Tamil Nadu

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Tamil Nadu
Tamil Nadu - ŗģ§ŗģģŗģŅŗģīŗĮć ŗģ®ŗģĺŗģüŗĮĀ
Tamil Nadu Siegel.png
Status: Bundesstaat
Hauptstadt: Chennai
Fläche: 130.058 km²
Einwohner: 72.138.958 (2011)
Bevölkerungsdichte: 555 Einwohner je km²
Amtssprache: Tamil
Gouverneur: Konijeti Rosaiah
Chief Minister: J. Jayalalithaa (AIADMK)
Website: tn.gov.in
Delhi Goa Dadra und Nagar Haveli Tamil Nadu Kerala Andhra Pradesh Arunachal Pradesh Assam Bihar Chhattisgarh Gujarat Haryana Himachal Pradesh Jammu und Kashmir Jharkhand Karnataka Madhya Pradesh Maharashtra Manipur Meghalaya Mizoram Nagaland Orissa Punjab Rajasthan Sikkim Tripura Uttarakhand Uttar Pradesh Westbengalen Andamanen und Nikobaren LakshadweepKarte
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Tamil Nadu (Tamil: ŗģ§ŗģģŗģŅŗģīŗĮć ŗģ®ŗģĺŗģüŗĮĀ TamiŠłĽ NńĀŠĻ≠u Zum Anh√∂ren bitte klicken! [ňątŐ™am…®…ĽňĆn…Ďňź…Ė…Į]) ist ein Bundesstaat Indiens. Er liegt im s√ľdlichsten Teil des Subkontinents und hat rund 72 Millionen Einwohner (Volksz√§hlung 2011) auf einer Fl√§che von 130.058 Quadratkilometern. Damit ist er gemessen an der Einwohnerzahl der siebtgr√∂√üte, der Fl√§che nach der zehntgr√∂√üte Bundesstaat Indiens. Die Hauptstadt Tamil Nadus ist Chennai (Madras).

Die Hauptsprache Tamil Nadus ist das Tamil, nach dessen Sprachgrenzen der Bundesstaat 1956 gebildet wurde. Zun√§chst trug der Bundesstaat den Namen Madras, erst 1969 erhielt er seinen heutigen Namen Tamil Nadu, der als ‚Äětamilisches Land‚Äú oder als ‚ÄěLand der tamilischen Sprache‚Äú √ľbersetzt werden kann. Tamil Nadu besitzt ein reiches eigenst√§ndiges Kulturerbe, das sich in der √ľber 2000 Jahre zur√ľckreichenden Literaturgeschichte des Tamil und der Architektur der gro√üen Tempelanlagen des Bundesstaates √§u√üert.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Lage und Ausdehnung

Topografische Karte Tamil Nadus

Tamil Nadu ist der s√ľdlichste Bundesstaat Indiens. Er nimmt den s√ľdlichen Zipfel der indischen Halbinsel ohne den K√ľstenstreifen im Westen ein. Mit einer Fl√§che von 130.058 Quadratkilometern[1] ist Tamil Nadu Indiens elftgr√∂√üter Bundesstaat und etwa so gro√ü wie Griechenland. Nachbarbundesstaaten sind Kerala im Westen, Karnataka im Nordwesten und Andhra Pradesh im Norden. An der Ostk√ľste schlie√üt Tamil Nadu die beiden zum Unionsterritoriums Puducherry geh√∂rigen Enklaven Puducherry (Pondicherry) und Karaikal ein. Im Osten und S√ľden grenzt der Bundesstaat an den Indischen Ozean, beziehungsweise dessen Nebenmeere, den Golf von Bengalen im Osten und den Golf von Mannar im S√ľdosten. Die Palkstra√üe trennt Tamil Nadu vom s√ľd√∂stlich gelegenen Inselstaat Sri Lanka. Die K√ľste ist 1076 Kilometer lang. Tamil Nadus s√ľdlichster Punkt, das Kap Komorin, ist zugleich der s√ľdlichste Punkt des indischen Festlandes.

Landschaftsgliederung

Schroffe Berge und fruchtbare Ebenen kennzeichnen das Landschaftsbild Tamil Nadus (Landschaft im Distrikt Kanyakumari)

Tamil Nadu l√§sst sich grob in zwei Naturr√§ume einteilen. Im Westen und Nordwesten bestimmen Berg- und H√ľgell√§nder das Landschaftsbild. Entlang der Westgrenze mit Kerala erheben sich die Kardamomberge, ein s√ľdlicher Ausl√§ufer der Westghats. Sie fallen besonders im √§u√üersten S√ľden schroff ab. Ein weiterer Ausl√§ufer, die Palani-Berge, ragt in die √∂stlich vorgelagerte Tiefebene hinein. Auch die durch das Palghat-Tal und das Coimbatore-Plateau abgetrennten Nilgiriberge im √§u√üersten Nordwesten sind eine Nebenkette der Westghats. Der h√∂chste Gipfel der zerkl√ľfteten Nilgiriberge, der 2636 Meter hohe Doddabetta, ist zugleich die h√∂chste Erhebung Tamil Nadus. Im Norden gehen die Nilgiriberge in die Javadi- und die h√∂heren, bis auf 1500 Meter reichenden Shevaroy-Berge, beide Nebenketten der Ostghats, √ľber.

√Ėstlich des Berglandes erstreckt sich eine breite Ebene, die von mehreren Str√∂men durchflossen wird. Im S√ľden teilen die Palani-Berge das Tiefland in die Ebene von Madurai und die in West-Ost-Richtung verlaufende Kaveriebene im mittleren Teil Tamil Nadus. Der K√ľstenstreifen n√∂rdlich des M√ľndungsdeltas des Kaveri hei√üt Koromandelk√ľste. Das Hinterland der Koromandelk√ľste wird durch die Ebene von Arcot gepr√§gt.

Gewässer

Oberlauf der Kaveri kurz nach den Hogenakal-Fällen an der Grenze zu Karnataka

Die K√ľstenebene Tamil Nadus wird von den Str√∂men Palar, Ponnaiyar, Kaveri, Valgai und Tamirabarani durchflossen, die allesamt in den niederschlagsreichen Ost- oder Westghats entspringen und daher ganzj√§hrig Wasser f√ľhren. Daneben gibt es eine Vielzahl kleinerer, zum Teil aber nur periodischer Fl√ľsse. Die 760 Kilometer lange Kaveri ist der gr√∂√üte und wichtigste Fluss. Sie durchquert von Karnataka kommend und in s√ľdlicher Richtung flie√üend die Ostghats, um s√ľdlich von Erode nach Osten abzubiegen. Rund 200 Kilometer vor der M√ľndung in den Golf von Bengalen f√§chert sie sich zu einem gro√üen Delta mit unz√§hligen Nebenarmen.

Tamil Nadu ist arm an nat√ľrlichen gr√∂√üeren Seen. Zu Energiegewinnungs- und Bew√§sserungszwecken sind an wasserreichen Fl√ľssen allerdings mehrere gro√üe Stauseen angelegt worden. Der gr√∂√üte von ihnen ist der Stanley-Stausee am Kaveri bei Mettur im Distrikt Erode, wird au√üerdem als Fischgrund genutzt, der im Durchschnitt 93 Quadratkilometer, w√§hrend der Regenzeit 153 Quadratkilometer umfasst. Es gibt zehn weitere gro√üe Stauseen mit einer maximalen Fl√§che von mehr als 10 Quadratkilometern. In vielen Trockengebieten bestehen so genannte tanks, k√ľnstlich angelegte Wassersammelbecken, die als Trinkwasservorr√§te oder f√ľr den Bew√§sserungsfeldbau genutzt werden. Insgesamt gibt es knapp 39.000 solcher tanks in Tamil Nadu.

Klima

Klimadiagramm Chennai

Das Klima Tamil Nadus ist tropisch. Die Temperatur schwankt im Jahresverlauf nur geringf√ľgig und liegt im Jahresdurchschnitt um 29 Grad Celsius im Tiefland, wo das Thermometer selten unter 20 Grad f√§llt, in den hei√üesten Monaten der Trockenzeit aber auf √ľber 40 Grad klettern kann. In den H√∂henlagen erreichen die Temperaturen 13 bis 24 Grad im Sommer und 3 bis 20 Grad im Winter.

Die Niederschlagsverh√§ltnisse werden ma√ügeblich vom Monsun beeinflusst. Im Gegensatz zum gr√∂√üten Teil Indiens ist die Hauptniederschlagszeit in Tamil Nadu der Wintermonsun zwischen September und Dezember. W√§hrend dieser Zeit nehmen die nord√∂stlichen Winde √ľber dem Golf von Bengalen Feuchtigkeit auf und bringen ergiebigen Monsunregen mit sich. Auch w√§hrend des Sommermonsuns von Juli bis September kommt es zu Regenf√§llen, doch bleibt die Niederschlagsmenge geringer, weil Tamil Nadu durch die Westghats vor den s√ľdwestlichen Winden abgeschirmt wird. Im Bergland sowie im √§u√üersten S√ľden kommt es auch w√§hrend dieser Zeit zu ergiebigen Regenf√§llen. W√§hrend der Trockenzeit zwischen Januar und Juni regnet es kaum.

F√ľr die Ebenen sind j√§hrliche Regenmengen von 900 bis 1200 mm normal. Die niedrigsten Jahresniederschlagsmengen werden mit 700 bis 850 mm in der im Regenschatten der Westghats gelegenen Tiefebene von Madurai sowie um Coimbatore verzeichnet. Allgemein ist das Klima Tamil Nadus trockener als das des westlichen Nachbarbundesstaates Kerala, da die Westghats, wo bis zu 4000 mm Jahresniederschlag fallen, als Wetterscheide wirken. Die Luftfeuchtigkeit ist jedoch ganzj√§hrig hoch.

Vegetation

In den Nilgiri-Bergen

Rund 18 Prozent der Fl√§che Tamil Nadus ist bewaldet. Aufgrund der hohen Bev√∂lkerungsdichte in den Tiefl√§ndern finden sich gr√∂√üere, zusammenh√§ngende Waldgebiete jedoch fast nur noch im Bergland. In den Lagen √ľber 1500 Meter der Nilgiri-, Palani- und Kardamomberge erstrecken sich immergr√ľne tropische Regenlaubw√§lder mit der f√ľr solche W√§lder typischen Stufengliederung. Die oberste Stufe kennzeichnen hohe, schlanke B√§ume, die teils mehr als 40 Meter hoch aufragen. Darunter gedeihen niedrigere B√§ume, am Boden schlie√ülich Str√§ucher und krautige Pflanzen. In den niedrigeren Lagen herrschen Mischlandschaften aus Grasland und ‚Äď je nach Niederschlagsmenge ‚Äď immergr√ľnem oder laubabwerfendem Feuchtwald vor. F√ľr die √úberg√§nge in die Tiefebenen sind laubabwerfende Trockenw√§lder kennzeichnend.

Im Tiefland dominieren savannenartige Grasl√§nder, die gr√∂√ütenteils in Acker- und Kulturland umgewandelt wurden. Reste der urspr√ľnglichen Trockenwaldvegetation finden sich nur vereinzelt an Flussl√§ufen und in unebenem Gel√§nde. Immergr√ľne Trockenw√§lder waren einst die kennzeichnende Vegetationsform f√ľr einen schmalen Streifen entlang der Koromandelk√ľste. Heute sind sie bis auf verstreute Haine, die weniger als ein Prozent der urspr√ľnglichen Waldfl√§che ausmachen, zerst√∂rt oder zumindest stark degradiert. In den Lagunen im M√ľndungsdelta des Kaveri, am Golf von Mannar sowie zwischen Ennur und Pulicat n√∂rdlich von Chennai gibt es noch Mangroven, die jedoch durch Eingriffe des Menschen immer weiter zur√ľckgedr√§ngt und in ihrer Artenvielfalt eingeschr√§nkt werden.

Tierwelt

Asiatischer Elefant im Mudumalai-Nationalpark

Tamil Nadu verf√ľgt √ľber eine reiche Tierwelt, die allerdings durch die starke Zersiedelung und die damit verbundene Zerst√∂rung nat√ľrlicher Lebensr√§ume bedroht ist. Die teils noch dicht bewaldeten Bergregionen im Westen und Norden sind R√ľckzugsgebiete f√ľr Asiatische Elefanten und Gro√ükatzen wie K√∂nigstiger und Leoparden. Andere S√§ugetiere umfassen unter anderem Hirsche (z. B. Sambar, Axishirsch, Muntjak), Gaure, Wildschweine, Streifenhy√§nen, Goldschakale, Rothunde, Lippenb√§ren, Schuppentiere, Languren, Hutaffen sowie zahlreiche Nagetier- und Fledermausarten. Insgesamt kommen mehr als 100 verschiedene S√§ugetierarten in Tamil Nadu vor. Mit rund 280 erfassten Spezies weitaus artenreicher sind V√∂gel, darunter Drongos, B√ľlb√ľls, Tauben, Pirole, Pfauen. An der K√ľste und in Feuchtgebieten findet man unz√§hlige Wasserv√∂gel, beispielsweise Flamingos. Verbreitet sind auch Kriechtiere mit √ľber 140 Arten, unter denen Schlangen und kleinere Echsen vorherrschen. Zwei Krokodilarten kommen vor: das S√ľ√üwasser bewohnende Sumpfkrokodil sowie das seltenere, an der K√ľste beheimatete Leistenkrokodil.

Auch die K√ľstengew√§sser Tamil Nadus weisen eine gro√üe Vielfalt an Meeresbewohnern auf. Die Korallenriffe im Golf von Mannar z√§hlen zu den artenreichsten unterseeischen Lebensr√§umen im Indischen Ozean. Zum Schutz dieser einzigartigen, durch kommerziellen Fischfang, Verschmutzung, Aquakulturen und Perlentaucher jedoch bedrohten Meereslandschaft wurde 1980 der Gulf of Mannar Marine National Park als erster Unterwassernationalpark Indiens eingerichtet.

Städte

Coimbatore ist die zweitgrößte Stadt Tamil Nadus.

Die mit Abstand gr√∂√üte Stadt Tamil Nadus ist die Hauptstadt Chennai (Madras). An der K√ľste im √§u√üersten Nordosten des Bundesstaates gelegen, hat Chennai 4,7 Millionen Einwohner in der eigentlichen Stadt und 8,7 Millionen in der Agglomeration. Damit ist Chennai die sechstgr√∂√üte Stadt Indiens und Zentrum des viertgr√∂√üten Ballungsraums des Landes. Au√üer Chennai √ľberschreiten noch die Industriestadt Coimbatore im Westen Tamil Nadus und das im S√ľden gelegene Madurai, das auf eine reiche √ľber zweitausendj√§hrige Geschichte zur√ľckblicken kann, die Eine-Million-Einwohner-Marke. Weitere wichtige St√§dte sind Tiruchirappalli (Trichy) im Zentrum des Bundesstaates und Salem im n√∂rdlichen Binnenland.

Die größten Städte Tamil Nadus nach der Volkszählung 2011 sind:[2]

Stadt Einwohner Stadt Einwohner
1 Chennai 4.681.087 8 Tiruppur 444.543
2 Coimbatore 1.061.447 9 Avadi 344.701
3 Madurai 1.016.885 10 Tiruvottiyur 248.059
4 Tiruchirappalli 846.915 11 Thoothukudi 237.374
5 Salem 831.038 12 Nagercoil 224.329
6 Ambattur 478.134 13 Thanjavur 222.619
7 Tirunelveli 474.838 14 Pallavaram 216.308

Bevölkerung

Demografie

Bauer mit Ochsen in Tamil Nadu

Laut der indischen Volksz√§hlung 2011 betr√§gt die Einwohnerzahl Tamil Nadus 72.138.958.[3] Damit ist Tamil Nadu gemessen an der Einwohnerzahl Indiens siebtgr√∂√üter Bundesstaat. Die Bev√∂lkerungsdichte liegt mit 555 Einwohnern pro Quadratkilometer √ľber dem gesamtindischen Durchschnitt (382 Einwohner pro Quadratkilometer). 48,5 Prozent der Einwohner leben in St√§dten.[4] Damit weist der Staat eine der h√∂chsten Verst√§dterungsraten Indiens auf.

Die Bevölkerung Tamil Nadus wächst etwas niedriger als in anderen Landesteilen Indiens. Von 2001 bis 2011 verzeichnete Tamil Nadu ein Bevölkerungswachstum von 15,6 Prozent, während der Landesdurchschnitt 17,6 Prozent beträgt.

Die Bevölkerung wird vorwiegend von Tamilen gebildet. Vor allem im Großraum Chennai leben viele Zuwanderer aus anderen indischen Bundesstaaten. Etwa ein Prozent der Bevölkerung gehört den Adivasi an, der indigenen Stammesbevölkerung, die vor allem im Norden Tamil Nadus und in den Nilgiribergen lebt.[5]

Sprachen

Sprachen in Tamil Nadu
Sprache Prozent
Tamil
 ‚ÄČ
89,4%
Telugu
 ‚ÄČ
5,7%
Kannada
 ‚ÄČ
1,7%
Urdu
 ‚ÄČ
1,5%
Andere
 ‚ÄČ
1,8%
Verteilung der Sprachen (Zensus 2001)[6]

Die Hauptsprache Tamil Nadus und alleinige Amtssprache des Bundesstaates ist das von rund 90 Prozent der Bev√∂lkerung gesprochene Tamil, nach dessen Sprachgrenzen der Bundesstaat 1956 gebildet wurde. Das Tamil geh√∂rt zur dravidischen Sprachfamilie und kann auf eine mindestens 2000-j√§hrige Literaturgeschichte zur√ľckblicken. Die gr√∂√üte der Minderheitensprache ist das Telugu, dessen Sprecher knapp 6 % der Gesamtbev√∂lkerung Tamil Nadus ausmachen. Es wird an vielen Orten von alteingesessenen telugusprachigen Gemeinschaften, daneben von Teilen der Bev√∂lkerung in der Grenzregion zum Nachbarbundesstaat Andhra Pradesh gesprochen. Auch in den Grenzgebieten zu Karnataka und Kerala sind teilweise Kannada und Malayalam, die Sprachen der jeweiligen Bundesstaaten, verbreitet. Ein Teil der muslimischen Minderheit vor allem im Norden Tamil Nadus spricht Urdu, die meisten Muslime sind aber tamilsprachig. Von der Stammesbev√∂lkerung in den Bergregionen des Nordwestens und Nordens werden verschiedene kleinere Minderheitensprachen gesprochen, vor allem Irula mit rund 350.000 Sprechern, Badaga mit 300.000 Muttersprachlern und Kurumba mit 250.000 Sprechern. Kota und Toda haben jeweils nur wenige tausend Sprecher in den Nilgiribergen, wo die gr√∂√üte Sprachenvielfalt herrscht. Englisch hat, wie auch in anderen Regionen Indiens, einen besonderen Status als Bildungs- und Wirtschaftssprache.

Religionen

Typischer hinduistischer Dorfschrein nahe Pulicat
Religionen in Tamil Nadu
Religion Prozent
Hinduismus
 ‚ÄČ
88,1%
Christentum
 ‚ÄČ
6,1%
Islam
 ‚ÄČ
5,6%
Andere
 ‚ÄČ
0,2%
Verteilung der Religionen (Zensus 2001)[7]

Hindus stellen mit 88,1 Prozent (Volksz√§hlung 2001) die deutliche Mehrheit der Bev√∂lkerung. Der hinduistische Bev√∂lkerungsanteil in Tamil Nadu liegt damit √ľber dem Landesdurchschnitt (80,5 Prozent). Der Shivaismus ist die am weitesten verbreitete hinduistische Glaubensstr√∂mung. Der Hinduismus in Tamil Nadu weist einige regionale Charakteristika auf, so geh√∂rt der Gott Murugan (Skanda), der in Nordindien praktisch keine Rolle spielt, unter den Tamilen zu den popul√§rsten Gottheiten. Im S√ľden leben viele Anh√§nger des Ayyavali, einer einheimischen monistischen Religion, die bei Volksz√§hlungen als Hindus gez√§hlt werden.

Auf die verschiedenen christlichen Konfessionen entfallen 6,1 Prozent. In absoluten Zahlen beherbergt Tamil Nadu mit 3,8 Millionen Christen nach Kerala die zweitgr√∂√üte christliche Population aller indischen Bundesstaaten. Das Christentum soll bereits vom Apostels Thomas, der um angeblich um 70 n. Chr. auf dem St. Thomas Mount bei Chennai starb, nach S√ľdindien gebracht worden sein. Die gr√∂√üte christliche Konfession in Tamil Nadu ist die r√∂misch-katholische Kirche, gefolgt von der anglikanischen Church of South India. Einen besonders hohen Bev√∂lkerungsanteile stellen die Christen im s√ľdlichsten Distrikt Kanyakumari. Mit Velankanni befindet sich der wichtigste christliche Wallfahrtsort Indiens in Tamil Nadu.

Der Islam fand in Tamil Nadu nie eine so große Verbreitung wie in weiten Teilen Nordindiens. Heute sind 5,6 Prozent der Einwohner des Bundesstaates Muslime, zum größten Teil Sunniten. Der Islam wurde schon im 9. Jahrhundert durch arabische Händler ins Land gebracht und entwickelte daher eine Ausprägung, die sich teilweise deutlich vom nordindischen Islam unterscheidet. So ist neben der unter den indischen Muslimen vorherrschenden hanafitischen Rechtsschule auch die schafiitische verbreitet.

Geschichte

Fr√ľhgeschichte

In Arikamedu ausgegrabene römische Keramik (1. Jahrhundert, Musée Guimet)

Die Gegend des heutigen Tamil Nadu wurde vermutlich vor rund 300.000 Jahren erstmals besiedelt. Arch√§ologische Funde best√§tigen, dass schon um 1200 v. Chr. eine hoch entwickelte Gesellschaft existierte. Die brahmanische Kultur Nordindiens breitete sich schon in vorchristlicher Zeit auch in den S√ľden des Subkontinents und damit ins heutige Tamil Nadu aus. Dessen fr√ľhgeschichtliche Entwicklung konzentrierte sich vor allem auf die K√ľstenebene. Aufschluss √ľber diese Epoche geben neben der Arch√§ologie die alttamilische Sangam-Literatur, verschiedene lokale und nordindische Inschriften, ceylonesische Chroniken sowie Berichte griechischer und r√∂mischer Gelehrter. Enge Handelsbeziehungen mit dem R√∂mischen Reich bestanden bereits zur Zeit des Kaisers Augustus, wie zahlreiche M√ľnzfunde sowie die Existenz einer r√∂mischen Handelsniederlassung in Arikamedu s√ľdlich von Puducherry beweisen. Mit zunehmendem Niedergangs Roms im 3. und 4. nachchristlichen Jahrhundert nahm S√ľdostasien dessen Bedeutung als Handelspartner ein. Von der tamilischen Koromandelk√ľste aus wurden im Mittelalter gro√üe Teile S√ľdostasiens kolonialisiert.

Drei Dynastien pr√§gten Tamil Nadu im Altertum. Die Chola hatten ihr Kerngebiet im Kaveridelta, die Chera herrschten √ľber die westlichen Teile des heutigen Tamil Nadu und die Malabark√ľste, w√§hrend der S√ľden unter der Herrschaft der Pandya stand. Vom Reichtum letzterer berichtete der griechische Historiker Megasthenes, der um 300 v. Chr. am Hofe des nordindischen Maurya-Herrschers Chandragupta weilte. Auch in der alttamilischen Sangam-Dichtung finden die Pandya Erw√§hnung. Der fr√ľheste √ľberlieferte Herrschername ist hingegen der des legend√§ren Chola-K√∂nigs Karikala (um 190 n. Chr.), der die vereinten Heere der Pandya und der Chera besiegte sowie die Ufer des Kaveri befestigen lie√ü. Die im 4. Jahrhundert vom Dekkan her eindringenden Kalabhra beendeten die Herrschaft der Chola und Pandya abrupt. √úber ihre eigene Herrschaft ist allerdings nur wenig bekannt.

Pallava (6. bis 9. Jahrhundert)

Die Felsentempel von Mamallapuram stammen aus der Pallava-Zeit

Am Ende des 6. Jahrhunderts besiegten die aus Andhra kommenden Pallava, vermutlich fr√ľhere Vasallen der Shatavahana, die Kalabhra und stiegen zur beherrschenden Macht in Tamil Nadu auf. Zu ihrer Hauptstadt machten sie Kanchipuram. Die gr√∂√üte Bedrohung f√ľr die Pallava stellten die Chalukya dar, die seit dem fr√ľhen 7. Jahrhundert einen erbitterten Kampf um die Vormachtstellung im S√ľden Indiens f√ľhrten. Nachdem Mahendra Varman I. (reg. etwa 610 bis 630) die drohende Einnahme Kanchipurams durch die Chalukya abwenden konnte, gelang seinem Sohn Narasimha Varman (reg. etwa 630 bis 668) im Jahre 642 die Eroberung der feindlichen Hauptstadt Badami. Der Erfolg blieb von kurzer Dauer, denn schon nach 670 sahen sich die Pallava erneut ihren wiedererstarkten Feinden gegen√ľber. Eingeleitet durch die Pl√ľnderung Kanchipurams im Jahr 740, begann im 8. Jahrhundert der Niedergang der Pallava-Dynastie, die noch bis ins sp√§te 9. Jahrhundert herrschte.

Unter den Pallava war in Tamil Nadu erstmals ein starkes Regionalreich entstanden, das auch herausragende Beitr√§ge zur kulturellen Entwicklung leistete. Die Pallava-Hauptstadt Kanchipuram wurde zu einem der bedeutendsten kulturellen Zentren S√ľdindiens. Obwohl die Pallava dem Hinduismus anhingen, trat es auch als wichtige buddhistische Lehrst√§tte in Erscheinung. Die Universit√§t von Kanchipuram wurde zur wichtigen Wirkungsst√§tte gro√üer Tamil- und Sanskritgelehrter und zahlreicher bildender K√ľnstler. Aus der Pallava-Epoche stammen auch die Felsentempel von Mamallapuram, Vorreiter der hinduistischen Tempelarchitektur S√ľdindiens, aber auch S√ľdostasiens.

Chola und Pandya (9. bis 14. Jahrhundert)

Unter der Chola-Dynastie florierten die K√ľnste in Tamil Nadu (Bronzeskulptur Shivas, 11. Jhd., Mus√©e Guimet)

Nachfolger der Pallava wurden die Chola, die bis Mitte des 9. Jahrhunderts als Vasallen gedient hatten. Um 850 erlangten sie ihre Unabh√§ngigkeit zur√ľck und machten Thanjavur im Kaveridelta zur Hauptstadt. K√∂nig Aditya (reg. 871 bis 907) besiegte die Pallava um 897 endg√ľltig. Nach dem Untergang des zentralindischen Rashtrakuta-Reiches schwangen sich die Chola im 11. Jahrhundert zur m√§chtigsten Dynastie S√ľdindiens auf. Besonders hervorzuheben sind die K√∂nige Rajaraja I. (reg. 985 bis 1014) und Rajendra I. (reg. 1014 bis 1044, als Mitregent schon ab 1012), welche nicht nur als Eroberer, sondern auch als F√∂rderer der K√ľnste und Wissenschaften gro√üen Ruhm erlangten. Rajaraja I. besiegte die Chera an der Malabark√ľste und dehnte sein Reich auf den s√ľdlichen Dekkan, Ceylon und die Malediven aus. Sein Sohn Rajendra zog die Andhrak√ľste hinauf bis nach Bengalen. Dort schlug er den Pala-Herrscher vernichtend, woraufhin er seine neue Hauptstadt Gangaikonda Cholapuram (‚ÄěStadt des Chola, der die Ganga besiegte‚Äú) mit Gangeswasser segnen lie√ü. Au√üerdem etablierte er das Chola-Reich als Seemacht und drang √ľber den Golf von Bengalen bis ins s√ľdostasiatische Srivijaya-Reich (Sumatra, Malaya, Java) vor. Kein anderes s√ľdindisches Herrscherhaus vor oder nach den Chola vermochte seine Macht auf ein derart weitl√§ufiges Gebiet auszudehnen. Die Zeit der Chola-K√∂nige Rajaraja I. und Rajendra I. gilt daher als Hochzeit S√ľdindiens und somit auch Tamil Nadus.

1070 starb Rajendras Linie aus. Kulottunga, ein Prinz der √∂stlichen Chalukya, bestieg nun den Thron des Reiches. Trotz einiger Gebietsverluste, darunter Ceylon, blieben die Chola bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts hinein die dominierende Dynastie S√ľdindiens. Gleichwohl gab es bereits in den Jahrzehnten nach dem Tod Kulothungas I. im Jahre 1120 Anzeichen eines schleichenden Niedergangs. Vor allem die Auseinandersetzung mit den s√ľdlichen Vasallen der Pandya kostete die Chola einen Teil ihrer Autorit√§t und verhalf den Pandya zu gr√∂√üerer Selbstst√§ndigkeit. Nach dem Tod des Chola-K√∂nigs Kulothunga III. 1218 konnten die Pandya, mit Madurai als Machtzentrum, ihre volle Unabh√§ngigkeit allm√§hlich wiederherstellen. Jatavarman Sundara (reg. 1251 bis 1268) war schlie√ülich stark genug, die Chola anzugreifen. Sein Nachfolger besiegte 1279 den letzten Chola-K√∂nig Rajendra IV. Die Pandya √ľbernahmen nun die beherrschende Stellung der Chola in Tamil Nadu und konnten ihr Reich erneut bis zum Godavari und auf den Norden Ceylons erweitern. Thronfolgestreitigkeiten im fr√ľhen 14. Jahrhundert schw√§chten das Pandya-Reich zusehends.

Muslimische Herrschaft, Vijayanagar und Kleinstaaten (14. bis 18. Jahrhundert)

1311 √ľberfielen muslimische Truppen aus dem nordindischen Sultanat von Delhi unter dem Kommando des Generals Malik Kafur die Pandya-Hauptstadt Madurai, eroberten und pl√ľnderten sie. Erstmals stand Tamil Nadu unter muslimischer Herrschaft. Das 1334 aus einer Provinz des Delhi-Sultanats hervorgegangene Sultanat von Madurai, der s√ľdlichste muslimische Staat auf indischem Boden, war jedoch nur kurzlebig. Schon 1370 fiel der Sultan im Kampf gegen das hinduistische Vijayanagar-Reich.

Der Minakshi-Tempel in Madurai: Höhepunkt der Nayak-Baukunst

Das Kernland Vijayanagars lag im S√ľden des heutigen Karnataka. Nach dem Sieg √ľber den Madurai-Sultan umfasste es fast ganz S√ľdindien einschlie√ülich Tamil Nadu. Vijayanagars Ausdehnung nach Osten bis an die K√ľste Andhras forderte Kapilendra, den K√∂nig des an der Ostk√ľste gelegenen Orissa, heraus, der 1463 entlang der Nordostk√ľste Tamil Nadus bis ins Kaveridelta vorstie√ü. Schon nach wenigen Jahren musste er sich jedoch wieder zur√ľckziehen. Schwache Herrscher leiteten im 15. Jahrhundert den Niedergang Vijayanagars ein. Als sich seine Erzfeinde, die aus dem Bahmanidenreich hervorgegangenen Dekkan-Sultanate, zusammenschlossen und Vijayanagar 1565 in der Schlacht von Talikota vernichtend schlugen, zerfiel das Reich innerhalb k√ľrzester Zeit in mehrere Einzelreiche.

Nach dem Zerfall Vijayanagars f√ľllten die Milit√§rstatthalter seiner Distrikte, die sogenannten Nayaks, das entstandene Machtvakuum in Tamil Nadu, und machten sich selbstst√§ndig.Die m√§chtigsten von ihnen waren die Nayaks von Madurai und Thanjavur. Trotz ihrer relativen politischen und milit√§rischen Bedeutungslosigkeit erlebten diese Reiche ein Aufbl√ľhen der sp√§tdravidischen Kunst. Im 17. Jahrhundert begannen Kriegsz√ľge verschiedener indischer Gro√üreiche gegen die Kleinstaaten Tamil Nadus. Zun√§chst drang Mohammed Adil Shah, der Sultan von Bijapur, in den Norden Tamil Nadus ein, wo er unter anderem den Nayak von Gingee besiegte. Sowohl Madurai als auch Thanjavur wurden Bijapur tributpflichtig. In den 1670er Jahren f√ľhrte ein Streit zwischen Madurai und Thanjavur zum Eingreifen der Marathen auf Seiten Thanjavurs. Doch die Truppen des Marathenherrschers Venkaji wandten sich alsbald gegen den Nayak von Thanjavur und besetzten dessen Reich. Nachdem der Gro√ümogul Aurangzeb 1686 Bijapur unterworfen hatte, geriet der Norden Tamil Nadus unter die Kontrolle des Mogulreichs und wurde von den Nawabs von Arcot als Vasallen der Moguln beherrscht. Thanjavur blieb jedoch eine Besitzung der Marathen; Madurai bestand noch bis zur britischen Eroberung 1781.

Vordringen der Europäer und Kolonialherrschaft (17. Jahrhundert bis 1947)

Ansicht der englischen Festung Fort St. George in Madras im 18. Jahrhundert
Karte des s√ľdlichen Teils der Pr√§sidentschaft Madras von 1909; in gelber F√§rbung die F√ľrstenstaatem

Als erste europ√§ische Gro√ümacht versuchte Portugal im fr√ľhen 16. Jahrhundert an der Koromandelk√ľste Fu√ü zu fassen, allerdings ohne Erfolg. Den Portugiesen folgten in der ersten H√§lfte des 17. Jahrhunderts die Niederl√§nder, Engl√§nder und D√§nen sowie in den 1660er Jahren die Franzosen. Die europ√§ischen Handelsm√§chte strebten zun√§chst nicht nach Landgewinn, sondern nach m√∂glichst hohen Profiten aus dem Tuchhandel. Zu diesem Zwecke erwarben sie K√ľstenst√ľtzpunkte und errichteten Manufakturen. Um 1700 bestanden mehrere niederl√§ndische Handelsst√ľtzpunkte an der K√ľste Tamil Nadus, unter anderem in Pulicat, Nagapattinam und Tuticorin. Die Engl√§nder hatten sich in Madras, die Franzosen in Pondicherry und die D√§nen in Tranquebar niedergelassen.

Zur bedeutsamsten europ√§ischen Gro√ümacht an der Koromandelk√ľste stiegen im 18. Jahrhundert die Briten auf. Als ihr gr√∂√üter Konkurrent erwiesen sich die Franzosen, die in den Karnatischen Kriegen mit den Briten um die Vorherrschaft in S√ľdindien rangen und 1746 sogar f√ľr drei Jahre Madras eingenommen hatten. 1760 wurden die Franzosen aber in der Schlacht von Wandiwash vernichtend geschlagen und mussten ihre Ambitionen in Indien aufgeben. Die hoch verschuldete Niederl√§ndische Ostindien-Kompanie schied nach dem vierten niederl√§ndisch-englischen Krieg von 1780 bis 1784 als Widersacher der Briten in Indien aus.

Madras wurde neben Kalkutta und Bombay zu einem Hauptausgangspunkt der britischen Kolonialisierung Indiens. Die Stadt war Verwaltungszentrum der Pr√§sidentschaft Madras, einer von drei Pr√§sidentschaften der Britischen Ostindien-Kompanie. Die Briten dehnten ihren Einfluss ab der zweiten H√§lfte des 18. Jahrhunderts auf weite Teile Tamil Nadus aus: Im Dritten und Vierten Mysore-Krieg (1790 bis 1792 bzw. 1798/99) rangen sie dem K√∂nigreich Mysore den Gro√üteil von dessen Besitzungen ab, darunter den Norden und Westen des heutigen Tamil Nadus. Nach der vollst√§ndigen Niederlage Mysores 1799 war die Vormachtstellung der Ostindien-Gesellschaft in ganz S√ľdindien endg√ľltig besiegelt. 1799 wurden die Marathen-K√∂nige von Thanjavur zur √úbergabe ihrer Besitzungen gezwungen. Zwei Jahre sp√§ter musste der Nawab von Arcot, der das K√ľstenhinterland kontrollierte, sein gesamtes Territorium an die Briten √ľbergeben. Die Eroberung Tamil Nadus war damit abgeschlossen. Lediglich das kleine F√ľrstentum Pudukkottai blieb als formal unabh√§ngiger F√ľrstenstaat unter britischer Oberherrschaft bestehen. 1858 wurde die Ostindien-Kompanie in Folge des Aufstandes in Nordindien entmachtet, und die Regierungsgewalt √ľber all ihre Besitzungen unmittelbar auf die britische Regierung √ľbertragen. Madras wurde damit zu einer der Provinzen Britisch-Indiens.

Parallel zur im ausgehenden 19. Jahrhundert erwachten gesamtindischen Unabh√§ngigkeitsbewegung unter F√ľhrung des Indischen Nationalkongresses entstand in den tamilsprachigen Teilen von Madras die sogenannte Dravidische Bewegung, die sich gegen die angebliche Vormachtstellung der Brahmanen richtete und eine eigenst√§ndige Identit√§t der Tamilen als ‚ÄěDraviden‚Äú im Gegensatz zu den ‚ÄěAriern‚Äú Nordindiens postulierte. E. V. Ramasami (Periyar) gr√ľndete 1925 die Selbstachtungsbewegung (Self-Respect Movement), die er 1944 mit der anti-brahmanischen Justice Party zur Organisation Dravidar Kazhagam (Bund der Draviden; DK) vereinigte. Die DK vertrat eine radikale Agenda und forderte die Abschaffung des Kastensystems und der Hindu-Religion sowie die Gr√ľndung eines unabh√§ngigen Staates Dravida Nadu f√ľr die ‚ÄěDraviden‚Äú S√ľdindiens.

Entwicklungen seit 1947

Nach der Entlassung Britisch-Indiens in die Unabhängigkeit im Jahr 1947 wurde der Staat Madras zu einem Gliedstaat der Indischen Union. Er umfasste neben dem heutigen Tamil Nadu große Teile des heutigen Bundesstaats Andhra Pradesh sowie Teile von Karnataka und Kerala. Erster Chief Minister wurde P. S. Kumaraswamy Raja vom Indischen Nationalkongress (1950 bis 1952). Auf ihn folgten seine Parteikollegen C. Rajagopalachari (1952 bis 1954), K. Kamaraj (1954 bis 1963), der sich vor allem um die Verbesserung des Bildungssystems und die Bekämpfung des Analphabetismus verdient machte, und M. Bakthavatsalam (1963 bis 1967). Im Zuge des States Reorganisation Act wurden 1956 die indischen Bundesstaaten nach den Sprachgrenzen neu geordnet. Dem Bundesstaat Madras wurden dabei die tamilischsprachigen Gebiete zugeschlagen. Damit erhielt der Bundesstaat die Grenzen des heutigen Tamil Nadu, behielt aber zunächst den Namen Madras bei.

C. N. Annadurai, M. Karunanidhi und M. G. Ramachandran (v. l. n. r.)

Derweil hatte sich 1949 aus der DK eine neue Partei namens Dravida Munnetra Kazhagam (Bund f√ľr den Fortschritt der Draviden; DMK) unter der F√ľhrung von C. N. Annadurai formiert. Sie unterst√ľtzte anfangs ebenfalls die Sezessionsforderung, gab diese aber Anfang der 1960er Jahre auf und ersetzte sie durch die Forderung nach politischer und kultureller Autonomie der Bundesstaaten innerhalb der Indischen Union. Die DMK nahm 1957 erstmals an Wahlen in Madras teil und stieg bald zur wichtigsten Oppositionspartei auf. 1967 konnte sie unter der F√ľhrung Annadurais erstmals die Wahlen zum Regionalparlament f√ľr sich entscheiden. Die neue DMK-Regierung beschloss die Umbenennung von Madras in Tamil Nadu (‚ÄěLand der Tamilen‚Äú), die 1969 in Kraft trat.[8] Nach Annadurais Tod √ľbernahm M. Karunanidhi die F√ľhrung der DMK. 1972 spaltete sich unter dem popul√§ren Filmschauspieler M. G. Ramachandran (MGR) die AIADMK von der DMK ab. Seitdem hat stets eine der beiden Regionalparteien die Regierung Tamil Nadus gestellt. Die AIADMK konnte zum ersten Mal 1977 die Wahlen gewinnen. M. G. Ramachandran wurde zum neuen Chief Minister und blieb es bis zu seinem Tod 1987. Seit den 1990er Jahren wird die Politik Tamil Nadus gepr√§gt von der Konkurrenz zwischen M. Karunanidhi (Chief Minister 1969‚Äď1976, 1989‚Äď1991, 1996‚Äď2001 sowie 2006‚Äď2011) und der ehemaligen Schauspielerin J. Jayalalithaa, die die Nachfolge M. G. Ramachandrans an der Spitze der AIADMK √ľbernahm und derzeit nach 1991‚Äď1996 sowie mit Unterbrechungen 2001‚Äď2006 zum dritten Mal das Amt des Chief Ministers innehat.

In den 1980er Jahren nutzten die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), die f√ľr die Unabh√§ngigkeit der √ľberwiegend von Tamilen bewohnten Teile Sri Lankas k√§mpfen, Tamil Nadu als R√ľckzugsort und St√ľtzpunkt f√ľr ihre Aktivit√§ten in Sri Lanka. Die Regierung billigte dieses Vorgehen aus R√ľcksichtnahme auf die Sympathien der Bev√∂lkerung Tamil Nadus f√ľr die unterdr√ľckten Tamilen Sri Lankas zun√§chst. Mehrere von LTTE-Separatisten ver√ľbte Attentate auf indischem Boden zerst√∂rten jedoch das Vertrauen der indischen Tamilen in die LTTE. Am 21. Mai 1991 wurde der ehemalige indische Premierminister Rajiv Gandhi w√§hrend einer Wahlkampfveranstaltung in Sriperumbudur nahe Kanchipuram von einer der LTTE zugerechneten Selbstmordattent√§terin ermordet. Heute wird die LTTE von der indischen Regierung als terroristische Vereinigung eingestuft.

Politik

Politisches System

Das Fort St. George in Chennai, Sitz von Parlament und Regierung des Bundesstaates

Bis 1986 bestand das Parlament Tamil Nadus aus zwei Kammern. Seitdem ist die auf f√ľnf Jahre gew√§hlte Tamil Nadu Legislative Assembly das einzige gesetzgebende Organ. Von den 234 Abgeordnetensitzen sind 42 Sitze benachteiligten Kasten und 3 Sitze der Stammesbev√∂lkerung (Adivasi) vorbehalten. Zus√§tzlich kann der Gouverneur des Staates einen Vertreter der englischsprachigen Minderheit ernennen, wenn er der Meinung ist, dass diese nicht ausreichend im Parlament repr√§sentiert ist. Der Chief Minister, der Regierungschef Tamil Nadus, wird von den Abgeordneten gew√§hlt. An der Spitze des Bundesstaats steht jedoch der vom indischen Pr√§sidenten ernannte Gouverneur (Governor). Seine Hauptaufgaben sind die Ernennung des Chief Ministers und dessen Beauftragung mit der Regierungsbildung. Die Minister werden auf Empfehlung des Chief Ministers ebenfalls vom Gouverneur in ihr Amt eingef√ľhrt. Zudem obliegt dem Gouverneur die Aufl√∂sung des Parlaments am Ende der Legislaturperiode oder bei einer Regierungskrise. In diesem Falle kann er den Bundesstaat unter die unmittelbare Verwaltung des indischen Pr√§sidenten (‚ÄěPresident‚Äôs rule‚Äú) stellen.

H√∂chster Gerichtshof Tamil Nadus ist der Madras High Court, in dessen Zust√§ndigkeitsbereich auch das Unionsterritorium Puducherry f√§llt. Den Vorsitz f√ľhrt der Chief Justice. Seit 2004 besteht eine Zweigstelle in Madurai.

Parteien

Sitzverteilung nach der
Parlamentswahl 2011
AIADMK 150
DMDK 29
DMK 23
CPI(M) 10
CPI 9
INC 5
PMK 3
MNMK 2
PT 2
AIFB 1

Die Politik Tamil Nadus wird von den beiden tamilisch-nationalistischen Regionalparteien Dravida Munnetra Kazhagam (DMK) und All India Anna Dravida Munnetra Kazhagam (AIADMK) gepr√§gt. Diese beiden Parteien wechseln sich seit 1967 an der Macht ab. Ihre Wurzeln liegen in der Organisation Dravidar Kazhagam (DK), von der sich die DMK 1949 abspaltete. 1972 entstand wiederum die AIADMK nach innerparteilichen Auseinandersetzungen durch Abspaltung von der DMK und etablierte sich in der Folge als deren st√§rkster Konkurrent. Die urspr√ľnglich von der DK vertretenen Forderungen nach einem separaten Dravidenstaat und radikaler Sozialreform haben DMK und AIADMK weitgehend gegen die Beschw√∂rung der Gr√∂√üe der tamilischen Kultur und Sprache und die Forderung nach politischer und kultureller Autonomie der Bundesstaaten eingetauscht.

Wahlwerbung der DMK in Chennai

Neben den beiden gro√üen Parteien existieren weitere Regionalparteien: Die ebenfalls tamilisch-nationalistisch orientierten Desiya Murpokku Dravida Kazhagam (DMDK) und Marumalarchi Dravida Munnetra Kazhagam (MDMK), die kastenbasierten Parteien Pattali Makkal Katchi (PMK), Viduthalai Chiruthaigal Katchi (VCK), Puthiya Tamilagam (PT) sowie die muslimische Manithaneya Makkal Katchi (MNMK). √úberregionale Parteien spielen in Tamil Nadu nur eine untergeordnete Rolle: Der Indische Nationalkongress (INC) und die beiden kommunistischen Parteien Communist Party of India (CPI) und Communist Party of India (Marxist) (CPI(M)) sind weit von der Mehrheitsf√§higkeit entfernt, die hindunationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) ist im Parlament des Bundesstaates gar nicht vertreten. Ohnehin ist die Hindutva-Bewegung in Tamil Nadu weniger stark als in anderen Teilen Indiens, wenn sie auch seit den 1980er Jahren mit der Gr√ľndung der Organisationen Hindu Munnani und Hindu Makkal Katchi einen gewissen Auftrieb erlebt hat.

Wegen des herrschenden Mehrheitswahlrechts schlie√üen sich die Parteien vor Wahlen zu Allianzen zusammen, die sich die Wahlkreise untereinander aufteilen. Die letzte Wahl zur Tamil Nadu Legislative Assembly 2011 gewann eine Parteienallianz unter F√ľhrung der AIADMK, auf die insgesamt 203 Sitze entfielen. Die AIADMK errang davon 150 Sitze und kann somit allein regieren. Die zuvor regierende DMK wurde deutlich abgestraft: Ihr B√ľndnis erlangte nur 31 Sitze, mit 23 Sitzen fiel die DMK sogar noch hinter die mit der AIADMK verb√ľndete DMDK zur√ľck. Amtierende Chief Ministerin ist seit dem 16. Mai 2011 die AIADMK-F√ľhrerin J. Jayalalithaa, die zuvor bereits 1991‚Äď96 und mit Unterbrechungen 2001‚Äď2006 das Amt innehatte.

Obwohl die tamilischen Regionalparteien nur in Tamil Nadu und Puducherry zur Wahl antreten, k√∂nnen sie auf gesamtindischer Ebene bei der Regierungsbildung als Z√ľnglein an der Waage eine wichtige Rolle spielen. Vor der gesamtindischen Parlamentswahl 2009 schloss sich die DMK dem von der Kongresspartei gef√ľhrten Parteienb√ľndnis United Progressive Alliance und die AIADMK der linksgerichteten Third Front an. Nach dem Wahlsieg der United Progressive Alliance ist die DMK an der Regierung Manmohan Singhs beteiligt.

Siehe auch: Liste der Chief Minister von Tamil Nadu

Verwaltungsgliederung

Tamil Nadu ist in 32 Distrikte eingeteilt (Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte nach der Volkszählung 2011).[9]

Distrikte Tamil Nadus
Distrikt Verwaltungssitz Fläche Einwohner
(2011)
Bev.-
dichte
1 Ariyalur Ariyalur 000000000001944.00000000001.944 km³ 000000000752481.0000000000752.481 000000000000387.0000000000387 Ew./km²
2 Chennai Chennai 000000000000174.0000000000174 km² 000000004681087.00000000004.681.087 000000000026903.000000000026.903 Ew./km²
3 Coimbatore Coimbatore 000000000004642.00000000004.642 km² 000000003472578.00000000003.472.578 000000000000748.0000000000748 Ew./km²
4 Cuddalore Cuddalore 000000000003705.00000000003.705 km² 000000002600880.00000000002.600.880 000000000000702.0000000000702 Ew./km²
5 Dharmapuri Dharmapuri 000000000004527.00000000004.527 km² 000000001502900.00000000001.502.900 000000000000332.0000000000332 Ew./km²
6 Dindigul Dindigul 000000000006054.00000000006.054 km² 000000002161367.00000000002.161.367 000000000000357.0000000000357 Ew./km²
7 Erode Erode 000000000005692.00000000005.692 km² 000000002259608.00000000002.259.608 000000000000397.0000000000397 Ew./km²
8 Kanchipuram Kanchipuram 000000000004305.00000000004.305 km² 000000003990897.00000000003.990.897 000000000000927.0000000000927 Ew./km²
9 Kanyakumari Nagercoil 000000000001685.00000000001.685 km² 000000001863174.00000000001.863.174 000000000001106.00000000001.106 Ew./km²
10 Karur Karur 000000000002902.00000000002.902 km² 000000001076588.00000000001.076.588 000000000000371.0000000000371 Ew./km²
11 Krishnagiri Krishnagiri 000000000005091.00000000005.091 km² 000000001883731.00000000001.883.731 000000000000370.0000000000370 Ew./km²
12 Madurai Madurai 000000000003695.00000000003.695 km² 000000003041038.00000000003.041.038 000000000000823.0000000000823 Ew./km²
13 Nagapattinam Nagapattinam 000000000002416.00000000002.416 km² 000000001614069.00000000001.614.069 000000000000668.0000000000668 Ew./km²
14 Namakkal Namakkal 000000000003402.00000000003.402 km² 000000001721179.00000000001.721.179 000000000000506.0000000000506 Ew./km²
15 Nilgiris Udagamandalam 000000000002552.00000000002.552 km² 000000000735071.0000000000735.071 000000000000288.0000000000288 Ew./km²
16 Perambalur Perambalur 000000000001748.00000000001.748 km² 000000000564511.0000000000564.511 000000000000323.0000000000323 Ew./km²
17 Pudukkottai Pudukkottai 000000000004652.00000000004.652 km² 000000001618725.00000000001.618.725 000000000000348.0000000000348 Ew./km²
18 Ramanathapuram Ramanathapuram 000000000004180.00000000004.180 km² 000000001337560.00000000001.337.560 000000000000320.0000000000320 Ew./km²
19 Salem Salem 000000000005249.00000000005.249 km² 000000003480008.00000000003.480.008 000000000000663.0000000000663 Ew./km²
20 Sivaganga Sivaganga 000000000004140.00000000004.140 km² 000000001341250.00000000001.341.250 000000000000324.0000000000324 Ew./km²
21 Thanjavur Thanjavur 000000000003477.00000000003.477 km² 000000002402781.00000000002.402.781 000000000000691.0000000000691 Ew./km²
22 Theni Theni 000000000002872.00000000002.872 km² 000000001243684.00000000001.243.684 000000000000433.0000000000433 Ew./km²
23 Thoothukudi Thoothukudi 000000000004599.00000000004.599 km² 000000001738376.00000000001.738.376 000000000000378.0000000000378 Ew./km²
24 Tiruchirappalli Tiruchirappalli 000000000004508.00000000004.508 km² 000000002713858.00000000002.713.858 000000000000602.0000000000602 Ew./km²
25 Tirunelveli Tirunelveli 000000000006709.00000000006.709 km² 000000003072880.00000000003.072.880 000000000000458.0000000000458 Ew./km²
26 Tiruppur Tiruppur 000000000005192.00000000005.192 km² 000000002471222.00000000002.471.222 000000000000476.0000000000476 Ew./km²
27 Tiruvallur Tiruvallur 000000000003552.00000000003.552 km² 000000003725697.00000000003.725.697 000000000001049.00000000001.049 Ew./km²
28 Tiruvannamalai Tiruvannamalai 000000000006188.00000000006.188 km² 000000002468965.00000000002.468.965 000000000000399.0000000000399 Ew./km²
29 Tiruvarur Tiruvarur 000000000002379.00000000002.379 km² 000000001268094.00000000001.268.094 000000000000533.0000000000533 Ew./km²
30 Vellore Vellore 000000000006081.00000000006.081 km² 000000003928106.00000000003.928.106 000000000000646.0000000000646 Ew./km²
31 Viluppuram Viluppuram 000000000007185.00000000007.185 km² 000000003463284.00000000003.463.284 000000000000482.0000000000482 Ew./km²
32 Virudhunagar Virudhunagar 000000000004280.00000000004.280 km² 000000001943309.00000000001.943.309 000000000000454.0000000000454 Ew./km²

Wirtschaft

Tamil Nadu ist nach Maharashtra, Uttar Pradesh und Andhra Pradesh die f√ľnftgr√∂√üte Volkswirtschaft der 28 Bundesstaaten Indiens und zudem einer der fortgeschrittensten Bundesstaaten des Landes, der von den 1991 eingeleiteten wirtschaftlichen Liberalisierungsma√ünahmen √ľberdurchschnittlich profitiert hat. Seitdem haben sich zahlreiche ausl√§ndische Gro√üunternehmen in Tamil Nadu angesiedelt. 2010 betrug das nominale Bruttoinlandsprodukt Tamil Nadus 4.640 Milliarden Indische Rupien (umgerechnet 98 Milliarden US-Dollar). Damit erbrachte Tamil Nadu √ľber 7 Prozent der gesamten indischen Wirtschaftsleistung. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist mit 1.358 US-Dollar aber nur wenig h√∂her als der indische Durchschnitt von 1.087 US-Dollar.[10]

Landwirtschaft

Bauern bei der Reisernte (Distrikt Thanjavur)

Obwohl Tamil Nadu zu den am h√∂chsten industrialisierten Bundesstaaten Indiens z√§hlt, ist die Landwirtschaft nach wie vor der wichtigste Arbeitgeber. Rund 45 Prozent der Fl√§che werden landwirtschaftlich genutzt. Tamil Nadus Landwirtschaft ist eine der fortschrittlichsten Indiens. Die Ertragsraten liegen weit √ľber dem indischen Durchschnitt. Seit der Einf√ľhrung der ‚ÄěGr√ľnen Revolution‚Äú Mitte der 1960er Jahre, als dessen ‚ÄěVater‚Äú der aus Tamil Nadu stammende Agrarwissenschaftler M. S. Swaminathan gilt, wurden die Bew√§sserungsfl√§chen betr√§chtlich ausgeweitet, sodass heute etwa die H√§lfte der landwirtschaftlichen Nutzfl√§che k√ľnstlich bew√§ssert wird. Dennoch ist der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt aufgrund wesentlich h√∂herer Wachstumsraten in anderen Bereichen r√ľckl√§ufig. 2004 betrug er nur noch 14,2 Prozent.

Als Nahrungsmittel werden vor allem Reis, Erdn√ľsse, Mais, Sorghum, Fingerhirse, Perlhirse, H√ľlsenfr√ľchte sowie verschiedene Obstsorten wie Bananen und Mangos angebaut. Das mit Abstand wichtigste kommerzielle Anbauprodukt ist Zuckerrohr. Dagegen hat die Bedeutung von Baumwolle seit den 1980er Jahren stark abgenommen. In geringerem Ma√üe werden au√üerdem Gew√ľrze, Kaffee, Tabak und Tee angepflanzt.

Bodenschätze und Bergbau

80 Prozent der bekannten indischen Braunkohlevorkommen befinden sich in Tamil Nadu,[11] haupts√§chlich im Umland der Stadt Neyveli im Distrikt Cuddalore. Im S√ľden und S√ľdosten des Bundesstaates werden Mineralsande abgebaut, aus denen seltene Mineralien wie Titaneisen, Granat, Zirkon, Rutil und Monazit gewonnen werden. Im Nordosten gibt es Vorkommen von Magnesit. Zudem werden Granit, Kalkstein, Quarz und Quarzsande, Feldspat, Magneteisenstein, Bauxit und Graphit abgebaut. Vor der K√ľste des Distriktes Nagapattinam wird in geringen Mengen Erd√∂l gef√∂rdert.

Industrie

Der Tidel Park in Chennai ist das größte IT-Zentrum Tamil Nadus.

Tamil Nadu ist einer der h√∂chstindustrialisierten Bundesstaaten Indiens. 2004 erwirtschaftete die Industrie 29,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Der wichtigste Industriezweig ist nach wie vor die Textilindustrie, die f√ľr fast ein Drittel der gesamten indischen Baumwollgarnproduktion aufkommt. Die Lederindustrie hat sogar einen Anteil von 70 Prozent. Neben diesen traditionellen Branchen nehmen die Fahrzeugindustrie und deren Zuliefererbetriebe einen besonderen Stellenwert ein. Neben inl√§ndischen Automobilfirmen lassen auch Ford, Hyundai, BMW und Mitsubishi in Tamil Nadu produzieren. Andere wichtige Industriezweige sind die metallverarbeitende, chemische, Mineral√∂l-, pharmazeutische, elektrotechnische, Software-, Fahrrad-, Lebensmittel-, Zement- und pyrotechnische Industrie sowie der Maschinenbau. Avadi bei Chennai ist einer der wichtigsten Standorte der indischen R√ľstungsproduktion, unter anderem auch der einzige Produktionsstandort f√ľr Arjun-Panzer in ganz Indien.

R√§umlich ballt sich die Industrieproduktion in drei Gro√ür√§umen. Der mit Abstand wichtigste Industrieraum ist das Ballungsgebiet Chennai, wo nahezu alle bedeutsamen Industriezweige vertreten sind. Im mittleren Tamil Nadu zieht sich eine Industrieachse vom Kaveridelta durch die Ebene des Flusses mit den Standorten Tiruchirappalli (Metallverarbeitung, Textilien, Zement) und Salem-Mettur (Stahl, Aluminium, Textilien, Zement, Kunststoffe, Chemikalien) bis ins westliche Hochland, wo mit Coimbatore und Tiruppur zwei bedeutende Textilzentren liegen. Coimbatore ist jedoch l√§ngst nicht mehr nur eine Textilhochburg, was ihm einst den Spitznamen ‚ÄěManchester S√ľdindiens‚Äú eingebracht hat, sondern hat sich dar√ľber hinaus zum zweitwichtigsten Industriestandort Tamil Nadus nach Chennai entwickelt. Besonders der Maschinenbau hat eine Vorrangstellung erlangt. Die dritte gro√üe Industrieregion ist der Ballungsraum Madurai im S√ľden.

Dienstleistungen und Fremdenverkehr

Der Strandort Mamallapuram gehört zu den beliebtesten Reisezielen Tamil Nadus

Der Dienstleistungsbereich, mittlerweile der Hauptantriebsmotor der wirtschaftlichen Entwicklung, hatte 2004 einen Anteil von 56,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Besonders hohe Wachstumsraten verzeichnet die Informationstechnologie. Zudem gewinnen die Telekommunikations- und die Biotechnologiebranche an Bedeutung. Viele ausländische Firmen, vor allem aus dem englischsprachigen Raum, lagern Unternehmensteile wie Callcenter oder Buchhaltung nach Tamil Nadu aus.

Auch der Fremdenverkehr hat sich seit den 1990er Jahren sp√ľrbar entwickelt. 2009 besuchten 78 Millionen einheimische und 2,4 Millionen ausl√§ndische Urlauber Tamil Nadu ‚Äď ein Zuwachs von 24 % gegen√ľber dem Vorjahr.[12] Beliebte Reiseziele sind neben der Hauptstadt Chennai vor allem der Strandort Mamallapuram (Mahabalipuram) mit seinen Bauten aus der Pallava-Zeit sowie die alten Tempelst√§dte Madurai, Thanjavur, Kanchipuram, Chidambaram und Tiruvannamalai die auch viele Pilger anziehen. Die drei ‚Äěgro√üen Tempel der Chola-Dynastie‚Äú in Thanjavur, Gangaikonda Cholapuram und Darasuram geh√∂ren zum Weltkulturerbe der UNESCO, ebenso der Tempelbezirk von Mamallapuram und die Nilgiri-Bergeisenbahn. Die in der britischen Kolonialzeit erschlossenen hill stations in den Westghats, wie Udagamandalam (Ooty) und Kodaikanal, werden dank der landschaftlich reizvollen Umgebung sowie des angenehm k√ľhlen Klimas als Urlaubsziele gesch√§tzt. Naturliebhaber kommen in einem der f√ľnf Nationalparks, unter denen der Mudumalai-Nationalpark aufgrund seiner Artenvielfalt besonders hervorragt, auf ihre Kosten. Immer beliebter vor allem bei ausl√§ndischen G√§sten wird der Gesundheitstourismus, etwa in Form von Ayurveda-Kuren. Der Badetourismus ist dagegen trotz geeigneter Str√§nde wenig ausgepr√§gt.

Infrastruktur

Bus in Thanjavur

Der wichtigste Verkehrsweg in Tamil Nadu ist die Stra√üe. Insgesamt umfasst das Stra√üennetz knapp 200.000 Kilometer, wovon drei Viertel asphaltiert sind (Stand 2007/08). Die National Highways machen mit einer Gesamtl√§nge von 4.500 Kilometern nur einen kleinen Teil des Stra√üennetzes aus, machen aber 40 % des Verkehrsauskommens aus.[13] Die tamilischen Streckenabschnitte der National Highways von Chennai nach Mumbai und Kolkata ‚Äď zusammen rund 340 Kilometer ‚Äď wurden im Rahmen des Projektes ‚ÄěGolden Quadrilateral‚Äú (‚ÄěGoldenes Viereck‚Äú) zu vierspurigen Autobahnen ausgebaut. Weitere Ausbauten sind geplant, um des wachsenden Verkehrsaufkommens Herr zu werden: Die Anzahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge nimmt jedes Jahr √ľber 10 % zu.[13] Die staatliche Busgesellschaft Tamil Nadu State Transport Corporation und private Unternehmen bieten zahlreiche Busverbindungen zwischen den St√§dten des Bundesstaates an.

Alle gr√∂√üeren St√§dte Tamil Nadus sind an das Schienennetz angeschlossen. Es untersteht der Regionalgesellschaft Southern Railway der indischen Staatsbahn. Die Gesamtl√§nge des Schnienennetzes in Tamul Nadu betr√§gt 3941 Kilometer (Stand 2007/08). Die Hauptlinien, die etwas √ľber die H√§lfte die H√§lfte des Eisenbahnnetzes ausmachen, sind breitspurig ausgebaut, allerdings nur zum Teil elektrifiziert. Die restlichen Schienenwege sind meterspurig.[13] Die Hauptstadt Chennai verf√ľgt √ľber eine Vorortbahn, eine U-Bahn ist im Bau.

Chennai besitzt einen großen internationalen Flughafen, den Chennai International Airport. Nach Mumbai und Delhi ist er der drittwichtigste Flughafen Indiens. Daneben gibt es zwei kleinere internationale Flughäfen in Tiruchirappalli und Coimbatore sowie Inlandsflughäfen in Madurai, Salem, und Thoothukudi.

Drei der zw√∂lf Hauptseeh√§fen Indiens liegen in Tamil Nadu: Chennai, Thoothukudi und Ennur. Der Hafen von Chennai hatte 2007/08 eine G√ľterumschlagmenge von knapp 57 Millionen Tonnen.[13] Damit sind Chennai und Thoothukudi neben Navi Mumbai in Maharashtra die wichtigsten Containerh√§fen des Landes. Dar√ľber hinaus existieren 15 kleinere H√§fen in Tamil Nadu, die jedoch nur f√ľr die K√ľstenschifffahrt von Bedeutung sind.

Als einer der wenigen indischen Bundesstaaten erzeugt Tamil Nadu einen Elektrizit√§ts√ľberschuss, den es an benachbarte Bundesstaaten weiterleitet. Strom wird vor allem aus W√§rme- (Braunkohle, Erdgas), Wasser-, Kern- und Windkraft gewonnen. Bei letzterer nimmt Tamil Nadu eine F√ľhrungsposition innerhalb Indiens ein, da es f√ľr mehr als die H√§lfte der indischen Windenergieerzeugung aufkommt.

Soziales und Bildung

Soziales

Im Vergleich zu anderen Regionen Indiens ist Tamil Nadu verh√§ltnism√§√üig wohlhabend. Krasse Armut ist daher nicht ganz so h√§ufig anzutreffen wie etwa in Nordindien. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2006/07 bei 32.733 Rupien[14] und damit etwas √ľber dem Landesdurchschnitt von 29.642 Rupien. 2001 wurde f√ľr Tamil Nadu ein Human Development Index von 0,657 gegen√ľber einem Wert von 0,571 f√ľr ganz Indien ermittelt. Auch Gesundheitsindikatoren wie die Lebenserwartung von 64,6 Jahren (M√§nner: 63,7 Jahre, Frauen: 65,7 Jahre) gegen√ľber 61,7 Jahren im Landesdurchschnitt (M√§nner: 60,8 Jahre, Frauen: 62,5 Jahre; Stand jeweils 1999) und die S√§uglingssterblichkeit von 41 auf 1000 Lebendgeburten gegen√ľber 60 im Landesdurchschnitt (Stand jeweils 2003) weisen auf Tamil Nadus relative Bessergestelltheit innerhalb Indiens hin.

Dennoch bestehen auch in Tamil Nadu weiterhin gravierende soziale Probleme und Ungleichheiten. So sind die au√üerhalb des Kastensystems stehenden Dalit, die in Tamil Nadu einen √ľberproportional hohen Bev√∂lkerungsanteil von etwa einem F√ľnftel haben, nach wie vor gesellschaftlicher Ausgrenzung und wirtschaftlicher Benachteiligung ausgesetzt. Viele von ihnen m√ľssen sich ihren Lebensunterhalt als Tagel√∂hner in der Landwirtschaft verdienen. Kinderarbeit ist noch immer ein weitverbreitetes Problem; auff√§llig ist dabei der hohe Anteil von M√§dchen ‚Äď ein Indiz f√ľr das geringere Ansehen von M√§dchen und Frauen in der Gesellschaft. Fast die H√§lfte aller Kinder ist unterern√§hrt. Hohe Arbeitslosigkeit stellt vor allem in den St√§dten eine gro√üe Herausforderung dar.

Bildung

Eingang des Indian Institute of Technology in Chennai

Tamil Nadu weist im Vergleich zu anderen Teilen Indiens gute Bildungsindikatoren auf. Die Alphabetisierungsrate liegt mit 80,3 Prozent (M√§nner: 86,8 Prozent, Frauen: 73,9 Prozent) deutlich √ľber dem gesamtindischen Durchschnitt von 74,0 Prozent (M√§nner: 82,1 Prozent, Frauen: 65,5 Prozent; Stand: jeweils Volksz√§hlung 2011).[15] Es besteht Schulpflicht ab einem Alter von 6 Jahren. Tats√§chlich werden 98,3 Prozent aller Kinder Tamil Nadus eingeschult, wobei sich die Einschulungsraten von Jungen und M√§dchen kaum unterscheiden. Im Gegensatz dazu besuchen nur 42,8 Prozent aller Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren eine h√∂here Schule. Insgesamt verf√ľgt der Staat √ľber knapp 50.000 Grund- und weiterf√ľhrende Schulen, in denen Tamil als erste Unterrichtssprache dient. An Hochschulen wird dagegen ein gro√üer Teil der Lehrveranstaltungen in englischer Sprache durchgef√ľhrt.

In Tamil Nadu gibt es 21 Universit√§ten. Dar√ľber hinaus existieren hunderte von privaten und staatlichen Colleges f√ľr Fach-, Berufs- und Allgemeinbildung. Das Indian Institute of Technology (IIT) in der Hauptstadt Chennai ist eine von nur sieben Einrichtungen dieser Art in Indien. Es z√§hlt zu den Elitehochschulen im Bereich Technologie und Ingenieurwesen.

Kultur

Ein Kolam ‚Äď sichtbares Zeichen der tamilischen Kultur

Die tamilische Kultur ist Teil der gesamtindischen Kulturtradition, hat aber in vielerlei Hinsicht ein eigenst√§ndiges Angesicht bewahrt, das sich deutlich vom Rest Indiens unterscheidet. Das wichtigste Bindeglied der tamilischen Kultur ist die tamilische Sprache, die zum zentralen Identifikationsmerkmal erhoben und bisweilen geradezu verg√∂ttlicht wird. Das Tamil geh√∂rt zur Familie der in S√ľdindien gesprochenen dravidischen Sprachen und ist somit nicht mit den Sprachen Nordindiens verwandt. Es kann auf eine √ľber 2000-j√§hrige eigenst√§ndige Literaturgeschichte zur√ľckblicken und z√§hlt daher als klassische Sprache. Viele Tamilen betonen stolz das hohe Alter und die Eigenst√§ndigkeit der tamilischen Sprache.[16]

Literatur

Die tamilische Literatur besitzt ein Alter von √ľber 2000 Jahren und hat damit die √§lteste durchg√§ngige Tradition aller modernen indischen Sprachen.[17] Auch beruht sie nicht auf der Sanskrit-Literatur, sondern hat einen weitgehend eigenst√§ndigen Ursprung. Die fr√ľheste Entwicklungsstufe der tamilischen Literatur (etwa 200 v. Chr. bis 300 n. Chr.) wird als Sangam-Literatur bezeichnet. Das Tolkappiyam, eine Grammatik des Tamil, beschreibt die √Ąsthetik der klassischen Dichtung. Sie wird nach subjektiven Inhalten (akam), wie Liebe und Sexualit√§t, sowie objektiven Themen (puram), wie Krieg und Staatswesen, unterschieden, die jeweils bildhaft dargestellt werden. Im Gegensatz zur nordindischen Sanskritliteratur spielen religi√∂se Themen in der fr√ľhen Tamil-Literatur kaum eine Rolle. Der Korpus der Sangam-Literatur wird unterteilt in die Sammlungen Ettuttokai (‚ÄěAcht Anthologien‚Äú) und Pattuppattu (‚ÄěZehn Lieder‚Äú) sowie die ‚ÄěF√ľnf Gro√üen Epen‚Äú, darunter das Cilappatikaram.

Gegen Ende der Sangam-Periode machten sich verst√§rkt die Einfl√ľsse der sanskritischen Kultur bemerkbar, die unter anderem in umfangreichen buddhistischen und jainistischen Schriften zum Ausdruck kamen. Neue Themen wie Moral und Ethik traten in den Vordergrund, etwa in Tiruvalluvars belehrender Verssammlung Tirukkural. Mit dem Entstehen der hinduistischen Bhakti-Bewegung im 7. Jahrhundert erlebte die fromme Hindulyrik in Form von Preisliedern auf Shiva und Vishnu eine Bl√ľte. In der Chola-Zeit wurde das Epos zum beliebtesten Genre. Hervorzuheben sind hier besonders Kampan mit seinem Kamparamayanam, einer Version des Ramayana, und die Dichterin Auvaiyar.

Umw√§lzende Ver√§nderungen erlebte die tamilische Literatur in Folge westlicher Einfl√ľsse w√§hrend der europ√§ischen Kolonialherrschaft. Neue Genres, wie Roman, Essay und Kurzgeschichte, setzten sich im sp√§ten 19. und fr√ľhen 20. Jahrhundert durch und pr√§gen die moderne tamilische Literatur bis heute. Als Begr√ľnder der tamilischen Moderne gilt der Dichter Subramaniyam Bharati (1882‚Äď1921). R. Krishnamurthy (‚ÄěKalki‚Äú, 1899‚Äď1954) verarbeitete in seinen Romanen und Kurzgeschichten vor allem historische Stoffe. Pudhumaipithan (1906‚Äď1948) erlangte durch seine sozialkritischen Werke gro√üe Anerkennung.

Architektur

Ufertempel in Mamallapuram
Nataraja-Tempel in Chidambaram mit charakteristischem Gopuram

In architektonischer Hinsicht sticht in Tamil Nadu die Tempelbaukunst hervor. An zahlreichen Orten des Bundesstaates finden sich gro√üe Tempelanlagen im s√ľdindischen Dravida-Stil. Charakteristisch sind die hohen, meist mit reichen Figurenschmuck verzierten Gopurams (Tort√ľrme) und der Aufbau des weitl√§ufigen Tempelkomplexes, der sich √ľber mehrere Hektar erstrecken kann, um den zentralen Hauptschrein herum. In den klassischen Tempelst√§dten wie Madurai, Srirangam, Chidambaram, Rameswaram und Tiruvannamalai bildet das Heiligtum den Mittelpunkt der Stadt, deren Stadtgrundriss den Umrissen des Tempels folgt.

In Tamil Nadu finden sich einige der herausragendsten Beispiele fr√ľhmittelalterlicher hinduistischer Tempelbaukunst. Die monolithischen Felsentempel aus der Pallava-Zeit (7. und 8. Jahrhundert) in der ehemaligen Hafenstadt Mamallapuram sind Fr√ľhformen des s√ľdindischen Dravida-Stils und sind durch einen pyramidenf√∂rmig gestuften Tempelturm (Vimana) √ľber dem Allerheiligsten gekennzeichnet. Dem Vimana ist √ľblicherweise eine S√§ulenhalle vorgelagert. Im 8. Jahrhundert setzte sich der in Mamallapuram begonnene Tempelbaustil in der alten Pallava-Hauptstadt Kanchipuram fort. Die Chola entwickelten die Vimanas der Pallava-Zeit zu gewaltigen Stockwerkpyramiden weiter, deren Geschosse mit aufgesetzten Scheinzellen verziert wurden. Dieser Entwicklung erreichte mit dem Brihadisvara-Tempel in Thanjavur im fr√ľhen 11. Jahrhundert ihren H√∂hepunkt.

Unter den sp√§ten Chola und insbesondere unter den sie abl√∂senden Pandya und der Nayak-Dynastien vollzog sich eine bauliche Akzentverlagerung vom Vimana auf den Torturm (Gopuram) des den eigentlichen Sakralbau umgebenden Tempelbereiches. W√§hrend der Vimana kleiner und unauff√§lliger ist, nimmt der Gopuram nun dessen Gr√∂√üe und k√ľnstlerische Ausgestaltung an. Durch die Erg√§nzung zus√§tzlicher S√§ulenhallen sowie mit Gopurams geschm√ľckter Mauerz√ľge wuchsen viele Tempelbezirke zu weitl√§ufigen Komplexen heran. H√∂hepunkt dieser Entwicklung ist der Minakshi-Tempel in Madurai, der seine heutige Gestalt im Wesentlichen im 16.‚Äď17. Jahrhundert erhielt.

Unter europ√§ischer Herrschaft erlebte die zuvor weitgehend unbeachtete Profanarchitektur einen Aufschwung. Besonders in Chennai entstanden monumentale Verwaltungs- und Repr√§sentationsgeb√§ude wie der High Court sowie zahlreiche Museumsbauten im indo-sarazenischen Stil, der europ√§ische, indische und islamische Einfl√ľsse in sich vereinte.

Musik und Tanz

Bharatanatyam- Tänzerin

Der klassische Musikstil Tamil Nadus ist die karnatische Musik, die im Gegensatz zur hindustanischen Musik Nordindiens kaum von persisch-arabischen Traditionen beeinflusst wurde. Sie ist eine der beiden Hauptrichtungen klassischer indischer Musik und weist deren Merkmale auf: Raga, ein Tonleitersystem, das mit bestimmten rhythmischen Zyklen (Tala) zusammengestellt wird. Die am h√§ufigsten verwendeten Melodieinstrumente sind Saiteninstrumente wie Vina und Geige. Als Rhythmusgeber dienen vor allem Mridangam, Kanjira oder Ghatam. Bekannte Vokalinterpreten dieser Musik sind D. K. Pattammal, M. S. Subbulakshmi und M. L. Vasanthakumari. Bestandteile klassischer karnatischer Musik finden sich auch in der modernen tamilischen Popmusik wieder, h√§ufig Filmmusiken beliebter Kinostreifen. Der erfolgreichste Komponist moderner Musik aus Tamil Nadu ist A. R. Rahman. In den l√§ndlichen Gegenden h√§lt sich noch die urspr√ľngliche Volksmusik, besonders unter den St√§mmen des Berglandes. In der Hauptstadt Chennai findet jedes Jahr im Dezember ein gro√ües Musikfestival statt (Chennai Music Season), bei dem einige der anerkanntesten Virtuosen der karnatischen Musik und Darsteller s√ľdindischer Tanzformen auftreten.

T√§nze dienen seit jeher als Ausdrucksformen religi√∂ser Verehrung oder zur Darstellung mythologischer Themen. Schon im Altertum wurden sie von Tempeldienerinnen (Devadasis) dargeboten. Der Bharatanatyam, heute einer der sieben f√ľhrenden klassischen Tanzstile Indiens, hat seinen Ursprung in Tamil Nadu. Er wurde in den 1930er Jahren von Rukmini Devi Arundale wiederbelebt und weiterentwickelt und wird heute unter anderem an der von ihr gegr√ľndeten Kalakshetra-Akademie in Chennai gelehrt. Er umfasst rein t√§nzerische sowie dramatische Elemente. Als Einzeltanz kann er sowohl von Frauen als auch von M√§nnern dargeboten werden. Dar√ľber hinaus bestehen zahlreiche Volkstanz- und Tanzdramatraditionen.

Film

M. G. Ramachandran im Film Abhimanyu (1948)

Das tamilische Kino tr√§gt in Anspielung auf Hollywood und Bollywood, die Filmindustrie in Mumbai, auch den Namen ‚ÄěKollywood‚Äú. Der Anfangsbuchstabe weist auf Kodambakkam hin, den Stadtteil Chennais, auf den die tamilische Filmproduktion konzentriert ist. Der erste Spielfilm entstand in Kodambakkam 1916 unter der Regie von R. Nataraja Mudaliar. Als erster Tonfilm folgte 1931 Kalidas von H. M. Reddy. Heute geh√∂rt der tamilische Film mit derzeit 150 bis 200 Produktionen pro Jahr neben dem Hindi-Film und dem Telugu-Film zu den drei gr√∂√üten indischen Regionalfilmindustrien, die alle schon die Spitzenposition der meisten produzierten Filme innehatten (Tamil erstmals 1979 mit 139 Produktionen[18]).

In Konzeption und Thematik ähneln die meisten tamilischen Produktionen denen des Hindi-Films, grenzen sich aber durch die Verwendung der tamilischen Sprache ab. Wie auch in Bollywoodfilmen kommt Musik- und Tanzeinlagen eine hohe Bedeutung zu, allerdings finden sich mehr komische und Kampfkunstelemente. Erfolgreiche Tamil-Filme werden oft in leicht abgewandelter Form und mit anderer Besetzung in Bollywood neuverfilmt, seltener auch umgekehrt. Einer der bekanntesten Regisseure des gegenwärtigen tamilischen Films ist Mani Ratnam, der mittlerweile auch an zahlreichen anderssprachigen Produktionen mitgewirkt hat und als einer der herausragendsten indischen Regisseure gilt.

Eine Besonderheit ist die au√üergew√∂hnliche hohe, zuweilen abg√∂ttische Verehrung, die Schauspielern und Schauspielerinnen entgegengebracht wird. In keinem anderen Bundesstaat Indiens waren ehemalige Filmschaffende politisch so erfolgreich wie in Tamil Nadu. Die enge Verbindung von Politik und Filmindustrie begann in den 1950er-Jahren als die DMK-Partei den tamilischen Film zu einem Vehikel ihrer Propaganda machte (‚ÄěDMK-Film‚Äú). Seitdem ist es f√ľnf Filmpers√∂nlichkeiten ‚Äď den Drehbuchautoren C. N. Annadurai und M. Karunanidhi sowie den Schauspielern M. G. Ramachandran, V. N. Janaki und J. Jayalalithaa ‚Äď gelungen, Chief Minister des Landes zu werden

Sport

Cricket-Spiel im M. A. Chidambaram Stadium in Chennai

Wie in ganz Indien ist die mit Abstand beliebteste Sportart in Tamil Nadu Cricket, gefolgt von Hockey. Die Chennai Veerans sind der erfolgreichste Hockeyverein Tamil Nadus. Die First-Class Cricket-Auswahl des Bundesstaates spielt in der Ranji Trophy, einem der wichtigsten nationalen Cricketwettbewerbe, und tr√§gt ihre Spiele im 50.000 Zuschauer fassenden M. A. Chidambaram Stadium in Chennai aus. Das Jawaharlal Nehru Stadium mit 40.000 Pl√§tzen, ebenfalls in der Hauptstadt, wird f√ľr Leichtathletikveranstaltungen und Fu√üballspiele genutzt. Es ist Heimspielst√§tte des erfolgreichsten Fu√üballvereins von Tamil Nadu, Indian Bank RC, der 1996 Gr√ľndungsmitglied der National Football League war, derzeit (Spielzeit 2010/11) aber nur noch zweitklassig ist.

Drei der international bekanntesten indischen Sportler kommen aus Tamil Nadu: Viswanathan Anand, derzeit Schachweltmeister, sowie die Formel-1-Rennfahrer Narain Karthikeyan und Karun Chandhok.

K√ľche

Idli und Vadai auf einem Bananenblatt mit Sambar und Kokoschutney serviert

Die als besonders pikant geltende tamilische K√ľche zeichnet sich durch eine au√üergew√∂hnliche Vielfalt an vegetarischen Gerichten aus. Fleischspeisen sind aus religi√∂sen Gr√ľnden von untergeordneter Bedeutung, allerdings werden gelegentlich Fisch oder Meeresfr√ľchte verwendet. Als Grundnahrungsmittel dient Reis. Eine typische Hauptmahlzeit besteht aus Reis, der mit Linsen, verschiedenem Gem√ľse, Sambar (einer So√üe auf Linsen- und Tamarindenbasis), Rasam (einer d√ľnnen Pfefferso√üe) und Joghurt verzehrt wird. Bei der Zubereitung der So√üen kommt eine Vielzahl an Gew√ľrzen zum Einsatz, darunter Tamarinde, Currybl√§tter, Koriander, Ingwer, Chili, Knoblauch, Pfeffer, Kardamom, Kreuzk√ľmmel, Zimt, Muskatnuss und Gew√ľrznelken.

Als Zwischenmahlzeiten beliebt sind Dosai, eine Art Pfannkuchen aus Reis- und Urdbohnenmehl, Idli, ged√§mpfte K√ľchlein, die ebenfalls aus Reis- und Urdbohnenmehl gefertigt werden, und Vadai, fritierte K√ľchlein aus Urdbohnen. Dazu reicht man Sambar und Chutneys aus Kokosfleisch oder Tomaten. Die Speisen werden f√ľr gew√∂hnlich auf einem Bananenblatt serviert. Gegessen wird traditionell mit der rechten Hand.

Noch vor dem in ganz Indien beliebten Tee ist in Tamil Nadu Kaffee das wichtigste Getränk. Er wird als Filterkaffee mit viel Milch und Zucker zubereitet und in Edelstahlbechern serviert.

Feste

Pongal-Kochen am zweiten Tag des Pongal-Festes

Neben den √ľberregional verbreiteten Feiertagen der verschiedenen Glaubensgemeinschaften gilt das Erntedankfest Pongal als das wichtigste aller tamilischen Feste. Es wird vom ersten Tag des tamilischen Monats Tai (Mitte Januar) an vier Tage lang gefeiert. Am ersten Tag werden symbolisch alte Gegenst√§nde weggeworfen. Der wichtigste Tag ist der zweite, an dem man eine Art Milchreis kocht, der ebenfalls Pongal hei√üt. Das Gericht muss dabei √ľberkochen, was den Wunsch nach einer guten Ernte, Wohlstand und √úberfluss zum Ausdruck bringen soll. Am dritten Tag dankt man den K√ľhen und B√ľffeln f√ľr ihre Dienste. Dabei findet vielerorts ein Jallikattu genannter Wettkampf statt, bei dem junge M√§nner versuchen, einen Bullen niederzuringen. Am vierten Tag klingt das Pongal-Fest mit Familienbesuchen aus.

Das tamilische Neujahrsfest findet Mitte April statt. Unter den religiösen Festen der Hindus ragt das Lichterfest Diwali heraus, im Tamilischen Dipavali genannt. In den Tempelstädten Tamil Nadus werden im jährlichen Rhythmus große Tempelfeste gefeiert, bei denen die Götterbilder in aufwändigen Prozessionen auf großen Tempelwagen durch die Straßen gezogen werden.

Ber√ľhmte Pers√∂nlichkeiten

Aus Tamil Nadu kommen mehr Tr√§ger der h√∂chsten zivilen Auszeichnung Indiens, des Bharat Ratna, als aus jedem anderen Bundesstaat. Zu den acht tamilischen Tr√§gern des zuletzt 2001 verliehenen Ordens geh√∂ren der Politiker C. Rajagopalachari (1878‚Äď1972), Indiens zweiter Pr√§sident S. Radhakrishnan (1888‚Äď1975), der Physiker und Nobelpreistr√§ger C. V. Raman (1888‚Äď1970), der Politiker und ehemalige Chief Minister K. Kamaraj (1903‚Äď1975), der Schauspieler und langj√§hrige Chief Minister M. G. Ramachandran (1917‚Äď1987), der Raketeningenieur und amtierende indische Pr√§sident A. P. J. Abdul Kalam (geb. 1931), die S√§ngerin M. S. Subbulakshmi (1916‚Äď2004) sowie der ma√ügeblich an der Durchf√ľhrung der ‚ÄěGr√ľnen Revolution‚Äú beteiligte Politiker C. Subramaniam (1910‚Äď2000). Als eigentlicher Vater der ‚ÄěGr√ľnen Revolution‚Äú gilt der Agrarwissenschaftler M. S. Swaminathan (geb. 1925). Auch der Mathematiker S. A. Ramanujan (1887‚Äď1920) und der Physiker und Nobelpreistr√§ger Subrahmanyan Chandrasekhar (1910‚Äď1995) waren tamilischer Abstammung. Der spirituelle Lehrer und Vorg√§nger der Satsang-Bewegung Ramana Maharshi (1879-1950) wurde ebenfalls in Tamil Nadu geboren.

siehe auch: Liste bekannter Tamilen

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Know India: Tamil Nadu
  2. ‚ÜĎ Census of India 2011: Provisional Population Totals. Cities having population 1 lakh and above.
  3. ‚ÜĎ Census of India 2011: Distribution of population, sex ratio, density and decadal growth rate of population : 2011.
  4. ‚ÜĎ Census of India 2011: Provisional Population Totals - India - Rural-Urban Distribution.
  5. ‚ÜĎ Census of India 2001: Tamil Nadu - The Scheduled Tribes
  6. ‚ÜĎ Indischer Zensus 2001
  7. ‚ÜĎ Census of India 2001: Population by religious communities.
  8. ‚ÜĎ Tamil Nadu Legislative Assembly: The State Legislature - Origin and Evolution
  9. ‚ÜĎ Census of India: Provisional Population Totals - Census 2011 : Tamilnadu. Distrubution of Population, Decadal Growth Rate, Sex-Ratio and Population Density.
  10. ‚ÜĎ VNW Analystic Services: State Domestic Product of India 2010-11.
  11. ‚ÜĎ Governement of Tamil Nadu, Departement of Geology & Mining: Mineral Wealth.
  12. ‚ÜĎ Tourism and Culture Department: Tourism Policy Note 2010-2011, S. 6
  13. ‚ÜĎ a b c d Transport ans Communication
  14. ‚ÜĎ http://mospi.nic.in/10_percapnsdp_cor_9394ser.htm
  15. ‚ÜĎ Census of India 2011: Literates and literacy rates by sex : 2011.
  16. ‚ÜĎ Sumathi Ramaswamy: Passions of the Tongue. Language Devotion in Tamil India, 1891‚Äď1970, Berkley and Los Angeles: University of California Press, 1997.
  17. ‚ÜĎ Zur tamilischen Literatur siehe Kamil Zvelebil: Tamil Literature, Wiesbaden: Harrassowitz, 1973.
  18. ‚ÜĎ √úbersicht zur Anzahl der Produktionen in den einzelnen Sprachen Indiens in: Ashish Rajadhyaksha, Paul Willemen. Encyclopaedia of Indian Cinema. S. 30 ff.

Literatur

  • Joachim K. Bautze: Indien und seine Bundesstaaten. Komet Verlag, K√∂ln 2006, ISBN 3-89836-527-1
  • Fritjof Capra, Jacqueline Capra: Die Seele Indiens. Tamil Nadu. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 1984, ISBN 3-922294-37-5
  • R. Nagaswami: Art and Culture of Tamil Nadu. Sundeep Prakashan, Delhi 2004, ISBN 81-7574-015-9
  • George Michell: Temple Towns of Tamil Nadu. Marg Publications, Mumbai 2003, ISBN 81-85026-21-1

Weblinks

 Commons: Tamil Nadu ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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  • Tamil Nadu ‚ÄĒ [tamőĄ…ôl n√§‚Ä≤doÕěo, n√§ doÕěo‚Ä≤; t√§mőĄ…ôl, tumőĄ…ôl] state of S India: 50,216 sq mi (130,059 sq km); pop. 58,840,000; cap. Chennai ‚Ķ   English World dictionary

  • Tamil Nadu ‚ÄĒ Demande de traduction Tamil Nadu ‚Üí Tamil Nadu ‚Ķ   Wikip√©dia en Fran√ßais

  • Tamil Nadu ‚ÄĒ /nah dooh/ a large state in S India: formerly a presidency; boundaries readjusted on a linguistic basis 1956. 41,200,000; 50,110 sq. mi. (129,785 sq. km). Formerly, Madras. * * * formerly Madras State (pop., 2001 prelim.: 62,110,839),… ‚Ķ   Universalium


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