Sächsische Schweiz

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Sächsische Schweiz
Die Barbarine ‚Äď ein Wahrzeichen der S√§chsischen Schweiz
Teil des sogenannten Höllenschlunds zwischen Rathen und Wehlen

Als S√§chsische Schweiz wird der deutsche Teil des Elbsandsteingebirges in Sachsen bezeichnet. Die durch ihre bizarren Felsformen bekannte Landschaft liegt s√ľd√∂stlich von Dresden beiderseits der Elbe.

Inhaltsverzeichnis

Naturräumliche Zuordnung

In der naturräumlichen Gliederung nach Meynen stellt die Sächsische Schweiz eine Haupteinheit (430) innerhalb des Sächsisch-Böhmischen Kreidesandsteingebietes (Haupteinheitengruppe 43) dar, das auf deutschem Boden ansonsten nur noch das Zittauer Gebirge als Haupteinheit beinhaltet. Die Nahtstelle beider Hauptgebirge, des Elbsandsteingebirges und des Lausitzer Gebirges, befindet sich auf tschechischem Boden, weshalb diese Naturräume räumlich voneinander getrennt sind.

Die Arbeitsgruppe Naturhaushalt und Gebietscharakter der S√§chsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig hat nun zu Anfang des 21. Jahrhunderts alle Mittelgebirge im s√§chsisch-b√∂hmischen Grenzgebiet zur √úbereinheit S√§chsisches Bergland und Mittelgebirge zusammengefasst. Zwischen S√§chsischer Schweiz und Zittauer Gebirge geh√∂rt dazu das Lausitzer Bergland, das nach Meynen noch mit den sich n√∂rdlich und √∂stlich anschlie√üenden L√∂ssh√ľgellandschaften zur Haupteinheit Oberlausitz zusammengefasst worden war; nach Westen setzt sich die neue √úbereinheit in den Haupteinheitengruppen Erzgebirge und Vogtland fort.[1]

Geografie

Physische Karte der Sächsischen Schweiz

√Ėstlich geht die S√§chsische Schweiz in das Lausitzer Bergland und westlich ins Erzgebirge √ľber. Der angrenzende tschechische Teil des Elbsandsteingebirges wird B√∂hmische Schweiz genannt. Die h√∂chste Erhebung der S√§chsischen Schweiz ist der Gro√üe Zschirnstein mit 562 m √ľber NN.

Namensgebung

Der Name S√§chsische Schweiz entstand im 18. Jahrhundert. Die beiden Schweizer K√ľnstler Adrian Zingg und Anton Graff waren 1766 an die Dresdner Kunstakademie berufen worden. ‚ÄěVon ihrer neuen Wahlheimat aus sahen sie ostw√§rts, etwa einen Tagesmarsch entfernt, ein Gebirge liegen. Es zeigte ein merkw√ľrdig abgeflachtes Panorama, ohne eigentliche Gipfel [‚Ķ]‚Äú (nach Lothar Kempe[2]) Diese f√ľhlten sich von der Landschaft an ihre Heimat, den Schweizer Jura, erinnert und berichteten in ihrem Briefwechsel zur Unterscheidung von ihrer Heimat von der ‚ÄěS√§chsischen Schweiz‚Äú. Zuvor wurde der s√§chsische Teil des Elbsandsteingebirges lediglich als Mei√üner Hochland, Mei√ünisches Oberland oder Heide √ľber Schandau bezeichnet.[2]

Popul√§r wurde die Bezeichnung durch die Ver√∂ffentlichungen von Wilhelm Lebrecht G√∂tzinger. In seinen B√ľchern beschrieb er die S√§chsische Schweiz und machte die Bezeichnung einem weiten Publikum bekannt.

Geologische Entstehung

Siehe Elbsandsteingebirge (Abschnitt: Geologie)

Bergformen

Der Lilienstein im letzten Sonnenlicht

In der Regel sind zwei Bergformen zu unterscheiden. Als Steine werden zahlreiche Felsformationen des Elbsandsteingebirges in der B√∂hmischen und S√§chsischen Schweiz bezeichnet. Prominente Beispiele sind der K√∂nigstein, der Lilienstein, Gohrisch und Papststein. Die Bezeichnung erstreckt sich nicht auf die h√ľgelartigen Kuppen aus vulkanischem Basalt oder granitischem Material des Grundgebirges wie die Waitzdorfer H√∂he oder der Gro√üe Winterberg.

Die kretazischen Sandsteingebilde ragen aus den sogenannten Ebenheiten heraus, dem ehemaligen Niveau der Elbe und stellen ihrerseits Reste einer fr√ľheren Rumpffl√§che dar. Im Zuge der sp√§tterti√§ren Anhebung des Erzgebirges und des seitlichen Druckes vom Lausitzer Bergland zerbrach die Sandsteinplatte kreuzgitterartig, was bei gleichzeitig zunehmender Flie√ügeschwindigkeit der Elbe und r√ľckschreitender Erosion in den Seitent√§lern, Angriffsm√∂glichkeiten und Leitbahnen f√ľr die zerst√∂rerische Kraft des Wassers bot. Zun√§chst verbleiben die gr√∂√üeren Tafelberge (Lilienstein), oder bereits stark zerkl√ľftete wie Zirkelstein, Kaiserkrone oder bereits bewaldet (Kohlbornstein), die sich bei weiterer erosiver Zerst√∂rung in langgezogene Grate (Schrammsteine) bis hin zu einzelnen Felsnadeln (Torw√§chter) aufl√∂sen. Morphologisch h√§rtere Schichtpartien, die der Verkarstung l√§nger und erfolgreicher Widerstand leisten, bilden meist die oberste Schicht. Der Zusammenbruch erfolgt somit meist von unten her, bzw. von den Felsflanken.

Geschichte

Die Bastei um 1900
Blick vom Winterberg um 1850

Im Gebiet der S√§chsischen Schweiz gibt es eine Reihe von Burganlagen, welche zum Schutz der Handelswege errichtet worden waren. Erhalten geblieben davon sind die Festung K√∂nigstein und Burg Hohnstein. Von anderen Anlagen sind nur sp√§rliche Reste geblieben, so von der Kleinen Bastei oder der Burg auf dem Falkenstein (heute Klettergipfel). Einige der Burgen wurden auch als mittelalterliche Raubnester genutzt. Urspr√ľnglich war dieses Gebiet slawisch besiedelt und kam erst im 15. Jahrhundert in ungef√§hr heutigen Grenzen unter s√§chsische Herrschaft.

Die touristische Erschlie√üung begann im Wesentlichen erst im 19. Jahrhundert. In diesem Zusammenhang verkehrte in der S√§chsischen Schweiz auch einer der ersten Oberleitungsbus-Linien weltweit, die von K√∂nigstein ausgehende Bielatalbahn (in Betrieb von 1901 bis 1904).

K√ľnstler der Romantik lie√üen sich von der wilden Sch√∂nheit der Felsen inspirieren, so der Maler Ludwig Richter oder der Komponist Carl Maria von Weber, der seine bekannte Oper Freisch√ľtz mit der Wolfsschluchtszene in der N√§he von Rathen ansiedelte.

In der Zeit des Nationalsozialismus war die Bezeichnung deutscher Landschaften als "Schweiz" amtlich verpönt. Aus diesem Grund wurde mit Wirkung vom 19. Oktober 1938 in den Gemeindenamen von Königstein, Obervogelgesang, Ottendorf, Porschdorf, Rathen, Rathewalde, Rathmannsdorf und Reinhardtsdorf der amtliche Zusatz "Sächsische Schweiz" durch "Amtshauptmannschaft Pirna" bzw. ab Januar 1939 "Kreis Pirna" ersetzt[3].

Nationalpark

Blick auf die Elbe bei Rathen

Im September 1990 wurde ‚Äď noch vor der deutschen Einheit ‚Äď der Nationalpark S√§chsische Schweiz geschaffen, um den einzigartigen naturr√§umlichen Charakter des Gebirges zu sch√ľtzen. Die 93 km¬≤ gro√üe Fl√§che umfasst zwei r√§umlich getrennte Gebiete: bei Rathen das Gebiet der Bastei mit Polenztal, Brand und Uttewalder Grund sowie die gesamte Hintere S√§chsische Schweiz zwischen der Elbe und der Staatsgrenze zu Tschechien mit den Schrammsteinen, Gro√üer Winterberg, Gro√üer Zschand und Kirnitzschtal.

Felsklettern

Blick √ľber den Wehlgrund zur Bastei bei Rathen

Die Landschaft der S√§chsischen Schweiz ist gepr√§gt durch viele Sandsteinfelsen. Dadurch hat sich das beliebte Freizeitvergn√ľgen des Kletterns entwickelt. Geklettert wird nach den zu Beginn des 20. Jahrhunderts als weltweit erste ihrer Art entstandenen S√§chsischen Regeln. Seile und Sicherungspunkte wie etwa Ringe d√ľrfen nur zur Sicherung, nicht aber zur Fortbewegung verwendet werden. In anderen Klettergebieten verbreitete Hilfsmittel wie Magnesia, Klemmkeile oder Friends sind nicht erlaubt. Stattdessen werden Knoten- und Bandschlingen verwendet.

Bis auf drei Ausnahmen ist Klettern an Massiven nicht erlaubt und generell nur an ausgewiesenen freistehenden Klettergipfeln gestattet, von denen es √ľber 1100 gibt.

Neben den Klettergipfeln gibt es au√üerdem verschiedene Stiegen, bei denen auch schwindelfreie und trittsichere Wanderer mit Hilfe von Treppen, Leitern, Metalltritten und Griffen an verschiedenen Stellen die teilweise recht gro√üen H√∂henunterschiede √ľberwinden k√∂nnen. Zu den beliebtesten Stiegen geh√∂ren die H√§ntzschelstiege in den Affensteinen, sowie die Heilige Stiege, die R√ľbezahlstiege und die Rotkehlchenstiege n√∂rdlich von Schmilka.

Boofen

Die √úbernachtung unter einem Felsvorsprung, der so genannten Boofe bzw. das Frei√ľbernachten √ľberhaupt hat eine lange Tradition in der S√§chsischen Schweiz. Viele Jugendliche fahren √ľbers Wochenende in die S√§chsische Schweiz, um zu boofen. Das Boofen ist heute nur noch an vom Nationalparkamt gekennzeichneten Pl√§tzen erlaubt. Problematisch sind die wachsende Zahl der Boofer und das falsche Benehmen Einzelner (illegale Feuerstellen, Herausrei√üen von jungen B√§umen, Bodenerosion), das immer wieder zu Auseinandersetzungen f√ľhrt.

Sehensw√ľrdigkeiten

Panorama

Blick vom Hohburkersdorfer Rundblick: Panorama der S√§chsischen und der B√∂hmischen Schweiz, zeigt von links Berge des Lausitzer Gebirges, unter anderem den Studenec (Kaltenberg); einige kleinere Berge bei Hohnstein sowie die Burg Hohnstein, das Polenztal, den Gro√üen Winterberg (der h√∂chste rechtselbische Berg der S√§chsischen Schweiz), den Rosenberg, die Affensteine und die Schrammsteine, die Kaiserkrone und den Zirkelstein, die Zschirnsteine mit dem Kleinen und dem Gro√üen Zschirnstein (der h√∂chste Berg der S√§chsischen Schweiz), dann der Papststein und der Gohrisch und dazwischen in der Ferne bei √öst√≠ nad Labem der Bukov√° hora mit seinem Fernsehturm. Im Vordergrund kann man den Kletterfelsen Lokomotive bei Rathen sehen. Am Horizont folgt nun der Hohe Schneeberg (der h√∂chste Berg des Elbsandsteingebirges), davor der Lilienstein, weiter rechts die Bastei von hinten und dar√ľber die Festung K√∂nigstein. Noch weiter rechts folgen der Rauenstein sowie die B√§rensteine und der Ort Leupoldishain mit dem Gel√§nde der Wismut. Am Horizont erstreckt sich der Kamm des Osterzgebirges und im Vordergrund Pirna-Sonnenstein.
Blick vom Hohburkersdorfer Rundblick: Panorama der S√§chsischen und der B√∂hmischen Schweiz, zeigt von links Berge des Lausitzer Gebirges, unter anderem den Studenec (Kaltenberg); einige kleinere Berge bei Hohnstein sowie die Burg Hohnstein, das Polenztal, den Gro√üen Winterberg (der h√∂chste rechtselbische Berg der S√§chsischen Schweiz), den Rosenberg, die Affensteine und die Schrammsteine, die Kaiserkrone und den Zirkelstein, die Zschirnsteine mit dem Kleinen und dem Gro√üen Zschirnstein (der h√∂chste Berg der S√§chsischen Schweiz), dann der Papststein und der Gohrisch und dazwischen in der Ferne bei √öst√≠ nad Labem der Bukov√° hora mit seinem Fernsehturm. Im Vordergrund kann man den Kletterfelsen Lokomotive bei Rathen sehen. Am Horizont folgt nun der Hohe Schneeberg (der h√∂chste Berg des Elbsandsteingebirges), davor der Lilienstein, weiter rechts die Bastei von hinten und dar√ľber die Festung K√∂nigstein. Noch weiter rechts folgen der Rauenstein sowie die B√§rensteine und der Ort Leupoldishain mit dem Gel√§nde der Wismut. Am Horizont erstreckt sich der Kamm des Osterzgebirges und im Vordergrund Pirna-Sonnenstein.
Blick von der Brandaussicht
Blick von der Brandaussicht

Siehe auch

Sonstiges

Am 23. September 2008 erhielt die S√§chsische Schweiz den von der Bundesregierung verliehenen Titel ‚ÄěOrt der Vielfalt‚Äú.

Literatur

  • Autorenkollektiv: Brockhaus Reisehandbuch S√§chsische Schweiz ‚Äď Osterzgebirge. Leipzig 1970.
  • Wilhelm Lebrecht G√∂tzinger: Schandau und seine Umgebungen, oder Beschreibung der S√§chsischen Schweiz. Begersche Buch- und Kunsthandlung, Dresden 1812.
  • Heinz Klemm: Die Entdeckung der S√§chsischen Schweiz. Sachsenverlag, Dresden 1953.
  • Alfred Meiche: Die Burgen und vorgeschichtlichen Wohnst√§tten der S√§chsischen Schweiz. Wilhelm Baensch Verlagsbuchhandlung, Dresden 1907. (Reprint Leipzig 1979)
  • Alfred Meiche: Historisch-topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927.

Weblinks

 Commons: S√§chsische Schweiz ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Karte der Naturr√§ume in Sachsen auf www.umwelt.sachsen.de (PDF, 859 kB)
  2. ‚ÜĎ a b Sieghard Liebe, Lothar Kempe: S√§chsische Schweiz und Ausfl√ľge in die B√∂hmische Schweiz. Brockhaus, Leipzig 1974, S. 5
  3. ‚ÜĎ Statistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis f√ľr das Deutsche Reich, Teil I, Berlin 1939; Seite 272

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