Templerorden

ÔĽŅ
Templerorden
Kreuz des Templerordens

Der Templerorden (auch die Templer, Tempelritter oder Tempelherren genannt) wurde um 1118 gegr√ľndet und war ein geistlicher Ritterorden, der in Folge des Ersten Kreuzzugs entstand. Sein voller Name lautete Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem (Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis). Er war der erste Orden, der die Ideale des adligen Rittertums mit denen der M√∂nche vereinte, zweier St√§nde, die bis dahin streng getrennt waren. In diesem Sinne war er der erste Ritterorden und w√§hrend der Kreuzz√ľge eine milit√§rische Eliteeinheit. Er unterstand direkt dem Papst und wurde von diesem nach einem gro√ües Aufsehen erregenden Prozess 1312 aufgel√∂st.

Inhaltsverzeichnis

Name

Der Name ‚ÄěArme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels‚Äú r√ľhrt von dem Umstand her, dass K√∂nig Balduin dem Orden einen Fl√ľgel seines Palastes, der heutigen Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem, wo bis zur Zerst√∂rung durch den persischen Sassanidenherrscher Chosrau II. im Jahre 614 eine Basilika St. Maria gestanden hatte, als Quartier angeboten hatte, welcher auf den Grundmauern des salomonischen Tempels gebaut worden war.

Geschichte

An der Stelle der heutigen Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg, wo von 530 bis 614 die Basilika St. Maria stand, befand sich bis 1187 das erste Hauptquartier der Tempelritter
Balduin √ľbergibt den Tempel Salomons an Hugo von Payens und Gottfried von Saint-Omer

Die Ereignisse der fr√ľhen Jahre des Templerordens sind historisch nicht endg√ľltig festzustellen. Die wichtigste diesbez√ľgliche Quelle stellt der Bericht des Erzbischofs Wilhelm von Tyrus dar. Wilhelm war allerdings um 1130 geboren worden und war somit kein Augenzeuge oder Zeitgenosse. Weitere Schilderungen stammen von Jakob von Vitry, der im fr√ľhen 13. Jahrhundert Bischof von Akkon war.

Gr√ľndung

Niederlassungen der Ritterorden in Outremer bis 1291

Das genaue Gr√ľndungsdatum des Ordens ist nicht bekannt. Es d√ľrfte aber zwischen 1118 und 1121 liegen. Schwierigkeiten der Datierung beruhen auf dem zeitgen√∂ssischen Stil der Urkunden. Das Konzil von Troyes, in dessen Rahmen die erste urkundliche Erw√§hnung f√§llt, ist zeitgen√∂ssisch f√ľr den Januar 1128 verbrieft.[1] Allerdings wurden damals in S√ľdfrankreich die Urkunden im sogenannten Stil Mari√§ Verk√ľndigung datiert, in dem der Jahresbeginn am 25. M√§rz begangen wird, so dass der urkundliche 13. Januar 1128 wahrscheinlich der 13. Januar 1129 nach heutiger Zeitrechnung war. Diese Deutung ist, wie fast alles in der fr√ľhen Ordensgeschichte, nicht unumstritten. In der betreffenden Urkunde wird vom neunten Gr√ľndungsjahr gesprochen, was mit der oben genannten Einschr√§nkung auf eine Gr√ľndung im Jahre 1119 oder 1120 schlie√üen l√§sst.

Zu dieser Zeit war Jerusalem ein Anziehungspunkt f√ľr viele Pilger und Abenteurer aus Europa. Kurz nach dem ersten Kreuzzug stand der Seeweg offen. Die Stra√üen von der K√ľste ins Landesinnere waren jedoch sehr unsicher. Die zahlreichen Pilger in den bergigen Regionen der Strecke von Jaffa √ľber Ramla nach Jerusalem zogen R√§uber an. Der Gro√üteil des Kreuzritterheeres war nach Europa zur√ľckgekehrt, weshalb kaum Schutz vor √úberf√§llen bestand. Aller Wahrscheinlichkeit nach waren es Hugo von Payns, Gottfried von Saint-Omer und sieben weitere franz√∂sische Ritter, die daher einen Orden gr√ľndeten, dessen Aufgabe es sein sollte, die Stra√üen des heiligen Landes f√ľr die christlichen Reisenden zu sichern. Die Ritter legten vor dem Patriarchen von Jerusalem ein Ordensgel√ľbde ab. Neben den ‚Äěklassischen‚Äú Gel√ľbden, die sich auf Armut, Keuschheit und Gehorsam bezogen, verpflichteten sich die Ordensbr√ľder jedoch zudem, den Schutz der Pilger sicherzustellen.

Als weitere Gr√ľndungsmitglieder gelten neben Hugo von Payens und Gottfried von Saint-Omer auch Andreas von Montbard (ein Onkel Bernhards von Clairvaux), Gundomar, Gudfried, Roland, Payen von Montdidier, Gottfried Bisol und Archibald von Saint-Amand. Die fr√ľhe Ordensbezeichnung lautete Paupere Militie Christi (Arme Ritter Christi). Der neue K√∂nig von Jerusalem, Balduin II., √ľberlie√ü den Templern im Jahre 1119 die Geb√§ude seines ehemaligen Palastes, die auf dem Gel√§nde des alten Tempels Salomons erbaut gewesen sein sollen. Er selbst bezog einen neugebauten Palast beim Davidsturm. Der Orden nannte sich daraufhin Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis (Arme Ritter Christi und des Tempels von Salomon zu Jerusalem), woraus sich dann die heute √ľblichen Namensgebungen Templer, Tempelritter, Tempelherren bzw. Templerorden ableiten.

Ordensregeln

Die Statuten des Ordens basieren auf der Regel des Benedikt von Nursia aus dem 6. Jahrhundert. Die erste Version wurde in lateinischer Sprache 1129 auf der Synode von Troyes verfasst. Bis 1260 wurden die urspr√ľnglich 72 Artikel auf 686 erweitert. Die Regel wurde schon fr√ľh ins Franz√∂sische √ľbersetzt, da die wenigsten Templer des Lateinischen m√§chtig waren. Die Erg√§nzungen betreffen vor allem den milit√§rischen Bereich, aber auch die Strafen f√ľr Vergehen gegen die Ordensregeln. Das von Bernhard von Clairvaux 1139 verfasste Lob der neuen Ritterschaft, eine Rechtfertigungsschrift f√ľr die neue Lebensform der M√∂nchsritter, wurde ebenfalls in den Regeltext integriert.[2]

Die 72 Ordensregeln sind hier in Kurzform aufgelistet:

  1. Wie die Br√ľder am Gottesdienst teilnehmen sollen
  2. Wie viele 'Vater unser' die Br√ľder beten sollen, wenn sie am Gottesdienst nicht teilnehmen k√∂nnen
  3. Was nach dem Tod eines Ordensbruders zu tun ist
  4. Kapläne und Kleriker erhalten nichts außer Unterhalt und Kleidung
  5. Was nach dem Tod eines auf Zeit Dienenden getan werden soll
  6. Ordensbr√ľder sollen keine Gel√ľbde machen
  7. Wann man beim Gottesdienst stehen oder sitzen soll
  8. Vom gemeinsamen Mahl
  9. Beim Mittags- und Abendessen soll eine heilige Lesung vorgetragen werden
  10. Dreimal in der Woche soll es Fleisch f√ľr die Gesunden geben
  11. √úber die Ordnung bei den Mahlzeiten
  12. An den restlichen Tagen sollen 2 oder 3 Gem√ľse- oder andere Gerichte gen√ľgen
  13. Welche Speisen am Freitag gereicht werden sollen
  14. Nach der Mahlzeit sollen sie immer ein Dankgebet zu Gott sprechen
  15. Der Zehnte eines jeden Brotes soll immer dem Almosenpfleger gegeben werden
  16. Es ist in das Belieben des Meisters gestellt, den Br√ľdern vor der Komplet ein Glas Wein oder Wasser ausschenken zu lassen
  17. Nach der Komplet soll Schweigen gehalten werden. Nur bei zwingender Notwendigkeit darf es gebrochen werden
  18. Ersch√∂pfte brauchen nicht zur Matutin aufstehen, sondern d√ľrfen mit Erlaubnis des Meisters liegen bleiben
  19. Ritter und die anderen Br√ľder erhalten das gleiche Essen
  20. Wie und auf welche Weise die Ritter und die anderen zum Kloster gehörenden gekleidet sein soll.
  21. Dienende Br√ľder sollen keine wei√üen M√§ntel tragen
  22. Nur den Ordensrittern steht der weiße Mantel zu
  23. Wie die alte Kleidung an die Knappen, die dienenden Br√ľder und an die Armen verteilt werden soll
  24. Sie sollen nur Schaffelle haben
  25. Wer Besseres begehrt, soll Einfacheres erhalten
  26. Wie Kleidung und Schuhe beschaffen sein sollen und welche Anzahl man haben soll
  27. Der Kleiderverwalter soll auf die Gleichheit der Bekleidung achten
  28. Von der √úberfl√ľssigkeit der Haare, des Backenbarts und des Schnurrbartes
  29. Von Schnabelschuhen und Schuhschleifen und der Länge der Gewänder bei den nicht auf Dauer Dienenden
  30. Von der Zahl der Pferde und Knappen
  31. Keiner soll sich anmaßen, seinen Knappen, der aus Liebe dient, zu schlagen
  32. Wie die auf Zeit dienenden Br√ľder aufgenommen werden
  33. Keiner soll nach seinem eigenen Willen, vielmehr (nur) auf Befehl des Meisters ausgehen
  34. Keiner soll f√ľr sich pers√∂nlich ein Pferd oder Waffen fordern
  35. Von den Z√ľgeln, Steigb√ľgeln und den Sporen
  36. √úberz√ľge √ľber Lanzen, Spie√üen und Schilden sind nicht zugelassen
  37. Wie die Futtersäcke der Pferde sein sollen
  38. Von der Vollmacht des Meisters, des einen Sachen einem anderen zu geben
  39. Es ist keinem Bruder erlaubt, ohne Befehl des Meisters seine Sachen zu tauschen
  40. Einer soll vom anderen nichts verlangen, außer unbedeutende Dinge und nur der Bruder vom Bruder
  41. Vom Verschluss am Reitsack und Koffer ohne Erlaubnis des Meisters
  42. Ob ein Ordensbruder ohne Erlaubnis Briefe schreiben oder empfangen darf
  43. Es ist nicht erlaubt, mit einem anderen √ľber seine Fehler oder die anderer zu schwatzen
  44. Keiner soll mit dem Vogel einen anderen Vogel fangen
  45. Sie sollen sich vor jeder Gelegenheit zur Jagd h√ľten
  46. Hinsichtlich des Löwen gibt es keine Vorschriften
  47. H√∂rt √ľber jede von euch abverlangte Sache das Urteil (erg. des Gerichts)
  48. √Ąhnlich soll √ľber alle euch genommenen Sachen verfahren werden
  49. Es ist allen Profeßrittern erlaubt, Land und Leute zu haben
  50. Von den kranken Rittern und anderen Br√ľdern
  51. Wie deren Pfleger sein sollen
  52. Keiner soll den anderen zum Zorn reizen
  53. In welcher Form man mit Verheirateten verfahren soll
  54. Es ist nicht erlaubt, weiterhin Schwestern zu haben
  55. Es ist nicht gut, mit Exkommunizierten Umgang zu pflegen
  56. Wie die Br√ľder, die neu zum Eintritt kommen, aufzunehmen sind
  57. Wann alle Br√ľder zum Rat zu rufen sind
  58. Wie gebetet wird
  59. Ob es von √úbel ist, den Eid eines Dienenden anzunehmen
  60. Wie Knaben aufgenommen werden sollen
  61. Wie die Greise geehrt werden sollen
  62. Ob es n√ľtzlich ist, allen gleicherma√üen Verpflegung und Kleidung zu geben
  63. Von Br√ľdern, die durch verschiedene Provinzen reisen
  64. Von zu erhebenden Zehnten
  65. Von leichten und schweren Vergehen
  66. Durch welche Schuld ein Bruder nicht mehr angenommen (d.h. ausgestoßen) wird
  67. Vom Osterfest bis zum Fest Allerheiligen soll ein Bruder, wenn es will, nur ein leinenes Hemd haben
  68. Wie viele und welche Leint√ľcher in den Betten n√∂tig sind
  69. Von zu meidenden Murren
  70. Sie sollen ihre Aufmerksamkeit nicht auf das Angesicht von Frauen richten
  71. Keiner soll Pate sein
  72. Von den Vorschriften

Fr√ľhe Jahre

Im Jahre 1125 erlebte der Orden den ersten Aufschwung durch den Beitritt des Grafen Hugo I. von Champagne, der ein Freund des Abtes Bernhard von Clairvaux gewesen war. Bernhard war einer der wichtigsten Kleriker seiner Zeit. Nach anf√§nglicher Skepsis setzte er sich ab 1129 wortgewaltig f√ľr die Unterst√ľtzung des Templerordens und des zweiten Kreuzzuges ein.

1127 reiste Hugo von Payens in Begleitung von f√ľnf anderen Gr√ľndungsmitgliedern nach Europa zur√ľck, um f√ľr den Orden neue Mitglieder zu werben. Au√üerdem hatte die Idee der Vereinigung von Kriegern und M√∂nchen Streitfragen aufgeworfen, die die Templer den geistlichen Gr√∂√üen der Christenheit vorlegen wollten. In Jerusalem d√ľrfte es zu dieser Zeit bereits eine ganze Reihe von Ordensmitgliedern gegeben haben, denn nach zehn Jahren war 1129 der Ausbau der Al-Aqsa-Moschee zur Festung und zum Sitz der Templer abgeschlossen. Dies h√§tte von den vier in Jerusalem zur√ľckgebliebenen Mitgliedern schwerlich allein durchgesetzt und bew√§ltigt werden k√∂nnen.

Ab 1127 sind zunehmend Schenkungen von Landbesitz an den Orden zu verzeichnen, insbesondere in Frankreich, doch auch in England, Spanien, Portugal und Italien. Ein nicht geringer Teil der Schenkungen wird auf den Einfluss von Bernhard von Clairvaux zur√ľckgef√ľhrt, der Abt des Zisterzienserklosters von Clairvaux war.

Im Januar 1128 oder 1129 fand in Troyes ein Konzil statt.[1] Anwesend waren laut der Pr√§ambel zur Ordensregel Kardinal Matthias von Albano, einige Bisch√∂fe, die √Ąbte Hugo von M√Ęcon von Pontigny, Bernhard von Clairvaux, Stephan Harding von C√ģteaux sowie weitere Kleriker und Laien; von den Templern wohnten Hugo von Payens, Andreas von Montbard und m√∂glicherweise weitere Ordensmitglieder der Zusammenkunft bei. Die Ordensregeln wurden schriftlich festgelegt. Sie waren augustinisch gepr√§gt, doch sind auch zisterziensische Einfl√ľsse erkennbar, was f√ľr manche darauf hindeutet, dass Bernhard bei der Festlegung der Regeln beteiligt war. Mit zahlreichen weiteren Beitritten ging auch ein Wachstum der Spendeneink√ľnfte einher. Im Heiligen Land geh√∂rten die Burgen Baghras (ab 1134 oder 1137), Roche Roussel und Darbsak zu den fr√ľhesten Besitzungen der Templer.

Am 29. M√§rz 1139 wurde die Organisation der Templer von Papst Innozenz II. durch die Bulle ‚ÄěOmne datum optimum‚Äú erneut best√§tigt und der Orden direkt dem Papst unterstellt. Dadurch bildete der Orden faktisch einen Staat im Staat und war f√ľr weltliche Herrscher nahezu unantastbar. So war er nicht nur von der Steuer befreit, sondern durfte selbst Steuern erheben. Au√üerdem verlieh er Geld gegen Zinsen, was zwar eigentlich verboten war, aber stillschweigend hingenommen wurde. Die Templer begannen sich langsam immer mehr auf dieses Gesch√§ft zu konzentrieren.

Die Templer waren der erste Orden, der die Ideale des adligen Rittertums mit denen der M√∂nche verband. Nach dem Vorbild der Templer formten sich in der Folgezeit weitere Ordensbruderschaften zu geistlichen Ritterorden um. Der bedeutendste von ihnen war der Johanniter- oder Hospitaliterorden, der bereits 1099 als reine Hospitalsbruderschaft bestand und bis Mitte des 12. Jahrhunderts sein T√§tigkeitsfeld von der Beherbergung und Pflege von Pilgern, Kranken und Armen auch auf deren milit√§rischen Schutz durch Ordensritter ausweitete. Auch der 1189 als Hospitalsbruderschaft gegr√ľndete Deutsche Orden wurde 1198 nach dem Vorbild der Templer zu einem geistlichen Ritterorden erweitert. Insbesondere zwischen den Johannitern und Templern entwickelte sich in der Folgezeit eine rege Konkurrenz um Macht und Einfluss im Heiligen Land, die teils gar in blutigen Gefechten ausartete und die Kreuzfahrerstaaten insgesamt schw√§chte.

Handlungsfelder

Schutz der Pilger

Die zahlreichen Pilger in den bergigen Regionen der Strecke von Jaffa √ľber Ramla nach Jerusalem zogen R√§uber an. Da die Stra√üen von der K√ľste ins Landesinnere sehr unsicher waren und der Gro√üteil des Kreuzritterheeres nach Europa zur√ľckgekehrt war, weshalb kaum Schutz vor √úberf√§llen bestand, war es bei der Gr√ľndung des Ordens um 1118 seine erste und urspr√ľngliche Aufgabe, die Stra√üen des heiligen Landes f√ľr die christlichen Reisenden zu sichern.

Militärische Aktivitäten

Templerburg in Ponferrada, Spanien, die im 12./13. Jahrhundert am Rande des Jakobsweges erbaut wurde und auch zum Schutz der Jakobspilger diente

Der erste Kriegseinsatz des Ordens anl√§sslich der Belagerung von Damaskus im Jahre 1148 endete in einem Fiasko. Zahlreiche ‚Äď wenn nicht sogar die meisten ‚Äď Templer fielen im Kampf. Die Reihen wurden jedoch wieder aufgef√ľllt, und die Templer nahmen an allen gr√∂√üeren milit√§rischen Aktionen im Heiligen Land teil. Wie die anderen Orden blieben die Templer vom K√∂nigreich Jerusalem unabh√§ngig und wurden zu einer eigenst√§ndigen politischen Kraft. Nach dem Fall der Stadt Akkon, der letzten Hauptstadt des christlichen Outremer, am 18. Mai 1291, hielt die dortige Templer-Zitadelle noch weitere zehn Tage stand und brach dann, von den Truppen des Mameluken-Sultans unterminiert und einem Sturmangriff ausgesetzt, √ľber den Verteidigern zusammen. Die zwei letzten Burgen auf dem Festland, die Festungen Tortosa und Athlit, wurden im August kampflos ger√§umt. Der Orden zog sich nach Zypern zur√ľck. Eine wasserlose Insel vor Tortosa, Ruad, blieb bis zum 28. September 1302 im Templerbesitz.

Der Orden beteiligte sich auch aktiv an der Vertreibung der Mauren (Reconquista) aus der Iberischen Halbinsel.

Wirtschaftliche Aktivitäten

Die Niederlassungen des Templerordens in Europa um 1300

Die Templer besch√§ftigten sich aber nicht nur mit dem Kriegshandwerk: Die Eink√ľnfte der europ√§ischen Komtureien mussten nach Outremer, den lateinischen Staaten im heiligen Land, transportiert werden. Diese Transporte begr√ľndeten die Finanzaktivit√§ten des Tempels. Zun√§chst dienten die Tempelh√§user im Osten nur als Tresore und Schatzkammern des Landes, aber schon f√ľr das Jahr 1135 sind erste Verleihgesch√§fte verb√ľrgt. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts machten die Templer Geldanleihen zu einer regul√§ren gesch√§ftlichen Bet√§tigung. Ihr finanzieller Ruf war dabei so gut, dass auch Muslime ihre Dienste in Anspruch nahmen. Die Templer erfanden eine eigene Art der Kreditbriefe (Vorl√§ufer der heutigen Reiseschecks) sowie fortschrittliche Techniken der Buchf√ľhrung.

Etwa 15.000 Ordensmitglieder verwalteten um die 9.000 √ľber ganz Europa verstreute Besitzungen (von denen aber nur ein geringer Teil eigenst√§ndige Komtureien waren). Ihre Aufgabe war es, Gewinne zur Finanzierung des Kampfes in Pal√§stina zu erwirtschaften und M√§nner anzuwerben. Zu den bekanntesten z√§hlen die beiden ‚ÄěHauptquartiere‚Äú, der Temple in Paris und die Temple Church in London, sowie die Siedlung Tempelhove. Heute gibt es noch eine Burg des alten Templerordens in Europa (Burg von Ponferrada in Spanien), alle anderen wurden zwischenzeitlich zerst√∂rt. Die Siedlung Tempelhove ist heute bekannt als Berlin-Tempelhof. Das letzte √úberbleibsel dieser alten Templer-Komturei ist die Dorfkirche Tempelhof im Alten Park, die durch ihre burgartig erh√∂hte und ummauerte Lage zwischen Seen als Kirche des Komturhofs dessen urspr√ľnglich wehrhafte Funktion verr√§t. Aber auch Tempelhof war mehr Landgut als Burgfeste: ‚ÄěWir m√ľssen auf das Klischee verzichten, das die Templer (oder die Johanniter) als allzeit kampfbereite Ritter darstellt, die von ihren [mitteleurop√§ischen] Klosterfesten aus die Christenheit durchstreiften.‚Äú[3]

Die Auflösung

Templer k√ľsst Kleriker von hinten (Manuskript-Illustration, etwa 1350)
Verbrennung von Templern wegen angeblicher Sodomie und Ketzerei

Gr√ľnde

Ebenso wie die Gr√ľndung des Ordens vollzog sich auch sein Ende in mehreren Schritten. Die Gr√ľnde waren vielf√§ltig. Zum einen verfestigten sich zwischen 1100 und 1300 zunehmend die Strukturen der K√∂nigreiche. Wo man zuvor erst Christ und dann beispielsweise Untertan des franz√∂sischen K√∂nigs war, kehrte sich dieses Verh√§ltnis allm√§hlich um. Die K√∂nige betrachteten die supranational organisierten p√§pstlichen Orden zunehmend mit Misstrauen, besonders da die M√∂nchsritterorden das gr√∂√üte stehende und auch im Kampf erfahrenste Heer bildeten. Anders als die Templer verstanden es die beiden anderen gro√üen Orden, sich eigene territoriale Herrschaftsbereiche zu sichern: die Johanniter auf Rhodos und die Deutschordensritter in Preu√üen. Hinzu kommt wohl auch, dass die Templer den Antrag auf Mitgliedschaft K√∂nig Philipps IV. (Philipp der Sch√∂ne) ablehnten.

Au√üerdem empfahlen nach dem Fall Outremers mehrere Gelehrte dem franz√∂sischen K√∂nig in vertraulichen Berichten einen neuen Kreuzzug. Einen Teil des Geldes sollte sich der K√∂nig besorgen, indem er die Templer vernichtete und ihre G√ľter beschlagnahmte. Da Philipp IV. hoch verschuldet war, unter anderem auch bei den Templern, beherzigte er diesen Rat, ohne jedoch an einen Kreuzzug zu denken. Allerdings war ein derart offensichtliches Vorgehen auch dem K√∂nig unm√∂glich: Die Rechtsgelehrten betonten ausdr√ľcklich, die eingezogenen G√ľter m√ľssten der christlichen Sache im heiligen Land zugute kommen.

Anklagepunkte

1307 wurden die Mitglieder des Ordens schlie√ülich der Ketzerei und der Sodomie (im Sinne homosexueller Handlungen) angeklagt. Der Papst war zu dieser Zeit vom franz√∂sischen K√∂nig abh√§ngig, daher standen die Chancen des Ordens schlecht. Philipp IV. machte die Sache zur Staatsaff√§re. Geschickt setzte er den aus Frankreich stammenden Papst Clemens V., der seinen Amtssitz auch nach Avignon verlegt hatte, unter Druck, und drohte unter dem Vorwand angeblich vorhandener Kinder des Papstes mit einem Ketzerprozess gegen dessen Vorg√§nger und Mentor Bonifatius VIII., der bis 1303 Papst gewesen war. Auch drohte der K√∂nig die Kirche Frankreichs abzuspalten, falls der Papst seine Unterst√ľtzung der Templer nicht einstelle (stellte er sich vor die ketzerischen Templer ‚Äď w√§re er selber ein Ketzer).

Haftbefehl Philipps IV. und Gefangennahmen

Am 14. September 1307 (dem wichtigen Fest ‚ÄěKreuzerh√∂hung‚Äú und damit gewiss ein wohl√ľberlegtes Datum) wurde der Haftbefehl Philipps IV. ausgefertigt, und zwar f√ľr alle Templer ohne Ausnahme. Sie seien zu verhaften, gefangenzuhalten und dem Urteil der Kirche zuzuf√ľhren (capti tenantur et ecclesiae iudicio preserventur), ihre Besitzt√ľmer und bewegliche Habe sei zu beschlagnahmen und zu treuen H√§nden aufzubewahren (omnia bona sua mobilia et immobilia saisiantur et ad manum nostram saisita fideliter conserventur). Von der k√∂niglichen Kanzlei ergingen an alle ‚ÄěDienststellen‚Äú in Frankreich versiegelte Briefe mit der Auflage, sie am Freitag, den 13. Oktober 1307, zu √∂ffnen und dann strikt dem Inhalt gem√§√ü zu verfahren. Die Briefe enthielten die Haftbefehle. Mit dieser landesweit konzertierten Aktion konnte erfolgreich verhindert werden, dass die Br√ľder sich untereinander warnen konnten. Durch zahlreiche und fast gleichzeitige Verhaftungen wurden s√§mtliche Templer in Philipps gesamtem Machtbereich √ľberrascht. Die k√∂nigliche Seite br√ľstete sich damit, dass nur zw√∂lf Ritter entkommen seien, darunter nur ein einziger W√ľrdentr√§ger. Die Verhaftungswelle war ein gut durchorganisiertes, polizeiliches Kommandounternehmen ‚Äď das erste bekannte seiner Art in der Geschichte.

In Paris wurden 138 Personen festgenommen. Eine p√§pstliche Kommission z√§hlte 1309 noch 546 Inhaftierte in Paris, wohin die Festgenommenen gebracht worden waren. Die Untersuchung der Inquisition zog sich √ľber Jahre hin. Die Vorw√ľrfe waren bei allen Br√ľdern gleich: in erster Linie H√§resie, Sodomie (im Sinne von Homosexualit√§t) und G√∂tzendienst. Eine reale Grundlage f√ľr den Templerprozess war aus heutiger Sicht nicht gegeben. Es gab jedoch aus damaliger Sicht durchaus Anhaltspunkte, und zwar in den consuetudines, also den n√§heren Ausf√ľhrungsbestimmungen der Regel, die man daf√ľr nutzen konnte. Die recht ausf√ľhrlichen consuetudines waren normalerweise strikt vertraulich. (Es ist ein Brief eines Templers aus S√ľdfrankreich an den Gro√ümeister bekannt, in dem er nahezu verzweifelt berichtet, dass den Leuten des K√∂nigs die consuetudines in die H√§nde gefallen seien.) In diesen wird n√§mlich auch zu Missst√§nden Stellung genommen, wie sie vereinzelt wohl in allen Kl√∂stern vorgekommen sind; so zum Beispiel in dem Absatz Nr. 573, in dem √ľber drei der Sodomie √ľberf√ľhrte Br√ľder berichtet wird, und welche Strafen sie trafen. Unter Folter gestand der Gro√ümeister Jacques de Molay zun√§chst, widerrief dann aber kurz darauf. Es folgte ein sehr langes Ermittlungsverfahren, gegen den Willen des franz√∂sischen K√∂nigs, der einen kurzen Prozess wollte. W√§re es ihm gelungen zu beweisen, dass der Orden insgesamt den Pfad seiner Regel verlassen hatte, ohne dass dies vom Papst moniert wurde (der ja den Orden approbiert hatte und die Aufsichtspflicht hatte), w√§re der Papst selbst in Bedr√§ngnis gekommen. Der Papst verhinderte dies. Ein Kr√§ftemessen zwischen Papst und K√∂nig endete schlie√ülich mit einem Kompromiss zu Lasten der Templer: Der Papst verzichtete darauf, dem K√∂nig den Prozess zu machen wegen des Attentats von Anagni, best√§tigte in einer Bulle rex glorie virtutum vom 27. April 1311 die Gottunmittelbarkeit des K√∂nigtums (electum a domino) und verf√ľgte die physische Entfernung/Vernichtung der Bulle unam sanctam aus den Unterlagen des Vatikans (was auch geschah), in der der Primat des Papstes √ľber das K√∂nigtum ausdr√ľcklich bekr√§ftigt war; der K√∂nig verzichtet auf einen ‚ÄěCoelestin V.‚Äú-Prozess. Das Opfer wurde der Templerorden, dessen Besitz jedoch bei der Kirche verblieb, bzw. bei den Johannitern und neugegr√ľndeten Orden in Spanien und Portugal (ad subsidiam terram sanctam).

Auflösung des Ordens unter Papst Clemens V.

Am 22. M√§rz 1312 l√∂ste Papst Clemens V. auf dem Konzil von Vienne (Frankreich) den Orden auf. Nachdem es keinen Orden mehr gab, war auch kein Prozess mehr m√∂glich; es blieb bei dem Ermittlungsverfahren. In seiner Gesamtheit wurde der Orden nicht verurteilt, es erfolgten aber Verurteilungen einzelner Templer. Am 18. M√§rz 1314 wurde der letzte Gro√ümeister des Templerordens, Jacques de Molay, zusammen mit Geoffroy de Charnay in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt, nachdem man ihn zun√§chst zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt hatte. Da er aber nochmals widerrief und damit erneut alle Beschuldigungen gegen den Orden zur√ľckwies, wurde er als ‚Äěrelapsus‚Äú (r√ľckf√§lliger Ketzer) nach damals geltendem Recht verbrannt. Die G√ľter des aufgel√∂sten Ordens gingen auf die Johanniter √ľber.

Zeitleiste des Verfahrens

  • 14. September 1307: Geheimer Befehl Philipps IV. zur Verhaftung der Templer am 13. Oktober 1307
  • 13. Oktober 1307: ('schwarzer Freitag') Gefangennahme aller Templer in Frankreich
  • 24./25. Oktober 1307: Gest√§ndnis von Jacques de Molay
  • 22. November 1307: Clemens V. zieht das Verfahren an sich
  • 24. Dezember 1307: Jacques de Molay widerruft sein Gest√§ndnis
  • 8. August 1309: Die p√§pstliche Untersuchung beginnt. Sie sollte bis zum 5. Juni 1311 andauern.
  • 12. Mai 1310: Verbrennung von 54 Templern bei Paris
  • 16. Oktober 1311: Er√∂ffnung des Konzils von Vienne
  • 22. M√§rz/3. April 1312: Aufhebung des Templerordens durch Clemens V. (Bulle Vox in excelso)
  • 2. Mai 1312: √úbertragung der Templerg√ľter an die Johanniter (Bulle Ad providam)
  • 18. M√§rz 1314: Jacques de Molay wird zusammen mit Geoffroy de Charnay auf dem Scheiterhaufen in Paris verbrannt
  • 25. Oktober 2007: Freigabe der im 17. Jahrhundert verlorengegangenen Templerakte durch den Vatikan f√ľr die √Ėffentlichkeit. (Seit 2001 Auswertung durch Historiker, wonach die Vorw√ľrfe unberechtigt waren.)

Die Zeit danach

Obwohl nach offiziellen Quellen nahezu alle Templer in Frankreich verhaftet worden waren, wurden tats√§chlich nur wenige Todesurteile vollstreckt und dies auch nur in Frankreich. So wurde zum Beispiel in Avignon, dem damaligen Papstsitz, kein einziges Todesurteil vollstreckt. Au√üerhalb des unmittelbaren Machtbereiches von K√∂nig Philipp IV. wurden die Templer nur zum Teil verfolgt, teilweise sogar g√§nzlich in Ruhe gelassen. Nach der √úberlieferung sollen die letzten Tempelritter im Rheinland auf Burg Lahneck in einem heldenhaften Kampf gefallen sein. Allerdings war durch den Wegfall der geistigen und wirtschaftlichen F√ľhrungselite und der Ordenszentrale in Paris die Macht der Templer gebrochen. Ihre Aktivit√§ten waren nur mehr lokaler oder regionaler Natur. In Zypern und anderswo blieben die W√ľrdentr√§ger bis zum Tode in Haft, aber in Spanien wurden zahlreiche Templer freigesprochen. Es ist heute anerkannt, so auch vom Papst, dass die Anklage gegen die Templer als Ganzes jeder Grundlage entbehrte. Verfehlungen habe es nur von Einzelnen gegeben.

1319 gr√ľndete K√∂nig Dionysius in Portugal den Orden der Ritterschaft Jesu Christi (Christusorden). Die G√ľter des Templerordens in Portugal wurden auf den neugestifteten Orden der ‚ÄěRitter Christi‚Äú √ľbertragen. Weiterhin wurde bestimmt, dass die Ritter des Ordens der Ritterschaft Jesu Christi nach der Regel des Ritterordens von Calatrava zu leben h√§tten. Da die Gr√ľndung √ľber mehrere Jahre vorbereitet worden war, erhielt der neue Orden auch die p√§pstliche Best√§tigung. Viele der vor Philipp IV. geflohenen Templer fanden darin Aufnahme. Portugal hatte sich nicht an der Verfolgung des Templerordens beteiligt, weil dies eigenen Interessen zuwiderlief.

Motto, Siegel und Wappen

Kopie eines Siegels der Tempelritter in einer Ausstellung in Prag
Siegel der Tempelritter

Das Motto lautete:

‚ÄěNon nobis Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam!‚Äú

‚ÄěNicht uns, o Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre.‚Äú

‚Äď Psalm 115,1

Das Siegel trug die Inschrift:

‚ÄěSIGILLUM MILITUM CHRISTI‚Äú

‚ÄěSiegel der Streiter Christi‚Äú

Das bekannteste Siegel ist das R√ľcksiegel der Meistersbulle, das sp√§ter f√ľr die Besucher des Ordens in Europa verwendet wurde, und zeigt zwei ger√ľstete Ritter auf einem Pferd. Seine Deutung ist strittig. Es k√∂nnte auf das Armutsgel√ľbde bei Eintritt in den Orden hinweisen, andere vermuten darin ein Symbol f√ľr den Grundgedanken der Br√ľderlichkeit, eine dritte Theorie besagt, dass die zwei Reiter eine Person seien, einmal als Krieger und einmal als M√∂nch. W√§hrend der Verhaftungswelle unter Philipp dem Sch√∂nen wurde es bei der Anklage als Beweis f√ľr homosexuelle Praktiken des Ordens bewertet.

Erkennungszeichen des Ordens war in der Gr√ľndungsphase zun√§chst nur ein wei√üer Mantel √ľber wei√üem Habit (beides zusammen hei√üt Clamys). Sp√§ter (anl√§sslich des Zweiten Kreuzzugs am 27. April 1147 durch Papst Eugen III. verliehen) wurde dieser Mantel mit einem roten Kreuz √ľber der linken Schulter versehen. Dies war zu Beginn ein gleichschenkliges, das sp√§ter zu einem Tatzenkreuz weiter entwickelt wurde. Gelegentlich wurden in der Geschichte des Ordens auch Kr√ľckenkreuze verwendet.

Das Banner des Ordens (‚ÄěBeauc√©ant‚Äú) ist zweigeteilt in eine schwarze und eine wei√üe Seite (oben und unten ‚ÄĒ steht f√ľr Frieden und Krieg), sp√§ter sah sie aus wie ein Schachbrett, und noch sp√§ter wurde das Templerkreuz eingef√ľgt.

Organisation

Hierarchie

Die interne Ordensorganisation orientierte sich an der St√§ndeordnung des Mittelalters. Obwohl urspr√ľnglich jeder freie Mann Mitglied werden konnte, bildete sich bald eine klare Hierarchie heraus:

  1. Die Kaplane waren die Ordensgeistlichen, die √ľber den Tag verteilt die f√ľnf f√ľr alle Ordensangeh√∂rigen obligatorischen Gottesdienste versahen und die Beichte abnahmen. Diese zahlenm√§√üig sehr kleine Gruppe nahm unterhalb der W√ľrden- und Aufgabentr√§ger des Ordens (z.B. den Gebiets- und Hauskomturen) die h√∂chsten Positionen in der Hierarchie des Ordens ein und hatten gewisse Privilegien. Ein Kaplan trug ab dem Range eines Bischofs einen wei√üen Mantel, Kaplane unterhalb dieses Ranges trugen schwarze M√§ntel.
  2. Ritterbr√ľder entstammten immer dem Adel und mussten den Ritterschlag bereits vor dem Eintritt in den Orden erhalten haben. Ihnen stand (neben den Kapl√§nen im Range eines Bischofs oder h√∂her) als einzigen der wei√üe Mantel √ľber dem wei√üen Habit zu, au√üerdem verf√ľgten sie √ľber drei Pferde (ein Streitross, ein Reitpferd und ein Packpferd). Den W√ľrden- und Amtstr√§gern standen aber vier Pferde ausgew√§hlter Rasse zur Verf√ľgung. Die Ritterbr√ľder mussten ihre vollst√§ndige und sehr teure Ausr√ľstung (vor allem das Kettenzeug und die Pferde) mit in den Orden einbringen. Sie verpflichteten sich auf Lebenszeit und legten nach einer Probezeit die Gel√ľbte der Keuschheit, des Gehorsams, des Verzichtes auf pers√∂nlichen Besitz und des Schutzes der Pilger auf ihren Wegen ab.
  3. Sergeanten (sarjanz de mestier / servienten) oder dienende Br√ľder unterteilten sich in gewappnete Br√ľder, die als leichte Kavallerie k√§mpften, und Arbeitsbr√ľder, die die anfallenden Arbeiten (Schmiede, Sattler, Landwirtschaft) versahen. Sie trugen einen dunklen Mantel (schwarz, wenn regional verf√ľgbar, ansonsten dunkelbraun) und verf√ľgten √ľber ein Pferd.
  4. Knappen unterst√ľtzten die Ritterbr√ľder im Kampf. Sie trugen einen dunklen Mantel (schwarz, wenn regional verf√ľgbar, ansonsten dunkelbraun)

In den Besitzungen des Morgenlandes und Spaniens waren Kaplane und k√§mpfende Br√ľder zahlreich, in den Komtureien des Abendlandes eher selten.

Zusätzlich konnte man dem Orden in anderen Formen an- oder zugehören:

  1. milites ad terminum waren dem Orden als k√§mpfende Br√ľder auf Zeit beigeordnete Ritter.
  2. Turkopolen dienten den Templern als S√∂ldner. Es handelte sich dabei um Christen aus dem Heiligen Land, die nach Art der Sarazenen k√§mpften (d.‚ÄČh. als leichte Kavallerie mit Pfeil und Bogen oder als Infanterie).
  3. fratres ad succurendum waren Laien, die dem Orden erst auf dem Sterbebett beitraten, ihres Seelenheils wegen.
  4. Donates verschenkten sich selbst (und einen Teil ihres Besitzes) an den Orden. Die Schenkung trat meist erst im Alter in Kraft, sodass sie als eine Art Vorsorge, auch f√ľr das Seelenheil, zu sehen ist.
  5. Confratres waren materielle Förderer des Ordens, die vor allem vom Ansehen des Ordens profitierten. Dies konnten auch Frauen sein.

F√ľhrung

An der Spitze der Macht standen die von den Br√ľdern gew√§hlten Gro√ümeister. In der Rangordnung folgten:

  • der Gro√ükomtur, der die Aufsicht √ľber den Ordensschatz, die Aufsicht √ľber die Verteidigung und √ľber die Gro√ümeister hatte.
  • der Gro√ümarschall, der die Aufsicht √ľber die Waffen und das Kriegswesen hatte.
  • der Gro√üspitter, dessen Aufgabenbereich die Ordensspit√§ler waren.
  • der Firmariearzt, der f√ľr die Krankenpflege verantwortlich zeichnete.
  • der Gro√ütappir, der f√ľr die Kleider zust√§ndig war.
  • der Drapier, Leiter der Verwaltung.
  • der Tressler f√ľr das Finanzwesen.

Liste der Großmeister

  1. Hugo von Payns (1118/19; † 24. Mai 1136)
  2. Robert de Craon (Juni 1136; † 13. Januar 1147)
  3. Everard des Barres (Januar 1147; ‚Ć 25. November 1174, R√ľcktritt April/Mai 1151)
  4. Bernard de Tromelai (Juni 1151; † 16. August 1153)
  5. André de Montbard (14. August 1153; † 17. Januar 1156)
  6. Bertrand de Blanquefort (Oktober 1156; † 2. Januar 1169)
  7. Philippe de Milly (27. Januar 1169; ‚Ć 3. April 1171, R√ľcktritt Anfang 1171)
  8. Eudes de Saint-Amand (April 1171; † 19. Oktober 1179)
  9. Arnaud de Toroge (1179; † 30. September 1184)
  10. Gérard de Ridefort (Oktober 1184; † 1. Oktober 1189)
  11. Robert de Sablé (Ende 1189; † 13. Januar 1193)
  12. Gilbert Hérail (Februar 1193; † 20. Dezember 1200)
  13. Philippe du Plessiez (Anfang 1201; † 12. November 1209)
  14. Guillaume de Chartres (1210; † 26. August 1218)
  15. Pedro de Montaigu (1219; † 1232)
  16. Armand de Périgord (1232; † 17./20. Oktober 1244)
  17. Richard de Bures (1244; † 1247)
  18. Guillaume de Sonnac (1247; † April 1250)
  19. Renaud de Vichiers (Juli 1250; † 1256)
  20. Thomas Bérard (1256; † 25. März 1273)
  21. Guillaume de Beaujeu (13. März 1273; † 18. Mai 1291)
  22. Thibaud Gaudin (August 1291; † 16. April 1292)
  23. Jacques de Molay (Mai 1292; † 18. März 1314)

Templerlegenden

Im Zusammenhang mit den Templern entstanden auch zahlreiche Legenden und Verschw√∂rungstheorien um das Wirken, die Geheimnisse und die Sch√§tze des Ordens. Tats√§chlich gibt es keine Belege f√ľr diese Behauptungen, die strenger wissenschaftlicher Pr√ľfung standhalten w√ľrden. So wird den Templern unter anderem Folgendes zugeschrieben:

  • die Einf√ľhrung der Gotik in die europ√§ische Architektur und der Bau der gotischen Kathedralen
  • die Abspaltung von der Prieur√© de Sion, die oft zitiert, aber eindeutig widerlegt ist
  • die Entdeckung Nordamerikas, siehe auch Oak Island
    • Angeblich verlie√ü die Templerflotte unter Henry Sinclair und dem venezianischen Seefahrer Antonio Zeno mit dem weithin sichtbaren Tatzenkreuz auf den wei√üen Segeln ca. 90 Jahre nach dem Ende des Ordens ihren Heimathafen La Rochelle am Atlantik Richtung Amerika. Nicolo Zeno, ein Nachfahre von Antonio Zeno, ver√∂ffentlichte 1558 ein Manuskript und eine Landkarte dieser Reise. Vermutlich handelte es sich aber nicht um das Tatzenkreuz des Templerordens, sondern um das √§hnliche Tatzenkreuz des Christusorden, unter dem auch die Schiffe des Christoph Kolumbus segelten.
  • der Unterhalt von Kolonien in S√ľdamerika (inkl. Silberf√∂rderung)
  • die Bewahrung des heiligen Grals
  • das Auffinden der Bundeslade
  • die Meisterung der Alchemie durch den heiligen Gral, dadurch die Umwandlung des in S√ľdamerika gewonnenen Silbers in Gold
  • das Anzetteln der franz√∂sischen Revolution ‚Äď in diesem Zusammenhang wird oft kolportiert, unmittelbar nach der Hinrichtung Ludwig XVI. sei ein Unbekannter aufs Schafott gesprungen und habe gerufen: ‚ÄěJacques de Molay, endlich bist du ger√§cht!‚Äú
  • das Weiterbestehen in Schottland (da er dort offiziell nie aufgel√∂st wurde bzw. die p√§pstliche Bulle nie vorgelesen wurde), was zur Entstehung der Freimaurerei gef√ľhrt haben soll
  • Au√üerdem soll der Begriff ‚ÄěFreitag der 13.‚Äú auf die Templer zur√ľckgehen. Einer Theorie zufolge unterlagen sie √ľberraschenderweise den Truppen Saladins an einem solchen Tag, nach einer anderen Theorie ist das Datum der Festnahmen in Frankreich 1307 das namensgebende Ereignis.

Spuren des Templerordens

Orte
Kapellen/Kirchen
Straßen
Gräber

Mediale Rezeption

Filme
Computerspiele

Literatur

Wissenschaftliche Literatur
  • Joe Labonde: Die Templer in Deutschland. Eine Untersuchung zum historisch √ľberkommenen Erbe des Templerordens in Deutschland. Bernardus-Verlag, Aachen 2010, ISBN 978-3-8107-0088-9.
  • Malcolm Barber: Die Templer. Geschichte und Mythos. Albatros, D√ľsseldorf 2010, ISBN 978-3-491-96276-7.
  • Marie-Luise Bulst-Thiele: Sacrae domus militiae Templi Hierosolymitani magistri. Untersuchungen zur Geschichte des Templerordens. Vandenhoeck & Ruprecht, G√∂ttingen 1974, ISBN 3-525-82353-3.
  • Andreas Beck: Der Untergang der Templer. Gr√∂√üter Justizmord des Mittelalters? Herder, Freiburg 2005, ISBN 3-451-05576-7.
  • Alain Demurger: Die Templer. Aufstieg und Untergang 1120‚Äď1314. 50.‚Äď55. Tausend. C. H. Beck, M√ľnchen 2007, ISBN 978-3-406-52367-0 (Originaltitel: Vie et mort de L‚Äôordre du Temple, √ľbersetzt von Wolfgang Kaiser).
  • Alain Demurger: Die Ritter des Herrn. Geschichte der geistlichen Ritterorden. C. H. Beck, M√ľnchen 2003, ISBN 3-406-50282-2 (Originaltitel: Chevaliers du Christ, √ľbersetzt von Wolfgang Kaiser).
  • Alain Demurger: Der letzte Templer. Leben und Sterben des Gro√ümeisters Jacques de Molay. C. H. Beck, M√ľnchen 2004, ISBN 3-406-52202-5 (Originaltitel: Le cr√©puscule des templiers, √ľbersetzt von Holger Fock und Sabine M√ľller).
  • Kaspar Elm: Der Templerproze√ü (1307‚Äď1312). In: Alexander Demandt (Hrsg.): Macht und Recht. Gro√üe Prozesse in der Geschichte. C. H. Beck, M√ľnchen 1996, ISBN 3-406-39282-2 (Beck‚Äôsche Reihe, Bd. 1182).
  • Barbara Frale: The Chinon Chart. Papal absolution to the last Templar, Master Jacques de Molay. In: Journal of Medieval History. Bd. 30, 2004, S. 109‚Äď134, ISSN 0304-4181.
  • Barbara Frale: The Templars. The secret history revealed. Maverick House Publishers, Dunboyne 2009, ISBN 1-905379-60-9.
  • Slawomir Majoch (Hrsg.): Templariusze. Historia i mit. Katalog wystawy (‚ÄěDie Templer. Geschichte und Mythos‚Äú). Ausstellungskatalog. Muzeum Okrńôgowe, ToruŇĄ 2004, ISBN 83-87083-72-0.
  • J√ľrgen Sarnowsky: Die Templer. C. H. Beck, M√ľnchen 2009, ISBN 978-3-406-56272-3 (C. H. Beck Wissen).
  • Dieter H. Wolf (Hrsg.): Internationales Templerlexikon. Studien-Verlag, Innsbruck 2003, ISBN 3-7065-1826-0.
  • Karl Borchard: The Templars in Central Europe. In: The Crusades and the Military Orders ‚Äď Expanding the Frontiers of Medieval Latin Christianity (Zsolt Hunyadi and J√≥zsef Laszlovszky, eds.). Budapest 2001, ISBN 963-9241-42-3, S. 233-244 (eingeschr√§nkte Vorschau).
  • Anke Napp: Templermythen - Und was dahinter steckt, M√ľnchen 2010, ISBN 978-3936457506.
Populärwissenschaftliche Literatur
  • Manfred Barthel: Die Templer, Reichtum, Macht und Fall eines Ritterordens. Casimir Katz, Gernsbach 2006, ISBN 3-938047-09-7.
  • Martin Bauer: Die Tempelritter. Mythos und Wahrheit. Nicol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-57-0.
Belletristik

In den letzten Jahren entstand eine Vielzahl von historischen Romanen, die an alte Templerlegenden und moderne Verschw√∂rungstheorien ankn√ľpfen.

Weblinks

 Commons: Abbildungen und Geb√§ude des Templerordens ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Siegel der Templerorden ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Rund um die Templer ‚Äď von den Ordensregeln bis zu einer nahezu vollst√§ndigen Auflistung aller heute existenten Templerorden
  • http://www.templerlexikon.uni-hamburg.de - Ordensgeschichte, Niederlassungen, Rezensionen, Bildmaterial, Bibliographie
  • Tempelritter ‚Äď Kompakte Darstellung der Geschichte des Templerordens, mit Schwerpunkt auf dessen Verfolgung und Aufl√∂sung zu Anfang des 14. Jahrhunderts.
  • Barbara Frale: La storia dei Templari e l‚Äôapporto delle nuove scoperte ‚Äď Auszug aus Barbara Frale: Il Papato e il processo ai Templari. L‚Äôinedita assoluzione di Chinon alla luce della diplomatica pontificia. Rom 2003, S. 9-48, ISBN 88-8334-098-1 (zu dem 2001 wiederentdeckten Dokument der von Clemens V. verf√ľgten Aufhebung der Exkommunizierung Molays in Chinon 1308)

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ a b Rudolf Hiestand: Kardinalbischof Matth√§us von Albano, das Konzil von Troyes und die Entstehung des Templerordens. In: Zeitschrift f√ľr Kirchengeschichte. Stuttgart 99.1988, S. 295-323. ISSN 0044-2925
  2. ‚ÜĎ J√ľrgen Sarnowsky: Die Templer, S. 57f.
  3. ‚ÜĎ Alain Demurger: Die Templer, S. 157.

Wikimedia Foundation.

Synonyme:

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Templerorden ‚ÄĒ Templerorden. Von jener Zeit an, wo Gottfried von Bouillon zuerst die Fahne des Kreuzes wallen lie√ü am heiligen Jordan, hefteten sich die Blicke von ganz Europa mit schw√§rmerischer Sehnsucht auf die ewig theuere Ruhest√§tte des g√∂ttlichen… ‚Ķ   Damen Conversations Lexikon

  • Templerorden ‚ÄĒ Arme Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel; Tempelritter; Tempelherren; Templer * * * TeŐ£mp|ler|or|den ‚Ć©m. 4; unz.‚Ć™ 1119 in Pal√§stina gegr√ľndeter geistl. Ritterorden zum Schutz des Heiligen Grabes gegen Ungl√§ubige [nach ihrem Wohnsitz,… ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Templerorden ‚ÄĒ TeŐ£mp|ler|or|den ‚Ć©m.; Gen.: s; Pl.: unz.‚Ć™ 1119 in Pal√§stina gegr√ľndeter geistl. Ritterorden zum Schutz des Heiligen Grabes gegen Ungl√§ubige [Etym.: nach ihrem Wohnsitz, dem Tempel Salomons, einem Palast, der angeblich auf der St√§tte dieses… ‚Ķ   Lexikalische Deutsches W√∂rterbuch

  • Templerorden ‚ÄĒ TeŐ£mp|ler|or|den, der; s (ein geistlicher Ritterorden des Mittelalters) ‚Ķ   Die deutsche Rechtschreibung

  • Abakus (Templerorden) ‚ÄĒ Abakus Templer Grabsteine aus Le Pallet, mit Abakus und Schwert ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Templerproze√ü ‚ÄĒ Die Templerprozesse sind eine Reihe von kirchlichen und weltlichen Gerichtsverfahren, die 1307 seitens der franz√∂sischen Krone initiiert wurden und 1312 mit der Aufl√∂sung des Templerordens durch p√§pstlichen Erlass endeten. Inhaltsverzeichnis 1… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Komturei Tempelhof ‚ÄĒ Verbreitung der Templer Niederlassungen in Europa um 1300. Die deutschen Kommenden sind nur von untergeordneter Bedeutung ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Arme Miliz Christi ‚ÄĒ Kreuz des Templerordens Der Templerorden (auch die Templer, Tempelritter oder Tempelherren genannt; ca. 1118 ca. 1312) war bei seiner Gr√ľndung um 1118 der erste geistliche Ritterorden, der in Folge des Ersten Kreuzzugs entstand. Sein voller Name… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Arme Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel ‚ÄĒ Kreuz des Templerordens Der Templerorden (auch die Templer, Tempelritter oder Tempelherren genannt; ca. 1118 ca. 1312) war bei seiner Gr√ľndung um 1118 der erste geistliche Ritterorden, der in Folge des Ersten Kreuzzugs entstand. Sein voller Name… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • De Molay ‚ÄĒ Jacques de Molay, auch Jacobus von Molay (* zwischen 1244 und 1250 in der Freigrafschaft Burgund (Franche Comt√©); ‚Ć 18. M√§rz 1314 in Paris) war der letzte Gro√ümeister des Templerordens. In seine Zeit als Gro√ümeister f√§llt die Zerschlagung des… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.