Balkanhalbinsel

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Balkanhalbinsel
Eine Definition der Balkanhalbinsel mit der Nordwestabgrenzung Isonzo-Vipava-Postojna-Krka-Save, d. h. Grenze zw. Alpen und Dinarischem Gebirge
Das Balkangebirge in Bulgarien und Serbien, von dem die Bezeichnung ‚ÄěBalkan‚Äú abgeleitet wird
Nationalitäten der Balkanhalbinsel um 1881

Die Balkanhalbinsel (oft synonym mit S√ľdosteuropa verwendet, auch kurz Balkan) ist eine geografisch unterschiedlich definierte Region im S√ľdosten Europas. Die Balkanhalbinsel ist die √∂stlichste der drei ins Mittelmeer ragenden s√ľdeurop√§ischen Halbinseln. Das Wort Balkan stammt aus dem T√ľrkischen und bedeutet so viel wie Gebirge oder Bergwald.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsbestimmungen

Der ‚ÄěBalkan‚Äú-Begriff

Die Bezeichnung ‚ÄěBalkanhalbinsel‚Äú wurde 1808 von dem Berliner Geographen Johann August Zeune gepr√§gt. Zeune √ľbernahm die Vorstellung antiker Geographen, dass sich das Balkangebirge √ľber den gesamten s√ľdosteurop√§ischen Raum von den slowenischen Alpen bis zum Schwarzen Meer erstrecke und eine √§hnlich pr√§gende Bedeutung f√ľr den Gesamtraum habe wie der Apennin f√ľr die italienische Halbinsel. Dies stellte sich jedoch als falsch heraus. Nachdem die Unhaltbarkeit dieser Annahme erkannt worden war, stie√üen die Begriffe ‚ÄěBalkanhalbinsel‚Äú oder ‚ÄěH√§mus-Halbinsel‚Äú auf zunehmende Kritik. 1893 regte der Geograph Theobald Fischer an, den Begriff ‚ÄěBalkanhalbinsel‚Äú durch ‚ÄěS√ľdosteurop√§ische Halbinsel‚Äú zu ersetzen. Sein Vorschlag hat sich jedoch nur teilweise durchsetzen k√∂nnen.

Unter dem Begriff Balkanl√§nder werden unterschiedliche L√§nder zusammengefasst, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass ihre heutigen Territorien jahrhundertelang im √∂sterreichisch-russisch-t√ľrkischen Spannungsfeld lagen. Die dadurch bedingten st√§ndigen Gebietsver√§nderungen und Umsiedlungen bzw. Vertreibungen lie√üen den Staat als Repr√§sentanten wechselnder Fremdherrscher erscheinen, der keine Loyalit√§t erwarten durfte.

Der Begriff Balkan wird in Westeuropa oft im Hinblick auf Konnotationen wie ‚ÄěKonflikttr√§chtigkeit‚Äú, Korruption, ‚ÄěZersplitterung‚Äú (‚ÄěKleinstaaterei‚Äú), ‚ÄěEmotionalit√§t‚Äú und ‚ÄěR√ľckst√§ndigkeit‚Äú abwertend gebraucht (‚ÄěPulverfass Europas‚Äú). Metternich meinte, der Balkan beginne schon am Rennweg in Wien-Landstra√üe. Bismarck wird der Spruch nachgesagt, der Balkan sei ‚Äěnicht die Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert‚Äú. Winston Churchill bezeichnete den Balkan, als dieser Teil Europas sich in der Hand des Dritten Reiches befand, als ‚ÄěEuropas weichen Unterleib‚Äú.[1]

Ethnische Karte der Balkanhalbinsel vor dem Ausbruch des Ersten Balkankriegs, erstellt von Paul Vidal de la Blache

Als wertneutraler Begriff b√ľrgert sich nicht zuletzt deshalb immer mehr der (geographisch nicht ganz deckungsgleiche) Terminus S√ľdosteuropa ein. In einigen der sogenannten Balkanl√§nder ist die Bezeichnung Balkan aber bisweilen ein durchaus positiv besetzter Begriff: In Bulgarien etwa ist Balkan Namensbestandteil vieler Unternehmen und touristischer Einrichtungen (wobei sich Balkan hier auf das Balkangebirge bezieht), und Bulgaren pflegen ein recht positives Verh√§ltnis zu ihrer ‚ÄěBalkan-Identit√§t‚Äú. Ein Grund hierf√ľr d√ľrfte die Tatsache sein, dass dieses Gebirge √ľber Jahrhunderte als Zufluchtsort verschiedener bulgarischen Freiheitsk√§mpfer diente, wie beispielsweise der Heiducken im Kampf gegen die osmanische Herrschaft. Der neuere, √ľberwiegend im EU-Kontext verwendete Begriff ‚ÄěWestbalkan‚Äú umfasst die Nachfolgestaaten Jugoslawiens ohne Slowenien, jedoch um Albanien erg√§nzt.

Anders ist die Situation dagegen in Kroatien, Ungarn oder Slowenien: Als ehemalige Bestandteile √Ėsterreich-Ungarns f√ľhlen sich viele B√ľrger dieser Staaten mit traditionell katholischer Bev√∂lkerungsmehrheit einem so genannten mitteleurop√§ischen Kulturkreis verbunden und distanzieren sich vom Balkanbegriff. Meistens distanziert sich auch Rum√§nien, dessen Fl√§che ungef√§hr zur H√§lfte √Ėsterreich-Ungarn geh√∂rt hat und rein geographisch nur durch die n√∂rdliche Dobrudscha in der Balkanregion vertreten ist, von diesem Begriff. Auch Griechenland wird fast ausschlie√ülich zu S√ľdeuropa gez√§hlt. Dennoch nehmen Slowenien, Kroatien, Ungarn, Rum√§nien, Moldau als auch Albanien, Montenegro, Serbien, T√ľrkei, Griechenland, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina an den Balkanspielen, eines j√§hrlich abgehaltenen Sportwettkampfes (vornehmlich Leichtathletik), teil.

Siehe auch: Balkanisierung

S√ľdosteuropa

Aufgrund der negativen Konnotationen des Begriffes ‚ÄěBalkan‚Äú wird stattdessen h√§ufig der Begriff S√ľdosteuropa verwendet. Die Verwendung dieses Begriffes als geografische Bezeichnung erh√∂ht sich allm√§hlich. Eine Initiative der Europ√§ischen Union im Jahr 1999 wurde Stabilit√§tspakt f√ľr S√ľdosteuropa genannt, und die Web-Zeitung Balkan Times wurde 2003 in Southeast European Times umbenannt.

Geographie

Lage und Begrenzung

Die Balkanhalbinsel (Stielers Handatlas, 1891)
Selten wird auch die Triest-Odessa-Linie als nördlichste mögliche grobe Abgrenzung der Balkanhalbinsel betrachtet
Die Balkanstaaten im engeren und weiteren Sinn des Begriffes

Die Halbinsel hat eine Fl√§che von etwa 500.000 km¬≤ Fl√§che (inklusive vorgelagerter Inseln). Sie wird nach Westen, S√ľden und Osten durch folgende Meere begrenzt: Adriatisches Meer (im Westen), Ionisches Meer (S√ľdwesten), √Ąg√§is und Marmarameer (S√ľdosten) und Schwarzes Meer (im Osten).

Nach Norden, zum Inneren des europ√§ischen Kontinents hin, existiert keine geographisch ausgepr√§gte Grenzlinie. Als n√∂rdliche Grenze der Balkanhalbinsel werden in der Regel die Fl√ľsse Donau, Save und Kupa angenommen. Unterschiedliche Auffassungen gibt es hinsichtlich der Abgrenzung im √§u√üersten Nordwesten und am Unterlauf der Donau. So wird gelegentlich die Kupa (deutsch: Kulpa), zumeist aber die Una (beides Nebenfl√ľsse der Save) als Nordwestgrenze betrachtet. Im ersten Fall wird Zentralkroatien bzw. das Gebiet der ehemaligen kroatischen Milit√§rgrenze zum Balkan gerechnet, im zweiten Fall nicht. Eine andere g√§ngige Definition sieht die Bucht von Triest und das Ljubljana-Tal als Nordwestbegrenzung der Balkanhalbinsel, welche √ľber die Save und Donau dann auch bis ans Schwarze Meer verl√§uft.[2]

Die Wahl der Donau-Save-Kupa-Linie als Nordgrenze ist willk√ľrlich. Sie ist historisch gerechtfertigt, weil die so gekennzeichnete Fl√§che (zusammen mit Rum√§nien und ohne Montenegro, Dalmatien und den Ionischen Inseln) den gr√∂√üten Teil des europ√§ischen Territoriums des Osmanischen Reiches aus dem sp√§ten 15. bis ins 19. Jahrhundert bildete. Der Fluss Kupa bildet die nat√ľrliche Grenze zwischen Slowenien und Kroatien im S√ľdosten, die Save trennt Kroatien und Bosnien und die Donau, der zweitgr√∂√üte europ√§ischen Fluss (nach Wolga), bildet eine nat√ľrliche Grenze zwischen Bulgarien, Serbien und Rum√§nien.

Zum Balkan-Begriff zählt man manchmal auch die Walachei und Moldawien hinzu (wobei es zu Überlappungen zwischen dem geographischen und dem historisch-politischen Balkan-Begriff kommt). Selten wird auch die direkte Luftlinie zwischen Triest und Odessa als Abgrenzung verwendet.[3]

Relief

Die Balkanhalbinsel besitzt ein ausgepr√§gtes Relief und verf√ľgt aufgrund der vorhandenen Gebirgshindernisse √ľber nur wenige nat√ľrliche Verkehrswege. Einzig die strategisch herausragende Morava-Vardar-Furche durchzieht die zentrale Balkanhalbinsel zwischen der √Ąg√§is und der Donau in ihrer G√§nze. Parallel zur S√ľdwestk√ľste der gebirgigen Halbinsel bilden die Dinarischen Alpen einen gro√üteils verkarsteten, schwer zug√§nglichen Gebirgswall, der sowohl eine markante Klima- als auch Kulturscheide zur mediterranen Region darstellt.

Ein Nebeneinander von Hochgebirgen und Beckenlandschaften kennzeichnet das Innere der Balkanhalbinsel. Dabei sind die Becken entweder als Poljen im Karst angelegt (beispielsweise Mitteldalmatinisch-Herzegowinische Poljenstufe) oder tektonische Einsenkungen wie im Kosovo (Rrafsh i Dukagjinit/Metochien, Amselfeld), Mazedonien (Becken von Kumanovo, Bitola und Tetovo) sowie den seenreichen, pelargonischen Becken (Ohrid, Prespa, Dojran und Iononina). Ebenen sind in der albanischen Niederung, der slawonischen (Save-)Niederung, sowie den weiten Alluvialfl√§chen der Donau ausgebildet. Als alte Kulturregion wurden die St√§dte zumeist an geographisch beg√ľnstigten Orten der K√ľsten und Fl√ľsse gegr√ľndet. Die antike Stadtkultur entstammt den politisch-geographischen und kulturellen Gegebenheiten Griechenlands und wurde von den R√∂mern systematisch auf die weiteren Bereiche der Balkanhalbinsel verbreitet. Eine urbane Erneuerung au√üerhalb der Kontinuit√§t der merkantilen Seest√§dte erfolgt nach der V√∂lkerwanderung aber erst durch das Auftauchen der Osmanen, die insbesondere die zentralen Bereiche der Balkanhalbinsel systematisch in ihr Wirtschaftssystem einbinden konnten.

Gebirgssysteme und Geologie

Die Balkanhalbinsel ist eine ausgesprochene Gebirgsregion. Jungalpidische Gebirge streichen von Nordwesten nach S√ľdosten (Dinarisch-Hellenidischer Gebirgsbogen) und geh√∂ren zum das Mittelmeer umgebenden Faltengebirgsg√ľrtel. Kristalline Massen, die geologisch √§lter und aus wasserundurchl√§ssigen Graniten sowie Schiefern nebst Kalken aufgebaut sind, werden von den Rhodopen sowie Pirin, Rila und dem Balkangebirge gebildet. H√∂chste Gipfel finden sich im Rila (Musala 2925 m), Olymp (Mytikas) 2917 m und Pirin (Vihren 2911 m). Die stark verkarsteten Dinariden (Maja Jezerce 2694 m und Helleniden (Smolikas 2637 m) liegen den K√ľsten am Mittelmeer vor und bilden damit ausgesprochene Klima- und Kulturscheiden.

K√ľsten

Sowohl die Westk√ľste (Slowenien, Kroatien, Montenegro) wie auch die Ostk√ľste der Balkanhalbinsel sind stark zerkl√ľftet und in zahlreiche Inseln und Halbinseln aufgel√∂st. Die reich gegliederte K√ľstenregion Dalmatiens ist als Canalek√ľste, die Griechische √Ąg√§isk√ľste als Riask√ľste, die K√ľsten zum Schwarzen Meer sowie die in Albanien sind dann als Niederungsk√ľsten ausgebildet.

Zwischen den im Dinarischen Karst √ľberwiegend kahlen, nur d√ľnn besiedelten Gebirgen liegen zahlreiche mehr oder weniger fruchtbare Becken in Form von Karst bzw. Poljen (Grahovo, NikŇ°ińá). Erst die auff√§lligen gro√üen tektonisch angelegten Becken des Kosovo sowie die Becken in Mazedonien (Pelargonisches Becken) mit ihren gro√üen Seen terti√§ren Ursprungs (Ohridsee, Prespasee) bilden wirtschaftlich und geografisch bedeutsame Lebensr√§ume, die dicht besiedelt sind.

Gewässer

Die hydrologischen Systeme entw√§ssert unterschiedlich stark in die angrenzenden Meere. Ein Gro√üteil der Flie√ügew√§sser geh√∂rt zum Einzugsbereich des Schwarzen Meeres. Das adriatische Einzugsgebiet ist arm an oberfl√§chlichen Flie√ügew√§ssern (in den Dinariden nur Cetina, Neretva und Morańća), zur √Ąg√§is und ins Thyrenische Meer entw√§ssern dagegen noch Drin, Nestos, Struma, Vardar und Maritza. Die wichtigsten der zahlreichen Nebenfl√ľsse der Donau und Save sind Kupa, Bosna, Drina, Morava und Isker.

Drei Einzugsgebieten, dem adriatischen, √§g√§ischen und schwarzmeerischen hydrologisch zugeh√∂rend, sind insbesondere die wasserreichen Donauzufl√ľsse, die ‚Äď mit Ausnahme des Tieflandstromes der Save ‚Äď durch Schluchten und Canyons (Drina, Tara, Isker) f√ľhren, von Bedeutung. Der Karpatendurchbruch der Donau im Eisernen Tor war bis ins 20. Jahrhundert ein bedeutendes Schifffahrtshindernis. Die zur Adria entw√§ssernden Fl√ľsse sind mit Ausnahme von Neretva und Morańća, die in tiefen Canyons die Schwelle der Hochdinariden durchbrechen, von untergeordneter Bedeutung. Die gr√∂√üeren Gebirgsflusssysteme in Albanien und Griechenland (Drim, Vardar und Nestos) flie√üen in den Unterl√§ufen durch weite alluviale Niederungen.

Klima und Vegetation

Die Balkanhalbinsel liegt am √úbergang von der mediterranen zur kontinentalen Klimazone. Auf zwei Seiten vom Meer umgeben, nimmt die Ozeanit√§t durch die im Westen der Halbinsel an der K√ľste exponiert der Westwindzone ausgesetzten Gebirge vom K√ľstensaum zum Landesinneren rapide ab. Damit ist das Klima schon in k√ľrzerer Entfernung von der Meeresk√ľste durch st√§rkere Kontinentalit√§t und schneereiche Winter gepr√§gt.

Die durch die Gebirgssysteme vor allem hygrisch und ventilatorisch stärker veränderten solaren Klimate der Balkanhalbinsel werden durch lokale, mesoskalige und makroskalig wirksame, das Klima stark modifizierende, Windesysteme geprägt. Darunter fallen die durch die Topographie bedingten Leewellen wie die kalte Bora und der warme Föhn, die vor allem im Gebirge wirksam sind, sowie die durch Unterschiede der Luftdruckgradienten bewirkten saisonalen makroskaligen Windsysteme der Kosava, Etesien und des Scirocco.

Die Gebirge des Balkans gliedern sich klimatisch in humid-temperate, submediterrane und mediterrane sowie subhumid-kontinentale Typen. Edaphische Abweichungen der generellen Typen ergeben sich in Karstgebieten in ansonsten humiden Klimaten. Zudem reihen sich Karstgebirge von den Julischen Alpen zum Peloponnes. Somit sind klimatische und edaphische Faktoren st√§rker kombiniert als in den Alpen, Pyren√§en oder Karpaten. Karstgebirge des Nordwestens sind generell humid, im S√ľdosten semihumid bis semiarid.

Vegetation der Balkanhalbinsel

Die Vegetation gro√üer √Ėkosysteme (phytogeographische Territorien oder Vegetationsg√ľrtel) ist √∂kologisch, chorologisch und floristisch-entwicklungsgeschichtlich sehr einheitlich. Durch Relief und die Beziehungen, die sich aus der Lage, insbesondere zu den Meeren, ergeben, erfolgt innerhalb dieser Pflanzenreiche eine aus den klimatischen Faktoren und den Aspekten des Naturraumes differenzierte Vegetationsteilung.

Die Balkanhalbinsel ist Teil des holarktischen Florenreiches. Sie ist weiter in eine mediterrane sowie zirkumboreale Region zu ordnen. Die westliche und √∂stliche zentrale Balkanhalbinsel teilt sich in zwei Florenprovinzen der mitteleurop√§ischen Florenregion, die illyrische im Westen und die m√∂sische im Osten. Ein Teil Thrakiens geh√∂rt dabei schon zur Pontischen Florenregion. Die reich gegliederte, dalmatinische K√ľste sowie Teile S√ľdalbaniens und die K√ľsten Griechenlands und des Peloponnes geh√∂ren zur mediterranen Florenregion.

Phytogeographisch lässt sich der Balkan in den basophilen ozeanischen Westen (Illyrien) und kontinentalen azidophilen Osten (Moesien) gliedern. Illyrien ist Zentrum mesophiler Buchenwälder, die submontan bis subalpin dominieren, während in Moesien subalpin Fichte boreale Wälder bildet.

St√§rker unterschieden sind kolline Stufen; die Eichen im Osten (Quercus frainetto, Zerreiche (Q. cerris)) werden im Westen durch humide Eichen-Hainbuchenw√§lder (Quercus petrea, Carpinus betulus) ersetzt. Die balkanische Region ist durch viele nur f√ľr seine Umgebung typische (terti√§re) Arten bereichert: zum Beispiel Griechischer Ahorn (Acer heldreichii), Serbische Fichte (Picea omorika), Gew√∂hnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Corylus colurna, Pinus peuce, Pinus heldreichii, Ramonda serbica oder Amphoricarpos neumayeri.

Die westliche sowie östliche zentrale Balkanhalbinsel ist in zwei Vegetationszonen, illyrisch und moesisch (nach den röm. Provinzen Illyria und Moesia), zu teilen. Thrakien ist pontische Unterregion. Als Subzonen der mitteleuropäischen Florenregion sind Illyrien mit basenreichen basophilen, Moesien mit säureliebenden azidophilen Vegetationstypen verbunden.

Die K√ľste Dalmatiens geh√∂rt zur adriatischen Provinz der mediterranen Florenregion. Die epirische und √§g√§ische K√ľste mit den griechischen Inselgruppen sind Teil der ostmediterranen Provinz. Damit sind floristische Prinzipien vorgegeben. Unterschiede resultieren aus der Mischung der Horoelemente einzelner Gebiete, die wiederum von naturr√§umlichen Gegebenheiten und der Vegetationsgeschichte abh√§ngen.

Zonierung der Vegetation der Balkanhalbinsel am Beispiel des Orjen
Wulfenia baldaccii, eine im Prokletije endemische Pflanze

Das durch die klimatische Vielfalt, das ausgepr√§gte Relief, die vielf√§ltige Topographie und der subtropischen Lage und auch besonders der zum √ľbrigen Europa h√∂heren Klimagunst der Erdvergangenheit, ist in diesem Teil des Europ√§ischen Kontinentes auch eine reichhaltige Vegetation entwickelt, die die mit Abstand vielf√§ltigsten Formationen sowie den gr√∂√üten Artenreichtum des Kontinentes aufweist. Daher beherbergt die Balkanhalbinsel allein √ľber 160 Geh√∂lzarten und mehr als 7000 Kormophyten, von denen allein 3000 endemische Arten sind. Damit kommt der Balkanhalbinsel auch die Schl√ľsselrolle in der europ√§ischen Vegetationsgeschichte sowie als Endemitenzentrum auch der Rang eines Hotspots der Biodiversit√§t zu.

Die Genese der balkanischen Flora vollzog sich w√§hrend terti√§rer, glazialer und postglazialer Phasen. Heute treten keine alten mesozoischen Vertreter (wie zum Beispiel in den Floren Ostasiens oder Argentiniens) mehr auf. Der Basisbestand insbesondere der Waldflora ist dennoch seit der Kreide bekannt (zum Beispiel Eichen (Quercus), Buchen (Fagus), Kastanien (Castanea), Erlen (Alnus), Weiden (Salix)). Die thermophilere terti√§re Flora war an tropischen Elementen reicher als heute, wo nur eine kleine Zahl reliktischer Arten (Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris)), Gattungen (Yams (Dioscorea)) und Familien (Gesneraceae) √ľberlebt hat. Au√üertropische terti√§re Formen sind dagegen reichlich vertreten (zum Beispiel Platanengew√§chse (Platanus), Rosskastanien (Aesculus hippocastanum), Tollkraut (Scopolia), Sibiraea, Thelygonum, Serbische Fichte (Picea omorika), Pinus peuce, Forsythia europaea, Gemeiner Flieder (Syringa vulgaris)). Durch die isolierte Stellung, die n√§chsten Verwandten sind zumeist in Ostasien oder dem vorderen Orient zu finden und die heterogene phytogeographische Genese, sind alle pal√§oendemischen Terti√§rrelikte √∂kologisch und horologisch sehr differenzierte Vertreter unterschiedlicher vegetationsgeographischer Einheiten. Seit dem Terti√§r erfolgte die Evolution der mediterranen Gebirgsflora, dies unabh√§ngig arktoalpiner Einfl√ľsse.

Nach Turrill (1929) finden sich auf der Balkanhalbinsel 6.340 Arten. Mit den in der Flora Europaea aufgef√ľhrten 10.500 Arten verglichen, kommt der Balkanhalbinsel auch die Schl√ľsselrolle der europ√§ischen Vegetationsgeschichte zu. Folgende Konditionen sind daf√ľr anzuf√ľhren:

  • eine Flora, die viele terti√§re Arten enth√§lt, welche hier die Eiszeiten √ľberleben konnten
  • pal√§oendemische Relikte
  • Isolation der Landmassen, Inseln und Gebirgsgruppen. √Ąnderungen des Meeresspiegels. Fragmentierung, Isolation und Migration von Arten, Bildung neuer Habitate
  • autonome Evolutionszentren der N√§he zu anderen Florenzentren
  • Einflussnahme des Menschen durch Zerst√∂rung und Wechsel der nat√ľrlichen Landbedeckung, Schaffung neuer Habitate und Introduzierung neuer Arten.

Griechenland als endemitenreichster Teilraum besitzt 1100 endemische Arten. Der Endemismus beruht vor allem auf der hohen Spezifikation der illyrisch-balkanischen Florenprovinz. Die vergleichsweise höhere Artenvielfalt zu Alpen und Pyrenäen, durch größere petrographische Heterogenität als Pyrenäen und gegen die Alpen die Einbettung zwischen Florenprovinzen, macht die komplexen Dinariden zu dem auffälligen Endemitenzentrum mit hohem Artenpotential.

Die illyrische Provinz besitzt vier endemische Gattungen: Petteria, Halacsya, Haberlea, Jankaea. Endemiten sind: Picea omorika (Serbien, Bosnien), Pinus peuce (Gebirge zwischen 41¬į-43¬į N), Primula deorum (Bulgarien), Saxifraga ferdinandi-coburgii, Petteria ramentacea (Dalmatien, Herzegowina, Montenegro, Nord-Albanien), Oxytropis prenja, Griechischer Ahorn (Acer heldreichii), Forsythia europaea (Nord-Albanien, Kosovo), Moltkia petraea, Wulfenia baldaccii (Montenegro, Nord-Albanien), Haberlea rhodopensis (Bulgarien, Nordost-Griechenland), Ramonda serbica, Jankaea heldreichii (Olymp), Amphoricarpos neumayeri (Orjen), Cicerbita pancicii, Lilium jankae, Dioscorea balcanica (Montenegro, Nord-Albanien). Reliktarten der illyrisch-balkanischen Provinz sind: Europ√§ische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia), (Juglans regia), Syringa vulgaris, Baum-Hasel (Corylus colurna), Gew√∂hnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) etc.

Politik

Folgende Staaten liegen komplett oder teilweise auf der Balkanhalbinsel: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Griechenland. Auch der europ√§ische Teil der T√ľrkei, ein kleiner Teil Rum√§niens (Nord-Dobrudscha), sowie ‚Äď wenn man den Karst als Nordwestgrenze ansieht ‚Äď auch Teile Sloweniens und Italiens (Provinz Triest) geh√∂ren zur Balkanhalbinsel.

Bevölkerung

Die Balkanhalbinsel ist insbesondere bev√∂lkert von Albanern, Bosniaken, Bulgaren, Griechen, Kroaten, Mazedoniern, Rum√§nen (Wlachen), Serben, T√ľrken und je nach der genauen geographischen Definition auch von Slowenen. Au√üerdem bilden die Roma in mehreren Balkanl√§ndern eine gro√üe ethnische Minderheit, fr√ľher auch die sephardischen Juden und in Rum√§nien und Kroatien vorwiegend aschkenasischen Juden, die heute nur in der T√ľrkei eine nennenswerte Minderheit darstellen.

In den s√ľdosteurop√§ischen Staaten Rum√§nien, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Kosovo, Mazedonien, Serbien, Montenegro, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Slowenien wohnen zusammen fast 66 Mio. Menschen (Fischer Weltalmanach 2010). Hinzu kommen 8-10 Millionen Einwohner des europ√§ischen Teils der T√ľrkei, insgesamt leben etwa 75 Millionen Menschen auf der Balkanhalbinsel.

Metropolen

Istanbul ist mit 6.486.993 Einwohnern (nur im europäischen Teil, Jahr 2006) die größte Metropole der Balkanhalbinsel. Obwohl nur die Hälfte der Stadt in Europa liegt, ist der Abstand zur zweitgrößten Stadt des Balkans, Athen, mit 3.799.134 Einwohnern (Jahr 2007) deutlich größer. Danach folgen die Städte:

Verstädterung

Folgende Staaten wiesen 2008 entsprechende Werte der Urbanisierung:

Kulturelle Einfl√ľsse

Die nach Osten hin offenen K√ľsten und die Durchg√§ngigkeit des Nordens machen den Balkan von jeher zu einer wichtigen Br√ľcke zwischen Asien und Europa, aber auch immer wieder zum Schauplatz von Konflikten, Kriegen und ethnischen Unruhen.

Zahlreiche historische Staaten spielten in der Kultur und Geschichte dieser Region eine bedeutende Rolle. Dazu geh√∂rten das R√∂mische und das Byzantinische Reich sowie sp√§ter das Osmanische Reich, die Republik Venedig und √Ėsterreich-Ungarn. Auch Russland betrachtete auf Grund des dort verbreiteten orthodoxen Glaubens den Balkan h√§ufig als sein Einflussgebiet, wobei es dabei ebenso wie andere genannte L√§nder auch territoriale Interessen verfolgte.[4]

Mehr als die H√§lfte der Einwohner aller Balkanstaaten h√§ngt einer der orthodoxen Kirchen an. Im Westen der Balkanhalbinsel dominiert jedoch das r√∂misch-katholische Christentum. Zwischen Katholiken und Orthodoxen leben zudem zahlreiche vor allem slawische, albanische und t√ľrkische Muslime - insgesamt etwa ein Viertel aller Einwohner der Halbinsel.

W√§hrend des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts wurden die Juden verfolgt und ermordet. Die wenigen √úberlebenden sind in den (damals) neugegr√ľndeten Staat Israel ausgewandert. Kein Balkanland (abgesehen von der T√ľrkei) hat heute eine nennenswerte j√ľdisch-sephardische oder j√ľdisch-aschkenasische Minderheit mehr.

Literatur

  • Jovan Cvijińá: Balkansko poluostrvo, SANU, 1987.
  • Maria Todorova: Die Erfindung des Balkans. Europas bequemes Vorurteil, Primus Verlag 1999, ISBN 3-89678-209-6
  • Karl Kaser: Freundschaft und Feindschaft auf dem Balkan. Euro-balkanische Herausforderungen, Wieser-Verlag 2001, ISBN 3-85129-362-2
  • Richard Wagner: Der leere Himmel. Reise in das Innere des Balkan, Aufbau-Verlag 2003, ISBN 3-351-02548-3
  • Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Gerhard Herm: Der Balkan. Das Pulverfa√ü Europas. Econ Verlag GmbH, D√ľsseldorf / Wien / New York / Moskau, 1993, S. 320, ISBN 978-3-430-14445-2
  2. ‚ÜĎ Balkanhalbinsel-Definition bei www.rastko.org
  3. ‚ÜĎ Quelle zur Triest-Odessa-Linie
  4. ‚ÜĎ Edgar H√∂sch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen: Lexikon zur Geschichte S√ľdosteuropas, B√∂hlau Verlag, Wien, K√∂ln, Weimar 2004, S. 81/82

Weblinks

 Commons: Balkanhalbinsel ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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  • Balkanhalbinsel ‚ÄĒ D‚úďBaŐ£l|kan|halb|in|sel, BaŐ£l|kan Halb|in|sel ‚Ķ   Die deutsche Rechtschreibung

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