als kommerzielle Produkte den Weg in den Alltag gefunden (z. B. zeitgen√∂ssisches Spielzeug). Doch auch in der zeitgen√∂ssischen Malerei ist der Surrealismus (wieder) lebendig.

Mitglieder der Surrealistengruppe

Salvador Dalí und Man Ray, 16. Juni 1934 in Paris, Fotograf: Carl van Vechten

Maxime Alexandre (1932 ausgeschlossen), Louis Aragon (1932 ausgeschlossen), Jean Arp, Antonin Artaud (1926 ausgeschlossen), Jacques Baron, Georges Bataille (1929 ausg.), Victor Brauner, Andr√© Breton, Luis Bu√Īuel, Ren√© Char, Achille Chav√©e, Giorgio de Chirico, Ren√© Crevel, Salvador Dal√≠ (1934 ausg.), Robert Desnos, Oscar Dominguez, Marcel Duhamel, Paul √Čluard (1938 ausg.), Max Ernst (1954 ausg.), Camille Goemans, Ir√®ne Hamoir, Wifredo Lam, Michel Leiris, Gilbert Lely, Georges Limbour, Ren√© Magritte, Marcel Mari√ęn, Joyce Mansour, Andr√© Masson, Roberto Matta (1948 ausg.), E. L. T. Mesens, Joan Mir√≥, Max Morise (1929 ausg.), Paul Nash, Pierre Naville, V√≠tńõzslav Nezval, Paul Noug√©, Wolfgang Paalen, Roland und Valentine Penrose, Benjamin P√©ret, Francis Picabia, Jacques Pr√©vert (1930 selbst ausgetreten), Raymond Queneau (1930 ausg.), Man Ray, Georges Ribemont-Dessaignes, Hans Richter, Robert Rius, Louis Scutenaire, Kurt Seligmann, Philippe Soupault (1926 ausg.), Andr√© Souris, Shuzo Takiguchi, Georges Spiro, Yves Tanguy, Toyen, Tristan Tzara, Pierre Unik (1932 ausg.), Roger Vitrac (1926 ausg.); Emil Cioran, Gellu Naum

Zitate

Gedicht aus den Calligrammes von Apollinaire

‚ÄěIch glaube an die k√ľnftige Aufl√∂sung dieser scheinbar so gegens√§tzlichen Zust√§nde von Traum und Wirklichkeit in einer Art absoluter Realit√§t, wenn man so sagen kann: Surrealit√§t. Nach ihrer Eroberung strebe ich, sicher, sie nicht zu erreichen, zu unbek√ľmmert jedoch um meinen Tod, um nicht zumindest die Freuden eines solchen Besitzes abzuw√§gen.‚Äú

‚Äď Andr√© Breton: Erstes Manifest des Surrealismus (1924)

‚ÄěEr ist sch√∂n [‚Ķ] wie die zuf√§llige Begegnung eines Regenschirmes mit einer N√§hmaschine auf dem Seziertisch.‚Äú

‚Äď Lautr√©amont: Die Ges√§nge des Maldoror VI,3 (1869)

Der Comte de Lautr√©amont gilt als ‚ÄěGro√üvater‚Äú des Surrealismus. Andr√© Gide sah es als bedeutendstes Verdienst von Louis Aragon, Andr√© Breton und Philippe Soupault an, seine ‚Äěliterarische und ultraliterarische Bedeutung‚Äú erkannt und verk√ľndet zu haben. 1920 nahm Man Ray die ber√ľhmt gewordene Stelle aus dem 6. Gesang als Ausgangspunkt f√ľr sein Werk ‚ÄěThe Enigma of Isidore Ducasse‚Äú (Das Geheimnis des Isidore Ducasse). ‚ÄěDie Ges√§nge des Maldoror‚Äú inspirierten zahlreiche weitere surrealistische K√ľnstler, darunter Salvador Dal√≠, Rene Magritte, Victor Brauner, Oscar Dominguez, Joan Mir√≥ und Yves Tanguy. In unmittelbarer Anlehnung an Lautr√©amonts ‚Äězuf√§llige Begegnung‚Äú hat Max Ernst die Struktur des surrealistischen Bildes definiert: ‚ÄěAccouplement de deux r√©alit√©s en apparence inaccouplables sur un plan qui en apparence ne leur convient pas.‚ÄĚ

K√ľnstlerinnen des Surrealismus

Surrealistische Filme

siehe: Surrealistischer Film

Die Klassiker des surrealistischen Films sind Ein andalusischer Hund (Un chien andalou) und Das goldene Zeitalter (L'√āge d'Or) von Luis Bu√Īuel und Salvador Dal√≠. Letzterer verursachte bei seiner Auff√ľhrung im Jahre 1930 einen Skandal, als rechtsgerichtete Gruppierungen Farbbeutel gegen die Leinwand warfen und surrealistische Bilder zerst√∂rten. Zur Aufrechterhaltung der Ruhe wurde der Film f√ľr Jahrzehnte verboten.

Antonin Artaud, Philippe Soupault und Robert Desnos schrieben Drehb√ľcher f√ľr surrealistische Filme. Alfred Hitchcock lie√ü eine Traumsequenz seines Films Spellbound (‚ÄěIch k√§mpfe um dich‚Äú) von Salvador Dal√≠ gestalten. Verwandtschaft zeigen die Filme von Viking Eggeling, Hans Richter und Fernand L√©ger.

Filme der surrealistischen Bewegung:

Die surrealistische √Ąsthetik wurde sp√§ter auch von Spielfilm-Regisseuren aufgegriffen, etwa von Alain Resnais (Letztes Jahr in Marienbad) und Glauber Rocha, aber auch wieder von Luis Bu√Īuel (El √°ngel exterminador, 1962; Der diskrete Charme der Bourgeoisie, 1972; Das Gespenst der Freiheit, 1974). Alejandro Jodorowskys Filme sind stark vom Surrealismus beeinflusst: Fando y Lis (1967), El Topo (1971), Der heilige Berg (1973), Santa Sangre (1989). Als bekannter aktueller Vertreter kann David Lynch angesehen werden, viele seiner Filme (z. B. Eraserhead, 1976 oder Lost Highway, 1997) haben einen surrealen Charakter. Eine traumartige Atmosph√§re l√§sst immer wieder die Grenzen zwischen Realit√§t und Imagination zerflie√üen (auch in Mulholland Drive, 2001).

Filme mit tw. surrealistischen Z√ľgen: J'irai Comme Un Cheval Fou von Fernando Arrabal (1973); Celine and Julie Go Boating von Jacques Rivette (1974); Possession von Andrzej ŇĽuŇāawski (1981); Motorama von Barry Shils (1991); Serial Experiments Lain von Yoshitoshi ABe (1998); Songs from the Second Floor von Roy Andersson (2000), Cat Soup von Tatsuo Sato (2001)

Die Protagonisten
Literatur Bildende Kunst
Louis Aragon, Antonin Artaud, Georges Bataille, Andr√© Breton, Ren√© Crevel, Paul √Čluard, Benjamin P√©ret, Jacques Pr√©vert, Philippe Soupault, Tristan Tzara, Gellu Naum Jean Arp, Luis Bu√Īuel, Salvador Dal√≠, Max Ernst, Alberto Giacometti, Eli Lotar, Ren√© Magritte, Roberto Matta, Andr√© Masson, Joan Mir√≥, Man Ray, Yves Tanguy, Victor Brauner

Ausstellungen der Surrealisten

Post-Breton-Surrealismus

Obwohl die Bezeichnung ‚ÄěSurrealismus‚Äú historisch die K√ľnstlergruppe um Breton meint, gibt es auch in der Nachfolge viele andere Gruppen und Einzelpersonen, die den Namen aufgenommen haben.

Bereits 1947 gr√ľndete Christian Dotremont die kurzlebige Revolutionary Surrealist Group; 1948 schloss er sich mit Asger Jorn und mehreren anderen K√ľnstlern zu der Gruppe COBRA zusammen. Parallel zu COBRA entwickelte sich in Frankreich um Isidore Isou der vom Surrealismus beeinflusste Lettrismus.

Mitglieder dieser verschiedenen Gruppierungen schlossen sich schließlich in den 1950er Jahren zu der Situationistischen Internationalen zusammen, die ein komplexes Verhältnis zum Surrealismus aufrechterhielt. Einige Situationisten wie Asger Jorn, Charles Radcliffe und Raoul Vaneigem waren offen erkennbar vom Surrealismus beeinflusst und reflektierten diesen, während andere wie Guy Debord sich davon distanzierten. Während surrealistische Techniken noch ein Bestandteil des Konzeptes waren, war der politische Anspruch im Situationismus oftmals vorrangig.

√Ąhnlich politisch motiviert war die 1966 gegr√ľndete Chicago Surrealist Group [11]. Auch im Europas entstanden in der zweiten H√§lfte des 20. Jahrhunderts K√ľnstlergruppierungen, wie die polnische Orange Alternative, die surrealistische Konzepte in politischen Aktionen umsetzten.

Aktuell beziehen sich zahlreiche Gruppen wie das International Massurrealism Movement, das OFFAL Project in New York oder die Surrealist London Action Group explizit auf surrealistische Ideen. Auch in der Malerei werden surrealistische Motive und Techniken weiterhin aufgegriffen, wie beispielsweise durch Wolfgang Lettl und Frank Kortan.

Literatur

  • Walter Benjamin: Der S√ľrrealismus. Die letzte Momentaufnahme der europ√§ischen Intelligenz. In: Ders.: √úber Literatur. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1975, ISBN 3-518-01232-0 (Bibliothek Suhrkamp; 232).
  • Andr√© Breton: Die Manifeste des Surrealismus (‚ÄěManifestes du surr√©alisme‚Äú). Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-499-55434-8
  • Peter B√ľrger (Hrsg.): Surrealismus (Wege zur Forschung; 473). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1982, ISBN 3-534-06933-1
  • Jules-Fran√ßois Dupuis (Pseudonym): Der radioaktive Kadaver. Eine Geschichte des Surrealismus (‚ÄěHistoire desinvolte du surr√©alisme‚Äú). Edition Nautilus, Hamburg 1979, ISBN 3-921523-45-1
  • Elisabeth Lenk: Ethik des √Ąsthetischen. Am Beispiel ‚Äědes acte gratuit‚Äú. Benteli, Z√ľrich 1991. ISBN 3-7165-0663-X
  • G√ľnter Metken (Hrsg.): Als die Surrealisten noch recht hatten. Texte und Dokumente. Wolke-Verl., Hofheim 1983, ISBN 3-923997-03-5
  • Maurice Nadeau: Geschichte des Surrealismus (‚ÄěHistoire du surr√©alisme‚Äú). Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 3-499-55437-2
  • Octavio Paz: Der Surrealismus. In: Ders.: Essays 2. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1984, ISBN 3-518-03819-2
  • Ingrid Pfeiffer, Max Hollein (Hrsg.): Surreale Dinge. Skulpturen und Objekte von Dal√≠ bis Man Ray. (Ausstellungskatalog Schirn-Kunsthalle, Frankfurt am Main) Hatje Cantz, Ostfildern 2011 ISBN 377572768X
  • Jean-Luc Rispail (Hrsg.): Les surr√©alistes. Une g√©n√©ration entre le r√™ve et l'action (D√©couvertes Gallimard; 109). Gallimard, Paris 2005, ISBN 2-05-053140-0
  • Hans-Joachim Schlegel (Hrsg.): Go East - Subversionen des Surrealen im mittel- und osteurop√§ischen Film. Deutsches Filminstitut, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-9805865-4-5
  • Uwe M. Schneede: Die Kunst des Surrealismus: Dichtung, Malerei, Skulptur, Fotografie, Film. C. H. Beck, M√ľnchen 2006, ISBN 978-3-406-54683-9
  • Susan Sontag: Objekte der Melancholie. In: Diess. √úber Fotografie (‚ÄěOn photography‚Äú). Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt/M. 2004, ISBN 3-596-23022-5
  • Werner Spies: Der Surrealismus. Kanon einer Bewegung. Dumont, K√∂ln 2003, ISBN 3-8321-7318-8
  • Volker Zotz: Andr√© Breton. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt. Rowohlt, Reinbek 1990, ISBN 3-499-50374-3

Weblinks

 Commons: Surrealismus ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Surrealismus ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Keysers Grosses Stil-Lexikon Europa. 780 bis 1980. Keysersche Verlagsbuchhandlung, M√ľnchen 1982, ISBN 3-87405-150-1, S. 482
  2. ‚ÜĎ a b Duden, Universalw√∂rterbuch: surreal, traumhaft-unwirklich. Surrealismus, frz. surr√©alisme, aus sur (von lat. super) = √ľber und r√©alisme = Realismus
  3. ‚ÜĎ Uwe. M. Schneede: Die Kunst des Surrealismus, S. 215
  4. ‚ÜĎ corpusweb.net: Nicole Haitzinger: EX Ante: ‚ÄěParade‚Äú unter Friktionen. Choreographische Konzepte in der Zusammenarbeit von Jean Cocteau, Pablo Picasso und L√©onide Massine, abgerufen am 14. Dezember 201
  5. ‚ÜĎ Ga√©tan Picon: Der Surrealismus (1919‚Äď1939), Skira, Genf 1988, ISBN 3-8030-3112-5
  6. ‚ÜĎ In: George H. Hamilton: Painting and Sculpture in Europe: 1880‚Äď1940. Penguin Books, 1972, S&.nbsp;388
  7. ‚ÜĎ a b Stephen C. Foster: Formfindung und Freiheit, in: Man Ray. Edition Stemmle, Z√ľrich, 1989, ISBN 3-7231-0388-X, S. 237f.
  8. ‚ÜĎ Volker Zotz: Breton, S. 62 f
  9. ‚ÜĎ Uwe M. Schneede: Die Geschichte der Kunst im 20. Jahrhundert, S. 88
  10. ‚ÜĎ siehe Andr√© Thirion: R√©volutionnaires sans R√©volution, Paris 1972
  11. ‚ÜĎ offizielle Webpr√§senz des Surrealist Movement in den USA

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  • Surrealismus ‚ÄĒ Sur¬∑re¬∑a¬∑liŐ£s¬∑mus der; ; nur Sg; eine Richtung in der modernen Kunst und Literatur, die ihre k√ľnstlerischen Aussagen auf eine Art und Weise macht, die an Tr√§ume erinnert || hierzu Sur¬∑re¬∑a¬∑liŐ£st der; en, en; sur¬∑re¬∑a¬∑liŐ£s¬∑tisch Adj ‚Ķ   Langenscheidt Gro√üw√∂rterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Surrealismus ‚ÄĒ Sur|re|a|liŐ£s|mus ‚Ć©a. [zyr ] m.; Gen.: ; Pl.: unz.; seit Anfang des 20. Jh.‚Ć™ Str√∂mung in Kunst u. Literatur, die das √úbernat√ľrliche u. Traumhafte u. seine Verschmelzung mit der Wirklichkeit darzustellen sucht [Etym.: <frz. sur ¬Ľ√ľber¬ę +… ‚Ķ   Lexikalische Deutsches W√∂rterbuch

  • Surrealismus ‚ÄĒ Sur|re|a|lis|mus der; <aus gleichbed. fr. surr√©alisme zu sur (vgl. ‚ÜĎsuper...) u. r√©alisme ¬ĽRealismus¬ę; vgl. ‚ÜĎ...ismus> Richtung der modernen Literatur u. Kunst, die das Unbewusste u. Traumhafte k√ľnstlerisch darstellen will ‚Ķ   Das gro√üe Fremdw√∂rterbuch

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