Taktizität

Die Taktizität (griech. taxis - Anordnung), auch Stereoregularität, beschreibt die in bestimmten Intervallen wiederkehrende Anordnung von Seitenketten in einem Polymer. Prinzipiell kann Taktizität nur bei Polymeren auftreten, die aus asymmetrischen Monomeren aufgebaut sind, so z. B. bei Polypropylen oder Polystyrol, jedoch nicht bei Polyethylen oder Polytetrafluorethylen.

Einteilung

Man unterscheidet drei Grundtypen der Taktizität:

  • isotaktisch ist ein Polymer, wenn alle Reste in eine Richtung zeigen

Struktur des isotaktischen Polypropylens (R = CH3)

  • syndiotaktisch, wenn die Reste abwechselnd (alternierend) nach vorne oder hinten zeigen und

Struktur des syndiotaktischen Polypropylens (R = CH3)

  • ataktisch bei einer zufälligen räumlichen Anordnung der Reste.

Struktur des ataktischen Polypropylens (R = CH3)

Mögliche Taktizitäten von Polystyrol.

Die Beurteilung der Taktizität eines Polymers kann ebenfalls über die Betrachtung der Diaden-Abfolge, d. h. über die räumliche Anordnung von zwei aufeinanderfolgenden Seitengruppen, erfolgen. Orientiert man die Kettenatome des Polymers koplanar in einer Zickzack-Anordnung, so erhält man eine m-Diade (von meso), wenn zwei aufeinanderfolgende Reste auf der gleichen Seite der Kette liegen. Liegen die Reste dagegen auf unterschiedlichen Seiten, liegt eine r-Diade (von racemisch) vor. Besitzt ein Polymer nur m-Diaden - dann liegen alle Reste auf einer Seite - ist es wiederum isotaktisch, ein vollständig aus r-Diaden aufgebautes Polymer ist syndiotaktisch. Bei einem ataktischen Polymer finden sich die m- und r-Diaden in zufälliger Anordnung. Eine Sonderform sind mesotaktische Polymere, diese weisen sowohl taktische (syndiotaktisch oder isotaktisch) und ataktische Sequenzen gleichzeitig auf.

Auswirkungen

Die Taktizität eines Polymers beeinflusst seinen räumlichen Aufbau. Je gleichmässiger der Aufbau ist, desto leichter ist die Ausbildung einer Kristallstruktur. Der Grad dieser Kristallinität beeinflusst wiederum fast alle Eigenschaften des Kunststoffes, wie Härte, Sprödigkeit, Formbeständigkeit oder Schmelzpunkt.

Bei einigen Kunststoffen wird die Taktizität ihrer besonderen Bedeutung wegen mit in das Kurzzeichen aufgenommen. So steht z. B. beim Polypropylen iPP für isotaktisches Polymer und aPP für ataktisches Polymer. Normales PP-Homopolymer (PP-H) enthält neben isotaktischen auch ataktische Kettensegmente.

Amorphe Thermoplaste wie PVC und PS sind in der Regel ataktisch. Vom Polystyrol existieren auch iso- (iPS) und syndiotaktische (sPS) Varianten, die kristallisationsfähig sind und sich durch hohe Schmelztemperaturen auszeichnen, da die zwischenmolekularen Wechselwirkungen van-der-Waals-Kräfte in den dicht gepackten kristallinen Bereichen stärker sind als in den amorphen Bereichen.

Beeinflussen lässt sich die Taktizität eines Polymers durch die Auswahl der zur Polymerisation verwendeten Katalysatoren. So erhält man bei Verwendung von Ziegler-Natta-Katalysatoren weitgehend isotaktische Polymere. Vollständig isotaktische Polymere werden durch eine Stereospezifische Katalyse erhalten.


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Taktizität — Tak|ti|zi|tät 〈f. 20〉 die sich wiederholenden Einheiten in der Hauptkette eines Makromoleküls * * * Tak|ti|zi|tät [↑ taktisch] in der makromol. Chemie Bez. für Vorhandensein u. Eigenart der Regelmäßigkeit, mit der konfigurative Repetiereinheiten… …   Universal-Lexikon

  • Taktizität — Tak|ti|zi|tät die; <zu ↑Taktik u. ↑...izität> sich in bestimmten Intervallen wiederholende Anordnung der Seitenketten eines ↑Polymers (Chem.) …   Das große Fremdwörterbuch

  • Ataktisch — Die Taktizität (griech. taxis Anordnung), auch Stereoregularität, beschreibt die in bestimmten Intervallen wiederkehrende Anordnung von Seitenketten in einem Polymer. Prinzipiell kann Taktizität nur bei Polymeren auftreten, die aus asymmetrischen …   Deutsch Wikipedia

  • Isotaktik — Die Taktizität (griech. taxis Anordnung), auch Stereoregularität, beschreibt die in bestimmten Intervallen wiederkehrende Anordnung von Seitenketten in einem Polymer. Prinzipiell kann Taktizität nur bei Polymeren auftreten, die aus asymmetrischen …   Deutsch Wikipedia

  • Isotaktisch — Die Taktizität (griech. taxis Anordnung), auch Stereoregularität, beschreibt die in bestimmten Intervallen wiederkehrende Anordnung von Seitenketten in einem Polymer. Prinzipiell kann Taktizität nur bei Polymeren auftreten, die aus asymmetrischen …   Deutsch Wikipedia

  • Syndiotaktisch — Die Taktizität (griech. taxis Anordnung), auch Stereoregularität, beschreibt die in bestimmten Intervallen wiederkehrende Anordnung von Seitenketten in einem Polymer. Prinzipiell kann Taktizität nur bei Polymeren auftreten, die aus asymmetrischen …   Deutsch Wikipedia

  • Kristallinität — Die Kristallisation von Polymeren ist bei einigen thermoplastischen Kunststoffen zu beobachten. Hier kommt es beim Erstarren der Schmelze zu einer teilweisen Ordnung der Molekülketten im Polymer. Ausgehend von Kristallisationskeimen lagern sich… …   Deutsch Wikipedia

  • Kristallinitätsgrad — Die Kristallisation von Polymeren ist bei einigen thermoplastischen Kunststoffen zu beobachten. Hier kommt es beim Erstarren der Schmelze zu einer teilweisen Ordnung der Molekülketten im Polymer. Ausgehend von Kristallisationskeimen lagern sich… …   Deutsch Wikipedia

  • Kristallisationsgrad — Die Kristallisation von Polymeren ist bei einigen thermoplastischen Kunststoffen zu beobachten. Hier kommt es beim Erstarren der Schmelze zu einer teilweisen Ordnung der Molekülketten im Polymer. Ausgehend von Kristallisationskeimen lagern sich… …   Deutsch Wikipedia

  • Brintzinger — Hans Herbert Brintzinger (* 29. April 1935 in Jena) ist ein deutscher Chemiker. Inhaltsverzeichnis 1 Leben und Werk 2 Veröffentlichungen 3 Auszeichnungen 4 Literatur 5 Weblinks …   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.