Bamberger Dom

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Bamberger Dom
Bamberger Dom (Gesamtansicht)
Bamberger Dom vom Schloss Geyerswörth aus gesehen
Lage des Dombergs in der Bamberger Altstadt
Lage auf dem Domberg
Grundriss (Kernbereich gelb)

Der Bamberger Dom St. Peter und St. Georg gehört zu den deutschen Kaiserdomen und ist mit seinen vier TĂŒrmen das beherrschende Bauwerk des Weltkulturerbes Bamberger Altstadt. Im Inneren befinden sich der berĂŒhmte Bamberger Reiter, das Grab des einzigen heiliggesprochenen Kaiserpaars des Heiligen Römischen Reichs sowie das einzige Papstgrab in Deutschland und nördlich der Alpen. Neben den drei anderen Wallfahrtsbasiliken Basilika Marienweiher, Basilika Vierzehnheiligen und Basilika GĂ¶ĂŸweinstein ist der Bamberger Dom die vierte Basilica minor des Erzbistums Bamberg

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Chronologie

  • Seit etwa 600 n. Chr. Siedlungsbeginn auf dem Domberg
  • 902 wird die Babenburg erstmals erwĂ€hnt
  • 1004 Grundsteinlegung durch Kaiser Heinrich II.
  • 1007 Bamberg wird Bistum
  • 1012 Weihe des 1. Doms (anlĂ€sslich dieses Datums findet 2012 die 1000-Jahr-Feier des Doms statt)
  • 1046 der 2. Bamberger Bischof „Suidger“ wird Papst. Sein Grab im Bamberger Dom ist das einzige erhaltene Papstgrab nördlich der Alpen
  • 1081 erstes Großfeuer im Dom
  • 1087 provisorischer Wiederaufbau
  • 1185 erneutes Großfeuer und Abriss
  • 1237 erneute Domweihe (auf dieser Grundlage fand im Jahr 1989 die 750-Jahr-Feier des aktuellen Doms statt)
  • 1611 Beginn der Barockisierung (weitergefĂŒhrt nach dem DreißigjĂ€hrigem Krieg)
  • 1818 Bamberg wird Erzbistum: zur Kirchenprovinz gehören neben Bamberg die BistĂŒmer EichstĂ€tt, Speyer und WĂŒrzburg
  • 1829 Beginn der Purifizierung auf Initiative des bayerischen Königs Ludwig I.
  • 2007 BistumsjubilĂ€um

Patrozinium

Georg, Petrus und Maria mit Jesuskind an der Marienpforte

Das Patrozinium bzw. Patronat des Doms ist bewusst gewÀhlt, um das Verbindende von Ostkirche und Westkirche zu betonen:

Zur Person der DomgrĂŒnder

Kunigunde und Heinrich II. an der Adamspforte

Der spĂ€tere Kaiser Heinrich II. wurde mit fĂŒnf Jahren in die Obhut des Bischofs von Freising gegeben und besuchte spĂ€ter die renommierte Domschule von Hildesheim. Die weitere Erziehung erhielt er durch den Bischof von Regensburg, den heiligen Wolfgang. Er hatte damit eine umfassende Ausbildung erhalten und konnte sich mit den meisten Geistlichen messen, war aber weitaus gebildeter als die meisten Herrscher seiner Zeit, die oft nicht einmal lesen und schreiben konnten.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 995 wurde er als Heinrich IV. Herzog von Bayern. Als Kaiser Otto III. im Jahr 1002 auf einer Italienreise ohne Erben starb, ließ Heinrich den Leichenzug auf seinem Weg durch Bayern aufhalten und brachte die Reichsinsignien an sich. Dann ließ er sich, unbemerkt von seinen Gegnern, vom Mainzer Erzbischof Willigis zum König salben. Anschließend ließ er seine Gemahlin Kunigunde in Paderborn zur Königin krönen. Zwölf Jahre spĂ€ter, im Jahr 1014, wurden die beiden dann in Rom zu Kaisern gekrönt. Das bedeutet, dass Heinrich den Bamberger Dom nicht als Kaiser sondern als König grĂŒndete.

995 bis 1002 Herzog
1002 bis 1024 König
1014 bis 1024 Kaiser
Heinrich II. und Kunigunde als Stifterfiguren mit einem Modell des Bamberger Doms

FĂŒr Bamberg hatte Heinrich eine besondere Vorliebe, und er ĂŒbertrug die Babenburg seiner Frau als Witwensitz. Da er bald erkannte, dass seine Ehe kinderlos bleiben wĂŒrde, beschloss Heinrich, in Bamberg ein Bistum zu errichten, in das sein Besitz einfließen sollte und in dem Seelenmessen fĂŒr ihn gelesen werden sollten. Um dieses neue Bistum grĂŒnden zu können, löste er Gebiete aus den BistĂŒmern WĂŒrzburg und EichstĂ€tt heraus, auch wenn dies kirchenrechtlich nicht zulĂ€ssig war. Dem Bischof Heinrich von WĂŒrzburg versprach Heinrich als Ausgleich dafĂŒr, sein Bistum zum Erzbistum erheben zu lassen. Auch dies war kirchenrechtlich nicht zulĂ€ssig, ein solches Recht stand ausschließlich dem Papst zu. Den berechtigten Widerstand der Frankfurter Synode dagegen von 1007 brach Heinrich letztlich, indem er die teilnehmenden Bischöfe mit Demutsgesten moralisch unter Druck setzte.

Heinrich starb im Jahr 1024 in der Pfalz Grone bei Göttingen und wurde wunschgemĂ€ĂŸ im Bamberger Dom beigesetzt. Im Jahr 1146 wurde er fĂŒr die Christianisierung der Westslawen, vor allem aber fĂŒr die GrĂŒndung des Bistums Bamberg von Papst Eugen III. heiliggesprochen. In der Heiligsprechungsbulle des Papstes heißt es:

„Jetzt aber haben wir vieles [
] erfahren ĂŒber seine Keuschheit, ĂŒber die GrĂŒndung der Bamberger Kirche und vieler anderer, auch ĂŒber die Wiederherstellung bischöflicher Sitze und die vielfĂ€ltige Freigebigkeit seiner Spenden, ĂŒber die Bekehrung König Stephans und ganz Ungarns, von ihm herbeigefĂŒhrt durch Gottes Hilfe, ĂŒber seinen glorreichen Tod und ĂŒber mehrere Wunder nach seinem Tod, geschehen in Gegenwart seines Leibes. Darunter halten wir besonders bemerkenswert, dass er nach Empfang von Krone und Zepter des Reiches nicht kaiserlich, sondern geistlich lebte und dass er in rechtmĂ€ĂŸiger Ehegemeinschaft, wie wohl nur wenige bis ans Lebensende unversehrte Keuschheit bewahrte.“[1]

Kaiserin Kunigunde wurde erst im Jahr 1200 kanonisiert. Um dieses heiliggesprochene Kaiserpaar ranken sich viele Legenden. Vor allem ihre Kinderlosigkeit wurde als Beweis fĂŒr eine keusche Ehe angesehen. Kunigunde war zu Lebzeiten eine wichtige Beraterin ihres Mannes und nach seinem Tod sechs Wochen lang die alleinige Regentin des Heiligen Römischen Reichs. In dieser Funktion konnte sie die Wahl des Saliers Konrad II. durchsetzen. Anschließend zog sie sich in das hessische Benediktinerinnenkloster Kaufungen zurĂŒck und widmete sich der Krankenpflege.

Der erste Dom (Heinrichsdom)

So könnte der erste Dom ausgesehen haben (Bamberg, St. Jakob).
letzter Überrest des Heinrichsdoms: eine der beiden „Domkröten“

Der VorgĂ€ngerbau des heutigen Bamberger Doms, der so genannte Heinrichsdom, wurde im Jahr 1004 von Kaiser Heinrich II. dem Heiligen, dem GrĂŒnder des Bistums Bamberg, in Auftrag gegeben. Der Bau wurde auf einer Anhöhe ĂŒber den Fundamenten der Kapelle und des Friedhofs der ehemaligen Babenburg, die Heinrich von seinem Vater Heinrich dem ZĂ€nker geerbt hatte, errichtet. Dieser VorgĂ€ngerbau hatte keine exakte Ost-West-Ausrichtung und da sich die kĂŒnftigen Bauten immer an dem bereits Vorhandenen ausrichteten, hat sich die Ausrichtung von Nordost nach SĂŒdwest tausend Jahre lang erhalten.

Im Jahr 1007 wurde Bamberg Bistum, womit der Kirchenbau enorm aufgewertet wurde. Am 6. Mai 1012, dem Geburtstag Heinrichs II., wurde der Dom in Gegenwart von 45 Bischöfen und anderer WĂŒrdentrĂ€ger zu Ehren des Apostels Petrus, der Muttergottes Maria und des Heiligen Georg geweiht. Diese Patronate blieben bis heute erhalten. Bei der Domweihe waren – mit einer einzigen Ausnahme – alle Erzbischöfe des Heiligen Römischen Reichs anwesend. Dies unterstreicht die Bedeutung des Neubaus, denn bei keiner anderen Domweihe des Mittelalters waren so viele Bischöfe anwesend. Der Heinrichsdom stand in der Tradition der großen Kathedralen des 11. Jahrhunderts, war aber im Vergleich zum Mainzer Dom (116 Meter) und zum Speyerer Dom (134 Meter) mit einer LĂ€nge von lediglich 75 Metern eher bescheiden. Statt vier TĂŒrme hatte er nur zwei TĂŒrme, die den Ostchor flankierten. Von diesem Dom ist heute nur noch die unterirdische Grablege der Bischöfe erhalten.

Der Dom Heinrichs war eine dreischiffige SĂ€ulenbasilika mit Querhaus und Hauptchor. Alle Decken waren flach und aus Holz. An der Ostseite standen zwei niedrige TĂŒrme. Den Abschluss bildete eine halbkreisförmige Apsis.

Eine Vorstellung, wie der Heinrichsdom ausgesehen haben mag, vermittelt die 100 Jahre spÀter geweihte Jakobskirche etwas oberhalb vom Domberg. Auch sie war eine dreischiffige SÀulenbasilika und wurde in der Zeit der Gotik und des Barock nur wenig verÀndert.

Der Dom im spĂ€ten 11./frĂŒhen 12. Jahrhundert

Zu Ostern 1080 trafen sich die ParteigĂ€nger von Kaiser Heinrich IV. zu einer Synode im Bamberger Dom. Als in der Osternacht des folgenden Jahres Dach und TĂŒrme abbrannten, sahen die AnhĂ€nger von Papst Gregor VII. darin wegen deren Haltung im Investiturstreit eine Strafe Gottes. (Heinrich IV. war der Kaiser, der spĂ€ter den Gang nach Canossa antreten musste.)

Von den oberirdischen Teilen des Heinrichsdoms ist heute kaum etwas erhalten. Im Jahr 1081 brannte der Dom, wobei die kostbare Ausstattung zerstört wurde. Die SchĂ€den an der Bausubstanz dĂŒrften sich aber in Grenzen gehalten haben. Wie auch die archĂ€ologischen Grabungen im Inneren des Doms gezeigt haben, entstand nach dem Brand 1081 kein kompletter Neubau. Lediglich die beschĂ€digten Teile des Dombaus wurden soweit in Stand gesetzt, dass bereits im Jahre 1087 unter Bischof Rupert eine Synode in Bamberg abgehalten werden konnte. Wesentliche Arbeiten zur Wiederherstellung der beim Brand zerstörten Ausstattung wurden sogar erst unter seinem Nachfolger, dem Bischof Otto durchgefĂŒhrt. Otto war in Baufragen bewandert, denn er hatte bereits den Umbau des Speyerer Doms geleitet. Nun erhielt der Dom einen neuen Fußboden, die vom Feuer beschĂ€digten SĂ€ulen wurden mit Stuck verziert. Außerdem ließ Otto den Ostchor höher legen und die DĂ€cher mit teurem Kupfer eindecken, um die Feuergefahr zu verringern. Turmkreuze und Turmspitzen wurden vergoldet.

Von der liturgischen Nutzung des Domes ist kaum etwas ĂŒberliefert. Die wenigen Berichte entsprechen aber den ĂŒblichen Gottesdienstordnungen des spĂ€ten Mittelalters.

Der mittelalterliche Dom war ein Ort verschiedener Nutzungsbereiche und diente ausschließlich dem Domkapitel und den Domvikaren. Die Domgeistlichkeit nutzte den Ostchor fĂŒr die mehrmals tĂ€glich stattfindenden Stundengebete sowie fĂŒr Gottesdienste. Die Chorbereiche waren exklusive Raumteile, die durch drei bis vier Meter hohe Lettner abgetrennt waren und die Geistlichen vor Störungen schĂŒtzten. Prozessionen innerhalb des Doms waren ebenfalls Teil der Domliturgie. Gelegentlich fĂŒhrten die UmzĂŒge vom Dom durch den Kreuzgang in die Sepultur, oder vom Dom zur Stephanskirche, zur Jakobskirche, zur Gangolfskirche und zum Benediktinerkloster Sankt Michael.

Der zweite Dom (Eckbertdom)

Bamberger Dom auf einem GemÀlde von Wolfgang Katzheimer

Nach einem erneuten Großfeuer im Jahr 1185 wurde der Bau abgerissen und erst 1215 mit einer Neuerrichtung auf Veranlassung von Bischof Eckbert von Andechs-Meranien, dem Bruder der Heiligen Hedwig von Andechs, begonnen. Dieser zweite, grĂ¶ĂŸere Dom wurde am 6. Mai 1237, dem Geburtstag Kaiser Heinrichs II., feierlich geweiht.

Beim Neubau sollte die Heiligkeit des Ortes gewahrt werden. Deshalb war er auch am gleichen Platz vorgesehen. Um weiterhin Gottesdienste feiern zu können, wurden Abbruch und Neubau so aufeinander abgestimmt, dass stets Raum fĂŒr feierliche Gottesdienste in der Kathedrale vorhanden war. Um 1215 wurde mit dem Abbruch im Osten begonnen und das dabei anfallende Abbruchmaterial wieder eingebaut. Seit dem Bauabschluss des 13. Jahrhunderts wurde an der Architektur des Doms nichts Wesentliches mehr verĂ€ndert. Anders verlief die Entwicklung im Inneren.

Kaiser Heinrich war schon im Jahr 1146 heiliggesprochen worden. Nun setzte sich Bischof Timo dafĂŒr ein, dass auch Kaiserin Kunigunde kanonisiert wurde. Diese Heiligsprechung fand am 29. MĂ€rz 1200 statt und war deshalb bemerkenswert, weil im Mittelalter nur ganz wenige Frauen heiliggesprochen wurden, die keine MĂ€rtyrerinnen waren. Vermutlich wollte Timo dieses feierliche Ereignis schon im neuen Dom stattfinden lassen und wahrscheinlich war zu diesem Zeitpunkt die Ostapsis schon so weit fertiggestellt, dass ein Altar zu Ehren Kunigundes aufgestellt werden konnte. Daran erinnert heute noch ein kleines Rundfenster am Georgenchor, hinter dem sich vermutlich die ReliquienbĂŒste Kunigundes befand.

Der Bamberger Königsmord des Jahres 1208 unterbrach die Bauarbeiten am Dom fĂŒr einige Jahre. Philipp von Schwaben wurde am 21. Juni 1208, kurz vor seiner Kaiserwahl, in der Alten Hofhaltung vom bayerischen Pfalzgrafen Otto VIII. von Wittelsbach ermordet. In den Annalen von Marbach fĂŒr das Jahr 1208 heißt es:

„als der vorgenannte Pfalzgraf, wie er denn schon lĂ€ngst die böse That in seinem Herzen beschlossen hatte, herbeikam, Einlass begehrte und erhielt. Hier zog er das Schwert, indem er sich stellte als spiele er gleich einem Possenreißer, verwundete aber bei sich ergebender Gelegenheit den König in der Gegend des Halses und ergriff sogleich die Flucht. Und in Folge dieser Verwundung verlor derselbe das Leben“

Bischof Ekbert floh zu König Andreas II., seinem Schwager, nach Ungarn, weil er fĂŒr vogelfrei erklĂ€rt worden war. Dessen diplomatischen Einsatz verdankte er seine rasche Rehabilitation und so konnte er bereits 1212 in sein Bistum zurĂŒckkehren.

Als Jahre spĂ€ter die Arbeiten am Dom wieder aufgenommen wurden, entschied sich das Domkapitel fĂŒr einen Wechsel in der Architektur. Dieser Stilwandel hĂ€ngt vermutlich mit dem damaligen Bamberger Bischof Ekbert von Andechs-Meranien und dessen internationalen Beziehungen zusammen. Dessen Schwester Agnes (Agnes von Meran; † 1201) hatte den französischen König Philipp II., genannt Philippe-Auguste geheiratet. Dies mag erklĂ€ren, weshalb um das Jahr 1220 in Bamberg eine BauhĂŒtte tĂ€tig wurde, die mit der aktuellen französischen Kunstentwicklung vertraut war.

Die Erfurter JahrbĂŒcher melden zum Jahr 1237:

„Hoc anno pridie Nonas Maii in Babenberc dedicatum est monasterium ab his episcopis: Erbipolense, Eystatense, Nuwenburgense, Merseburgense; domino papa ibidem magnam faciente indulgentiam.“
(Übersetzung: „In diesem Jahre am Tag vor den Nonen des Mai wurde das MĂŒnster in Bamberg geweiht von (folgenden) Bischöfen: dem WĂŒrzburger, dem EichstĂ€tter, dem Naumburger, dem Merseburger. Der Herr Papst hatte hierfĂŒr einen großen Ablass gewĂ€hrt.“[2]

AuffÀllig ist, welchen Bedeutungsverlust der Dom bei dieser Weihe erlitten hatte. Waren 1012 bei der ersten Domweihe 45 Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe zu Gast, so erwÀhnt die Quelle jetzt nur vier Konsekratoren.

Barockisierung

Barockisierter Dom

Nach dem Ende des DreißigjĂ€hrigen Krieges erfolgte die Barockisierung des Doms unter FĂŒrstbischof Melchior Otto Voit von Salzburg.

Die Erneuerung der katholischen Kirche, die vom Konzil von Trient ausging, drĂŒckte sich kĂŒnstlerisch im Barockstil aus. Das Bamberger Domkapitel war allerdings zuerst zögerlich in der Umsetzung der neuen Kunstströmung, doch im Jahr 1678 waren fast alle 30 AltĂ€re barockisiert.

Entgegen der gelĂ€ufigen Ansicht war der Dom im Mittelalter vollstĂ€ndig farbig ausgemalt. Doch Verschmutzung durch Kerzenruß und Staub, sowie abblĂ€tternde Farbe machten immer wieder neue Anstriche notwendig. Deshalb ist von der ursprĂŒnglichen Bemalung bis auf wenige Reste nichts mehr erhalten. Auch die sich wandelnden Ă€sthetischen Vorstellungen trugen zu einer stĂ€ndigen Umgestaltung bei. An schwer zugĂ€nglichen Stellen wurden Reste von bis zu zwölf ĂŒbereinander liegenden Anstrichen festgestellt.

Am rechten Kapitell der nördlichen Blendarkade im Ostchor wurde der Schichtaufbau der Farben analysiert. Dabei wurden folgende Schichten festgestellt:

  1. Stein
  2. weiß (Grundierung)
  3. grĂŒn
  4. Neufassung weiß (Grundierung)
  5. Ocker
  6. Neufassung weiß (Grundierung)
  7. leuchtender Ocker

Am 10. Mai 1611 beschloss das Domkapitel, dass „die Steine abgerieben und erneuert, aber nit geweisst“ werden sollen. Eine einschneidende Entscheidung war das Entfernen der farbigen Glasfenster. Wörtlich heißt es in dem bischöflichen Schreiben, dass „die obern Fenster an stadt deß gefĂ€rbten und geschmelzten mit hellem Glas verneuert werden“ sollen.[2]

Letzter Rest der Barockausstattung ist der vergoldete Kreuzaltar des flĂ€mischen KĂŒnstlers Justus Glesker im Westchor. Diese Kreuzigungsgruppe mit Christus am Kreuz, Maria, Johannes und Maria Magdalena stand ursprĂŒnglich beim Kaisergrab. Im Jahr 1837 wurde sie im Rahmen der Purifizierung verkauft und 1917 aus Privatbesitz fĂŒr den Dom zurĂŒckerworben.

Purifizierung (Stilbereinigung)

Innenraum (1837)
Bamberger Dom (1880)

In den 1830er Jahren wollte der bayerische König Ludwig I. den Dom wieder in seinen ursprĂŒnglichen romanischen Stil zurĂŒckversetzen lassen und ordnete diverse purifizierende Rekonstruktionen an, an denen der bedeutende Architekt Friedrich von GĂ€rtner maßgeblich mitwirkte. Diese Maßnahmen, die zum Erhalt des Domes beitrugen, entsprachen dem romantischen Geist der Zeit, der sich fĂŒr das so genannte reine Mittelalter ohne ZusĂ€tze aus nachfolgenden Stilepochen begeisterte. Sie trugen aber auch zu einer Verarmung des Bauwerks bei, da seine HistorizitĂ€t auf ein idealisiertes Mittelalter reduziert wurde. Das Entfernen der Farbe fĂŒhrte zu einem HerausprĂ€parieren der Architektur und zu einem frostigen Raumeindruck. Domdekan Friedrich Brenner beschrieb im Jahr 1837 den purifizierten Dom als „gar zu kalt, frostig, einförmig und der Pracht des katholischen Gottesdienstes zu wenig entsprechend“.

Ludwig I. schrieb im Jahr 1826 an den Bamberger Erzbischof Joseph Maria Freiherr von Fraunberg einen Brief, in dem es unter anderem heißt:

„Es ist mir schon frĂŒher bey dem Besuche der erzbischöflichen Metropolitan-Kirche zu Bamberg unangenehm aufgefallen, dass dieses herrliche, große Denkmal des teutschen Baustyles einige Verunstaltungen und Renovationen erhalten hat, welche dem Kunstsinne widerstreben. Um dieses zu verbessern, und dem ungestörten Anblick dieses erhabenen Tempels in dem Geiste des reinen Styles wieder herzustellen, ist es Mein Wunsch, dass der große verunstaltende Altar hinwegkomme; dann der weisse Anstrich der Kirche bis auf die Spur abgerieben werde, so dass der Stein in seiner natĂŒrlichen Farbe erscheine, des gleichen dass die Oelfarbe, mit welcher die BildsĂ€ulen ĂŒbertĂŒncht wurden, abgemeisselt werde, wenn selbe auf keine andere Art wegzunehmen wĂ€re“.[2]
Typisch romanische Stilelemente: Rollen-, Rauten und Rundbogenfries

König Ludwig war der Ansicht, dass die damals als byzantinisch bezeichnete romanische Baukunst, aber auch die gotische Architektur eine deutsche Kunstentwicklung gewesen und deshalb besonders geeignet sei, die nationale IdentitĂ€t zu fördern. Deshalb sollte auf Wunsch des Königs der Bamberger Dom, den man fĂŒr den Originalbau Kaiser Heinrichs II. hielt, als Nationaldenkmal in den mittelalterlichen Zustand „zurĂŒckrestauriert“ werden. Auch wenn es den Gelehrten bereits bekannt war, dass die griechische Architektur weitgehend farbig bemalt war, gehörte Vielfarbigkeit in der Architektur trotzdem nicht zur akzeptierten Ästhetik.

Die Renovierungsarbeiten begannen am 30. Mai 1829. Dabei wurden WĂ€nde, Gewölbe, Kapitelle, Skulpturen abgewaschen und schadhafte Stellen ausgebessert. Sie endeten am 25. August 1837, dem Geburtstag König Ludwigs I. mit einer feierlichen Einweihung, bei der aber nicht einmal ein Mitglied der königlichen Familie teilnahm, denn der König hatte offensichtlich das Interesse am Bamberger Dom verloren und widmete sich jetzt der Umgestaltung des Speyerer Doms.

Die Meinungen ĂŒber das Ergebnis der Restaurierung waren geteilt. SelbstverstĂ€ndlich waren die einfachen GlĂ€ubigen mit dem Ergebnis nicht zufrieden, aber auch die gebildete Öffentlichkeit stand der Restaurierung zurĂŒckhaltend gegenĂŒber. Interessant ist eine Aufzeichnung von Sulpiz BoisserĂ©e, einem Freund Johann Wolfgang von Goethes, der am 17. Oktober 1839 in seinem Tagebuch notierte:

„Klagen ĂŒber die Restauration des Doms. Roheiten bei Entfernung der GrabmĂ€ler der FĂŒrst-Bischöfe und Domherren etc. Vandalismus gegen den PerĂŒcken-Stil und Ignoranz in Betreff auf Cultus und kirchliche AltertĂŒmer.“[2]

Mit PerĂŒcken-Stil meint BoisserĂ©e den Barock-Stil wegen der AllongeperĂŒcken, die in jener Zeit ĂŒblich waren.

Nach dem Zweiten Vaticanum

Mittelschiff (2008)

Die Wiederbelebung der Konzelebration (gemeinsame Leitung einer kirchlichen Liturgie durch mehrere Priester) nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil machte die Vielzahl von AltĂ€ren, an denen jeder Priester allein zelebrierte, ĂŒberflĂŒssig. Eine Kirche sollte jetzt wieder nur einen Altar haben.

Eine weitere Neuerung des Konzils war die Ablösung des Hochaltars, der vom Hauptschiff der Kirche aus stirnseitig in der Apsis lag. Das Mittelschiff im Teil Ostchor wurde so verÀndert, dass an Stelle des alten Hochaltares der neue Volksaltar zu stehen kommt.

Der bischöfliche Sitz (Kathedra) wurde vom Ostchor mittig in den Westchor - vor die Tumba des Papstgrabes - gestellt.

Architektur und Ausstattung

  • LĂ€nge ĂŒber alles: 99 Meter (Ostchor: 30 Meter, Mittelschiff: 37 Meter; Westchor: 28 Meter)
  • Breite ĂŒber alles: 28,50 Meter
  • Höhe ĂŒber alles: 25,50 Meter
  • Höhe der OsttĂŒrme: 76 Meter
  • Höhe der WesttĂŒrme: 74 Meter

TĂŒrme und Portale

OsttĂŒrme

Gesamtansicht der östlichen Doppelturmfassade mit polygonalem Chor, von Nordosten

Der VorgĂ€ngerbau des heutigen Doms hatte nur zwei gedrungene TĂŒrme. Die jetzigen vier TĂŒrme sind im Osten noch in romanischer Architektur, wĂ€hrend die beiden westlichen TĂŒrme deutliche Zeichen gotischer Baukunst zeigen. Im Jahr 1766 wurden die Turmhelme neugestaltet und bekamen ihr heutiges Aussehen. Auch erhielten die beiden OsttĂŒrme durch Aufstockung um ein Geschoss annĂ€hernd die gleiche Höhe wie die WesttĂŒrme. Gleichzeitig wurde der Dachreiter auf dem Mittelschiff entfernt, wodurch sich das Ă€ußere Bild des Doms verĂ€nderte.

Über den beiden Portalen sind in den TĂŒrmen kleine romanische Rundfenster zu sehen, die zu den beiden ehemaligen, den Heiligen Kilian und Nikolaus geweihten Turmkapellen gehören. Sie waren offensichtlich bis zur Barockisierung des Doms in Gebrauch, wurden dann jedoch profaniert. Dennoch sind die Altarsteine mit eingelassenen Reliquien erhalten. Sie stammen vermutlich aus dem 13. Jahrhundert und sind die Ă€ltesten erhaltenen AltĂ€re des Doms. Beide Kapellen öffnen sich ĂŒber Rundbogenöffnungen zu den Seitenschiffen des Doms.

Glocken

Die beiden östlichen TĂŒrmen beherbergen insgesamt zehn Glocken. Im Nordostturm, dem so genannten Heinrichsturm, hĂ€ngen die beiden sagenumwobenen Kaiserglocken. Die ĂŒbrigen acht Glocken sind im SĂŒdostturm untergebracht.

Die Kunigundenglocke (um 1185) ist die grĂ¶ĂŸte noch vorhandene Bienenkorbglocke.
  • Die Kunigundenglocke wurde vermutlich nach dem Brand des Domes um 1185 in gegossen. Das genaue Gussjahr lĂ€sst sich nicht ermitteln. Durch ihre bienenkorbförmige Gestalt verfĂŒgt sie ĂŒber einen charakteristischen Klang, der den eigentlichen Schlagton kaum erkennen lĂ€sst. Unter den wenigen erhaltenen Bienenkorbglocken ist sie die grĂ¶ĂŸte noch existierende. Das in der Kunigundenruhsage erwĂ€hnte Loch ist ein Kennzeichen der Glocken des Teophilus und wird Foramen genannt. Es sollte den Glockenklang verbessern.[3] Bis zur Elektrifizierung des GelĂ€utes 1937[4] mussten sechs[5] Personen die Glocke lĂ€uten. Die Kunigundenglocke lĂ€utet jeden Donnerstagabend nach der Apostelglocke und der Armeseelenglocke zur Erinnerung an die Todesangst Christi auf dem Ölberg.

Die Kunigundenruhsage reicht nach Elisabeth Roths nicht ĂŒber das 19. Jahrhundert zurĂŒck:[6]

„Am Abend vor einem Festtag unternahmen Heinrich und Kunigunde einen Spaziergang etwas außerhalb der Bamberger Stadtmauern. Nach einiger Zeit ließen sie sich auf einer Lichtung nieder, die von da an Kunigundenruh hieß. Als sie dort saßen und ruhten, begannen die Glocken des Doms zu lĂ€uten, um den Festtag anzukĂŒndigen. Zwei von diesen Glocken waren von Heinrich und seiner Gemahlin gestiftet worden. Sogleich begannen die beiden zu streiten, welche Glocke schöner klinge. Als der Kaiser schon schwieg und resigniert aufgegeben hatte, um die Auseinandersetzung zu beenden, schleuderte Kunigunde, die sich schon so in den Streit hineingesteigert hatte, dass sie die FriedensbemĂŒhungen ihres Mannes ignorierte, wutentbrannt ihren Ring zum Dom hin, um Heinrich zu zeigen, dass ihre Glocke die Bessere war, wobei sie rief: ‚Wenn dieser Ring hier meine Glocke trifft, so ist bewiesen, dass sie die wohler klingende ist!‘ Ihr Ring, den sie von der Wut beflĂŒgelt mit immenser Kraft geworfen hatte, schlug tatsĂ€chlich in ihre Glocke ein und durchbrach das Erz, so dass sie nun ein Loch hatte, das so groß wie der Ring war. Der Klang der getroffenen Glocke aber blieb unverĂ€ndert rein und schön. Heinrich schwieg und seufzte, denn er hatte wie immer das Nachsehen.“[7]
  • Die heute Armeseelenglocke genannte Glocke trug einst den Namen Campana Capituli. Sie war einst die Kapitelsglocke des Domes und rief zu den Sitzungen des Domkapitels. Sie ist einer der schwersten Glockenkonstruktionen, die aus dem Mittelalter bekannt sind und wiegt etwa fĂŒnfmal soviel wie eine normal bemessene Glocke gleicher Tonhöhe. Durch diese schwere Konstruktion gewinnt sie einen fĂŒlligen, silberhellen Klang von unnachahmlichem Reiz. Mit der Heinrichsglocke ist die Armeseelenglocke die wohl klangschönste Stimme im DomgelĂ€ut. Sie lĂ€utet allabendlich nach dem AngeluslĂ€uten zum FĂŒrbittengebet fĂŒr die Verstorbenen. Die historische Laudesglocke wurde schon im Jahr 1545 vom Domkapitel nach Zapfendorf verkauft, wo sie heute noch lĂ€utet. Sie erweist sich als ein nahezu formgleiches GegenstĂŒck zur Armeseelenglocke (siehe unten) des Domes. Daher sind sie beide ohne Zweifel aus der gleichen Werkstatt hervorgegangen und bilden eines der Ă€ltesten erhaltenen Glockenpaare SĂŒddeutschlands.
  • Die kleinste Glocke ist die Messglocke hing bis 1745 im ehemaligen Dachreiter in der Mitte des Langhausdaches und gelangte mit der Beseitigung des Dachreiters bis 1972 in den SĂŒdwestturm.[8]
  • Die grĂ¶ĂŸte und schwerste Glocke, die die DomtĂŒrme wohl je behebergt haben, ist die ĂŒber fĂŒnf Tonnen schwere Heinrichsglocke. Sie wurde in der bis heute ĂŒblichen gotischen Glockenform gegossen und soll zu den klangschönsten Glocken des Mittelalters zĂ€hlen. Im Gegensatz zur Kunigundenglocke ist sie genau datiert, auf das Jahr 1311. Den Guss einer solch kolossalen Glocke allein technisch zu bewĂ€ltigen, war zu damaliger Zeit eine höchsten Respekt abfordernde Leistung. Jeden Freitag um 15 Uhr lĂ€utet Heinrichsglocke zur Erinnerung an die Todesstunde Christi. Bis 1937 waren sechs bis acht[5] LĂ€uter fĂŒr die Heinrichsglocke zustĂ€ndig. Zusammen mit der Kunigundenglocke lĂ€utet sie nach alter Tradition nur an den hohen Festtagen.
  • Im Jahr 1735 sprang die 1336 gegossene Marien- oder Halbstundenglocke. Im gleichen Jahr goss der Bamberger Meister Johann Ignatius Höhn aus den Scherben eine neue Marienglocke. Der farbige Klangaufbau verleiht ihr ein unverwechselbares Timbre. Im Jahre 1807 wurden im Rahmen der SĂ€kularisation die Dreiviertelglocke, die Vigilglocke und die Katecheseglocke verkauft. Dank energischen Einsatzes des damaligen Bischofs blieb die Marienglocke von der SĂ€kularisation verschont.
  • Die 1886 gegossene Apostelglocke tritt an die Stelle der 1459 gegossenen St. Georgenglocke oder Campana Quietis (im Volksmund Schlafglocke genannt) und ist die tontieste Stimme im DomgelĂ€ut. Dreimal tĂ€glich lĂ€utet sie zum Engel des Herrn.
  • Die Georgsglocke, die Petersglocke, die Ottoglocke und die Michaelsglocke wurden 1972 von der Glockengießerei Rudolf Perner in Passau gegossen, um die Verluste aus der SĂ€kularisation auszugleichen. Die modernen Glocken wurden so disponiert, sodass sie mit der Apostelglocke und der Marienglocke ein einheitliches GelĂ€ut bilden, um die wertvollen alten Glocken zu entlasten und um weitere klangliche Zusammenstellungen zu ermöglichen, die sich auf die verschiedenen AnlĂ€sse und Gottesdienste der Domkirche verteilen lassen. Aus PlatzgrĂŒnden mussten die neuen Glocken in leichteren Rippen gegossen werden und integrieren sich durch die damit einhergehende Obertönigkeit nur mĂ€ĂŸig in den Altbestand. Durch die AufhĂ€ngung an Stahljochen wird dieser Zustand verstĂ€rkt.
DatenĂŒbersicht

Die Liste ist nach Tonhöhe der Glocken sortiert.[8]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
Glockenstuhl
 
1 Apostel 1886 Friedrich Hamm, Frankenthal 1655 ≈2430 h0 +5 SĂŒdostturm, unten
2 Kunigunde um 1185 unbekannt 1589/1590/1596 ≈3450 c1 +13 Nordostturm, oben
3 Heinrich 13.8.1311 unbekannt 1799 ≈5200 cis1 +9 Nordostturm, unten
4 Maria 1735 Johann Ignatius Höhn, Bamberg 1335 ≈1500 dis1 +5 SĂŒdostturm, oben
5 Georg 1972 Rudolf Perner, Passau 1090 780 fis1 +10+ SĂŒdostturm, oben
6 Peter 1972 Rudolf Perner, Passau 985 556 gis1 +7 SĂŒdostturm, oben
7 Otto 1972 Rudolf Perner, Passau 822 310 h1 +11− SĂŒdostturm, oben
8 Michael 1972 Rudolf Perner, Passau 653 170 dis2 +9,5 SĂŒdostturm, oben
9 Armeseelen um 1200 unbekannt 837/844 570 fis2 −1 SĂŒdostturm, oben
10 Messe um 1300 unbekannt 591 ≈200 gis2 –7 SĂŒdostturm, oben
Name
 
Gussjahr
 
Gießer
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
Zapfendorfer oder Laudes um 1200 unbekannt (vgl. Armeseelenglocke) 745 ≈400 gis2 −5
Domuhr
Domuhr

Turmuhren waren die ersten mechanischen Uhren. Sie dienten der Zeiteinteilung fĂŒr die Gebetszeiten sowie der Einteilung des Arbeitstages. Die Domuhr am Nordostturm war bis zum Jahr 1954 der maßgebliche Chronometer der Stadt Bamberg. Die Uhrzeit wurde seit dem 16. Jahrhundert durch die Domglocken hörbar verkĂŒndet. Die erste mechanische Uhr aus dem Jahr 1529 musste bereits 1562 ersetzt werden. Die zweite Uhr hielt dagegen bis zum Jahr 1927 und befindet sich seit 1929 in der Sammlung historischer Uhren des Deutschen Museums in MĂŒnchen. Die jetzige Uhr stammt aus dem Jahr 1937 und wurde in Buer bei OsnabrĂŒck angefertigt.

WesttĂŒrme

Unterschiede im Detail: romanische (links) und gotische TĂŒrme (rechts)

Die WesttĂŒrme sind nahezu Kopien der TĂŒrme der Kathedrale Notre-Dame im nordfranzösischen Laon. Das gilt fĂŒr den achteckigen Grundaufbau, dem an vier Seiten fĂŒnfeckige SĂ€ulenerker vorgestellt sind. Mit den Laoner DomtĂŒrmen wurden auch die aus den offenen Ecktabernakeln blickenden KĂŒhe und Esel ĂŒbernommen. Diese sind eine Anerkennung fĂŒr die Lasttiere, die das Steinmaterial transportieren mussten. In Bamberg heißen diese Figuren, wohl weil man sie von unten nicht so genau erkennen kann, DomkĂŒhe, wobei es sich in Bamberg wohl nicht um Rinder, sondern um Maulesel handelt. Diese Maulesel zogen Steine mittels FlaschenzĂŒgen nach oben, liefen im Dachstuhl in LaufrĂ€dern und schleppten Mörtelbottiche auf die TĂŒrme. Nachts wurden sie links vom FĂŒrstenportal in den so genannten Eselsstall eingesperrt. Die Originale der Skulpturen werden heute im Diözesanmuseum gezeigt.

Die Untergeschosse der WesttĂŒrme sind noch in kompakter Aufmauerung mit leicht spitzbogigen kleinen Fenstern in romanischer Form aufgefĂŒhrt. Das dritte Geschoss hat bei beiden TĂŒrmen abweichende Formen. Die folgenden drei Geschosse sind wiederum gleich gestaltet, doch von den OsttĂŒrmen abweichend: Die Turmgeschosse sind in hohen Spitzbögen, die Ecken des Mauerwerkes in tabernakelartigen Anbauten mit vier schlanken SĂ€ulen geöffnet. Diese beiden WesttĂŒrme sind dadurch frĂŒhe Beispiele der gotischen Baukunst in Deutschland.

Die TĂŒrme lassen den Stilwechsel wĂ€hrend der ĂŒber dreißigjĂ€hrigen Bauzeit nachvollziehen. Der Bau begann im Osten, wo heute die romanischen Rundbögen vorherrschen, wĂ€hrend sich im Westen die Spitzbögen der Gotik durchgesetzt haben. In Angleichung zum westlichen Turmpaar wurden auch die OsttĂŒrme um zwei Obergeschosse erhöht.

Adamspforte

Adamspforte mit Hinweis auf den Status des Doms als Basilica minor (Papstwappen)

Die Adamspforte beziehungsweise Rote TĂŒre war der Hauptzugang in den Dom. Sie wurde im Alltag zusammen mit der so genannten GittertĂŒr am anderen Ende des Doms genutzt. Die Adamspforte ist das Ă€lteste Portal und wurde erst nach der Fertigstellung der benachbarten Gnadenpforte ausgeschmĂŒckt. Es handelt sich vermutlich um die letzten Werke der in Reims geschulten Bildhauerwerkstatt.

Dieses abgestufte Rundbogenportal ohne Bogenfeld wird durch zwei, das ganze Portal umlaufende Zickzackfriese verziert. Wahrscheinlich noch wĂ€hrend der Bauzeit wurden zwischen die ZickzackbĂ€nder sechs Sandsteinfiguren gestellt, die vermutlich fĂŒr den Innenraum des Doms vorgesehen waren. Bis 1937 standen hier sechs Figuren, die sich heute im Lapidarium des Diözesanmuseums befinden:

Linke Seite
  • Stephanus. Der heilige Stephanus im Gewand eines Diakons war der erste christliche MĂ€rtyrer. Die Steine in seinen HĂ€nden sind ein Hinweis auf seinen MĂ€rtyrertod durch Steinigung. Er steht neben der Kaiserin Kunigunde, die ihm die Stephanskirche in Bamberg stiftete. Zugleich steht er als erster MĂ€rtyrer dem ersten Menschenpaar gegenĂŒber. Sein Gedenktag, der 26. Dezember, war zugleich Geburtstag des damals regierenden Kaisers Friedrich II.
  • Kunigunde. Kunigunde wird wohl als eine neue Maria gesehen. Ihr ungegĂŒrtetes Gewand ist möglicherweise als Hinweis auf ihre JungfrĂ€ulichkeit zu verstehen. Sie hĂ€lt eine Modell der von ihr gestifteten Bamberger Stephanskirche in den HĂ€nden.
  • Heinrich, der BistumsgrĂŒnder
Rechte Seite
  • Petrus. Der erste Papst ist gleichzeitig auch einer der Kirchenpatrone des Doms. Petrus hĂ€lt meistens zwei SchlĂŒssel, hier aber hĂ€lt er ein Kreuz in den HĂ€nden
  • Eva. Eva entspricht der heiligen Kunigunde auf der gegenĂŒberliegenden Seite. Die Figuren der Stammeltern Adam und Eva sind ĂŒbrigens die ersten lebensgroßen Aktskulpturen seit der Antike
  • Adam, der erste Mensch. Nach dieser Figur wurde das Portal Adamspforte genannt

Der Weg durch die Adamspforte war möglicherweise Teil der Bußpraxis, bei der am GrĂŒndonnerstag die Menschen symbolisch aus dem Paradies vertrieben wurden und nach dem Anhören von Bußpredigten und öffentlicher Buße in weißen GewĂ€ndern durch die benachbarte Gnadenpforte wieder in den Dom gelangten.

De Adamspforte war in der Vergangenheit das von der Öffentlichkeit benutzte Portal. Der Sinn des Skulpturenprogramms ist nicht geklĂ€rt. Es stellt sich die Frage, was Petrus, den ersten Papst, mit dem ersten Menschenpaar, Adam und Eva, dem heiligen Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde als Stifter des Bamberger Bistums sowie Stephanus, dem ersten christlichen MĂ€rtyrer, verbindet. Die Geste Kunigundes und der Blick des Petrus weisen auf Heinrich II., der damit als wichtige Person gewĂŒrdigt wird. In der Stauferzeit wurde die GegenĂŒberstellung von Herrscher und erstem Menschenpaar hĂ€ufig verwandt, um die weltliche Macht als Mittel zum Erhalt der Heilsordnung nach dem SĂŒndenfall zu begrĂŒnden.

Gnadenpforte (Marienpforte)

Tympanon der Gnadenpforte

Die Gnaden- oder Marienpforte im sĂŒdwestlichen Turm nutzte man ursprĂŒnglich nur an besonderen Festtagen fĂŒr Prozessionen oder bei besonders feierlichen AnlĂ€ssen – zum Beispiel wenn ein neu gewĂ€hlter Bischof in den Dom einzog.

Das Bogenfeld der Gnadenpforte zeigt den Ritter Georg, den Apostel Petrus, die Muttergottes Maria sowie das heilige Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde. In der Mitte des Tympanon thront Maria mit dem Jesuskind. Nach hierarchischer Rangordnung und in Abstufung der GrĂ¶ĂŸe folgen dann die anderen Figuren:

Rechte Seite
Linke Seite
  • Petrus (Patron des Doms)
  • Georg (Patron des Doms)
  • Ganz außen befinden sich die Bauherren des Domes, Bischof Ekbert und Dompropst Poppo von Andechs.
  • Bei dem Kreuzfahrer zu FĂŒĂŸen Marias dĂŒrfte es sich um Herzog Otto VII., einen Grafen von Andechs handeln, der möglicherweise das Portal gestiftet hat.
Fußmaß der heiligen Kunigunde
Fußmaß der heiligen Kunigunde

Bei der Gnadenpforte befanden sich geschmiedete Löwenköpfe, die als die Ă€ltesten mittelalterlichen LĂ€ngeneinheiten betrachtet werden. Diese Bamberger Elle hatte eine LĂ€nge von 67 Zentimetern, der Fuß eine LĂ€nge von 26,8 Zentimetern. Eine Elle maß damit exakt 2,5 Fuß. Angeblich war letzteres das Fußmaß der heiligen Kunigunde, welche demzufolge fast die SchuhgrĂ¶ĂŸe 44 gehabt hĂ€tte, was fĂŒr eine Frau etwas unwahrscheinlich ist.

Die Bamberger Elle und der Bamberger Fuß galten ĂŒberall im FĂŒrstbistum Bamberg und sind die Ă€ltesten mittelalterlichen Maßeinheiten Europas. Ein Beispiel fĂŒr die Bamberger Elle befindet sich heute noch auf dem Marktplatz des StĂ€dtchens Zeil am Main.

Eine der beiden „Domkröten“

Vor Gnaden- und Adamspforte stehen die verwitterten Sandsteinskulpturen von Löwen. Zwischen diesen beiden Löwen – auf dem Domkranz – wurde Gericht abgehalten. Die Löwen haben ihren Spitznamen „Domkröten“ von dem so genannten Gredgericht (von dem lateinischen Wort gradus fĂŒr Stufe). Die Bezeichnung Domgreden (= Domstufen) wurde auf die beiden Löwen ĂŒbertragen und wandelte sich durch Volksetymologie zu Domkröten. Der Sage nach wurden die beiden Kröten vom neidischen Teufel gesandt, um den Dombau zu verhindern. Nachts unterwĂŒhlten sie, was am Tag gebaut wurde, brachten den Dom aber nicht zum Einsturz. Als der Lindwurm, der ihnen dabei helfen sollte, gebannt wurde, erstarrten auch die beiden Kröten:

„Der Dombau zu Bamberg war einem griechischen Meister aufgetragen. Zu diesem kam ein JĂŒngling mit der Bitte, er wolle ihn zum Gehilfen nehmen, da man doch zu zweien gewißlich weiter komme, als wenn einer das riesenhafte Werk zu fördern habe. Der Dombaumeister willigte in den Vorschlag und ĂŒbertrug dem Gehilfen den Bau des Peterthores, wĂ€hrend er selbst das Georgenthor ĂŒbernahm. So arbeiteten die zwei rastlos an dem Werke, ein jeder bemĂŒht es dem andern in Schnelligkeit und TĂŒchtigkeit des Baues zuvorzuthun. Bald bemerkte man aber, daß der Bau des Georgenthores viel rascher von Statten ging. Das verdroß den JĂŒngling sehr, und als er sich nicht mehr zu helfen wußte, verschrieb er seine Seele dem Teufel, auf daß ihm dieser Rath schaffen sollte. Von Stund' an Ă€nderte sich die Sache. Das Petersthor stieg rascher in die Höhe, wĂ€hrend an dem Georgenthor kein Fortschritt bemerklich war; was man des Tages schaffte, fiel zu Nachts wieder ein; denn zwei ungeheure Thiere, halb Kröten, halb Löwen, umschlichen das Werk und unterwĂŒhlten die Arbeit des Dombaumeisters. Wie nun der Teufel gedachte, sein Versprechen gelöst und den Ehrgeiz des JĂŒnglings befriedigt zu haben, lud er diesen eines Tages ein, mit ihm auf die Höhe des Petersthores zu steigen und sich das Bauwerk von oben herab anzusehen. Der JĂŒngling folgte; als er nun oben stand, ergriff ihn der Teufel und schleuderte ihn jĂ€hlings von der Höhe hinab.“[9]

Unter dem Adamsportal befindet sich ein unbehauener Stein, auf dem Ehebrecherinnen Kirchenbuße tun mussten, indem sie sich in Trauerkleidern mit brennender Kerze in der Hand und einem Strohkranz auf dem Kopf von den KirchgĂ€ngern mit faulen Äpfeln bewerfen lassen mussten.

FĂŒrstenportal

FĂŒrstenportal

Das FĂŒrstenportal wird nur bei großen Prozessionen geöffnet oder wenn ein verstorbener Bischof in den Dom getragen wird.

Das FĂŒrstenportal, das direkt auf den Domplatz fĂŒhrt, zeigt eine Darstellung des JĂŒngsten Gerichts mit Christus in der Mitte als Weltenrichter. Zur rechten Seite Christi (vom Betrachter aus links) sind die Erlösten dargestellt, zu seiner Linken die Verdammten. Maria und Johannes der TĂ€ufer umfassen kniend die FĂŒĂŸe Christi. Zwischen ihnen steigen zwei Tote aus den GrĂ€bern.

Die Verdammten

Linke Seite

  • Zur Rechten Christi kommen drei Engel mit den Leidenswerkzeugen, ein weiterer fĂŒhrt einen König herbei. Ganz am Rand stehen drei lachende und betende Menschen. Letztere sind ein gern verwendetes Motiv auf Postkarten und anderen Darstellungen.

Rechte Seite

  • Zur Linken Christi schleppt ein nackter Teufel an einer Kette die Verdammten ab. Beachtlich an der Darstellung ist die Tatsache, dass zu den Verdammten Bischöfe und Könige gehören. Die Menschen des JĂŒngsten Gerichts krĂŒmmen sich vor Verzweiflung und schreien ihren Schmerz heraus.

Auf der Seite der Seligen stand ursprĂŒnglich die Statue der Ecclesia, wĂ€hrend auf der Seite der Verdammten die Statue der Synagoga stand. Die Skulpturen von Synagoga und Ecclesia zeigen das mittelalterliche VerhĂ€ltnis von Christentum und Judentum. WĂ€hrend die Synagoga mit verbundenen Augen, entgleitenden Gesetzestafeln und gebrochenem Stab dargestellt ist, zeigt sich die Ecclesia (lateinisch: Kirche) erhaben und trug neben einem Kreuz ursprĂŒnglich auch einen Kelch.

Ecclesia, Trompetenengel und Synagoge

Zu der Darstellung der Synagoga gibt es die Sage, dass ein unschuldig zum Tod verurteiltes MÀdchen auf dem Gang zur Hinrichtung gebetet habe, der Himmel möge sie von der Schande befreien. In diesem Augenblick fielen Ziegel vom Dach des Doms und erschlugen sie:

„Der WĂ€rter am Jakobsthore zu Bamberg hatte eine Tochter von großer Schönheit. Da fanden sich lĂŒsterne Herren, das MĂ€gdlein zu verfĂŒhren; sie widerstand aber allen EinflĂŒsterungen und bewahrte ihre Unschuld. Das verdroß den Satan, und er brachte es dahin, daß die reine bei ihrem Vater sĂŒndigen Wandels angeklagt wurde. Der Vater glaubte den falschen Aussagen und ließ sein eignes Kind zum Tode verurteilen. Als sie nun hinausgefĂŒhrt wurde und auf dem letzten Gange an der FĂŒrstenthĂŒre des Domes die auferlegte Buße verrichten sollte, warf sie sich auf die Kniee und rief zur heiligen Jungfrau: sie wolle gern in den Tod gehen, nur möge die Schmach der Hinrichtung von ihr genommen werden. Und siehe, als sie das Wort gesprochen, fĂ€llt ein Ziegel vom Dach mit großer Gewalt und schlĂ€gt die flehende todt. Alles Volk erkannte die Unschuld der Tochter, und zum Angedenken wurden zwei BildsĂ€ulen: der heiligen Jungfrau und des MĂ€gdleins – dieses fĂŒnf Ziegel in der Hand â€“ an der FĂŒrstenthĂŒre des Domes aufgestellt.“[10]

Die Originalfiguren von Synagoga und Ecclesia befinden sich seit 1937 im Inneren des Domes, wo sie vor WitterungseinflĂŒssen geschĂŒtzt sind. 2002 wurden am ursprĂŒnglichen Standort AbgĂŒsse aufgestellt.

Einen weiteren Bezug zum Judentum zeigt die Darstellung der Apostel, die auf den Schultern der alttestamentlichen Propheten stehen und der so genannte Augenausstecher, der von oben herab einen Juden blendet.

In den Wintermonaten wird das FĂŒrstenportal zum Schutz gegen die Witterung mit einer Bretterverschalung abgedeckt und kann dann nicht besichtigt werden.

Veitspforte

Portale des Doms
1 Adamspforte
2 Gnadenpforte
3 FĂŒrstenportal
4 Veitspforte
5 GittertĂŒr

Die Veitspforte ist der am wenigsten ausgeschmĂŒckte Eingang zum Dom. Dieser Zugang liegt in der Nordwand des Querschiffes. Die Portalwand ist dreifach gegliedert, die SĂ€ulen sind mit Kelch- und Knospenkapitellen geschmĂŒckt, im Bogenfeld ist ein Vierpass eingebaut.

Die Veitspforte folgt der frĂŒhgotischen zisterziensischen Bauweise des Klosters Ebrach, dreißig Kilometer westlich von Bamberg. Das 1127 gegrĂŒndete Kloster Ebrach war die erste rechtsrheinische Niederlassung des Ordens und brachte die französische Gotik nach Deutschland. Mitglieder des Ordens wurden so oft an die verschiedenen Baustellen gerufen, dass der Papst den Orden an seine eigentlichen Aufgaben erinnern musste und das Ausleihen von Mönchen als Baumeister untersagte.

Die Veitspforte ist benannt nach der Sankt-Veits-Pfarrei fĂŒr die weltlichen Bewohner der Domburg. Die Sankt-Veits-Pfarrei besaß ihren liturgischen Mittelpunkt am Sankt-Veits-Altar im nördlichen Domquerschiff, das die Pfarrangehörigen durch die Veitspforte betraten. Der heilige Vitus war der Patron jenes Altars, der fĂŒr die Laienbediensteten des Domstifts bestimmt war. Heute dient die Veitspforte als ein Nebeneingang des Domes, der nur wĂ€hrend der Gottesdienstzeiten geöffnet wird.

RĂ€ume und Kapellen

Ostchor (Georgenchor)

Sonnenloch

Der hochgelegene Chor wird seitlich durch hohe Mauern (Schranken) begrenzt und hat eine FußbodenflĂ€che mit unterschiedlichen Ebenen. Der Dombaumeister musste stĂ€ndig seine PlĂ€ne Ă€ndern, weil stĂ€ndig das Konzept geĂ€ndert wurde. Funktionslose SĂ€ulen zeugen von diesem Hin- und Her zwischen Flachdecke und Gewölbe. Bei einer hölzernen Flachdecke war die Feuergefahr erheblich grĂ¶ĂŸer als bei einem steinernen Gewölbe. Ein Gewölbe war erheblich teurer. Letztlich entschied man sich doch fĂŒr das Gewölbe, wohl im Hinblick auf die verheerenden BrĂ€nde im Dom.

An der Außenseite des Ostchors ist eine kleine kreisrunde Öffnung zu sehen, das so genannte Sonnenloch, das nicht als Fenster diente, sondern in einen Schrank fĂŒhrte, in dem der SchĂ€del der heiligen Kunigunde aufbewahrt wurde. Aus dieser Öffnung ergoss sich die Heilskraft der Kopfreliquie ĂŒber die Stadt. Achim Hubel Ă€ußerte sich dazu folgendermaßen:

„Alleine das Bewußtsein von der Existenz der Reliquie hinter der Öffnung muß die Menschen fasziniert haben und macht verstĂ€ndlich, warum der Ostchor auch als 'St. Kunigundens Werk' bezeichnet wurde.“[2]

Eine Ă€ltere ErklĂ€rung weist darauf hin, dass am Namenstag des heiligen Apostels Petrus, dem 29. Juni die Sonne fĂŒr kurze Zeit auf seinen Hauptaltar im Westchor des Doms scheinen soll.

Krypta
Krypta

In der Hallenkrypta unter dem Ostchor befinden sich die GrĂ€ber des Bischofs Gunther von Bamberg und des Königs Konrad III. Außerdem steht hier ein Brunnen, der noch heute fĂŒr Taufen verwendet wird. Allerdings muss zu diesem Zweck das kalte Wasser angewĂ€rmt werden. Der alte Brunnenschacht war wahrscheinlich schon vor dem Dombau vorhanden und wurde dann in die Krypta integriert.

Die Krypta unter dem Georgenchor ist der Ă€lteste Teil des neuen Dombaus. Hier wurde der Dombau begonnen. Sie wurde als dreischiffige Hallenunterkirche angelegt und hat eine LĂ€nge von 27 Metern. Bei Ausgrabungen im Jahr 1969 vor dem Hochchor stieß man auf einen schachtartigen Raum. Dieser war ein Teil der ehemaligen Ostkrypta, die nach dem ersten Dombrand durch Bischof Otto I. erweitert und nach Errichtung der jetzigen Ostkrypta mit Bauschutt verfĂŒllt worden war.

Grab des Königs Konrad III.

In der Ostkrypta steht seit 1845 das Hochgrab des deutschen Königs Konrad III.. Konrad starb 1152 in Bamberg auf dem Weg nach Rom, ohne die Kaiserkrone erlangt zu haben. Er wurde gegen seinem Wunsch nicht im staufischen Hauskloster Lorch, sondern im Bamberger Dom beigesetzt. UrsprĂŒnglich befand sich sein Grab nahe am Grab des Kaisers Heinrich. Als aber das Kaisergrab Tilman Riemenschneiders aufgestellt wurde, mussten die alten Grablegen in der NĂ€he des Kaiserpaares aufgelassen werden. Auf Wunsch des bayerischen Königs Ludwig I. wurde Konrad III. deshalb feierlich in die Krypta umgebettet.

ApsisgemÀlde

Seit der Purifizierung im 19. Jahrhundert befand sich der Hauptaltar im Ostchor. Da dieser um einiges höher liegt als das Mittelschiff, konnten die GlÀubigen der Messe kaum folgen. Um das liturgische Zentrum des Doms wenigstens optisch zu betonen, wurde eine Ausgestaltung der Apsiswölbung mittels eines Mosaiks nach dem Vorbild von Ravenna erörtert.

Der Ostchor ist im romanischen Stil gebaut, das Fresko in der Halbkuppel ĂŒber der Apsis stammt jedoch von Karl Caspar aus dem Jahr 1928 und zeigt den Weltenrichter Christus in der Mandorla. Nach der Fertigstellung war das Echo geteilt: WĂ€hrend die BefĂŒrworter in dem GemĂ€lde ein großartiges Kunstwerk sahen, sah sich die Gegenseite in ihrer Meinung bestĂ€tigt, dass die gestellte Aufgabe ohnehin nicht zu lösen gewesen sei. Auf dem Bild sind folgende Motive dargestellt:

  • Mitte: Christus mit segnend ausgebreiteten Armen, ĂŒber ihn die Hand Gottes herab, zwei Hirsche, die aus einer Quelle trinken als Symbole fĂŒr die Gott suchende menschliche Seele („So wie der Hirsch dĂŒrstet nach Wasser, so schreit meine Seele zu Dir, o Gott!“ Psalm 41,2)
  • Links und rechts: Symbole der vier Evangelisten (jeweils geflĂŒgelt: Mensch fĂŒr MatthĂ€us, Löwe fĂŒr Markus, Stier fĂŒr Lukas und Adler fĂŒr Johannes), ganz außen Schutzpatrone des Doms (Petrus mit SchlĂŒssel und Modell des Doms, Georg in RĂŒstung mit Speer und Schild)

Die lateinische Umschrift am unteren Bildrand lautet:

EGO SVM A ET Ω PRINCIPIVM ET FINIS QVI EST ET QVI ERAT ET QVI VENTVRVS EST OMNIPOTENS
(Übersetzung: Ich bin das Alpha und das Omega, Anfang und Ende, der ist und der war, und der kommen wird, der AllmĂ€chtige.)

Das ChorgestĂŒhl im Ostchor wurde im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Doms erneuert, doch wurden dabei die um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschaffenen Schnitzwerke wieder eingebaut.

Ostchorschranke
Ostchorschranke
Prophet Jonas (links)
Maria und lachender Engel

An der Ostchorschranke befinden sich plastische Darstellungen der Apostel auf der SĂŒdseite und auf der Nordseite der Propheten. Je zwei von ihnen werden in der Diskussion um die Glaubenswahrheiten gezeigt. Der Prophet Jona (Buch Jona) ist an seinem Kahlkopf zu erkennen.

Die zwölf Apostel an der SĂŒdseite sind die stilistisch Ă€ltere Arbeit. Sie stehen fĂŒr den Neuen Bund zwischen Gott und den Menschen und halten in ihren HĂ€nden SpruchbĂ€nder, auf denen vermutlich jeweils ein Artikel des apostolischen Glaubensbekenntnisses geschrieben stand. Nach dem Kirchenlehrer Augustinus soll jeder Apostel am Pfingsttag, vom Heiligen Geist inspiriert, einen Satz formuliert haben. Bei der Apostelreihe steht auch die Reliefplatte mit dem Erzengel Michael, der einen Drachen tötet, was als Hinweis auf das JĂŒngste Gericht zu verstehen ist.

Die kĂŒnstlerische Ausgestaltung der Apostelreihe ist noch etwas unbeholfen. So wirken die Arme und Beine angesetzt und erscheinen die FĂŒĂŸe eigenartig auseinander gestellt. Die Köpfe sehen einheitlich aus. Sie zeigen keine individuellen ZĂŒge und Mimik. Zum Teil verlaufen die Gewandfalten von unten nach oben. UrsprĂŒnglich waren die Apostelreliefs farbig gefasst. Die östlichen Reliefplatten zeigen deutlich sichtbare Farbreste. Die SĂ€ulchen schimmerten in Gold, die Arkadenbögen waren mit verschlungenen Ornamenten bemalt und die GewĂ€nder farbig. Der Restaurator Friedrich Karl Rupprecht entdeckte bei der Purifizierung des Doms unter zahlreichen spĂ€teren Anstrichen eine polychrome Fassung und dachte sogar an die Wiederherstellung. Die Gesichter, HĂ€nde und FĂŒĂŸe der Apostel waren inkarnatfarbig, die Haare und BĂ€rte grau. Der Reliefgrund war blau.

Die zwölf Propheten an der Nordseite sind stilistisch weiter entwickelt. Sie stehen fĂŒr den Alten Bund. Auf ihren SpruchbĂ€ndern waren vermutlich SĂ€tze aus den Weissagungen zu lesen, die auf das Neue Testament hindeuten. Die Körper lösen sich zunehmend vom Reliefgrund ab und entwickeln sich schon zu fast vollplastischen Skulpturen. Untersuchungen ergaben, dass die Prophetenreliefs nicht farbig bemalt waren. Nur GewĂ€nder, GewandsĂ€ume und Attribute der Propheten zeigen Spuren von Versilberung und Vergoldung. Die Freude am Variieren kunsthandwerklicher Techniken zeigen Bohrungen an Schuhriemen oder Perlenbesatz an GewandsĂ€umen.

Neben den Propheten befinden sich noch weitere Figuren: Der so genannte lachende Engel reichte ursprĂŒnglich dem heiligen Dionysius, der seinen abgeschlagenen Kopf zu seinem Grab getragen haben soll, die Krone des Martyriums. Papst Clemens II. starb an einem 9. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Dionysius. Dies ist vermutlich der Grund fĂŒr seine Verehrung im Bamberger Dom.

  • Die mittlere weibliche Gestalt gilt als Maria.
  • Die linke, eine Greisin, wird als Sibylle (eine Prophetin, die unaufgefordert die Zukunft weissagt), die Heilige Anna (Großmutter Jesu) oder Elisabeth (die Mutter Johannes des TĂ€ufers) gesehen.
  • Die rechte Figur ist der so genannte lachende Engel.

Die Figur der Maria und die Figur der Elisabeth, die auch Seherin genannt wird, sollen eine Heimsuchungsgruppe gewesen sein. Auch wenn die Zusammengehörigkeit dieser beiden Figuren in Frage gestellt wird, weisen jĂŒngere Forschungsergebnisse zur Bemalung darauf hin, dass Maria und Elisabeth abweichend von allen ĂŒbrigen Domskulpturen gefasst waren. Möglicherweise waren beide Skulpturen fĂŒr eine Aufstellung an zwei benachbarten Pfeilern vorgesehen. Dies wĂ€re auch eine ErklĂ€rung fĂŒr die Körperdrehung Elisabeths. Im Augenblick ihrer Begegnung mit der schwangeren Maria erkennt die schwangere Elisabeth wie eine Seherin das Geheimnis der Menschwerdung Gottes wie es im Lukasevangelium (1,39–46) geschrieben steht:

„Maria aber machte sich in diesen Tagen auf und wanderte eilends nach dem Bergland in eine Stadt Judas und trat in das Haus des Zacharias und begrĂŒĂŸte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, da hĂŒpfte das Kind in ihrem Leibe, und Elisabeth wurde mit dem Heiligen Geist erfĂŒllt und brach mit lauter Stimme in die Worte aus: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“

Georg Dehio stellte im 19. Jahrhundert fest, dass die Heimsuchungsgruppe vom Hauptportal der Kathedrale von Reims Vorbild fĂŒr Bamberg war. Die Reimser Skulptur ihrerseits war direkt von der antiken Skulptur abhĂ€ngig, denn Reims war im 13. Jahrhundert ein Zentrum der Antikenrezeption. Dort hatten die Bildhauer auch Gelegenheit, antike Bildwerke zu studieren.

Westchor (Peterschor)

Westchor mit Volksaltar und Bischofsstuhl
Radleuchter

Der dem heiligen Petrus geweihte Westchor ist seit der Umgestaltung der Bereich des Bischofs und des Domkapitels und Standort des Hauptaltars. Hier befinden sich auch das Papstgrab und der Bischofssitz, die Kathedra. Beeindruckend ist der große, nahe dem Schlussstein im Gewölbe aufgehĂ€ngte Radleuchter.

Schlussstein

Über dem Westchor fĂ€llt der aus der Achse gerĂŒckte Schlussstein des Gewölbes auf. Auch wenn dies lediglich bautechnisch bedingt war, hat es immer wieder zu ErklĂ€rungsversuchen angeregt. So heißt es, dass dadurch die Bauleute darauf hinweisen wollten, wie Christus am Kreuze sein Haupt neigte und starb. Einer anderen Überlieferung zufolge sollte dadurch zum Ausdruck gebracht werden, dass das Bauwerk vor Gott als unvollkommenes Menschenwerk erscheint.

Hinter der gotischen Bauweise steht religiöse Symbolik. Derzufolge stehen die SĂ€ulen und Pfeiler fĂŒr die Apostel und Propheten, die den Glauben tragen, wĂ€hrend Jesus der Schlussstein ist, der eine Mauer mit der anderen verbindet.

ChorgestĂŒhl

Das ChorgestĂŒhl ist das sichtbare Zeichen fĂŒr das Wirken des Domkapitels. Hier hat jedes Mitglied seinen Chorplatz, der Symbol fĂŒr das Amt des Kapitulars in der Gemeinschaft des Kollegiums ist. Das westliche ChorgestĂŒhl wurde um 1380 gestaltet. Das ChorgestĂŒhl ist aus Eichenholz geschnitzt und umfasst 66 Einzelsitze. Man vermutet, dass das ChorgestĂŒhl nach dem Vorbild des Prager Veitsdoms gestaltet wurde. Kaiser Karl IV. berief den Architekten Peter Parler nach Prag. Der Bamberger Bischof Lamprecht von Brunn wiederum war Berater Kaiser Karls IV. und spĂ€ter Kanzler dessen Sohns König Wenzel der Faule. Dies stĂŒtzt die Annahme, dass das ChorgestĂŒhl im Westchor Ă€hnlich dem von Parler entworfenen, 1541 verbrannten ChorgestĂŒhl des Veitsdoms gestaltet wurde.

Die reich verzierten Abschlusswangen zeigen im Norden einen Propheten und die VerkĂŒndigung des Herrn an Maria. An der gegenĂŒber liegenden Abschlusswange sind ein Prophet und Maria mit Kind dargestellt. Eine Löwin, die ihre tot geborenen Jungen durch Anhauchen zum Leben erweckt, steht als Verkörperung der Auferstehung.

Die Buchablage zeigt Personifikationen der Kardinaltugenden, die auch auf dem Papstgrab dargestellt sind:

  • Ein lesender Bischof symbolisiert die Klugheit (lateinisch: prudentia/sapientia).
  • Samson, der dem Löwen das Maul aufreißt, steht fĂŒr StĂ€rke (lateinisch: fortitudo).
  • Die MĂ€ĂŸigkeit (lateinisch: temperantia) reitet auf einem Kamel.
  • Die Gerechtigkeit (lateinisch: iustitia) wird mit einer Krone, nicht wie sonst ĂŒblich mit einer Waage, dargestellt.
Papstgrab
Papstgrab

Im Bamberger Dom befindet sich außer dem Kaisergrab auch das Grab des Papstes Clemens II., das einzige Grab eines Papstes nördlich der Alpen. Clemens, vordem Bischof Suitger von Bamberg, wurde auf der Synode von Sutri zum Papst bestimmt, blieb aber weiterhin Bischof von Bamberg, seiner „sĂŒĂŸesten Braut“. Nach seinem Tod wurde sein Leichnam nach Bamberg ĂŒberfĂŒhrt und befindet sich heute – kaum sichtbar und nicht öffentlich zugĂ€nglich hinter dem Bischofsstuhl, der Kathedra.

Der Sarkophag aus italienischem Marmor ist mit Reliefs geschmĂŒckt, die man fĂŒr Werke des 20. Jahrhunderts halten könnte, sie stammen jedoch aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Reliefs zeigen folgende Motive:

Iustitia: Waage als Symbol fĂŒr die Gerechtigkeit
Fortitudo: Löwe fĂŒr die StĂ€rke
Prudentia: Drache fĂŒr Weisheit
Temperantia: Mischung von Wein und Wasser fĂŒr die MĂ€ĂŸigung
ParadiesflĂŒsse
  • Nördliche LĂ€ngsseite: Paradiesströme. Der Überlieferung nach gab es den Strom, „der von Eden ausging“ und sich dann im Garten Eden in vier „HauptflĂŒsse“ – Pischon/Chawila, Gichon/Kusch, Hiddekel (Tigris) östlich von Aschur und Perat (Euphrat) – teilte.) In Genesis 2,10-14 heißt es:

„„Ein Strom kommt aus Eden, den Garten zu bewĂ€ssern und von dort aus teilt er sich zu vier Hauptströmen. Des ersten Name ist Pischon, der das ganze Land Chawila umringt, wo das Gold ist. Das Gold dieses Landes ist gut. Dort findet man das Bedolach-Erz und den Schoham-Stein. Der Name des zweiten Stroms ist Gichon, der das ganze Land Kusch umringt. Der Name des dritten Stroms ist Chidekel, der auf der Morgenseite von Aschur fließt und der vierte Strom ist Perat.““

Die Deckplatte des Grabes stammt aus dem 17. Jahrhundert. Sechs Basistrommeln weisen darauf hin, dass ĂŒber dem Grab ein Baldachin angebracht war, zu dem die Papstplastik an den nördlichen Chorschrankenpfeilern gehörte.

Der zweite Papst, der den Bamberger Dom besuchte, war Leo IX. – ebenfalls ein Papst aus Deutschland â€“, der im Jahr 1052 den GrĂ€bern von Heinrich und Kunigunde sowie dem Sarkophag seines VorgĂ€ngers Clemens II. seine Reverenz erwies. Bei der Erhebung des Bamberger Domes zur Basilica minor 1923 betonte Papst Pius XI., „daß der Dom zu Bamberg vor allen anderen Kathedralen Deutschlands dadurch sich auszeichnet, daß in ihm das Grabmal Unseres VorgĂ€ngers Clemens II. sich befindet“.

Im Archiv des Erzbistums Bamberg gibt es eine Aufzeichnung aus dem Jahre 1824 ĂŒber eine Öffnung des Papstgrabes im Jahr 1731:

„Anno 1731 den 22 Octobris ist das Grab Pabst Clementis II, weil solches zu repariren höchst nöthig, in Gegenwart Capitulfarsl v. Horneck, Subcustodis, Obleyers und 4 Kirchnern von den Werkleuten geöffnet worden. Vorn auf dem Haupte waren viele lichtgelbe Haare, die Pontifikal Paramenten blau, seine LĂ€nge 6 Schuh 3 Zoll, M,v Reider 1824.“[2]

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Papstgrab am 3. Juni 1942 erneut geöffnet und mit anderen Kunstwerken an einem sicheren Ort geborgen. Bei der RĂŒckfĂŒhrung im Jahr 1947 wurden nur noch die Gebeine des Papstes im Dom beigesetzt. Die Textilien sowie Grabbeigaben wurden restauriert und sind seitdem im Diözesanmuseum ausgestellt.

Kathedra
Kathedra

Die Kathedra, der Bischofsstuhl, steht seit dem Jahr 1969 vor dem Papstgrab. Sie ist Zeichen fĂŒr den VerkĂŒndigungsauftrag des Bischofs, auf ihr darf nur der rechtmĂ€ĂŸig bestellte und geweihte Bischof Platz nehmen. Die 1899 geschaffene Kathedra des Bamberger Doms ist ein neuromanisches Kunstwerk, das Erzbischof Joseph von Schork anlĂ€sslich seines goldenen PriesterjubilĂ€ums im Jahr 1904 vom Metropolitankapitel als Geschenk erhielt. Sie besteht aus einem hölzernen, mit vergoldetem Kupferblech und geprĂ€gtem Leder ĂŒberzogenen Stuhl, der mit Halbedelsteinen verziert ist. Der Entwurf stammt von dem MĂŒnchener Akademieprofessor Leonhard Romeis und lehnt sich eng an frĂŒhmittelalterliche Vorbilder an.

Auf dem Mittelfeld der Innenseite befinden sich folgende Motive:

  • Amtswappen des Erzbischofs Joseph von Schork
  • Hauptpatrone des Doms, Petrus und Georg

Die Elfenbeinreliefs am Ansatz der RĂŒckenlehne zeigen:

Die VierpÀsse an den Seitenlehnen zeigen:

  • Fischzug Petri
  • Kampf des heiligen Georg mit dem Drachen

Auf der RĂŒckseite befinden sich in Leder geprĂ€gt die Personifikationen der vier Kardinaltugend und die lateinische Widmung:

THRONO ILLIVS PAX VSQVE IN AETERNVM A DOMINO R[everendissi]MO AC ExC[ellendissim]MO D[omi]NO D[orfino] D[octori] IOSEPHO DE SCHORK ECCLESIAE BAMBERGENSI ARCHIPRAESVLI DIE NATALI SEPTVAGIES RECVRRENTE D[ono] D[edit] D[edicavitque] CAPITVLVM METROPOLITANVM DIE VII. DECEMBRIS MDCCCIC
(Übersetzung: Seinem Thron Frieden auf ewig vom Herrn, dem hochwĂŒrdigsten und hochverehrten Herrn, Herrn Doktor Joseph von Schork, dem Erzbischof der Bamberger Kirche, zur 70. Wiederkehr seines Geburtstags, und hat diesen Sitz zum Geschenk gemacht und zugeeignet das Metropolitankapitel am 7. Dezember 1899.)
Volksaltar

Schon der erste Bamberger Dom hatte acht AltÀre. WÀhrend der Purifizierung wurden sieben neuromanische AltÀre aufgestellt, von denen einige noch erhalten sind. Seit der liturgischen Neuordnung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil dienen diese NebenaltÀre nur noch teilweise der Eucharistie. Bis zum Jahr 1969 war der Georgsaltar im Ostchor der Hauptaltar. Er ist der einzige Altar, der von der neuromanischen Ausstattung unverÀndert erhalten geblieben ist.

Aus den BeschlĂŒssen des Zweiten Vatikanischen Konzils ergab sich, dass die Messe nur noch an einem einzigen Altar, dem so genannten Volksaltar, gefeiert werden solle. Der Altar sollte die Mitte sein, die im Blick aller Gottesdienstbesucher sein sollte. Aus diesem Grund wurde in den 1970er Jahren die Altar-Insel vor dem Westchor geschaffen.

Der Volksaltar besteht aus einem Sandsteinsockel, an dem zehn Bronzetafeln angebracht sind:

  • SĂŒdseite: Geburt und Taufe Christi
  • Ostseite: Christus am Ölberg, Kreuzigung und Auferstehung
  • Nordseite: Emmaus-ErzĂ€hlung und die Wiederkunft Christi am JĂŒngsten Tag
  • Westseite: Amtswappen des Erzbischofs Josef Schneider mit dem Wahlspruch IN SPE FORTITVDO NOSTRA („In der Hoffnung liegt unsere StĂ€rke“)

Das Wappen des Erzbischofs wird flankiert von der Losung des eucharistischen Weltkongresses 1960 in MĂŒnchen PRO MVNDI VITA („FĂŒr das Leben der Welt“) und der Devise des im Jahr 1966 in Bamberg abgehaltenen 81. Deutschen Katholikentags IN VERBO TVO („Auf dein Wort hin“). Dieser Altar ist das wichtigste Kunstwerk der Gegenwart im Dom.

Mittelschiff

Mittelschiff
Mittelschiff mit Kanzel, Domreiter, Kaisergrab und altem Hochhaltar (1897)

Von der GesamtlĂ€nge nimmt das Mittelschiff etwa ein Drittel ein und war der verbindende Baukörper zwischen den beiden Chören. Besondere Bedeutung bekam das Mittelschiff, als die nebeneinander liegenden HochgrĂ€ber der beiden heiliggesprochenen BistumsgrĂŒnder Heinrich und Kunigunde Mittelpunkt der Frömmigkeit wurden. Dies blieb auch so, als im Zuge der Barockisierung das Kaisergrab an die Rampe des Ostchores versetzt wurde. Dennoch blieb der Raum ĂŒber die Jahrhunderte unverĂ€ndert.

Bamberger Reiter (Domreiter)

Bis zu den VerĂ€nderungen am Bauwerk Ende des Mittelalters blieben die Namen der Baumeister und KĂŒnstler, die an der Schaffung des Bauwerks beteiligt waren, unbekannt, so auch der Schöpfer des Bamberger Reiters. Diese Figur – die Ă€lteste erhaltene mittelalterliche Plastik eines Reiters â€“ wurde um das Jahr 1230 aus mehreren Schilfsandsteinblöcken gefertigt und zeigt einen unbekannten Herrscher. Sie steht noch immer an dem Pfeiler, an dem sie frĂŒher aufgestellt war.

Ganz anders, als man es vermutet, war die Reiterstatute ursprĂŒnglich farbig bemalt. Die Akanthuskonsole mit der Blattmaske war grĂŒn, das Pferd weiß mit braunen Flecken, das Kleid und der Umhang rot mit silbernen und goldenen Sternen (?), die Stiefel braun, die Krone, die Sporen, der GĂŒrtel vergoldet, der Körper in natĂŒrlicher Farbe, die Haare dunkel.

Frontalsicht des Bamberger Reiters

Über die IdentitĂ€t des Dargestellten ist man sich bis heute noch im Unklaren und es gibt viele Deutungsversuche:

Kaiser Konstantin der Große
Kaiser Heinrich II.
Kaiser Friedrich Barbarossa
Kaiser Friedrich II.

Diese Deutungsversuche mĂŒssen verworfen werden, da der Reiter keine Kaiserkrone trĂ€gt. Weitere Hypothesen sind (s. Bamberger Reiter)

König Stephan I. (Ungarn),
die römisch-deutschen Könige Konrad III. oder Philipp von Schwaben
sowie weitergehende Deutungen des Reiters als Symbolisierung fĂŒr die Dynastie der Staufer oder fĂŒr das deutsche Königtum.

Bemerkenswert ist die vertikale Gliederung der Reiterfigur, die symbolisch gedeutet werden kann:

das Blattwerk der Konsole fĂŒr das Pflanzenreich,
das Pferd fĂŒr das Tierreich,
der Reiter fĂŒr den Menschen, die Krone der Schöpfung,
der Baldachin steht fĂŒr das himmlische Jerusalem.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Domreiter vor Luftangriffen mit einer 64 Zentimeter dicken Mauer geschĂŒtzt, die mit einer 300 Zentner schweren Eisenbetondecke abgedeckt war. Dieser Bunker wurde erst im September 1947 wieder entfernt.

Kaisergrab
Kaisergrab

Das Kaisergrab im Bamberger Dom wurde in den Jahren 1499 bis 1513 in der Werkstatt Tilman Riemenschneiders angefertigt. Das marmorne Hochgrab des Kaisers Heinrich II. und der Kaiserin Kunigunde zeigt auf den SeitenwĂ€nden Legenden aus dem Leben des Kaiserpaars:

  • Die Feuerprobe: Heinrich wurde zugeflĂŒstert, dass Kunigunde ihm untreu gewesen sei. Deshalb musste die Kaiserin als Gottesurteil ĂŒber glĂŒhende Pflugscharen gehen und blieb dabei unverletzt.
  • Der gerechte Lohn: Das Pfennigwunder der heiligen Kunigunde zeigt, wie die Kaiserin persönlich den Lohn fĂŒr die Bauleute von St. Stephan auszahlte. Ein Handwerker, der mehr nehmen wollte als ihm zustand, schrie vor Schmerzen auf, weil er einen glĂŒhenden Pfennig ergriff:
  • Heinrich auf dem Sterbebett: Diese Szene zeigt, wie Kunigunde und einige Mitglieder des Hofstaats den sterbenden Kaiser betrauern. Heinrich liegt auf dem Sterbebett, wĂ€hrend seine Gemahlin mit einem Tuch die TrĂ€nen trocknet. Am Fußende seines Bettes lockt ein verkleideter Teufel mit einem stark vergrĂ¶ĂŸerten Zeigefinger. Heinrich aber zeigt auf Kunigunde und spricht, dass er seine Gemahlin als Jungfrau erhalten habe und als Jungfrau zurĂŒcklasse.
Heinrich auf dem Sterbebett (Ausschnitt)
  • Die SeelenwĂ€gung: Die SeelenwĂ€gung des heiligen Heinrich zeigt, wie sich der Erzengel Michael und der Teufel um die Seele des Kaisers streiten. Als der heilige Laurentius einen Kelch als Zeichen fĂŒr Heinrichs fromme Taten in die Waagschale legt, schlĂ€gt die Waage zu seinen Gunsten aus. Zu dem (fehlenden) ZĂŒnglein an der Waage gibt es die Sage, dass die Welt untergehen werde, wenn es ganz in der Mitte stehe:
  • Die Heilung vom Steinleiden: Heinrich litt oft unter Nierensteinen. Bei einem Aufenthalt im Kloster Montecassino soll Heinrich im Schlaf durch den heiligen Benedikt (mit dem Messer in der Hand) von seinem Steinleiden geheilt worden sein, wĂ€hrend sein Arzt schlafend am Bett sitzt. Der Kaiser erwacht am Morgen mit dem (ĂŒberdimensionierten) Nierenstein in seiner Hand:
  • Deckplatte des Kaisergrabs: Auf der monumentalen Deckplatte, die nur von oben betrachtet werden kann, sind Heinrich und Kunigunde als liegende Figuren dargestellt. Zu ihren FĂŒĂŸen liegen zwei Löwen mit dem bayerischen und luxemburgischen Wappen. WĂ€hrend die Deckplatte als eigenhĂ€ndige Arbeit Riemenschneiders anzusehen ist, dĂŒrften die seitlichen Reliefs unter Mitwirkung von Gehilfen entstanden sein.
Kanzel
Kanzel im GĂŒgel

Seit dem 13. Jahrhundert wurden Kanzeln wegen der zunehmenden GrĂ¶ĂŸe der Kirchen aus akustischen GrĂŒnden im Kirchenschiff errichtet.

Im Jahr 1815 wurde eine neue Kanzel in Auftrag gegeben, weil die alte so vermodert war, dass der Prediger sich laut Bericht der Kreisbau-Inspektion „in stĂ€ndiger Lebensgefahr“ befand. Diese neue Kanzel wurde jedoch bereits ein Jahrzehnt spĂ€ter wieder aus dem Dom entfernt und in die Kapelle Sankt Pankratius auf dem GĂŒgel bei Scheßlitz gebracht, wo sie heute noch steht. Die heutige Kanzel des Bamberger Doms entstand in den Jahren 1835 und 1836 im Zusammenhang mit der neuromanischen Ausstattung. Die Hochreliefs in den Arkaden zeigen Christus und die vier Evangelisten. Sie wird heute nicht mehr benutzt. Zeichen fĂŒr die VerkĂŒndigung im Kirchenraum ist heute der Ambo im Westchor.

Orgel
Orgel

Eine erste Orgel gab es im Bamberger Dom schon um das Jahr 1415, denn bereits damals war Orgelmusik das Kennzeichen festlicher Gottesdienste. Als man verbesserte und vergrĂ¶ĂŸerte Orgeln schuf, wurde eine Orgel hoch oben an der Nordwand des Hauptschiffes installiert. An dieser akustisch gĂŒnstigen Stelle wurden seit dem Jahr 1415 alle Hauptorgeln eingebaut.

Die heutige Orgel wurde im Jahr 1976 im nördlichen Obergaden von Rieger und Goll angebracht. Die 1868 von einem Bamberger Orgelbauer eingerichtete Orgel war so mangelhaft, dass sie bereits fĂŒnf Jahre spĂ€ter umgebaut werden musste. Die neue Orgel war aber wegen ihres Klangs berĂŒhmt und verblieb bis 1940 im Dom, ehe sie ersetzt werden musste. Als erwiesen gilt, dass die mittelalterliche Orgel hoch ĂŒber dem Mittelschiff angebracht war und damit denselben Standort hatte wie die heutige. FĂŒr dieses Schwalbennest dĂŒrfte vor allem die akustisch gute Lage ausschlaggebend gewesen sein.

Die Disposition der Orgel umfasst vier Manuale und ein Pedal mit 77 klingenden Stimmen, dazu sind mehrere Spielhilfen vorhanden. Vier große Engel mit den Evangelistenzeichen begrenzen den Prospekt und symbolisieren den Chor der Engel, der die Frohe Botschaft verkĂŒndet. Bemerkenswert an der Orgel sind die Einbeziehung historischer Elemente (Uhr, Figuren, Stuck) und die TrompeterĂ­a. Die Disposition im einzelnen:

I RĂŒckpositiv C–
Principal 8â€Č
Rohrgedackt 8â€Č
Suavial 8â€Č
Octav 4â€Č
Koppelflöte 4â€Č
Sesquialtera II 2⅔â€Č
Superoctav 2â€Č
Blockflöte 2â€Č
Quintlein 1⅓â€Č
Sifflöte 1â€Č
Scharff V 1⅓â€Č
Dulcian 16â€Č
Trompete 8â€Č
Krummhorn 8â€Č
Tremulant
II Hauptwerk C–
Principal 16â€Č
Octav 8â€Č
Hohlflöte 8â€Č
Gedackt 8â€Č
Gambe 8â€Č
Octav 4â€Č
Spitzflöte 4â€Č
Quinte 2⅔â€Č
Superoktav 2â€Č
Mixtura major V–VI 2⅔â€Č
Mixtura minor VI–V 1â€Č
Cornet V 8â€Č
Trompete 16â€Č
Trompete 8â€Č
Chamade 8â€Č
Chamade 4â€Č
III Schwellwerk C–
Gedackt 16â€Č
Holzprincipal 8â€Č
Holzflöte 8â€Č
Bleigedackt 8â€Č
Gambe 8â€Č
Schwebung 8â€Č
Octav 4â€Č
Querflöte 4â€Č
Viola 4â€Č
Nassat 2⅔â€Č
Octavin 2â€Č
Terz 1⅗â€Č
Mixtur V 2â€Č
Fagott 16â€Č
Trompette harmonique 8â€Č
Hautbois 8â€Č
Clairon 4â€Č
Glockenspiel
Marimba
Tremulant
IV Brustwerk C–
Holzgedackt 8â€Č
Quintade 8â€Č
Salicional 8â€Č
Principal 4â€Č
Holzrohrflöte 4â€Č
Nassat 2⅔â€Č
Octav 2â€Č
Holzflöte 2â€Č
Terz 1⅗â€Č
Quinte 1⅓â€Č
OktĂ€vlein 1â€Č
Quintcimbel II ⅓â€Č
Regal 16â€Č
Vox humana 8â€Č
Tremulant
Pedal C–
Untersatz 32â€Č
Principal 16â€Č
Subbass 16â€Č
Octav 8â€Č
Spillpfeife 8â€Č
Violon 8â€Č
Octav 4â€Č
Flöte 4â€Č
Jubalflöte 2â€Č
Hintersatz IV 2⅔â€Č
Fagott 32â€Č
Bombarde 16â€Č
Fagott 16â€Č
Posaune 8â€Č
Clairon 4â€Č

Seitenschiffe

Nördliches Seitenschiff

Die beiden Seitenschiffe sind durch Rundbogenfenster belichtet und durch hohe Arkaden zum Mittelschiff geöffnet. Eigentlich sind sie nur Zugangs- und DurchgangsrĂ€ume zu den Chören und zum Mittelschiff. Dies ergibt sich schon dadurch, dass Adams- und Gnadenpforte direkt in die lang gestreckten GĂ€nge der beiden Seitenschiffe einmĂŒnden.

Das sĂŒdliche Seitenschiff war wohl reine VerkehrsflĂ€che. Von hier aus gelangte man sowohl in das Dormitorium des Domkapitelhauses als auch in den Kreuzgang, in die Gertrudenkapelle und in die Sepultur. Aus diesem Grunde gab es im sĂŒdlichen Seitenschiff niemals AltĂ€re. Vielmehr befanden sich zwischen dem sĂŒdlichen Seitenschiff und dem Mittelschiff Gitter mit zwei DurchlĂ€ssen vor dem Ost- und Westchor.

Kirchgattendorfer Altar

Der Marienaltar aus dem Dorf Kirchgattendorf bei Hof, einem kleinen Dorf der ehemaligen Markgrafschaft Bayreuth, das in der Reformationszeit evangelisch wurde, stammt aus der Zeit um 1510 und diente bis zum Jahr 1708 als Zelebrationsaltar. Als die Kirche in der Reformation evangelisch wurde, hatte die Kirchengemeinde keine Verwendung mehr fĂŒr den Altar und er wurde im Untergeschoss des Turms abgestellt. 1919 wurde der Altar wegen BaufĂ€lligkeit an die Pfarrei Steinwiesen verkauft, die allerdings auch die hohen Restaurationskosten nicht aufbringen konnte und ihn an die Erzdiözese Bamberg verkaufte. Heute bildet dieser Marienaltar eine der SehenswĂŒrdigkeiten im Bamberger Dom. Im Jahr 1921 musste er dem Veit-Stoß-Altar weichen und kam an seinen jetzigen Standort gegenĂŒber vom Domreiter.

Der Kirchgattendorfer Altar stellt in fast lebensgroßen Skulpturen Maria im Strahlenkranz dar, umgeben von den Heiligen Katharina von Alexandrien mit Schwert und Barbara mit Kelch und Hostie. Die Innenseiten der FlĂŒgel sind mit Szenen aus dem Marienleben und der Kindheitsgeschichte Jesu verziert. Der Kirchgattendorfer ist eigentlich kein Altar mehr, da er heute nicht mehr zum Gottesdienst verwendet wird.

Riemenschneider-Altar
Sogenannter Riemenschneider-Altar

Der so genannte Riemenschneideraltar mit Skulpturen des frĂŒhen 16. Jahrhunderts hat seinen Namen daher, dass die Skulptur des heiligen Sebastian im Mittelschrein der Werkstatt Tilman Riemenschneiders zugeordnet wurde. Diese Figuren wurden nicht fĂŒr den Dom geschaffen, sondern im 20. Jahrhundert als EinzelstĂŒcke erworben, im Dom aufgestellt.

Mittelfeld: heiliger Sebastian, daneben Heinrich II. und Stephanus
Seitenteile: heilige Frauen (Barbara und Katharina, Margaretha und Dorothea, Magdalena und Helena sowie Ursula und eine unbekannte Heilige)

Der Riemenschneideraltar wurde 1926 aus unterschiedlichen Skulpturen und einer vorhandenen Predella (ein Sockel oder eine Stufe, auf der ein Altar steht) zusammengestellt, besitzt keinen Altartisch und ist rein museal ausgestellt. Der Schrein steht auf einer alten Predella, die aus privatem Nachlass gestiftet wurde. In der Mitte ist eine schmerzhafte Dreifaltigkeit zu sehen, seitlich je drei Heilige in Brustbildern, nÀmlich Heinrich und Kunigunde mit einem Kirchenmodell, Laurentius, Augustinus und zwei Bischöfe. Die Figuren stammen wohl aus sÀkularisierten Kirchen.

Da im Mittelschrein Kaiser Heinrich II. dargestellt ist, hat der Altar auch den Namen Heinrichsaltar.

BischofsgrÀber
Friedrich von Hohenlohe

Schon der erste Dombau wurde auf einem alten GrĂ€berfeld errichtet und wĂ€hrend seiner langen Geschichte war der Dom immer Grablege von mehr oder weniger berĂŒhmten Personen. Neben einem Kaiser und einem Papst wurde auch eine Reihe von Bischöfen hier bestattet, denn jeder Bischof hat das Anrecht, in seiner Bischofskirche beigesetzt zu werden. Seit dem 14. Jahrhundert wurde fĂŒr jeden Bischof eine Gedenkplatte als Erinnerung angebracht, weil die Beisetzungen in der Regel unter dem Fußboden erfolgt waren. Die GrabmĂ€ler der Barockzeit wurden im 19. Jahrhundert entfernt und sind heute in der ehemaligen Klosterkirche Sankt Michael aufgestellt.

Die Grabplatte des 1352 gestorbenen Bischofs Friedrich von Hohenlohe ist deshalb bemerkenswert, weil sie den Bischof nicht idealisiert darstellt, sondern als alten Mann, in dem Alter, in dem er gestorben ist. Diese Grabplatte wurde das Vorbild fĂŒr eine Ă€hnliche Darstellung des Bischofs Friedrich II. von Truhendingen.

Die Skulptur von Papst Clemens II. stammt vom gleichen Bildhauer, der auch den Bamberger Reiter gefertigt hat. Sie entstand zwischen 1225 und 1237 und wurde zusammen mit dem Papstgrab in Auftrag gegeben. Die Figur lag vermutlich bis 1650 auf dem Grab. WĂ€hrend der Barockisierung wurde das Grab demontiert und erhielt eine neue Deckplatte. Die Skulptur ist liegend gedacht, denn der Kopf ruht auf einem Kissen. Dem widersprechen jedoch die Falten der GewĂ€nder sowie die segnende Handhaltung.

Als im Jahr 1973, dem Jahr der Tausendjahrfeier Bambergs, die GrabstĂ€tten und das Ossuarium gerĂ€umt wurden, zĂ€hlten die ArchĂ€ologen alleine im Ossuarium 1056 SchĂ€del. Diese sterblichen Überreste wurden im Jahr 1982 im Kreuzgang beigesetzt.

Querhaus

Querhaus

Von außen ist das Querhaus klar sichtbar. Im Inneren hingegen wird es nur schwer als Querschiff einer kreuzförmigen Basilika erkennbar. Die beiden Querschiffarme sind RĂ€ume ĂŒber quadratischem Grundriss, die man als hohe kapellenartige Ausbauten der Seitenschiffe sehen kann.

Eine Besonderheit des Bamberger Doms ist, dass das Querschiff vor dem Westchor errichtet wurde und nicht, wie bei anderen Kirchenbauten des Hochmittelalters, vor dem Ostchor.

Veit-Stoß-Altar
Veit-Stoß-Altar (1787)
Veit-Stoß-Altar (2008)

Von dem berĂŒhmten KĂŒnstler Veit Stoß stammt der Marien- oder Weihnachtsaltar. Es handelt sich dabei um Lindenholzreliefs, die Veit Stoß im Jahr 1523 fertigstellte. Auftraggeber war sein Sohn Andreas Stoß, der Prior im NĂŒrnberger Karmeliterkoster war. Als das Kloster ein Jahr spĂ€ter aufgelöst wurde und Andreas Stoß nach Bamberg kam, kaufte er den Altar fĂŒr die Bamberger Obere Pfarre an. Er wurde zur Feier der 700jĂ€hrigen Konsekration des Doms im Jahr 1937 als Leihgabe in den Dom ĂŒberfĂŒhrt. DafĂŒr musste der Kirchgattendorfer Altar weichen und kam an seinen jetzigen Standort.

In der Mitte des Triptychons wird die Geburt Jesu dargestellt, wobei die Engel durch die Leidenswerkzeuge bereits auf die Passion hinweisen. Veit Stoß zeigte das Jesuskind auf dem weit ausgebreiteten Mantel Marias. Das Christuskind auf dem Kissen ist eine ErgĂ€nzung aus der Barockzeit. Hinter Maria steht der heilige Josef, wĂ€hrend rechts Engel und Hirten hinzutreten. Der Erste hĂ€lt eine Knickhalslaute im Arm und umgreift gleichzeitig eine SĂ€ule. Ein Engel in der Kleidung eines Diakons kniet frontal zum Betrachter, ein anderer hat eine Viola unter seinen Arm geklemmt. Auch er musiziert nicht, sondern hĂ€lt ein Kreuz in den HĂ€nden. Die ursprĂŒnglich in Bildmitte konzipierte SĂ€ule wurde spĂ€ter nach links verschoben. Nach den Meditationes des Pseudo-Bonaventura, wird beschrieben, Maria habe ihr Kind an einer SĂ€ule angelehnt und ohne Schmerzen geboren. Die SĂ€ule soll aber auch als Hinweis auf die Passion, auf die Geißelung Christi vor Pontius Pilatus verstanden werden. Entsprechend verhĂ€lt es sich mit den beiden Höhlen unterhalb der SĂ€ule. Nach Angabe des Pseudo-MatthĂ€us gebar Maria ihr Kind in einer Höhle und verließ sie am dritten Tag, um ihr Kind in die Krippe zu betten. Den Hintergrund bildet eine Landschaft mit Befestigungsanlagen und HĂ€usern, die an die mittelalterliche Stadtbefestigung NĂŒrnbergs erinnert.

Die beiden oberen Reliefs auf dem AußenflĂŒgel sind flacher und waren vermutlich fĂŒr die Außenseite bestimmt. Sie stellen die Flucht nach Ägypten und die Geburt Marias dar. Die unteren Reliefs zeigen die Anbetung der Drei Könige und den zwölfjĂ€hrigen Jesus im Tempel.

Der Altar sollte, wie es Veit Stoß vorgeschrieben hatte, nur an besonderen Festtagen aufgeklappt werden: Weihnachten, Epiphanias, Ostern und Pfingsten, zu Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, Trinitatis, Allerheiligen und an den Marienfesten. Um eine Verschmutzung durch Ruß zu vermeiden, war außerdem vorgeschrieben, dass der Altar nur durch zwei Kerzen beleuchtet werden dĂŒrfe:

„Die Tafel soll nur geöffnet werden an Weihnachten, Ostern und Pfingsten mit den zwei folgenden Tagen, an Himmelfahrt, an Dreifaltigkeitsfest, Allerheiligen, Erscheinungsfest des Herrn, Fronleichnam, Kirchweih und an allen Festen der Seeligen Jungfrau Maria [
]. Zweimal im Jahr soll sie gereinigt werden. Und es sollen keine große Kerzen auf den Altar gestellt werden wegen des Rauchs. Zwei kleine Kerzen genĂŒgen. Die ĂŒbrigen sollen fern vom Altar ihren Platz finden.“[11]

Auch gegen eine Bemalung wandte sich Veit Stoß und zwar weil Schnitzer und Bildhauer keine Mitglieder in der Zunft der Maler waren und deshalb ihre Werke nicht selbst bemalen durften. Die Fassmaler aber verĂ€nderten die Figuren durch einen dicken Kreidegrund und auch durch die Farbe. Außerdem wurden sie besser bezahlt als die Schnitzer und Bildhauer.

Historische Fotos zeigen, dass die Aufstellung der Figuren im Mittelschrein mehrfach verĂ€ndert wurden. Anhand Ă€lterer DĂŒbellöcher wurden in den Jahren 1933 und 1934 die Teile neu geordnet und damit der heutige Zustand geschaffen. Der Altar war ursprĂŒnglich nicht so dunkel wie er heute erscheint. Vielmehr waren Augen und Mund der Figuren farbig und das helle Lindenholz honiggelb lasiert. Im spĂ€ten 19. Jahrhundert wurde der Altar jedoch mit einer dunkelbraunen Lasur ĂŒberarbeitet.

MĂŒhlhausener Altar
Heilige Margarete auf dem MĂŒhlhausener Altar

Der Marienaltar aus der evangelischen Pfarrkirche von MĂŒhlhausen, einige Kilometer sĂŒdlich von Bamberg im Landkreis Erlangen-Höchstadt, stammt aus der Zeit um das Jahr 1500. Er wurde in dem mittelfrĂ€nkischen Dorf als Pfarraltar benutzt, musste aber dann einem neuen Altar weichen. Jahre lang wurde er auf einem Dachboden gelagert, bis er schließlich versteigert wurde und im Jahr 1891 dem Bamberger Erzbischof Joseph von Schork geschenkt wurde. Dieser stiftete den Altar im Jahr 1904 seiner Bischofskirche, ließ ihn aber erst renovieren und mit einer mittelalterlichen Anna-Figur ergĂ€nzen.

  • Mitte: Maria als Himmelskönigin auf der Mondsichel und mit dem Christuskind auf dem Arm, umgeben von einer Strahlenglorie
  • Links: VerkĂŒndigung an Maria, darunter die Darstellung Jesu im Tempel
  • Rechts: Geburt Christi und die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige

Nagelkapelle

Heiliger Nagel

In der Nagelkapelle wurde ein heiliger Nagel vom Kreuz Jesu gezeigt, eine im Mittelalter Ă€ußerst wertvolle Reliquie. Seit dieser Zeit ist auch die Bezeichnung Nagelkapelle ĂŒblich. Denn dieser Nagel wurde im 18. Jahrhundert so stark verehrt, dass man ihn am Kreuzaltar in der Sepultur des Domkapitels zeigte, um die Gottesdienste im Dom nicht zu stören. Der Heilige Nagel gehört zu den so genannten Christusreliquien, GegenstĂ€nde, die mit Leib und Blut Christi in BerĂŒhrung gekommen sind. Der elf Zentimeter lange heilige Nagel, dessen Kopf und Spitze abgebrochen sind, wird bereits im Jahr 1390 in einer Rechnung erwĂ€hnt und ist seit dieser Zeit im Bamberger Domschatz nachweisbar. Er wird in einer Reliquienmonstranz ausgestellt und gehört neben drei großen Partikeln vom Kreuz Christi, zwei Dornen seiner Dornenkrone sowie der Tafel, die Pontius Pilatus ĂŒber dem Haupt Christi anbringen ließ, zu den HeiltĂŒmern, die der Überlieferung nach die Mutter Kaiser Konstantins, die heilige Helena, in Jerusalem aufgefunden hatte. Zu den Wundern, die der heilige Nagel bewirkt haben soll, berichtet ein Mirakelbuch des Domkapitels fĂŒr das Jahr 1652, dass ein blind geborener Bauernsohn nach der BerĂŒhrung mit der Nagelreliquie sehend geworden sei.

Die Nagelkapelle wurde im Stil eines zisterziensischen Kapitelsaales noch vor der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet und diente dem Domkapitel als Grablege und bis etwa 1350 als Versammlungsraum. Die Bronzegrabplatten bedeckten immer mehr den Fußboden, bis sie schließlich im Jahr 1762 an den WĂ€nden aufgestellt wurden. Sie zeigen das Abbild des Verstorbenen und eine Umschrift. Weil viele Domherren nur die Weihe zum Diakon erhalten hatten, halten diese im Gegensatz zu Priestern keinen Abendmahlskelch sondern ein Buch in ihren HĂ€nden.

Zur spÀtmittelalterlichen Ausstattung der Nagelkapelle gehört auch der BartholomÀus- beziehungsweise Apostelabschiedsaltar, dessen Retabel zeigt, wie die Apostel, bevor sie in alle Welt zogen, noch einmal zusammen kamen und ihre letzten Reisevorbereitungen trafen. Auf den seitlichen Tafeln verabschieden sich einige Apostel noch, wÀhrend andere schon im Gehen begriffen sind. Ein anderer Apostel wird gezeigt, wie er aus seine Feldflasche trinkt.

Die Nagelkapelle dient seit der Restaurierung der 1990er Jahre als Kapelle fĂŒr Werktagsgottesdienste und zum stillen Gebet. Deshalb ist sie auch nicht fĂŒr Besichtigungen zugĂ€nglich.

Sakramentskapelle

Tafelbild in der Sakramentskapelle (Ausschnittt)

Die kleine Nebenkapelle im sĂŒdlichen Seitenschiff erhielt ihre Funktion als Sakramentskapelle 1974 im Zuge der liturgischen Neuordnung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Seitdem werden die geweihten Hostien hier im Tabernakel aufbewahrt.

Die Sakramentskapelle ist ein Relikt aus der Bauzeit des Doms und ist eigentlich nur die Überbauung eines Winkels. In dieser Kapelle wurde ursprĂŒnglich die heilige Gertrud von Nivelles verehrt. Dieses Patrozinium wurde spĂ€ter um den heiligen Johannes Nepomuk und den Evangelisten Johannes erweitert. Über dem Tabernakel ist ein RosenkranzgemĂ€lde angebracht, das Lucas Cranach d. Ă„. zugeschrieben wurde und um das Jahr 1520 entstand. Es ist eines der wenigen Kunstwerke im Dom, die aus der Zeit vor der Purifizierung erhalten geblieben sind und stammte vom ehemaligen Mauritiusaltar. Das Bild ist wie ein großes Rundfenster gestaltet, durch das sich der Blick zum Himmel öffnet. Um die Dreifaltigkeit sind symbolisch alle Heiligen dargestellt:

heilige Frauen
heilige MĂ€nner
Apostel
Patriarchen
Propheten.

Das Tafelbild zeigt in einer Anspielung auf den Rosenkranz, von 50 weißen und fĂŒnf roten RosenblĂŒten umgeben, Christus am Kreuz, darĂŒber die Taube des Heiligen Geistes und Gottvater. Neben Gottvater kniet auf einer Seite die Gottesmutter Maria, auf der anderen Seite kommt ein Engelchor. Am unteren Bildrand stehen links die geistlichen StĂ€nde, angefĂŒhrt vom Papst, rechts die weltlichen StĂ€nde, angefĂŒhrt vom Kaiser. Der Papst könnte Leo X. sein, der Kaiser Maximilian I.

Kreuzgang

Kreuzgang

Der Name Kreuzgang leitet sich von den Kreuz-Prozessionen ab, die hier abgehalten wurden. Im Kreuzgang und in einigen RÀumen des Kapitelhauses wurde in den Jahren 1966 und 1970 das Diözesanmuseum Bamberg eingerichtet.

Die Andreaskapelle ist den Heiligen Andreas, Wenzel und Sigismund geweiht. Letztere sind Heilige, die auch in Prag verehrt werden und zeigen die Verbundenheit mit dieser Stadt auf.

Die Abgelegenheit der Andreaskapelle fĂŒhrte dazu, dass die Fenster wĂ€hrend der Barockisierung nicht ausgewechselt wurden, wodurch das Glasfenster aus dem 15. Jahrhundert unversehrt erhalten blieb. Diese Kapelle ist ĂŒber einen kleinen Treppenhausanbau untergebracht und aus konservatorischen GrĂŒnden nicht allgemein zugĂ€nglich. Sie ist mit folgenden Motiven ausgemalt:

  1. MatthĂ€us (Mensch mit FlĂŒgeln. Das MatthĂ€usevangelium beginnt mit dem Stammbaum Jesu.)
  2. Markus (Löwe. Das Markusevangelium beginnt mit Johannes dem TĂ€ufer, dem Rufer in der WĂŒste, deshalb der Löwe, dessen Ruf in der WĂŒste erschallt.)
  3. Lukas (Stier. Das Lukasevangelium beginnt am Jerusalemer Tempel, mit dem der Stier als Opfertier verbunden wird.)
  4. Johannes (Adler. Das Johannesevangelium beginnt mit den Worten „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott“ (Joh 1,1), der Adler galt als das Tier, das am höchsten fliegt und Gott am nĂ€chsten ist.)
  1. Hieronymus (Löwe. Eine Legende erzÀhlt, dass ein hinkender Löwe die Mönche in die Flucht jagte, Hieronymus aber ihm einen Dorn aus der Tatze zog, worauf der Löwe als Haustier blieb.)
  2. Augustinus (Knabe mit Löffel. Eine Legende erzĂ€hlt, dass Augustinus ein Kind beobachtete, das mit einem Löffel Wasser aus dem Meer schöpfte. Als er sich skeptisch nach dem Sinn dieser Handlung erkundigte, antwortete das Kind: „Ich tue das gleiche wie Du: Du willst die UnergrĂŒndlichkeit Gottes mit deinen Gedanken, ich das Meer mit einem Löffel ausschöpfen!“)
  3. Ambrosius (Geißel. Er vertrieb mit einer Geißel die Arianer aus Mailand.)
  4. Gregorius Maurus (Papstkreuz. Gregorius Maurus war einer der AnfĂŒhrer der ThebĂ€ischen Legion und fĂŒhrte ein Kreuz in der Flagge.)

Sonstiges

Durch die GrĂ€ber von Heinrich und Kunigunde entwickelte sich der Dom im Mittelalter zu einem Wallfahrtszentrum. Im SpĂ€tmittelalter stand Bamberg mit Trier oder Aachen auf einer Stufe als großer deutscher Wallfahrtsort. Höhepunkt der Reliquienverehrung war die alle sieben Jahre stattfindende Große Heiltumsweisung, zu der auch die Reliquien anderer Bamberger Kirchen in den Dom gebracht wurden und auf dem Domplatz der versammelten Menge gezeigt wurden. Durch die Reformation ließ auch im katholischen Bamberg das Interesse an den Reliquien nach, doch mit der Gegenreformation lebte die Reliquienverehrung wieder auf.

Bis zum Jahr 1805 gab es im Dom zwei von Domvikaren versehene Pfarreien, nĂ€mlich die Chorpfarrei fĂŒr die Geistlichen des Domstifts und die Sankt-Veits-Pfarrei fĂŒr die weltlichen Bewohner der Domburg. Zeichen fĂŒr den Dom als Pfarrkirche sind die Taufstelle in der Krypta und die BeichtstĂŒhle. In der Barockzeit gab es keine BeichtstĂŒhle im Dom, weil der Dom keine Kirche fĂŒr die Volksseelsorge war.

Diese (Haupt)-Funktion des Doms als Kirche wird von vielen Besuchern des Doms nicht genĂŒgend gewĂŒrdigt. In einem Zeitungsbericht zum 750. DomjubilĂ€um im Jahr 1987 beschreibt der damalige Bamberger Weihbischof Werner Radspieler, welche Formen der Tourismus im Bamberger Dom annehmen kann:

„Es ist ein hoher Feiertag. Festlicher Gottesdienst. Die Orgel verstummt, denn das Evangelium wird verkĂŒndet, Und dann die Predigt. Der Dom ist voll, die GlĂ€ubigen hören zu und denken nach – man wird zum meditierenden Christen. Ich als Prediger versuche mich zu konzentrieren und mich innerlich auf meine Zuhörer einzustellen, die zum Heiligtum gekommen sind. Aber dann erschrecke ich sehr – mit meiner Sammlung ist es fast vorbei. Denn ich habe ja die Marien- und Adamspforte im Blick. Ich muß als erster die unvermeidliche Invasion bemerken - meine Zuhörer werden sich erst nach einer Minute umdrehen. Die Touristen kommen! Mit halb-frommen Mienen schieben sie sich nach vorne, nicht sehr schnell, aber doch zielstrebig. „Wo ist er denn, der Bamberger Reiter?“ – „Und was ist das fĂŒr ein Kasten? Ja, sieh mal, das ist ein Beichtstuhl!“ „Da sitzt ja sogar ein Pfarrer drin – wie originell!“ Und dann das unvermeidliche Blitzlicht und auch die klappernden Schuhe von stöckelnden Damen. Vorne am Altar ist es am schönsten und am feierlichsten – und der Prediger ist gut im Bild: Und so werde ich also gnadenlos zum Urlaubsdia. Das ist RealitĂ€t, lieber Leser. Kein Wort ist ĂŒbertrieben. Wollen Sie es miterleben? Dann kommen Sie in den Dom – möglichst an einem Sonntag in der Urlaubszeit.“[12]

DombauhĂŒtte

An der Spitze der mittelalterlichen DombauhĂŒtte stand der Werkmeister (magister operis) als Architekt und verantwortlicher Leiter der gesamten Baustelle. Als der Bamberger Dom 1803 in staatliche HĂ€nde fiel, musste der Staat auch die Pflege und Ausbesserung der Bausubstanz ĂŒbernehmen. Da bei vielen Vorhaben staatliche und kirchliche Befugnisse ineinander greifen, wurde im Jahr 1929 eine DombauhĂŒtte gegrĂŒndet, die alle Sanierungsmaßnahmen durchzufĂŒhren hat und von einem Angestellten des Hochbauamts geleitet wird. Die Handwerker sind Arbeitnehmer eines privaten Bau- und Steinmetzbetriebs und haben fĂŒr die Beseitigung von WitterungsschĂ€den zu sorgen. Am meisten Arbeit fĂ€llt an den TĂŒrmen an, von denen fast stĂ€ndig jeweils einer eingerĂŒstet ist. Die PersonalstĂ€rke der DombauhĂŒtte schwankt zwischen 14 und 18 BeschĂ€ftigten, die rund vierzig Jahre damit beschĂ€ftigt sind, den Dom zu renovieren. Wenn sie damit fertig sind, beginnt die Arbeit von Neuem:

„Wer den Bamberger Dom umrunden will, braucht dazu keine halbe Stunde: Vom Domplatz durch die Domgasse, ĂŒber Torschuster und Matern zum Knöcklein, dann bergab durch den Domgrundweg zum Hinteren und Vorderen Bach, von hier aus wieder hinauf zum Domplatz – geschlossen ist die Runde.
„Die DombauhĂŒtte braucht fĂŒr eine Runde wesentlich lĂ€nger. Die erste dauerte genau 40 (vierzig) Jahre. Und von der bereits begonnenen zweiten nimmt man an, daß sie im Jahre 2007, wenn Bamberg die 1000-Jahr-Feier seiner BistumsgrĂŒndung begehen wird, noch nicht zu Ende ist. Merke: Mit der Stoppuhr ist die Leistung der DombauhĂŒtte nicht zu messen.“

Zitiert aus: FrÀnkischer Tag, 8. Mai 1987

Probleme machen der DombauhĂŒtte die unterschiedlichen Sandsteinsorten, die am Dom verwendet wurden, denn am Dom sind alle gĂ€ngigen Sandsteine des Bamberger Umlandes verbaut worden. Der hĂ€rteste Sandstein kam aus dem Michelsberger Wald und dem Gebiet des Kreuzbergs. Dabei handelt es sich um RhĂ€tsandstein mit kiesigem Material. Der weichste verwendete Stein ist Schilfsandstein oder GrĂŒner Mainsandstein aus Sand am Main und Zeil am Main, der einen Quarzanteil von lediglich 40 bis 50 Prozent hat. Der Schilfsandstein wurde fĂŒr die Ornamentik und fĂŒr die großen Figuren verwendet. Die Verwitterung tritt aber nur in Verbindung mit Feuchtigkeit ein. So ist auch der Bamberger Reiter 750 Jahre lang völlig unversehrt erhalten geblieben, wĂ€hrend die Figuren im Außenbereich schwerste SchĂ€den aufweisen.

Verschlimmert wurde die Situation durch falsche Schutzmaßnahmen zum Beispiel am FĂŒrstenportal. Dort wurden im Jahr 1953 mehrere Propheten-Apostel-Doppelfiguren zur Konservierung mit Kalksinterwasser bestrichen. Die Anreicherung des Schilfsandsteins mit Kalzium fĂŒhrte zur Reaktion der Kalzium-Ionen mit dem Sulfatgehalt eindringender Feuchtigkeit des sauren Regens zu Gips. Im Jahr 1973 wurde ein neuer Versuch, einer Behandlung mit Kieselester unternommen, von der man sich bessere Resultate erhofft.

Domchor

Domchor vor dem FĂŒrstenportal bei der Fronleichnamsprozession

Der Bamberger Domchor hat eine lange Tradition. Der erste bekannte Auftritt war beim Besuch von Papst Benedikt VIII. am 14. April 1020 und bei der RĂŒckkehr Bischof Ottos von seiner Missionsreise nach Pommern am 29. MĂ€rz 1125. Institutionalisiert wurde er in den Jahren 1192 und 1256, als der Bamberger Bischof Heinrich I. eine Kantorei stiftete, diese mit der Kaplanei in Amlingstadt verband und so mit EinkĂŒnften ausstattete. Außerdem wurde ein Mitglied des Domkapitels als Kantor berufen. HauptsĂ€chlich wurden Gregorianische ChorĂ€le gepflegt.

Der heutige Chor ist – wie die Regensburger Domspatzen – ein klassischer Knabenchor. Hauptaufgabe des Domchors ist musikalische Umrahmung feierlicher Gottesdienste. An hohen Festen des Kirchenjahres tritt der Domchor gemeinsam mit Musikern der Bamberger Symphoniker auf. DarĂŒber hinaus geht der Domchor jĂ€hrlich auf Konzerttournee, die ihn bis nach Übersee fĂŒhren. Zurzeit hat der Domchor 80 SĂ€nger, die erst nach einer ein- bis zweijĂ€hrigen Vorbereitungsphase aufgenommen werden. Seit 1989 gibt es neben dem Knabenchor auch die MĂ€dchenkantorei mit 140 SĂ€ngerinnen im Alter zwischen 8 und 19 Jahren. Die 1995 gegrĂŒndete Domkantorei setzt sich ĂŒberwiegend aus ehemaligen SĂ€ngerinnen und SĂ€ngern des Domchors und der MĂ€dchenkantorei zusammen.[13]

Umgebung des Doms

Domkranz

Domkranz

Der Domkranz ist eine ĂŒber zwei breite Treppen zugĂ€ngliche hoch gelegene Terrasse, die nicht zur ursprĂŒnglichen Domanlage gehörte und erst in den Jahren 1508 bis 1511 gebaut wurde. Der unregelmĂ€ĂŸige Grundriss des Domkranzes lĂ€sst RĂŒckschlĂŒsse auf ein Bauwerk zu, das heute nicht mehr vorhanden ist. Ein steinernes Lesepult an der Balustrade zum Domplatz lĂ€sst auf die Benutzung dieses Emporen Ă€hnlichen Vorplatzes fĂŒr liturgische Handlungen und als SchaubĂŒhne bei den großen Bamberger Reliquienweisungen schließen.

Auf dem Domkranz befinden sich außerdem die beiden Domkröten und die zwei östlichen ZugĂ€nge zum Dom, nĂ€mlich Adamspforte und Gnadenpforte.

Diözesanmuseum

Direkt an den Kreuzgang des Bamberger Doms schließt sich das Diözesanmuseum an. Es wurde 1966 in den RĂ€umen des Kapitelhauses eröffnet und besitzt mit dem Domschatz und seinen hochmittelalterlichen SakralgewĂ€ndern eine Sammlung von kulturgeschichtlicher Bedeutung. Zu den wichtigsten Exponaten gehören:

Ornat von Papst Clemens II.
Grabtuch des Bischofs Gunther aus der Zeit zwischen 1050 und 1060
goldgestickte MĂ€ntel von Kaiser Heinrich und Kaiserin Kunigunde
Ostensorien (SchaugerÀte mit Reliquien)

Kapitelhaus

Domkranz und Kapitelhaus

Seit dem Mittelalter gehören zu den Kathedralen Priestergemeinschaften, die als Domkapitel das Chorgebet und den Gottesdienst im Dom versahen sowie in der Verwaltung der jeweiligen Diözese tĂ€tig waren. Die Domherren lebten ursprĂŒnglich in klosterĂ€hnlicher Gemeinschaft nach strengen Regeln. Da diese Regeln bei den tĂ€glichen ZusammenkĂŒnften in Kapiteln vorgelesen wurde, bĂŒrgerte sich als Bezeichnung fĂŒr die Gemeinschaft der Domherren der Name Domkapitel ein.

Im alten Bistum Bamberg mussten die 34 Domherren nach dem Statut von 1398 adelig sein. Das Domkloster befand sich offenbar sĂŒdlich der Kathedrale und bestand aus verschiedenen um einen Kreuzgang angeordneten GebĂ€uden. Die gemeinsame Wohnung des Domkapitels löste sich schon ab dem 12. Jahrhundert auf. Das gemeinschaftliche Vermögen wurde aufgeteilt. Damit verfĂŒgte jeder Domherr ĂŒber ein eigenes Einkommen. Dann entband man Domherren der gemeinsamen Wohnpflicht, worauf diese im Areal des Dombergs eigene Domherrenhöfe bezogen.

Das Domkapitel ist ein Priesterkollegium, das zwei Aufgaben zu erfĂŒllen hat: Es ist eine Gebetsgemeinschaft, die fĂŒr den tĂ€glichen Gottesdienst verantwortlich ist und daneben den Bischof bei der Verwaltung und Leitung der Diözese unterstĂŒtzt. Es ist eine selbststĂ€ndige Gemeinschaft von Geistlichen, die zunehmend eigene Rechte gegenĂŒber dem Bischof erlangte. In einer Kathedrale ist das ChorgestĂŒhl das sichtbare Zeichen fĂŒr das Wirken des Domkapitels. Hier hat jedes Mitglied seinen Chorplatz, der vergleichbar ist mit dem Platz des Bischofs, der Kathedra. Im Bamberger Dom gibt es zwei ChorgestĂŒhle, jeweils eines im Ost- und im Westchor. Das GestĂŒhl soll die notwendige Ordnung fĂŒr das wechselseitige Beten des Chorgebetes bieten.

Ein Neubau des Domkapitelhauses wurde notwendig, weil gegen Ende des 17. Jahrhunderts das Kapitelhaus den gewachsenen AnsprĂŒchen an ReprĂ€sentation nicht mehr genĂŒgte. Allerdings war die Finanzierungsfrage lange ungeklĂ€rt. Erst als ein Domherr testamentarisch den Betrag von 12.000 Rheinischen Gulden gestiftet hatte, beauftragte das Domkapitel Balthasar Neumann mit der Planung. Das Domkapitelhaus gehört zu den weniger bekannten Bauten des renommierten Barockbaumeisters. Der Zugang ĂŒber das Hauptportal hatte wohl keine große Bedeutung, denn von hier wurden hauptsĂ€chlich die im Erdgeschoss eingerichtete Domschule sowie VerwaltungsrĂ€ume erschlossen.

Domplatz

Domplatz mit Dom, Alter Hofhaltung und Neuer Residenz
Dom, Teil des Domplatzes und Alte Hofhaltung (1819)

Am Domplatz stehen die Renaissance-Bauten der Alten Hofhaltung und das Barock-Ensemble der Neuen Residenz. Dadurch hat man mit den romanischen und gotischen Bauteilen des Doms den Blick auf vier Stilepochen der Kunst gleichzeitig.

Das GefĂ€lle des Platzes ergab sich erst als Folge der Niveauabsenkung des Domplatzes in den Jahren 1777 und 1778, die Treppenstufen zu den Portalen erforderlich machten. Diese Niveauabsenkung war erforderlich, um einen direkten Zugang zur Bamberger Innenstadt zu schaffen. Vorher war das Tor am so genannten „Torschuster“ der einzige Zugang zum Domberg. FĂŒr die zwei neuen Zufahrten von Osten mussten zwei Domherrenkurien weichen. An ihrer Stelle bildet seither eine Mauer den Ostabschluss des Domplatzes.

Der Domplatz hieß bis zur SĂ€kularisation Hofplatz oder Burgplatz. Lediglich der kleine Bereich vor dem Kapitelhaus wurde Domplatz genannt. Dann benannten die neuen bayerischen Herrscher das gesamte Areal zu Ehren der damaligen Königin Karoline in Karolinenplatz. Erst nach dem Ende der Monarchie bĂŒrgerte sich allmĂ€hlich die Bezeichnung Domplatz ein und wurde im Jahr 1949 zum amtlichen Namen des Platzes.

Das steinerne Buch

Das steinerne Buch ist ein Schwarz-Weiß-Tonfilm aus den Jahren 1937/38, der unter der Regie von Walter Hege gedreht wurde und den Bamberger Dom zum Gegenstand hat. Er erzĂ€hlt von einem Zimmermann und einem Studenten, die nach Bamberg gereist sind, um den Dom zu besichtigen und beginnt mit dem Weg durch das nĂ€chtliche Bamberg. An der Adamspforte treffen die beiden den KĂŒster des Doms, der ihnen fachmĂ€nnisch die Architektur im Schein seiner Laterne erklĂ€rt.

Der Film versucht, was aus seiner Entstehungszeit heraus logisch ist, die Ideologie der Nationalsozialisten zu stĂŒtzen. So stehen die Skulpturen des Doms nicht fĂŒr historische Personen, sondern werden zum Bild des Deutschen stilisiert. Der Kommentartext, den der KĂŒster im Film spricht, verdeutlicht dies bei der Beschreibung des Domreiters:

„In dieser Zeit, da ĂŒberall Zerfall und Zweitracht herrschten, schuf einer der großen Bildhauer die Gestalt, nach der die Sehnsucht unseres Volkes verlangte, den Reiter.“

Die gleiche Tendenz verfolgt die Besprechung des Film im Bamberger Volksblatt vom 20. November 1938:

„Die Sybille, Ecclesia und die Synagoge ziehen vorĂŒber und dann folgt als Schlußapotheose das Bildnis im Dom, das als Sinnbild des königlichen Reiters heute in aller Welt bekannt ist. Ernst und sinnend horcht der Reiter in die Zeit und wĂ€hrend die vollen Töne der Kaiserglocke anschwellen, versinkt das Bild des deutschen Mannes; der Film vom Bamberger Kaiserdom ist beendet, das steinerne Buch wieder zugeschlagen.“[14]

Bamberg Gate

In den sĂŒdost-irischen Powerscourt Gardens gibt es ein Bamberg-Gate, ein schmiedeeisernes Tor, das ursprĂŒnglich aus dem Bamberger Dom stammt und heute das reprĂ€sentative Eingangstor zum Garten der Schlossanlage bildet. Dieses Barocktor wurde im Jahr 1770 in Wien hergestellt, dann am Bamberger Dom eingebaut und im Jahr 1850, nach der Purifizierung, vom siebten Viscount of Powerscourt, einem vielgereisten Mann, auf sein Anwesen 20 Kilometer sĂŒdlich von Dublin gebracht.

Zitate

Fritz Hoffmann

Der Bamberger Kunstmaler Fritz Hoffmann beschreibt seine erste Begegnung mit dem Bamberger Dom folgendermaßen:

„Durch einen Brief von besonderer Tragweite wurde ich 1937 nach Bamberg, in die Stadt, die ich bis dahin optisch noch nicht kannte, zur Ableistung meiner MilitĂ€rzeit einberufen. Gelesen hatte ich schon vom Bamberger Dom und dem Bamberger Reiter, ohne damals zu wissen, wo dieser Reiter sich befand. Die „Lösung“ ergab sich bei meinem ersten Besuch im Dom. Am Tag der Einberufung, mit der Eisenbahn aus Richtung WĂŒrzburg kommend, bei Austritt aus dem Maintal, begann fĂŒr mich persönlich der „Film Bamberg“ mit der einzigartigen Silhouette dieser Stadt. Inmitten dieses flĂ€chigen Umrißbildes, alle GebĂ€ude der nĂ€heren Umgebung majestĂ€tisch ĂŒberragend, sah ich erstmals den Bamberger Dom. Dieses einprĂ€gende Wahrzeichen im Gesamtbild unserer Stadt hat meinen spĂ€teren Lebensweg wesentlich mit beeinflusst.“[12]

Robert Bauer-Haderlein

Der akademische Bildhauer Robert Bauer-Haderlein beschreibt die Bedeutung des Doms fĂŒr sein Schaffen wie folgt:

„Der Dom ist fĂŒr mich einer der bedeutendsten Sakralbauten im deutschsprachigen Raum. Seine Skulpturen waren und sind fĂŒr mich als Bildhauer wegweisend. Besonderen Eindruck machen auf mich die Figuren an den Chorschranken, das Papstgrab, das Kaisergrab und – aus dem 20. Jahrhundert – das Fresko von Karl Caspar in der Ostapsis, das bei seiner Entstehung 1927/28 in Bamberg so große EntrĂŒstung auslöste. Meine persönlichen Erinnerungen mit dem Dom sind untrennbar mit meiner Zeit als begeisterter DomchorsĂ€nger verbunden. Höhepunkte waren dabei die Palmsonntage und die Karfreitage mit der Johannes- und MatthĂ€uspassion.“[12]

Robert Bauer-Haderlein ist PreistrÀger des Kulturpreises der oberfrÀnkischen Wirtschaft (1976)

Gerhard C. Krischker

Der Bamberger Mundartdichter Gerhard C. Krischker schreibt in einem Gedicht ĂŒber den Dom dessen symbolische Bedeutung fĂŒr das Bamberger Geistesleben:

„duusdĂ€
aa wann bai uns ka sunna schaind
schdĂ€mmĂ€ im dom sain schaddn“

(Übertragung ins Hochdeutsche: „DĂŒster. Auch wenn bei uns keine Sonne scheint, stehen wir im Schatten des Doms.“)[15]

Siehe auch

Liste von Kathedralen und Domen – Domberg (Bamberg) – Erzbistum Bamberg – Liste der Erzbischöfe und Bischöfe von Bamberg – Liste der Bamberger Domherren – Diözesanmuseum Bamberg – Alte Hofhaltung (Bamberg) – Neue Residenz (Bamberg) – Bamberger Reiter

Literatur

  • Christian DĂŒmler: Der Bamberger Kaiserdom. 1000 Jahre Kunst und Geschichte. Verlag FrĂ€nkischer Tag, Bamberg 2005. ISBN 3-936897-18-2
  • Bruno Neundorfer: Der Dom zu Bamberg. Schnell, KunstfĂŒhrer Nr. 100 ISBN 3-7954-4138-2
  • Christine Freise-Wonka: Der Bamberger Dom – eine Kathedrale erleben. Heinrichs, Bamberg 2002, ISBN 3-89889-035-X
  • Bruno Neundorfer: Der Dom zu Bamberg. Mutterkirche des Erzbistums. St. Otto, Bamberg 1989., ISBN 3-87693-050-2
  • Josef Urban: Der Dom zu Bamberg (in der Serie Das Bistum Bamberg in Geschichte und Gegenwart. Straßburg)
  • Peter Braun: Der Bamberger Dom. Ein KurzfĂŒhrer. Heinrichs, Bamberg 2002, ISBN 3-89889-011-2
  • Andrea Hubel, Gabriele SchneidmĂŒller: Der Bamberger Dom von A(psis) bis Z(werggalerie). Michael Imhof, Petersberg 2003, ISBN 3-935590-04-0
  • Werner Zeißner, Josef Urban: Das Bistum Bamberg in Geschichte und Gegenwart, Teil 5 Der Dom zu Bamberg, Kathedrale und Mutterkirche. Editions du Signe, Strasbourg 1997, ISBN 2-87718-607-5
  • Ludger StĂŒhlmeyer (Schriftltg.) Stationen der Kirchenmusik im Erzbistum Bamberg. Herausgegeben vom Amt fĂŒr Kirchenmusik im Erzbistum Bamberg, Bamberg 2007

Weblinks

 Commons: Bamberg Cathedral â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ zitiert nach Kirmeier et al., S. 50
  2. ↑ a b c d e f Zitiert nach Christian DĂŒmler: Der Bamberger Kaiserdom
  3. ↑ Claus Peter: Glocken, GelĂ€ute und Turmuhren in Bamberg. Heinrichs-Verlag, Bamberg 2008, S. 46–49.
  4. ↑ Claus Peter: Glocken, GelĂ€ute und Turmuhren in Bamberg. Heinrichs-Verlag, Bamberg 2008, S. 75.
  5. ↑ a b Claus Peter: Glocken, GelĂ€ute und Turmuhren in Bamberg. Heinrichs-Verlag, Bamberg 2008, S. 88.
  6. ↑ Elisabeth Roths: Sankt Kunigunde – Legende und Bildaussage. In: BHVB 123, 1987, S. 55–64.
  7. ↑ Zitiert nach Apfelweibla.de
  8. ↑ a b Claus Peter: Glocken, GelĂ€ute und Turmuhren in Bamberg. Heinrichs-Verlag, Bamberg 2008, S. 41–64.
  9. ↑ Aus Alexander Schöppner: Bayrische Sagen, Sagenbuch der Bayerischen Lande. Band 3, MĂŒnchen 1854 (Zitiert nach Sagen.at)
  10. ↑ Aus Alexander Schöppner: Bayrische Sagen, Sagenbuch der Bayerischen Lande, Band 1, MĂŒnchen 1852 (Zitiert nach Sagen.at)
  11. ↑ Zitiert nach Christine Freise-Wonka: Der Bamberger Dom. Eine Kathedrale erleben. Heinrichs, Bamberg 2002, ISBN 3-89889-035-X
  12. ↑ a b c Zitiert aus: FrĂ€nkischer Tag, 8. Mai 1987
  13. ↑ Domchor
  14. ↑ Zitiert nach Barbara Schrödl: Das steinerne Buch. Eine virtuelle Reise zu einem deutschen Baudenkmal im nationalsozialistischen Deutschland (UniversitĂ€t Paderborn)
  15. ↑ Gerhard C. Krischker. Zitiert nach FrĂ€nkischer Tag, 8. Mai 1987

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