Balkanfeldzug (1941)

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Balkanfeldzug (1941)
Europa nach dem Balkanfeldzug im Juni 1941

Im Balkanfeldzug griff das nationalsozialistische Deutsche Reich am 6. April 1941 Jugoslawien und Griechenland an. Die Invasion der deutschen Wehrmacht wurde von italienischen und ungarischen Truppen unterst√ľtzt. Am 17. April kapitulierten die jugoslawischen Streitkr√§fte, Griechenland am 23. April. Die K√§mpfe auf der Insel Kreta, wo britische Truppen gelandet waren, zogen sich bis zum 1. Juni hin.

Ziel des Balkanfeldzugs war es zu verhindern, dass Großbritannien oder die Sowjetunion in dieser Mittelmeerregion Fuß fassen und von dort aus den geplanten deutschen Angriff auf die Sowjetunion bedrohen könnte. Der Balkanfeldzug verzögerte den Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion um sechs Wochen und erschwerte den Plan der Wehrmacht, in einem Blitzkrieg noch vor Wintereinbruch Moskau einzunehmen.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Nachdem Deutschland bis zum Sommer 1940 gro√üe Teile West- und Nordeuropas unter seine Gewalt gebracht hatte, befanden sich die L√§nder des Balkans im Spannungsfeld sowjetischer, britischer, deutscher und italienischer Gro√ümachtinteressen. Hitler bem√ľhte sich zun√§chst, den Balkanraum von politischen und milit√§rischen Verwicklungen freizuhalten. Au√üerdem wurden die wirtschaftlichen Beziehungen zu den s√ľdosteurop√§ischen L√§ndern intensiviert, um ihre wirtschaftlichen Ressourcen f√ľr die k√ľnftigen Vorhaben des Deutschen Reiches zu sichern.

Dem √Ėl-Waffen-Pakt mit Rum√§nien vom 27. Mai 1940 folgte die Entsendung deutscher Soldaten Mitte Oktober 1940, welche die rum√§nische Armee ausbilden und die √Ėlgebiete von Ploie»ôti sichern sollten. F√ľr diese Truppenentsendung h√§tten zun√§chst nach Artikel III des deutsch-sowjetischen Paktes von 1939 diplomatische Konsultationen stattfinden m√ľssen. Auch der Einsatz deutscher und rum√§nischer Streitkr√§fte gegen die Sowjetunion sollte vorbereitet werden. Ende Juni 1940 annektierte die Sowjetunion nicht nur Bessarabien, wie im geheimen Zusatzprotokoll des Paktes vereinbart, sondern auch die n√∂rdliche Bukowina. Obwohl Deutschland und Italien eine Garantie f√ľr Rum√§nien abgaben, besetzte die Sowjetunion eine Inselgruppe der Donaum√ľndung und der sowjetische Au√üenminister Molotow machte Anspr√ľche auf die S√ľdbukowina geltend. Den Konflikt zwischen Rum√§nien, Ungarn und Bulgarien l√∂ste Hitler im Wiener Schiedsspruch am 30. August 1940. Rum√§nien hatte sich politisch zuvor an Frankreich orientiert, das aber im Westfeldzug von Deutschland besiegt worden war. Es lehnte sich nun mit der Ernennung von Ion Antonescu zum Ministerpr√§sidenten und Staatsf√ľhrer an Deutschland an.

Die Gro√ümachtambitionen des italienischen Diktators Mussolini waren bereits seit den 1930er Jahren auch auf den Balkan gerichtet. Rom und Berlin hatten hier unterschiedliche Zielsetzungen. Als Garantiemacht des Wiener Schiedsspruchs richtete Italien sein Interesse auf Jugoslawien und Griechenland. Beides waren neutrale Staaten, die eher deutschfreundlich orientiert waren. Am 10. Juni 1940 trat Italien in den Krieg gegen die britisch-franz√∂sische Allianz ein. Hitler machte dem italienischen Au√üenminister Ciano im August 1940 klar, dass er ‚ÄěRuhe auf dem Balkan‚Äú f√ľr √§u√üerst wichtig halte und einen italienischen Angriff auf Jugoslawien ablehne. Italien hatte Deutschland ersucht, eine gemeinsame Milit√§raktion gegen Jugoslawien vorzubereiten. Ohne Abstimmung mit dem Deutschen Reich griffen am 28. Oktober 1940 [1] italienische Verb√§nde mit ca. 155.000 Soldaten vom seit 1939 italienisch besetzten Albanien aus Griechenland an, woraufhin britische Truppen Kreta besetzten und die griechischen K√ľstengew√§sser gegen Landungsversuche verminten. Am 4. November wurde der italienische Angriff gestoppt, Mussolinis Blitzkrieg war gescheitert. Die italienischen Truppen mussten bis hinter ihre Ausgangsstellungen zur√ľckweichen. Am 12. November 1940 befahl Hitler dem Oberkommando des Heeres in seiner Weisung Nr. 18, einen deutschen Angriff √ľber Bulgarien auf Griechenland vorzubereiten. Einen Tag sp√§ter unterschrieb er die entsprechende Weisung Nr. 20 (Fall Marita).

Griechenland bem√ľhte sich, eine milit√§rische Auseinandersetzung mit dem Deutschen Reich zu verhindern. Im Januar 1941 teilte die Regierung Metaxas der deutschen Seite mit, die britische Milit√§rhilfe beschr√§nke sich auf Luftunterst√ľtzung gegen Italien, es gebe keine britischen Truppen auf dem Festland. Sie schlug vor, das Deutsche Reich solle im Streit mit Italien mit einem Schiedsspruch schlichten, wie es das im August 1940 bereits im Grenzstreit zwischen Ungarn und Rum√§nien getan hatte. Allerdings hatte der britische Premierminister Winston Churchill bereits am 19. Dezember 1940 in einer Rede die Verlegung britischer Verb√§nde von Nordafrika in die √Ąg√§is erw√§hnt. Der griechische Ministerpr√§sident Metaxas verhandelte etwa zur selben Zeit mit Gro√übritannien und forderte mindestens neun britische Divisionen. Anfang Februar 1941 sagte Churchill zu, wollte allerdings nicht viel mehr als drei Divisionen zugestehen.

Aus Sicht des Deutschen Reiches bedrohte das britische Engagement in Griechenland die kriegswichtigen rum√§nischen Erd√∂lfelder. Der bulgarische Zar Boris r√§umte im November 1940 der Wehrmacht ein Durchmarschrecht nach Griechenland ein. Die Sowjetunion versuchte, Bulgarien vom Beitritt zum Dreim√§chtepakt abzuhalten und bot eine Garantieerkl√§rung an, die jedoch abgelehnt wurde. Das Deutsche Reich machte der Sowjetunion deutlich, dass Bulgarien in der deutschen Sicherheitszone liege und es mit Bulgarien einen Beistandspakt ratifizieren wolle.[2] Gegen√ľber der T√ľrkei sicherte Bulgarien sich am 17. Februar 1941 durch den Austausch von Freundschafts- und Nichtangriffserkl√§rungen ab. Vom Deutschen Reich erhielt Bulgarien die Zusicherung territorialen Zugewinns in Griechenland und eines Zugangs zum √Ąg√§ischen Meer. Vertreter des bulgarischen Generalstabs und der 12. Armee vereinbarten den Aufgabenbereich bulgarischer Truppen bei den deutschen Operationen in Griechenland. Am 1. M√§rz 1941 trat Bulgarien dem Dreim√§chtepakt bei. Bereits am n√§chsten Tag setzten deutsche Truppen √ľber die Donau und r√ľckten in ihre bulgarischen Einsatzr√§ume vor. Gro√übritannien berief daraufhin seinen Botschafter aus Sofia ab und unterbrach die Wirtschaftsbeziehungen mit Bulgarien. Das Deutsche Reich hatte die Sowjetunion, mit der es durch einen Freundschaftsvertrag verbunden war, vom geplanten Einmarsch offiziell vorab informiert. Moskau bedauerte den deutschen Schritt, erw√§hnte aber keine nachteiligen Folgen f√ľr das beiderseitige Verh√§ltnis. Bis zum 28. M√§rz 1941 standen 14 deutsche Divisionen in Bulgarien, vorwiegend an der bulgarisch-griechischen Grenze.

Am 25. M√§rz 1941 unterzeichnen jugoslawische Regierungsvertreter in Wien den Beitritt zum Dreim√§chtepakt. Jugoslawien stand seit 1934 dem Deutschen Reich nahe, milit√§risch gab es bis 1941 aber keine Kooperation. Auf diese Nachricht hin kam es in Jugoslawien zu antideutschen Demonstrationen. Am 27. M√§rz 1941 putschten Offiziere in Belgrad gegen die Regierung von Premierminister DragiŇ°a Cvetkovińá und setzten den 17-j√§hrigen Peter II. auf den Thron; Prinzregent Paul von Jugoslawien floh nach Griechenland. General DuŇ°an Simovińá bildete eine neue Regierung und annullierte den Beitritt zum Dreim√§chtepakt. Cvetkovińá und andere Unterzeichner des Paktes wurden verhaftet. Daraufhin entschloss sich Hitler, nicht nur Griechenland, sondern auch Jugoslawien anzugreifen. Am selben Abend noch befahl Hitler in der Weisung Nr. 25, in einem Blitzfeldzug Jugoslawien ‚Äěmilit√§risch und als Staatsgebilde zu zerschlagen‚Äú. In Bulgarien nahm die 12. Armee, acht Divisionen und drei Regimenter, ihre Angriffspositionen ein. In √Ėsterreich stand die 2. Armee zum Einmarsch in Jugoslawien bereit. Der jugoslawische Operationsplan ‚ÄěR-41‚Äú sah einen defensiven Einsatz von 27 Divisionen entlang der Grenze vor.

Die neue jugoslawische Regierung hatte umgehend eine Delegation nach Moskau entsandt, um Verhandlungen mit der sowjetischen Regierung √ľber einen Beistandspakt aufzunehmen. Zwar wies die Sowjetf√ľhrung dieses Ansinnen zur√ľck, erkl√§rte sich aber zum Abschluss eines Freunschafts- und Nichtangriffspaktes bereit, der nach nur zweit√§gigen Verhandlungen am 5. April, einen Tag vor dem deutschen Angriff, unterzeichnet wurde.

Feldzug

Zerschlagung Jugoslawiens

Verlauf des Feldzugs gegen Jugoslawien

Am 6. April 1941 um 5.15 Uhr griffen Wehrmachtsverbände ohne vorherige Kriegserklärung oder Ultimatum mit 33 Divisionen (davon sechs Panzerdivisionen) und insgesamt 680.000 Soldaten Griechenland und Jugoslawien an. Die deutsche 12. Armee stieß von Bulgarien aus auf Saloniki vor, die 2. Armee und die Panzergruppe 1 mit 15 Divisionen operierten von der Steiermark, Ungarn, Rumänien und Bulgarien aus gegen Jugoslawien. Nach kurzer Zeit griffen die ungarische 3. Armee (10 Brigaden) sowie die italienische 2., 9. und 11. Armee (38 Divisionen) in die Kämpfe ein. 1.153 deutsche und 320 italienische Flugzeuge wurden eingesetzt.

Das jugoslawische Heer gliederte sich in 32 Divisionen und neun Brigaden, die Luftstreitkr√§fte verf√ľgten √ľber 400 Flugzeuge. Griechenland besa√ü 21 Divisionen, vier Brigaden, und 80 Flugzeuge. Dazu kamen zwei britische Infanteriedivisionen, eine Panzerbrigade sowie sieben Staffeln (84 Maschinen) der Royal Air Force.

Zerstörungen in Belgrad, 1941

484 Bomber und Stukas sowie 250 Jagdflugzeuge der Achsenm√§chte er√∂ffneten den Krieg mit dem f√ľr die Zivilbev√∂lkerung verheerenden Luftangriff auf Belgrad und auf jugoslawische Flugpl√§tze. Am selben Tag begann auch der Angriff zweier Armeekorps der Wehrmacht auf den rechten und linken Fl√ľgel der jugoslawischen Armee Ost-Mazedonien unter General Bakopoulos. Am 8. und 9. April n√§herten sich deutsche Verb√§nde Belgrad. Im Laufe des 10. Aprils wurde Zagreb besetzt. Belgrad wurde am 12. April von der aus drei Richtungen vordringenden Panzergruppe 1 eingenommen. Am 17. April um 21 Uhr unterschrieb General Danilo Kalafatovińá als Vertreter des jugoslawischen Obersten Befehlshabers in Belgrad die bedingungslose Kapitulation der jugoslawischen Streitkr√§fte, es gingen 6.298 Offiziere sowie 337.864 Unteroffiziere und Mannschaften serbischer und montenegrinischer Abstammung in deutsche Kriegsgefangenschaft. K√∂nig Peter und seine Regierung gingen au√üer Landes.

Jugoslawien wurde in zehn Teile mit unterschiedlichem staatsrechtlichem Status aufgeteilt. Kroatien erkl√§rte sich bereits am 15. April zum Unabh√§ngigen Staat Kroatien. Das Deutsche Reich erkannte diesen neuen Vasallenstaat, der von der Ustascha regiert wurde und zu dem auch Slawonien, Syrmien und fast ganz Dalmatien, Bosnien und die Herzegowina geh√∂rten, diplomatisch an. Anders erging es Serbien: Ihm blieben nur noch sein Territorium in den Grenzen von 1912 (ohne Mazedonien und das Westbanat). Sein Gebiet umfasste mehr als ein Viertel der Gesamtfl√§che des ehemaligen Jugoslawien. Von den Gebieten, die vor 1941 noch zu Serbien z√§hlten, besetzte Ungarn die S√ľdbaranja und die Batschka, Bulgarien den Gro√üteil von Mazedonien. Zwar erhielt es eine eigene Landesregierung, doch war diese von den Deutschen abh√§ngig. Das Land wurde zur ausschlie√ülich deutschen Einflusszone erkl√§rt und unter deutsche Milit√§rverwaltung gestellt.

Zerstörte jugoslawische Panzer

Die jugoslawischen Kriegsgefangenen wurden je nach ethnischer Zugehörigkeit behandelt. Die slowenischen, bosnisch-muslimischen, kroatischen, ungarischen, deutschen (donauschwäbischen) und mazedonischen Soldaten - die Hälfte der jugoslawischen Armee - wurden freigelassen. Etwa 180.000 Serben wurden zum Arbeitseinsatz nach Deutschland gebracht.

Vier Infanteriedivisionen wurden speziell als Besatzungstruppen f√ľr den Balkan zusammengestellt, die 704., 714., 717. und 718. Infanteriedivision. Zwei davon in √Ėsterreich, die 717. im Wehrkreis XVII, die 718. im Wehrkreis XVIII. Auch nach der Neuaufstellung der 717. als 117. J√§gerdivision und der Zuf√ľhrung von Offizieren und Mannschaften aus anderen Wehrkreisen stellten √Ėsterreicher die Mehrheiten der Mannschaften. Beide in den √∂sterreichischen Wehrkreisen aufgestellten Divisionen blieben bis zur Kapitulation auf dem Balkan; die 718. Infanteriedivision in Kroatien, die 717. Infanteriedivision und sp√§tere 117. J√§gerdivision wurde im Fr√ľhjahr 1943 von Jugoslawien nach Griechenland verlegt.[3]

Operationen in Griechenland

Griechenlandfeldzug

Die in Bulgarien stationierte deutsche 12. Armee unter Generalfeldmarschall Wilhelm List √ľberschritt am 6. April 1941 die Grenze nach Griechenland. Dabei kam ihnen der Umstand zugute, dass der Hafen Pir√§us am 7. April bei einem Luftangriff durch einen Zufallstreffer auf ein Munitionsschiff total verw√ľstet wurde und die britischen Truppen daraufhin Nachschubprobleme bekamen. Am 9. April durchbrach ein Wehrmachtskorps mit starker fliegerischer Unterst√ľtzung durch Sturzkampfflugzeuge die Gebirgsbefestigungen der Metaxas-Linie bei dem Fort Roupel im Tal des Strymonas. Am gleichen Tag erreichten deutsche Panzerverb√§nde Thessaloniki und besetzten die Stadt, die somit eingeschlossene griechische 2. Armee kapitulierte daraufhin.

Frontlinien am 15. April

Gleichzeitig r√ľckten deutsche Verb√§nde nach der Einnahme der Vardarska banovina im heutigen Mazedonien entlang des Vardar-Tals (Axios) sowie auf der Ebene Florina-Bitola (Monastir) nach Griechenland vor und trafen dabei auf die Westflanke der von gemischten britischen und Commonwealth-Verb√§nden unter dem Befehl von General Henry M. Wilson (‚ÄěW Force‚Äú) gehaltenen Aliakmonas-Linie. Am 11. April 1941 eroberten deutsche Verb√§nde, darunter auch die SS-Division Leibstandarte Adolf Hitler, den Klidi-Pass s√ľd√∂stlich von Florina sowie am 14. April Kozani. Das gegnerische Expeditionskorps zog sich hierauf hinter den Aliakmonas sowie im Osten nach Platamon am Fu√üe des Olymp zur√ľck. Am 16. April gab General Wilson dem griechischen Oberbefehlshaber Alexandros Papagos seine Entscheidung bekannt, die Aliakmonas-Linie aufzugeben und bei den Thermopylen eine neue Verteidigungsstellung aufzubauen. Parallel begannen Vorbereitungen f√ľr die Evakuierung der alliierten Truppen. Dadurch wurde den deutschen Truppen der Weg √ľber das Pindos-Gebirge nach Epirus freigegeben.

Am 16. April versperrten Wehrmachtsverb√§nde der sich von der Epirus-Front zur√ľckziehenden griechischen 1. Armee den R√ľckzugsweg durch den Katarra-Pass bei Metsovo. Die vom Gebirgsmassiv eingeschlossenen griechischen Truppen wurden nun von den Achsenm√§chten im Westen und Osten bedr√§ngt. Am 18. April beging Ministerpr√§sident Alexandros Koryzis in Athen Selbstmord, die neue Regierung bildete Emmanouil Tsouderos. Am 20. April entband General Georgios Tsolakoglou in Absprache mit anderen Offizieren den Befehlshaber der Epirus-Armee Ioannis Pitsikas seines Kommandos und pr√§sentierte anschlie√üend SS-Obergruppenf√ľhrer Josef Dietrich die Kapitulation. Dies erfolgte gegen den ausdr√ľcklichen Befehl des Oberkommandierenden der griechischen Armee General Alexandros Papagos. Nach italienischen Protesten √ľber dieses Vorgehen wurde am Folgetag eine zweite Kapitulation in Anwesenheit italienischer Offiziere in Ioannina sowie am 23. April in Thessaloniki eine dritte, offizielle Kapitulation Griechenlands gegen√ľber Deutschland und Italien vollzogen. Am gleichen Tag schiffte sich K√∂nig Georg II. mit seiner Regierung nach Kreta ein.

Am 21. April ordnete der alliierte Oberbefehlshaber im Mittelmeer und Nahen Osten Archibald Wavell endg√ľltig die Evakuierung der verbleibenden alliierten Truppen nach Kreta und √Ągypten (Operation Demon) an. Bis zum 30. April konnten von der Royal Navy rund 50.000 Mann √ľber H√§fen in Attika und auf dem Peloponnes evakuiert werden, allerdings ohne schwere Waffen und Ger√§t. Am 24. April gaben die alliierten Nachhutverb√§nde die bis dahin verteidigte Thermopylen-Stellung auf. Am Samstag dem 26. April besetzten Wehrmachtverb√§nde Korinth und am 27. April r√ľckten Vorausabteilungen der 5. Panzerdivision in Athen ein. Der Feldzug Hitlers auf dem griechischen Festland endete am 29. April mit der Einnahme von Kalamata im S√ľden des Peloponnes. Einige gr√∂√üere √§g√§ische Inseln, darunter Lemnos, Lesbos und Chios wurden bis Anfang Mai von deutschen Infanterie- und Luftlandetruppen besetzt. Italienische Truppen besetzten gleichzeitig die Ionischen Inseln.

Die alliierten Verluste auf dem Festland betrugen ca. 12.000 Mann, die in Gefangenschaft gerieten, sowie das gesamte schwere Kriegsgerät. Die Wehrmachtsverluste auf dem Festland betrugen 2.559 Tote, 5.820 Verletzte und 3.169 Vermisste.

Kreta gab Gro√übritannien als milit√§rische Basis die M√∂glichkeit, den Zugang zur √Ąg√§is zu kontrollieren und die √Ėlfelder in Rum√§nien zu bombardieren. Am 20. Mai begann die deutsche Luftlandeoperation zur Eroberung Kretas unter Beteiligung von Heereskr√§ften sowie der deutschen und italienischen Marine. Sie gelang unter hohen Verlusten der deutschen Truppen. Im Anschluss wurde Griechenland von den Achsenm√§chten in Besatzungszonen aufgeteilt, Italien besetzte den gr√∂√üten Teil. K√∂nig Georg II. und seine Regierung gingen ins englische Exil.

Bis zur Kapitulation wurden etwa 210.000 Soldaten der griechischen Armee in deutschen Gewahrsam genommen, danach die gesamte etwa 430.000 Mann umfassende Armee zu Kriegsgefangenen erkl√§rt. Nach kurzer Zeit wurden sie jedoch nach Hause entlassen. Ein Teil der griechischen Streitkr√§fte konnte sich dem deutschen Zugriff entziehen und in √Ągypten sammeln. Sie bildeten die ca. 20.000 Mann starke griechische k√∂nigliche Armee, die unter britischem Oberbefehl unter anderem in El Alamein und 1944 in Italien k√§mpfte.

Folgen

Der Balkanfeldzug hatte im besetzten Jugoslawien wie auch in Griechenland einen lang andauernden Partisanenkrieg zur Folge, dessen die Wehrmacht nicht Herr wurde. Sie wurde von verschiedenen Partisanengruppen bek√§mpft, wobei sich die Jugoslawische Volksbefreiungsarmee unter Tito durchsetzen konnte. √Ąhnlich hatte in Griechenland die kommunistische Volksbefreiungsarmee ELAS die Oberhand unter den Partisanenverb√§nden. In diesem Fall f√ľhrte das nach Kriegsende allerdings nicht zur Herrschaft der Kommunisten, sondern wegen der Intervention britischer Truppen zum griechischen B√ľrgerkrieg.

Der Balkanfeldzug erm√∂glichte auch die Ermordung der jugoslawischen Juden. Ein Teil der kroatischen Juden wurden ab August 1941 in eigenen Lagern des Ustascha-Regimes umgebracht, ein anderer wurde von August 1942 an auf deutsches Dr√§ngen hin nach Auschwitz deportiert. In Serbien dagegen war der Holocaust weitgehend ein Verbrechen der Wehrmacht. Nachdem seit Anfang Oktober 1941 die K√§mpfe mit Partisanen- und Tschetnik-Einheiten erheblich zugenommen hatten, begann sie unter dem Befehl des Kommandierenden Generals General der Infanterie Franz B√∂hme, zumeist j√ľdische Zivilisten als Vergeltungsma√ünahme f√ľr die Angriffe zu erschie√üen. Dadurch war Serbien nach Estland das zweite besetzte Land, welches als ‚Äějudenfrei‚Äú bezeichnet werden konnte.[4] In Griechenland wurden fast 90 Prozent der dort lebenden Juden ermordet, nach Polen der prozentual h√∂chste Anteil. Das lag nicht zuletzt daran, dass der gr√∂√üte Teil der griechischen Juden in Thessaloniki lebte, das von Anfang an zur deutschen Besatzungszone geh√∂rte. Auf Zakynthos, in Chalkis und Athen konnte die j√ľdische Bev√∂lkerung sich wegen der Mithilfe ihrer christlichen Nachbarn, teilweise auch der Beh√∂rden und der Kirche, oftmals retten, im Fall Zakynthos sogar komplett. In Ioannina, auf Korfu und auf Kreta war dies nicht m√∂glich.

Gemeinsam mit dem Afrikafeldzug trug der Balkanfeldzug dazu bei, dass sich der geplante √úberfall auf die Sowjetunion um mehrere Wochen verz√∂gerte. Der Historiker Hans-Ulrich Wehler h√§lt es f√ľr m√∂glich, dass bei einem fr√ľheren Beginn des ‚ÄěUnternehmens Barbarossa‚Äú, der Winterkrieg h√§tte vermieden werden k√∂nnen, der die Wehrmacht im Dezember 1941 daran hinderte, Moskau zu erobern.[5]

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. ‚ÜĎ Der 28. Oktober ist noch heute in Griechenland Nationalfeiertag, der sog. ‚Äě√≥chi-Tag‚Äú, weil der damalige Machthaber in Griechenland dem Ansinnen des italienischen Diplomaten mit einem entschlossenen ‚ÄěNein‚Äú (=√≥chi) antwortete.
  2. ‚ÜĎ Detlef Vogel: Das Eingreifen Deutschlands auf dem Balkan, in: ders. / Gerhard Schreiber/ Bernd Stegemann (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 3: Der Mittelmeerraum und S√ľdosteuropa ‚Äď Von der ‚Äěnon belligeranza‚Äú Italiens bis zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten.', Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1984, ISBN 3-421-06097-5, S. 428f.
  3. ‚ÜĎ Walter Manoschek, Hans Safrian: √Ėsterreicher in der Wehrmacht in: E.Talos, E.Hanisch, W.Neugebauer (Hrsg.): NS-Herrschaft in √Ėsterreich 1938-1945, Wien 1988, ISBN 3-900351-84-8, S.342f.
  4. ‚ÜĎ Walter Manoschek: ‚ÄěGehst mit Juden erschie√üen?‚Äú ‚Äď Die Vernichtung der Juden in Serbien, in: Hannes Heer und Klaus Naumann (Hrsg.): Vernichtungskrieg ‚Äď Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944, Hamburger Edition, 2. Auflage, 1995, Seite 52 und 53
  5. ‚ÜĎ Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4: Vom Beginn des ersten Weltkrieges bis zur Gr√ľndung der beiden deutschen Staaten 1914-1949 C.H. Beck Verlag, M√ľnchen 2003, S. 533.

Literatur

  • Heinz Richter: Griechenland im Zweiten Weltkrieg 1939-1941. Contingenza Grecia - Operationen Barbarity, Lustre und Marita . 2. Auflage, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-447-06410-1.
  • Heinz Richter: Operation Merkur. Die Eroberung der Insel Kreta im Mai 1941. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-447-06423-1.
  • Jozo Tomasevich: War and Revolution in Yugoslavia, 1941‚Äď1945. Occupation and Collaboration, Stanford University Press, 2001 ISBN 0-804-73615-4
  • Detlef Vogel: Das Eingreifen Deutschlands auf dem Balkan, in: ders. / Gerhard Schreiber/ Bernd Stegemann (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd.3: Der Mittelmeerraum und S√ľdosteuropa ‚Äď Von der ¬Ľnon belligeranza¬ę Italiens bis zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1984, S.417‚Äď511. ISBN 3-421-06097-5
  • Detlef Vogel: Deutschland und S√ľdosteuropa - Von politisch-wirtschaftlicher Einflu√ünahme zur offenen Gewaltanwendung und Unterdr√ľckung, in: Wolfgang Michalka (Hrsg.): Der Zweite Weltkrieg - Analysen, Grundz√ľge, Forschungsbilanz, Verlag Piper, M√ľnchen/ Z√ľrich 1989, S.532‚Äď550. ISBN 3-492-10811-3

Weblinks

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