Tabak

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Tabak
Tabak
Tabakfeld

Tabakfeld

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: NachtschattengewÀchse (Solanaceae)
Gattung: Tabak
Wissenschaftlicher Name
Nicotiana
L.

Tabak (Nicotiana) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der NachtschattengewĂ€chse (Solanaceae), zu der auch die Tomate, Kartoffel und Tollkirsche gehören. Tabak gelangte durch die Ankunft der EuropĂ€er in Amerika in die restliche Welt. Der französische Gesandte in Portugal Jean Nicot sorgte fĂŒr die EinfĂŒhrung des Tabaks als Heilpflanze in Frankreich, nach ihm wurde spĂ€ter der Gattungsname der Tabakpflanze „Nicotiana“ und gleichzeitig der wichtigste Inhaltsstoff Nikotin benannt. Heutzutage sind 75 Nicotiana-Arten bekannt. Die Tabakpflanzen erzeugen in den Wurzeln das Alkaloid Nikotin, welches sie in den BlĂ€ttern einlagern und das dort der Abwehr von Fraßinsekten dient. Aufgrund des hohen Gehalts an Nikotin wird Tabak heute als Droge eingestuft, frĂŒher jedoch ausschließlich als Genussmittel.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Vegetative Merkmale

In der Gattung Tabak existieren sowohl Arten, die als kleine einjĂ€hrige oder ausdauernde krautige Pflanzen mit einer GrĂ¶ĂŸe von 0,1 bis 0,3 m wachsen, aber auch grĂ¶ĂŸere, weichholzige StrĂ€ucher, die bis zu 2 m hoch werden und selten auch BĂ€ume mit einer GrĂ¶ĂŸe von bis zu 10 m. Gelegentlich verbreiten die Pflanzen einen ĂŒblen Geruch. Die Wurzeln sind nicht selten brutkörpertragend, in den Sprossen und BlĂ€ttern ist Kristallsand zu finden, das Phellogen wird unter der Epidermis ausgebildet, das innere Phloem ist faserig. Die drĂŒsigen Trichome bilden fast ausschließlich mehrzellige Köpfe; es kommen jedoch auch einzellige Köpfe vor.

Die BlĂ€tter sitzen an einem Blattstiel oder sind blattstiellos, oftmals bilden die basalen stĂ€ngelstĂ€ndigen BlĂ€tter unterschiedliche Formen aus, wobei die stĂ€ngelstĂ€ndigen BlĂ€tter meist kleiner sind und in die Brakteen der BlĂŒtenstĂ€nde ĂŒbergehen können. Die BlattrĂ€nder sind ganzrandig oder gewellt. Sie sind (2) 8 bis 15 (100) cm lang, die Blattstiele sind kĂŒrzer als die BlĂ€tter und gleichmĂ€ĂŸig geschwungen.

BlĂŒtenstĂ€nde und BlĂŒten

Die BlĂŒtenstĂ€nde sind terminale, vielblĂŒtige Dolden, selten sind die BlĂŒten auch mit LaubblĂ€ttern statt Brakteen verbunden. Die BlĂŒten sind duftlos oder duftend, oftmals in den Abendstunden aufblĂŒhend, bei Sonnenlicht wieder schließend oder offenbleibend; es existieren auch selbstbestĂ€ubende Arten. Der Kelch ist radiĂ€rsymmetrisch oder seltener auch zygomorph, mit fĂŒnf gleichlangen oder ungleichmĂ€ĂŸigen linearen, dreieckigen oder pfriemförmigen Kelchblattlappen. Die Lappen sind normalerweise kĂŒrzer als der urnenförmig, zylindrisch oder glockenförmig verwachsene Teil des Kelches, nur in Ausnahmen sind sie gleich lang. Die radiĂ€rsymmetrische oder zygomorphe BlĂŒtenkrone ist fĂŒnfzĂ€hlig; 5 bis 90 mm lang, trichterförmig, röhrenförmig oder stieltellerförmig und sehr vielfĂ€ltig gefĂ€rbt. Die Kronblattlappen besitzen einen eingebuchteten Rand. Die fĂŒnf StaubblĂ€tter können innerhalb oder außerhalb der BlĂŒte enden, die StaubfĂ€den sind gerade oder stark knieförmig gebogen; haben innerhalb einer BlĂŒte die gleiche LĂ€nge oder kommen in zwei LĂ€ngen (4 + 1) oder drei LĂ€ngen (2 + 2 +1) vor. Die Antheren sind dorsal fixiert, können gelb, grĂŒn oder violett sein, sind 1,2 bis 2,3 mm lang und sind dann fast kreisförmig oder 3,5 bis 5,5 mm lang und dann mit eiförmiger, verkehrt eiförmiger oder lĂ€nglicher Form.

FrĂŒchte und Samen

Die Samenkapseln sind scheidewandspaltig-fachspaltig, 4 bis 20 (28) mm lang und enthalten meist zwischen 100 und 5000 Samen. Die Samen sind 0,4 bis 1,3 mm lang, fast kugelförmig, nierenförmig oder nahezu nierenförmig, manchmal verlĂ€ngert; die Tausendkornmasse betrĂ€gt 0,1 Gramm.

Inhaltsstoffe

Die bedeutendsten sekundÀren Pflanzenstoffe der Nicotiana-Arten sind zu den Nikotinoiden zÀhlende Alkaloide. In 54 aus 64 untersuchten Arten war Nikotin eines der am stÀrksten vertretenen Alkaloide, in 28 Arten davon sogar das Alkaloid mit der höchsten Konzentration. Nornicotin konnte in 32 der 64 untersuchten Arten festgestellt werden, nur in acht Arten war es das Hauptalkaloid, meist wenn Nikotin oder andere Alkaloide als wichtige Alkaloide fehlten. In drei Arten konnte auch Anabasin als Hauptalkaloid festgestellt werden.[1]

An den Arten Nicotiana tabacum und Nicotiana rustica konnte nachgewiesen werden, dass mit 97 % der grĂ¶ĂŸte Anteil des Nikotins in den Wurzeln gebildet wird. Über das Xylem wird es in alle anderen Pflanzenteile transportiert und neben den Wurzeln auch in den jungen BlĂ€ttern, StĂ€ngeln und BlĂŒten abgelagert. Der Anteil an Nikotin in den getrockneten, unbehandelten BlĂ€ttern der hauptsĂ€chlich fĂŒr den Tabakanbau kultivierten Arten Nicotiana tabacum und Nicotiana rustica liegt meist zwischen 0,5 und 8 %, jedoch wurden in Nicotiana tabacum auch bis zu 10 % und in Nicotiana rustica bis zu 18 % Nikotin nachgewiesen. In den anderen Arten variiert der Gesamtanteil an Alkaloiden in den getrockneten Pflanzenteilen zwischen 0,003 % und 2,96 % in den BlĂ€ttern und 0,027 % und 2,46 % in den Wurzeln.[1]

Ökologie

Innerhalb der Gattung existiert eine große Vielfalt an BestĂ€ubungsmechanismen. So tritt Ornithophilie (BestĂ€ubung durch Vögel, beispielsweise bei Nicotiana africana und Nicotiana langsdorfii), Chiropterophilie (BestĂ€ubung durch FledermĂ€use, beispielsweise bei Nicotiana otophora), Sphingophilie (BestĂ€ubung durch SchwĂ€rmer, beispielsweise bei Nicotiana sylvestris und Nicotiana alata) und Psychophilie (BestĂ€ubung durch Tagfalter, beispielsweise bei Nicotiana forgetiana) auf.

Tabak ist eine Pflanze der Subtropen mit hoher WĂ€rmebedĂŒrftigkeit und geringer KĂ€ltetoleranz. Unter 15 Â°C ist das Wachstum gehemmt, bei 0 Â°C werden die BlĂ€tter geschĂ€digt, bei −3 Â°C sterben die Pflanzen. FĂŒr einen guten Wuchs benötigt die Tabakpflanze neben WĂ€rme genĂŒgend Feuchtigkeit, dies sind allerdings auch die besten Voraussetzungen fĂŒr die verbreiteten Krankheiten des Tabaks. Leichter Wind steht dem Pilzbefall entgegen, starker Wind und Hagel zerstören die BlĂ€tter und machen sie fĂŒr die Verarbeitung unbrauchbar.

Der Tabakblauschimmel (Peronospora tabacina) ist die gefĂ€hrlichste und eine auf der ganzen Welt verbreitete Krankheit. Im Jahr 1960 trat er erstmals in Europa auf und vernichtete in diesem Jahr einen Großteil der Ernte. Auf der Blattunterseite bildet sich der fĂŒr die Peronospora-Pilze typische graublĂ€uliche Belag, es entstehen Löcher in den BlĂ€ttern die eine Verwendung als Rohstoff fĂŒr Zigarren und Zigaretten verhindert. BekĂ€mpft werden kann diese Krankheit nur durch den prophylaktischen Einsatz von Fungiziden und durch eine Fruchtfolge, in der Tabak frĂŒhestens nach drei Jahren wieder auf der gleichen FlĂ€che angebaut wird.

Weitere pilzliche Krankheiten sind die WurzelbrÀune (Thielaviopsis basicola) und Sclerotinia-Krankheit (Sclerotinia sclerotiorum), die Bakterien-Krankheit Wildfeuer (Pseudomonas tabaci) sowie verschiedene Viruskrankheiten insbesondere Tabakmosaikvirus (Tabacco mosaic virus).

Ein verbreitetes Unkraut im Tabakanbau Europas ist der schwer bekÀmpfbare Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense); der Schmarotzer Kleiner Sommerwurz (Orobanche minor) schÀdigt die Pflanzen durch Entzug wichtiger NÀhrstoffe.

SchĂ€dlinge des Tabaks sind Engerlinge (Larven der Mai- und JunikĂ€fer; Melolontha melolontha), DrahtwĂŒrmer (Agriotes spp.), Schnecken (Deroceras sp.), StĂ€ngelĂ€lchen (Ditylenchus dipsaci) und die Wanderheuschrecke (Locusta migratoria).

Ein weiterer SchĂ€dling der Tabakpflanze ist die Raupe des TabakschwĂ€rmers (Manduca sexta), die gegen das Nervengift Nikotin unempfindlich ist. Die Pflanze reagiert auf den Speichel der Raupe mit einem Ausstoß des Hormons JasmonsĂ€ure, bereits nach fĂŒnf bis zehn Minuten im ganzen befallenen Blatt, nach 30 Minuten in der kompletten Pflanze. An der Blattwunde strömen daraufhin GrĂŒne Blattduftstoffe aus, die kilometerweit durch die Luft getragen werden. Nach einer Stunde werden in der Tabakpflanze Abwehrmechanismen aktiviert, so dass nach etwa fĂŒnf Stunden die Produktion von fĂŒr die Raupe des TabakschwĂ€rmers verdauungsstörenden Proteinen beginnt. Nach insgesamt zehn Stunden sendet die Pflanze einen ganzen Cocktail von Duftstoffen aus, der eine bestimmte Wespenart anlockt, welche ihre Eier parasitĂ€r in den Raupen des TabakschwĂ€rmers ablegt. Besonders bei den Wildformen des Tabaks nehmen Nachbarpflanzen ebenfalls das Ausströmen der Botenstoffe wahr und reagieren mit einem frĂŒhzeitigen Umschalten ihrer Gene.

Systematik

Äußere Systematik

Die Systematiken der NachtschattengewÀchse nach William D'Arcy und Armando Hunziker ordnen die Gattung in die Unterfamilie Cestroideae nahe den Gattungen Petunia und Fabiana ein. Phylogenetische, molekularbiologische Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Gattung an basaler Stelle einer Klade steht, die daneben die australische Tribus Anthocercideae, bestehend aus den Gattungen Anthocercis, Anthotroche, Crenidium, Cyphanthera, Duboisia, Grammosolen und Symonanthus, enthÀlt. In der phylogenetisch orientierten Systematik nach Richard Olmstead bildet diese Gruppe die Unterfamilie Nicotianoideae, die als Schwesterklade der Unterfamilie Solanoideae platziert ist.[2][3]

     ┌── Nicotiana
  ┌───
  │  └── Anthocercideae
───
  └───── Solanoideae 

Kladogramm vereinfacht nach [3]

Innere Systematik

Innerhalb der Gattung Nicotiana werden 75 natĂŒrlich vorkommende Arten unterschieden, die in 13 Sektionen eingeteilt werden. Molekularbiologische Untersuchungen haben ergeben, dass die Sektion Polydicliae nicht monophyletisch ist, sondern die Arten der Sektion Trigonophyllae enthĂ€lt.[2]

Anbau

Staaten mit Rohtabakernten von ĂŒber 100.000 Tonnen. Chinas Anteil an der Welttabakernte betrĂ€gt ca. 38 %.
TabakblĂŒte

Der Tabakanbau ist der landwirtschaftliche Anbau von Tabak als Nutzpflanze zur Gewinnung von Rohtabak aus den geernteten und getrockneten BlĂ€ttern, teilweise auch aus den ganzen Pflanzen. Wegen der großen AnpassungsfĂ€higkeit der subtropischen Pflanze wird Tabak bis in die gemĂ€ĂŸigten Zonen von 38° sĂŒdlicher Breite bis 56° nördlicher Breite angebaut. Die wichtigsten Anbaugebiete sind Volksrepublik China, Nord-, Mittel- und SĂŒdamerika, SĂŒdostasien, Vorderasien/Balkan und Europa.

Zu Anfang des 21. Jahrhundert lagen fast 90 % der AnbauflĂ€chen in den sĂŒdlichen LĂ€ndern. Besonders in den Niedrig- und MitteleinkommenslĂ€ndern der tropischen und subtropischen Landschaftszonen in Afrika, Lateinamerika und Asien, den Schwellen- und EntwicklungslĂ€ndern des SĂŒdens, nimmt der Tabakanbau zu. Im Zeitraum 1961–2002 ist die AnbauflĂ€che in der „Ersten Welt“ um 60 % gefallen und stieg in der gleichen Zeitspanne in der „Dritten Welt“ um ca. 60 % an. Beispiele fĂŒr extreme Anbauzunahme ist Malawi mit Verdoppelung und Tansania mit Versechsfachung in 40 Jahren. Der Tabakanbau fĂŒhrt in den afrikanischen Anbaugebieten zu verstĂ€rkter Abholzung von WĂ€ldern, Humusabbau des Bodens und starker wirtschaftlicher AbhĂ€ngigkeit von den TabakaufkĂ€ufern. [4]

Der Tabakanbau in Europa wurde von der EuropĂ€ischen Union mit Subventionen von bis zu 1 Milliarde Euro jĂ€hrlich gefördert.[5] Davon entfielen rund 150 Millionen Euro auf den Tabakanbau in Deutschland. Ab 2005 wurden 20 Prozent der EU-Zahlungen gezielt dafĂŒr eingesetzt, die Tabakbauern zum Umsteigen auf andere Erzeugnisse zu ermuntern. Im Jahr 2010 wurde die Subventionierung des Tabakanbaus in der EU eingestellt; Umstellungsbeihilfen können noch lĂ€ngstens bis 2013 beantragt werden.[6]

Welternte und Handel von Rohtabak

Im Jahr 2000 betrug die weltweite Rohtabakernte in 120 Staaten auf einer AnbauflĂ€che von 4,1 Millionen Hektar rund 7,4 Millionen Tonnen. Die Volksrepublik China war mit 1,5 Millionen Hektar AnbauflĂ€che und einem Produktionsanteil von 2,6 Millionen Tonnen der weltgrĂ¶ĂŸte Tabakanbauer.[7]

Staat/Staatenverbund AnbauflÀche in
Tausend Hektar
Produktion in
Tausend Tonnen[8]
Volksrepublik China 1500 2686
Brasilien 500 879
Indien 400 598
USA (gesch.) 250 290
EuropÀische Union 180 (gesch.) 200
TĂŒrkei 100 140
Tabakhandel im Jahr 2004
Staat Import in
Mill. US-Dollar
Export in
Mill. US-Dollar
Japan 2.866 253
Frankreich 2.258 851
Italien 2.041 276
Deutschland 1.950 2.951
Spanien 1.912 222
China 1.473 1.170
USA 1.343 2.654
Niederlande 1.298 3.784
Summe aller aufgefĂŒhrten LĂ€nder 15.141 14.815

Vereinigte Staaten von Amerika

Auf dem Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten wurde Tabak von Indianern, die ihn als Genussmittel, als spirituelle Droge und fĂŒr medizinische Zwecke verwendeten, bereits lange vor der Ankunft der EuropĂ€er geerntet.[9] Die Spanier ĂŒbernahmen die Verwendung als Genussmittel schnell und fĂŒhrten den Tabak 1518 in Europa ein. Als in der Kolonie Virginia 1607 die ersten englischen Siedler landeten, war Tabak auch in England bereits bekannt und stark nachgefragt. Anstelle der wilden Tabakpflanzen, die die Indianer verwendeten, setzte sich auf den Tabakfeldern der weißen Siedler jedoch eine mildere Tabakart durch, die der EnglĂ€nder John Rolfe um 1612 illegal aus Spanisch-Amerika eingefĂŒhrt hatte. Tabak wurde im 17. Jahrhundert zum wichtigsten Exportprodukt von Virginia. Bis 1619 wurden ĂŒber Jamestown 10 Tonnen Tabak nach Europa verschifft, bis 1639 wurden es 750 Tonnen. Aufgrund seiner guten VerkĂ€uflichkeit galt Tabak als so wertvoll, dass er in Virginia weithin als Zahlungsmittel anerkannt war.

Die Siedler hatten den Tabak anfangs nur als eintrĂ€gliche Nebenerwerbsquelle neben der Landwirtschaft angebaut, legten dann jedoch bald Plantagen an, deren hoher Bedarf an ArbeitskrĂ€ften zunĂ€chst vor allem durch Schuldknechte gedeckt wurde. Nachdem viele Schuldknechte 1676 an Bacon's Rebellion teilnahmen, ersetzten die Pflanzer ihre ArbeitskrĂ€fte durch Sklaven. Als der erste Tabakpflanzer in Virginia, der seine Plantage mit Sklaven bewirtschaftete, gilt William Fitzhugh (1741–1809). Die Pflanzer in Virginia waren nicht die ersten Sklavenhalter auf dem spĂ€teren Staatsgebiet der Vereinigten Staaten, sie waren jedoch die ersten, deren Nachfrage nach billigen ArbeitskrĂ€ften so groß war, dass sie Sklaven direkt aus Afrika zu importieren begannen und damit am Atlantischen Dreieckshandel teilnahmen. Sie waren auch die ersten, die ihre Sklaven im berĂŒchtigten Kolonnensystem einsetzten. Die Arbeit auf den Tabakplantagen war außerordentlich hart und erstreckte sich ĂŒber den grĂ¶ĂŸten Teil des Jahres, anders als die Baumwollproduktion im Tiefen SĂŒden umfasste sie jedoch viele ArbeitsgĂ€nge, die von den Sklaven Spezialkenntnisse und besondere Erfahrung verlangten. Auch FĂ€sser, Scheunen und Rollwagen wurden bei der Tabakproduktion benötigt, sodass Sklaven sich z. B. als KĂŒfer, Schreiner oder Wagenbauer qualifizieren konnten und damit die Möglichkeit erlangten, in der Hierarchie der Plantage zumindest in bescheidenem Umfang aufzusteigen.[10]

Die amerikanischen Bundesstaaten, in denen heute die grĂ¶ĂŸten Mengen Tabak angebaut werden, sind North Carolina, Kentucky, Tennessee, Virginia, South Carolina und Georgia. In geringerem Umfang wird Tabak auch in Ohio, Indiana, Florida, Maryland, Pennsylvania, Missouri, West Virginia und Alabama produziert.[11] Im Jahr 2005 wurden in den USA 0,47 Mio Tonnen Tabak produziert. Mit 7 % des weltweit produzierten Tabaks waren die Vereinigten Staaten – nach der Volksrepublik China, Indien und Brasilien – der viertgrĂ¶ĂŸte Tabakproduzent der Welt. Konsumiert wurden in den USA zur selben Zeit 0,43 Mio Tonnen Tabak; das entspricht 6,2 % der Tabakproduktion weltweit (zum Vergleich: der Anteil der Einwohner der USA an der Weltbevölkerung betrĂ€gt ca. 4,6 %). Nach der Volksrepublik China, der EuropĂ€ischen Union und Russland waren die USA damit der fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte Tabakverbraucher weltweit. Das grĂ¶ĂŸte amerikanische Unternehmen, das Tabakerzeugnisse fĂŒr den amerikanischen Markt produziert, ist Philip Morris USA, ein Tochterunternehmen der Altria Group, zu dem auch das fĂŒr den internationalen Markt produzierende Unternehmen Philip Morris International gehört. Weitere große amerikanische Hersteller von Tabakerzeugnissen sind Reynolds American, die Lorillard Tobacco Company und die Liggett Group. Stark verbreitet ist in den USA auch der Konsum von Smokeless Tobacco, dessen grĂ¶ĂŸter Hersteller die in Stamford, Connecticut ansĂ€ssige U.S. Smokeless Tobacco Company ist.

Deutschland

→ Hauptartikel: Tabakanbau in Deutschland

Der Tabakanbau Deutschlands hatte im Weltmarkt immer nur eine untergeordnete Bedeutung. Wenngleich er im 20. Jahrhundert bis zu 200.000 Bauernfamilien Arbeit und Brot sicherte, so war doch höchstens 1 % des Weltanbaus deutschen Ursprungs. Bis Ende der 1960er Jahre war auch der Tabakanbau zur Selbstversorgung in Deutschland recht gebrĂ€uchlich. In Deutschland wird (2011) Tabak nur noch auf wenigen FlĂ€chen in Baden zwischen Mannheim und Lahr, in Mittelsachsen und in der SĂŒdpfalz angebaut. DarĂŒber hinaus wird verstĂ€rkt versucht, den noch verbliebenen Tabakanbauern den Umstieg auf alternative Nutzpflanzen zu erleichtern.

Nutzung

Bis ins 17. Jahrhundert hatte Tabak eine Bedeutung als Heilpflanze in der Augenheilkunde. Als Nutzpflanze haben derzeit (2007) nur zwei Arten wirtschaftliche Bedeutung, die zahlreiche VarietĂ€ten bilden und aus denen viele Sorten gezĂŒchtet wurden. Die verbreitetste Art ist der Virginische Tabak (Nicotiana tabacum), zu dem nahezu alle heute angebauten Sorten gehören. Die Tabakernte (2007) wird nach entsprechender Verarbeitung weit ĂŒberwiegend fĂŒr Zigaretten genutzt. In Deutschland waren bis Ende des 20. Jahrhunderts die Sorten „Friedrichstaler“, „Havanna“, „Geudertheimer“ und „Burley“ verbreitet. Dies sind dunkle Sorten, die fĂŒr Zigarren und als Beimischung zu dunklen Zigaretten Verwendung fanden. Virginia ist eine aktuelle Sorte die als Beimischung in helle Zigaretten-Marken verwendet wird. Vereinzelt wird außerdem noch Bauern-Tabak (Nicotiana rustica) angebaut. DarĂŒber hinaus gibt es zahlreiche Arten und Sorten, die als Zierpflanzen Verwendung finden. In der Pharma-Forschung laufen intensive Untersuchungen, kĂŒnftig mit speziell gezĂŒchteten Tabaksorten Rohstoffe fĂŒr Medikamente herzustellen.

Tabakwaren

Heller Tabak
Feinschnitttabak

Die getrockneten, kurierten und gerebelten Tabak-BlĂ€tter (Rauchkraut) können in Tabakspfeifen oder gedreht als Zigaretten, Zigarillos und Zigarren geraucht werden. Das giftige, suchtauslösende Nikotin wird dabei zu großen Teilen verbrannt; nur ein geringer Anteil verdampft und wird inhaliert. Weniger verbreitet ist der Konsum in Form von Smokeless Tobacco, Snus, Kautabak und Schnupftabak. Bereits der Verzehr geringer Mengen kann wegen des hohen Nikotinanteils zum Tod durch AtemlĂ€hmung fĂŒhren. Der Konsum durch Inhalation, Schnupfen oder Kauen ist ebenfalls mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden die von Herz-Kreislauf-Problemen, ĂŒber Durchblutungsstörungen und Impotenz, bis hin zu verschiedensten Karzinomformen reichen können. Mehrere dieser Risiken sind auch mit dem Passivrauchen verbunden.
Der Konsum von Tabakwaren erhöht signifikant das Risiko einer NikotinabhÀngigkeit.

Insektizid

Nach seiner Entdeckung 1763 wurde das Nikotin als Insektizid zur SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung genutzt, indem „TabakbrĂŒhe“, ein Sud aus TabakblĂ€ttern, gegen Insekten eingesetzt wurde. Da von dieser Maßnahme auch schonungswĂŒrdige NĂŒtzlinge betroffen werden und wegen der stark gesundheitschĂ€dlichen Wirkung des Nikotins als Nervengift, wird diese Methode nicht mehr verwendet. Trotzdem wird es weiterhin als Hausmittel gegen BlattlĂ€use an Zimmerpflanzen thematisiert.

Wald-Tabak

Zierpflanzen

Tabakarten und -sorten werden auch als Schmuckpflanzen angebaut. Unter diesen gibt es Wildarten wie den bis zu 1,7 m hohen, nachts stark duftenden Wald-Tabak (Nicotiana sylvestris) mit langen weißen BlĂŒtenröhren oder die vielen Sorten des Ziertabaks Nicotiana x sanderae, einer Kreuzung aus dem rotblĂŒhenden N. forgetiana und dem weißblĂŒhenden N. alata. Aus dieser Kreuzung entstanden Nachkommen in vielen Farbtönen und in unterschiedlichen Wuchshöhen, teils immerduftend, teils nachtduftend oder auch ohne Duft. Der „Scharlachkönig“ ist eine dunkel scharlachrot blĂŒhende, etwa 60 cm hohe Sorte.

ParfĂŒmerie

In HerrenparfĂŒms werden Tabaknoten gerne eingesetzt. FĂŒr echte Effekte sind Absolues aus echten TabakblĂ€ttern unerlĂ€sslich. Absolues werden durch Extraktion ĂŒber das ConcrĂšte gewonnen.

Pharmapflanzen

Der Tabak gehört zu denjenigen Pflanzen, deren Genom am besten erforscht ist. Er wird in der Gentechnik-Forschung bevorzugt, weil er weder von Mensch noch Tier verzehrt wird und deshalb nicht versehentlich in die Nahrungskette gelangen kann. Durch VerÀnderungen des Erbgutes entstand beispielsweise nikotinfreier Tabak; die Produktion von Medikamenten in Tabakpflanzen ist inzwischen ein ernsthafter und erfolgreicher Forschungszweig.

Geschichte des Konsums

Junger Mann mit Pfeife (Michel Gobin, 17. Jh.)

→ Hauptartikel: Geschichte des Tabakkonsums

Die Geschichte des Tabakkonsums in Europa reicht bis ins Jahr 1492 zurĂŒck, als Christoph Kolumbus Amerika entdeckte. Die dort lebenden Einwohner hatten schon das Tabakrauchen gekannt. Im Laufe der Jahre hat sich der Konsum sehr verĂ€ndert. So gibt es verschiedene Konsumformen, Marken, so dass gar eine eigene Marktbranche entstand. Mit der Verbreitung ist auch die Kritik aufgekommen, so dass viele LĂ€nder das Rauchen an verschiedenen Orten gesetzlich verbieten.

Siehe auch

Literatur

  • B. Hortmann: Der Tabakbau. J.L. Romen'sche Buchhandlung, Emmerich, 1855
  • Jacob Wolf: Der Tabak und die Tabakfabrikate. Leipzig 1912.
  • Manfred G. Raupp: Die Entwicklung des Tabakanbaus in Deutschland unter besonderer BerĂŒcksichtigung der Entwicklung in der Gemeinde Staffort. NĂŒrtingen 1962.
  • Armando Hunziker: The Genera of Solanaceae. A.R.G. Gantner Verlag K.G., Ruggell, Liechtenstein 2001. ISBN 3-904144-77-4.
  • Arnold Hauck: Duwaggbreche in Stutensee. Stutensee Hefte, Stadt Stutensee 2003.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Eckart Eich: Solanaceae and Convolvulaceae: Secondary Metabolites Biosynthesis, Chemotaxonomy, Biological and Economic Significance (A Handbook). Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, 2008. ISBN 978-3-540-74540-2. doi:10.1007/978-3-540-74541-9
  2. ↑ a b c James J. Clarkson et al.: Phylogenetic relationships in Nicotiana (Solanaceae) inferred from multiple plastid DNA regions. In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Band 33, 2004. Seiten 75–90.
  3. ↑ a b Richard G. Olmstead und Lynn Bohs: A Summary of Molecular Systematic Research in Solanaceae: 1982–2006. In: D.M. Spooner et al. (Hrsg.): Solanaceae VI: Genomics Meets Biodiversity, ISHS Acta Horticulturae 745, Juni 2007. ISBN 978-90-6605-427-1.
  4. ↑ Regenwald Report 1.Quartal 2003 Seite 4, SĂŒdwind-magazin 09/2004 Seite 27 und 34 sowie ZEIT vom 6. Juni 2005
  5. ↑ SĂŒĂŸer Abschied vom kratzigen Rauch: UniversitĂ€t Hohenheim erforscht Job-Alternativen fĂŒr Tabak-Bauern, Information der UniversitĂ€t Hohenheim 2008
  6. ↑ Proplanta: Adieu Tabak hallo Petersilie
  7. ↑ Projections of Tobacco Production, consumption and trade to the year 2010. Studie der ErnĂ€hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, Rom 2003.
  8. ↑ http://www.fao.org/es/ess/top/commodity.html?lang=en&item=826&year=2005 FAO Statistik Rom 2005]
  9. ↑ Die Pfeifen der nordamerikanischen Indianer
  10. ↑ Tobacco and Slavery in the Virginia Colony; William Fitzhugh; A Brief History of Jamestown, Virginia; Ira Berlin: Generations of Captivity: A History of African-American Slaves, Cambridge, London: The Belknap Press of Harvard University Press, 2003, ISBN 0-674-01061-2, S. 178
  11. ↑ Top tobacco states spend tobacco settlement differently; Phase II of the Tobacco Settlement (pdf)

Weblinks

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